
The Indian Secret – Das Geheimnis der
Schicksals- und Palmblattbibliotheken
Oliver Drewes
The Indian Secret
Das Geheimnis der Schicksals-
und Palmblattbibliotheken
Mit einem Vorwort von
Johannes von Buttlar
Was unser Schicksal bestimmt!

Über das Buch
Ist das Leben der Menschen vorbestimmt oder vom freien Willen gelenkt? Mit dieser Frage im Gepäck reiste der Autor zusammen mit einem befreundeten Spezialisten für Körpersprache nach Indien, Sri Lanka und Bali. Dort besuchten sie verschiedene Schicksals- und Palmblattbibliotheken, in denen individuelle Schicksale von heute auf der ganzen Welt lebenden Menschen dokumentiert sind. Diese Aufzeichnungen sind allerdings bereits vor Jahrtausenden von Sehern niedergeschrieben worden. Wie ist so etwas möglich? Zahlreiche Lesungen mit den Beschreibungen von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Lebensstationen der beiden Reisenden von mehreren verschiedenen Bibliotheken werden in diesem Buch dargestellt und kritisch analysiert, um einer Antwort auf diese und andere Fragen näherzukommen. Die Einbeziehung der modernen Physik und spiritueller Denkmodelle gibt dem Leser in gut verständlicher Sprache zahlreiche Denkanstöße zu Realität, Schicksal, freiem Willen und gestaltender Gedankenkraft. Ausführliche Details zum Reiseverlauf und praktische Tipps zur Organisation sollen ihm darüber hinaus dienlich sein, wenn er eine solche oder ähnliche Reise einmal selbst unternehmen möchte.
Über den Autor

Oliver Drewes, gelernter Kaufmann und Betriebswirt, ist seit über fünfzehn Jahren als Autor und über zehn Jahren als Verleger tätig. Nach einem außergewöhnlichen Erlebnis in der Kindheit hat er schon früh Interesse an Fragen des Bewusstseins entwickelt, und er beschäftigt sich seit langem mit den Grenzbereichen von Wissenschaft und Spiritualität. An der Paracelsus Heilpraktikerschule in Aachen absolvierte er 2007 die Ausbildung zum Trainer und Seminarleiter für Entspannungstechniken. Durch zahlreiche Fortbildungen gewann er Einblicke in die Gebiete der Psychotherapie, Medialität und Heilung. Intensiv beschäftigt er sich mit dem Gedanken der Wiedergeburt und dem Prinzip des Karmas, was auch in den Schicksals- und Palmblättern zutage tritt, die ihm auf seinen Reisen vorgelesen wurden. Mit seinem zweiten, im Jahr 2008 gegründeten Holistika Verlag möchte Oliver Drewes im Glauben an eine Bewusstseinsentwicklung, die einen anderen Umgang der Menschen untereinander und mit ihrer Umwelt anstrebt, einer breiten Öffentlichkeit ganzheitliches Denken zugänglich machen.
„Wenn es eine erste Grundregel für die Wissenschaft gibt, so besteht diese meiner Meinung nach darin, dass man der gesamten Wirklichkeit, allem, was existiert, allem, was geschieht, einen Platz einräumen sollte, um es zu beschreiben.
Vor allem anderen muss die Wissenschaft alles einbeziehen und all-umfassend sein.
Sie muss selbst das in ihren Zuständigkeitsbereich aufnehmen, was sie nicht verstehen oder zu erklären vermag, das, wofür keine Theorie existiert, was man nicht messen, voraussagen, kontrollieren oder einordnen kann.
Sie muss selbst das Widersprüchliche und Unlogische, das Mystische, Vage, Zweideutige, Archaische, das Unbewusste und all die anderen Aspekte unseres Lebens akzeptieren, die schwer mitzuteilen sind.
In ihrer besten Ausprägung ist sie für alles aufgeschlossen und schließt nichts aus; sie hat keine ‚Zulassungsbedingungen‘.“

„Es gibt keinen Platz für Dogmen in der Wissenschaft. Der Wissenschaftler darf alles fragen, jede Behauptung bezweifeln, Beweise suchen und Fehler korrigieren.
Wo Wissenschaften früher zur Stützung eines Dogmas missbraucht wurden, hat sich gezeigt, dass das Dogma mit dem wissenschaftlichen Fortschritt nicht vereinbar war.
Und schließlich wich entweder das Dogma, oder die Wissenschaft starb zusammen mit der Freiheit.“

Die kommerzielle Verwertung von Texten, insbesondere die Vervielfältigung, Übersetzung und Mikroverfilmung, ist auch auszugsweise ohne Zustimmung des Verlages nicht erlaubt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages ist es nicht gestattet, Abbildungen dieses Buches zu gewerblichen Zwecken zu scannen, zu speichern, am Computer zu verändern oder zusammen mit anderen Bildvorlagen zu manipulieren.
Die in diesem Buch enthaltenen Angaben, Daten, Ereignisse, Ratschläge usw. wurden vom Autor nach bestem Wissen niedergeschrieben und vom Verlag und seinen Beauftragten sorgfältig geprüft. Dennoch können weder Autor noch Verlag inhaltliche Fehlerfreiheit garantieren. Eine Haftung des Autors beziehungsweise des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.
Ungekürztes e-book der Printausgabe 1. Auflage 2011 (978-3-9812671-1-2)
© 2015 Holistika Verlag
Alle Rechte vorbehalten
Holistika Verlag
Oliver Drewes
Dürerstr. 23
53340 Meckenheim
www.holistika.de
Covergestaltung: Vogelsang Werbegrafik, 53127 Bonn
Layout, Satz, Fotos, Illustrationen: Oliver Drewes, 53340 Meckenheim
Lektorat: Ralf Lay, 41063 Mönchengladbach
ISBN (e-pub) 978-3-9812671-3-6
ISBN (pdf) 978-3-9812671-2-9
eBook-Herstellung und Auslieferung:
Brockhaus Commission, Kornwestheim
www.brocom.de
Inhalt
Vorwort
Einführung
I. Die Schicksals- und Palmblattbibliotheken in Indien
1. Die Reise nach Hoshiarpur
Der Flug nach München • Ist der Wille frei? – Gespräch mit einer Mitreisenden • Weiterflug nach Delhi und Ankunft in Chandigarh • Ist der Wille frei? – Antworten großer Philosophen • Einstimmung auf die Reise • Die Fahrt nach Hoshiarpur • Das Phänomen der Palmblattbibliotheken
2. Die Schicksalsbibliothek in Hoshiarpur
Ankunft in Hoshiarpur • Kennenlernen des Lesers Dr. Mohan • Eine kleine Enttäuschung • Interview mit Dr. Mohan
3. Aufenthalt in Chandigarh
Die Rückreise aus Hoshiarpur • Die Akasha-Chronik • Stadterkundung • Erfahrungen mit Palmblattlesungen per E-Mail
4. Rundreise Delhi–Agra–Jaipur
Der Reinkarnationsglaube • Hotelsuche in Delhi • Besuch von Alt-Delhi und Stadterkundung • Die Fahrt nach Agra • Der Erlösungsglaube • Besuch des Taj Mahal • Besuch von Fatehpur Sikri • Die Fahrt nach Jaipur • Der Karmaglaube • Provokation des Glaubens • Besuch des Amber Fort Palast • Karma, Vikarma und Akarma • Zukunft – erkennen oder schaffen?
5. Reise über Bangalore nach Kanchipuram
Die Rückfahrt nach Delhi und der Flug nach Bangalore • Die Fahrt nach Kanchipuram
6. Die Palmblattbibliothek in Kanchipuram
Kennenlernen des Lesers Mr Balasubramaniam und des Übersetzers Mr Kumar • Die Palmblattsuche • Interview mit Mr Kumar
7. Aufenthalt in Kanchipuram und Rückkehr nach Bangalore
Stadterkundung • Die Mythologie der Rishis • Besuch von Mamallapuram • Schicksal aus anderer Perspektive – Die Relativitätstheorie • Tempelbesuche in Kanchipuram • Über die Festigkeit von Materie • Möglichkeiten des Schicksals – Die Quantenphysik • Unbestimmtheit des Schicksals – Die Heisenbergsche Unschärferelation • Die Rückfahrt nach Bangalore • Multiuniversen versus Multigeburten? • Deutungen des Kollaps überlagerter Möglichkeiten • Wie der Wille Realität erschafft • Rückwirkende Schaffung von Realität
8. Die Palmblattbibliothek in Bangalore
Kennenlernen des Lesers Mr Murthy • Die Lesung von Christians Palmblatt • Die Lesung meines Palmblatts • Interview mit Mr Murthy • Reflexionen zum Phänomen der Palmblattbibliotheken
9. Aufenthalt in Bangalore und Rückkehr nach Deutschland
Stadterkundung und Shoppingtour • Erwartungshaltung als Komponente selbsterfüllender Prophezeiungen • Ein Ausflug nach Puttaparthi • Die Rückkehr nach Deutschland
10. Palmblattlesung aus Kanchipuram per Post
11. Skizzierung und Adressen der Indienreise
II. Die Reise zur Palmblattbibliothek auf Sri Lanka
12. Reise nach und Aufenthalt in Colombo
Flug von Frankfurt • Stadterkundung • Ausflug nach Bentota
13. Die Palmblattbibliothek in Colombo
Kennenlernen der Palmblattleser • Organisation der Rundreise • Meine Palmblattlesung • Christians Palmblattlesung • Wiederholung als Komponente selbsterfüllender Prophezeiungen
14. Nördlicher Teil der Sri-Lanka-Rundreise
Besuch des Pinnawala Elephant Orphanage und der Höhlentempel von Dambulla • Ist alles mit allem verbunden? • Verbundenheit aus Sicht von Religionen • Verbundenheit durch morphische Resonanz • Verbundenheit durch Elementarteilchen • Verbundenheit durch Feedbackschleifen • Verbundenheit in einem holistischen Universum • Verbundenheit in einem bewussten Universum • Ausflug nach Sigiriya • Ausflug nach Polonnaruwa
15. Südlicher Teil der Sri-Lanka-Rundreise
Die Fahrt nach Kandy • Über Nuwara Eliya zum Yala-Nationalpark • Safaritour im Yala-Nationalpark • Fahrt nach Dickwella • Die Rückkehr nach Colombo
16. Skizzierung und Adressen der Sri-Lanka-Rundreise
III. Die Reise zur Palmblattbibliothek auf Bali
17. Reise nach Gianyar
Flug nach und Aufenthalt in Kuta • Fahrt nach Ubud und Weiterfahrt nach Gianyar • Interview mit dem Übersetzer Wayan Kasta
18. Die Palmblattbibliothek in Gianyar
Kennenlernen des Priesters Madé Ngenjung • Meine Palmblattlesung • Interview mit Wayan Kasta und dem Leser Madé Ngenjung
19. Östlicher Teil der Bali-Rundreise
Die Rückfahrt nach Ubud • Astralreisen • Zwischenstopp in Goa Lawah • Weiterreise nach Tulamben • Tauchaufenthalt in Tulamben • Weiterreise nach Besakih • Fahrt nach Batur
20. Nördlicher Teil der Bali-Rundreise
Ausflug nach Singaraja • Besuch des Palmblattmuseums Gedong Kirtya in Singaraja • Das balinesische Kalender- und Orakelsystem
21. Westlicher Teil der Bali-Rundreise
Weiterreise nach Pemuteran • Gedankenspiele mit der Zeit • Schnorcheln und Massage in Pemuteran • Tauchausflug nach Mejangan • Die Selbstbeschränkung der Wissenschaft • Von Materie zu Geist – von Geist zu Materie • Schnorchelausflug nach Mejangan • Träume
22. Südlicher Teil der Bali-Rundreise
Die Rückfahrt nach Kuta • Politik und Bewusstsein • Letzter Tag und Resümee • Rückflug nach Deutschland • Übersetzung von Christians Palmblattlesung aus Colombo
23. Skizzierung und Adressen der Bali-Rundreise
Nachwort
Reisetipps
Internetservice
Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Stichwortverzeichnis
Dank
Vorwort
Wird das kosmische Geschehen von Geist und Logik, von dem Gesetz von Ursache und Wirkung bestimmt? Ist unser Schicksalsweg vorgezeichnet? Sind zukünftige Ereignisse wie Ortschaften auf einer Landkarte, die uns, wenn überhaupt, nur die Freiheit lassen, einen Weg dorthin zu wählen?
Bei vielen Kulturen wurde der Begriff der freien Willensbestimmung nicht akzeptiert, weil ihrer Ansicht nach das Schicksal von bestimmten Verhältnissen und Mächten abhängig sei, auf die der menschliche Wille keinen Einfluss hat. Das Geschick wurde vielmehr als übernatürliche Lenkung empfunden, die den Menschen in dunkler Verkettung aller Lebensumstände oder rein zufällig heimsucht. Im Griechenland des Homer wurde beispielsweise der dem Menschen zukommende Anteil – sein persönliches Geschick – von „Moira“, der Spinnerin des Schicksalsfadens, bestimmt. Konnten Moiras Absichten erkundet und damit das Schicksal beeinflusst werden?
In Frühkulturen, insbesondere aber dann in der Antike waren Priester und Wahrsager damit beschäftigt, dem Menschen unter Anwendung der abwegigsten Methoden die Zukunft zu orakeln. Oft machten sie wichtige Entscheidungen von der Lage der Organe der Opfertiere abhängig. Unter anderem deuteten sie die Zukunft aus Feuer, Rauch und Steinen, vor allem aber aus dem Stand der Gestirne und besonderen Himmelserscheinungen.
Abgesehen davon, dass die Eingeweide von Opfertieren als Hilfsmittel zur Vorschau in die Zukunft dem Computer weichen mussten, der nun Horoskope für die Kundschaft vieler Astrologen erstellt, hat sich bis heute eigentlich wenig geändert. Jedenfalls haben die Wahrsager und Hellseher gerade in unserer Zeit einschneidender Veränderungen Hochkonjunktur.
Viele Wissenschaftler, insbesondere Physiker und Mathematiker, haben natürlicherweise Schwierigkeiten, sich mit Phänomen wie der „Zukunftsschau“ beziehungsweise „Prophetie“ oder mit astrologisch erstellten Horoskopen auseinanderzusetzen. Die Frage der Vorsehung und die Möglichkeit der Präkognition oder des Prädeterminismus berührt ein fundamentales Prinzip des Verständnisses der Zeit. Denn wie sind Begriffe wie „Determinismus“, „Kausalität“ und „freier Wille“ zu verstehen? Philosophen haben sich seit eh und je die Köpfe heißgeredet. In der Physik weiß man, dass die Kausalität, die augenscheinliche Entstehung künftiger Ereignisse aus früheren Ursachen, eine in unserem Leben oder im Labor zu beobachtende Tatsache ist, aber nicht zwangsläufig auch ein Gesetz des Universums. Mit einem tieferen Verständnis quantenphysikalischer Vorgänge sind wir gezwungen, von linearen Vorstellungen Abstand zu nehmen. Sie eröffneten die verblüffende Vision alternativer Wirklichkeiten, quasi eines kosmischen Hologramms. Mehr noch: Die neuesten Erkenntnisse deuten an, dass die Natur immer wieder die Grenzen der von uns etablierten „Naturgesetze“ überschreitet, dass die sogenannte Wirklichkeit aus den unterschiedlichsten Facetten besteht.
Noch einmal die Frage: „Ist unser Schicksal vorbestimmt – oder bestimmen wir unsere Zukunft selbst? Sind wir Marionetten unseres Schicksals?“ Sogenannte Schicksalsbibliotheken, vor allem in Indien, ziehen in den letzten Dekaden viele Menschen an, die sich ihre Zukunft vorlesen lassen wollen. Nicht zuletzt haben mein Buch „Gottes Würfel – Schicksal oder Zufall?“ und meine ZDF-Dokumentation „Es steht geschrieben – Auf den Spuren der Weltformel“ den Anstoß für das lebhafte Interesse an den Palmblattbibliotheken gegeben.
Schon seit unendlichen Zeiten haben indische Weise – Seher – auf 6 Zentimeter breiten und 48 Zentimeter langen Palmblättern die Lebensläufe und Schicksale von Menschen festgehalten, die in unserer Zeit leben, selbst von Europäern, die nie zuvor in Indien gewesen sind. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, kann jeder in einer solchen Palmblattbibliothek vorsprechen, um sich aus seinem Palmblatt den Verlauf des eigenen Schicksals vorlesen zu lassen. Natürlich sind auf den Blättern nicht die Lebensläufe aller Erdenbewohner festgehalten, sondern nur die von jenen Menschen, die eines Tages auch tatsächlich in einer solchen Palmblattbibliothek erscheinen.
Oliver Drewes’ Verdienst ist es, einen persönlichen Erlebnisbericht über verschiedene Palmblattbibliotheken aus seiner subjektiven Sicht zu veröffentlichen. Es ist eine Abenteuerreise in das Mysterium einer möglichen Vorbestimmung. Ich wünsche seinem Werk viel Erfolg.
Johannes Freiherr von Buttlar
im Oktober 2011
Einführung
„Palmblattbibliotheken“ existieren seit Tausenden von Jahren. Bei diesen überwiegend in Indien beheimateten Sammlungen handelt es sich um meist auf langen, schmalen Palmblättern eingeritzte Texte unterschiedlicher Thematiken. Die phänomenalsten darunter, die deswegen auch das Thema dieses Buches sind, enthalten persönliche Schicksalsbeschreibungen von Menschen aus aller Welt. Daher werden die Sammlungen auch als „Schicksalsbibliotheken“ bezeichnet. Für Sammlungen wie in Hoshiarpur allerdings, das im äußersten Norden Indiens liegt, wäre die Bezeichnung „Palmblattbibliothek“ eigentlich unzutreffend, sind die dortigen Aufzeichnungen doch auf quadratischem Papier und gar nicht auf Palmblättern ausgeführt wurden.
Einige der heutigen Bibliotheken gehen auf gleiche Urbibliotheken zurück. Der Bestand dort gesammelter Aufzeichnungen wurde in manchen Fällen innerhalb der Familie der Palmblattleser geteilt. Oder es führten Abschriften zu Verdopplungen. In anderen Fällen wurden zumeist von englischen Besatzern beschlagnahmte Palmblattsammlungen in Teilen an andere Familien verkauft. In einigen Orten greifen heute mehrere Mitglieder als Leser auf dieselbe Sammlung der Familie zurück.

Palmblattmuseum Gedong Kirtya in Singaraja auf Bali.
Der Ursprung der Aufzeichnungen auf den Schicksals- und Palmblättern soll auf sieben indischen Weise zurückgehen, sogenannte Rishis. Sie hießen Agastya, Brighu, Kakabujandra, Kapila, Shuka, Ravana und Vashista. Dank ihrer Fähigkeiten, die für uns kaum vorstellbar, ja geradezu übermenschlich sind, überwanden sie jegliche Zeitschranken und erlangten Einsichten in unglaublich zahlreiche zukünftige Schicksale.
Man sagt, in Schicksals- und Palmblattbibliotheken sei (nur) das Schicksal derjenigen Menschen aufgezeichnet, die sich auf den Weg zu ihnen machen. Dies wirft unweigerlich die Frage auf, ob das Leben somit vorgezeichnet, ja vorbestimmt ist. Sollten die Vorhersagen der Schicksals- und Palmblätter unveränderlich sein, wie viel bleibt uns dann noch vom freien Willen? Oder setzen wir im Gegenteil nur sich selbst erfüllende Prophezeiungen um und werden auf diese Weise unfreiwillig zu Erfüllungsgehilfen eines raffinierten Täuschungsmanövers? Stehen wirklich alle Aussagen genau so niedergeschrieben da, wie sie uns vorgelesen werden? Oder ist vielmehr das obligatorische persönliche Erscheinen vor dem Leser der Bibliothek bereits ausreichend für das „Cold Reading“, das Gesichtslesen und die Interpretation der Körpersprache des Besuchers? Lässt sich aus dem von manchen Bibliotheken verlangten Daumenabdruck wie aus der Hand lesen? Ist die Angabe von Geburtsort, -datum und eigenem Namen Basis für astrologische und numerologische Auswertungen? Werden zusätzliche Informationen gezielt im mündlichen Dialog entlockt und wird das Ganze später dann so wiedergegeben, als sei es von den Blättern vorgelesen?
Fasziniert von derartigen Fragen, machte ich mich zusammen mit einem befreundeten Körpersprachetrainer auf die Suche nach Antworten auf die Frage, ob und wodurch unser Leben vorbestimmt ist und ob und wie viel Raum es noch für den freien Willen gibt. In Indien besuchten wir dazu zunächst drei von geschätzten mehr als hundert Schicksals- und Palmblattbibliotheken. Ein Jahr nach dem Indienaufenthalt reisten wir zusammen zu zwei darüber hinaus bekannten Sammlungen nach Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, sowie Gianyar auf Bali.
Das Buch beschreibt die Erlebnisse auf diesen Exkursionen. Sie sind bewusst im Form eines Reisetagebuchs verfasst, um die Erfahrungen in den Ländern nachvollziehbarer vermitteln zu können. Skizzen zeigen den Reiseverlauf und werden ergänzt durch Adressen der besuchten Bibliotheken, Hotels und Reiseagenturen, die wir genutzt haben. Fotos geben Ihnen Eindrücke der Länder und ihrer faszinierenden Schicksals- und Palmblattsammlungen. Empfohlene Internetlinks führen zu weiteren Fotos der Reise und Bibliotheken, Ratschlägen und Tipps.
Sie begleiten mich in diesem Buch nicht nur auf dem Weg durch Indien, Sri Lanka und Bali, ich nehme Sie auch mit auf gedankliche Ausflüge. Die Dialoge mit meinem Reisegefährten beschäftigen sich mit der Frage, wie das Phänomen individueller Schicksalsdarstellungen auf Palmblättern verstanden werden kann. Welche Informationsquellen könnten für die Vorhersagen zur Verfügung gestanden haben? Welche Erkenntnisse können wir daraus für unser Leben und seine Entwicklung ziehen? Dabei setzen wir uns für den aufgeschlossenen Leser auch mit Modellen der theoretischen Physik und mit spirituellem Gedankengut auseinander. Es ist verblüffend festzustellen, wie exakt manche Auffassungen, die vielfach abfällig der spirituellen, religiösen, esoterischen, anders- oder abergläubischen „Ecke“ zugeordnet werden, in Wahrheit teilweise dem Bild der modernen Wissenschaft und den neuesten Forschungsergebnissen entsprechen.
Nicht jeder Leser wird das gleiche Interesse an derlei Ausführungen haben. Daher beschränken sich die meisten Aussagen und Dialoge in diesem Buch auf das Wesentliche. In den Anmerkungen finden Interessierte grundlegende oder weiterführende Informationen, zum Beispiel die Erklärung des Doppelspaltexperiments der Quantenphysik, Grundsätzliches zur indischen Mythologie oder die Beschreibung bestimmter Glaubenssysteme.

Zeremonie mit Segnung, Reinigung, Gesundheits- und Glücksprechung auf Bali.
Einige Theorien und Gedankenmodelle, die in diesem Buch vorgestellt werden, scheinen sich im Widerspruch zu befinden oder sich sogar auszuschließen. Das ist aber keineswegs ein Mangel, sondern Zeugnis für die Komplexität eines Themas, das sich naturgemäß einer eindeutigen Kategorisierung entzieht. Absicht auf den folgenden Seiten ist es nicht, ein stimmig in sich geschlossenes Weltbild nach dem Faustregelprinzip zu liefern. Auch soll keine subjektive Sicht, basierend auf voreiligen Schlüssen, als allgemein gültig dargestellt werden. Vielmehr will ich ein Gespür für die Lücken, die Realität hinter dem Offensichtlichen wecken. Die dem etablierten Weltbild widersprechenden Ansichten beruhen dabei auf aktuellen Forschungen nach wissenschaftlichen Standards und Interpretationen anerkannter Naturwissenschaftler oder renommierter Bewusstseinsforscher.
Diese Annährung von Themen der Physik, der Philosophie und der Psychologie, wie wir sie in unserer heutigen, spannenden Zeit erleben dürfen, ist eine große Chance für eine Revision unseres teilweise (selbst) beschränkenden Weltbilds. Ich würde mich sehr freuen, wenn auch die hier beschriebenen Besuche der Schicksals- und Palmblattbibliotheken einen Betrag dazu leisten könnten.
Aber lassen Sie uns jetzt einfach aufbrechen!
Oliver Drewes
im August 2011