Copyright © 2010
by Cadmos Verlag, Schwarzenbek
Titelfoto: Christiane Pinnekamp
Fotos im Innenteil: Jessica Mienk, falls nicht anders angegeben
Lektorat: Sabine Poppe
Alle Rechte vorbehalten.
ISBN: 978-3-8404-6003-6
Datenkonvertierung eBook:
Kreutzfeldt digital, Hamburg
Satzweiss.com Print Web Software GmbH
Vorwort
Die unsichtbare Leine
Und es gibt sie doch
Die menschliche Einstellung zum Hund
Kommunikation zwischen
Mensch und Hund
Gehorsam
Grunderziehung
Kennen und Kennenlernen
Der Lebensrhythmus
Die Welt aus der Sicht Deines Hundes
Die Bindung
Leader werden ist nicht schwer –
Leader sein dagegen sehr
Hundeflüstern – wörtlich genommen!
Eine Verbindung aus Gedanken
Ein Naturgesetz
Der Hund als Spiegel der
menschlichen Seele
So einfach ist das
Steine auf Deinem Weg –
die menschliche Unzulänglichkeit
Das Jammer- und
Schuldzuweisungsverhalten
Das „Nicht“-Syndrom
Die Schinkenspeck-Hilfe
Reine Nervensache
Nur Bindung schafft Verbindung
Hilfreiche Tests
Knüpfe die unsichtbare Leine
So sieht der Anfang aus
Der zweite Schritt
Den Hund fühlen
Der dritte Schritt
Praktische Übungen zur
Verstärkung der Konzentration
und der eigenen Wahrnehmung
Zu guter Letzt
Das LOA-Prinzip
LOA – mit Hund
LOA – diesmal ohne Hund
NLP – Neurolinguistische Programmierung
Anhang
Die Autorin
Empfehlenswerte Literatur
Danke
In diesem Buch geht es um das Thema Kommunikation mit dem Hund. Wenn wir mit unserem Hund kommunizieren, tun wir dies in der Regel verbal und vorwiegend im Befehlston: „Komm!“ – „Sitz!“ – „Platz!“ – „Fuß!“ und so weiter. So wird es uns schließlich meist beigebracht.
Hier geht es also, ganz im Gegensatz dazu, um eine vorwiegend nonverbale, fast intuitive Art der Verständigung. Das setzt ein hohes Maß an Konzentration und Selbstbeherrschung seitens des Menschen voraus. Du erfährst eine andere, neue Einstellung zum Gefährten „Hund“ und zum Leben an sich. Unsere Seminarteilnehmer sind oft sehr erstaunt, wie schnell man mit seinem Hund eine ganz andere, sehr enge Beziehung aufbauen kann. Plötzlich funktioniert dann alles fast von selbst, was man bis dahin hart erarbeiten musste. Ist der Umdenkprozess beim Menschen erst einmal vollzogen, ist eine so feine Kommunikation mit dem Hund möglich, dass Außenstehende von dieser oft gar nichts mitbekommen.
An dieser Methode der zwischenartlichen Kommunikation ist nichts Esoterisches oder gar „Abgehobenes“ – sie beruht auf rein wissenschaftlich erklärbaren Grundsätzen, den Naturgesetzen. Alles ist reine Physik, wie Du bald sehen wirst. Es liegt allein an uns, ob wir den einfachen und harmonischen Weg gehen wollen, oder uns weiter wild brüllend und leineruckend mit unserem Hund „verständigen“. Mach Dich auf den Weg zur vollständigen Harmonie mit Deinem Hund – geh den Weg der „leisen Töne“ und nimm Deinen Hund als das, was er ist …
… ein Hund!
Die „unsichtbare Leine“ steht für die innige Beziehung zu Deinem Hund.
„Freiwillige Abhängigkeit ist der
schönste Zustand, und wie wäre
der möglich ohne Liebe.“
(Johann Wolfgang von Goethe, Die Wahlverwandtschaften)
Schon in unserem Buch Hundologie – das Einsteigerbuch (Mienk 2008) wird ausführlich erklärt, wie man mit seinem Hund eine harmonische Beziehung aufbaut. Der Gipfel dieser Harmonie ist die „unsichtbare Leine“, eine innige Verbindung zwischen Hund und Mensch, die auf große Distanzen funktioniert. Die Methode funktioniert nur dann, wenn bereits eine feste Bindung besteht, und wenn Du nun bereit bist, Dich und Deinen Hund aus einem völlig neuen Blickwinkel zu sehen.
Immer wieder werden wir gefragt, wie man diese innige Verbindung herstellt. Interessanterweise schauen uns meist die „Hundeplatz-Fanatiker“ ganz konsterniert an, wenn sie sehen, wie wir mit unseren Hunden kommunizieren, oft ohne auch nur ein Wort oder eine Geste zu verwenden. Wenn wir mit unseren Hunden sprechen, dann in ganzen, völlig normalen Sätzen: „Kommst Du, Tony, wir wollen doch heute noch raus – oder hast Du wieder was anderes vor?“ Wir benötigen keine Leckerli, keinen Zwang, keinen Druck, keine Kommandos!
Unsere Hunde gehorchen nicht
– sie kooperieren.
Die Leine gibt Deinem Hund Halt, Sicherheit und schützt ihn vor Gefahren.
Die Leine bildet die lockere Verbindung zu Deinem Hund, sie bindet ihn nicht an.
Wenn wir das erreichen wollen, müssen wir zunächst unser ganzes Denken und Handeln „umstülpen“ und das beginnt schon bei dem Begriff der Leine.
Definieren wir zunächst den Begriff Leine neu:
• Eine Leine hält nicht den Hund –
sie gibt dem Hund Halt.
• Eine Leine sichert nicht den Hund –
sie gibt dem Hund Sicherheit.
• Eine Leine schützt nicht vor dem Hund –
sie schützt den Hund vor Gefahren.
• Eine Leine engt den Hund nicht ein –
sie gibt dem Hund Freiheiten.
• Eine Leine bindet den Hund nicht an –
sie ist die (lockere) Verbindung zwischen Mensch und Hund.
Hund und Mensch verstehen sich.
„Wenn Gott einen Hund misst,
zieht er ein Band um das Herz
statt um den Kopf.“
(Verfasser unbekannt)
Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, warum der Hund des Wohnsitzlosen in jeder Situation ohne Halsband und Leine bei seinem Menschen bleibt, während unser Hund uns gerade wieder mit vollem Tempo über die Straße zieht? Wer hat nicht schon darüber nachgedacht, warum gerade die Hunde dieser Menschen, die niemals einen Hundeplatz gesehen haben, ohne Kommando immer das Richtige tun? Wer hat nicht auch tief in sich drin die Sehnsucht nach einem „Lassie“ oder „Rex“? Sicher, „Lassie“ oder „Rex“ sind eine Erfindung der Filmemacher. Aber die Hunde der Wohnsitzlosen? Die sind real. Auch unsere Hunde sind real, sehr real sogar. Ohne jemals eine „Ausbildung“ absolviert zu haben, können wir sie nicht nur allesamt überall mit hinnehmen, jeder von ihnen würde für uns – aus eigenem Willen – durchs Feuer gehen, wenn es darauf ankommt.
Fragst Du Dich, warum es bei Dir und Deinem Hund nicht funktioniert und wie es bei uns zu dieser engen Bindung kommt? Die Antwort ist einfach: Wir lieben uns, wir teilen ein Leben miteinander, wir verstehen uns.
Vier elementare Dinge machen den Unterschied:
• Die menschliche Einstellung zum Hund und zum Leben;
• die daraus folgende Grunderziehung;
• die Bindung und Leadership;
• die Gedanken, die Gefühle und damit die „unsichtbare Leine“, die bei den Glücklichen bestens funktioniert.
„Wer selbst recht ist, braucht nicht
zu befehlen: und es geht.
Wer selbst nicht recht ist, der mag
befehlen: doch wird nicht gehorcht.“
(Konfuzius, Gespräche Lunyü)
Der Hund als Partner – ja, jedoch nicht im menschlichen Sinne. Der Hund lebt stets im Hier und Jetzt, gespickt mit allen Erfahrungen aus der Vergangenheit. Keinesfalls lebt der Hund wie wir Menschen in der Zukunft. Gedanken wie: „Was wird morgen sein?“ liegen ihm fern. Er denkt jedoch auch nicht in der Vergangenheit: „Hätte ich gestern doch den Knochen gefressen, wäre er jetzt nicht gestohlen worden ...“
Wir Menschen müssen den Hund so nehmen wie er ist und alle seine Bedürfnisse befriedigen, damit er wie ein Partner an unserer Seite glücklich leben kann. Nur ein glücklicher, ausgeglichener Hund kann und will sich so auf seinen Menschen einstellen, dass eine dauerhafte Bindung entsteht (siehe hierzu die „Fragen für den Hundehalter“ in Hundologie – das Einsteigerbuch, Mienk 2008).
Der Hund sieht in uns nicht – wie man uns oft glauben machen will – den Rudelführer. Ein Hund weiß sehr wohl Menschen von Tieren zu unterscheiden. Er ist ja nicht blöd – nur anders. Wir sollten uns also auch nicht wie Hunde benehmen, sondern wie Menschen – allerdings wie ehrliche Menschen, denn gute menschliche Schauspieler sind selten. Und Hunde durchschauen uns blitzschnell.
Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, gratuliere ich Dir. Dann hast Du die Grundvoraussetzungen für ein sehr harmonisches Zusammenleben geschaffen. Halte Dir jedoch immer vor Augen: Der Hund ist ein Tier, kein Mensch – er denkt anders, handelt anders und lebt anders als wir Menschen. Du kannst 100 Hunde gleicher Rasse haben – jeder hat einen eigenen, unverwechselbaren Charakter, jeder einen anderen Charme und jeder eine andere Ausstrahlung.
Wenn Du Deinen Hund als Partner so akzeptierst, wie er ist, dann bist Du auf dem richtigen Weg.
Hunde sind Individuen, die artgemäßen und höchst individuellen Umgang und Kommunikation beanspruchen. Die Kommunikation der Hunde untereinander erfolgt größtenteils durch Gesten oder durch Schwingungen = Energie.
„Nicht die Ziele, die wir uns setzen,
zeigen wer wir sind, sondern
die Wege, die wir beschreiten,
um diese zu erreichen.“
(Verfasser unbekannt)
In der Kommunikation zwischen Mensch und Hund unterscheiden wir zwischen:
• verbal
• nonverbal
• unbewusst.
Der Kommunikationswissenschaftler und Psychotherapeut Paul Watzlawiek hat einmal gesagt: „Wir können nicht nicht kommunizieren!“ Alles, was wir tun, denken, glauben, ist Kommunikation. 60 Prozent unserer Kommunikation sind unbewusst und nonverbal, fünf Prozent sind bewusst nonverbal und etwa 35 Prozent sind verbal.
Unsere Hunde reagieren auf geringste Gesten unsererseits und auf unsere Schwingungen. Wir senden ständig Schwingungen aus – gute, schlechte, neutrale – unser Hund nimmt sie auf und verarbeitet sie auf seine Weise. Unsere nonverbale Kommunikation wird vom Hund wesentlich exakter aufgenommen und verarbeitet als alle Gesten oder Worte. Wenn wir nun verbal mit ihm kommunizieren, so müssen wir uns stets vergegenwärtigen, dass diese Art der Kommunikation für den Hund den niedrigsten Stellenwert hat – er verlässt sich trotzdem mehr auf unsere Schwingungen und reagiert entsprechend. Dabei nimmt er auch – meist sogar besonders intensiv – die von uns unbewusst gesendeten Signale auf: Der Hund reagiert und uns ist gar nicht klar, worauf.
Sichtbare und unsichtbare Schwingungen nimmt Dein Hund sofort wahr. Erst wenn Deine Signale wirklich positiv sind, reagiert er so, wie Du es Dir wünschst.