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Inhaltsverzeichnis

Widmung
ES WAR EINMAL VOR LANGER ZEIT IN EINER WEIT, WEIT ENTFERNTEN GALAXIS
EINLEITUNG - Das Zeitalter der Helden
ERSTER TEIL - Sieg
1. KAPITEL - Anakin und Obi-Wan
2. KAPITEL - Dooku
3. KAPITEL - Der Weg der Sith
4. KAPITEL - Jedi-Falle
5. KAPITEL - Grievous
6. KAPITEL - Rettung
7. KAPITEL - Obi-Wan und Anakin 2
ZWEITER TEIL - Verführung
8. KAPITEL - Verwerfungslinien
9. KAPITEL - Padmé
10. KAPITEL - Meister
11. KAPITEL - Politik
12. KAPITEL - Nicht von einem Jedi
13. KAPITEL - Der Wille der Macht
14. KAPITEL - Freier Fall im Dunkeln
15. KAPITEL - Tod auf Utapau
16. KAPITEL - Enthüllung
DRITTER TEIL - Apokalypse
17. KAPITEL - Das Gesicht des Dunklen
18. KAPITEL - Befehl Sechsundsechzig
19. KAPITEL - Das Gesicht der Sith
20. KAPITEL - Chiaroscuro
21. KAPITEL - Ein neuer Jedi-Orden
Copyright

Die Dunkelheit ist großzügig und geduldig und gewinnt immer, aber im Herzen ihrer Stärke liegt Schwäche: Eine einzelne Kerze genügt, um sie zurückzudrängen.

Liebe ist mehr als eine Kerze.

Liebe kann Sterne entzünden.

1. KAPITEL

Anakin und Obi-Wan

Flakfeuer blitzte auf allen Seiten. Noch lauter als das Prasseln von Splittern am Cockpit und das Knurren des Sublichttriebwerks waren das Fauchen und Dröhnen der knapp am Sternjäger vorbeirasenden Strahlen, die aus den Turbolasern der nahen Großkampfschiffe stammten. Manchmal führte der spiralförmige Sturzflug so nahe an destruktiver Energie vorbei, dass die energetischen Druckwellen den Sternjäger zur Seite warfen. Wenn das geschah, prallte der Kopf des Piloten an die Stützen des Sessels.

Derzeit beneidete Obi-Wan Kenobi die Klone – sie hatten wenigstens Helme.

»R4«, sagte er über die interne Kommunikation, »kannst du was mit den Trägheitskompensatoren anstellen?«

Der Droide in der linken Tragfläche des Sternjägers pfiff etwas, das verdächtig nach einer menschlichen Entschuldigung klang. Die Falten fraßen sich tiefer in Obi-Wans Stirn. R4-P17 hatte zu viel Zeit mit Anakins exzentrischem Astromech verbracht; er übernahm R2-D2s schlechte Angewohnheiten.

Neues Abwehrfeuer schlug ihm entgegen. Er griff in die Macht und suchte nach einem sicheren Weg durch die Schrapnellschwärme und zischenden Netze aus Partikelstrahlen.

Es gab keinen.

Er biss die Zähne zusammen und steuerte den Sternjäger um eine weitere Explosion herum, die imstande gewesen wäre, die Panzerung wie die Schale einer überreifen ithorianischen Sternenfrucht platzen zu lassen. Er hasste diesen Teil. Er hasste ihn.

Das Fliegen war für Droiden bestimmt.

Es knackte in den Cockpitlautsprechern. »Es gibt keinen Droiden, der besser fliegen könnte als Ihr, Meister.«

Die neue Tiefe in der Stimme überraschte ihn noch immer. Die ruhige Zuversicht. Die Reife. Erst in der letzten Woche schien Anakin ein Zehnjähriger gewesen zu sein, der ihn mit Fragen über die erste Form des Lichtschwertkampfs bedrängt hatte.

»Entschuldigung«, brummte er, zog den Sternjäger nach unten und wich dadurch einem weiteren Turbolaserstrahl aus, der in einem Abstand von nur einem Meter vorbeigleißte. »Habe ich das laut ausgesprochen?«

»Selbst wenn das nicht der Fall wäre ... Ich weiß, was Ihr denkt.«

»Tatsächlich?« Er sah durchs transparente Cockpitdach und stellte fest, dass sein früherer Padawan kopfüber flog, wie ein Spiegelbild – ohne den Transparistahl zwischen ihnen hätten sie sich die Hände schütteln können. Obi-Wan lächelte. »Ein neues Geschenk der Macht?«

»Nicht der Macht, Meister. Erfahrung. Das denkt Ihr immer

Obi-Wan hoffte noch immer, etwas vom alten großspurigen Grinsen Anakins in seiner Stimme zu hören, aber das war nie der Fall. Seit Jabiim nicht mehr. Vielleicht sogar seit Geonosis.

Der Krieg hatte es aus ihm herausgebrannt.

Dann und wann versuchte Obi-Wan nach wie vor, seinem früheren Padawan ein echtes Lächeln zu entlocken. Und Anakin versuchte, darauf zu reagieren.

Sie bemühten sich beide, so zu tun, als hätte der Krieg sie nicht verändert.

»Ah.« Obi-Wan löste eine Hand vom Steuerknüppel des Sternjägers und deutete nach vorn. Ein blauweißer Lichtpunkt teilte sich in vier laserstrahlgerade Spuren von Ionentriebwerken. »Und was schlägt deine Erfahrung in Hinsicht auf die herankommenden Tri-Jäger vor?«

»Wir sollten nach rechts ausweichen!«

Obi-Wan leitete das Manöver ein, noch während Anakin sprach. Aber da Anakin kopfüber flog, führte der Schwenk nach rechts sie beide in unterschiedliche Richtungen. Die Kanonen der Tri-Jäger zerrissen das All zwischen ihnen, und ihre Zielerfassung war schneller als die beiden Sternjäger.

Ein akustisches Warnsignal kam vom Display: Die Sensoren von zwei Droiden hatten den Ortungsfokus auf ihn gerichtet. Die beiden anderen nahmen sich vermutlich den zweiten Sternjäger vor. »Anakin! Schnappkiefer!«

»Genau mein Gedanke.«

Sie fegten an den Tri-Jägern vorbei und flogen in Ausweichspiralen. Die Droidenschiffe nahmen die Verfolgung auf und änderten so abrupt den Kurs, dass lebende Piloten auf der Stelle tot gewesen wären.

Das Schnappkiefer-Manöver war nach den scherenartigen Mandibeln der Schlitzspinne von Kashyyyk benannt. Die Droidenschiffe näherten sich von hinten, und ihre Strahlblitze flackerten durchs All, als die beiden Jedi ihre Schiffe synchron rollen und dann dicht unter einem riesigen Kreuzer der Republik aufeinander zurasen ließen.

Für gewöhnliche menschliche Piloten wäre dies Selbstmord gewesen. Wenn man den Sternjäger des Partners bereits sieht, der mit einem ansehnlichen Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit heranjagt, sind menschliche Reflexe viel zu langsam, um noch reagieren zu können.

Aber diese beiden Piloten waren keine gewöhnlichen Menschen.

Die Macht bewegte Hände an den Steuerknüppeln, als die beiden Sternjäger aneinander vorbeirasten, Bauch an Bauch, nahe genug, um sich gegenseitig Lack abzukratzen. Tri-Jäger waren die modernsten Raumdroiden der Handelsföderation. Doch selbst die elektronischen Reflexe ihrer Droidengehirne waren für dies zu langsam: Einer von Obi-Wans Verfolgern raste einem Verfolger Anakins entgegen. Beide verschwanden in einem Glutball.

Die Druckwelle aus Trümmern und sich ausdehnendem Gas schüttelte Obi-Wans Sternjäger. Seine Hände blieben um den Steuerknüppel geschlossen, und er schaffte es gerade so, eine Kollision zu verhindern, die ihn an den ventralen Rumpf des Kreuzers geschmiert hätte. Noch bevor er den Kurs stabilisieren konnte, erklang erneut ein akustisches Warnsignal.

»Oh, wunderbar«, brummte er leise. Anakins zweiter Verfolger hatte das Ziel gewechselt. »Warum bin ich es immer?«

»Perfekt.« Grimmige Zufriedenheit erklang in Anakins Stimme, die aus den Cockpitlautsprechern kam. »Beide sind Euch auf den Fersen.«

»Perfekt ist nicht das Wort, das ich benutzen würde.« Obi-Wan riss den Steuerknüppel von einer Seite zur anderen, und der Sternjäger folgte einem Zickzackkurs, während scharlachrotes Feuer im All loderte. »Wir müssen sie voneinander trennen!«

»Fliegt nach links.« Anakin klang völlig ruhig. »Der Turbolaserturm backbord voraus – visiere ihn an. Ich übernehme die Sache von dort aus.«

»Du hast gut reden.« Obi-Wan sauste über die Aufbauten des Kreuzers hinweg. Die Tri-Jäger feuerten weiterhin, und ihre Strahlblitze verdampften Teile der Panzerung des großen Schiffes. »Warum muss ich immer der Köder sein?«

»Ich bin direkt hinter Euch. R2, die Zielerfassung ausrichten.«

Obi-Wan flog zwischen den Turbokanonen, so nahe, dass Streuenergie sein Cockpit wie einen Gong hallen ließ. Und von hinten kamen weiterhin die Strahlblitze der Tri-Jäger. »Ich sitze in der Klemme, Anakin!«

»Weicht nach rechts aus, um mir freies Schussfeld zu geben. Jetzt!«

Obi-Wan zündete die Backborddüsen, und sein Sternjäger ruckte nach rechts. Einer der Tri-Jäger hinter ihm gelangte zu dem Schluss, dass er ihm nicht folgen konnte, flog zur Seite... und geriet vor Anakins Kanonen.

Er verschwand in einem Brodeln aus superheißem Gas.

»Gut gemacht, R2.« Anakins leises Lachen aus Obi-Wans Cockpitlautsprechern verlor sich in dem Donnern von Laserstrahlen an den Schilden der linken Tragfläche.

»Mir gehen hier allmählich die Tricks aus ...«

Obi-Wan ließ den riesigen Republikkreuzer hinter sich zurück und raste dem gewölbten Rumpf eines Schlachtschiffs der Handelsföderation entgegen. Turbolaserblitze zuckten durchs All zwischen den beiden Schiffen, manche von ihnen so dick wie der Sternjäger. Es hätte Obi-Wans Ende bedeutet, von einem solchen Strahl nur gestreift zu werden.

Er raste direkt ins brennende All.

Er hatte die Macht, um einen Weg durch das Strahlgewimmel zu finden, aber der Tri-Jäger musste sich mit seinen elektronischen Reflexen begnügen – doch die waren ungefähr lichtschnell. Der Verfolger blieb so dicht hinter ihm, als verbände ihn ein Schleppkabel mit dem Sternjäger.

Wenn Obi-Wan nach links flog und Anakin nach rechts – oder nach unten und oben –, versuchte der Tri-Jäger, zwischen ihnen zu bleiben, denn dadurch konnte Anakin nicht auf ihn feuern, ohne seinen Partner zu treffen. Der Droide hingegen brauchte auf niemanden Rücksicht zu nehmen: Obi-Wan raste durch einen Sturm aus scharlachroten Nadeln.

»Kein Wunder, dass wir den Krieg verlieren«, brummte er. »Der Gegner wird schlauer

»Wie bitte, Meister? Ich habe nicht verstanden.«

Obi-Wan zwang seinen Sternjäger in eine enge Spirale in Richtung des Föderationskreuzers. »Ich fliege zum Deck!«

»Gute Idee. Ich brauche Platz, um zu manövrieren.«

Kanonenfeuer kam näher. Es knackte und knisterte in Obi-Wans Cockpitlautsprechern. »Nach rechts, Obi-Wan! Hart steuerbord! Lasst Euch nicht von ihm aufs Korn nehmen! R2, die Zielerfassung!«

Obi-Wans Sternjäger flog dicht über den dorsalen Rumpf des Separatistenkreuzers. Flakfeuer flammte auf allen Seiten, als die Kanoniere des Kreuzers versuchten, ihn abzuschießen. Über die rechte Tragfläche rollte er in einen Wartungsgraben, der über die ganze Länge des Schiffes reichte. So tief und nahe über dem Deck konnten ihn die Flakgeschütze nicht mehr unter Beschuss nehmen, aber der Tri-Jäger blieb hinter ihm.

Am Ende des Wartungsgrabens ragten die gewaltigen Streben der Kreuzerbrücke auf und ließen selbst für Obi-Wans kleines Schiff nicht genug Platz. Mit einer weiteren halben Rolle brachte er den Sternjäger aus dem Graben und an den vorderen Kanten des Brückenkomplexes empor. Ein kurzer Schub mit den unteren Düsen trug ihn an den Bugfenstern der Brücke vorbei, in einem Abstand von nur wenigen Metern. Und der Tri-Jäger folgte ihm auf genau der gleichen Flugbahn.

»Natürlich«, murmelte Obi-Wan. »Das wäre zu leicht gewesen. Wo bleibst du, Anakin?«

Ein Strahl verbrannte eins der Steuerelemente der linken Tragfläche – es fühlte sich wie ein Schuss in den Arm an. Obi-Wan betätigte Schalter und zog am Steuerknüppel, während R4-P17 schrill zirpte. Er aktivierte die interne Kommunikation. »Versuch nicht, es zu reparieren, R4. Ich habe es ausgeschaltet.«

»Zielerfassung!«, ertönte Anakins Stimme. »Eröffne das Feuer – jetzt!«

Obi-Wan drosselte das Triebwerk der intakten rechten Tragfläche maximal, und der Sternjäger raste in einem schwer zu kontrollierenden Bogen nach oben. Im gleichen Augenblick vernichteten Anakins Kanonen den letzten Tri-Jäger.

Obi-Wan ging auf Umkehrschub und hielt seinen Sternjäger an der blinden Stelle hinter der Brücke des Kreuzers an. Einige Sekunden lang hing er dort und versuchte, Atmung und Herzschlag zu beruhigen. »Danke, Anakin. Das war ... danke. Das ist alles.«

»Dankt nicht mir. R2 hat gezielt und geschossen.«

»Ja. Wenn du möchtest, kannst du deinem Droiden für mich danken. Und noch etwas, Anakin ...«

»Ja, Meister?«

»Beim nächsten Mal bist du der Köder.«

 

Dies ist Obi-Wan Kenobi.

Ein phänomenaler Pilot, der nicht gern fliegt. Ein fantastischer Kämpfer, der lieber nicht kämpft. Ein Unterhändler ohnegleichen, der es vorzieht, in einer stillen Höhle zu sitzen und zu meditieren.

Jedi-Meister. General der Großen Armee der Republik. Mitglied des Jedi-Rats. Und doch, tief in seinem Innern, glaubt er, dass er nichts von alldem ist.

Tief in seinem Innern fühlt er sich noch immer wie ein Padawan.

Es ist eine Binsenwahrheit des Jedi-Ordens, dass die Ausbildung eines Ritters erst dann beginnt, wenn er zum Meister geworden ist, dass er alles Wichtige seiner Meisterschaft von seinem Schüler lernt. Obi-Wan fühlt diese Wahrheit jeden Tag.

Manchmal träumt er von seiner Zeit als Padawan. Er träumt davon, dass sein Meister Qui-Gon Jinn nicht im plasmagespeisten Generatorkern von Theed ums Leben kam. Er träumt, dass die kluge, leitende Hand seines Meisters noch immer bei ihm ist. Doch Qui-Gons Tod ist ein alter Schmerz, mit dem er sich schon vor langer Zeit abgefunden hat.

Ein Jedi klammert sich nicht an die Vergangenheit.

Und Obi-Wan Kenobi weiß auch: Wenn er sein Leben gelebt hätte, ohne Anakin Skywalkers Meister zu sein, wäre er ein anderer Mann gewesen. Ein geringerer.

Anakin hat ihn viel gelehrt.

Obi-Wan sieht in Anakin so viel von Qui-Gon, dass es ihn manchmal schmerzt. So spiegelt sich bei ihm Qui-Gons Flair fürs Dramatische wider, auch seine beiläufige Missachtung von Regeln. Anakin auszubilden – und während all der Jahre an seiner Seite zu kämpfen – hat in Obi-Wan etwas freigesetzt. Es ist so, als hätte Anakin auf ihn abgefärbt und sein eisernes Festhalten an Korrektheit gelockert, das Qui-Gon als seine größte Schwäche bezeichnet hatte.

Obi-Wan hat gelernt, sich zu entspannen.

Er lächelt jetzt, scherzt manchmal sogar und ist für die Weisheit bekannt geworden, die in sanftem Humor Ausdruck findet. Zwar ist er sich dessen nicht bewusst, aber seine Beziehung zu Anakin hat ihn zu dem großen Jedi gemacht, dessen Potenzial Qui-Gon in ihm gesehen hat.

Es ist typisch für Obi-Wan, dass er davon überhaupt nichts weiß.

In den Rat berufen zu werden kam als große Überraschung. Selbst jetzt erstaunt es ihn gelegentlich, wie sehr der Jedi-Rat seinen Fähigkeiten vertraut und welchen guten Ruf seine Weisheit dort genießt. Größe war nie sein Ziel. Er wollte die ihm übertragenen Aufgaben immer nur so gut wie möglich erledigen.

Im Jedi-Orden schätzt man nicht nur sein Verständnis, sondern auch sein Geschick als Krieger. Er ist zum Helden der nächsten Padawan-Generation geworden; er ist der Jedi, den ihre Meister als Beispiel nennen. Er ist die Person, die vom Rat mit den wichtigsten Missionen beauftragt wird. Er ist bescheiden, ausgeglichen und immer freundlich.

Er ist der beste Jedi.

Und er ist stolz darauf, Anakin Skywalkers bester Freund zu sein.

 

»Wo ist das Signal, R2?«

R2-D2 pfiff und piepte in seiner Interfacemulde neben dem Cockpit. Die Übersetzung erschien auf Anakins Display: SCAN LÄUFT. EMPFANGE VIELE STÖRSIGNALE.

»Versuch es weiter.« Anakin sah nach draußen und beobachtete Obi-Wans Sternjäger, der hundert Meter links von ihm durch die Schlacht flog. »Ich fühle seine Nervosität selbst hier.«

Ein Pfiff: EIN JEDI IST IMMER RUHIG.

»Er würde das nicht für witzig halten. Und eigentlich stimmt es auch nicht. Weniger Scherze und mehr Scannen.«

Für Anakin Skywalker lief der Sternjägerkampf fast auf ein Vergnügen hinaus.

Doch diesmal nicht.

Es lag nicht an der großen Übermacht des Gegners oder der drohenden Gefahr – die zahlenmäßige Überlegenheit des Feindes war ihm gleich, und er glaubte nicht, dass besondere Gefahr drohte. Einige Droidenstaffeln konnten keinen Mann beeindrucken, der seit dem sechsten Lebensjahr ein Pod-Pilot war und mit neun den Boonta-Cup gewonnen hatte. Der einzige Mensch, der jemals ein Podrennen beendet hatte, vom Sieg ganz zu schweigen.

Damals hatte er die Macht benutzt, ohne davon zu wissen. Er hatte sie für etwas in seinem Innern gehalten, für ein Gefühl, einen Instinkt, für eine Folge von Glückstreffern, die ihm Manöver erlaubte, die kein anderer Pilot überstanden hätte. Heute wusste er es besser ...

Heute ...

Heute konnte er in die Macht greifen und den Kampf über Coruscant so fühlen, als fände er in seinem Kopf statt.

Der Sternjäger wurde zu seinem Körper, das energetische Pulsieren im Triebwerk zu seinem Herzschlag. Wenn er flog, konnte er die Sklaverei vergessen, seine Mutter, die Ereignisse von Geonosis und Jabiim, von Aargonar und Muunilinst und all die anderen Katastrophen in diesem furchtbaren Krieg. All die Dinge, die man ihm angetan hatte.

Und seine eigenen Taten.

Solange um ihn herum der Kampf wütete, konnte er sogar das Sternenfeuer der Liebe für jene Frau beiseite schieben, die ihn auf Coruscant erwartete. Für jene Frau, deren Atem seine einzige Luft war, deren Herzschlag seine einzige Musik bildete, deren Gesicht die einzige Schönheit war, die seine Augen je sehen würden.

Er konnte dies alles beiseite schieben, weil er ein Jedi war. Weil es Zeit wurde, die Arbeit eines Jedi zu tun.

Aber diesmal war alles anders.

Diesmal ging es nicht allein darum, Laserstrahlen und feuernden Droiden auszuweichen. Diesmal ging es um das Leben eines Mannes, der sein Vater hätte sein können, um einen Mann, dem der Tod drohte, wenn ihn die Jedi nicht rechtzeitig erreichten.

Anakin war schon einmal zu spät gekommen.

Obi-Wans gepresst klingende Stimme kam aus den Cockpitlautsprechern. »Hat dein Droide etwas entdeckt? R4 kann mir nicht helfen. Ich glaube, die letzte Entladung hat seinen Motivator durchbrennen lassen.«

Anakin stellte sich das Gesicht seines Meisters bei diesen Worten vor: eine Maske der Ruhe, doch die Kiefer so starr, dass sich seine Lippen beim Sprechen kaum bewegten. »Keine Sorge, Meister. Wenn sein Signalgeber funktioniert, findet R2 ihn. Habt Ihr darüber nachgedacht, wie wir den Kanzler lokalisieren können, wenn er ...«

»Nein.« Absolute Gewissheit erklang in Obi-Wans Stimme. »Es ist nicht notwendig, darüber nachzudenken. Solange das Mögliche nicht konkret wird, lenkt es nur ab. Achte auf das, was ist, nicht auf das, was sein könnte.«

Anakin fühlte sich versucht, Obi-Wan darauf hinzuweisen, dass er nicht mehr sein Padawan war. »Ich hätte da sein sollen«, brachte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. »Ich habe es Euch gesagt. Ich hätte da sein sollen.«

»Stass Allie und Shaak Ti haben ihn verteidigt, Anakin. Wenn zwei Meister dies nicht verhindern konnten ... Glaubst du, dir wäre mehr möglich gewesen? Stass Allie ist klug und tapfer, und Shaak Ti ist die schlaueste Jedi, der ich je begegnet bin. Sie hat selbst mir einige Tricks beigebracht.«

Anakin hätte vermutlich beeindruckt sein sollen. »Aber General Grievous ...«

»Meisterin Ti hat es schon einmal mit ihm zu tun bekommen, Anakin. Nach Muunilinst. Sie ist nicht nur scharfsinnig und erfahren, sondern auch sehr fähig. Die Sitze im Jedi-Rat werden nicht an Günstlinge verteilt.«

»Das habe ich bemerkt.« Anakin ließ es dabei bewenden. Mitten in einem Kampf war wohl kaum der geeignete Zeitpunkt, um über dieses heikle Thema zu sprechen.

Wenn doch nur er da gewesen wäre anstelle von Shaak Ti und Stass Allie, ob Ratsmitglieder oder nicht. Wenn er da gewesen wäre, hätte sich Kanzler Palpatine bereits wieder in Sicherheit befunden. Stattdessen war Anakin monatelang wie ein nutzloser Padawan im Äußeren Rand unterwegs gewesen, und zu seinem Schutz hatte sich Palpatine auf Jedi verlassen müssen, die klug und scharfsinnig waren.

Klug und scharfsinnig. Selbst mit auf den Rücken gebundenem Lichtschwert wäre Anakin in der Lage gewesen, einen klugen und scharfsinnigen Jedi zu besiegen.

Aber das sagte er natürlich nicht.

»Werde eins mit dem Moment, Anakin. Konzentrier dich.«

»Verstanden, Meister«, erwiderte Anakin trocken. »Konzentriere mich.«

R2-D2 zirpte, und Anakin sah aufs Display. »Wir haben ihn, Meister. Der Kreuzer vor uns. Das ist Grievous’ Flaggschiff: die Invisible Hand

»Es befinden sich Dutzende von Kreuzern vor uns, Anakin!«

»Ich meine den mit den vielen Vulture-Jägern.«

Die Vulture-Jäger an den langen Flanken des Kreuzers der Handelsföderation, von dem Palpatines Signal kam, verliehen ihm eine gespenstische, lebendig wirkende Kräuselung. Das Schiff wirkte wie ein riesiger Raubfisch mit zahllosen alderaanianischen Gehmuscheln.

»Oh, der.« Anakin glaubte zu hören, wie Obi-Wan schluckte. »Oh, das sollte einfach sein ...«

Einige Vulture-Jäger lösten sich vom Kreuzer, zündeten ihre Triebwerke und flogen den beiden Jedi entgegen.

»Einfach? Nein. Aber es könnte Spaß machen.« Manchmal musste man Obi-Wan ein wenig provozieren, damit er lockerer wurde. »Ich wette um ein Mittagessen bei Dex, dass ich doppelt so viele erledige wie Ihr. R2 übernimmt das Zählen.«

»Anakin ...«

»Na schön, ein Abendessen. Und ich verspreche, dass R2 diesmal nicht mogelt.«

»Dies ist kein Spiel, Anakin. Es geht um zu viel.« Das war der Ton, den Anakin hören wollte: leichter Tadel, etwas Schulmeisterliches. Obi-Wan war wieder in Form. »Dein Droide soll per Richtstrahl dem Tempel einen Bericht schicken. Und ruf die Jedi mit Sternjägern. Wir nähern uns von allen Seiten.«

»Das habe ich schon versucht.« Anakin sah aufs Display. »Aber es gibt noch immer zu viele Störsignale. R2 kann den Tempel nicht erreichen. Vermutlich können wir beide uns nur verständigen, weil wir praktisch Seite an Seite fliegen.«

»Was ist mit Jedi-Signalen?«

»Tut mir Leid, Meister.« In Anakins Magengrube krampfte sich etwas zusammen, aber er wollte entspannt klingen. »Vielleicht sind wir die einzigen Jedi hier draußen.«

»Dann müssen wir genügen. Schalte auf den Klonkriegerkanal um.«

Anakin stellte die Kom-Scheibe auf die neue Frequenz ein und hörte, wie Obi-Wan sagte: »Oddball, hören Sie mich? Wir brauchen Hilfe.«

Der Helmlautsprecher des Klon-Captains tilgte das Menschliche aus seiner Stimme. »Ich höre Sie, Rot-Führer.«

»Stellen Sie meine Position fest und formieren Sie Ihre Gruppe hinter mir. Wir greifen an.«

»Wir sind unterwegs.«

Die Droidenjäger verloren sich vor dem Hintergrund der Schlacht, aber R2-D2 verfolgte ihren Kurs mit den Scannern. Anakin schloss die Hand fester um den Steuerknüppel. »Zehn Geier nähern sich, oben links von mir. Weitere sind unterwegs.«

»Ich sehe sie. Anakin, warte ... Der Kreuzer hat die Hangarschilde gesenkt! Ich orte vier, nein, sechs Schiffe, die uns entgegenfliegen.« Obi-Wan sprach lauter. »Tri-Jäger! Und sie kommen schnell heran!«

Anakin lächelte grimmig. Jetzt wurde es interessant.

»Zuerst die Tri-Jäger, Meister. Die Geier können warten.«

»Einverstanden. Lass dich zurückfallen und dreh nach rechts ab. Bring dich hinter mich. Wir nehmen sie von der Seite.«

Er sollte Obi-Wan den Vortritt lassen? Mit einer beschädigten linken Steuerfläche und einer halb ausgefallenen R-Einheit? Während Palpatines Leben auf dem Spiel stand?

Auf keinen Fall.

»Negativ«, sagte Anakin. »Ich übernehme die Spitze. Wir sehen uns auf der anderen Seite.«

»Immer mit der Ruhe. Warte auf Oddball und Gruppe Sieben. Anakin ...«

Er hörte den Ärger in Obi-Wans Stimme, als er das Sublichttriebwerk aktivierte und am anderen Sternjäger vorbeisprang. Sein früherer Meister hatte sich noch immer nicht daran gewöhnt, dass sich Anakin nicht mehr von ihm herumkommandieren ließ.

Er war ohnehin nie dafür bekannt gewesen, Befehle entgegenzunehmen. Weder von Obi-Wan noch von sonst jemandem.

»Bitte entschuldigen Sie, dass wir so spät kommen.« Die digitalisierte Stimme des Klons, dessen Signalname Oddball lautete, klang so ruhig, als bestellte er ein Essen. »Wir sind rechts von Ihnen, Rot-Führer. Wo ist Rot-Fünf?«

»Anakin, gliedere dich in die Formation ein!«

Aber Anakin raste bereits den Jägern der Handelsföderation entgegen. »Es geht los!«

Obi-Wans Seufzen kam klar über die Kom-Verbindung, und Anakin wusste genau, was der Meister dachte. Er dachte es immer.

Er muss noch so viel lernen.

Das Lächeln verschwand, und Anakin presste die Lippen zusammen, als ihn feindliche Sternjäger umschwärmten. Und er dachte das, was er immer dachte:

Wir werden sehen.

Er gab sich dem Kampf hin, und sein Sternjäger wirbelte durchs All; seine Kanonen spuckten Feuer, und die Droiden auf allen Seiten verwandelten sich in Wolken aus glühenden Trümmern und superheißem Gas.

Auf diese Weise entspannte er sich.

 

Dies ist Anakin Skywalker.

Der mächtigste Jedi seiner Generation. Vielleicht aller Generationen. Der schnellste. Der stärkste. Ein unschlagbarer Pilot. Ein unaufhaltsamer Krieger. Auf dem Boden, in der Luft, auf See oder im All, niemand kann es mit ihm aufnehmen. Er hat nicht nur Kraft und Geschick, sondern auch Schneid, jene seltene, unschätzbare Kombination von Kühnheit und Eleganz.

Bei dem, was er macht, ist er der Beste. Der Beste, den es je gegeben hat. Und das weiß er.

Das HoloNetz nennt ihn den »Helden ohne Furcht«. Wovor sollte er sich auch fürchten?

Allerdings ...

Dennoch wohnt Furcht in ihm und kratzt an den Schutzmauern, die sein Herz umgeben.

Manchmal stellt sich Anakin die Furcht, die an seinem Herzen nagt, als Drache vor. Auf Tatooine erzählen sich die Kinder von Drachen, die in Sonnen leben. Kleine Verwandte der Sonnendrachen leben angeblich in den Fusionsreaktoren, die alles mit Energie versorgen, von Raumschiffen bis hin zu Podrennern.

Aber Anakins Furcht ist eine andere Art von Drache. Ein kalter und toter.

Aber nicht annähernd tot genug.

Vor vielen Jahren, kurz nachdem er zu Obi-Wans Padawan geworden war, hatte ihn eine Mission in ein totes System gebracht: so unglaublich alt, dass sich die Sonne in einen kalten Zwerg aus hyperkompakten Metallen verwandelt hatte, dessen Temperatur den Quantenbruchteil eines Grads über dem absoluten Nullpunkt lag. Anakin erinnerte sich nicht mehr daran, worum es bei der Mission gegangen war, aber jenen Stern konnte er nicht vergessen.

Er hatte ihn erschreckt.

»Sterne können sterben ...?«

»Das ist die Natur des Universums, oder anders ausgedrückt: Es ist der Wille der Macht«, hatte ihm Obi-Wan gesagt. »Alles stirbt. Im Lauf der Zeit brennen selbst Sterne aus. Deshalb gehen Jedi keine Bindungen ein: Alles vergeht. Wer an etwas – oder an jemandem – über seine Zeit hinweg festzuhalten versucht, stellt seine egoistischen Wünsche der Macht entgegen. Das ist ein Weg des Elends, Anakin; die Jedi beschreiten ihn nicht.«

Dies ist die Art von Furcht, die in Anakin Skywalker lebt: der Drache des toten Sterns. Es ist eine uralte, kalte, tote Stimme in seinem Herzen, die flüstert: Alles stirbt ...

Am helllichten Tag hört er sie nicht. Kampf, eine Mission und selbst ein Bericht vor dem Jedi-Rat können dazu führen, dass er sie vergisst. Aber des Nachts ...

Nachts überziehen sich die inneren Mauern, die er errichtet hat, manchmal mit Raureif. Gelegentlich knacken sie ...

In der Nacht kriecht der Drache des toten Sterns manchmal durch Ritzen und Spalten bis in sein Gehirn und beißt in die Innenseite seines Schädels. Der Drache flüstert davon, was Anakin verloren hat. Und was er verlieren wird.

In jeder Nacht erinnert ihn der Drache daran, wie er seine sterbende Mutter in den Armen gehalten und sie mit letzter Kraft gesagt hatte: Ich wusste, dass du zu mir kommen würdest...

Der Drache erinnert ihn in jeder Nacht daran, dass er eines Tages Obi-Wan verlieren wird. Und auch Padmé. Oder sie werden ihn verlieren.

Alles stirbt, Anakin Skywalker. Selbst Sterne brennen aus ... Und die einzigen Antworten, die er für dieses tote, kalte Flüstern hat, sind seine Erinnerungen an Obi-Wans und Yodas Stimmen.

Aber manchmal fällt es ihm schwer, sich zu erinnern ...

Alles stirbt ...

Er bringt es kaum fertig, daran zu denken.

Doch derzeit bleibt ihm keine Wahl: Der Mann, den er jetzt retten will, ist ein besserer Freund, als er ihn sich jemals wünschen konnte. Das bringt eine gewisse Schärfe in seine Stimme, wenn er zu scherzen versucht. Es veranlasst ihn, die Lippen zusammenzupressen, und es strafft die Brandnarbe an der rechten Wange.

Der Oberste Kanzler ist für Anakin so etwas wie eine Familie gewesen: immer präsent, immer mitfühlend, immer bereit, einen Rat zu geben und Hilfe zu leisten. Ein verständnisvolles Ohr, die liebevolle, bedingungslose Bereitschaft, Anakin genau so zu akzeptieren, wie er ist – eine Art von Akzeptanz, wie Anakin sie von keinem anderen Jedi bekommen kann. Nicht einmal von Obi-Wan. Mit Palpatine spricht er über Dinge, die er seinem Meister nicht anvertrauen kann.

Mit Palpatine spricht er über Dinge, die er nicht einmal Padmé anvertraut.

Jetzt droht dem Obersten Kanzler die schlimmste Art von Gefahr. Und Anakin ist auf dem Weg, obwohl Entsetzen in seinem Blut kocht. Das macht ihn zu einem wahren Helden. Nicht auf die Weise, wie ihn das HoloNetz darstellt; nicht ohne Furcht, aber stärker als die Furcht.

Er blickt dem Drachen ins Auge und wird nicht einmal langsamer.

Wenn jemand Palpatine retten kann, so Anakin. Denn er ist bereits der Beste und wird noch besser. Doch hinter den Mauern, die sein Herz schützen, hebt der Drache, der seine Furcht verkörpert, den Kopf und zischt.

Denn in einem Universum, in dem selbst Sterne sterben, ist seine wahre Furcht ein Wesen, für das das Beste nicht ganz genug ist.

 

Obi-Wans Sternjäger kippte zur Seite. Anakin sauste an ihm vorbei, zündete die vorderen Düsen und wendete, sodass der Bug nach hinten zeigte – Strahlblitze gleißten, und die letzten Tri-Jäger explodierten. Jetzt waren nur noch die Vulture-Jäger übrig.

Viele Vulture-Jäger.

»Wie hat Euch das gefallen, Meister?«

»Sehr hübsch.« Obi-Wans Kanonen deckten den Rumpf eines herabstoßenden Vulture-Jägers mit Plasma ein, bis der Droide explodierte. »Aber wir sind noch nicht durch.«

»Schaut Euch dies an.« Anakin wendete seinen Sternjäger erneut und raste direkt durch einen Droidenschwarm. Ihr Triebwerksglühen wurde heller, als sie sich an seine Fersen hefteten. Anakin führte sie zum oberen Deck eines Separatistenkreuzers, an dessen Rumpf Laserstrahlen schwarze Brandmale hinterlassen hatten. »Ich bringe sie durch die Nadel.«

»Bring sie nirgendwohin.« Obi-Wans Gefahrendisplay zählte die Vulture-Jäger hinter Anakin. Es waren zwölf. Zwölf. »Das erste Kampfprinzip der Jedi: Überlebe.«

»Diesmal bleibt uns keine Wahl.« Anakin steuerte seinen Sternjäger durch einen Orkan aus Laserfeuer. »Kommt herunter und dezimiert die Verfolgerschar ein wenig.«

Obi-Wan stieß den Steuerknüppel bis zum Anschlag nach vorn, als könnte er seinen beschädigten Jäger dadurch noch schneller werden lassen. Die Verfolgerschar dezimieren ...

»Nichts Fantasievolles, R4.« Als ob der lädierte Droide zu etwas Fantasievollem in der Lage gewesen wäre. »Halt mich nur stabil.«

Er griff in die Macht. »Auf meine Anweisung nach links schwenken – jetzt!« Die deaktivierte linke Steuerfläche bewirkte, dass aus dem Schwenk eine enge Spirale wurde, wodurch vier Vulture-Jäger vor Obi-Wans Kanonen gerieten ...

Es blitzte viermal ...

... und die Jäger existierten nicht mehr.

Er flog durch die Wolken aus glühendem Plasma. Er durfte keine Zeit damit verlieren, ihnen auszuweichen – acht weitere Jäger verfolgten Anakin.

Und was war dies? Obi-Wan runzelte die Stirn.

Der Kreuzer wirkte vertraut.

Die Nadel?, dachte er. Oh, das soll wohl ein Scherz sein, wie?

 

In einer Entfernung von nur wenigen Metern raste Anakins Sternjäger über den dorsalen Rumpf des Kreuzers. Kanonenfeuer der Vulture-Jäger loderte ringsum und riss Brocken aus der Panzerung des großen Raumschiffs.

»Also gut, R2. Wo ist der Graben?«

Auf dem vorderen Schirm erschien eine topographische Darstellung des Kreuzerrumpfs. Der Graben, in den Obi-Wan seinen Sternjäger hatte fallen lassen, befand sich direkt voraus. Anakin ließ seinen Jäger über eine Tragfläche in den Graben abkippen. Auf beiden Seiten jagten nahe Wände vorbei, als er zum Brückenturm am Ende des Grabens flog. Von hier aus konnte er den schmalen Schlitz zwischen den Streben nicht einmal sehen.

Mit acht Vulture-Jägern, die an ihm klebten, durfte er nicht hoffen, seinen Verfolgern zu entkommen, indem er den Sternjäger dicht vor dem Brückenkomplex hochriss. Aber das beabsichtigte er auch gar nicht.

Die Kom-Einheit des Cockpits summte. »Versuch es nicht, Anakin. Die Öffnung ist zu schmal.«

Vielleicht zu schmal für dich. »Ich komme hindurch.«

R2-D2 stimmte Obi-Wan mit nervösem Zirpen zu.

»Keine Sorge, R2«, sagte Anakin. »Wir haben es schon einmal geschafft.«

Strahlen zuckten an dem Sternjäger vorbei und trafen die Streben weiter vorn. Jetzt konnte er es sich nicht mehr anders überlegen – dafür war es zu spät. Er musste sein Schiff durch die schmale Öffnung bringen, und wenn ihm das nicht gelang, starb er.

Die Möglichkeit seines Todes ließ ihn seltsam unbewegt.

»Benutze die Macht.« Obi-Wan klang besorgt. »Denk dich hindurch. Der Sternjäger wird dir folgen.«

»Was habt Ihr von mir erwartet? Dass ich die Augen schließe und vor mich hin pfeife?«, murmelte Anakin und sagte laut: »Verstanden. Denke jetzt.«

R2-D2s Zirpen klang so ängstlich, wie es bei einem Droiden möglich war. Auf dem Display reihten sich Buchstaben aneinander: ABBRECHEN! ABBRECHEN! ABBRECHEN!

Anakin lächelte. »Falscher Gedanke.«

 

Obi-Wan starrte mit offenem Mund, als sich Anakins Sternjäger auf die Seite legte und durch die schmale Öffnung raste. Er rechnete fast damit, dass die Streben R2 aus der Interfacemulde rissen.

Die Vulture-Droiden versuchten, Anakin zu folgen, aber sie waren einfach ein wenig zu groß.

Als die ersten beiden gegen die Streben prallten, brachte Obi-Wan seinen Sternjäger nach unten und feuerte. Die Droidengehirne waren auf Ausweichmanöver programmiert, und die Vulture-Jäger reagierten entsprechend. Sie versuchten, Obi-Wans Laserblitzen zu entgehen – und flogen direkt in den sich ausdehnenden Feuerball vor den Streben.

Obi-Wan sah auf und beobachtete, wie Anakin hinter dem Nadelöhr aufstieg und seinen Triumph mit einer Siegesrolle feierte. Obi-Wan ging auf den gleichen Kurs, verzichtete aber auf eine Rolle.

»Die ersten vier gehen auf Euer Konto«, kam Anakins Stimme aus den Lautsprechern. »Die anderen acht gehören mir.«

»Anakin ...«

»Na schön, die eine Hälfte für Euch, die andere für mich.«

Der Kreuzer blieb hinter ihnen zurück, und die Sensoren orteten Gruppe Sieben direkt voraus. Die Klonpiloten waren in einen Kampf verwickelt worden, und dort schien es ziemlich heiß herzugehen. Jäger wichen aus und griffen an – die Ionenspuren ihrer Triebwerke bildeten glühende Knäuel.

»Oddball ist in Schwierigkeiten. Ich helfe ihm.«

»Nein. Er hat seine Aufgabe zu erledigen, wir die unsere.«

»Seine Streitmacht wird aufgerieben, Meister ...«

»Jeder Einzelne von ihnen wäre bereit, sich für Palpatine zu opfern. Willst du Palpatines Leben für ihres geben?«

»Nein ... nein, natürlich nicht, aber ...«

»Ich verstehe, Anakin: Du möchtest alle retten. Das möchtest du immer. Aber das kannst du nicht.«

»Erinnert mich nicht daran«, erwiderte Anakin mit gepresst klingender Stimme.

»Zum Kommandoschiff.« Obi-Wan wartete keine Antwort ab, nahm Kurs auf den Kommandokreuzer und ging auf maximale Beschleunigung.

 

Das Kreuz aus Brandnarben neben Anakins Auge wurde weiß, als er seinen Sternjäger drehte und Obi-Wan folgte. Sein früherer Meister hatte Recht. Wie fast immer.

Du kannst nicht alle retten.

Der Körper seiner Mutter, blutüberströmt in seinen Armen...

Der mühsame Versuch, die Augen offen zu halten ...

Die Berührung ihrer aufgerissenen Lippen ...

Ich wusste, dass du zu mir kommen würdest ... Ich habe dich so sehr vermisst ...

Das bedeutete es, nicht ganz gut genug zu sein.

Es konnte jederzeit passieren. Überall. Wenn er einige Minuten zu spät kam. Wenn er auch nur für eine Sekunde unaufmerksam war. Wenn er sich Schwäche gestattete.

Überall. Jederzeit.

Aber nicht hier und nicht jetzt.

Anakin zwang das Erinnerungsbild seiner Mutter unter die Oberfläche des Bewusstseins zurück.

Es wurde Zeit, dass er sich an die Arbeit machte.

Die beiden Sternjäger rasten durch die Schlacht, wichen Antijägerfeuer und Turbolaserstrahlen aus, sausten um mehrere Kreuzer herum, konnten so die Sensoren der sie verfolgenden Droidenjäger verwirren. Nur noch einige Dutzend Kilometer trennten sie vom Kommandokreuzer, als zwei Tri-Jäger vor ihnen erschienen und sofort das Feuer eröffneten.

Indikatoren leuchteten auf Anakins Konsole, und R2-D2 schrillte eine Warnung. »Raketen!«

Um sich selbst machte er sich keine Sorgen: Die beiden Raketen hinter ihm flogen genau nebeneinander. Solchen Raketen fehlten die komplexen Gehirne von Droidenjägern. Um während des Anflugs auf das Ziel eine Kollision zu verhindern, richtete die eine ihre Zielerfassung auf das linke Sternjägertriebwerk und die andere auf das rechte aus. Eine schnelle Rolle bewirkte, dass sich die beiden Flugbahnen kreuzten.

Eine lautlose Explosion flammte im All.

Obi-Wan war nicht so gut dran. Die beiden Raketen, die es auf seine Sublichttriebwerke abgesehen hatten, flogen nicht genau nebeneinander, und deshalb nützte ihm eine Rolle nichts. Stattdessen ging er auf Gegenschub und zündete die dorsalen Düsen – er halbierte seine Geschwindigkeit und drückte den Sternjäger gleichzeitig einige Meter nach unten. Die erste Rakete schoss übers Ziel hinaus und verschwand mit einer spiralförmigen Flugbahn in der orbitalen Schlacht.

Die zweite Rakete kam so nahe heran, dass ihre Annäherungssensoren reagierten und den Sprengkopf zündeten. Eine Explosion schleuderte Splitter in alle Richtungen, und einige davon verfolgten Obi-Wans Sternjäger.

Kleine silberne Kugeln erschienen in Obi-Wans Flugbahn und hefteten sich an die Außenhülle des Sternjägers. Sie öffneten sich, und heraus kamen spinnenartige Anordnungen von Greifarmen, die Rumpfplatten lösten und die inneren Mechanismen des Schiffs für multiple runde Klingen zugänglich machten, die Obi-Wan an alte mechanische Knochensägen erinnerten.

Dies war ein Problem.

»Ich bin getroffen.« Obi-Wan klang mehr verärgert als besorgt. »Ich bin getroffen.«

»Ich sehe es auf dem Schirm.« Anakin schloss zum anderen Sternjäger auf. »Buzzdroiden. Ich zähle fünf.«

»Verschwinde von hier, Anakin. Du kannst mir nicht helfen.«

»Ich lasse Euch nicht zurück, Meister.«

Kaskaden von Funken spritzten von den Sägen der Droiden ins All. »Die Mission, Anakin! Flieg zum Kommandoschiff! Befrei den Kanzler!«

»Nicht ohne Euch«, presste Anakin zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

Einer der Buzzdroiden saß neben dem Cockpit und streckte mehrere silberne Arme R4 entgegen. Ein weiterer arbeitete am Bug des Sternjägers, und ein dritter näherte sich der ventralen Hydraulik. Die übrigen beiden aggressiven kleinen Mechs steckten an der linken Tragfläche und nahmen sich dort das beschädigte Steuerelement vor.

»Du kannst mir nicht helfen«, wiederholte Obi-Wan und hielt an seiner Jedi-Ruhe fest. »Sie legen die Kontrollen still.«

»Das bringe ich in Ordnung ...« Anakin steuerte seinen Sternjäger bis auf zwei Meter an den Obi-Wans heran. »Ganz ruhig ...«, murmelte er. »Ganz ruhig ...« Und dann gab er einen kurzen Feuerstoß mit dem rechten Laser, der zwei Buzzdroiden in Schlacke verwandelte.

Zusammen mit dem größten Teil von Obi-Wans linker Tragfläche.

»Huch«, sagte Anakin.

 

Der Sternjäger schüttelte sich so heftig, dass Obi-Wans Kopf an die Transparistahldecke stieß. Rauch zog durchs Cockpit. Obi-Wan bewegte den Steuerknüppel, um den Jäger wieder unter Kontrolle zu bringen. »Das ist keine Hilfe, Anakin.«

»Ihr habt Recht, es war eine schlechte Idee. Versuchen wir’s hiermit ... Dreht nach links, unter meinen Jäger ... langsam ...«

»Du bist zu nahe, Anakin! Warte ...« Obi-Wan riss ungläubig die Augen auf, als Anakins Sternjäger noch näher kam und mit der Spitze der Tragfläche einen Buzzdroiden zerschmetterte. Der heftige Kontakt ließ Obi-Wans Jäger erzittern, schuf eine tiefe Delle im Rumpf und zerstörte das vordere Steuerelement von Anakins Tragfläche.

Anakin hatte das erste Kampfprinzip der Jedi vergessen. Wieder einmal.

»Du bringst uns beide um.«

Die Atmosphärenreiniger sogen den Rauch aus dem Cockpit, doch inzwischen hatte der Buzzdroide auf der rechten Tragfläche genug Rumpfplatten gelöst, um seine Sägearme tief ins Innere zu schieben. Funken stoben ins All, zusammen mit Gas, das im Vakuum sofort kristallisierte. Das entweichende Gas hatte die gleiche Geschwindigkeit wie der Sternjäger und hing wie Nebel vor dem Bug. »Verdammt!«, fluchte Obi-Wan. »Ich kann nichts sehen. Die Kontrollen sind hin.«

»Es ist so weit alles in Ordnung. Bleibt neben mir.«

Leichter gesagt als getan. »Ich muss beschleunigen, um aus der Wolke herauszukommen.«

»Ich begleite Euch. Los.«

Obi-Wan gab vorsichtig Schub, und sein Sternjäger glitt aus der Wolke. Doch es entwich noch mehr Gas, und neue Schwaden entstanden. »Sitzt der letzte Buzzdroide noch immer am Bug? R4, kannst du etwas unternehmen?«

Die einzige Antwort kam von Anakin. »Negativ bei R4. Es hat ihn erwischt.«

»Wie bitte?«, erwiderte Obi-Wan erstaunt. »Die Buzzdroiden haben R4 angegriffen?«

»Nicht nur ihn. Einer von ihnen sprang bei unserem Kontakt herüber.«

Sie werden tatsächlich schlauer, dachte Obi-Wan.

Obi-Wan dachte daran, dass nicht nur die Droiden der Separatisten schlauer wurden.

»Allmählich verstehe ich, warum du von R2 wie von einem lebenden Wesen sprichst«, sagte Obi-Wan.

»Äh, doch.« Obi-Wan runzelte die Stirn. »Doch, natürlich, er bleibt ein Objekt, eine Maschine. Aber er ist auch ein wenig mehr. Dank ihm für mich.«

»Äh ... ja. Danke, R2.«

Gern geschehen

Der große Kommandokreuzer war mehr als einen Kilometer lang und hatte damit etwa ein Drittel der Größe eines Schlachtschiffs der Handelsföderation. So nahe bei ihm sah Obi-Wan nur weite sandfarbene Rumpfebenen mit Turbolaserbergen, die destruktive Energie ins All schleuderten.

Schnell.

»Das ist der Plan! Haltet auf den Hangar zu.«

»Ich weiß: Es entspricht nicht dem ersten Kampfprinzip der Jedi.«

klappen.

»Meine Kontrollen funktionieren nicht mehr. Ich kann meinen Kurs nicht beeinflussen.«

»Kein Problem

Er hob und drehte den Kopf, hielt nach dem anderen Sternjäger Ausschau und sah ihn dicht über seinem Heck, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Nur eine Handbreite trennte Anakins linkes vorderes Steuerelement von Obi-Wans Sublichttriebwerken.

angestoßen.Absicht.

KLONG.

machst

Obi-Wan schüttelte den Kopf. Dies war vollkommen unmöglich. Ein anderer Pilot hätte so etwas nie versucht.

Obi-Wan dachte daran, dass er sich inzwischen daran gewöhnt haben sollte.

Während ihm diese Gedanken ziellos durch den Kopf gingen, sah er das blaue Glühen in der Öffnung des Kreuzerhangars. Mit einem Mal wurde ihm klar, was es bedeutete.

»Anakin ...«, begann Obi-Wan. Er versuchte, die Kontrollen umzuleiten, bewegte den Steuerknüppel ... Der Sternjäger reagierte nicht.

»Anakin ...«

»Anakin!«

»Der Hangar ...«

»Hast du bemerkt, dass der Hangarschild noch aktiv ist?«

»Ja.« Und er war so nahe, dass Obi-Wan ihn zu riechen glaubte ...

Obi-Wan schloss die Augen.

dort

Der volle Gegenschub von Triebwerken, die einen großen Teil ihres Potenzials verloren hatten, zögerte das Ende nur ein wenig hinaus.

Der ganze Jäger – beziehungsweise was davon übrig war – vibrierte vom Donnern der aus dem ungeschützten Hangar entweichenden Atmosphäre. Massive Schotten schlossen sich wie Mäuler. Obi-Wan benutzte erneut die Macht, um mit ihr die manuellen Testkontrollen zu berühren und die Energiezufuhr der Triebwerke zu unterbrechen. Doch es gelang ihm nicht, die kleinen Sprengsätze zu zünden, die dazu bestimmt waren, das Cockpitdach abzusprengen. Er fürchtete, dass sie die einzigen Teile des Sternjägers waren, die nicht explodieren würden.

Er ritt auf der Druckwelle, richtete sich dabei mithilfe der Macht auf. Mit katzenartiger Agilität landete er auf dem schwarzen Streifen, den seine Landung auf dem Deck geschaffen hatte und der noch heiß genug war, ihm die Stiefelsohlen zu versengen.

Obi-Wans Schultern sanken ein wenig, die Knie beugten sich, und das Lichtschwert ragte schräg vor seinem Gesicht auf. Gegen so viele Gegner konnte er sich allein nicht durchsetzen, aber das war ihm gleich.

Wenigstens saß er nicht mehr in dem verdammten Sternjäger.


Der andere Jäger war ein Haufen glühender Trümmer am Ende einer schwarzen Gleitspur. Und Obi-Wan, mit Raureif im Bart und das Lichtschwert erhoben, stand in einem enger werdenden Kreis aus Kampfdroiden.

Das hätte er hier gern ebenfalls getan, aber Palpatine befand sich irgendwo an Bord dieses Schiffes. Vielleicht brauchten sie einen der leichten Shuttles in diesem Hangar, um den Kanzler in Sicherheit zu bringen. Einige Dutzend Strahlblitze aus den Kanonen des Sternjägers hätten vom Hangar und seinem Inhalt nicht viel übrig gelassen.

Er stieß das Cockpitdach auf, sprang, drehte sich in der Luft und landete auf der Tragfläche. Die Kampfdroiden eröffneten sofort das Feuer, und sein Lichtschwert blitzte. »R2, such einen Computeranschluss!«

R2 löste sich aus der Interfacemulde und hüpfte aufs Deck. Anakin sprang vor ihn, in eine Kaskade aus Blasterfeuer, und ließ sein Schwert von der Macht leiten. Funken stoben aus fallenden Kampfdroiden.

»Das ist nicht nötig.«

»Ich weiß deine gute Absicht zu schätzen, Anakin«, sagte der Jedi-Meister mit einem sanftem Lächeln. »Aber ich bin bereits dir zu Hilfe gekommen.«


Sie stehen sich näher als Freunde. Näher als Brüder. Zwar ist Obi-Wan sechzehn Jahre älter als Anakin, aber sie sind zusammen zu Männern geworden. Keiner von ihnen kann sich das Leben ohne den anderen vorstellen. Der Krieg hat ihre beiden Leben vereint.

Und ihr Leben ist eine Waffe.

Sie stehen allein.

Obi-Wan und Anakin kommen immer.

Ob Obi-Wans legendäre Klugheit Anakins enorme Kraft schlagen kann ... Diese Frage ist überall in der Galaxis Gegenstand von Boxkämpfen auf Schulhöfen, von i in Krippentümpeln und Dreckfehden in Kapselkammern. Meistens enden die Auseinandersetzungen mit dem Eingeständnis beider Seiten, dass es keine Rolle spielt.

Sie könnten es nicht.

das