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Amsterdams ältestes hofje: ein Ort der Stille mitten in der Innenstadt

Rund um die alte Stadtwaage treffen Cafés, Chinaimbisse und Marktbuden zusammen

Die älteste Kirche ganz Amsterdams stammt aus dem 14. Jh. und steht ausgerechnet im heutigen Rotlichtviertel

Nirgends flaniert es sich so schön wie entlang der Pracht von Heren-, Keizers- und Prinsengracht

Vom schlanken Turm der Westerkerk haben Sie einen großartigen Blick

Alle Höhepunkte der Malerei des Goldenen Zeitalters unter einem Dach, von Rembrandts „Nachtwache” bis zu Vermeers „Küchenmagd”

Die weltweit größte Sammlung mit Gemälden vom Schöpfer der „Sonnenblumen”

In der grünen Lunge der Stadt treffen sich Spaziergänger, Skater, Hundebesitzer und Musiker

Hier gibt’s die beste warme appeltaart, gekrönt mit einer Kugel Zimteis

Auf dem wuseligen Freiluft-markt gibt es holländische Schnittblumen, surinamische Kochbananen, indische Stoffe und mehr

In Amsterdams expressionistischem Lichtspielhaus lässt sich manchmal sogar Königin Beatrix blicken

Das Stammhaus des Concertgebouw orkest ist auch für seine hervorragende Akustik bekannt

Eigenwilliges Designhotel in einem Haus aus dem 17. Jh. mit sieben verschiedenen Zimmerstilen und Garten

Das Kontrastprogramm zum prächtigen Grachtenring: Hutzelige Häuser, historische Kneipen und vor allem versteckte hofjes machen den Charme des ehemaligen Arbeiterviertels Jordaan aus

Am Tag der Königin spielt ganz Amsterdam verrückt – erst beim stadtweiten Flohmarkt, anschließend bei Bier und Oranjebitter-Likör

 
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Insider
Insider-Tipp

15 gigantische Gemälde der Schützengilde aus dem 17. Jh. hängen in der Schuttersgalerij – und sind gratis zu bestaunen

Insider-Tipp

Einst als Arbeiterviertel gebaut macht heute die kunterbunte Mischung aus Studentenkneipen, schicken Restaurants, Marktgetümmel und Asiashops die Anziehungskraft von De Pijp aus

Insider-Tipp

Auf dem Land in der Stadt: Nieuwendam gehört heute zu Amsterdam, hat sich aber seine dörfliche Atmosphäre mit alten Holzhäusern bewahrt

Insider-Tipp

In einem alten, 8 m hohen Gewächshaus serviert man im De Kas neu-holländische Bioküche – mit Zutaten aus dem eigenen Garten

Insider-Tipp

Schnell, laut, bunt und ziemlich lecker lautet die Devise im Thaiimbiss Bird in Amsterdams Chinesenviertel

Insider-Tipp

Frau Antje werden Sie im Kaashuis Tromp wohl nicht treffen, dafür stapeln sich in dem kleinen Laden die vielen Käsespezialitäten bis unter die Decke

Insider-Tipp

Puccinis handgemachte Pralinen entfalten mit so unerwarteten Zutaten wie Muskatnuss, Pfeffer oder Gin ihre ganz eigene, köstliche Geschmacksmusik

Insider-Tipp

Dem Design meint man die Verwandschaft seines Schöpfers zum berühmten Architekten Rem Koolhaas anzusehen: Die Schuhkreationen von United Nude mit ihren ausgefallenen Absätzen sind in aller Welt begehrt

Insider-Tipp

Wer im Sommer in Amsterdams Vondelpark eines der vielen Konzerte besucht, kommt anschließend oft in den Genuss einer spontanen rauschenden Party unter freiem Himmel

Insider-Tipp

Zum Sonnenuntergang lohnt sich ein Besuch der Twenty Third Bar im obersten Stock des Okura-Hochhauses. Wer mag, bekommt zu Cocktail und Panorama auch noch Sterne-Häppchen

Insider-Tipp

Von den Oostelijke Haveneilanden legten früher die Dampfer nach Sumatra ab, heute stehen hier Paradebeispiele zeitgenössischer niederländischer Architektur

Insider-Tipp

Die musikalische Mittagspause beim kostenlosen Konzert im renommierten Concertgebouw schont Geldbörse und Figur

Insider-Tipp

Hübsch anzusehen sind sie allemal, Amsterdams malerische Domizile auf dem Wasser. Doch das wirkliche Hausbooterlebnis mit Schaukeln, Plätschern und allem Drum und Dran bekommt nur, wer auch eine Nacht darauf verbringt. Oder zwei oder drei ...

Insider-Tipp

Palmen, Kronleuchter und Wandmalereien unterm Glashimmel: Nirgendwo sonst in Amsterdam isst sich das Frühstücksbrötchen stilvoller als im wunderschönen Wintergarten des Luxushotels Krasnapolsky

Insider-Tipp

In die Herberge, in der eine Reederei einst ihre Auswanderer vor der Abfahrt in die neue Welt unterbrachte, hielten Kunst und Design Einzug. Heute nächtigen Sie in den individuellen Zimmern des prachtvollen Lloyd Hotels garantiert unkonventionell

Insider

Gratismuseum: In einer überdachten Gasse hinter der Kalverstraat hängen 15 riesige Gruppenporträts von Schützengilden aus dem Goldenen Zeitalter, die Sie ganz ohne Eintritt bestaunen dürfen

In den Vondelpark geht man nicht wegen der Ruhe, sondern wegen der Geselligkeit. Im Sommer trifft sich dort ganz Amsterdam zum Picknick, zum Fußballspielen oder zum Besuch eines der (kostenlosen) Konzerte auf der Freiluftbühne

Die gratis zugänglichen „Lunchkonzerte” im Concertgebouw sind eine Amsterdamer Institution. Immer mittwochs um 12.30 Uhr können Sie einer Probe des Concergebouworkest beiwohnen oder sich ein halbstündiges Konzert von jungen Talenten anhören

Auf einer kleinen Halbinsel am Westerdoksdijk findet jedes Jahr im August ein mehrwöchiges Kinofestival im Freien namens Pluk de Nacht statt. Nur wer zum Liegestuhl auch eine Wolldecke haben möchte, muss dafür bezahlen

Wer zeitgenössische Kunst sehen will, muss nicht immer Eintritt zahlen, sondern kann auch einen Galerienspaziergang unternehmen. Die meisten renommierten Galerien, wie Fons Welters, Annet Gelink oder Torch, finden Sie in unmittelbarer Nähe zueinander im Jordaan-Viertel

Chinesen mögen es farbenfroh. Mitten zwischen den alten Backsteinbauten am Zeedijk thront

der buddhistische Fo-Guang-Shan-He-Hua-Tempel. Hier dürfen Sie einen Blick in das religiöse Herz der Amsterdamer Chinatown werfen

Ohne Fahrräder ist Amsterdam nicht denkbar. In der überschaubaren Grachtenstadt ist der Drahtesel einfach das praktischste und gemütlichste Fahrzeug. Dank vieler Verleihe können Besucher es den Einheimischen gleichtun. Besonders netten Service und einen guten Latte Macchiato bietet Star Bikes Rental

Je nach Standort können Amsterdams Grachtenhäuser mal windschief und hutzelig, mal imposant und vornehm sein. Schulter an Schulter säumen sie die Kanäle der Altstadt. Zwar bestehen alle aus Backstein, aber wenn Sie genau hinschauen, gleicht keins dem anderen. Die prächtigsten Häuser finden Sie im Gouden Bocht der Herengracht

Rundum holzvertäfelt, vor allem aber „gezellig” müssen sie sein: die „braunen Cafés”, die es in Amsterdam an fast jeder Ecke gibt. Manch ein Beispiel dieser Kneipengattung ist, wie De Oosterling oder ‘t Smalle, mehrere hundert Jahre alt

Alljährlich am 30. April feiern die Niederländer ihre Königin. Aber nur in Amsterdam wird der Tag mit einem stadtweiten Flohmarkt begangen, der nachmittags in eine große Freiluftparty übergeht. Man kleidet sich von Kopf bis Fuß in Orange und haut richtig auf den Putz

Insgesamt 600 Brücken gibt es in der Altstadt, darunter als berühmtestes Exemplar die hölzerne Magere Brug über die Amstel. Wo sich Reguliersgracht und Herengracht kreuzen, können Sie sogar 15 Brücken auf einen Blick sehen

Im Regal stehen thailändische neben surinamischen und indischen Lebensmitteln, aus der Stereoanlage schallt Salsamusik. Nirgends spürt man mehr, wie kosmopolitisch Amsterdam ist, als in den tokos, den kleinen exotischen Lebensmittelläden, die Sie z. B. rund um den Albert Cuypmarkt finden

In der Stadtbibliothek kann man nicht nur Bücher lesen, sondern auch herumspazieren, die Einrichtung mit niederländischen Designmöbeln bewundern, gratis im Internet surfen, Musik hören, in internationalen Zeitungen blättern und Kaffee trinken

Ein Zoo ist kein naheliegendes Schlechtwetterziel, doch bei Artis ist das anders. Das historische Aquarium lockt mit Unterwasserwelten und der Schmetterlingspavillon mit frei herumfliegenden Flattertieren

The Movies am Haarlemmerdijk ist Amsterdams ältestes Kino und noch ganz im Art-déco-Stil eingerichtet. Nach der Vorstellung gönnt man sich ein Bier in der gemütlichen Kinokneipe

Gebaut wurde das Einkaufszentrum Magna Plaza Ende des 19. Jhs. als Hauptpostamt. Heute beherbergt das imposante neogotische Gebäude edle Modeläden und Cafés rund um den großen Lichthof

Im Tropenmuseum wird die koloniale Vergangenheit der Niederlande lebendig, aber auch ein Eindruck vom heutigen Leben in exotischen Ländern vermittelt – inklusive Unwetter in der afrikanischen Savanne und Bootsfahrt durch einen Regenwald

Königin Beatrix hält sich selten im Palast auf dem Dam auf, der ursprünglich als Rathaus gebaut wurde. Sehenswert sind die beeindruckenden Räume dennoch – allen voran der Bürgersaal, der das Universum mit Amsterdam als Mittelpunkt darstellt

Mitten im Grachtenring liegt die Sauna Déco. Die 600 m2 große Saunalandschaft ist mit dem Art-déco-Interieur eines abgerissenen Pariser Kaufhauses eingerichtet. Zwischen Bleiglasfenstern und ornamentalen Leuchten entspannt es sich besonders gut

Am östlichen Rand des Neubaugebiets IJburg liegt die Hippie-Oase Blijburg aan Zee. Am nett improvisierten Stadtstrand können Sie sich im Sommer Sonne, Wasser und süßem Nichtstun hingeben

Amsterdams schönstes Schwimmbad hat außer einem einzigen Becken im historischen Gebäude nicht viel zu bieten. Aber genau das macht es so erholsam: Hier können Sie noch ganz in Ruhe einfach nur schwimmen

„Zuiver” ist das niederländische Wort für sauber, und das sind Sie nach einem Aufenthalt im Hotel Spa Zuiver garantiert. Am Rand des Stadtwalds Amsterdamse Bos gelegen, erlaubt es Wellnessurlaub im Süden der Stadt – mit oder ohne Übernachtung

Wie ein gestrandeter Wal liegt das Nemo-Museum im Oosterdok . Den terrassierten Rücken des Gebäudes können Sie hinaufgehen. Im Sommer erwartet Sie oben ein Freiluftcafé mit Sitzsäcken, das eine großartige Aussicht über die Altstadt bietet. Während Sie ein Glas Rosé schlürfen, amüsieren die Kleinen sich im Plantschbecken

Wer dem Trubel von Amsterdam einmal entfliehen will, setzt sich am Hauptbahnhof in Bus 32 und fährt zum Nieuwendammerdijk. Jenseits des Flusses IJ findet man sich dort plötzlich in einem uralten Deichdorf wieder

Bild: Reizvolles Grachtenleben – schmale Häuser, grüne Bäume, alte Boote am Oudezijds Achterburgwal

Leicht windschief lehnen sich die schmalen Häuser aneinander. Ein Radler überquert auf seinem quietschenden Fahrrad die Brücke, vor dem Eckcafé sitzen Leute beim Milchkaffee in der Sonne. In der Ferne hört man die Straßenbahn über den Leidseplein rumpeln. „Eine schöne Stadt, Amsterdam. Auch der Verbannte bewundert die nobelschlichte Architektur der alten Patrizierhäuser, spürt den etwas verwunschenen Reiz der Grachten mit ihren venezianischen Gerüchen und Perspektiven”, schwärmte bereits Klaus Mann in den 1930er-Jahren. Und wie damals der deutsche Schriftsteller, so erliegen auch heute noch jährlich Millionen Besucher dem Charme der Metropole an der Amstel.

Kein Wunder, denn Amsterdam ist eine unglaublich vielseitige Stadt. Alt und neu, ruhig und betriebsam, kunstsinnig und kommerziell, kleinstädtisch und kosmopolitisch – keine Beschreibung der Grachtenstadt kommt ohne Widersprüche aus. Mit annähernd 7500 denkmalgeschützten Bauten hat Amsterdam die höchste Dichte an historischen Monumenten in den Niederlanden zu bieten. Seit 2010 gehört der Grachtenring zum Unesco-Weltkulturerbe. In der Altstadt gibt es an jeder Ecke ein Stück Geschichte zu entdecken, von bebilderten Giebelsteinen über alte Schiffswerften bis hin zur Geheimkirche unter dem Dach eines Grachtenhauses.

Beinahe die Hälfte der Einwohner ist jünger als 35 Jahre

Dank der kompakten Innenstadt kann man in Amsterdam, das sich über 90 Inseln erstreckt, wunderbar flanieren. Erst wer zu Fuß durch die backsteingepflasterten Gassen entlang der Grachten läuft, wird die Eleganz der schmalen, hohen Bürgerhäuser wahrnehmen, wird den Reiher auf dem Dach des Hausboots bemerken, hier und dort auf ein verborgenes hofje oder einen kleinen Antiquitätenladen stoßen. Das historische Ensemble des Grachtenrings ist über die Jahrhunderte hinweg komplett erhalten geblieben. 1999 wurde deshalb die gesamte Innenstadt unter Denkmalschutz gestellt. Aber auch in manchen anderen Gegenden, wie dem beinahe dörflich wirkenden Jordaan, scheint die Zeit stillzustehen.

Dass Amsterdam dennoch kein angestaubtes Freilichtmuseum, sondern eine überaus lebendige Stadt ist, liegt einerseits am unbefangenen Umgang der Holländer mit ihren Denkmälern – da wird schon mal eine Neonreklame an einen gotischen Treppengiebel gehängt –, andererseits aber auch an der ungewöhnlich internationalen und jugendlichen Bevölkerung. 37 Prozent der Amsterdamer stammen nicht aus den Niederlanden, und beinahe die Hälfte der Einwohner ist jünger als 35 Jahre. Und so geht es in den Ausgehvierteln rund um Leidse- und Rembrandtplein stets turbulent zu, die Shoppingmöglichkeiten sind fast grenzenlos, und die Wahl zwischen den unzähligen Spezialitätenrestaurants fällt ungeheuer schwer.

Einkaufsmeile Kalverstraat: Gesichter aus allen Kontinenten prägen das Stadtbild

Amsterdam hat zu jeder Jahreszeit seinen Reiz – ob im Sommer, wenn die Cafés ihre Tische auf die Straße stellen und sich eine beinahe mediterrane Atmosphäre ausbreitet, oder im Winter, wenn Nebelschleier über den Grachten hängen und die Brücken festlich beleuchtet sind. Zu den Hauptattraktionen gehören die drei großen Museen Rijksmuseum, Van Gogh und Stedelijk Museum mit ihren einzigartigen Kunstschätzen ebenso wie die vielen kleinen Läden, die winkels, im Stadtzentrum. Und nicht zuletzt trägt auch die offene und fröhliche Art der Bewohner dazu bei, dass Amsterdam ein beliebtes Ziel für Besucher aus aller Welt ist.

Kaufmannsgeist und sprichwörtliche Toleranz

Die Mentalität der Amsterdamer, ihr Kaufmannsgeist und ihre sprichwörtliche Toleranz haben die Geschichte der niederländischen Hauptstadt entscheidend geprägt. Ihre Ursprünge liegen in einem sumpfigen Fischerdorf an der Mündung des Flusses Amstel in das IJsselmeer, das heute ein See ist, damals jedoch noch ein Arm der Nordsee war. Nachdem dem Flecken Amstelledamme 1275 Zollfreiheit gewährt worden war, erhielt er im Jahr 1300 die Stadtrechte und kontrollierte dank seiner Lage fortan den Warenverkehr zwischen der Nordsee und dem holländischen Hinterland. Ihr Geschäftssinn ließ die Amsterdamer jedoch stets nach mehr streben: Bald trieben sie Handel mit sämtlichen Ländern des Ost- und Nordseeraums. Zum Schutz gegen die Gezeiten begannen die Bewohner mit dem Bau einer Befestigungsanlage, den wallen. Im weitgehend erhaltenen ältesten Stadtviertel zwischen Oudezijds und Nieuwezijds Achterburgwal liegen heute die Chinatown und das Rotlichtviertel.

Gegen Ende des 16. Jhs. lösten sich die nördlichen Niederlande im 80-jährigen Krieg von der spanischen Herrschaft. Damals bereits erlangte Amsterdam den Ruf einer liberalen Stadt – und zog zahlreiche protestantische und jüdische Flüchtlinge aus Städten wie Antwerpen und Lissabon an, die noch immer spanisch besetzt waren. Diese Einwanderungswellen wohlhabender Kaufleute sorgten für eine Erweiterung der Handelsbeziehungen und läuteten so das sogenannte Goldene Zeitalter ein. 1602 wurde die Verenigde Oostindische Compagnie (VOC) gegründet, die das Monopol auf den Seehandel mit Ostasien und Indien erhielt, 1621 kam die Westindische Compagnie hinzu, die für Amerika und die Westküste Afrikas zuständig war. In den folgenden 150 Jahren entwickelten sich die Niederlande zu einer der bedeutendsten See- und Handelsmächte Europas, und Amsterdam wurde zu einer wichtigen und reichen Hafenstadt, deren Lager mit Nelken, Zimt, Seide, Kaffee und Porzellan gefüllt waren. Innerhalb weniger Jahrzehnte stieg die Einwohnerzahl um das Fünffache.

Als die Stadt aus allen Nähten zu platzen drohte, begann man Anfang des 17. Jhs. den Grachtenring anzulegen: Reiche Kaufleute ließen sich außerhalb der alten wallen prächtige Domizile mit angeschlossenen Lagerhäusern an der Heren-, Keizers- oder Prinsengracht bauen. Gleichzeitig erlebten Kunst und Literatur eine Blütezeit. Die bedeutendsten Meisterwerke des Goldenen Zeitalters wie Rembrandts „Nachtwache” oder Vermeers „Milchmagd” kann man heute im Rijksmuseum bewundern – Zeugnisse einer protestantisch-bürgerlichen Kultur, in der Geschäftssinn und Offenheit gegenüber dem Andersartigen eine einträgliche Verbindung eingingen.

Coffeeshops und Homoehe prägen das Image der Stadt

Um 1700 zählte Amsterdam etwa 220 000 Einwohner und hatte den Höhepunkt seiner Blüte erreicht. Aber bereits um 1750 begann der Stern der Niederlande wieder zu sinken. Teils lag das am Erstarken anderer Länder als Seemacht, teils aber auch am Verwaltungswasserkopf der VOC. Erst Mitte des 19. Jhs. erholte sich die Wirtschaft wieder durch den Beginn der Industrialisierung.und den Bau des Nordzeekanals, der Hochseeschiffen die Fahrt bis in den Amsterdamer Hafen ermöglichte.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Niederlande nach fünftägigen Kampfhandlungen von Deutschland besetzt. Aufgrund der raschen Kapitulation trug Amsterdam nur wenig Schaden davon, wurde jedoch später noch einige Male von fehlgeleiteten alliierten Bomben getroffen. Es formierte sich ein starker Widerstand gegen die deutsche Besatzung, der jedoch die beinahe vollständige Auslöschung der jüdischen Gemeinde nicht verhindern konnte.

In den 1970er-Jahren wurde Amsterdam zum Mekka für Hippies, Hausbesetzer und Aussteiger aus aller Welt. Im Vondelpark und auf dem Dam kampierten im Sommer Tausende Rucksacktouristen, und um 1980 lebten etwa 20 000 Hausbesetzer in der Stadt. Liberale Politiker bewirkten die Legalisierung sanfter Drogen, jede Randgruppe konnte nach ihrer Fasson glücklich werden. Dieser Ruf eilt Amsterdam auch heute noch voraus – nicht nur Tulpen und Grachten, sondern auch Coffeeshops und Homoehe haben das Image geprägt.

Seit einigen Jahren ändert sich die Mentalität jedoch und werden die Niederländer spürbar konservativer. Die Partei des islamkritischen Rechtspopulisten Geert Wilders ist die drittstärkste politische Kraft im Land, das Hausbesetzen ist seit Ende 2010 illegal, und Coffeeshops sollen nach dem Willen des Kabinetts zukünftig nur noch für Kunden mit niederländischem Wohnsitz zugänglich sein. Amsterdam fällt allerdings innerhalb der Niederlande wieder einmal aus dem Rahmen. Obwohl es auch in der Grachtenstadt zunehmend Kritik an der schlechten Integration und den hohen Arbeitslosenzahlen unter Immigranten aus Marokko und der Türkei gibt, spielt die Partei von Geert Wilders im Stadtrat nur eine Nebenrolle. Das Hausbesetzungsverbot wird hingegen durchaus umgesetzt, so dass die früher allgegenwärtigen, kraakpand genannten besetzten Häuser im Stadtbild immer seltener werden.

Was man dagegen immer mehr sieht, sind Kräne und Baustellen. Vor allem am IJ-Ufer hat sich in den letzten Jahren viel getan. Während im ehemaligen Hafengebiet östlich vom Hauptbahnhof bereits komplette neue Stadtviertel entstanden sind, ist die Entwicklung rund um das neue Eye Filminstitut am Nordufer und im alten Holzhafen im Westen der Innenstadt noch in vollem Gange. Auch von Nord nach Süd durchzieht die Stadt eine unübersehbare Kette von Baustellen: Hier entsteht eine neue Metrolinie, die 2017 eröffnet werden soll.

Überschaubar, ungewöhnlich entspannt, manchmal chaotisch

In der historischen Altstadt bekommt man davon aber nicht allzu viel mit. Amsterdam ist und bleibt eine überschaubare, ungewöhnlich entspannte, manchmal aber auch etwas chaotische Weltstadt mit etwa 730 000 Einwohnern. Am liebsten bewegen sich die Amsterdamer noch immer ökologisch korrekt mit ihrem fiets, dem meist rostigen Fahrrad, fort. An Sommerwochenenden tuckert man gern in kleinen Booten mit einem Glas Rosé in der Hand durch die Grachten oder sitzt mit einer Tasse Kaffee auf dem Gehsteig vor dem eigenen Haus in der Sonne. Cafés sind ein wichtiger Teil des Lebens. Ob schummerige Pinten, kühle Designerbars oder kerzenbeleuchtete Kuschelhöhlen – Hauptsache, sie sind gezellig.

Dank der enormen Vielseitigkeit zieht Amsterdam ganz unterschiedliche Besuchertypen an. Wenn sich aber die Ulmen im Wasser der Grachten spiegeln und im Hintergrund das Glockenspiel der Westerkerk erklingt, sind sie alle gleichermaßen fasziniert.

Mit dem Boot bis vor die Tür: Wasser ist das beherrschende Element in der Stadt

Heimatküche

Private Dinner Sie laden in die eigene Wohnung und servieren auf Omas Geschirr. Homecooking steht hoch im Kurs bei den Amsterdamern. Allen voran Saskia Bongeart mit ihrem Kamer Restaurant (Albert Cuypstraat 203c, , ). Adrienne Eisma lädt ebenfalls zu sich (The Cookery, Valeriusstraat 250, ). Bei Kookerij de Singel können Sie wählen zwischen einem homecooked Meal und anderen augewählten Locations (Singel 317, ).

Recycle Art

Kunst Amsterdams Künstler sind echte Zweitverwerter. Wie Leonard van Munster, der ein Baumhaus aus Abfall auf dem Stedelijk Museum balancierte (, ). Auch Robert Pennekamp macht Müll zu Kunst. So sammelte er unter dem Motto „Mach was Schönes aus dem Müll” Material für eine Skulptur (). Jährlich findet das Trashville Festival, bei dem sich alles um Müll und Recycling dreht, statt. Der Höhepunkt ist das Trash Race, bei dem nur Fahrzeuge, die vor Ort aus Müll gebaut wurden, starten dürfen ().

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