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Impressum

Die Originalausgabe erschien 2006 unter dem Titel «The Afterlife» bei Farrar, Straus and Giroux, New York.

 

Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, April 2017

Copyright © 2006 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg

«The Afterlife» Copyright © 2006 by Donald Antrim

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Umschlaggestaltung Anzinger und Rasp, München

Umschlagabbildung Chris Clor/Getty Images

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ISBN Printausgabe 978-3-499-29027-5 (Neuausgabe 2017)

ISBN E-Book 978-3-644-55131-2

www.rowohlt.de

ISBN 978-3-644-55131-2

Für meine Mutter

Teil Eins

Meine Mutter Louanne Antrim starb an einem schönen Sonntagmorgen im Monat August des Jahres 2000. Sie lag zwischen neuen violetten Laken in einem Bett, wie es in Krankenhäusern verwendet wird, neben die grünen Sauerstoffflaschen an die Wand des Raums gerollt, der mehr oder weniger das Wohnzimmer ihres merkwürdig eingerichteten, dunklen und beklemmenden Hauses bildete, am unteren Teil eines Fahrwegs, der sich wie eine Furche an einer schlammigen Baustelle und an von Maschendraht begrenzten Hintergärten vorbeiwand und auf dem Parkplatz neben dem trostlosen Ententeich in der Mitte der kleinen Stadt endete, in der sie die letzten fünf Jahre ihres Lebens gewohnt hatte: Black Mountain, North Carolina. Anlass für den Umzug meiner Mutter von Florida nach North Carolina war der Tod ihres Vaters Don Self gewesen, der 1995 an einem Herzinfarkt gestorben war. Don Selfs Witwe Roxanne, die Mutter meiner Mutter, begann damals gerade in Senilität zu verfallen und war jedenfalls außerstande, das kleine Erbe zu verwalten, das mein Großvater ihr hinterlassen hatte. Das soll heißen, dass meine Großmutter, die während der Wirtschaftskrise den Kinderschuhen entwachsen war und in dieser Zeit so gut wie keinen Begriff von Geld gewonnen hatte, der über die Vorstellung hinausgegangen wäre, dass man seinen Kindern tunlichst nicht zu viel davon gibt, höchstwahrscheinlich nicht die Tradition ihres Mannes fortsetzen und größere monatliche Beträge auf das Konto meiner Mutter überweisen würde. Don Self hatte seine Tochter lange Zeit über Wasser gehalten – nämlich seit sie vor dreizehn Jahren trocken geworden und zu dem Schluss gekommen war, sie sei eine Künstlerin und Visionärin, ihrer Zeit weit voraus –, und jetzt plötzlich oblag es meiner Mutter, sich zur gesetzlichen Vertreterin ihrer Mutter ernennen zu lassen und die Kontrolle über das Vermögen zu übernehmen, ein Coup, den sie von Miami aus hätte bewerkstelligen können, jedoch leichter mit Hilfe einer Methode zustande brachte, die man in Spionagekreisen als Closework bezeichnet.

Vier Jahre später starb Roxanne Self. Die Trauerfeier fand im September 1999 in der Black Mountain Presbyterian Church statt. Eine Woche später kam meine Mutter – nur Tage nachdem ich sie, und das mehr als einmal, hatte verkünden hören: «Jetzt wo ich von dieser Frau befreit bin, gehe ich irgendwohin, wo ich hinwill, und lebe mein eigenes Leben» – mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus und erfuhr, dass sie ebenfalls nicht mehr lange zu leben hatte.

Sie war fünfundsechzig und hatte seit Jahr und Tag gehustet und gehustet. Über ihre Raucherei war nicht mit ihr zu reden gewesen. Dass sie Krebs hatte, kam nicht überraschend. Er hatte sich in ihren Bronchien entwickelt und war inoperabel. Bestrahlungen wurden als Linderungsmittel in Aussicht gestellt – sie könnten (und taten das auch für kurze Zeit) den Tumor so weit zum Schrumpfen bringen, dass wieder Luft in die blockierte Lunge gelangte –, aber meine Mutter galt nicht als Kandidatin für eine Chemotherapie. Sie hatte vierzig Jahre lang Raubbau betrieben, wie man so sagt, und war dabei zunehmend und unbarmherzig verfallen. Die Geschichte des lebenslangen Verfalls meiner Mutter ist in gewisser Weise die Geschichte ihres Lebens. Die Geschichte meines Lebens ist eng verknüpft mit dieser Geschichte, dieser Geschichte ihres Verfalls. Sie bestimmt von jeher maßgeblich die Art und Weise, wie ich mich und andere in der Welt wahrnehme. Sie – oder vielmehr meine Rolle darin – sorgt dafür, dass ich meine Mutter niemals verliere.

Dies im Kopf – die Geschichte von meiner Mutter und mir, von meiner Mutter in mir –, möchte ich versuchen, eine andere Geschichte zu erzählen; sie handelt davon, wie ich in den Wochen und Monaten nach ihrem Tod ein Bett zu kaufen versuchte.

Oder besser gesagt, ein Bett zu behalten versuchte. Ich kaufte mehrere. Das erste war ein riesiges Stearns-&-Foster-Monstrum von Bloomingdale, Ecke Forty-nine Street und Lexington Avenue. Meine damalige Freundin R. kam mit in das Kaufhaus, wir lagen gemeinsam Probe und verglichen. Shifman? Sealy? Stearns & Foster? Weich? Hart? Matratzenauflage? Ich sah zu, wie R. über eine Matratze krabbelte; den Hintern in die Luft gestreckt, federte sie auf und ab, und ich ertappte mich bei wahnhaften Gedanken über mich und die Beziehung zu meiner Mutter, die eine Woche zuvor gestorben war: Endlich bin ich von dieser Frau befreit! Jetzt kaufe ich mir ein tolles Bett, vögle anständig und lebe mein Leben.

Zweitausend Dollar.

Für dreitausend Dollar hätte ich ein noch riesigeres Stearns & Foster (und demzufolge ein noch riesigeres Maß an Komfort mit entsprechend erholsamerem Schlaf, mehr Zufriedenheit in der Liebesbeziehung und einem insgesamt glücklicheren, produktiveren Leben) oder ein Shifman von nahezu Spitzenqualität bekommen. Die Shifmans bestachen durch die in der Werbung der Firma hervorgehobenen traditionellen (anachronistischen?) handwerklichen Details wie etwa die acht handgefertigten Federkerne und die Bevorzugung von Naturfasern (gepresste Baumwolle und Wolle) gegenüber synthetischen Schäumen.

«Was meinst du, Schatz? Gefällt dir das mit der Matratzenauflage?»

«Das große da drüben?»

«Ja.»

«Das ist toll.»

«Wie lange hält so ein Ding eigentlich? Hat der Typ das gesagt?»

«Donald, nimm das Bett, bei dem du das beste Gefühl hast. Später kannst du dir immer noch andere Betten kaufen.»

«Später? Wieso später? Später im Leben?»

«Wenn du ein Bett kaufst, und es gefällt dir nicht, kannst du es zurückschicken. Schau. Du hast dreißig Tage Frist. Die Leute schicken andauernd Betten zurück. Dafür sind Kaufhäuser da.»

«Stimmt.»

«Donald, du solltest dich freuen. Du kaufst dir ein tolles Bett. Du verdienst es! Wir sollten feiern.»

«Ja.»

«Geht’s dir gut?»

«Was?»

«Willst du sie nochmal ausprobieren?»

Und genau das taten wir – und in zunehmendem Maße ich allein – denn auch. Anfang September 2000 kaufte ich mit meiner Kreditkarte Bett Nr. 1, fuhr nach Hause, rief das Kaufhaus an, stornierte den Kauf, fuhr dann, Ende September, wieder hin, entschied mich für ein höherwertiges und teureres Bett (das mit der Matratzenauflage), stornierte auch diesen Kauf und begab mich im Folgenden, so erscheint es rückblickend, auf eine Art Pilgerfahrt, um nicht zu sagen Gralssuche durch zahlreiche Geschäfte, wo ich mich hin- und herwarf und mit Fachverkäufern und, wann immer möglich, Freunden, die mich geduldig begleiteten – meinem Laienpublikum –, sich immerzu wiederholende, zwanghafte Gespräche über Betten führte. Drei Monate vergingen, und in dieser Zeit erfuhr ich mehr, als ich je für möglich gehalten hatte, über Matratzen und über die Matratzenindustrie im Allgemeinen – nicht nur, wie und wo die Betten hergestellt, sondern auch, wie sie vermarktet und verkauft werden und an wen –, und dabei erfuhr ich auch eine Menge über andere Dinge als Betten im engeren Sinne. Ich spreche von Steppdecken, Kissen und Laken.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich mich in dieser Zeit, die durch ein zwanghaftes Konsumverhalten gekennzeichnet, womöglich gar definiert war, sehr stark als Muttermörder empfand. Ich hatte das deutliche und zugleich schwer dingfest zu machende Gefühl, dass ich beim Tod meiner Mutter die Hand im Spiel gehabt hatte. Und so wurde die Suche nach einem Bett zur Suche nach einer Zuflucht, das heißt, die Suche nach einem Bett wurde zur Suche nach einem Ort; und mit Ort meine ich natürlich Raum, die Art von ungefährem, unbestimmtem Raum, von dem man etwa spricht, wenn man zu jemandem sagt: «Ich brauche ein bisschen Raum»; und dass Raum in diesem Kontext normalerweise aus Gefühlen besteht, hielt mich nicht davon ab, mir vorzustellen, der Raum – den ich mir wider alle Vernunft als konkreten Ort, nämlich als mein Schlafzimmer dachte – ließe sich auf ziemlich perfekte Weise mit einem extragroßen Bett füllen, bezogen mit grauweiß gestreifter, maskulin wirkender Bettwäsche, dazu vielleicht als passend feminine Note ein mit gekräuseltem Stoff bespannter Bettkasten. Und ich stellte mir vor – ein logischer Gedanke angesichts meines Kummers über den Tod meiner Mutter und über meine Beteiligung nicht nur am Eintritt ihres Todes an jenem Augustmorgen, sondern auch, als Kind und als erwachsener Mann, am größeren Narrativ ihrer lebenslangen Selbstzerstörung und deren Hauptsymptom und Hauptvermächtnis, dem Zorn –, ich stellte mir vor oder bildete mir ein, ich käme, wäre ich in dem mit dem Bett gefüllten Raum nur erst behaglich geborgen, läge allein oder mit R. auf Kissenstapeln, wie man sie von Fotos in Einrichtungszeitschriften kennt, vielleicht dahinter, wer ich sein und wie ich ohne meine Mutter weiterleben würde, eine Frau, die in einem tristen Haus in einem unbequemen Bett gestorben war.

Dagegen war kaum etwas zu machen. In den letzten Jahren ihres Lebens hatte meine Mutter eine massive Paranoia entwickelt. Sie kultivierte oder wurde das Opfer von Wahnvorstellungen, in denen sie sich mit Gestalten aus Mythologie und Religion, darunter die Jungfrau Maria, unterhielt. Als gelernte Schneiderin und Kostümbildnerin fertigte sie bizarre, solide gemachte Kleidungsstücke, die – und so waren sie auch gedacht – Gewändern für spirituelle Zeremonien glichen, deren Sinn unklar blieb. Alles an diesen Kleidungsstücken – die an die Rückenpasse angesetzten, flügelartigen Verzierungen, die kleinen Kugeln und Totemgegenstände, die an Ärmeln oder Aufschlägen hingen, die sich beißenden Farbpaletten aus Stoffstücken, die übereinander genäht waren wie Elemente einer seltsamen Collage – sprach einen Symbolismus an, der zutiefst privat war. Öffentlich getragen, sorgten diese Roben und Kleider unter Menschen, die es gewohnt waren, in der Gesellschaft zu funktionieren, zuverlässig für Unbehagen. Wenn meine Mutter zu einem Konzert in Asheville oder zu einer Museumseröffnung eine dunkelviolette Jacke mit clownskostümgroßen Knöpfen trug, die vorn und an den Seiten mit kreuz und quer verlaufenden Streifen aus Thaiseide in tropischen Pastelltönen verziert war, eine Jacke, die auf dem Rücken ein riesiges weißes Medaillon mit einem oberen Abschluss aus Goldbrokat zierte, dergestalt gerafft und gekräuselt, dass er einer blumenartigen Kuchendekoration glich, und dazu einen Mantel, der einen Besatz aus noch mehr bunten Seidenstreifen aufwies, die, abgebunden und mit Troddeln behängt, in unterschiedlicher Länge über den Saum herabfielen, so trat sie nicht einfach als Freigeist auf, der sein Ding durchzog; nein, sie lehnte das Patriarchat ab und erklärte sich zur Künstlerin.

Ihre Fähigkeit, Leute zu vergraulen, war phänomenal. Ihr Verhalten war von Gehässigkeit geprägt, und in den kurzlebigen Beziehungen mit den gleichermaßen Gebeutelten, die ihre Freunde wurden, stiftete sie ständig Unfrieden. Ihr Lachen war harsch, manchmal sogar Angst einflößend. Sie kaute mit offenem Mund, sodass sie sich oft bekleckerte. Zuweilen sah ihr Haar so aus, als hätte sie es selbst geschnitten, und zwar im Dunkeln. Man war entweder für sie oder gegen sie. Sie glaubte, dass ihr Vater nicht ihr wirklicher Vater war; dass ihre Mutter versucht hatte, sie als Kind in einem Teich zu ertränken; dass der sie behandelnde Pulmologe Sex mit ihr wollte; dass sie nach ihrem Tod von C.G. Jung, der Jungfrau Maria und Merlin dem Zauberer in Empfang genommen würde; dass sie ihre Arbeit auf Erden getan hatte und dass ihre Arbeit gut war; dass sie zu denen gehörte, die ausersehen waren, von der kommenden neuen Ordnung der schönen Menschen zu künden; dass sie in einem früheren Leben als römischer Galeerensklave, an die Ruder gekettet, ertrunken war; dass Männer Arschlöcher und dass ihre Kinder ihr feindlich gesinnt waren; dass die Raucherei ihre Sache war und andere einen Dreck anging; dass ihr Sohn ein Künstler war, genau wie sie; dass sie und ich zusammen eine Therapie machen sollten.

Sie war für alle, die ihr nahestanden – zumal für diejenigen, die auf ihre Zurechnungsfähigkeit angewiesen waren –, ein bedrohlicher Mensch. Genau genommen verbrachte sie einen Großteil ihres Erwachsenenlebens in einem Blackout-Zustand, wobei sie in den meisten Nächten drei Stunden oder weniger traumlos «schlief». Der Verlust der Tiefschlafphase muss verheerende Auswirkungen auf ihren Körper und ihren Geist gehabt haben. Sie bekam Schreianfälle, die bis in die frühen Morgenstunden andauerten. Ein paarmal, so erinnere ich mich, fand ich sie frühmorgens vor der Dämmerung auf dem Boden im Wohnzimmer liegen.

Vielleicht hatte ihre Mutter ja tatsächlich versucht, sie in einem Teich zu ertränken. Vielleicht war die Wahrheit wirklich so schlimm oder noch schlimmer. Vielleicht wurde meine Mutter quasi stellvertretend Opfer des Münchhausensyndroms, einer pervertierten Form von Fürsorge, bei der ein Kind unnötigen medizinischen Behandlungen, sogar Operationen, unterzogen wird. Sowohl ihre Ärzte in North Carolina als auch Mitglieder unserer Familie hatten den Verdacht, dass die Mutter meiner Mutter merkwürdig oft mit ihrem einzigen Kind zum Arzt gegangen war. Dazu kann ich mich nicht weiter äußern; ich war nicht dabei. Und dennoch kann ich mir meine Großmutter Roxanne vorstellen, wie sie, so etwa Ende der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, meine Mutter an der Hand die weißen Korridore irgendeines Landkrankenhauses entlangführt oder mit ihr im Wartezimmer eines Arztes in Florida sitzt. Ich erinnere mich, dass meine Mutter, als ich jung war, Geschichten von Operationen erzählte. Was diese Operationen bezweckten, bleibt rätselhaft. Eine, meine ich, hatte mit der Entfernung einer Rippe zu tun. Und dann gab es noch die berühmte Geschichte, in der meine Mutter «aufwachte», als die Ärzte gerade ihren Exitus in tabula verkündeten. Als ich auf die Welt kam, war Roxanne zur radikalen Ernährungswissenschaftlerin geworden, darauf bedacht, Kost und Stimmungen ihrer Familie zu kontrollieren; sie verteilte Vitamine und Ratschläge an Krebspatienten, die über Mundpropaganda von ihr erfuhren; sie verordnete Nahrungsmittel, deren Wirksamkeit später von der Gesundheitsindustrie bestätigt wurde. Ich glaube, sie sah sich als Volksheldin. Man kann sich den Todestrip meiner Mutter vorstellen als internalisierten, masochistisch gewendeten Akt des Hasses gegen ihre eigene Mutter, die sich der Gesundheit bediente, um alle Menschen in ihrer Umgebung zu unterdrücken, und gegen ihren Vater, der in ihrer Kindheit in jeder nur denkbaren Situation außerstande gewesen war, sich einzugestehen, wie es um seine Tochter stand, oder als ihr Fürsprecher zu fungieren.

In jungen Jahren war meine Mutter beliebt und eine Schönheit gewesen. Ihre Kindheit verbrachte sie in Tennessee, und als Teenager lebte sie in Sarasota, Florida, wo sie auch meinen Vater kennenlernte. Zusammen bildeten meine Eltern, soweit ich das ihren Jahrbüchern entnehmen kann, eines jener erfolgreichen, allseits beneideten Highschool-Paare. Ein Freund von ihnen, ein Mann, der auf dem College in meine Mutter verliebt war und sich nie entliebt hatte, schilderte sie mir in Worten, aus denen hervorging, wie stark ihre erotische Ausstrahlung und ihre Persönlichkeit in jenen Tagen waren. Weil sie keine Geschwister hatte, habe ich keine Tanten oder Onkel mütterlicherseits, die genaue Erinnerungen an sie als kleines Mädchen liefern könnten. Und an Aussagen des früheren Freundeskreises meiner Eltern über spätere Jahre – nachdem sie von zu Hause weggegangen war, meinen Vater geheiratet, ihre Kinder bekommen und sich als Ehefrau und Mutter in einer Studentenwohnung eingerichtet hatte – ist ebenso schwer heranzukommen wie an meine eigenen Erinnerungen, Erinnerungen von der Art, die sich zu einem schlüssigen – ja was eigentlich? – Bild? Eindruck? Narrativ? zusammenfügen könnten. Ich war vier, fünf, sechs Jahre alt. Meine Schwester Terry war drei, vier, fünf. Es war Anfang der sechziger Jahre, die letzten Jahre – so stelle ich es mir heute vor, fast vierzig Jahre nachdem sich mein Vater in eine andere Frau verliebte und unsere Familie sich aufzulösen begann – des Südstaaten-Intellektualismus im Stile der Agrarians, als die frisch verheirateten episkopalischen Kinder von Presbyterianern Finnegans Wake lasen, in Promotionsprogramme flüchteten, Bourbon, Martinis und Bier aus dem Sonderangebot tranken, die ganze Nacht aufblieben, sich stritten, Affären hatten und hinter die Affären kamen und dann ihre Kinder auf den Rücksitz von VW Käfern verfrachteten und nachts die Küste rauf- oder runterfuhren. Bis auf den heutigen Tag sehe ich mich außerstande, die Wanderungsbewegungen und Umzüge, Treubrüche und Versöhnungen, Wiedervereinigungen, Trennungen, erneuten Umzüge und Krankenhausaufenthalte meiner Eltern verlässlich zu dokumentieren. Es genügt wohl, wenn ich sage, dass es unzählige verrückte Geschichten gibt, von denen ich viele schon viel zu oft als Eröffnungen bei Dates verwendet habe.

Aber was war nun mit dem Bett? Im Dezember ließ ich mir das Bett mit der Matratzenauflage liefern. Die Leute von Bloomingdale trugen es die Treppe hinauf, und ich versah es mit der Bettwäsche und den Kissen, die ich für diesen Anlass besorgt hatte. Im Vergleich mit dem Futon, auf dem ich bislang geschlafen hatte, wirkte das Bett gigantisch. Es war gigantisch; nicht nur breit, sondern auch hoch, sodass es einen regelrecht erschlug. Was es an Phallischem implizierte, trat in meinen Einladungen an R. zutage, «herüberzukommen und es sich anzusehen». Damit hätte es gut sein müssen, mit ein paar viel versprechenden Tollereien mit R. und der allmählichen Akzeptanz einer neuen Ordnung in meinem Zuhause. Aber dazu hätte ich ein anderer Mensch sein müssen und zeitlich viel weiter vom Tod meiner Mutter entfernt. Außerdem hätte ich niemals von Dux hören dürfen.

Dux ist eine jener Firmen, die esoterische, teure Produkte herstellen, auf wissenschaftlicher Basis entwickelt, um das Leben des Käufers tiefgreifend zu verändern. Wenn man ein Dux-Bett kauft, findet man Aufnahme in einer Gemeinschaft von Menschen, die Dux-Betten gekauft haben und von ihnen überzeugt sind. Ein Dux-Bett mutet zunächst sonderbar weich an; wenn man eine Zeit lang auf einem liegen bleibt, erlebt man sich womöglich auf eine Weise als «entspannt», die geradezu beunruhigend sein kann. Anfangs hat man den Eindruck, man lasse sich auf einem gut ausbalancierten Wasserbett nieder – bei einem Dux steigt man regelrecht ins Bett. Die Firma verheißt eine Vielzahl gesundheitlicher Vorteile: Einige haben mit der Haltung, andere mit einer verlängerten Tiefschlafphase, und alle haben sie mit Naturlatex und der Myriade von Federn zu tun, die in der Dux-Literatur als «System» bezeichnet wird und es ermöglicht, dass das Bett sich sanft der Körperform anpasst und damit Druckpunkte reduziert, sodass der Schlafende im Lauf der Nacht weniger oft seine Position verändert oder sich sonst wie bewegt, um es bequem zu haben. «Haben Sie ein Dux?», habe ich Kenner fragen hören. Auf Dux-Betten bekommt man eine zwanzigjährige Garantie. Ich meine mich an den Werbeslogan «Das letzte Bett, das Sie je kaufen werden» zu erinnern. Die Betten werden in Schweden hergestellt, in Klassik-Radiosendern beworben, in firmeneigenen Läden verkauft, die wie Kurhäuser anmuten, und sie sind nie, niemals im Angebot.

Ich weiß nicht, wie oft ich Anfang des Winters in dem Jahr, in dem meine Mutter starb, ins Duxiana in der East Fifty-eighth Street (praktischerweise gleich neben Bloomingdale) marschierte – in der Regel allein, jedoch wenn möglich mit R. oder einem der oben erwähnten Freunde –, mir die Schuhe auszog und von Bett zu Bett hüpfte, immer wieder die Prospekte las und Pamela, die Geschäftsführerin, mit allen möglichen Fragen über dieses Modell im Gegensatz zu jenem löcherte. Ich klopfte die Daunenkissen zurecht. Ich legte mich hinein. Ich drehte mich auf die Seite. Ich drehte mich auf die andere Seite. Wunderbar. Man konnte zwischen Mahagoni- oder Metallbeinen wählen, die das Bett stark anhoben, oder man konnte es nach Art eleganter Betten in europäischen Hotels flach am Boden belassen. Man konnte die Laken so einschlagen oder so drapieren. Oberschicht aus Baumwolle? Oder Latex? An liegend verbrachten Nachmittagen im Dux-Geschäft begann ich zu spüren, dass alle Entscheidungen, die ich von jetzt an treffen mochte, sich ganz natürlich aus dem Kauf eines Bettes ergeben könnten. Zwar hatte ich mein neues Bett (mit Rückgaberecht) schon im Schlafzimmer stehen, aber ich mochte es nicht sonderlich. Ich brachte nicht genügend Verlangen auf, das Bett zu mögen. Gewiss, es war groß, aber in jeder anderen Hinsicht fand ich es langweilig und enttäuschend, weil es meine Beziehung zu R. nicht rettete. Es sorgte nicht dafür, dass ich mich in meiner Wohnung wie zu Hause fühlte. Es schrieb nicht mein Buch. Und was das Schlimmste war – dieser Mangel schmerzte am meisten –, es erlaubte mir nicht, meine Suche nach einem Bett unbegrenzt fortzusetzen.

Wie sehr wollte ich ein Dux? Ich wollte es genau in dem Maße und mit der Intensität, die dem Produkt angemessen war.

Ich wollte es so sehr, dass ich mir eins kaufen wollte.

So kam es, dass ein Romanautor mit den für schöne Literatur üblichen Verkaufszahlen und einem Talent für Gewissensbisse knapp siebentausend Dollar für eine Matratze hinblätterte.

Jedenfalls fast.

In dem Jahr, das dem Tod meiner Mutter vorausging, einem Jahr, das gekennzeichnet war von den Stimmungsschwankungen, wie sie bei Fällen von fortgeschrittenem Krebs mit der üblichen Entwicklung zum letztlichen Versagen therapeutischer Eingriffe einhergehen – dem gezeitenhaften, mit jeder Neuigkeit, jedem strapaziösen Gespräch mit Mom oder ihren Ärzten fast manischen Steigen und Fallen von Hoffnung und Niedergeschlagenheit, Hoffnung und Niedergeschlagenheit, Hoffnung und neuer Hoffnung und noch mehr Hoffnung, gefolgt von wahnsinniger Euphorie und noch tieferer Verzweiflung und dem unheimlichen, impulsiven Zorn, der sich praktisch jederzeit gegen jeden richten kann, dem Kontinuum aus Angst und Launenhaftigkeit, das in der einen oder anderen Form so gut wie jedem vertraut ist, der miterlebt hat, wie es einem Elternteil oder einem Kind, einem Ehemann oder einer Ehefrau, einem Liebsten oder einer Freundin ein bisschen besser, dann ein bisschen schlechter, dann wieder ein bisschen besser geht und wie der Betreffende gewissermaßen nach Programm stirbt –, in diesem Jahr hörte ich mehr oder weniger auf zu arbeiten, und auch, mir Bewegung zu machen. Ich las weniger, ging weniger oft mit Freunden essen, schlief weniger oft mit meiner Freundin. Ich bin Radfahrer und drehe seit Jahren regelmäßig Trainingsrunden durch den Park in der Nähe meiner Wohnung. Mein Körper hat sich an diese geregelte Lebensweise gewöhnt, die mir sehr viele physische Informationen liefert, Informationen in Form von Empfindungen, Empfindungen, die sich mit dem tiefen Ein- und Ausatmen ergeben, wenn ich die Straße entlanggehe oder mich beim Radfahren auf die Pedale stelle, um eine Steigung hinaufzukommen; oder in der eventuellen Feststellung einer Gewichtszunahme oder eines Gewichtsverlusts; oder in der Erregung, die ich verspüre, wenn ich einen anderen Menschen berühre oder selbst berührt werde; Informationen, so könnte man sagen, in Form der Wahrnehmung meiner selbst im Raum. Nach und nach blieben diese Informationen aus. In der dumpfen Abwesenheit meiner selbst tat ich, was meine Mutter ihr Leben lang getan hatte. Ich saß nächtelang in meiner Küche und qualmte.

Die Wahrheit, heißt es oft, mache einen frei. Aber was passiert, wenn sich die Wahrheit nicht in einem einzigen simplen, brutalen Satz zusammenfassen lässt? Ich konnte mir ein Leben ohne meine Mutter nicht vorstellen. Es stimmte aber auch, dass ich mich nur ohne sie imstande fühlen würde zu leben. Ich hatte genug von Louanne Antrim und war so weit, dass ich ohne sie auskam. Ich wollte, dass sie starb, und wusste, dass ich sie in ihrem Sterbejahr vernachlässigen würde.

Und das tat ich dann auch. Zumindest in dieser Hinsicht kann ich behaupten, dass ich ihr – uns – treu war. Ich war schließlich ihr Mann. Es war meine spezifische und unerfüllbare Aufgabe gewesen, genauso wie und zugleich ganz anders als alle anderen Männer zu sein – genauer gesagt, genauso wie und ganz anders als ihr Vater und ihr auf Abwege geratener, exkommunizierter Exehemann, mein Vater. Was bedeutet das? Ich weiß nicht genau, ob ich es klar benennen kann. Ich durfte sie nie wegen irgendeiner anderen Frau verlassen. Ich durfte sie nie belügen oder täuschen. Als ich zu schreiben und Romane zu veröffentlichen begann, galt es für meine Mutter – und daher unwissentlich auch für mich – als ausgemacht, dass ich in allem, was man als meine künstlerischen Leistungen bezeichnen könnte, ihre kreative Kraft, ihre Begabungen an den Tag legte.

«Ich komme dich bald besuchen und bleibe ein paar Tage, Mom.»

«Du musst nicht.»

«Ich will aber.»

«Ich rechne nicht mit dir.»

«Ich komme aber.»

«Aber nur, wenn du auch willst.»

«Mom.»

«Warte nicht zu lange damit. Ich werde bald sterben.»

«Woher weißt du das?»

«Dr. McCarrick versucht, mich umzubringen.»

«Wie bitte?»

«Er lässt sich am Telefon verleugnen.»

«Er ist Arzt.»

«Was soll denn das heißen?»

«Nichts. Bloß ein Scherz. So was Ähnliches jedenfalls. Er hat eben viel zu tun. Ärzte haben viel zu tun. Egal.»

«Alle sind gegen mich. Du bist auch gegen mich.»

«Mom, er versucht nicht, dich umzubringen. Kein Mensch versucht dich umzubringen. Kein Mensch will dich umbringen.»

Ich verschob den Besuch. Ich verschob ihn. In der Nachbarwohnung fing ein Hund an zu bellen, und eine Zeit lang verlor ich den Verstand. Dann hörte der Hund zu bellen auf, ein Jahr war vergangen, und meine Schwester und ich buchten von verschiedenen Enden des Landes aus einen Flug, um am Bett meiner Mutter in dem kleinen Haus am Fuß des Hügels zu stehen, der zu dem Parkplatz neben dem Stadtteich abfällt. Wir, meine Schwester und ich, hatten es uns zur Gewohnheit gemacht, nach Charlotte zu fliegen, uns am Schalter der Autovermietung am Flughafen zu treffen, den Wagen zu übernehmen, zum Essen bei Bridges in Shelby, North Carolina, zu halten und dann Richtung Westen über die Berge, vorbei an Chimney Rock, hinauf in die Gegend von Old Fort und hinunter nach Black Mountain zu fahren. Die Fahrt dauerte drei Stunden. Wir hätten auch nach Asheville fliegen können, das dreißig Minuten vom Haus unserer Mutter entfernt lag, aber Terry und ich machten diesen Umweg, denke ich, um Zeit dafür zu gewinnen, uns auf die schwere Prüfung vorzubereiten, Louannes Kinder in Louannes Haus zu sein – in diesem Fall zum letzten Mal. An jenem Tag brachten wir es fertig, gleichzeitig in Eile zu sein und zu trödeln. Terry erzählte von ihren Kindern und von einer Nachbarin, die wie unsere Mutter im Endstadium einer unheilbaren Krankheit jegliche Nahrungsaufnahme verweigert hatte. Es war spät an einem Nachmittag im Spätsommer. Nie waren mir die Farmen und verwitterten Kirchen an der zweispurigen Landstraße so einsam und so schön, so einladend erschienen wie an jenem Nachmittag. Das war das Land unseres Großvaters; es war das Land seines Vaters und seines Vatersvaters; es war das Land unserer Mutter und für diese kurze Zeitspanne – beim Blick aus dem Wagenfenster auf die unterwegs sich bietenden Sehenswürdigkeiten, den von Touristen überlaufenen Lake Lure und den felsigen Bach, der das Gefälle in gemächlichen Kaskaden abseits der Straße überwindet; die desolaten Häuser zwischen unregelmäßigen, mit Mais und Bohnen bepflanzten Feldern; den Kudzu, der jedes Jahr mehr und mehr vom Süden verschlingt, Wälder wie Felder – war es auch unser Land. Ich weiß noch, wie ich dachte, dass es nach ihrem Tod niemanden mehr geben würde, der mich an diesen Teil der Welt band, und ich fragte mich, was mich künftig noch veranlassen könnte, hierher zurückzukehren.

Beim Haus angelangt, fanden wir unsere Mutter in dem Krankenhausbett im Wohnzimmer. Neben dem Bett stand der riesige Holztisch, auf dem sie Stoffe abgemessen und zugeschnitten hatte. In einer Ecke lehnten Ballen von Seide. Auf Bücherregalen standen Paperbacks über C.G. Jung und Heilkräfte. Die Tagschwester ließ Terry und mich allein. Unsere Mutter bewegte sich auf den Tod zu. Anfang des Sommers hatte sie uns mitgeteilt, dass sie in nicht allzu langer Zeit, wahrscheinlich noch vor ihrem Geburtstag im September, «die Dinge selbst in die Hand nehmen» würde, wie sie sich ausgedrückt hatte, aber wann genau, hatte sie uns nicht gesagt; es gab gewisse astrologische Erwägungen, die es zu berücksichtigen galt, und sie wartete auf den richtigen Moment. Nun war der Moment gekommen. Beim Blick in ihr ausgemergeltes Gesicht im Abendlicht stellte ich etwas fest, was Terry im Gegensatz zu mir schon gewusst hatte, nämlich dass unsere Mutter Gebissträgerin war. Das Gebiss war herausgenommen worden. Ihr Mund war eingesunken. Sie gab Laute und Geräusche von sich, die nicht als Sätze oder auch nur Worte zu deuten waren. Morphium, vorher von den Leuten vom Hospiz vorbeigebracht, wartete in einem versiegelten Fläschchen in der Küche. Niemand, nicht einmal die Schwester, schien genau zu wissen, wann man damit beginnen sollte, es ihr zu verabreichen. Also warteten auch wir wie das Morphium in dem Fläschchen in der Küche, und am nächsten Tag «erwachte» meine Mutter – wie es die Sterbenden zuweilen für kurze Zeit tun – und sprach relativ verständlich, wenn auch zusammenhanglos, von der Vergangenheit. Sie beschwor Namen von Menschen aus Charlottesville, Kingsport und Miami, aus Knoxville und Gainesville, Johnson City, Sarasota und Tallahassee herauf. Wir befühlten ihre Füße; sie waren warm. Meine Schwester wusch meine Mutter mit einem Schwamm und zog sie um, wir schüttelten ihre Kopfkissen auf, die Schwester setzte ihr das Gebiss ein, und meine Mutter fragte uns mit ihrer brüchigen Stimme, ob es uns etwas ausmache, ihr bitte einen Martini zu bringen.

In der Rolle des Vormundes, des mit Macht Ausgestatteten, fragte ich sie, ob sie das für eine gute Idee halte, und sie antwortete vollkommen vernünftig: «Was kann denn das jetzt noch schaden?»

Wären Gin und Wermut im Haus gewesen, hätte ich ihr mit Sicherheit einen Cocktail gemixt. Vielleicht aber auch nicht. Habe ich ihr einen Schluck Bier angeboten? Ich weiß es nicht mehr. Nahm sie noch immer Sauerstoff? Auch das weiß ich nicht mehr. Überall waren grüne Sauerstoffflaschen und Plastikschläuche. Die Teilzeitschwester, eine liebe und tüchtige, wenn auch medizinisch nicht sonderlich beschlagene, kompromisslose christliche Fundamentalistin, und die beiden Freundinnen meiner Mutter, hart gesottene Götzendienerinnen, soweit ich das erkennen konnte, lagen im Krieg um die Seele meiner Mutter. Es war ein kleineres Aufflackern sozialer Konflikte der alten Appalachen – die Christen gegen die Schamanen – im Neuen Süden, inszeniert als Auseinandersetzung um den zerstörten Körper von Louanne Antrim. Hin und her ging es, in flüsternd geführten Privatkonferenzen, kleinen Friedensgesprächen draußen im Garten:

«Die sagen okkulte Sachen. Die werden sie dem Teufel ausliefern. Ich lasse in drei Kirchen dafür beten, dass Ihre Mom in Jesu Armen aufersteht.»

«Diese Pfingstlerin versucht, Louanne zu Christus zu bekehren. Ihre Mutter hat die organisierte Religion schon vor langer Zeit hinter sich gelassen. Sie will das einfach nicht.»

«Jedes Mal, wenn ich für Ihre Mutter bete, kommen sie rein und hindern mich daran. Ich mache mir schreckliche Sorgen um Ihre Mom.»

Am Ende fiel es mir zu, das Morphium zu verabreichen. Oder besser gesagt, ich beschloss, dass ich, als einziger Mann am Schauplatz, derjenige war, der das Morphium zu geben hatte. Alle vier Stunden zerdrückte ich eine Lorazepam-Tablette in einem Löffel