Nachwort

Am 28. Dezember 2000 wurde Thomas McFadden aus dem Gefängnis San Pedro entlassen, nachdem er vier Jahre und acht Monate seiner Haftstrafe verbüßt hatte. Er verließ Bolivien, ohne den Rest des Schmiergeldes an die Richter bezahlt zu haben.

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Nach seiner Entlassung wurden die Gefängnisführungen fortgesetzt, obwohl nun ein Schild am Tor hing, auf dem »Zutritt für Ausländer verboten« stand. Der wichtigste Fremdenführer war David Cordero alias »Fantasma«, der unter einem Pseudonym arbeitete.

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Die bolivianische Regierung bestreitet weiterhin, dass die Häftlinge ihre Gefängniszellen kaufen müssen.

In San Pedro leben immer noch mehrere hundert Frauen und Kinder.

Danksagungen

Rusty möchte sich bei Simone Camilleri bedanken, ohne den er dieses Buch weder in Angriff genommen noch abgeschlossen hätte.

Thomas möchte ebenfalls Simone danken, außerdem bedankt er sich bei Prisoners Abroad für die Unterstützung während seiner Haft.

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Flughafen El Alto

Als ich mit fünf Kilogramm reinen Kokains durch die automatischen Schiebetüren der Abflughalle des Flughafens El Alto in La Paz ging, erwartete mich eine böse Überraschung. Überall war Polizei. Ein Teil der Beamten waren normale Polizisten in grüner Uniform, aber da waren auch viele Männer in den blauen Uniformen der FELCN, der bolivianischen Drogenpolizei. Kaum hatte ich den Terminal betreten, hoben sie alle den Kopf. Es war, als hätten sie schon auf mich gewartet.

Normalerweise betrachtete ich es als Spiel, irgendwo auf der Welt mit heißer Ware durch eine Abflughalle zu schlendern. Ich versuchte, die vergnügliche Seite der Dinge zu sehen. Wenn man zu viel über die Risiken nachdenkt, wird man nervös und entscheidet sich falsch. Natürlich ist man immer ein bisschen angespannt, aber wenn man das Ganze als Spiel betrachtet, steht einem die Nervosität nicht ins Gesicht geschrieben.

Da ich von so vielen Polizisten umgeben und der Flughafen so klein war, brauchte ich an diesem Tag ein wenig länger, um in den »Spielmodus« zu finden. La Paz ist die größte Stadt Boliviens, weshalb ich einen wirklich internationalen Flughafen erwartet hatte. Aber ich hatte mich geirrt: Der Terminal war winzig. Doch nachdem ich einmal drinnen war, konnte ich nicht einfach umkehren.

Ich holte meinen Kofferträger ein. Er war in den Terminal vorausgeeilt und wartete jetzt auf mich, damit ich ihm sagte, mit welcher Fluglinie ich reisen würde. Ich holte mein Ticket hervor und tat so, als wäre ich überrascht, weil ich so spät dran war. Wir studierten das Ticket gemeinsam und suchten nach dem richtigen Schalter – dabei ließ ich ständig meinen Blick schweifen, um mich mit dem Sicherheitssystem des Flughafens vertraut zu machen. Da er so klein war, hätte ich die Information auf Anhieb sammeln können, aber ich nahm mir Zeit, ohne mein Interesse zu verbergen. Der erste Fehler von Amateurdrogenschmugglern ist, dass sie glauben, weniger Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, indem sie so tun, als würden sie sich für nichts interessieren. Aber man sollte genau das Gegenteil tun: Warum sollte jemand, der nichts zu verbergen hat, kein Interesse für seine Umgebung haben? Der typische Flugreisende betritt den Terminal und bleibt vor einer Anzeigetafel stehen, um nach seinem Flug zu suchen. Dann spricht er andere Leute an, um sich zurechtzufinden, sucht nach dem richtigen Schalter und sieht sich dabei die ganze Zeit um. Vielleicht hebt er sogar den Blick zur Decke und bemerkt die Überwachungskameras.

Ich entspannte mich langsam und schaltete in den Spielmodus. Mittlerweile starrten mich die Polizisten nicht mehr an, und alles, was ich beobachtete, bestätigte meine früheren Erfahrungen mit den bolivianischen Sicherheitsvorkehrungen: Es würde ein Kinderspiel sein, unbemerkt durch dieses System zu gelangen. Abgesehen von der geringen Größe sah der Flughafen ganz normal aus. Der Boden war mit schimmernden, naturweißen Fliesen ausgelegt, wie ich sie von Flughäfen in aller Welt kannte. Die Zementdecke schien seit einigen Jahren nicht mehr gestrichen worden zu sein. Ich bemerkte sofort, dass dort keine versteckten Kameras hingen. Dasselbe galt für die Wände. Es schien keine hinter Werbetafeln versteckten Beobachtungsräume zu geben. An der gegenüberliegenden Wand befanden sich die Check-in-Schalter. Die meisten gehörten zur nationalen Fluglinie Lloyd Aero Boliviano.

Obwohl es noch früh war, hätte man an einem internationalen Flughafen wie La Paz ein einigermaßen hektisches Treiben erwarten sollen. Alle Schalter hätten mit Personal besetzt sein sollen, und überall hätten Mitarbeiter des Flughafens herumlaufen sollen. Doch ich sah nur vier Mitarbeiter, die den gesamten Check-in erledigten. Trotzdem war ich nicht beunruhigt, weil ich bereits gesehen hatte, dass keine Spezialisten in der Nähe waren.

Als »Spezialisten« bezeichne ich das Sicherheitspersonal an Flughäfen, dessen Aufgabe es ist, Drogenschmuggler aufzuspüren. Man kann nie mit Gewissheit sagen, wer ein Spezialist ist oder welche Personen die Spezialisten unterstützen. Es könnte ein als Passagier verkleideter Drogenermittler, ein Angestellter am Schalter oder eine harmlos wirkende Putzkraft sein. Ich habe schon von einer Stewardess gehört, die im Auftrag eines Spezialisten alle Passagiere notierte, die während des Flugs nichts aßen – dies kann ein Hinweis darauf sein, dass jemand Drogen geschluckt hat. Natürlich kann geringer Appetit während eines Flugs auch etwas über die Qualität des Essens aussagen, und diese Stewardess zeigte mit dem Finger auf Hunderte unschuldige Fluggäste, bis der Spezialist aufhörte, sie zu bezahlen.

Über die regulären Polizeieinheiten und Soldaten machte ich mir nie Sorgen, egal, wie viele es waren. Im Gegenteil: Je mehr, desto besser. Wenn sie zahlreich sind, entspannen sie sich, da es genug Kollegen gibt, die die Verantwortung übernehmen können. Aber nach den Spezialisten muss man Ausschau halten: Sie verlassen sich nie auf die Unterstützung von Mitarbeitern, die womöglich faul oder inkompetent sind. Sie arbeiten allein und ernten allein das Lob für einen Fang. Selbst wenn sie dich erwischen, geben sie sich nur ungern zu erkennen, sondern halten sich im Hintergrund und machen sich gleich auf die Jagd nach dem nächsten Schmuggler. Viele ertappte Drogenhändler erfahren nie, dass sie von einem Spezialisten geschnappt wurden. Sie denken, dass ihnen ein Drogenhund oder ein Zufallsfund zum Verhängnis geworden ist oder dass jemand den Behörden einen Tipp gegeben hat. In Wahrheit war es ein Spezialist, der am Flughafen auf sie aufmerksam wurde.

Die normalen Polizisten und Zollbeamten machen einfach die Arbeit, für die sie jeden Monat ein Gehalt bekommen. Die gut ausgebildeten Spezialisten hingegen haben tatsächlich Spaß an ihrer Arbeit. Ihr Job ist jedes Mal von Neuem eine Herausforderung, und es gefällt ihnen, Drogenschmuggler zur Strecke zu bringen. Nur mit Disziplin schaffen sie es unter die Besten auf ihrem Gebiet. Viele von ihnen machen ihren Job mit ebenso großer Leidenschaft wie ich. Wir sind im selben Geschäft tätig, wenn auch nicht auf derselben Seite. Der Spezialist ist mein direkter Gegner am Flughafen. Es ist wie auf dem Sportplatz: Um ihn zu besiegen, muss ich seine Schwachstellen kennen und wissen, wie ich sie ausnutzen kann. Man wird keinen Erfolg haben, wenn man nicht besser ist als der Widersacher. Gute Spezialisten und gute Drogenschmuggler denken ähnlich. Die Spezialisten halten Ausschau nach mir, und ich halte Ausschau nach ihnen.

Zum Glück bin ich schlauer als sie und noch nie erwischt worden. Gut, da war dieses eine Mal in Nairobi, wo sie mich mit Heroin hochnahmen, aber ich weiß bis heute nicht, ob es ein Spezialist war, der mir auf die Schliche kam. Jedenfalls gelang es mir damals, mich aus der Affäre zu ziehen.

Normalerweise durchschaute ich ihre Tarnung mühelos, obwohl sich einige sehr geschickt verstellten. Oft erkannte ich die Spezialisten daran, dass sie zu unauffällig waren und sich zu sehr bemühten, in der Menge unterzutauchen. Aber nur weil ich wusste, wer die Spezialisten waren, hatte ich noch nicht gewonnen. Tatsächlich wäre ich verloren, wenn sie bemerkten, dass ich sie bemerkt hatte, denn nur ein Drogenschmuggler würde nach ihnen Ausschau halten. Auf der anderen Seite hätte ich mich auch verdächtig gemacht, wenn ich mich auf einem Flughafen überhaupt nicht umgesehen hätte.

Ich wusste so viel über dieses Geschäft, dass ich darüber nachdachte, mich irgendwann aus dem Drogenhandel zurückzuziehen und selbst ein Spezialist zu werden. Ich glaube, die beste Tarnung für einen Spezialisten wäre es, sich als Drogenschmuggler auszugeben. Zumindest sollte er auffällige Kleidung tragen und extrovertiert sein. Dann würde kein Schmuggler Verdacht schöpfen – wer hat je von einem verdeckten Ermittler gehört, der Aufmerksamkeit zu erregen versucht?

Das meine ich natürlich im Scherz, aber ich möchte damit etwas verdeutlichen: Wenn ich meinem Geschäft nachging, betrachtete ich es als Katz-und-Maus-Spiel. Und ein Spiel muss Spaß machen, gleichgültig, ob es das Drogenspiel oder irgendein anderes ist. Doch die Spezialisten haben keinen Sinn für Humor. Sie nehmen ihre Aufgabe viel zu ernst. Deshalb gelang es mir jedes Mal, ihnen durch die Lappen zu gehen.

Aber an diesem Tag brauchte ich mir keine Gedanken über sie zu machen. Am Flughafen von La Paz gab es keine Spezialisten.

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Ich bezahlte den Träger und gab meine Koffer am Schalter auf.

»Sie müssen sich beeilen, Sir«, sagte die junge Frau und deutete in Richtung der Flugsteige. »Sie sind sehr spät dran.«

»Ich weiß. Demonstranten haben die Autobahn blockiert.«

»Ja, Sir, wir wurden darüber informiert. Deshalb wurde der Start um ein paar Minuten verschoben. Aber Sie müssen sich beeilen.«

Um den Zollbeamten weniger Zeit zu geben, sich mit mir zu beschäftigen, ging ich noch in den Duty-free-Shop und kaufte eine Stange Zigaretten. Dann schlenderte ich durch die Passkontrolle und durch den Zoll. Alles lief wie geschmiert. Ich war vollkommen entspannt, als ich mich vor dem Flugsteig in der Schlange anstellte.

Plötzlich rief jemand meinen Namen. Im Augenwinkel sah ich zwei Polizisten, die rasch auf mich zukamen.

Sie riefen erneut. »Thomas McFadden!«

Ich tat, als hätte ich sie nicht gehört, und studierte angestrengt meine Boardingkarte. Dann tippte mir jemand auf die Schulter. Jetzt konnte ich sie nicht mehr ignorieren.

»Es usted Thomas McFadden?«, fragte der Polizist. Ich sprach kaum Spanisch, aber ich konnte schlecht so tun, als wüsste ich meinen Namen nicht.

»Ja«, sagte ich. »Warum?«

»Sígame, señor«, sagte er und bedeutete mir mit einer unmissverständlichen Handbewegung, dass ich ihm folgen sollte. Ich dachte kurz darüber nach, mit ihm zu diskutieren, aber die anderen Passagiere begannen, sich umzusehen. Ich war nicht sicher, was los war, aber ich bewahrte die Ruhe.

Ich folgte dem Polizisten, der mich angesprochen hatte. Sein Kollege ging hinter mir. Ein Fluchtversuch hatte keinen Sinn – ich hätte es nicht einmal bis zum Ausgang des Terminals geschafft. Abgesehen davon, hatte ich mein Gepäck gerade erst aufgegeben. Es war unmöglich, dass sie die Drogen bereits gefunden und mir zugeordnet hatten. Ich fragte sie, was es für ein Problem gebe, aber sie sprachen kein Englisch. Sie sagten immer wieder das Wort perros und tippten sich an die Nase.

Ich war noch nicht allzu beunruhigt. Ich wusste nicht, was das Wort perros bedeutete, aber ich hatte schon öfter mit der Flughafenpolizei zu tun gehabt, und bisher war es mir noch immer gelungen, sie an der Nase herumzuführen. Ich war seit meiner Kindheit im Drogengeschäft. Ich war mit Drogen in alle Welt gereist, ohne je erwischt zu werden. Lange Zeit hatte ich Haschisch oder Heroin aus Indien oder Pakistan geschmuggelt, aber in letzter Zeit hatte ich mich auf Kokain spezialisiert, das ich aus Südamerika nach Europa brachte. Ich flog nach Bolivien, kaufte über meine dortigen Kontaktleute ein paar Kilo und kehrte nach Europa zurück, um den Stoff dort zu verkaufen. Ich wurde nie erwischt, denn ich war schlau.

Diesmal würde es nicht anders sein. Für den Fall, dass doch etwas schiefging, konnte ich auf einen einflussreichen Freund zählen, der mir helfen würde.

Die beiden Polizisten führten mich durch eine Tür und eine Treppe hinunter. Wir gingen durch einen schlecht beleuchteten Gang, der unter dem Terminal hindurchführte. Wir blieben vor einem Büro stehen, und der Polizist, der vorausging, klopfte an. Auf dem Türschild stand »Coronel Toro Lanza«.

»Pase!«, befahl eine Stimme hinter der Tür. Der Polizist öffnete. An einem großen Schreibtisch saß ein Offizier in Uniform. Er war eine eindrucksvolle Erscheinung und blickte streng drein. Die beiden Polizisten fürchteten sich offensichtlich vor ihm. Sie schubsten mich in den Raum. Der Coronel durchbohrte mich mit seinem Blick.

Er deutete auf einen Stuhl vor seinem Tisch. »Siéntese, señor«, befahl er. »Su pasaporte, por favor.« Ich reichte ihm meinen Pass. Er sah abwechselnd mich und das Foto an, um sicherzugehen, dass es dasselbe Gesicht war.

Er las den Namen im Pass: »Señor Thomas McFadden, sí?«

Ich nickte.

»Sprechen Sie Spanisch, Señor Mc Fadden?«

»Nein, nur Englisch.«

Ich wartete auf eine Erklärung für das, was hier geschah, aber der Coronel sah mich nicht an. Er blätterte meinen Pass durch. Ich sah auf meine Uhr. Meine Maschine sollte in zehn Minuten starten. Ich wusste, dass sie nicht ohne mich abheben würde – aus Sicherheitsgründen kann das Flugzeug nicht mit dem Gepäck eines Passagiers abheben, der nicht an Bord ist. Ich fragte den Coronel, was los sei, aber er antwortete nicht, sondern notierte sich schweigend einige Daten aus meinem Reisepass, die er in eine Art Bericht übertrug.

Das Büro befand sich nur teilweise unter der Erde. Oben in der Rückwand war ein Fenster, das genau über der Erde lag. Ich hörte die Turbinen eines Flugzeugs. Ich war mir nicht sicher, ob es meine Maschine war, aber ich wurde ein wenig unruhig.

»Bitte, Señor. Ist etwas nicht in Ordnung?«, fragte ich. Endlich antwortete er.

»In Ihren Reisetaschen haben sie etwas gefunden, Señor McFadden.«

»Wer hat etwas gefunden?«

»Los perros«, antwortete er.

»Ich verstehe nicht.«

»Die Hunde. Sie haben etwas in Ihrem Gepäck aufgespürt.« Das war ein Schlag. Aber ich geriet nicht in Panik.

In diesem Augenblick verließen seine beiden Untergebenen den Raum. Ich beugte mich vor und legte die Hände auf den Tisch.

»Was ist hier los, Mario?«, fragte ich.

Der Plan muss geändert werden

Der Name des Coronels war Mario Toro Lanza. Ich hatte ihn über einen Freund namens Tito in Santa Cruz kennengelernt, wo ich zahlreiche Kontakte im Drogenmilieu hatte. Tito war mein wertvollster Kontakt: Er arbeitete am Flughafen von Santa Cruz beim Zoll. Er war ein kostspieliger Freund, aber er brachte mich immer ohne Probleme durch die Sicherheitskontrollen. Vor diesem letzten Transport hatten wir uns wie gewohnt in der Bar des Hotel Continental in Santa Cruz getroffen.

Tito hatte sich seit unserer ersten Begegnung vor einigen Jahren kein bisschen verändert. In seiner Freizeit trug er aufgrund der tropischen Hitze stets legere Kleidung, dazu goldene Armbänder und eine schöne Uhr. Trotzdem erkannte man an seinem kurz geschorenen Haar und seinem Schnauzbart, mit dem er ein wenig wie ein Araber wirkte, dass er Polizist war. Zu jener Zeit trugen alle Polizisten in Santa Cruz Schnauzbärte und Goldschmuck; beides gehörte fast zur Uniform. Man erkannte sie aus der Ferne.

»Was treibt dich nach Santa Cruz?«, fragte Tito in gebrochenem Englisch, das jedoch noch immer besser war als mein furchtbares Spanisch. Ich gab dem Barkeeper ein Zeichen, damit er ein Bier für Tito zapfte. Ich selbst wollte nichts trinken.

»Die Arbeit«, antwortete ich.

Tito hob die Augenbrauen und lächelte.

»Nein, ich meine es ernst.«

Der Barkeeper blieb außer Hörweite, während ich Tito den gewohnten Vortrag über das neue Obstsaftunternehmen hielt, dessen Leitung ich übernommen hatte. Bei meinem letzten Aufenthalt in Santa Cruz hatte ich viel Bargeld übrig gehabt und hatte nach Möglichkeiten zur Ausweitung meines Geschäftsfelds gesucht. Zur Tarnung hatte ich ein Unternehmen gegründet, das Fruchtsaft erzeugen sollte. Als Leiter des Unternehmens musste ich natürlich häufig nach Südamerika reisen. Die Bolivian Fruit Juice Company S.A. verkaufte nie ein Glas Orangensaft, aber ich hatte ein Büro, eine Teilzeitsekretärin und Faxmitteilungen aus aller Welt, die bewiesen, dass mein Unternehmen sehr erfolgreich war. Tito ahnte vermutlich, dass es eine Tarnfirma war – er wusste, dass ich ihn nicht angerufen hatte, um über Ananas und Papayas mit ihm zu sprechen –, aber so musste man mit diesen Leuten reden. Es war alles ein Spiel: Ich erzählte ihm ein paar nette Geschichten, und er tat so, als glaubte er sie.

»Zeig mir mal deinen Pass«, sagte er, als ich meinen Verkaufsvortrag beendet hatte. Er überflog die Seiten, und dann sagte er etwas, das ich nicht erwartet hatte nach all den Geschäften, die wir schon miteinander gemacht hatten: Diesmal würde er mir nicht helfen können.

»Warum nicht?«

»Die yanqis

»Die was?« Er sprach das Wort so aus, dass es wie »Junkies« klang, aber er meinte die Yankees. Tito erklärte mir, dass die amerikanische Regierung ihren »Krieg gegen die Drogen« nach Bolivien getragen habe. Die Amerikaner hatten sich entschlossen, auf dem Flughafen Santa Cruz aufzuräumen. Santa Cruz hatte einen üblen Ruf als Drogenumschlagplatz, was an Leuten wie Tito und mir lag.

»Zu viele Stempel in deinem Pass, mein Freund. Verstehst du?« Anscheinend galten an seinem Flughafen jetzt sehr viel strengere Regeln. Tito konnte mir nicht mehr garantieren, dass ich ungeschoren durch den Zoll kommen würde, wenn die Beamten sahen, wie oft ich in diesem Jahr schon ein- und ausgereist war.

Anfangs dachte ich, das sei Titos Art, mehr Geld zu verlangen. Ich bot ihm eine Erhöhung seines Schmiergelds um 50 Prozent an. Er sagte Nein. Ich verdoppelte den Betrag. Als er auch das ablehnte, begriff ich, dass es nicht ums Geld ging. Offenbar machten die Amerikaner wirklich Schwierigkeiten. Ich bekam ein flaues Gefühl im Magen. Ohne Titos Hilfe war ich aufgeschmissen. Ich hatte das Kokain bereits gekauft, verpackt und an meine Kunden in Europa verkauft. Ich musste es sofort hinüberbringen.

Ich hatte das Pulver anhand einer von mir entwickelten Technik, die damals niemand außer mir anwandte, versiegelt und versteckt. In diesem Geschäft muss man schlau und kreativ sein, denn jede neue Methode zum Drogenschmuggel, von der man hört, kennt die Polizei bereits seit einem Jahr. Bei den Behörden, die den Drogenhandel bekämpfen, gibt es eigens ausgebildete Leute, die den ganzen Tag über diese Dinge nachdenken, und die Ermittler setzen zum Aufspüren von Drogen Technologien ein, von denen die Öffentlichkeit noch nichts ahnt. Um ihnen durchs Netz zu schlüpfen, muss man sich immer etwas Neues einfallen lassen. Beim Drogenschmuggel muss man vor allem drei Fragen beantworten: Welche Menge kann man mitnehmen, wie kann man den Geruch verbergen, und wo soll man es verstecken?

Man sollte die Drogen nie am Körper tragen. Diese Methode kam in den Achtzigerjahren aus der Mode. Unter der Kleidung versteckte Drogen sind selbst für das ungeschulte Auge leicht zu erkennen. Es genügt, dass ein Beamter Verdacht schöpft oder dass man an einer Sicherheitskontrolle auf Waffen abgetastet wird. Wird man entdeckt, kann man unmöglich behaupten, dass einem die Drogen nicht gehören. Welcher Richter wird dir glauben, dass du nichts von den zehn mit Kokain gefüllten Säcken wusstest, die um deinen Körper gebunden waren?

Die als »Body Packing« bezeichnete Methode, den Stoff zu schlucken, funktioniert auch heute noch. Zwar kursieren Schreckensgeschichten über Schmuggler, die am Flughafen einen qualvollen Tod starben, weil eine Drogenkapsel in ihrem Magen platzte oder im Darm stecken blieb, aber wenn man es richtig macht, sind solche Unfälle fast unmöglich. Wenn man selbst nicht weiß, wie man das tun kann, gibt es in der Branche Leute, die sich darauf spezialisiert haben, Kokain zu Kugeln zu pressen und diese so zu verpacken, dass sie unmöglich aufbrechen können. Die größeren Händler haben sogar spezielle Maschinen dafür, hydraulische Pressen, die das Pulver zu Zylindern formen. Eine weitere Maschine versiegelt diese Zylinder mit mehreren Schichten eines modernen Kunststoffs, den die Magensäure nicht zersetzen kann.

Die optimale Menge zum Schlucken sind zehn Gramm. Es ist nicht angenehm, diese Kapseln zu schlucken, aber nach einer Weile gewöhnt man sich daran. Es kann mehrere Stunden dauern, die ganze Ladung herunterzubringen: Die ersten Kapseln kann man leicht schlucken, aber wenn sich der Magen füllt, wird es schwieriger. Wenn man sich zwingt, provoziert man Brechreiz. Die Kapseln können mit Wasser geschluckt werden, um die Sache zu erleichtern, aber auf diese Art füllt man auch den Magen schneller. Am besten bereitet man den Verdauungstrakt vor, indem man an den Tagen vor der Reise ballaststoffreich isst. Nachdem man die Kapseln geschluckt hat, darf man nichts mehr zu sich nehmen, was den Säurespiegel im Verdauungstrakt erhöhen oder die Kapseln zu schnell durch den Darm schleusen könnte.

Findet die Polizei Kokain im Körper, so kann man genau wie beim Tragen am Körper unmöglich behaupten, die Ware gehöre einem nicht. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Drogen im Körper entdeckt werden, ist sehr viel geringer. Haben die Beamten am Flughafen den Verdacht, dass man Kokain geschluckt hat, so drücken sie dem Verdächtigen zuerst mit den Händen auf den Magen. Harte Objekte im Bauch können sie mit den Fingern ertasten. Daher schluckt man die Kapseln am besten zwei Tage vor der Reise, damit sie bereits in den Darm gewandert sind, wenn man am Flughafen eintrifft. Im Darm sind sie schwerer zu entdecken. Natürlich sind sie auf einer Röntgenaufnahme weiterhin gut zu sehen, oder die Polizei kann einen Verdächtigen so lange festhalten, bis die Drogen ausgeschieden werden, aber die Beamten müssen sich ihrer Sache sehr sicher sein, um so weit zu gehen. Abgesehen von den körperlichen Unannehmlichkeiten besteht der größte Nachteil des Schluckens darin, dass man auf diese Art nur eine kleine Menge Stoff transportieren kann, normalerweise 600 oder 700 Gramm; mehr als ein Kilo ist unmöglich.

Man sollte in diesem Geschäft nicht zu gierig sein: Je mehr Stoff man transportiert, desto mehr Platz benötigt er, womit er schwerer zu verstecken ist. Ich lernte diese Lektion auf schmerzhafte Art, als ich in Brasilien 45 Kilo Kokain verlor.

Für diese Tour hatte ich genau fünf Kilo eingepackt. Das war die ideale Menge: genug, um Geld damit zu verdienen, aber so wenig, dass ich es zu sehr kleinen Paketen zusammengepresst und so gut versteckt hatte, dass es fast unmöglich zu finden war.

Ich hatte das Pulver in vier gleich große Haufen unterteilt und in Frischhaltefolie eingewickelt. Diese Pakete hatte ich in die mechanische Presse eines Freundes gelegt. Mit dem Hebel hatte ich die Pakete in Abständen von jeweils fünf Minuten immer wieder mit aller Kraft zusammengepresst. Mit der Presse drückte ich das Kokain zu einer Platte, die so dünn wie Pappe war. Nach einer halben Stunde öffnete ich die Presse, holte die Kokainplatten heraus, klappte sie einige Male zusammen und schnitt mit einem Messer die Ränder ab, damit sie genau in die dafür vorgesehenen Fächer passten. Dann presste ich sie erneut für eine halbe Stunde. Am Ende blieben mir etwa 70 Gramm übrig. Diese formte ich zu Kugeln, um sie zu schlucken. Diese Menge war keine ausreichende Versicherungspolice – der Ertrag würde kaum genügen, um die Reisekosten zu decken, geschweige denn die Kosten von fünf Kilo Kokain –, aber wenn ich geschnappt wurde und ins Gefängnis musste, konnte ich den Stoff zur Bestechung nutzen, um wieder freizukommen.

Das nächste Problem war der Geruch. Der Geruchssinn eines Drogenspürhunds ist hunderttausendmal besser als der eines Menschen. Und diese Hunde werden nicht einfach dafür ausgebildet, Drogen zu finden. Sie wollen sie finden: In Südamerika werden die Tiere zu Kokainsüchtigen gemacht. Nicht auf jedem Flughafen werden Drogenhunde eingesetzt, und es gibt nicht genug Tiere, um jeden Koffer zu kontrollieren. Aber wenn ein kokssüchtiger Hund mit seiner Supernase in die Nähe eines Gepäckstücks kommt, in dem Stoff versteckt ist, kann man sich darauf verlassen, dass er fündig wird, wenn auch nur ein Molekül der Droge außerhalb der Verpackung herumfliegt. Daher muss man unbedingt vermeiden, dass der Geruch aus dem Koffer gelangt.

Nachdem ich die Kokainplatten in eine Schicht Frischhaltefolie gepackt hatte, bestreute ich die Pakete mit einer dicken Schicht Chilipulver. Der starke Geruch des Chilis würde einen Hund von der Fährte abbringen. Dann schlug ich die Platten in eine weitere Folie, die ich ebenfalls mit Chilipulver bestreute. Die nächste Schicht war vollkommen luftdicht. Ich legte die Platten zwischen zwei Plastikfolien, die ich an den Rändern verschweißte. Dafür verwendete ich eine Maschine meines Freundes. In Bolivien werden mit solchen Vorrichtungen Fleischtäschchen, sogenannte salteñas, verpackt. Diese Versiegelung hätte genügen sollen, aber zur Sicherheit bedeckte ich die Platten mit gemahlenem Kaffee und schlug sie in eine weitere Folie ein. Das Kaffeepulver hatte ich zuvor mit Wasser vermischt. Als das Gemisch trocken war, überzog es die Platten wie ein starker Klebstoff, der eine wasserdichte Schicht bildete. Der Kaffee hatte außerdem einen starken Geruch, der einen Hund verwirren würde, wenn er in die Nähe meines Gepäcks kam.

Nun musste ich die Pakete nur noch verstecken. Ich hatte jetzt vier komprimierte, luftdicht verpackte Platten von etwas weniger als 1250 Gramm Kokain, die ich in zwei eigens angefertigten Koffern versteckte. Man sollte nie die Koffer mit doppeltem Boden kaufen, die man auf jedem Flohmarkt in Südamerika bekommt: Diese Koffer kamen in den Achtzigerjahren aus der Mode. Ich ließ meine Koffer in England nach meinen eigenen Wünschen anfertigen. Sie kosteten mich viel Geld, aber die Investition lohnte sich.

Die Geheimfächer waren bei den Scharnieren im Kofferrücken versteckt. Die Wand war so dünn, dass niemand einen Hohlraum darin vermuten würde. Die Kokainplatten passten millimetergenau in die Fächer. Sollte ich durchsucht werden, so würden die Beamten damit beschäftigt sein, den Koffer auf der Suche nach einem hohlen Klang abzuklopfen, der auf einen doppelten Boden hindeutete. Sie würden nicht einmal auf die Idee kommen, dass die Ware im Kofferrücken versteckt sein könnte. Meine Koffer konnten nur einmal benutzt werden. Nachdem die Ware in das Fach gepresst und der Rücken festgeklebt worden war, konnte man nur an den Inhalt herankommen, indem man den Koffer aufbrach. Bevor sie meine Koffer zerstören konnten, mussten die Beamten vollkommen sicher sein, dass sie etwas finden würden.

Wie immer achtete ich sehr darauf, beim Hantieren mit der Ware und den Koffern keine Spuren zu hinterlassen. Ich arbeitete mit Gummihandschuhen und trug eine Duschhaube, damit keine Haare in die Fächer fielen. Nach getaner Arbeit warf ich die Kleidung weg, die ich beim Verpacken getragen hatte. Eine einzige Faser eines Pullovers genügt, um dich zu identifizieren.

Normalerweise verpackte und versteckte ich das Kokain so gut, dass ich keine Angst vor Entdeckung haben musste. Um ganz sicher zu sein, bestach ich zusätzlich noch Tito. Er brachte meine Koffer zum Flugzeug, sodass ich sie nicht am Schalter abgeben musste. Ich musste sie nicht einmal berühren. Wenn trotzdem etwas schiefging, würde er mir aus der Patsche helfen. Aber diesmal erschreckte Tito mich mit seinem Gerede über die yanquis und mit der Weigerung, mein Geld anzunehmen. Nachdem er mir das gesagt hatte, war ich überzeugt, dass die Hilfe eines Insiders nicht nur eine zusätzliche Vorsichtsmaßnahme, sondern eine absolute Notwendigkeit war.

»Es tut mir sehr leid, mein Freund«, wiederholte Tito. »Es ist zu gefährlich für uns beide. Die Amerikaner fangen mit ihrem neuen Drogengesetz Mil Ocho viele Leute.«

Er sah meinen Gesichtsausdruck, und ich wusste, dass es ihm leidtat. Er nahm einen großen Schluck von seinem Bier. Das tat Tito immer, wenn er eine Entscheidung fällen musste. Dann nickte er gedankenverloren und stellte das Glas auf den Tisch. Ich wusste, dass er einen Entschluss gefasst hatte. »In Ordnung, warte. Könnte eine Lösung geben. Du musst nach La Paz gehen.«

Er machte eine Pause. Ich wartete.

»Ich habe einen guten contacto dort. Er ist Coronel. Er ist Sicherheitschef am Flughafen El Alto. Guter amigo. Wir machen viele Geschäfte. Ich kann ihn anrufen. Er wird dir helfen. Ist gut, no

Ich zögerte. Ich arbeitete grundsätzlich nicht mit Unbekannten zusammen. Das war zu riskant. Und ich kannte die Flughafenanlage in La Paz nicht. Tatsächlich war ich dort noch nie gewesen. Aber ich hatte eigentlich keine Wahl. Wenn überall amerikanische Drogenfahnder herumliefen, war ich ohne die Hilfe eines Insiders aufgeschmissen.

»Wie viel müsste ich ihm zahlen?«

»Besser, du entscheidest selbst. So gibt es keine Probleme.«

Schließlich nickte ich zustimmend. Tito bemerkte, dass ich nicht beruhigt war. Er klopfte mir auf den Rücken.

»Tranquilo, Thomas.« Er schrieb die Telefonnummer des Offiziers auf die Rückseite einer seiner Visitenkarten. Er betrieb nebenbei mit seinem Bruder eine Autohandlung. »Ich rufe ihn heute Abend an. Er wird auf dich warten, wenn du ankommst.«

Tito hatte mich noch nie im Stich gelassen, und es war ein gutes Zeichen, dass er die Nummer des Offiziers auswendig wusste. Aber ich war immer noch nicht beruhigt. Er versuchte weiter, mir meine Sorgen zu nehmen. »Kein Problem, Thomas. No pasa nada. Das ist Bolivien. Okay?«

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Am Abend stieg ich in einen Bus nach La Paz. Die Fahrt in die Hauptstadt dauerte 17 Stunden. Die erste Etappe nach Cochabamba führte über eine mit Schlaglöchern übersäte unbefestigte Straße. In der Nacht hielten wir immer wieder an Kontrollposten des Militärs. An einem Checkpoint führten bewaffnete Soldaten Spürhunde durch den Bus und öffneten den Stauraum, um die Tiere am Gepäck schnuppern zu lassen. Ich stellte mich schlafend. Meine zerknüllten Gepäckscheine hatte ich in der Hosentasche stecken. Außer diesen Zetteln verband mich nichts mit den Koffern. Trotzdem befürchtete ich, die Hunde könnten meine Ware aufspüren – aber sie taten es nicht: Mein Kokain war perfekt verpackt.

Im Morgengrauen begann der Aufstieg nach La Paz, und der Bus quälte sich durch die Serpentinen in die Berge hinauf. Die Fenster beschlugen, und die anderen Passagiere holten ihre Decken hervor. Ich saß zitternd auf meinem Platz, bis wir kurz vor Mittag am Flughafen eintrafen.

La Paz war ein Schock für meinen Organismus. Abgesehen von der Kälte, machte mir die Höhenluft zu schaffen. Als ich aus dem Bus stieg, konnte ich nicht richtig atmen – die Luft enthielt einfach zu wenig Sauerstoff. Der Taxifahrer musste mir mit den Koffern helfen, denn ich hatte das Gefühl, jeden Augenblick ohnmächtig zu werden. La Paz war vollkommen anders als Santa Cruz, die Atmosphäre der beiden Städte war nicht vergleichbar. Santa Cruz breitet sich in einer Ebene aus. Auch im Geschäftszentrum sind die Gebäude an den breiten Straßen nur wenige Stockwerke hoch. In La Paz hingegen sind die von hohen Bürohäusern gesäumten, engen und gewundenen Straßen immer von Autos verstopft, und überall sind Werbetafeln. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, in Bolivien zu sein. Sogar die Menschen sahen anders aus und kleideten sich anders.

Ich nahm mir ein Zimmer in einem billigen Hotel an der Avenida Pando und ging zu einer Telefonzelle ein Stück die Straße hinunter, um den Coronel anzurufen. Er hatte meinen Anruf offenbar erwartet, denn er sprach Englisch.

»Hello?«

»Oh. Aló«, sagte ich. »Coronel Lanza, por favor?« Der Coronel erkannte meinen Akzent sofort.

»Ah, Mr Thomas. Nennen Sie mich bitte Mario. Wie geht es Ihnen?« Er hatte eine angenehme und klare Stimme.

»Ganz gut. Es geht mir gut, danke, Mario.«

Wir unterhielten uns kurz und vereinbarten, dass er mich um acht Uhr im Hotel abholen würde, damit wir gemeinsam etwas essen gehen konnten.

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Man kann bei der ersten Begegnung mit einem Menschen viel über ihn herausfinden. Lanza war mir auf Anhieb sympathisch, als er durch die Eingangstür kam und entschlossen ins Foyer marschierte, wo ich auf ihn wartete. Er war etwa 40 Jahre alt und von mittlerer Größe, hatte breite Schultern und trug eine legere Hose und ein Sakko über einem offenen Hemd.

»Guten Abend, Mr Thomas«, sagte er, wobei er mich direkt ansah und mir die Hand fest drückte. Ich hatte von einem Offizier ein forsches Auftreten erwartet, aber er war zugleich freundlich und außergewöhnlich höflich. Als wir zu seinem Geländewagen hinausgingen, kam er extra auf die Beifahrerseite herüber und öffnete mir die Tür.

»Und wie gefällt Ihnen La Paz, Mr Thomas?«, fragte er, als wir losfuhren. »Sehr kalt, nicht?«

Ich war nicht entspannt genug, um ihn darauf hinzuweisen, dass er meinen Vorund Nachnamen verwechselte.

»Furchtbar kalt«, sagte ich und sah ihn von der Seite an. Aus der Nähe sah ich, dass seine Wangen mit Aknenarben übersät waren und dass seine Mundwinkel absackten, wenn er aufhörte zu lächeln. Er bemerkte, dass ich ihn musterte, und warf mir einen Blick aus dem Augenwinkel zu. »Aber es ist eine hübsche Stadt«, sagte ich.

Während der Fahrt zum Restaurant sprachen wir hauptsächlich über Santa Cruz. Coronel Lanza stammte von dort. Er war mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern nach La Paz gezogen, als er dorthin versetzt worden war.

»Wie alt sind Ihre Kinder, Mario?«, fragte ich, um das Gespräch in Gang zu halten.

»Mario junior ist acht und Catalina sechs Jahre alt. Es sind wunderbare Kinder. Sie müssen sie kennenlernen.« Die Art und Weise, wie er über seine Kinder sprach, flößte mir Vertrauen ein. Wir sprachen auch über Tito, aber als wir im Restaurant an unserem Tisch Platz nahmen, schien uns der Gesprächsstoff ausgegangen zu sein.

»Möchten Sie ein Bier?«, fragte er, um das betretene Schweigen zu durchbrechen. Ich wollte eigentlich kein Bier, aber ich wollte ihn bei unserem ersten Treffen nicht vor den Kopf stoßen.

»Ja danke, sehr gerne.«

»Haben Sie schon einmal das Bier aus La Paz probiert? Es heißt Paceña.«

»Noch nicht.«

»Es ist ganz anders als das Bier in Santa Cruz. Sie werden sehen.«

Er hatte recht. Zunächst einmal war es unmöglich, es einzuschenken.

»Langsam«, warnte mich der Coronel, als er sah, dass sich das Glas mit Schaum füllte. »Es liegt an der Höhenlage.« Ich versuchte es erneut, indem ich das Glas fast waagerecht hielt, aber es funktionierte immer noch nicht.

Er nahm mir die Flasche aus der Hand, um mir zu zeigen, wie man es richtig machte. »Dieses Bier ist wie eine Frau«, erklärte er. »Man muss sehr nett zu ihm sein. Die Frauen von La Paz werden auch paceña genannt, wie das Bier. Man muss beide mit Respekt behandeln.«

Nach dem ersten Bier schien sich Lanza ein wenig zu entspannen. Aber ich hatte immer noch den Eindruck, dass er mir nicht wirklich vertraute. Er war höflich, aber vielleicht wollte er sich vergewissern, ob ich ein verdeckter amerikanischer Drogenfahnder war. Er stellte mir zahlreiche Fragen über England. Sein Misstrauen festigte mein Vertrauen zu ihm.

Nachdem es mir gelungen war, die nächste Runde Paceña einzugießen, stießen wir miteinander an und sagten gleichzeitig »Salud«. Ich war bereits ein wenig angeheitert.

»Das ist ein starkes Bier«, sagte ich.

»Ja, und auch hier wirkt sich die Höhenlage aus«, erklärte er. »Viele Leute sind gestorben, weil sie in ihrer ersten Nacht in La Paz zu viel getrunken und Kokain genommen haben.«

Zum ersten Mal war das Gespräch auf die Drogen gekommen, und Lanza ließ es wie eine beiläufige Erwähnung wirken. Aber ich wusste, dass er das Kokain erwähnt hatte, um mich auf die Probe zu stellen. Ich nahm einen kleinen Schluck von meinem Bier, reagierte jedoch nicht auf die Anspielung.

»Dann sollte ich es besser bei diesem Glas belassen«, sagte ich, als der kritische Augenblick verstrichen war. »Normalerweise trinke ich nicht bei Geschäftsbesprechungen.« Er zeigte ebenfalls keine Reaktion, und ich spürte, dass wir der Sache näher kamen.

Als die Kellnerin die Nachspeisen brachte, schlugen wir endlich den Bogen zum eigentlichen Grund für unser Treffen. Coronel Lanza war derjenige, der das Thema zur Sprache brachte.

»Ich habe gehört, dass Sie dringend einen Flug nehmen müssen.«

Ohne den Grund meiner Reise anzusprechen, vereinbarten wir, dass ich am übernächsten Tag fliegen würde. Als ich ihn fragte, wie ich mich für seine Unterstützung erkenntlich zeigen könne, verlangte er das Doppelte von dem, was ich Tito normalerweise bezahlte. Dieses Schmiergeld und die Flugkosten würden fast mein ganzes Bargeld verschlingen. Aber ich wollte nicht mit ihm feilschen, um Probleme zu vermeiden. Wir reichten einander die Hand und vereinbarten, dass ich ihn am nächsten Tag in seinem Haus besuchen würde, um seine Familie kennenzulernen.

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Der folgende Tag war ein Dienstag, und es war die halbe Stadt auf den Beinen. Es war Ostern, und die Leute gingen einkaufen. Ich ging in ein Reisebüro in der Hauptstraße, dem Paseo del Prado, und kaufte ein Apex-Ticket. Der Flug würde am Mittwoch um 7:15 Uhr morgens losgehen. Die Buchung konnte nicht geändert werden, und das Ticket war nicht stornierbar, aber es war der billigste Flug, den ich bekommen konnte. Nachdem das erledigt war, kehrte ich ins Hotel zurück und schluckte die 70 Gramm Kokain, die ich zu Kugeln gepresst hatte.

Der Coronel holte mich in seinem Geländewagen ab. Ich übergab ihm sofort das Geld. Wir hatten die Einzelheiten unserer Vereinbarung noch nicht besprochen, aber ich zahlte im Voraus, um ihm zu zeigen, dass ich ihm vertraute. Das gefiel Lanza.

»Es ist eine gute Idee, das Geschäftliche zuerst zu erledigen«, sagte er. »Dann können wir in Ruhe das Essen genießen, das meine Frau zubereiten wird.«

Auf dem Weg zu seinem Haus machten wir beim Markt halt, damit ich Nahrungsmittel kaufen konnte.

»Kommen Sie mit«, sagte er. »Ich zeige ihnen, wo die armen Leute billig einkaufen.«

Wir bahnten uns einen Weg durch das Gedränge auf dem Markt. Mit schweren Säcken beladene alte Männer liefen zwischen den winzigen Marktständen umher und riefen: »Permiso! Permiso!« Auf diesem Markt konnte man alles von Elektrogeräten bis zu fremdartigem Gemüse kaufen.

»Was ist das«, fragte ich, als ich eigenartiges Fleisch sah, das in einem Topf vor sich hinköchelte.

»Glauben Sie mir, das wollen Sie nicht wissen«, antwortete der Coronel. »Diese Leute sind Indianer. Sie sprechen Aymara und Ketschua. Diese Leute sind ungebildet, müssen Sie wissen.« Er deutete mit einer Armbewegung auf seine Umgebung und spuckte auf den Boden. »Wissen Sie, einige von denen können nicht einmal Spanisch.«

Ich kaufte Nahrungsmittel, und wir machten einen Rundgang über den Markt. Im Gehen unterhielten wir uns darüber, wie wir die Ware ins Flugzeug bringen würden. Coronel Lanza schlug vor, die Koffer am Abend im Hotel abzuholen. Er würde sie am Morgen zum Flughafen bringen und persönlich dafür sorgen, dass sie sicher an Bord kamen.

»Von da an gibt es kein Problem mehr«, sagte er. »Alles, was dann passiert, ist Ihr Problem. In Ordnung?«

Ich nickte. »In Ordnung, aber kann ich mit Sicherheit an Bord des Flugzeugs gehen, ohne die Koffer zu berühren?«

»Exacto. In Bolivien wird es kein Problem geben. Sie gehen an Bord und fliegen los, und was in Europa passiert, ist nicht mein Problem. Sie können nichts über mich sagen. Ich leugne alles.« Wir schüttelten einander die Hände.

Bevor wir zu Lanzas Auto zurückkehrten, kaufte ich eine Flasche Wein für seine Frau und ein Dreirad für jedes seiner Kinder.

»Das ist sehr nett von Ihnen, Mr Thomas«, sagte der Coronel und legte mir den Arm um die Schulter. »Meine Kinder werden Sie sehr mögen. Vielleicht besucht meine Familie Sie eines Tages in England.«

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Bolivien ist ein sehr armes Land, aber im Süden von La Paz, in der Zona Sur, wo Coronel Lanza wohnte, gab es offensichtlich Geld. Man konnte es fast riechen. Während wir in südlicher Richtung fuhren, wichen die schmutzigen, beengten Wohnblöcke im Stadtzentrum frisch gestrichenen Häusern, die von hohen Mauern umgeben waren und von privaten Sicherheitsleuten bewacht wurden, die in den begrünten Straßen patrouillierten. Die Autos waren neu, und der Verkehr floss ruhig auf den breiten Straßen. Sogar die Bewohner sahen anders aus. Hier gab es keine farbenfrohen indianischen Märkte. Ich sah nur Boutiquen und moderne Einkaufsstraßen, deren große Schaufenster österlich dekoriert waren. Die wenigen Menschen, die zu Fuß unterwegs waren, waren größer, dünner und hellhäutiger. Sie trugen importierte Jeans und modische Poloshirts internationaler Marken. Es war fast, als wäre ein kleines Stück der Vereinigten Staaten in die südamerikanischen Berge verpflanzt worden. Sogar die Sonne schien hier heller zu leuchten.

Wir trafen beim Haus von Coronel Lanza ein, das kleiner als die Residenzen seiner Nachbarn, aber geschmackvoll eingerichtet war. Ich verstand mich sehr gut mit seiner Familie. Seine Frau lernte ich nicht wirklich kennen, denn sie sprach kein Englisch und verbrachte die meiste Zeit in der Küche. Aber Mario junior und Catalina spielten den ganzen Nachmittag mit mir. Sie benahmen sich anfangs sehr gut – es war nicht zu übersehen, dass ihr Vater sie streng erzog. Nach dem Essen brachte ich ihnen bei, auf Englisch zu zählen, und wir spielten Fangen im kleinen Garten des Hauses. Coronel Lanza stand im Türrahmen und sah uns lachend zu.

»Sehen Sie? Die Kinder mögen Sie.«

Die Begegnung mit seiner Familie festigte unser gegenseitiges Vertrauen. Er schlug sogar vor, in Zukunft weitere Geschäfte miteinander zu machen.

Am Ende des Nachmittags kletterten die Kinder auf mir herum und kreischten vor Vergnügen.

»Basta!«, brüllte der Coronel plötzlich, als die kleine Catalina mit den Füßen auf das Sofa stieg. Ihre Lippen begannen zu zittern, und sie sah aus, als würde sie jeden Moment in Tränen ausbrechen. Zum Glück schritt ihre Mutter ein und schickte die Kinder hinaus in den Garten. Es trat eine betretene Stille ein, weder Lanza noch ich wussten, was wir sagen sollten.

»Noch eine Tasse Tee, Mr Thomas?«, fragte er. Er tat so, als wäre nichts geschehen. Er war fest davon überzeugt, dass Engländer sehr viel Tee tranken.

»Ja, vielen Dank.«

Durch das offene Fenster hörten wir Mario und Catalina jubeln, die vor dem Haus ihre neuen Dreiräder ausprobierten. Wir tranken drei weitere Tassen Tee. Der Coronel lächelte beim Anblick seiner Kinder, die in der Auffahrt umherradelten. Aber einmal bemerkte ich, dass er nicht mehr lächelte. Seine Mundwinkel fielen herunter, und ich sah, dass er seine Kinder mit einer Mischung aus Groll und Eifersucht ansah.

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Am Abend traf ich die letzten Vorkehrungen. Ich rief meine Käufer in Europa und anschließend meinen Kontaktmann beim Zoll auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle an. Ich würde die Koffer auf dem Gepäckkarussell liegen lassen. Da niemand sie beanspruchte, würden sie im Aufbewahrungsraum für verlorene Koffer landen. Mein Komplize beim Zoll hatte zwei identische Koffer, die er gegen meine austauschen würde. Dann musste er sie nur noch aus dem Flughafen herausbringen – was für einen Zollbeamten nicht allzu schwierig war.

Während ich auf Coronel Lanza wartete, der mein Gepäck zum Flughafen La Paz bringen würde, kontrollierte ich die Koffer ein letztes Mal und ging den Zeitplan für den folgenden Morgen durch.

Alles war sorgfältig geplant. Ich hatte bei der Rezeption einen Weckruf bestellt und mir zur Sicherheit auch noch meinen eigenen Wecker gestellt. Ich hatte die Zeit geschätzt, die ich für die Fahrt bis zum Flughafen brauchen würde, und noch etwas draufgeschlagen für den Fall, dass der Verkehr besonders stark sein würde. Offiziell mussten die Reisenden bei internationalen Flügen zwei Stunden vor dem Abflug am Flughafen sein. Aber ich hatte das Taxi, das mich abholen sollte, so bestellt, dass ich erst etwa 15 Minuten vor dem Abflug einchecken würde. Das war nicht so spät, dass ich Verdacht wecken würde, aber es würde dem Zoll nicht genügend Zeit für eine sorgfältige Durchsuchung geben. Ich hatte auch zwei gewerbliche Frisiermaschinen dabei – eine Dampfhaube und einen Haartrockner. Diese Geräte hatte ich in Paris für eine befreundete Friseuse in den Niederlanden gekauft, die einen eigenen Frisiersalon eröffnen wollte. Es war mühsam, die schweren und sperrigen Apparate auf Reisen mit mir herumzutragen, aber am Flughafen würden sie die Beamten ablenken. Wenn die Drogenpolizei Verdacht schöpfte, würde sie zuerst diese Maschinen untersuchen.

Der Abend zog sich in die Länge, und ich begann mir Sorgen zu machen: Der Coronel hatte immer noch nicht angerufen. Nach einer weiteren halben Stunde ging ich hinunter zur Telefonzelle und rief ihn zu Hause an. Niemand hob ab. Ich rief in seinem Büro an. Niemand meldete sich. Ich kehrte ins Hotel zurück und fragte den Angestellten an der Rezeption, ob in meiner Abwesenheit jemand für mich angerufen habe. Er schüttelte den Kopf. Nach einer weiteren halben Stunde ging ich erneut hinaus zu der Telefonzelle. Es meldete sich immer noch niemand. Um halb zwölf hörte ich, dass unten an der Rezeption das Telefon klingelte. Ich lief rasch hinunter. Es war für mich.

»Hallo?«

»Hallo, Mr Thomas. Es hat eine kleine Änderung am Plan gegeben. Nichts Wichtiges.«

Ich hörte mein Herz pochen, aber ich sagte kein Wort. Ich hoffte, dass es keine schlechten Nachrichten waren.

»Hören Sie mich? Mr Thomas?«

»Ja.«

»Wir müssen nur eine Sache ändern. Ich kann nicht kommen, um die Taschen zum Flughafen zu bringen. Aber jemand anderer kommt. Das ist doch egal, oder?«

»Was meinen Sie?«

»Es ist verdächtig, wenn ich mit zwei großen Taschen zur Arbeit erscheine. Es könnte mich jemand sehen.«

»Was sollen wir also tun?«

»Kein Problem. Sie bringen die Koffer einfach selbst zum Flughafen. Sie geben die Koffer am Schalter ab, steigen ins Flugzeug und fliegen nach Europa. Verstehen Sie?«

Als ich das hörte, wollte ich die Sache sofort abblasen. Es gefiel mir nicht, meine Pläne zu ändern. Aber ich saß in der Falle. Ich hatte den Stoff geschluckt und in Europa alles organisiert. Ich hatte den Coronel bezahlt. Ich hatte den Flug bezahlt und konnte nicht umbuchen.

»Mr Thomas, sind Sie noch dran?«

»Ja.«

»Sie verstehen, wie wir es machen?«

»Ja, ich verstehe.«

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In jener Nacht konnte ich kaum einschlafen. Ich war wütend auf Lanza. Warum bezahlte ich ihm so viel Geld, wenn er nicht einmal die Koffer an Bord bringen konnte?

Schließlich gelang es mir, mich zu beruhigen. Ich spielte alles noch einmal durch und gelangte zu dem Ergebnis, dass ich den Coronel eigentlich nicht brauchte, um die Koffer an Bord zu bringen.

Zunächst einmal wusste ich, dass ich das Kokain gut versiegelt und versteckt hatte. Aber selbst wenn die Drogenfahnder den Stoff fanden, gab es keine Verbindung zwischen mir und den Koffern. Auf den Etiketten der beiden Koffer stand ein falscher Name. Vorsichtshalber hatte ich die beiden Koffer außerdem mit Frauenkleidung gefüllt. Meine eigenen Sachen steckten in einem dritten Koffer, den ich ursprünglich getrennt aufgeben wollte und der keinerlei Ähnlichkeit mit den beiden anderen hatte. Außerdem hatte ich meine Aktentasche als Handgepäck dabei. Es würde nichts schiefgehen, aber wenn das Kokain doch entdeckt wurde, würde mir Coronel Lanza helfen, mich aus der Affäre zu ziehen. Ich wischte die Koffer noch einmal ab, um alle Fingerabdrücke zu entfernen, und legte mich wieder ins Bett.

Am Morgen spulte ich meine Routineabläufe ab. Ich duschte, schlüpfte in meine beste Kleidung, legte meine goldene Uhr an und steckte mir meinen Glücksbringer, den goldenen Ring, an den Finger. Ich richtete meine Frisur mit dem Föhn. Dann betrachtete ich mich lange Zeit im Spiegel. Als ich die Hupe des Taxis unten auf der Straße hörte, hatte ich vergessen, dass ich Kokain transportierte. Ich war ein erfolgreicher Geschäftsmann.