Cover
Titlepage
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel "All That Glitters"
       
Edel eBooks
Ein Verlag der Edel Germany GmbH
 
© 2015 Edel Germany GmbH
Neumühlen 17, 22763 Hamburg
 
www.edel.com
        

Copyright der Originalausgabe © 1995 by the Vanda General Partnership

All rights reserved including the right of reproduction in whole or in part in any form. This edition published by arrangement with the original publisher, Pocket Books, a division of Simon & Schuster, Inc., New York.“

Copyright der deutschsprachigen Ausgabe © 1996 by Wilhelm Goldmann Verlag, München, in der Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH

Ins Deutsche übertragen von Uschi Gnade
 
Covergestaltung: Agentur bürosüd°, München
 
Konvertierung: Datagrafix

Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des jeweiligen Rechteinhabers wiedergegeben werden.
eISBN 978-3-95530-659-5
 
facebook.com/edel.ebooks

V.C. Andrews – eine der erfolgreichsten Bestsellerautorinnen der Welt. Und eine Meisterin der romantischen Spannung!

Für Ruby scheint das Leben endlich in Ordnung gekommen zu sein. Als Ehefrau ihrer ersten großen Liebe Paul Tae lebt sie mit ihrer Tochter Pearl auf Cypress Wood, einer wunderschönen Plantage. Da erzählt ihre intrigante Zwillingsschwester Gisselle, dass der Vater ihrer kleinen Pearl wieder frei ist. In Ruby erwacht erneut die Sehnsucht nach einem glücklichen Leben an seiner Seite. Doch trügerisch sind alle Hoffnungen ...

Ein fesselnder Roman voller Leidenschaft und dunkler Geheimisse aus dem Herzen der Südstaaten –  V.C. Andrews´ große "Landry-Saga"!

 

Epilog

Meine Träume von einer prachtvollen Hochzeit sollten sich immer noch nicht erfüllen. Das Interesse einer breiten Öffentlichkeit und all der Trubel, der mit dem Sorgerechtsverfahren verbunden gewesen war, legten sich nicht, als wir nach New Orleans zurückkehrten. Beau fand, es sei besser, wenn wir uns abseits des Getöses in einem stillen Zeremoniell trauen ließen, und da seine Eltern die ganze Geschichte ohnehin nicht allzugut aufnahmen, konnte ich dem nicht widersprechen.

Wir diskutierten tagelang darüber, ob wir das Haus im Garden District verkaufen und ein neues Haus am Rand von New Orleans bauen sollten. Schließlich gelangten wir beide zu derselben Entscheidung: Wir waren mit unseren Dienstboten zufrieden, und eine schönere Umgebung würden wir nicht finden. Statt umzuziehen, machte ich mich an die Aufgabe, das Haus neu einzurichten, die Zimmer vom Boden bis zur Decke ausräumen zu lassen und die Gardinen, die Wandbehänge und die Böden zu ersetzen. Ich war wie verrückt darauf aus, das Haus zu läutern und zu reinigen und jegliche Spuren meiner Stiefmutter Daphne daraus zu verbannen.

Natürlich behielt ich all die Dinge, die Daddy lieb und teuer gewesen waren, und ich nahm nicht die geringsten Veränderungen an dem Zimmer vor, das früher einmal Onkel Jean gehört hatte. Ich beließ es als Schrein, der seinem Andenken geweiht war, denn ich wußte, daß Daddy es so hätte haben wollen. Sämtliche Gegenstände, die auch nur nach Daphne rochen, brachte ich auf den Dachboden, große Truhen, die ich mit Kleidern, Schmuck, Fotos und Erinnerungsstücken füllte. Dann packte ich Gisselles Dinge zusammen und verschenkte das meiste an Trödelläden und wohltätige Institutionen.

Nachdem die Zimmer frisch gestrichen waren, neue Gardinen vor den Fenstern hingen und die Bilder an den Wänden ausgetauscht worden waren, nahm das Haus meinen und Beaus Charakter an. Natürlich hingen immer noch Erinnerungen wie Spinnweben in dunklen Ecken, aber ich glaubte, ebenso wie Beau, daß die Zeit der beste Staubsauger ist und daß sie eines Tages nur noch verschwommen und belanglos sein würden.

Nachdem im Haus alles getan war, was ich mir vorgenommen hatte, wandte ich meine Energien wieder meiner künstlerischen Arbeit zu. Eines der ersten Bilder, die ich zeichnete und hinterher malte, war ein Bild von einer jungen Frau, die mit einem neugeborenen Baby in den Armen in einer Laube sitzt. Die Umgebung ließ sich mühelos als ein Haus und ein Anwesen wie unseres im Garden District erkennen. Als Beau das Bild ansah, sagte er, er fände, ich hätte ein Selbstporträt gemalt. Wenige Wochen später hatte ich beim Aufwachen Schwangerschaftssymptome und erkannte, daß die Inspiration für das Gemälde einer tieferen inneren Erkenntnis entsprungen war.

Beau war sich vollkommen sicher, ich hätte einen Teil der Wunderkräfte meiner Grandmère Catherine geerbt.

»Warum sollte es denn nicht so sein? Ihr glaubt doch daran, daß solche Kräfte erblich sind, stimmt’s?« sagte er.

»Ich habe nie etwas dergleichen an mir wahrgenommen, Beau, und ich habe nie auch nur im Traum daran gedacht, Menschen zu heilen. Ich besitze diese Formen von mystischer Erleuchtung nicht.«

Er nickte und dachte einen Moment lang darüber nach, und dann sagte er etwas Verblüffendes. »Manchmal, wenn ich mit Pearl zusammen bin und sie in ihrer Babysprache mit mir das reinste Kauderwelsch redet, dann sehe ich, wie sie ihren Blick gebannt auf etwas richtet, und plötzlich scheint ihr Gesicht viel älter als vier Jahre zu sein. In ihren Augen steht eine große Klarheit. Geht es dir nie so, wenn du mit ihr zusammen bist?«

»Doch«, sagte ich, »aber ich hatte Angst, etwas Derartiges auch nur zu erwähnen, weil ich gefürchtet habe, du würdest mich doch nur auslachen.«

»Ich lache nicht darüber. Ich mache mir Gedanken. Inzwischen sind sogar meine Eltern von ihr bezaubert. Mutter bemüht sich, es nicht zu zeigen, aber sie kann nicht anders, als sie zu verhätscheln, und mein Vater... wenn er mit ihr zusammen ist, wird er wieder zu einem kleinen Jungen.«

»Sie kann mit den beiden umgehen.«

»Mit allen anderen auch«, sagte Beau. »Ich glaube, sie ist verzaubert. Siehst du, jetzt habe ich es doch gesagt. Erzähl das bloß keinem meiner Freunde«, fügte er eilig hinzu. Ich lachte. »Ehe ich mich versehe«, sagte er, »glaube ich plötzlich an irgendwelche Voodoo-Rituale, wie du sie früher mit Nina Jackson praktiziert hast.«

»Mach dich bloß nicht darüber lustig«, warnte ich ihn.

Er lachte wieder, aber als ich im neunten Monat schwanger war, gelang es ihm, mich mit einem wunderbaren Geschenk zu überraschen. Er hatte Nina ausfindig gemacht und sie in unser Haus gebracht, damit sie mich besuchen konnte.

»Ich habe eine Überraschung für dich, eine unerwartete Besucherin«, sagte Beau, als er allein ins Wohnzimmer kam.

»Wen denn?«

Erst jetzt streckte er eine Hand durch die Tür und zog Nina herein. Sie schien kaum gealtert zu sein, obwohl ihr Haar jetzt vollständig ergraut war.

»Nina!« Ich zog mich mühsam auf die Füße. Ich hatte einen so dicken Bauch, daß ich mir wie ein Nilpferd vorkam, das sich aus dem Sumpf erhebt. Wir umarmten einander.

»Dein Bauch ist wirklich dick, das kann man wohl sagen«, sagte Nina. »Und es ist bald soweit. Das kann ich in deinen Augen sehen.«

»O Nina, wo bist du gewesen?«

»Ich bin ein bißchen flußabwärts und flußaufwärts gereist. Nina ist jetzt im Ruhestand. Ich lebe bei meiner Schwester.«

Sie setzte sich und unterhielt sich eine Stunde lang mit mir. Ich zeigte ihr Pearl, und sie schwärmte in den höchsten Tönen davon, was für eine Schönheit sie sei. Und sie sagte mir, daß dieses Kind ein ganz besonderes Kind sei. Dann erklärte sie, sie würde eine blaue Kerze für mein neues Baby anzünden, die ihm zu Erfolg verhelfen und es schützen werde.

»Es dauert nicht mehr lange«, prophezeite sie wiederum. Sie griff in ihre Tasche und zog einen Kampferklumpen heraus, den ich um den Hals tragen sollte. »Das wird Bakterien von dir und deinem Baby fernhalten«, versprach sie mir. Ich sagte ihr, ich würde ihn sogar im Krankenhaus nicht ablegen.

»Verhalte dich bitte nicht wie eine Fremde, Nina. Besuch uns wieder.«

»Da kannst du sicher sein«, sagte sie.

»Nina«, fragte ich und nahm ihre Hand in meine, »glaubst du, die Wut, die ich in den Wind geworfen habe, als ich mit dir wegen Gisselle zu Mama Dede gegangen bin, ist fortgeweht worden?«

»Sie ist aus deinem Herzen fortgeweht worden, Kind. Das ist das Wichtigste..

Wir umarmten einander, und Beau fuhr sie nach Hause.

»Das war ein wunderschönes Geschenk, Beau«, sagte ich nach seiner Rückkehr zu ihm. »Ich danke dir.«

»Wie ich sehe, hat sie etwas hier zurückgelassen«, sagte er und sah den Kampferklumpen an, den ich um den Hals trug. »Das habe ich mir gleich gedacht. Um die Wahrheit zu sagen«, gestand er, »das ist genau das, worauf ich gehofft hatte. Wir dürfen kein Risiko eingehen.«

Darüber lachten wir beide.

Vier Tage später setzten die Wehen ein. Sie waren intensiv, noch heftiger als damals, als ich Pearl bekommen hatte. Beau war unablässig an meiner Seite, und sogar während der Entbindung war er bei mir. Er hielt meine Hand und redete mir gut zu, ich solle gleichmäßig atmen. Ich glaube, daß er jeden stechenden Schmerz fühlte, den ich verspürte, denn ich sah, daß er jedesmal zusammenzuckte. Endlich brach dann die Fruchtblase, und das Baby kam zur Welt.

»Es ist ein Junge!« rief der Arzt und schrie dann: »Moment mal!«

Beaus Augen wurden groß.

»Und noch ein Junge! Zwillinge!« rief der Arzt aus. »Ich dachte mir schon fast, daß es zwei Kinder sein könnten. Der eine hat sich hinter dem anderen versteckt und seinen Herzschlag von ihm übertönen lassen. Meinen herzlichen Glückwunsch!« sagte er, und die Krankenschwestern hielten zwei blonde blauäugige kleine Jungen in den Armen.

»Wir werden keinen von beiden weggeben«, scherzte Beau. »Mach dir keine Sorgen.«

Zwillinge, dachte ich. Sie werden einander vom ersten Tag an lieben, gelobte ich, vom allerersten Tag an.

Pearl war überwältigt von der Nachricht, daß sie nicht etwa einen kleinen Bruder haben würde, sondern zwei. Unsere erste große Aufgabe bestand darin, Namen für sie zu finden. Wir hatten bereits über die Möglichkeit eines Mädchens gesprochen, dann über die eines Jungen, und wir hatten uns überlegt, daß wir den Jungen Pierre nennen würden, nach Daddy. Ich wußte ganz genau, was ich wollte, aber ich war nicht sicher, wie Beau dazu stehen würde. Er überraschte mich hinterher im Krankenzimmer damit, daß er es von sich aus vorschlug.

»Wir könnten unseren zweiten Sohn Jean nennen«, sagte er.

»O Beau, das dachte ich mir auch schon, aber...«

»Aber was?« Er lächelte. »Ich habe es dir doch gesagt. Ich glaube inzwischen an diese Dinge. Es war uns so bestimmt.«

Vielleicht, dachte ich. Vielleicht war es uns wirklich so bestimmt.

An dem Tag, an dem wir die Zwillinge nach Hause brachten, hatte Beau einen Fotografen ins Haus bestellt. Wir ließen Bilder von uns fünfen machen. Jetzt waren wir eine ganz ansehnliche kleine Familie. Wir engagierten ein Kindermädchen, das uns am Anfang mit den Zwillingen helfen sollte, aber Beau fand, wir sollten es vielleicht sogar länger behalten.

»Ich möchte nicht, daß du deine Kunst vernachlässigst«, beharrte er.

»Nichts anderes ist mir wichtiger als meine Kinder, Beau. Meine Kunst wird zurückstehen müssen«, erwiderte ich. Ich wollte meinen beiden Jungen ständig nahe sein und dafür sorgen, daß sie lernten, einander zu lieben und füreinander dazusein. Beau verstand das.

Eine Woche nachdem ich mit unseren Zwillingen aus dem Krankenhaus zurückgekommen war, saß ich draußen im Garten, entspannte mich und las. Pearl war oben in dem neuen Kinderzimmer, denn ihre beiden neuen kleinen Brüder übten eine grenzenlose Faszination auf sie aus.

»Entschuldigen Sie, Madame«, sagte Aubrey, der zu mir ins Freie kam, »aber das hier ist gerade als Sonderzustellung für Sie abgegeben worden.«

»Danke, Aubrey.« Ich nahm den Umschlag entgegen. Als ich sah, daß er von Jeanne kam, lehnte ich mich mit zitternden Fingern zurück und riß ihn auf. In dem Umschlag befanden sich eine Fotografie und ein paar kurze Zeilen.

Liebe Ruby,

Mutter hat darauf bestanden, daß alles, was uns auch nur im entferntesten an dich erinnern könnte, fortgeworfen wird. Irgendwie glaube ich, Paul würde sich wünschen, daß dieses Foto an dich übergeht.

Jeanne

Ich sah das Bild an. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wer es aufgenommen hatte; vermutlich war es einer von Pauls Schulfreunden. Es war ein Foto von uns beiden, das bei dem Fais Dodo gemacht worden war, zu dem mich Paul zum Tanzen ausgeführt hatte. Es war mein erstes echtes Rendezvous gewesen, und zwar noch ehe ich die Wahrheit über uns beide erfahren hatte. Wir wirkten beide so jung, so unschuldig und so hoffnungsvoll. Vor uns lag nichts anderes als Liebe und Glück.

Mir fiel nicht auf, daß ich weinte, bis eine Träne auf das Foto fiel.

»Mommy!« hörte ich Pearl von der Terrasse rufen. Als ich mich umdrehte, sah ich, daß sie auf mich zugelaufen kam, und Beau folgte ihr auf den Fersen. »Sie haben mich angesehen! Pierre und Jean! Sie haben mich beide angesehen, und sie haben gelächelt!«

Ich wischte mir eilig die restlichen Tränen von den Wangen und steckte das Foto und die kurze Nachricht zwischen die Seiten meines Buches.

»Es ist wirklich wahr«, gelobte Beau. »Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen.«

»Das freut mich, Liebling. Deine Brüder werden dich für immer und ewig lieben.«

»Komm mit, Mommy. Laß uns zu ihnen gehen. Komm schon«, drängte sie und zog an meiner Hand.

»Gleich, Schätzchen. Einen Moment noch.«

Beau starrte mich an. »Ist alles in Ordnung?« fragte er.

»Ja.« Ich lächelte. »Ja, es ist alles in Ordnung.«

»Ich gehe schon mit ihr nach oben. Komm mit, Prinzessin. Laß Mommy noch einen Moment in Ruhe, ja? Sie wird dann gleich nachkommen.«

»Wirklich, Mommy?.

»Ja, mein Süßes. Ich verspreche es dir.«

Beau bildete mit den Lippen die Worte Ich liebe dich, und dann trug er Pearl wieder ins Haus.

Ich lehnte mich zurück. In der Ferne trieb eine Wolke, die wie eine Piragua geformt war, über den blauen Himmel, und ich glaubte wieder einmal, Grandmère Catherine in der Brise flüstern zu hören. Ihre Stimme erfüllte mich mit Hoffnung.

Prolog

Am frühen Abend, kurz nachdem die Sonne im westlichen Bayou hinter den Wipfeln der Zypressen versunken ist, sitze ich mit Pearl in den Armen auf Grandmère Catherines altem Schaukelstuhl und summe eine alte Cajun-Weise. Es ist eine Melodie, die Grandmère Catherine mir früher immer vorgesungen hat, wenn sie mich ins Bett brachte. Sie sang sie auch noch, als ich bereits ein kleines Mädchen mit langen Zöpfen war und von den Ufern des Sumpfes über die Felder zu unserer Hütte rannte, die auf dünnen Pfählen stand. Wenn ich die Augen schließe, kann ich ihre Rufe immer noch hören.

»Ruby, es ist Zeit zum Abendessen, Kind. Ruby...«

Aber ihre Stimme verblaßt in meiner Erinnerung wie Rauch, den der Wind mit sich forttreibt.

Ich bin inzwischen schon fast neunzehn, und es sind beinahe drei Monate vergangen, seit Pearl während eines der heftigsten Orkane, die jemals über das Bayou hereingebrochen sind, geboren wurde. Die umgestürzten Bäume wurden inzwischen zur Seite geräumt, liegen dort aber immer noch wie verwundete Soldaten, die darauf warten, geheilt und wiederhergestellt zu werden.

Ich vermute, auch ich warte darauf, geheilt und wiederhergestellt zu werden. Eigentlich war das der wahre Grund für meine Rückkehr aus New Orleans ins Bayou. Mein Vater, erdrückt von der Last seines Schuldbewußtseins wegen der Dinge, die er seinem Bruder, meinem Onkel Jean, angetan hatte, war einem tragischen Herzanfall erlegen. Daraufhin hatte meine Stiefmutter Daphne unser Leben in die Hand genommen. Und wie. Daphne lehnte mich schon seit dem Tag ab, an dem ich vor ihrer Türschwelle gestanden hatte. Mich, die Zwillingsschwester ihrer Tochter, von deren Existenz bis dahin nichts bekannt gewesen war; mich, diejenige, die von Grandmère Catherine geheimgehalten worden war, damit mich Grandpère Jack nicht weggab; mich nicht verkaufte, wie er Gisselle verkauft hatte.

Bis zu meinem Eintreffen war es Daphne und Pierre Dumas, meinem Vater, gelungen, die Wahrheit unter einem Berg von Lügen zu begraben. Nach meinem Auftauchen waren sie jedoch gezwungen, ein weiteres Trugbild zu ersinnen; sie behaupteten, ich sei an dem Tag, an dem Gisselle und ich geboren wurden, aus meiner Wiege gestohlen worden.

Die Wahrheit ist, daß sich mein Vater auf einem der Jagdausflüge in den Sümpfen in Gabrielle, meine Mutter, verliebt hatte. Grandpère Jack war ihr Führer. Vom ersten Augenblick an verfiel mein Vater der wunderschönen Frau, die Grandmère Catherine als freien Geist und unschuldiges Wesen schilderte. Das Gefühl beruhte auf Gegenseitigkeit.

Daphne konnte keine Kinder bekommen, und daher willigte Grandpère Jack, als meine Mutter mit Gisselle und mir schwanger war, in einen Handel ein, den mein Großvater Dumas vorgeschlagen hatte: Er verkaufte Gisselle an Daphne, die sie von da an als ihre Tochter ausgab.

Grandmère Catherine verzieh es ihm niemals und jagte ihn aus unserem Haus. Er lebte in den Sümpfen wie eine Sumpfratte und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Fallensteller für Bisamratten und als Austernfischer; aber auch als Touristenführer, wenn er dazu nüchtern genug war. Vor ihrem Tod nahm mir Grandmère Catherine, die ein Traiteur war, eine spirituelle Heilerin, das Versprechen ab, nach New Orleans zu gehen und meinen Vater und meine Schwester ausfindig zu machen.

Das Leben dort sollte sich für mich jedoch als noch unerträglicher erweisen. Gisselle verabscheute mich von Anfang an und machte mir sowohl in New Orleans als auch in Greenwood, der Privatschule in Baton Rouge, in die man uns schickte, das Leben zur Hölle. Insbesondere wurmte es sie, wie schnell sich Beau Andreas, ihr früherer Freund, in mich verliebte und ich mich in ihn. Später, als ich mit Beaus Kind schwanger war, schickte Daphne mich in das Hinterzimmer einer gräßlichen Arztpraxis, um dort eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Doch ich lief fort und kehrte zu dem einzigen anderen Zuhause zurück, das ich je gekannt hatte: ins Bayou.

Grandpère Jack ertrank bei einem seiner Saufgelage im Sumpf, und ich wäre von Anfang an ganz auf mich allein gestellt gewesen, hätte es meinen geheimen Halbbruder Paul nicht gegeben. Bevor wir von unserer wahren Beziehung zueinander wußten, waren Paul und ich ein junges Liebespaar. Es brach mir das Herz, als ich erfahren mußte, daß sein Vater meine Mutter verführt hatte, als sie noch sehr jung war, und er hat sich bis zum heutigen Tage geweigert, diese Wahrheit anzuerkennen.

Seit meiner Rückkehr ins Bayou war er stets an meiner Seite und hat mir täglich Heiratsanträge gemacht. Sein Vater besitzt. eine der größten Konservenfabriken für Krabben im Bayou. Ein Stück Land jedoch, das Paul geerbt hat, hat ihn nun zu einem der reichsten Männer in der ganzen Gegend gemacht, denn auf diesem Land ist Öl gefunden worden.

Jetzt baut Paul gerade eine große Villa, von der er sich erhofft, daß Pearl, er und ich eines Tages dort leben werden. Er weiß, daß unser Verhältnis zueinander seine Grenzen haben müßte, daß wir kein Liebespaar sein könnten; aber zu diesem Opfer ist er bereit, wenn es bedeutet, daß er sein Leben mit mir verbringen kann. Sein Angebot ist verführerisch, da ich Beau verloren habe, meine einzige große, leidenschaftliche Liebesbeziehung, und mit meinem Kind ganz auf mich selbst gestellt bin. Ich rackere mich ab, um uns beide durchzubringen, genau wie Grandmère Catherine und ich uns abgerackert haben, als sie noch am Leben war: Ich webe Decken und flechte Körbe, koche Gumbos und verkaufe all das an unserem Straßenstand an die Touristen. Es ist nicht gerade ein gutes Leben, und es verheißt meinem wunderschönen Baby keine Zukunft.

Jeden Abend sitze ich auf dem Schaukelstuhl, wie auch jetzt, wiege Pearl in den Schlaf und grübele herum, was ich am besten tun sollte. Hoffnungsvoll starre ich auf das Bild von Grandmère Catherine, das ich gemalt habe, ehe sie starb. Auf dem Gemälde sitzt sie auf ebendiesem Schaukelstuhl auf der Veranda vor unserem Haus. In das Fenster hinter ihr habe ich das Engelsgesicht meiner Mutter gemalt. Die beiden erwidern meinen Blick, als erwarteten sie von mir, daß ich die richtige Entscheidung treffe.

Oh, wie sehr ich doch wünschte, sie wären alle noch am Leben und hier und könnten mir sagen, was ich tun soll. In weniger als eineinhalb Jahren werde ich Geld haben, dann wird meine Erbschaft fällig, die mir als einer Dumas zusteht. Doch ich verspüre einen starken Widerwillen gegen diese Welt in New Orleans; und das trotz des wunderschönen Hauses im Garden District und all der Reichtümer dort. Allein schon der Gedanke daran, Daphne wieder gegenüberzutreten, läßt mich erschauern. Sie hat damals versucht, mich in einer Anstalt für Geisteskranke einzusperren. Ihre Schönheit täuscht über ihre wirkliche Kälte hinweg. Und außerdem: Wenn ich etwas gelernt habe, solange ich, von Dienstboten und wertvollen Gegenständen umgeben, im Haus der Dumas lebte, dann ist es, daß man Liebe für kein Geld und keine Reichtümer auf Erden kaufen kann.

In diesem Hause herrschte keine Liebe mehr, als mein Vater erst einmal gestorben war. Als er noch lebte, litt er gewaltig unter den dunklen Schatten seiner eigenen früheren Sünden. Ich bemühte mich, Sonnenschein und Glück in seine Welt zu bringen, doch Daphne und Gisselle waren wild entschlossen, das zu verhindern. Ihr Egoismus ließ mich schließlich an meinem Vorhaben scheitern. Jetzt sind sie beide froh darüber, daß ich fortgegangen bin. Daß ich mich im Netz meiner Leidenschaft verfangen habe, schwanger wurde und somit unter Beweis gestellt habe, was sie schon immer über mich behauptet hatten... daß ich eine nichtsnutzige Cajun bin. Beaus Familie hat ihn nach Europa geschickt, und Gisselle kann jedesmal kaum erwarten, mir in ihren Briefen von seinen Freundinnen und seinem luxuriösen und erfüllten Leben dort zu berichten.

Vielleicht sollte ich Paul heiraten. Nur seinen Eltern ist die Wahrheit über uns bekannt, und sie haben sie als ein tiefes, finsteres Geheimnis bewahrt. Alle alten Freundinnen meiner Grandmère Catherine glauben ohnehin, daß Pearl Pauls Kind ist. Sie hat sein braunes Haar mit den goldblonden Strähnen und die Augen von uns beiden: tiefblau. Ihre Haut ist so zart und hell, blaß und doch von einem matten Schimmer überzogen, der mich vom ersten Moment an an Perlen erinnerte.

Paul fleht mich bei jeder sich bietenden Gelegenheit an, ihn zu heiraten. Ich bringe es nicht über das Herz, ihn davon abzuhalten, da er schon immer zu mir gestanden hat. Er war da, als Pearl geboren wurde, und hat uns während des Orkans beschützt. Er bringt uns täglich Lebensmittel und Geschenke und verwendet jede freie Minute darauf, Dinge in meiner Hütte zu reparieren.

Wäre es eine sündige Verbindung, wenn wir sie nicht vollziehen? Die Ehe ist mehr als nur etwas, was die Sexualität legalisiert und sie als moralisch hinstellt. Menschen heiraten, um einander in anderen Formen als nur dieser einen zu lieben und zu ehren. Sie heiraten, um jemanden zu haben, der ihnen in schlechten Zeiten und im Krankheitsfalle beisteht, um einander bis in den Tod Gesellschaft zu leisten und sich gegenseitig zu beschützen. Und Paul wäre Pearl ein wunderbarer Vater. Er liebt sie so sehr, als sei sie tatsächlich sein eigenes Kind. Manchmal denke ich, er hält sie dafür, hält sie wirklich dafür.

Andererseits frage ich mich, ob es Paul gegenüber fair wäre, ihm das zu versagen, was jeder Mann von einer Frau erwartet und braucht. Er behauptet, er sei bereit, dieses Opfer zu bringen, weil er mich so sehr liebt. Unsere katholischen Geistlichen bringen für eine höhere Form der Liebe ein solches Opfer dar. Warum also sollte er es nicht tun können? Er hat mir sogar damit gedroht, Mönch zu werden, wenn ich ihn abweise.

O Grandmère, kannst du mir denn kein Zeichen geben? Du hast solche wunderbaren spirituellen Kräfte besessen, als du noch am Leben warst. Du hast böse Geister vertrieben, du hast kranke Menschen geheilt, ihnen Hoffnung eingeflößt und ihre Seelen aufstreben lassen. Wohin soll ich mich wenden, um Antworten zu finden?

Als nähme sie meinen inneren Aufruhr wahr, wird Pearl jetzt unruhig und beginnt zu weinen. Ich küsse ihre zarten Wangen und wie so oft, wenn ich in ihr süßes kleines Gesichtchen schaue, denke ich an Beau und an sein liebes Lächeln, seine warmen Augen, seine verführerischen Lippen. Bisher hat er seine eigene Tochter noch nicht gesehen. Ich frage mich, ob er sie jemals zu Gesicht bekommen wird.

Sie wird wieder ruhiger. Ihre Augen schließen sich, und sie verfällt in einen stillen Schlaf, vertrauensvoll, behaglich und ohne die Stürme von Sorgen wahrzunehmen, die um uns herum toben. Was hält das Schicksal für uns bereit?

Wäre doch all das bloß Jahre später passiert. Dann hätten Beau und ich geheiratet und besäßen ein wunderbares Haus im Garden District. Pearl wäre in einem Haus voller Liebe aufgewachsen, in einer Welt voller Reichtümer, wie die Scheinwelt unserer Träume. Wären wir doch bloß vorsichtiger gewesen und...

Jegliches Wenn und Aber, wird mir klar, ist bedeutungslos in einer realen Welt, in der Träume ohnehin oft zu Schatten verblassen. Jetzt hör schon auf, über vergossene Milch zu lamentieren, Ruby, sage ich mir.

Ich schaukele weiter und summe. Draußen verschwindet die Sonne vollständig, und ein dichtes, tiefes Dunkel fällt herab, in dem sich das Licht der Sterne nur in den Augen der Eule spiegelt. Ich stehe auf und lege Pearl in ihr Kinderbettchen, eine Wiege, die Paul ihr gekauft hat. Dann kehre ich ans Fenster zurück und schaue in die Nacht hinaus. Alligatoren gleiten an den Ufern des Wasserlaufs entlang. Ich kann hören, wie ihre Schwänze auf dem Wasser aufschlagen. Fledermäuse flattern durch das Louisianamoos und setzen zum Sturzflug an, um Insekten für ihr Abendessen zu fangen, und die Waschbären beginnen zu jaulen.

Wie einsam es doch in meiner Welt geworden ist, und dennoch habe ich mich bisher nie davor gefürchtet, allein zu sein, aber jetzt gibt es noch einen anderen Menschen, um den ich mir Sorgen machen und den ich beschützen muß: meine entzückende Pearl, die schläft und Babyträume träumt und darauf wartet, daß ihr Leben beginnt.

Es liegt an mir, dafür zu sorgen, daß es mit Sonnenschein und nicht mit Schatten anfängt, mit Hoffnung und nicht mit Furcht. Wie werde ich das anstellen? Die Antworten lauern in der Dunkelheit und warten nur darauf, entdeckt zu werden. Wer hat sie dort zurückgelassen, die guten oder die bösen Geister?

ERSTES BUCH

1.
Entscheidungen

Das Tuckern, mit dem Pauls Motorboot nahte, verärgerte ein Pärchen von Reihern, die arrogant über den dicken Ast einer Sumpfzypresse stolziert waren. Sie breiteten beide die Flügel aus und ließen sich von der Brise vom Golf her tiefer in die Sümpfe hineintragen. Auch Reisstärlinge flatterten mit den Flügeln und erhoben sich über das Wasser, um in den Marschen zu verschwinden.

Es war ein sehr warmer und schwüler Donnerstag nachmittag gegen Ende März. Pearl war äußerst wachsam und aktiv; sie wand und verrenkte sich, um sich aus meiner Umarmung zu lösen und auf die trockenen Grashügel zuzukriechen, in denen sich Bisamratten und Nutrias häuslich eingerichtet hatten. Ihr Haar war in diesem letzten Monat schneller gewachsen und reichte ihr bereits bis unter die Ohren und in den Nacken. Inzwischen war es eher blond als braun. Ich trug ein elfenbeinfarbenes Kleid mit rosa Rüschen auf dem Kragen und den Ärmeln. Sie trug die kleinen Stiefelchen, die ich ihr letzte Woche aus ungebleichter Baumwolle gewebt hatte.

Als Pauls Boot näher kam, blickte Pearl auf. Sie war zwar kaum mehr als acht Monate alt, doch so aufgeweckt und geistig entwickelt wie eine Einjährige. Sie liebte Paul und freute sich gewaltig über jeden seiner Besuche. Ihre Augen strahlten; sie schwenkte die kleinen Arme, winkte ihm zu und trat mit den Beinen um sich, damit sie sich von mir lösen und ihm entgegenkrabbeln konnte.

Pauls Boot kam um die Kurve, und er winkte, sowie er uns auf dem Anlegesteg stehen sah. Ich hatte endlich eingewilligt, uns von ihm abholen zu lassen, um uns sein elegantes neues Haus anzusehen, das kurz vor der Fertigstellung stand. Bisher hatte ich das vermieden, da ich fürchtete, sowie ich erst einmal einen Fuß in seine prachtvolle Villa setzte, würde ich in Versuchung geraten, Pauls Heiratsantrag anzunehmen.

Vielleicht nahm nur ich es so wahr, doch mir erschien es, als sei Paul seit meiner Rückkehr ins Bayou schlanker geworden und herangereift. In seinen blauen Augen zeigte sich von Zeit zu Zeit noch dieses knabenhafte Funkeln, aber die meiste Zeit war er jetzt ernst und nachdenklich. Seine geschäftlichen Verpflichtungen und die Aufsicht über den Bau seines Hauses verbanden sich mit seiner Sorge um Pearl und mich und hinterließen einen dunklen Schatten auf seinem Gesicht, der mir Sorgen bereitete, da ich fürchtete, nichts dagegen tun zu können. Natürlich gab er sich alle Mühe, mich davon zu überzeugen, daß ich mich irrte. Jedesmal, wenn ich eine derartige Andeutung fallenließ, lachte er und sagte: »Weißt du denn nicht, daß du den Sonnenschein wieder in mein Leben gebracht hast, als du ins Bayou zurückgekommen bist?«

In dem Moment, als er das Boot an den Anlegesteg steuerte, stand ein strahlendes Lächeln auf seinem Gesicht.

»Hallo. Rate mal, was passiert ist«, sagte er aufgeregt. »Die Kronleuchter sind gerade eben aufgehängt und angezündet worden. Warte nur, bis du sie siehst. Es ist ein richtiges Schauspiel. Ich habe sie aus Frankreich importieren lassen. Und der Pool ist mit Wasser gefüllt und in Betrieb genommen worden. Weißt du, daß die Buntglasscheiben in dem Fächerfenster im Palladio-Stil aus Spanien kommen? Ich habe ein Vermögen dafür bezahlt«, sagte er, ohne auch nur Atem zu holen.

»Hallo, Paul«, sagte ich lachend.

»Was? Oh, tut mir leid.« Er beugte sich vor, um mich auf die Wange zu küssen. »Ich schätze, ich mache etwas viel Wirbel um unser Haus, was?«

Ich schlug die Augen nieder. Ich konnte nicht verhindern, daß ich jedesmal Herzrasen bekam, wenn er von unserem Haus sprach.

»Paul...«

»Sag nichts«, sagte er eilig. »Du brauchst dich jetzt nicht zu entscheiden. Laß das Haus und das Grundstück einfach für sich selbst reden.«

Ich sah ihn kopfschüttelnd an. Würde er jemals ein Nein als Antwort akzeptieren? Ich stellte mir vor, selbst wenn er jemand anderen heiratete und hundert Jahre alt würde, würde er noch vor meiner Tür stehen und darauf warten, daß ich es mir anders überlegte.

Wir stiegen alle in sein Boot, und Paul ließ den Motor wieder an. Pearl lachte, als wir wendeten und Wassertropfen auf unsere Arme und in unsere Gesichter sprühten. Der Frühjahrsbeginn hatte die Alligatoren aus dem Winterschlaf erwachen lassen. Sie dösten auf den Böschungen und im seichten Wasser, und ihre schläfrigen Augen zeigten kaum Neugier, als wir an ihnen vorbeifuhren. Da und dort lösten sich Knäuel von grünen Schlangen und wanden sich dann wieder umeinander. Ochsenfrösche sprangen über Seerosenblätter, und Bisamratten suchten eilig Zuflucht im Schatten und in schmalen Öffnungen. Wenn der Frühling eintraf und entschlossen der Hitze des Sommers entgegenmarschierte, schien sich der Sumpf wie ein einziges gigantisches Tier zu strecken, zu gähnen und Gestalt anzunehmen.

»Nummer drei ist heute morgen regelrecht explodiert«, rief Paul über das Dröhnen des Motors hinweg. »Es sieht ganz so aus, als würden wir damit den vier- oder gar fünffachen Ertrag der ursprünglichen Schätzungen erzielen.«

»Das ist ja wunderbar, Paul.«

»Die Zukunft könnte nicht rosiger aussehen, Ruby. Wir könnten uns alles leisten, tun, was wir wollen, überall hingehen... Pearl würde wie eine echte Prinzessin aufwachsen.«

»Ich will nicht, daß eine Prinzessin aus ihr wird, Paul. Ich möchte, daß aus ihr eine anständige junge Dame wird, die das zu schätzen weiß, was wirklich wichtig ist«, sagte ich schroff. »Ich habe zu oft gesehen, wie Leute sich von ihrem eigenen Reichtum blenden lassen und dann glauben, daß sie glücklich sind.«

»So wird es uns nicht ergehen«, versicherte mir Paul.

Pauls Land mit dem Haus und den enormen Erträgen aus den Ölquellen lag südwestlich von meiner Hütte. Wir fuhren einen gewundenen Flußlauf entlang, der zeitweise so schmal war, daß wir die Arme ausstrecken und auf beiden Seiten des Bootes das Ufer berühren konnten. Wir durchquerten ein paar Tümpel mit Brackwasser und gerieten in ein vollständig neues Geflecht von Kanälen, ehe wir schnurstracks nach Süden zu seinem Anwesen fuhren. Ich war nicht mehr dort gewesen, seit ich das Bayou verlassen hatte und nach New Orleans gegangen war. Daher war ich überwältigt, als ich das Dach des riesigen Hauses sah, das vor uns über die Platanen und die Zypressen aufragte. Ich kam mir vor wie Alice, die in ihr eigenes persönliches Wunderland entführt wird.

Paul hatte bereits einen Anlegesteg bauen lassen, und vom Sumpf aus führte ein Kiesweg zum eigentlichen Anwesen. Ich sah die Lastwagen und Baufahrzeuge der Arbeiter, die immer noch hart zupackten, denn Paul hatte sie unter Zeitdruck gesetzt, um die Arbeiten zu beschleunigen. Er war bereit, jedem einzelnen den eineinhalbfachen Lohn zu zahlen, damit das Haus vor dem vereinbarten Termin fertiggestellt wurde. Im Osten konnten wir die Bohrtürme am Werk sehen.

»Ich wette, du hättest im Traum nicht geglaubt, daß der Cajun-Junge, der auf seinem kleinen Motorroller durch die Gegend gefahren ist, einmal all das besitzen wird«, sagte Paul stolz. Er hatte die Arme in die Hüften gestemmt, und sein Lächeln reichte von einem Ohr zum anderen. »Stell dir nur vor, was deine Grandmère Catherine dazu sagen würde.«

»Grandmère hätte es wahrscheinlich nicht anders erwartet«, erwiderte ich.

»Ja, wahrscheinlich«, sagte er und lachte. »Jedesmal, wenn sie mich angesehen hat, hatte ich das Gefühl, sie könnte nicht nur meine Gedanken lesen, sondern auch meine Träume erkennen.«

Er half Pearl und mir aus dem Boot.

»Ich trage sie«, bot er an. Pearl war von der Größe des Hauses geblendet, vor dem wir standen. »Ich würde es gern Cypress Woods nennen«, sagte er. »Was hältst du davon?«

»Ja, das ist ein wunderbarer Name. Es ist einfach umwerfend, Paul. Wie es einfach aus dem Nichts heraus entsteht... es ist die reinste Zauberei.«

Er strahlte vor Stolz.

»Ich habe dem Architekten gesagt, ich will ein Haus, das einem griechischen Tempel ähnelt. Dagegen nimmt sich die Villa der Dumas im Garden District wie ein Bungalow aus.«

»Ist es das, worum es dir gegangen ist, Paul ... das Haus meines Vaters in den Schatten zu stellen? Ich habe dir doch gesagt...«

»Nimm mich jetzt noch nicht ins Gebet, Ruby. Wozu habe ich das alles, wenn nicht, um dich damit zu erfreuen und zu beeindrucken?« fragte er. Sein Blick heftete sich starr auf mich.

»O Paul.« Ich schüttelte den Kopf und holte tief Luft. Was konnte ich bloß sagen, um seiner Begeisterung und seinen Träumen entgegenzuwirken?

Als wir uns dem Haus näherten, schien es vor unseren Augen immer größer zu werden. Die Galerie im oberen Stockwerk hatte ein rautenförmiges Eisengitter. Beidseits des Haupthauses hatte Paul Nebengebäude errichten lassen, die die vorherrschenden Elemente des Haupthauses wieder aufgriffen.

»Dort werden die Dienstboten ihre Unterkünfte haben«, hob er hervor. »Ich finde, so ist jeder mehr für sich. Die meisten Wände im Haus sind sechzig Zentimeter dick. Warte nur, bis du gesehen hast, wie kühl es drinnen ist, sogar ohne Ventilatoren und Klimaanlage.«

Eine kurze Schiefertreppe führte zum Portico und zur unteren Galerie. Wir gingen zwischen den hohen Säulen hindurch in die Eingangshalle, deren Boden mit spanischen Kacheln gefliest war. Der Raum war sichtlich dazu gedacht, jedem Besucher in dem Moment den Atem zu verschlagen, in dem er oder sie einen Fuß in das Haus setzte. Er war nicht nur riesig und lang, sondern auch noch so hoch, daß unsere Schritte darin hallten.

»Denk nur an all die wunderbaren Kunstwerke, die du an diese riesigen Wände hängen könntest, Ruby«, sagte Paul.

Wir kamen an einem geräumigen und eleganten Zimmer nach dem anderen vorbei, die alle von der Eingangshalle abgingen. Über uns hingen die Kronleuchter, von denen Paul so stolz geschwärmt hatte. Sie waren atemberaubend, und die tropfenförmigen Birnen sahen aus wie Diamanten, die auf uns herabregneten. Der geschwungene Treppenaufgang war doppelt so breit und weitaus kunstvoller angelegt als der im Hause der Dumas.

»Die Küche befindet sich am hinteren Ende des Hauses«, sagte Paul. »Ich habe sie mit sämtlichen modernsten Geräten ausstatten lassen. Jeder Koch, der dort arbeiten darf, wird sich wie im Himmel fühlen. Vielleicht kannst du herausfinden, wohin deine Nina Jackson gegangen ist, und sie dazu überreden, zu uns zu ziehen«, fügte er als weiteren Pluspunkt hinzu. Er wußte, wie sehr ich Nina gemocht hatte, die Köchin meines Vaters. Sie praktizierte Voodoo und hatte mich vom Tag meiner Ankunft in New Orleans an ins Herz geschlossen. Das heißt, nachdem sie zu der Überzeugung gelangt war, ich sei nicht eine Art Zombie, der nach Gisselles Vorbild erschaffen worden war.

»Ich glaube nicht, daß irgend etwas Nina aus New Orleans fortlocken könnte«, sagte ich.

»Das ist ein Jammer für sie«, erwiderte Paul unverzüglich. Er war überempfindlich, wenn es um die reichen Kreolen ging, und jeden Vergleich mit ihnen legte er als eine Kritik an unserer Cajun-Welt aus.

»Ich meinte damit nur, daß sie viel zu sehr an ihrer Voodoo-Welt hängt, Paul«, erklärte ich. Er nickte.

»Laß mich euch jetzt nach oben führen.«

Wir stiegen die Treppe hinauf und fanden vier geräumige Schlafzimmer vor, von denen jedes ein Ankleidezimmer und einen begehbaren Kleiderschrank hatte. Es gab zwei herrschaftliche Schlafzimmer, etwas, was Paul eindeutig im Hinblick auf seinen Heiratsantrag bestimmt hatte. Zwischen den beiden Zimmern gab es jedoch eine Verbindungstür.

»Nun?« Er wartete gespannt und sah mir forschend ins Gesicht.

»Es ist ein prachtvolles Haus, Paul.«

»Das Beste habe ich für den Schluß aufgehoben«, erwiderte er mit einem schelmischen Funkeln in den Augen. »Folgt mir«, sagte er und führte uns zu einer Tür, die auf eine Freitreppe hinausging. Sie befand sich hinter dem Haus; daher hatte ich sie zuvor nicht gesehen.

Die Treppe führte auf einen riesigen Dachboden mit handgeschnitzten tragenden Balken aus Zypressenholz. Der Raum hatte große Fenster, die einen Ausblick auf die Felder und die Wasserläufe boten, jedoch kein einziges Fenster zu der Seite hin, auf der sich die Bohrtürme befanden. Die großen Dachfenster machten den Raum hell und luftig.

»Weißt du, was das ist?« fragte er mit einem amüsierten Lächeln. »Das«, sagte er und breitete die Arme aus, »wird dein Atelier sein.«

Ich riß die Augen auf, denn die Möglichkeiten waren überwältigend.

»Wie du sehen kannst, habe ich darauf geachtet, daß du einen besonders schönen Ausblick von hier hast. Sieh mal, Ruby«, sagte er und trat an eines der Fenster. »Schau dir nur an, was du von hier aus malen könntest. Sieh auf die Welt hinaus, die wir lieben, eine Welt, die dich bestimmt dazu inspirieren könnte, dich deiner wunderbaren künstlerischen Begabung wieder zuzuwenden und Meisterwerke zu erschaffen, um deren Besitz sich deine reichen kreolischen Freunde reißen würden.«

Er stand am Fenster und hielt Pearl auf den Armen. Der Ausblick begeisterte und faszinierte sie. Unter uns hatten die Bauarbeiter mit den Aufräumarbeiten begonnen. Der Wind trug ihre Stimmen und ihr Gelächter zu uns herauf. In der Ferne wirkten die Wasserläufe, die sich durch die Sümpfe nach Houma und zu meiner Hütte schlängelten, unwirklich und spielzeughaft. Ich konnte sehen, wie die Vögel von einem Baum zum anderen flatterten, und zu meiner Rechten stelzte ein Austernfischer mit der Ausbeute seines Arbeitstages nach Hause zurück. Hier bot sich jedem Künstler ein Arsenal von Bildern und Ideen, aus denen er wählen und sie mit seiner oder ihrer eigenen Phantasie ausschmücken konnte.

»Könntest du hier nicht glücklich werden, Ruby?« fragte Paul mit bittendem Blick.

»Wer könnte hier nicht glücklich werden, Paul? Es ist unbeschreiblich schön. Aber du weißt, was mich zögern läßt«, sagte ich liebevoll.

»Und du weißt, daß ich all das gründlich durchdacht und eine Möglichkeit vorgeschlagen habe, wie wir beide zusammensein können, ohne uns zu versündigen. O Ruby, es ist doch nicht unsere Schuld, daß unsere Eltern uns mit diesem Makel erschaffen haben. Ich will doch nichts weiter, als für dich und Pearl zu sorgen, euch glücklich zu machen und euch für alle Zeiten Geborgenheit zu geben.«

»Aber was ist mit... Paul, es gibt einen Aspekt des Lebens, um den du dich damit brächtest«, rief ich ihm ins Gedächtnis zurück. »Du bist ein Mann, ein gutaussehender, viriler junger Mann.«

»Ich bin dazu bereit«, sagte er eilig.

Ich schlug die Augen nieder. Ich mußte meine wahren Gefühle gestehen.

»Ich weiß nicht, ob ich dazu bereit bin, Paul. Du weißt, daß ich verliebt gewesen bin, leidenschaftlich verliebt. Und du weißt, daß ich die Ekstase erlebt habe, die damit einhergeht, jemanden zu berühren, den man liebt und der einen wiederliebt..

»Ich weiß«, sagte er betrübt. »Aber ich verlange nicht von dir, daß du auf diese Ekstase verzichtest.«

Ich blickte abrupt auf. »Wie meinst du das?«

»Laß uns einen Pakt schließen, daß wir einander nicht im Weg stehen werden, falls einer von uns beiden jemanden findet, mit dem wir diese Ekstase erleben können, selbst dann nicht, wenn es heißt... daß wir uns trennen müssen.

Bis dahin, Ruby, solltest du deine Leidenschaft wieder in deine Kunst einfließen lassen. Ich werde meine ganz in meine Arbeit und in den Ehrgeiz stecken, den ich für uns alle habe. Laß mich dir das geben, was davon abgesehen die perfekteste aller Welten wäre. Eine Welt, in der du weißt, daß du geliebt wirst; eine Welt, in der Pearl Geborgenheit und Luxus haben wird und nicht die Qualen erleiden muß, die wir in so vielen Familien gesehen haben, die als normal gelten«, bat er mich.

Pearl schaute zu mir auf, als schlösse sie sich seiner Bitte an, und ihre Saphiraugen waren liebevoll und sanft.

»Paul, ich weiß es einfach nicht.«

»Wir können einander in den Armen halten. Wir können einander wärmen. Wir können füreinander sorgen... für alle Zeiten. Du hast mehr Tragödien und Elend erlebt, als jemand in deinem Alter hätte durchmachen sollen. Daher bist du deinem tatsächlichen Alter um viele Jahre voraus. Laß Weisheit an die Stelle der Leidenschaft treten. Laß Treue, Hingabe und reine Güte die Grundlage unseres Lebens sein. Gemeinsam werden wir unser eigenes, ganz besonderes Kloster erschaffen.«

Ich sah ihm in die Augen und fühlte, wie aufrichtig er es meinte. Es war alles so überwältigend: seine Hingabe, dieses wunderbare Haus, die Versprechen eines sicheren und glücklichen Lebens, nachdem ich all das Elend durchgemacht hatte, von dem er gesprochen hatte.

»Was ist mit deinen Eltern, Paul?« fragte ich und spürte, daß ich kurz vor einem Ja stand.

»Was soll mit ihnen sein?« sagte er mit scharfer Stimme. »Sie haben mich mit einer Lüge aufwachsen lassen. Mein Vater wird meine Entscheidung akzeptieren, und wenn nicht... na und? Ich besitze jetzt mein eigenes Vermögen«, fügte er hinzu, und seine Augen wurden schmaler und verfinsterten sich.

Ich schüttelte verwirrt den Kopf. Ich erinnerte mich noch an Grandmère Catherines strenge Warnung, man dürfe einen Cajun-Mann nicht seiner Familie abspenstig machen. Paul schien meine Gedanken zu lesen. Er wurde freundlicher.

»Sieh mal, ich werde mit meinem Vater reden und ihm verständlich machen, warum das für uns beide eine gute Lösung ist. Wenn er erst einmal einsieht, wie gut wir es meinen, dann wird er es verstehen.«

Ich biß mir auf die Unterlippe und schüttelte den Kopf.

»Sag nicht ja, aber sag auch nicht nein«, sagte er eilig. »Sag, daß du es dir noch eine Zeitlang überlegen wirst, daß du dir ernsthafte Gedanken darüber machen wirst. Ich werde dich nicht in Ruhe lassen, Ruby Dumas, solange du nicht Ruby Tate wirst«, sagte er. Dann drehte er sich um, weil er Pearl den Ausblick zeigen wollte.

Ich trat zurück und sah die beiden an. Er wäre ein wundervoller Vater, sagte ich mir wieder einmal. Vielleicht war es an der Zeit, ausschließlich um Pearls willen zu einer Entscheidung zu gelangen und nicht um meiner selbst willen.

Ich schaute mich in dem Raum um, der mir ein prachtvolles Studio sein würde, und ich malte mir aus, wo ich meine Tische und Regale aufstellen würde. Als ich mich wieder umwandte, sahen er und Pearl mich beide an.

»Du sagst doch nicht etwa endlich ja?« fragte er, als er meinen Gesichtsausdruck sah.

Ich nickte, und er bedeckte Pearls Gesicht mit Küssen, bis sie nur noch kicherte.

Die Dämmerung hatte sich über das Bayou herabgesenkt, als wir uns auf den Rückweg zu meinem Haus machten. Das Louisianamoos, mit dem die Zypressen und die Kletterpflanzen behangen waren, wirkte jetzt weich und zart. Wir fuhren durch die Schatten, die Trauerweiden auf das Wasser warfen, und das gleichmäßige Gleiten des Boots wiegte Pearl in den Schlaf. Es ist wunderschön hier, sagte ich mir. Hier gehörten wir her. Und wenn das bedeutete, mit Paul zusammenzuleben und uns an unser ungewöhnliches Abkommen zu halten, dann war es vielleicht das, was das Schicksal für mich und Pearl bereithielt.

»Ich muß zum Abendessen zu Hause sein«, sagte Paul, nachdem wir den Anlegesteg erreicht hatten und er uns aus dem Boot geholfen hatte. »Onkel John, der Bruder meiner Mutter, ist aus Clearwater, Florida, zu Besuch gekommen, und ich habe es versprochen«, sagte er zu seiner Entschuldigung.

»Das ist schon in Ordnung. Ich bin müde und möchte heute abend selbst früh schlafen gehen.«

»Ich komme morgen früh vorbei, sobald es geht. Heute abend werde ich meinem Vater von unserem Entschluß berichten, falls es mir gelingt, ihn eine Stunde lang für mich allein zu haben«, fügte er nachdrücklich hinzu. Mein Herz begann zu flattern. Es war schön und gut, über all das zu reden, aber es war etwas ganz anderes, tatsächlich die Weichen zu stellen, durch die wir Mann und Frau würden.

»Ich hoffe, es ist die richtige Entscheidung, Paul«, sagte ich.

»Natürlich ist es richtig so. Hör auf, dir Sorgen zu machen. Wir werden sehr glücklich werden«, versprach er und beugte sich vor, um mich auf die Wange zu küssen. »Und außerdem ist Gott uns ein bißchen Glück und Erfolg schuldig«, fügte er mit einem Lächeln hinzu.

Ich winkte zum Abschied, als er in seinem Boot losfuhr. Nachdem ich Pearl gefüttert und schlafen gelegt hatte, aß ich ein kleines Gumbo, las im Schein der Butangaslampe, legte mich dann selbst schlafen und betete um die Weisheit, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Jeder Morgen begann für mich jetzt so wie damals, als ich noch mit Grandmère Catherine hier gelebt hatte. Nachdem ich die Decken, Körbe und Palmwedelhüte ins Freie getragen hatte, die ich auf dem Dachboden gewebt und geflochten hatte, setzte ich Pearl in ihrer Tragetasche in den Schatten neben dem Straßenstand und machte mich an eine Handarbeit, um mir die Zeit zu vertreiben und auf Touristen zu warten. Es war ein ruhiger Vormittag, doch fast ein halbes Dutzend Wagen hielt an, und um die Mittagszeit hatte ich die meisten meiner Decken und Körbe verkauft. Nur wenige Kunden aßen mein Gumbo, und dann senkte sich der lange, stille und heiße Nachmittag auf das Bayou herab. Als die Insekten begannen, Pearl zu belästigen, beschloß ich, es sei an der Zeit, mir eine Pause zu gönnen, und ich brachte sie in die Hütte zurück, damit sie ihren Mittagsschlaf hielt. Ich hatte damit gerechnet, daß Paul zum Mittagessen kommen würde, doch er tat es nicht, und auch im Laufe des frühen Nachmittags ließ er sich nicht blicken.

Ich machte mir eine kühle Limonade und setzte mich auf die Galerie vor dem Haus, um über die Vergangenheit nachzudenken. Der letzte Brief von meiner Zwillingsschwester Gisselle befand sich zusammengeknüllt in meiner Jackentasche. Sie besuchte ein schickes privates College in New Orleans. Der Beschreibung nach schien es eher ein Ort zu sein, an dem man verzogene reiche junge Leute absetzte, und weniger eine Institution, die höhere Bildung vermittelte. Nach allem, was sie schrieb, ließen ihre Lehrer es ihr durchgehen, wenn sie ihre Texte nicht las, ihre Hausaufgaben nicht machte und im Unterricht nicht aufpaßte. Sie prahlte sogar damit, wie oft sie Schulstunden schwänzte, ohne auch nur dafür getadelt zu werden.