
• Praktische Hinweise zur Gestaltung kleiner Gärten – von Wegen und Sitzplätzen über Zäune, Hecken und Beetbepflanzung bis hin zum Gartenhaus
• Ausführlicher Arbeitskalender zu allen anfallenden Gartenarbeiten rund ums Jahr
• Detaillierte Informationen zu Sorten, Auswahl, Kultur und Pflege von Zier- und Nutzpflanzen, die sich optimal für Schrebergärten eignen
© Komet Verlag GmbH, Köln
Autor: Peter Himmelhuber
Gesamtherstellung: Komet Verlag GmbH, Köln
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-8155-8605-1
www.komet-verlag.de
Anlegen, pflegen und genießen

Grüne Inseln
Namensgeber Dr. Schreber
Mustergültige Anlagen
Ökologischer Nutzen
Nutzungsmöglichkeiten
Gemüse- und Obstanbau
Zierpflanzen
Erholung
Auswahl, Bewerbung, Pacht
Der Weg zum Schrebergarten
Gestaltungselemente und Einrichtung
Gartenhaus
Terrassen und Wege
Hecken und Zäune
Kräuterschnecke
Hochbeet
Beeteinfassung
Gärtnern unter Glas und Folie
Teiche, Brunnen, Schöpfbecken
Spielmöglichkeiten für Kinder
Ein Jahr im Schrebergarten
Das Gartenjahr im Überblick
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Schrebergarten in der Praxis
Obst
Gemüse
Kräuter
Zierpflanzen
Rasen und Wiese
Umwelt und Technik
Naturschutz im Schrebergarten
Gartenpflege mit Augenmaß
Gartengeräte
Solarenergie
Register
• Namensgeber Dr. Schreber
• Mustergültige Anlagen
• Ökologischer Nutzen
• Nutzungsmöglichkeiten
• Gemüse- und Obstanbau
• Zierpflanzen
• Erholung

Wer seine Freizeit vorzugsweise an der frischen Luft verbringt und gern gärtnert, findet auf dem eigenen Grund und Boden ein ideales Betätigungsfeld. Den meisten Bewohnern insbesondere von städtischen Mietshäusern steht jedoch kein eigener Garten zur Verfügung. Trotzdem haben vor allem auch Familien die Möglichkeit, in sogenannten Schrebergartensiedlungen an ein kleines Grundstück zu kommen.
Der Name dieser Kleingartenanlagen geht auf den Arzt Daniel Gottlob Moritz Schreber zurück, der zwar nicht der Erfinder dieser Art Gärten ist, jedoch ehrenhalber als Namensgeber gewählt wurde. Die Gründung der ersten gemeinnützigen Freiräume ist vielmehr auf den Schuldirektor Ernst Innozenz Hauschild zurückzuführen. Unter Mitwirkung der Eltern von Schulkindern entstanden in Leipzig zunächst einfache Spielplätze in freier Natur, wo die Kinder unter Anleitung turnen und spielen konnten. Daraus entwickelten sich mit der Zeit die heute noch typischen Gemeinschaftsanlagen mit Häuschen, Obstbäumen, Gemüsebeeten und Blumenrabatten, die unter Obhut eines Vereins bewirtschaftet und genutzt werden.

Natürlich war dies nicht die einzige Keimzelle für gemeinschaftliche Gartensiedlungen. Kleingärten wurden seit Beginn des 19. Jahrhunderts auch andernorts gegründet, zum Beispiel auf Initiative wohlgesinnter Landesherren oder Industrieller, die ihren Mitarbeitern Freiräume zur Erholung und für den Nutzpflanzenanbau bieten wollten.
Als eine Art Vorläufer kann man das soziale Engagement des Unternehmers Jakob Fugger bezeichnen, der die Fuggerei, eine Wohnsiedlung mit Gärten, für arme Augsburger Bürger stiftete.
Selbstverständlich sind Kleingärten nicht auf die Bundesrepublik Deutschland beschränkt. Die Idee der Gründung von „Arbeitergärten“, heute als „Familiengärten“ bezeichnet, hat auch in Frankreich zur Verbreitung vergleichbarer Vereinigungen geführt. In Österreich beispielsweise sind die Pächter unter dem „Zentralverband der Kleingärtner und Siedler Österreichs“ zusammengeschlossen.
Entsprechende Zusammenschlüsse gibt es in vielen europäischen Ländern, darüber hinaus auch in Japan, den USA und Kanada.
Wer gezielt nach Schrebergärten sucht, wird in nahezu jeder Stadt fündig. Meistens liegen die Siedlungen am Stadtrand, manchmal blühen und fruchten sie auch mittendrin – insbesondere alte Anlagen, die im Zuge der Stadtentwicklung „eingewachsen“ sind. Auskünfte über schöne Gartensiedlungen sind zumeist über die zuständigen Ämter der Stadtverwaltungen erhältlich. Auf Stadtplänen oder Übersichten im Internet sind sie durch die kleinteiligen Parzellen ebenfalls leicht zu erkennen. Oft werden neue Kleingärten im Zuge einer Landes- oder Bundesgartenschau erschlossen. Diese Neuanlagen sind außerordentlich sehenswert, da sie für das öffentliche Publikum besonders schön gestaltet werden.

Allerdings haben auch alte Anlagen ihren Charme. Entscheidend ist die Jahreszeit. Vom Frühjahr bis zum Herbst bieten die Siedlungen zahllose reizvolle Ansichten: beginnend mit der Blüte der Zwiebelpflanzen im zeitigen Frühjahr und der Obstbäume im Mai über den Rosenflor im Juni und die Pracht der Sommerblumen während der Hauptsaison bis hin zur Fruchtfülle und Herbstfärbung zur Erntezeit. Dazu bieten die meisten Gärten in dieser Zeit eine breite Palette der verschiedensten Gemüsearrangements.

Diese Anlage wurde im Zuge der Landesgartenschau in Neumarkt in der Oberpfalz geschaffen.
Die Parzellen selbst sind in der Regel nicht zugänglich, der Durchgang auf den Hauptwegen aber ist in vielen Anlagen erlaubt. Mancherorts gibt es in den Siedlungen auch eine öffentlich zugängliche Gastwirtschaft mit Biergarten. Hier kann man erste Eindrücke sammeln und sich am Aushang über die jeweils geltenden Regeln informieren.
Zum Abschätzen der Lage in einer Anlage kann ein Rundgang hilfreich sein, besonders vor dem Abschluss eines Pachtvertrages. Beim Blick über den Zaun ist rasch zu sehen, ob die Vorgaben mit den persönlichen Vorstellungen übereinstimmen. Ein ökologisch gesinnter Naturfreund wird sich kaum in einer Siedlung einquartieren, in der gepflegte Rasenflächen dominieren. Er findet seine Heimat sicher besser in einer anderen Anlage, in der naturnahes Gärtnern zur Grundidee gehört.
Mittlerweile gibt es durchaus unterschiedliche Schrebergartensiedlungen. Gelegentlich werden sogar Mustergärten oder Schauanlagen angelegt und für Besucher geöffnet, zum Beispiel im Zuge einer Landesgartenschau. Im Übrigen ist der Kleingarten kein Erwerbsbetrieb, sondern eher ein Experimentierfeld, wo auch Versuche mit ungewöhnlichen Anbaumethoden, neuen Pflanzenzüchtungen und dergleichen möglich sind.
Eine mustergültige, unter Leitung der TU Weihenstephan entstandene Schrebergartenkolonie befindet sich beispielsweise in Regensburg in der Wolfersteiner Straße. Die Anlage ist auf öffentlichen Wegen begehbar und verfügt über spezielle Demonstrationsgärten, die einzelnen Parzellen sind privat und nicht allgemein zugänglich.

In Neuanlagen sind oft noch freie Parzellen zu finden.
Das Grundkonzept für die Siedlung sieht naturnahes Gärtnern vor, dementsprechend vielfältig und üppig sieht die Anlage aus. Die Parzellen sind von wellig getrimmten Wildstrauchhecken umringt. Die dazu gehörenden Holzhäuser haben Dachbegrünung und teilweise angebaute Wintergärten, die als Sonnenfallen konzipiert wurden. Weiterhin prägen Steingärten, Natursteinhaufen, Wildwiesen und Teiche die Kleingartenlandschaft.
Aufgelockert werden die Parzellen durch eine Obstwiese. Die blühenden Bäume sollen auch den Bienen der dazugehörigen Imkerei Nektar spenden. Diese wiederum sind nicht nur wichtig für die Befruchtung der Obstbäume in der Anlage selbst, sondern auch für die in den anliegenden Wohngärten.
Neben einem Gemeinschaftshaus und etwa 25 Parzellen für private Pächter gibt es auch einen Seniorengarten und einen Garten, der von der Jugendorganisation Bund Naturschutz (JBN) betreut wird. Die mittlerweile etwa zwanzig Jahre alte Siedlung ist gut eingewachsen. Natürlich hat sich eine Eigendynamik entwickelt, die ein wenig vom ursprünglichen Konzept abweicht. Im Wesentlichen wurden die Richtlinien aber eingehalten. Für die benachbarte Wohnsiedlung wirkt die Kleingartenanlage zusätzlich als eine Art Lärmpuffer zur angrenzenden Autobahn.
In der „Kleingartenanlage Wolfersteinerstraße“ in Regensburg wurde eine gute Idee in die Praxis umgesetzt. Hier stehen in einem eigenen sogenannten Seniorengarten kleine Parzellen für eine geringe Jahrespacht zur Verfügung. Interessenten können in der Gemeinschaftsanlage eine Gartenecke oder auch ein Hügelbeet für den Anbau eigener Gemüse, Kräuter und Blumen für eine bestimmte Zeit erwerben. Dazu gehört ebenfalls eine Pflanzfläche in einem vorhandenen Gewächshaus.

Wer Freude am Gärtnern hat, kann den Pachtvertrag beliebig verlängern. Gestaltet sich die Aufgabe als zu mühselig oder zu verbindlich, kann der Pachtvertrag wieder aufgelöst werden.
Anders als beim Kauf oder Besitz eines eigenen Grundstücks hat der befristete Erwerb keine nachhaltigen Folgen, etwa durch die Suche nach einem Käufer, da die Parzelle nach der Aufgabe einem Nachfolger übergeben wird. Für gepachtete Parzellen gibt es in der Regel verbindliche Gartenordnungen, dennoch kann im Seniorengarten die Anbaufläche nach den besonderen Bedürfnissen der älteren Gartenfreunde umgestaltet werden. So ist der Bau von Tischbeeten und Plattenwegen für Rollstuhlfahrer oder die Installation von Bewässerungssystemen zur Pflegeerleichterung machbar, aber auch die Einrichtung von Trimmgeräten für tägliche Sportübungen.
In derselben Siedlung hat der Bund Naturschutz einen Garten gepachtet, der für die Jugendarbeit genutzt wird. Hier lernen Kinder und Jugendliche unter Anleitung von Fachleuten das Gärtnern. Der Garten hat neben einem Gartenhaus mit Gewächshaus Hochbeete, einen Teich, eine Trockenmauer, eine Obstwiese und vieles mehr zu bieten. Interessierte können ihn jede Woche am Tag der offenen Tür besichtigen.
Die typischen Kleingärten mit Häuschen, Gemüsebeeten und Obstbäumen gehören zum Bild jeder größeren Stadt. Oft prägen diese Anlagen ganze Siedlungen oder sie liegen streckenweise an Bahnlinien. Auch wenn sie für die Öffentlichkeit nicht oder nur in einigen Bereichen zugänglich sind, haben die grünen Inseln ihren Wert, denn sie verbessern unter anderem das Kleinklima. Beim Blick auf einen Stadtplan oder mittels Luftbild wird deutlich, wie die Siedlungen wirksam sind. Häufig liegen sie zwischen Autobahnen, Eisenbahnlinien oder Industriegebieten und Wohngegenden. Hier bilden sie mit ihren unzähligen Bäumen und Sträuchern einen Puffer, der Staub filtert und Lärm lindert und laden die anliegenden Bewohner zu Spaziergängen ein. Weiterhin bieten die kleinteiligen und vielfältigen Gärten Singvögeln und anderen Tieren wertvolle Lebensräume.
Die Fruchterträge sind zwar vom Schnitt und anderen Pflegearbeiten abhängig, stärker wirken sich jedoch günstige Bestäubungsverhältnisse auf die Menge an Früchten aus. So tragen neben anderen Insekten vor allem die Bienen zur Befruchtung bei.
Insbesondere sind selbstunfruchtbare Obstgehölze wie Apfel, Birne und Süßkirsche vom Blütenstaub anderer passender Befruchtersorten abhängig. Einzelne Bäume dieses Typs fruchten nicht (oder nur selten). Es lohnt sich deshalb, stets mehrere verschiedene Sorten einer Obstart in den Garten zu pflanzen. Natürlich können auch Bäume in Nachbargärten als Pollenspender dienen, da sich Mischpflanzungen gegenseitig günstig auswirken.
Damit die Bienen nur kurze Strecken zurücklegen müssen, sind geringe Abstände zwischen den Obstgehölzen von Vorteil. In Schrebergärten sind die Bestäubungsbedingungen deshalb optimal. Die Obstgehölze bestäuben sich gegenseitig und verbessern zudem die Erträge in den Gärten der Umgebung. Auch bei selbstfruchtbaren Arten, wie Quitte, Johannisbeere, Aprikose, Pfirsich oder Weinrebe, die als Einzelexemplare fruchten, wirkt sich ein dichter Bestand verschiedener Sorten von einer Art vorteilhaft auf die Erträge aus. In vielen Kleingartensiedlungen gibt es Imkereien oder Bienenstöcke. Das fördert die Bestäubung in den Parzellen und in den Gärten der Umgebung zusätzlich. Bei Windblütlern wie Hasel, Walnussbaum oder Esskastanie tragen Bienen nur wenig zur Bestäubung bei. Diese Obstgehölze sind zur Blütezeit auf eine günstige Luftströmung angewiesen. Auch bei diesen Gehölzen wirkt sich der dichte Bestand in der Siedlung förderlich auf die Befruchtung aus.

Nicht zuletzt bieten die Gärten ihren Pächtern Freiräume zur Erholung und zur Nutzpflanzengewinnung. Natürlich haben sich die Umstände geändert. So dienen die Kleingärten heute weniger zur Produktion von großen Mengen Kartoffeln und anderen Nahrungsmitteln, sondern mehr zur Freizeitgestaltung unter freiem Himmel. Selbstverständlich kommt dabei auch der Gemüse- und Obstanbau nicht zu kurz.
Nützliche Tiere, wie Bienen, Igel oder Singvögel, die zur Bestäubung wichtig sind oder Schädlinge dezimieren, finden in naturnahen Schrebergärten vielerorts Nisthilfen und Nahrung. Sie siedeln sich in Nistkästen oder anderen artgerechten Nisthilfen an, die ihnen von den Gartenpächtern zur Verfügung gestellt werden.

Nisthilfen für Insekten fördern die Ansiedlung von Wildbienen und anderen Nützlingen.
Meisen, Rotschwänzchen und andere heimische Vögel bleiben ihren Lebensräumen treu und auch Zugvögel wie Stare und Schwalben kommen immer wieder, wenn die Nisthilfen günstig platziert sind. Stare brauchen Kästen auf hohen Bäumen oder Stangen, Schwalben bauen ihre Nester unter den Dächern hoher Häuser, wie beispielsweise am Gemeinschaftshaus. Der Nutzen dieser Tiere ist zwar nicht sichtbar, aber durch ihren Gesang sind sie stets willkommen. Natürlich wirkt sich die Ansiedlung von Nützlingen auch auf die Umgebung aus, zumal sich die Tiere nicht auf die Gartenparzellen beschränken.
Die Nutzungsmöglichkeiten eines Kleingartens sind auf die Parzelle beschränkt und unterliegen bestimmten Vorschriften – nicht nur denen des dazugehörigen Vereins, sondern auch den jeweils gültigen gesetzlichen Regelungen. Wer also ein Stück Land uneingeschränkt nutzen oder ohne besonderen Zweck haben möchte, sollte besser auf einen Pachtvertrag verzichten. Immerhin handelt es sich um ein gemietetes Grundstück in einer Gartengemeinschaft, die eine gewisse Anpassung fordert.
Diese Gemeinschaften können sich ganz wesentlich unterscheiden. Während beispielweise in einer Anlage am Ort recht freies ökologisches Gärtnern erwünscht ist, können in einer anderen Siedlung am selben Ort strenge Pflegevorschriften gelten. Es lohnt sich also, zunächst einen Blick über den Zaun zu werfen oder besser noch ein Gespräch mit einem Siedler oder dem Vorstand der Schrebergartensiedlung zu suchen. Als Pächter für eine Parzelle kommen vor allem Familien in Frage. An Einzelpersonen wird eher selten verpachtet, es sei denn, es gibt nur eine geringe Nachfrage nach freien Gärten. Auch dazu weiß der betreffende Gartenverein oder das zuständige städtische Amt mehr.

Für die Anlage und Gestaltung einer Parzelle sind die Auswahlmöglichkeiten im Allgemeinen begrenzt, zumal sie recht ähnlich bemessen sind. Die Lage ist ohnehin vorgegeben. Dazu kommt, dass die Grundstücke meistens schon bebaut und bepflanzt sind oder ein detaillierter offizieller Plan vorliegt. Änderungen oder Abweichungen sind kaum möglich, auch dürfen die direkten Nachbarn nicht beeinträchtigt werden. Das bedeutet, wer ein vorhandenes freies Grundstück pachten möchte, muss die Lage, die Grenze, das Gebäude, die Bepflanzung und vieles mehr akzeptieren. Nur bei Neuanlagen ist gelegentlich ein Mitspracherecht hinsichtlich der Gestaltung möglich. Aber auch hier gilt das Wort der federführenden Planer mehr. Immerhin werden die Anlagen größtenteils mit öffentlichen Mitteln finanziert. Die geringen Pachtpreise tragen nur ganz unwesentlich zur Erhaltung bei.
Dennoch gibt es innerhalb der engen Grundstücksgrenzen und Rahmenbedingungen noch Spielräume für eigene Ideen und Projekte. So ist die Einrichtung des Schrebergartenhäuschens eine individuelle Angelegenheit. Gleiches gilt auch für die Aufteilung und Bepflanzung der Gartenfläche, etwa mit Obst und Gemüse – sofern nicht schon Bäume vorhanden sind. Weiterhin lassen sich Sitzplätze, Grill, Terrasse, Wasserstellen, Spielgeräte für Kinder und andere Gestaltungselemente weitgehend nach eigenen Vorstellungen einrichten. Und schließlich darf der Sinn dieser besonderen Gärten nicht vergessen werden: Sie sollen weder als Wertanlagen noch als Gestaltungsobjekte dienen, sondern als Betätigungsfelder und Erholungsräume in Nachbarschaft mit anderen Gartenfreunden.
Auch wenn der Raum zur Selbstentfaltung im Schrebergarten begrenzt ist, gibt es doch noch reichlich Möglichkeiten zur Nutzung – auch für Individualisten. Wichtig ist, dass für die Nutzung ausreichend Zeit eingeplant wird. Ein eigener Garten ist eine Langzeitaufgabe, deren Erfolg oft erst nach Wochen oder Monaten abzusehen ist. Wer sich nicht regelmäßig mit dem Garten beschäftigen kann, wird mit der Pflege bald kaum noch nachkommen.

Vor Aussaat und Pflanzung steht die Lockerung der Beete an.
Dennoch darf diese Warnung nicht zu ernst genommen werden. Der Mensch ist ja nicht für den Garten da, sondern der Garten für den Menschen. Es ist also ratsam, zunächst klein anzufangen und das Nötigste, wie Gras mähen, Unkraut jäten, Hecke schneiden, Gießen und dergleichen zu bewerkstelligen. Sobald abzusehen ist, dass das Gärtnern Freude macht und die ganze Familie mit der Planung und Nutzung einverstanden ist, kann immer noch hier ein neues Gemüsebeet, dort eine weitere Blumenrabatte und vieles mehr dazu kommen.
Die Nutzungsmöglichkeiten sind je nach Kleingartenanlage genau festgelegt, deshalb lohnt es sich, schon vor dem Pachten einen Blick auf die Vorschriften zu werfen. So kann die Tierhaltung verboten oder eingeschränkt sein. Auch wird man in den meisten Fällen keine Zustimmung bekommen, wenn man die Wochenenden in seiner Laube verbringen möchte: Die Gartenhäuschen sind normalerweise nicht als Nachtquartiere vorgesehen.
Selbstgezogenes Obst und Gemüse aus dem Schrebergarten ist gesund und immer erntefrisch zu haben. Zudem ist der Anbau seltener Arten möglich, die kaum im Handel zu bekommen sind. So gibt es beispielsweise neben alten Apfelsorten auch Quitten oder Mispeln, die sonst nur selten angeboten werden, oder besondere Gemüse wie Artischocken, Auberginen oder Cocktailtomaten.
Ein weiterer Vorteil der Selbstversorgung besteht darin, dass die Früchte im besten Zustand geerntet werden können. Sie reifen ungespritzt und ohne Kunstdünger im eigenen beziehungsweise gepachteten Garten und sind bei Bedarf in der benötigten Menge frisch für die Ernte bereit.

Natürlich ist dazu der Anbau eines entsprechend vielfältigen Sortiments nötig, damit vom Spätwinter mit den ersten Salaten bis zum Spätherbst mit den letzten Wintergemüsen immer etwas reift. Das Angebot lässt sich durch die Obst- und Gemüselagerung erweitern.
Auch mittels Konservierung im Gefrierschrank oder in Gläsern bleibt die Fülle an Früchten, Gemüsen und Kräutern länger erhalten. Handelsware ist oft nicht ganz ausgereift oder schon überreif, da sich hier die Wirtschaftlichkeit wesentlich auf die Vermarktung auswirkt.
Obstgewächse und Gemüse sind aber nicht nur eine Gaumenfreude, sondern können auch eine Augenweide sein. Ein Apfelbaum ist gewiss genau so schön wie ein typisches Ziergehölz. Er blüht im Frühjahr, trägt saftig grünes Laub und bringt dann im Herbst noch dazu leuchtend rote Früchte hervor. Aber auch Tomaten, Paprika, Artischocken, Auberginen oder Salate sind schön und nützlich. Einen Wert als Nutzpflanzen haben ebenso einjährige Schlinger. Feuerbohnen, die sowohl in Kübeln als auch in Gartenbeeten gedeihen, lassen sich beliebig auf Spaliere, Schnüre oder Gerüste lenken. Hier blühen und fruchten sie dann reich und zuverlässig. Ähnlich sind Kürbisse einsetzbar. Sie bringen im Sommer große gelbe Blüten hervor, aus denen im Herbst riesige Früchte wachsen.

Je nach Art und Größe hat nur eine begrenzte Auswahl an Nutzpflanzen im Garten Platz. Besonders bei Gehölzen muss gezielt ausgewählt werden. Allerdings sind auch Erziehungsformen möglich, die wenig Platz brauchen, zum Beispiel Spaliere am Haus oder auch freistehende Spaliere, die zur Unterteilung der Fläche oder als grüne Gartengrenzen dienen.
Als kleine Obstgehölze kommen vorzugsweise Spindelbuschbäume oder neuerdings sogenannte Ballerinas in Frage. Sie lassen sich sogar in Kübeln kultivieren und jederzeit auf- oder umstellen. Genauso wertvoll sind aber auch fruchtende Klettergehölze, wie Weinreben oder Kiwis. Als kleine Hausbäume in kleinen Gärten kommen von Natur aus schwachwachsende Arten in Frage, so etwa Sauerkirsch-, Aprikosen- oder Pfirsichbäume. Wo genug Platz ist, können auch große Gehölze wie Apfel-, Birnen- oder Süßkirschen-Hochstämme eingesetzt werden.
Recht wirkungsvoll lassen sich Obststräucher in Hecken pflanzen. So sieht beispielsweise eine Wildobsthecke aus Kornelkirschen, Haseln, Schlehen, Holunder und anderen Arten gut aus und trägt ohne besondere Pflege regelmäßig reichlich Früchte. Selbstverständlich müssen die Grenzabstände eingehalten werden. Vielleicht haben aber auch die Nachbarn Freude an einer solchen Grundstücksgrenze. Meistens ist bei der Übernahme einer eingewachsenen Gartenparzelle schon ein Obstgehölzbestand vorhanden, sodass nur geringe Nachpflanzungen nötig oder möglich sind.
Weniger üppig als bei Gehölzen und Gemüsen ist die Auswahl bei nützlichen krautigen Blütenpflanzen. Immerhin nehmen die Stauden und Sommerblumen einen großen Teil der Gartenfläche ein und tragen besonders zum Schmuck der Gärten bei. Dennoch gibt es auch hier eine Reihe von Alternativen im Nutzpflanzensortiment, vor allem, wenn ausdauernde Kräuter wie Lavendel, Salbei, Rosmarin und dergleichen aufgenommen werden. Auch eignen sich auch viele Gemüse als Schmuckpflanzen in Rabatten und Beeten, so etwa der Rhabarber, der ein sehr auffälliges Blattwerk und prächtige Blüten entwickelt oder die Schwarzwurzel, die leuchtend gelbe Blüten hervorbringt. Auch die Topinambur oder Erdbirne (Helianthus tuberosus) bildet Horste, die durchaus mit denen anderer Blütenstauden vergleichbar sind. Was viele nicht wissen: Die Blüten der Schwarzwurzel und der Topinambur duften nach Schokolade! Das Sortiment bietet eine Auswahl an schönen und nützlichen Einjährigen. Die Kapuzinerkresse gehört dazu, die einjährige Sonnenblume und der Zuckermais.

Spaliere machen Raum sparende Erziehungsformen möglich. Zudem geben sie Sichtschutz.
Anders als Obstgehölze, die langfristig eingeplant und richtig gepflanzt werden müssen, bekommen Gemüse jedes Jahr neue Beete – einige Langzeitkulturen wie Spargel oder Topinambur ausgenommen. Der Gemüseanbau macht dementsprechend ständig wechselnde Arrangements möglich. Er macht aber auch mehr Arbeit als der Obstanbau. Gemüse lässt sich schon auf kleinen Flächen kultivieren. Es lohnt sich, zunächst mit wenigen „einfachen“ Arten zu beginnen und die Freude am Gärtnern zu erproben. Wenn die wenigen Tomaten, Paprika, Radieschen und dergleichen gut gedeihen und die ständige Pflege nicht zur Last wird, können immer noch weitere Flächen dazu gewonnen und bepflanzt werden.
Günstige Kombinationen sind stets zu beachten. Mischkulturen und der Fruchtwechsel bewahren vor einseitiger Auszehrung und vermindern den Schädlingsbefall. Zur Gesunderhaltung tragen auch spezielle Pflanzen bei, die mit eingesät werden. So vertreiben beispielsweise Tagetes schädliche Wurzelnematoden, Kapuzinerkresse wehrt Blattläuse ab und Knoblauch schützt vor Pilzkrankheiten. Diese sogenannten Gesundungspflanzen lockern die strengen Gemüsereihen auf. Kräuter dürfen hier in eigenen Beeten keinesfalls fehlen. Zu empfehlen sind mehrjährige Arten, wie Salbei, Thymian, Pfefferminze und dergleichen, die jährlich aufs Neue treiben.

Ein Folientunnel verlängert die Erntezeit. Außerdem schützt er vor kaltem Wind und Regen.
Strenge Unterteilungen in bestimmte Gartentypen sind kaum machbar und auch nicht nötig. Kräuter im Rosenbeet sind sowohl schön als auch nützlich. Das gilt genauso für Buschtomaten in der Sommerblumenrabatte oder umgekehrt für Rosenstämmchen im Gemüsegarten sowie für viele andere Pflanzenkombinationen. Dennoch lassen sich durch den Einsatz bestimmter Blütenpflanzen besondere Akzente setzen.
Wer die Wahl hat, hat die Qual – das gilt besonders auch bei der Gartengestaltung. Das Sortiment an Gehölzen, Stauden und Sommerblumen ist unüberschaubar. Bei einem Rundgang durch eine Baumschule oder ein großes Gartencenter wird deutlich, dass nur wenige der angebotenen Pflanzen für den eigenen Garten in Frage kommen. Immerhin sind in Europa weit mehr als 2000 Arten und davon wiederum unzählige Sorten in Kultur. So können Sie beispielsweise zwischen mehr als vierzig verschiedenen Ahorn-Arten in jeweils etlichen Züchtungen wählen. Vom Spitzahorn etwa gibt es rotblättrige, gelbblättrige oder auch kleinkronige Sorten. Dieses Beispiel lässt sich auf fast alle Pflanzenarten übertragen. Wohl am größten ist das Angebot an Rosenarten und -sorten.

Selbstverständlich können nur ganz wenige Gehölze in den Garten aufgenommen werden, zumal meistens schon ein Bestand vorhanden ist. Die Wünsche sind also gut zu überlegen und zu realisieren, und zwar langfristig gesehen. Bäume und Sträucher sind normalerweise Anschaffungen fürs Leben. Änderungen oder Umpflanzungen sollten von vorn herein vermieden werden.
Weitaus mehr Auswahl gewähren die kleineren Pflanzen. Edelrosen und Blütenstauden brauchen weit weniger Platz als Bäume und Sträucher. Sie sind auch weniger langlebig, sodass Änderungen durchaus möglich werden und sogar nötig sind. Edelrosen, die zwar auch zu den Gehölzen zählen, aber besondere Eigenschaften haben, bleiben gewöhnlich nur wenige Jahre am selben Ort vital. Sie müssen früher oder später, wenn sich Krankheiten breit machen, durch neue Pflanzen ersetzt werden. Dann ist auch ein Ortswechsel nötig. Grundsätzlich gedeihen diese wunderbaren Gartenpflanzen nur an vollsonnigen Plätzen auf tiefgründigem und nährstoffreichem Boden.
