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Dr. Gerhard Hartmann, geboren 1945, Studium der Theologie und Geschichte in Wien, Privatdozent für Neuere Kirchengeschichte an der Universität Graz, zahlreiche historische Veröffentlichungen, Verlagsgeschäftsführer in Deutschland.

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Daten der Kirchengeschichte

Die Geschichte des Christentums und seiner Kirchen umspannt einen Bogen von rund 2000 Jahren. Geschichte und Gegenwart Europas und seiner Kultur, insbesondere die des deutschsprachigen Raums, gründen auf dem Christentum und seiner Wirkung. Anhand von Ereignissen, die an Jahreszahlen und Daten festzumachen sind, bietet dieser Band einen objektiven Gang durch die 2000-jährige Kirchengeschichte. Ein gut lesbares Nachschlagewerk.

Gerhard Hartmann

Daten der Kirchengeschichte

Gerhard Hartmann

Daten der Kirchengeschichte

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

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Alle Rechte vorbehalten

Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2012

ISBN: 978-3-8438-0228-4

www.marixverlag.de

VORWORT

Regelmäßig sitzen Millionen von Zuschauern seit 2001 vor den Bildschirmen und raten bei den Quiz-Shows mit, die öffentlich-rechtliche wie private Fernsehsender bieten. Und am nächsten Tag diskutieren sie mit Nachbarn, Freunden oder Kollegen: »Hättest Du die Millionenfrage gewusst?« Vor einiger Zeit lautete u. a. eine solche: »Wie hieß der Nachfolger des Petrus als Bischof von Rom?« Der Kandidat konnte das nicht beantworten. Hätte er die DATEN DER KIRCHENGESCHICHTE gelesen, dann ginge es ihm möglicherweise jetzt finanziell besser. Wissen ist offenbar wieder gefragt und modern, auch solches über Religion und Christentum sowie deren Geschichte.

In diesen DATEN DER KIRCHENGESCHICHTE findet die Leserin bzw. der Leser einen Überblick über den historischen Ablauf von 2000 Jahre Christentum anhand von an Jahreszahlen festzumachenden Ereignissen. Höhen und Tiefen wechseln sich dabei ab. Es ist für einen gläubigen Christen oft nicht immer nachzuvollziehen, wie manches so gar nicht christlich Anmutende einfach passieren konnte. Der Niedergang des Papsttums im 9. und 10. Jh. ist eines der signifikanten Beispiele dafür. Aber trotz des Vertrauens auf den Heiligen Geist, der mit den Christen ist: Noch immer sind es die Menschen mit allen ihren Vorzügen und Schwächen, die den Lauf der Geschichte prägen. Auch wissen Christen von der Erbsünde, d. h. von der Unvollkommenheit menschlichen Tuns. Warum soll sich diese auch nicht durch die Kirchengeschichte ziehen?

Leider wird die Geschichte auch vielfach aus der Sicht des gegenwärtigen moralisch-ethischen Standards beurteilt. Das führt aber meist nicht zu einer befriedigenden Erkenntnis. Das Handeln von Menschen ist nur aus und in der Zeit, in der etwas geschehen ist, zu bewerten. Das erfordert Kenntnis über die jeweilige Epoche. An jede Religion, und hier insbesondere an das Christentum und die Kirchen, wird wegen deren moralischen Ansprüche gern ein besonders strenger Maßstab gelegt. Wenn aber dabei die genannten Prinzipien – Beachtung der Unvollkommenheit der Menschen und der jeweiligen Epoche – nicht berücksichtigt werden, entsteht eine Schieflage, die in einen moralisch überheblichen Rigorismus ausarten kann.

Ein Pastoraltheologe hat einmal gesagt, die Kirchengeschichte sei die »tröstlichste Disziplin der Theologie«. In der Tat: Wer zu verstehen versucht, was alles in den 2000 Jahren geschehen ist, warum es so verlaufen und warum es gerade zu dieser und keiner anderen Entwicklung gekommen ist, begreift – und akzeptiert – damit vielleicht die Gegenwart besser. Und vor allem: Wer dann so weit gekommen ist, relativiert so manches, was ihm je nach Einstellung gegenwärtig als absolut und unabänderlich oder gar als »gottgewollt« erscheinen mag oder präsentiert wird. Die Entfaltung des päpstlichen Jurisdiktionsprimats ist ein Beispiel dafür. Ebenso das Ringen um theologische Definitionen in den ersten Jahrhunderten des Christentums. Und das heißt in der Konsequenz: Wenn es einmal anders war, dann muss es ja auch in der Zukunft nicht immer so bleiben wie jetzt.

Bei der Auswahl der Daten wurde natürlich berücksichtigt, dass sich diese Übersicht an ein deutschsprachiges Publikum wendet. Der Begriff »deutschsprachig« wird dabei bewusst extensiv ausgelegt und beschränkt sich nicht auf die gegenwärtigen staatsrechtlichen Grenzen. Überall dort, wo das deutsche Element politische und kulturelle Wirkungsmacht entfaltet hat, wird das berücksichtigt. Dass damit zumindest die Grenzen des Heiligen Römischen Reiches bis 1806, die des Deutschen Bundes von 1815–1867 sowie die des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns bis 1918 gemeint sind, versteht sich von selbst.

Des Weiteren wurden noch folgende Grundsätze berücksichtigt: Sämtliche Päpste werden zumindest beim Jahr ihrer Wahl erwähnt. Bei deren Daten und Einschätzung wird in der Regel Josef Gelmi (siehe Literaturverzeichnis) gefolgt. Bezüglich der Daten der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches ist das Nachschlagewerk »Die Kaiser« (siehe Literaturverzeichnis) die Grundlage (Jahresangaben bei Herrschernamen beziehen sich auf deren Regierungszeit). Da die katholische Kirche wesentlich auch von deren Ordensgemeinschaften geprägt wird, finden sich deren wichtigsten Gründer bzw. Gründungsdaten angeführt.

Kirchengeschichte ist nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich zu begreifen. Daher werden Bistumsgründungen und - veränderungen des deutschsprachigen Raums (im o. g. Sinne gemeint) erwähnt. Darüber hinaus werden im Anhang die Bistumsstrukturen zu gewissen Zeitpunkten aufgelistet, und zwar vor der Reformation (1500), vor der Säkularisation (1800), 1914 und der Gegenwart.

Um den Gebrauch dieses Bandes zu verbessern, gibt es zahlreiche Querverweise (→). Ein Sachregister im Anhang gibt die Möglichkeit zur thematischen Suche.

Europa, und damit der heutige deutschsprachige Raum, wurde politisch und kulturell in den vergangenen 2000 Jahren wesentlich vom Christentum geprägt. Selbst Menschen, die heute innerlich oder äußerlich distanziert zum ihm stehen und leben, können sich dieser Geschichte nicht vollständig entziehen. Wenn sie dazu noch ein kulturelles Interesse haben, stoßen sie unwillkürlich auf die Wirkungsmacht des Christentums und seiner Kirchen. Das kann Neugierde erzeugen, sich auch auf diesem Gebiet ein GRUNDWISSEN RELIGION anzueignen. Dazu möchte dieser Band mithelfen.

Die DATEN DER KIRCHENGESCHICHTE können nur einen Überblick bieten. Schon jetzt wird um Verständnis darum gebeten, dass aufgrund des vorgegebenen Umfangs nicht alles berücksichtigt werden konnte, was sich vielleicht der/die eine oder andere Leser bzw. Leserin gewünscht hätte. Wer sich daher näher informieren möchte, muss zu weiterer Literatur greifen. Im Anhang gibt es dazu Hinweise, die jedoch auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können.

Gerhard Hartmann

Kevelaer, am Fest Christi Himmelfahrt 2007

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Bf.

Bischof, Bischöfe

BK(K)

Bischofskonferenz(en)

Btm.

Bistum, Bistümer

byz.

byzantinisch

dt.

deutsch

dt. spr.

deutschsprachig

Dtl.

Deutschland

Ebf.

Erzbischof, Erzbischöfe

Ebtm.

Erzbistum, Erzbistümer

EKD

Evangelische Kirche Deutschlands

Enz.

Enzyklika

err.

errichtet

Err.

Errichtung

FBf.

Fürstbischof

FBtm.

Fürstbistum

FEbf.

Fürsterzbischof

FEBtm.

Fürsterzbistum

frz.

französisch

Ftm.

Fürstentum

Gft.

Grafschaft

griech.

griechisch

Hz.

Herzog

Jh.

Jahrhundert

Kft.

Kurfürst

Kg.

König(e)/in

Kgr.

Königreich

Konk.

Konkordat

Ks.

Kaiser, Kaiserin

lat.

lateinisch

ökum.

ökumenisch

orth.

orthodox

Östr.

Österreich

östr.

österreichisch

Suffr.

Suffragan(bistum/bistümer)

siehe

ca. 7–4 v. Chr. Jesus wird unter Ks. Augustus (27 v.–14 n. Chr.) wahrscheinlich in Nazareth geboren. Sein Geburtsjahr lässt sich nicht genau ermitteln (→ 525). Es spricht aber vieles für spätestens das Jahr 4. v. Chr.

4 v. Chr. Tod des seit 37 v. Chr. regierenden Kg. Herodes des Großen. Herodes Antipas folgt seinem Vater als Herrscher von Galiläa und Peräa bis 39 n. Chr.

26 Pontius Pilatus wird römischer Procurator in Judäa (bis 36).

um 28 Auftreten Johannes des Täufers.

um 29 In diese Zeit fällt das erste öffentliche Auftreten von Jesus.

30 Dies ist das wahrscheinliche Todesjahr Jesu (7.4.?).

um 35 Hinrichtung des Stephanus, Bekehrung des Saulus/Paulus. Anschließend Gründung der ersten judenchristlichen Gemeinde außerhalb Palästinas in Antiochia durch Petrus. Relativ rasch entstehen in den folgenden Jahren zahlreiche Gemeinden zuerst im östlichen Mittelmeerraum, dann auch in westlichen Gebieten (→ 49). Anknüpfungspunkte der Missionsarbeit sind die jüdischen Synagogen, jedoch bald auch interessierte Heiden.

vor 44 Christenverfolgung unter Herodes Agrippa (ca. 39–44), Hinrichtung des Apostels Jakobus des Älteren (Zebedäussohn) (→ 834).

44–48 Erste Missionsreise des Paulus zusammen mit Barnabas. Diese führt sie über Zypern nach Kleinasien (Pamphylien, südliches Galatien).

48/49 Apostelkonzil in Jerusalem: Anerkennung eines gesetzesfreien Glaubens. Danach ist ein Aufenthalt des Petrus in Antiochia bezeugt, wo es auch mit Paulus zu Auseinandersetzungen kommt.

49 Edikt des Ks. Claudius (41–54), wonach Christen aus Rom verbannt werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist eine judenchristliche Gemeinde in Rom nachweisbar.

50 Entstehung des 1. Thessalonicher-Briefes des Paulus, die wahrscheinlich älteste Schrift des Neuen Testamentes.

50–53 Zwischen diesen Jahren findet die Zweite Missionsreise des Paulus statt. Sie führt ihn zuerst erneut nach Kleinasien, dann setzt er aufgrund einer Vision nach Europa (Makedonien) über und gelangt nach Athen (Rede auf dem Areopag). Aufgrund der Gallio-Inschrift lässt sich ein Aufenthalt des Paulus in Korinth um 52 datieren. Danach entsteht der 1. Korinther-Brief des Paulus.

54–58 Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Palästina begibt sich Paulus auf seine Dritte Missionsreise, bei der Ephesos das Zentrum seiner Tätigkeit ist und wo es wegen der Gefährdung des Devotionalienhandels (Artemis-Tempel) durch seine Predigt zum Aufstand der Silberschmiede kommt.

um 59 Rückkehr des Paulus nach Jerusalem. Es kommt zu Zusammenstößen mit den Juden und zu seiner Verhaftung.

um 61 Nach Appellation an den Kaiser (civis Romanus sum) wird Paulus nach Rom überstellt, wobei er Schiffbruch vor Malta erleidet.

62 Der Apostel Jakobus der Jüngere (Herrenbruder), Leiter der Jerusalemer Gemeinde, wird von der Zinne des Tempels gestürzt und erschlagen.

64 Brand Roms, für den Ks. Nero (54–68) die Christen verantwortlich macht.

64–67 Paulus erleidet unter der Verfolgung des Ks. Nero den Märtyrertod. Von Petrus wird das ebenfalls angenommen, obwohl absolut sichere historische Zeugnisse dafür fehlen. Wann Petrus nach Rom gekommen ist, lässt sich ebenfalls nicht feststellen, jedoch spricht die Tradition Petrus die Führungsrolle der Gemeinde von Rom zu. – Nach dem Papstkatalog des Irenäus von Lyon († 202) wird Linus Nachfolger des Petrus. Über die meisten Bf. von Rom der ersten drei Jahrhunderte können nur ungewisse historische Angaben gemacht werden.

66 Ausbruch des Ersten Jüdischen Krieges (→ 132). Die Judenchristen wandern in das Ostjordanland aus.

vor 70 Entstehung des Markus-Evangeliums.

70 Eroberung Jerusalems durch Titus, Zerstörung der Stadt und des Tempels.

73 Der letzte militärische Zufluchtsort der aufständischen Juden, die Festung Massada am Toten Meer, wird im April erobert.

79 Anenkletos wird zweiter Nachfolger des Petrus.

um 80–85 Entstehungszeit des Lukas-Evangeliums und der ebenfalls Lukas zugeschriebenen Apostelgeschichte.

81–86 Christenverfolgung unter Ks. Domitian (81–96), der für sich den Titel Dominus et Deus (Herr und Gott) beansprucht. Der Eid beim Genius des Ks. wird für obligatorisch erklärt, die Verweigerung kommt einem Staatsverbrechen (crimen laesae Romanae religionis) gleich.

90 Clemens I. wird Bf. von Rom. Sein 1. Clemensbrief, zwischen 96 und 98 verfasst, um die Unruhen in Korinth beizulegen, ist ein wichtiges frühkirchliches Dokument. In ihm geht es u.a. um die Einsetzung und Absetzung von Vorstehern (Bischöfen).

um 95 Unter der Regierungszeit Ks. Domitians ist wahrscheinlich die dem Apostel Johannes zugeschriebene Geheime Offenbarung (Apokalypse) entstanden. Der Tradition zufolge ist Johannes auf die Insel Patmos verbannt worden.

99 Evaristus wird Bf. von Rom.

vor 100 In Syrien entsteht die Didaché (= Lehre der Apostel), die Anweisungen für die Taufe, das Fasten, das Gebet und die Eucharistiefeier enthält.

nach 100 Entstehung des Johannes-Evangeliums im syrischen Raum (unter Einfluss der Gnosis) und der Pastoralbriefe (zwei an Timotheus, einer an Titus).

107 Alexander I. wird Bf. von Rom.

110 Ignatius von Antiochien erleidet in Rom den Märtyrertod. Er verfasst um 107 sieben Briefe und ist Vertreter des monarchischen Episkopats, d. h. ein Vorsteher (Episkopos, Antistes) je Gemeinde. Ignatius, Clemens I., der Verfasser der Didaché, sowie Polykarp von Smyrna (→ 154, 156) zählen zu den sog. Apostolischen Vätern, die noch in einer gewissen generationsmäßigen Nähe zur apostolischen Zeit stehen.

111/112 Briefwechsel zwischen Ks. Trajan (98–117) und Plinius dem Jüngeren: Ein maßvolles und vorsichtiges Schreiben von Plinius, des Statthalters von Bithynien (Kleinasien), an Trajan über das Verhalten gegenüber den Christen und die Antwort des Ks., dass nach den Christen nicht ausdrücklich zu fahnden ist.

116–125 Sixtus I. wird 116, Telesphorus 125 Bf. von Rom.

132–135 Aufstand des Bar Kochba in Palästina (Zweiter Jüdischer Krieg, → 66). Die Juden – und damit auch die Judenchristen – werden aus Jerusalem vertrieben, das den Namen Aelia Capitolina bekommt. Auf dem Tempelberg wird ein Jupiter-Tempel err.

136 Hyginus wird Bf. von Rom.

140 Pius I. wird Bf. von Rom. Unter ihm treten in Rom verschiedene Gnostiker auf, darunter Markion. Er behauptet, der Gott des Alten Testaments sei nicht der des Neuen Testaments.

154 Anicetus wird Bf. von Rom. Unter ihm kommt Polykarp von Smyrna nach Rom, um den Osterfeststreit (→ 189) beizulegen. In Kleinasien wird dieses Fest am 14. Nisan, im Westen hingegen am darauffolgenden Sonntag gefeiert.

156 Polykarp von Smyrna, der in der Jugend den Apostel Johannes kennen gelernt haben soll, erleidet in Rom den Märtyrertod.

160 In dem Schreiben Martyrium Polycarpi wird erstmals der Begriff Märtyrer verwendet, was zum Anstoß zur späteren Heiligenverehrung wird.

165 Justinus der Märtyrer wird in Rom im Zuge der Christenverfolgung unter Ks. Marc Aurel (161–180) enthauptet. Er ist einer der bedeutendsten christlichen Schriftsteller (Apologet) des 2. Jh., der die platonische Philosophie in den Dienst des Christentums stellt. Allerdings begünstigen seine Lehren den Subordinatianismus (der Sohn ist dem Vater untergeordnet). – Montanus (aus Phrygien) behauptet, die Wiederkunft Jesu stünde unmittelbar bevor. Die Montanisten sind u.a. von einem ethischem Rigorismus gekennzeichnet.

166–174 Soter wird 166, Eleutherius 174 Bf. von Rom.

177 Christenverfolgung in Lyon anlässlich der Feier des Kaiserkultes.

180 Irenäus von Lyon († 202), ein Schüler des Polykarp von Smyrna (→ 156), verfasst die erste Übersicht über den christlichen Glauben (Adversus haereses) und setzt sich dabei insbesondere mit der Gnosis auseinander. Mit ihm beginnt der Prozess der theologischen Klärung, der rund 300 Jahren dauert (bis zum Konzil von Chalkedon, → 451). Irenäus erwähnt Christen in Niedergermanien mit einen Bf. (möglicherweise in Köln?), aber auch in Spanien, bei den Kelten, im Orient, in Ägypten und Libyen. Diese Erwähnungen sind das erste schriftliche Zeugnisse über die bereits weite Verbreitung des Christentums im Römischen Reich der 2. Hälfte des 2. Jh.

189 Viktor I. wird Bf. von Rom. Unter ihm flammt der Osterfeststreit (→ 154, 325) mit Polykrates von Ephesos erneut auf, wobei er mit Exkommunikation droht. Das ruft die Kritik des Irenäus von Lyon hervor.

199 Zephyrinus wird Bf. von Rom. Zu seiner Zeit kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen über die Trinitätslehre. – Aus dieser Zeit stammt das Muratorische Fragment, das die neutestamentlichen Schriften ohne den Hebräerbrief, den Jakobusbrief und die beiden Petrusbriefe aufzählt.

202 Ks. Septimius Severus (193–211) verbietet den Übertritt zum Christentum und es kommt erneut zu Christenverfolgungen.

217 Calixtus I., ein ehemaliger Sklave, wird Bf. von Rom. Bevor er dieses Amt antritt, ist er Verwalter der Begräbnisstätte der römischen Christen an der Via Appia; sie wird später nach ihm Calixtus-Katakombe genannt. – Um diese Zeit wird Origines Leiter der Katechetenschule von Alexandrien. Er ist der bedeutendste griech. Theologe seiner Zeit und tritt vor allem als Kommentator des Alten Testaments hervor. Wegen seines neuplatonischen Denkens werden seine Lehren auf dem 2. Konzil von Konstantinopel (→ 553) verurteilt. Sein asketischer Eifer treibt ihn zur Selbstentmannung. Obwohl er um 254 den Märtyrertod erleidet, wird er aus diesen Gründen als solcher nicht verehrt. – Ebenso aus dieser Zeit stammt Tertullian von Karthago (um 160–220), er gehört zu bedeutendsten lat. Theologen seiner Zeit, verfällt aber dem Rigorismus und trennt sich von der Kirche.

222 Urban I. wird Bf. von Rom. Historische Zeugnisse über ihn gibt es nicht, daher haben sich um so mehr Legenden um ihn gerankt. Verschiedene Wetterregeln und Volksbräuche werden ihm zugeschrieben. Im dt. spr. Raum ist er auch der Patron der Winzer.

230 Pontianus wird am 21.7. zum Bf. von Rom gewählt. Unter ihm wird die Absetzung des Origines bestätigt. Die zu dieser Zeit verfasste Kirchenordnung des Hippolyt von Rom († 235) bestimmt, dass nur jener zum Bf. geweiht werden kann, der vom ganzen Volk gewählt wird.

235 Beginn der Christenverfolgung unter Ks. Maximinus Thrax (235–238), die bis zu seinem Tod dauert. Pontianus wird nach Sardinien verbannt, wo er in der Folge den Tod findet. Davor tritt er am 28.9. (das ist übrigens das erste gesicherte Datum der Papstgeschichte) als Bf. zurück, damit ein Nachfolger gewählt werden kann. – Anterus wird am 21.11. zum Bf. von Rom gewählt, stirbt jedoch bereits Anfang 236.

236 Fabianus wird am 10.1. zum Bf. von Rom gewählt († 250 als Märtyrer; Legende von der Taube, die plötzlich erscheint und sich auf das Haupt des Fabianus setzt.) Unter ihm wird Rom in sieben Bezirke eingeteilt, die von Diakonen geleitet werden.

249–251 Christenverfolgung unter Ks. Decius (249–251), nachdem sich das Christentum Jahrzehnte lang relativ ruhig entwickeln konnte. Decius ordnet die Supplicatio an, d. h. die Darbringung eines Opfers an die offiziellen Staatsgötter. Während bisher gegen Christen nur individuell vorgegangen wird, führt die Verweigerung eines solchen Opfers zur ersten eigentlichen planmäßigen Christenverfolgung. – Aus dieser Zeit ist bereits ein Bf. in Trier (Eucharius) nachweisbar (→ 511).

251 Cornelius wird im März nach längerer Sedisvakanz infolge der Wirren der Christenverfolgung zum Bf. von Rom gewählt. Er nimmt nach der Buße Christen, die bei der Verfolgung abgefallen sind (sog. lapsi), wieder auf. Sein Gegner Novatian ernennt sich daraufhin zum Gegen-Bf. und vertritt die Lehre des Montanismus (→ 165), was zum novatianischen Schisma führt (besteht bis 325). Nach Schätzungen leben zu dieser Zeit ca. 30.000 Christen in Rom.

251–253 Nach Auftreten einer Seuche kommt es unter Ks. Trebonianus Gallus (251–253) neuerlich zu einer Christenverfolgung.

253 Lucius I. wird am 25.6. zum Bf. von Rom gewählt.

254 Stephan I. wird am 12.5. zum Bf. von Rom gewählt. Unter ihm kommt es zum zeitweiligen Bruch mit den Kirchen Afrikas (Cyprian von Karthago) und Asiens, die von Häretikern gespendete Taufen wiederholen wollen (Ketzertaufstreit). Dagegen wendet sich Stephan I vehement. Erstmals wird von ihm die klassische Petrusstelle Mt 16,18 f. für die römische Vorrangstellung herangezogen.

257 Sixtus II. wird am 30.8. zum Bf. von Rom gewählt. Er stellt die durch seinen Vorgänger hervorgerufene unterbrochene Kirchengemeinschaft mit Karthago wieder her.

258 Christenverfolgung unter Ks. Valerianus (253–269). Dabei wird Sixtus II. am 6.8. bei einem Gottesdienst in der Calixtus-Katakombe enthauptet, desgleichen widerfährt Cyprian von Karthago am 14.9.

259 Dionysius wird am 22.7. zum Bf. von Rom gewählt.

260 Unter Ks. Gallienus (260–268) werden die unter Valerianus beschlagnahmten Gebäude der Christen wieder rückgestellt. Das ist die erste nachhaltige Toleranzgeste des römischen Staates gegenüber den Christen.

269 Felix I. wird am 5.1. zum Bf. von Rom gewählt.

270 Unter Ks. Aurelianus kommt es zur erneuten Christenverfolgung und zur Einführung des Kultes des sol invictus.

275–283 Eutychianus wird am 4.1.275 und Cajus am 17.12.283 zum Bf. von Rom gewählt.

285 Antonius beginnt sein Einsiedler-Leben in der ägyptischen Wüste (Anachoretentum) als genuin christlichen Protest gegen ein weltförmiges Christentum.

296 Marcellinus wird am 30.6. zum Bf. von Rom gewählt.

301 In Armenien wird das Christentum Staatsreligion.

303/304 Ks. Diokletian (284–305) erlässt vier antichristliche Dekrete und verlangt einen allgemeinen Opfergang. Damit beginnt nach einer rund 40jährigen, relativen Ruhepause die letzte und schwerste Christenverfolgung (im Westen bis 306, im Osten bis 311). Nach Schätzungen sind bereits rund 7–10 Millionen von insgesamt ca. 50 Millionen Bewohnern des Römischen Reiches Christen. Schwerpunkte liegen in Kleinasien, Syrien, Ägypten, Mazedonien, Mittel- und Unteritalien, Nordwestafrika, Spanien und im südlichen Gallien.

306 Auf der Synode von Elvira (bis 309) wird erstmals der Zölibat für Priester gutgeheißen.

308 Marcellus I. wird am 27.5. zum Bf. von Rom gewählt. Nach dem Märtyrertod seines Vorgängers im Jahr 304 herrscht aufgrund der Diokletianischen Verfolgung eine längere Vakanz. Es entstehen Konflikte um die Wiederaufnahme der während der Verfolgung abgefallenen Christen.

309–311 Eusebius wird am 18.4.309 (er stirbt jedoch kurz darauf), Miltiades am 2.7.311 nach zweijähriger Vakanz zum Bf. von Rom gewählt. Der Mit-Ks. Galerius (306–311) erlässt ein Toleranzedikt und stellt für seinen Bereich die Christenverfolgung ein.

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Die Milvische Brücke über den Tiber, nördlich von Rom, wo im Jahr 312 Konstantin den Maxentius besiegte.

312 Am 28. 10. kommt es an der Milvischen Brücke (nördlich von Rom) zur Schlacht. Ks. Konstantin († 337) besiegt den Usurpator Maxentius (Legende von In hoc signo vincis – »Mit diesem Zeichen [Kreuz] wirst du siegen.«).

313 Ks. Konstantin erlässt im Februar das Mailänder Zirkularmandat (»Mailänder Toleranzedikt«) und gewährt damit den Christen volle Freiheit (Konstantinische Wende). – Erwähnung des ersten nachweisbaren Kölner Bf. Maternus (→ 180, 785).

314 Silvester I. wird am 31.1. zum Bf. von Rom gewählt. – Ks. Konstantin beruft zur Schlichtung des Streits mit den Donatisten die 1. Synode von Arles ein. Diese vornehmlich in Afrika beheimatete, schismatische Bewegung, benannt nach Donatus Casae Nigrae, Bf. von Karthago, war rigoristisch eingestellt und behauptet sich bis 722 vor allem in Numidien. Auf Synode von Arles ist erstmals ein Bf. von Aquileja (→ 558) bezeugt (als Btm. seit Mitte des 3. Jh. bestehend, nach einer Legende von Hermagoras, einem Schüler des Evangelisten Markus 63 err.).

318 Der alexandrinische Priester Arius (Areios) († 336) beginnt mit der Verbreitung seiner Lehre, dem Arianismus. Nach ihm ist Jesus das erste Geschöpf des einzigen sowie ungezeugten Gottes und nur gottähnlich (homousia), aber nicht gottgleich (homoia) gewesen. Die Lehre des Arius findet in der Spätantike eine große Anhängerschaft. Selbst Ks. Konstantin ist sein Fürsprecher. Der Einfluss des Arius reicht bis in die ostgotische Zeit des Theoderich (6. Jh.).

320 Um diese Zeit gründet Pachomius († 347) in der Thebais (Ägypten) die erste Mönchsgemeinschaft nach den Regeln der Armut, des Gehorsams und der Arbeit und beeinflusst damit die späteren Ordensgründungen.

321 Am 3.7. wird im Römischen Reich der Sonntag als allgemeiner Ruhetag eingeführt.

325 Das I. Konzil von Nicäa (heute Iznik, West-Türkei) (1. ökum.), einberufen von Ks. Konstantin, wird am 20.5. eröffnet. Dort erfolgt in Ablehung der arianischen Lehre die Definition des nicäanischen Glaubensbekenntnisses mit der Festlegung der Gottheit Christi (wesensgleich mit dem Vater). Außerdem wurde endgültig der bis heute gültige Oster-Termin festgelegt: Der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond (→ 189). – Ks. Konstantin lässt über dem Petrusgrab in Rom eine fünfschiffige Basilika erbauen und schenkt Bf. Silvester den Lateranpalast.

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Grundriss einer dreischiffigen Basilika ohne Querschiff, jedoch mit Vorhof.

Mit der Err. dieser und anderer Basiliken als christliche Kultstätten wird der Grundtypus der römisch-antiken Basilika (Versammlungsraum, Markthalle) für den Kirchenbau der Spätantike, d. h. nach der Konstantinischen Wende, übernommen. Dieser besteht aus einem überhöhten Längsschiff, an dessen einem Ende sich eine Apsis befindet, und aus zwei oder manchmal sogar vier Seitenschiffen. Später kommt gelegentlich ein Querschiff hinzu, so dass der Grundriss ein (lat.) Kreuz bildet. Dieses Grundmuster findet sich in der Folge bei den Kirchenbauten in den Stilepochen der Vor-Romanik (karolingischer und ottonischer Kirchenbau), der Romanik, der Gotik und der Renaissance wieder. Erst in der Renaissance und vor allem in der Barockzeit findet eine Differenzierung zum Zentralbau hin statt. Im Historismus (→ 1842) des 19. Jh. folgen neuromanische bzw. neugotische Kirchenbauten diesem Muster gemäß. Der Kirchenbau der Moderne (→ 1930) folgt hingegen stärker dem Muster des Zentralbaus.

330 Ks. Konstantin lässt seine Residenz nach Byzanz (nunmehr Konstantinopel, heute Istanbul) verlegen. Damit erhalten die Bf. von Rom einerseits mehr Spielraum gegenüber dem Ks., der gerne in innerkirchliche bzw. theologische Belange eingreift, andererseits wird damit der Grundstein für die spätere Spaltung in eine lat. West- und eine griech. Ostkirche (Orthodoxie) gelegt. Ihre Grenzen werden nicht nur zu einer religiösen Grenze, sondern auch zu einer kulturell-politischen, die sich bis in die Gegenwart auswirkt (z. B. Spaltung Jugoslawiens bzw. des Balkans in »lateinische« Kroaten und »griechische« Serben).

333 Der 25.12. wird als Datum der Geburt Jesu festgelegt (→ 525), was auch eine Demonstration gegen das bislang an diesem Tag begangene Fest des Sonnengottes (sol invictus, → 270) ist.

335 Die Grabeskirche in Jerusalem wird am 17.9. eingeweiht. – Am 31.12. stirbt Silvester I. Dadurch wird der letzte Tag des Jahres zu seinem Gedenktag und sein Name so zu dem am meisten bekannten Papst.

336 Markus wird am 18. 1. zum Bf. von Rom gewählt. – Wulfila (310–383) wird arianischer Bf. der Goten (→ 350). Damit setzt die (arianische) Bekehrung der Westgoten und in der Folge anderer germanischer Stämme im Rahmen der beginnenden Völkerwanderung ein.

337 Julius I. wird am 6.11. zum Bf. von Rom gewählt. – Ks. Konstantin lässt sich erst kurz vor seinem Tod arianisch taufen.

341 Julius I. beruft eine Synode nach Rom ein, wo die Absetzung des Athanasius, Patriarch von Alexandrien, der ein Anwalt des Konzils von Nicäa ist, für ungerecht erklärt wird.

342/343 Ks. Konstantius II. (337–361 für den Osten) und Ks. Konstans (337–350 für den Westen) berufen, zwecks Beilegung des arianischen Streits, eine Synode nach Sardika (heute Sofia) ein. Im Streit um Athanasius kommt es zur Spaltung. Die westlichen Bf. erklären den Bann über die östlichen und umgekehrt. Das war das erste Schisma zwischen West und Ost. Rom erklärt sich hingegen zur allgemeinen Appellationsinstanz.

343–346 Erste Erwähnungen von Bf.: 343 für Straßburg (→ 1988), 345 für Augusta Rauracorum (Augst), das spätere Basel (→ 1828) und 346 in einer Kölner Synodalakte für Mainz (→ 777), Metz (→ 1871), Speyer (→ 1821), Tongern (→ 535) und Worms.

350 Um diese Zeit übersetzt der westgotische Bf. Wulfila (→ 336) große Teile der Bibel ins Gotische und entwickelt dazu ein eigenes Alphabet. Diese Übersetzung ist das älteste erhaltene germanische Literaturdenkmal.

352 Liberius wird am 17.5. zum Bf. von Rom gewählt.

353 Die 2. Synode von Arles verdammt auf Druck des arianismus-freundlichen Ks. Konstantius II. den Patriarchen von Alexandrien Athanasius.

355 Synode von Mailand. Ks. Konstantius II. setzt die Verurteilung von Athanasius von Alexandrien durch. Da sich Liberius dagegen widersetzt, wird er nach Thrakien verbannt. Dort wird er derart unter Druck gesetzt, dass er dem Ks. nachgibt und sogar eine zweideutige Glaubensformel (3. Sirmische Formel) unterschreibt, wonach der Sohn dem Vater dem Wesen nach und in allem ähnlich sei. Dadurch erleidet das Ansehen des Liberius so großen Schaden, dass er in der Historiographie durchweg negativ beurteilt wird.

358 Liberius kehrt nach Rom zurück. Der zwischenzeitlich und widerrechtlich vom Ks. eingesetzte Felix II. wird vertrieben.

360 Ab diesem Jahr wird bis 382 sukzessive das Lateinische anstelle des Griechischen in Rom als alleinige Liturgiesprache, und damit auch als offizielle Sprache der Westkirche eingeführt. Erst in der 2. Hälfte des 20. Jh. beginnt der Abbau dieser Vorrangstellung (Liturgiereform auf dem II. Vatikanum, → 1963; Englisch wird die lingua franca der westlichen Welt). – Der in diesem Jahr ausgerufene Ks. Julian Apostata († 363), ein Neffe Ks. Konstantins, begünstigt den heidnischen Glauben und versucht, das Christentum zu unterdrücken, allerdings ohne nachhaltigen Erfolg.

366 Damasus I. wird am 1.10. zum Bf. von Rom gewählt. Bei seiner Wahl kommt es zwischen den rivalisierenden Gruppen zu blutigen Straßenschlachten, die über hundert Tote fordern. Er erhält von Ks. Gratian (375–383) den alten Kaisertitel pontifex maximus.

370 Basilius