Inhaltsverzeichnis
Buch
Eine neue E-Mail im Postfach? Die muss sofort gelesen werden. Das Handy piepst, könnte wichtig sein. Kaum ist die Antwort verschickt, klingelt das Telefon. Gefolgt von neuen E-Mails, die sich in kryptischen Abkürzungen verlieren oder so umständlich formuliert sind, dass wir froh sind, dass der Absender sich für diese Art der Kommunikation entschieden und nicht angerufen hat. Der Chef hat seine Visionen in Tortendiagramme übersetzt und mit stimmungsvoller Musik unterlegt. Man möchte ihn zum Arzt schicken. Die selbst ernannten Festredner der anschließenden Sitzung schaffen statt klarer Ergebnisse bleierne Müdigkeit im Auditorium. Wir hören gerade noch, dass der Kollege, der unsere geniale neue Werbestrategie dreist als seine eigene verkauft hat, die Abteilungsleitung übernehmen wird. Michael Flockers Überlebenshandbuch fürs Büro zeigt nicht nur, wie man sich effektiv beim Chef einschleimt, mit nervigen übermotivierten Kollegen umgeht oder auf absurde Anfragen per E-Mail reagiert, sondern auch, was sich hinter der beeindruckend kodierten Unternehmenssprache verbirgt, wie man sich den süßen Kollegen vom Büro schräg gegenüber angelt, ohne dass es gleich die ganze Firma weiß, und was zu tun ist, um die längst fällige Gehaltserhöhung endlich zu bekommen.
Autor
Michael Flocker wuchs in Westberlin auf, bis seine Familie in den US-Staat Connecticut übersiedelte. Mit neunzehn zog er in die Großstadt New York, wo er schnell Anschluss in Club-Szene und Modewelt fand. Vier Jahre später ging der amerikanische Lifestyle-Guru nach Los Angeles und arbeitete als Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur. Seit 2001 lebt und schreibt er wieder in New York.
Im Goldmann Verlag ist von Michael Flocker außerdem erschienen: Das süße Leben (15370)
Einleitung
Haben Sie eine Vorstellung davon, wie albtraumhaft es zu Zeiten des Mittelalters gewesen sein muss, sein Leben auf den untersten Rängen der Gesellschaft zuzubringen? Versuchen Sie mal, sich ein Bild davon zu machen. Einmal ganz abgesehen vom Wüten der Pest, dem allgegenwärtigen Gestank und den irrwitzigen Auswüchsen des Aberglaubens herrschte seinerzeit ein ungeheures Maß an Ungerechtigkeit. Alle Reichtümer, alles Land und alle Macht lagen gebündelt in den Händen einiger weniger. Während also die Könige und Königinnen müßig in ihren Prunkgemächern verweilten und allen Reichtum für sich allein anhäuften, rackerten sich Bauern und Dienstboten auf den Feldern ab und hatten zu allem Überfluss die Erniedrigung zu ertragen, den Landbesitzern für das Land, das sie für diese bewirtschafteten, obendrein auch noch Steuern zahlen zu müssen. Wahrlich Grund genug für ernsthafte Verstimmungen all das.
Natürlich, in einer Klassengesellschaft ist die Tatsache, dass die Aristokratie das Land besitzt und kontrolliert, definitionsgemäß der Garant dafür, dass sie ihre Reichtümer auch auskosten und die Bauern, die für sie in der sprichwörtlichen Scheiße rühren, dementsprechend ausbeuten kann. Wenn man zufällig zu denen da oben im Schloss gehört, hat diese Vorstellung sicher einen gewissen verführerischen Charme, aber für die da unten... Nun, das ist die Art von Situation, aus der Revolutionen hervorgehen.
Wenn man einmal darüber nachdenkt, ist es schon erstaunlich, dass das Feudalsystem tatsächlich so lange Bestand gehabt hat. Ist es wirklich ein Wunder, dass die Massen sich schließlich zu einem nationenübergreifenden verbrecherischen Gemetzel der Enthauptungen, Morde und Attentate erhoben haben? Im Grunde war das, wenn man es genau bedenkt, nichts weiter als eine Frage der Physik. Jedes System, das zu kopflastig wird, muss irgendwann kippen, oder?
Natürlich hat die unbarmherzige Dampfwalze Geschichte der Welt nach dem Sturz ihrer gekrönten Häupter ein chaotisches Jahrhundert voller wetteifernder Ideologien, wahnsinniger Tyrannen, internationaler Bespitzelungen, Neuziehungen von Grenzen und jeder Menge Kopfschmerzen bereitet, während die Massen versuchten, sich neu zu definieren und ihre jeweiligen utopischen Ziele umzusetzen. Doch während im Bewusstsein der Volksscharen die zentralen Anliegen noch in nationaler Identität und politischen Doktrinen bestanden, nahm klammheimlich bereits eine neue Revolution ihren Lauf. Die Macht und der Reichtum, den einst die Fürsten besessen hatten, waren ja nicht einfach von der Bildfläche verschwunden, sondern standen zur Disposition und harrten neuer Hände. So erhob eine alte Idee ihr greises Haupt aufs Neue, und es begann der Aufstieg modernen Unternehmertums – zunächst in Gestalt der Handelskompanien, merkantilistischer Vorläufer heutiger multinationaler Konzerne.
Der Begriff der Handelskompanie hatte bereits im 16. Jahrhundert in England und Holland Kontur angenommen. Es handelte sich um eine elegante kleine Form von Intervention: Der Staat stellte einem Unternehmen, in diesem Falle einem Zusammenschluss mehrerer kleinerer Kaufmannskompanien, einen Freibrief – eine Charta – aus, verlieh ihm Hoheitsrechte und ein Monopol für den Verkauf der Waren, die die Kompanie durch den Einsatz ihrer finanziellen Mittel erwirtschaftete, und kassierte im Anschluss daran Steuern. Auf diese Weise war dafür gesorgt, dass private finanzielle Ressourcen öffentlichen Interessen zugute kamen. Das bedeutete andererseits, dass die Unternehmenden nunmehr eine Gelegenheit sahen, ihren Einfluss auf die Politik auszuüben, Massenmedien im Dienste ihrer eigenen Interessen einzusetzen, in die soziale Entwicklung zu investieren und jede nur mögliche Gelegenheit beim Schopf zu packen, ihren Wohlstand und ihre Macht zu mehren. Schon 1884 gab es allerdings Menschen, die frenetisch ihre Warnwimpel schwangen: »Ich sehe in der nahen Zukunft eine
Krise nahen, die mich beunruhigt und
um die Sicherheit meines Landes zittern
lässt... die Unternehmen sind mächtig
geworden, und die Folge wird ein Zeit
alter der Korruption an höchster Stelle
sein, die Geldmacht des Landes wird da
nach streben, ihre Herrschaft auszu
weiten, indem sie solange Einfluss auf
die Gesinnung der Menschen nimmt, bis
aller Wohlstand in den Händen weniger
zusammenfließt und die Republik zer
stört ist.«
U.S.-Präsident Abraham Lincoln am 21.
November 1864 in einem Brief an Colonel
William Elkins. (Aus: Archer H. Shaw:
The Lincoln Encyclopedia, Macmillan,
New York, 1950).
Allem Anschein nach sah Lincoln ein bisschen klarer in die Zukunft als der Rest seiner Zeitgenossen und erkannte früh die verderbliche Macht von Missgunst und Korruption, aber hat ihm irgendwer zugehört? Offenbar nicht. Wenn Sie sich einmal die nicht enden wollende Parade von Geschäftsführern vergegenwärtigen, die für Polizeifotos posieren und anschließend in orangefarbenen Overalls die Flure und Höfe von Vollzugsanstalten bevölkern, wird rasch klar, dass Lincolns Worte weniger schwarzmalerisch als vielmehr nachgerade prophetisch waren.
Nur vier kurze Jahre nachdem Lincoln diese Worte niedergeschrieben hatte, nahm das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten in den 14. Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung eine Klausel auf, die festlegte, dass Unternehmen als »natürliche Personen« zu betrachten seien und demzufolge dieselben Rechte und den gleichen Schutz zu genießen hätten wie eine Einzelperson. Die Schaffung dieser neuen Gattung von »natürlichen Personen« machte den Weg frei für die Krönung neuer Könige und Königinnen – die modernen Unternehmensfürsten.
Schnitt: Schwenk ins 21. Jahrhundert, und die Fakten sprechen eine deutliche Sprache. Eine Studie des Instituts für Politische Wissenschaften der Johns Hopkins University aus dem Jahre 2001 ergab Folgendes: ▲ Einundfünfzig der hundert größten ökonomischen Entitäten der Welt sind Unternehmen, nur neunundvierzig sind Nationen (Grundlage ist ein Vergleich der Umsatzerlöse von Unternehmen und nationalen Bruttoinlandsprodukten).
▲ Die Umsatzerlöse der zweihundert größten Unternehmen der Welt zusammengenommen betragen das Achtzehnfache des gesamten jährlichen Einkommens der 1,2 Milliarden Menschen (24 Prozent der Weltbevölkerung), die in »großer Armut« leben.
▲ Zwar machen die Umsätze der zweihundert Topunternehmen 27,5 Prozent aller weltwirtschaftlichen Aktivitäten aus, doch binden sie dazu lediglich 0,78 Prozent der weltweit vorhandenen Arbeitskraft.
▲ Fünf Prozent der in den zweihundert Topunternehmen der Welt Beschäftigten arbeiten für Wal-Mart. Mit 1,14 Millionen Angestellten ist der Diskounter-Riese der größte private Arbeitgeber der Welt (im Jahre 2003 stieg diese Zahl auf 1,34 Millionen).
▲ Unter den zweihundert Topunternehmen der Welt bilden amerikanische Firmen mit 82 Vertretern die größte Gruppe (41 Prozent), an zweiter Stelle folgen mit nur noch 44 Vertretern japanische Firmen.
Sie sehen also, die Dinge haben sich seit dem Mittelalter kein bisschen verändert. Und das, wo Sie dachten, Ihre Unternehmenslaufbahn sei etwas so ungemein Schickes und Modernes. Nun ja, vielleicht ist sie es, vielleicht aber auch nicht. Tatsache ist jedoch, dass sich Millionen und Abermillionen von uns nunmehr von internationalen Firmenkonsortien und Einzelunternehmen beschäftigt sehen. Und so sitzen Sie nun in Ihrer grauen Bürozelle oder schmettern bei der Morgenkonferenz die Hymne Ihres Unternehmens, es verblassen ökonomische Schranken und kulturelle Identität, dieweil Fahnen in den Landesfarben durch Unternehmenslogos ersetzt werden und die indigenen jugendlichen Bewohner des Amazonasbeckens in Nike-Schuhen einherstolzieren.
Aber zu viel Zeit damit zuzubringen, über die weitreichenden Konsequenzen all dessen nachzusinnen, führt zu nichts. Denjenigen, die sich über die Übel einer globalen Gesellschaft empören, stehen jede Menge lobenswerte Organisationen offen, die den Entrechteten ihre Stimme leihen und hart daran arbeiten, »die Dinge beim Namen zu nennen«. Den vielen von uns aber, die sich ahnungslos plötzlich »mittendrin im Getriebe« wiedergefunden haben, sind es die täglichen Knüppel zwischen den Beinen, die lächerlichen Rituale und idiotischen Idiosynkrasien der Unternehmenskultur, die uns am meisten zu schaffen machen. Wie bringt man es fertig, in der hochtoxischen und oftmals so absurden Atmosphäre eines Unternehmensbiotops zu überleben? Ob Sie nun mitten im Zentrum der Macht, dem Unternehmenssitz, arbeiten oder in einem kleinen Satellitenbüro weit außen an der Peripherie, der tägliche Reibungsverlust kann zutiefst deprimierend sein.
Andersherum betrachtet, das große Bild im Blick: Es ist nur ein Job, oder? Sie müssen nicht tonnenweise Mist auf Äcker schaufeln, und dafür sollten Sie dankbar sein. Und wenn Sie wirklich kein Typ für das Lostreten einer ausgewachsenen Revolution sind, dann müssen Sie einfach nur das Beste aus einer Situation machen und sich nicht unterkriegen lassen. Mit einer ausgewogenen Weltsicht, ein bisschen Realismus und einem ausgeprägten Sinn für Humor lässt sich so ziemlich alles überleben. Warum also nicht mit dem anfangen, was direkt vor Ihrer Nase und in Ihrem Einflussbereich liegt?
Die Arbeit in einem Büro ist genau wie die Liebe ein unübersichtliches Allerlei aus unerhörten Forderungen, permanenten Versprechungen, ewigen Kompromissen, widersprüchlichen Signalen, Momenten des Schreckens und gelegentlichen ekstatischen Höhenflügen... na ja, ohne die ekstatischen Höhenflüge halt. Doch trotz alledem ist sie handhabbar und wird Ihnen hin und wieder vielleicht sogar ein bisschen Freude bereiten. Aber nur wenn Sie wissen, wie das Spiel gespielt wird.
KAPITEL 1
Von Drohnen und Arbeitsbienen
»Alle bezahlte Arbeit strengt den Geist an und erniedrigt ihn.«
>>> Aristoteles
Wir sind nicht allein
Eine Gesellschaft ist definiert als mehr oder weniger freiwilliger Zusammenschluss von Einzelwesen oder als kooperative soziale Gruppe, die ein gemeinsames Ziel verfolgt. Die Erfüllung von kollektiven Zielen und/oder Bedürfnissen wird durch Organisation und Zusammenarbeit geleistet. Diese Definition lässt sich auf eine beliebige Anzahl von Lebensformen anwenden. Im Falle des Menschen gilt sie unter anderem für Nationen, Städte, Unternehmen, religiöse Sekten, Minderheiten oder eine beliebige Zahl anders strukturierter Zusammenschlüsse. Sie gilt sogar für das Tierreich.
Untersuchungen haben gezeigt, dass sich junge, durch die Waffen von Wilderern zu Waisen gewordene Elefantenbullen ohne die Führung ihrer Altvorderen zu marodierenden Gruppen zusammentun, die nichts als Unheil anrichten, ja sogar gewalttätig werden. Ohne Sozialordnung und Verhaltenskodex gerät jede Lebensform außer Kontrolle. Daher organisieren wir uns, im Dienste eines höheren Gutes sozusagen. Und es wird allgemein angenommen, dass, mit Ausnahme vielleicht der ungemein cleveren Delfine, die Menschen sich selbst die komplexeste und raffinierteste aller möglichen Sozialstrukturen gegeben haben. Aber, auch wenn das stimmen mag, wir sind sicher nicht die einzige Art, die in ihren Hierarchien mit ein paar echten Unausgewogenheiten aufwarten kann.
Die Aristokratie ist keine ausschließliche Erfindung des Menschen. Und selbst im 21. Jahrhundert, da die moderne Unternehmenskultur in atemberaubendem Tempo vorhandene Lesarten des Begriffs »globale Macht« immer wieder neu definiert, da nationale Identität allerorten durch das Bekenntnis zu irgendeiner Unternehmensgefolgschaft verdrängt wird, existieren noch immer andere Modelle, die unserem zunehmend lächerlichen Daseinszustand vergleichbar sind. Betrachten Sie zum Beispiel den Fall der Honigbiene.
Bienenvölker
Obschon Bienen über ein extrem kleines Gehirn verfügen, unterhalten sie eine sehr komplexe Sozialhierarchie, die sich zum größten Teil einzig um das Wohlergehen einer irgendwann gekürten »Königin« dreht. Betrachten Sie die folgenden Fakten zum Leben in einem Bienenvolk, und vergleichen Sie, inwieweit dies auch Ihren Arbeitsplatz beschreiben würde: ❖ Honigbienen haben verschiedene hoch spezialisierte Mundwerkzeuge zum Beißen und Saugen.
❖ Bienen leben in Waben oder Löchern mit windigen papiernen Wänden, die vom Kollektiv hergestellt wurden.
❖ Alle adulten Bienen ernähren sich von dem Honig, den die Arbeiterinnen beibringen, nur die Königin bekommt Gelée royale zu essen.
❖ Ein Volk besteht aus 40 000 bis 50 000 Bienen, die in ihrer überwiegenden Mehrheit die gesamte Arbeit verrichten und früh sterben.
❖ Honigbienen sind sozial lebende Insekten mit einer sehr präzisen Arbeitseinteilung.
Und wie steht es mit der zugehörigen Hierarchie? Stimmen die Merkmale ähnlich gut überein?
DIE KÖNIGIN
❖ Es kann nur eine Königin pro Volk geben.
❖ Die Königin lebt sehr viel länger als Arbeiterinnen und Drohnen.
❖ Die Königin ist breiter und länger als die anderen Bienen, weil sie ihr Leben lang mit einer exklusiven Gelée-royale-Diät gefüttert wird, welche allen anderen Larven ab dem dritten Lebenstag vorenthalten wird.
❖ Die Königin ist außerstande, sich selbst zu versorgen, und muss daher von Dienerinnen umgeben sein, die sie füttern, pflegen und ihren Müll hinaustragen
❖ Die Königin muss sich nur ein einziges Mal im Leben mit ein paar Drohnen paaren und bleibt dann ein Leben lang fruchtbar.
❖ Eine fruchtbare Königin legt bis zu 2 000 Eier pro Tag.
❖ Eine Königin kann im Unterschied zu den Arbeiterinnen mehrfach stechen, ohne davon Nachteile zu haben.
❖ Und wenn die Königin stirbt oder unfruchtbar wird, ziehen die anderen Bienen instinktiv eine neue Königin heran, indem sie eine der jungen Larven auswählen und ausschließlich mit Gelée royale füttern.
❖ Die neue Königin spürt jede Rivalin auf und bringt sie um.
Hmmm. Interessant.
DIE DROHNEN
❖ Drohnen sind männliche Bienen.
❖ Drohnen sind größer als Arbeiterinnen, haben große Schielaugen und keinen Stachel.
❖ Sie gelten als fett und faul, frönen dem Müßiggang und verrichten keinerlei wie auch immer geartete Arbeit.
❖ Unfähig, für sich selbst zu sorgen, werden sie von den Arbeiterinnen mitversorgt.
❖ Ihre einzige Aufgabe ist es, die Königin zu befruchten, damit diese Eier legen kann.
❖ Wenn der Honig im Volk knapp wird, werden die Drohnen als Erstes hinausbefördert.
❖ Sie sterben entweder nach der Paarung oder werden beim Herannahen des Winters ins Jenseits befördert.
Klingt nach jemandem, mit dem Sie zusammenarbeiten?
ARBEITERINNEN
❖ Arbeiterinnen sind weibliche Bienen.
❖ Welche Aufgaben sie im Einzelnen zu erfüllen haben, wird vor allem durch ihr Alter bestimmt.
❖ Die ersten drei Tage in ihrem Leben bringt eine Arbeitsbiene damit zu, den Stock zu putzen.
❖ Dann geht sie dazu über, die Königin zu versorgen, sich um Eier und Larven zu kümmern, den Wabenbau zu betreuen und das Flugloch zu bewachen.
❖ Arbeiterinnen investieren eine Riesenmenge an Zeit und Energie darein, die Temperatur des Stocks zu kontrollieren.
❖ Arbeiterinnen lenken oftmals die Geschicke des Volkes, indem sie die Zahl der Eier kontrollieren, die die Königin legt, und die Produktion und Entwicklung der Drohnen beeinflussen.
❖ Wenn eine Arbeiterin nur ein einziges Mal einen Gegner sticht, verliert sie ihren Stachel und stirbt kurz darauf.
WUSSTEN SIE SCHON?
Die drei ameri
kanischen Firmen
mit der höchsten
Beschäftigtenzahl
waren im Jahre 2003:
Wal-Mart: 1 341 500
McDonald’s: 413 000
UPS: 365 000
(Quelle: )
Klingt irgendwas von alledem vertraut?
Auf jeden Fall illustriert es überdeutlich die schlichte Tatsache, dass das Leben ungerecht ist – zumindest, was den Arbeitsplatz betrifft. Aber nur weil das Leben nicht fair ist, heißt das noch lange nicht, dass der Einzelne sein Geschick nicht selbst in die Hand nehmen kann. Der Schlüssel zu einem glücklichen und erfüllten Leben – am Arbeitsplatz und jenseits davon – besteht in der Fähigkeit zu erkennen, was der eigenen Kontrolle unterliegt und was nicht. Ihre Arbeit ist eben nicht Ihr ganzes Leben – sie ist nur ein Teil davon. Ihre wirksamsten Waffen im großen Gerangel sind ironische Distanz und Humor, während sie sich allmählich die Leiter hinaufschmunzeln.
Wie Sie an den Honigtopf herankommen
So, die Königin hat also den besten Teil, und die Drohnen und die Arbeiterinnen machen die ganze Arbeit – so was aber auch. Aber es ist ja schließlich alles für das Team, stimmt’s? Wenn die Unternehmensgewinne in die Höhe schnellen, haben wir alle was davon, nicht wahr? Nun ja, nicht direkt... Nach Angaben der New York Times hat der Vorstand eines größeren Unternehmens im Jahre 2004 im Durchschnitt 9,84 Millionen Dollar an Vergütung eingefahren. Nun ist uns natürlich allen klar, dass jene Designeranzüge, die luxuriösen Behausungen und extravaganten Urlaubsreisen ziemlich kostspielig sein können, aber es ist nun einmal Tatsache, dass das Geld für solche exorbitanten Zahlungen in der Regel unmittelbar aus dem Gewinn der Anteilseigner und den Rentenkassen abgezogen wird.
Zum Mäusemelken? Vielleicht. Aber vergessen Sie nie, dass die Geschichte uns wieder und wieder gezeigt hat, dass dies auch die Leute sind, die, wenn die Dinge schlecht laufen, auf dem Marktplatz geköpft werden. Sie hingegen werden mitten in der johlenden Schar der Stadtbewohner am Straßenrand stehen, klatschen und euphorisch auf und ab hüpfen.
DIE HAUPTKONSUMENTEN VON GELÉE ROYALE IM JAHRE 2004
Laut Wirtschaftsmagazin
Forbes hier die drei Topverdiener 2004 unter den Geschäftsführern der größten Unternehmen, aufgelistet nach ihrer Gesamtvergütung:
Yahoo Inc., Terry S. Semel:
>>>$ 230 554 000
InterActiveCorp, Barry Diller:
>>>$ 156 186 000
United Health Group Inc., William W. McGuire:
>>>$ 124 774 000
(Quelle: )
Nur aus Jux: Wenn Sie den Gehaltsscheck 2004 von Ihrem Chef einsehen wollen, gehen Sie auf: WUSSTEN SIE SCHON?
Im Jahre 2005 betrug
das Nettovermögen
der 691 Milliardäre
weltweit 2,2 Billionen
Dollar.
(Quelle: )
„Ich mag
keine
Arbeit, auch
dann nicht,
wenn jemand
anderer sie
verrichtet.“
>>> Mark
Twain
Natürlich ist das überstürzte Lostreten einer Revolution in einer ohnehin bereits turbulenten Welt nicht immer gerade die beste Idee, und überdies ist die menschliche Natur nun einmal so veranlagt, dass wir, je höher wir selbst in unserem Arbeitsumfeld aufsteigen, eine desto größere Toleranz gegenüber exorbitanten Managergehältern entwickeln. Ein ruhiger und maßvoller Ansatz ist daher das Beste, dazu eine unverblümte Bewertung unserer eigenen prekären Situation und die Auslotung unserer Möglichkeiten.
Erste Hinweise
So, so, Sie sind also einer dieser Handlanger mit einem Gehalt, dem mehr als nur ein paar Stellen zu dem Ihres Firmenvorstands fehlen, und jeder Menge Sprossen auf der Leiter nach oben vor sich. Aber ist Ihr Job wirklich so, wie Sie ihn sich vorgestellt hatten? Entsprechen die Atmosphäre am Arbeitsplatz, das Ethos des Managements und die Erwartungen, mit denen Sie sich täglich konfrontiert sehen, dem, was Sie sich gedacht haben? Vermutlich nicht.
Anzunehmen ist allerdings, dass es bei Ihrem ersten Vorstellungsgespräch eine Reihe von verräterischen Signalen gegeben hat, die Sie hätten abschrecken sollen. Die Art und Weise, wie ein Unternehmen oder eine Firma sich selbst darstellt, ist ebenso wie die Wortwahl der Jobbeschreibung oftmals ein guter Indikator für das, was man zu erwarten hat. Hatten Sie die wahre Bedeutung erfasst, als Sie das erste Mal jene Flügeltüren durchschritten?
... bieten wir Ihnen die faszinierende und seltene Chance...: Wir erwarten von Ihnen, dass Sie auf ewig dankbar, demutsvoll und voll des Lobes sein werden.
... schnelllebiges Arbeitsumfeld: Wir haben keine Zeit, Sie einzuführen oder irgendetwas zu erklären. Rechnen Sie damit, dass Sie am tiefen Ende ins Becken geworfen werden.
... verschiedene Aufgaben: Stellen Sie sich darauf ein, vom ersten Tag an in Arbeit zu ersticken.
Gesucht wird ein motivierter Autodidakt: Wir haben keine Ahnung, was der Job beinhaltet, aber wir erwarten, dass Sie das herausfinden.
Der Bewerber sollte imstande sein, auch unter Druck gut zu arbeiten: Die Mehrzahl Ihrer Kollegen wird das Verhalten von nervösen, permanent kreischenden Brüllaffen an den Tag legen.
Der Bewerber sollte terminorientiertes Arbeiten gewöhnt sein: Jeder andere hier ist unorganisiert bis zum Gehtnichtmehr, also werden Sie derjenige sein, der zur Verantwortung gezogen wird.
Führungsqualitäten erforderlich: Sie werden die Pflichten eines Managers haben, dabei aber den Rang eines beigeordneten Handlangers bekleiden.
… mit wachem Blick für essentielle Details: Wir suchen einen Zauberer, der das kollektive Versagen seiner schlampigen und trägen Mitarbeiter kompensiert.
Fähigkeit zu Multitasking und beherztem Setzen von Prioritäten: Hier obwaltet das komplette Chaos, Ihr Arbeitspensum wird nicht zu bewältigen sein.
WUSSTEN SIE SCHON?
Im Jahre 1980 ver
diente der Vorstand
eines großen
Unternehmens im
Durchschnitt das
42fache dessen, was
ein Angestellter im
Durchschnitt
verdient hat.
Im Jahre 1999
lag das Vorstands
einkommen im
Schnitt bereits beim
419fachen des
Durchschnitts
verdienstes.
- »A Decade of
Executive Excess«
- Institute for Policy
Studies and United
For a Fair Economy
… gelegentliche Überstunden erforderlich: Sie werden unablässig auf Abruf stehen und sollten damit beginnen, Ihre privaten Kontakte zurückzufahren – DRINGEND.
... legere Arbeitsatmosphäre: Ihr Gehalt wird so gering sein, dass Sie sich keinen Anzug werden leisten können.
... suchen karrierebewussten Menschen: Ein Leben außerhalb des Arbeitsumfelds – das heißt Reisen, soziale Kontakte und Familie – wird nicht geduldet.
... phantastische Aufstiegsmöglichkeiten: Sie werden Ihren Schreibtisch niemals verlassen, und Ihr Gesäß wird beängstigende Ausmaße annehmen.
Im Rückblick wird das alles sonnenklar, aber auf der Vergangenheit herumzureiten und sich wegen übersehener Signale zu grämen bringt Sie keinen Schritt weiter. Wenn Sie inzwischen in die Mühle hineingeraten sind, müssen Sie sich nunmehr darauf konzentrieren, wo Sie stehen und was Sie tun können, die See ein bisschen ruhiger werden zu lassen.
Die eigene Position im Arbeitsumfeld realistisch einschätzen
Der erste Schritt zum Glätten der aufgewühlten See besteht darin, die eigene Position in der Gesamthierarchie zu verstehen. Zu wissen, wer über einem steht, ist genauso wichtig wie zu wissen, wer unter einem steht, so es überhaupt eine vertikale Mobilität gibt. Natürlich kann die Beschäftigtenstruktur in einem Mammutunternehmen ähnlich verknäuelt aussehen – und tut das meist auch – wie die Weihnachtslichterkette, die Sie Jahr für Jahr aus dem hintersten Winkel Ihres Kleiderschranks zerren. Daher ist es am besten, wenn Sie mit dem anfangen, der direkt über Ihnen thront: Ihrem Boss.
Was für eine Art Chef haben Sie denn? Sind Sie miteinander befreundet? Sind Sie Feinde? Sind Sie einander fremd? Reicht es, wenn Sie sich auf dem Flur begegnen nur zu einem höflichen Kopfnicken mit einem Minimum an Blickkontakt? Im Großen und Ganzen lassen sich die meisten Chefs säuberlich in eine von mehreren Stereotypenschubladen einordnen, die jeweils eine andere Form der Manipulation und Raffinesse verlangen, wenn Sie die Betreffenden nach Ihrem Willen formen wollen. Lassen Sie sie uns im Einzelnen durchgehen:
DER CHEF UND FREUND
Das ist das Ideal. Wenn zwischen Ihnen und Ihrem Chef wahre Freundschaft herrscht, dann funktionieren Respekt und guter Wille meist in beide Richtungen. Er wird Ihr Wohl im Auge haben, und Sie werden Ihr Bestmögliches tun, um ihn zufriedenzustellen. Ohne viel Aufhebens werden Sie gemeinsam an einem Strang ziehen. Auch wenn gewisse Anstandsschranken Diskretion erfordern und respektiert werden müssen, werden Sie unweigerlich von seinem guten Rat und dem engen Vertrauensverhältnis profitieren.
> > > BESTE VERTEIDIGUNGSSTRATEGIE: Nicht nötig. Aber wenn Sie Wert darauf legen, dass die Freundschaft dauert, sorgen Sie dafür, dass es in der Zeit, die Sie außerhalb des Büros verbringen, so wenig wie möglich zu Diskussionen über die Arbeit kommt und konzentrieren Sie sich auf Ihrer beider wirkliches Leben.
DER KUMPELCHEF
Im Unterschied zum Chef und Freund, der wirklich Ihr Freund ist, hat dieser hier es nötig, Ihr Freund zu sein. Zu den wahrscheinlichsten Szenarien gehören tödliche Einladungen nach der Arbeit, krause persönliche Geständnisse und ein beklemmendes Interesse an Ihrem Eigenleben. Bürotratsch, persönliche Anekdoten und Internetgimmicks werden wie Heuschreckenschwärme auf Sie herniederkommen. Der Vorteil ist, dass andere mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit die Schuld auf sich nehmen werden, wenn Sie etwas verbockt haben, weil niemand will, dass Sie in Schwierigkeiten geraten.
> > > BESTE VERTEIDIGUNGSSTRAEGIE: Genießen Sie die gesellige Atmosphäre und das geringe Stressniveau ohne allzu viel persönliche Informationen preiszugeben. Wenn Sie es fertigbringen, gewisse professionelle Standesgrenzen aufrechtzuerhalten, können Sie es vermeiden, zu tief in die »Anliegen« und Dramen der anderen hineingezogen zu werden.
DER PANDORACHEF