Nachwort

Ich habe die Aufzeichnungen von Félix am Ende etwas gekürzt, weil die Aufzählung so vieler Sehenswürdigkeiten und Orte auf den Leser ermüdend gewirkt hätte. Ich habe mir erlaubt, auch das Ende seiner Erinnerungen leicht zu verändern. Ich konnte dies guten Gewissens tun, und wenn ich diese Geschichte der Liebe zwischen Félix und Do mit leichter Hand und leichtem Sinn in der Balance hielt, wenn sie zu enden scheint wie ein Märchen, so wusste ich ja, im Gegensatz zu meinen Lesern, warum ich das tun konnte. Den charmanten Leserinnen und Lesern, die meinen, eine solche Geschichte müsse ein glückliches Ende haben, will ich so viel verraten: Sie hatte eines. Do und Félix blieben zusammen und sie werden beieinander bleiben ein Leben lang. Bis dass der Tod sie für eine Weile scheidet. Nur eine Weile, denn Gott wird nicht zulassen, dass eine große Liebe einmal endet.

Michael de la Marre

Félix

Roman einer amour fou

Nach den Aufzeichnungen von Félix de La Marre

Mitgeteilt von Michel de La Marre

Versuchungen zum Schreiben

Musste ein Schriftsteller nicht schamlos sein, wenn er aufrichtig war? Es gibt so viele Tabus, er darf sie nicht achten. (Ernst von Salomon)

Welches auch unsere persönlichen Unzulänglichkeiten sein mögen, das Ethos unseres Berufes wird stets in zwei schwer zu erfüllenden Verpflichtungen wurzeln: der Weigerung, wider besseres Wissen zu lügen, und dem Widerstand gegen die Unterdrückung. (Albert Camus)

Aufblühet wieder neu mein Fleisch, von Herzen dank‘ ich’s ihm. (Psalm 27)

Gutes in allem, -

In der Zufriedenheit und Würde der Tiere,

In der Wiederkehr der Zeiten des Jahrs,

In der Heiterkeit der Jugend,

In der Stärke und Frische der Mannheit,

In der Hoheit und Zartheit des Alters,

In dem herrlichen Blick in den Tod.

Wundervoll, hinzuscheiden!

Wundervoll, hier zu sein!

Im Herzschlag zu treiben das all-gleiche, unschuldige Blut!

Die Luft zu atmen, wie köstlich!

Zu reden – zu gehen – etwas mit der Hand zu ergreifen!

Greifen!

Sich zu bereiten für Schlaf und Bett, auf mein rosafarbenes

Fleisch zu blicken!

Bewusst zu sein meines Körpers, so breit und zufrieden!

Dieser unbegreifliche Gott zu sein, der ich bin!

Gewandelt zu sein unter anderen Göttern, den Männern und

Fraun, die ich liebe.

O sinkende Sonne! Obwohl meine Stunde erfüllt ist

Schmettre ich doch unter dir, wenn keiner es tut,

unbändige Gebete.  (Walt Whitman)

Hinter deinen Gedanken und Gefühlen, mein Bruder, steht ein mächtiger Gebieter, ein unbekannter Weiser – der heißt selbst. In deinem Leibe wohnt er, dein Leib ist er. (Nietzsche, Zarathustra)

Um zum Sein eines Menschen zu gelangen, müssen wir ihn von seinen Fertigkeiten trennen. Will ich eine Biographie schreiben, so stehe ich vor dieser Aufgabe: Was für ein Mensch steckt hinter all den Fertigkeiten, die mir von ihm überliefert sind? Dieselbe Aufgabe erwächst mir beim Lesen eines Buches. Auch hier suche ich hinter den Fertigkeiten: Stil, Polemik, Thema, Ausdrucksweise, Stoffauswahl, sprachliche Gewandtheit – das Sein des Menschen, der sich dieser Fertigkeiten bedient. Schreit nicht nach Sachlichkeit, jedenfalls nicht nach einer beliebigen Sachlichkeit (denn es gibt nur eine Sachlichkeit: Menschentum), sondern nach dem Sein des lebendigen Menschen. Es ist das Verderbliche des Buches, dass es das Sein des Menschen verschleiert. (Max Tepp, Vom Sinn des Körpers)

Sie war in der Luft, die ich atmete, in den Speisen, die ich aß. (Gilda)

Le rare aujourd’hui, c’est la pureté de l’air, la sainteté du silence, l’acquis du naturel, le fruit des jardins sauvages. (Roger Judrin)

(Das Seltene heute ist die Reinheit der Luft, die Wohltat des Schweigens, der Besitz des Natürlichen, das Obst der wilden Gärten.)

Der Kern der Neurose des Menschen ist seine Unfähigkeit, im Körper zu leben - zu leben (das heißt sexuell zu sein) und zu sterben. (Norman O.Brown)

Zwei Finger und ein unanständig nackter Bildschirm!