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Nr. 107

 

Murcons Vermächtnis

 

 

 

 

Pabel-Moewig Verlag GmbH, Rastatt

Klappentext

Anfang des Jahres 3587 nach Christus: Mit einer großen Raumflotte belagern die Loower das Solsystem und seine Planeten. Sie sind der Spur des mysteriösen »Auges« gefolgt, das vor langer Zeit dem Roboter Laire entwendet und auf der Erde verborgen worden ist. Es soll den Weg öffnen in die kosmischen Bereiche jenseits der Materiequellen.

 

Doch längst hat es der machtbesessene Mutant Boyt Margor an sich gebracht und verfolgt damit skrupellos seine eigenen Ziele. Nur zwei Wesen sind in der Lage, dem Mutanten zu folgen: der Helk Nistor, ein Roboter der Loower, und das Mädchen Baya Gheröl. Die beiden verschlägt es auf eine fremde Welt, wo sie zwischen die Fronten eines Überlebenskampfs geraten.

 

In der Zwischenzeit erscheinen überall auf der Erde geheimnisvolle Feuerkugeln. Und niemand kann verhindern, dass die Unbekannten Menschen entführen ...

Der Quellmeister

 

1.

 

 

Pankha-Skrin war ein ungewöhnlich groß und kräftig gebauter Loower. Sein nierenförmiger Körper wirkte sehr kompakt, was nicht zuletzt der zähen Lederhaut zuzuschreiben war, und die pergamentartigen, verkümmerten Flughäute schienen längst Patina angesetzt zu haben. Dennoch schimmerte ihr Knochengerüst extrem stark hervor.

Pankha-Skrin war alt. Die Zahl seiner Jahre hatte er längst vergessen. Als Quellmeister gehörte er zum höchsten Rang der loowerischen Hierarchie, mit einer wesentlich höheren Lebenserwartung als durchschnittliche Loower.

Unter dem Einfluss seiner intensiven Gedanken vibrierte das Skri-marton. Das »Quellhäuschen« war ein nicht mehr als fünf Zentimeter hohes halbkugelförmiges Organ auf der Rückseite des Wulstes, der den oberen Abschluss des Körpers bildete. Nur Quellmeister besaßen das Skri-marton, das erst im Lauf ihrer körperlichen Entwicklung entstand. Pankha-Skrin hatte es sich durch entelechisches Tiefendenken erworben, durch lange Perioden auf die Materiequelle gerichteter Meditation.

Die Aktivität des Skri-marton war das erste der drei Zeichen, an denen der Quellmeister erkannte, dass er sich in unmittelbarer Nähe seines Zieles befand. Jene Materiequelle, nach der sein Volk seit Jahrmillionen suchte, lag vor ihm.

Als er das heftiger werdende Pulsieren zum ersten Mal wahrgenommen hatte, hatte er sofort die Suche nach den anderen Hinweisen eingeleitet. Erst wenn alle drei Zeichen vorlagen, durfte er wirklich sicher sein, das Ziel erreicht zu haben.

Hochempfindliche Sensoren hielten nach den Signalen im Ultraspektrum des Gravitationsbereichs Ausschau, die in der Umgebung jeder aktiven Materiequelle existierten. Diese Hyperstrahlung war selbst für die hoch entwickelte Technik der Loower nur schwer zu erfassen.

Erst nach Wochen hielt der Quellmeister auch das zweite Zeichen für gesichert. Die Sensoren empfingen jeweils nur für Minuten jene schwachen Hypersignale, dann versanken sie wieder in Schweigen. Die Zeit zwischen zwei Aktivitätsperioden war dieselbe Spanne, die zwischen zwei Eruptionen der Signalfeuer in den loowerischen Neunturmanlagen verging: 23 Stunden und 18 Minuten nach terranischer Zeitrechnung.

Pankha-Skrin machte sich auf die Suche nach dem dritten Zeichen.

Der Wissenschaft der Loower war seit Langem bekannt, dass Materiequellen nur an Orten auftreten, an denen der Raum ungewöhnliche Eigenschaften hat, die nirgendwo sonst im Universum vorkommen. Die besten Spezialisten der Loower hatten Geräte entwickelt, mit denen sie diese ungewöhnlichen Eigenschaften bestimmen konnten. In der Umgebung der einen gesuchten Materiequelle wies der Raum genau bestimmte fremdartige Kriterien auf.

Pankha-Skrin verbrachte Monate, um diese Kriterien eines nach dem andern nachzuweisen.

Dann erst war er seiner Sache sicher.

Siebenunddreißig Raumschiffe umfasste die Kairaquola, die Flotte des Quellmeisters. Eines dieser Schiffe war die GONDERVOLD unter dem Befehl des Unterführers Burnetto-Kup. Der Quellmeister führte mit Burnetto-Kup, den er als seinen Stellvertreter betrachtete, das entscheidende Gespräch.

 

Die Messung der Eigenarten des Raumes wies den Weg. Die RIESTERBAAHL ließ die Kairaquola hinter sich zurück und stieß in die Unendlichkeit vor.

Die ersten Tage verbrachte Pankha-Skrin in Meditation. Sein Denken war mit aller Kraft auf die Materiequelle gerichtet, und seine Gedanken steuerten das Schiff, veranlassten es zu kurzen Transitionen, während das Quellhäuschen aktiver wurde.

Pankha-Skrin nahm von der Umgebung nichts wahr. Jeder Blick in die Weite des Alls hätte seine Versunkenheit gestört. Er verließ sich ausschließlich auf das Skri-marton.

Dann kam der entscheidende Augenblick. Die RIESTERBAAHL hatte eine Transition über nicht mehr als drei Lichtjahre vorgenommen. Unmittelbar danach spürte Pankha-Skrin, dass die Aktivität des Skri-marton leicht nachgelassen hatte. Er veranlasste sofort die Rückkehr an die Position vor dieser letzten Transition.

Insgeheim war er immer der Ansicht gewesen, dass es sogar eines vierten Zeichens bedürfe, das erst absolute Gewissheit geben konnte. Ihm war bekannt, dass sich in der Nähe der gesuchten Materiequelle die Burgen der Mächtigen befanden. Erst wenn er eine Spur dieser Burgen fand, konnte er seiner Sache wirklich sicher sein.

Doch die Kosmischen Burgen wurden von den Messinstrumenten nicht erfasst. Und ausschlaggebend für die Aufgabe des Quellmeisters waren ohnehin nur die drei überlieferten Signale. Sie hatte Pankha-Skrin nachgewiesen. Und das bedeutete, dass er die Quelle gefunden hatte.

Die RIESTERBAAHL kehrte zur Kairaquola zurück. Der Quellmeister ließ einen Funkspruch auf sechsdimensionaler Basis senden, der allen Loowern verkündete, dass er die seit unendlich langer Zeit gesuchte Materiequelle gefunden hatte.

Pankha-Skrin war sich darüber im Klaren, dass Jahre vergehen würden, bis alle Vorbereitungen abgeschlossen waren. Er ging mit der Kairaquola auf Warteposition im Leerraum abseits einer Gruppe von Galaxien.

 

Nach zwei Jahren irdischer Zeitrechnung unternahm der Quellmeister einen weiteren Vorstoß. Er wollte die Kosmischen Burgen ausfindig machen.

Die drei Zeichen für die Existenz der Materiequelle waren nach wie vor vorhanden. Dass sie optisch nicht wahrzunehmen war, störte Pankha-Skrin nicht. Die Materiequelle produzierte Hyperbarieströme, die allen herkömmlichen Sinnen verborgen blieben.

Pankha-Skrin war erregt. Er versuchte, seinen Zustand durch entelechische Disziplin zu normalisieren, aber das war nicht einfach angesichts der Hoffnung, vielleicht schon in den nächsten Minuten eine oder mehrere der Kosmischen Burgen zu erblicken. In ihnen hatte die letzte Generation der Mächtigen gelebt, unter ihnen legendäre Helden wie Kemoauc, Ganerc und Murcon.

Doch die Anzeigen der hypersensitiven Messgeräte blieben stumm, sooft er sie aktivierte.

Pankha-Skrin hatte die Materiequelle gefunden, nach der sein Volk seit Jahrmillionen suchte. Trotzdem verweigerten sich ihm die Kosmischen Burgen, die sich in der Nähe der Quelle befinden mussten.

Der Quellmeister versank in einen Zustand der Verzweiflung, den er nie zuvor gekannt hatte. Er suchte die Burgen nicht um ihrer selbst willen. Beim Sturm auf die Materiequelle würden die Loower als Spür- und Warngerät das Auge einsetzen müssen, das in einer fernen Galaxis verborgen worden war. Ihm allein war bekannt, dass dieses Auge noch der Vervollständigung bedurfte. Die benötigten Teile waren nach der Überlieferung in den Kosmischen Burgen zu finden.

Das Skri-marton pochte seit Tagen heftiger. Es erinnerte Pankha-Skrin an seine Verantwortung. Die Fähigkeiten des Quellmeisters bedeuteten eines der wichtigsten Besitztümer der Loower. Er durfte sich nicht zu lange den Gefahren aussetzen, die von der Materiequelle ausgingen. Pankha-Skrin hörte wieder auf sein entelechisches Denken und gab den Befehl, zur Kairaquola zurückzufliegen.

 

Burnetto-Kup hatte seinen Platz im Kommandostand der GONDERVOLD nicht verlassen, seitdem die RIESTERBAAHL auf die Reise gegangen war. Er nahm weder Nahrung zu sich, noch gönnte er sich Ruhe. Seine Gedanken waren bei dem Quellmeister, und seine Wünsche waren ein ununterbrochener Strom von Gebeten, die flehten, Pankha-Skrin möge den Standort der Kosmischen Burgen enthüllen.

Wer Burnetto-Kup hinter den Kontrollen sitzen sah, der spürte, dass hier ein neuer Anführer heranwuchs. Der junge Kommandant der GONDERVOLD war unbeirrbar in der entelechischen Meditation und immun gegen die Gefühle des Körpers, der nach Nahrung und Ruhe verlangte.

Am Ende der zweiten Woche tauchte die RIESTERBAAHL wieder auf.

Burnetto-Kup war nicht anzusehen, dass er das Schiff des Quellmeisters überhaupt bemerkte. Unbewegt saß er vor der Konsole. Man hätte annehmen können, er schlafe, wäre nicht das leise Spielen der Sensorfäden seines Organwulstes gewesen, die durch ihre Bewegung verrieten, dass der junge Kommandant hellwach war.

Erst als ein Holoschirm aufleuchtete, richtete sich Burnetto-Kup auf. Der entscheidende Augenblick war gekommen. Jeder in der Weite des ovalen Kommandostands erwartete, das Symbol des Quellmeisters zu sehen – oder besser noch: Pankha-Skrin selbst. Wenn er die Materiequelle gefunden hatte, war dies von größter Bedeutung.

Aber nur Pleuran-Valt, ältester Bootsführer an Bord der RIESTERBAAHL, erschien in der Wiedergabe. Und was er zu sagen hatte, war bar allen historischen Gewichts.

»Geht auf Kurs vier und achtet auf das Startsignal! Pulsationsflug mit Kurs-4-Frequenz!«

 

Unbewegt, als wäre er eine Maschine, führte Burnetto-Kup den Befehl aus. Er schuldete Pleuran-Valt keinen Gehorsam, aber es wäre unerhört gewesen, hätte ein Kommandant der Kairaquola einen Befehl zurückgewiesen, der von der RIESTERBAAHL kam. Alle dort dachten und handelten in dem Rhythmus, den der Quellmeister vorgab.

Kurs 4 war eine Sammlung im Bordrechner gespeicherter Daten. Sie bestanden nicht nur aus Richtungs- und Sprungkoordinaten, sondern enthielten darüber hinaus Informationen, wie der Flug durchgeführt werden sollte. Loowerische Raumschiffe überwanden interstellare Distanzen mithilfe von Sofort-Transitionen, vergleichbar dem Sprung durch einen Transmitter. Größere Distanzen wurden mit einer Serie rasch aufeinanderfolgender Transitionen bewältigt, dem Pulsationsflug. Die Datenmenge mit dem Namen Kurs 4 enthielt unter anderem die Pulsationsfrequenz sowie die Zahl der Pulsationen, die letztlich die Gesamtentfernung bestimmte.

Die Kairaquola setzte sich in Bewegung.

Viele seiner Besatzung, das wusste Burnetto-Kup, hingen trüben Gedanken nach. Das Verhalten des Quellmeisters deutete darauf hin, dass Pankha-Skrin trotz aller drei Zeichen die Materiequelle nicht gefunden hatte.

Burnetto-Kup fühlte ebenfalls Enttäuschung in sich aufsteigen. Er verließ den Kommandoraum, um zu seinem Quartier zurückzukehren.

 

Der Pulsationsflug hatte die Flotte in eine fremde Galaxis geführt.

Burnetto-Kup rief den Kommandostand an und erfuhr, dass von der RIESTERBAAHL keine neue Anweisung vorlag. Da wusste er, dass die Zeit des Handelns gekommen war.

Im Notfall hätte er die GONDERVOLD von seinem Quartier aus steuern können. Er nahm einen der Kommunikationsmechanismen in Betrieb und rief den Kommandostand der RAINAMUUR. Das Schwesterschiff wurde von Basir-Fronth befehligt, der mit Burnetto-Kup und einem weiteren Loower namens Kerm-Tzakor die erste Garde der Kommandanten der Kairaquola bildete.

Die Verbindung kam rasch zustande.

»Ich sehe dir an, dass du ähnliche Sorge empfindest wie ich«, eröffnete Burnetto-Kup die Unterhaltung.

»Mehr noch als das, mein Freund«, erwiderte Basir-Fronth. »Ich habe deinen Anruf erwartet und mich bereits mit Kerm-Tzakor in Verbindung gesetzt. Erlaube, dass ich ihn in unser Gespräch einbeziehe.«

Burnetto-Kup stimmte zu. Basir-Fronths Abbild rückte nach links, neben ihm erschien Kerm-Tzakor.

»Wir wissen alle, was uns bedrückt«, begann Burnetto-Kup. »Hat Pankha-Skrin die Kosmischen Burgen gefunden oder nicht? Warum hält er sich uns gegenüber verschlossen?«

»Keiner von uns weiß die Antwort«, sagte Kerm-Tzakor. »Die Angelegenheit ist umso unverständlicher, als Pankha-Skrin die Materiequelle bereits gefunden hat. Das steht außer Zweifel. Die Kosmischen Burgen wären nur noch ein Zusatz.«

»Was suchen wir in dieser fremden Galaxis?«, meldete sich Basir-Fronth zu Wort. »Ich habe mir die Daten des Kurses 4 angesehen. Wir haben während des Pulsationsflugs mehr als zweitausend Transitionen absolviert mit einer Gesamtdistanz von zehn Millionen Lichtjahren. Was wollen wir hier, und warum bewegen wir uns seit Stunden nur mehr mit geringer Geschwindigkeit? Gibt es in dieser Galaxis keine Intelligenzen, die uns gefährlich werden können?«

»Hat einer von euch versucht, mit der RIESTERBAAHL zu sprechen?«, erkundigte sich Burnetto-Kup.

»Ich habe ein Rufsignal geschickt«, antwortete Kerm-Tzakor.

»Das Signal geht an den Quellmeister«, sagte Burnetto-Kup zögernd. »Es ist damit zu rechnen, dass die Antwort ausbleibt.«

Grimmig machte Kerm-Tzakor eine Geste der Bestätigung.

»Ich versuche es ebenfalls«, entschied Burnetto-Kup. »Wir müssen irgendwie zu Pankha-Skrin durchdringen. Ich setze euch in Kenntnis, welches Resultat ich erzielt habe.«

Es gab keinen Widerspruch.

 

Pleuran-Valt war sehr alt. Es ging das Gerücht, er habe sich so lange in der Nähe des Quellmeisters aufgehalten, dass ein Abglanz von dessen Langlebigkeit auf ihn übergesprungen sei. Pleuran-Valt war nach Pankha-Skrin der Ranghöchste an Bord der RIESTERBAAHL.

»Ich fürchte, ich kann dir nicht helfen, Burnetto-Kup«, sagte er mit trauriger Stimme. »Ich weiß nicht, warum der Quellmeister dieses seltsame Verhalten an den Tag legt. Er hat Anweisung erteilt, dass er nicht gestört werden darf. Die Kairaquola soll in der gegenwärtigen Formation weiterfliegen. Niemand von einem der anderen Schiffe darf an Bord der RIESTERBAAHL kommen.«

»Diese Anweisung hast du selbst von ihm erhalten?« Burnetto-Kup war erstaunt.

»Der Helk Nistor hat mir die Wünsche des Weisen kundgetan.«

Der Helk galt als enger Vertrauter des Quellmeisters. Er war einer jener aus selbstständigen Einheiten zusammengesetzten Roboter, deren sich die loowerische Technik so gern bediente.

»Kann man mit Nistor sprechen?«

»Ich fürchte, nein«, antwortete Pleuran-Valt. »Er hat sich in die inneren Schiffsregionen zurückgezogen und wartet auf eine Äußerung seines Meisters.«

»Hältst du es für möglich, dass dem Quellmeister etwas zugestoßen ist?« Die Frage kam Burnetto-Kup keineswegs leicht über die Lippen.

Zu seiner Erleichterung reagierte Pleuran-Valt mit einem Lächeln. »Zugestoßen ist dem Weisen nichts. Wir sehen ihn nicht, und er spricht nicht zu uns. Aber wir wissen, dass er wohlauf ist. Sein Wesen erfüllt das Schiff. Was Pankha-Skrin in diesen Stunden denkt und plant, ist für das Wohl unseres großen Volkes.«

»Das ist unsere Hoffnung«, sagte Burnetto-Kup formelhaft.

»Nein, das ist unsere Gewissheit!«, verbesserte Pleuran-Valt.

 

Zur gleichen Zeit spielten sich weit entfernt Ereignisse ab, die in ebenso unmittelbarem wie unheilvollem Zusammenhang mit der Flotte des Quellmeisters standen.

Auf einer riesigen Plattform, die wie eine Ebene auf der Oberfläche eines Planeten wirkte, standen zwei Wesen. Sie starrten in die mit nur einer Handvoll Sternen durchsetzte Schwärze des Alls hinaus. Das rückwärtige Ende der Plattform war in einem Gebilde verankert, dessen Konturen hoch über die Ebene hinausragten. Von ihrem Standort aus konnten beide Wesen dunkle Massen aus Gestein oder Metall sehen, die sich über der Plattform auftürmten. An den Vorsprüngen und Erkern waren hier und da Leuchtkörper angebracht, die auf der Plattform einen fahlen Widerschein erzeugten.

Die beiden Wesen waren humanoid. Eines von ihnen, ein Riese an Gestalt, trug ein fließendes, bis zum Boden reichendes Gewand, das in allen Farben des Spektrums schillerte. Der Mann maß gut zwei Meter; aber noch beeindruckender als seine Größe war seine Körpermasse. Der kurze, dicke Hals trug einen mächtigen Schädel mit dichtem Haarwuchs. Dutzende kleine Zöpfe umgaben die Schädeldecke wie Stacheln einen Igel. Dieser Riese hatte drei Arme, von denen einer aus dem linken und zwei aus dem rechten Schultergelenk wuchsen. Noch verwirrender aber wirkte der Umstand, dass seine beiden Augen unterschiedlich groß waren. Das rechte hatte die Größe einer Kinderfaust und schien kaum in die angestammte Höhle zu passen. Das linke besaß normale Größe. Beide Augen waren verschieden gefärbt, was jedoch in der matten Helligkeit auf der Plattform kaum zur Geltung kam, und sie konnten unabhängig voneinander bewegt werden.

Das war Vajlan, der Höchste in der Bruderschaft der Techno-Spürer, auch der Oberbruder geheißen.

Im Vergleich zu Vajlan war sein Begleiter fast ein Zwerg. Er war kaum anderthalb Meter groß und hatte endlos dürre Beine. Sein Oberkörper war schmächtig, der Schädel haarlos und die Gesichtshaut so straff, dass die Wangenknochen scharf hervorstachen. Abgesehen von seiner unproportionierten Gestalt war dieses Wesen jedoch völlig menschlich. Es hatte keinen Arm zu viel, und beide Augen waren gleich groß.

Der Zwerg war Ochridon, einer der vier Adjutanten des Oberbruders, die man auch Nächstbrüder nannte.

Die Aufmerksamkeit der beiden Männer war in den Weltraum gerichtet. Vajlan, der trotz seiner eigenartigen Sehorgane über einen ungemein scharfen Gesichtssinn verfügte, hatte vor wenigen Sekunden zwei Schatten bemerkt. Sie näherten sich der Plattform, und schon jetzt wurde offenbar, dass sie von nahezu gigantischen Ausmaßen sein mussten. Schließlich gerieten sie in den fahlen Lichtkreis – zwei gewaltige Konstruktionen.

»Graue Boten!«, flüsterte Ochridon ehrfurchtsvoll.

Beide Raumschiffe landeten etliche Kilometer von den Männern entfernt am Rand der Ebene. Kurz vor der Landung gaben sie ein leises Summen von sich. Die grauen Hüllen wurden sekundenlang in ein bläuliches Leuchten getaucht – Auswirkung eines Feldtriebwerks, das bei der Landung eingesetzt wurde.

Die Fahrzeuge waren oval, mit einer Länge von jeweils mehr als fünfhundert Metern. Sie setzten nicht auf der Ebene auf, vielmehr trennten mehrere Meter die grauen Schiffsleiber von der metallenen Plattform. Das Summen wurde lediglich schwächer, ein Zeichen, dass die Fahrzeuge von ihren Feldaggregaten in der Schwebe gehalten wurden.

Ochridon musterte den Oberbruder auffordernd. »Gehen wir hin?«, fragte er. Vajlan machte eine zustimmende Geste.

Unweit der beiden Techno-Spürer stand ein kleines scheibenförmiges Fahrzeug. Vajlan selbst dirigierte die Scheibe dem am nächsten liegenden Raumschiff entgegen. Als sich in der Seite des Raumriesen eine Luke öffnete, landete er in dem hell erleuchteten Hangar. Dort stieg er aus.

»Du weißt, was du zu tun hast«, sagte er zu Ochridon.

»Ich weiß es«, versicherte der Nächstbruder würdevoll.

»Wenn du fertig bist, komm hierher zurück!«

Ochridon übernahm nun die Kontrollen des kleinen Fahrzeugs und dirigierte es zurück ins Freie. Das Luk schloss sich gleich darauf selbsttätig.

Vajlan betrat das große Sternenschiff.

Erst viele Stunden später trafen die beiden Techno-Spürer wieder zusammen. Vajlan befand sich schon wieder in dem Hangar, als Ochridon kam. Der Zwerg sprang mit einem hastigen Satz über den Rand der Scheibe hinweg, kaum dass sie zur Ruhe gekommen war.

»Hast du es auch erfahren?«, rief er aufgeregt.

»Eine Gruppe der Grauen Boten hat ein verdächtiges Fahrzeug in unmittelbarer Nähe der Grenze zwischen dem Seinsraum und dem Nirgendraum entdeckt«, bestätigte Vajlan.

Ochridon vergaß über seiner Begeisterung ein wenig die Ehrfurcht, die er dem Oberbruder schuldig war. »Ist das alles, was du aus den Aufzeichnungen erfahren hast?«, rief er fast übermütig. »Da habe ich wesentlich mehr gefunden!«

Vajlan hatte Verständnis für die Aufregung des Kleinen. Er lächelte gutmütig, wobei sein rechtes Auge eine irisierende grünliche Färbung annahm, während das linke Auge blau leuchtete.

»Wahrscheinlich haben wir beide dasselbe gefunden«, sagte er. »Die Aufzeichnungsgeräte der Grauen Boten sind sehr zuverlässig. Aber sprich du zuerst!«

»Die Grauen Boten handelten auftragsgemäß«, stieß Ochridon begeistert hervor. »Sie setzten behutsam zur Verfolgung an. Sie beobachteten, wie das verdächtige Fahrzeug sich unweit der Stelle, an der es zum ersten Mal gesehen worden war, mit einem Verband gleichartiger Fahrzeuge vereinte. Der gesamte Verband setzte sich danach in Bewegung, wobei er ein übergeordnetes Transportmedium benützte. Die Grauen Boten haben jedoch die Spur aufgenommen und folgen ihr. Sie haben diese beiden Fahrzeuge gesandt, um uns über die Vorgänge zu informieren.«

Vajlans Blick wurde düster. »Diese beiden und vielleicht noch viel mehr«, brummte er. »Es kehren nicht alle Grauen Boten zurück, die wir aussenden.«

»Das mag ja sein.« Ochridon seufzte. »Aber die Hauptsache ist doch, dass die Grauen Boten einen Gastwirt verfolgen – oder nicht?«

»Glaubst du wirklich, dass wir einen Gastwirt gefunden haben?« Vajlans Blick ruhte sorgenvoll auf der zierlichen Gestalt des Nächstbruders.

»Warum denn nicht?«, rief Ochridon. »Wer sonst als ein Gastwirt würde sich in die Nähe der Grenze zwischen dem Seins- und dem Nirgendraum begeben?«

»Ich hoffe, du hast recht.« Vajlan stieg langsam in die Scheibe. »Lass uns zurückkehren. An Bord eines Grauen Boten wird mir immer unheimlich zumute.«

Ochridon steuerte das kleine Fahrzeug aus der Schleuse hinaus. Noch während sich die Scheibe mit mittelmäßiger Fahrt über die stählerne Ebene bewegte, hoben beide Raumschiffe ab, einer Programmierung gehorchend, von der selbst der Oberbruder nur eine verschwommene Vorstellung hatte.

Ochridon steuerte die Scheibe in den Hintergrund der Plattform. Sie drang ins Innere des gewaltigen Gebildes ein, das die Techno-Spürer und ihre Artgenossen »das Große Gasthaus« nannten.

»Weißt du eigentlich, was ein übergeordnetes Transportmedium ist?«, fragte Vajlan jäh.

 

Etliche Tage waren vergangen. Die Kairaquola trieb mit mäßiger Geschwindigkeit durch den Raum.

Das Schweigen des Quellmeisters zwang Burnetto-Kup zu schwerwiegenden Überlegungen. Schließlich konfrontierte er Kerm-Tzakor und Basir-Fronth mit der Überlegung, die ihn zutiefst aufwühlte. Womöglich hatte es an Bord der RIESTERBAAHL eine Meuterei gegeben.

»Das kann ich nicht glauben!«, versicherten beide Kommandanten wie aus einem Mund.

»Es ist eine Möglichkeit, die wir in Erwägung ziehen müssen.«

»Ich weigere mich!«, erklärte Basir-Fronth hart. »Schon solche Gedanken widersprechen der Würde eines Kommandanten.«

»Es kann einfach nicht geschehen«, sagte Kerm-Tzakor.

»Dann erklärt mir, warum Pankha-Skrin sich nicht meldet!«, forderte Burnetto-Kup. Seine Gesprächspartner blickten betreten vor sich hin.

»Was schlägst du vor?«, wollte Basir-Fronth schließlich wissen.

»Jemand muss an Bord der RIESTERBAAHL gehen und herausfinden, was wirklich geschehen ist.«

»Das ist undenkbar!«, stieß Kerm-Tzakor hervor. »Der Quellmeister hat untersagt, dass jemand an Bord seines Schiffes kommt!«

»Das wissen wir nur von Pleuran-Valt«, hielt Burnetto-Kup ihm entgegen. »Pankha-Skrin selbst hat kein einziges Wort gesprochen. – Ich will euch beiden die Sache leicht machen, denn in dieser Lage muss jeder von uns einen Beitrag leisten. Ich bin bereit, an Bord der RIESTERBAAHL zu gehen.«

Die Kommandanten musterten ihn erstaunt.

»Falls sich herausstellt, dass du wirklich gegen eine Anweisung des Quellmeisters verstößt, ist deine Laufbahn beendet«, stellte Basir-Fronth fest.

»Das Risiko nehme ich auf mich. Aber ich sagte, jeder von uns muss einen Beitrag leisten. Basir, dein Schiff ist mit den meisten Beibooten ausgestattet. Sie müssen außerhalb unserer Ortungsreichweite in Position gehen und uns warnen, sobald sie Verdächtiges bemerken.«

Basir-Fronth erklärte sich ohne Zögern einverstanden. Es verstieß nicht gegen die Entelechie, wenn man in einer außergewöhnlichen Lage auch ohne die Anweisung des Quellmeisters zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen traf.

»Was hast du mir zugedacht?«, fragte Kerm-Tzakor.

»Ich möchte, dass du Planspiele durchrechnest. Vielleicht finden wir auf diese Weise heraus, was Pankha-Skrin zugestoßen sein kann, als er von der Flotte getrennt war.«

»Das habe ich bereits getan. Die Rechner behaupten, dem Quellmeister sei nichts Ungewöhnliches widerfahren.«

»Unternimm denselben Versuch noch einmal!«, verlangte Burnetto-Kup. »Aber diesmal gib den Rechnern die Möglichkeit, sich unbehindert zu betätigen Schalte den entelechischen Logik-Restriktor aus!«

 

Während jedermann an Bord der GONDERVOLD ihn in seinem Quartier vermutete, bewegte sich Burnetto-Kup auf wenig begangenen Wegen zu einem der Kleinboot-Hangars. Er setzte eines der Einmannfahrzeuge in Betrieb.

Vorerst würde ihn niemand entdecken. Die loowerische Mentalität sah nicht vor, dass die Schotten des eigenen Fahrzeugs überwacht werden mussten – es sei denn, ein Gegner befand sich an Bord. Ebenso gewiss war es, dass an Bord der RIESTERBAAHL kein Ortergerät auf die Kairaquola selbst gerichtet war. Burnetto-Kup durfte sich sicher fühlen, bis er das Schiff des Quellmeisters erreicht hatte.

Wie alle loowerischen Raumschiffe hatte die RIESTERBAAHL Kegelform. Mit achthundert Metern Länge entsprach sie dem Idealmaß für loowerische Großraumschiffe. Die Kreisfläche der Basis durchmaß knapp dreihundert Meter. Das Schiff des Quellmeisters war, ein Kennzeichen seines hohen Alters, weniger spitzkegelig als die übrigen Einheiten der Kairaquola.

Oberhalb der Kegelbasis befanden sich die Triebwerksräume. Darüber lagen die Kommandodecks und der Kommandostand. Im vorderen Schiffsteil befanden sich die technisch-wissenschaftlichen Anlagen. Die RIESTERBAAHL brauchte sie für die Suche nach der Materiequelle. Irgendwo dazwischen lag das ausgedehnte Quartier des Quellmeisters.

Burnetto-Kup ließ das kleine Einmannboot dicht an der Hülle des Quellmeisterschiffs bis in unmittelbare Bugnähe treiben. Dort fand er eine kleine Hangarschleuse, die sich mühelos öffnen ließ. Er gab sich keinem Zweifel darüber hin, dass sein Verhalten durch keinen Aspekt der entelechischen Ethik gerechtfertigt werden konnte. Sein Tun entsprang der Ungewissheit, ob der Quellmeister noch in der Lage sei, seine Aufgabe zu versehen.

 

Basir-Fronth hatte vierundsechzig kleine und unbemannte Einheiten der RAINAMUUR ausgeschleust. Diese Robotschiffe waren ebenso wie die großen Fahrzeuge mit Transitionstriebwerken ausgestattet, die im Pulsationsverfahren arbeiteten. Sobald sie den Umkreis der Kairaquola verließen, konnten sie von allen Schiffen der Flotte geortet werden.

Doch es kam keine Anfrage. Als einer der Robotorter nach dem anderen durch ein Signal anzeigte, dass die vorgeschriebene Position erreicht war, begann Basir-Fronth allmählich, sich zu entspannen.

Mittlerweile war an Bord der CENCENAIRE auch Kerm-Tzakor aktiv geworden. Er hatte sich aus dem Kommandostand zurückgezogen und war in einen Rechenraum gegangen, der von niemandem benutzt werden konnte, der einen geringeren Rang als Unterkommandant innehatte. Es bedurfte der entelechischen Reife eines höheren Grades, mit einem Rechner umzugehen, der nicht den Restriktionen entelechischen Denkens unterworfen war.

So sehr waren die Loower ihrer Philosophie und Denkweise verhaftet, dass sie die Umgehung der Entelechie durch einen Rechner nur dann zuließen, wenn sich der Rechner an Bord eines Schiffes befand, das zu einer Quellmeisterflotte gehörte und aktiv an der Suche nach der Materiequelle beteiligt war. Solche Rechner waren mit einem Schalter ausgestattet, durch den das Zusatzgerät, der entelechische Logik-Restriktor, überbrückt werden konnte.

Kerm-Tzakor war es nicht eben wohl zumute, aber er erinnerte sich Burnetto-Kups drängender Worte. Wenn der Kairaquola tatsächlich Gefahr drohte und diese von einer nicht entelechischen Quelle ausging, dann konnte nur ein von allen Restriktionen befreiter Rechner die Hintergründe der Lage analysieren.

2.

 

 

Am Anfang hatte Pankha-Skrin geglaubt, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich seine innere Unruhe wieder legte und er die Kraft finden würde, eine Erklärung abzugeben. Doch sein Zustand wurde schlimmer. Er fühlte sich schwach. Hinzu kam die Unruhe, weil er wusste, dass die Besatzungen der siebenunddreißig Raumschiffe auf seine Erklärung warteten.

Es war nicht oft vorgekommen, dass er sich hilflos fühlte. Deshalb rief er das einzige Wesen zu sich, von dem er sich in dieser Situation Hilfe versprach: den Helk Nistor.

Nistor war eine Spezialanfertigung für die Quellmeisterflotte, ein klobiges Gebilde in Walzenform, beachtliche siebzehn Meter lang und sechseinhalb Meter durchmessend. Eine Vielzahl von Auswüchsen und Einbuchtungen strukturierte seine Oberfläche als Zeichen immer neuer Umbauten und Verbesserungen.

Nistor bestand aus neun Segmenten, von denen jedes autark denken und handeln konnte. Er war ein Vielzweckroboter, jedes Segment sogar mit einem Ferntriebwerk ausgestattet.

Pankha-Skrin begegnete dem Helk in der äußeren Halle seines Quartiers. Er machte es sich in einem einfachen Sessel bequem.

»Ich bin machtlos, Nistor«, sagte er. »Fremde Kräfte haben sich meines Bewusstseins bemächtigt. Ich kann nicht mehr so denken, wie es von einem Quellmeister gefordert wird.«

»Das habe ich bereits erkannt«, antwortete Nistor durchaus wohlklingend. »Es gibt keinen Zweifel daran, dass du mit einem fremden Einfluss zusammengeraten bist, dessen Wirkung anhält.«

»Du hältst meinen Zustand nicht nur für Enttäuschung?«

»Enttäuschung darüber, dass du die Kosmischen Burgen nicht gefunden hast, die du als letzten Beweis für die Nähe der Materiequelle ansiehst? Sie ist sicherlich ein Teil der Ursache, aber nicht mehr.«

»Warum habe ich die Burgen nicht gefunden?«

»Wer sagt, dass die Kosmischen Burgen in der Nähe der Quelle sein müssen?«, lautete Nistors Gegenfrage.

»Die Weisheit der Alten.«

»Wissen die Burgen, dass so von ihnen gesprochen wurde? Die Alten könnten sich getäuscht haben.«

»Das ist verbotenes Denken!«, protestierte der Quellmeister.

»Eben weil ich verboten denken kann, suchst du meinen Rat, sobald du nicht mehr weiterweißt«, sagte der Helk respektlos.

Pankha-Skrin dachte lange nach. »Ist das die einzige denkbare Erklärung?«, wollte er schließlich wissen.

»Selbstverständlich nicht. Wer immer der Besitzer der Burgen sein mag, er kann Maßnahmen getroffen haben, sie effektiv zu verbergen. Uns selbst sind solche Methoden bekannt.«

»Das ist richtig«, gestand der Quellmeister ein. »Du weißt, dass die Burgen eine besondere Funktion haben?«

»Sie bergen Zusatzgeräte, die für die uneingeschränkte Funktionsfähigkeit des Auges wichtig sind.«

»Ich rechne jederzeit mit dem Peilsignal, das mir den Ort nennt, an dem das Auge verborgen wurde. Was soll ich mit dem Auge anfangen, solange ich die Zusatzgeräte nicht holen kann?«

»Dein Denken bewegt sich in die falsche Richtung«, tadelte Nistor. »Du versuchst, eine Lösung für das Dilemma zu finden, bevor du dessen Ursache erkannt hast.«

»Du kennst die Ursache?«

»Vielleicht einige ihrer Aspekte«, antwortete Nistor vorsichtig. »Ich sagte bereits, dass ich deine Unruhe als das Resultat einer fremden Beeinflussung sehe. Sie kann nur von den Kosmischen Burgen kommen. Ich habe mit meinen Sensoren Nachforschungen angestellt und ein höchst merkwürdiges Ergebnis bekommen. – Du wirst verfolgt. Quellmeister!«

 

»Verfolgt?«, wiederholte Pankha-Skrin bestürzt. »Von wem?«

»Eine Flotte aus zahlreichen Schiffen hat deine Spur aufgenommen. Es handelt sich nach meiner Ansicht um technisch nahezu vollendete Fahrzeuge. Ich glaube nicht, dass sie sich durch den Pulsationsflug haben abschütteln lassen.«

»Was können sie wollen?«

»Ich weiß es nicht. Aber wir müssen bedenken, von welchem Ort sie kamen.«

»Aus der Nähe der Materiequelle? – Die Mächtigen von jenseits der Quelle ...?«

»Die Mächtigen haben stets anders gehandelt. Es entspräche nicht ihrer Handlungsweise, eine Flotte hinter dir herzuschicken.«

»Wer sonst?«

»Die Bewohner der Kosmischen Burgen«, antwortete der Helk.

»Du gibst mir viel zu denken«, sagte Pankha-Skrin, wobei er sinnend in die Ferne blickte.

»Es gibt noch mehr, über das du dir den Kopf zerbrechen musst.«

»Du meinst die Auswirkungen meines Schweigens? Du fürchtest um die Moral in der Kairaquola?«

»Ich habe bemerkt, dass die RAINAMUUR vor Kurzem vierundsechzig Robotboote ausgestoßen hat. Sie haben weit draußen Position bezogen. Es scheint, dass Basir-Fronth die gegenwärtige Lage nicht für sicher hält. Zu denken gibt besonders, dass er diesen Schritt unternommen hat, ohne von der RIESTERBAAHL dazu autorisiert zu sein.«

»Meine Besatzungen verlieren den Glauben an die Weisheit des Quellmeisters«, sagte Pankha-Skrin leise. »Ich kann es ihnen nicht einmal verübeln. Sobald ich mit meinen Überlegungen zu einem Resultat gekommen bin, werde ich die Gründe meines Verhaltens erklären.«

»Vergiss die Verfolger nicht!«, warnte der Helk. »Niemand weiß, wie viel Zeit dir noch bleibt.«

 

In der Einsamkeit des halbdunklen Raumes, in den er sich zum Meditieren zurückzog, fasste Pankha-Skrin einen schwerwiegenden Entschluss. Er würde sich den Verfolgern stellen.

Er hatte zu analysieren versucht, ob sie ihm in freundlicher oder zumindest nicht feindlicher Absicht folgten. Das Ergebnis war negativ. Die Fremden hätten mühelos mit ihm Kontakt aufnehmen können, als er sich mit der RIESTERBAAHL in der Nähe der Materiequelle aufhielt. Sie hatten jedoch keinen Versuch unternommen.

Ihre Technik musste weit entwickelt sein, wenn Nistor glaubte, dass sie sich nicht einmal durch den Pulsationsflug der Kairaquola würden abschütteln lassen.

Es mochte sein, dass sie das Geheimnis der Materiequelle bewahren wollten und in ihm einen gefährlichen Mitwisser sahen. Ebenso war denkbar, dass die Verfolger lediglich in Erfahrung bringen wollten, was er in der Nähe der Materiequelle gesucht hatte. In diesem Fall würden sie ihn gefangen nehmen und verhören. Dann würde er womöglich erfahren, was aus den Kosmischen Burgen geworden war und warum sie ihm verborgen geblieben waren.

Pankha-Skrin wandte seine Aufmerksamkeit dem zweiten Problem zu, das Nistor angedeutet hatte. Wie reagierten die Besatzungen auf sein anhaltendes Schweigen?

Die Basis der Disziplin war das entelechische Vertrauen in die Weisheit des Quellmeisters. Dieses Vertrauen entstand aus dem Wissen, dass zu dem hohen Amt eines Quellmeisters nur der berufen wurde, der in der Tat über ein außerordentliches Maß an Weisheit verfügte.

Pankha-Skrin glaubte, dass die Besatzungen inzwischen unruhig geworden waren, dass sie Unbehagen und womöglich sogar seelischen Schmerz empfanden. Dem würde er abhelfen, indem er eine Ansprache hielt und seine Beweggründe erklärte.

Der Quellmeister bestellte den Helk Nistor wieder zu sich und traf ihn erneut in der äußeren Halle. Pankha-Skrin fiel auf, dass der Helk nicht vollständig war. Eines seiner Segmente fehlte, wodurch der Eindruck entstand, jemand habe eine tiefe und breite Kerbe in die Walze gehauen. Pankha-Skrin ging darauf zunächst nicht ein. Er erläuterte Nistor den Entschluss, den er gefasst hatte.

»Ich sah voraus, dass du dich so entscheiden würdest«, erklärte der Helk. »Wenn du wirklich die Kosmischen Burgen finden musst, ist dies der einzig logische Entschluss. Du weißt, was das bedeuten kann?«

»Das Risiko ist tödlich. Es ist möglich, dass die Loower bald keinen Quellmeister mehr haben. Aber der mögliche Gewinn ist den Einsatz wert. Außerdem hat uns das Schicksal noch nie im Stich gelassen.«

»Was für Vorbereitungen willst du treffen?«

»Die Kairaquola muss über mein Vorhaben in Kenntnis gesetzt werden. Ich werde den Verfolgern keinen Widerstand leisten. Die Schiffe sollen die Flucht ergreifen, sobald ein Angriff erfolgt.«

 

Burnetto-Kup näherte sich dem Schiffsbereich, in dem er das Quartier des Quellmeisters vermutete. Er war nie zuvor hier gewesen und verließ sich bei seiner Suche auf Äußerungen, die Pankha-Skrin gelegentlich gemacht hatte. Als er durch Zufall auf einen Raum voller Kommunikationsgeräte stieß, rief er Basir-Fronth an, um sich über die Lage zu informieren.

Der Kommandant der RAINAMUUR war sichtlich erleichtert, von Burnetto-Kup zu hören.

»Endlich!«, stieß er hervor. »Ich habe mir schon überlegt, ob ich Alarm geben soll!«

»Angreifer?«, fragte Burnetto-Kup knapp.

»Das kann man noch nicht sagen. Ein Pulk fremdartiger Raumschiffe nähert sich dem äußeren Ortungsring. Sie haben Kurs auf unsere Position – aber die Entfernung ist noch beträchtlich.«

»Wie viele?«

»Sie sind uns zweifach überlegen.«

»Lass sie nicht aus den Augen«, sagte Burnetto-Kup. »Sobald erkennbar wird, dass sie es auf uns abgesehen haben, gib den Alarm! Ich kann inzwischen hoffentlich den Quellmeister erreichen.«

Basir-Fronth wollte zustimmen, unterbrach sich jedoch nach dem Blick auf eines seiner Geräte. »Sie sind ... verschwunden!«, ächzte er. »Einfach verschwunden!«

»Das kann Gefahr bedeuten«, warnte ihn Burnetto-Kup. »Versuche, ob du sie mit anderen Ortermechanismen erfassen kannst!«

»Finde Pankha-Skrin – rasch!«, bat Basir-Fronth. »Es widerspricht allen Regeln, dass ich diese Verantwortung übernehme.«

»Ich werde mich beeilen.« Burnetto-Kup schaltete ab und wollte die Suche nach dem Quellmeister wieder aufnehmen. Als er das seltsam geformte Metallstück sah, das nahe dem Ausgang dicht über dem Boden schwebte, erstarrte er.

»Ich bin froh, dass ich dich gefunden habe«, sagte das Metallstück.

»Wer bist du?« Burnetto-Kup bemühte sich, seine Haltung zu wahren.

»Ich bin ein Helk des Nistor, der dem weisen Quellmeister dient. Pankha-Skrin verlangt, dich zu sehen.«

 

»Dein Name wird bald überall zu hören sein«, erklärte der Quellmeister gütig. »Wenn das Schicksal mir nicht gnädig gesinnt ist, wird man bald von Burnetto-Skrin als dem neuen Quellmeister hören.«

Burnetto-Kup wusste nicht, wie ihm geschah. Er hatte eine Halle erreicht, die mit einer unüberschaubaren Zahl technischer Geräte ausgestattet war, und stand dem ehrwürdigen Quellmeister gegenüber. Das Metallstück, dem er gefolgt war, hatte sich mit dem Rest des Robotkörpers vereinigt, der das Aussehen einer großen zerbeulten Walze hatte.

Burnetto-Kup hatte erwartet, von Pankha-Skrin wegen seines nicht entelechischen Verhaltens zur Rechenschaft gezogen zu werden. Und jetzt das!

»Ich weiß nicht, wie mir geschieht, Weiser«, murmelte er. »Verzeih, dass ich ...«

»Ich weiß, dass du nicht leichtfertig oder disziplinlos gehandelt hast«, fiel ihm Pankha-Skrin ins Wort. »Du warst in Sorge um mich und bist gekommen, um mich von einer vermeintlichen Gefahr zu befreien.«

»So ist es, Ehrwürdiger«, bekannte der Unterführer.

»Nicht jeder erkennt den Moment, in dem es notwendig wird, herkömmliche Verhaltensregeln zu missachten und sich nach dem Augenblick zu richten. Du besitzt diese Fähigkeit. Deswegen glaube ich, dass dein Name bald jedem Loower bekannt sein wird.«

Pankha-Skrin berichtete von seinem misslungenen Vorstoß in den Bereich der Materiequelle. Er beschrieb seine Ungewissheit und die Sorgen, die ihn seitdem plagten. Er sprach von den Unterredungen mit Nistor und von seinem Entschluss.

»Du willst dich dem Gegner ausliefern?«, fragte Burnetto-Kup erschrocken.

»Es ist unsere einzige Chance, mehr über die Kosmischen Burgen zu erfahren«, antwortete der Quellmeister gelassen. »In meinem Plan spielt dein Fahrzeug eine wichtige Rolle. Der Einzige, der außer mir die Koordinaten kennt, an denen wir die Materiequelle und die Kosmischen Burgen vermuten, ist mein Helk Nistor. Was auch mit der RIESTERBAAHL geschieht, Nistor muss den Ort erreichen, an dem das Auge auf mich wartet. Es ist deine Aufgabe, ihn sicher ans Ziel zu bringen. Und nun ist es an der Zeit, dass du auf dein Schiff zurückkehrst.«

Burnetto-Kup empfand eine Gelöstheit wie nie zuvor. Bislang hatte er nur Ehrfurcht für Pankha-Skrin empfunden, jetzt gesellte sich tiefe Zuneigung hinzu.

»Ich wünsche, dass das Schicksal es gut mit dir meint, Weiser«, sagte er.

»Niemand weiß, wie die Mächte des Geschicks zu beeinflussen sind«, antwortete der Quellmeister. »Aber vielleicht erhören sie deinen Wunsch.«

 

Burnetto-Kup erinnerte sich später nicht mehr, wie er an Bord seines Einmannbootes zurückgelangt war. Er verarbeitete die Eindrücke dieser Begegnung mit dem Quellmeister, dass er sich nur mechanisch bewegte.

Als sein Boot beschleunigte, gellte der Alarm.

Aus dem Nichts entstand ein Glutball, der sich wie ein Ballon aufblähte. Am Rand der Glutzone gewahrte Burnetto-Kup ein Schiff der Kairaquola, das sich um die eigene Querachse drehte. Der Raum füllte sich mit weiteren Explosionen, die Schwärze war wie weggewischt. Glut war überall – das grelle Lodern nuklearen Feuers.

Burnetto-Kup beschleunigte mit Höchstwert. Die Positionsdaten der GONDERVOLD befanden sich im Kursspeicher, doch er wusste nicht, ob sein Schiff schon den Standort gewechselt hatte. Bevor er über Funk nachfragen konnte, traf ein fürchterlicher Schlag das Boot. Er sah wie in einer Zeitlupenaufnahme, wie das Boot sich rings um ihn auflöste. Die Hülle zerfiel, und Bruchstücke strebten nach allen Seiten davon.

Ringsum tobte die Vernichtung. Burnetto-Kup fürchtete, jeden Augenblick von einem der Glutbälle erfasst zu werden.

 

Unmittelbar nachdem Pankha-Skrin den jungen Kommandanten der GONDERVOLD verabschiedet hatte, wurde die längst erwartete Hyperfunknachricht empfangen. Sie stammte von einem Türmer namens Hergo-Zovran und enthielt die Koordinaten, an denen das Auge aufbewahrt wurde.

Mehrere Minuten lang befasste sich der Quellmeister mit Hergo-Zovrans Nachricht. Er hatte soeben den Koordinatenaustausch mit dem Helk beendet, da ertönte der Alarm. Pankha-Skrin fand nicht mehr die Zeit, sich mit einer Erklärung an die gesamte Kairaquola zu wenden. Die RIESTERBAAHL erhielt schwere Geschütztreffer, die Energieausfälle zur Folge hatten.

Im Fall eines Angriffs war die vordringlichste Aufgabe der Flotte, das Schiff des Quellmeisters zu schützen. Der Quellmeister war das wertvollste Gut des loowerischen Volkes und musste vor dem Zugriff eines Feindes bewahrt werden. Nach diesem Grundsatz handelten die Kommandanten. Pankha-Skrin sah die Umrisse der loowerischen Schiffe vor dem Hintergrund der aufblühenden Explosionen. Er erkannte, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis die RIESTERBAAHL von den überlegenen Waffen der Angreifer ausgelöscht wurde.

Zwar lehrte die Entelechie, dass das Ganze hoch über dem Bestandteil, das Wohl des Volkes hoch über dem eines Einzelwesens stehe. Doch Pankha-Skrin hatte sich jene Empfindsamkeit bewahrt, die ihm die Fähigkeit verlieh, den einzelnen wegen seines individuellen Wertes zu schätzen. Vor seinem inneren Auge entstand das grässliche Bild, wie Tausende seiner Gefolgsleute sich sinnlos einem unbekannten Feind opferten.

Vom Schmerz übermannt, schloss der Quellmeister die Augen. Die RIESTERBAAHL wurde in ein endloses Flammenmeer gehüllt. Er löschte den Bildkanal und wies die Besatzung an, keinen Widerstand zu leisten.

 

Burnetto-Kup trieb im Raumanzug zwischen den Trümmern seines Bootes. Er brauchte eine geraume Zeit, um seinen Schock zu überwinden, zumal er erkannte, wie zielsicher die Angreifer das wichtigste Schiff der Kairaquola ausgemacht hatten.

Burnetto-Kup schaltete sein Helmfunkgerät auf den Notrufkanal. Fast gleichzeitig hörte er eine überraschend laute Stimme: »Halte aus! Ich bin in wenigen Sekunden bei dir!«

Er glaubte schon, einer Halluzination zum Opfer gefallen zu sein. Dann sah er ein walzenförmiges Gebilde vor dem Hintergrund des infernalischen Glühens näher kommen. Es war Nistor. Der Helk hatte eines seiner Segmente abgesondert. Dadurch war eine Nische entstanden, in der ein Loower bequem Platz finden konnte.

Nistor glich seine Flugrichtung und Geschwindigkeit der des Kommandanten an. »Ich bringe dich in Sicherheit«, hörte Burnetto-Kup die Stimme des Helks in seinem Empfänger.

Er schwebte in die Öffnung. Es gab Vorsprünge, an denen er ausreichend Halt fand. »Wohin bringst du mich?«

»Zur GONDERVOLD«, antwortete Nistor. »So lautet Pankha-Skrins Befehl.«

»Wo ist der Quellmeister?«

»Darüber reden wir später. Wenn du ein Gläubiger bist, dann bete zu den Mächten des Schicksals, dass wir unbeschadet unser Ziel erreichen.«

 

Nach geraumer Zeit tauchte die GONDERVOLD auf. Benommen fragte sich Burnetto-Kup, wie der Helk es inmitten des Infernos geschafft haben mochte, den richtigen Kurs zu finden. Im unteren Drittel des schlanken Schiffskegels öffnete sich eine Schleuse. Nistor schaltete seine Schirmfelder ab und trat hinein.

Burnetto-Kup glitt über die Rundung des Walzenkörpers zu Boden. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte.

Laute Stimmen waren ringsum. Der junge Kommandant sah schattenhafte Gestalten, und er hörte den Helk sprechen.

»Ich bin hier im Auftrag des weisen Quellmeisters! Sein Befehl an alle Einheiten der Kairaquola lautet, dass dem Gegner kein Widerstand geleistet werden soll. Gebt diese Meldung an die anderen Schiffe weiter!«

»Längst haben alle eingesehen, dass Gegenwehr sinnlos ist.« Burnetto-Kup erkannte, dass sein Stellvertreter dem Roboter antwortete. »Die Angreifer haben die RIESTERBAAHL vom Rest der Flotte getrennt. Wir können nichts unternehmen.«

»Wie viele Verluste hat es gegeben?«

»Wir wissen es nicht. Viele Schiffe sind beschädigt, aber die Schirmfelder haben standgehalten.«

Burnetto-Kup empfand unsägliche Erleichterung. »Euer Kommandant soll sofort zu den Ärzten gebracht werden«, hörte er noch, bevor sein Bewusstsein schwand. »Es ist möglich, dass er Strahlungsschäden erlitten hat.«

 

Pankha-Skrin hörte Tausende von Geräuschen, die aus den Gängen und Decks der RIESTERBAAHL bis in den Meditationsraum drangen. Der Gegner hatte das Schiff geentert, und das war ein Grund für ihn, neue Hoffnung zu schöpfen. Es ging den Unbekannten nicht darum, die RIESTERBAAHL zu vernichten.

Sie wollten den Quellmeister haben!

Der Zugang zu dem Meditationsraum war durch ein Mentalschloss versiegelt. Nur der Quellmeister selbst hätte den Riegel beseitigen können. Als er bemerkte, dass die Eindringlinge vor dem Zugang standen, spielte er kurz mit dem Gedanken, die Verriegelung zu entfernen. Schließlich entschied er abzuwarten.

Nach wenigen Minuten wurde es wärmer. Neben dem Eingang wuchs ein Fleck in dunkler Glut. Schließlich schmolz die Wand.

Der Quellmeister verharrte reglos.

Durch die in der Wand entstandene große Öffnung drang eine Horde mechanischer Geschöpfe. Roboter mit unterschiedlichsten Körperformen verteilten sich im Meditationsraum.

Einige von ihnen waren bewaffnet und richteten ihre Waffen auf den Quellmeister.

Eine tonnenförmige Maschine löste sich aus dem Kreis der Eindringlinge und kam näher auf Pankha-Skrin zu. Eine Unzahl tentakelartiger Extremitäten zeigte auf den Quellmeister, und eine knarrende Stimme erklang.

»Bist du der Herr dieses Fahrzeugs?«

Der Roboter beherrschte die Sprache der Loower. Dabei befand er sich kaum seit einer halben Stunde an Bord der RIESTERBAAHL. Pankha-Skrins Achtung vor der fremden Technik wuchs.

»Ich bin der Herr«, antwortete er würdevoll.

»Dann komm mit uns!«

»Mit welchem Recht erteilst du mir diese Anweisung? Du hast mich wie ein arglistiger Räuber überfallen ...«

»Boronzot will mit dir sprechen!«

»Wer ist Boronzot?«

»Er ist der mächtige König der Zentralräume, der Herrscher über die Bruderschaft der wahren Zaphooren.«

»Wo wohnt Boronzot?«

»Der König wohnt im Großen Gasthaus!«

Der Roboter schien nicht abgeneigt, Pankha-Skrin jede erbetene Auskunft zu geben. Nur wusste der Quellmeister mit seinen Antworten nichts anzufangen.

»Ich bin deinem König weder Botmäßigkeit schuldig, noch kann er mir Befehle erteilen. Trotzdem komme ich mit euch. Weil ich interessiert bin, den König kennenzulernen.«

»Das ist gut.«

Die Maschinenwesen nahmen den Quellmeister in die Mitte. Sie führten ihn zum Hauptschacht, der die Längsachse des Schiffes bildete.

Die RIESTERBAAHL schien verlassen. Kein Besatzungsmitglied war zu sehen. Allerdings gab es keine Anzeichen, dass Kämpfe stattgefunden hatten. Pankha-Skrin hoffte, dass die Besatzung jeder seiner Anweisungen gefolgt war und sich in Sicherheit gebracht hatte.

Die Roboter führten ihn zu einer großen Schleuse und forderten ihn auf, einen Raumanzug anzulegen. Der Quellmeister gehorchte. Bevor er den Helm schloss, stellte ihm der tonnenförmige Roboter eine merkwürdige Frage.

»Bist du ein Gastwirt?«

»Nein«, antwortete Pankha-Skrin verwirrt.

 

Als Burnetto-Kup zu sich kam, lag er in einem schüsselförmigen Ruhebett. Basir-Fronth, der Kommandant der RAINAMUUR, war bei ihm.

Burnetto-Kup fühlte sich erholt und entspannt. »Wer von uns beiden gehört nicht hierher – du oder ich?«, wollte er wissen.

»Ich«, antwortete Basir-Fronth bedrückt. »Die RAINAMUUR ist schwer beschädigt. Ich habe mich und meine Leute auf deinem Schiff einquartiert.«

Seine Worte ließen Burnetto-Kups Erinnerung an das flammende Inferno zurückkehren. Ruckartig richtete er sich auf.

»Was ist mit Pankha-Skrin?«

»Wir wissen nicht, wo der Quellmeister sich aufhält. Der Helk Nistor ist bemüht, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen.«

»Nistor«, wiederholte Burnetto-Kup leise. »Wenn er nicht wäre, dann gäbe es mich nicht mehr. Du sagst, wir befinden uns auf der GONDERVOLD. Welche Position haben wir? Was ist mit den übrigen Schiffen? Hat es große Verluste gegeben?«