
Gerda Hillebrand
MICHI, LISA
UND HERR JACCO
Jugendroman
freie edition
Leseprobe
© 2011
AAVAA Verlag UG (haftungsbeschränkt)
Quickborner Str. 78 – 80, 13439 Berlin
Alle Rechte vorbehalten
Dieser Roman wurde bewusst so belassen,
wie ihn die Autorin geschaffen hat,
und spiegelt deren originale Ausdruckskraft und Fantasie wider.
Alle Personen und Namen sind frei erfunden.
Ähnlichkeiten mit lebenden Personen
sind zufällig und nicht beabsichtigt.
1. Wie sie auf den Hund kamen
Nun waren sie da! Alle Kinder dieser Welt erwarten sie kaum, die heißersehnten Ferien! Die Zeit des Nichtstuns und der unbändigen Freiheit!
Für Michi und Lisa waren die letzten Tage nicht mehr auszuhalten gewesen, so sehr fieberten sie der Zeugnisverteilung entgegen.
Aber nicht die zu erwartenden Noten waren verantwortlich für ihre Nervosität, sondern lediglich die Tatsache, jetzt wieder viel mehr Zeit gemeinsam verbringen zu können. Gemeinsam mit „Herrn Jacco“ ,dem besten Freund der beiden Mädels.
Herr Jacco hatte die Größe eines ausgewachsenen, großen Polarfuchses und sah auch so aus. Sein braun-gelbliches, dichtes, langes Fell, das am Rücken dunkle Strähnen aufwies, war jetzt wunderschön seidig glänzend, was nicht immer so gewesen war. Seine buschige Rute war nicht mehr räudig wie einst. Die braunen, schmalen, etwas hochgezogenen Augen sahen listig und zugleich lustig aus. Die eher schmal geschnittene, längliche Schnauze, nicht mehr so fahl und traurig wie vor einigen wenigen Monaten.
Immer wieder kam sowohl Michi als auch Lisa die Erinnerung an jene Tage zurück. Tage, die Freude, Hoffnung, Glück, aber auch einiges an Entbehrung und Aufopferung, verbunden mit entsetzlicher Heimlichtuerei, mit sich brachten. Es war eine Zeit, die tüchtig an der seelischen Verfassung der Mädels kratzte.
„Wir müssen heute unbedingt noch Futter besorgen“, tuschelte Lisa ihrer Freundin ins Ohr.
Sie erwarteten in Kürze die Zeugnisverteilung.
„Jacco frisst uns noch arm“, entgegnete im Flüsterton Michi beinahe stolz.
„Uns?“ fragte Lisa ebenfalls im Flüsterton, damit niemand es sonst hören konnte. „Du meinst wohl dich mit uns, denn du bist doch der lebende Geldschrank für Jaccos Ausspeisungen“.
Die Mädchen lachten daraufhin, und die Mitschüler sahen verwundert zu ihnen hin.
„Sofort nach dem Mittagessen treffen wir uns in der Stadt, um die Besorgungen zu machen“, wisperte noch rasch Michi, bevor die Lehrerin die Türe öffnete.
Und so begann die Geschichte mit Herrn Jacco, der einst ein Streuner gewesen war, bis ihn Michi adoptierte, sozusagen von der Straße, besser ausgedrückt vom Wald weg annahm. Das war gar nicht so einfach gewesen, denn Michis Eltern durften davon ja nichts wissen, weil in ihrer Familie Hunde, und Tiere im Allgemeinen, nicht gerade gebetene Gäste waren. Michi ging Monate in ihrer Erinnerung zurück:
Während der großen Pause des kalten Januartages standen Michi und Lisa im Schulhof, weit weg von den anderen Mitschülern, damit sie die nächsten Schritte ungestört besprechen konnten.
„Zunächst müssen wir einmal dem Tier einen Namen verpassen, damit wir es rufen können. Das wird sicherlich eine geraume Zeit lang dauern, bis der Hund darauf reagiert. Ich glaube jedoch, es handelt sich um ein kluges Bürschchen, das bald schon kapieren wird, dass der Name nun zu ihm gehört“, erklärte Lisa ihrer Freundin.
„Und wie sollen wir ihn denn taufen, hast du dir schon darüber Gedanken gemacht?“, meinte Michi.
„Nein, ich noch nicht, du vielleicht?“ fragte Lisa zurück.
„Irgendwie gefällt mir Jakob, nicht nur weil dein Bruder so heißt, sondern weil der Name einfach zu dem Hündchen passt“, meinte Michi.
„Ach, Jakob klingt mir für den Hund zu lang, und einfach nicht passend“, Lisa wieder nachdenklich. „Ich habe einmal eine Tiersendung gesehen, da hieß der Hund Coco, und das gefiel mir auf Anhieb sehr gut“.
„Also, ich weiß nicht so recht. Ich finde Coco passt auch nicht zu ihm. Coco würde ich ein kleines Hündchen nennen, so ein Schoßhündchen etwa. Jakob passt sehr gut zu einem Bernhardiner oder einer anderen sehr großen, gemütlichen Hunderasse“, meinte Lisa grüblerisch.
„Vielleicht machen wir halbe – halbe und nennen den Hund Jacco“, sagte nach einiger Überlegung Lisa.
„Wenn schon, dann „Herr Jacco“, denn das finde ich witzig“, lachte Michi. „Außerdem ist der Hund ein Rüde“.
Auch Lisa lachte darüber und so einigten sie sich auf den Namen „Herr Jacco“. „Vorausgesetzt wir sehen den Hund wieder“, meinte Michi.
Das war eine sehr gerechte Einigung, denn so hatte jedes der Mädels nach ihren Vorstellungen einen Teil zur Namensgebung beigetragen. Der Name „Jacco“ war ein ausgezeichneter Kompromiss beider Freundinnen.
„Das ist ja genial“, wir haben eine tolle Fantasie, erwiderte zufrieden Lisa.
Somit ward das Tier Jacco getauft. Damit waren die Freundinnen glücklich und wie es später aussah, war es auch Jacco.
“Herr Jacco, gefällt mir sehr gut, und dir, Lisa, gefällt doch der Name auch?“.
„Oh ja, wunderbar, wir haben einen Herrn Jacco.“
Und Lisa nahm ihrer Freundin Hände und sie tanzten wie wild auf dem Pausenplatz der Schule.
Die übrigen Kinder sahen belustigt und erstaunt zu ihnen hinüber. Manch einer tippte mit seinem Zeigefinger auf den Kopf, was wohl nicht so Gutes verhieß!
„Du Lisa, ich glaube, wir machen uns hier vor allen Schülern selbst zum Narren, die werden wohl glauben, wir seien nicht ganz dicht, wenn wir hier eine Tanzveranstaltung abhalten“.
Beide Mädchen lachten wie verrückt.
„Wenigstens wird uns dabei warm, an diesem kalten Wintertag“, meinte Michi. Immerhin sah auch das eine oder andere Kind verstohlen dem Treiben zu und hätte sich gerne angeschlossen.
***