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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Buch
Kann man seine eigene Zunge verschlucken? Ist es möglich, sich zu Tode zu erschrecken? Warum ist Kot braun und stinkt, obwohl das Essen es nicht tut? Hilft ein Bad in Tomatensaft gegen den Gestank eines Stinktiers? Kann eine Kontaktlinse hinters Auge rutschen? Kriegt man von Schokolade wirklich Akne? Kann man wirklich platzen, wenn man zu viel isst?
Ist es vorstellbar, dass dies alles ernst gemeinte Fragen von real existierenden Personen sind, die auf einer Cocktailparty nach dem dritten Martini zufällig einem Mediziner begegnen? Eindeutig: »Ja!« Denn sonst wäre Notarzt Billy Goldberg nie auf die Idee für dieses Buch gekommen. Zusammen mit dem Satiriker Mark Leyner beantwortet Billy Goldberg die drängendsten Fragen rund um den menschlichen Körper und seine Gesundheit. Mit einer halben Million verkaufter Bücher wurde »Why do men have nipples« in den USA in wenigen Wochen zum beliebtesten Nachschlagewerk.

Autoren
Mark Leyner ist Autor zahlreicher humoristischer Bücher und Journalist, seine Artikel erscheinen regelmäßig in »The New Yorker«, »Time« und »GQ«. Darüber hinaus schreibt er Drehbücher für Filme und Fernsehshows.
 
Dr. med. Billy Goldberg ist Arzt in der Notaufnahme einer großen New Yorker Klinik. Den Satiriker Mark Leyner lernte er bei der Arbeit für eine TV-Arztserie kennen.

Dieses Buch ist all jenen ganz besonderen Doktoren gewidmet
, denen wir unsere Eingebungen verdanken:
Dr. Marcus Welby, Dr. Dre, Dr. Seuss, Dr. Cliff Huxtable,
Dr. J., Dr. Scholls, Dr. Phil, Dr. Pepper, Dr. Seltsam, Doc Baker,
Dr. Who, Dr. Doolittle, Dr. Johnny Fever, Doc Gooden,
Dr. Moreau, Dr. Jekyll, Dr. John Rooney, Dr. Kildare, Dr.
Hibbert, Dr. No, Dr. Schiwago, Dr. Ruth, Dr. Evil, Dr. Joyce
Brothers, Dr. Ben Casey, Doc Holiday, Dr. Doogie Howser
und Muhammad Alis Leibarzt Ferdie Pacheco

Vorwort
Billy Goldberg: Wie Mark Leyner und ich einander kennen gelernt haben und dazu gekommen sind, dieses heroische Werk Warum haben Männer Brustwarzen? gemeinsam anzugehen?
Es ist die lange, dunkle Geschichte einer quichotteschen Suche. Die Reise zweier Freunde, die das schier Unmögliche möglich zu machen suchen. Wir sind ein seltsames Paar. Ich bin Arzt in einer New Yorker Notaufnahme und Mark ist ein erfolgreicher Romancier und Drehbuchautor. Nicht eben das perfekte literarische Team, aber, unsere Wege haben sich gekreuzt, und der Rest ist Geschichte …
Es begann in einer kalten, hektischen Nacht in einer geschäftigen New Yorker Notaufnahme. Seit Jahren trug ich mich mit dem Gedanken an dieses Buch. Ich hatte Fragen zusammengetragen und Antworten dazu ersonnen, aber nie den Mumm gefunden, auch nur eine davon tatsächlich aufzuschreiben. Gerade war ich für die Fernsehserie Wonderland als medizinischer Berater verpflichtet worden. Dieses überaus kurzlebige Unterfangen zeichnete ein realitätsnahes Bild vom Alltag in einer psychiatrischen Notaufnahme und der psychiatrischen Abteilung eines Gefängnisses. Außerdem spielte eine Figur aus einer Krankenhausambulanz eine Rolle, und ich sollte die medizinische Realität einer Notfallambulanz in die Grundstory integrieren. Meine Aufgabe war es, den Drehbuchautoren unsere Chaoswelt nahe zu bringen. Die meisten Verfasser von Film- und Fernsehbüchern haben keine Ahnung von der Wirklichkeit der Krankenhausmedizin und stehen dem kontrolliert-chaotischen Gemetzel einer Notaufnahme und unserer Welt aus Wissenschaft und menschlichem Leid einigermaßen entsetzt gegenüber.
Einer der Produzenten hatte mir gesagt, mein Besucher in der kommenden Schicht sei Mark Leyner. Ich halte mich für relativ belesen, aber den Namen dieses dionysischen postmodernen Superhelden (Marks Worte) hatte ich noch nie gehört. Eine rasche Google-Suche ergab, dass er etliche Romane veröffentlicht hatte, darunter einen, mit dem Titel My Cousin, My Gastroenterologist. Außerdem fand ich heraus, dass er einen Pilotfilm für MTV geschrieben hatte, Titel Iggy Vile, MD. Ich war ratlos und hatte keine Vorstellung von dem, was mich da erwarten würde, fasziniert war ich trotzdem.
An jenem Abend stand ich am Bett eines Patienten und assistierte einem Oberarzt beim Legen einer Magensonde, als die Schwester mir mitteilte, das jemand mich sprechen wolle. Ich zog die Handschuhe aus, schob den Vorhang zurück, und vor mir stand Leyner. Nichts in meiner bisherigen medizinischen Laufbahn hätte mich auf den Charakter vorbereiten können, mit dem ich es da zu tun bekam. Er hatte den muskelbepackten Körper eines bulgarischen Gewichthebers und das weinerlich gekünstelte Gebahren eines halbwüchsigen Mädchens. Er redete ohne Punkt und Komma, ohne dabei irgendwen direkt anzusprechen, während er aus einer Papiertüte eine Hand voll Skittles nach der anderen in sich hineinstopfte. Mir wurde bald klar, dass Leyner anders war als die Fernsehautoren, die ich bis dahin getroffen hatte. Er war ein medizinischer Autodidakt mit einem frappierend umfangreichen enzyklopädischen Schatz an bizarrem medizinischem Wissen. Binnen fünf Minuten hatte Leyner mich mit der detaillierten Pharmakokinetik des Stechapfels, einem philippinischen Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden bei Kannibalen, den medizinischen Entdeckungsgeschichten von Hammerzeh und Nagelpilz, sowie der unerklärlichen Häufigkeit überzähliger Hoden in Wilkes Barre, Pennsylvania, erfreut.
Ich wusste, es würde eine spannende Nacht werden.
Während ich mit Leyner an der Seite meinen Rundgang machte, wurde der erste neue Patient dieser Nacht eingeliefert, es handelte sich um einen »EGP«, wie wir einen emotional gestörten Patienten nennen. Er war völlig außer sich, und ein Dutzend vierschrötiger New Yorker Sanitäter und Polizisten waren kaum in der Lage, ihn auf der Bahre zu halten. Mark und ich eilten hinüber, der Mann hatte die Augen weit aufgerissen und gestikulierte wild. In einer Mischung aus Spanisch und Englisch brüllte er: »Ich bin Superman, Du Hurensohn. Schaff mir Jimmy Olsen her. Ich bin schneller als ein Geschoss, stärker als eine Lokomotive.« Ich trat an die Liege und wollte Superman eine Infusion legen, um ihn wieder auf den Teppich zu bekommen. Schon fing er wieder an zu dröhnen: »Ich bin Superman, Gott verdammt noch mal, Eure Medikamente funktionieren bei mir nicht«. Leyner, der die Szene mit klinischer Distanz kühl verfolgt hatte, warf eine weitere Hand voll Skittles ein und machte dann zu jedermanns Verblüffung den unorthodoxen Vorschlag: »Gebt ihm Kryptonit.« Ich weiß, wenn man eine Geschichte oft erzählt, wird sie immer blumiger, aber ich erinnere mich wirklich genau daran, dass diese Worte und nur diese Worte den Patienten so weit beruhigten, dass wir ihm den Tropf anlegen und ihn unter Kontrolle bringen konnten.
Der Rest der Nacht war eine kuriose Mischung aus Bizarrem und Bewegendem, und ich beendete die Schicht mit dem Gefühl, dass dieser kleine Mann irgendwie einen tiefgreifenden Einfluss auf mein Leben haben würde.
 
Mark Leyner: Ungeachtet der Tatsache, dass ich einer langen Reihe von Anwälten entstamme – und in unserer Gesellschaft Anwälte und Ärzte einander nun einmal in etwa so freundlich gesonnen sind wie zwei verfeindete Kriegsparteien auf dem Balkan – haben mich medizinische Themen schon immer fasziniert. Während die meisten Jungen Sports Illustrated und Boy’s Life abonniert hatten, wartete ich ungeduldig darauf, dass mir der Postbote die Annals of Gastrointestinal Surgery und das Journal of the American Society of Investigative Pathology bringen würde. Die meisten Kinder bettelten bei den Eltern um einen Besuch in Disney World. Ich hingegen flehte meine Jahr für Jahr an, mit mir das Mütter Museum in Philadelphia zu besuchen, das die berühmteste Sammlung medizinischer Kuriositäten des Landes beherbergt, unter anderem ein Präparat von noch miteinander verbundenen Fünflingsfeten in Formaldehyd und die konservierten Überreste des größten Dickdarms der Welt. Ich hatte ernsthaft in Erwägung gezogen, Arzt zu werden, das heißt, bis ich an die Brandeis University kam. Dort sah ich die künftigen Ärzte Amerikas mit eigenen Augen. Ein Haufen jammernder, speichelleckender, skrupelloser, neurotischer Vorexamensstudenten. Meiner Faszination tat das jedoch keinen Abbruch – ja, sie wurde vielmehr zu meinem heimlichen Zweitleben und fand ihren vorläufigen Höhepunkt in meinem ersten Roman mit dem Titel My Cousin, My Gastroenterologist.
Ich nehme daher an, dass meine Versessenheit auf die penible Schilderung medizinischer Details in all meinen weiteren Büchern, sowie einer Filmvorlage mit dem Titel Iggy Vile, MD, die ich für MTV geschrieben hatte – und deren Titelfigur, ein Bier saufender, punkiger Chirurg mit Hang zum Football-Hooligan war -, den Anlass für Peter Berg lieferte, mich zu bitten, für die von ihm geschaffene dramatische Krankenhausserie Wonderland zu schreiben. Ich hatte gerade mit meiner ersten Wonderland-Folge begonnen, als Peter mich eines Abends anrief und mir von diesem Typ in der Notaufnahme vorschwärmte – diesem Typ namens Billy Goldberg. Ich hörte es mir mit einiger Skepsis an, erwartete eine etwas erwachsenere Ausgabe der Brandeis-Studenten, erklärte mich aber bereit, mich trotzdem mit ihm zu treffen. Es wurde eine phantastische Nacht. Billy war keineswegs der fade und gleichzeitig aufdringliche Arzt, den ich erwartet hatte. Diese Nacht war eine Erleuchtung. Was ich an jenem Abend zu sehen bekam war in der Tat erstaunlich – einen chinesischen Koch mit einer Hackmesserwunde im Kopf, einen Typ aus Russland, der mit seinem Ohr in einer Tüte Eis daherkam, weil sein Rottweiler es ihm abgebissen hatte, und natürlich Superman. Aber es war mehr als Voyeurismus. Zwischen Billy und mir bestand von Anfang an eine echte Geistesverwandtschaft, und die Art und Weise, wie er auf die menschlichen Bedürfnisse der Leute einging, die er in dieser chaotischen, grotesken Umgebung behandeln musste, hatte etwas Unwiderstehliches.
Billy: Ein paar Tage später kreuzte ich in den Produktionsbüros von Wonderland auf, wo ich neuerdings allem Anschein nach einen bislang unerreichten Grad an Glaubwürdigkeit genoss. Leyner hatte über die Vorfälle in jener Nacht berichtet und sie, ich bin sicher, mit einer gehörigen Portion Autorenschnörkel verbrämt. Ich wurde einigen Drehbuchschreibern vorgestellt, die ich noch nicht kannte, und saß kurz in deren aufgeräumten, verschwenderisch ausgestatteten Büros, beantwortete die Routinefragen aus ihren jeweiligen Manuskripten. Meine nächste Station war Leyner. Als ich in sein Büro kam, hatte ich das Gefühl, eine Gruft zu betreten. Der Raum war nahezu leer und verströmte eine klösterliche Aura. Leyner lag auf dem Bauch und tippte emsig auf der Tastatur seines Laptops. Er schaute auf und sagte dann ohne jeden Gruß: »Erzähl mir alles, was du über das Klüver-Bucy-Syndrom weißt!« Wir diskutierten die klinischen Erkenntnisse über diese seltene neurologische Erkrankung, die Menschen dazu bringt, sich alle möglichen Dinge in den Mund zu stopfen und ein abstruses Sexualverhalten an den Tag zu legen – ohne Zweifel eine für Leyners Geschmack unwiderstehlich attraktive Krankheit.
Obschon von der Kritik freudig begrüßt, wurde Wonderland nach nur drei Episoden eingestellt. Leyner und ich setzten unsere Freundschaft indes fort. Wir erzählten einander von unserer Arbeit, und ich hatte viel Spaß daran, seine Manuskripte zu lesen und mit meinen bescheidenen Vorschlägen zu bedenken. Wir fanden, dass eine Zusammenarbeit fällig sei, und ließen uns verschiedene Exposés fürs Fernsehen einfallen. Die Arbeit mit Leyner brachte mich zurück zu meiner alten Idee, ein Buch mit medizinischen Partyfragen zu schreiben. Leyner war Feuer und Flamme, als ich ihn fragte, ob er mit mir daran arbeiten wolle.
Mark: Ich überlegte einen oder zwei Augenblicke und erinnere mich, dass ich dachte: »Hey, damit kannst du einen Haufen Geld verdienen und musst dafür so gut wie nichts tun!«
Billy: Ich hatte das Gefühl, Mark die Gelegenheit zu geben, der Arzt zu sein, der er immer hatte sein wollen. Ich fand, er war reif dafür, die Bürde dieses Projekts mitzutragen, und was Sie jetzt lesen werden, ist das Ergebnis all unserer, nun, eigentlich, nein, all meiner harten Arbeit.
Viel Spaß.

Einleitung
Auf jeder Cocktailparty werden Sie unweigerlich irgendwann gefragt, womit Sie Ihren Lebensunterhalt verdienen. Wenn Sie dann sagen, dass Sie Arzt sind, haben Sie den Salat.
Binnen kurzem werden Sie den Leberfleck des einen begutachten, dem anderen gute Ratschläge gegen die schmerzhaften Blähungen seines Schwagers geben und sich schließlich den Kopf darüber zerbrechen, wie es zu den sporadischen Attacken von Höhenangst bei Ihrer Gastgeberin gekommen sein kann. Sie denken vielleicht, nach zwölf Jahren harter Ausbildung und unzähligen schlaflosen Nächten sollten Ärzte alle Antworten kennen. Aber nein! Weit gefehlt! Es ist traurig aber wahr: Eine der größten Unzulänglichkeiten der etablierten Lehrstuhlmedizin besteht darin, dass sie nicht lehrt, was die staunende Allgemeinheit wirklich wissen will.
Dieses Buch ist der Versuch, diesem unglücklichen Umstand abzuhelfen. Wir versuchen, einige der medizinischen Fragen zu beantworten, die die Menschen im wirklichen Leben umtreiben. Drängende Fragen wie: »Weshalb riecht man es am Harn, wenn man Spargel gegessen hat?«, »Stimmt der Rat: ›Bier auf Wein, das lass sein, Wein auf Bier, das rat ich Dir?‹«, »Ist Sperma nahrhaft?« oder »Wieso kriegt man Kopfschmerzen, wenn man Eis isst?«
Das hier ist kein Ratgeber zur Selbsthilfe und kein medizinisches Handbuch. Es ist ein kurzer Blick auf die Absurditäten, die Menschen von ihren Ärzten erläutert wissen wollen, sich aber in der Praxis oder in der Ambulanz nicht zu fragen trauen. Den Mut zu diesen weltbewegenden Fragen bringen sie, so scheint es, erst nach dem dritten Glas auf.
Dann geht die Party richtig los.

Warnung
Was Sie hier lesen, entspricht, so weit wir wissen, zum größten Teil der Wahrheit. Dennoch ist dieses Buch keinesfalls ein Ersatz für Ihren Arztbesuch. Denken Sie daran: Ärzte sind gut ausgebildete Fachleute. Versuchen Sie also auf keinen Fall, diese Fragen selbst zu beantworten. Es sei denn freilich, Sie sind Mutter. Mütter wissen alles. Und alles besser.

KAPITEL 1
Du bist, was du isst
Es ist zweiundzwanzig Uhr, Mark Leyner, mein Partner fürs Schreiben und andere Verbrechen, und ich kommen wie immer zu spät, die Party ist bereits in vollem Gange. Wir haben eine Flasche Tequila, Marke Don Julio, dabei, Leyner hat sie im Taxi bereits mit ein paar herzhaften Schlucken verkostet, weil er fand, man müsse ihn unbedingt auf Industriegifte prüfen. Wir betreten die elegante Park-Avenue-Behausung von Eloise Cameron, Philanthropin, Kunstmäzenin und Botox-Junkie. Horsd’œuvres werden herumgereicht, und der leicht angesäuselte Leyner schnappt sich mit hochrotem Gesicht eine Hand voll Fleischklößchen, küsst die Gastgeberin und erklärt dann: »Eloise, Baby, lass das Kollagen wegmachen. Wenn man diese Lippen küsst, hat man das Gefühl, man knutscht den Michelin-Mann.« Sie versucht, abschätzig zu grinsen, aber das Botox sorgt dafür, dass sie keine Miene verzieht.
Ich schnappe mir Leyner und dirigiere ihn ins Wohnzimmer. Kaum sind wir drin, fällt mich jemand von hinten an. Als ich mich umdrehe, blicke ich Jeremy Burns in die Augen, er ist ein Investmentbanker, der bei den Spielen der New York Knicks zwei Reihen hinter mir sitzt. Zu seinen besten Zeiten war Jeremy an den Imbissbuden des Madison Square Garden seines schier unersättlichen Appetits auf Hotdogs, Zuckerwatte und Bier wegen eine Berühmtheit gewesen. In seiner neuen skelettähnlichen Erscheinung à la Atkins ist er kaum wiederzuerkennen. »Wer hat dich denn exhumiert?«, rülpst Leyner. Ich winde mich vor Verlegenheit, mache mir insgeheim aber vor Lachen fast in die Hose. Jeremy versucht, an Leyner vorbeizukommen. Als er dessen Arm berührt, windet sich dieser als sei er plötzlich über und über mit Fett bedeckt, das von Jeremys Hautporen neuerdings verstärkt abgesondert wird. Leyner flüstert mir zu: »Dieser Fatzke ist eingefettet wie ein Rektalthermometer.« Ich schiebe ihn beiseite, er packt die Gelegenheit beim Schopf und trottet zur Bar hinüber, um eine weitere Dosis Don Julio zu kippen. Mir bleiben Jeremy und seine Anekdoten über das Leben mit der Fleischund Fettdiät, sowie eine Million Fragen über Lebensmittel.
Wenn wir wirklich sind, was wir essen, warum wissen wir dann so wenig über Nahrung und Ernährung?

Braucht man wirklich sieben Jahre, um Kaugummi zu verdauen?

Was hat es bloß mit den sieben Jahren auf sich? Sie zertrümmern einen Spiegel: sieben Jahre Unglück. Jedes Hundejahr sind sieben Menschenjahre. Sieben Jahre, bis ein verschlucktes Kaugummi verdaut ist? Was, wenn ein Hund einen Spiegel zertrümmert und dann ein Päckchen Kaugummi frisst? Klingt wie Dreisatz.
Kaugummi ist unverdaulich, aber er hängt definitiv keine sieben Jahre in Ihrem Magen herum. Unter Umständen trägt er sogar dazu bei, dass ihr Darminhalt rascher transportiert wird. In vielen Kaugummis wird Sorbitol als Süßstoff verwendet, und das kann als Abführmittel wirken.Was das heißt? Nun, es heißt, dass Sie, wenn Sie genau hinschauen, Ihren Kaugummi vielleicht neben all den hübschen unverdauten gelben Maiskörnern dahindümpeln sehen können.

Weshalb riecht man es am Harn, wenn man Spargel gegessen hat?

Spargel enthält aromatische Schwefelverbindungen, wie sie sich auch in Zwiebeln, Knoblauch, faulen Eiern und im Sekret von Stinktieren finden. Der charakteristische Geruch entsteht, wenn diese Verbindungen in Ihrem Verdauungssystem abgebaut werden. Nicht alle Menschen besitzen ein Gen für das Enzym, das diese Aromaten abbaut, so dass manche unter Ihnen so viel Spargel essen können, wie sie wollen, ohne dass hinterher das ganze Badezimmer riecht. Einer Studie im British Journal of Clinical Pharmacology zufolge scheinen nur 46 Prozent aller Briten das Enzym zu besitzen, in Frankreich hingegen hat es jeder.
 
 
 
15.32 Uhr
Goldberg: Mr. Leyner, Sir???
Leyner: Melde mich zum Dienst, Sir!
Goldberg: Einsatzbereit?
Leyner: Habe ich die Erlaubnis, in die Luft zu feuern, Sir?
Goldberg: Wenn Sie die Tastatur nicht treffen …
Leyner: Was liegt heute an?
 
15.35 Uhr
Leyner: Ich habe eine Idee …
Goldberg: Wir haben mehrere Dinge zu tun. Das Vorwort fertig schreiben, das müssen wir zusammen machen. Dann fehlen noch zwei Kapiteleinführungen. Ansonsten können wir ein paar der Fragen noch ein bisschen witziger gestalten … Du hattest eine Idee?
Leyner: Lass uns das Zeug (die Einleitung und die beiden Kapitelanfänge) … das eigentliche »Schreiben« also am Dienstag bei dir zu Hause machen … Ich glaube, es geht besser, wenn man dabei auf und ab gehen kann.
Goldberg: Dann gehen wir das Buch noch mal durch. Fangen wir beim Ernährungskapitel an. Wir müssen das Ding irgendwie pfiffiger machen.
Leyner: Zum Beispiel?
Goldberg: Ein paar Sachen dazudichten.
Leyner: Ich hole mir ein Propel.
Goldberg: Gut, also wir müssen noch ein paar fachlich fundierte medizinische Kommentare einfügen. Glaubst du übrigens, dass wir, wenn wir Propel oft genug erwähnen, jenes köstliche, mit Vitaminen angereicherte Getränk von den Herstellern von Gatorade, was davon umsonst kriegen? Nur zwanzig Kalorien die Flasche! Süßes Zuckerwasser!!! Wo bist du?
Leyner: Okay, … Ich sitze hier, esse mein Sandwich, trinke Propel … ja unbedingt! Wir sollten schamlos und völlig gegen jede Moral behaupten, dass Propel Impotenz kuriert und Morbus Crohn …
Goldberg: … und den Uringeruch nach dem Genuss von Spargel vertreibt …
Leyner: …und Mundgeruch und rektales was zum Kuckuck du auch gerade hast … Lass uns behaupten, Propel wirke nach dem Genuss von Spargel als Urin-Deodorant … dann kriegen wir das Zeug kistenweise!
Goldberg: Und Du musst ein bisschen weniger vulgär sein, sonst kann meine Frau das Buch niemandem aus der Verwandtschaft schenken, ohne den Betreffenden zu beleidigen. Puritanerbande!

Macht Zucker Kinder wirklich hyperaktiv?

Eltern suchen unablässig nach einer Ausrede für das schlechte Benehmen ihrer Kinder, und Zucker hat man in diesem Zusammenhang eine Menge Schuld zugeschoben. Vielleicht wundert es niemanden, dass die Coca-Cola-Company nicht bereit ist, die Verantwortung auf sich zu nehmen, und sehr deutlich erklärt, dass bisher keine Studie hieb- und stichfeste Beweise für eine Relation zwischen Zuckerkonsum und Hyperaktivität hat erbringen können. Nun, die Company hat Recht. Zucker beliefert den Körper mit Energie, aber er macht Kinder nicht hyperaktiv.
Viel wahrscheinlicher ist, dass Kinder zu Gelegenheiten Süßigkeiten essen, bei denen sie ohnehin überdreht sind und herumrandalieren (auf Festen, an Feiertagen, im Kino, auf Hochzeiten und Beerdigungen). Gute Nachricht für die Hersteller von so gesunden kleinen Leckerbissen wie Schokoriegeln, Gummibären und Schokoküssen.

Wieso kriegt man Kopfschmerzen, wenn man Eis isst?

Aaah, welch ein Genuss: Eis am Stiel an einem heißen Sommertag!
Eine Theorie vermutet die Ursache der Frostbeulen am Gehirn in den Nebenhöhlen, der Schmerz könnte durch die rasche Abkühlung der Luft in den Stirnhöhlen zustande kommen, durch die lokale Schmerzrezeptoren gereizt werden.
Eine andere Theorie postuliert, dass die schlagartige Verengung der Blutgefäße in Gaumendach und Rachen Schmerzrezeptoren dazu veranlasst, sich in unbotmäßiger Weise zu entladen und diese Entladung als Schmerz an den Kopf weiterzuleiten. Es gibt ein Nervenzentrum namens Ganglion sphenopalatinum, und dieses ist der wahrscheinlichste Entstehungsort der gefürchteten Eiscreme-Kopfschmerzen.
Eine Freundin von uns kannte ein rasch wirkendes Gegenmittel: mit der Zunge das Gaumendach reiben, um es zu erwärmen. Als sie es vormachte, entstand dabei ein absonderliches schnalzendes Geräusch. Leyner hat es ausprobiert und sah sich hinfort von einer großen Gans verfolgt, die er inzwischen überaus lieb gewonnen hat.

Bekommt man von Schokolade Akne?

Diejenigen unter Ihnen, für die Schokolade zum Sexersatz geworden ist, können einen Seufzer der Erleichterung tun. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Schokolade Akne verursacht. Akne hat vielmehr mit veränderten Hormonverhältnissen zu tun als mit der Ernährung.
Auch zwischen Stress und Akne hat man eine Verbindung gefunden. Unlängst hatte sich eine Gruppe von Dermatologen vorgenommen zu beweisen, dass auch diese weit verbreitete Ansicht ein Mythos sei, sie hat jedoch das Gegenteil feststellen müssen. In ihrer Studie an zweiundzwanzig Studenten kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass emotionale Belastung in direktem Bezug zur Schwere der Akne steht.
Aber zurück zum Thema Schokolade: Sowohl die University of Pennsylvania als auch die amerikanische Marineakademie konnten nachweisen, dass Schokolade keine Akne verursacht. An der University of Pennsylvania gaben die Wissenschaftler einer Gruppe vonVersuchspersonen »Schokoriegel« ohne Schokolade zu essen, während die andere Gruppe Schokolade erhielt, deren Kakaoanteil fast zehnmal so hoch war wie der eines normalen Riegels. Zwischen beiden Gruppen fanden sich keinerlei signifikante Unterschiede, was die Ausprägung der Akne betraf. Auch andere verbotene Genüsse wie Pommes frites, Grillhähnchen, Nachos, Kartoffelchips und Griebenschmalz lassen die verhassten Pickel nicht sprießen. Also freut euch, atmet auf und wehrt euch. Wenn das nichts hilft, holt euch eine extragroße Portion Pommes mit einem Schokoladen-Shake zum Nachtisch.

Warum weint man, wenn man Zwiebeln hackt?

Zwiebelnschneiden setzt ein Enzym namens Alliinase frei. Das Enzym reagiert mit einer bestimmten Aminosäure in der Zwiebel und wandelt diese zur Sulfensäure um. Aus dieser Sulfensäure nun können zwei Verbindungen hervorgehen: Propanthial-S-Oxid und Thiosulfinat. Ersteres reizt zu Tränen, Letzteres verleiht der Zwiebel ihren typischen Geschmack.Verantwortlich für die Freisetzung von Propanthial-S-Oxid ist ein erst vor kurzem entdeckter Faktor, dem man den Namen »Tränenfaktor-Synthase« gegeben hat.Wenn Propanthial-S-Oxid in die Augen gerät, stimuliert es Nervenenden in der Hornhaut, die ihrerseits die Tränendrüsen aktivieren. Schon weinen Sie.
Forscher haben in der Vergangenheit bereits mehrfach versucht, eine »tränensichere« Zwiebel zu schaffen, aber lange Zeit sah es so aus, als sei das tränenbringende Enzym auch für den würzigen Geschmack einer Zwiebel verantwortlich. Doch vielleicht besteht dennoch Grund zu berechtigter Hoffnung: Jene Gruppe japanischer Pflanzenbiochemiker, die die »Tränenfaktor-Synthase« vor kurzem entdeckt hat, spekuliert, dass Geschmack und Geruch womöglich doch nicht ganz so untrennbar miteinander verknüpft seien, so dass es »vielleicht möglich sein könnte, eine Zwiebel zu schaffen, die nicht zum Weinen reizt, indem man das »Tränenfaktor-Synthase«-Gen unterdrückt und gleichzeitig die Ausbeute an Thiosulfinat erhöht«. Klingt köstlich!
Bis dahin muss man sich mit verschiedenen anderen Möglichkeiten begnügen, das Problem der Zwiebeltränen in den Griff zu bekommen: Zwiebeln vor dem Schneiden erhitzen, unter fließendem Wasser schneiden oder eine Schutzbrille aufsetzen.
Die verlässlichste: Den Pizza-Blitz anrufen.

Lindern Gurken geschwollene Augen?

Eine gut platzierte Gurke mag sich wunderbar anfühlen, aber es gibt darin keinen besonderen Inhaltsstoff, der die Augen zum Abschwellen bringen könnte. Gurken bestehen zu neunzig Prozent aus Wasser, und es ist der Kühleffekt des Wassers, der die Blutund Lymphgefäße um die Augen verengt und dadurch abschwellend wirkt. Je kälter die Gurke, desto besser.
Es gibt noch andere Lösungen für geschwollene Augen: Schwarzteebeutel in kaltem Wasser (das Tannin darin wirkt abschwellend) oder Hämorrhoidensalbe.Wenn Sie mich fragen, so ziehe ich geschwollene Augen vor.

Weshalb bekommen Sie nach dem Blutspenden einen Imbiss und etwas zu trinken?