
Vorwort zur Neuauflage
Als dieses Buch im Juni 1998 zum ersten Mal erschien, wurde es recht schnell ein kleiner Bestseller. Dass es kein wirklich großer wurde, lag an der überwiegenden Mehrheit der Medien, die es entweder bewusst nicht beachteten oder es aus diversen Gründen verrissen. Was ihre Motive dabei waren, ist im Epilog dieses Buches nachzulesen.
Obwohl die meisten Medien so taten, als sei das Buch nicht wirklich seriös, haben sie sich doch fast alle bei ihm bedient, manche mit, die meisten ohne Nennung der Quelle. Ende des Jahres 2000 und zu Beginn von 2001 erlebte »Wir sind die Wahnsinnigen« dennoch eine kleine Renaissance. Es begann damit, dass im November 2000 der Chefreporter des Berliner Tagesspiegels Jürgen Schreiber eigene Recherchen zur Vergangenheit Joschka Fischers veröffentlichte. Schreiber erklärte, der damalige Außenminister einer rot-grünen Regierung habe jahrelang »von einer Art Schweigekartell der Medien« profitiert, und führte weiter aus: »Erst der Autor Christian Schmidt durchbrach 1998 das Beschreibungstabu gegenüber Fischers ›Gang‹ in dem Buch ›Wir sind die Wahnsinnigen‹.« (Vgl. auch den Anhang dieses Buches).
Anfang Januar 2001 legte dann Bettina Röhl, Journalistin und Tochter Ulrike Meinhofs, mehrere Fotos und einen Film vor, auf denen Joschka Fischer eindeutig als Angehöriger einer Gruppe identifiziert wurde, die im April 1973 am Rande einer Demonstration einen Polizisten zusammengeschlagen hatte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt holten viele Journalisten die Lektüre von »Wir sind die Wahnsinnigen« nach, um sich mit dem nunmehr zweieinhalb Jahre alten Buch auf den Stand der historischen Fakten zu bringen. Anschließend verfassten sie ihre Artikel. Zutreffend schrieb Wolfgang Büscher in der Welt: »Im Grunde aber beruht alles, was jetzt über Joschkas Vergangenheit in den Zeitungen steht, auf Schmidts frecher Fischer-Biografie von 1998.«
Etwa zur selben Zeit deckte sich auch nahezu die ganze CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit Exemplaren von »Wir sind die Wahnsinnigen« ein, um am 17. Januar 2001 dem damaligen Außenminister in einer aktuellen Stunde im Bundestag peinliche Fragen zu seiner Vergangenheit zu stellen. Dabei wurde ausführlich aus dem Buch zitiert. Weil man aber offensichtlich den Inhalt kaum verstanden hatte, stellten sich die Konservativen bei ihrem Verhör so ungeschickt an, dass es für Fischer ein Leichtes war, den Fragen auszuweichen. Trotz des blamablen Ausgangs konnten sich damals einige Rechte nicht verkneifen, Fischer spektakulär zum Rücktritt aufzufordern.
Wie man weiß, ist Fischer nicht zurückgetreten, sondern hat zusammen mit Gerhard Schröder Deutschland noch knapp fünf weitere Jahre regiert. Damit konnte die rot-grüne Bundesregierung nahezu ungestört eine Politik durchsetzen, wie ich sie bereits im Januar 1999 prognostiziert hatte. Damals schrieb ich, dass »die Regierung Schröder/Fischer nach kurzer Schonfrist zu einer Politik des Sozialabbaus übergehen wird, wie man sie wohl in diesem Land noch nicht erlebt hat.« (siehe Epilog.) Dieser radikale neoliberale Umbau der deutschen Nachkriegsgesellschaft ist mit den Hartz-Reformen und der Umsetzung der Agenda 2010 wahr geworden.
Die Details dazu kann ich mir sparen. Inzwischen werden genug Leute die Folgen dieser Umverteilung von unten nach oben am eigenen Leib erfahren haben. Und seit es im Zuge der Weltfinanzkrise praktisch über Nacht wieder Mode geworden ist, den Kapitalismus irgendwie nicht gut zu finden, verliert selbst die deutsche Presse ein paar kritische Worte über diese Episode der Geschichte.
Als Joschka Fischer im November 2005 sein Amt an Frank-Walter Steinmeier abgeben musste, war von dieser Kritik noch nicht viel zu hören und zu lesen. Auch deshalb war Fischer während seiner ganzen Amtszeit der beliebteste Politiker der Deutschen. Weil er jedoch ohne einen höheren Posten keinerlei Lust auf Politik mehr verspürte, gab er am 1. September 2006 auch sein Bundestagsmandat zurück. Seitdem ist die politische Karriere Joschka Fischers beendet. Stattdessen kümmert sich der Mann nun darum, vom niedrigen Spitzensteuersatz, den er einst mitbeschlossen hatte, zu profitieren und möglichst große Summen Geld zu verdienen.
Dazu nutzt er wie selbstverständlich seine internationalen politischen Kontakte, die er als Außenminister geknüpft hat. Seit 2006 fungiert Fischer als Senior Strategic Counsel der Albright Stonebridge Group (die bei Fischers Beitritt noch den Namen Albright Group LLC trug), einer globalen Consulting Firma der ehemaligen US-Außenministerin Madeleine Albright und des vormaligen nationalen Sicherheitsberater Bill Clintons, Samuel Berger. Mit Albright – so wird es in der Presse kolportiert – verbindet Fischer seit dem Kosovo-Krieg eine innige Freundschaft. Wer einmal zusammen hat Bomben werfen lassen, versteht sich offenbar besonders gut.
Um noch mehr vom Beratungskuchen abzubekommen, gründete Fischer 2009 zusammen mit dem vormaligen Pressesprecher der grünen Bundestagsfraktion Dietmar Huber seine eigene Consultingfirma. Und um unmissverständlich klarzustellen, welches Produkt vermarktet werden sollte, wurde sie so genannt, wie eigentlich alle Unternehmungen hätten heißen müssen, an denen dieser Mann beteiligt war: Joschka Fischer & Company. Zugleich demonstrierte Fischer mit der Auswahl seines Personals, dass er »rigoros mit allem gebrochen [hat], was nur im Entferntesten nach Ökopaxe und Basisdemokratie riecht« (Wirtschaftswoche). So ist außer Huber nur noch einer mit von der Partie, der zuvor einmal für die Grünen gearbeitet hatte: Markus Kamrad, ehemaliger stellvertretender Sprecher der grünen Bundestagsfraktion und des schwarz-grünen Senats in Hamburg.
Von den übrigen Angestellten war ein Teil zuvor für den Spitzenverband der Deutschen Industrie unterwegs oder – wie es auf der Homepage von Fischers Firma sibyllinisch heißt – »für ein DAX-Unternehmen«. Ein Subalterner ist Reserveoffizier der Bundeswehr und hatte u.a. als »strategischer Berater im Hauptquartier der KFOR im Kosovo« gewirkt; eine weitere Mitarbeiterin war – man achte auf die seltsame Definition einer amerikanischen Regierungsbehörde – »als Beraterin für internationale Organisationen und NGOs wie dem US-Außenministerium und der Heinrich Böll Stiftung tätig.« Sonderlich überraschend ist diese Personalauswahl nicht. Fischers Gangs, Clans oder wie auch immer man die Gruppen bezeichnen will, mit denen sich der große Zampano umgab, existierten immer nur, solange sie dem Boss bei seinem Aufstieg nützlich waren. Anschließend wurden sie durch Leute ersetzt, die ihm vorzeigbarer schienen.
Global arbeitet Fischer jedoch weiter »im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit der Albright Stonebridge Group zusammen« (Homepage). In Deutschland kann seine Firma jetzt aber auch auf eigene Rechnung Verträge schließen. So heuerte der Ex-Außenminister 2009 als Berater bei BMW an und 2010 bei der Einzelhandelskette Rewe. Einen Job für Siemens teilt sich Fischer wiederum mit Albright. Beide Firmen wurden u.a. von dem Konzern beauftragt, die – man staunt dann doch ein wenig – »Entwicklung auch der Megacitys in China zu analysieren«.
Den Vertrag mit dem Energiekonzern RWE hat Fischer sogar höchstpersönlich abgeschlossen, sodass sein Mitgesellschafter und die Angestellten nicht an seinem Honorar partizipieren. Dem Stromgiganten soll Fischer dabei helfen, das Erdgaspipeline-Projekt Nabucco zu realisieren. Das Entgelt dafür, so schätzte ein Ex-RWE-Manager gegenüber der Wirtschaftswoche, dürfte »eine Million im Jahr nicht wesentlich unterschreiten«. Im selben Artikel aus dem Februar 2011 staunte übrigens der Autor nicht schlecht über die Bandbreite der Firmen, denen der ehemalige grüne Außenminister jetzt zu Diensten ist: »RWE, der Braunkohleverstromer, CO2-Luftverpester und Atomkraftwerk-Riese; Siemens, über Jahre eines der korruptesten deutschen Unternehmen; BMW, bis vor Kurzem noch Synonym für PS ohne Grenzen.« Das hatte man offenbar selbst bei der mit allen Wassern gewaschenen Wirtschaftswoche nicht für möglich gehalten.
Doch eigentlich ist alles so wie immer: Prinzipiell prinzipienlos nimmt Fischer jeden Job, den er kriegen kann. Und weil er halt einmal Karriere bei den Grünen gemacht hat, redet er für seine Auftraggeber jetzt irgendetwas von »Nachhaltigkeit« oder von »eine[r] strategische[n] Orientierung, die letztendlich auf ökologischer Glaubwürdigkeit gründen muss«. Diese Phraseologie ist alles, was bei Fischer von den einst beschworenen grünen Essentials hängen geblieben ist. Ansonsten ist da noch seine millionenschwere Villa im Berliner Ortsteil Grunewald, die den einst grünsten Minister des Planeten wenigstens noch ganz diffus an etwas Grünes bindet.
Diese Entwicklung kann jedoch nur noch den überraschen, der sich noch nie mit Fischers Lebenslauf beschäftigt hat. Doch obwohl seit »Wir sind die Wahnsinnigen« unendlich viele Fischerportraits und diverse weitere Fischerbiografien erschienen sind – darunter im Jahr 2007 das empfehlenswerte Buch »Meine Jahre mit Joschka« von dem bereits erwähnten Jürgen Schreiber –, scheint das Unwissen über Fischers Vergangenheit wieder zuzunehmen. Um diesem wenigstens ein bisschen entgegenzuwirken, erscheint »Wir sind die Wahnsinnigen« jetzt, fünfzehn Jahre nach der ersten und rund zwölf Jahre nach der letzten Auflage, wieder. Ein weiterer Grund ist, dass auch ich Joschka Fischer zum dreißigsten Jahrestag seines Einzugs in den Bundestag (6. März 1983) sowie seinem fünfundsechzigsten Geburtstag (12. April 1948) ein kleines Geschenk machen möchte.
Da aber nichts grundlegend Neues in Fischers Leben passiert ist, sehe ich keinen Grund, diese neue Ausgabe um eine detailliertere Darstellung von Fischers Aktivitäten der letzten Jahren zu ergänzen. Genauso wenig ist es wohl nötig, den bisherigen Inhalt zu überarbeiten. Offenbar fehlt seit dem Frühjahr 2001 nahezu sämtlichen deutschen Journalisten der Wille, weiter die ungeklärten Abschnitte in Fischers Vergangenheit zu recherchieren. Das heißt: Seit den erwähnten Enthüllungen von Bettina Roehl vor nunmehr rund zwölf Jahren, ist kaum etwas ans Tageslicht gekommen, was mich dazu zwingen würde, Kapitel in diesem Buch umzuschreiben oder Fakten zu korrigieren. Meiner Überzeugung nach bleibt »Wir sind die Wahnsinnigen« trotz der seitdem erschienenen sieben Fischer-Biografien das aktuellste und vor allem faktenreichste Fischer-Buch.
Wenn ich mich allerdings heute hinsetzen würde, um dieses Buch zum ersten Mal zu schreiben, würde ich wohl einige Schlussfolgerungen anders formulieren. Wahrscheinlich würde ich mich auch hin und wieder um eine entspanntere Ausdrucksweise bemühen. Das mag daran liegen, dass inzwischen nicht nur das Buch fünfzehn Jahre älter geworden ist, sondern auch ich.
Da es aber unverändert erscheint, ist »Wir sind die Wahnsinnigen« nunmehr nicht mehr nur ein Buch über die Geschichte Joschka Fischers, der Frankfurter Spontis und der Grünen, sondern auch ein Dokument der Zeit, in der es erschienen ist – und damit leider auch meiner eigenen Naivität. Zumindest Teilen von »Wir sind die Wahnsinnigen« ist sicher meine heimliche Hoffnung anzumerken, durch die Veröffentlichung dieser geballten Ladung Fakten möge sich doch etwas am Lauf der Geschichte ändern. Tatsächlich kam mir beim Schreiben immer wieder der Gedanke, dass die Grünen nach der Lektüre des Buchs gar nicht mehr anders könnten, als sich von der neoliberalen Orientierung Fischers und seinem Kriegskurs abzuwenden.
Das war natürlich der bare Unsinn. Joschka Fischer ist so etwas wie der Idealtypus derjenigen Achtundsechziger, die nach dem Ende der Revolte Karriere gemacht haben. Deshalb schrieb ich bereits 1998: Die Wähler der Grünen »erkennen sich und ihren gesellschaftlichen Aufstieg, ihre Anpassung an die ›Realitäten‹ in den Biographien der Fischers, Koenigs oder auch Trittins wieder; mit einem grünen Wahlkreuzchen stimmen sie nicht lediglich für diese, sondern auch sich selbst zu. Sie alle sind Angehörige eines neuen, gutsituierten Mittelstandes, die schon längst keine Veränderung der Verhältnisse mehr wollen, weil die ihnen, so wie sie sind, angenehm sind.« (siehe Kapitel »Alle Macht den Drogen«.) Diese Sätze gelten natürlich nicht nur für die Wähler, sondern so ähnlich auch für die Mitglieder der Partei und ihre Funktionäre. So ist mir heute durchaus klar, dass, wenn es Joschka Fischer nicht gegeben hätte, irgendein anderer bei den Grünen das erledigt hätte, was Fischer tat. Andernfalls hätten sich die Grünen wahrscheinlich ihrer eigenen, verbürgerlichten Basis entfremdet und wären heute einfach nicht mehr da.
Ein weiteres Dokument meiner Naivität ist sicher auch die am Ende dieses Buches erstmals abgedruckte Erklärung, die ich im Februar 2001 auf einer Lesung in Frankfurt am Main vorgelesen habe. Der Text stellt einen Zusammenhang her zwischen den Enthüllungen zu Fischers militanter Vergangenheit und dem von ihm mitgeführten Jugoslawienkrieg. So wollte ich zeigen, dass Fischers Politik inzwischen sogar Menschenleben kostete. Damals glaubte ich tatsächlich, mit diesem Appell wenigstens zwei oder drei Alt-Spontis von der Notwendigkeit überzeugen zu können, endlich das Schweigen über Fischers Vergangenheit zu brechen.
Natürlich hat auch das nicht geklappt. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sich die ehemalige Frankfurter Sponti-Szene bis heute an einen untereinander vereinbarten Schweigepakt hält, da kann Joschka Fischer veranstalten, was er will. Für ihr Schweigen haben die Alt-Spontis Tausend Gründe, die niemand mit moralischen oder gar linken Appellen entkräften kann. Betrachtet man allerdings heute diese nur noch durch Treueversicherungen aneinander gebundenen Leute und vergleicht sie mit denen, die sie einst waren, fällt es einem schwer, nicht zu dem Schluss zu gelangen, dass es sich bei der Rebellion der westdeutschen studentischen Jugend der Jahre 1968ff. um einen der lächerlichsten Versuche in der Geschichte gehandelt hat, sich selbst und natürlich gleich auch den ganzen Rest der Menschheit aus dem Elend zu befreien. Zumindest ist selten eine Generation so großmäulig gestartet und stand am Ende so duckmäuserisch da.
Auch deshalb interessieren mich im Zusammenhang mit dem 68er-Nachfolgeprojekt Bündnis 90/Die Grünen und Joschka Fischer eigentlich nur noch wenige Fragen. Eine lautet: Weshalb sind sowohl diese Partei als auch der Mann nach wie vor auch bei Angehörigen der nachgewachsenen Generationen so beliebt? Was die Grünen angeht, beweisen das die anhaltend guten Wahlergebnisse auch in diesen Alterskohorten. Bei Fischer zeigte sich das zum Beispiel bei den Vorlesungen, die er im Frühjahr 2010 an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität hielt und die allesamt überlaufen waren. Und selbst die dröge, fast zweieinhalbstündige Fischer-Dokumentation »Joschka und Herr Fischer« von Pepe Danquart aus dem Jahr 2011 hielt sich ganze neun Wochen in den deutschen Kinocharts, obwohl sie von der Presse nahezu einhellig verrissen wurde (»unreflektierter Umgang mit seinem Gegenstand«; Süddeutsche Zeitung).
Diese ungebrochene Beliebtheit speziell Fischers ist für mich auch deshalb ein großes Rätsel, weil ich – das gebe ich gerne zu – angesichts der langsam nun doch anschwellenden kritischen Fischerbetrachtungen etwas anderes erwartet hatte. Vielleicht liegt es an der extremen Haltungslosigkeit dieses Mannes, die es jedem erlaubt, sich selbst in ihn hineinzuprojizieren? Oder sollte der Grund sein, dass Fischer nahezu perfekt die Person zu verkörpern scheint, die heutzutage fast jeder sein will: ein unglaublich individueller Rebell, der zugleich gesellschaftlich bewundert wird und obendrein noch ganz nebenbei sehr viel Geld verdient. Das ist tatsächlich eine Frage, die zu untersuchen vielleicht reizvoll wäre, aber sicher nicht für mich.
Interessant ist auch, ob es Joschka Fischer tatsächlich gelingen wird, die zahlreichen Geheimnisse, die sich um seine Existenz als militanter Linksradikaler in den Siebzigerjahren ranken, bis ans Ende seiner Tage zu bewahren. Oder schaffen es doch irgendwann wirklich investigative Journalisten, diese Fakten aus Fischers Leben nachzutragen? Besonders zuversichtlich bin ich nicht. Ich lasse mich aber immer gerne überraschen.
Peking, im März 2013
Christian Y. Schmidt
Vorwort
Zugegeben: Mir sind Joschka Fischer und seine politischen Freunde nicht gerade sympathisch. Das wird man bei der Lektüre dieses Buches unschwer feststellen. Und doch gab es Zeiten, in denen ich andere Gefühle hegte – nicht zuletzt deshalb, weil es zwischen den Porträtierten und mir selbst einige biographische Parallelen gibt. Auch ich besetzte in den siebziger Jahren Häuser, kämpfte in meiner Heimatstadt Bielefeld tapfer gegen die Stadtsanierung und bewegte mich in einer politischen Szene, deren Protagonisten Joschka und Co. nicht unähnlich waren. Was mich aber von den letzteren unterschied, war mein Alter. Bei meiner ersten Hausbesetzung war ich fünfzehn, ein eher einfältiger und durchschnittlich begeisterter Mitläufer, der den Bielefelder Joschkas jedes entschlossene revolutionäre Wort gerne glaubte.
Als 1980 die Grünen gegründet wurden, war ich schon skeptischer. Was mich an der Partei hauptsächlich schreckte, war das schlabberige Ökogehabe und unfrohe Weltuntergangsgemähre ihrer Mitglieder. Schon deshalb wäre ich nie in diese Partei eingetreten. Doch so belustigend ich Habitus und Outfit der Grün-Alternativen auch fand, so teilte ich doch die meisten ihrer politischen Forderungen und Ziele. Und natürlich gefiel es mir, als nach den Bundestagswahlen 1983 ein gewisser Joschka Fischer mit geschliffenen Parlamentsreden die Abgeordneten der »Altparteien« provozierte. Auch als derselbe Mann 1985 hessischer Umweltminister wurde, hatte ich im Gegensatz zur Mehrheit der grünen Parteimitglieder nichts dagegen. Einen Versuch, so dachte ich, sei eine grüne Regierungsbeteiligung doch allemal wert.
Im Frühjahr 1989 zog ich nach Frankfurt am Main. Hier las ich erstmals die von Fischers Mitstreiter Daniel Cohn-Bendit herausgegebene Stadtzeitung Pflasterstrand. Es war keine sehr angenehme Lektüre. Nicht nur der das Blatt prägende Lifestyle-Journalismus, oft gepaart mit einer wirren politischen Propaganda (z.B. in Cohn-Bendits Kolumne »C’est la vie«), ging mir auf die Nerven. Vor allem fiel mir auf, daß die Stadt, die in diesem Magazin beschrieben wurde, wenig bis gar nichts mit der zu tun hatte, in der ich lebte.
Gerade weil diese Leute unaufhörlich das Wort »Realpolitik« im Munde führten, fand ich das verdächtig und begann, mich intensiver mit dieser seltsamen Szene zu beschäftigen. Für dieses Buch begann ich 1996, in Bibliotheken und Archiven zunächst nach schriftlichen Zeugnissen diverser Frankfurter Szenegrößen zu forschen. Wenig später traf ich bei meiner Recherche jedoch auf unerwartete Schwierigkeiten: Ich wollte mich mit Leuten unterhalten, von denen ich wußte, daß sie wie Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit und andere in den siebziger Jahren zur linksradikalen Szene Frankfurts gehört hatten. Es war zwar nicht gerade eine Mauer des Schweigens, auf die ich traf: Doch nachdem ich am Telefon gleich zu Anfang erklärt hatte, daß ich nicht beabsichtigte, eine Jubelbiographie zu schreiben, waren einige von ihnen an einem Gesprächstermin mit mir nicht mehr interessiert. Es dauerte einige Zeit, bis mir klarwurde, weshalb.
Denn ich fand dann doch ein paar Leute, die mir Details gerade aus Joschka Fischers politischer Vergangenheit erzählten, die ihm heute sicher unangenehm sein dürften. Einiges davon hatten sie, wie sie sagten, lange Zeit für sich behalten, wollten es aber angesichts der politischen Entwicklung, die Fischer mittlerweile genommen habe, nicht länger verschweigen.
Jene, die nicht mit mir reden wollten, hatten gleichfalls gute Gründe. Denn die Mitglieder der ehemaligen linksradikalen Szene Frankfurts sind bis heute eng miteinander verflochten, und zwar in einem wesentlich höheren Maße als in anderen deutschen Großstädten. Das liegt daran, daß die linke Bewegung in Frankfurt bei weitem nicht so zersplittert war wie anderswo, aber wohl auch an dem simplen Umstand, daß Frankfurt im Gegensatz zu anderen alten linken Hochburgen wie Berlin oder Hamburg relativ klein und überschaubar ist. Wie in einem Dorf kennt in diesem Milieu jeder jeden, zum Teil seit dreißig Jahren – und man ist sich um so näher, je enger man politisch oder gar qua Posten in jenes Netz um Joschka Fischer und seine Parteifreunde eingebunden ist, von dem in diesem Buch noch ausführlich die Rede sein wird. Da hält man zumal einem Fremden gegenüber lieber die Klappe.
Ich habe lange überlegt, ob ich bestimmte Fakten aus Fischers revolutionärer Vergangenheit hier präsentieren soll. Ist es nicht heute allzu sehr en vogue, mit Ideologie und militanten Aktionsformen der Achtundsechziger abzurechnen? Ist diese Abrechnung nicht auch ziemlich billig, gerade jetzt, da offensichtlich ist, wie naiv vieles von dem war, was die Führer der sich bis spät in die siebziger Jahre fortsetzenden Revolte dachten und taten? Und halte ich nicht vieles von den einstigen Widerstandsformen auch heute noch in bestimmten Situationen für angebracht, zumindest jedoch für verständlich? Sollte man also nicht wenigstens hier und da ein kleines Mäntelchen des Schweigens über das breiten, was Joschka Fischer heute selbst als dumme Jugendsünden begreift?
Es war Fischer selbst, der meine Bedenken ausräumte: Ich las ein Interview, das der damalige hessische Umweltminister 1992 dem Spiegel gegeben hatte: »Man erkläre mir bitte«, sagte Fischer hier, »warum die Inoffiziellen Stasi-Mitarbeiter gejagt werden, während Egon Krenz unbehelligt spazierengehen darf. Warum soll niemand bestraft, warum sollen alle bloßgestellt werden? Pranger statt Strafprozeß, weil eine friedliche Revolution sich nicht getraut hinzulangen.« Nicht daß ich Egon Krenz oder andere DDR-Größen zu meinen Freunden zählte: Aber wer sich so staatstragend wie Fischer über die politische Vergangenheit eines Gegners erhebt, der schon längst geschlagen ist, wer so vehement und nur, weil es gerade opportun ist, dessen Bestrafung fordert, ja insgeheim sogar wünscht, man hätte mit ihm kurzen Prozeß gemacht: der fordert geradezu dazu auf, daß auch bei ihm selber einmal »hingelangt« und Licht in seine staatsabträgliche Vergangenheit gebracht wird.
In Anbetracht der geschilderten Frankfurter Verhältnisse habe ich mich andererseits dazu entschlossen, einige Interviewpartner, die mir mit Informationen speziell zu Joschka Fischers militanter Phase weiterhelfen konnten, in der Anonymität zu belassen. Für sie, die gewissermaßen den Ehrenkodex der ehemaligen linksradikalen Szene Frankfurts verletzt haben, hätte eine Namensnennung vermutlich unangenehme Folgen. Ich versichere aber, daß alle hier wiedergegebenen Details von mehreren Personen unabhängig voneinander bestätigt wurden und beweisbar sind, wenn sich Fischer sein Verdrängen gerichtlich bestätigen lassen will.
Ich habe mich allerdings auch bei der Darstellung der Frühzeit der Frankfurter Spontiszene hauptsächlich auf schriftliche Zeugnisse gestützt, u.a. auf die Zeitung Wir wollen alles der Spontiorganisation »Revolutionärer Kampf« und das Frankfurter Studentenmagazin Diskus. Für die Entwicklung der »Fischer-Gang« von revolutionären Spontis zu grünen Realos war Daniel Cohn-Bendits PflasterStrand eine wesentliche Quelle; um der besseren Lesbarkeit willen wird diese nur dort explizit angeführt, wo es mir notwendig erschien. Eine wichtige Hilfe waren mir darüber hinaus die ausgezeichneten Aufsätze von Wolfgang Kraushaar (heute Mitarbeiter des »Hamburger Instituts für Sozialforschung«) zur Frankfurter Spontiszene und zu Joschka Fischer. Auch den 1996 erschienenen dokumentarischen Roman »Fuchstanz« von Heipe Weiss habe ich für dieses Buch herangezogen. Er sei jedem empfohlen, der mehr atmosphärische Details aus der Frankfurter Spontiszene erfahren will. Ergänzt wurden diese Informationen durch Gespräche, die ich mit beiden Autoren geführt habe. Richard Herding vom Frankfurter »Informationsdienst (ID): Zentrum für alternative Medien« stellte mir zudem einiges Material aus seinem Privatarchiv zur Verfügung, u.a. Flugblätter und interne Protokolle des Revolutionären Kampfes, an die ich ansonsten kaum gelangt wäre. Allen dreien sowie meinen zahlreichen, hier ungenannt gebliebenen Interviewpartnern sei hiermit herzlich gedankt. Mein Dank gilt auch Dieter Bott, Gerhard Fischer, Thomas Gsella, Mariela Milkowa, Claudia Römer, Jürgen Roth, Oliver Schmitt und Hans Zippert. Ohne ihre Hilfe bei der Materialbeschaffung, ihre Anregungen und Korrekturen wäre dieses Buch sicher niemals in Druck gegangen.
Epilog
Die letzten Zeilen des vorigen Kapitels schrieb ich Ende Februar 1998. Im Herbst hat es dann geklappt. Die Regierung von Helmut Kohl wurde abgewählt, SPD und Grüne (6,7%) erhielten zusammen eine stabile Mehrheit im Parlament und bilden seit Oktober 1998 die neue Bundesregierung. Obwohl die Frauenquote bei der Besetzung von Partei- und Regierungsämtern in der grünen Partei »im Prinzip« immer noch gilt, besetzten Joschka Fischer und Jürgen Trittin wie selbstverständlich zwei der drei grünen Ministerposten im Kabinett Schröder; der von Fraktionsprecherin Kerstin Müller vor der Wahl angekündigte »Riesenaufstand« der grünen Frauen blieb ebenso erwartbar aus. Statt dessen kriegte sich eine Altachtundsechzigerin in der tageszeitung nicht mehr ein. »Seit der Wahl ist alles anders«, jubilierte hier die – auch schon mal zurechnungsfähigere – Bremer Hochschullehrerin Sibylle Tönnies, »denn wir haben gesiegt. Joschka Fischer ist Außenminister! – drastischer und komischer konnte uns der Erfolg nicht in den Schoß fallen. Das ist echt zum Schießen. Das ist besser als die Beatles im Buckingham-Palast. A self educated butcher-son and former taxi-driver – so wurde er dem internationalen Publikum beschrieben, das damit ja noch gar nicht weiß, wo eigentlich seine Wiege stand: auf dem Frankfurter Pflasterstrand. Er hat es geschafft. Und er wirkt in seiner Rolle smarter als seine sämtlichen Vorgänger.«
Geschafft haben es auch andere Helden aus Fischers Frankfurter Beachclub, bzw. stiegen auf der Karriereleiter noch eine Stufe höher. Den notorischen Georg Dick zum Beispiel nahm Joschka gleich mit nach Bonn und machte ihn zum Planungschef im Auswärtigen Amt. Andere reüssierten anderswo. Gleich nach der gewonnen Wahl übertrug die ARD live aus Johnny Klinkes »Tigerpalast« eine Gala zu dessen zehnjährigem Bestehen. Endlich durfte man auch bundesweit mitverfolgen, wie der Freund des Hauses, Otto Graf Lambsdorff, den »Bürgermeister der Nacht« (Spiegel ) im Offizierscasinoton anbellte: »Gute Arbeit – Klinke!« Und sich dieser darob so freute wie sich’s für einen Subalternen gehört. »Klinke, 48,«, kommentierte der Spiegel in seiner eigenen Klinke-Berichterstattung, »blieb dem Frankfurter Pflaster treu und wird nun üppig belohnt.«
Kaum weniger reichlich fiel die Belohnung für den Hamburger Ableger der Fischer-Gang, Thomas Schmid, aus. Nicht nur, daß er kurz vor der Wahl exklusiv für die Zeitschrift Max ein Gespräch zwischen der Sängerin Nena und dem zukünftigen Außenminister moderieren durfte, in welchem sich Fischer aus wahltaktischen Überlegungen in einem Maße an die Schlagerschnepfe heranwanzte, das man bis dato nicht für möglich gehalten hatte; nein, nahezu zeitgleich wurde Schmid auch zum Chefkorrespondenten des Springerblatts Die Welt befördert, welches nunmehr über einen direkten Draht zum Auswärtigen Amt verfügt.
Und selbstverständlich ist, wie vorhergesagt, ab sofort auch Daniel Cohn-Bendit noch häufiger als sonst auf allen Funk- und Fernsehkanälen präsent. So z.B. in der erwähnten »Tigerpalast«-Gala, wo er mit heftigen Gesten die Bemerkung des Moderators negierte, daß er zu einer »erfolgreichen Clique« zähle. Tatsächlich schwebte »dem Dany« Größeres vor. Er machte sich endlich selbständig und zog im Juni 1999 für die französischen Grünen ins europäische Parlament ein. Hinfort dürfen sich also auch wieder die Franzosen verstärkt über dieses politische Multitalent amüsieren. Nur für Tom Koenigs sah es zunächst so aus, als ob sich der rot-grüne Bundestagswahlsieg nicht auszahlen würde. Doch als Parteivorsitzender in Hessen hatte er bloß bis zur dortigen Landtagswahl auf seinem Posten auszuharren. Nachdem Koenigs die Wahl im Februar 1999 erfolgreich in den Sand gesetzt hatte – die hessischen Grünen verloren nicht nur ein Drittel ihrer Wähler, sondern erzielten auch mit 7,2% der Stimmen ein schlechteres Wahlergebnis als bei ihrem erstmaligen Einzug in den Landtag im Jahre 1982 –, wurde auch er von seinem Provinzposten erlöst. Im August 1999 ernannte man ihn auf Vorschlag des deutschen Außenministers Joschka Fischer zum Sonderbeauftragten der UNO für Polizei, Justiz und zivile Verwaltung im Kosovo. Als deutscher Quasi-Kolonialbeamter konnte Koenigs nunmehr ungestört seine alte Dritte-Welt-Begeisterung ausleben, wobei es ihm allerdings nicht gelang, die Morde und Vertreibungen an und von Serben, Sinti und Roma sowie anderen Minderheiten durch die albanische Mehrheit zu stoppen. Doch wahrscheinlich gehörte dies auch nicht zu seinem Auftrag. Bevor jedoch Fischer & Co. triumphieren durften, hatten auch sie mit Widrigkeiten zu kämpfen. Eine davon war das Erscheinen dieses Buches im Juli 1998, das Cohn-Bendit so kommentierte: »Der Joschka soll geknackt werden.« Dabei übersah er zwar, daß mein Beitrag zum besseren Verständnis von Joschka Fischer das genaue Gegenteil bezweckte, ich nämlich ausdrücklich dazu aufforderte, die taube Nuß und seine Partei zu wählen. Doch sei’s drum; es war ja nur ein Satz »vom Dany«.
Zugeben muß man allerdings, daß dieses Buch insbesondere Joschka Fischer für einen kurzen historischen Moment in ziemliche Bedrängnis brachte und deshalb in der Presse für nicht geringen Wirbel sorgte. Und selbstverständlich war eben dies auch beabsichtigt. Allerdings übertrafen die Reaktionen in einer Vielzahl deutscher Presseerzeugnisse denn doch meine kühnsten Erwartungen. Es hagelte zum Teil seitenlange Verrisse mit den allerprächtigsten Anwürfen und Invektiven, wobei sich ganz besonders der Spiegel hervortat: Ich hätte »steindummen Unflat« oder auch stilistisch an Bunte und Bild gemahnende »Petz-Prosa« zu Papier gebracht, getrieben allein von »Neid«, »Eifersucht« und einem »denunziatorischen Impuls«.
Es macht sich nicht gut, wenn ein Autor, speziell einer, der selbst einen polemischen Text geschrieben hat, gegen solcherlei Anwürfe zu einer Verteidigungsrede anhebt. Zumal ich gestehen muß, daß mich die so ausführliche wie untypisch heftige Reaktion gerade des Spiegels nicht wenig begeistert hat. Man kann sich wohl kaum eine bessere Werbung für ein gerade erschienenes Buch vorstellen. Außerdem dürfte jeder Leser dieses Buches in der Lage sein, sich selbst ein Urteil darüber zu bilden, ob er mit der Einschätzung des Spiegel-Rezensenten einverstanden ist oder nicht. Mich kratzt sie wenig.
Allerdings will ich doch zu ausgewählten Reaktionen Stellung nehmen, die über solch schlichte Meinungsäußerungen hinausgehen. Und ein paar Zusammenhänge erhellen, die den meisten Lesern unbekannt sein dürften. Interessant ist zum Beispiel, von wem einige der wütendsten Besprechungen meines Buches stammen. Die im Spiegel zum Beispiel von dem in diesem Buch in dem Kapitel »Alle für Joschka« erwähnten Frankfurter Alt-Sponti Reinhard Mohr, der damit (als einer von zwei Autoren) nichts anderes tat als mein über ihn gefälltes Diktum zu erfüllen, nämlich daß er bei diesem Blatt sei, um »für die Politik seines alten Stammes Reklame machen zu können«. Mohr zählt übrigens mittlerweile zu den sogenannten Edelfedern dieses Magazins und zeichnet deshalb nahezu jeden seiner Artikel mit eigenem Namen; ein Recht, das bis zum Erscheinungszeitpunkt des Verrisses keineswegs jedem Spiegel-Redakteur zugestanden wurde. In diesem speziellen Fall allerdings verzichtete Herr Mohr auf die Namensnennung – wahrscheinlich ein plötzlicher Anflug von Bescheidenheit.
Mit ihrem ganzen vollständigen Namen bescheinigte mir dagegen die Feuilletonchefin der Badischen Zeitung, Elisabeth Kiderlen, daß mich beim Verfassen dieses Buches nur »ein einziger Impuls«, nämlich das »Niedermachen«, getrieben hätte. Nun, das wäre nicht unbedingt das Schlechteste, wenn man für dieses Tun gute Gründe hat. Für ihr harsches Verdikt allerdings hat Frau Kiderlen auch einen: Sie entstammt der Frankfurter Spontiszene und war sechs Jahre lang hauptverantwortliche Kulturredakteurin des PflasterStrands.
In der Musikzeitschrift Spex findet der Journalist, DJ und Rundfunkmoderator Klaus Walter ganz, ganz böse Worte für den »Sound« meines Buches: »geschult« sei der »an Springer-Dreckschleudern wie Boenisch und Walden«. Walter ist sicher nicht zur Fischer-Gang zu rechnen, vergißt aber glatt den Spex-Lesern mitzuteilen, welches große »Wir« ihn mit dem heutigen Außenminister verbindet. Um so gründlicher holt er das nur wenige Wochen später in der taz nach: »Wir: Fischer ist der erste Vizekanzler, mit dem ich unmittelbaren Körperkontakt hatte und mittelbar Körpersäfte ausgetauscht habe. Tritte beim Fußball, Sex mit denselben Frauen.« Bekannt ist auch das Verhältnis, in dem dieser wohl an Praline geschulte Essayist zu Ralf Scheffler steht. In dessen »Batschkapp« startete Walter 1982 seine Karriere als DJ, hier feierte er 1995 mit einer großen Party das zehnjährige Jubiläum seiner Radiosendung »Der Ball ist rund«. Eine durchaus empfehlenswerte Sendung übrigens, so wie auch ihr Moderator bisher eher durch politische Kommentare der gescheiteren Sorte aufgefallen ist. Doch wenn es um seinen engeren Frankfurter Bekanntenkreis geht, trübt sich merklich sein Blick.
So behauptet Klaus Walter zum Beispiel, in meinem Buch wimmle es vor Fehlern. Ähnliches ist auch im Artikel von Reinhard Mohr zu lesen. Während aber der Spiegel-Sponti keinen einzigen dieser Fehler benennt, macht sich Walter immerhin die Mühe, mir einige nachzuweisen. Und tatsächlich sind in der Hardcover-Ausgabe dieses Buches Fehler zu finden. Zum Beispiel wurde, wie Walter anmerkt, der Nachname von Fischer-Kumpel Kopania konsequent falsch geschrieben, und zwar lustigerweise Kompania, was auch daran liegt, daß meine Hauptquelle, der PflasterStrand, sich nicht auf die eine oder die andere Schreibweise festlegen mochte. Es stimmt auch, daß die »Batschkapp« kein »Heftchen zum 30jährigen Bestehen« herausgab, sondern eins zum 20jährigen Jubiläum, weil der Laden, wie man diesem Buch entnehmen kann, erst 1976 gegründet wurde. Jeder dieser Fehler ist – keine Frage – genauso ärgerlich wie eine Reihe von Setzfehlern in den ersten beiden Auflagen dieses Buches, die mittlerweile stillschweigend verbessert wurden.
Wesentlich ärgerlicher aber ist es, wenn Walter einfach mal so die Behauptung in die Welt setzt, ich, der Autor, hätte »viele Fehler« gemacht, und zwar »vor allem solche, die ihm in den Kram passen«; es wäre also ganz bewußt gefälscht worden. Zum Beweis führt er an: »Bei der berühmt verhängnisvollen Meinhof-Demonstration waren mindestens siebentausend statt 700« Demonstranten. Abgesehen davon, daß sich mir nicht erschließt, was an der geringeren Zahl tendenziös sein sollte, widersprechen die zeitgenössischen Quellen der Darstellung Walters ganz entschieden: Die Frankfurter Neue Presse vom 14. Mai 1976 zählte »600 bis 700 Demonstranten«, die FAZ selben Datums »etwa 600 Personen« und die Frankfurter Rundschau sah einen »Demonstrationszug mit etwa 600 Teilnehmern«. Unterstellen wir einmal, daß sich alle drei Tageszeitungen der – immer ein wenig niedriger liegenden – Zählung des Polizeiberichtes bedient haben, dann gibt es immer noch die Zahlen der anderen Seite. Von »2.000 Personen« spricht der Autor Conrad Lay in der Ausgabe 222 des PflasterStrandes (allerdings 1985, also aus großer zeitlicher Distanz) und in dem von mir mehrmals zitierten Joschka-Fischer-Aufsatz von Wolfgang Kraushaar ist 1988 von »rund 1.500 Demonstranten« die Rede. Auch das sind Zahlen, die weit näher an 700 liegen als an Walters imaginierten »siebentausend«. Die vorgeblich falsche Demonstrationsteilnehmerzahl ist im übrigen Walters einziger Beweis für die Vielzahl meiner bewußten Fälschungen; es sei denn, man nimmt im Ernst an, daß hinter einem falsch geschriebenen Nachnamen und einem falsch datierten Jubiläum eine ebenso perfide Absicht stand wie hinter der angeblich falsch geschilderten Tatsache, daß Fischer auf dem Fußballplatz nicht als Stürmer agierte, sondern lieber »Zerstörungsarbeit an den Knochen begabter Offensivspieler« (O-Ton Walter) leistete.
Es mag sein, daß sich auch in der vorliegenden korrigierten Fassung meines Buches noch der eine oder andere Fehler findet. Es ist sogar ziemlich wahrscheinlich, denn bei der großen Zahl von verwendeten Quellen und verarbeiteten Zeitzeugenberichten bleiben Fehler trotz intensiver Korrekturarbeit nie aus. Da aber dieses Buch über ein halbes Jahr sowohl von den in ihm geschilderten Hauptakteuren als auch von intimen Kennern der Frankfurter Sponti- und Grünenszene nach Falschem durchkämmt wurde und einzig die hier aufgeführten Irrtümer benannt werden konnten, darf man sicher davon ausgehen, das es sich dabei um ähnliche Marginalien handelt.
Daß meine Darstellung aber in den wesentlichen Punkten zutrifft, darüber kann es heute keinen Zweifel mehr geben. Das gilt insbesondere für die Schilderung der militanten Phase von Fischers Gang sowie ganz speziell des Vorabends der Meinhof-Demonstration. »Alles Unsinn«, meint zwar der Spiegel, wobei er sich allein auf ein knallhartes »Das war nicht so« des unparteiischen Zeugen Cohn-Bendit stützt. Doch wenn dem wirklich so wäre, dann hätte, auch da kann man sich sicher sein, Joschka Fischer gegen meine Darstellung der Dinge schon längst die Gerichte bemüht. Das tat er nicht. Statt dessen las man ebenfalls im Spiegel: »Er habe ›lange gegrübelt‹ …, ob er an jenem berüchtigten Abend im Bockenheimer Zentrum überhaupt dabeigewesen sei. ›Möglich‹ sei es immerhin. Denn in der Tat erinnert sich der Wahlkämpfer Fischer: ›Wir waren keine Lämmerschwänzchen.‹« Drei Spiegel-Ausgaben später ist sein Gedächtnis noch etwas schlechter: »Beim besten Willen kann ich mich nach dieser Zeit an die damalige Versammlung nicht mehr erinnern.« Aber auch hier schränkt er ein: »Im übrigen habe ich nie bestritten, das ich fast zehn Jahre lang auch unter Einsatz von Gewalt die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik umstürzen wollte. Wir haben uns nicht an die Regeln des Strafgesetzbuches gehalten. Zu dieser Zeit wurde manchmal sehr wild geredet.«
Wer weiß, daß Politiker jeglicher Couleur immer dann »Blackouts« haben, wenn ihnen bestimmte Tatsachen aus ihrer Vergangenheit unangenehm sind, wer einigermaßen darüber informiert ist, wie Joschka Fischers Erinnerungsvermögen gerade dann aussetzt, wenn es ihm nicht ins staatsmännische Konzept paßt – wer zudem die angeführten Einschränkungen Fischers berücksichtigt, der weiß auch sehr präzise, wie er Fischers Spiegel-Ausführungen zu diesem Thema zu bewerten hat.
Doch genug davon. Denn anders als von bestimmten Rezensenten immer wieder unterstellt, geht es in diesem Buch nicht in der Hauptsache um Fischers militante Vergangenheit und sollte es auch nicht gehen. Allerdings war auch mir schon vor der Veröffentlichung klar, daß sich bestimmte Kreise ausgerechnet auf diese Passagen stürzen würden. Und natürlich hatte ich mit dem Vorwurf gerechnet, daß mein Buch, das mitten in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs erschien, »den Rechten« nütze. Diese Reaktion ließ denn auch nicht lange auf sich warten.
Als erstes erklärte Joschka Fischer persönlich, das meine »Anschuldigungen gegen den Straßenkämpfer Fischer« (Spiegel) Teil einer »Schmutzkampagne« der zu dem Zeitpunkt noch regierenden konservativ-liberalen Koalition sei, die auf diese Weise die Grünen zu erledigen trachte. Frau Kiderlen sah mich in einer Einheitsfront mit den konservativeren Medien: »Und so bekommt es einen Hautgout, wenn BILD und andere sich auf Christian Schmidt beziehen und den ›potentiellen Außenminister im Zweireiher mit Weste‹ auffordern, die ›dunklen Punkte in seiner Biographie‹ aufzuhellen.« Auch andere hieben in dieselbe Kerbe, unter ihnen Klaus Walter: »Der Polizeiblick prädestiniert Schmidts ›Enthüllungsbuch‹ auf den ersten hundert Seiten … für lukrative Zweitverwertungen durch RTL, BILD, etc.«
Und in der Tat sieht es auf den ersten Blick so aus, als sollten Fischer und sein schreibender Bekanntenkreis recht haben. Nur kurze Zeit nach dem Erscheinungstermin berief sich der parlamentarische Geschäftsführer der hessischen CDU-Landtagsfraktion, Franz-Josef Jung, auf Teile meines Buches und erklärte: »Wer Regierungsverantwortung in Deutschland übernehmen will, der muß klarstellen, ob er für den Einsatz von Brandsätzen plädiert hat oder nicht.« Die FAZ druckte nicht nur Auszüge aus dem Buch im Wortlaut nach, sondern trieb auch die im Mai 1976 brandverletzten Polizisten Jürgen Weber und Günther Storch auf, denen sie ein fast halbseitiges Porträt widmete. Wenig später erschien in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein offener Brief, in dem der (bisher in keinem Pressebericht erwähnte) dritte Insasse des vom Molotowcocktail getroffenen Polizeiwagens Joschka Fischer aufforderte, zu dem Vorfall Stellung zu nehmen. Auch die Bild am Sonntag fragte an: »Warf Joschka Fischer mit 28 noch Molotowcocktails?«
Trotz dieser eindeutig wirkenden Belege gerät bei näherem Hinsehen die These von einer großangelegten, gezielten Schmutzkampagne schnell ins Wanken. Was nämlich verblüfft ist die Tatsache, daß sich auf seiten der alten Koalitionsparteien außer dem hessischen CDU-Geschäftsführer und einigen subalternen Landes- und Kreispolitikern niemand sonst an ihr beteiligte. Und das, obwohl es Joschka Fischer der CDU mit seinen verschwommenen Auskünften im Spiegel mehr als leicht gemacht hatte.
Auch die Bild-Zeitung zeigte an meinem »Enthüllungsbuch« nur ein verschwindend geringes Interesse. Lediglich in ihrem Frankfurter Lokalteil erschien eine einspaltige Notiz, in der sich die Rezensentin hauptsächlich darauf kaprizierte, die Frankfurter Institution Johnny Klinke gegen meine Anwürfe zu verteidigen: der sei gar kein »Dämlack«, sondern eine hochintelligente Bücherratte. Nach ihrer dramatischen Anfrage wollte auch das Schwesterblatt Bild am Sonntag nichts mehr über Fischers Vergangenheit wissen. Die Privatfernsehsender scherten sich (mit einer Ausnahme) gar nicht um die zum Teil doch recht explosiven Neuigkeiten, die mein Buch über Joschka Fischer mitzuteilen hatte. Und der Kampagnencharakter der sich im Sommer 1998 etwa über drei Wochen hinziehenden Veröffentlichungen in der FAZ relativiert sich doch ein wenig, wenn man weiß, daß die Hintergrundberichte und Politikeranfragen zum Thema ausschließlich im Rhein-Main-Teil der Zeitung sowie in der ebenfalls nur regional verbreiteten Sonntagszeitung zu lesen waren; in der »Deutschlandausgabe« der führenden konservativen Zeitung fand sich dagegen zu dem ganzen Komplex kein Wort. »Aber warum«, fragte da ein Leserbriefschreiber die Redaktion ratlos, »bleibt die Abhandlung dieser brisanten Vorgänge in den Lokalteil verbannt?«
Eine indirekte Antwort erhielt der Mann von FAZ-Herausgeber Hugo Müller-Vogg persönlich. In einem Kommentar der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung forderte zwar auch er Fischer noch einmal auf, zu »den Vorwürfen in dem neuen Buch« irgendwie Stellung zu nehmen, konnte aber gleichzeitig sein Bedauern kaum verhehlen, daß der bestens geläuterte Obergrüne derart unter Druck geraten war. »Wer mit Fünfzig im Grunde noch denselben politischen Vorstellungen anhängt wie mit Zwanzig, gilt als eher langweilig. Interessanter erscheinen diejenigen, die zwischen beiden Zeitpunkten einen möglichst radikalen Kurswechsel vorgenommen haben. Und klug gilt als gemeinhin, wer stets darauf geachtet hat, sich nicht allzuweit vom politischen ›main stream‹ zu entfernen. Diesen Maßstäben zufolge ist der grüne Spitzenkandidat Fischer interessant und klug zugleich. Aus dem einstigen Straßenkämpfer ist ein potentieller Außenminister im Zweireiher mit Weste geworden. Und seine politischen Ansichten sind im Laufe der Zeit so staatsmännisch und weise geworden, daß er auch auf Unternehmertagen nicht mehr ›Persona non grata‹ ist.« Angesichts solcher Verdienste versteht es sich beinahe von selbst, daß man solch einen Mann, dessen politisches Tun noch zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, nicht einfach vor den Augen der ganzen Republik demontiert; zumal Fischer bereits in Anzeigen mit seiner hocheigenen Runzelrübe für die FAZ warb, Daniel Cohn-Bendit in ihrer Sonntagsausgabe eine eigene Kolumne unterhält und nur kurze Zeit nach Abschluß der lokalen »Schmutzkampagne« im selben Blatt ein ganzseitiger Fischer-Essay zu außenpolitischen Fragen erschien. Bundesweit.
Ähnlich motiviert war die vornehme Zurückhaltung respektive das einhellige Schweigen der gesamten CDU-Spitze zu Fischers militanter Vergangenheit. Ende August 1998, in der letzten Phase des Wahlkampfs, äußerte sich der noch amtierende Kanzler Helmut Kohl über die langfristige Bündnisstrategie der Union in etwa so, wie es in diesem Buch bereits prophezeit wurde: Wenn die Grünen sich »in eine wertkonservative, auch außen- und sicherheitspolitisch vernünftige Richtung entwickelten«, schließe er auf Dauer ein Bündnis mit dieser Partei nicht mehr aus. In Joschka Fischer aber sah Kohl den entscheidenden Garanten für die Entwicklung der Grünen in die gewünschte Richtung. Kohl damals über seinen Lieblingsgrünen: »Er ist ein hochbegabter Mann und Politiker, der intellektuell in der Lage ist, Beachtliches zu leisten.«
Weshalb die Bild-Zeitung und andere Krawallmedien sich keineswegs der Informationen aus diesem Buch gegen Fischer und Co. bedienten, davon wird noch die Rede sein. Feststellen aber kann man zunächst mal eins: Genutzt haben »die Rechten« mein Buch in sehr eingeschränktem Maße und auf lokaler Ebene, und das auch wahrscheinlich nur deshalb, um ihren noch etwas rechteren Rand zufriedenzustellen. Das ist ein interessantes Ergebnis. Denn wenn Joschka Fischer selbst die Verstrickung in zurückliegende militante Aktionen auf der Rechten nicht mehr diskreditieren kann, zeigt das nur noch einmal deutlich, wie weit er selbst bereits in diese Richtung marschiert ist.
Eben diese Tatsache wollen die »linken« Kritiker dieses Buches immer noch nicht wahrhaben. Sie unterstellen mir nicht bloß, mit der Schilderung von Einzelheiten aus der revolutionären Vergangenheit von Fischer und Co. letztlich das Geschäft der Rechten besorgt zu haben, sondern zum Teil sogar, es sei mein Interesse gewesen, speziell Joschka Fischer bei den Strafverfolgungsbehörden zu denunzieren. Wahr ist, daß die Justiz im Zusammenhang mit den Molotowcocktailwürfen im Verlauf der Meinhof-Demonstration 1976 von »Mordversuch« sprach, ein Delikt, das nach deutschem Recht nicht verjährt. Es war jedoch nie meine Absicht, Fischer mit meinen durchaus wohlkalkulierten »Enthüllungen« vor ein Gericht zu bringen. Hätte auch nur diese Möglichkeit bestanden, mit Sicherheit hätte ich bestimmte Details ausgespart. Diese Möglichkeit jedoch gab es nicht, was auch die Staatsanwaltschaft in der FAZ vom 29. Juli 1998 bestätigt: »Sollte die Darstellung in dem Buch von Schmidt zutreffen, wäre die Straftat heute längst verjährt, sagte Job Tilmann, der Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. Ein direkter Tötungsvorsatz könne Fischer anhand der im Buch wiedergegebenen Version der Geschehnisse auf keinen Fall nachgewiesen werden.
Die ausführliche Schilderung der militant-revolutionären Phase der Fischer-Gang sollte auch nicht Beweise für deren späteren »Verrat« an ihren »Idealen« beibringen, wie mir von diversen Kritikern unterstellt wurde. Im Gegenteil. Neben den bereits im Vorwort und an anderen Stellen dieses Buches erwähnten Gründen, ging es mir dabei in erster Linie darum zu demonstrieren, daß Fischer und Co. schon sehr früh und eben auch in ihrer militanten Phase denselben machtpolitischen und opportunistischen Grundsätzen folgten wie im späteren Verlauf ihrer Karriere. Ebenfalls gezeigt werden sollte, weshalb Fischer und Genossen ausgerechnet nach dem Mai 1976 ganz plötzlich und unvermittelt vom militanten Kurs Abstand nahmen und einen neuen Weg einschlugen. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn ich nicht von der ganz konkreten Verstrickung Joschka Fischers in die Meinhof-Demonstration vom 10. Mai 1976 berichtet hätte. Und nur deshalb habe ich davon berichtet. Um es noch einmal ganz unmißverständlich auszudrücken: Wenn Joschka Fischer je etwas zum politischen Verhängnis werden soll, dann nicht sein zwar bisweilen zweifelhaftes, aber in der historischen Situation nicht unverständliches Handeln als Linksradikaler, sondern die inhaltslose und opportunistische Politik, die er danach forcierte bzw. bis heute betreibt. So viel zu diesem Punkt.