
Bleich am Himmel steht der Mond;
In das Fenster zu dem Zimmer,
Wo ich ehedem gewohnt,
Zittert geisterhaft sein Schimmer,
Und zurück glaub' ich zu schaun
Zu den lang versunknen Jahren,
Als mir noch die Locken braun,
Frisch die Lebensgeister waren.
Alles drinnen wie bekannt!
Dort der Sessel vor dem Pulte
Und die Spieluhr an der Wand,
Die mich oft in Schlummer lullte;
Dort bei einer Kerze Licht,
Bücher vor ihm aufgeschlagen,
Sitzt ein Jüngling; sein Gesicht
Ist wie meins in frühen Tagen.
Sage mir, mein Schattenbild,
Du voll Lust, wie ich voll Trauer:
Glaubt dein Drang, der nie gestillt,
Noch an ew'ge Lebensdauer?
[402]Bei Folianten, Nachtgesell,
Brütend bis zur Morgenstunde
Mühst du dich, der Weisheit Quell
Auszuschöpfen bis zum Grunde?
Schwingen deinem Geiste wohl
Willst du weben durch dein Lernen;
Denkst zu fliegen an den Pol
Zu des Himmels fernsten Sternen;
Träumst in jugendlichem Mut,
Großes einst zu thun auf Erden –
Aber Kraft und Wangenglut,
O wie bald sie schwinden werden!
Geh und schlag die Bücher zu!
Sieh hernieder, wo ich stehe!
Du bist ich, und ich bin du,
Nur gebeugt von Gram und Wehe;
Bitter an den Lippen klebt
Mir des Lebensbechers Hefe,
Und, wie heiß ich auch gestrebt,
Labt kein Kranz die glüh'nde Schläfe.
Was ich baute, sah zerstört
Ich zu Boden wieder rollen;
In der Luft ist ungehört
Meiner Worte Klang verschollen,
Und bevor mein Volk, mein Land
Noch erkannten, wen sie hatten,
Unbetrauert, ungenannt,
Werd' ich eingehn zu den Schatten.
An den Hängen, die in Eis
Tiefbegraben starrten,
Schmücken Krokus, gelb und weiß,
Veilchen schon den Garten;
Blätter hängt das junge Jahr
An die kahlen Aeste,
Und es kehrt der Wanderstar
Zum verlass'nen Neste.
Ja, im Glanz, der über Thal
Und Gebirg ergossen,
Allen als ein Freudensaal
Ward die Welt erschlossen;
Nur aus meinem Herzen weicht
Nicht der Gram, der stete,
Still an meiner Seite schleicht
Er durch blüh'nde Beete.
Seit ein Wiegenlied uns zwei
In den Schlaf gesungen,
Schwester, hat in jedem Mai
Mich dein Arm umschlungen,
Schrittst du hier mit mir am Bach
Durch die blum'ge Wiese;
Nun zum erstenmale, ach!
Fehlst du mir, Elise!
In der dumpfen Stube lang,
Winterlich umnachtet,
Nach der ersten Lerche Sang
Hattest du geschmachtet.
Endlich hell durch mildre Luft
Scholl er dir entgegen –
[404]Da, Geliebte, in die Gruft
Mußtest du dich legen.
Nicht im jungen Sonnenlicht
All das Grünen, Blühen,
Und der Fichten Sprossen nicht,
Die wie Fackeln glühen,
Nicht, durchblitzt vom Morgenrot,
Die beperlten Auen
Gönnte dir der Mörder Tod
Noch einmal zu schauen.
Wohl in einem Jenseits gern,
Wie zu höhern Räumen
Hin du schwebst von Stern zu Stern,
Möcht' ich dich mir träumen;
Doch umsonst! Mein Geist muß matt
Seine Schwingen senken;
In der finstern Todesstatt
Kann ich nur dich denken.
Dort zu dir hinunter nun
Dringt kein Hauch vom Lenze.
Bleich zu deinen Häupten ruhn
Die verwelkten Kränze,
Und ein blasser Lichtstrahl streicht
Nur mit Dämmerhelle
Längs der Wände, kalt und feucht,
Durch die Grabkapelle.
Oft im Traume, grambetäubt,
Zwischen Steingebröckel
Heb' ich, moderduftumstäubt,
Deines Sarges Deckel.
Sieh! Da schläfst nach kurzem Sein
Du den Schlaf, den langen,
[405]Und ein matter, eis'ger Schein
Spielt um deine Wangen.
Und von den Atomen schon,
Die in Staub zerfallen,
Hör' ich einen leisen Ton
Durch die Stille hallen;
O zu dir nimm mich hinab
Aus dem Weltgedränge,
Daß mit deinem bald im Grab
Sich mein Staub vermenge!
In deiner Seele mildem Lichte
Ist mir der Frühling aufgeblüht;
Gereift sind meine ersten Früchte,
Allein von ihrem Strahl durchglüht.
Als, sich vom Staub empor zu ringen,
Mein Geist noch matt die Flügel schlug,
Liehst du ihm, Freundin, Kraft der Schwingen
Und sporntest ihn zu kühnem Flug.
Die Sehnsucht, die zu lichtern Räumen
Sich aufschwingt aus dem dunklen Hier,
Der Seele Rausch in hohen Träumen
Als Lebensmitgift gabst du mir.
Mit mir auf allen meinen Wegen
Zogst du als Schutzgeist ungesehn,
Und deiner Lippen milden Segen
Fühlt' ich um meine Stirne wehn.
[406]
Bei Nacht zu meinen Augenliden
Hat sich im Traum dein Bild gesenkt,
Bis es das Herz mit stillem Frieden
Zum Ueberfließen mir getränkt.
Für alles, was du mir gegeben,
Wo wär' ein Dank, der nicht zu klein?
Von einem vollen, ganzen Leben
Die Ernte dacht' ich dir zu weihn.
Nun, da du sankst zum frühen Grabe,
Am kalten Marmor hingekniet
Hab' ich für dich nicht andre Gabe
Als Thränen und dies arme Lied.
Wie einen Stern, der im Versinken,
Seh' ich im Auge, gramumflort,
Nur matt noch deine Seele blinken,
Vom scharfen Todespfeil durchbohrt.
Ich kenn' ihn, ach! den Schmerz, den herben,
Wenn in dem Winterfrost der Welt
Das Herz erstarrt und vor dem Sterben
Das Leben schon in Trümmer fällt.
Und, wie einst vor den Tempelmauern,
Den Säulen, die auf Sunium
Um die verlornen Götter trauern,
Oft steh' ich vor dir, wehmutstumm.
Doch eine Macht ist, Weib, o glaub es,
Die aus Verzweiflungsqual den Geist,
Aus Tod und aus der Nacht des Staubes
Empor in alle Himmel reißt.
[407]
Durch Liebe steigt aus den Ruinen
Das Leben, das in Trümmern lag,
Und leuchtet, morgenglanzbeschienen,
Entgegen einem neuen Tag.
Am Strand, von Flocken Schaumes übertaut,
Lieg' ich gestreckt in duft'ges Heidekraut.
Ich schaue, wie die Flut in Grün und Gold
Und Purpur wechselnd mir zu Füßen rollt,
Und mir ans Ohr tönt in der Wogen Schwall
Geliebter Stimmen Widerhall.
Fern durch der schaumbekrönten Wellen Tanz,
Was schimmert weiß im Mittagssonnenglanz?
Ein Segel ist's; und noch ein andres blinkt,
Indes die Flut sich hebt und wieder sinkt.
Sie nahn! sie nahn! Die Fahrt geht küstenwärts!
Was klopfst du, ungestümes Herz?
Hoffnungen werden, die ich fast vergaß,
Von neuem wach; was ich vordem besaß,
Die Teuern all, die ich verlor, das Glück,
Die erste Liebe, kehren sie zurück? – –
Ach! in die Ferne schwinden, sichtbar kaum,
Die Segel hin am Himmelssaum.
Du lächelst hold beim Morgengruße,
Als ob kein Gram auf Erden sei;
Hold lächelnd schwebst mit leichtem Fuße
Du abends mir im Tanz vorbei.
[408]
Und doch – die Schwermut ahnen alle,
Die hin durch deine Seele schleicht;
Denn früh den Schwamm voll bittrer Galle
Hat dir die arge Welt gereicht.
An Herzen, die verzweifelnd brachen,
Lag deines, bis zum Tod betrübt;
So viel die Menschen dir versprachen
Trug haben sie an dir verübt.
So laß die falsche Maske sinken
Und nimm den Festkranz aus dem Haar;
Mag sich das laute Leben schminken,
Die Einsamkeit ist ewig wahr.
Gleich gilt vor ihr des Armen Kammer,
Das prachtgeschmückte Fürstenhaus. –
Geh denn und weine deinen Jammer
Im dunklen Stübchen einsam aus.
Wo der Abend das Himmelsblau
Tränkt mit goldenem Sonnenlicht,
Seht der Wolken Kreisen und Wallen,
Wie sie Terrassen und ragende Hallen
Türmen, dann wieder der luftige Bau
In sich zusammenbricht!
Alpengipfel, leuchtend von Schnee,
Steigen empor und stürzen herab;
Wieder dann Türme mit funkelnden Spitzen,
Schlösser, die weithin im Spätrot blitzen;
Plötzlich zertrümmert sinkt alles jäh
Nieder ins Sonnengrab.
[409]
Hoffnungen, Träume von Liebe und Glück,
Die ihr die Seele gaukelnd umschwebt,
Gleich der Wolken bunten Gestalten,
Immer wechselnd, doch immer die alten,
Steigt ihr empor und sinkt zurück,
Bis man mit euch uns begräbt.
Die ihr vor mir, schöne Schwäne,
Auf der Wogen Flut euch wiegt,
Silbern schimmert eu'r Gefieder,
Doch in eurer Brust der Lieder
Süßer Quell, den der Hellene
Oft gepriesen, ist versiegt.
Einst am Strome des Kayster,
Wo die Sonne heller tagt
Und der göttlichen Geschwister
Tempel zwischen Myrten ragt,
Lieblich tönten eure Stimmen
Zu der Musen Saitenspiel,
Wenn des Frührots erstes Glimmen
Durch die Cedernwipfel fiel.
Hin mit Steigen und mit Schwellen
Glitt eu'r Hymnus auf den Wellen,
Sel'ge Lieblinge Apolls!
Horch! und an den Flußgestaden
Ringsum von der Oreaden
Lippen wie Gebethauch quoll's,
Und die Luft begann zu strahlen;
Hallend that sich auf das Thor,
Und auf goldenen Sandalen
Trat der schöne Gott hervor!
[410]Nun verbannt, ihr Südbewohner,
Unter unser Wolkengrau,
Fern dem Lande der Joner
Und dem sel'gen Himmelsblau,
Ach! verlort ihr selbst die schöne
Mitgift der Natur, die Töne!
Um eu'r Teuerstes betrogen,
Wie so still ihr auf den Wogen,
Lautlos eure Kreise zieht!
Bei dem feuchten Nebelschauer
Ringt, zu lindern eure Trauer,
Sich aus eurer Brust kein Lied.
Selig ist, wem des Gesanges
Trost ein milder Gott verlieh!
Ob ihm Weh das Herz zerwühle,
Ob es juble – der Gefühle
Jedes wird ihm süßen Klanges
Auf dem Mund zur Melodie.
Aber wehe, wenn das schnöde
Schicksal ihm sein Bestes raubt!
In des Daseins Winteröde
Steht er mit gebeugtem Haupt;
Und die Freude, die wie stummer
Gram an seiner Seele nagt,
Gäb' er gerne für den Kummer,
Den er sonst im Lied geklagt!
Wagt' ich mich von des Lebens Strand
Zu weit hinaus? In Dunkel schwand
Des Tages letzter Schimmer;
Nur hie und da hinunter gießt
Ein Blitz, der durch die Wolken schießt,
Sein zackiges Geflimmer.
[411]
Bis auf des Meeres schwarzen Grund
Hinab reißt uns der Wogenschlund;
Dann wieder auf den Wellen
Wirft himmelwärts der Sturm das Schiff;
Ein Stoß nur, und am Felsenriff
Des Kaps muß es zerschellen.
Auch du, zu dem als Kind empor
An meines Vaterhauses Thor
Ich schon in Andacht schaute,
Verhüllst du dich in Finsternis,
O Stern, auf den ich siegsgewiß
Des Lebens Hoffnung baute?
Du hörtest meinen Seelenschwur,
Daß nicht auf Erden meine Spur
Im Wind verwehen solle,
Und gabst mir Mut auf meinem Gang
Und Kraft, wenn ich empor mich rang
Vom Staub der niedern Scholle.
Strahl auf! Ich fände Ruhe nicht
Dort unten, wenn ich Luft und Licht
Zu früh verlassen müßte!
Noch ist mein Tagwerk nicht vollbracht;
O führ zurück durch Sturm und Nacht
Mich an des Lebens Küste!
Leuchtende Oktobertage,
Deren Hauch den Wald durchzieht,
Holder tönt mir eure Klage
Als des Frühlings frohstes Lied!
[412]
Lose an den Wipfeln hangend,
Trennen in dem milden West,
Gelb und rot und golden prangend,
Sich die Blätter vom Geäst.
Alle, alle endlich müssen
Fallen; die der Wind nicht brach,
Vor der Sonne warmen Küssen
Sinken sie den andern nach.
Und die wilden Rosen senken,
Während sie mit heißem Duft
Einmal noch die Lüfte tränken,
Blatt auf Blatt sich in die Gruft.
Seit der Osten rot erglühte,
Bis zur Zeit des Abendwehns
Schwelg' ich hier mit Laub und Blüte
In der Wonne des Vergehns.
Aus dem altergrauen Rahmen
Blickt ihr fremd auf mich herab,
Und ins Aug' euch mit Vertrauen
Wie ein Sohn nicht kann ich schauen;
Nichts mit euch ja als den Namen
Teil' ich und dereinst das Grab.
Still am väterlichen Herde,
An die Scholle festgebannt,
Lebtet ihr im Kreis, dem engen,
Kanntet nicht das wilde Drängen,
Das mich über diese Erde
Ruhlos trieb von Land zu Land;
[413]
Nicht der Nächte bleiche Qualen,
Wenn der Geist in Fieberhast
Sucht ein Traumbild zu erreichen,
Doch es weichen sieht und weichen,
Bis es in des Morgens Strahlen
Wie ein Meteor erblaßt.
Ob des Enkels Thun und Trachten
Schütteln seh' ich euch das Haupt;
Früh schon hat es ihn inmitten
Der Verwandten nicht gelitten;
Nicht gedacht, so wie sie dachten,
Hat er, noch wie sie geglaubt.
Wert der Mühn schien ihm nur eines –
Durch ein Werk, von ihm vollbracht,
In der Menschen Angedenken
Seinen Namen einzusenken,
Daß er fernhin lichten Scheines
Strahle durch der Zeiten Nacht.
Alpengipfel, nie erstiegen,
Lockten ihn zu sich empor;
Doch, kaum daß er sie erklommen,
Höher, morgenlichtumglommen,
Sah er andre Firnen liegen,
Und ein Abgrund war davor.
Aus des Abends fernsten Meeren,
Von des Ostens Purpursaum,
Dacht' er heim den Schatz zu bringen;
Doch vergebens war sein Ringen,
Und, im Auge heiße Zähren,
Sagt er sich: Es war ein Traum.
Bald den Särgen seiner Väter
Wird nun seiner eingereiht,
[414]Und, wie in der Jahre Rollen
Eure Namen längst verschollen,
Nur um ein'ge Tage später
Deckt auch ihn Vergessenheit.
Wenn müde von nächtlichem Wachen
Die Wimper mir sinkt beim Morgenrot,
So freundlich in deinem Nachen
Wiegst du mich, Schlummer, holder Pilot!
Empor aus der Tiefe leise
Wallt es zum Ohr mir wie Feengesang,
Und um mich tönende Kreise
Schlagen die Wellen bei jedem Klang.
Mit Duft von Blüten beladen,
Die nicht von dieser Erde sind,
Her weht von fernen Gestaden
Mir um die Stirn ein säuselnder Wind.
Und vor mir die Sonnenpalme,
Die aus den Wogen auf Felsen ragt,
Grüßt rauschend im Morgenpsalme
Das Licht, wie es höher und höher tagt.
Hinein! In das himmlische Feuer
Führe hinein mich, trauter Pilot,
Und erzittert die Hand dir am Steuer,
So lenk es dein Zwillingsbruder, der Tod!
Schon meinen Spielgenossen hieß ich Träumer;
Denn wie ein Bruder engverwandt von je,
Fühlt' ich, o Schmerz, du tiefer, allgeheimer,
Mich dir und deinem dunklen Weh.
Wenn lachend über mir des Lebens blauer
Lichthimmel hängt, mich Scherz und Lust umhallt,
Doch stets zu dir in deine ernste Trauer
Zurückgezogen werd' ich bald.
In mich mit langen, durst'gen Zügen sauge
Ich deinen Odem, während so vertraut,
Und wie aus Weltalltiefen doch, dein Auge,
Das große, dunkel auf mich schaut.
Da fühl' ich: aus dem düstern Reich dort unten
Nur kommt die Weihe in des Menschen Brust,
Und matt und schal erscheint mit ihren bunten
Trugbildern mir der Erde Lust.
Daß ich so euch, all ihr trauten
Plätze, wiederfinden muß!
Wohl noch mit bekannten Lauten
Murmelt der geschwätz'ge Fluß,
Wohl die Knospen bricht der Flieder
Wie in jenem sel'gen Jahr, –
Doch nie Frühling wird es wieder,
Wie es damals Frühling war.
Nie mehr aus dem Grün der Linden
Lacht und duftet so der Mai;
[416]Nie wie damals in den Winden
Hallt des Kuckucks froher Schrei;
Nie so an den Bergeshängen
Flammt der Fichtensprossen Rot;
Hier in allen Laubengängen
Hingeschritten ist der Tod.
Derer, die mir teuer waren,
Keinen findet mehr mein Blick;
Mit gehäuftem Gram von Jahren
Kehr' ich noch allein zurück,
Und rings, wie mit Geisterzungen,
Aus dem Laub, dem Wasserfall,
Tönt von Stimmen, lang verklungen,
An mein Ohr der Widerhall.
Auf den Rasen, die verwildern,
Sucht mein Auge thränenschwer
Nach der Götter Marmorbildern,
Welche einst, olympisch-hehr,
Von den Piedestalen schauten;
Nun von Nesseln überdeckt
Liegen sie und wilden Rauten,
Auf den Boden hingestreckt.
Oft, halb hoffend und halb zage,
Wenn des Morgens Rot sich zeigt,
Denk' ich, daß der alten Tage
Einer neu im Osten steigt;
Hoch und höher schwingt der reine
Glanz am Himmel sich empor;
Aber bald mit blassem Scheine
Stirbt er hin in Nebelflor.
Und erschreckt, wohin ich schreite,
Fahr' ich auf bei jedem Tritt;
[417]Schatten schleichen mir zur Seite
Durch die Gartengänge mit,
Sitzen bei mir auf den Bänken,
Flüstern Worte mir ins Ohr – –
O hinweg! Ich mag's nicht denken,
Was ich hatt' und nun verlor!
Wie süß in dir, o Waldeseinsamkeit,
Mein Thal, wo durch die grünen Blätterwogen
Der Menschheit bange Sorgen nie gezogen,
Hab' ich verträumt die Sommerzeit!
Der Schleier war von der Natur, der Bann,
Der sie von mir getrennt, hinweggenommen,
So freundlich blickte sie mich mit den frommen,
Den seelenvollen Augen an.
Was tiefgeheim in ihrem Innern lag,
Ließ sie mich lesen in den trauten Zügen
Und lehrte mich in Menschenlaute fügen,