Inhaltsverzeichnis
Buch
Jeder kennt sie, jeder hat sie, jeder klagt darüber: Stress und Ärger gehören zum Alltag – im Beruf, in Beziehungen, sogar in der Freizeit. Die Erforschung von Stress hat eine Fülle von theoretischen Konzepten hervorgebracht, dabei liegt die Lösung auf der Hand: Nur wer die Ursache des Übels identifizieren kann, wird ihm auch etwas entgegensetzen können.
Kurt Tepperwein und Felix Aeschbacher zeigen, wie Ärger entsteht, wie man – besonders in unangenehmen Situationen – die Energie, die Stress üblicherweise verzehrt, in eine produktive und konstruktive Energie verkehren kann, und wie man eine sportliche Einstellung zu Ärgernissen gewinnt, mit der man sich und seiner Umwelt den Alltag angenehmer gestaltet. Zahlreiche Tipps und Tricks, rhetorische Kniffe und Handlungsanweisungen helfen, jeder ärgerlichen Situation Herr zu werden – und so zu einem gelasseneren und bewussteren Leben zu finden.
Autoren
Kurt Tepperwein, geboren 1932, lehrte als Dozent an verschiedenen internationalen Institutionen. 1997 wurde er für sein Lebenswerk mit dem »Ersten deutschen Esoterikpreis« ausgezeichnet. Die von ihm entwickelte Technik des Mental- und Intuitionstrainings ist heute für viele Menschen unverzichtbarer Bestandteil ihres Lebens. Wenn er sich nicht auf Vortragsreise befindet, lebt der Autor auf Teneriffa.
Felix Aeschbacher, Jahrgang 1951, befasst sich seit Anfang der Siebzigerjahre mit den geistigen Wissenschaften mit Fokus auf die geistigen Lösungen von Lebensaufgaben.
Außerdem von Kurt Tepperwein bei Mosaik bei Goldmann
Erfinde dich neu (16582)
Das Geldgeheimnis (16380)
Die Kunst mühelosen Lernens (10459)
EINLEITUNG
Gleichnis 1: Selbsterfahrung
Ein Hund und ein Affe treffen sich auf einem Schiff. Der Hund schlägt dem Affen ein neues Spiel vor: »Wir spielen Verstecken. Du stellst dich mit dem Gesicht zur Wand, zählst bis zehn und suchst mich dann.« Gesagt, getan. Bei neun gibt es einen großen Knall und das Schiff explodiert. Der Affe schwimmt im Meer und sieht auf einem im Wasser treibenden Balken den Hund sitzen. Er rettet sich zu ihm und sagt: »Blödes Spiel!«
Viele Menschen spielen Verstecken mit sich selbst. Wenn Sie finden, das Leben sei ein »blödes Spiel«, ist es höchste Zeit, dieses Buch zu lesen.
Der Mensch ist zum Leben geboren,
nicht zur Vorbereitung auf das Leben.
Darf ich mich vorstellen?
Ich bin Ihr Buch. Ich bin ein besonderes Buch. Ich wurde mit Liebe hergestellt. Eigentlich bin ich kein Buch »über« etwas, sondern ein Energiebuch. Gehen Sie deshalb achtsam mit mir um. Schlingen Sie mich nicht wie einen Hot Dog herunter, sonst haben Sie am Ende wahrscheinlich vergessen, was am Anfang stand.

Ich möchte Sie einladen, sich Energie aus mir zu holen. Seien Sie ein Feinschmecker, lassen Sie jeden Satz wie einen köstlichen Leckerbissen auf der Zunge zergehen. Dann biete ich Ihnen wahre Lebenshilfe. Die beste Wirkung wird erreicht, wenn Sie das Erkannte Schritt für Schritt in der Praxis ausprobieren, Erfolgserlebnisse sammeln und diese in einem »Erfolgstagebuch« eintragen. So können Sie immer auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken – nach dem Motto: »Ab heute habe ich eine wunderbare Vergangenheit vor mir.« Erkenntnisse sind die fruchtbarste Sorte von Erfolgserlebnissen. Sammeln Sie Erkenntnisse, denn: Wissen, das nicht gelebt wird, ist toter Ballast. Gelebte Erkenntnis ist das wahre Brot des Lebens.
Erfreuen Sie sich an mir und empfehlen Sie mich weiter. Ich freue mich auf Sie.
Ihr Buch
Ein Leben ohne Ärger – ist das möglich?
Es gibt wohl kaum einen Menschen, der keinen Ärger kennt. Zum Ärger zählt nicht nur der stille Ärger über jeden und alles. Jede Form der Frustration, Depression, Resignation oder auch Aggression hat ihren Ursprung im falschen Umgang mit Ärgernissen. Wir kennen Ärger als ein unangenehmes Gefühl, das belastet, uns aus dem seelischen Gleichgewicht bringt und sogar körperliches Unwohlsein bereitet. Gefühle des Glücks und inneren Friedens hingegen schenken uns Harmonie und körperliches Wohlbehagen.
Wer würde sich nicht gerne von allen Ärgernissen befreien, die das Leben erschweren? Sich nie mehr ärgern bedeutet nicht, scheinheilig durch das Leben zu schweben, sondern zu lernen, sich durch Ärger nicht mehr vergiften zu lassen. Wir können den Moment des Ärgers zum Anlass nehmen, ihn durch Erkenntnis so umzuwandeln, dass er ein für alle Mal aus unserem Leben verbannt wird. Es liegt an uns, ob wir Sklave unseres Ärgers oder sein Meister sein wollen. Jeder von uns ist fähig, seine Hilflosigkeit und Ohnmacht, die er in ärgerlichen Situationen empfindet, in Kreativität und Lebenskraft umzuwandeln und auf diese Weise sein Leben positiv, glücklich und erfolgreich zu gestalten.
Jeder, der die sieben Lektionen dieses Buches konsequent anwendet, gewinnt eine positive Einstellung zu den kleinen und großen Ärgernissen des Lebens, beseitigt den Ärger mit all seinen unproduktiven Begleiterscheinungen und gewinnt daraus Kraft und Energie für ein Leben ohne Ärger, für ein glückliches Leben. Wenn Sie das möchten, beginnen Sie jetzt mit Lektion eins, denn:
Auch eine Reise von tausend Meilen
beginnt mit dem ersten Schritt.
1. KAPITEL
Sich ärgern bietet keinen Vorteil
Woher kommt Ärger?
Ärger ist eine moderne Variante des »Kampf-Flucht-Syndroms«. Als Sofortmaßnahme der Natur reagiert jedes Lebewesen auf unliebsame Energien, indem es seinen Körper durch einen Adrenalinstoß in Kampf- oder Fluchtbereitschaft versetzt. Dieses Verhalten wird als Kampf- und-Flucht-Syndrom bezeichnet.
In der heutigen Zeit ist dieser Reflex jedoch überholt. Wenn Sie zulassen, dass in unserer reizüberfluteten Umwelt Ihr Körper ständig mit Kampf- oder Fluchtsymptomen reagiert, obwohl Sie weder mit Urzeitmenschen kämpfen noch fliehen müssen, zahlen Sie einen hohen Preis. Werden Aggressionen im Körper festgehalten, wenden sie sich gegen Sie selbst. Sie führen zu psychosomatischen Beschwerden, die in Form von Magenschmerzen, Magengeschwüren, Migräne, Verdauungsstörungen, Verspannungen bis hin zu Organsymptomen auftreten können.
Der Ärger führt zu Krankheit. Ärgern Sie sich dann über die Krankheit, ist die »Ärger-Spirale« perfekt: Der Ärger führt zu neuem Ärger, dieser wieder zu neuem Ärger und so weiter. Die Zeit ist reif für einen neuen Weg – weder Flucht noch Kampf ist die Lösung, sondern Bewusstheit!
Sich ärgern macht den Ärger
nur noch ärger.
Sich ärgern ist reine Energieverschwendung
»Mensch, ärgere Dich nicht!« So heißt sogar eines unserer bekanntesten Gesellschaftsspiele. Unser Ärger-Verhalten ist so individuell verschieden, wie jeder Mensch einmalig ist. Aber eines wissen wir alle: Ärger bietet keinen Vorteil! Im Gegenteil: Ärger macht den Ärger nur noch ärger.
Ein Vergleich aus dem Wirtschaftsleben soll das verdeutlichen: Stellen Sie sich vor, Sie wären Leiter eines Unternehmens und würden 30 Prozent der Arbeiter dafür bezahlen, dass sie den Unternehmensbetrieb stören, das Material verstecken, die Arbeiter von der Arbeit abhalten usw. Natürlich könnte dieses Unternehmen nicht wirtschaftlich arbeiten. Das Gleiche tun Sie Ihrem »Unternehmen« Körper an, wenn Sie sich ärgern: Ärger schadet der Gesundheit, stört den Schlaf, macht unbeliebt bei den Mitmenschen, verdirbt die Laune und kostet wertvolle Lebensenergie. Ärger macht den Ärger also nur noch ärger! Ist das nicht schon Grund genug, das Ärgern so schnell wie möglich zu »verlernen«?
»Wer sich ärgert,
bestraft sich für die Sünden
der Mitmenschen.«
Konrad Adenauer
Den Ärger zu meistern bedeutet,
mit Handlungsimpulsen souverän
und stimmig umzugehen.
Ich nutze Handlungsimpulse positiv
Manche Menschen sind der Meinung, dass Ärger gewisse Vorteile habe. Sie glauben, dass Ärger anstachelt, den Stein des Anstoßes aus dem Weg zu räumen. Um diese Fehlannahme aufzuklären, müssen wir lernen, zwischen einem Handlungsimpuls und einem Ärgernis zu unterscheiden. Handlungsimpulse sind vorübergehender Natur und dienen als Mittel zu der Erkenntnis, dass etwas zu tun ist. Handlungsimpulse sind die Energieschübe des Lebens. Erst wenn Sie mit Handlungsimpulsen falsch umgehen, entsteht Ärger. Sie ärgern sich, statt dem Handlungsimpuls zu folgen.
Erfolg haben bedeutet, mit Handlungsimpulsen richtig umzugehen. Das heißt, durch Handlungsimpulse zu erkennen, welche Schritte Sie unternehmen können, um zu Lebensfreude, Glück und Gesundheit zu gelangen. Es geht also nicht darum, Handlungsimpulse abzuschaffen, sondern als Katalysator für Ihre Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen.
Das Ärgern verlernen bedeutet somit nicht, Ärgernisse nicht mehr sehen zu wollen und den Kopf in den Sand zu stecken, sondern sich mit der Situation zu konfrontieren und sie zu meistern, ohne sich dabei schwarz- oder gar krankzuärgern. Also: Mensch, ärgere Dich nicht! Und wenn Sie sich doch einmal ärgern, dann ziehen Sie die Notbremse: Ärgern Sie sich wenigstens nicht darüber, dass Sie sich ärgern.
Beispiel 1: Sie stecken mitten im Verkehrsstau und ärgern sich, dass Sie zu einem wichtigen Termin zu spät kommen werden. Dadurch, dass Sie sich ärgern, löst sich der Stau nicht auf. Ganz im Gegenteil: Sie werden nervös und sind hinterher bei Ihrem Geschäftstermin schlecht gelaunt. Richtiges Verhalten: Sie machen sich bewusst, dass sich ärgern keinen Vorteil bietet, und nutzen im Stau die Möglichkeit, einige Entspannungsübungen zu machen. Dadurch kommen Sie viel ausgeruhter als sonst zu Ihrem Geschäftstermin.
»Nicht die Dinge an sich sind schlecht,
sondern nur, wie du darüber denkst.«
Epiktet
Ich schüttle ab, was mich beengt
Manche Menschen glauben, es wäre befreiend, sich einmal so richtig zu ärgern. Was diese Menschen wirklich meinen, ist Dampf ablassen, und Dampf ablassen kann in der Tat sehr befreiend sein. Aber vergessen Sie nie: Dampf ablassen hat nichts mit sich ärgern zu tun. Um Dampf ablassen zu können, müssen Sie sich vorher erst einmal geärgert haben.
In diesem Buch geht es darum, das Übel an der Wurzel zu packen, so dass der Ärger gar nicht erst entsteht. Natürlich sollten Sie Ärger nicht verdrängen. Genauso wie Sie Reibungen nicht aus dem Weg gehen sollten, denn ohne Reibung kein Wachstum. Es gibt zwei Ebenen: den Ärger und den Grund des Ärgers. Letzteren können wir mit einem klaren Kopf erkennen und beseitigen. Für den Umgang mit dem Ärger selbst gibt es allerdings noch keine Schule.
Was können Sie tun, wenn sich der Ärger bereits in Ihr Bewusstsein hineingefressen hat? Ein Tipp: Wenn sich Spannungen oder Ärger-Energien in Ihnen aufgestaut haben, wird es höchste Zeit, diese in Dynamik umzuwandeln, zum Beispiel in körperliche Bewegung. Ob Sie die Ärger-Energie zum Holzhacken verwenden oder für »Powerwalking«, ist egal. Stellen Sie dabei aber sicher, dass Sie eventuell angestaute Aggressionen nie gegen sich selbst oder andere richten.
Manchmal benötigen Sie allerdings einen Katalysator, damit sich der Energiestau in Bewegung setzt. Das kann beispielsweise die Egmond-Overtüre von Beethoven sein, die Sie am besten mit Kopfhörer auf voller Lautstärke während eines Spaziergangs hören. Oder Sie trinken ein Glas frisch gepressten Rettichsaft (mit Möhrensaft verdünnt) oder verzehren frische Radieschen. Rettich und Radieschen haben die Eigenschaft, die Gallenflüssigkeit in Gang zu setzen und damit auch die Ärger-Energien wieder ins Fließen zu bringen.
Sie können die Dynamik des Ärgers auch nutzen, um sich frei zu tanzen. Eine optimale Anti-Ärger-Methode bietet die Kundalini-Meditation 1) bzw. das Abschütteln von Spannungen zu afrikanischer Trommelmusik. Bewegen Sie sich dabei so frei wie möglich. Sie dürfen dabei auch stampfen und Urlaute von sich geben.
Natürlich können Sie zum Dampfablassen auch in den Keller gehen und einmal so richtig schreien, mit einem Handtuch auf ein Kissen schlagen, einen Punchingball mit Ihren Fäusten bearbeiten oder einen Teller gegen die Wand werfen. Wichtig ist, dass Sie Ihren Ärger nicht gegen einen anderen Menschen richten, denn es ist Ihr Ärger, der mit einem anderen Menschen erst einmal nichts zu tun hat.
Wenn Sie spontan schreien müssen, schreien Sie, aber wenden Sie sich dabei von dem anderen ab, und projizieren Sie nicht. Böse Worte, die Sie in Ihrer Wut von sich geben, Sticheleien, die den anderen verletzen, lassen sich nicht mehr zurücknehmen und hinterlassen Narben und Wunden. Drehen Sie sich stattdessen zur Zimmerecke, brüllen Sie dreimal laut »Sch…« statt Projektionen von sich zu geben. Ihr Partner wird dafür Verständnis haben und sich ebenfalls immer mehr trauen, seinen Dampf abzulassen, statt ihn herunterzuschlucken.
Wenn Sie unter heftiger unterdrückter Wut leiden, probieren Sie vielleicht die AUM-Meditation von Veeresh aus 2).
Allen Methoden gemein ist: Sie verdrängen den Ärger nicht, sondern wandeln ihn um wie eine Dampfmaschine. Der Dampfmaschine ist es egal, ob sie von schwarzem oder weißem Holz gespeist wird, sie verbrennt einfach die Energie und nutzt sie auf eine zweckdienliche Weise konstruktiv.
Probieren Sie ruhig alle Methoden aus, aber benutzen Sie sie mit Freude – Freude daran, Ihre eigene Energie zu spüren. Energie ist erst einmal wertneutral, solange Ihre Einstellung dazu positiv ist. Also: Warum nicht im geschlossenen Kämmerchen eine halbe Stunde lang zu afrikanischer Urwaldmusik den Körper ausschütteln... Steigern Sie sich dabei nicht in irgendwelche Gedanken hinein, sondern beobachten Sie einfach, was mit Ihnen passiert, während Sie mit Ihrer Energie spielen. Alles ist gut, so wie es ist.
Je bewusster Sie im Umgang mit Ärger werden, umso weniger werden Sie herumschreien oder den Ärger verdrängen müssen. Sie »surfen« immer souveräner mit den Energien Ihrer Umwelt und entwickeln eine immer liebevollere und bewusstere Einstellung zu sich und Ihrer Umgebung. Diese Bewusstheit ist ein Prozess, der dadurch entsteht, dass Sie sich erlauben, in jedem Augenblick so bewusst wie möglich Sie selbst zu sein.
Auch wenn Sie sich immer mehr von Ärger befreien, steht Ihre dynamische Energie natürlich weiterhin zu Ihrer Verfügung. Ihre Aufmerksamkeit aber wird sich mehr und mehr daran orientieren, diese kreativ zu nutzen – die Notwendigkeit zum »Dampfablassen« wird sich eines Tages vielleicht sogar ganz erübrigen. Dazu soll dieses Buch beitragen.
Schüttle ab deinen Ärger,
schüttle ab deine Sorgen,
lass alles los,
freu dich auf morgen.
Gleichnis 2: Alles ist gut, so wie es ist
Ein Kalif schickte jährlich seinen Großwesir zu einem Meister, damit er dort Weisheiten für das Staatsgeschäft lerne. Als der Großwesir wieder einmal von einem Meister zurückgekommen war, fragte ihn der Kalif: »Nun, sage mir, was hast du diesmal gelernt?« Der Großwesir antwortete: »Alles ist gut, so wie es ist.« »Nun gut«, entgegnete der Kalif, »und was hast du noch gelernt?« »Alles ist gut, so wie es ist!« Der Kalif war verärgert, für eine solche Sache so viel Geld ausgegeben zu haben, und rief den Barbier, um sich rasieren zu lassen. Der Barbier rasierte den Kalifen, und weil der Kalif noch so verärgert war, schnitt er ihn in die rechte Wange. »Nun«, rief der Kalif zum Großwesir, »ist das etwa auch gut, was da passiert ist?« »Alles ist gut, so wie es ist«, sagte der Großwesir.
Voller Zorn ließ der Kalif den Großwesir ins Gefängnis werfen und machte sich auf zu einem Jagdausflug. Er ritt immer weiter ins Land, bis er sich verirrte und in das Land der Menschenfresser kam. Diese ergriffen ihn und setzten ihn in einen Topf mit Wasser. Während sie das Feuer unter dem Topf schürten, sahen sie seine Schnittwunde, holten ihn heraus und jagten ihn mit Schimpf und Schande davon, denn Menschenfresser essen bekanntlich nur makelloses Fleisch. Zu Hause angekommen, ließ der Kalif seinen Großwesir sofort aus dem Gefängnis holen und bat ihn um Verzeihung.
»Du hattest recht«, sagte er, »es war gut, dass der Barbier mich geschnitten hat, sonst wäre ich jetzt nicht mehr am Leben. Aber dass ich dich ins Gefängnis geworfen habe, das war nicht gut, oder?« »Alles ist gut, so wie es ist«, sagte der Großwesir. »Mach mich nicht wahnsinnig«, antwortete der Kalif, »warum sagst du das schon wieder?« »Nun«, schmunzelte der Großwesir, »wenn du mich nicht ins Gefängnis geworfen hättest, wäre ich mit dir geritten, und mich hätten die Menschenfresser gefressen, denn ich bin makellos.«
»Gott erschuf die Welt und fand sie gut.
Nur der Mensch maßt sich an, sie nicht so zu finden.«
Erni Sandhaas
Werturteile und psychologisches Hinterfragen bieten keinen Vorteil
Solange Sie Dinge in »gut« und »schlecht« unterteilen, werden Sie damit konfrontiert, dass die Dinge nicht so sind, wie Sie sie gerne hätten. Urteilen Sie nie, denn: Urteilen (Ur-teilen = das Ursprüngliche teilen) ist reine Energieverschwendung. Urteilen bietet keinen Vorteil.
Das Urteilen hat inzwischen eine pervertierte Form angenommen: das psychologische Hinterfragen. Wer hat wann wie und warum an etwas schuld. Manche glauben, durch psychologisches Hinterfragen würde man Probleme besser verstehen. Die Wahrheit ist: Durch psychologisches Hinterfragen stoßen Sie an Probleme, die Sie sonst nie gehabt hätten. Psychologisches Hinterfragen führt Sie in den Dschungel der Vergangenheit, die Sie wie ein Moloch verschlingt.
Suchen Sie nicht nach irgendwelchen fadenscheinigen Begründungen, warum Sie sich ärgern, sondern: Akzeptieren Sie alles, was ist – jetzt!
Mal laufen die Dinge schneller als erwartet, mal langsamer. Mal geschieht eine unvorhergesehene Panne, mal bekommen Sie unerwarteten Rückenwind. Nehmen Sie die Dinge, wie sie kommen, aber tun Sie alles dafür, dass die Dinge so kommen, wie Sie sie nehmen möchten. Schauen Sie nach vorne (wenn Sie nach vorne wollen). Lassen Sie los, was gewesen ist, und tun Sie jetzt das Richtige. Statt psychologisch zu hinterfragen, fragen Sie sich lieber: Was erwartet das Leben von mir jetzt?
Beispiel 2: Das Essen brennt an, weil Ihre Kinder ständig beim Kochen stören. Wenn Sie jammern, wie schlimm das ist, und
Ihren Ärger möglicherweise an den Kindern auslassen, sind Sie am Ende des Tages frustriert. Lassen Sie stattdessen das angebrannte Essen einfach stehen und gönnen sich einen kleinen Spaziergang, um sich zu entspannen. Erhitzen Sie danach ein Fertiggericht aus der Tiefkühltruhe und trinken etwas Entspannendes auf den Vorfall.
Beispiel 3: Sie wollen morgens zur Arbeit fahren und sehen, dass Diebe die Reifen von Ihrem Auto abmontiert haben. Nun können Sie natürlich toben und sich den Tag vermiesen. Oder Sie rufen einen guten Freund (zur Not ein Taxi) an und lassen sich neue Reifen bringen.
Beispiel 4: Sie frieren im Novemberregen. Auch in dem Fall bringt Ihnen die psychologische Bewertung keinen Vorteil. Sobald Sie statt der psychologischen Bewertung eine Erkenntnis erlangen, zum Beispiel »Ich muss mich warm anziehen«, führt das unliebsame Gefühl zu etwas Positivem, einem positiven Tun, Dulden oder Unterlassen – in dem Fall zu einem positiven Tun.
In anderen scheinbar ärgerlichen Situationen ist es hilfreich, etwas zu dulden (z. B. wenn auf dem Marktplatz ein Schreihals laute Monologe hält) oder zu unterlassen (z. B. wenn Sie auf dem Parkplatz des Nachbarn geparkt haben und sich dadurch Ärger eingehandelt haben).
Gleichnis 3: Urteile nie!
Ein weiser Mann lebte in ärmlichen Verhältnissen auf dem Land. Aber er besaß ein wunderschönes weißes Pferd. Sogar Könige beneideten ihn um dieses Pferd und boten ihm viel Geld dafür. Doch der Mann verkaufte es nie. Eines Morgens fand er sein Pferd nicht im Stall.
Die Nachbarn versammelten sich und sagten: »Du dummer Mann. Wir haben immer gewusst, dass das Pferd eines Tages gestohlen wird. Es wäre besser gewesen, es zu verkaufen. Welch ein Unglück!« Der weise Mann sagte: »Geht nicht so weit, das zu sagen. Woher wollt ihr wissen, dass es ein Unglück ist? Alles, was ist, ist: Das Pferd ist nicht im Stall. So viel ist Tatsache. Alles andere ist Urteil. Ob es ein Unglück oder ein Segen ist, kann ich nicht sagen.«
Die Leute lachten den Mann aus. Sie hatten ihn schon immer für verrückt gehalten. Aber nach drei Wochen kehrte das Pferd zurück. Es war nicht gestohlen worden, sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte sogar weitere wilde Pferde mit.
Wieder versammelten sich die Leute und sagten: »Weiser Mann, du hattest recht, es hat sich tatsächlich als ein Segen erwiesen.« Der weise Mann entgegnete: »Wieder geht ihr zu weit. Alles, was ist, ist: Das Pferd ist zurück.«
Der weise Mann hatte einen einzigen Sohn. Dieser begann die Wildpferde zuzureiten. Nach einer Woche fiel er vom Pferd und zog sich eine Verletzung zu. Wieder versammelten sich die Leute, und wieder urteilten sie: »Du hattest recht, es war ein Unglück. Du musst jetzt deine Arbeit alleine machen.« Der weise Mann antwortete: »Ihr seid besessen vom Urteilen. Alles, was ist, ist: Mein Sohn hat sich eine Verletzung zugezogen. Niemand weiß, ob dies ein Unglück ist oder ein Segen.«
Bald darauf begann das Land einen großen Krieg. Alle jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum Frontdienst eingezogen. Nur der Sohn des weisen Mannes blieb zurück, weil er an seiner Verletzung litt. Der ganze Ort war von Wehgeschrei erfüllt, weil dieser Krieg nicht zu gewinnen war und man wusste, dass die meisten jungen Männer nicht nach Hause zurückkehren würden.
Wieder kamen die Leute zum weisen Mann und sagten: »Du hattest recht. Es war ein Segen.« Der weise Mann antwortete: »Ihr lest nur ein einziges Wort in einem ganzen Satz – wie könnt ihr das ganze Buch beurteilen? Das Leben kommt in Augenblicken, und mehr bekommt ihr nie zu sehen. Nur Gott, nur das Ganze weiß, ob es ein Unglück ist oder ein Segen.«
Urteile nie! 3)
Ich lasse das Resonanzgesetz für mich arbeiten
Im Gegensatz zum physikalischen Gesetz der magnetischen Anziehung (positiv geladene Gegenstände-Metallplatten, Magnete usw. – ziehen negativ geladene Gegenstände an und umgekehrt) kann man das sogenannte Resonanzgesetz (Resonanz, lat. re-sonare = zurückklingen) auf die geistige Ebene übertragen.
Wer eine positive Lebenseinstellung hat, begegnet positiven Leuten und Ereignissen, wer eine negative Lebenseinstellung hat, begegnet negativen Leuten und Ereignissen. Das bedeutet: Positives zieht Positives an, Negatives zieht Negatives an. Glück ist nicht Glückssache, sondern eine Frage der richtigen Geisteshaltung.
Der Verhaltensforscher Wolfgang Mewes hat diese Erkenntnis fortgeführt und daraus die kybernetischen Gesetze (von griech. kybernos = der Steuermann) entwickelt. Sie besagen, dass jede vorhandene Energie die Tendenz hat, sich zu verstärken. Im Klartext: Wer reich ist, hat gute Chancen, noch reicher zu werden. Wer arm ist, wird arm bleiben, wenn er nichts ändert. In der Bibel, Matthäus Kap.13, Vers 12, heißt es: »Wer da hat, dem wird gegeben, wer da aber nicht hat, dem wird das wenige auch noch genommen.«
Um vom Negativen zum Positiven zu kommen, müssen Sie in sich die Kraft finden, die Energien umzudrehen. Dazu brauchen Sie den Bezug zu einer Quelle, die größer ist als Sie selbst. Sie können diese Kraft Gott nennen, die Eine Kraft, das Höhere Selbst – wie auch immer. Zusammen mit dieser Einen Kraft, die Ihnen den Rücken stärkt, erlangen Sie die Verantwortung (= die »Antwort«) für Probleme, Seelenmüll und Ärger.
Wer sein Leben sauber führen will, beginnt mit einem geistigen Großreinemachen. Fangen Sie an, Ihren Ärger, Ihre Stimmungen, Ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. Übernehmen Sie Verantwortung für das, was immer passiert. Sagen Sie sich: »Okay, offenbar habe ich das selbst kreiert, sonst würde es ja nach dem Resonanzgesetz nicht in mein Leben treten. Ich nehme es an, gehe da durch und mache etwas Positives daraus!« Sobald Sie das erste Erfolgserlebnis haben, sind Sie aus dem »Gröbsten« heraus.
Sie können dieses Erfolgserlebnis nämlich »ankern«, indem Sie es sich immer wieder bewusst machen. Ein »geankertes« Erfolgserlebnis, das Sie sich, insbesondere in Krisenzeiten, immer wieder ins Bewusstsein rufen, zieht nach dem Gesetz der Resonanz das zweite Erfolgserlebnis an, dieses das dritte und so fort.
Die Energie des ersten Erfolgserlebnisses schiebt Sie wie die Triebfeder einer Spirale mit immer stärkerer Kraft nach vorne. Es ist, als würden Sie einen Wagen anschieben. Zuerst mit Mühe und Überwindung, später immer leichter, ziehen Sie Erfolge in dem von Ihnen fokussierten Bereich an, und Ärgernisse lösen sich mehr und mehr auf.
Zu Beginn dieses Kapitels haben Sie die Ärgerspirale kennengelernt. Sie können stattdessen auch die
Glückspirale in Gang setzen – es kommt nur auf Ihre Ausdauer und Beharrlichkeit an und auf Ihren Bezug zu einer Energie, die größer ist als die Probleme. Sie finden diesen Bezug in der Meditation und/oder im Gebet. Meditation und Gebet sind keine Übungen, um der Welt zu entfliehen oder sie nicht mehr fühlen zu müssen, sondern Kraftquellen, um das Leben zu meistern und in der Welt kraftvoll zu wirken. Beginnen Sie am besten heute, denn:
Heute ist der erste Tag
vom Rest Ihres Lebens.
Übung 1
1. Machen Sie eine Ärgerbilanz. Fragen Sie sich:
• Worüber bzw. wann ärgere ich mich?
• Wie reagiere ich auf Ärgernisse?
• Wie könnte ich stattdessen auch reagieren?