Inhaltsverzeichnis
»Jeder, der sich intensiv mit Astrologie beschäftigt, wird von ihr fasziniert sein. Mir ist sie eine wahre Herzensangelegenheit.«
Roswitha Broszath ist Astrologin, Heilpraktikerin, Homöopathin und heilkundliche Psychotherapeutin. Sie erstellt seit zwanzig Jahren die BRIGITTE-Horoskope, arbeitet u. a. für den MDR und führt seit 1983 ihre eigene Praxis in Berlin. Für sie ist die Astrologie deshalb so faszinierend, weil sie in beeindruckender Weise hilft, Muster, Konditionierungen und Prägungen zu erkennen. Talente, Fähigkeiten, Bestimmung, aber auch Ängste und Hemmungen können aufgedeckt werden. Ebenso lassen sich Krankheitsbereitschaften, Schwächen des Organismus und Allergien aufzeigen.
In diesem Buch stellt Roswitha Broszath die Stärken sowie Schwächen der zwölf Tierkreiszeichen zusammen und gibt Hilfestellung, um mit den Herausforderungen des Lebens fertig zu werden, vielleicht sogar daran zu wachsen.
Meinem Mann Dieter, der mir wirklich jeden gewünschten Raum für meine Arbeit und meine vielseitigen Interessen geduldig lässt. Und natürlich Major Tom, meinem zauberhaften kleinen West Highland White Terrier, der mein Schreiben begleitet und mich mit witzigen Kapriolen aufgeheitert und zugleich geerdet hat.
Wir verändern uns nicht, wir entfalten uns nur.
MAX FRISCH
Nichts ist so wichtig, wie sich aufgehoben zu fühlen in einem wohlwollenden, stimmigen Kosmos.
ALBERT EINSTEIN
Einleitung
Jeder, der sich intensiv mit Astrologie beschäftigt, wird von ihr fasziniert sein. Mir ist sie seit fast dreißig Jahren eine wahre Herzensangelegenheit. In meiner Praxis ist die psychologische Astrologie oder astrologische Psychotherapie, wie auch immer man es nennen will, die Grenzen sind fließend, eine unschätzbare Hilfe. Sie ist elementarer Anteil meiner täglichen therapeutischen Arbeit. Aber: Astrologie ist keine Naturwissenschaft, sondern eine Geisteswissenschaft. Die psychologisch ausgerichtete Astrologie ist eine wertvolle Symbolsprache, die insbesondere hilft, innere Prozesse zu klären, einen Zugang zu unterbewussten Persönlichkeitsfacetten und inneren Mustern zu finden. Die aber auch genau das ermöglicht, was alle mit transpersonaler Psychologie arbeitenden Therapeuten anstreben: sich aufgehoben zu fühlen in sich selbst, dem Umfeld und dem Kosmos.
Seit fünfundzwanzig Jahren arbeite ich in einer eigenen Praxis in Berlin. Ich bin Heilpraktikerin, heilkundliche Psychotherapeutin und Astrologin. Die wichtigsten Bausteine meiner therapeutischen Arbeit sind die psychologische und spirituelle Astrologie, Elemente von Psychodrama und prozessorientierter Psychologie, die Homöopathie und Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), die Irisdiagnose, Vega-Test (Elektroakupunktur, feinstoffliche Diagnose und Therapieform) und Bioresonanztherapie. Dies alles binde ich zusammen und kann daher sowohl bei Diagnose wie auch Therapie von ganz unterschiedlichen Warten aus auf den Menschen sehen und meine Arbeit dadurch selbst hinterfragen und überprüfen.
Durch die vielen Rückmeldungen meiner Patienten konnte ich eine Menge besonderer Erfahrungen sammeln. Die so gewonnenen Erkenntnisse weiterzugeben, ist auch ein Anliegen dieses Buches.
Mit die stärkste Faszination hat Astrologie für mich, weil sie in beeindruckender Weise hilft, zu werden, was man ist. Der besondere Vorzug der psychologischen Astrologie ist es, Muster, Konditionierungen, Prägungen aus pränataler und frühkindlicher Phase aufzudecken. Das Elternbild, das das Kind verinnerlicht hat, die inneren Eltern also, sind im Horoskop abzulesen. Die Talente, Fähigkeiten, die Bestimmung, die Berufung, aber auch Ängste, Hemmungen, werden in diesem sichtbar. Ebenso erscheinen Krankheitsbereitschaften, Schwächen des Organismus, Allergien und Unverträglichkeiten. Wobei es wirklich wichtig ist, bei dem Wort »Bereitschaft« zu bleiben. Denn es ist kein unausweichliches Schicksal, zum Beispiel an Zuckerkrankheit oder Rheuma zu erkranken. Es gibt keinen »Schicksalszwang« diesbezüglich. Im Übrigen ist es auch möglich, in alle Lebensbereiche selbst gestaltend einzugreifen. Lebenssicht, Lebensweise, Ernährung, Umgang mit den Selbstheilungskräften sind entscheidende Faktoren. Ebenso die Bereitwilligkeit, die Achtsamkeit, auf die Bedürfnisse des Körpers einzugehen. Das Horoskop zeigt auf wunderbare Weise aber auch die Stärken, Vorzüge und das Handwerkszeug, das der Kosmos mitgegeben hat, um mit Herausforderungen, Aufgaben und Prüfungen besser fertig zu werden, vielleicht sogar daran zu wachsen.
Um es klar zu sagen: Ich »glaube« nicht an Astrologie, sondern ich arbeite mit ihr zur Aufdeckung bestimmter Konflikte über die Symbolsprache der Planeten, Zeichen und Häuser. Natürlich ermöglichen diese astrologischen Betrachtungen auch eine bestimmte Analyse: In welchem Prozess befinde ich mich? Und wie kann ich meine Entwicklung begünstigen, den Prozess so gut wie möglich zur Entfaltung nutzen? Dieses Anliegen ist auch der Grund, warum mich die meisten Klienten aufsuchen. Vor jeder Besprechung kläre ich die Erwartungen, um zu verdeutlichen, dass Astrologie nicht Wahrsagen ist. Und um den Fokus zu bestimmen, den Anfangspunkt für das Gespräch, das ja dann anschließend automatisch eine Eigendynamik entwickelt, der man nur folgen muss. Für mich weiß ich, dass das astrologische Modell funktioniert, und ich habe erlebt, dass ich damit wertvolle, hilfreiche Sichtweisen eröffnen kann.
Wir wissen, dass sich die Sternbilder und Tierkreiszeichen nicht mehr decken. Aber: Wenn Planeten Symbole sind, und die Sonne in einem bestimmten Segment steht – zum Beispiel Widder – und dieses wiederum in einem speziellen Bezug zu anderen Planeten, bildet das eine Energiestruktur, ein Muster, das mir ganz bestimmte Informationen liefert. Diese Auswertung ist Teil der Horoskoperstellung über die spezifischen Daten Geburtstag, -stunde und -ort.
Häufig wird gegen die Astrologie der Einwand erhoben, dass wir den Klienten entmachten und ein fatalistisches Weltbild prägen: keineswegs. Die Astrologie nimmt keine Entscheidungen ab. Natürlich erwartet derjenige, der zu mir kommt, einen Rat. Eine erhellende Sichtweise und Einsichten von der Metaebene Astrologie werden ja auch mit Recht erwünscht. Perspektiven aufzuzeigen, gemeinsam Möglichkeiten und Strategien zu erarbeiten, das ist aber keine Überlagerung und auch keine Bevormundung oder Bestimmung. Ein Weltbild, bei dem alles vorherbestimmt zu sein scheint, das entspricht nicht meinem astrologischen Ansatz. Übrigens auch nicht folgende Denkweise, bei der ich, der Mensch, nun einmal vom Kosmos so konstruiert wurde und nichts mehr daran ändern kann. Die Sterne sind, nach meiner Sicht, nie das verursachende Prinzip. Sie sind für mich ein Erklärungsmodell, eine Sprache, die ich gelernt habe zu entziffern. Das bewirkende Prinzip, das dahintersteht, ist ein ganz anderes, nämlich immer das göttliche. Allerdings: Bestimmte schicksalhafte Einwirkungen und Ereignisse, Eckpunkte, die eine Art Rahmen bilden, gibt es meiner Meinung nach schon. Innerhalb dieses sehr weit gefassten Rahmens aber ist jeder Mensch Schöpfer und Gestalter seines eigenen Lebens und somit auch verantwortlich für sein Tun und Lassen, vor allem aber auch dafür, was er aus den ihm mitgegebenen Geschenken, den Anlagen, Talenten, Fähigkeiten, macht. Nichts jedoch ist so spannend wie der eigene Schöpfungsprozess.
In diesem Buch beschreibe ich die Tierkreiszeichen, bezogen auf ihre archetypische Prägung, die psychologischen Muster, die mitgebrachten Stärken und Schwächen. Die gesundheitlichen Bereitschaften einschließlich der Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Die beruflichen Möglichkeiten, die eventuelle Bestimmung und das Partnerschaftsmuster und -schema. Die Beziehungsfähigkeit ist im Horoskop ablesbar und kann natürlich in Kombination mit der des möglichen Partners verglichen werden. So sieht man Vorzüge, aber auch die wunden Punkte, die in jeder Partnerschaft vorkommen, ja sogar vorkommen müssen, weil wir nur über die Reibung am anderen wachsen.
Und da ich auch Heilpraktikerin bin, nenne ich typische homöopathische Mittel, die der Essenz des jeweiligen Tierkreiszeichens entsprechen.
Um die Symbolsprache der Astrologie gut verstehen zu können, ein Gefühl für Tierkreiszeichen und Planetenherrscher zu entwickeln, ist es ganz wichtig, ebenso in die Mythologie einzutauchen. »Götter des Wandels« hat sie einmal der englische Astrologe Howard Sasportas genannt. Das trifft es sehr gut. Und: Mythologie ist immer hochspannend, oft fast dramatisch, einem griechischen Drama gleich. Sehr aufschlussreich ist auch, wie stark unsere kosmischen Paten, ob Saturn oder Pluto, temperamentsmäßig doch inspirieren.
Für die Zeitschrift BRIGITTE arbeite ich seit über zwanzig Jahren. Ich genieße die gute Zusammenarbeit und freue mich über die vielen interessierten, positiven Rückmeldungen der Leserinnen und Leser.
In den BRIGITTE-Jahreshoroskopen und auch in den in jeder Ausgabe erscheinenden astrologischen Beiträgen beziehe ich mich überwiegend auf die großen Planeten wie Jupiter, Saturn, Uranus usw., weil Entwicklungsprozesse darüber sehr gut auszuarbeiten sind. Für kleine Feinheiten und die psychologische persönliche Beratung ist dann die Arbeit in meiner Praxis, ist das Gespräch mit dem Klienten nötig. Dieses Buch ist als Anregung gedacht, es soll Denkanstöße vermitteln. Ich möchte niemanden belehren, niemandem etwas aufdrücken, es ist nicht als Wertung gedacht und schon gar nicht abwertend gemeint. Und wer in die Tiefe gehen möchte, sollte sich ein persönliches Horoskop ausarbeiten lassen.
Einstimmung in die ganzheitliche Astrologie
Geschichte der Astrologie
Astrologie ist eine uralte Geisteswissenschaft. Seit es Aufzeichnungen gibt, Menschen zu bewusstem Denken und Reflektieren fähig waren, spielt die Astrologie eine Rolle. Um allen Streitgesprächen vorzubeugen: Am Anfang war die Astrologie, die Lehre von den Sternen. Sie ist älter als die Astronomie, die dann später aus der Himmelsbeobachtung der Sternenkundigen, der Astrologen, entstanden ist. Astronomie ist heute sozusagen die naturwissenschaftliche Schwester der Geisteswissenschaft Astrologie.
Ganz zu Beginn, in den Ursprüngen allen Seins, haben die Menschen aller Wahrscheinlichkeit nach den Blick zum Himmel gerichtet und versucht, ein Ordnungssystem zu entwickeln, um sich in den unendlichen Weiten ihrer zum Teil beängstigenden, aufregenden Welt zurechtzufinden. Anzunehmen ist auch, dass sie den Zusammenhang zwischen Sonne, Wärme, Wetter, Wachstum, Werden und Vergehen ergründen wollten. Vielleicht, um Naturkatastrophen besser vorhersagen zu können. Solche Urgewalten müssen Schrecken verbreitet haben, denn selbst wir, die meinen, fast alles beherrschen zu können, fühlen uns ihnen ausgeliefert.
Um Katastrophen abzuwenden, war die Astrologie möglicherweise ein Handwerkszeug, um den Willen der Götter zu erfragen, wobei Opfer und Rituale als unterstützende Maßnahmen eingesetzt wurden. Das aber setzte ein Wissen um die Absichten der Götter voraus. So, wie es eine große Ehrfurcht vor den Göttern gab, muss auch eine vor den Himmelsphänomenen existiert haben, den Sternen und Lichtern, die als Götter gesehen und verehrt wurden.
Im Mittleren Osten, in dem nach heutigen Erkenntnissen die Wiege der Astrologie stand, sind viele Keilschrifttafeln entdeckt worden, auf denen Planetenbewegungen und Finsternisse, die übrigens als Unglücksboten betrachtet wurden, aufgezeichnet sind. Mesopotamien, Babylon und Ägypten – in fast allen frühen Zivilisationen war die Astrologie gebräuchlich. Aber auch im Fernen Osten, ebenso bei den Mayas und Inkas wurden die damals bekannten Planeten – Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn – Göttern gleichgesetzt und ihre Bewegungen als Orakel (Omina) betrachtet. Sonne und Mond wurden nicht als Planeten bezeichnet, sie galten als Lichter. Das Walten der Götter, analog dazu der Lauf der Planeten, wurde schon in diesen Zeiten als Vorzeichen interpretiert.
Von der Kunst der Sternenkunde profitierten einst hauptsächlich die Herrschenden. Ihnen die Zukunft zu weissagen beziehungsweise die ihrer Länder, über die sie regierten, eventuell Unheil oder Kriege abzuwenden, das war das eigentliche Bestreben. So ist die erste überlieferte Sternenkunde die Mundan-Astrologie. Im Gegensatz zur Individual-Astrologie beschäftigt sie sich nicht mit dem Menschen, sondern mit weltlichen (mundanen) Ereignissen. Aus frühester Zeit sind Tafeln mit sehr gut lesbaren Staatshoroskopen erhalten geblieben – schöne Zeugen früher astrologischer Arbeit. Eine Zusammenballung von bestimmten Planeten am Himmel stand beispielsweise für eine Zusammenkunft mehrerer Herrscher, die sich entweder friedlich oder aber eher disharmonisch, gar feindlich auswirkte.
Schon immer war es Tradition, Orakel zu befragen. Flugformationen der Vögel, Eingeweideschauen bei Opfertieren, Bisse bestimmter Tiere, Träume, all diese Phänomene wurden als Vorzeichen gewertet. Sehr bekannt ist die Geschichte von Joseph aus dem Alten Testament. Er deutete die Träume des Pharao und prophezeite damals die sieben fetten und die sieben mageren Jahre anhand seiner Traumbilder.
Permanent weiterentwickelt wurde die Astrologie in Babylon und Assyrien. In dem Maße, wie Sternen- und Planetenphänomene beobachtet und aufgezeichnet wurden, das Wissen also zunahm, begann die Astrologie auch mehr mit Vorhersagen zu arbeiten. Im 17. Jahrhundert v. Chr. wurden bereits recht grobe Voraussagen getroffen, überlieferte archäologische Funde beweisen das. Eine wahre Entdeckung an archäologischen Raritäten und astrologischen Schätzen bargen die wiederentdeckten Bibliotheken von Niniveh, Nimrud und Aschur. Siebzig Tafeln mit astrologischen Voraussagen wurden hier gefunden, die assyrische Sammlung Enuma Anu Enlil in Keilschrift umfasst 7000 Omen, mit präzisen Aufzeichnungen von Mond, Sonne, Planeten und Fixsternen.
Die mathematische Astrologie, die einen in Graden aufgeteilten Tierkreis zugrunde legt, entstand erst später, wahrscheinlich um 400 v. Chr. Die Babylonier, die diese exakte Astrologie begründet haben sollen, waren sowohl ausgezeichnete Mathematiker wie auch exzellente Himmelsbeobachter. Es gibt aber auch Historiker, die diese astrologische Berechnung dem persischen Einfluss zuordnen.
Das erste überlieferte exakte Geburtshoroskop mit einem Aszendenten wurde im Jahr 22 v. Chr. berechnet. Die frühesten Planetenephemeriden stammen aus dem Jahr 308 v. Chr. Nach Ephemeriden – Tabellen mit den Planetenständen – arbeiten wir heute noch, nur sind sie nicht mehr in Steintafeln gemeißelt. Und den ersten Kalender verdanken wir wiederum den Babyloniern. Er war bereits so genau, dass Sonnen- und Mondfinsternisse errechnet wurden.
Der nächste Schritt, sich im Himmels- und Weltenraum zu orientieren und ein Ordnungssystem zu erschaffen, war dann der Tierkreis: Die 360 Grad des Himmels wurden in zwölf Segmente à 30 Grad aufgeteilt. Der Tierkreis ähnelt einem Band, das die Erde umkreist. Dieses nennt man Ekliptik. Es entspricht der vorgestellten Bahn, welche die Sonne um die Erde beschreiben muss, von der Erde aus gesehen jedenfalls. Die bedeutendsten Sternenkonstellationen in diesem Band sind die zwölf Tierkreiszeichen, von Widder bis Fische.
Der Tierkreis, auch Zodiak genannt (zôdia ist das griechische Wort für Lebewesen), liegt auf der scheinbaren Sonnenbahn, der Ekliptik. Die Tierkreiszeichen sind entgegen dem Uhrzeigersinn dort angeordnet. Sie erhielten ihre Namen von den zur Zeit der Namensgebung dahinterstehenden Sternbildern. Inzwischen stimmen, durch die Verschiebung, die sogenannte Präzession, die Tierkreiszeichen mit den Sternbildern nicht mehr überein. Konkret heißt das: Man ist beispielsweise nicht das Sternzeichen Stier, sondern die Sonne steht im Tierkreiszeichen Stier!
Die Verbindung zwischen Tierkreis und Sonnenbahn lässt sich gut über die Monatsfolge und die bei uns stattfindenden Jahreszeiten verdeutlichen. Jeden Monat wechselt die Sonne in ein anderes Tierkreiszeichen. Wir beginnen mit dem Frühlingspunkt, 0° Widder, der bei uns für Beginn, Aufbruch, Neuanfang steht, bei der Frühlings-Tagundnachtgleiche. An dem Punkt also, an dem die Sonne in jedem Jahr den Äquator von Süden nach Norden zu überqueren scheint. Der indische spirituelle Astrologe Ekkirala Krishnamacharya hat eine schöne Definition des Tierkreises, dieses anscheinend ewigen Streitpunkts, formuliert: »Gibt es keinen absoluten ersten Punkt? Hat der Kreis keinen Anfang, die Schöpfung keinen Beginn? Wenn wir einen bestimmten Punkt als Anfang festlegen, so wird er der Ausgangspunkt unseres Verstehens sein. Jeder Punkt ist in sich Anfang und Ende. Die zwei Tagundnachtgleichen, die zwei Sonnenwenden ergeben vier Anfänge im Jahr.« Und damit hätten wir 0° Widder, 0° Waage, 0° Krebs und 0° Steinbock. Das ist für mich ein extrem stimmiger Gedanke. Die Sonne nimmt bei ihrem Lauf durch den Tierkreis die Farbe und Stimmung der Zeitqualität, das Grundtemperament der einzelnen Tierkreiszeichen an. So sind Widder, in aufbruchsfreudiger, dynamischer Frühlingszeit geboren, zupackender als Steinböcke, die zurückhaltend, ernster, vorsichtiger sind, wie es der Natur der Jahreszeit (22.12.-20.1.) entspricht.
Nachdem die Berechnungsmethoden verfeinert und die Aussagen differenzierter wurden, war die Ausbreitung der Astrologie nicht mehr aufzuhalten. Wahrscheinlich ist dieses Wissen und die Bedeutung des Tierkreises über Alexandria nach Indien gelangt. Die Definition der vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft wird dem Land Persien zugeschrieben. Es war wohl auch für die Ausbreitung der Astrologie im römischen Imperium zuständig. In Rom war die Sternenkunde zum Beispiel sehr geschätzt. Aber auch schon damals gab es Spötter, etwa Julius Caesar, die gern das Gegenteil von dem machten, was Astrologen empfahlen. Anhänger dagegen wie der römische Feldherr Marcus Antonius sollen einem ägyptischen Astrologen vertraut haben.
Die islamische Astrologie wiederum entsprang wohl griechischen, indischen und persischen Quellen. Ganz besonders der damals hochgebildeten arabischen und jüdischen Welt verdanken wir Astrologen viel. Ohne deren Überlieferungen wäre die Sternenkunde, der Reichtum dieses Wissens, untergegangen. Die erste astrologische Schule wurde hier von dem jüdischen Gelehrten Jacob Ben Tarik in Bagdad gegründet.
Durch das arabische Spanien, speziell Cordoba, und durch jüdische und islamische Astrologen kam die Astrologie nach Europa. Früher wurde sie sogar an Universitäten gelehrt. Der sogenannte Melanchthonzirkel, der sich um die Reformatoren Philipp Melanchthon und Martin Luther an der Wittenberger Universität gebildet hatte, beschäftigte sich stark damit. Die Wittenberger Universität war auf dem Gebiet der Astrologie zur Zeit der Reformation führend.
Grundsätzlich muss man heute zwischen westlicher und östlicher Astrologie unterscheiden. Wir im Westen arbeiten mit griechisch-römischen und ägyptischen Quellen. Die chinesische Astrologie etwa ist dagegen ganz anders aufgebaut, trotzdem aber in zwölf irdische Zeichen unterteilt. Sie wird der Kreis der Tiere genannt: Ratte, Ochse, Hase usw. Hier gibt es zwölf Jahrestypen, fünf Typen von Jahreszeiten, vierundzwanzig Doppelwochen und eine Tagesenergie. Die indische Astrologie wiederum arbeitet mit dem siderischen Tierkreis, ebenfalls basierend auf den Sternbildern und Fixsternen. Außerdem sind die achtundzwanzig Mondhäuser, die Nakshatras, ein elementarer Anteil der indischen Astrologie. Es gibt also nicht nur einen Sonnenkreis, sondern auch einen Mondtierkreis. Jedes Mondhaus steht dabei in Verbindung mit einer regierenden Gottheit.
Die indianische Astrologie, die mit einem sogenannten Medizinrad arbeitet, wird eigentlich Erdmedizin genannt. Hier fließt überliefertes Wissen der indianischen Ureinwohner, insbesondere der Schamanen, mit ein. Das Medizinrad ist wohl durch Vision entstanden und arbeitet mit den Hütern des Geistes, Tiertotems, Himmelsrichtungen und Seelenpfaden. Die Tiertotems entsprechen dem Mondlauf, so gibt es hier beispielsweise die Schneegans (22.12.-19.1.) Zugeordnet ist dem Zeichen Schneegans der Mond der Erderneuerung.
Astrologie in der Praxis
Astrologie ist durch die vielen Ausrichtungen sehr komplex. Ich selbst arbeite mit der westlichen, der psychologischen Astrologie. Um ein exaktes Horoskop (gleichbedeutend mit »Stundenschau«) zu erstellen, braucht ein Astrologe die genauen Angaben von Geburtstag, -stunde und -ort. Daraus ergibt sich dann der Aufbau des Horoskops mit den vier Eckpunkten, vor allem dem Aszendenten, dem Zeichen, das im Monat der Geburt im Osten aufgeht. Er entspricht der Anlage, die ins Leben mitgebracht wird, und ist auch der Brennpunkt der Seele.
Das Horoskop ist eine Art Mandala, vergleichbar dem Rad des Lebens, das aus dem Tarot – richtig besehen der Kabbala – bekannt ist. Da das Leben als ein dynamischer, fließender Prozess zu verstehen ist, so ist auch die Astrologie, das Horoskop, als solcher zu betrachten. Es gibt keine harten Brüche, keine rigiden Abschlüsse zwischen Energien, Daten und Tierkreiszeichen, sondern weiche, fließende Übergänge, ähnlich der Welle eines Meeres.
Die Einteilung des Himmels in zwölf gleich große Abschnitte ergibt die zwölf »Urprinzipien«, die durch die zwölf Tierkreiszeichen repräsentiert werden. Diese Tierkreiszeichen (und damit auch die Astrologie und das Horoskop) sind Ordnungssysteme, eine Hilfe, um sich im weiten und unbekannten Kosmos zurechtzufinden – und damit letztlich eine Unterstützung, sich zu orientieren im Mikrokosmos, in uns selbst.
Nebst den Tierkreiszeichen gibt es noch zwei weitere Deutungsinstrumente für die astrologische Arbeit: die Planeten, die auch als »Wandelsterne« bezeichnet werden, und die sogenannten Häuser, die das Horoskop noch einmal in zwölf Abschnitte teilen, die zwölf Häuser, auf die ich gleich eingehen werde.
Der Eintritt in das Leben ist im Horoskop – die grafische Umsetzung des Himmels in einem bestimmten Moment – beim oder am Aszendenten zu finden. Das Grundhoroskop wird als Radix bezeichnet, abgeleitet vom lateinischen Wort radix, das übersetzt »Wurzel« heißt, und der Aszendent ist die Spitze des 1. Hauses, der Beginn, die Eintrittspforte in das Leben. Der Aszendent steht auch für die Anlagen, die ins Leben mitgebracht werden, spirituell gesehen ist er jener oben genannte Brennpunkt der Seele. Die einzelnen Häuser, die Lebensfelder, bauen sich vom Aszendenten auf, der Spitze des 1. Hauses. Jedes Feld beinhaltet andere Möglichkeiten, Aufgaben und Prinzipien:
Das 1. Haus steht für das Ich, den Willen und die Durchsetzung. Es wird von Mars regiert und ist das Domizil vom Tierkreiszeichen Widder.
Das 2. Haus entspricht Venus, dem Tierkreiszeichen Stier. Der Bestand und der Besitz einer Person, das Sicherheitsbedürfnis sowie der Körper sind ihm zugeordnet.
Das 3. Haus wird von Merkur regiert; es ist Zwillinge-Heimat und entspricht dem Intellekt, der Selbstdarstellung, der Sprachbegabung, der Geschicklichkeit wie auch der Geschwister.
Das 4. Haus ist der Nadir, das Woher. In diesem Haus findet sich die Herkunft, die Ursprungsfamilie, die Tradition, der Vater sowie die Geborgenheit. Herrscher ist hier der Mond, es ist auch das Haus des Tierkreiszeichens Krebs, deswegen ist es hochemotional.
Das 5. Haus wird von der Sonne regiert und ist dem Tierkreiszeichen Löwe zugeordnet. Es steht für Selbstausdruck, Individualität, Kreativität, für das schöpferische und spielerische Prinzip und die Kinder.
Das 6. Haus, von Merkur beherrscht, ist der Jungfrau zugeordnet. Es ist das Haus der Methodik, der Gesundheit oder -erhaltung, der Anpassung.
Die Spitze des 7. Hauses ist der Deszendent, die Begegnung mit dem Du. Im 7. Haus, das Venus regiert und dem Waage-Prinzip zugeordnet wird, finden wir die Menschen, die wir als Spiegelung suchen und brauchen. Die Ergänzung, die Feinde und die Reflexion sind hier zu Hause.
Das 8. Haus steht unter Pluto, der Skorpion hat in diesem Haus sein Domizil. Zu finden sind hier das Stirb-und-Werde, Tod und Wiedergeburt, die Dominanz, ebenso die Konflikte; weiterhin die Bindung an die Begegnung, also die feste Beziehung.
Das 9. Haus untersteht Jupiter, Schütze residiert in diesem. Die Sinnsuche, die Religion, das Gottesbild und die Werte sind hier angesiedelt.
Die Spitze des 10. Hauses (der Zenit) steht für Bestimmung und Lebensziel. In diesem Haus ist der Beruf im Sinn von Berufung anzutreffen, ist die Stellung in der Gemeinschaft, das Image, aber auch die Mutter angezeigt.
Das 11. Haus bezieht sich auf Freundschaften, auf die Teamfähigkeit, die Gruppe, es verweist auf Sehnsüchte und Wünsche. Uranus und Wassermann sind im 11. Haus zu finden.
Das 12. Haus ist ein mystisches Reich und wird von Neptun regiert, es ist die Heimat der Fische. Die Suche nach dem spirituellen Gottesbild, der Rückzugspunkt der Seele und die Meditation, also alles, was jenseits des Realen liegt, ist im 12. Haus beheimatet.
Die einzelnen Häuser sind besetzt mit einzelnen Planeten, wie zum Beispiel der Sonne, dem Mond, Venus oder Uranus. Diese bilden Aspekte und verbinden sich darüber miteinander, harmonisch oder auch herausfordernd. Die Planeten übernehmen, je nachdem, in welchem Tierkreiszeichen sie stehen, den jeweils dahinterstehenden Spirit, die Energie, das Temperament. In jedem Haus sind sie mit einem anderen Thema, einer anderen Aufgabe beschäftigt. Dieses energetische Muster, auch wenn es immer wieder neu variiert und kombiniert wird, ergibt trotzdem klare Aussagen.
Persönliches Horoskop von Roswitha Broszath: Ein Horoskop ist die grafische Umsetzung der Planetenkonstellationen zu einem gegebenen Zeitpunkt (hier: 5.20 Uhr) an einem bestimmten Ort (Marburg an der Lahn).
In der westlichen Astrologie sind unterschiedliche Strömungen und Verzweigungen entstanden. Die Stundenastrologie zum Beispiel befasst sich mit der Analyse eines Ereignisses. Die Mundan-Astrologie, wie bereits gesagt, mit dem Geschehen auf staatlicher oder auch gesellschaftlicher Ebene. Die spirituelle und psychologische Astrologie wiederum mit der Konfliktaufdeckung, den psychologischen Informationen in einem Horoskop. Ich selbst habe mich neben dem psychologischen Aspekt insbesondere mit der medizinischen Astrologie beschäftigt.
Heilkundlich-astrologisches Vorgehen
Als Heilpraktikerin gehe ich von einer Einheit von Leib, Seele und Geist aus. Aus diesem Grund hat es mich besonders fasziniert, die wesentlichen Säulen meiner Arbeit, die Naturheilkunde, die heilkundliche Psychotherapie und die Astrologie, zusammenzubinden und daraus eine Synthese zu erarbeiten.
Die Astromedizin wertet die astrologischen Aussagen und Faktoren medizinisch aus. Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493-1541), der in Salzburg geborene berühmte Arzt und Heiler des Mittelalters, hat Arzneien so verabreicht, dass sie den bestehenden kosmischen Einflüssen entsprachen: Venus-Mittel (etwa Schafgarbe oder Minze) gab er zum Beispiel zur Venusstunde, oder wenn Venus harmonisch stand. Niemals jedoch verabreichte er ein Venus-Mittel, wenn dieser Planet gerade einen schwierigen Aspekt am Himmel bildete.
Astrologe und Arzt, das war früher fast immer ein und dieselbe Person. Von Paracelsus stammt der Ausspruch: »Wer ein richtiger Doktor sein will, der lerne, zu verstehen, welche Rezepte die Konjunktion der Kräuter und Sterne am Firmament zusammensetzt.«
Das Horoskop gibt wertvolle Hinweise, wie auch zum Beispiel die Irisdiagnose eine Hinweisdiagnose ist. Nie aber würde ich nur anhand des Horoskops, ohne die klassische Mittelsuche nach C. F. Samuel Hahnemann (1755-1843), dem Begründer der Homöopathie, ein homöopathisches Mittel wählen. Die Astrologie ist eine wertvolle Hilfe. Sie darf aber nicht zur ausschließlichen Sichtweise, nicht lebensbestimmend werden. Astrologie soll das Wissen, das Bewusstsein erweitern, nicht verengen!
Samuel Hahnemann prägte folgenden Satz: »Similia similibus curentur« – »Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt«. Er war ein von seiner Arbeit, seiner Mission Besessener, der sich aus Berufung der Heilkunst widmete. Nach Abschluss seines Studiums war er anerkannter Mediziner, was ihn jedoch nicht daran hinderte, unzufrieden mit seinen therapeutischen Möglichkeiten oder deren Ergebnissen zu sein. Also fing er an, Selbstversuche und Experimente zu wagen, die er in seinem Organon der Heilkunst festhielt, der heutigen »Bibel« für Homöopathen.
Das Prinzip der Ähnlichkeiten entdeckte er fast zufällig. Sein Schlüsselerlebnis war ein Selbstversuch mit Chinarinde, der ihm in den Sinn kam, als er ein medizinisches Buch des schottischen Pharmakologen William Cullen übersetzte und dabei auf dessen Abhandlung über das Wechselfieber (Malaria) stieß. Dieser empfahl, bei Wechselfieber ein Extrakt des immergrünen Baumes einzusetzen. Die Meinung von Cullen überzeugte Hahnemann nicht. Er entschloss sich, die These des Schotten zu überprüfen, besorgte sich Chinarinde und nahm sie ein paar Tage ein. Dabei stellte er fest, dass diese Substanz bei ihm, dem Gesunden, klassische Malariasymptome hervorrief. Er fragte sich: Sollte die Wirkung der Chinarinde gegen die Malaria also darauf beruhen, dass sie am Gesunden ähnliche Erscheinungen hervorruft wie das Wechselfieber am Kranken? Noch viele Jahre experimentierte er neugierig weiter – und das Wirkungsprinzip der Homöopathie war schließlich gefunden.
Klassische Homöopathen sind häufig überzeugte Verfechter der sogenannten reinen Lehre. »Mach’s nach, aber mach’s genau nach«, ist hier das Credo. Ein bisschen dogmatisch ist das schon. Sie schätzen es nicht, wenn zusätzlich andere Wege der Heilung beschritten werden. Klar ist aber auch: Es geht nicht wirklich gut, wenn zusätzliche andere Homöopathika oder Heilverfahren angewendet werden, da sie Wechselwirkungen, Antidotierungen, Verstärkungen, Irrungen und Wirrungen hervorrufen können.
Hochpotenzen – die Homöopathie arbeitet mit der Potenzierung einer Arznei – lassen das Geistartige wirken und können tiefe, länger andauernde Prozesse auslösen, verbunden mit anhaltenden Erstverschlimmerungen. Aus diesem Grund sollten sie nicht in eigener Regie genommen werden. Allerdings glaube ich nicht, dass Hochpotenzen in das Karma eingreifen. So simpel lassen sich meiner Meinung nach göttliche (kosmische) Prozesse nicht übertölpeln.
Wer also in homöopathischer Behandlung ist, sollte möglichst die heilenden Maßnahmen mit seinem Homöopathen absprechen. Kein Kaffee, keine Cola, das ist immer Pflicht. Ebenso stören ätherische Öle die Behandlung, manchmal auch Essig oder Alkohol – wobei Letzterer die Lebenskräfte ohnehin nicht stärkt. Und um eine Stärkung der vitalen Lebensenergien geht es grundsätzlich bei einer Heilung.
Sich von einem Therapeuten behandeln zu lassen, ist deswegen mehr als angeraten, weil es völlig unmöglich ist, sein eigenes Konstitutionsmittel zu finden, also jenes unverwechselbare, zu allen Merkmalen der Persönlichkeit und der Symptome passende Mittel. Eine Eigenbehandlung würde ich selbst nie vornehmen, immer lasse ich mich in Krankheitssituationen von einem guten Homöopathen behandeln.
Und für diejenigen, die mit der Homöopathie schon etwas vertraut sind, gilt ebenfalls: Der Blick auf sich selbst ist getrübt. »Ich soll die überehrgeizige Arsen sein? Die eifersüchtige, besitzergreifende Lachesis? Die arrogante Platin?« Ein Aufschrei des Entsetzens schallt einem von denen entgegen, die die jeweiligen Arzneimittelbilder der Homöopathie schon mal gelesen haben.
Bei diesen, die durch Arzneimittelprüfungen entstanden und von verschiedenen Homöopathen wie Hahnemann, dem griechischen alternativen Nobelpreisträger Georgos Vithoulkas oder dem Amerikaner Roger Morrison aufgezeichnet wurden, wird der Krankheitszustand beschrieben, der Schatten, der aber, auch wenn es manchmal so klingt, keine Charakterbeschreibung darstellt – und erst recht keine Wertung.
Eine weitere alternative Heilungsmöglichkeit sind die Schüßler-Salze. Sie sind von dem Arzt Wilhelm Heinrich Schüßler (1821- 1898) entwickelt worden, stammen aus der Homöopathie, haben aber letztlich einen ganz anderen Ansatz. Die Schüßler-Salze, eine Behandlungsform mit den sogenannten Lebenssalzen, ist einerseits eine Art Reiztherapie, andererseits aber füllt und gleicht sie Mangelerscheinungen im Mineralstoffgeschehen des Körpers aus. Ich selbst sehe jede Therapie mehr als Reiz, so auch diese. Dabei halte ich mich an die alte Weisheit: »Schwache Reize heizen die Vitalität an, starke erschlagen sie.«
Einige Therapeuten geben bei dieser Behandlungsform hohe Dosen (zum Beispiel 3 × 5 Tabletten täglich), andere weitaus niedrigere. Diese biochemisch hergestellten Tabletten auf Milchzuckerbasis verträgt aber nicht jeder. Bei einer Dosis von 3 × 5 Tabletten pro Tag kann Durchfall und eine nachfolgende Dysbiose des Darms (fehlerhafte Zusammensetzung der Bakterienflora) auftreten. Bei der Behandlung mit Schüßler-Salzen entschlüsselt der Therapeut anhand von Zeichen, beispielsweise bei der Antlitzdiagnose – bei der Hautschattierungen, Rötungen, Falten und Flecken bestimmte Mittelgaben signalisieren -, Mangelzustände. Doch die Sprache des Körpers zu verstehen, das ist nicht immer so einfach. Es ist wie bei der Homöopathie: Es ist kaum möglich, sich selbst richtig einzuschätzen. Bei niedrigem Fieber Schüßler Ferrum phosphoricum D6 zu geben oder bei Schnupfen Schüßler Natrium chloratum D6, das ist sicher kein Fehler. Aber schon bei der Antlitzdiagnose ist ein objektiver Blick von außen gefordert.
Von einer Selbstbehandlung ist also grundsätzlich abzuraten. Keiner kann seinen eigenen Befindlichkeitszustand objektiv einschätzen.
Viele frühere Kulturen haben eine Heilung mit Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) mit Erfolg praktiziert, sie gehört zu den ältesten medizinischen und naturheilkundlichen Basistherapien. Dabei werden ganze Pflanzen verwendet oder deren Einzelteile (Blüten, Blätter, Wurzeln), und zwar entweder frisch, als Teeauszug oder als Gewürz; phytotherapeutische Heilmittel gibt es weiterhin als Tinkturen, Tropfen, in Tabletten- oder Drageeform.
Die Natur heilt, das ist schon immer so gewesen. Eine alte Weisheit, die mich besonders anspricht, lautet: »Sol herbis sanat« – »Die Sonne heilt durch die Pflanzen«. Paracelsus, von dem wir Therapeuten einen wahren Schatz an Wissen überliefert bekommen haben, sagte einst: »Alle Erkenntnis der Welt, die wir auf Erden besitzen, stammt aus dem Lichte der Natur. Dieses Licht reicht vom Sichtbaren zum Unsichtbaren und ist hier so wunderbar wie dort.« Paracelsus war sowohl Arzt wie auch Philosoph und Mystiker, er wusste um den »Spirit« der Pflanzen.
Das Geistartige der Arzneien mit der Energie des Kosmos zu verbinden – Paracelsus war überzeugt davon, dass kosmisches Geschehen und Gesundheit einen Zusammenhang haben. Deswegen bezog er Transite, das heißt die Mondphasen, Planetenstände und -einflüsse, in seine Therapie ein.
Durch Paracelsus wurde auch eine Menge über die enorme Bedeutung der Abwehr und der Selbstheilungskräfte, den »inneren Arzt«, bekannt. Denn unleugbare Tatsache ist: Niemals heilt der Therapeut, er gibt nur den Heilungsimpuls! Der Mensch heilt sich durch seine Selbstheilungskräfte.
Bach-Blüten, die hauptsächlich sanfte Impulse zur Harmonisierung geben, sind immer hilfreich, wenn sanfte Impulse angeraten sind, außerdem eignen sich diese zur Eigenbehandlung. Die Idee zu dieser Therapie entwickelte Dr. Edward Bach, inspiriert durch keltisch-druidisches Wissen. Die Druiden, die wohl eine kultische und geistige Elite in den keltischen Gesellschaften darstellten, heilten, indem sie die kraftvolle Schwingung der Pflanzen und Bäume auf Menschen übertrugen. Bach, der englische Arzt, hat diese Heilmethode wiederentdeckt und weiterentwickelt. In den Essenzen der Bach-Blüten sind das Geistartige, das Wesen der Pflanzen, die Sonne, der planetarische Einfluss und die Information des Wassers eingefangen. Sie gibt es übrigens in Apotheken zu kaufen, wie auch Schüßler-Salze und homöopathische Mittel.
Grundsätzlich aber gilt für den heilkundlichen Aspekt in diesem Buch: Alle Selbstbehandlung hat Grenzen! Diagnostische Abklärung sollte immer oberstes Gebot sein, der verantwortliche Umgang mit dem eigenen Körper, der eigenen Seele ebenso. Welche Therapieform gewählt wird, ob Allopathie, Schulmedizin, Homöopathie, andere holistische Heilweisen, die Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen. Das ist in manchen Fällen hart. Ein Patient, der einerseits gedrängt wird, eine Chemotherapie vornehmen zu lassen, andererseits den Rat bekommt, einen alternativen Weg, beispielsweise die anthroposophische Misteltherapie, zu wählen, wird innerlich manchmal extrem in Druck und Not kommen.
Meiner Meinung nach spricht nichts dagegen, beide Sichtweisen – also die klassische Schulmedizin und die alternative Heilkunde – miteinander zu verbinden, etwa erst eine Operation oder eine Chemotherapie vornehmen zu lassen, dann die Abwehrkräfte mit der Misteltherapie aufzubauen. Ich versichere meinem Klienten, dass ich ihn mit allem, was mir zur Verfügung steht, unterstütze, und zwar auf jedem Weg, den er wählt. Wichtigstes Bestreben ist dabei, die Kraft des inneren Heilers zu aktivieren. Und aufgrund der drei Säulen meiner Arbeit – Homöopathie, heilkundliche Psychotherapie und Astrologie – verweise ich in diesem Buch auch auf weitere Therapien, die dem jeweiligen Tierkreiszeichen guttun.
Bei meiner Arbeit vergesse ich auch nie die Ernährung, sie ist ein elementarer Aspekt, um gesund zu bleiben. In der Chinesischen Medizin heißt es: Der Koch ist der Arzt. Ich habe dabei eine spannende Erfahrung machen dürfen: Menschen, die in einem früheren Leben aus religiösen und ethnischen Gründen bestimmte Nahrungsmittel nicht essen durften, reagieren in diesem Leben auf diese Nahrung mit Unverträglichkeiten. Liegen zum Beispiel die karmisch dominanten Wurzeln in der jüdischen Tradition, ist alles, was nicht koscher ist, unverträglich. Diese Sichtweise zuzulassen, setzt natürlich die Akzeptanz der Reinkarnationslehre voraus. Für mich, wie für viele Astrologen, ist das ein selbstverständliches Wissen. Die spirituelle Astrologie, mit der ich auch arbeite, verbindet sich speziell mit der Weisheit des Himmels, auch die Veden und die uralten Geheimlehren, wie etwa die Botschaften des tibetischen Meister K., fließen darin ein. Der indische spirituelle Astrologe Ekkirala Krishnamacharya hat so schön gesagt: »Wir wissen nicht, woher wir kommen, und werden nicht sehen, wohin wir gehen.« Dass wir aber immer auf der Reise, auf der Durchreise sind, die Seele unsterblich ist, das glaube ich aus tiefstem Herzen. Um allen Missverständnissen vorzubeugen: Astrologie ist weder Religion noch Glaubenslehre. Ich bin Christin! Ich bin aber auch sehr dankbar, den Reichtum, der in allen alten Religionen verborgen ist, entdeckt zu haben.
Steinbock 22. Dezember – 20. Januar
Mythologie und Astrologie des Steinbocks
Der Steinbock ist im Tierkreis das zehnte Zeichen, und damit ein Kardinalzeichen. Bei 0 ° Steinbock findet die Wintersonnenwende statt, entsprechend ist der Winteranfang jahreszeitlich dem Steinbock zugeordnet, es ist die Zeit der inneren Einkehr, des Rückzugs, und in der Natur werden jetzt Kräfte für einen verheißungsvollen Neuanfang gesammelt. Diese besondere Thematik entspricht Saturn, dem dazugehörigen Planetenherrscher, im Griechischen wird er als Kronos bezeichnet. Er ist der Herr der Gezeiten, zugleich ist er Lehrer, Mahner, Weiser, Herr von Karma (das kosmische Prinzip von Ursache und Wirkung) und Dharma (Sinn, Orientierung und Bestimmung), der Verantwortlichkeit schon deswegen einfordert, weil er verdeutlicht, dass jedes Tun Konsequenzen hat. Saturn steht für das Prinzip von Ursache und Wirkung. Seine Botschaft ist: carpe diem – nutze den Tag, die auch sehr lustvoll verstanden werden kann. Schließlich waren die Saturnalien, ein altrömisches Fest, eine äußerst vergnügliche Angelegenheit. Interessanterweise waren an diesem Feiertag die Standesunterschiede aufgehoben.
In der römischen Mythologie ist Saturn zudem der Gott der Aussaat und Fruchtbarkeit. Die andere Seite Saturns ist die des Hüters der Schwelle. Er repräsentiert Gesetz und Ordnung, das Recht, aber auch das Staatwesen. In der Gestalt Moses, der im Besitz der Gesetzestafeln war, begegnet uns Saturn ebenfalls.
Mythologisch betrachtet, ist Saturn eine äußerst vielfältige und interessante Gestalt. Am bekanntesten ist sicher die griechische, also die antike Version – eine schrecklich-schaurige Geschichte, die viel mit der Düsternis, die Saturn im astrologisch-psychologischen Verständnis umweht, zu tun hat. Sie zu kennen, das bedeutet, den ganzen Reichtum, die verborgenen Botschaften der Mythen und Märchen auszuschöpfen: Kronos/Saturn ist in dieser Variante ein Titan. Seine Mutter Gaia, die Erdgöttin, beauftragt ihn, seinen Vater Uranos zu entmannen. Nach dieser Tat übernimmt Saturn die alleinige Herrschaft in der Götter-, aber auch auf der irdischen Welt. Die Weissagung, dass seine Nachkommen ihn ihrerseits wieder vom Thron stürzen werden, bringt ihn dazu, die eigenen Kinder zu verschlingen – bis auf Zeus. Sofort aber tritt das Gesetz von Ursache und Wirkung in Kraft: Saturn muss auf Befehl seines Sohnes die verschlungenen Kinder wieder ausspucken, anschließend wird er in den Tartaros verbannt. Aber auch im Exil, in diesem Teil der griechischen Unterwelt, bleiben seine Autorität, seine Würde wie auch sein Respekt unangetastet. Geläutert von seinen sehr menschlichen Verfehlungen, Leidenschaften und Antrieben, wird er Lehrer, Ratgeber sowie der Herrscher über die Zeit. Viele Facetten sind in diesem Mythos enthalten, die in der Betrachtung der Steinbock-Attribute wieder auftauchen.
In älteren Geschichten aus Babylonien wie auch aus Ägypten wird das Tierkreiszeichen Steinbock als Ziegenfisch dargestellt, ein Doppelwesen aus einem Fischtorso mit dem Kopf einer Ziege. Aus diesem Grund ist die ursprüngliche Bezeichnung für das Tierkreiszeichen eigentlich Ziegenfisch. Selbst wenn man das für die Namensgebung der Tierkreisgrade zuständige, also dahinterstehende Sternbild betrachtet, wird die Symbolik, der Sinn dieses Tierkreisbildes, nicht ganz klar. Die Definition, dass Steinböcke sowohl wie ein Fisch in die tiefsten Wasser der Erkenntnis abtauchen wie auch die höchsten Höhen der Herausforderungen bewältigen können, ist jedenfalls absolut zutreffend.
In der Mythologie begegnet uns das Ziegensymbol in der Figur des bocksfüßigen Gottes Pan, klassisch wird er dem Zeichen Steinbock zugeordnet. In den Veden, den heiligen Schriften im Hinduismus, ist Saturn der Sohn der Sonne und seiner Schattenfrau. Die Verbindung von Licht und Schatten hat dabei eine tiefe Bedeutung. Wer unter Saturn-Herrschaft ins Leben tritt, besitzt viel Macht und muss bewusst die Entscheidung treffen, wohin er sich wenden will. Eine Verbindung zu Yama, dem Gott des Wandels und des Todes, hat Saturn in der buddhistischen Mythologie. Und in der chinesischen repräsentiert Saturn das Erdhafte, ja die Erde selbst. Die Auseinandersetzung mit dem Schicksal als Reifeprozess ist hier das beherrschende Grundthema.
Jahwe, der eher strenge, strafende Gott im Alten Testament, weist viele Züge von Saturn auf. In der weiteren christlichen Tradition wird Saturn als Symbol der Reflexion über das eigene Leben gesetzt. Buß- und Bettag, Totensonntag, Allerheiligen, Allerseelen – das sind Tage, die die Endlichkeit des irdischen Seins ins Bewusstsein bringen. »Was du säst, das erntest du« – diese Weisheit präsentiert Saturn, der in sämtlichen Traditionen immer wieder als Weiser dargestellt wird. Ob er nun, wie in Mesopotamien, als Stern des Helios (Stern der Sonne) großen Einfluss auf das Planeten- und Erdengeschehen ausübte oder wie in der indischen Mythologie als Shani die kosmischen Wahrheiten verwaltete oder im Buddhistischen dazu aufrief, den Tod als Aspekt des Lebens anzuerkennen – die übergeordnete Botschaft ist überall die gleiche: »Erfülle deine Lebensaufgabe.«
Die Fähigkeiten von Saturn: Disziplin, Pflichtgefühl und ein überlegter Umgang mit den Ressourcen. Seine Beschränkung: Er verwöhnt nicht gerade, arbeitet auch schon mal mit Hindernissen, Prüfungen oder Verzögerungen. Den Gesetzen des Kosmos und der Erde in gleicher Weise gerecht zu werden, hat höchste Saturn-Priorität. Schließlich ist er der Brückenbauer zwischen der materiellen und der spirituellen Welt.
Spirituell gesehen steht Steinbock-Saturn für das Tor der Einweihung. Eine kosmische Beförderung ist – lapidar gesagt – möglich. Große Persönlichkeiten – etwa der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King – standen oder stehen unter Saturn-Einfluss. Eine Verfeinerung des Bewusstseins, gepaart mit hoher Kompetenz und Verantwortung, sind mit Saturn unauslöschlich verbunden. Das muss keine trockene Angelegenheit sein. Allein die legendäre Rede »I have a dream« von King zeigt die visionäre Strahlkraft, die Saturn entwickeln kann.
Saturn ist auch Brennpunkt für die Integration von Seele und Persönlichkeit. Viel wird dadurch über die wahre Bestimmung und Berufung in diesem Leben ausgesagt. Der Hüter der Gesetze, der Zeit sowie des Karma und Dharma hat ein helles und ein dunkles Gesicht. So heißt es: »Achte darauf, in welche Antlitzseite du schaust.« Saturn ist aber kein Übeltäter, so wie er gern in der Trivialastrologie dargestellt wird. Aus Stroh Gold machen – im Rumpelstilzchen-Märchen begegnet uns diese Metapher -, Saturn hat die Fähigkeiten dazu.
Psychologisch-archetypisches Profil
Steinbock-Geborene laufen nicht leichtfüßig durchs Leben. Wer durch das Tor des Steinbocks ins Irdische eintritt, ist für besondere Aufgaben gerüstet. Verantwortung, Pflichtgefühl, ein Sinn für Ordnung, Normen und Gesetze – all das bringt dieser Mensch bereits archetypisch mit. Aber: Die Sonne tritt bekanntlich mit der Wintersonnenwende ins Zeichen Steinbock ein. Damit verbindet sich auch das »Prinzip Hoffnung«, die Geburt von Jesus Christus, ein frohes Ereignis von ganz besonderer Dimension. »Euch ist heute der Heiland geboren« – diese Botschaft fällt ins Steinbock-Zeichen.
Schon unsere Urahnen feierten ausgelassene Feste, die sogenannten Sonnenwendfeiern; sie wussten, dass die Tage danach wieder länger werden. Wie sehr sich früher die Dunkelheit aufs Gemüt der Menschen gelegt haben muss, können heute noch jene nachvollziehen, die unter einer Winter-, genauer gesagt unter einer Lichtentzugsdepression leiden. Und da gibt es, ich weiß es aus eigener Praxiserfahrung, eine Vielzahl von Betroffenen. Der Steinbock hat demzufolge, nach dem Prinzip der hermetischen Regel »Wie oben, so unten«, auch eine licht- und hoffnungsvolle Seite. Doch Ehrgeiz, Fleiß, das Bedürfnis, im persönlichen und sozialen Leben Verantwortung zu übernehmen, dominieren eindeutig.
Schon im Vorgeburtlichen ist bei Steinbock-Menschen oft eine gewisse Schwere im Familienleben wirksam. Vielleicht haben die Eltern gerade ein Haus gebaut oder eine neue Existenz gegründet. Sie müssen sparen, sich auf das Wesentliche konzentrieren, Ausdauer und Tatkraft entwickeln. »Schaffen wir es auch, unserem Kind optimale Startmöglichkeiten zu geben?« – diese Frage treibt Eltern vielfach um. Und gerade diese Mütter und Väter wollen alles richtig machen. Perfektionismus ist dann auch eine Eigenschaft, die schon dem kleinen Steinbock-Wesen sehr zu eigen ist.
Steinböcke übernehmen extrem früh Verantwortung. Sie versuchen, den Eltern wenig Mühe zu machen, sie so weit wie möglich zu entlasten. Nicht umsonst wirken diese Kinder oft wie kleine Erwachsene – und das Trainingsfeld eines jeden Menschen ist die Kindheit. Steinböcke haben oftmals die Vorstellung, dass Erkenntnis nur über Belastungen, Pflichten und Anforderungen wachsen kann. Deswegen scheint es manchmal so, als wenn sie diese förmlich suchen.