
Cristina Camera
Der Gesang der Sehnsucht
Roman
Rowohlt Digitalbuch

Cristina Camera studierte Germanistik und Kunstgeschichte. Während ihres Studiums arbeitete sie als Buchhändlerin und später als Sachbuchlektorin, bevor sie das Schreiben zu ihrem Beruf machte. Mit Mann und Tochter lebt sie als freie Autorin in München, wenn sie sich nicht gerade in ihrer Wahlheimat Italien aufhält.
Weitere Veröffentlichungen:
Der Zitronenbaron
Die Gärten der Villa Sabrini
Der Zauber eines Sommers
Azurblaue Adria, wolkenloser Himmel und Champagner in Strömen – 1929 wird ein Traum für Theresa wahr: Italien! Im Grand Hotel von Rimini, dort, wo Hochadel und Industrielle absteigen, wird sie den Sommer verleben. Sie verdankt diese Reise ihrem Chef, der mit seinen technischen Erfindungen auch in Italien Geschäfte machen möchte.
Die junge Berlinerin genießt den Aufenthalt – vor allem, weil sie ungehindert ihrer Passion nachgehen kann: als Sängerin, begleitet am Klavier, aufzutreten. Als sie sich in einen geheimnisvollen Marchese verliebt, scheint ihr Glück vollkommen. Wären da nicht ein Verlobter in Berlin, der auf ihre Rückkehr drängt, und der Diebstahl ihrer Unterlagen. Sollte ihre neue Liebe am Ende Industriespionage betrieben und sie nur benutzt haben?
Rowohlt Digitalbuch, veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, Juli 2011
Copyright © 2011 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages
Umschlaggestaltung any.way, Barbara Hanke/Cordula Schmidt
(Abbildung: neuebildanstalt/Hanke; Hohlwein, Ludwig, Plakat «Trage Schmuck» [Ausschnitt], © VG Bild-Kunst, Bonn 2010)
Schrift DejaVu Copyright © 2003 by Bitstream, Inc. All Rights Reserved. Bitstream Vera is a trademark of Bitstream, Inc.
ISBN Buchausgabe 978-3-499-25487-1 (1. Auflage 2011)
ISBN Digitalbuch 978-3-644-44631-1
www.rowohlt-digitalbuch.de
ISBN 978-3-644-44631-1
Wenn eine Soubrette nicht mehr singt
Wenn ihr Lachen nur noch bitter klingt
Dann fährt der Leichenwagen vor das Haus
Und holt die toten Träume raus
(aus dem Tagebuch der Soubrette Henny Walden, 1925)
Das Meer hatte eine graphitgraue Färbung angenommen, von Zeit zu Zeit war ein entferntes Grollen zu hören. Theresa lief barfuß durch den feuchten, kalten Sand. Die feinen Sandalen aus Schlangenleder hielt sie in der rechten Hand, mit der linken drückte sie sich ihren Strohhut auf den Kopf, damit keine Böe ihn über die nahe Promenade wehte. Der Wind, der ihr das leichte Seidenkleid zwischen die Beine schob, kam von Norden und trieb eine dunkle Gewitterwand vor sich her. Sie sollte sich beeilen, damit sie den Kursaal erreichte, bevor ein Schauer herunterkam.
Motorengebrumm ließ Theresa aufhorchen. Verwundert blieb sie stehen. Automobile, Kaleschen und Pferdefuhrwerke blockierten die gesamte Uferstraße. Ein kleiner Stau hatte sich vor dem Haupteingang des Grand Hotels gebildet. Diener, Zimmermädchen und Portiers schleppten Gepäckstücke. Offenbar saßen sämtliche Hotelgäste auf gepackten Koffern. Weshalb diese Eile? Theresa setzte sich auf eine der weißgestrichenen Holzbänke entlang des Strands und zog ihre Schuhe an. Sie erkannte Gräfin Sophie Vandrázy, die sich von ihrem Sohn in einen offenen Wagen helfen ließ. Ob Elvira wusste, dass Gábor abreiste? Fürst Igor Luschnikow hatte bereits in dem Cabriolet Platz genommen und beobachtete mit mürrischer Miene, wie die Gräfin an ihrem knöchellangen Kostümrock herumzupfte, um sich keine Falten zu sitzen. Doch seine Aufmerksamkeit wurde jäh abgelenkt, als Robert Vanderhoeck mit Gattin Vanessa aus New York in ihrem offenen Cadillac vorbeirauschte. Auf der Rückbank des extra nach Italien verschifften Luxusautomobils stapelte sich das umfangreiche Gepäck, lieblos und offenbar in höchster Eile übereinandergeworfen. Wo war Roberts sprichwörtliche Nonchalance geblieben? Ihn brachte doch eigentlich nur der Diätwahn seiner Frau aus der Ruhe.
Theresa schüttelte den Kopf und betrat die gepflegten Parkanlagen, die sich vor der Hauptfassade des Hotels erstreckten. Von dort beobachtete sie aus sicherem Abstand das befremdliche Treiben. Hatte sie etwas nicht mitbekommen? War womöglich auch schon Chauffeur Knut damit beschäftigt, die Abreise vorzubereiten? Eigentlich konnte das nicht sein. Elvira war doch noch nicht reisefähig. Gerade als sie sich in Richtung Kursaal wenden wollte, um eine Tasse Tee zu trinken, riss ihr eine Windböe den Hut vom Kopf, trieb ihn vor sich her, bis er schließlich von einer Rosenrabatte aufgehalten wurde. In den sonst so peinlich sauber gehaltenen Beeten hing Zeitungspapier. Theresa bückte sich, hob ihren Hut auf und griff nach kurzem Zögern auch nach einem der Blätter. Verwundert las sie: Extrablatt – eine Sonderausgabe vom 25. Oktober der Vossischen Zeitung aus Berlin. Wie kam die hierher? In den Kurpark von Rimini?
Eine warme Brise bauschte die Vorhänge aus Seidenvoile, die Griffe der Zugkordeln klapperten gegen die offenstehenden Balkontüren. Leise rauschte das Meer in ihrem Rücken. Gleichmäßig und ruhig rollten die Wellen an den Strand. Theresa lehnte am Türrahmen und schaute auf ihr Doppelbett. Wie von einem Maler kunstvoll hindrapiert ruhte dort Elvira auf dem dunkelblauen Damast der Tagesdecke. Das lachsfarbene Chiffonkleid, eine Kreation des Modehauses Gerson aus Berlin, umspielte ihren Körper in schwerelosen Kaskaden. Ihr Haar trug sie nach dem neuesten Chic. Der perfekt geschnittene, tizianrote Bubikopf glänzte wie Lack. Gelangweilt sah sie Theresa aus ihren schrägstehenden, grünen Augen an.
«Unsere Katze» – so nannte sie ihr älterer Bruder Fridolin, wenn er sie necken wollte. Betont langsam zog Elvira jetzt an ihrer Zigarettenspitze und blies den Rauch in kleinen Wölkchen ins Zimmer.
«Hörst du, sie spielen einen Tango!» Die dunkelrot geschminkten Lippen formten gekonnt ein O, und eine weitere, kleine Wolke von Zigarettenrauch schlüpfte zwischen ihnen hindurch. «Weißt du noch, wann wir zuletzt Tango getanzt haben?»
Theresa sah sie nur an und schwieg. Der Rauch störte sie. Es war ihr Hotelzimmer, und sie hasste nichts mehr als abgestandenen, kalten Zigarettenrauch, der sich tagelang in Kleidern und Vorhängen festsetzte. Elvira wusste das nur zu genau, aber es machte ihr Spaß, die Freundin zu provozieren. Sie kannte sie gut genug, um zu wissen, dass Theresa nichts dazu sagen würde.
Die Frage an sich empfand sie bereits als eine schlichte Zumutung. Wie hätte sie den Anlass je vergessen können? Es war gerade einmal zwei Wochen her. In einem kleinen Gartenlokal im Grunewald hatte eine Tanzkapelle aufgespielt. Ihr Vater hatte das Lokal ausgesucht, weil es so schön im Grünen lag, weil es billig war und dennoch gepflegt, weil es dort selbstgemachte Kuchen gab: Käsekuchen und Marmorkuchen, den Mutter so gern aß. Und Pfirsichtorte hatte obendrein Saison. Abends dann servierten sie Königsberger Klopse mit heller Kapernsauce und Reis. Zum Nachtisch gab es rote Grütze. Das hatte man schließlich nicht alle Tage, bemerkte der Vater selbstzufrieden. Elfriede, Theresas Mutter, saß vor einer Berliner Weiße mit Waldmeister, die seit Stunden schon abgestanden war. Sie schwieg den ganzen langen Tag. Wenn sie Freude an diesem Fest hatte, so ließ sie sich das jedenfalls nicht anmerken.
Gustav Hartmann hatte darauf bestanden, dass sich seine Tochter verlobte, bevor sie auf Wunsch und auf Kosten von Heinrich von Bodmer und in Begleitung von dessen Kindern nach Italien fuhr. Das gehörte sich so. Das tat man dem armen Edgar nicht an. Er musste schließlich zu Hause bleiben und sicher sein, dass sein Mädel, seine Freundin, ihm treu blieb in dem fremden Land. Von Italien erzählte man sich ja wilde Sachen, ereiferte sich dann auch Edgar, als er davon erfuhr. Die Männer sollten es dort mit der Liebe nicht so genau nehmen. Ihr südländisches Temperament ginge manches Mal ungezügelt mit ihnen durch. Edgars Vorstellungsvermögen geriet hier an seine natürlichen Grenzen.
«Sieh dich vor, Theresa, die Männer dort sind hitzig», versuchte er sie zu warnen. «Versprich mir, dass du auf dich Acht gibst, dass du nicht alles machst, was Elvira von dir erwartet und Frido, ihr unmöglicher Bruder.»
Theresa hatte ihn daraufhin angelächelt und geschwiegen. Was sollte sie Edgar auch erwidern, ohne ihn weiter zu beunruhigen. Frido war alles andere als unmöglich. Frido war ein begnadeter Pianist, der sein Instrument beherrschte wie kaum ein anderer und der sie schon viele Abende in den kleinen Bars und Varietés am Ku’damm und rund um den Potsdamer Platz begleitet hatte. Sie waren ein eingespieltes Duo. Inzwischen sogar in der großen Stadt bekannt. Frido spielte, und sie sang Chansons und Couplets dazu. Ihnen beiden waren diese Auftritte wichtig. Für Theresa bildeten sie die willkommene und notwendige Abwechslung zu ihrem Beruf in der Chefetage von Heinrich von Bodmer. Das Gehalt, das ihr der Fabrikant von Musikmöbeln und elektrotechnischen Geräten bezahlte, konnte eine Aufbesserung gut vertragen. Frido tat den lieben langen Tag nichts anderes als Klavierspielen. Er träumte von einer großen Pianistenkarriere, seit er in Amerika gewesen war und dort in den Bars Jazzmusiker kennengelernt hatte. Edgar wusste das alles. Dennoch wurde er nicht müde, die Gefahren der Großstadt – vor allem nachts – zu predigen. Er und ihr Vater verstanden sich in dieser Hinsicht prächtig.
Ihre Eltern allerdings hatten von ihrer zusätzlichen Tätigkeit als Sängerin keine Ahnung. Sie glaubten, Theresa mache Abendkurse, um Sprachen zu lernen. Das hatte sie auch. Gleich nach dem Abitur, als ihr der Vater kein Studium finanzieren konnte, war sie auf die Abendschule gegangen, die Heinrich von Bodmer für sie bezahlte. Inzwischen machte sie das aber nur noch zweimal die Woche. Die übrigen Abende verbrachte sie mit seinem Sohn Fridolin, um bei Klaviermusik Gäste zu unterhalten. Elvira war immer mit von der Partie und samstags auch Edgar. Unter der Woche, wenn er im Berliner Amt für Wasserversorgung arbeitete und morgens früh aufstehen musste, konnte er den «ausschweifenden Lebensstil», wie er sich ausdrückte, nicht mitmachen. Auch Karl, Theresas Bruder, zog am Samstagabend mit den Bodmer-Kindern von einer Bar in die nächste, um zu tanzen und dabei seine Schwester zu beaufsichtigen. Aber insgeheim versuchte er, auf diese Weise möglichst unauffällig in Elviras Nähe zu sein. Er wusste, dass sie in ihm lediglich den Bruder der Freundin sah. Elviras Männergeschmack ging in eine ganz andere Richtung. Für Studenten hatte sie wenig übrig. Sie brauchte schon einen Begleiter, der sie hofierte, mit teuren Geschenken verwöhnte und in exquisite Restaurants ausführte. Der Blaue Kakadu, in dem ihr Bruder und Theresa regelmäßig auftraten, war entschieden unter ihrem Niveau. Insgeheim hoffte Karl dennoch, Elvira würde irgendwann doch einmal von ihm als Mann, als möglichen Verehrer, Notiz nehmen.
Theresa konnte von Glück reden, dass Edgar und Karl sie bislang bei den Eltern nicht hatten auffliegen lassen. Doch dann hätten sie sich ins eigene Fleisch geschnitten. Karl hätte auf die kleinen, aber stets willkommenen Geldbeträge seiner Schwester verzichten müssen. Sie unterstützte sein Studium und machte ihn damit geschickt zum schweigenden Mitwisser. Vor allem aber hätte er Elvira nicht mehr getroffen. Und Edgar wusste nur zu genau, wenn er Theresa verriet, hätte sie ihm sofort den Laufpass gegeben. Er war Gustav Hartmann deshalb sehr dankbar, als dieser urplötzlich von Verlobung sprach. Er selbst hätte niemals den Mut aufgebracht, Theresa zu fragen, das wusste sie. Doch für den Vater war das eine notwendige Maßnahme, die keiner Diskussion bedurfte. Und Theresa hatte zugestimmt, erfüllt von dem Wunsch, endlich der Enge der elterlichen Wohnung zu entfliehen und nach Italien zu kommen. Sie hätte nahezu allem zugestimmt, damit dieser Traum endlich Wirklichkeit wurde. In zwei oder drei Monaten sah das Leben vielleicht ganz anders aus. Wer mochte das wissen? Es konnte so viel passieren.
Gegen Edgar war im Prinzip ja auch nichts einzuwenden, redete sie sich erfolgreich ein. Pflichtbewusst ging er von morgens bis abends in sein Amt. Zum Streiten eignete er sich wenig. Dazu war er zu ruhig und zu ausgeglichen. Außerdem widersprach er Theresa nicht gern. Sie wusste, dass er ihr Temperament scheute. Aber gerade sein unerschütterlicher Gleichmut forderte ihren Widerspruch heraus. Zu gern hätte sie es einmal erlebt, dass er ihr die Stirn bot. Er war nett, liebenswert, hochanständig und, wie Elvira lachend sagte, «sterbenslangweilig».
Bei der kleinen Verlobungsfeier hatte dann die Kapelle nach dem Abendessen auf Edgars Wunsch hin einen Tango gespielt. Für ihn war dieser Tanz das Frivolste und Anrüchigste, was in der Öffentlichkeit noch erträglich war. Er konnte Theresa fest in die Arme nehmen und über den Tanzboden führen, ihren Körper nach hinten beugen, sodass sich ihre Brüste ihm entgegenschoben. Auf diese Weise bekam er Einblicke geboten, die sie ihm sonst nicht gewährte. Theresa wusste also sehr genau, weshalb Edgar so gerne Tango mit ihr tanzte.
Sie ging hinaus auf den Balkon des Zimmers und ließ den Blick über die parkartige Anlage vor dem Hotel schweifen, über die Palmen, Sommerblumen und Oleanderbüsche bis hinüber zum Strand, wo die Badegäste in ihren Liegestühlen dösten oder am Saum der Wellen spazieren gingen. Das sanfte Geräusch der Wellen drang bis zu ihr hinauf. Vor zwei Tagen waren sie angekommen. Von Berlin bis Rimini hatten sie mit mehreren Stopps über eine Woche gebraucht. Aber die lange Fahrt in der bequemen Pullman-Limousine von Horch mit Chauffeur Knut am Steuer war es zweifellos wert gewesen. Nur ungern gab sie es zu, denn es kam ihr wie Verrat an ihrer geliebten Ostsee vor, aber die weiche warme Luft und die träge, kaum bewegte Adria, die tiefblau und ohne Schaumkronen am Strand leckte, hatten es ihr angetan. Diesem Meer fehlte das Aggressive, Dunkle der manchmal auch im Sommer rauen Ostsee. Ihre Großmama Tilde, die in Binz auf Rügen eine kleine Frühstückspension hatte, würde ihr hoffentlich diese Schwärmerei verzeihen.
Theresa umfasste die Brüstung, schloss die Augen und hielt den Kopf in den Sommerwind, der mit ihren kurzgeschnittenen, blonden Locken spielte. Von der Tanzkapelle ertönte jetzt ein Shimmy. Sie sah nach rechts hinüber zu einem langgestreckten Gebäude mit breiter Terrasse vor einer klassischen Giebelfassade und Säulenvorhalle. Sogar von ihrem Platz aus, vom dritten Stock des Grand Hotels, konnte sie den Schriftzug lesen, der im Giebelfeld in Messinglettern angebracht war: Il Kursaal. Sie las noch einmal und konnte es kaum glauben. Die Italiener nannten dieses Gebäude Kursaal, wie es auch einen in Binz gab oder in Baden-Baden oder jedem anderen besseren Kurort in Deutschland. Und eine Musikkapelle spielte hier wie dort zum Tanztee auf. Alle Stühle und Tische auf der Terrasse und unter der schattigen Vorhalle waren besetzt. Frauen in bunten Sommerkleidern und Herren in hellen Leinenanzügen unterhielten sich oder tanzten in den frühen Abend hinein. Lachen drang zu ihr herauf und immer wieder Musik.
«Wie ist es, Süße? Meinst du, wir können langsam, aber sicher nach unten gehen?» Elvira war neben sie getreten und mit ihr ein Geruch von Zigarettenrauch, vermischt mit dem schweren Duft ihres Parfüms – eine aufdringlich-intensive Mischung.
Auch Elvira lehnte sich über die Balkonbrüstung, um zu sehen, wer alles auf der Hotelterrasse saß. «Ich wusste doch, dass man hier alte Bekannte trifft», sagte sie nicht ohne eine gewisse Genugtuung. «Komm, es lohnt nicht, auf Frido zu warten. Er hat unten in der Bar einen Flügel entdeckt und spielt sich bereits warm.»
«Er wird doch nicht etwa hier auftreten wollen?», fragte Theresa einigermaßen entsetzt.
Elvira zog amüsiert die rechte Augenbraue hoch. «Angst?»
«Unsinn», zischte Theresa, obwohl sie einen Stich in die Magengrube spürte. «Aber was sollen wir hier Couplets singen? Die versteht doch kein Mensch.»
«Was glaubst du, wie viele Leute hier Deutsch verstehen!» Elvira grinste sie frech an. «Halb Berlin werden wir treffen. Die andere Hälfte kommt aus Wien und Budapest. Und der Rest interessiert sich sowieso nur für deine Beine.» Als sie Theresas entsetzte Miene sah, lachte sie schallend. «Ich geh jetzt tanzen, Süße. Mir egal, wie du dir die Zeit vertreibst.»
«Was macht Tante Rike?», fragte Theresa pflichtschuldig.
«Die Gute hat sich hingelegt.» Und dann noch eine Spur tiefer im Timbre, die Tante nachahmend: «Macht mir keinen Kummer, Mädels, ik alte Frau muss jetzt mal ein paar Stunden für mich alleene sein. Eine Woche mit euch jungem Gemüse im Automobil ist mehr, als ich vertrage. Mir klingeln jetzt noch die Ohren. Beim Abendessen sehen wir uns wieder. Macht et jut!» Elviras Tante, gerade einmal vierzig Jahre alt, kokettierte gern mit ihrem Alter. Die Kriegswitwe sah blendend aus und genoss ihr Dasein als alleinstehende Frau in vollen Zügen.
«Wen hast du da unten eigentlich entdeckt?», fragte Theresa nun doch neugierig nach.
«Musst schon mitkommen, wenn dich das interessiert.»
Kurze Zeit später traten sie durch die offenstehenden französischen Flügeltüren auf die Terrasse des Grand Hotels. Elviras Blick schweifte über die gut besetzten Tische und Stühle, und plötzlich rief eine Stimme: «Das ist aber eine Überraschung!» Ein schlanker Herr in dunkelbraunem Anzug, weißem Stehkragenhemd und getupftem Einstecktuch aus dunkelroter Seide erhob sich aus einem der Korbsessel, die einen großen runden Tisch umgaben. Sämtliche Köpfe drehten sich nach den beiden Damen um und musterten die Ankömmlinge neugierig.
«Fräulein Elvira! Wie ich mich freue, Sie zu sehen.» Er beugte seinen Kopf mit dem akkurat gescheitelten, nussbraunen Haar über die ihm dargebotene Hand. «Très enchanté, meine Liebe, très enchanté!» Die fast schwarzen Augen musterten mit Kennerblick Elviras Erscheinung, und ein zufriedenes Lächeln glitt über das schmale Gesicht des Mannes. «Wollen Sie uns nicht bekannt machen», fragte er schließlich und sah zu Theresa hinüber. «Ist es möglich, gnädiges Fräulein, dass ich Sie auch schon einmal gesehen habe? Ich kann mich nur leider überhaupt nicht darauf besinnen, wo das gewesen sein mag.»
«Graf Vandrázy, sehr erfreut. Was führt Sie nach Rimini? Berlin scheint mir doch das entschieden geeignetere Pflaster für Sie zu sein als dieser beschauliche Badeort.» Elvira ließ Theresa links liegen und schenkte dem Grafen ein strahlendes Lächeln. Dieser hielt immer noch ihre Hand fest und versenkte seine Samtaugen in die ihren.
«Geschäfte, meine Liebe, Geschäfte! Und eine Ahnung davon, dass dieser Ort mir zur Bestimmung werden könnte. Wie ich sehe, hat meine Ahnung mich nicht getrogen.» Erneut führte er Elviras Hand an seine Lippen. Theresa konnte nicht sagen, ob der Graf sich an die Anstandsregeln hielt oder ob seine vollen Lippen nicht doch die Haut von Elviras Handrücken streiften. Warum trug sie auch nie Handschuhe?
Die Tanzkapelle im Kursaal gegenüber wurde nicht müde und spielte nun einen weiteren Modetanz, einen Foxtrott, der offensichtlich dem ungarischen Grafen animierend in die Glieder fuhr.
«Es wäre mir eine ausgesprochene Freude, liebste Freundin, wenn Sie mir diesen Tanz schenken würden?» Besitzergreifend fasste er Elvira am Ellbogen, doch hier hatte er ihren Eigenwillen unterschätzt.
«Sie haben ganz recht, wenn Sie glauben, meine Freundin schon einmal gesehen zu haben», sagte sie und entzog ihm sanft den Arm. Nun kam Theresa ihr offenbar gelegen, um den übereifrigen Grafen etwas zu bremsen, und sei es nur, um ihn zu irritieren. Schließlich tanzte Elvira mit nahezu jedem Foxtrott. Sie war ja oben im Zimmer schon ganz unruhig gewesen, als sie die Musikkapelle spielen hörte und nicht dabei sein konnte. Genauso gern allerdings trieb sie ihre Spielchen mit den Angehörigen des männlichen Geschlechts. Und über Verehrermangel hatte sie sich noch nie beklagen müssen. Ihr Charme und ihre aufreizend distanzierte und dann wieder geradezu herausfordernde Art stachelte die Männer auf, ließ sie um ihre Gunst wetteifern und machte sie nicht selten zu Rivalen, ohne dass auch nur einer von ihnen sicher sein konnte, für die nächsten Tage oder gar Wochen ihrer Gunst teilhaftig zu werden.
«Darf ich vorstellen: Tessa Hart. Meine beste Freundin aus Berlin und gefeierte Chansonsängerin im Blauen Kakadu. Ich bin sicher, Graf Vandrázy, dass Sie Tessa dort gesehen und vor allem gemeinsam mit meinem Bruder Frido am Klavier gehört haben.»
Der Graf lief rot an und beugte sich schnell über Theresas Hand, um seine Verlegenheit zu überspielen. In diesem Moment war auch bei ihr der Groschen gefallen. Nun wusste sie wieder ganz genau, bei welcher Gelegenheit sie dem Grafen schon einmal begegnet war und unter welchen Bedingungen. Sie konnte nicht verhindern, dass auch ihr ein amüsiertes Lächeln über das Gesicht glitt. Die Augen der beiden Freundinnen trafen sich – und beide mussten unwillkürlich lachen.
Graf Vandrázy räusperte sich und sah verlegen von einer zur anderen. «Meine lieben Damen, ich bitte Sie inständig ...» – er kämpfte und suchte ganz offenbar nach den richtigen Worten –, «... mein Missgeschick im Blauen Kakadu für sich zu behalten. Es wäre mir äußerst peinlich ...»
Elvira und Theresa lachten ihn nun beide offen an und warteten auf weitere Erklärungen.
«Dort ...», er deutete mit dem Kinn in die Richtung seines Tisches und der Freunde, die nach wie vor neugierig das Gespräch, nur wenige Schritte entfernt, beobachteten, «... sitzt auch der Journalist Enzo Benazzi mit seinem Fotografen. Er arbeitet für das Touristenjournal Le Perle und ist geradezu süchtig nach jeder Art von Tratsch. Nicht auszudenken, was er aus einer solchen Geschichte machen würde, sollte sie ihm jemals zu Ohren kommen. Mein Ruf als ernstzunehmender Geschäftsmann wäre ruiniert. Meine Damen, ich bin Ihnen in der Tat restlos ausgeliefert.» Er versuchte ein charmantes Lächeln, aber es sah ziemlich zerknirscht und bittend aus.
«Ich habe mir immer schon gewünscht», entgegnete Elvira, und der Schalk saß ihr in den Augen, «dass ein Mann mir so etwas endlich einmal offen bestätigt. Graf, Sie wissen gar nicht, wie sehr Sie mir ausgeliefert sind. Tessa ist eine äußerst anständige Person. Bei ihr ist Ihr Geheimnis gut aufgehoben. Aber ich, mein Lieber, trau mir ja nicht einmal selbst über den Weg!»
Graf Vandrázy hatte sich nun zwischen die beiden Freundinnen gestellt und jeweils einen Arm hinter ihre Rücken gelegt. Nun schob er sie sachte mit der flachen Hand an den zarten Stoffen ihrer Kleider hinüber zum Tisch. «Gnädige Fräulein, darf ich Ihnen meine Gäste vorstellen? Wir haben gerade über unsere Pläne für morgen gesprochen. Immer nur am Strand zu liegen, ist kein wirkliches Abenteuer.» Er lachte leise über seinen flauen Witz. «Wir werden morgens zeitig aufbrechen, um einen gemeinsamen Ausritt ins Rubicone-Tal zu unternehmen.»
In Elviras Augen blitzte es zum ersten Mal interessiert auf, seit sie den Grafen getroffen hatten. Reiten war ihre einzige wirkliche Leidenschaft. Wann immer sich eine Gelegenheit bot, verschwand sie zu einem Ritt in die Seenlandschaft rund um Berlin. Graf Vandrázy machte ihr damit also ein fast unwiderstehliches Angebot. Und auch Theresa freute sich. Nur auf Rügen bei ihrer Großmutter kam sie zum Reiten. Ihr Büroalltag bei Bodmer ließ solche Freiheiten nicht zu. Elvira dagegen konnte nach Lust und Laune über ihre Zeit bestimmen.
«Wir wollten gerade bei einem Glas Champagner alles Weitere besprechen», sagte er auffordernd. Und als Elvira immer noch schwieg, fuhr er regelrecht drängend fort: «Sie beide werden mir doch die Einladung nicht abschlagen?»
«Kaum», antwortete Elvira trocken, wobei sie völlig offenließ, ob sie den Champagner meinte oder auch die Einladung zum Ausritt. Theresa beobachtete den sichtlich bemühten Grafen und amüsierte sich insgeheim. Das Bild des hemdsärmeligen und ziemlich alkoholisierten Adligen aus Ungarn, der laut und völlig falsch singend einen Konzertabend im Blauen Kakadu auf wenig elegante Weise gesprengt hatte, stand ihr deutlich vor Augen. Mit einer geöffneten Flasche Weißwein hatte er sich dem Klavier genähert, Frido auf seinem Klavierstuhl beiseitegedrängt und gefragt, ob er nicht mal ordentliche Musik spielen könnte, Musik, die ins Blut und ins Herz ginge, nicht solche Problemlieder, über die ja doch niemand lachen könne, weil einem das Lachen dabei im Halse stecken blieb. Und ohne lange nachzudenken oder abzuwarten, hatte er die Weinflasche auf den Flügel gestellt und angefangen, eine Polka in die Tasten zu hämmern und dabei laut auf Ungarisch zu singen. Bis endlich das Ordnungspersonal eintraf und den sich heftig wehrenden Grafen nach draußen bugsierte. Theresa wunderte sich jetzt, dass sein Erinnerungsvermögen nicht vollends getrübt war und er sich noch an Personen erinnern konnte. Frido würde begeistert sein, dem «Schrecken vom Kakadu» wiederzubegegnen. Der Urlaub fing ja gut an.
Das Küchenpersonal des Grand Hotels hatte einen großen, weiß ausgekleideten Picknickkorb mit langstieligen Champagnerflöten und Kaviardosen auf gestoßenem Eis bestückt. Dieser stand jetzt auf dem Fußboden der Horch-Limousine, die Chauffeur Knut gerade über die Küstenstraße in Richtung Viserba steuerte. Elvira hatte sowohl den Wagen als auch den Fahrer des Vaters für diesen Ausflug zur Verfügung gestellt. Theresa sah gebannt zum Fenster hinaus, damit ihr auch nichts entging. Das Wasser der Adria lag silbrig glänzend rechts von ihnen. Die Sonne war als blassgelbe Corona in einer Nebelbank erkennbar, die weiter draußen in grauen Schwaden über dem Wasser lag. Der frühe Morgen war wolkenlos, der Himmel hellblau und licht über dem kaum bewegten Meer. Bald schon würde die kräftige Julisonne die Feuchtigkeit der Nacht restlos aufgesogen haben und den Sonnenhungrigen entlang der Küste einen weiteren heißen Sommertag bescheren.
Neben dem Picknickkorb, der zu Theresas Füßen stand, ragten aus einem silbernen Sektkübel drei Flaschen Champagner. In ihrem Schoß hielt sie ein Körbchen mit noch ofenwarmen Baguettestangen fest, die darauf warteten, gemeinsam mit dem russischen Kaviar zum Frühstück verzehrt zu werden. Ein wunderbarer Geruch von Butter und frischer Brotkruste stieg ihr in die Nase.
Graf Vandrázy nahm eine weiße Damastserviette aus dem Picknickkorb, langte nach der ersten Champagnerflasche und wickelte die goldfarbene Hülle des Korkens ab. Ein wenig unwirklich kam Theresa die Situation schon vor. Sollten sie jetzt tatsächlich um kurz nach halb sieben Uhr morgens in einem fahrenden Automobil Champagner trinken und Kaviar essen? War das noch normal? Und anschließend mit leicht benebeltem Kopf auf den Rücken fremder Pferde steigen und über unwegsames hügeliges und völlig unbekanntes Gelände entlang des Rubicone reiten? Elvira hatte bereits wieder ihre Zigarettenspitze gezückt und fingerte an ihrem Zigarettenetui herum, um sich ihren ersten Glimmstängel an diesem Tag anzustecken! Neben der Freundin saß Robert Vanderhoeck, Besitzer einer privaten Eisenbahnlinie aus New York, und hielt bereits erwartungsvoll eine Champagnerflöte in der Hand. Fridolin, der sich ihnen gegenüber in die Wagenecke hineingedrückt hatte, als gäbe sie ihm den nötigen Halt, hielt die Augen geschlossen. Fest eingewickelt in seinen schwarzen Abendmantel mit weißem Seidenschal um den Hals, machte er nicht den Eindruck, als hätte er in der vergangenen Nacht sein Hotelbett gesehen. Theresa hoffte, er hatte in seiner unförmigen Ledertasche, die er achtlos unter die Wagenbank geschoben hatte, Kleidungsstücke eingepackt, die sich zumindest annähernd für einen Ausritt eigneten. Sie war sich in diesem Moment ganz sicher, dass ein Unbeteiligter die ganze Reisegesellschaft für ziemlich abgedreht gehalten hätte. Von solch kritischen Gedanken völlig unbelastet, schritt Graf Vandrázy ans Werk. Mit einem dumpfen Blobb flog der Korken aus dem Flaschenhals. Sprudelnde Flüssigkeit ergoss sich über seine Hand und in eine Flöte, die ihm Elvira gerade noch rechtzeitig hinhielt.
Sie lachte laut auf. «Mein Gott, lieber Graf, etwas mehr Übung hätte ich Ihnen schon zugetraut!»
Vandrázy zog es vor, diese Bemerkung zu ignorieren, er wischte das Glas ab und hielt es ihr wieder hin. Eifrig beeilten sich alle anderen, auch etwas abzubekommen. Selbst Fridolin wusste, wann es Zeit war, die Augen aufzuschlagen.
«Haben Sie über Nacht ihre Sprache verloren, Graf Vandrázy, oder sprechen Sie nicht mehr mit uns?» In Elviras Augen blitzte es angriffslustig.
«Wenn Sie mich noch einmal Graf nennen, trinken wir den Champagner ab sofort ohne Sie.» Herausfordernd sah er zu ihr hinüber.
Theresa beobachtete die beiden amüsiert und auch ein wenig besorgt. Ihre Freundin war ganz eindeutig dabei, den temperamentvollen Ungarn als weiteren Bewunderer ihrer beachtlichen Sammlung hinzuzufügen. Hoffentlich überschätzte sie sich nicht. Vandrázy war kein junger Mann reicher Eltern, dem man gefahrlos schöne Augen machen und mit charmantem Geplänkel hinhalten konnte.
«Ich heiße Gábor.»
«Huhu, Bruderschaft», frotzelte Fridolin. «Ich heiße Frido und will bestimmt nicht geküsst werden! Tessa, wie steht es bei dir? Bist du vielleicht scharf auf einen Grafenkuss?»
«My name is Bob!» Robert Vanderhoeck lachte und zeigte perfekte weiße Zähne. Er hob seine Sektflöte in die Höhe und prostete Gábor zu. Doch dieser hatte nur Augen für Elvira. Sein Unterarm hakte sich in den ihren ein. Sie stießen miteinander an, und Gábor holte sich, was ihm vermeintlich zustand. Theresa wunderte sich über ihre Freundin. Auf so offensichtlich plumpe Annäherungsversuche ließ sie sich normalerweise nicht ein. Doch es blieb ihr keine Zeit, darüber weiter nachzudenken, denn Gábor hatte sich kommentarlos auch ihren Arm herangeholt und sich untergehakt. Um nicht als Spielverderberin zu gelten, hielt sie dem neu erworbenen Freund die Wange hin. Doch damit wollte der sich nicht zufriedengeben. Sein Kuss schmeckte fade nach Alkohol, und seine Lippen fühlten sich überraschend kraftlos an.
Robert oder vielmehr Bob, wie er genannt werden wollte, zeigte sich im Gegensatz dazu als wahrer Gentleman. Theresas Wange streifte er nur leicht mit seinen warmen Lippen, was durchaus Eindruck hinterließ. Aber sie zwang sich, nicht weiter über dieses harmlose Verbrüderungsritual nachzudenken, schließlich gehörte dieses Küsschen-hier-Küsschen-da abends nach der Vorstellung in den Berliner Clubs automatisch dazu. Doch zur morgendlichen Frische dieses Julitags, in Sichtweite des inzwischen tiefblauen Meers, mit den Pappelalleen entlang der Straßen, den Pinienwäldchen, die sich mit ebenem Grasland und Salzseen abwechselten, wollte dieses leicht frivole Leben voller Champagner, Kaviar und ungarischen Küssen nicht so recht passen.
Knut, in zügiger Fahrt Richtung Santarcangelo unterwegs, überholte in diesem Moment ein Fuhrwerk mit einem Esel voran, der mit gesenktem Kopf langsam die Straße entlangtrottete. Auf der offenen Ladefläche lagen riesige Wassermelonen, die hin und her rollten. Fridolin konnte es nicht lassen und prostete dem alten Mann zu, der auf dem Kutschbock saß und den Esel an lockeren Zügeln führte. Der Mann schüttelte nur den Kopf und blickte finster drein.
«Keinen Humor haben diese Menschen hier!», verkündete Fridolin gutgelaunt. «Man könnte geradezu trübsinnig werden!» Dann kippte er den Inhalt seines Glases in einem Zug hinunter. «Na Gábor, willst du nicht die nächste Flasche Schampus köpfen? Wir verdursten!»
Wie schon beim Tanztee am Tag zuvor unterhielten sie sich auf Deutsch. Elviras Vermutung, was die Zusammensetzung der Hotelgäste betraf, hatte sich also bewahrheitet. Selbst der Amerikaner und seine Frau Vanessa, die sie bei dieser Gelegenheit schon kennengelernt hatten, sprachen ein paar Brocken Deutsch, und wenn es doch einmal hakte, ging es munter auf Englisch und Italienisch durcheinander. Das hatte der heiteren Stimmung bei Cocktails und Tango keinen Abbruch getan.
Theresa fand es in diesem Moment ausgesprochen schade, dass Tante Friederike sich nicht hatte aufraffen können, aus den Federn zu steigen. Ganz sicher lag sie immer noch faul im Bett und verschlief den Ausflug. Theresa nahm eine der Baguettestangen aus ihrem Körbchen und reichte sie herum, und bald schon löffelten sie die edlen Fischeier aus den Blechdöschen auf das köstliche, weiße Brot. Fridolins heller Seidenschal war rasch mit violettfarbenen Sprenkeln bedeckt, und er musste sich den Spott der anderen gefallen lassen. Alle waren bester Laune, als die ersten Häuser von Santarcangelo in Sicht kamen.
Knut fuhr zielstrebig durch das mächtige Stadttor. Der Platz, der sich dahinter öffnete, war flankiert von langgestreckten Bauten mit Fassaden aus Backstein. Ein elegantes Renaissance-Rathaus dominierte die Piazza. In ihrer Mitte erhob sich ein Kriegerdenkmal, das Theresa mit gemischten Gefühlen betrachtete, als Knut mit dem Wagen langsam darum herum fuhr. Schließlich hielt er vor der Treppenanlage des Denkmals an. Elvira stieg sofort aus, um sich die Beine zu vertreten, Luft zu schnappen und eine weitere Zigarette zu rauchen. Theresa folgte ihr. Sie trat ein paar Schritte zurück und betrachtete die Bronzeplastik.
Auf einem hohen Podest stehend, trugen zwei überlebensgroße, muskulöse Frauenfiguren eine erkennbar tote männliche Gestalt. Der Kopf hing mit geschlossenen Augen im Rücken der Frauen nach unten. Sie trugen ihn mit gesenktem Blick, aber trotz der Last aufrecht und scheinbar mühelos.
Theresa fand den Anblick verstörend. Er rief bei ihr Erinnerungen wach, die sie gern verdrängte. Ihrer Ansicht nach blieben die Frauen die großen Leidtragenden, die eigentlichen Verlierer des Kriegs, den die meisten von ihnen nicht gewollt hatten. Niemand fragte sie, wo sie die Kraft zum Durchhalten hernahmen.
Ihr Vater war zwar ohne sichtbare Verletzungen aus französischer Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückgekehrt – was mehr war, als die meisten Familien von sich sagen konnten. Dennoch hatten sich die Erlebnisse in sein Gedächtnis eingebrannt, verhinderten, dass er auch nur eine Nacht durchschlafen konnte. Und mit ihm lag auch die Mutter wach, die seine Träume verfolgte und hilflos zuhören musste, wie er sich Nacht für Nacht quälte. Gustav Hartmann, ein lebenslustiger, tatkräftiger Mann, mit einer Karriere als Ingenieur der Funktechnik vor sich, ein schlauer Kopf, dem Heinrich von Bodmer so manches Patent verdankte, kam als in sich gekehrter, oft übellauniger Ehemann und Vater zurück. Nicht immer war er in der Lage, konzentriert zu arbeiten. Nicht selten gerieten Heinrich und er, alte Studienfreunde, die sich bestens kannten und schätzten, deshalb aneinander. Heinrich leitete eine Fabrik mit über fünfzig Angestellten. Er hatte nicht nur die Verantwortung für seine eigene Familie zu tragen, sondern musste zusehen, dass sein Betrieb nach dem Krieg wieder auf die Beine kam, die Inflation überstand, und jetzt endlich, nach vielen Jahren der Mühe, mit den neuen Entwicklungen der Radiotechnologie wieder zu Geld kam. Gustav war nach wie vor für die Entwicklungsabteilung tätig, doch seine Kreativität hatte erheblich gelitten. Theresa wusste das nur allzu gut. Sie war Bodmers rechte Hand. Sie wusste über all seine Entscheidungen, Vorhaben und Pläne bestens Bescheid. Und sie kannte die Schwierigkeiten des Vaters, seine stummen Stunden, wie sie es nannte, wenn er einfach nur in seinem Büro saß, zum Fenster hinausstarrte und nicht einmal einen Stift in die Hand nahm.
Nach ihrem Abitur war ein Studium für sie nicht in Frage gekommen, obwohl sie beste Noten hatte, ein ausgesprochenes Talent für Sprachen besaß und eigentlich Gymnasiallehrerin hatte werden wollen. Ihr Bruder Karl dagegen durfte studieren. Funktechnik wie der Vater, da hatte es keine Diskussion gegeben. Für Theresa blieb nur die Arbeit bei Bodmer. Er zumindest hatte ein Einsehen gehabt und ihr die Sprachenschule bezahlt. Jedoch auch nicht ganz uneigennützig. Eine Sekretärin mit erstklassigen Sprachkenntnissen konnte er nach dem Krieg, als es langsam, aber sicher mit der Wirtschaft wieder aufwärtsging und sich seine Musikmöbel, das Grammophon und das Radio immer größerer Beliebtheit erfreuten, gut gebrauchen. Sie musste die fehlende Arbeitsleistung des Vaters mit viel Fleiß und Engagement bei wenig Gehalt ausgleichen. Von Bodmer war ein Familienmensch, ohne Zweifel, aber er verstand sich nicht als Sozialfürsorge. Kriegsgeschädigte Veteranen, die nur die halbe Arbeitsleistung brachten, konnte er nicht gebrauchen. Bei Gustav machte er aufgrund ihrer alten Freundschaft und weil Theresa als billige Arbeitskraft einsprang, eine Ausnahme.
An ihre Mutter mochte sie in diesem Zusammenhang am wenigsten denken. Ihr Kummer um den Mann, der es fertigbrachte, Abend für Abend schweigend in seinem Sessel zu sitzen, eine Zeitung zu halten, ohne darin zu lesen, und vor sich hinzustarren, machte auch sie stumm. Die Ehe der beiden war zu Ende gewesen, als Gustav im Winter 1916 an die Front gehen musste. Elfriede Hartmann hatte sich in eine verhärmte, verbitterte Frau verwandelt. Sie, die Tochter eines Gutsbesitzers auf Rügen, gewohnt an eifriges Dienstpersonal, verwöhnt von einem wohlhabenden Vater, der mit seinen Wäldern und der Pferdezucht gutes Geld verdiente, sah sich plötzlich gezwungen, zu putzen, zu kochen und die Kleidung für sich und die Tochter selbst zu nähen.
Theresa stieg wieder in den Wagen. Sie hatte genug gesehen. Und sie schwor sich, kein weiteres Mal während ihres Italienaufenthalts solche Gedanken hochkommen zu lassen. Sie hatte dies ärmliche Leben so satt. Sie war nicht schuld am Elend der Eltern, am Elend der Berliner, die mehr schlecht als recht in großen Mietskasernen hausten und oft nicht wussten, wo sie das Geld für den nächsten Tag hernehmen sollten. Die Villa der Bodmers am Wannsee, die Stadtwohnung in Charlottenburg, die Bars und Clubs am Ku’damm und deren illustre Gäste, Elviras freizügiger, kompromissloser Lebensstil – das war die Welt, die ihr gefiel und zu der sie gehören wollte. Deshalb sang sie mit Fridolin abends im Varieté. Um den Kohlgeruch zu vergessen, der im Stiegenhaus der Hartmann’schen Stadtwohnung in der Pariser Straße hing wie der Zigarettenqualm in den Seidenvorhängen der Villa Bodmer. Sie wohnten nicht schlecht, zwischen Wilmersdorf und Charlottenburg, aber nicht wirklich großbürgerlich. Es war ein Mietshaus, nur etwas moderner und besser gebaut als die Wohnkasernen im Osten der Stadt.
«Gábor, haben wir noch Champagner?» Sie hielt ihm ihr Glas hin.
«Was treibt ihr so lange da draußen?», fragte er, während er ihr nachschenkte. «Es wird höchste Zeit, dass wir zum Gestüt kommen. Mein Freund Adriano wird nicht ewig warten.»
Theresa nahm einen kräftigen Schluck und spülte die düsteren Gedanken hinunter. Endlich war sie allein und auf sich gestellt. Auch Edgar und seine besorgten Reden waren weit weg. Sie brauchte den Vorwurf in seiner Stimme nicht mehr zu hören. Und gegen das schlechte Gewissen, das sich sofort bei ihr meldete, half dieser ganz vorzügliche französische Champagner bestens.
«Was machst du, Gábor, wenn du in Budapest bist oder in Berlin zu tun hast?» Sie lächelte ihn an und prostete ihm zu.
«Ich kaufe und verkaufe.»
«Aha, ... und was da so genau?»
«Was sich gerade anbietet. Seit es die Donaumonarchie nicht mehr gibt, haben wir Ungarn alle Möglichkeiten. Wien hat ausgespielt.»
«Was habt ihr nur für langweilige Gesprächsthemen.» Elvira nahm wieder Platz und schloss die Wagentür hinter sich. «Komm, Knut», rief sie durch das offenstehende Schiebefenster, das Führerhaus und Fond des Wagens voneinander trennte, «... fahr los. Die Pferde warten.»
Sie verließen Santarcangelo in Richtung Sogliano sul Rubicone. Die Lehmstraße führte durch Obstplantagen und üppige Weinberge. An den Reben hingen Trauben, die schon eine leichte Blaufärbung angenommen hatten. Hier wuchs der Sangiovese, wie Theresa seit dem Abendessen des Vortags wusste. Ein kräftiger, violettroter Wein, der nach Johannisbeeren und Kirschen duftete und ganz vorzüglich zum Lammbraten mit Polenta gepasst hatte. Die Straße stieg stetig bergan. Weiter unten sah sie hohe Schilfgräser und grüne Büsche. Wenn sie sich ganz nach vorne beugte, konnte sie am Horizont immer noch das blaue Band der Adria erkennen.
Gábor, der Theresas Blicke offenbar verfolgt hatte, klärte sie auf.
«Dort unten, wo das Schilf meterhoch steht und sich die Büsche aneinanderreihen, fließt der Rubikon – der Fluss, den Cäsar mit seinen Truppen überschritt, um dem Senat seine Macht zu beweisen.»
«Aber das ist doch kein Fluss, höchstens ein Flüsschen. Man sieht nirgendwo auch nur ein bisschen Wasser aufblitzen. Seinen Verlauf kann man ja nur ahnen.»
«Tja, für den Duce war dieses nicht nennenswerte Rinnsal wohl gerade recht. Vielleicht liegt ihm etwas daran, den Ruhm Cäsars im eigenen Interesse zu schmälern.»
«Was hat Mussolini mit dem Rubikon zu tun?»
«Da die Geschichtsbücher keinen Fluss eindeutig als Rubikon ausweisen, hat er einfach ein wenig nachgeholfen. Als ein Stratege und Politiker, dessen kühne Visionen denen des Cäsaren in nichts nachstehen», in Gábors Augen blitzte der Schalk auf, «legte er kurzerhand dieses Rinnsal als Fiume di Rubicone fest. Widerspruch zwecklos. Aber ihr werdet sehen: Die Landschaft ist wunderbar und eignet sich hervorragend für einen Ausritt.»
Er deutete mit der Hand auf einen kleinen Ort, der sich an einer Straße entlang eines flachen Hügels hinauf erstreckte.
«Dort liegt Roncofreddo. Siehst du die lange Zypressenallee, die schnurgerade nach Osten führt? Das Anwesen mit der rostroten Ziegelfassade und den großen Stallungen etwas weiter unten gehört einer der reichsten Familien der Gegend.» Sein Arm zeigte nun zum anderen Fenster hinaus. «Wenn du jetzt Richtung Rimini und Meer schaust, siehst du drei hohe Schlote. Sie gehören zu hochmodernen Hoffmann’schen Brennöfen – eine der größten Errungenschaften in der Ziegelindustrie, wenn man mich fragt. Ihr Erfinder war auch Berliner. Eduard Friedrich Hoffmann – er hat im letzten Jahrhundert den sogenannten Ringofen entwickelt. Ein Exportschlager erster Güte. Ganz Europa brennt nach seinem System. Schau dir nur mal den Boden hier genauer an.» Wieder deutete er zum Fenster hinaus, und Theresa sah, was er meinte. Die Weinstöcke standen in einer dicken, fettbraunen Bodenschicht, deren Lehmanteil erheblich sein musste. Wasser vom letzten Regenguss stand teilweise noch als Reservoir in kleinen Bodenkuhlen.
«Ein perfekter Standort für die Ziegelindustrie: Lehm und Sand gibt es hier mehr als reichlich, und das nötige Wasser liefert der Ausa, ein Fluss, der im Norden von Rimini ins Meer mündet. Die Ziegel aus der Emilia Romagna werden bis nach Istrien, Dalmatien, ja sogar bis nach Wien und Istanbul exportiert.»
«Und das interessiert dich? Baustoff? Mein Gott, ist das langweilig.» Elviras Tonfall sprach Bände. Vandrázy lief Gefahr, bei ihr gehörig in Ungnade zu fallen. «Hat dieser reiche Ziegeleibesitzer da oben womöglich eine hübsche Tochter, die sich nicht erobern lässt?»
Gábor lachte gutmütig. «Wo Ziegel gebrannt werden, braucht man Holz, viel Holz. Und schau dich hier mal um.»
Elvira folgte widerwillig seinem Rat und blickte durchs Fenster. Gleichzeitig blies sie ihm Zigarettenrauch ins Gesicht. Theresa kurbelte entschlossen die Fensterscheibe herunter. Sie hatte es satt, sich von Elvira einnebeln zu lassen. Doch den Ungarn schien das alles nicht zu stören. Er dozierte weiter: «Ein magerer Bestand an Oliven- und Pfirsichbäumen und ein kläglicher Rest von Pinien. Vielleicht noch ein paar Zierzypressen. In Österreich findet man hingegen mehr Holz, als das Land braucht. Hier gibt es noch immer gutes Geld zu verdienen. Und die Infrastruktur ist hervorragend: Wir haben Triest und Fiume, zwei riesige Hafenstädte, seit Jahrzehnten per Bahn mit dem Habsburger Reich verbunden. Und der kleinere Hafen von Rimini lebt auch nicht schlecht vom Warenaustausch mit der istrischen und dalmatinischen Küste. Und Monarchie hin oder her – wir haben doch alle immer noch gute Kontakte. Die anderen machen Politik, wir aber machen das Geld. Und das Grand Hotel eignet sich bestens dafür, alte Geschäftsfreunde zu treffen. Wer braucht da die hübsche Tochter eines Ziegeleibesitzers? Habe ich recht, Bob?»
Der Amerikaner lachte gutmütig. «Wir machen hier nur Urlaub. Hauptsache, ich kann meine Zeitung am Strand lesen.»
«Sehr vernünftige Einstellung», gab Fridolin seinen Senf dazu. «Mich interessiert dieser Mumpitz auch nicht die Bohne. Unser Vater redet auch immer nur vom Geschäft. Alles dreht sich um Grammophone und Radios. Und Gábor bringt jetzt auch noch die Segnungen der Bauindustrie ins Gespräch.» Er gähnte.
Theresa hätte Fridolin in diesem Moment gern die Meinung gesagt. Wenn Heinrich von Bodmer nicht beständig um seine Firma besorgt wäre und sich um das Geschäft kümmern würde, könnte weder Fridolin so unbekümmert Tag und Nacht Klavier spielen, noch Elvira jedem Freizeitvergnügen nachgehen, das sich gerade bot. Wer hatte denn dieses teure Automobil gekauft, das gerade mal ein halbes Jahr alt war, als sie Richtung Italien aufbrachen? Sie selbst hatte die Rechnung gesehen und die Zahlung für die Horch-375-Pullman-Limousine angewiesen. 14250 Reichsmark hatte der 7-Sitzer gekostet. Das beste und teuerste Auto, das zu haben war. Und wer stellte ihnen für ihre Urlaubsfahrt den Chauffeur zur Verfügung? Wer bezahlte das Grand Hotel für insgesamt fünf Personen in den nächsten zwei Monaten? Das alles hätte sie Fridolin ganz gerne gefragt. Doch es war weder der richtige Zeitpunkt dafür noch der richtige Ort. Und sie wusste, es würde vermutlich niemals wirklich passend sein, dem Firmenerben das alles vorzuhalten. Eisern hielt Heinrich von Bodmer an der Vorstellung fest, sein Filius käme schon noch irgendwann zur Vernunft, irgendwann musste er doch schließlich einsehen, dass man als Jazzmusiker nicht weiterkam. Aber da war sich Theresa nicht so sicher. Sie selbst betrachtete die gemeinsamen Auftritte als Ausgleich zu ihrem Berufs- und Privatleben. In beiden Fällen hatte sie nicht wirklich etwas zu lachen. Natürlich träumte sie manchmal davon, eine berühmte Sängerin zu werden. Welches Mädchen, das Abend für Abend auf einer der vielen Berliner Bühnen stand, stellte sich nicht vor, Erfolg zu haben, Platten aufzunehmen, ins Filmgeschäft einzusteigen. Doch Theresa war realistisch genug, nicht ihr ganzes Herz an den Traum zu hängen, eine zweite Marlene Dietrich zu werden. Sie kannte ihre Verpflichtung Bodmer gegenüber, und sie wünschte es dem alten Herrn sehr, dass Fridolin eines Tages zur Vernunft kam. Bis dahin musste sie zumindest alles daransetzen, dass Heinrich nicht auch noch von ihr enttäuscht wurde. Ihre Aufgabe würde es sein, hier in Italien Firmen aufzutun, die an seinen Erfindungen rund um das Radio interessiert sein könnten. Das hatte sie ihm versprochen. Und in ein paar Tagen, wenn sie alle schon ein wenig genug hatten vom Strandleben, von den Ausritten und den langen Nächten, würde sie nach Mailand fahren, um sich mit der Deutschen Handelsgesellschaft dort in Verbindung zu setzen. In den zwei Monaten konnte sie mit etwas Glück so einiges erreichen.
Gábor schob die Trennscheibe wieder auf und gab Knut Anweisungen, wie er fahren musste. Nachdem sie einen holprigen Feldweg passiert hatten, der sie durch einen Berg mit Olivenbäumen führte, tauchte auf einem Hang ein langgezogenes, niedriges Gebäude auf. Auf einer großen Wiese standen einige Pferde und beobachteten interessiert den Wagen, der an ihnen vorbeifuhr. Wenige Augenblicke später hielt Knut auf einem geräumigen Innenhof neben einem untersetzten Mann in schwarzen Hosen und blendend weißem Hemd. Beide Arme in die Seiten gestemmt, wartete er ab, bis sie alle aus dem Wagen geklettert waren.
«Ciao, Adriano», grüßte Gábor den Mann. «Wir sind ein bisschen spät. Tut mir leid!»