ROLF LAPPERT

Über den Winter

Roman

Carl Hanser Verlag

Der Autor dankt der Kulturstiftung Pro Helvetia

für die Förderung dieses Romans.

ISBN 978-3-446-25003-1

© Carl Hanser Verlag München 2015

Umschlag: Peter-Andreas Hassiepen, München © plainpicture / neuebildanstalt / Rumbach – aus plainpicture Rauschen

Alle Rechte vorbehalten

Satz: Satz für Satz. Barbara Reischmann, Wangen im Allgäu

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Datenkonvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Für Lina Muzur, Susanne George

und Walter van Rossum

Und dann war da noch dieses Gefühl, das einen überfällt, wenn man einem Verstorbenen im Sarg zum Friedhof folgt – eine gewisse Ungeduld mit den Toten, eine Sehnsucht, wieder zu Hause zu sein, wo man an der Illusion festhalten kann, nicht der Tod sei der dauerhafte Zustand, sondern das tägliche Leben.

E. L. Doctorow – Homer & Langley

PROLOG

Lost Baggage

In der Unternehmung lag eine Spur von Wahnsinn, in ihrem Anblick ein Hauch von kläglicher Komik; und dieser Eindruck wurde auch nicht zerstreut, als mir jemand an Bord ernsthaft versicherte, dort draußen gebe es ein Lager von Eingeborenen – er nannte sie Feinde! –, die sich irgendwo außer Sichtweite verbargen.

Joseph Conrad – Herz der Finsternis

Seit dem Abend hatte sich das Meer wieder beruhigt. Die Stille war ein unablässiges Innehalten, ein scheinbar endloses Warten. Es gab kein Haus in der Nähe, kein Licht weit und breit, keine lebende, einer Sprache mächtige Seele. Zum nächsten Ort, einer Ansammlung verlassener Hotels, Läden und Imbissbuden, fuhr man Stunden auf der von Sand bedeckten Straße. Trockene Wärme erfüllte die Luft, herübergetragen aus Afrika, das als Ahnung hinter dem Horizont lag. Das Uhrwerk der Insektenbeine, das Fächern der Palmblätter, das Bellen verwilderter Hunde: die Geräusche einer Nacht ohne Menschen. Über allem spannte sich der Himmel, eine tiefschwarze See, aus der Sterne emporstiegen und als eisiges Glitzern auf die Erde herabsanken. Die Welt drehte sich in ihrer eigenen schweren Dunkelheit, Kontinente trieben voneinander weg.

Lennard Salm lag auf dem Rücken im Gras. Wenn er den Atem anhielt, hörte er das leise Rollen der Wellen. Er öffnete die Augen und betrachtete eine Weile das Sternengewirr. Vielleicht war es zehn, dachte er, vielleicht auch schon Mitternacht. Seine Uhr hatte er vor Wochen beim Kartenspiel verloren. Falter stießen gegen den Schirm der Petroleumlampe, deren kümmerlicher Schein den Innenhof kaum erhellte. Wegen des Unwetters hatte er die letzten drei Tage untätig vertrödelt. Jetzt war er müde vom Nichtstun und der Anstrengung, diesem Zustand ein Glücksgefühl abzuringen. Seit Ausbruch des Sturms trank er den Wein nicht mehr, mit dem der Keller, ein Bunker unter dem Küchenboden, gefüllt war. Auch nüchtern blieb der Eindruck, eine Art Ende erreicht zu haben, einen Punkt, an dem es keinen wirklichen Grund zum Bleiben mehr gab und schon gar keine Rechtfertigung für seine Lethargie, die, so redete er sich ein, in einem direkten Zusammenhang mit dem Verlust seiner Uhr stand.

Er setzte sich auf und schlüpfte in die Plastiklatschen, die er kurz nach seiner Ankunft am Strand gefunden hatte, eine rote, brettharte von der Dicke eines Steaks und eine gelbe, dünn wie ein Stück filetierten Fischs, vom Meerwasser spröde geworden. Dann ging er ins Badezimmer und wusch sich die Hände und das Gesicht mit Wasser, das lauwarm war und nach den modrigen Wänden des Betontanks roch, aus dem es gepumpt wurde. Er drehte den Hahn zu und betrachtete sich im Spiegel, hielt eine Weile seinem Blick stand, der fest war, nur leicht getrübt von einem Schleier vagen Zweifels an etwas, das er nicht benennen konnte. Seine Haut war kaum brauner geworden, nur trockener unter dem struppigen Bart, der seinem Gesicht nichts verlieh außer einer gleichgültig hingenommenen Verwahrlosung.

Im Schlafzimmer zog er sich eine saubere Hose und ein frisches Hemd an. Auf dem Bett sitzend, schüttelte er Sand aus den Schuhen, über deren dunkelblauen Segeltuchstoff verwischte weiße Linien aus Meersalz liefen. Nachdem er die Taschenlampe aus der Küche geholt hatte, verließ er das Haus. Entgegen Wielands Anweisung, die Tür immer zu verriegeln, zog er sie auch jetzt nur zu. Dann folgte er der schulterhohen Mauer, die das Grundstück und den einstöckigen Bau umgab.

Das Licht des Mondes und der Sterne ließ den Boden gerade so hell schimmern, dass Salm die Taschenlampe nicht brauchte. Er kannte den Pfad und jede Vertiefung, jeden Stein und jede armdicke Wurzel, die ein längst toter Baum auf der Suche nach Wasser geschlagen hatte. Obwohl der Weg leicht abschüssig war, konnte Salm das Meer nicht sehen, dafür die flache Düne, hinter der sich während des Sturms die Wellen mit einem bis zum Haus vernehmlichen Grollen gebrochen hatten.

Sobald er den höchsten Punkt des mit Sträuchern und zähen Grasbüscheln bewachsenen Damms erreicht hatte, lag die schwarze Wasserfläche vor ihm. Er lauschte eine Zeit lang dem regelmäßigen Atem der See, ließ den Blick über den Strand gleiten und dann über den kaum zu erkennenden Strich des Horizonts, auf dem er in kindlicher Erwartung die Umrisse eines Schiffes auszumachen hoffte. Aber die Leere vor ihm war vollkommen, und er wandte sich nach rechts, wo in der Ferne die üblichen vier, fünf Lichter der Ferienhaussiedlung flimmerten.

Die gewaltigen Wellen hatten den Sand bis nahe an die Düne heran planiert. Das Schwemmgut lag ungewöhnlich weit hinten, fast am Dünenfuß, wo es sich mit altem Treibholz, Tang und Müll vermischte. Salm lief den flachen Hang hinunter und leuchtete mit der Taschenlampe über den Saum aus Ablagerungen, den das vom Sturm aufgewühlte Meer hinterlassen hatte. Plastikflaschen schimmerten im Lichtstrahl, Apfelsinenkisten und Styroporbrocken, dazwischen, Planeten eines verheerten Universums gleich, losgerissene Bojen und Schwimmer von Treibnetzen. Überall waren Kleidungsstücke verstreut, mehr als jemals zuvor. Die Ärmel einer weißen Stoffjacke schlangen sich um ein Brett, eine blaue Hose hing wie zum Trocknen in den Ästen eines entwurzelten Baums. Farbige Socken, Mützen, Schals und Unterwäsche sprenkelten die straßenbreite Bahn, durch die Salm sich langsam zum Wasser hin bewegte. Stieß er auf einen Koffer, packte er ihn am Griff und schleuderte ihn in Richtung Düne. Mit der eigentlichen Arbeit würde er im Licht des nächsten Tages beginnen. Der Gedanke daran, einen Teil dieser schrecklichen Bescherung zu erkunden, löste in ihm ein Gefühl mulmiger Vorfreude aus.

Auf dem festen Sandstreifen zwischen dem Meer und dem Band aus Treibgut kam Salm rasch voran. Ab und zu musste er einer mit Wasser gefüllten Senke ausweichen oder über einen Baumstamm klettern. Vereinzelt glitzerten tote Fische im Licht der Taschenlampe, der größte davon ein armlanger junger Delphin. Die Brandungslinie hatte sich weit zurückgezogen, die Wellen waren flach und kraftlos, wie erschöpft vom Wüten und dem Ausspucken so riesiger Mengen Mülls.

Bald erreichte er die Überreste einer breiten, von schiefen Laternenpfählen flankierten Holztreppe und bestieg die Düne. Oben angelangt, blickte er auf vierundzwanzig weiß gestrichene Steinhäuser, die sich scheinbar ungeordnet um ein großes Flachdachgebäude, einen mit Satellitenschüsseln bestückten Sendemast und einen wasserlosen Swimmingpool gruppierten. In drei, vier der mit blassroten Ziegeln gedeckten Bungalows brannte Licht, die anderen lagen in dunkler Verlassenheit. Auf dem Maschendrahtzaun blinkte eine Handvoll roter Lämpchen wie eine vergessene Weihnachtsbeleuchtung. Landeinwärts, in der flachen, unbewachsenen Ebene, konnte man bei Tag ausgefranste braune Stücke verfilzten Rasens und ein Muster schmaler Wege erkennen, die sich durch den ehemaligen Golfplatz gewunden hatten und jetzt allmählich mit der Einöde verschmolzen, der sie vor Jahren abgerungen worden waren. Eine asphaltierte, von Sand verwischte Straße endete vor einem einstöckigen Gebäude aus rohem Beton, auf dessen flachem Dach mit Farbe oder Teer die Worte GO HOME! geschrieben standen. Wusste man von ihrer Existenz, erahnte man die in weiter Ferne verstreuten Behausungen der Einheimischen, ihre Felder und Ställe.

Salm folgte dem Trampelpfad, der von der Düne wegführte, und stand wenig später vor dem drei Meter hohen Zaun aus Maschen- und Stacheldraht, der das Grundstück sicherte. Als der Scheinwerfer am oberen Ende eines der beiden Torpfosten aufleuchtete, machte er die Taschenlampe aus. Er holte die Karte aus der Hosentasche, schob sie in den Schlitz des Lesegeräts und tippte die fünfstellige Zahl ein. Dann legte er den Kopf in den Nacken und sah in die Kamera.

»What is the secret code, stranger?«, dröhnte eine Stimme aus einem Lautsprecher, der, eingewickelt in mehrere durchsichtige Mülltüten, in zweieinhalb Metern Höhe über dem Tor hing.

»Fuck you«, sagte Salm, der fand, Pellicano könnte sich endlich einen neuen Scherz ausdenken.

»Correct!«, rief Pellicano fröhlich, worauf sich mit einem Summen das Schloss entriegelte.

Salm betrat die Ferienhausfestung und stieß das Tor hinter sich zu. Auf einem gepflasterten Weg ging er an einem Holzschuppen vorbei, in dem Gartengerät vor sich hin rostete, durch eine Allee aus mannshohen, teilweise umgestürzten und zerbrochenen Amphoren, und stand schließlich vor dem zentralen Gebäude der Siedlung. Unter einem von vier Säulen gestützten Vordach führten eine Treppe und eine Rollstuhlrampe zur hölzernen, mit Blumenornamenten verzierten Eingangstür. Im Raum dahinter, in dem Sofas und Sessel, Stühle, Glastische, Kommoden im Biedermeierstil, Hocker und Vasen herumstanden, brannte wie üblich keiner der drei Kristallleuchter, aber Salm fand im Licht der Taschenlampe den Weg zwischen den Möbeln hindurch zur Treppe nach oben.

Auch im ersten Stock war es beinahe dunkel. Nur ganz hinten in einer Ecke leuchteten die Lampen einer Bar und Pellicanos Laptopbildschirm. Auf dem Tisch, an dem zwei Männer saßen, standen Kerzen bereit für den Zeitpunkt, an dem die Batterien der Photovoltaikanlage leer sein würden.

»What’s up, Lenni?«, rief Cesare Pellicano, ein Mann Mitte sechzig, übergewichtig und glatzköpfig, Lottomillionär, Barbesitzer und Dauerredner mit manisch sonnigem Gemüt. »Was gibt Neues?«

»Nichts«, sagte Salm kaum hörbar und ohne Pellicano anzusehen, um deutlich zu machen, dass er an Konversation nicht interessiert war.

»Madonna, what a storm!« Pellicano klatschte in die Hände. »Verdammte Scheiße!«, rief er und lachte.

Salm nickte dem Holländer zu, dessen Namen er vergessen hatte und der damit beschäftigt war, Dokumente aus Aktenordnern und Klarsichtmappen zu sortieren. Der Mann murmelte einen Gruß und vertiefte sich wieder in die Papiere.

»Sit down, Lenni, have a drink!« Pellicano wies mit einer ausholenden Geste auf die vier leeren Stühle. Er trug rote Schuhe, eine grüne Hose, die wie Samt glänzte, ein grellbunt gemustertes Hemd und um den Hals ein blaues Seidentuch. Leute, die ihn mochten, bezeichneten ihn als schrägen Paradiesvogel und sahen großzügig über seinen schlechten Geschmack und das Polternde seiner Freundlichkeit hinweg. Andere, auch Salm, verstanden die schrillen Farben als Warnung.

»Ist Soderberg da?«

»Si, upstairs«, sagte Pellicano. »But first una birra mit Cesare!« Er wollte sich erheben, als ein rotes Licht an einem mit dem Laptop verbundenen Gerät blinkte und ein Piepen ertönte. Pellicano nahm die Maus in die Hand und öffnete mit zwei Klicks ein Fenster auf dem Bildschirm, den gerade noch ein gelber Sportwagen ausgefüllt hatte.

Salm zog die Schuhe aus und schüttete den Sand in einen Pflanzenkübel.

»Nimm dir ein Bier, Lenni, help yourself!«, rief Pellicano munter.

Der Bildschirm zeigte in Schwarz-Weiß das Tor, durch das Salm die Anlage betreten hatte, und den hellen runden Fleck des Scheinwerferkegels im Sand. Camera 1 Main Gate stand in einer Kopfzeile, daneben liefen die Sekunden einer Uhr. Es war acht Minuten nach elf. Pellicano klickte zur nächsten Kamera, die fünfzig Meter weiter an einem der Metallpfosten des Zauns installiert war und ein ähnliches Bild lieferte. Erst die vierte Kamera verriet, was den Alarm über einen der Sensoren ausgelöst hatte: zwei Hunde, die um den Kadaver einer Katze kämpften. Eines der mageren Tiere hatte sich mit dem Hinterlauf im Drahtgeflecht verfangen, ließ aber die Beute nicht los, an der sein Rivale zerrte.

Pellicano schnalzte ein paarmal bedauernd mit der Zunge und klickte das Bild weg.

Salm wusste, was passieren würde, holte zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank, öffnete sie und stellte eine davon neben den Laptop. Als die Schüsse fielen, trank er einen Schluck.

»Salute«, murmelte Pellicano und trank ebenfalls.

»Stupid dogs«, sagte der Holländer. Dann nahm er eine weitere Mappe vom Stapel und beugte sich über die Blätter, die sie enthielt, maschinengeschriebene, mit Stempeln übersäte Formulare.

Pellicano tätschelte die Rückenlehne eines Stuhls neben sich. »Setz dich, Leonardo, take a seat!«

»Ich muss zu Soderberg«, sagte Salm, drehte sich um und ging die Treppe hinauf. Er hörte noch Pellicanos opernhaft theatralischen Schwall der Enttäuschung, dann stand er auf der Dachterrasse.

Clemens Soderberg lehnte an der hüfthohen Brüstung und sah durch ein Fernglas in Richtung der Stelle, an der die toten Hunde liegen mussten. Soderberg war etwa so alt und groß wie Salm, Ende vierzig und eins achtzig, aber viel dünner. Er sah aus wie jene Marathonläufer, denen Salm überall begegnete, Geschäftsmänner, die auf der ganzen Welt unterwegs waren, nie ohne ihre Laufschuhe und atmungsaktive Kleidung im Gepäck, ihre verspiegelten Sonnenbrillen und Trinkflaschen, Fußgelenkreflektoren und Stirnlampen, mit denen sie auch nachts am Strand und in Parks rennen und Endorphin ausschütten konnten, das sie brauchten wie andere Alkohol oder Nikotin und das sie süchtig machte und von dem sie immer mehr brauchten, je länger sie liefen.

Neben Soderberg stand Hartmut Zickler, ein weiterer Deutscher und ebenfalls hier, um nach dem Rechten zu sehen. Zickler, mit einundsiebzig der Älteste in der Siedlung, drehte sich zu Salm um und nickte freundlich lächelnd.

Salm erwiderte den stummen Gruß und wartete, bis Soderberg das Fernglas auf einen der Tische legte und ihn bemerkte.

»Ach, sieh an, Salm«, sagte Soderberg, wobei er sich Mühe gab, seinem Tonfall etwas abschätzig Belustigtes zu verleihen. Er war der Einzige in der Anlage, der Salm siezte und gesiezt werden wollte, auch von Zickler und Pellicano, der ihn mal mit Dottore ansprach und mal mit etwas, das wie Signore Sodabär klang.

»Haben Sie eine Minute Zeit?«, fragte Salm.

Soderberg warf einen langen Blick auf seine Armbanduhr, lange genug jedenfalls für Salm, um festzustellen, dass es nicht die von ihm beim Pokerspiel verlorene war. Dann schlenderte er zu einer Ansammlung von Loungemöbeln, einem Dutzend Sessel und Sofas aus braunem Kunststoff, der geflochtenes Rattan imitierte. Er holte eine Flasche Tonic Water aus einem kleinen Kühlschrank, öffnete sie, goss den Inhalt in ein Glas und nippte daran.

»Es geht um meine Kamera«, sagte Salm.

Soderberg nahm in einem der Sessel Platz, lehnte sich zurück und streckte die Beine aus.

»Ich habe momentan kein Geld«, sagte Salm. »Kein Bargeld. Das wissen Sie ja. Und auch, dass es hier weit und breit keine Bank gibt. Trotzdem bitte ich Sie, mir meine Kamera zurückzugeben. Ich brauche sie. Sobald ich zu Hause bin, überweise ich Ihnen das Geld.«

Soderberg sah Salm eine Weile ausdruckslos an und wippte dabei mit einem Fuß.

»Sie wissen, wer ich bin«, sagte Salm. »Sie kriegen Ihr Geld.«

»Ich weiß, wer Sie sind?« Soderberg hob die Augenbrauen.

»Hartmut weiß es. Was wollen Sie? Einen Schuldschein, mit meinem Blut unterschrieben?«

Soderbergs Lachen klang wie ein unterdrücktes Husten, das ihn anstrengte. »Ich bitte Sie.« Er trank einen Schluck und schien auf Salms nächsten Anlauf zu warten.

Salm schwieg. Er setzte sich auf ein Sofa, sah in den Himmel und zählte Sterne, um sich zu beruhigen.

»Wozu brauchen Sie die Kamera?«, fragte Soderberg.

»Für meine Arbeit.«

»Was für eine Art von Arbeit war das noch gleich?«

Salm schloss sekundenlang die Augen. »Ich fotografiere Fundstücke. Treibgut.«

Soderberg holte tief Luft und atmete geräuschvoll aus; das gedehnte Seufzen eines vernünftigen Erwachsenen, der sich bemüht, den Launen eines Kindes mit Nachsicht und Geduld zu begegnen. Er trug schwarze Lederschuhe, eine Designerhose aus dunkelblauem Denim und ein hellblaues Hemd. Seit ihrer ersten Begegnung vor einem Monat hatte er nie etwas anderes getragen, nur die Farbe des Hemdes variierte im Tagesrhythmus zwischen Hell- und Dunkelblau.

»Treibgut«, wiederholte er tonlos.

Salm verspürte den flüchtigen Wunsch, einen der leeren Tontöpfe zu nehmen, die überall auf den Mauern standen, und ihn auf Soderbergs Schädel zu zertrümmern.

»Ich bringe Ihnen morgen meinen Pass«, sagte er stattdessen.

»Pässe kann man fälschen.«

»Machen Sie sich nicht lächerlich.« Salm trank das restliche Bier und stellte die Flasche auf den Boden. »Gehen Sie zu Cesare, er zeigt Ihnen im Internet, was ich mache.«

In dieser Sekunde erloschen die elektrischen Lichter auf der Terrasse, was bedeutete, dass die Batterien der Photovoltaikanlage leer waren.

Soderberg grinste. »Zudem hat der Sturm die Satellitenschüsseln beschädigt. Wir sind zurzeit, wie es so schön heißt, von der Außenwelt abgeschnitten.«

Ein paar Möwen segelten vorbei. Salm sah ihnen nach.

»Störe ich?« Zickler, eine brennende Petroleumlampe in der Hand, kam zur Sitzgruppe. Er hatte kurz geschnittenes schlohweißes Haar, buschige Augenbrauen und ein rundes sonnengebräuntes Gesicht. Wären der Maßanzug aus hellem Leinenstoff, die italienischen Schuhe und die zwanzig Kilo Übergewicht nicht gewesen, hätte man ihn für einen Bauern aus der Gegend halten können.

Soderberg wies mit einer Geste, in der sowohl Großzügigkeit als auch Desinteresse lagen, auf die Sessel und Sofas. Zickler stellte die Lampe auf den Tisch und setzte sich.

»Wie ich höre, sind Sie ein Kenner des Werks von Herrn Salm«, sagte Soderberg an Zickler gewandt.

Zickler warf Salm einen Blick zu, verlegen lächelnd. »Nun, als Kenner würde ich mich nicht gerade bezeichnen«, sagte er. »Ich bin Besitzer eines Autohauses mit einem Faible für Kunst. Meine Frau ist da eher bewandert.«

»Ich bin Laie. Ein Unwissender«, sagte Soderberg. »Zeitgenössische Kunst? Für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Nennen Sie mich einen Banausen.« Er breitete die Arme aus, als böte er seine ungeschützte Brust jedem dar, der beabsichtigte, dieses Geständnis für einen Angriff zu nutzen.

»Wie gesagt, ich verfolge den Kunstmarkt nur am Rand«, sagte Zickler. »Wir sammeln das eine oder andere, wobei meine Frau die treibende Kraft ist.«

»Aber Sie haben von Herrn Salm als Künstler gehört.«

»Ja, gewiss. Er ist kein Unbekannter, ganz im Gegenteil.« Zickler lächelte unsicher. Die Rolle, die Soderberg ihm zugewiesen hatte, schien ihm nicht sonderlich zu behagen.

»Erklären Sie mir doch bitte, was er macht.«

»Oh, ich denke, das kann er selber viel besser.«

»Er glaubt mir nicht«, sagte Salm.

Zickler lachte auf, aber als ihm bewusst wurde, dass Salm nicht gescherzt hatte, wurde sein Gesicht ernst. Er saß noch immer auf der vordersten Kante des Sessels, unentschlossen, ob er bleiben oder gehen sollte.

»Ich ziehe eine neutrale Stimme vor«, sagte Soderberg sanft.

Zickler räusperte sich, bevor er zu reden begann. »Nun, er ist das, was man einen Konzeptkünstler nennt.« Er wandte sich an Salm. »Korrigier mich bitte, wenn ich etwas Falsches sage.«

Salm nickte.

»Und bitte setz dich«, sagte Zickler. »Du siehst aus, als wolltest du gleich gehen.«

Salm nahm in einem der von Soderberg am weitesten entfernten Sessel Platz.

»Das bedeutet, er bedient sich diverser Ausdrucksformen«, fuhr Zickler fort. »Bilder, Skulpturen, Collagen, Installationen, Fotos und so weiter. Ich erinnere mich auch an einen Film, der eine der Arbeiten dokumentiert. Diese Geschichte mit dem Bunker.« Er sah Salm fragend an.

»Ewigkeit«, sagte Salm.

»Ewigkeit, genau.« Zickler richtete sich wieder an Soderberg. »Er findet über Inserate, Radiomeldungen, Internet und andere Quellen tausend Menschen, die ihm ihren liebsten, kostbarsten Gegenstand bringen und in einem Bunker einschließen lassen. Für alle Ewigkeit. Jeder, der etwas gibt, muss sich vor eine Kamera setzen und in zwei Minuten erzählen, warum ihm dieser Gegenstand so viel bedeutet. Da bringt ein Mann den Ehering seiner verstorbenen Frau, ein Kind seine Puppe, eine Frau ihren ausgestopften Hund, und es entsteht ein, wie soll man das nennen, Sammelsurium von simplen Dingen des Alltags und wunderlichen Kuriositäten. Und während der Bunker fünf Meter unter der Erde für immer verschlossen und versiegelt wird, kann man im Internet den Film als Endlosschleife sehen.« Er strahlte Salm an.

»Es mag rückständig klingen«, sagte Soderberg, »aber beim Stichwort Kunst fallen mir Gemälde ein, gerahmte Ölbilder, die man sich an die Wand hängt. Keine Bunker oder Endlosfilme.« Offenkundig gefiel er sich als naiver Zweifler.

Zickler zog eine Blechschachtel und ein Feuerzeug aus einer Tasche seines Jacketts. »Natürlich hat auch Lennard in seinen Anfangsjahren als Künstler Bilder gemalt.« Er öffnete die Schachtel und bot Soderberg und Salm einen Zigarillo an, aber beide verzichteten. An Salm gewandt sagte er: »Ich muss gestehen, ich habe dich nach unserer ersten Begegnung hier gegoogelt.« Er nahm einen Zigarillo aus der Schachtel und einen Aschenbecher vom Tisch und lehnte sich zurück. »Und einiges gefunden.«

»Lassen Sie mich raten«, sagte Soderberg. »Die klassische Malerei war ihm irgendwann zu konventionell, zu bürgerlich.«

»Durchschaut«, murmelte Salm.

»Er wollte etwas anderes ausprobieren, neue Wege einschlagen. Wer kann das einem jungen Mann, frisch von der Akademie, verübeln?« Zickler zündete den Zigarillo an und paffte eine Rauchwolke in den Nachthimmel. »Mir fällt zum Beispiel das mit den Büchern ein. Wie nennt man das, Lennard? Performance?«

»Ist eigentlich egal, wie man es nennt«, sagte Salm.

»Jedenfalls sammelte er Hunderte von alten Büchern, was weiß ich, Tucholsky, Brecht, Zweig, Benjamin, lauter Werke, die unter den Nazis verboten waren. Und wissen Sie, was er damit macht?« Zickler sah Soderberg erwartungsvoll an.

»Sagen Sie es mir.« In Soderbergs Stimme schwang herablassende Ungeduld.

»Er verbrennt sie!«, rief Zickler. »Er wirft sie auf einen Haufen und verbrennt sie! Bücher von hohem antiquarischem Wert, ein kleines Vermögen! Und dann, dann nimmt er die Asche und schreibt damit auf einem Acker das Wort Vergessen, zwanzig mal fünf Meter!«

»Ziemlich exaltiert«, sagte Soderberg ungerührt. »Und pessimistisch.«

Zickler lachte auf und schlug sich mit einer Hand auf den Oberschenkel, als habe er Soderberg in eine Falle tappen lassen. »Eben nicht! Denn Wochen später, nachdem die Asche längst verschwunden ist, mit dem Regen in der Erde versickert, wächst an gleicher Stelle ein neues Wort, ein Wort aus weißen Blumen, Margeriten, glaube ich, und das Wort ist Erinnern!« Er schnellte mit dem Oberkörper nach vorne und klatschte einmal in die Hände. »Die Asche aus den Büchern der vergessenen Dichter düngt die Erinnerung.« Er sah Salm an und zeigte mit dem Zigarillo auf ihn. »Ein Geniestreich.«

Salm sagte nichts. Er erinnerte sich nur ungern an diese Arbeit, die seine erste nach dem Studium und tatsächlich ein Geniestreich gewesen war, nahm man die Schlagzeilen und die Auswirkungen auf seinen Bekanntheitsgrad zum Maßstab. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Medien hatte seine Aktion als Kitsch abgetan und ihn als Verfälscher und Verharmloser der Geschichte bezeichnet, als Trittbrettfahrer der Erinnerungsdebatte, als oberflächlichen Möchtegern-Provokateur und einiges mehr. Aber er war im Gespräch, erhielt Stipendien, Anfragen von Galerien und eine Einladung zu einer Gruppenausstellung in der Kunsthalle Nürnberg. Seine Karriere hatte mit einem Skandälchen begonnen, dessen öffentliche Inszenierung ihm rückblickend wie ein absurdes Theaterstück vorkam, bei dem Redakteure, Feuilletonisten, Kunstkritiker, Künstlerkollegen und Leserbriefschreiber abwechselnd auf eine Bühne traten und dort im Prinzip nichts anderes taten, als den Namen Lennard Salm ins Publikum zu schreien, während Lennard Salm, sechsundzwanzigjähriger Absolvent der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, der aus Büchern Asche und aus Asche Blumen gemacht hatte, im Garten einer römischen Villa saß und kaum glauben konnte, dass sein Plan aufgegangen war.

»Also wenn es hier darum geht, ob Lennard Salm ein Künstler ist, ein bedeutender Künstler, kann ich die Frage nur mit einem entschiedenen Ja beantworten«, sagte Zickler. Er blies Rauch aus Mund und Nase, eine Maschine auf Betriebstemperatur.

Soderberg trank einen Schluck Tonic Water und trommelte mit den Fingern auf der Armlehne. Ganz offensichtlich war ihm sehr daran gelegen, Salm und Zickler gegenüber deutlich zu machen, dass er die Verlässlichkeit des Gehörten abwog.

»Es geht um eine Kamera im Wert von dreihundert Euro«, sagte Salm zu Zickler, als er Soderbergs Schweigen nicht länger ertrug.

»Ich verstehe nicht ganz«, sagte Zickler.

»Er hat sie beim Pokern gewonnen und ich möchte sie zurückkaufen. Aber ich bin nicht kreditwürdig.«

»Oh …«, sagte Zickler, der den Pokerrunden, bei denen um Geld gespielt wurde, immer ferngeblieben war. »Wenn ich dir etwas leihen kann, musst du es nur sagen, ich …«

»Schon gut, schon gut, ich hole die Kamera!«, rief Soderberg lachend, als sei alles nur ein großer Spaß gewesen, eine Neckerei unter Freunden. Er erhob sich, trank das Glas leer und stellte es auf den Tisch. »Ich bin der Letzte, der das Entstehen von Kunst verhindern will.« Er ging zur Tür und verschwand im Treppenhaus.

»Wie gesagt, ich kann dir selbstverständlich etwas leihen.« Zickler räusperte sich. »Ich meine, wenn du knapp bei Kasse bist.«

»Danke, das ist sehr nett von dir, aber nicht nötig«, sagte Salm, obwohl er bis auf das Geld, das er für die Taxifahrt zum Flughafen beiseitegelegt hatte, pleite war.

»Ich reise morgen ab«, sagte Zickler. »Überleg’s dir.«

Eine Weile schwiegen die beiden Männer.

Salm hätte Zickler gerne gesagt, dass er ihn von allen in der Siedlung am meisten mochte und ihn vermissen würde, aber dann fielen ihm die richtigen Worte nicht ein und er ließ es bleiben.

»Hast du hier alles Nötige geregelt?«, fragte er schließlich.

»Na ja, regeln kann man eigentlich nicht viel« antwortete Zickler. »Nur sehen, was noch da ist und wie man es … schützt.«

»Bringt der Zaun denn was?«

»Er hält zumindest die Hunde fern. Am Tag vor dem Sturm hat Martin ein Loch entdeckt, da hat jemand mit einer Drahtschere rumgeschnippelt. Aber es war niemand da, und gestohlen oder beschädigt wurde auch nichts.«

»Trotzdem eine ungemütliche Lage.«

»Das kannst du laut sagen. Christine will nicht mehr herkommen. Seit dem Überfall hat sie Angst, und ich kann sie verstehen.«

»Denkst du, das wird wieder passieren?«

Zickler zuckte mit den Schultern. »Schwer zu sagen. Aus der Anlage ein Hochsicherheitsgefängnis zu machen ist bestimmt keine Lösung. Aber sollen wir vielleicht freiwillig alles hergeben? Nur weil es den Leuten hier beschissen geht? Dafür können wir doch nichts.« Er drückte den Zigarillo im Aschenbecher aus und erhob sich. »Wir haben ihnen doch Geld gebracht, Jobs.« Er nahm zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank, öffnete sie, gab eine davon Salm und prostete ihm zu. »Dreißig Angestellte haben hier gearbeitet, Gärtner, Putzfrauen, Köche, Wachleute, und im Golfclub noch mal etwa zehn.« Er schüttelte nachdenklich den Kopf. »Zivilisierte Menschen, Europäer.«

»Die Welt geht gerade den Bach runter«, sagte Salm und bereute den Satz, noch während er ihn aussprach. Zickler brauchte Trost und Aufmunterung, keine morbiden Phrasen.

Zickler nickte, ließ sich wieder in die weichen Polster des Sessels sinken. »Christine meint, wir sollen das Haus hier vergessen, das Geld abschreiben. Schlechte Investition, Ende. Aber ich weiß nicht. Hast du eine Ahnung, wie viele Autos ich verkaufen musste für das hier?«

»Wie wär’s mit Anzünden und Versicherungsgeld kassieren?«

Zickler stieß grunzend Luft aus. »Tolle Idee. Warte, bis ich weg bin, und fackel die Hütte ab. Wir machen fifty-fifty.«

Soderberg kam zurück und stellte die Kamera, eine Digital-Spiegelreflex von Pentax, und das Akku-Ladegerät auf den Tisch. Er hatte sich einen blauen Pullover um die Schultern gelegt und die Ärmel vor der Brust verknotet. »Eine Unterschrift, und das Ding gehört wieder Ihnen«, sagte er und reichte Salm ein Blatt Papier und einen Füllfederhalter.

Salm las den kurzen Text durch, ein Zahlungsversprechen, legte das Blatt auf den Tisch und unterschrieb.

»Hier sind meine Kontodaten.« Soderberg gab Salm eine Visitenkarte, faltete das Blatt zusammen und schob es zusammen mit dem Füllfederhalter in die Brusttasche des Hemdes. Dann stellte er sich an die Brüstung und sah in die Finsternis der Landschaft hinaus, dorthin, wo die Natur die letzten Überreste des Golfplatzes verschlang.

SODERBERG LEMKE & RAHN ATTORNEYS sowie handschriftliche Kontoinformationen standen auf einer Seite der Karte, eine Adresse in Wiesbaden samt Telefonnummern und so weiter auf der anderen. Salm steckte sie ein.

»Du arbeitest hier?«, fragte Zickler.

»Ich will Dinge fotografieren, die ich nicht mit zurücknehmen kann. Eine Art Inventarliste der Fundstücke.«

»Die angeschwemmten Sachen?«

»Ja.«

»Nach dem Sturm liegt bestimmt eine Menge herum.«

»Der Strand ist voll davon.«

»Und wann gehst du zurück?«

»In ein paar Tagen, denke ich.«

»New York. Du bist zu beneiden.«

Salm lächelte und schwieg. Er hatte Zickler bei ihrer ersten Begegnung von seinem Atelier in New York erzählt, nicht aber davon, dass es sich um einen siebzig Quadratmeter großen, kaum heizbaren Raum in einer ehemaligen Möbelfabrik in der Bowery handelte, in die er mit Material aus dem Baumarkt eine Schlaf- und Duschbox von fünf mal fünf Metern eingebaut hatte, eine Mischung aus Gefängniszelle und japanischem Billighotelzimmer, zwischen dessen mit Styropor isolierten Wänden er seit bald zehn Jahren jede Nacht zu ersticken befürchtete.

»Kennst du das ›Le Bernardin‹ in Manhattan?«, fragte Zickler.

»Das Restaurant? Ja.«

»Fantastisch, nicht wahr? Ich war mit Christine letzten Dezember da, silberne Hochzeit. Skandalös teuer, aber ein Traum.« Zickler lehnte sich zurück, selig lächelnd. »Die machen da einen sautierten Red Snapper, der dir auf der Zunge zergeht.«

Salm nickte, als teile er Zicklers Erinnerungen. Das »Le Bernardin« hatte er nie von innen gesehen, nicht einmal in der Zeit, in der es ihm finanziell gutgegangen war.

»Wenn wir das nächste Mal für ein paar Tage in der Stadt sind, müssen wir unbedingt zusammen essen gehen«, sagte Zickler.

»Gerne«, sagte Salm in der beruhigenden Gewissheit, dass es nie dazu kommen würde.

In diesem Moment schlug der erste Stein ein.

»Es geht wieder los!«, rief Soderberg, ohne sich von der Stelle zu rühren.

Salm und Zickler rannten geduckt zur Tür, die ins Treppenhaus führte. Erst als der zweite und dritte Stein einschlugen, einer auf den Terrakottafliesen und einer auf der Sperrholzplatte, mit der eine der Photovoltaikpaneele abgedeckt war, lief auch Soderberg los. Auf dem Weg nach unten kam ihnen Pellicano mit einer Taschenlampe in der Hand und einer Art Helm auf dem Kopf entgegen.

»Bloody Bastards«, keuchte der Italiener, kehrte um und lotste sie durch die dunkle Eingangshalle zur Tür, die ins Freie führte.

Eine Viertelstunde später war der Spuk vorbei. Salm, Zickler, Soderberg, Pellicano, der Holländer und Martin Beck, ein etwa sechzigjähriger Schweizer, saßen unter einem aufgespannten Sonnenschirm in Zicklers Garten und tranken Bier und Brandy. Salm hatte von diesen Attacken bisher lediglich gehört. Seit einem Monat tauchten nachts mit Schleudern bewaffnete Jugendliche aus der Gegend auf und beschossen die Siedlung mit walnussgroßen Steinen. Sie richteten weder gravierende Schäden an, noch verletzten sie jemanden ernstlich; was den fünf Hausbesitzern, die jetzt dumpf brütend in ihren Teakholzsesseln saßen, mehr zu schaffen machte als abgeschlagener Putz, zersplitterte Dachziegel und die eine oder andere getroffene Lampe, war die Unverfrorenheit, mit der ihr Eigentum angegriffen wurde, der Hass, der ihnen entgegenschlug, ihnen, die doch in guter Absicht gekommen waren und mit ihren Frauen oder Freundinnen nur die Ruhe dieses Landstrichs genießen wollten, die Seeluft und das milde Klima.

»Wir sollten noch einmal darüber abstimmen, was wir gegen dieses Pack unternehmen wollen«, sagte Soderberg auf Englisch.

Alle, außer Salm, murmelten etwas Unverständliches. Pellicano, der nicht viel Alkohol vertrug und schon jetzt, nach dem zweiten Brandy, leicht angeschlagen wirkte, nickte heftig. Als die ersten Steine niedergeprasselt waren, hatte er sich, wie bei jedem Angriff, einen inwendig mit einem Handtuch gepolsterten und von seinem Griff befreiten Kochtopf auf den Kopf gesetzt und war zum Haupttor am Zaun geeilt, um es, bewaffnet mit einem Küchenmesser und einem Neuner-Eisen, gegen Eindringlinge zu verteidigen. Das wusste Salm von Zickler, der ihm ein Handyfoto gezeigt hatte: Pellicano salutierend auf seinem Posten, ein dicker, bunt gekleideter Soldat, dessen ernstes Gesicht die eigene Lächerlichkeit nur noch deutlicher zur Schau stellte.

»Wir sind gar nicht beschlussfähig«, sagte Zickler. Sein Englisch hatte einen schulmäßigen, bayerisch kolorierten Akzent, der die Sätze weniger hartgeschliffen klingen ließ als die von Soderberg.

Martin Beck, ein zu Vermögen gekommener Fuhrunternehmer und Schrotthändler aus der Schweiz, brummte vor sich hin, während der Holländer die drei in seiner Handfläche liegenden Steine anstarrte, als seien sie, einer biblischen Strafe gleich, vom Himmel gefallen.

Soderberg meinte, es handle sich hier um eine Notsituation, er sei es leid, mit Steinen beworfen zu werden, und wolle sich verteidigen.

Pellicano klopfte mit den Knöcheln auf die Tischplatte, prostete Soderberg zu und trank sein Glas leer.

Beck, das Gesicht von Sonne oder Wut gerötet, nickte stumm und hielt seine Pfeife am Qualmen. Er war nicht groß, überragte Pellicano nur um wenige Zentimeter, aber unter dem Hemd und der Lederweste trug er eine breite Brust vor sich her. Sein kantiger, rasierter Schädel war auf der Kuppe von Narben übersät, seine Nase winzig wie die eines Kindes. Für Salm war Beck der Klabautermann, seit er ihn am Strand gesehen hatte, ein krummbeiniger Troll aus dem Meer, Tangfäden auf den Schultern, schnaubend vor Kälte und die kurzen, muskulösen Arme in die Luft stoßend, die Fäuste gegen einen unsichtbaren Feind werfend.

Zickler fragte, was man tun könne, um die Anlage zu schützen. Pellicano ließ einen Redeschwall auf Italienisch los, merkte, dass man ihn nicht verstand, und verstummte. Soderberg war vorbereitet. Er präsentierte der Runde diverse Möglichkeiten, den Angreifern entgegenzutreten. Kühl und sachlich erzählte er von Männern, die man für wenig Geld anheuern konnte und die, ausgerüstet mit Schlagstöcken, nachts ihre Runde drehen und den Hooligans, wie er sie nannte, eine Lektion erteilen würden, falls sie es wagten, der Anlage zu nahe zu kommen. Ein guter Bekannter habe Kontakte zu einer Firma, die Gewehre verkaufe, mit denen man Gummischrot und Tränengaspetarden abfeuern könne, ein anderer verhökere gebrauchtes Militärmaterial, darunter Suchscheinwerfer und Nachtsichtgeräte. Als Zickler und der Holländer Bedenken anmeldeten, schlug er vor, sie könnten auch ohne fremde Hilfe etwas unternehmen und einen Verteidigungsgürtel errichten, ein Kilometer NATO-Stacheldraht koste viereinhalbtausend Euro.

»Ich will hier Urlaub machen«, sagte Zickler, nachdem Soderberg fertig war, »keinen Krieg führen.«

»But they started it!«, rief Pellicano. »We have to strike back!«

Der Holländer, ein bleicher, zurückhaltender Mann um die vierzig, erinnerte daran, was Zickler bereits gesagt hatte, dass sie nämlich nicht befugt waren, über die Anlage betreffende Maßnahmen zu entscheiden. Die Anschaffung von Stacheldraht müsse, wie damals die Errichtung des Zauns, von einer Mehrheit der Villenbesitzer abgesegnet werden. Den Kauf von Waffen lehnte er entschieden ab und plädierte dafür, sich weiterhin um Hilfe von der Provinzregierung zu bemühen.

Pellicano, von dem zu Salms Verwunderung zusehends alles Heitere und Sorglose abfiel, lachte bitter auf und versank dann wieder in lauerndem Schweigen.

Die Lokalbehörde und Polizei seien unfähig und korrupt, sagte Soderberg. Wolle man sein Eigentum schützen, müsse man die Dinge selbst in die Hand nehmen, statt auf das Handeln der Politiker zu warten. Er betonte noch einmal, dass es sich um eine Notsituation handle und man nicht bis zur nächsten Jahresversammlung warten könne mit einer Entscheidung. Er finanziere einen Kilometer Stacheldraht, sagte er und blickte in die Runde.

Pellicano klatschte Beifall und versprach, ebenfalls einen Kilometer beizusteuern.

Beck hob fast feierlich die rechte Hand mit gestrecktem Zeigefinger und nickte, als würde er bei einer Auktion ein Kunstwerk ersteigern. »Ein Kilometer«, sagte er in holprigem Englisch, dann klopfte er sich mit dem Pfeifenkopf dreimal gegen die Sandalensohle.

Salm trank sein Bier aus und erhob sich ebenfalls. »Gute Nacht«, sagte er, nahm die Kamera und das Ladegerät von dem mit bunten Mosaiksteinen belegten Tisch und ging über die vertrocknete, ausgedünnte Rasenfläche zum Weg, der zwischen den Villen verlief.

»Besser, du wartest noch, bis die da draußen wirklich verschwunden sind!«, rief Zickler ihm nach.

Aber Salm lief weiter, als habe er nichts gehört. Eine Möwe flog über ihn hinweg, stumm und ohne einen Flügelschlag. Ihm war ein wenig übel, was er der Mischung aus Bier und Brandy zuschrieb, und obwohl er zu seiner Orientierung den Sendemast vor sich hatte, verlief er sich. An den Weggabelungen standen Holzschilder mit eingeschnitzten Namen: Hibiscus, Oleander, Mimosa, Lotus. Die Villen waren ebenfalls mit Namen versehen, aber Salm kannte nur die von Zickler, die »Bungalow Bavaria« hieß und sich am anderen Ende der Anlage befand, mit freier Sicht auf den Zaun und den überwucherten Hügel, den ehemaligen Abschlag von Loch 9. Zickler hatte Salm erzählt, dass sich die Hausbesitzer über die einheitliche Namensgebung einig gewesen seien, noch bevor die Siedlung eröffnet worden war. Alliteration und Heimat hießen die Zauberworte, die zu Schöpfungen führten wie »Dream of Dresden«, »Stuttgart Sunset« oder »Feyenoord Feeling«. Pellicano wohnte in der Residenz »Milano Memories«, Beck in der »Villa Vals« und Soderberg in einem 200-Quadratmeter-Anwesen namens »Mannheim Mansion«.

Zwischen den Häusern war es dunkel, und Salm schaltete die Taschenlampe ein, nachdem er zum zweiten Mal über einen losen Pflasterstein gestolpert und beinahe hingefallen war. Die mit Solarstrom betriebenen, in die Natursteinmauern eingelassenen Scheinwerfer der Wegbeleuchtung waren längst erloschen, ebenso die Laternen an den Gartentoren und Hauseingängen. Salm kam an zwei Bungalows vorbei, deren Fenster vom gelben Licht aus Petroleumlampen erhellt wurden. Der eine gehörte dem Holländer, der andere einem Deutschen aus München, den er nicht kannte.

Als Salm stehen blieb und über den Flickenteppich aus dürren, struppigen Grasinseln, von Tieren gegrabenen Löchern und kahlen Stellen blickte, war es Bedauern, das er fühlte, und nicht Missgunst oder Schadenfreude. Teile schwarzer Plastikschläuche lagen herum, Reste eines Bewässerungssystems. Ein Rascheln drang aus dem Laub unter einem der kahlen Büsche, und als Salm den Lichtstrahl der Taschenlampe auf die Stelle richtete, sah ihn seelenruhig eine Ratte an.

Er fand den Weg aus dem Labyrinth der Blumennamen, ging an dem Backsteingebäude mit den kaputten Dieselgeneratoren vorbei und verließ die Anlage durch das Tor im Zaun. Wo die Ebene am Dünenhang endete, stieg kaum sichtbar Rauch auf. Er verließ den Pfad und fand in einer Mulde die beiden Hunde, die Beck erschossen und angezündet hatte. Die Kadaver lagen auf einem Bett aus Treibholz, das noch immer glühte. Es roch nach Benzin und verbranntem Fell, obwohl davon nichts mehr übrig war. Unter dem verkohlten Fleisch schimmerten die Knochen, zwischen Rippenbögen glaubte Salm ein schwarzes Herz zu erkennen. Eines der Tiere lag so, dass sein nackter, entstellter Kopf ihm entgegenragte und die gefletschten gelben Zähne zeigte. Salm holte die Sicherheitskarte aus der Hosentasche, warf sie in die Grube und sah zu, wie sie in der Hitze schmolz. Er wollte ein Foto machen, aber der Akku der Kamera war leer, und so drehte er sich um und ging zurück zum Pfad.

Zicklers Warnung im Ohr und einen Stock in der Hand, der als Waffe getaugt hätte, begegnete er bis zu Wielands Haus keiner Menschenseele. Auf halber Strecke sah er in sicherer Entfernung ein Rudel Hunde über die Ebene streifen, klapperdürre Tiere, von der noch schwachen Dämmerung fast verborgen. Die Stille war ein gigantischer Raum, größer als das Universum. Die Koffer lagen noch dort, wo Salm sie hingeworfen hatte, und er widerstand der Versuchung, einen von ihnen mitzunehmen.

Im Haus trank er ein Glas Wasser, dann zog er Schuhe und Kleidung aus, wusch sich und legte sich ins Bett. Die Übelkeit war noch da, trotzdem schlief er bald ein.

Am nächsten Morgen setzte er sich in den Innenhof, aß die letzten beiden Getreideriegel und trank dazu eine Kanne Tee. Dann ging er in die Küche, schob den Teppich unter dem Tisch weg, öffnete die Bodenluke und stieg mit dem Ladegerät in den Keller. Im Schein der Taschenlampe zog er die Türen des Holzschranks auf, der fast die gesamte Fläche der einen Stirnseite des Raums einnahm. Er musste das unterste, mit Konservendosen gefüllte Regal herausziehen, in den Schrank kriechen, den Metallriegel an der Rückwand zur Seite schieben, die Klappe aufstoßen und sich durch das viereckige Loch zwängen. Im angrenzenden Raum richtete er sich auf, legte einen Schalter um und machte, nachdem das vergitterte Licht an der Decke brannte, die Taschenlampe aus.

Sobald er hier unten war, musste Salm an seine jüngere Schwester Bille denken, die sich als Kind in jede Höhle, jeden Abwasserkanal und jedes Kellerloch gezwängt hatte, oft nur mit ein paar Streichhölzern und einer Kerze bewaffnet. Einmal hatte die Feuerwehr ausrücken müssen, um sie aus einem Fuchsbau zu ziehen wie einen größenwahnsinnigen Dackel, ein andermal blieb sie einen ganzen Tag verschwunden, bevor sie sich selbst aus dem Kamin einer stillgelegten Fabrik befreien konnte. Trotz aller Drohungen der Mutter ließ sie von ihrer Leidenschaft, sich in Betonröhren, Zaunlücken und Felsspalten zu quetschen, erst ab, als sie älter wurde und der Wunsch, ein Junge zu sein, sich verflüchtigte.

Der Raum war drei mal zwei Meter groß und zwei Meter hoch. Eine weiße Schicht überzog den Beton, der das Salz des Sandes vom Strand absonderte. Eingepackt in Plastikfolie und eine Wolldecke, lehnte ein Flachbildfernseher an einer Wand, daneben standen eine Kaffeemaschine, ein Wasserkocher und ein Toaster. Aus Angst vor Einbrechern hatte Wieland auch Bettzeug, Teppiche, Stühle, Lampen, Töpfe, Pfannen, Geschirr und Besteck hier unten gelagert. Am Tag seiner Ankunft hatte Salm als Erstes Matratze, Kissen, Laken, Decke, einen Stuhl und Küchenutensilien heraufgeholt. Der Strom, der die Deckenlampe speiste, kam aus einer von acht Autobatterien, die ein Generator auflud. Ein abenteuerliches System von Speichern und Transformatoren machte es möglich, nicht nur den Kühlschrank zu betreiben, sondern auch Geräte, die Gleichstrom benötigten. Ein Zähler zeigte an, dass die Energie fast aufgebraucht und es Zeit war, den Generator laufen zu lassen.

Salm schloss das Akku-Ladegerät an eine der beiden Stromschienen an. Die abgestandene Luft roch nach dem Diesel, mit dem der Generator betrieben wurde. Die leichte Übelkeit stieg wieder in Salm hoch, und er ging nach oben, machte die Klappe zu und rollte den Teppich aus. Als er das Haus verließ, schloss er zum ersten Mal seit langer Zeit die Tür mit dem Schlüssel ab.

Am Strand blieb er eine Weile vor dem Streifen aus Treibgut stehen und sah auf das Meer hinaus. Ein leerer Horizont lag vor ihm. Die See war ruhig und eine Spur dunkler als der fahlgraue Himmel. Ein leicht fauliger Geruch nach Tang und verwesendem Fisch hing in der Luft. Kein spürbarer Wind wehte, kein lauteres Geräusch war zu hören als das sanfte Gleiten der Wellen. Weit weg suchten ein paar Möwen im breiten Band der angeschwemmten Dinge nach Fressbarem. Obwohl die Sonne verborgen blieb, wich die morgendliche Kühle allmählich der Wärme des nahenden Mittags.

Wie immer fing Salm mit den Gegenständen aus Plastik an. Zuerst sammelte er alles ein, was größer als eine Orange oder ein Buch war. Nach Farben würde er die Fundstücke erst später trennen. Vor Wochen hatte er eine riesige Tragetasche gefunden, ebenfalls aus Kunststoff, die er, sobald sie voll war, an mehreren Stellen entlang der Düne ausleerte. Kleine Sachen kamen in einen von fünf Eimern. Die Schätze, die zwischen Holz und Tang und dem vom Mahlwerk des Meeres zerkleinerten Müll lagen, tat er in einen Schuhkarton: Haarspangen, Münzen, leicht wie Spielgeld, Kämme aus buntem Plastik, Sonnenbrillen, Schachfiguren, Löffel und Gabeln aus Blech und Holz, Kronenkorken vom anderen Ende der Welt, winzige Dosen, gefüllt mit einem Brei aufgelöster Tabletten, billige Armbanduhren, für immer stehen geblieben, matt schimmernde Lippenstifthülsen, Ketten aus Glasperlen, Uniformknöpfe, Patronenhülsen, kleine aus hartem schwarzem Holz geschnitzte Tiere.

Das Meer spuckte aus, was die Menschen hineinwarfen oder was es sich von ihnen holte. Das größte Ding, das Salm bisher gefunden hatte, war eine leere Truhe mit den Maßen eines Kühlschranks, ihr Holz aufgequollen und von Muscheln übersät. Das kleinste Objekt hätte er übersehen, wenn es nicht an einem handtellergroßen Stofffetzen befestigt gewesen wäre, dem Rest eines zerrissenen Kleids. Der Anhänger in Form eines Schmetterlings war aus lackiertem Metall und hatte auf einer Fingerkuppe Platz.

Mit dem Öffnen der Koffer und Taschen wartete er jeweils bis zum späten Morgen. Er redete sich ein, er tue das aus Respekt gegenüber den ehemaligen Besitzern, aber das stimmte, wenn überhaupt, nur zum Teil. Tatsächlich empfand er das Hinauszögern des großen Moments als Qual. Während er das Schwemmgut durchsuchte und an die verschlossenen Gepäckstücke dachte, schämte er sich für seine Neugier, die fiebrig war und obszön. Unablässig stritten zwei Stimmen in ihm, aber er ließ immer die gewinnen, die sein Handeln rechtfertigte und den inneren Moralisten auf die Kunst verwies, die aus dieser Plünderei entstand, auf den kreativen Prozess, der die geborgenen Dinge dem endgültigen Verschwinden entriss und sie in etwas Bleibendes verwandelte.

Als es so weit war, legte er die drei Koffer und die beiden Reisetaschen nebeneinander. Wie jedes Mal schloss er für einen Moment die Augen und gedachte der Menschen hinter den Fundstücken, aber seine Fantasie und die Erinnerung an Fernsehbilder reichten nicht annähernd aus, um sich vorzustellen, was während des Sturms auf hoher See geschehen sein mochte. Dann kniete er sich hin, öffnete den Reißverschluss der ersten Tasche und holte den Inhalt ans Licht: zwei billige Hosen, zwei weiße Hemden, Unterwäsche, Socken, ein Paar Lederpantoffeln, einen dünnen blauen Pullover, ein Stück Seife, eine Zahnbürste, Rasierzeug, ein weißes Handtuch, einen Wecker aus Plastik, ein Knäuel Schnur, einen Esslöffel, einen Kugelschreiber, zusammengeklebte Papierblätter, einen mit Sonnenblumenkernen gefüllten Stoffbeutel, eine schwarze Strickmütze, eine taschenbuchgroße rote Blechschachtel.

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