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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 

Buch
Wissenschaften und Technik haben uns schier unbegrenzte Möglichkeiten eröffnet, angenehm und nach unseren Wünschen zu leben. Nahezu alles, was wir uns ausdenken, können wir heute Realität werden lassen. Dieser paradiesische Zustand hat allerdings eine dunkle und bedrohliche Seite: Auch die anderen haben solche Möglichkeiten, sie haben insbesondere die Macht, uns unseres angeborenen Grundrechts auf freie Gedanken und Selbstbestimmung zu berauben.
Mit atemberaubenden Methoden macht sich die moderne Wissenschaft heute daran, das Denken und die Bedürfnisse der Menschen zu kontrollieren. Was hier ans Licht kommt, muss jeden tief beunruhigen. Die Einflussnahme auf Bürger und Konsumenten mit den Psychotricks der Werbung ist inzwischen ein gewaltiges Business. Niemand ist mehr uneingeschränkt Herr seiner Gedanken.
Neben der Aufdeckung der Manipulationsmethoden bietet Taylor auch Mittel an, mit denen sich der Leser dagegen zur Wehr setzen und die perfiden Einflüsterungen löschen kann. Niemand will schließlich ein Spielball fremden Willens sein – weder in seinem Konsumverhalten noch in seinen Einstellungen, Zielen, Stimmungen oder Gefühlen.

Autor
Eldon Taylor ist Doktor der Psychologie und hat sich sein Leben lang mit dem menschlichen Bewusstsein beschäftigt. Er ist seit über 20 Jahren auch als Autor tätig und hat Bücher, Audioprogramme, Vorträge und Rundfunk- und Fernsehbeiträge zur Persönlichkeitsentwicklung veröffentlicht. Die Eckpunkte seiner Arbeit sind dabei stets Vergebung, Dankbarkeit, Selbstverantwortung und Achtung vor allem Leben. Website:

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Die amerikanische Originalausgabe erschien 2009 unter dem Titel »Mind Programming« bei Hay House Inc., Carlsbad, CA, USA.

Für meine Söhne:
Roy Kenneth, dessen Klugheit mich ehrlich macht, und William James, dessen Herz mich dankbar macht.
Ich liebe euch beide!

Wenn gute Taten sich nicht häufen, dann reichen sie nicht aus, dem Namen Glanz zu geben; wenn böse Taten sich nicht häufen, dann reichen sie nicht aus, das Leben zu zerstören. Der Niedriggesinnte denkt, dass geringe gute Taten keinen Nutzen bringen, und deshalb lässt er sie, er denkt, dass geringe böse Taten keinen Schaden bringen, deshalb unterlässt er sie nicht.
So wird allmählich seine Bosheit so groß, dass sie nicht mehr verborgen bleiben kann, und seine Schuld so groß, dass sie nicht mehr vergeben werden kann.
 
Aus den Lehren des Konfuzius

Vorwort
Wenn Sie etwas erreichen wollen, tun Sie am besten so, als hätten Sie es bereits ereicht. Versuchen Sie es mit der So-als-ob-Technik.
William James
 
 
Es wird Sie vielleicht überraschen, zu hören, dass ein heiß diskutiertes Thema unter heutigen Akademikern die These ist, dass es keinen freien Willen gibt. Dafür sprechen eine Reihe von Gründen. Viele Studien haben in den letzten Jahren aufgezeigt, dass der Verstand nur glaubt, er hätte das Sagen. In Wirklichkeit trifft wohl das Unterbewusstsein die Entscheidungen, während der Verstand Geschichten erfindet, um diese Entscheidungen zu erklären. Einstein hat in Anlehnung an den Philosophen Arthur Schopenhauer einmal gesagt: »Der Mensch kann tun, was er will, er kann aber nicht wollen, was er will.«
In der akademischen Welt findet die Idee großen Anklang, der Mensch sei nichts weiter als eine »Maschine aus Fleisch und Blut«, ein biologischer Mechanismus, der auf bestimmte Verhaltensweisen programmiert ist. Daniel Dennett von der Tufts-Universität sagte einmal: »Wenn wir überlegen, ob die Willensfreiheit Wahn oder Wirklichkeit ist, schauen wir in einen Abgrund. Was vor uns zu liegen scheint, ist ein Absturz in Nihilismus und Verzweiflung.«
Ist der freie Wille eine Illusion? Wenn das Unterbewusstsein die Entscheidungen trifft, wer oder was programmiert dann das Unterbewusstsein? Ich hoffe, Ihnen ein paar der Hauptakteure zeigen zu können – einige, die Ihnen einleuchten werden, und einige, die Sie ernstlich in Zweifel ziehen werden.
Während wir uns einen Weg durch die unendlich vielen Möglichkeiten bahnen, wie man die Fäden ziehen oder die Knöpfe drücken kann, durch die unser Appetit gesteuert und unsere Stimmung beeinflusst wird, während wir also danach suchen, wer oder was wann und wo hinter verschlossenen Türen unser Denken und Verhalten manipuliert, wandern wir auch durch Gärten voll fantastischer Gelegenheiten, unsere Wahrnehmung zu erweitern, unsere mentalen Fähigkeiten zu steigern, unser Leben zu verbessern und in den Genuss noch vieler anderer Vorteile zu kommen wie etwa Gesundheit und Langlebigkeit. Aus diesem Grund habe ich für das vorliegende Buch den Untertitel Von Fremdbeeinflussung zur Selbstbestimmung gewählt.
Ich wünsche mir, dass dieses Buch Sie fesselt und Ihnen Kraft gibt. Allerdings bin ich voreingenommen, und ich sage Ihnen auch gleich, warum: Ich glaube an das Potenzial des Menschen und an eine Entwicklung in Richtung Liebe und Frieden. Ich glaube an Sie. Ich bin fest davon überzeugt, dass in jedem von uns ein Riesenvorrat an Fähigkeiten schlummert, die in den meisten Fällen ungenutzt bleiben. Wenn wir alle zu unserem je eigenen Potenzial erwachen, leisten wir dem bewussten Erwachen der ganzen Erde Vorschub oder, wie Laotse gesagt haben soll: »Die Welt erwacht, indem ein Mensch nach dem anderen erwacht.« Ich bin sicher, dass Wissen Macht bringt, dass Sie sich am Besten erfreuen werden, was Sie für sich selbst erschaffen, und dass Ihnen dieses Buch in irgendeiner Weise dabei helfen wird.
Mir kommt es rückblickend so vor, als seien bei mir viele Leben in einer einzigen Lebensspanne vereint. Ich war erfolgreicher Geschäftsmann und Verkaufsleiter, Unternehmer, Rennpferdtrainer, Lügendetektoranwender und Ermittler mit eigenem Geheim- und Abwehrdienstunternehmen, spiritueller Berater und Geistlicher, Motivations-Coach für Spitzensportler, Geschäftsleute und Künstler, Bestsellerautor, Experte für Hypnose, subliminale Kommunikation und vieles mehr. Bisher war es eine wunderbar erfüllte, lebensvolle Reise, die ich so nie im Voraus hätte planen können.
Warum sage ich das? Bei meinen verschiedenen Ausbildungen und Erfahrungen hat sich ein gemeinsamer Nenner ergeben: die mentale Kontrolle. Ob jemand Sportler ist oder Vernehmungsbeamter, er wird auf jeden Fall einen Gewinn davon haben, wenn er weiß, wie sich Emotionen in das Bewusstsein mischen, wie dadurch der Körper beeinflusst wird und wie das alles sich ständig im Kreis bewegt.
Der Mensch ist so verdrahtet, dass sich aus allem, was er tut oder sagt – beziehungsweise nicht tut oder sagt – ein Wink ergibt, ein Hinweis auf etwas Ungesagtes. Außerdem ist es aufgrund von vorhersagbaren psychologischen Automatismen relativ leicht, Menschen zu beeinflussen – auch Sie und mich.
Was Sie tun, was Sie besitzen, was Sie planen, was Sie glauben, für wen Sie sich halten, was Sie wollen und vieles mehr beruht auf Überzeugungen und Werten, die Ihnen anerzogen worden sind und die Sie sich inzwischen zu eigen gemacht haben, in sich zum Ausdruck bringen und für erstrebenswert halten. Manches davon ist einfach Enkulturation – ein unmerkliches Hineinwachsen in eine bestimmte Kultur -, aber wenn es durch absichtliche Manipulation geschieht, ist »Enkulturation« das völlig falsche Wort.
Ich glaube, dass man es verdient hat, zu wissen, was möglich ist, was andere einem antun können und was man selber tun kann, um die Zügel wieder in die Hand zu nehmen. Ich möchte, dass meine Söhne Roy und William möglichst frei von solcher Einflussnahme bleiben – oder zumindest genau Bescheid wissen. Mein Buch ist diesem Prinzip gewidmet und damit Roy, William und Ihnen.

Einleitung
Wir werden so klein wie die Begierde, von der wir getrieben sind, und so groß wie unser mächtigstes Streben.
James Allen
 
 
Dreißig Jahre lang habe ich das Bewusstsein studiert, aber im Grunde bin ich durch die Hintertür auf dieses Gebiet geraten. Meine anfänglichen Interessen hatten nichts mit persönlichem Wachstum oder Spiritualität zu tun, sondern orientierten sich an meiner praktischen Arbeit als Kriminologe und Anwender von Lügendetektoren. Je mehr ich jedoch über die Funktionsweise des Geistes in Erfahrung brachte, umso mehr faszinierte mich das unglaubliche Potenzial, über das wir alle im Innern verfügen.
In meinem früheren Buch Nutze die Kraft des Unterbewusstseins: die Chance deines Lebens1 habe ich untersucht, inwiefern unsere Entscheidungen durch Enkulturation und den Druck vonseiten unserer Altersgenossen beeinflusst werden, also nicht unsere eigenen sind. Im vorliegenden Buch stelle ich zunächst Betrachtungen darüber an, inwieweit andere ihre Kenntnis der Funktionsweise unseres Geistes dazu benutzen, um unsere Gedanken, Wünsche und Überzeugungen zu manipulieren. Bis zu einem gewissen Grad ist uns das bekannt – zum Beispiel weiß jeder, dass Handelsvertreter solche Taktiken anwenden. Aber viele von uns haben keine Ahnung, wie weit entsprechende Forschungen schon gekommen sind und wie tief sie reichen.
Den einen sind diese Informationen vielleicht zu viel, sie behaupten, kein Interesse an Verschwörungstheorien zu haben. Andere glauben weiter fest daran, dass unterschwellige Einflussnahme nicht funktioniert. Nur indem ich Ihnen das volle Ausmaß der Versuche zeige, die unternommen werden, um Kontrolle über unser Denken zu gewinnen – beziehungsweise Sie einer Gehirnwäsche zu unterziehen, wenn Sie so wollen -, kann ich Sie davon überzeugen, wie real die Gedankenkontrolle ist.
Eigentlich sind in diesem Buch zwei Bücher oder Teile vereint. Auch wenn vielleicht nur Interesse an einem davon besteht, habe ich die beiden der Vollständigkeit halber zusammengefasst. Teil I schildert die Ausgangslage, erklärt, wie der Geist funktioniert, und macht sehr detailliert deutlich, wie viel Mühe sich einige Leute bereits gemacht haben, sich die entsprechenden Kenntnisse anzueignen, in der Absicht, Sie auszunutzen. Dieser Teil ist nicht gerade eine Quelle der Inspiration, aber zumindest räumt er mit den Vorstellungen auf, dass subliminale Beeinflussung ein Ding der Unmöglichkeit ist, dass man nicht zu etwas gezwungen werden kann, das man nicht will, und dass niemand so etwas tut. Die Einzelheiten sind sehr lehrreich, und welche Interessen häufig hinter der Forschung stecken, dürfte inzwischen jedem klar sein.
Teil I behandelt fast alles, was ich über unterschwellige Kommunikation weiß. In meiner Arbeit ging es meistens darum, mir selbst zu beweisen, was wann und wie Wirkung zeigt – wenn überhaupt. Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass im Geist gewaltige Fähigkeiten schlummern, mit deren Hilfe wir entweder das Leben unserer Träume verwirklichen (inklusive Gesundheit, Wohlstand, Liebe usw.) oder uns alles das einhandeln können, was wir entschieden nicht wollen (Krankheit, Armut, Einsamkeit usw.). Ich liefere eine Fülle von Informationen über Methoden der Beeinflussung, insbesondere solche, die unterschwellig wirken, und erkläre, wie sie bei uns allen zur Anwendung kommen. Die Beweise dafür sind einfach überwältigend und unwiderlegbar. Außerdem werde ich Sie mit den guten Seiten subliminaler Kommunikation sowie mit Untersuchungen bekannt machen, die durchgeführt wurden, um aufzuzeigen, welch großen Nutzen diese Methode haben kann.
Wenn Sie Teil I gelesen haben, werden Sie einsehen, dass Teil II notwendig darauf folgen muss. Er enthält alles, was Sie für den Lebensalltag im 21. Jahrhundert wissen müssen, und gibt Ihnen das nötige Rüstzeug, die Techniken und Übungen an die Hand, mit deren Hilfe Sie der Mensch werden können, der Sie sein wollen.
Eine Metapher erklärt am besten den Zweck der beiden Teile: Stellen Sie sich vor, dass Ihr Geist wie frisches, glitzerndes Wasser ist, das aus einer Bergquelle sprudelt. Auf seinem Weg den Berg hinab fließt das Wasser durch einige kleine Dörfer und nimmt etwas Schmutz auf, gilt aber immer noch als sauber und trinkbar. In unserem Gleichnis entsprechen die kleinen Dörfer unserer frühen Kindheit – zumindest einer wünschenswerten frühen Kindheit.
Während das Wasser weiter bergab fließt und dabei größere Ortschaften und kleine Städte durchquert, verschmutzt es immer mehr. Es glitzert nicht mehr rein und klar, wird jedoch weiterhin als akzeptables Trinkwasser betrachtet, vor allem wenn es vor Gebrauch abgekocht wird. Die größeren Ortschaften entsprechen in vielem den Manipulationen, die in unserem Leben nahezu unvermeidlich sind, von der Taktik des Vertreters, der uns zum Kauf eines größeren Fernsehgerätes überredet, bis hin zu den co-abhängigen Machenschaften derer, die schon keinen eigenen Willen mehr haben.
Als Nächstes passiert das Wasser eine große Industriestadt. Abfall wird einfach in den Fluss entsorgt, der davon braun und träge wird. Kein Fisch kann mehr darin überleben. Das Wasser muss in einem Klärwerk aufbereitet werden, um wieder trinkbar zu sein. Die Industriestadt entspricht dem um sich greifenden Missbrauch von Beeinflussungsstrategien durch Werbung, Musik und Film. Diejenigen, die diese Methoden anwenden, interessiert nur, was für sie dabei herausspringt. Sie wollen, dass wir lauter Zeug kaufen, das wir nicht brauchen oder das sogar schädlich für uns ist. Sie wollen Emotionen wie Hass, Wut und Angst in uns wecken.
In dieser Großstadt sind Gewalttaten an der Tagesordnung. Dinge wie Amokläufe in Schulen, Schießereien in Einkaufszentren, Volksverhetzung, Engstirnigkeit, Rowdytum im Straßenverkehr und anderes sind allgemein verbreitet. Verbrechen werden am helllichten Tag auf offener Straße begangen, und niemand eilt den Opfern zu Hilfe. Die Welt ist düster, grau und hässlich. Und überall liest man Sprüche wie: »Nicht abhauen – draufhauen«, »Lieber motzen als kotzen«, »Die Guten sterben jung« und dergleichen.
Man sollte meinen, schlimmer könnte es nicht mehr kommen für das Wasser, das seine Reise als kühler Bergquell begonnen hat, aber weit gefehlt. Weiter flussabwärts leben Leute, die giftigen Atommüll ins Wasser entsorgen wollen. Zum Glück leben sie zurzeit noch am Rand der Stadt, und wenn wir alle zusammenarbeiten, können wir vielleicht verhindern, dass solche Vergehen den Lauf unseres Lebens verändern.
Die Vergiftung des Wassers entspricht der Anwendung von Gehirnwäsche, die nach Meinung vieler Menschen nie stattgefunden hat. Hier sind Leute zu finden, die nicht nur auf unsere Kaufkraft oder unsere Stimme aus sind, sondern existenzielle Kontrolle über uns erlangen wollen: Macht einzig um der Macht willen.
Teil II ist eine Art Kläranlage. Er zeigt Mittel und Wege, Philosophien und Überzeugungen auf, die dem stark verschmutzten Wasser langsam, aber sicher wieder zu seiner glitzernden Klarheit und Reinheit verhelfen. Sobald der Strom einigermaßen wiederhergestellt ist, kann er sich ein anderes Bett suchen, etwa durch Wiesen, Felder, Felsschluchten und glückliche Dörfer hindurch, um dann den Weg ins Meer zu finden. Teil II ist kein Ziel, sondern der Beginn einer fantastischen Reise. Er bietet Ihnen Methoden und Übungen an, mit deren Hilfe Sie zielstrebig wieder auf den Weg zurückgebracht werden, den Sie eigentlich gehen wollen – einen Weg des Lernens, des Liebens, der Freude und des Genusses auf dieser wunderbaren Reise namens Leben.
Vielleicht finden Sie Teil I beim Lesen zu trocken oder zu düster. In diesem Fall sollten Sie bloß die Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels lesen und schnell zu Teil II übergehen. Unter Umständen wollen Sie auf Ihrer Reise das, was Sie gelernt haben, mit jemandem teilen. Möglicherweise muss diese Person aber erst davon überzeugt werden, dass ein mentales Training notwendig ist. Dann könnte Teil I von Nutzen sein.
Gute Reise!

Teil I
Die zwei Gesichter mentaler Einflussnahme
Wenn man den Sinn von Worten verändern kann, die Kritikfähigkeit aufheben und auf mechanische Verhaltensweisen bauen kann, kann man die Massen kontrollieren. Das sind die Grundwerkzeuge der Manipulation.
Eldon Taylor

1. Abschnitt
Der Geist als Würger – die Schattenseite mentaler Einflussnahme

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Der dienstbare Geist

Jeden Morgen mit dem Vorsatz aufzustehen, glücklich zu sein, heißt, den Ereignissen eines jeden Tages den eigenen Stempel aufzudrücken. Das wiederum heißt, die Umstände selbst zu bestimmen, statt von ihnen bestimmt zu werden.
Ralph Waldo Emerson
 
 
Stellen Sie sich vor, Sie verfügten in Ihrem Innern über einen dienstbaren Geist, einen Genius, der Ihnen alles beschafft, was Sie sich nur wünschen – Gutes und Schlechtes. Gehen wir davon aus, dass Sie sich dieses Geistes nicht bewusst sind oder zwar davon gehört haben, es aber nicht glauben wollten. Vielleicht haben Sie sich auch bemüht, es zu glauben, und festgestellt, dass alles Schwindel war: Die ganze Sache mit dem dienstbaren Geist war einfach nur ein abergläubischer Hokuspokus.
Wir alle haben schon einmal von der »Kraft des Geistes« gehört, davon, dass »der Geist über die Materie triumphiert«, von einer »Körper-Geist-Verbindung«. Wir haben von Spontanheilungen gehört und dass man das Leben seiner Träume verwirklichen kann. Fast jeder hat etwas Derartiges schon erfahren, auch wenn es ihm nur in sehr eingeschränktem Maße begegnet ist.
Es gibt heute kaum jemanden, der nicht schon einmal von dem Buch oder dem Film The Secret – Das Geheimnis2 gehört hätte. Buch und Film waren absolute Bestseller; sie enthüllen zwar keine wirklichen Geheimnisse, vermitteln jedoch die inneren mystischen Lehren aller Zeiten in einer neuen Form. The Secret macht den Lesern oder Zuschauern klar, dass der eigene Geist so etwas wie ein dienstbarer Genius ist, denn alles, was er detailliert genug erfasst, zieht er an oder erschafft er, Begriffe, die in diesem Kontext austauschbar sind.
Vielleicht kennen Sie die amerikanische Oprah Winfrey Show oder andere Talkshows, in denen von sagenhaftem Reichtum und Überfluss die Rede ist, der Leuten nach Befolgung der Anweisungen aus The Secret zufiel. Oder Sie sind auf ein Buch, eine CD oder eine DVD mit einem Titel wie Das Gesetz der Anziehung gestoßen und haben einen Blick hineingeworfen, um etwas über das Wie, Warum und Weshalb zu erfahren.
Solcherart mit dem Geheimwissen und den Zeugnissen so vieler Menschen ausgerüstet, haben Sie sich vielleicht ein Vision-Board, eine Collage Ihrer Wünsche und Ziele, angelegt und Affirmationen auf Zettel ausgedruckt, die Sie überallhin geklebt haben, um sie immer vor Augen zu haben. Nach und nach haben Sie all die Dinge visualisiert, die Sie an sich ziehen wollten, und sogar angefangen, täglich zu meditieren. Sie haben sich im Internet über Begriffe wie New Age und Metaphysik informiert. Sie haben sich in diverse Mailinglisten eingetragen, an New-Age-Internetforen teilgenommen und Selbsthilferatgeber gekauft. Aber ach, es ist kein Wunder geschehen.
Leider ist das die Erfahrung, die die meisten Leute machen, denen die Idee vom Genius, vom dienstbaren Geist in ihrem Innern, gefallen hat. Einige sind allerdings doch zu einem anderen Ergebnis gekommen. Sie haben tatsächlich ihren Traum vom Eigenheim oder einer glücklichen Partnerschaft verwirklicht und Ähnliches. Wohlgemerkt: Viele sind es nicht, aber immerhin ein paar. Warum?
Unser Geist selbst ist der dienstbare Genius, er ist das Tor zur Manifestation des Gewünschten, auch wenn seine Rolle oft missverstanden wird. Er ist eine Pforte, ein Eingang, aber nicht das Mittel der Verwirklichung per se. Der Geist liefert die Bilder, nicht das Gefühl. Er organisiert die nötigen Aktivitäten zur Einrichtung eines Vision-Boards, zum Anbringen der Affirmationen und so weiter. Er bringt gewonnene Überzeugungen und Erwartungen in die Sache ein. Die wichtigste Funktion des Geistes aber besteht im Unterdrücken. Noch einmal: Die wichtigste Funktion des Geistes besteht im Unterdrücken!

Der menschliche Geist

Ob es Ihnen gefällt oder nicht, wir sind alle das Produkt von Millionen Jahren der Evolution zur Sicherung des Überlebens. Ganz gleich, welchem Beruf oder welcher Berufung wir nachgehen – das gilt auch für die höchstentwickelten spirituellen Wesen, die auf dieser Erde wandeln -, in uns gibt es primitive Reaktionsmuster, mit denen wir auf ebenso primitive und manchmal sogar ausgesprochen grobe Reize reagieren. Oft wirken Reize, die wir bei normalem Bewusstsein verwerflich finden, unterbewusst so in uns nach, dass wir regelrecht danach gieren. Durch solche Reaktionsmuster kommt es bei Kampf-oder-Flucht-Situationen, Tabus, gefürchteter sozialer Ablehnung und ähnlichen Stimuli zu automatischen Verhaltensweisen – den Automatismen.
Das menschliche Gehirn ist ein Wunderwerk der Evolution, und eine der grandiosesten Entwicklungen im Hinblick auf das Bewusstsein des Menschen ist die Großhirnrinde, auch Kortex genannt. Einer meiner ersten Lehrer, Professor Carl LaPrecht, pflegte zu sagen: »Wenn du in der Natur etwas in Hülle und Fülle vorfindest, dann pass auf. In diesem Fall ist es entscheidend für das System.« Die Großhirnrinde, die aus den kleinen grauen Zellen besteht, bildet den weitaus größten Teil des Gehirns. Und in der Großhirnrinde ist die erwähnte Kraft der Unterdrückung oder Hemmung angesiedelt.
Der Kortex ist die Bremse. In der Großhirnrinde werden Impulse unterdrückt, die nicht zu unserem Besten sind oder nicht unseren besten Absichten entsprechen. Der Kortex schaltet den Fernseher aus, wenn Gewalt gezeigt wird, wenn Krankheit und Leiden im Vordergrund stehen oder auch einfach nur Unsinn gesendet wird. Unser Geist ist wie ein großer Müllcontainer: Wir können alles hineinwerfen. Und er ist ebenso wie ein Müllcontainer schwer zu reinigen. Müllcontainer sind sehr standfest, und um sie zu reinigen, muss man mit einem Gartenschlauch, einem Eimer voll heißem Wasser, Reinigungsmitteln, Bürsten usw. hineinklettern. Was für eine lästige und unangenehme Arbeit!
Natürlich haben wir alle ein Bewusstsein, und einige Anzeichen deuten darauf hin, dass es bei unserem Erscheinen auf dieser Welt kein unbeschriebenes Blatt ist, auch wenn der englische Philosoph John Locke das Gegenteil behauptet hat und von Tabula rasa sprach. Nein, es scheint, als seien gewisse Veranlagungen und sogar eine bestimmte Art von Wissen (Zellerinnerung und mehr) bereits in unserem Bewusstsein verankert, wenn wir unseren ersten Atemzug tun. Trotzdem bilden die geistigen Inhalte, die wir nach der Geburt erwerben, im Keim das, was wir im Lauf der Zeit sowohl als unsere Identität wie auch als unser Wissen und Weltbild begreifen.

Das Gesetz der Anziehung

Sie haben vielleicht schon von den drei Komponenten des Gesetzes der Anziehung gehört – bitte, glaube und empfange. Das klingt so lange einfach, bis man die Tiefe seines Glaubens anzweifelt, und da scheitern die meisten Leute. Ich gliedere das Glauben wiederum in drei Bestandteile, die in der richtigen Reihenfolge aktiviert werden müssen, um den inneren Genius zu wecken. Das sind:
1. Der emotionale Input aus Leidenschaft und Überzeugung
2. Selbstvertrauen bzw. die mentale Fähigkeit, etwas tatsächlich visualisieren zu können und es dann in der Gewissheit, dass es Wirklichkeit werden wird, loszulassen.
3. Die spirituelle Aufrichtigkeit, mit der wir uns in der tiefsten Tiefe unseres Innern klarmachen, dass wir ein Geschenk des Schöpfers sind. In dieser Gewissheit kann die Vision losgelassen werden, denn wir glauben, dass dies oder etwas noch Besseres eintreten wird, zum höchsten Wohl aller, die es betrifft.
Alles, was uns vom Denken, Fühlen und Wissen dieser drei Bestandteile ablenken könnte, sabotiert in entsprechendem Maße unsere Bemühungen um die Verwirklichung unserer Wünsche.
Wenn wir das eingesehen haben, wird uns leichter begreiflich, warum manche Menschen erst ihre Wünsche verwirklichen, nur um dann alles wieder zu verlieren und schlechter dazustehen als vorher, warum andere überhaupt nichts erreichen und wieder andere das Gegenteil von dem bewirken, was sie wollen.
Davon ausgehend können Sie wie ich fragen: Warum scheinen die meisten Leute unfähig zu sein, sich den inneren Genius nutzbar zu machen und sich die Wirklichkeit zu erschaffen, die sie verdienen?
Der Vergleich mit dem Müllcontainer liefert den ersten Anhaltspunkt zur Beantwortung dieser Frage. Der Müll, den manche Menschen in ihrem Geist mit sich herumtragen, würde Angst und Schrecken hervorrufen, wenn er öffentlich sichtbar wäre. In den Briefen von Allen Boone an den berühmten Film-Schäferhund Strongheart alias Etzel heißt es: »Ein schrecklicher Anblick – wenn die Gesichter der Leute ebenso unvollkommen aussehen wie ihr Geist.« Ich würde es so ausdrücken: »Ein schrecklicher Anblick – wenn die Gesichter der Leute ebenso grotesk aussehen wie die schlimmsten Ausgeburten ihres Geistes.«
Ich stelle mir gern eine Welt voller Freude, Frieden, Ausgewogenheit und Harmonie vor. Aber das ist nicht einfach in Anbetracht einer allem Anschein nach gefühllosen, grausamen Natur. Während ich das denke, wird mir bewusst, dass ich die Natur vermenschliche, also wende ich mich in Gedanken wieder den Menschen zu, aber da treffe ich auf so fürchterliche Sachen, im Vergleich zu denen der Löwe, der das Lamm schlägt, harmlos ist. Wie können wir denn Frieden, Ausgewogenheit und Harmonie finden? Wie erreichen wir spirituelle Aufrichtigkeit und verbinden sie im rechten Maß mit mentalen und emotionalen Inhalten, um eine friedvolle, ausgewogene und harmonische Welt zu schaffen?
Für manche bedeutet eine Verwirklichung ihrer Ziele Autos, Swimmingpools, Häuser, Reichtümer, Sex und die Erfüllung anderer Gelüste. Für den aufrichtig Spirituellen geht es zuerst um Frieden, Ausgewogenheit und Harmonie und dann um Gesundheit und individuelles Glück. Das sind komplexe Themen, deren Benennung allein nicht viel aussagt, so können wir die Sache auf sich beruhen lassen, indem wir sagen: Das Leben jedes Menschen hat einen bestimmten Sinn, und in dem Bestreben, diesen Sinn zu finden, erleuchtet er sich und seine Umwelt.
Zurück zum eigentlichen Punkt: Der Geist ist sowohl Zündung als auch Bremse. Als Erstes am Morgen schlage ich die Augen auf und halte Selbstgespräche. Vielleicht kreisen meine Gedanken um einen Traum, oder sie beschäftigen sich sofort mit den neuen Plänen des Tages.
Der Geist geht gleich daran, die Maschinerie der Gedanken, Überzeugungen, Ambitionen, Ziele und so weiter in Gang zu setzen. Dieser konstante Bewusstseinsstrom aus Selbstgesprächen informiert uns über unsere Stimmungen, Einstellungen, Vorlieben, Abneigungen und noch vieles mehr. Es ist dieser Bewusstseinsstrom, der dem Inhalt unseres »Müllcontainers« entspricht.

Eine Warnung

Zu Anfang dieses Kapitels haben wir uns den Genius, einen dienstbaren Geist in unserem Innern, vorgestellt. Ich bin überzeugt, dass dieser innere Genius tatsächlich existiert, aber wenn Sie das nicht glauben, ist es auch in Ordnung. Ich will Ihnen nur zeigen, dass dieser Genius immer schon am Werk ist, auch wenn Sie denken, es handelt sich bloß um ein ausgetüfteltes System zum Reichwerden. Um genauer zu sein: Je schlimmer Ihr Leben Ihnen erscheint, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Genius schwer arbeitet, um all Ihre Ängste (Emotionen), Gedanken (Erwartungen) und spirituellen Einsichten (»Lieber motzen als kotzen«) zu bedienen. Genau auf diese Weise werden unsere Hoffnungen und Ambitionen abgewürgt. Schon hat sich Ihr Geist in einen Würger verwandelt.
Um meinen Standpunkt angemessen zu illustrieren, muss ich deutlich sagen, dass der Wille uns bisweilen in dunkle Winkel führt. Ich war jahrelang als Kriminologe tätig. In dieser Zeit habe ich Lügendetektortests durchgeführt, Ermittlungen geleitet, forensische Hypnose betrieben und dergleichen mehr. Ich erinnere mich noch gut an einen Fall, in dem ein junger Mann des sexuellen Missbrauchs und Mordes an seiner Mutter beschuldigt wurde. Das war eins der finstersten und teuflischsten Verbrechen, mit denen man sich überhaupt befassen kann. Mir wurde ab und zu kotzelend, während ich alles, was ich über diesen Fall herausbekommen konnte, rekonstruierte. Der Beschuldigte war bereits wegen des Verbrechens verurteilt worden, als ich eingeschaltet wurde. Die Moral von meiner Geschichte ist folgende: Der Junge hatte das Verbrechen gar nicht begangen, und das wiesen wir nach. Er ist heute frei. Hätte ich mich geweigert, die sogenannten »dunklen Seiten« zu untersuchen, hätte alles ganz anders ausgehen können, denn es war hauptsächlich den Ergebnissen meiner Ermittlungen zu verdanken, dass er freikam.
Noch einmal: Wenn wir Argumente liefern wollen, müssen wir wie die Kriminalbeamten ein paar üble Dinge auf uns nehmen. Ich wünschte, es gäbe einen anderen Weg, aber es gibt keinen. Hingegen gibt es so viele Fehlinformationen, dass unsere Argumente, ob pro oder kontra, in jeder Hinsicht über alle Anfechtungen erhaben sein müssen. Das heißt manchmal, einer Sache ganz auf den Grund zu gehen.
Es gab eine Zeit in meinem Leben, da habe ich mich um gute Kontakte (Informanten) auf der Straße bemüht. An diese Kontakte zu kommen konnte bedeuten, in die Lokale dieser Leute zu gehen und sich dort anzupassen. Wenn Sie mir an diese finsteren Orte folgen, verspreche ich Ihnen, dass Sie daraus mit einem tieferen Verständnis von uns Menschen und der Welt ringsum hervorgehen werden. Aber ich warne Sie, denn wenn Sie völlig naiv und gutgläubig sind und es auch bleiben wollen, sollten Sie besser bleiben, wo Sie sind. Klappen Sie das Buch gleich wieder zu. Sollten Sie jedoch, wie die meisten Leute, aufrichtig verstehen wollen, wie Ihre Entscheidungen vorprogrammiert werden, wie Ihr Denken beeinflusst wird und wie Sie tagtäglich zu etwas überredet werden oder andere zu etwas überreden, dann lesen Sie weiter. Das alles und noch mehr können Sie den folgenden Seiten entnehmen.
Noch eine Warnung: Einige Teile dieses Buches sind nichts für Kinder. Bitte halten Sie das Buch von Kindern fern. Es ist nicht das Kamasutra und handelt auch nicht von erotischen Abenteuern, aber es werden ein paar brutale psychologische Fakten und Missbrauchsmöglichkeiten sichtbar gemacht. Bestimmt ist manches von dem, was folgt, abstoßend, und dafür möchte ich mich schon jetzt entschuldigen. Ich weiß aber auch, dass Sie wirklich über einen dienstbaren Geist in Ihrem Innern verfügen. Sobald Sie sich daranmachen, den Müll aus dem Container zu entfernen, sobald Sie die Kräfte Ihrer Großhirnrinde nutzen, um das weitere Abladen von Müll in Ihrem Geist zu verhindern, und sobald Sie die einfachen Mittel kennen, um den Müll zu entsorgen, hat sich die Reise mehr als gelohnt.
Der Genius in Ihrem Innern ist Ihr Geburtsrecht.
Und die Herrlichkeit des Schöpfers zu manifestieren,
indem Sie Ihren Lebenssinn verwirklichen,
ist das höchste und beste Geschenk,
dass Sie dem Geber machen können.
Ein Teil meines Lebenssinnes war es immer, die unlautere Anwendung von Beeinflussungsmethoden zu enthüllen und zu unterbinden, gleichzeitig aber dafür zu sorgen, dass diese Methoden auf richtige Weise kultiviert und angewandt werden können. Ich hoffe, Sie werden am Ende dieses Buches finden, dass ich meinem erklärten Ziel treu geblieben bin, zumindest teilweise.

Zusammenfassung

Unser Geist ist die Quelle unserer Vorstellungen und Ambitionen. Ich habe die Fähigkeit unseres Geistes, uns ein Leben nach unseren Wünschen zu gestalten, mit dem Bild eines dienstbaren Geistes veranschaulicht. Zugang zu diesem Genius zu finden ist allerdings nicht so leicht. Wir halten uns gern für die Krone der Schöpfung, dabei sind uns primitive Automatismen eingeprägt. Das Leben, Druck vonseiten Gleichaltriger, Enkulturation und die vorsätzliche Manipulation dieser Automatismen, das alles nimmt Einfluss auf unseren inneren Genius. Infolgedessen kommt es uns mitunter so vor, als entziehe sich das Leben unserer Kontrolle. Wo hat die Manipulation eigentlich eingesetzt?

2

Werden wir manipuliert?

Wenn du ein Stern sein willst, musst du dein eigenes Licht ausstrahlen, deine eigene Bahn ziehen und darfst keine Angst vor der Dunkelheit haben, denn dort leuchten die Sterne am hellsten.
Anonym
 
 
Ich bin kein Verschwörertyp und halte im Allgemeinen auch nichts von sogenannten Verschwörungstheorien. Aber ist nicht in einer Welt, in der die Möglichkeit zur Manipulation besteht, die Frage, ob wir manipuliert werden, angebracht?
Die Antwort lautet: »Natürlich werden wir manipuliert.« Jeden Tag werden wir von irgendjemandem manipuliert, und das wahrscheinlich schon unser Leben lang. Unsere Kleiderwahl, die Autos, die wir fahren, die Nahrungsmittel, die wir essen, unsere Freizeitaktivitäten, unsere Ansichten und selbst die Brille, durch die wir uns selbst sehen, all das ist so beschaffen, dass es unmöglich ist, unsere Identität getrennt von dem Prozess zu sehen, der uns dahin gebracht hat, wo wir heute sind. Worte wie Enkulturation, Ethnozentrismus, Egozentrik und andere geben der Vermutung Ausdruck, dass unsere Umwelt unsere Eindrücke und Persönlichkeit prägt und infolgedessen auch unsere Urteile und Überzeugungen. Die meisten Manipulationen dieser Art gelten als Fakten des Lebens, und das sind sie im Grunde auch.
Propaganda definiert der Merriam-Webster als »(1) die Verbreitung von Ideen, Informationen oder Gerüchten zu dem Zweck, eine Institution, Sache oder Person zu stärken oder zu schwächen; (2) Ideen, Fakten oder Behauptungen, die absichtlich verbreitet werden, um die eigene Sache voranzubringen oder die Gegenseite zu schädigen«. In der Vergangenheit ist öffentliche Propaganda dazu benutzt worden, ganze Gesellschaften von der Richtigkeit rechtswidrigen Tuns zu überzeugen. So weit kennen die meisten von uns die Geschichte, aber wissen Sie auch, woher die Propaganda stammt und in welchem Maße man sich ihrer bedient? Wie es möglich ist, ganze Völker dazu zu verführen, alle moralischen und ethischen Bedenken über Bord zu werfen, wie es die ganze Welt während des Holocausts miterlebte?
Wie werden vernünftige Menschen davon überzeugt, dass vernunftwidriges Handeln richtig und gerecht ist? Was schlummert in der Psychologie der Massen, das gemeinsame Aktionen auslöst, die mit den Überzeugungen des Einzelnen unvereinbar sind? Gibt es Menschen, Gruppen, Unternehmen und Regierungen, die diese menschlichen Schwächen erkennen und ausbeuten wollen? Ist es dumm oder einfach nur naiv, an so etwas nicht zu denken?
Wo sollen wir anfangen? Müssen wir den ganzen Weg bis zur Wiege der Menschheit zurückgehen, oder können wir mit etwas beginnen, das unserer Zeit näher ist? Für unsere Zwecke will ich mit der Geschichte von Edward Bernays und dem beginnen, was wir heute Propaganda nennen.

Die Geburt der Propaganda

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellte Bernays’ Onkel, der berühmte Psychotherapeut Sigmund Freud, seine Theorie eines dynamischen, aktiven, Entscheidungen treffenden unbewussten Geistes auf. Der bedeutende amerikanische Philosoph und Psychologe William James lehnte dieses Modell ab. Er vertrat in seinen Principles of Psychology3 die Auffassung, dass der Geist einzig auf bewusste Prozesse beschränkt sei und dass sogenannte unbewusste Vorgänge »rein physischer Natur« seien. Er behauptete, für die beiden unterschiedlichen Arten des Bewusstseins seien bloß »metaphysische Substanzen« verantwortlich: Das Bewusstsein sei die Krönung der menschlichen Vernunft, das Unbewusste eine reine Körperfunktion.
James’ Werk (erschienen 1890), das seiner Zeit weit voraus war, hat zwar als echter Klassiker der Verhaltensforschung überlebt, doch seine Ablehnung eines intelligenten Unbewussten war ein Fehler. Mit der Zeit und nach vielen Auseinandersetzungen ist klar geworden, dass der Geist weitgehend aus einem Unbewussten besteht, welches das Bewusstsein mit dem versorgt, was es denken soll. Entsprechende Forschungen wurden 1967 von Benjamin Libet durchgeführt und sind wiederholt bestätigt worden, zuletzt von John-Dylan Haynes vom Bernstein Center for Computational Neuroscience in Berlin: Bei einer Messung der Gehirnleistung, die zum Moment der bewussten Entscheidung führt, konnten die Wissenschaftler an bestimmten Signalen ablesen, dass die Versuchspersonen etwa 10 Sekunden, bevor sie absichtlich eine Bewegung ausführten, sich bereits dazu entschlossen hatten. In etwa 70 Prozent der Fälle konnten die Forscher außerdem voraussagen, welchen Knopf die Studenten drücken würden.4
Es war also das Unterbewusstsein, das Bernays anzapfen wollte. Er nannte seinen Ansatz der Meinungsformung »engineering of consent«, und da er seine Methode durch die Theorie seines Onkels Sigmund Freud begründete, konnte er sie mit dem Wort wissenschaftlich schmücken. In seinem einflussreichsten Buch Propaganda behauptet Bernays, dass die Manipulation der Massen eine absolute Notwendigkeit für die Demokratie und ihre Wirtschaft sei, da sie nur so funktionieren könnten:
Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft. Diejenigen, die diesen verdeckten Mechanismus der Gesellschaft manipulieren, setzen eine unsichtbare Regierung ein, welche die wahre Herrschermacht unseres Landes ist. Wir werden beherrscht, unser Denken wird kanalisiert, unser Geschmack wird gebildet und unsere Ideen werden uns suggeriert, und das überwiegend von Männern, von denen wir nie etwas gehört haben … In fast jeder Handlung unseres Lebensalltags, ob im Bereich von Politik oder Wirtschaft, Sozialverhalten oder Ethik, werden wir von einer relativ kleinen Anzahl von Personen beherrscht, … die die mentalen Prozesse und die sozialen Muster der Massen verstehen. Sie sind es, die die Fäden ziehen und so das öffentliche Denken bestimmen.5
Für unsere Zwecke ist es wichtig zu verstehen, dass laut Freud nicht nur ein intelligentes Unbewusstes Einfluss nimmt, sondern dass es vor allem die Sexualität ist, die bei der Persönlichkeitsentwicklung und der Herausbildung von unbewussten Strategien und Abwehrmechanismen eine zentrale Rolle spielt. Diese Erkenntnis prägte im Lauf der Zeit die Welt der Werbung auf nahezu allen Ebenen.

Die Freud’sche Psychologie

An dieser Stelle dürfte ein kurzer Überblick über die Psychologie Freuds hilfreich sein. Freud verband die psychische Reifung mit dem Sexualtrieb und sprach von der »psychosexuellen Entwicklung«. Nach seiner Ansicht verändert sich mit der Sexualenergie auch die psychische Reifung. Freud nennt drei Entwicklungsstadien: die orale, die anale und die phallische Phase.
Grundthema ist die »polymorphe Perversion«, die Fähigkeit, allen Teilen des Körpers erotische Lust abzugewinnen. In den drei Phasen findet das Kind sein Vergnügen auf eine Art und Weise, die bei einem Erwachsenen für pervers gehalten würde. Das erste Stadium ist die orale Phase. In den ersten beiden Lebensjahren ist das Kind auf orale Befriedigung bedacht. Die zweite wird als anale Phase bezeichnet und geht mit dem Toilettentraining einher, das ein Kind meist im Alter von zwei oder drei Jahren durchmacht. Das dritte Stadium ist die phallische Phase, die normalerweise im Alter von drei bis sechs Jahren durchlebt wird und in der das Kind erste geschlechtliche Lustgefühle erfährt.
Wenn die Entwicklung vorzeitig ins Stocken gerät, kann das Kind als Erwachsener auf einer der genannten Ebenen stecken bleiben. Für Freud äußern sich Probleme in der ersten Phase beim Erwachsenen in dem Bedürfnis, zu rauchen oder viel zu essen. Ursache könnte eine unvollständige orale Phase sein, etwa zu frühes Abstillen, Strafen während des Stillens (zum Beispiel ein Klaps, wenn das Kind beim Stillen beißt) oder zu langes Stillen, das in manchen Fällen bis ins dritte Stadium anhält. Probleme in der zweiten Phase entstehen meistens als Folge von Bestrafungen des Kindes während des Töpfchentrainings. Sie führen oft zu einer analen Fixierung. In der dritten Entwicklungsphase betrachtet das Kind, so Freud, den Elternteil gleichen Geschlechts als Rivalen, der mit ihm um die Gunst des andersgeschlechtlichen Elternteils buhlt, woraus der Ödipus- und der Elektrakomplex resultieren.
Außerdem ist nach Freuds Theorie die Persönlichkeit in drei Instanzen gegliedert: das Es, das Über-Ich und das Ich. Das Es ist zuerst entstanden, es ist triebhaft, strebt nach Lustgewinn und vermeidet nach Möglichkeit Schmerz. Es schließt sowohl den Lebenstrieb als auch den Todestrieb in sich ein. Und es steckt hinter dem Sexualtrieb, denn die Fortpflanzung ist Teil des Lebenstriebes. Hier hat Freuds Begriff der Libido seinen Ursprung; da die Libido sowohl das Leben als auch dessen Gegenteil einbegreift, können sich libidinöse Impulse auch als Todestrieb äußern. Das ist wichtig zum Verständnis der subliminalen Inhalte von Printmedien, denn auch Sterbe- und Todesszenen tauchen oft unterschwellig in der Werbung auf.
Das Über-Ich ist die autoritäre innere Stimme unserer Enkulturation. Es ist der Sitz des durch Sozialisation bedingten »Sollens« oder »Müssens«. Das Über-Ich versucht uns Moral einzutrichtern und spricht durch unser Gewissen zu uns.
Das Ich vermittelt zwischen den triebhaften Begierden des Es, die oft mit den sittlichen Normen der Gesellschaft kollidieren, und dem Drängen des Über-Ichs, sie zu unterdrücken. Es eröffnet meistens Möglichkeiten, die mehrheitlich sozial akzeptiert werden. So findet zum Beispiel die Sexualität ihren Ausdruck in der Ehe statt in rein triebhafter Form, vorausgesetzt, es handelt sich um einen sozial angepassten Menschen.
Wenn starke Konflikte zwischen dem Es und dem Über-Ich auftreten, kommt beim Ich einer der unterschiedlichen Abwehrmechanismen zur Anwendung, um das betreffende Ereignis aus dem Bewusstsein zu löschen, aber der Konflikt bleibt im Unterbewusstsein bestehen.
Das Ich ist ein Konstrukt des Geistes. Normalerweise verankert es sich erst während des Individuationsprozesses, wenn wir etwa zwei Jahre alt sind, mit tiefen Wurzeln in uns. Die Fachliteratur ist voll von Aufzählungen und Kategorisierungen der verschiedenen Aktivitäten, die im Bewusstsein auftreten können.

Bewusstseinskategorien

Für unsere Zwecke genügt es, das Bewusstsein in vier Kategorien zu unterteilen: Vorbewusstes, Bewusstes, Unterbewusstes und Unbewusstes.
1. Das Vorbewusste ist ein Teil unserer Erinnerung bzw. ein Wissen, auf das wir zurückgreifen können, das uns im Augenblick aber nicht bewusst ist.
2. Das Bewusste ist all das, was uns voll und ganz bewusst ist.
3. Das Unterbewusste liegt unterhalb der Bewusstseinsschwelle und ist uns im Allgemeinen verborgen.
4. Das Unbewusste ist dem Zustand des Tiefschlafs oder Komas vergleichbar und möglicherweise der Teil des Geistes, der nach Ansicht von C.G. Jung, dem Begründer der analytischen Psychologie, immer – durch eine Art Telefonleitung oder Verbindungskabel – auch am kollektiven Bewusstsein teilhat.
Zu den Abwehrmechanismen des Ichs gehören Verleugnung, Repression, Regression, Projektion, Sublimation, Reaktionsbildung und Verdrängung. Wie sich in den nachfolgenden Kapiteln zeigen wird, können diese Mechanismen, wenn sie die Form der Wahrnehmungsabwehr annehmen, das Augenscheinliche verbergen. Doch ob wir mit Freuds Theorien übereinstimmen oder nicht, ist für unsere Zwecke unerheblich. Wichtig ist nur, dass wir, wenn wir dieses Schema verstehen, erkennen können, warum bestimmte Bilder – auch Tabus – absichtlich von Werbetreibenden und anderen benutzt werden, um uns zu manipulieren. In Kapitel 3 befassen wir uns ausführlicher mit den Abwehrmechanismen, den dabei angewendeten Strategien und den Prinzipien der Kooperationsbereitschaft oder Willfährigkeit (Compliance), denen jeder ausgesetzt ist. Fürs Erste wollen wir jedoch mit der Geschichte von Edward Bernays und seiner Propaganda fortfahren.

Die Revolution in der Werbung

Bernays wollte eine Kommunikationsform entwickeln, mit deren Hilfe die stumme Masse manipuliert werden kann. Dazu führte er Freuds Theorien auf eine Weise weiter, der die heutige Psychologie noch immer hinterherhinkt. Bernays setzte Freuds Erkenntnisse in die wissenschaftliche Praxis um, indem er Verhaltensforscher die Reaktionen von Menschen auf verschiedene Reize untersuchen ließ. Gruppen wurden hinsichtlich ihrer Reaktionen auf bestimmte Worte, Bilder und anderes getestet, und anschließend wurden nach einer ausgeklügelten Auswertung Werbekampagnen ausgearbeitet und neue Versuche angestellt. Unnötig zu erwähnen, dass seine Methoden sehr erfolgreich waren.
Bernays revolutionierte Werbung, Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit. Dieser Mann, der 1995 starb, gilt weithin als »Vater der Public Relations«. Sein Einfluss machte sich über siebzig Jahre lang geltend, und zu seinen Kunden zählten viele große Unternehmen, Politiker und Publizisten. 1929 organisierte er die Fünfzigjahrfeier zur Erfindung der Glühlampe. Mit dem »Goldjubiläum des Lichts« (Light’s Golden Jubilee) wurde Thomas Edison als deren Urheber gewürdigt, und die Feier war so erfolgreich, dass sie Edison für alle Zeiten als Erfinder der Glühlampe festschrieb, obwohl dieses Verdienst eigentlich dem Engländer Joseph Swan zukommt.
Edward Bernays war nicht allseits beliebt. Er gab dem Wort »Propaganda«, das ursprünglich »wahrheitsgetreue Aufklärung zur Aufhebung von Unwissenheit und Fehlinformation« bedeutete, seinen heutigen Sinn, der bei den meisten Menschen Argwohn weckt. Die Geringschätzung und Arroganz, mit der er die »kleinen Leute« betrachtete, trug ihm in der Öffentlichkeit eine gewisse Verachtung ein. Das Wichtigste aus unserer Perspektive jedoch ist die Tatsache, dass Bernays es schaffte, Sozialwissenschaften und Marketing so zu verschmelzen, dass daraus mehr gute Psychologen mit Marketingkenntnissen als gute Marketingberater mit psychologischen Kenntnissen hervorgingen.
Wie der Anwalt und Autor August Bullock schreibt, wurden in den USA schon gegen Ende der Fünfzigerjahre schätzungsweise eine Milliarde Dollar pro Jahr in die Motivforschung gesteckt und weitere zehn Milliarden in die Werbung allgemein, enorme Ausgaben, wenn man bedenkt, dass damals ein Brot 17 Cent kostete. In seinem fesselnden Buch The Secret Sales Pitch6 (»Die geheime Verkaufstechnik«) beschrieb er anschaulich, wie diese Motivforschung bisweilen vor sich ging. Ein kurzer Blick auf einige der Internetfragen enthüllt, welch großes Interesse die Wissenschaftler an den unbewussten Gründen für den Konsum verschiedener Güter hatten. Zum Beispiel fragten sie: »Was sind Ihre frühesten Erinnerungen im Hinblick auf Plätzchen?« oder: »Welche Gefühle weckt Plätzchenessen bei Ihnen?« Diese Interviews, so Bullock, wurden obendrein oft gefilmt und dann von einem Forscherteam analysiert.
Die Regale der Buchläden quellen über von Büchern, in denen Ideen und Methoden propagiert werden, die für die meisten Menschen eine Beleidigung darstellen. Die Marketingexperten behaupten, sie wüssten, was wir wollen, und sie gehen nach landläufiger Meinung mitunter brutal vor, um sicherzustellen, dass wir es auch bekommen. Aus Büchern wie The Secret Sales Pitch oder auch aus Bernays’ eigenem Werk Propaganda wird die unmissverständliche Botschaft der Werbeagenturen klar: Die Menschen sind dumm und darum am besten bedient, wenn sie manipuliert werden. Oder wie Bernays es ausdrückt: »Die Demokratie liegt in den Händen einer intelligenten Minderheit, die weiß, wie die Massen reglementiert und geführt werden können.«
In ihrem Buch Age of Propaganda7 (»Zeitalter der Propaganda«) weisen die Autoren Pratkanis und Aronson mit verschiedenen Beispielen nach, wie scheinbar unbedeutende Kleinigkeiten, die für eine Sache eigentlich irrelevant sein müssten, eine Entscheidung beeinflussen können, selbst solche tiefgreifenden Entscheidungen wie die, ein Volk in den Krieg zu führen. So zeigen sie, wie kaum merkliche Ähnlichkeiten unter Umständen eine Verbindung zwischen heutigen Situationen und historischen Entscheidungen herstellen können. Zum Beispiel werden bei zwei US-Präsidenten, die aus demselben Staat kommen, die Handlungen des einen, sobald er sich in einer ähnlichen Situation befindet wie der andere, mit denen des Vorgängers verglichen.
Nach Bernays betrat George Orwell mit seinem Klassiker 19848 die Bühne. Er sah eine Zukunft voraus, in der die Massen vom Großen Bruder, dem Big Brother, regiert werden, dessen Regime zur Beobachtung und Kontrolle der Öffentlichkeit die Technik einsetzt. Orwells utopischer Roman erschien 1949; der Autor starb nur fünf Jahre später, ohne zu wissen, wie prophetisch sein Buch war.
1946 gründete der Werbefachmann Ernest Dichter in New York das Institut für Motivforschung. Er hatte für Chrysler sowie Procter & Gamble gearbeitet und definierte seine Anwendung der Motivforschung als »qualitative Forschung zur Aufdeckung der unterbewussten oder verborgenen Motive, die das Kaufverhalten eines Konsumenten bestimmen«.9
Dichter wird zugeschrieben, das Tiefeninterview entwickelt zu haben. Er war davon überzeugt, dass kaum jemand freiwillig offenlegt, warum er etwas kauft, oder dass er es nicht artikulieren kann. Mithilfe von Tiefeninterviews wurden Assoziationen, Ideen, Emotionen usw. erforscht. Diese Art der Konsumentenforschung feiert übrigens gerade eine Art Comeback.

Der Streit um die Subliminaltheorie