Bruce Cameron
Weihnachten
auf vier
Pfoten
Roman
Aus dem Amerikanischen von
Bettina Seifried
WILHELM HEYNE VERLAG
MÜNCHEN
Bruce Cameron
Weihnachten
auf vier
Pfoten
Roman
Aus dem Amerikanischen von
Bettina Seifried
WILHELM HEYNE VERLAG
MÜNCHEN
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Die Originalausgabe THE DOGS OF CHRISTMAS erschien 2013 bei Forge Books
Vollständige deutsche Erstausgabe 11/2014
Copyright © 2013 by Bruce Cameron
Copyright © 2014 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München.
Umschlaggestaltung: Eisele Grafik-Design, München, unter Verwendung von © Shutterstock/scorpp; Shutterstock/PCHT
Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln
ISBN 978-3-641-14423-4
V003
www.heyne.de
Den Menschen in der Welt gewidmet, die ihr Herz und ihr Heim öffnen für verwaiste, verlassene Tiere
1
Das Telefon klingelte.
Josh blickte kurz auf, war sich aber nicht sicher, ob er richtig gehört hatte. Die kleinen Muskeln entlang der Wirbelsäule machten sich sprungbereit. Der Ledersessel, in dem er saß, quietschte leise bei dieser winzigen Bewegung. Unwillkürlich senkte er das Buch, als könnte er so besser sehen, wer anrief.
Es war der erste Oktober, kein Feiertag, er hatte auch nicht Geburtstag – wer sollte ihn anrufen?
Es klingelte wieder.
Sein Blick streifte Amandas Foto auf dem kleinen Tisch neben dem Sessel, und das bewog ihn zum Aufstehen. Wahrscheinlich hatte sich bloß jemand verwählt, oder es war einer dieser ärgerlichen Werbeanrufe, bei dem man in ein Verkaufsgespräch für Produkte und Versicherungen, die keiner brauchte, verwickelt wurde. Doch die Erinnerung an Amandas Stimme zog ihn unweigerlich zum Telefon. Bevor der Anrufbeantworter anspringen konnte, hob er schnell ab. Obwohl er natürlich wusste, dass es nicht Amanda war.
Die Nummer auf dem Display war ihm unbekannt.
»Hallo?«
»Michael! Hey! Warum gehst du nicht an dein Handy? Ich hab schon mindestens fünf Nachrichten hinterlassen.«
Josh runzelte die Stirn und versuchte, die Stimme, die da aus dem Hörer quäkte, einer Person zuzuordnen.
»Ich brauche deine Hilfe, Kumpel. Ich hab ein Riesenproblem«, quasselte der Anrufer weiter.
»Entschuldigung, wer spricht denn da?«
»Ich bin’s, Ryan! Dein Nachbar vom Haus nebenan! Mensch, Michael, du kennst mich doch.«
»Ich heiße nicht Michael.« Was anderes fiel Josh im ersten Moment nicht ein. Ryan? Wer war denn das noch mal? »Mein Name ist Josh Michaels.«
»Klar, Mann, daran merkt man, wie gestresst ich im Augenblick bin. Wir haben uns neulich im Little Bear getroffen, erinnerst du dich, Josh?«
Der Saloon im Wildweststil existierte vermutlich schon seit der Gründung des Städtchens Evergreen in Colorados Bergen. Die Kneipe war immer rappelvoll, und manchmal mischte sich Josh dort unter die Leute, um wenigstens hin und wieder das Gefühl zu haben, nicht allein zu sein.
Im Little Bear, stimmt! Josh schloss für einen Moment die Augen. Na klar, Ryan. Aus der irrigen Annahme heraus, sie beide würden sich in einer ähnlichen Lebenslage befinden, hatte sich ein Tresengespräch unter Männern ergeben. »Hast Glück gehabt«, hatte Ryan gesagt. »Meine hat mich rausgeschmissen, und ich musste nach einer neuen Wohnung suchen, obwohl ich komplett pleite war und keinen Job mehr hatte. Auch wenn’s hart klingt, aber sei froh, dass du noch eine Bleibe hast.«
Glück gehabt? Dass er Amanda verloren hatte?
Er war total unglücklich seitdem. Amanda war weg, aber auf seine Art sorgte er dafür, dass sie stets bei ihm blieb. Er meinte noch immer, ihre Gegenwart zu spüren und ihren Duft zu riechen, auch wenn er sie nicht sehen konnte. Für ihn lag sie noch immer Nacht für Nacht neben ihm im Bett, auch wenn die schemenhaften Formen der Kissen kaum mehr als Schatten der Erinnerung waren. Aber man musste schon ziemlich bescheuert sein, das Glück zu nennen.
Aber Ryan, erinnerte sich Josh nun, war tatsächlich so bescheuert.
Während Josh ihm seine traurige Geschichte erzählt hatte, hatte der Kerl nur ungeduldig zugehört, wie ein hibbeliger Redner auf einer Versammlung, der es nicht erwarten konnte, endlich selbst das Mikrofon zu ergreifen. Ryan war stinksauer auf seine Exfreundin gewesen. Tief übers Bierglas gebeugt, hatte er immer wieder Gesten der Vereinnahmung gemacht, die Komplizenschaft signalisieren sollten, während er voller Zorn über seine zerbrochene Beziehung geredet hatte. Dabei hatte er durchblicken lassen, dass ihm Unrecht getan worden war, für das ihm Wiedergutmachung zustehe. Und wenn nicht, dann mindestens Rache. Wie war ihr Name gleich gewesen? Egal, das spielte keine Rolle. Josh musste daran denken, wie sich im Lauf des Abends eine immer größere Kluft zwischen ihnen aufgetan hatte. Zuerst schien beide nur ein Tresen zu trennen, irgendwann hatte er Ryan dann wie aus der anderen Ecke des Raums angeschaut, und bald war es ihm vorgekommen, als trennten sie Welten.
Hatte er dem Typen tatsächlich seine Telefonnummer gegeben?
»Du hast gesagt, ich soll mich melden, wenn ich Hilfe brauche«, sagte Ryan, als könne er Gedanken lesen.
»Na ja, nachdem du erzählt hast, dass du das ganze Haus eingeräuchert hast, als du neulich im Kamin Feuer machen wolltest.« Einen Volldeppen, der aus absoluter Unfähigkeit mal eben seine Hütte abfackelte, brauchte man in einem Ort zweieinhalbtausend Meter über dem Meeresspiegel wirklich nicht, zumal hier überall Kiefern herumstanden, die von irgendwelchen eingewanderten japanischen Käfern völlig ausgehöhlt und restlos vertrocknet waren.
Soweit sich Josh erinnern konnte, hatte er mit seinem freundlichen Angebot einfach nur Schlimmeres verhindern wollen. Zum Beispiel einen Großbrand mit katastrophalen Folgen für den ganzen Ort.
»Warum ich jetzt anrufe, ist noch tausendmal schlimmer. Ein echter Notfall! Mein Bruder – jetzt halt dich fest! – ist eingebuchtet worden! Und zwar in Frankreich!«
Das letzte Wort hatte Ryan genüsslich betont.
Josh wartete stumm auf eine Erklärung, was das alles mit ihm zu tun haben sollte. »… und?«, fragte er schließlich.
»Und deshalb brauch ich deine Hilfe, Mann! Ich habe Serenas Hund an der Backe, auf den muss jetzt einer aufpassen.«
Genau! Serena, das war der Name von Ryans Exfreundin. »Ja, aber nicht ich«, entgegnete Josh.
»Ich muss jetzt aber nach Europa fliegen, Mann. Da lassen die keine Hunde rein, zumal er mir nicht mal gehört. Außerdem muss ich gleich losfahren, der Flieger geht in vier Stunden. Hörst du mir zu? Ich bin echt total am Ende. Loose und ich kommen gleich rüber, dann erklär’ ich dir alles.«
»Wer ist Loose?«
»Der Hund. Das ist halt sein Name, da kann ich ja nichts für.«
Josh holte tief Luft, doch das entschiedene Nein, das er Ryan entgegensetzen wollte, wurde von der Stille in der Leitung geschluckt, weil Ryan einfach aufgelegt hatte.
Josh lief ans Fenster neben dem Eingang, das aus großen Scheiben bestand, die vom Boden bis zur Decke reichten. Von dort konnte er über die Veranda und den vorderen Garten bis zu seiner Auffahrt sehen. Die Luft an diesem Oktobernachmittag war trocken und klar, und die Sonne schien zwischen den Bäumen hindurch. An so einem Samstag hätte Amanda sicher den Vorschlag gemacht, Wandern zu gehen. Sie hätten sich eine schöne Tour ausgesucht und Amanda wäre unermüdlich vorneweg gelaufen. Es war schon paradox: Amanda hatte sich immer einen Hund gewünscht. Josh hatte jedoch Bedenken wegen der vielen Mühen gehabt, die ein Haustier verursachte. Er war immer dagegen gewesen, weil er beruflich zu stark eingespannt war, um sich um einen Hund zu kümmern.
Hätten sie sich einen angeschafft, wäre er allerdings jetzt nicht so allein und hätte einen Kameraden, mit dem er seinen Kummer teilen konnte. Es heißt doch, Hunde sind immer für einen da, egal was passiert. So dachte Josh zumindest.
Die beiden Häuser auf der nur spärlich bebauten Hanglage lagen zwar keine hundert Meter Luftlinie voneinander entfernt, trotzdem kam Ryan mit dem Wagen angefahren. Er gehörte zu der Sorte Mensch, die den Vierradantrieb ihres Autos auf Dauerbetrieb gestellt hatten, weil sie dachten, das müsste so sein, wenn man in den Bergen lebte. Josh sah vom Fenster aus, wie sich die vier überdimensionierten Räder des Sportgeländewagens durch den Dreck gruben, während dieser sich langsam die Serpentine hochwand. Vor dem Haus kam der Geländewagen dann ruckelnd zum Stehen und Ryan sprang heraus. Er war bereits für den bevorstehenden Langstreckenflug gekleidet: mit Kakihose, Pullover und einer leichten Jacke. Ryan winkte kurz hinüber zu Josh hinter der Scheibe, der wiederum sofort zur Eingangstür lief, um Ryan und seinen Hund am Betreten des Hauses zu hindern. Die Stiefelabsätze klackerten hart auf den Holzbohlen, als Josh auf die Veranda hinaustrat.
»Hey, Josh!«, rief Ryan, als wären sie die dicksten Freunde.
Nachdem er von Amanda verlassen worden war, hatte auch Josh sich eine Weile Bart und Haare wachsen lassen. Allerdings war Joshs Bart nicht so wildwüchsig wie der von Ryan gewesen, sondern eher ein gepflegter Zehntagebart, und die Haare hatten damals nur leicht am Kragen aufgesetzt. Als er dann während einer Webkonferenz bemerkte, dass ihn seine Kunden merkwürdig ansahen, wusste er, dass er mit seinem neuen Look nur die gängigen Vorurteile über seine Zunft bediente: Nämlich dass er ein nerdiger IT-Eremit in einer abgelegenen Berghütte am Ende der Welt war, der tagsüber Anwendungen programmierte und nachts mit den Wölfen heulte. Oder Bomben aus Holz bastelte. So was in der Art jedenfalls. Er entschied sich also wieder für die glatt rasierte Version seiner selbst und ging seitdem regelmäßig zum Friseur.
Als er nun Ryan vor sich stehen sah, mit der bärtigen Wolle im Gesicht und den strähnigen blonden Haaren, die ihm bis zum Kinn reichten, gratulierte er sich erneut zu seinem weisen Entschluss. Ryan sah aus, als wäre er jüngst einer Sekte beigetreten, die Körperpflege völlig ablehnte.
»Du bist echt klasse, Kumpel«, sagte Ryan voller Dankbarkeit.
»Ich kann deinen Hund nicht nehmen, Ryan. Ich weiß überhaupt nicht, was so ein Tier braucht. Ich habe nie einen Hund gehabt.«
Ryan setzte die Fingerkuppen an die Schläfen links und rechts und fing an zu zucken, als hätte er einen Migräneanfall. »Soll ich’s dir noch mal erklären? Es ist wirklich ein Ernstfall. Weißt du, wie scharf die Vorschriften in Europa sind? Echt tausendmal schlimmer als in Kanada! Ich muss einen Anwalt suchen, der Englisch und Französisch kann, keine Ahnung, wie ich den finden soll. Mein Bruder sitzt im Knast und alles ist dermaßen chaotisch!«
Josh versuchte, dem Wortschwall zu entnehmen, warum ausgerechnet er nun für den Hund von Ryans Exfreundin zuständig sein sollte. Ergebnislos. »Und warum nimmt sie ihn nicht einfach wieder zurück?«
Ein braunschwarzes Hundegesicht tauchte am Seitenfenster von Ryans Geländewagen auf und sah zu den beiden Männern hinüber. Eine rosafarbene Zunge hing ihm aus dem Maul.
»Du meinst Serena? Geht nicht, sie ist verreist. Den Hund hat sie auf die gleiche miese Art verlassen wie mich. So ist sie eben, hab ich dir ja erzählt, Mann. Komm schon, es ist nur für ein paar Tage. Sobald ich die Sache in Frankreich klargemacht habe, werde ich von dort aus veranlassen, dass der Hund bei dir abgeholt wird, okay? Aber jetzt muss ich wirklich los!«
Josh versuchte, hart zu bleiben. »Das ist nicht mein Problem, Ryan. Die Sache mit deinem Bruder tut mir echt leid, aber den Hund kann ich absolut nicht nehmen. Wirklich nicht.«
»Und was soll ich jetzt tun?«, fragte Ryan, hob beide Arme seitlich in die Höhe und stemmte sie dann in die Hüften. »Soll ich die Töle aussetzen? Sie haben den ersten Schneesturm vorhergesagt, sie wird dann eben erfrieren, Ende Gelände.«
»Red’ keinen Scheiß, Mann.«
»Ich muss aber nach Europa!«, rief Ryan genervt. »Hilfst du mir nun aus der Klemme, oder nicht?«
Nein, wollte Josh sagen. Bestimmt nicht, ich kann dir nicht helfen. Und nun verlasse bitte mein Grundstück. Doch bevor er den Satz hatte aussprechen können, war sein Blick erneut zufällig zu dem Hund hinübergewandert und etwas in den Augen des Tiers ließ ihn nun zögern. Auf einmal sah er die Sache aus der Sicht von Loose. Die Besitzerin war – für den Hund völlig unerklärlich – plötzlich aus seinem Leben verschwunden. Dann war er zu Ryan gekommen, einem Mann, der wegen einem Flug nach Europa sämtliche Verpflichtungen über Bord warf. Wahrscheinlich würde er das arme Tier tatsächlich aussetzen, wie er es angedroht hatte. Alleingelassen und völlig verstört, würde Loose dann den Kältetod sterben.
»Ich …« – Josh zögerte noch.
Ryan sah seine letzte Chance gekommen und war wild entschlossen, sie zu ergreifen.
»Danke, Mann. Du hast was gut bei mir.« Er ging zurück zu seinem Wagen. »Sobald ich klarer sehe, melde ich mich bei dir. Dauert maximal zwei oder drei Tage, ich schwör’s. Futter habe ich gleich mitgebracht.«
Ryan öffnete das Heck und nach kurzem Zögern sprang dann schwerfällig ein großer Hund heraus. Die Fellzeichnung war wie bei einem Schäferhund, aber etwas anderes war noch mit im Spiel. Der Hund schüttelte sich und streckte Ryan erwartungsvoll die Schnauze entgegen, doch als Ryan keinerlei Anstalten machte, ihn zu streicheln, trottete er mit gesenktem Kopf auf Josh zu, während die Schwanzspitze beim Wedeln über den Boden fegte.
Beim Anblick des Riesenhundes blieb Josh vor Schreck der Mund offen stehen. Eine feuchte Hundeschnauze beschnupperte seine herabhängende Hand. Josh war so überrascht, dass er kein Wort herausbrachte.
»Hier ist auch gleich ein Napf«, sagte Ryan, während er einen bunt bedruckten Beutel mit trockenem Hundefutter auf die Veranda hievte und scheppernd eine Edelstahlschüssel daneben stellte.
»Sagtest du nicht, der Hund sei ein Rüde und hieße Loose?«, sagte Josh.
»Ja, und?«, fragte Ryan mit einem Seitenblick auf Josh zurück, während der mit dem Zeigefinger den im Halsband eingestickten Namen des Hundes nachzog.
»Hier steht aber nicht Loose, sondern Lucy.«
Ryan zuckte die Achseln. »Was weiß denn ich? Serena hat ihn immer Loose genannt.«
»Nicht ihn, Ryan, sondern sie! Lucy ist eine Sie, eine Hündin«, korrigierte ihn Josh mit schneidendem Ton.
»Also gut, wegen mir.« Ryan breitete die Arme aus um anzuzeigen, dass ihm der Unterschied am Arsch vorbeiging.
»Nein, nicht gut. Gar nicht gut. Denn sie ist nicht nur ein Weibchen, sie ist ganz offenkundig ein trächtiges Weibchen, siehst du das nicht? Lucy ist schwanger!«
2
»Echt, bist du sicher?«, fragte Ryan nach einer kurzen Pause, versuchte dabei aber, Joshs Blick auszuweichen.
Josh sah zu Lucy hinab, die mit aufgestellten Ohren vor ihm saß und ihn aus braunen Hundeaugen anblickte. »Natürlich bin ich mir sicher, schau sie dir doch an! Ihre Zitzen sind schon angeschwollen. Oder hast du gedacht, sie sei einfach bloß fett?«
»Nein! Zu meiner Verteidigung möchte ich sagen, dass ich wusste, wenn ich dir das mit der Schwangerschaft erzähle, nimmst du sie garantiert nicht. Du hast ja gesagt, dass du dich mit Hunden nicht auskennst«, sagte Ryan.
»Und das soll eine Entschuldigung sein?« Josh war wütend.
Ryan drehte ihm den Rücken zu und wollte gehen. Der Hund erhob sich und sah ihm verunsichert nach, wich allerdings nicht von der Stelle.
»Lauf jetzt bloß nicht weg!«
»Ich hab echt keine Zeit mehr«, rief Ryan barsch und knallte die Heckklappe seines Wagens zu. »Ich muss los.«
»Klar, ich weiß, du musst nach Frankreich. Echt blöd, das mit deinem Bruder. Aber du musst für den Hund eine andere Bleibe suchen. Ich kann mich nicht um eine trächtige Hündin kümmern.«
»Du hast zuerst auch behauptet, du könntest dich überhaupt nicht um einen Hund kümmern, und dann hast du deine Meinung doch geändert«, entgegnete Ryan.
Josh sah ungläubig zu, wie Ryan nun die Fahrertür öffnete.
»Warte mal, so geht das nicht«, rief Josh energisch. »Wir sind noch nicht fertig, du kannst jetzt nicht einfach wegfahren. Hey!«
Als Ryan die Fahrertür von innen zuzog, dämmerte es Josh aber, dass Ryan nun genau dies tun wollte: einfach wegfahren.
Entschlossen lief Josh hin, um an die Scheibe zu klopfen und, falls nötig, die Fahrertür wieder aufzureißen. Er malte sich aus, wie er Ryan vom Steuer wegzerren und dann zu Boden ringen würde. Du fährst mir nicht einfach davon, Bürschchen, wenn wir noch mitten im Gespräch sind, vor allem, wenn meine Ansage war: Dein Hund kann hier nicht bleiben.
Lucy folgte Josh dicht auf den Fersen und gähnte vor Aufregung.
Ryan ließ den Motor an, legte erstaunlich flott den Vorwärtsgang ein und die vier fetten Allradantriebsräder wirbelten Josh den Dreck ins Gesicht. Er rannte dem Wagen nach und schrie: »Das kannst du doch nicht machen! Halt sofort an!«
Natürlich hielt Ryan nicht an. Josh gab die Verfolgung auf und murmelte nur »Na, super«, während er zusehen musste, wie der Geländewagen die Serpentine hinunterglitt und dann verschwand. Die Schlüssel für seinen Truck lagen auf dem Küchentisch. Wenn er sich beeilte, konnte er den Hund noch einpacken und Ryan hinterherdüsen. Und dann? Mit dem Vorsprung hatte Josh kaum Chancen, Ryan einzuholen, er müsste dann zum Flughafen fahren und versuchen, ihn dort abzupassen. Denver International Airport war aber riesig, außerdem hatte Josh keine Ahnung, mit welcher Maschine Ryan fliegen wollte. Es war sehr unwahrscheinlich, dass die Behörden Amtshilfe leisteten, nur um einen Mann zu stellen oder am Abflug zu hindern, der seinen Hund bei einem Nachbarn gelassen hatte.
Er warf einen bangen Blick auf Lucy, die ihm nicht gefolgt war, als er dem Geländewagen nachrannte. Vielleicht war es nicht das erste Mal, dass sie so etwas erlebte? Vielleicht war sie zu dem Schluss gekommen, dass das alles sowieso nichts brachte. Jedenfalls saß sie oben in der Auffahrt, beobachtete ihn und suchte vergeblich nach einer Erklärung. Herumsitzen war vermutlich das, was sie im Augenblick am liebsten tat, mit den vielen Welpen im Bauch, den angeschwollenen Zitzen und dem insgesamt sehr schweren Leib. Sie sah aus wie im neunten Monat – oder was auch immer das Pendant dazu im Universum eines Hundes war. Mit aufmerksamem Blick folgte sie Josh, der mit knirschenden Schritten die Auffahrt hochkam.
»Also pass auf, wir machen jetzt Folgendes.« Josh hatte einen Entschluss gefasst. Der Hund stellte die Ohren auf und schien erfreut, dass es nun offenbar einen Plan gab. »Wir rufen den Tierarzt an, wie findest du das? Ich kann mich nämlich wirklich nicht um dich kümmern. Ich habe keine blasse Ahnung von Hunden und schon gar nicht von Entbindungen.«
Lucy schenkte ihm einen warmen Hundeblick, der voller Zutrauen war. Josh konnte es kaum ertragen, in ihre dunklen Augen zu sehen, denn eigentlich hatte er ihr eben mitgeteilt, dass auch er sie entsorgen und bei jemand anderem abgeben wollte. Das schien eine Art Dauerschleife in Lucys Leben zu werden. Wo war Ryans Exfreundin eigentlich? Wie verantwortungslos musste sie erst sein, wenn sie eine hochträchtige Hündin bei einem Typen wie Ryan zurückließ?
Josh seufzte und schaute sich um. Als sein Vater das Haus in den Bergen gebaut hatte, waren sämtliche Kiefern im Umkreis von 30 Metern gefällt worden. Seine Mutter hatte hoffnungsvoll Gras- und Wiesenblumen ausgesät. Doch die Pflanzen aus dem Tiefland hatten in der dünnen, trockenen Bergluft nicht lange überlebt, und rasch hatten sich erneut einheimische Gewächse breitgemacht, die nun wie dicke Strohmatten, meist braun und schmutzig – mit Ausnahme im Juli –, unter seinen Füßen raschelten. Einige kleine Zitterpappeln waren im Lauf der Zeit aus dem Unterholz herausgewachsen und standen nun in Reih und Glied wie kleine Zinnsoldaten am Rand des Geländes. Im Herbst verfärbten sie sich als Erste, manche Blätter waren jetzt schon goldbraun, während das gleißende Licht der Sonne auf anderen Blättern in satten Gelbtönen reflektierte. Vor dem dunklen Hintergrund der immergrünen Nadelbäume blendeten die Pappeln Josh fast ein bisschen. Plötzlich lockte die herrliche Landschaft ihn und er ärgerte sich, dass er den ganzen Tag über drinnen gelesen hatte. Hätte er doch eine kleine Bergtour gemacht und wäre hinterher einen trinken gegangen! Jetzt konnte er nicht mehr weg. Lucy schien nicht in der rechten Verfassung für längere Wanderungen.
»Alles klar?« Josh tätschelte sachte ihren Kopf und Lucy schloss halb die Augen, während sie heftig mit dem Schwanz wedelte. Dieses Ergebnis entsprach in etwa der Summe seines Wissens über Hunde: Wenn man sie streichelt, wedeln sie mit dem Schwanz. »Willst du dich hinlegen? Hast du Hunger? Komm, wir gehen ins Haus, du bist doch hoffentlich stubenrein? Und bleibst das auch während der Schwangerschaft?«
Es war der helle Wahnsinn. Er konnte sich nicht auch noch um einen schwangeren Hund kümmern!
Josh öffnete die Tür und trat ein, doch Lucy hielt an der Türschwelle inne. Erst als er mit der flachen Hand auf seinen Schenkel klopfte, wagte sie sich vorsichtig herein, die Nase immer dicht am Boden.
Der Fußboden war aus Hartholz. Einer trächtigen Hündin konnte man kaum zumuten, dass sie es sich da bequem machte. Also lief er rasch ins Schlafzimmer und griff ohne groß zu überlegen nach dem Kissen, das er nachts bisher immer für Amanda reserviert hatte.
»Hier, das ist jetzt deines«, sagte er und legte es auf einen Läufer. Lucy beschnüffelte es ausgiebig. »Brauchst du auch was zum Zudecken?« Er zog eine Decke aus dem Wandschrank und schüttelte sie zusammen mit dem Kissen auf. »Bitte sehr«, sagte er, als das Lager für Lucy fertig war.
Sie sah ihn ausdruckslos an.
»Moment! Ich rücke dir alles an einen helleren Platz«, rief Josh und versetzte das Bettlager weiter vor ans Fenster, wo gerade ein Fleckchen Sonne hereinschien. Er klopfte aufs Kissen, und nun kam Lucy bereitwillig angetrabt und ließ sich dann stöhnend auf dem weichen Haufen nieder.
»Uiih, du bist ja wirklich dick. Ich meine natürlich nicht im Sinne von fett, höchstens ein klein wenig, aber das kommt ja von der Schwangerschaft. Du bist eben massiv schwanger. Echt massiv! Aber wem sag’ ich das.«
Lucy warf ihm einen abschätzigen Blick zu und Josh schämte sich ein wenig für sein dummes Geschwätz. Er verlor langsam die Nerven. Es war noch nicht einmal zwei Uhr mittags, vor kaum einer halben Stunde hatte er noch entspannt im Sessel gesessen und einen Roman gelesen, und plötzlich stand er da mit einer trächtigen Riesenhündin und ihm fiel nichts besseres ein, als sie wegen ihrer Figur zu beleidigen? Was war nur los mit ihm? Was sollte er nun tun?
»Verbinden Sie mich bitte mit dem Tierarzt«, sagte Josh zur Arzthelferin, die seinen Anruf entgegennahm. »Mein Nachbar hat eben seinen Hund bei mir abgesetzt und sich selbst dann nach Frankreich. Der Hund ist aber hochschwanger, und ich habe keinerlei Erfahrung mit Hunden, Sie müssen mir sagen, was zu tun ist und so. Ich würde sie gern bei Ihnen vorbeibringen, damit die Welpen in ärztlicher Obhut zur Welt kommen.«
»Sie wollen den Hund zu uns bringen? Haben die Wehen schon eingesetzt?«, fragte die Frauenstimme am anderen Ende.
»Keine Ahnung, also … woran erkennt man das? Was tun sie in dem Fall? Bellen sie dann?«
Die Frau lachte. »Nein, normalerweise nicht. Läuft sie nervös hin und her, oder hechelt sie stark? Winselt sie? Oder erbricht sie sich?«
»Nein.« Aber mir ist schon ganz schlecht.
»Ist Fruchtwasser ausgetreten?«
»Soweit ich sehe, nicht.« Igitt, auch das noch.
Die Frau bat ihn, in der Leitung zu bleiben. Nach mehreren Minuten nahm ein Mann ab, der sich mit Doktor Becker vorstellte.
Josh beschrieb die Situation und erklärte ihm, was er von ihm wollte.
»Hunde bringen ihre Welpen in der Regel als Hausgeburt zur Welt. Eigentlich müssen Sie nur zu uns kommen, wenn es Komplikationen gibt«, klärte ihn Doktor Becker auf.
»Ach so, okay, aber … wie soll ich sagen, ich habe nie einen Hund gehabt. Mein Vater war allergisch gegen Hunde.«
»Sind Sie auch allergisch?«
»Nein.« Josh ging in die Defensive. »Ich meine nur, wenn man nie einen Hund gehabt hat, dann kann man sich schwer vorstellen, wie das ist, einen zu versorgen, oder?«
»Haben Sie mal die Temperatur des Hundes gemessen?«
»Ich weiß nicht, wie das gehen soll? Sie wird das Thermometer doch bestimmt zerbeißen.«
Doktor Becker lachte herzlich. »Nein, nein, Sie müssen vom anderen Ende her denken«, meinte er. Und Josh solle Margarine als Schmiermittel nehmen, damit es besser flutscht. Josh schluckte schwer. Lucy hob den Kopf und sah ihn an, als wüsste sie, worum es ging. Das war ja wirklich eine gelungene Vorstellungsrunde. Hey, du bist aber echt fett, meine Liebe! Schieb mal deinen Hintern rüber, ich hab hier was für dich!
»Ich muss erst ein Thermometer besorgen«, sagte Josh. »Ich habe keins im Haus.«
»Machen Sie das. Sobald die Temperatur unter 37,5 Grad fällt, wird sie innerhalb eines Tages werfen.«
Werfen. Josh schüttelte den Kopf. »Ich glaube, ich komme doch lieber vorbei, Dr. Becker. Es tut mir leid, aber ich glaube, ich schaffe das nicht.«
»Schauen wir mal. Aber wir schließen die Praxis gleich, und Sonntag ist Ruhetag. Wollen Sie am Montagvormittag vorbeikommen?«
»In Ordnung, vormittags habe ich zwar eine Videokonferenz, aber gegen zwölf könnten wir bei Ihnen sein.«
»Gut. Aber Josh, hören Sie mal …«
»Ja?«
»Ihnen ist hoffentlich klar, dass Sie den Hund nicht bei uns lassen können, es sei denn, aus medizinischen Gründen.«
»Aber …«
»Ich werde Lucy untersuchen, dann kann ich Ihnen auch sagen, was sie beim Geburtsvorgang beachten müssen, aber die Verantwortung für Ihren Hund müssen Sie schon selbst übernehmen.«
»Ist gut«, erwiderte Josh mit matter Stimme. Nachdem er aufgelegt hatte, drehte er sich zu Lucy um. »Sie ist aber doch gar nicht mein Hund«, sagte er laut und eher zu sich selbst.
Lucy sah zu, wie er den Beutel mit Hundefutter in die Küche trug. Er gab eine Portion in den Hundenapf und Lucy erhob sich schleppend und steckte die Schnauze ins Essen. Josh sah, wie sie ein paar der unappetitlich aussehenden Futterbrocken ins Maul nahm, um sie dann wieder auf dem Boden auszuspucken und Stück für Stück aufzuessen.
»Schmeckt dir dein Abendessen nicht, Lucy? Ist das kein leckeres Futter?«
Er hatte starke Zweifel. Beim Aufreißen der Packung hatte das Zeug nicht nach etwas Essbarem gerochen, schon gar nicht lecker.
Lucy nibbelte daran herum, dann trank sie etwas Wasser, das er in einer anderen Schüssel für sie bereitgestellt hatte. Als sie fertig war, setzte sie sich auf den Boden und sah ihn aufmerksam an.
»Was ist? Brauchst du noch was? Alles in Ordnung? Noch keine Wehen, hoffe ich?« Er kniete neben sie und sah ihr in die Augen. »Alles wird gut.«
Dann suchte er nach Ryans Telefonnummer im Menü seines Telefons und wählte die Nummer. Er wurde sofort auf einen Anrufbeantworter weitergeleitet. »Hallo Ryan, hier spricht Josh. Wahrscheinlich bist du noch im Flugzeug. Rufe mich bitte sofort nach der Landung an. Am Montag haben Lucy und ich einen Termin beim Tierarzt. Für die Untersuchungskosten wirst natürlich du aufkommen müssen. Und gib mir bitte Bescheid, wie’s jetzt weitergeht. Das war abgemacht, ich will wissen, wo Lucy nun unterkommt. Okay, das war’s, guten Flug noch.«
Noch beim Auflegen ärgerte sich Josh über sich selbst. Guten Flug noch? Hör gut zu, hätte er sagen sollen, es ist einzig und allein dein Problem, kümmre dich gefälligst drum, oder ich hau dich windelweich!
Josh hatte noch nie jemanden windelweich gehauen, aber das musste Ryan ja nicht erfahren.
Montag war noch lange hin, jedenfalls aus seiner Sicht am hellen Samstagnachmittag. Was sollte er nur bis dahin mit Lucy anfangen?
Hoffentlich würde es noch viele Tage oder am besten: Wochen dauern, bis Lucy niederkam! Josh beschloss, ihr Lager in sein Schlafzimmer zu verfrachten, um sie auch nachts im Auge zu behalten. Da er sie aber nicht stören wollte, wartete er, bis sie sich von selbst erhob, um in der Küche herumzuschnüffeln. »Alles wird gut«, wiederholte er unablässig und hoffte inständig, es möge stimmen. Sie wirkte irgendwie traurig. Vielleicht hatte sie Angst? Oder Heimweh? An ihrer Stelle hätte Josh mit beiden Gefühlen zu kämpfen.
»Armer Hund«, sagte er beschwichtigend. »Du tust mir leid, Lucy.«
In der Nacht wurde er bei der leisesten Bewegung von Lucy sofort wach, drehte sich auf ihre Seite und fragte: »Alles in Ordnung?«
Lucy war es mittlerweile schon leid, jedes Mal als Antwort begeistert mit dem Schwanz zu wedeln, so häufig geschah das. Irgendwann stieß sie nur noch leise Seufzer als Antwort aus.
Am Sonntag passierte nicht viel. Lucy bewegte sich kaum vom Fleck und lag die meiste Zeit auf ihrem Kissen im Wohnzimmer. Josh taute Büffelhackfleisch in der Mikrowelle auf und gab es ihr zu fressen, damit sie nicht dauernd auf dem billigen Trockenfutter herumkauen musste. Er fand einen alten Tennisball und legte ihn neben sie, aber sie schien nicht in Spiellaune zu sein. Er stellte die Wasserschüssel neben sie und deckte sie mit einer leichten Decke zu. Er rieb ihr auch den Rücken, weil er mal gelesen hatte, dass es Frauen während der Schwangerschaft guttat. Trotzdem fühlte er sich nutzlos und unzulänglich. Was konnte er denn noch für sie tun?
Seine Internetrecherchen waren recht unergiebig im Hinblick darauf, wie man einer schwangeren Hündin, die vom Besitzer im Stich gelassen worden war, der sich einfach nach Frankreich abgesetzt hatte, das Leben leichter machte. Es gab zwar viele Ratschläge für schwangere Frauen, aber die Übertragbarkeit auf Hunde erschien ihm doch zweifelhaft. Fußmassagen? Wirkte das auch bei Hundepfoten?
Er wollte sie ungern allein lassen, aber was hätte es gebracht, sie am Nachmittag in den Supermarkt mitzuschleppen? Lucy sah ihm durch die Scheiben des großen Fensters nach, als er mit seinem Truck davonfuhr. Ihr verletzter Blick, den er in seinem Rücken zu spüren glaubte, brach ihm fast das Herz. Ich lasse dich nicht im Stich. Ich bin nicht wie Ryan. Oder Serena. Im Dorf kaufte er ein Thermometer und hochwertiges Hundefutter, dazu noch einen Kauknochen und ein Hundespielzeug, das auf Druck quiekte. Auch Hähnchenstreifen, eine Frisbeescheibe, ein Seilspielzeug, ein Plastikäffchen und ein Plastiktiger wanderten in den Einkaufskorb.
Als er mit raschelnden Tüten zurückkehrte, begrüßte ihn Lucy schwanzwedelnd an der Tür. Er setzte sich zu ihr auf den Boden und führte jedes Spielzeug einzeln vor, während sie die Teile beschnupperte und dabei begeistert mit dem Schwanz wedelte. Dann nagte sie ein bisschen auf dem Kauknochen herum, aber Josh war überzeugt, dass sie das nur aus Höflichkeit tat. Im Grunde wollte sie bestimmt nur ganz in Ruhe schwanger sein.
Erst als er schon im Bett lag, erinnerte er sich an das Thermometer, das noch eingeschweißt auf der Ablage in der Küche lag. »Das erledigen wir morgen früh«, sagte er zu Lucy. »Du hast sicher nichts dagegen, es zu verschieben.« Josh jedenfalls war echt nicht scharf auf die Aktion.
Wie in der Nacht zuvor hatte er ihr Lager neben seinem Bett eingerichtet. Gegen vier Uhr in der Früh erwachte er plötzlich von einem Geräusch. Er drehte sich auf die Seite, um nach Lucy zu sehen.
Mit aufgerissenen Augen stellte er fest, dass sie nicht an ihrem Platz war. Sie war weg.