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Inhaltsverzeichnis
 
 
 

Buch
Brittany Baldizzi hat ein großes Problem: Sie ist schwanger – von einem Vampir. Einem verdammt sexy Vampir, den sie seit dieser einen Nacht nie wieder gesehen hat. Denn wer hätte denn schon gedacht, dass Vampire zeugungsfähig sein könnten, immerhin sind sie ja eigentlich tot! Als sie sich auf die Suche nach Corbin macht, um dem Vater in spe die freudige Nachricht zu verkünden, wird ihr klar, dass er nicht gerade ein geschätztes Mitglied der Las-Vegas-Vampirgemeinde zu sein scheint, sucht er doch nach einem Mittel, den Vampirismus zu »heilen« und in die Sterblichkeit zurückzukehren. Auch Corbin ist geschockt von den Neuigkeiten, und bald wird beiden bewusst, dass ihr Kind zu drei Vierteln Vampir sein wird. Diese Tatsache macht das Baby zu einem enormen Machtinstrument in der Vampirgesellschaft, doch Corbin sieht sich schnell ganz anderen Gefahren gegenüber – einer schwangeren Frau und ihren Launen …

Autorin
Erin McCarthy sagt von sich selbst, dass sie eine große Schwäche hat: Bücher schreiben. Vor allem, wenn diese Humor mit Sinnlichkeit und paranormalen Elementen verbinden. Ihrer Leidenschaft für Dämonen hat sie als Jugendbuchautorin unter dem Namen Erin Lynn bereits mit der erfolgreichen »Demon«-Serie nachgegeben. Mit ihren sexy-heißen Romanen hat sie bereits die Bestsellerlisten gestürmt. Und jetzt freut sich Erin McCarthy darauf, in den »Vegas Vampires« einer Riege von richtig sexy-sinnlichen Vampiren zu zeigen, wie schön Liebe mit Biss und Humor ist.
Erin McCarthy lebt mit ihrer Familie in Ohio.
 
Weitere Informationen finden Sie unter:
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Von Erin McCarthy bei Blanvalet lieferbar:
Beim nächsten Biss wird alles anders (37380)
Ein Vampir zum Anbeißen (37434)

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1
Also, es ist nicht die Grippe.«
Brittany Baldizzi beobachtete ihre Hausärztin, die sich gerade eine Haarsträhne hinters Ohr steckte, als sie zurück ins Behandlungszimmer trat. Brittany saß auf der Kante der Untersuchungsliege und war ernstlich verwirrt. »Ein Tumor? Seit Wochen ist mir immer wieder furchtbar übel.«
»Kein Tumor.« Dr. Hopkins lächelte. »Sie sind schwanger.«
»Bitte?« Der Raum war mit einem Schlag blendend weiß, und in Brittanys Ohren brummte es. »Schwanger? Ich kann nicht schwanger sein!«
Niemals. Unmöglich.
»Waren Sie enthaltsam?«, fragte Dr. Hopkins mitfühlend.
»Ja, ich war absolut enthaltsam.« Wie zum Teufel konnte sie schwanger sein?
Dr. Hopkins zog eine Augenbraue hoch. »Wirklich?«
Okay, also das stimmte nicht ganz. »Na ja, so gut wie. Ich hatte im letzten halben Jahr nur ein einziges Mal Sex.« Doch das war mit Corbin Atelier gewesen, was nicht zählte, weil er ein Vampir war.
»Einmal reicht.«
Normalerweise. Wenn man Sex mit normalen, sterblichen Männern hatte. »Aber …« Brittany kratzte sich am Kopf. »Er kann keine Kinder zeugen.« Glaubte sie zumindest. Obwohl, er hatte nie wirklich gesagt, dass er keine Kinder zeugen könnte. Allerdings hatte er auch nichts über Verhütung gesagt.
»Es tut mir leid, dass das so ein Schock für Sie ist, Brittany, aber offensichtlich kann er Kinder zeugen, denn Sie sind definitiv schwanger.«
»Also, ich hatte keine Ahnung.« Dass Vampire Sperma produzieren.
Was eine dämliche Annahme ihrerseits gewesen war. Schließlich behauptete ihr Schwager doch steif und fest, dass ihr eigener leiblicher Vater ein Vampir wäre. Aber sie hatte eins und eins nicht zusammengezählt, als sie in jener Nacht mit Corbin gesprochen hatte.
Wenn sie jedoch ganz ehrlich war, dann war es ja nicht so, dass Corbin und sie furchtbar viel Zeit mit Konversation verbracht hatten, nachdem er durch ihr Schlafzimmerfenster geklettert war und sie um eine Blutprobe gebeten hatte. Sie hatte ihm ihr Blut gegeben und ihren Körper – und dann hatte er ihr ein Baby gemacht.
Heilige Scheiße.
Es wäre wirklich nett von ihm gewesen, wenn er sie darauf hingewiesen hätte, dass seine Spermien schwimmen konnten.
 
»Du bist was?« Alexis, ihre Schwester, starrte sie nur an.
Brittany warf sich auf Alexis’ Ledersofa und stöhnte. Dieser entsetzte, ungläubige Ausdruck auf Alexis’ Gesicht – genau so hatte sie im Behandlungszimmer wohl auch ausgesehen. »Du hast richtig gehört. Ich bin schwanger. Und bevor du fragst: Ich habe die Ärztin den Test wiederholen lassen.«
»Also … wirklich. Shit. Das kommt überraschend.« Alexis fuhr sich mit beiden Händen durchs Haar. »Ein Baby. Du wirst Mutter. Wow. Okay. Also, das ist aufregend. Glaub ich. Nein, ich bin mir sicher. Ein Baby – das ist immer gut. Aber verdammt, zum ersten Mal seit Ethan mich umgedreht hat, bin ich wirklich traurig darüber, eine Vampirin zu sein. Ich werde nicht gerade eine normale Beziehung zu meinem Neffen oder meiner Nichte haben, stimmt’s? Aber du weißt ja, ich freu mich, wenn du dich freust.«
Tränen traten Brittany in die Augen. Alexis war ihr wie eine Mutter gewesen, nachdem die Mutter der beiden an einer Überdosis gestorben war, als Brittany dreizehn war. Es fiel ihr manchmal schwer zu akzeptieren, dass Alexis jetzt eine Vampirin war und dass sie mit einem wirklich alten Vampir verheiratet war und in seinem Kasino in Las Vegas lebte. Das Leben ihrer Schwester war so vollkommen anderes als Brittanys unaufgeregtes Dasein als Vorstadtzahnärztin.
Eine Vorstadtzahnärztin, die sich von einem französischen Vampir hatte schwängern lassen. Oh Gott!
»Ich freue mich auf das Baby, Alexis. Aber ich habe auch Angst.«
Alexis erhob sich aus ihrem Armlehnsessel und kam zu ihr rüber. »Oh Schatz, hab keine Angst.« Sie umarmte sie, wodurch Brittany sich besser fühlte. Sie mochte zwar knapp dreißig Zentimeter größer sein als Alexis, doch es fühlte sich noch immer gut an, getröstet zu werden. »Es wird alles gut. Wir helfen dir.«
»Wobei helfen wir ihr? Was ist los?« Alexis’ Ehemann, Ethan Carrick, amtierender Präsident der Vampirnation, schlenderte in Schlafanzughose und mit nacktem Oberkörper aus ihrem Schlafzimmer.
»Habe ich dich geweckt, Ethan? Das tut mir leid.« Brittany hatte nicht eine Minute länger als sechs Uhr warten können, was verdammt früh war für einen Vampir, um für die Nacht aufzustehen, aber sie hatte unbedingt von Alexis hören müssen, dass alles in Ordnung käme.
»Schon gut. Was ist los, Brit?«
»Sie ist schwanger«, sagte Alexis.
»Oh.« Sein Mund öffnete und schloss sich und öffnete sich wieder. »Also, dann, ja, Glückwunsch. Das ist fantastisch! Ein Baby. Ich bin mir sicher, du wirst eine tolle Mutter.«
»Absolut«, stimmte Alexis ihm zu und tätschelte beherzt Brittanys Oberschenkel. »Das Baby hat Glück.«
Während Brittany sich zwar immer vorgestellt hatte, sie würde mehrere Kinder haben, und sich auf diese Phase ihres Lebens gefreut hatte, so hatte sie doch nie gedacht, sie würde einmal ein Kind allein großziehen, ohne dass dabei ein Mann im Spiel wäre. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sie hinsichtlich der Qualität von zweihundert Jahre altem Vampirsperma schon ein wenig besorgt war. Da war das Verfallsdatum doch bereits ein bisschen überschritten.
»Ich wollte immer ein Baby, und ich bin mir sicher, dass ich mich wirklich darauf freuen werde, wenn ich den Schock erst mal verdaut habe. Es ist eben nur … eine Überraschung. Ziemlich unerwartet.«
»Ich wusste ja nicht einmal, dass du dich mit jemandem triffst«, meinte Alexis. »Wer ist der Vater? Meinst du, er möchte sich einbringen?«
Ups. Sie hatte diese unwichtige Info noch zurückgehalten. Brittany ging ein wenig auf Abstand zu Alexis und senkte den Blick auf ihre Jeans. Sie befahl ihrer Zunge zu sprechen, doch die verweigerte den Dienst. Alexis würde durchdrehen, wenn sie Brittanys extrem peinliche Antwort hören würde.
»Ich bin mir nicht sicher, ob er sich einbringen will, aber ich nehme mal an, eher nicht. Ich habe ihn nicht mehr gesehen seit der einen Nacht vor acht Wochen, als wir miteinander geschlafen haben.« Brittany schaute auf und suchte Alexis’ Blick, hoffte mit jeder Faser ihres Körpers, dass Alexis eins und eins zusammenzählen würde, sodass sie es nicht laut sagen musste.
Alexis starrte zurück. Dann zuckte sie plötzlich auf der Couch zusammen, als säße sie auf dem elektrischen Stuhl. Die Kinnlade fiel ihr runter, und sie schüttelte energisch den Kopf. »Brit … oh nein, erzähl mir bloß nicht, dass der Vater des Babys Corbin Atelier ist.«
»Doch, er ist es«, sagte sie und kam sich total blöd vor. Warum hatte sie überhaupt mit diesem charmanten, gut aussehenden, arroganten Idioten geschlafen?
Weil er charmant, gut aussehend und arrogant war. Und der Sex mit ihm war heiß gewesen.
»Ist das Baby von Corbin?«, fragte Alexis, als versuche sie sich selbst davon zu überzeugen, dass sie sich verhört hatte.
»Ja. Es ist das Baby von Corbin.«
»Der Franzose hat dich geschwängert?« Ethan klang außer sich. »Hat er denn nicht verhütet?«
Also, das wurde jetzt etwas zu persönlich.
»Ethan!« Alexis schaute ihn böse an. »Das geht dich nun wirklich nichts an.«
»Oh doch!«, insistierte er. »Vampire sollen nicht mit sterblichen Frauen schlafen, ohne zu verhüten. Während die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zwar nicht so groß ist wie bei der Kopulation mit einem Sterblichen, so besteht doch noch immer die Gefahr. Es ist unverantwortlich, sich mit einer Sterblichen zu paaren und ein Kind zu zeugen, das halb Vampir und halb Sterblicher sein wird.«
Kopulationpaarenzeugen … konnte er es noch schlimmer klingen lassen? Als Nächstes würde er ihr noch die Wörter Zucht und läufige Hündin um die Ohren schlagen.
Und sie würde ihrem Schwager nicht auf die Nase binden, dass Corbin nicht verhütet hatte. Dass sie in dem einen Augenblick noch über Corbins wissenschaftliche Forschungen gesprochen hatten und im nächsten bereits übereinander hergefallen waren. Es war kaum Zeit gewesen, tief Luft zu holen, um einmal ordentlich stöhnen zu können, geschweige denn ein Kondom zu suchen. Sie waren schneller fertig gewesen, als man Eisprung sagen konnte.
»Corbin und ich mögen verantwortungslos gehandelt haben, aber das ist jetzt irrelevant, Ethan. Ich bekomme ein Baby. Offenbar allein, da ich Corbin nicht mehr gesehen habe, seit wir dieses Baby gemacht haben.« Na ja, sie hatte gedacht, sie hätte ihn in jener Nacht gesehen, als sie so krank gewesen war, allerdings hatte Alexis sie davon überzeugt, dass sie geträumt haben musste, Corbin wäre gekommen, um sie vom Fußboden ihres Badezimmers aufzusammeln und ins Bett zu bringen. »Ich habe keine Ahnung, wie ich ihn erreichen kann.«
Brittany wäre es entsetzlich peinlich, wenn sie Corbin tatsächlich gegenübertreten und erzählen müsste, dass sie ein Kind von ihm erwartete, aber ihr war doch unbehaglich bei dem Gedanken, dass er es nicht erfahren würde. Was auch immer er mit dem Wissen um seine bevorstehende Vaterschaft anfangen würde, wäre Brittany recht – er könnte sich einbringen oder auch nicht. Trotzdem hielt sie es nur für gerecht, wenn er die Möglichkeit hätte, diese Entscheidung selbst zu treffen.
Allerdings konnte sie es ihm nicht sagen, wenn sie ihn nicht fand.
Brittany rieb sich ihren Bauch, von dem eine leichte Übelkeit aufstieg, biss sich auf die Unterlippe und machte sich Sorgen. Sie brauchte eine Weile, bis sie bemerkte, dass Ethan und Alexis schwiegen. Als sie aufschaute, sahen sie einander an. Verdammt sollten sie sein! Sie machten dieses Vampir-Gedankenlesen-Ding miteinander und schlossen sie aus ihrem Gespräch aus.
»Wenn ihr über mich redet, dann hört sofort auf damit. Das ist so was von unhöflich.«
Alexis fluchte. »Ethan …«, sagte sie in warnendem Tonfall. »Lass mich das in die Hand nehmen.«
»Ich muss nicht in die Hand genommen werden«, antwortete Brittany leicht irritiert. »Was verschweigt ihr mir?«
»Dann nimm du das in die Hand«, meinte Ethan und breitete galant die Arme aus. »Ich setze höchstes Vertrauen in dich, dass du das Richtige tun wirst, Alexis.«
Hatten sie überhaupt bemerkt, dass sie hier bei ihnen saß? »Worüber redet ihr zwei da?«
»Brit …« Alexis zwirbelte an einer Strähne ihres aschblonden Haares. »Corbin ist in Las Vegas. Falls du also mit ihm reden willst …«
Ihr stockte der Atem. »Er ist hier?« Ein Klumpen von der Größe einer Grapefruit schien in ihrer Kehle festzustecken. Sie hatte Probleme mit dem Schlucken, und ihr Magen drehte sich schier um. »Seit wann ist er hier?« Und warum zum Teufel hatte er ihr nicht gesagt, dass er in der Stadt war?
»Äh, ich bin mir nicht ganz sicher«, antwortete Alexis und kaute an ihrem Fingernagel. Es war ein klares Zeichen dafür, dass sie log. Dann entschloss sie sich, die Wahrheit zu sagen. »Aber, also, ich glaube, er ist so gut wie immer hier, weil er das gewissermaßen sein muss. Ich glaube nicht, dass er je weg war. Er, äh, also, er lebt hier.«
Tränen traten Brittany in die Augen und brachten sie in größte Verlegenheit. Es hatte ihr also niemand verraten, dass Corbin in Las Vegas lebte, auch nicht er selbst. Sie bedeuteten einander nichts, sie war für ihn nichts als ein peinlicher, kurzer One-Night-Stand, fünf Minuten von Corbins zweihundert Lebensjahren. Natürlich hatte er sie nicht ganz oben auf die Liste der Leute gesetzt, mit denen er sich traf, wenn er Zeit hatte. Sie war sich nicht einmal sicher, warum sie angenommen hatte, er müsste von außerhalb kommen, außer dass es vielleicht Wunschdenken gewesen sein könnte, eine einleuchtende Begründung, warum er es nicht für nötig befunden hatte, während der vergangenen acht Wochen mit ihr zu sprechen.
Normalerweise war sie in Hinblick auf Männer viel vernünftiger. Brittany hatte es immer genossen, für den Augenblick zu leben, Spaß zu haben, neue Leute kennenzulernen, und sie genoss Sex als rein körperliches Erlebnis. Nie zuvor hatte sie diese merkwürdige Form der Melancholie und der Sehnsucht für einen Kerl verspürt, mit dem sie nicht zusammen war, den sie nicht einmal wirklich kannte und der offensichtlich kein Interesse an ihr hatte. Sie hatte kein Problem damit zuzugeben, dass sie den einen oder anderen One-Night-Stand genossen hatte, und sie war danach immer gut gelaunt und ohne Bedauern nach Hause gegangen.
Das hier war anders, und sie wusste nicht, woran das lag. Es gefiel ihr überhaupt nicht.
Und sie war schwanger.
»Wo ist er?« Brittany blinzelte heftig. Sie musste Corbin finden, ihm die Nachricht überbringen und sich dann in ihre Ecke zurückziehen, um ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Ethan räusperte sich. »Ich glaube, im Moment ist er auf der dreiundzwanzigsten Etage.
»Er ist hier? Im Ava?« Corbin war hier in Ethans Kasino, während sie über ihn sprachen? Ihr Magen drehte sich um.
»Ja.«
»Oh, ich glaube, ich muss kotzen.« Brittany machte ein paar taumelnde Schritte und spuckte ihr Abendessen mit beeindruckender Heftigkeit in die Spüle neben der Bar.
Ein Martiniglas fiel vom Tresen und zerschellte auf den Bodenfliesen, als sie sich ruckartig wieder aufrichtete und sich Mund und Augen abwischte. Brittany hielt sich den Bauch und ignorierte ihre Schwester und ihren Schwager, die sie beide entsetzt anstarrten. Sie schüttelte sich das Haar aus dem Gesicht und atmete tief ein.
Sie musste sich jetzt der Begegnung mit einem fruchtbaren französischen Vampir stellen.

2
Corbin Atelier starrte aus dem Fenster auf die Skyline von Las Vegas. Seine Gefangenschaft machte ihn nervös. Er lebte seit fast vier Jahrzehnten in der Stadt, aber noch nie hatte er sich so eingeschränkt gefühlt wie jetzt. Es gab einen Grund dafür, doch er sehnte sich danach, die Wüste verlassen zu dürfen, ans Meer zu fliegen, in die Berge, die frische Luft von Paris Ende Oktober zu riechen.
Es klopfte an der Tür der Suite, in der er sich seit zwei Wochen aufhielt, um Ringo Columbias Entzug von dessen Drogenblutsucht zu beaufsichtigen. Corbin rührte sich nicht, um die Tür zu öffnen, er starrte, suchte, wollte eine Art Antwort von dem Ausblick, der sich ihm bot.
»Da ist jemand an der Tür«, sagte Ringo.
Corbin drehte sich um. Ringo lag mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Beinen auf dem Diwan. Eine Zigarette klemmte in seinem Mundwinkel, und seine Wangen waren bleich, die Haut fahl. Sein Brustkorb hob und senkte sich mühsam, wie ein uralter Blasebalg. Es war bedrückend, Ringo dabei zuzusehen, wie er seinen Entzug durchlitt, aber Corbin war davon überzeugt, dass er von der körperlichen Seite her das Schlimmste bereits überstanden hatte. Was die psychische Abhängigkeit anging, konnte man das nie wirklich wissen. Die Sucht führte Krieg gegen ihr Opfer, die Schlacht war nie wirklich gewonnen, und Corbin war nicht gänzlich davon überzeugt, dass Ringo seine Abhängigkeit überhaupt loswerden wollte.
Das Klopfen wurde lauter.
»Wollen Sie nicht hingehen?«, fragte Ringo, dessen Stimme vor Verdruss laut wurde. »Es ist wahrscheinlich Kelsey.«
Corbin wusste nicht, welcher Art die Beziehung zwischen Ringo und Ethan Carricks Sekretärin war, doch ihre Besuche hatten üblicherweise einen positiven Effekt auf den Patienten. Aber es war nicht Kelsey.
»Es ist kein Vampir. Das spüre ich.« Corbin ging hinüber, um die Tür zu öffnen, und unterdrückte ein Seufzen. Er hatte Arbeit, die getan werden musste, und je länger er hier in Carricks Kasino gefangen saß – halb Gefängniswärter, halb ärztlicher Beistand für Ringo -, desto mehr Verzögerung bedeutete das für seine Forschung.
Brittany Baldizzi stand vor ihm, als er die Tür aufzog. Corbin war so überrascht, dass er etwas sehr Dummes, weil Offensichtliches sagte: »Brittany! Was für eine Überraschung.«
»Hallo, Corbin.« Ihre Wangen röteten sich, und sie vermied es, ihm in die Augen zu sehen.
»Wie geht es dir?«, fragte er. »Hast du deine Grippe gut überstanden?« Um ehrlich zu sein, sah sie überhaupt nicht gesund aus. Ihr Teint war irgendwie komisch, und es wirkte, als hätte sie abgenommen. Corbin war besorgt und hatte zugleich ein schlechtes Gewissen. Er hätte ein zweites Mal nach ihr sehen sollen, aber er hatte sich wegen seiner Gefühle Brittany gegenüber etwas unbehaglich gefühlt, also hatte er sie gemieden. Wieder einmal. Nach jener Nacht, in der er mit ihr geschlafen hatte, war er ihr auch aus dem Weg gegangen.
»Woher weißt du, dass ich die Grippe hatte?« Sie sah überrascht aus.
»Ich habe dich gesehen. Ich bin eines Nachts in deine Wohnung gekommen, als du krank warst.« In der Nacht, als er sie in seinen Gedanken nach ihm hatte rufen hören und ihr Leid gespürt hatte. Ohne nachzudenken, war er direkt zu ihr geflogen und hatte sie in ihrem Badezimmer gefunden. Er hätte damals schwören können, dass sie kein Fieber hatte, doch sie musste welches gehabt haben, wenn sie sich nicht einmal daran erinnerte, ihn gesehen zu haben.
Sie riss die Augen auf. »Du warst wirklich da? Ich dachte …«
»Was?«
»Dass ich das geträumt habe.«
Diese schöne Frau, mit der er geschlafen hatte, glaubte, sie hätte von ihm geträumt? Das gefiel Corbin besser, als es sollte. »Nein. Ich war da. Ich habe dich ins Bett gebracht.«
»Oh. Also, danke.«
»Gern geschehen.« Corbin erinnerte sich plötzlich an seine guten Manieren. »Möchtest du hereinkommen? Willst du Ringo besuchen?«
Sie schüttelte den Kopf. »Nein. Ich kenne Ringo gar nicht. Ich wollte dich kurz sprechen. Privat.«
Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was sie mit ihm besprechen wollte, aber ihr schien so viel daran zu liegen, dass Corbin nicht zögerte. Er hatte zugegebenermaßen eine Schwäche für Brittany. Ganz zu schweigen davon, dass er sich seit der ersten Nacht zu ihr hingezogen fühlte, als sie sich kennengelernt und sie ihn für einen Serienmörder gehalten hatte.
»Gewiss. Wir können ins andere Zimmer gehen.« Es war ein Schlafzimmer, was sicher nicht der beste Ort war, um eine Frau, die er so schön fand, dorthin zu begleiten, eine Frau, mit der er in einem Augenblick vollkommener sexueller Schwäche geschlafen hatte. Es waren herrliche, verrückte erotische fünf Minuten gewesen, und ein Bett würde ihn mit Sicherheit daran erinnern, aber die einzige andere Möglichkeit wäre das Badezimmer, und er war viel zu sehr ein Mann des neunzehnten Jahrhunderts, als dass er neben der Toilettenschüssel mit ihr gesprochen hätte.
Er bot ihr einen Platz in dem eleganten grauen Wildledersessel neben dem Bett an, doch sie schüttelte den Kopf.
»Was ist los?«, fragte er und konnte dem Verlangen nicht widerstehen, ihr die Haare aus der Stirn zu streichen. Sie sah wirklich krank aus, und er war um sie besorgt.
»Corbin … ich bin schwanger«, stieß sie aus und schaute ihm kurz in die Augen, bevor sie den Blick wieder auf den Teppich senkte.
»Pardon?« Sie hatte so schnell gesprochen, hauptsächlich in Richtung Teppich, dass er sie missverstanden haben musste.
Diese dunklen Augen, die er so verlockend unschuldig fand, sahen ihn fest an. »Ich bin schwanger. Ich bekomme ein Baby.«
Das war eine eher unerfreuliche Nachricht. Zugegeben, er hatte nicht mit ihr gesprochen, seit sie miteinander geschlafen hatten, außer als sie krank gewesen war, allerdings hatte er törichterweise geglaubt, dass sie genauso gefühlt hätte wie er – dass sie wie er von ihrer Begegnung völlig aus der Bahn geworfen war. Er hatte in den letzten acht Wochen keine andere Frau auch nur angesehen, aber sie war sogar mit einem anderen Mann ins Bett gegangen. Wie es schien, war er doch nicht so unvergesslich.
»Ah. Das erklärt die Übelkeit«, sagte er, und sein französischer Akzent machte sich bemerkbar – wie immer, wenn er unsicher war. »Morgendlisches Erbrechen, n’est-ce pas? Alors, isch wünsche alles Gute.«
Das letzte bisschen Farbe wich aus ihrem Gesicht. Sie blickte ihn verärgert an. »Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?«
Corbin trat unbehaglich von einem Fuß auf den anderen. Er verstand nicht, warum er in dieser Situation etwas anderes sagen sollte. »Pass auf disch auf«, sagte er höflich.
»Hä?«
Tränen stiegen in ihre Augen, rannen über ihre Wange und ließen Corbin vor Schreck erstarren.
»Was ist los? Möschtest du kein Baby?« Und warum stand er eigentlich in absolutem Unbehagen da und tätschelte ratlos ihren Arm? Wo war der werdende Vater?
»Ich möchte ein Baby haben. Und ich dachte, es wäre nur recht und billig, wenn ich hierherkäme und dir sagte, dass du ein Baby haben wirst, aber wie es aussieht, hätte ich mir die Mühe sparen können. Es könnte dir nicht gleichgültiger sein.«
Corbin lauschte ihren Worten. Ließ sie sich noch einmal durch den Kopf gehen. Sagte sie da gerade … »Isch bin der Vater?«
»Oh, natürlich bist du’s.« Brittany wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. »Wer sonst? Du bist der einzige Mann, mit dem ich im letzten halben Jahr geschlafen habe.«
Also, das war schmeichelhaft. Sie hatte ihn als Liebhaber also doch nicht so lausig gefunden, dass sie sich gleich einen neuen gesucht hatte. Aber das bedeutete auch … »Mon Dieu, du bekommst ein Baby? Unser Baby?«
»Das versuche ich dir die ganze Zeit zu sagen.«
Corbin musste sich setzen. Er brauchte einen Drink. Er musste darüber nachdenken. Gütiger Gott! Ein Baby? Ein kleines, weinendes, hilfloses, sterbliches Geschöpf? Mit zur Hälfte seiner und zur anderen Hälfte Brittanys biologischer Beschaffenheit? Es schien ihm kaum möglich. Es hatte nur diese eine Nacht gegeben. Allerdings hatte er sich keine Mühe gemacht, zu verhüten oder wenigstens aufzupassen. Ganz im Gegenteil. Er hatte es genossen, tief in Brittany zu kommen. Allein die Erinnerung daran ließ ihn von einem Bein aufs andere treten, während seine Männlichkeit unangemessen anschwoll.
»Bist du dir sicher?«
Sie seufzte. »Ja, Corbin. Ich bin mir sicher.«
»Wir’aben nischt ver’ütet«, meinte er in dem Versuch, das, was sie sagte, mit dem, was geschehen war, in Einklang zu bringen.
»Nein. Aber ich habe geglaubt, du hättest kein Sperma.«
Corbin sah sie verärgert an. Er war beleidigt. »Natürlisch’abe isch Sperma. Isch bin ein Mann. Isch funktioniere. Isch’abe alles, was männlisch ist, genau wie sterblische Männer.«
Brittany konnte nicht verhindern, dass ein leises Lächeln über ihr Gesicht huschte. Corbin sah so entrüstet aus – und so französisch. »Ja, du hast alles.« Und mehr als die meisten. Sie würde niemals vergessen, wie er ihr in fünf Minuten besseren Sex bereitet hatte als manche Männer, mit denen sie ein halbes Jahr gegangen war.
»Bestimmt.« Er nickte heftig.
Brittany konnte nicht einschätzen, wie er die Nachricht aufnahm. Er wirkte nicht verärgert. Er sah überrascht aus, aber mehr nicht. Verdammt, er war einfach süß. Sie hatte fast vergessen, wie anbetungswürdig er war mit seinem karamellfarbenen Haar und den dunklen Augen.
Corbin rieb sich das Kinn. »Und deshalb schulde ich dir eine Entschuldigung.« Er schien sich wieder gefangen zu haben. »Es ist mein Fehler, und ich übernehme die volle Verantwortung. Ich werde dich heiraten.«
Brittany vergaß, wie süß er war. »Was?« Unter allen möglichen Reaktionen – diese hatte sie nicht einmal in Erwägung gezogen. Er musste auf irgendeinem Trip sein, wenn er glaubte, sie würde ihn heiraten, nur weil er sie geschwängert hatte. Und was war das überhaupt für ein Antrag? Ein ganz schön beschissener.
»Es ist das Beste.« Er nickte, als wäre alles bereits entschieden. »Wir heiraten und engagieren eine Kinderfrau für das Baby.«
Da war wohl jemand zurück ins neunzehnte Jahrhundert gefallen. »Warum ist zu heiraten das Beste? Wir kennen einander kaum.« Brittanys Atem ging schnell und flach. Ihr Magen rebellierte wieder. »Ich will dich nicht heiraten.«
»Du willst, dass mein Kind unehelich auf die Welt kommt?« Er sah wütend aus.
»Das hier ist Las Vegas! Niemand schert sich darum!« Brittany trat einen Schritt zurück. Er war ihr so nah, dass ihr schwindelig wurde, wenn sie versuchte, mit ihm zu reden. »Um Gottes willen, meine Mutter war Stripperin.«
Corbin zuckte zusammen.
Brittany war betroffen. Das gefiel ihm nicht? Zu dumm. »Ich weiß nicht mal, wer mein Vater ist. Meine Mutter hat ihren Ehemann mit Mr Unbekannt betrogen. Alexis und ich haben nicht denselben Vater.«
Von Panik ergriffen plapperte sie weiter, denn auch wenn ihr der Gedanke gefiel, Corbin vielleicht zu daten oder zumindest ein freundschaftliches Verhältnis zu dem Vater ihres Kindes zu haben, so konnte sie ihn doch unmöglich heiraten. Herrje! Was zum Teufel hatten sie denn schon gemeinsam?
Nur einen Haufen von Zellen, die sich in ihrer Gebärmutter teilten, während sie beide gerade sprachen.
»Brittany …« Corbin griff sich mit der Hand an die Stirn. »Du und ich, wir vergessen gerade etwas. Dein Vater war ein Vampir.«
»Na und?«
»Also bist du ein halber Vampir. Und ich bin ein Vampir. Das Baby in deinem Bauch ist zu drei Vierteln ein Vampir.«
»Na und?«, fragte sie noch einmal nervös. Warum sah Corbin so aus, als würde er jeden Moment umfallen? Seine Augen zogen sich zusammen, wurden dunkler, fast schwarz, und sie konnte erkennen, dass er angestrengt nachdachte.
»Meines Wissens hat es noch nie ein Kind gegeben, das zu drei Vierteln ein Vampir war. Niemals.«
Das hörte sich nicht vielversprechend an. »Warum nicht?«
»Weil Vampire sich nicht fortpflanzen sollen. Manche tun es trotzdem, wenn sie sich unvorsichtigerweise mit einer Sterblichen paaren, die das rezessive Gen für Vampirismus in sich trägt, was ihr erlaubt, schwanger zu werden, aber glücklicherweise sind es nicht viele. Das Kind, das aus einer solchen Verbindung entsteht, ist ein sterblicher Unreiner. Allerdings hat sich noch nie ein Vampir mit einer Unreinen gepaart, so wie du eine bist, oder wenn es passiert ist, dann ist daraus kein Kind entstanden, wahrscheinlich weil die Mutter das Gen nicht von ihrer Mutter geerbt hatte. Du hast eindeutig dieses Gen, so wie ich, was bedeutet, dass unser Kind es höchstwahrscheinlich auch haben wird. Es ist ganz einfache Biologie, doch meines Wissens hat es noch nie ein Kind gegeben, das ein komplettes Vampirgen in sich trägt.«
Das hatte er bereits gesagt, und er fing langsam an, ihr schreckliche Angst einzujagen. »Und das heißt?«
»Das heißt, dass es keine wissenschaftlichen Erfahrungen damit gibt. Was wird es sein? Ein Vampir? Ein Sterblicher? Ein Geschöpf des Tages oder der Nacht?«
Muttermilch- oder Bluttrinker. Corbin sprach es nicht aus, aber Brittany wusste, dass er es dachte.
»Oh mein Gott! Erzählst du mir gerade, dass unser Kind eine Art … Mutant sein wird? Wird es Reißzähne haben?«
»Natürlich nicht!« Allerdings sah er nicht überzeugt aus. Dann drückte er den Rücken durch, und sie konnte seine Kiefer mahlen sehen. »Unser Kind wird kein Mutant sein. Es wird stark und intelligent, ohne die Schwächen eines Sterblichen. Und doch wird es kein Blut brauchen. Ich bin mir so gut wie sicher, denn es ist der Blutverlust, der den Hunger nach Blut weckt, und nicht das Gen. Außerdem bin ich Corbin Jean Michel Atelier, der beste Vampirforscher aller Zeiten, und ich werde meinen Fehler wiedergutmachen, das verspreche ich dir.«
Wow! Wie beruhigend. Brittany brach in Tränen aus. Ihr Baby war ein blutsaugender Dämon. Statt eines süßen Säuglings würde sie ein Neugeborenes mit Reißzähnen, bleicher Haut, Nachtsicht und der Fähigkeit, Gedanken zu lesen, haben. Brittany stellte sich einen Kühlschrank voller Babyfläschchen vor mit herumtollenden Lämmchen drauf und menschlichem Blut drin. Sie würde ihre Gedanken immer verschließen müssen, damit ihr Baby nicht ihre Sexphantasien über George Clooney oder ihre fiesen, unfreundlichen Gedanken über den Hintern ihrer Zahnarzthelferin in einer weißen Hose hörte.
Es war genau der richtige Zeitpunkt, um in Panik zu geraten.
»Corbin, du kannst an unserem Kind nicht herumexperimentieren! Gott, das ist einfach schrecklich. Ich muss gleich kotzen.« Sie hielt sich den Bauch. »Wir waren beide so dumm! Ich werde nie wieder Sex mit dir haben!«
»Aber es ist ja nicht so, als könntest du noch mal schwanger werden«, sagte er und sah dabei ein wenig verträumt aus. »Es gäbe keinen Grund für Verhütungsmittel, wenn wir es jetzt miteinander täten.«
»Arrgh!« Wie sagte man Idiot auf Französisch? Idiot? Blind vor Tränen drehte sie sich zum Fenster um. »Ich will mit meiner Schwester reden.« Sie fummelte in ihrer Tasche herum, zog ihr Handy aus ihrer Jeans und drückte die Kurzwahltaste für Alexis.
»Alex?«, schniefte sie, als ihre Schwester dranging.
Alexis fluchte. »Was hat der Bastard zu dir gesagt? Wo steckst du?«
»Ich bin noch in der Suite, zu der du mich geschickt hast. Alexis, Corbin sagt, unser Baby würde … es würde …« Sie brachte das Wort nicht heraus und brach erneut in Tränen aus.
»Ich bin sofort bei dir.«
Nachdem Alexis aufgelegt hatte, gab sich Brittany vollkommen ihren Tränen hin. Sie schluchzte überwältigt, voller Angst und Sorge um ihr Kind. Absolut außer sich vor Furcht.
Mit einem Mal stand Corbin hinter ihr und schlang die Arme um sie. »Ist ja gut, ma chérie. Ich wollte dir keine Angst machen. Es wird alles gut werden, und wir werden ein wunderschönes Baby bekommen. Schau dir bloß die Mutter an!«
Corbins Stimme drang beruhigend in ihr Ohr, und seine Umarmung war voller Zuversicht und Stärke. Sie sollte sich nicht an ihn lehnen, sollte stark sein, aber sie konnte es nicht. Sie hatte kein Recht dazu, Corbin die ganze Schuld zu geben. Sie war dabei gewesen in jener Nacht. Sie hatte ihn ermutigt, hatte die Zeit mit ihm genossen, und sie hatte nie gezögert oder darüber nachgedacht, dass ihre Handlungen irgendwelche Folgen haben könnten.
Sie versuchte mit dem Weinen aufzuhören. »Ich wollte immer Mutter werden.«
»Jetzt wirst du eine sein, und du wirst fantastique sein. Es wird alles gut werden.«
»Das hoffe ich.« Brittany entspannte sich ein wenig. Corbin war verdammt alt, und er war schließlich Wissenschaftler. Er hatte gesagt, dass er kurz davor stand, ein Gegenmittel für den Vampirismus zu entwickeln, etwas, das einen Vampir wieder zu einem Sterblichen machte. Wenn irgendjemand wusste, wie mit dieser Situation umzugehen war, dann er. Sie schloss die Augen und lehnte sich an ihn. Vielleicht war das in Ordnung so.
»Und wir werden heiraten, ja?«
Sie riss die Augen auf. »Nein!« Warum war er in diesem Punkt so hartnäckig?
Es hämmerte an die Tür der Suite. Corbin löste sich von ihr. »Das haben wir noch nicht ausdiskutiert.«
Wenn er damit die Heirat meinte, dann hatten sie es ausdiskutiert. Sie würde sich nicht an einen Mann binden, den sie kaum kannte. Sie wusste ja noch nicht einmal genau, wie alt Corbin war, ganz zu schweigen von seinen persönlichen Vorlieben und Abneigungen, ob er pedantisch war oder schlampig. Sie hatte ihn noch nicht einmal nackt gesehen, und wie traurig war das denn?
Sie betrachtete seinen Hintern, als er das Zimmer verließ. Sehr traurig!
 
Ringo fragte sich, ob sie wohl wussten, dass er jedes ihrer Worte verstand.
Seitdem er sich freiwillig dazu bereit erklärt hatte, einen Entzug zu machen, war er verdammt gut in Meditation und diesem anderen New-Age-Zeug geworden, zu dem seine Pseudofreundin Kelsey ihn andauernd ermunterte. Die Folge davon war, dass er sich viel wohler als je zuvor in seinem Leben dabei fühlte, irgendwo still zu sitzen und zuzuhören, und dank seinem Vampirgehör hatte er den größten Teil von dem Gespräch zwischen Brittany und Corbin mitbekommen.
Er musste zugeben, dass er keine Ahnung gehabt hatte, dass Vampire in der Lage waren, Frauen zu schwängern. Das war gut zu wissen, wenn er unnötige Kopfschmerzen vermeiden wollte.
Und er fragte sich auch, ob vielleicht jemand Interesse daran hätte zu erfahren, dass eine Unreine gerade ein kleines Dreiviertelvampirchen ausbrütete. Vielleicht sogar jemand, der für diese Info Geld ausgeben würde.
Wie vielleicht sein alter Dealer, der jetzt in New York auf seine Gerichtsverhandlung wartet.
Donatelli.
 
Brittany hörte die Stimme ihrer Schwester an der Tür und ging los, um Corbin zu retten. Wenn sie Alexis richtig einschätzte, hätte sie Corbin mit einem Taekwondo-Griff zu Boden geworfen, bevor der auch nur pardon sagen konnte.
Sie kam gerade noch rechtzeitig. Corbin schüttelte den Kopf und diskutierte auf Französisch mit Ethan, während Alexis unruhig auf den Fußballen wippte. Brittany kannte dieses Zeichen. Es bedeutete, dass bald jemand einen Tritt verpasst bekam.
»Alex, tritt ihn nicht.«
»Nenne mir einen guten Grund, warum ich das nicht tun sollte.«
»Weil er der Vater meines Kindes ist.«
»Das ist der Grund dafür, nicht dagegen.«
»Bitte?« Brittany versuchte dieser Logik zu folgen, gab es auf und verlegte sich darauf, Alexis’ Hand in ihre zu nehmen und zu drücken, um einen Frontalangriff zu verhindern.
Ethan und Corbin stritten sich auf Französisch – was zugegebenermaßen ziemlich sexy klang, auch wenn sie die Tatsache verabscheute, dass sie sie ausschlossen.
»Ich wusste gar nicht, dass Ethan Französisch spricht«, sagte sie zu ihrer Schwester.
»Ich auch nicht.« Alexis starrte ihren Ehemann an. »Mir hat er erzählt, er könnte ein paar Brocken Französisch. Klingt das für dich nach ein paar Brocken?«
»Ich habe keine Ahnung, wie sich ein paar Brocken anhören.« Brittany schaute sich nach einer Sitzgelegenheit um. Sie war erschöpft, aber in der Suite gab es keine bequemen Sessel. Sie war eine kunstvolle Zusammenstellung von unpraktischen, unbequemen Designermöbeln. Brittany wollte ein hübsches riesiges Sofa mit Plüschkissen. Stattdessen sah sie ein hartes, kantiges Paar Stühle und ein weißes Sofa, auf dem ein Mann lag.
Das musste Ringo sein, und er sah nicht so aus, als hätte er es bequem – kein Mensch würde auf einem derart beschissenen Möbelstück bequem liegen. Er wirkte wie ein Kleinkind, das man auf einem Stuhl festgeschnallt hatte. Seine Schultern und der Kopf fielen auf der einen Seite runter, und seine Beine waren gespreizt. Sein Rücken litt am meisten unter der unbequemen Haltung, und Brittany verspürte den Drang, eine Nackenrolle zu packen und ihm in den Rücken zu schieben.
»Kann ich Ihnen vielleicht eine Rückenstütze besorgen?«, fragte sie, weil er ihr leid tat. »Übrigens, ich bin Brittany.«
Er öffnete die Augen und schaute sie neugierig an. Er hatte dunkle, ausdruckslose Augen, und sie hielt es für möglich, dass sie ihn aufgeweckt hatte, da er nichts sagte.
Sie nahm sich ein Kissen von einem der Stühle und ging zu ihm. »Hier, beugen Sie sich einen Moment nach vorn.«
Das machte er, und sie steckte ihm das vorher gefaltete Kissen in den Rücken, damit es den Raum zwischen seiner Lendenwirbelsäule und dem Möbelstück ausfüllte.
»Danke«, sagte er aufseufzend, als er sich wieder zurücklehnte. »Und Glückwunsch!«
»Was?« Brittany hielt inne, halb stehend, halb sich bückend. Ihre Augen waren fast auf gleicher Höhe, und er erwiderte ihren Blick, ohne mit der Wimper zu zucken.
»Das Baby! Glückwunsch! Sie müssen ziemlich aufgeregt sein.«
Es war eine perfekte Nichtigkeit, was er da sagte, nichts als höfliche Konversation, doch ein kalter, verstörender Schauder rieselte über Brittanys Rücken. Ringo musste gelauscht haben, als Corbin und sie sich unterhalten hatten. Es hätte sie verlegen machen sollen zu wissen, dass jemand dieses gestammelte Debakel mit angehört hatte. Doch sie verspürte ein gereiztes Unwohlsein, deutlich stärker als Verlegenheit, und sie richtete sich auf und entfernte sich aus Ringos Reichweite.
»Danke.«
»Brittany.« Ethan marschierte ins Zimmer. »Bitte, ich muss mit dir reden. In unserem Apartment. Komm!«
»Aber ich glaube nicht, dass Corbin und ich schon alles besprochen haben.« Zumindest hoffte sie das. Sie hatten überhaupt nichts geklärt. Alles, was sie festgestellt hatten, hatten sie auch vorher schon gewusst: Corbin hatte Sperma, sie hatten verdammt guten Sex gehabt, und sie bekamen ein Baby. Mit Sicherheit musste ihre Unterhaltung noch darüber hinausgehen.
»Das ist mir egal. Wir müssen los.«
Ethan konnte genauso stur sein wie ihre Schwester, was Brittany sich fragen ließ, wie zwei so ähnliche Charaktere eigentlich miteinander auskamen und zusammenleben konnten. Wahrscheinlich lag es daran, dass sie einander ja nicht umbringen konnten – schließlich waren sie beide unsterblich. Sie mussten einfach irgendwie miteinander klarkommen.
Aber zu wissen, wie sie mit Alexis’ Sturheit umzugehen hatte, half ihr jetzt, mit Ethan zurechtzukommen. »Okay. Ich komme in zwei Minuten nach. Geht schon mal vor.«
Ethan nickte. »Gut.«
Aber Alexis ließ nicht locker. »Wenn du nicht in fünf Minuten bei uns bist, komme ich dich holen.«
Mist. Die Unterhaltung mit Corbin musste also doch warten. Alexis machte keinen Spaß. In fünf Minuten wäre sie zurück und zu allem bereit. »Na gut. Dann komme ich gleich mit.«
Sie ging zu Corbin hinüber, der mit verschränkten Armen an der Wohnungseingangstür stand und missmutig aussah. »Also, wenn du meinst, wir müssten noch etwas besprechen, dann könnten wir uns vielleicht in den nächsten Tagen treffen.« Sie wollte ihn nicht unter Druck setzen, aber sie wollte wissen, wie sehr er sich einbringen wollte, damit sie sich geistig schon einmal damit auseinandersetzen konnte, ein Vampirbaby großzuziehen – mit oder ohne seine Hilfe.
»Natürlisch müssen wir uns treffen. Wir’aben sehr viele Punkte zu besprechen«, sagte er, und seine französische Arroganz kam wieder voll zum Tragen. »Isch komme’eute Nacht zu dir.«
So, und das hatte sie überhaupt erst in Schwierigkeiten gebracht. Wenn er dieses sexy Plötzlich-aus-der-Dunkelheit-auftauchen-Zeug praktizierte, musste sie das einfach ein bisschen erregen. Sie könnte jetzt nein sagen, doch sie mussten wirklich miteinander reden. »Schön. Aber klopf dieses Mal bitte an die Haustür, statt wieder einfach durchs Fenster zu kommen.«
Er entspannte sich, löste die Arme und umfasste mit einer Hand ihre Wange, wobei er sanft ihr Gesicht streichelte. Brittany schaute ihm in die Augen und schöpfte Trost in der Stärke und Entschlossenheit, die sie dort erblickte.
»Unserem Baby wird es gut gehen, davon bin ich überzeugt. Dieses Kind ist kein Mutant, keine Anomalie, sondern ein Kind der Leidenschaft, und ich fühle mich geehrt, dass du seine Mutter sein wirst.«
Also, das war ja nun mal eine süße Aussage. Brittany spürte, wie ein wenig von der Anspannung in ihr sich legte. »Danke. Und du glaubst wirklich, dass alles okay ist?«
»Absolut.«
»Dann bis später.« Brittany ging und fühlte sich viel besser.
 
Corbin sah Brittany mit Carrick und ihrer Schwester durch die Tür gehen, dann raufte er sich mit beiden Händen die Haare.
Mon Dieu, sein Kind würde als Mutant geboren werden.
Ein Monster, ein blutsaugendes Baby. Das war nicht gut. Und er hatte Brittany belogen. Es war nicht gut, es war nicht okay, es war ein vollkommener, totaler genetischer Albtraum, und nur er allein trug die Schuld an dieser Tat abgrundtiefer Dummheit.
Er war fast dreißig Jahre lang Mensch und zweihundert Jahre lang Vampir gewesen, und niemals hatte er eine Frau geschwängert. Dass es ihm jetzt passierte, mit einer Unreinen, war eine seltsame und grausame Ironie des Schicksals. Selbstverständlich war es unverzeihlich, in einem Zeitalter auf Empfängnisverhütung zu verzichten, da sie auf Schritt und Tritt für weniger als eine Tasse Kaffee zu haben war.
Corbin hatte früher bereits Fehler gemacht. Schwere und unglückliche Fehler, die eine Frau getötet und seine Arbeit infrage gestellt hatten.
Aber er war so nah daran, ein Mittel gegen den Vampirismus zu finden. Der Erfolg war nur noch wenige Testreihen entfernt, und jetzt das. Er war so ein Idiot!
Corbin rief den Wachmann herein, der im Flur vor der Tür zur Suite seinen Dienst tat. »Ich muss für ein paar Stunden weg. Passen Sie auf Ringo auf.«
Der Wachmann nickte, während Ringo sagte: »Ich brauche keinen Babysitter. Ich werde nicht abhauen.«
Ringo war ein entschlossener, aber aufmüpfiger Patient und war mit den Entzugserscheinungen recht gut zurechtgekommen, doch Corbin wusste, dass die Drogenlust Vampire zu Verzweiflungstaten treiben konnte. Er zog es vor, dass ein Wachmann ein Auge auf Ringo hatte. Vor allem da es ein Teil von Corbins eigener Strafe war, alles zu tun, was die gegenwärtige Regierung von ihm verlangte, damit er im Gegenzug seine Forschungen vorantreiben durfte. Carrick war der Kopf dieser gegenwärtigen Regierung, und Corbin wollte ihn nicht verärgern und seine Arbeit aufs Spiel setzen. Natürlich hatte er Carrick ihm gegenüber nicht wohler gesonnen gestimmt, indem er seine Schwägerin geschwängert hatte.
Er war so ein Idiot! Er konnte es gar nicht oft genug sagen.
»Ich weiß, dass Sie nirgendwohin gehen. Sie stehen praktisch unter Hausarrest. Er ist nur hier, um Ihnen zu helfen, bis ich zurückkomme. Wenn Sie wollen, kann ich Kelsey bitten, Ihnen Gesellschaft zu leisten.«
Ringo zog eine Grimasse. »Ich bin wirklich nicht in der Stimmung für ihr Geplapper.«
»Gut. Ich bin später am Abend wieder zurück.« Nachdem er genug Zeit gehabt hätte, um seine Gedanken zu sammeln und sich selbst ein paar Ohrfeigen zu versetzen. Nachdem er mit Brittany besprochen hätte, wie sie weiter vorgehen wollten und wie bald sie heiraten konnten. Er würde seinem ursprünglichen Fehler nicht noch mehr hinzugesellen, indem er ihr erlaubte, allein ein uneheliches Kind großzuziehen. Dessen war er sich sicher.
»Nehmen Sie sich so viel Zeit, wie Sie wollen. Ich bin es leid, dass Sie andauernd auf mir hängen. Wissen Sie eigentlich, dass ich mich in Ihrer Gegenwart fühle wie ein Kind mit einem enttäuschten Vater? Das ist verdammt nervig!«
Corbin zuckte zusammen, als er zur Tür ging. Ein Vater. Gütiger Himmel, er wurde Vater. Von einem Mutanten.
Er wagte nicht länger, daran zu denken.
Stattdessen würde er jetzt in sein Labor gehen, und er, Corbin Jean Michel Atelier, würde die Sache in Ordnung bringen.
Irgendwann. Irgendwie. Vielleicht.

3
Okay, was gibt es so Wichtiges?«, fragte Brittany. Sie war erschöpft, ihr Magen tat ihr noch immer weh, und eine riesige Sorgengrube hatte sich in ihrem Brustkorb festgesetzt wie eine Verstopfung, die durch kein Abführmittel zu beheben war.
Ethan hatte sie in seine Wohnung geführt, und jetzt tigerte er vor den Balkontüren auf und ab. Alexis hockte in einem karierten Ohrensessel und biss sich auf die Fingernägel.
»Du solltest wissen, dass du nicht die Erste bist.«
»Die Erste wovon?« Die erste Frau, die nach einem One-Night-Stand schwanger war? Natürlich war sie das nicht. Davon gab es so viele, dass sie wahrscheinlich das Footballstadium von Las Vegas füllen konnten.
»Die erste Frau, die einen Dreiviertelvampir zur Welt bringen wird. Es ist bereits einmal passiert, soweit ich weiß. Es wurde geheim gehalten, aber mir war die Situation persönlich bekannt.«
Oh-oh. Das konnte schwierig werden. Während ihre Schwester zwar wusste, dass ihr Ehemann eine Vergangenheit hatte – eine ziemlich lange sogar -, so glaubte Brittany doch nicht, Alexis wäre sonderlich begeistert zu erfahren, dass Ethan ein Kind mit einer Sterblichen hatte.
»War das Baby gesund?« Ungeachtet Alexis’ Gefühle musste sie es einfach wissen.
»Dem Baby ging es gut, und es wurde von seinem Vater ferngehalten. Ich glaube nicht, dass er bis zum heutigen Tag von der Existenz seiner Tochter etwas ahnt.«
»Dann bist du nicht der Vater?«, fragte Brittany verwirrt.
Ethan sah bestürzt aus. »Nein. Wie kommst du denn auf die Idee?«
»Können wir bitte noch mal ganz von vorne anfangen?«, bat ihn Alexis. »Bevor ich mich darüber ärgere, dass du mir noch etwas verschwiegen hast?«
»Alexis«, sagte Ethan nachsichtig, »ich bin für eine neunhundertjährige Existenz verantwortlich. Es war noch nicht genug Zeit, um dir alles zu erzählen, was mir passiert ist – geschweige denn, was Leuten passiert ist, die ich kenne.«
Brittany fühlte sich schuldig. »Leute, streitet euch nicht, das ist alles meine Schuld. Ich mache einfach allen Probleme.« Sie fühlte sich wieder den Tränen nahe.
»Wir streiten nicht«, wandte Alexis ein. »Das ist unsere Form der Kommunikation. Ich rege mich auf, Ethan wird wütend, wir meckern einander an, und dann haben wir Sex. Bei uns funktioniert’s.«
Also, das waren viel zu viele Informationen über die Ehe ihrer Schwester.
»Wie auch immer«, meinte Brittany. »Wer war also die Mutter, und was ist passiert?«
»Die Mutter ist meine Schwester Gwenna.«
Brittany hatte Gwenna nur einmal gesehen, bei der Hochzeit von Alexis und Ethan. Dort war sie auf Vampirart aufgetaucht, hatte mit niemandem ein Wort gewechselt und war dann wieder verschwunden. Sie hatte blass ausgesehen und zerbrechlich. Und sie war eine Vampirin, keine Unreine wie Brittany.
»Das verstehe ich nicht. Gwenna ist doch eine Vampirin, oder?«
»Ja. Ich habe sie zu einer gemacht, als sie nach der Geburt ihrer Tochter verblutet war. Weißt du, das war im elften Jahrhundert, und damals waren alle Geburten furchtbar riskant.«
»Ich glaube nicht, dass das der Anfang ist«, beschwerte sich Alexis. »Ich hatte keine Ahnung, dass Gwenna eine Unreine war. Wie ist das möglich, wenn du doch keiner warst?«
Ethans Gesicht wurde starr. »Meine Mutter wurde vergewaltigt, als mein Vater und ich im Krieg waren. Gwenna ist siebzehn Jahre jünger als ich, und als ich ein Vampir geworden war und endlich nach Hause zurückkehrte, fiel mir sofort auf, dass ihr leiblicher Vater ein Vampir gewesen sein musste, denn ich konnte ihr Vampirblut riechen. Leider war mein Vater zu diesem Zeitpunkt bereits tot, so wie meine ganzen anderen Geschwister. In unserem Schloss gab es nur noch Gwenna, die siebzehn Jahre alt war, und unsere Mutter. Es gab ein paar Konflikte im Norden, die ich lösen musste, und gegen besseres Wissen ließ ich die beiden allein in der Obhut von einigen Vampirfreunden. Zu diesem Zeitpunkt waren das Freunde, denen ich vertraute, die mich in mein Leben als Vampir eingeführt hatten, und sie wohnten bei mir. Sie verbürgten sich mir gegenüber für die Sicherheit meiner Mutter und meiner Schwester. Als ich zehn Monate später heimkehrte, waren sie fort, und einer von ihnen hatte mich betrogen, indem er meine unschuldige Schwester verführt hatte. Am Tag zuvor hatte sie ihr Kind zur Welt gebracht. Sie verblutete, kurz bevor ich im Schloss ankam, und ich fand meine Mutter bei ihrer Leiche. Meine Mutter, die alle, die sie jemals geliebt hatte, bereits beerdigt hatte und die aufgrund einiger Falschmeldungen, die der Verräter unter meinen Freunden gestreut hatte, annehmen musste, dass auch ich im Norden ums Leben gekommen war.«