
Pénétrance même jusqu'a la douleur.
Noch ruht auf mir meiner Sünden Zicht,
Die Fackel der Freiheit, noch flammt sie mir nicht,
Noch klirren die Ketten mir mahnend am Fuß,
Noch peitscht mich der Brüder verächtlicher Gruß,
Noch scheut der Geringste den Druck meiner Hand,
Noch bin ich verstoßen, vervehmt und verbannt:
[8]
So war meine Reue noch zärtlich und weich,
So war meine Buße noch schwächlich und bleich:
Wohlan! so verhängt mir die zehnfache Pein, –
Ich will sie ertragen und dankbar sein.
In Asche vergrub ich die Stirn und in Koth,
Den Wölfen im Walde zum Fraß ich mich bot,
Den Stürmen der Winternacht gab ich mich preis,
Ich wälzte die Glieder durch Felsen und Eis;
Ich beugte den Willen und brach meinen Stolz,
Schlug selber die Seele an's Marterholz,
Ich kroch vor der Herde – und das ist die Qual,
Der Seele rothglühendes Schandenmal.
Ich habe gebüßt nach der Christen Gebot,
In darbender Demuth, in Ketten und Koth.
Was jemals ein Mensch sich als Folter ersann,
An tödtlichen Qualen, ich that es mir an.
Ich habe gebüßt drei Jahre lang,
Drei Jahre die klatschende Geissel erklang,
Drei Jahre lang floss mein Blutes Born,
Drei Jahre lang schwoll meiner Seele Zorn –
Bis Flammen verathmend der Morgen genaht,
Da wuchtigen Tritts ich die Geißel zertrat,
Da lachenden Mundes ich Götzen zerklirrt,
Die hämisch den Flug meiner Seele verwirrt.
Die Stirne, so lange mit Asche bedeckt,
Ich habe sie leuchtend emporgereckt.
[10]
Ich hatte gebüßt drei Jahre lang,
Der Seele brausenden Überschwang;
Ich hatte gebüßt nach der Christen Gebot,
In darbender Demuth, in Ketten und Koth:
Dass freier und wilder und größer ich war,
Als meiner Genossen staubleckende Schaar.
Wer gab denn zu warten der Heerde das Recht,
Wer nennt, was ich übte, verworfen und schlecht,
Wer hetzt mich entgegen der Nacht und der Noth,
Wer gibt meiner Seele Befehl und Gebot,
Wer hebt gegen mich seine strafende Hand,
Wer hat mir den Sclaven als Richter gesandt?
[11]
Und jauchzend erdröhnte mein fürstlicher Schrei:
Wer wagt es zu sagen, dass Sünder ich sei?
Ich habe genossen – von Qualen zernagt,
Ich büßte mit Qualen – nun hat es getagt.
Die Qualen zerrinnen, die Kette zerbricht.
Wer sind meine Richter – ich kenne sie nicht.
Ich kenne nicht einen, der über mir steht,
Mich selber nur grüßt meiner Seele Gebet.
Den Leib könnt Ihr beugen und brechen im Frohn,
Die Seele, die Seele, sie lächelt Euch Hohn.
Das waren die grauen Gespenster,
Die glitten in schweigender Nacht
Durch leise klirrende Fenster
Und haben getobt und gelacht.
Sie wogten auf und nieder
Auf grünlichem Mondenglast,
Sie dehnten die farblosen Glieder
Und tanzten in fiebernder Hast.
Mit eisigen Fingern durchkrallten
Mein Fleisch sie bis auf's Bein,
Und seltsame Worte lallten
Sie gröhlend und kichernd darein.
Mein Leib in wilden Schauern
Zu winden sich begann,
Die grauen Gespenster sie lauern –
Und kreischend flüchten sie dann.
Mit blutigen Rosen
Und wachsbleichen Nelken
Durchwinde dein Haar.
Und löse die Flechten ...
Düfte verathmende,
Wirre Strähne
Mögen über deine
Üppig-starren,
Bronce-braunen Brüste
Niederhangen, Schleifen
Schwarzblau,
Düster,
Wie blitzgesättigte
Wetterwolken.
Und deine Lippen,
Deine blumenkühlen,
Mögen in ewigen,
Zärtlichen,
[17]Halbgehauchten Küssen
Mein Antlitz streifen.
Dann, nur dann
Wird sie entweichen,
Jene herzumschnürende,
Tödtliche Lebensangst,
Und fern und ferner wird
Mit schlürfenden Schritten
Der Wahnsinn schleichen ...
Komm' zu mir,
Bleibe bei mir,
Immer,
Immer ...
Wenn sich Deine starren Züge
Zerren in der Seele Qual,
Wenn Dir Deines Daseins Lüge
Aufersteht mit einem Mal,
Wenn sich Deine Glieder bäumen,
Trotzig, in verbiss'ner Wut,
Aufgeschreckt aus Wonneträumen,
Knirscht und tobt der Nerven Brut,
Wenn die Thränenschleier fließen
Über Deine dunkle Haut,
Und die wilden Worte schießen
Gellend, wie der Zinken Laut:
[19]
Dann durchrieseln Wonneschauer
Meinen Leib; – ein Dankgebet
Schwillt zu Dir – aus deren Trauer
Meines Glückes Odem weht.
Klafft und blutet, dürre Wunden:
Wonnen, die nur ich empfand
Leben wieder – für Secunden
Meine Seele auferstand.
Ich weiß, ich weiß, – sie harren mein und lauern,