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Nächtliches Treiben

Karin Bachmann
Adrian Tobler

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3. Auflage 2004

© 1999 SJW Schweizerisches Jugendschriftenwerk

Abdruck des Inhalts, auch auszugsweise und fotomechanisch,

nur mit Einverständnis des Verlags

e-Book: mbassador GmbH, Luzern

Die Autorin

Schreiben ist nicht mein Beruf, sondern ein Hobby, das ich sehr liebe. Gelernt habe ich Augenoptikerin. Meine grossen Leidenschaften sind Sprachen und das Reisen. Die Freundschaften, die ich mit Menschen aus verschiedenen Ländern knüpfen konnte, sind mir sehr wichtig. Besonders mit Neuseeland und Japan fühle ich mich stark verbunden.

Karin Bachmann

Der Illustrator

Geboren 1965

Grafikausbildung an der

Schule für Gestaltung, Zürich

lebt und arbeitet als Grafiker

und Illustrator in Zürich

E-ISBN 978-3-7269-0725-9

Adrian Tobler

Bestellen bei: www.sjw.ch

Balmer Bücherdienst AG • 8840 Einsiedeln

Tel. 055 418 89 69 • Fax 055 418 89 58

«Die Lastwagen kommen immer nachts. Ihre Nummernschilder sind unkenntlich gemacht und die Scheinwerfer ausgeschaltet. Niemand weiss, woher sie kommen oder was sie bringen. Nur eines ist sicher: Dass sie irgendwo im Wald anhalten, eine Weile bleiben und dann so heimlich verschwinden, wie sie gekommen sind.»

Der Grossvater lehnte sich in seinem Stuhl zurück, zündete eine Zigarre an und sah selbstzufrieden in die gespannten Gesichter, die ihn während seiner Erzählung gebannt angestarrt hatten.

Die vier Kinder gingen zusammen zur Schule. Im Moment schwärmten sie für Krimis, und der Grossvater hatte diesen Umstand genutzt, um eine seiner Räubergeschichten zum Besten zu geben.

«Weiter, Grossvater, weiss man, wer die geheimnisvollen Lastwagen fährt?», wollte Chris wissen.

«Da gibt es verschiedene Theorien. Zum Beispiel, dass es sich um Mitglieder der Einbrecherbande handelt, die hier in letzter Zeit ihr Unwesen treibt.»

«Nun hör aber auf, den Kindern solche Flöhe in die Ohren zu setzen!», rief die Grossmutter von der Küche her. «Am Ende glauben sie dir diesen Humbug noch.»

«Das ist kein Humbug. Du weisst, was Paul Moser passiert ist, als er versuchte, den Lastwagen zu folgen.»

«Was? Was ist ihm passiert?», fragten die Kinder durcheinander. Von der Grossmutter war nur ein verächtliches Schnauben zu hören. Trotzdem setzte sie sich in den anderen Lehnstuhl und tat so, als ob sie strickte. Man merkte aber, dass sie zuhörte. Der Grossvater genoss die Aufmerksamkeit und sog genüsslich an seiner Zigarre, bevor er fortfuhr:

«Vor ungefähr drei Wochen war Paul Moser unterwegs nach Hause, als die beiden Lastwagen an ihm vorbeirollten. Obwohl er zu Fuss war, versuchte er, ihnen zu folgen. Er sah, dass die Lkws Richtung Kiesgrube fuhren und nahm die Abkürzung durch den Wald. Vor der Kiesgrube liegt eine kleine Lichtung. Dort waren die Lastwagen geparkt. Doch bevor Moser einen genaueren Blick darauf werfen konnte, schlug ihn jemand von hinten nieder. Als er wieder zu sich kam, waren die Laster verschwunden.»

Die Kinder sahen sich erstaunt an, und Chris pfiff leise durch die Zähne.

Die Grossmutter schüttelte den Kopf und legte ihre Strickarbeit in den Schoss. «Du hast vergessen zu sagen, dass Moser direkt aus dem ‹Krug› kam und wohl schon angeheitert war.»

Die Kinder kicherten. Sie wussten, wie gern Paul Moser in die Wirtschaft ging. «Wahrscheinlich ist er im Wald gegen einen Baum gelaufen. Oder warum denkst du, hat er den so genannten Überfall nicht angezeigt?»

Der Grossvater warf sich beleidigt in den Sessel zurück. Während er an seiner Zigarre kaute, stiess er grollend etwas hervor wie «Spielverderberin».

Die Kinder erhoben sich. Es war bereits halb neun, und sie mussten nach Hause. Sie dankten den Grosseltern für den interessanten Abend und verliessen das Bauernhaus. Trotz ihrer Verschiedenheit waren sie unzertrennliche Freunde.

Chris, der Anführer, war zwar älter, ging aber in die gleiche Klasse, da er die Sekprüfung erst im zweiten Anlauf geschafft hatte. Er war fast einen Kopf grösser als die anderen.

Nina, seine blonde Schwester, war ein Jahr jünger als er und in der ganzen Schule für ihren Starrsinn bekannt.