
Matthias Jacob Schleiden
Die Rose
Geschichte und Symbolik in ethnographischer
und kulturhistorischer Bedeutung
Schleiden, Matthias Jacob: Die Rose. Geschichte und Symbolik in ethnographischer und kulturhistorischer Bedeutung
Hamburg, SEVERUS Verlag 2015
Der Text folgt der Originalausgabe von 1873
ISBN:978-3-95801-975-1
SEVERUS Verlag, Hamburg, 2015
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DIE ROSE
Geschichte und Symbolik
in ethnographischer und kulturhistorischer Bedeutung
M. J. SCHLEIDEN
Inhalt
„Vorwort“
„1 – Einleitung und Urzeit der Rose“
„2 – Das Altertum und naiver Genuß“
„3 – Römische Kaiserzeit und Christentum“
„4 – Die Rose bei den Germanen“
„5 – Das Morgenland“
„6 – Die Neuzeit“
Nur ein Versuch! – Nicht nur aus dem allgemeinen Grunde, den Platen angibt, wenn er sagt: „Auch das Beste, was wir bilden, ist ein ewiger Versuch“, sondern vielmehr aus dem ganz besonderen Grunde, weil ich etwas versuchte, was vor mir noch Niemand versucht hat. Dieser erste Versuch bedarf daher gar sehr der Nachsicht. Er wird Fehler und Mangel haben, und dankbar werde ich jedem sein, der mich auf dieselben aufmerksam macht, mich in den Stand setzt, die ersten zu verbessern, die anderen zu ergänzen. Ich habe mich auch hier bemüht, meine Muttersprache möglichst rein und klar zu schreiben. Von Geistreichigkeit, diesem von unseren westlichen Nachbarn erborgten Flitterlappen, halte ich nichts. Gewöhnlich dient sie nur dazu, die Sprache ebenso sehr wie den Inhalt zu verderben. Noch vor einiger Zeit las ich in einem wissenschaftlichen Aufsatz einer unserer besseren Zeitungen die Phrase: „sich hinaus begeben in die Kantische Kategorie des absoluten Raumes“. Nun, damit begeben wir uns, könnte man parodierend sagen, in die Kategorie des absoluten Unsinns. Im ganzen Kant kommt weder ein absoluter Raum, noch eine Kategorie des Raumes vor. Zeit und Raum sind nach Kant „Formen der reinen Anschauung“ und gehören in die transzendentale Ästhetik, die Kategorien sind „reine Verstandesbegriffe“ und gehören in die transzendentale Logik. Was bezweckt solche Phrasendrescherei anders, als den unkundigen Lesern zu imponieren und ihnen weiß zu machen, man stehe aus der höchsten Stufe der Wissenschaftlichkeit, während doch der Kundige darin nur den Beweis lächerlicher Unwissenheit sieht. Möge ein gütiger Gott uns doch auch von dieser Pariser Modekrankheit befreien. Möchten die Deutschen Ehrgefühl genug haben, diese Torheiten den Alexander Dumas‘ und Victor Hugo‘s allein zu überlassen. – Im Nachweis meiner Quellen bin ich möglichst gewissenhaft gewesen. Die Arbeit selbst gab mir oft genug Gelegenheit zu erkennen, wie wichtig das ist und wie oft ein bloßer Name etwas vertreten soll, was dem Träger desselben nie eingefallen ist, zu sagen. – Noch einige Worte möchte ich zum Titelblatt sagen. Dass die Rose liegt, könnte auffallen und eine Erklärung herausfordern, die doch nur einfach darin besteht, dass die Künstlerin die Rose gerade ebenso fand, wie sie gemalt ist. Es ließe sich aber auch noch eine doppelte Bedeutung hineinlegen. Die Centifolie charakterisiert sich dadurch, dass ihre Blume anmutig das Haupt neigt, während die gallische Rose ihre Nase hoch trägt. Und dann könnte man auch symbolisch deuten: die Rose, die uns noch heute erfreut, ruht auf dem bemoosten Felsen der Vergangenheit. Am besten wäre freilich, man deutelte gar nicht, sondern freute sich an der schönen Blume und käme dadurch in die Stimmung, das Büchlein mit Liebe aufzunehmen, wie ich wahrlich mit Liebe daran gearbeitet habe.
Darmstadt, im November l872
Dr. M. J. Schleiden