Jaroslav Suchy

Die erotischen Abenteuer des
Draufgängers Eduard Kiebitz

Roman nach einer wahren Begebenheit

Bibliografische Informationen der Deutschen Bibliothek: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte Dateien sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Impressum:

© 2014 Verlag Kern

Autor: Jaroslav Suchy

© Inhaltliche Rechte beim Autor

Herstellung: Verlag Kern, Bayreuth

Umschlagdesign und Satz: www.winkler-layout.de

Titelfoto: Aus dem Besitz des Autoren

Lektorat: Manfred Enderle

ISBN 9783957160 - 133

ISBN E-Book: 9783957160539

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2014

www.verlag-kern.de

Anmerkung des Autors:

Die in diesem Buch beschriebenen Geschehnisse beruhen größtenteils auf wahren Begebenheiten. Die übrigen Passagen sind frei erfunden. Ebenfalls frei erfunden sind alle Namen der in diesem Buch genannten Personen. Sollte es in irgendeiner Art namentliche, inhaltliche oder rein zufällige Übereinstimmungen geben, die mit lebenden oder verstorbenen Personen in Verbindung gebracht werden könnten, sind diese als ungewollt und damit als gegenstandslos und in jeglicher Hinsicht als absolut nichtig zu betrachten.

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Widmung

Prolog

Die erotischen Abenteuer des Draufgängers Eduard Kiebitz

Wenn des Lesers Seele
von des Lachens Freude erquickt,
und der dunkle Alltagsschatten
in den Hintergrund entrückt,
erst dann hat die Lektüre
ihre Bestimmung erfüllt.

Prolog

Das Streben des Mannes nach der Gunst des weiblichen Geschlechts dient der naturbedingten Selektion, die die Grundlage für gesunde und vor allem starke und belastungsfähige Nachkommen darstellt.

Man(n) braucht sich nur einmal in der Vogelwelt umzuschauen, welche Mühe sich einige Männchen beim Bau der Nester oder in der Balz geben, um die Gunst der Weibchen zu erlangen.

Und gerade diese Phase des Flirtens – der Umwerbung der angebeteten Frau – drängt manche Männer nicht selten bis an den äußersten Rand ihrer kommunikativen Fähigkeiten, ja bis hin zum Erlangen der Einsicht, Frauen gegenüber uninteressant zu erscheinen.

Aber so, wie es zu sein scheint, ist es trotz alledem nicht! Denn auch die Frauen sind danach bestrebt, einen geeigneten Partner fürs Leben zu finden. Demnach braucht kein Mann über sein vermeintliches Defizit, Frauen gegenüber nicht attraktiv genug zu sein, zu verzagen.

Denn solch ein Bursche braucht im Grunde nichts anderes zu tun, als sich geduldig und frohen Mutes auf die Suche nach seiner zukünftigen Liebesgefährtin zu begeben, die er eines Tages ganz sicher finden wird.

Wenn man einem reifen, viermal verheirateten Mann die Frage stellen würde, welche Momente in seinem Leben wohl die aufregendsten und emotionalsten für ihn waren, dann würde seine wohlüberlegte Antwort mit hoher Wahrscheinlichkeit die Anfangsphase seines Liebeslebens betreffen. Es wäre in der Tat kein Zufall, solch eine Antwort von jenem Mann zu erhalten.

Denn zwischen zwei frisch verliebten, geschlechtlich vereinten Menschen entstehen solch intensive Gefühle, die mit keinen sachlichen oder geldlich bedingt zustande gekommenen Glücksmomenten auf dieser Welt vergleichbar sind.

Ich habe das Bedürfnis, allen unglücklich verliebten sowie nach Liebe strebenden Frauen und Männern den Rat zu geben, nicht zu verzagen und unentwegt nach der Liebe zu suchen. Denn es lohnt sich, darauf zu warten, einmal in paradiesischer Liebeszweisamkeit zu verweilen.

Wie schön wäre es wohl auf dieser Welt, wenn es nicht die Waffen, die maßlose Geldgier der Oligarchie, die Tyrannei und die gnadenlose Ausbeutung der Menschheit gäbe, sondern nur das verständnisvolle Dasein aller Menschen, die miteinander und füreinander im Frieden und gegenseitiger Akzeptanz auf unserem Erdball glücklich leben könnten.

Unweit der Straßenbahnhaltestelle, an der Eduard mit seinen Kumpels ausgestiegen war, befand sich Monikas Wohnung. Als die drei Partykandidaten diese ansteuerten, bemerkte Eduard an der ihm bekannten Fensterreihe von Monikas Wohnung ein kaum sichtbares Flimmern. Er war sich sicher, dass es Monika war, die dieses Flimmern des Fenstervorhangs verursacht hatte.

„Wir sind am Ziel“, gab Eduard bekannt und drückte die Klingel.

Als Monika die Eingangstür ihrer Wohnung öffnete und die ankommenden Gäste hineingebeten hatte, schien die geplante Party schon im Gange zu sein, denn die Musik spielte bereits. „Also, diese beiden Prachtburschen sind, wie ich annehme, deine Freunde. Deine Freunde sind auch meine Freunde. Ich bin Monika“, stellte sie sich selbst vor und umarmte nacheinander ungezügelt jeden der drei Partyfeger.

Am liebsten hätte sie ihre stürmische Begrüßungsvehemenz nur Eduard gewidmet, doch dies konnte sie nicht tun, da sie damit hauptsächlich bei Otto den Eindruck hätte erwecken können, dass er ihr weniger bedeutete als Eduard. Sie hatte auch sofort erkannt, wer von den beiden Unbekannten Otto war. Eduard wusste genau, dass er von Monika diesbezüglich sehr viel abverlangte. Als er sie umarmte, bemerkte er auch, dass sie sich aus der Umklammerung ziemlich unmutsvoll löste. Aber sie meisterte ihre Gastgeberrolle hervorragend. Anschließend bat sie die drei Ankömmlinge, ihr in die Wohnstube zu folgen, wo das eigentliche Beisammensein stattfand. „Diese beiden Damen sind meine Freundinnen und heißen Jana und Helena. Das Partysturmtrio brachte spontan zum Ausdruck, dass ihm die Anwesenheit der Damen an diesem Nachmittag sehr angenehm erschien und jeder Einzelne von ihnen stellte sich vor.

Während des gegenseitigen Kennenlernens brachte Monika einige Getränke und stellte sie auf den bereits dekorierten Stubentisch.

„Bedient euch und werdet lustig“, bat sie die Gäste.

Otto stand inmitten des Trubels wie ein Hammel vorm Schlächter. Er war völlig unsicher und desorientiert. Er konnte nicht glauben, dass ihn tatsächlich eine bildhübsche Frau einfach so umarmt und dabei so liebevoll angeschaut hatte. Mit einem Schlag fand er sie unheimlich anziehend und sympathisch. Doch er wagte nicht einmal im Sinne eines winzig kleinen Hoffnungsschimmers auch nur daran zu glauben, dass für ihn auf irgendeine seltsame Art noch mehr an Zuneigung dieses liebenswerten Weibchens an diesem äußerst verwirrenden Rambazamba-Nachmittag drin sein sollte. Er fühlte sich daher allein, verlassen und chancenlos.

Mein lieber Johnny. Den hat es aber erwischt, dachte sich Eduard, als er beobachtete, mit welcher verborgenen Begierde Otto die Gastgeberin mit seinen schüchternen Blicken verschlang.

Jetzt oder nie. Otto ist dabei, sich in Monika zu vergucken. Nicht dass noch eine der beiden Freundinnen Monikas auf die Idee kommt, Otto näher zu treten. Das darf nicht passieren, schoss es Eduard durch den Kopf.

Eduard zwinkerte Johan zu, der sich bis dato absolut souverän verhalten hatte und gab ihm somit das abgesprochene Zeichen, sich den beiden Freundinnen Monikas zu nähern. Somit war Otto isoliert und als potenzielle Partnerin kam für ihn nur noch Monika infrage.

„Dürfen wir uns zu Ihnen gesellen?“, fragte Eduard die beiden Mädels.

Monikas Freundinnen waren im Bilde, welche Rolle sie bei dieser Scheinparty zu spielen hatten und stimmten daher freundlich zu. Die beiden Kumpels führten mit den Damen ein lockeres Gespräch, bevor sie sie nach einiger Zeit zum Tanz aufforderten. Eduard und Johan drehten mit ihren Tänzerinnen eng umschlungen langsame Runden. Die leise und sinnliche Musik, die diese beiden Paare sichtlich genossen, steigerte in hohem Maße die ohnehin schon sehr intime Nähe der sich gegenseitig betrachtenden Tanzakteure. Johan, dem Eduard ritterlicherweise bei der Damenwahl den Vorrang gelassen hatte, schien von der hübschen Helena sehr angetan zu sein. Und auch Helena schien Johan zu mögen. Dies entnahm Eduard den zurückhaltenden, aber dennoch deutlichen Blicken, die Helena Johan gerade in den Momenten widmete, als er ihr nicht in die Augen schaute.

Es scheint, dass ich heute bei dieser Trallala-Party zwei Fliegen mit einer Klappe schlage. Otto habe ich schon im Sack und Johan ist auf dem besten Wege, in den Sack mit reinzuhüpfen. Das wäre ein voller Erfolg. Eine Party und vier Verliebte. Na ja, vier Verliebte ist vielleicht zu hoch gegriffen, denn Otto wird zwar in Monika bis über beide Ohren verliebt sein, aber seine Gefühle werden von Monika nicht erwidert. Also bleiben eigentlich nur drei Verliebte übrig. Es ist aber trotzdem weit mehr, als ich es mir hätte vorstellen können, ordnete Eduard die Erfolgsaussichten der Unternehmung.

Otto, der in seinem bisherigen Leben vom Tanzen nicht allzu viel gehalten hatte und diesbezüglich ein absolutes tänzerisches Antitalent war, schaute den tanzenden Pärchen aufmerksam zu und fing allmählich an zu begreifen, dass er einen Tanz nicht nur als einen banalen Bewegungsakt ansehen durfte. Seine beiden Kumpels demonstrierten ihm direkt vor seinen Augen ein Paradebeispiel einer fast intimen Zweisamkeit junger Paare, die während des langsamen Tanzes entstanden war und immer größer wurde. Otto kam sich richtig überflüssig vor. Wie ein fünftes Rad am Wagen. Monika war noch in der Küche beschäftigt und seine beiden Mitstreiter ins Tanzvergnügen vertieft. So schlürfte er aus Langeweile einen ziemlich starken Tokajerwein aus einem rustikalen und aufwendig geschliffenen Stielweinglas. Die Wirkung des Alkohols dieses wohlschmeckenden Weines belebte Ottos Augen und ließ auf ihnen einen lüsternen Glanz entstehen.

„Wollen wir auch tanzen?“, überfiel ihn Monika mit dieser direkten Aufforderung, nachdem sie aus der Küche mit einer Häppchenplatte herausgekommen und diese auf den Stubentisch abgestellt hatte.

„Tanzen? Ja, ich würde sehr gern mit dir tanzen, wenn ich es nur könnte. Ich habe früher als kleiner Junge nur aus Spaß mit meiner Oma getanzt. Ich weiß nicht, ob ich mich dazu eigne“, entgegnete Otto schüchtern.

„Es kommt nur auf den Versuch an. Du wirst sehen, es ist nicht schwer“, machte ihm Monika Mut.

Gib dir einen Ruck. So eine höchst weibliche und nette Schönheit wird ganz bestimmt nicht andauernd darum betteln, um mit dir tanzen zu dürfen, warf sich Otto in seinen Gedanken selbst vor und zwang sich zur Besinnung.

Schließlich fasste er allen Mut zusammen und ließ sich auf den Tanzversuch mit Monika ein. Sie begannen ihr Tanzexperiment zuerst mit kleinen, einfachen Schleichschritten. Nachdem Otto in dieser einfachen Übung einigermaßen sicher wurde, zog ihn Monika noch näher an sich heran und ließ ihn ihre absolute Körpernähe spüren. Sie bescherte ihm somit ein unheimlich intimgeladenes und äußerst hinreißendes Gefühlserlebnis. Und Ottos verwelkter Sexualtrieb begann allmählich, seine Sinne zu beherrschen. Er spürte Monikas üppige Oberweite, mit der sie ihm während des engen Tanzes an seinem Oberkörper streichelte. Ihr Atem, gemischt mit dem Duft eines betörenden Parfüms, steigerte dabei noch seine sinnesraubende Begierde und ein leichtes Zittern durchdrang seinen Körper.

Jetzt hast du ihn dort, wo du ihn haben wolltest. Er ist in voller Balzstimmung. Du darfst den scheuen Romeo aber nicht mit einer unbedachten und zu direkten Vorgehensweise aus der Bahn werfen. So scheu und sexuell unerfahren, wie er ist, kommt nur eine äußerst behutsame und hochemotionale Annäherungsweise in Betracht. Monika dachte intensiv darüber nach, auf welche Art sie mit dem verklemmten Otto den Rest des angebrochenen Abends im Sinne ihrer fraglichen Bemühung verbringen sollte.

„Wir verziehen uns ins Nebenzimmer“, sagte Eduard zu Monika und war in Begriff, die Wohnstube mit Jana zu verlassen. „Du gehst weg?“, fragte Otto entsetzt.

„Nein, ich gehe nicht weg. Wir möchten aber ungestört sein“, entgegnete Eduard.

„Wir gehen auch mit euch mit. Wir wollen uns auch eine freie Ecke suchen“, sagte Helena und zog Johan hinter sich zum Eingang des benachbarten Zimmers her, in dem Eduard mit Jana zuvor verschwunden war.

Eduard hatte mit Monika und auch noch mit Johan zuvor ausgemacht, dass er mit seinem Kumpel und den beiden Damen das Wohnzimmer verlassen würde, um sich ins benachbarte Zimmer zurückzuziehen. Der Zweck dieser Aktion war, Monika und Otto Ruhe zu gönnen, damit die eigentliche Bestrebung dieses Vorhabens auch die erwartete Wirkung haben sollte. Die zweite, aber auch sehr wichtige Intention ihres Rückzuges in die kleine Räumlichkeit bestand darin, die Wohnung unbemerkt verlassen zu können. Der kleine Wohnraum, in welchen sich die vier begeben hatten, hätte auch gut als Kinderzimmer dienen können. Es kam aber zu dieser Zeit nicht infrage, da Monika keine Kinder hatte. Somit war dieses winzige Wohngemach als Fremdenzimmer in Benutzung und verfügte über einen hinteren Ausgang, durch welchen man die Wohnung über den benachbarten Wohnungskorridor unbemerkt verlassen konnte.

„Diese Hürde gilt als genommen. Es hat vorzüglich geklappt. Otto schöpft keinen Verdacht und verbleibt im guten Glauben, dass wir uns im benachbarten Zimmer vergnügen. Was mich angeht, dann ziehe ich jetzt den Anker. Ich habe noch eine dringende Angelegenheit zu erledigen“, sagte Eduard zu Johan und den beiden weiblichen Tarnfiguren.

„Ich komme gleich mit. Ich habe auch noch was vor“, meinte Jana, Eduards Tanzpartnerin.

Johan und Helena hatten sich so sympathisch gefunden, dass sie beschlossen, noch ein Weilchen in diesem Fremdenzimmer zu verweilen. Darüber hinaus befassten sie sich mit der Absicht, zu einem späteren Zeitpunkt dieses angebrochenen Abends in ein nah gelegenes Restaurant einzukehren.

Für Eduard war es an der Zeit, sich zu seinem Rendezvous mit seiner Fleischhofsexponentin Julia zu begeben. Johans Aufgabe an diesem Abend bestand noch darin, Otto zu später Stunde bei Monika abzuholen und zu einer Bushaltestelle zu begleiten. Von dieser fuhr noch kurz vor Mitternacht ein Spätbus, der während seiner Fernroute unweit des Flughafens Halt machte. Die beiden Küchenkameraden Ottos wollten nicht das Risiko eingehen, den vermutlich durcheinandergebrachten und zum Manne geschlagenen Dienstkumpel mutterseelenallein durch das nächtliche Pilsen irren zu lassen.

Otto hatte mittlerweile alles um sich herum vergessen. Seine Augen und seine Sinne waren nur noch auf das wohlgeformte weibliche Wesen fokussiert, welches er anhimmelte und zu dem er unbeschreiblich tiefe und triebbedingte Gefühle hegte. Er hatte in seinem bisherigen Leben noch nie zu jemandem solch ein Gefühl empfunden. Daher war diese intime Erfahrung für ihn absolutes Neuland. Otto hatte noch nicht einmal geahnt, dass zwischen zwei Menschen solch ein herrliches Gefühlskarussell entstehen konnte. Während des Schleichtänzelns schmusten die beiden bei Dämmerlicht und sentimentaler, leiser Musik eng umschlungen Körper an Körper. Monika fühlte rein intuitiv, dass Otto ihren Reizen total verfallen war. Der Zeitpunkt war aus ihrer Sicht günstig, um Otto in die Mangel zu nehmen.

Jetzt muss ich ihn noch irgendwie ins Schlafzimmer kriegen, aber so, dass er nicht gleich meine Absicht erkennt und womöglich noch aus lauter Gehemmtheit davonflitzt, überlegte sie fieberhaft.

„Du bist so zärtlich zu mir. Genau das mag ich so gern. Ich möchte dich auch verwöhnen. Und ich weiß auch schon wie. Ich habe in meinem Zimmer, in dem ich die meiste Zeit verbringe, einen bezaubernd leckeren Likör. Ich möchte diesen mit dir trinken und in deiner Umarmung den Abend genießen“, sprach Monika ihren Wunsch aus.

„Das klingt sehr verlockend. Wenn du es so gerne magst, dann möchte ich auch von diesem Likör kosten“, entgegnete Otto ergeben.

Monika nahm aus dem Stubenarsenal zwei kleine Likörgläser heraus, fasste Otto an seiner Hand und führte ihn in ihr Schlafzimmer. Dieses sogenannte Schlafzimmer war jedoch nicht eingerichtet wie ein gewöhnliches Schlafgemach. Von der Einrichtung her hätte man ohne Weiteres meinen können, dass es sich von der Dienlichkeit her mehr oder weniger um ein Wohnschlafzimmer handeln könnte. Das, woraus man schließen könnte, dass es sich teilweise um ein Schlafzimmer handelte, war ein breites und niedriges Bett, das zum Herumwälzen einlud.

„Setz dich auf die Couch. Ich bringe gleich den Likör.“

Otto hockte sich widerstandslos hin und wartete auf das, was kommen mochte. Monika holte inzwischen aus einem Möbelstück eine Likörflasche heraus, öffnete diese und goss etwas von der dunkelroten und dickflüssigen Köstlichkeit in die beiden Gläser hinein. Dann setzte sie sich zu Otto und reichte ihm das Likörglas.

„Wir trinken diesen roten Liebestrank jetzt im Sinne unserer Annäherung.“

Otto hätte diesen Trinkspruch auch nicht besser von sich geben können, als es Monika soeben getan hatte, denn es kam ihm auch in den Sinn, solch einen Trinkspruch an den Tag zu legen, aber er fand nicht gleich die passenden Worte. Kurz darauf stellten die beiden Turteltäubchen ihre Likörgläser ab und setzten ihren unterbrochenen Zärtlichkeitsaustausch fort. „Ich fühle dein sanftes Streicheln nicht deutlich. Ich möchte es noch mehr spüren. Zieh mir meine Bluse aus“, bat sie Otto sanft, sie zu entblößen.

Otto dachte für einen Moment, dass er falsch verstanden hatte, was Monika da von ihm verlangte.

„Ich soll dich ausziehen? Ich habe noch nie eine Frau ausgezogen“, bemerkte er verlegen.

„Das ist ganz einfach. Du tust mir dabei nicht weh. Ich möchte nur deine sanften Hände auf meinen Brüsten spüren, da ich mich danach sehne“, schnorrte Monika sehnsüchtig. Otto begann, an den kleinen Knöpfchen von Monikas Bluse zu fummeln. Dabei ging er mit einem ausgesprochenen Ungeschick und zittrigen Händen ans Werk. Nach einer Weile gelang es ihm dann doch, ihren reizvollen Oberkörper auszupacken. Monika entfernte daraufhin geschickt ihren Büstenhalter und eine herrlich geformte Busenpracht verschlug Otto den Atem. Er starrte auf ihre zauberhaften Brüste wie ein kleiner Junge auf ein riesiges Feuerwehrauto.

„Schmus mit mir. Ich warte schon darauf. Sei zärtlich zu mir wie vorhin, bat sie den aus der Fassung gebrachten schüchternen Soldaten, sie zu berühren und führte seine linke Hand an ihren Busen.

Was mache ich hier bloß? Wie soll ich mich jetzt verhalten? Ich weiß doch gar nichts mit dieser bildhübschen Frau anzufangen. Aber es ist so schön. Von so einem überwältigenden Moment habe ich schon immer geträumt. Wenn ich jetzt davonrenne, dann werde ich mir das nie verzeihen, grübelte Otto beinahe verzweifelt über seine fatale Lage.

Aus Monikas Sicht hingegen erschien dieses sich langsam anbahnende Liebesszenario in einem ganz anderen Licht, als Otto es wahrnahm. Denn für sie war es ein emotionales Abenteuer, das sie an längst vergangene Zeiten ihrer ersten Liebeserlebnisse erinnerte. Sie genoss das scheue Verhalten der äußerst unerfahrenen Liebhaberattrappe, die Otto ungewollterweise darstellte, hingegen in vollen Zügen. Monika konnte den weiteren Verlauf dessen, was an diesem Abend noch geschehen sollte, kaum mehr abwarten. Und so schätzte sie nach einem langen und intensiven Schmusen, dass Otto nun bereit für einen weiteren Schritt ihrer totalen Annäherung war. Sie begann daher damit, ihn Schritt für Schritt seiner Kleidung zu entledigen. Diesen Prozess des allmählichen Ausziehens Ottos hätte man ohne zu übertreiben mit dem Häuten einer Schlange vergleichen können. So mühsam und langsam ging Monika dabei vor. Nach einem langem Hin und Her steckte Otto nur noch in seiner grünen Trainingshose. Er selbst kam sich dabei vor, als wäre er auf einem Präsentierteller. Anderseits aber hatte er die Erfahrung gemacht, dass ihm das Schmusen so noch viel mehr Spaß bereitete, als zuvor, als er noch angezogen war. Ohne dass es der vollbeschäftigte Möchtegernliebhaber bemerkt hatte, zog Monika langsam und unauffällig ihre Unterwäsche aus. Sie verbarg ihre gänzlich nackte untere Körperhälfte unter der dünnen Decke, unter der auch Otto zum Teil bereits Zuflucht gefunden hatte. Es dauerte nicht mehr allzu lange, als Otto bemerkte, dass Monika splitternackt neben ihm lag. Während er sie weiterhin so liebkoste, als hätte er nichts davon bemerkt, dass sie bereits völlig nackt war, wurde ihm bewusst, dass die Nacktheit einer Frau im Bett eines Mannes etwas zu bedeuten hatte. Dieser für Otto schleierhafte Hintersinn von Monikas völliger Entblößung versetzte ihn in eine erneute Stresslage. Die Art, wie sie sich an ihn anschmiegte, bekräftigte seine Annahme, dass sie von ihm noch mehr wollte, als sie bis jetzt bekommen hatte.

Das, was noch nicht im Sinne einer völligen Annäherung zwischen mir und Monika in diesem Bett zum Tragen kam, ist eine totale Sexbeziehung. Nur ein bloßer Gedanke daran versetzt mich in Panikstimmung. Ich weiß doch gar nicht, wie so was abläuft. Na ja, ein wenig schon. Und was mache ich, wenn das nicht funktioniert? Wenn ich mich dazu nicht eigne? Das Einzige, worauf ich hoffen könnte, wäre die naheliegende Annahme über Monikas Erfahrung bezüglich Sex. Wenn dies der Fall wäre, dann könnte sie mir diesbezüglich beibringen, wie ich mich zu verhalten hätte. Ein Lehrer macht es mit einem Schüler auch nicht anders, quälten ihn die verschiedensten Überlegungen über seine vermeintliche Sexuntauglichkeit.

Einer durchaus lebensbeschlagenen Frau, wie Monika es war, konnte ein sexueller Debütant wie Otto gar nichts vormachen. Sie erkannte sofort die gut verpackte Verhaltensveränderung des scheuen Grünhorns und fragte daher den kühnen Stecher: „Ist es dir unangenehm, dass ich ausgezogen bin?“

Es bereitete ihr offensichtlich sehr viel Spaß, mit Otto Katz und Maus zu spielen. Otto fühlte sich überführt und lief im Gesicht rot an.

„Ich habe noch nie mit einer Frau geschlafen“, ließ er die Katze aus dem Sack.

„Du redest davon so, als ob es aus deiner Sicht einer fatalen Angelegenheit ähneln würde, mit einem Frauenwesen zu schlafen. Im Leben eines jedes jungen Mannes ist das erste Mal etwas ganz Besonderes, worauf man immer wieder zurückblicken kann und was man meistens auch nie vergisst. Bei einer erfüllten Beischlafbeziehung entstehen die schönsten Gefühle, die ein menschliches Wesen überhaupt erleben kann. Du brauchst auch keine Angst zu haben, dass du mich schwängern könntest. Das kann nicht passieren, da ich verhüte“, gab sich Monika mit geduldigem Zureden alle Mühe, Ottos trübe Ansichten und Befürchtungen zu zerstreuen.

Solch ein Gespräch, das sie mit Otto führte, war für Monika eine ganz neue Herausforderung. Schließlich hatte sie es bis zu diesem Tage nicht nötig gehabt, zu irgendeinem Mann in einer derartigen Weise zu sprechen. Es war für sie sehr ungewöhnlich, einen schüchternen jungen Mann zum Beischlaf zu motivieren. Doch sie fand diese abstraktkommunikative Art in höchstem Maße aufregend.

Monikas mitfühlende, aber dennoch sehr zutreffende Argumentation schien Ottos sexuelle Befangenheit weitestgehend zerstreut zu haben, denn er fand ihre Ansichten sachlich und objektiv.

Niemand wird dir den Kopf abbeißen, so wie Eduard es meist meint, wenn er irgendeiner risikoreichen Angelegenheit gegenübersteht. Und er hat auch recht damit. Otto kratzte seinen ganzen Mut zusammen und meinte dann zu Monika: „Ich wünsche mir nichts mehr, als mit dir zu schlafen. Mit allem, was du zu mir gesagt hast, hast du auch voll recht gehabt. Ich sehe es jetzt in einem andern Licht. Ich danke dir, dass du zu mir so nachsichtig bist.

Nachdem er sich bei ihr für ihr geduldiges Zureden bedankt und ihr gezeigt hatte, offen für den bevorstehenden Beischlaf mit ihr zu sein, zog er seine kurze Trainingsunterhose aus und lehnte seinen völlig entblößten Leib an Monikas traumhaft zarten Körper. Sie führte seine Hand sanft an ihren Genitalbereich und verwöhnte den langsam munter werdenden Liebhaber anschließend mit der gleichen Zärtlichkeitsgeste. Eine unbeschreibliche, nie da gewesene und überdimensional starke Empfindung durchzog Ottos Leib. Etwas so Atemberaubendes hatte er noch nie zuvor erlebt.

Als Monika vom Gefühl her erkannte, dass Otto soweit war, sich mit ihr zu vereinigen, ging sie in die frauliche Missionarsstellung über. Dann instruierte sie ihn zu der notwendigen beischlaftauglichen Körperstellung und half ihm bei der schwierigen Phase der Geschlechtervereinigung. In diesem Moment öffnete sich für Otto eine völlig unbekannte Gefühlsdimension: Diese gigantische Gefühlserstreckung übertraf in ihrer Herrlichkeit der sexuellen Empfindung alle da gewesenen Gefühlsintensitäten, die Otto jemals erlebt hatte. Das sich liebende Paar verhaarte anschließend noch ziemlich lange in dieser sexuell paradiesischen Zweisamkeit.

„Du hast recht gehabt, als du zu mir vorhin sagtest, dass ich wahrscheinlich ein Leben lang an meinen ersten Sex denken werde. Es war für mich in der Tat unbeschreiblich schön“, sagte er liebevoll zu Monika und streichelte sie dabei über ihre immer noch erregten Brüste.

Sein Verhalten deutet darauf hin, dass er sich in der kurzen Zeit unseres Kennenlernens in mich richtig verknallt hat. Eine derartige Liebschaft wäre das Letzte, was ich mir jetzt wünschen würde. Ich muss ihm schonend beibringen, dass ich an keiner weiteren sexuellen Beziehung mit ihm interessiert bin, überlegte Monika, während sie Otto sanft streichelte.

Diese ganze Sexeskapade mit dem scheuen Liebhaber, die sie mit Spannung durchlebt hatte, betrachtete Monika als ein flüchtiges Abenteuer. Darüber hinaus erfüllte sie mit dieser intimen Gefallenstat auch ein Versprechen gegenüber Eduard. Das war für sie sehr wichtig. Mit dem für sie etwas ungewöhnlichen und sexbezogenen Kick endete daher jegliches Interesse an einer weiterer Beziehung mit Eduards scheuem Günstling. Vielmehr war sie an Eduard selbst interessiert. Diesbezüglich plante sie, einiges zu unternehmen.

Als wenn Otto ihre Gedanken hätte lesen können, fragte er sie unsicher: „Wann sehen wir uns wieder?“ Monika hatte diese Frage erwartet. Sie wusste aber trotz ihres intensiven Nachdenkens nicht, wie sie ihm schonend beibringen könnte, dass sie an ihm keinerlei Interesse hatte.

„Es ist nicht allzu lange her, dass ich eine für mich sehr schmerzliche Erfahrung in einer Beziehung gemacht habe. Mittlerweile halte ich sehr wenig von einem engen Verhältnis zu einem weiteren Mann. Das, womit ich gelegentlich mein Alleinsein überbrücke, ist eine flüchtige und ungebundene Bekanntschaft. Du warst mir heute auf der Party gleich sehr sympathisch gewesen. Nur deshalb habe ich mich dafür entschieden, den Abend mit dir zu verbringen. Sei bitte nicht enttäuscht, aber ich bin nicht die Frau, die du suchst.“

Monikas ziemlich direkte und schonungslose Ansichtsäußerung raubte Otto jegliche Aussicht auf einen weiteren Verlauf der aus seiner Sicht berauschenden Liebesbeziehung zu dieser hübschen Frau. Er war daran gewöhnt, in seinem Leben meist die zweite Geige zu spielen und immer wieder nur noch den Zipfel von der Wurst zu erwischen. Aber diesmal war er richtig frustriert.

„Warum tust du mir das an? Warum grade ich?“, jammerte er wehleidig.

„Ich hatte mich wohl in der Annahme verschätzt, als ich mir dachte, einen intimen und unbeschwerten Abend mit dir verbringen zu können. Anscheinend war es für dich zu emotional und du scheinst damit nicht klarzukommen. Das konnte ich allerdings nicht ahnen. Aber ich gehe davon aus, dass es für dich trotz alledem nicht unangenehm war, mit mir diesen Abend zu verbringen. Betrachte mal das ganze Geschehene aus der positiven Perspektive: Dir ist es geglückt, eine andere Gefühlsebene zu entdecken, die du bis zum heutigen Tage noch nicht kanntest. Du hast wie ein richtiger Mann einen intimen Abend mit einer Frau durchlebt. Wenn du ehrlich bist, dann gibst du auch zu, dass dir dieser Abend mit mir weit mehr gebracht hat, als du es dir zuvor hattest vorstellen können“, versuchte sie, Ottos trübesinnige Ansicht in ein positives Licht zu rücken.

Otto wurde es allmählich klar, dass er nichts erreichen konnte, indem er irgendwelche erzwingenden Reden schwang. Und zu diesem Zeitpunkt schon überhaupt nicht. Und so gab er sich mit all dem Schönen, das er heute erlebt hatte, vorerst zufrieden und besann sich darauf, das zu akzeptieren, was Monika zu ihm gesagt hatte.

Irgendwann, während Monika immer noch rege mit Otto diskutierte, schlug die Wohnungsklingel an. Es war Johan, der draußen vor der Hauseingangstür stand und darauf wartete, hineingelassen zu werden.

„Ich habe gedacht, dass du mit Eduard und den beiden Mädels den Abend im Nebenzimmer verbracht hast. Aber so, wie es scheint, warst du außer Haus. Und wo ist Eduard?“, fragte Otto besorgt.

Er scheint irgendwie durcheinander oder verärgert zu sein, dachte sich Johan, der seinen engsten Dienstkameraden sehr gut kannte. „Eduard ist eingefallen, dass er noch eine dringende Angelegenheit zu klären hatte und er schwirrte daraufhin kurzerhand ab. Wo er sich jetzt herumtreibt, weiß ich nicht. Und ich habe den Abend zuerst mit Helena im Nebenzimmer und später dann in einem nahe gelegenen Restaurant verbracht.“

„Es ist an der Zeit, den Anker zu ziehen, sonst verpassen wir noch den letzten Bus“, erinnerte er Otto daran, langsam den Rückzug anzutreten.

Monika verabschiedete sich von Otto mit einem leidenschaftlichen Kuss. Kurz zuvor hatte sie noch darüber nachgegrübelt, ob sie es machen sollte, aber letztendlich tat ihr dieser unglückliche Liebhaber doch irgendwie leid. Sie hoffte nur, mit ihrem gefühlvollen Kuss in Ottos durcheinandergebrachter Gefühlswahrnehmung keine weiteren Hoffnungen in Gang gesetzt zu haben.

Das war aber ein leidenschaftlicher Dauerbrenner!, dachte sich Johan, als er beobachtete, mit welcher Gefühlswallung Otto den begehrten Kuss von Monika empfangen hatte.

„Diesem heftigen Kuss nach zu urteilen, scheint es für dich ein bewegter Abend gewesen zu sein“, mutmaßte Johan etwas spitz, während er mit seinem Dienstfreund auf die nächtliche Straßenbahn wartete.

„Ich möchte nicht darüber reden“, entgegnete Otto verschlossen.

„Was ist denn schon dabei, wenn du mir davon erzählen würdest, was du am heutigen Abend erlebt hast?“, bohrte Johan neugierig weiter.

„Da gibt es nichts zu erzählen, was aus meiner Sicht erzählenswert wäre“, erwiderte Otto traurig.

„Das ist aber sehr bedauerlich, dass es dir anscheinend nicht gefallen hat, mit diesem Rasseweib die abendliche Zweisamkeit zu genießen“, versuchte Johan, über ein verstelltes Bedauern Otto aus seinen Schneckenhäuschen der Schweigsamkeit herauszulocken.

„Das Zusammensein mit Monika hat mir schon mehr als gefallen. Es war sogar wunderschön. Aber die Endphase des herrlichen Abendgeschehens ging voll in die Hose“, lamentierte Otto mit klagender Stimme.

„Was kann wohl voll in die Hose gegangen sein, was zuvor wunderschön war? Das ist mir irgendwie zu hoch“, konterte Johan bewusst.

Er wusste zwar, dass Otto mit ihm kein Spielchen abzog, da es nicht seine Art war, Freunde zu verarschen. Dessen war sich Johan sicher. Er wollte einfach nur erfahren, was für eine Tücke sich hinter Ottos traurigem Verhalten verbarg.

„Mir ist es mittlerweile auch schon zu hoch, daraus schlau zu werden, warum sich eine Frau so quer stellen kann, obwohl sie zuvor so nett zu mir gewesen ist. Das geht mir beim besten Willen nicht in den Kopf“, beklagte sich Otto.

Nachdem Johan endlich in Erfahrung gebracht hatte, wo Otto der Schuh drückte, begann es bei ihm langsam zu dämmern, was seinem Dienstkumpel wohl an diesem Abend mit Monika widerfahren war. Johan war über Monikas schräge Aufgabe, die sie an diesem Abend Otto gegenüber leisten sollte, voll im Bilde. Also konnte er sich selbst zusammenreimen, dass sie ihm nach dem gemeinsam verbrachten Abend den Laufpass gegeben hatte.

Jetzt musst du dem armen Schlucker ein bisschen auf die Beine helfen, sonst fängt er noch vor Trauer an zu heulen, dachte sich Johan, als er die verzweiflungsnahe Miene seines Dienstkumpels wahrnahm. Die beste Verteidigung ist eine Attacke. Diese napoleonische Taktik zieht fast bei jedem, überlegte er sich weiter, wie er mit einer geeigneten Strategie Otto vor seinen eigenen trüben Gedanken schützen könnte.

„Du kannst doch nicht erwarten, dass dir gleich jede Frau um den Hals fällt, mit der du nur aus einer Laune heraus eine flotte Nummer geschoben hast“, griff er Ottos verletzte Selbstachtung an.

„Aber warum ist das so? Warum kann sie nicht so fühlen wie ich?“ stellte Otto seinem Kumpel eine einfache Frage, die er sich selbst einfach nicht beantworten konnte.

„Ja, warum ist das so? Es gibt eben Frauen, denen es gefällt, mit dem erstbesten Kerl, den sie auf irgendeine Art anziehend finden, einfach ins Bett zu springen. Die Gefühle, die dabei möglicherweise entstehen könnten, bleiben völlig missachtet auf der Strecke. Du brauchst deswegen auf keinen Fall in einen hysterischen Kollaps zu verfallen wie eine lebensverwöhnte Tussi. Du hast einen erlebnisreichen Abend mit Monika genossen. So gesehen, bist du dabei auch auf deine Kosten gekommen. Gib dich damit zufrieden und halte Ausschau nach einem geeigneten und treuen Mädchen, das deinen Ethikvorstellungen entspricht. Das ist der Rat, den ich dir jetzt und heute geben kann“, versuchte Johan, seinem geknickten Freund die Zusammenhänge zu erklären, die ihm so zu schaffen machten und von denen auch er nicht allzu viel mehr wusste als Otto selbst.

„Na, gibt es nichts zu berichten?“, sprach Eduard beim Betreten der Fliegerküche seinen scheuen Dienstkameraden an, der bereits am Werken war.

Häng das bitte nicht an die große Glocke, sonst werde ich noch zum Flughafengespräch“, lamentierte Otto. „Übertreibst du da nicht ein bisschen? Es konnte doch unmöglich so schlimm gewesen sein, wie du es mir gerade zu verkaufen versuchst“, konterte Eduard.

„Ich sehe nicht ein, in der gleichen Kacke noch einmal rumzuwühlen. Frag doch Johan. Er weiß über alles Bescheid“, schüttelte Otto Eduard ab wie eine lästige Fliege.

Es scheint wieder mal richtig dumm gelaufen zu sein. Aus meiner Sicht war es ein gut gemeinter Gefallen, Otto mit Monika zu verkuppeln. Es ist aber irgendwie nach hinten losgegangen. Mal sehen, was mir dazu Johan sagen kann, tappte Eduard gedanklich im Dunkeln. Er hoffte nun darauf, mehr von Johan in Erfahrung bringen zu können, um nachvollziehen zu können, weshalb sich Otto so resignierend verhielt.

„Sag mal, was war denn gestern eigentlich los? Otto tut mit mir fast dumm und ich weiß nicht, warum“, sprach er Johan an, gleich nachdem jener in der Fliegerküche erschienen war. „Die geplante Aktion ist eigentlich gut gelaufen. Darüber kann man nicht meckern. Der Zweck der fraglichen Unternehmung gilt damit rein substanziell gesehen als hundertprozentig erreicht. Die Schwachstelle, um die es sich jetzt handelt, liegt eindeutig in der Missachtung von Ottos psychischer Labilität“, versuchte er Eduard halbwegs nachvollziehbar zu schildern, wie er die misslungene Angelegenheit sah.

„Von welcher psychischen Labilität laberst du da? Das musst du mir näher erklären“, forderte Eduard seinen Kumpel auf, sich etwas deutlicher zu äußern.

„Was denkst du wohl, was passiert, wenn ein absoluter Softie, wie Otto einer ist, seinen allerersten Abend mit einer rassigen Amazone verbringt? Er schwebt auf einer herrlichen Lustwolke und darüber hinaus sieht er nichts weiter. Er ist auf einen Schlag in die vollbusige Schönheit bis über die Ohren verknallt. Und gerade jetzt in dem Moment, als er darüber sinniert, welch einer herrlichen Zukunft er entgegenblicken kann, fällt das Beil der Wahrheit und er bekommt von der Frau seiner Träume einen erbarmungslosen Laufpass. Jetzt steht er da und versteht die Welt nicht mehr. So ungefähr musste sich das Gefühlsdilemma ergeben haben, das Otto jetzt zu schaffen macht.“

„Operation gelungen, Patient tot. Und was machen wir jetzt weiter?“, fragte Eduard völlig ratlos.

„Mein Vorschlag wäre, einige Zeit abzuwarten, wie Otto mit der emotionalen Tieflage fertig wird, die ihm jetzt mächtig zusetzt. Sofern er keine schwerwiegende geistige Schramme davontragen sollte und diese Niederlage gut verkraftet, wird es nichts zu bereden geben. Sollte es aber nicht so werden, müssten wir uns für diesen Fall etwas möglichst Kreatives einfallen lassen. Wie diese sogenannte geistreiche Hilfeleistung dann aussehen sollte, fällt mir momentan aber auch nicht ein. Vielleicht hättest du etwas auf Lager, was diesbezüglich brauchbar wäre?“

„Wir müssen uns bei der Suche nach einer brauchbaren Problemlösung erst mal in Ottos deprimierte Lage versetzen. Das ist unbedingt notwendig. Nur aus dieser Perspektive könnte es uns eventuell gelingen, erfolgreich zu agieren“ schlug Eduard vor.

„Könntest du mir auch noch bitte sehr verraten, wie ich es anstellen soll, mich so zu fühlen als wäre ich ein schändlich verprellter Möchtegernliebhaber? Das dürfte wohl nicht so einfach sein, wie du es dir vorstellen magst“, konterte Johan mit voller Entschiedenheit gegen Eduards Sichtweise.

„Du hast doch selbst vorgeschlagen, dass wir erst mal abwarten sollen, wie sich Ottos seelischer Zustand nach seiner Liebesniederlage letztendlich anstellt. Ich glaube, dass dieser Standpunkt richtig ist. Ich möchte aber trotz des Unschönen an unserer momentanen Lage meinen, dass es mir sehr viel Freude bereiten würde, dich in die Rolle eines maßlos gepeinigten Don Juan schlüpfen zu sehen“, meinte Eduard spitz.

Er konnte sich seine Bemerkung einfach nicht verkneifen, um Johan auf die Schippe zu nehmen.

„Ich mache mir Sorgen, wie es mit Otto weitergehen soll und dir scheint die Sache, die du ihm schließlich selbst eingebrockt hast, richtig am Arsch vorbeizugehen. Du solltest mal darüber nachdenken, ob es dir wirklich so egal ist“, ermahnte er Eduard zur vernünftigen Denkweise.

„Mir geht es überhaupt nicht am Arsch vorbei, wie du es so kultiviert zum Ausdruck gebracht hast. Ich sehe bloß ein, dass es nicht sehr viel Sinn machen würde, gemeinsam mit Otto zu weinen. Die Sache ist gegessen und basta. Das Pech gehört ganz einfach zum Dasein dazu. Das, was du nicht in Betracht ziehst, ist das klare Erkennen der Edelmütigkeit des eigentlichen Bestrebens im Sinne einer guten Tat. Du kannst unmöglich erwarten, dass absolut alles, was du anstrebst, immer positiv ausgeht. Das wäre zwar perfekt, doch so was gibt es nicht. Aber Fehler kann man korrigieren. Und manche lernen sogar was daraus. Wichtig ist, dass wir Otto nicht hängen lassen, sollte er unsere Hilfe brauchen. Und das werden wir auch nicht“, beruhigte Eduard seinen besorgten Fliegerküchenfreund.

Wenn einer ganz allein eine Schweinerei ausbrütet, dann erfährt meist keiner was davon. Der Täter reibt sich nach getaner Schandtat erfüllt vom Erfolgsgefühl die Hände und genießt den Augenblick seiner Anonymität. Doch genau umgekehrt verläuft es, wenn man irgendeine gute Tat plant und andere daran gutgläubigerweise teilhaben lässt. Richtig unbefriedigend wird es aber dann, wenn „der Gute“ bei seinem Bestreben einem Scherbenhaufen entgegenschaut, anstatt seine Freude an der getanen Guttat zu genießen. Man könnte bald zu der Annahme tendieren, dass es sich lohnen könnte, zu einem Bösewicht zu mutieren. Aber das wäre ganz bestimmt nicht mein Ding, verwarf Eduard die frivole Ausschweifung seiner Gedanken.

„Du glotzt vor dich hin, als würdest du eine Fata Morgana bewundern“, riss Johan seinen Kumpel aus dessen Gedankenversunkenheit heraus.

„In den vergangenen Tagen ist ziemlich viel passiert. Ich muss jetzt erst mal alles Geschehene ordnen und dann könnte man eventuell einige Fehlgriffe aus der Welt schaffen. Zudem schleicht sich langsam die vorwinterliche Jahreszeit an, in der ich zeitweilig aushilfsweise in die Mannschaftsküche abkommandiert werden soll. Das heißt, dass ich hier in der Fliegerküche nur einmal wöchentlich den Haupteinkauf tätigen werde und die übrige Zeit der Woche in der Großküche sein werde“, weihte Eduard Johan in die Bereiche seiner umherschwirrenden Gedankengänge ein, die ihm durch den Kopf gingen.

„Die Mannschaftsküche ist ein ganz anderer Tanzparkettboden als unsere edle Fliegerküche hier. Bei diesem wilden Sauhaufen wirst du dich richtig warm anziehen müssen“, sagte Johan und dachte sich anschließend: Aber zu wem sage ich das eigentlich? So clever, wie du bist, kommst du auch mit dem Luzifer persönlich klar. Es freute Johan, die Gewissheit erlangt zu haben, dass sein Fliegerküchenkumpel so ein toller Himmelhund war, der auch die zukünftigen Situationen meistern würde. Ich müsste mich verdammt irren, wenn es nicht so kommen sollte, wie ich es voraussehe, dachte er sich weiter und widmete seine Aufmerksamkeit wieder den Aufgaben, die an diesem Tag noch verrichtet werden mussten.

***

In so gut wie allen gesellschaftlichen Schichten wird sehr oft über das herrliche Privileg, Glück zu haben, diskutiert. Die daraus resultierenden Erfolge werden gefeiert und die Träger des Glücks, die sogenannten Glückspilze, ernten meist hohe Anerkennungen. Entgegengesetzt verhält es sich jedoch mit dem Pech. Denn diejenigen, die hinter sich eine Spur ziehen, als wären sie ein Pechkomet, die sogenannten Pechvögel, denen geht es nicht besonders gut. Bei ihnen gibt es nämlich kaum einen Anlass, Erfolge zu feiern. Und anstatt irgendeiner Anerkennung würdig zu sein, werden sie meist bedauert. So geht es aber mal zu im Leben.

Hätte man gleich nach dem Aussteigen aus dem Jeep hier auf dem Gelände des Regimentsflugplatzes dem Neulingstrio die Frage gestellt, was wohl jeder von ihnen über das allgemeine Glück so dachte, dann wären die jeweiligen Antworten ganz bestimmt nicht gleich ausgefallen.

Bambas würde vermutlich eine witzige Theorie über das allgemeine Glück auf die Beine gestellt und wahrscheinlich in einer Allegorie Folgendes zum Ausdruck gebracht haben: „Das Glück kreiselt über den Leuten hin und her wie eine Fliege und dreht seine Runden, bis es schließlich ermüdet. Wenn es dann irgendwann richtig schlapp wird, macht es auf irgendeinem Kopf eines Glückspilzes ein Päuschen. Meine Platte gefällt ihm aber vermutlich nicht, da ich bis zum heutigen Tage noch nicht die Ehre gehabt habe, von ihm ausgesucht worden zu sein. Doch danach zu urteilen, was uns heute in dem Gebäude der Kompanie erwartet, habe ich begründete Zweifel, die Hoffnung zu hegen, dass mir das Glück gerade jetzt begegnen sollte. Obwohl ich es allerdings sehr nötig hätte!“

„In jeder Lebenslage Glück zu haben, ist eine feine Sache“, würde vermutlich Ivan zum Sujet Glück kurz und bündig gesagt haben. Er hätte höchstwahrscheinlich weiterhin angenommen, dass man dem sogenannten Glück manchmal mit einem rechten Haken zum Erscheinen verhelfen müsste, womit er als Boxer in den meisten Situationen wohl auch kein Problem gehabt haben dürfte. „Auf irgendein Glück zu warten, ist blanke Verschwendung von Lebensdauer und den damit verbundenen Lebenschancen. Das, worauf es ankommt, ist: Fleiß, Einfallsreichtum, Zielstrebigkeit und Ausdauer. Wenn sich zu diesen vier Tugenden dann noch der Glücksfaktor gesellt, kann es eigentlich gar nicht mehr besser werden. Es geht aber auch ziemlich gut ohne das strittige Glück“, würde sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Eduard nach reiflicher Überlegung zu der Thematik ziemlich nüchtern und vorurteilslos geäußert haben.

„Sie können wohl nicht grüßen, wie?!“, fuhr ein vorbeigehender Offizier in der Charge eines Hauptmanns die drei gerade angekommenen Neulinge an. „Zu welcher Kompanie gehören Sie?“ Sein Ton war herrisch und schroff.

Das ist aber ein unsympathischer Vogel!, dachte sich Eduard und glotzte ihn an, als ob er nicht verstanden hätte, wie die Frage gelautet hatte. In dem Moment aber, in welchem der Hauptmann die Beantwortung seiner Frage durchsetzen wollte, antwortete er laut und deutlich: „Genosse Hauptmann, Soldat Kiebitz plus zwei. Wir sind soeben mit einem Jeep hierher gebracht worden und sollen uns bei der dritten Kompanie melden“.

„Bei der dritten Kompanie? Das ist sehr gut! Da werde ich mir Sie drei merken, um aus Ihnen brauchbare Soldaten zu machen!“, bemerkte der Hauptmann spitz und ging seines Weges.

„Wenn es hier genauso beschissen weitergeht, wie es heute angefangen hat, dann können wir uns jetzt schon darauf freuen, was noch alles auf uns wartet!“

„Na ja, die Herfahrt war nicht gerade ein Akt der Herzlichkeit und das Anschnauzen des Hauptmanns auch keine Liebeserklärung. Wenn man es so betrachtet, dann gebe ich dir recht. Es ist seltsam und äußerst bedenklich“, bestätigte Eduard die trübe Ansicht seines Freundes Bambas über den bevorstehenden Aufenthalt bei der dritten Kompanie, welcher sie sich inzwischen genähert hatten.

„Na, aber hallo!“, rief ein diensthabender Soldat den drei Ankömmlingen entgegen. „Melden Sie sich hier im Büro des Kommandanten der Kompanie. Dort erfahren Sie gleich, wie es mit Ihnen weiter geht“, wies er das Trio ziemlich freundlich an.

Nachdem eine energische, hell klingende Stimme nach mehrmaligem Klopfen an der Bürotür des Kommandanten die Jungsoldaten hereingebeten hatte, betraten die drei Neulinge die Höhle des Löwen: das Büro des Kompaniekommandanten Major Vlastimil Baros. Stellvertretend für sich und seine Kameraden, erstattete ihm Eduard Meldung.

Vlastimil Baros war mittelgroß und an die vierzig Jahre alt. Der Kompaniechef war gut gebaut und dem Aussehen nach sportlicher Natur. Die auffallend runde und breite Stirn, die seinem sonst eher ovalen Gesicht ein rundes Aussehen aufzwang, war teilweise durch sein kurz geschnittenes, nach unten gekämmtes, dunkelbraunes, aber an manchen Stellen bereits leicht grau meliertes Haar bedeckt. Seine übrige Gesichtspartie sah so aus, was man als normal hätte bezeichnen können. Und dennoch: Er sah etwas anders aus, als man es eigentlich vom Aussehen her gewohnt gewesen wäre zu akzeptieren.

Eduards Blick glitt von Kopf bis Fuß über den ganzen Körper dieses Mannes. Er strebte nach dem Grund der ungewöhnlichen Erscheinung dieses Offiziers, die er ganz genau spürte und seiner Wissbegier keine Ruhe ließ. Als Major Baros dann im Begriff war, den drei Neulingen ihren Tätigkeitsbereich zuzuweisen, schaute er direkt in ihre Gesichter. In diesem Moment erkannte Eduard, wonach er gesucht hatte: Es waren die dunkelbraunen, fast schwarzen Augen des Offiziers, die das besondere Aussehen seiner Persönlichkeit darstellten, da ein Silberblick seines rechten Auges die Grundlage für die fast unsichtbare Anomalie seines Äußeren bildete. Eine ganz kleine Entgleisung der natürlichen Perfektion, die jedoch auf keinerlei Art vom Gefühl her prägnant gewesen wäre. Diesen leichten Makel seiner Ausstrahlung konnte man nicht unbedingt als negativ oder gar abwertend bezeichnen. Das Auftreten und die daraus resultierende Wertschätzung der Persönlichkeit dieses Mannes ließ nicht einmal den kleinsten Verdacht aufkommen, dass er auf irgendeine Weise anders gewesen wäre, als man sich einen Offizier in seiner Position hätte vorstellen können. Ganz im Gegenteil. Das leichte, kaum sichtbare Schielen ließ ihn gefährlicher und heimtückischer erscheinen, als er in Wirklichkeit zu sein schien. Man konnte wagen zu behaupten, dass er davon in gewisser Hinsicht profitierte, indem er von seinen Untergeordneten mit dem höchsten Respekt angesehen wurde.

„Sie fangen in der Fliegerküche an, Soldat Kiebitz! Das ist ein besonders begehrter Posten, zu dem man Ihnen ohne jegliche Vorrede gratulieren kann“, sagte der Berufsoffizier sachlich sowie in vollem Ernst und begleitete seine Befehlserteilung mit einem direkten und konzentrierten Blick. „Und weitere Informationen bezüglich Ihrer Tätigkeit bei der Kompanie“, teilte er daraufhin Bambas und Ivan kurz mit, „erhalten Sie von Feldwebel Horky.“

Anschließend befahl er allen dreien, abzutreten.

Im Handumdrehen befanden sich die drei erneut am Tisch des diensthabenden Soldaten, mit dem sie bereits bei ihrer Ankunft die Ehre gehabt hatten.

„Wir sollen uns bei Feldwebel Horky melden“, sprach ihn Bambas halblaut an. Der Soldat wies sie erneut zuvorkommend an, wo sich der Spieß befand.

Was ist das bloß für eine sonderbare Soldatengestalt?, dachte sich Eduard, während er dem Spieß nach Betreten seines Dienstzimmers militärgerecht Meldung erstattet hatte.