Inhaltsverzeichnis
Wolf Schneider, geboren 1952, Studium der Naturwissenschaft und Philosophie (1971-1975); 1976 eine Regenzeit lang buddhistischer Mönch; 1985 Gründung des Connection Verlages, der u. a. die kulturübergreifende Monatszeitschrift »connection« herausgibt. Redakteur, Buchautor und Gründer der »Schule der Kommunikation«, die zum F. A. (fool of arts) ausbildet. Er lebt in Niedertaufkirchen.
Vorwort
Kann man über Irrtümer der Esoterik schreiben, ohne sich gleich gegen eine ihrer Wahrheiten zu versündigen, nämlich indem sich das Wesentliche nicht sagen lässt? Ja, man kann. Denn vor dem Eintritt in das himmlische Schweigen kommt noch eine Menge Erwähnenswertes.
Hintergrund meines Hochmutes, über einen solch delikaten Bereich zu schreiben, sind 23 Jahre Redaktion einer Zeitschrift, die die esoterische Szene Monat für Monat beobachtet und beschreibt. Diese 23 Jahre sind auch Jahre der Übersättigung mit spirituellen Phrasen und Halbwahrheiten, mit Unverdautem und Missverstandenem. Der typische Esoteriker ist nett, mitfühlend, optimistisch, neugierig und aufgeschlossen, aber leider auch sehr leichtgläubig. Vertrauen, Herzlichkeit und Hingabe werden in dieser Szene so hoch gehandelt, dass sie oft in Leichtsinn und Blauäugigkeit kippen. Währenddessen werden Intellekt und Unterscheidungsvermögen diskreditiert, so dass Phrasendrescher und somit die Verkäufer des Halbwahren bei ihren Anhängern allzu oft ein leichtes Spiel haben.
Hier will dieses kleine Lexikon eingreifen und einige der typischen Irrtümer der Szene klarstellen – mit einer Prise Humor – denn ohne den ist das Leben bekanntlich nicht zu ertragen – und die Esoterik schon gar nicht.
Die hier aufgeführten knapp 300 Begriffe hätten leicht noch um weitere 100 und mehr ergänzt werden können. Irrtümer gibt es genug. Doch ich wollte hier nur die gängigsten und typischsten aufführen – und die, die mir am meisten auf die Nerven gehen. Denn als Redakteur eines in dieser Szene angesiedelten Magazins steht man sozusagen »knietief« im Jargon. Aufgrund der Überdosierung des Stoffs kann das zu allergischen Reaktionen führen, während andere diese vermeintlichen »Irrtümer« als harmlos oder sogar als heilsam empfinden.
Ich möchte mit meinem Büchlein für eine aufgeklärte Mystik plädieren, für eine unverstellte, unvoreingenommene Erfahrung der Wirklichkeit. Dafür braucht es keine religiösen Dogmen, aber auch keine esoterischen Phrasen. Aufrichtigkeit, Offenheit, Neugier und eine gesunde Portion Skepsis sind auf dem spirituellen Weg viel wichtiger als jedes esoterische Wissen. Das meiste von dem, was einem Wahrheitssucher auf seinem Weg begegnet, erweist sich früher oder später doch als Ballast. Aber das weiß man bei Antritt der Reise noch nicht. Auch in diesem Punkt will mein kleines Lexikon helfen. Eigene Erfahrungen kann es nicht ersetzen, aber es kann vielleicht den einen oder anderen Umweg abkürzen.
Von Astrologie bis Zen, ist da schon alles dabei? Natürlich nicht. Erstens beginnt das Buch mit »Aberglaube«, Astrologie ist erst der fünfzehnte Begriff. Die Zahl fünfzehn aber … nein, lassen wir das. Wenn Sie das Buch gelesen haben, glauben Sie mir meine Erklärung sowieso nicht mehr.
Und warum ich mit 2012 ende und nicht mit Zen, das liegt daran, dass 2012 nicht nur das Ende dieses Buches, sondern auch das Ende unserer bisherigen Wahrnehmung von Zeit markiert. Richtig? Nein? Dann kommen wir doch lieber erst einmal zum Ende dieses Vorworts …
Wolf Schneider
A
Aberglaube ist der ursprüngliche und naturnahe Glaube der Völker, den die Hochreligionen zu Unrecht verachtet haben. Die für den herrschenden Klerus gefährliche Esoterik wurde mit ihm in einen Topf geworfen, um sie vor der obrigkeitsgläubigen Bevölkerung zu diskreditieren.
Richtig ist, dass die Diffamierung von Glauben als »Aberglaube« zur Sicherung von Herrschaft benutzt wurde und dass die Esoterik Elemente enthält, die das Individuum befreien und ermächtigen können, was politisch durchaus nicht ungefährlich ist. Allerdings ist auch die Esoterik überwiegend eine naive Art der Religiosität, ebenso wie die populären Strömungen der Hochreligionen.
Die Lehre des Advaita Vedanta - übersetzt das »Wissen von der Nicht-Zweiheit«, also Einheit -, ist die höchste spirituelle Lehre. In dem Spruch »Tat tvam asi – auch das bist du« aus den Upanishaden ist sie auf geniale Weise zusammengefasst.
Der Advaita Vedanta ist in der Tat ein geniales Kondensat fast zeitloser Mystik. Die Form, wie er in der Esoterikszene weitergegeben wird, ist allerdings oft nicht mehr als ein Geplapper von ES und DAS und DIES oder DAS IST ES und als solches nicht weiser oder genialer als andere spirituelle Lehren.
Achtsamkeit ist die Kerntugend des Buddhismus. Der gereifte Esoteriker hingegen benötigt aufgrund seiner entwickelten paranormalen Fähigkeiten diese Tugend kaum mehr.
Ja, Achtsamkeit ist die Kerntugend des Buddhismus, und auch der gereifte Esoteriker benötigt sie. Zum Beispiel kann sie ihn vor Größenwahn bewahren.
Affirmationen sind Mittel, um sich auf mentale Weise eine erwünschte Wirklichkeit zu erschaffen.
Affirmationen sind Sätze wie etwa »Ich bin erfolgreich«, mit denen man das Gewünschte als bereits vorhanden behauptet. Wenn man solche Sätze auf die richtige Weise und oft genug wiederholt, werden sie manchmal wahr.
→ Wünsche
Aggression und Gier sind niedere menschliche Impulse. Reife Seelen haben so etwas nicht, es sei denn Impulse von »göttlichem Zorn«, wie Jesus ihn empfand, als er die Händler aus dem Tempel warf.
Wann ist Zorn oder Habgier göttlich, wann nicht? Die katholische Kirche definiert sieben Untugenden als »Todsünden« (peccatum mortiferum), darunter Habgier und Zorn. Der Buddhismus sagt, dass niedere Impulse wie Gier und Wut während der spirituellen Entwicklung allmählich geringer werden und dann ganz verschwinden. War Jesus also keine reife Seele, als er die Händler aus dem Tempel jagte? Und die Zenmeister, die ihren verständnislosen Schülern mit dem Stock eins überzogen, waren das Brutalos ohne Mitgefühl? Auch reife Seelen können Zorn empfinden und Gutes, Nützliches »haben« wollen. Dabei können sich niedere und höhere Motive mischen, und die niederen können sich als höhere verkleiden. Jesus im Tempel und die Zenmeister mit dem Stock eignen sich beide gut als Ausreden – je nach religiöser Orientierung wählt man bei Bedarf die eine oder die andere.
Alchimie ist nicht bloß der unwissenschaftliche Vorläufer der modernen, wissenschaftlichen Chemie. Das eigentliche Ziel der Alchimisten war die mystische Kunst der Umwandlung niederer Gefühle wie Wut oder Gier in höhere wie Mitgefühl oder Weisheit. Dieses Anliegen durften die europäischen Alchimisten aber nicht zeigen, weil sie sonst von der Inquisition als Ketzer verfolgt worden wären. Folglich taten sie so, als seien ihre Ziele nur weltliche: Sie würden versuchen, niedere Metalle in höhere zu verwandeln, zum Beispiel Blei in Gold.
Dass das Seelisch-mystische als »das Eigentliche« der alchimistischen Kunst angesehen wurde und nicht das Chemische ist nicht richtig, denn für die Alchimisten von damals waren die beiden Bereiche nicht getrennt. Sie wollten tatsächlich Gold herstellen. Das »Periodensystem der Elemente« und deren chemische Unwandelbarkeit kannten sie noch nicht. Viele von ihnen glaubten an die Analogie zwischen Äußerem und Inneren, dass sie etwa erst dann Blei in Gold würden verwandeln können, wenn ihre Seele dazu reif sei.
Altered states of consciousness sind Bewusstseinszustände, in die man durch schamanische Techniken gelangt. Sie heben einen über das normale Alltagsbewusstsein hinaus.
»Altered« heißt einfach »verändert«. Solche Bewussteinsveränderungen können einen ebenso unter das normale Alltagsbewusstsein absenken wie darüber hinaus erheben. So wie man im LSD-Rausch nicht nur die kosmische Einheit erleben kann, sondern auch einen Horrortrip, so kann auch eine schamanische Reise einen zum Rächer und Zerstörer machen, nicht bloß zum Heiler und Heiligen.
Altern. Du bist nur so alt, wie du dich fühlst.
Ist das Esoterik? Oder bloß eine ganz normale Schmeichelei, die man einem alternden Menschen schenkt, damit er sich gut fühlt? Tatsächlich behaupten einige Esoteriker – so etwa Leonard Orr, der Erfinder des Rebirthing – wir Menschen würden nur deshalb altern und sterben, weil wir glauben, das sei unausweichlich. Wären wir stark genug, an ein ewiges physisches (!) Leben zu glauben, dann würden wir nicht sterben. Bisher hat allerdings noch kein Mensch den Glauben an ein körperliches Sterben durch sein Beispiel widerlegen können. Bisher! Leonard Orr, Jahrgang 1938, ist immerhin noch am Leben. Wir bleiben hoffnungsvoll.
Alt/neu. Das Alte ist gut, je älter desto besser. Das Neue ist gut, je neuer desto besser.
Schwierig. Wie bekommt man beides unter einen Hut? Esoteriker sprechen gern von uralten Traditionen und Heilmethoden oder einem Wissen, das auf die Kontinente Atlantis und Lemuria zurückgeht. Da bekommt man den Eindruck, das Alte sei gut, je älter desto besser. Dann aber sprechen sie von »neuem Denken«, dem »Neuen Zeitalter«, dem Wassermannzeitalter, welches das Fischezeitalter ablöst, und dass das dualistische Denken veraltet sei. Ja, was nun: Ist das Alte gut oder das Neue? Offenbar ist es mal so und mal anders. Dann ist es wohl besser, die Verherrlichung des ganz Alten und des ganz Neuen einfach wegzulassen und nur davon zu sprechen, was man gut findet und was nicht.
Amulette beschützen ihre Träger auf magische Weise vor negativen Einflüssen.
Amulette beschützen nur den, der an diesen Schutz glaubt. Man kann diese Art des Schutzes durchaus als »magisch« bezeichnen, denn Glaube wirkt magisch. Alle Religionen und die meisten esoterischen Richtungen kennen solche Schutzzauber. Eine besondere Art des Schutzzaubers ist die Reliquie, wie sie im Katholizismus, im orthodoxen Christentum und im Buddhismus weit verbreitet ist. Die heidnische Antike glaubte übrigens nicht an die Zauberkraft von Reliquien, sie war in der Hinsicht weniger esoterisch als das Christentum: Für die Menschen der europäischen Antike galten Körperteile Verstorbener generell als unrein, egal wie fromm oder heilig die Verstorbenen waren.
→ Glaube
Anderswelt. Durch schamanische Techniken wie Drogen, Trommeln, Singsang und besondere Riten an Kraftplätzen kann sich der Suchende auf eine »schamanische Reise« begeben, die ihn in die Anderswelt führt. Diese wirkt in mächtiger Weise auf die Normalwelt ein.
Ob diese schamanische Anderswelt wirklich existiert oder nur eine Traumwelt ist, eine Halluzination oder Einbildung ist eine Frage der Weltanschauung. Esoteriker neigen dazu, sie für real zu halten. Sie erzählen hierzu gern die folgende Geschichte aus dem alten, taoistischen China: Chuang Tse wachte eines Tages auf, nachdem er geträumt hatte, er sei ein Schmetterling; nun war er verwirrt, denn es könne doch sein, sagte er sich, dass er ein Schmetterling ist, der träumt, er sei Chuang Tse. Viele Esoteriker halten die Anderswelt sogar für realer als die sinnlich wahrnehmbare. Philosophisch gesehen ist es jedoch müßig darüber nachzudenken, wie viel Realität wir den verschiedenen Welten zugestehen, die wir aus unseren verschiedenen Bewusstseinszuständen heraus wahrnehmen. Die unideologischere, pragmatischere Herangehensweise ist die, das Weltmodell zu bevorzugen, das imstande ist, die meisten Phänomene zu erklären, und das ist auch die Vorgehensweise der Wissenschaft.
Analogie. Das Gesetz der Analogie sagt: wie oben, so unten, wie innen so außen. Mikrokosmos und Makrokosmos entsprechen einander.
Durch die Sinnesorgane und den rezipierenden, sowie den verarbeitenden Teil unseres Gehirns ist unser Wahrnehmungsapparat begrenzt und kann nur ganz bestimmte Phänomene und Strukturen wahrnehmen. Deshalb nehmen wir innen wie außen, unten wie oben, im Kleinen wie im Großen Ähnliches wahr. Der Grund für diese Ähnlichkeit liegt aber nicht außen, sondern innen, im Subjekt. Ein Fischer, der immer nur mit einem Netz der Maschenweite fünf Zentimeter auf Fischfang geht, wird die Überzeugung gewinnen, dass es keine kleineren Fische gibt, und er wird sagen: Überall in den Weltmeeren, in den kleinen Buchten wie auf hoher See, überall ist die Mindestgröße von Fischen fünf Zentimeter. Deshalb finden wir bei den Atomkernen und im Weltall Ähnliches vor (z. B. im Verhältnis von Leerraum zu Materie), aber diese Ähnlichkeiten beruhen auf unserer Wahrnehmung, nicht auf einem die (Außen)Welt regierenden Gesetz der Analogie. Auf einer besonderen Art von Analogieprinzip basiert auch die Homöopathie.
→ Homöopathie
Anhaftung. Wahre Spiritualität zeigt sich in der Fähigkeit, ohne Anhaftung zu sein.
Nur die letzte, absolute Freiheit verzichtet auf jegliches Anhaften. Unterwegs auf dem menschlichen Weg der Reifung, sei er nun religiös, esoterisch oder spirituell, ist Anhaften in vielen Fällen gut – entscheidend ist, an was man da jeweils »haftet«. Zum Beispiel ist das Anhaften an ethischen Prinzipien etwas Gutes und durchaus spirituell zu nennen.
Anthroposophie ist die esoterische Lehre, die hinter den Waldorfschulen steht.
Der ehemalige Theosoph Rudolf Steiner (1861-1925) begründete die Anthroposophie, die sich bis heute noch stark auf ihren Begründer bezieht, viel mehr als etwa der Kommunismus auf Marx oder das Christentum auf Jesus. Rudolf Steiners Lehre ist zweifellos eine esoterische. Obwohl die heutigen Waldorfschulen im Vergleich zu den staatlichen Schulen die musischen Fächer gegenüber den wissenschaftlichen bevorzugen und den Menschen eher als Ganzheit aus Körper und Geist ansehen, wäre es abwegig, sie schon deshalb als esoterisch zu bezeichnen.
Astrologie. Die Sterne haben viel Macht über unser Schicksal. Insbesondere zeigt das Geburtshoroskop die Grundlinien unseres Charakters. Was wir dann daraus machen, ist unsere Sache.
Astrologie ist die bei uns in Deutschland, Europa und – in regionalen Varianten – weltweit meist verbreitete esoterische Lehre. Zum Standardangebot der Astrologen gehört das Geburtshoroskop und darin die Einordnung gemäß dem Sonnenstand zum Zeitpunkt der Geburt in ein »Sternzeichen«. Zunächst einmal bestimmen gemäß der normalen Astrologie nicht »die Sterne« unser Schicksal, sondern die Planeten der Erde bestimmen es. Aber auch diese Einwirkung (oder gar »Bestimmung«) ist höchst zweifelhaft. Bereits die Typeneinordnung durch das Geburtshoroskop beruht auf einem astrologischen Irrtum (der Präzession der Erdachse), und selbst ohne diesen Berechnungsfehler (den man mit einiger Eloquenz ignorieren kann) hat noch keine seriöse Untersuchung mit ausreichender statistischer Signifikanz eine Häufung von Eigenschaften bei den astrologischen Grundtypen finden können, von den speziellen Aussagen der Astrologie mal abgesehen. Das Interessanteste und potenziell Wertvollste an der Astrologie ist das subtile und facettenreiche Menschenbild, das sie anbietet. Noch keine der modernen, wissenschaftlich begründeten Typenlehren hat diese Komplexität erreicht. Wenn es doch nur wahr wäre! Es ist aber nicht real im faktischen Sinne, sondern allenfalls so wahr wie die Fiktionen unserer Künste, Mythen und Legenden: Anregung zum Nachdenken, Erkennen und Sich-Identifizieren, aber nicht substanzieller oder dauerhafter als ein Bild, das mit dem Stock auf der Wasseroberfläche gezeichnet wurde.
Atlantis ist der Kontinent, der vor einigen tausend Jahren bei einer Naturkatastrophe im Atlantik versank. Dort lebte eine spirituell hoch entwickelte Kultur. Das Wissen dieser Kultur wurde allerdings von einigen dazu Berufenen bewahrt, die es als Geheimlehre weitergaben. Viele der heute lebenden Esoteriker sind Reinkarnationen von Atlantern.
Die in den Platon-Dialogen »Timaios« und »Kritias« beschriebene, kontinentgroße Insel Atlantis ist nur ein Mythos, keine historische Realität. Es gibt keine geografischen oder geologischen Hinweise darauf, dass in Zeiten menschlicher Kultur ein solche Insel oder gar ein Kontinent existiert hätte. In der antiken Dichtkunst ist es üblich, zwischen Mythos und Realität nicht deutlich zu unterscheiden.
Aufgestiegene Meister sind körperlose Wesen, die einmal Menschen waren und nach ihrer Erleuchtung in einen speziellen Himmel aufgestiegen sind, wo sie dann für die noch unerleuchteten Seelen zur Verfügung stehen, um auch sie zu erleuchten. Unter diesen noch Unerleuchteten wiederum gibt es Medien. Das sind Menschen, die die Fähigkeit haben, erleuchtete Meister zu channeln.
Wer mit der Esoterik fremdelt, wird es hier besonders schwer haben. Der Kult um diese für den Normalbürger nicht wahrnehmbaren Wesen gehört zur Hardcore-Esoterik und hat sein ganz eigenes Vokabular. Zum Kult um diese Wesen gehören nicht nur die Channelmedien, sondern auch Accessoires wie die Lichtwesenessenzen. Das sind Blütenessenzen, deren Zweck es ist, den göttlichen Funken in uns zu wecken und die Schwingung zu erhöhen, was auch immer das heißen mag. Der Handel damit floriert jedenfalls. Unter den drei Gruppen von Lichtwesenessenzen gibt es die »Meisteressenzen«, die »die Energie der aufgestiegenen Meister« enthalten. Sie seien imstande, dem Einnehmenden zu helfen, heißt es, weil die Meister das irdische Leben ja aus eigener Erfahrung kennen und deshalb »bei der praktischen Umsetzung unserer Ziele und Fähigkeiten im Alltag helfen«. Sage da noch einer, Esoterik sei nicht alltagsrelevant!
→ Channeling
Aufstellungen (auch »Familienstellen« oder »systemische Aufstellungen« genannt) sind eine diagnostische und therapeutische Methode, bei der Menschen als Stellvertreter für andere Menschen oder deren Themen »aufgestellt« werden. Die so Aufgestellten können dabei aufgrund ihrer Wahrnehmung des Feldes, in dem sie stehen, die Essenz eines Problems erkennen und es lösen.
Aufstellungen können bei sensibel agierenden Teilnehmern tatsächlich eine Diagnose ermöglichen. Es darf jedoch bezweifelt werden, ob dabei tatsächlich ein »Feld« existiert, dass erkannt werden und therapeutisch wirken kann oder ob das nur eine metaphorische Sprechweise ist. Ein solches Feld ist bisher auch mit den feinsten Instrumenten noch nicht gemessen worden, und es könnte gut sein, dass es nur in den Köpfen der Teilnehmer existiert. Deren Köpfe und kollektive Interaktion sind jedenfalls komplex und mächtig genug, um die beobachteten Phänomene auch ohne die Existenz eines solchen Feldes erklären zu können. Wenn man den Begriff des Feldes hier nicht wie in der Physik als magnetisches oder elektrisches Feld versteht, sondern als literarische Metapher, stehen die Beobachtungen der systemischen Aufstellungen in keinerlei Widerspruch zu den Erkenntnissen der Wissenschaft.
Aufstieg → Höheres und Niederes
Das Aufwachen ist das höchste und im Grunde einzige spirituelle Ziel.
Es gibt viele spirituelle Ziele, und deren Bewertung variiert je nach angewandter Moral bzw. dem ethischen Vorgehen. Das Aufwachen als Synonym für das Erlangen höchstmöglicher Erkenntnis ist tatsächlich das höchste Ziel vieler spiritueller Wege, aber nicht das einzige. Fast alle spirituellen und esoterischen Wege haben auch eine Moral und bewerten das menschliche Verhalten je nachdem als gut oder schlecht, auch wenn sie gern betonen, sich »eigentlich« jenseits von Gut und Böse zu bewegen.
→ Bewusstsein
Aura. Jeder Mensch hat eine Aura. Wer dafür sensibel ist, kann sie sehen.
Schon die griechische und römische Antike kennt den Heiligenschein, damals (lat.) Nimbus genannt, der sich in der europäischen Kunst bis in den Gegenwart hinzieht. Heute wird er fast nur noch auf Devotionalienpostkarten verwendet. Esoteriker hingegen sprechen bis heute gern von einem sichtbaren Energiekörper, der Aura, die sich sogar per Kirlianfotografie (hochfrequentierte Hochspannungsfotografie) darstellen lasse. Da sich aber mit Fotos leicht tricksen lässt, wird diese Darstellbarkeit auch von Esoterikern vielfach in Frage gestellt. Der Film »Die Prophezeiungen von Celestine« beispielsweise spielt jedoch erneut mit einer visuellen Darstellung der Aura und weckt damit neuen Glauben an eine Sichtbarkeit, die nicht bloß eingebildet ist. Leider wird diese Aura von Menschen, die nicht daran glauben, auch nicht gesehen. Sind diese unsensibel?
Aurasoma ist eine ganzheitliche Seelentherapie, in der sich die heilenden Schwingungen von Farben, Kristallen und natürlichen Düften mit dem Licht verbinden, um Körper, Geist und Seele des Menschen zu harmonisieren.