
Die amerikanische Originalausgabe erschien 2011 unter dem Titel «1493. Uncovering The New World Columbus Created» bei Alfred A. Knopf, New York.
Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, September 2013
Copyright © 2013 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
«1493. Uncovering The New World Columbus Created» Copyright © 2011 by Charles C. Mann
Redaktion Karin Schneider
Karten Nick Springer und Tracy Pollock, Springer Cartographics LLC; Copyright © 2011 by Charles C. Mann
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ISBN Printausgabe 978-3-498-04524-1 (1. Auflage 2013)
ISBN E-Book 978-3-644-03771-7
www.rowohlt.de
Anmerkung: Die Seitenzahlen im Text beziehen sich auf die Seitenzahlen der Printausgabe.
ISBN 978-3-644-03771-7
Wegen des Wassermangels tranken die Expeditionsmitglieder Flusswasser. Einige Forscher vertreten die Ansicht, Colón und seine Männer hätten auf diese Weise Bakterienruhr bekommen, eine Krankheit, die durch einen in Fäkalien vorkommenden und in den amerikanischen Tropen beheimateten Erreger übertragen wird. In Reaktion auf das Bakterium kann der Körper die Reiter’sche Krankheit ausbilden, eine Autoimmunerkrankung, die bei den Betroffenen die Empfindung hervorruft, es seien große Teile des Körpers, unter anderem Augen und Darm, geschwollen und entzündet – Symptome, die Colón im Sommer desselben Jahres entwickelte. Die Reiter’sche Krankheit verläuft immer schmerzhaft und manchmal tödlich. Wenn die Wissenschaftler recht haben und der Admiral Jahre später tatsächlich an der Reiter’schen Krankheit starb, war er selbst ein frühes Opfer des kolumbischen Austauschs.
Jede Art hat einen aus zwei Teilen bestehenden wissenschaftlichen Namen: den Namen ihrer Gattung – der Gruppe verwandter Arten, zu der sie gehört – und den eigentlichen Artnamen. So gehört Solenopsis geminata zur Gattung Solenopsis und ist die Art geminata. Üblicherweise wird die Gattung nach dem ersten Auftreten mit dem Artnamen abgekürzt: S. geminata.
Möglicherweise hatte Colón schon vor seiner Abreise gewusst, dass man den Atlantik überqueren kann. An den Rand eines seiner Bücher schrieb er, dass er bei einem Aufenthalt in Irland «Menschen aus Kathai [China]» gesehen habe – «einen Mann und eine Frau, die mittels zweier Baumstämme auf außergewöhnliche Weise angetrieben wurden». Einige Autoren meinen, die «Baumstämme» seien Einbäume oder Kajaks gewesen und die Menschen daher Inuit oder Indianer. Allerdings wird das von den meisten Historikern bezweifelt, weil es kaum Anhaltspunkte dafür gibt, dass Colón jemals in Irland gewesen wäre und dort auch noch zwei Indianer gesehen hätte. Die beiden hätten genauso gut Samen aus Skandinavien gewesen sein können, die häufig asiatisch aussehen. Vor allem erscheint es unwahrscheinlich, dass der einzige Bericht über dieses erstaunliche Ereignis – Indianer, die in einem Kanu nach Europa paddeln! – aus einer an den Rand eines Buchs gekritzelten Bemerkung bestehen sollte.
Da es in China nicht so viel Bienenwachs gab, wie gebraucht wurde, fertigten viele Chinesen Kerzen aus einem Ersatzstoff an, dem weniger geeigneten Wachs einer Schildlaus. Auf den Philippinen sind die Östliche Honigbiene und die Riesenhonigbiene beheimatet; die großen Nester Letzterer sind eine ergiebige Wachsquelle.
In jüngeren Jahren konnten Forscher mittels moderner Techniken einige bislang als nicht domestizierbar geltende Arten unter Laborbedingungen domestizieren – der Silberfuchs ist das bekannteste Beispiel. Trotzdem ist es in der bisherigen Geschichte nicht gelungen, mehr als rund vierzig Großtierarten zu domestizieren. Nicht mitgerechnet sind Insekten wie die europäische Honigbiene und die mexikanische Koschenille, die zur Herstellung von rotem Farbstoff gezüchtet wurde.
Später rotteten die Europäer den Biber durch die Jagd nahezu aus, denn sein Fell eignete sich ausgezeichnet für die Herstellung von Filz, der damals bei Hutmachern sehr gefragt war. So ersetzten die Europäer unwissentlich einen maßgeblichen Umweltingenieur durch einen anderen, den Regenwurm.
Offenbar hatte Roanoke jedoch eine Signalwirkung: Es machte England mit dem Tabak bekannt. Wahrscheinlich hatte Sir Francis Drake die Pflanze im Jahrzehnt davor von seiner Weltumsegelung mit nach Hause gebracht. Sie blieb allerdings weitgehend unbeachtet, bis die Roanoke-Kolonisten mit seltsamen, glühenden Tonröhren an ihren Lippen zurückkehrten. «In kurzer Zeit», stöhnte ein höfischer Augenzeuge, «sogen viele Männer aller Orten … mit unersättlichem Verlangen und Gelüste den stinkenden Rauch ein.»
Wie viel Dollar das heute wären, lässt sich schwer sagen, doch einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag entspricht diese Summe sicherlich. Selbst diese ungefähre Angabe kann irreführend sein, weil insgesamt das sich im Umlauf befindliche Investitionskapital damals viel kleiner war; das von der Virginia-Kompanie aufgenommene Kapital war ein viel größerer Prozentsatz der damals verfügbaren Mittel als, sagen wir, 50 Millionen Dollar heute sind.
Allerdings misslang den tassantassas nicht alles. Im Mai 1623, etwas mehr als ein Jahr nach dem Angriff, führten sie auf einer Friedenskonferenz mit den Führern von Tsenacomoco einen Gegenangriff. Für einen feierlichen Toast, so berichtete ein Augenzeuge, schenkten die Engländer vergifteten Sack, einen sherry-artigen Wein, aus, der «etwa zweihundert Indianer» tötete. Verfolgt von einer verstörten, wutschnaubenden Meute flohen die Kolonisten zu ihren Booten. Im Davonsegeln feuerten sie in die Menge und töteten «noch einige mehr», darunter auch, wie sie irrtümlicherweise meinten, Opechancanough. Später brachten die Engländer «Partien der Köpfe» mit – das heißt, sie hatten einige ihrer Opfer skalpiert.
Es mag seltsam erscheinen, dass die Malaria, eine Tropenkrankheit, im England der Kleinen Eiszeit einen solchen Aufschwung erlebte. Doch die Geschichte ist eine Wechselbeziehung aus sozialen und biologischen Prozessen. Wie die Trockenlegung in elisabethanischer Zeit den P.-vivax-Erkrankungen eine unbeabsichtigte Hilfestellung leistete, sorgten die verbesserten Entwässerungstechniken der viktorianischen Epoche für eine radikale Eindämmung der Malaria, weil sie keine Brackwasserteiche mehr zurückließen, was einerseits den Lebensraum der Stechmücke zerstörte und andererseits bessere Weidemöglichkeiten für Rinder schuf, die A. maculipennis, vor die Wahl gestellt, als Nahrungsquelle bevorzugt. Trotzdem entdeckten die Forscher noch in den 1920er Jahren «Tausende» dieser Insekten «in den dunklen und schlecht belüfteten Schweineställen» der armen Bauern in den Küstengebieten. Heute befürchten einige Wissenschaftler, die globale Erwärmung könne wieder zur Ausbreitung der Malaria führen. Doch wenn die Menschheit auch weiterhin die Lebensräume der Stechmücken durch Trockenlegung von Feuchtgebieten vernichtet, dürfte das wärmere Wetter keine Auswirkungen auf die Malariahäufigkeit haben.
In Kent, und (bis hinauf) nach Essex, / Hauste ein Trupp gar grausamer Fieber, / Und wer diesen Ort [London] verließ, wurde allzumeist / von ihnen hingemordet oder in Gefangenschaft genommen.
Mehr Erbarmen fanden ärmste Bettler hier [London] / Und wen’ger Leid als reichre Männer dort.
Das frühe Eintreffen des Parasiten könnte auch erklären, warum Opechancanough die Kolonisten nie ganz vertrieben hat, obwohl er sie 1622 schon fast vernichtet hatte. Von der Krankheit geschwächt, hatten die Powhatan möglicherweise Schwierigkeiten, einen längeren Krieg zu führen. Leider haben diese spannenden Spekulationen den Nachteil, keine empirische Grundlage zu besitzen.
In diesen Zahlen sind die von anderen Kolonien erbeuteten Indianer nicht berücksichtigt. Beispielsweise schickte Massachusetts 1675/76 während eines erbitterten Indianerkriegs Hunderte von indigenen Gefangenen nach Spanien, Portugal, Hispaniola, Bermuda und Virginia. Tausende wurden von den Franzosen in New Orleans gefangen genommen. Carolina betrieb den Sklavenhandel zwar in größerem Stil als die anderen, doch jede englische Kolonie in Nordamerika beteiligte sich an dem Geschäft – mit oder ohne Kooperation der einheimischen Indianer.
Herkömmlicherweise wurden Kaiser nicht mit ihrem persönlichen Namen bezeichnet, sondern mit dem ihrer Regierungszeit. So hieß der Onkel, der seinen Neffen entmachtete, eigentlich Zhu Di, wählte aber Yongle («ewige Glückseligkeit») als Titel und wurde infolgedessen der Yongle-Kaiser: der Herrscher während der Yongle-Periode.
Die Vorgängerin der Ming-Dynastie, die von Mongolen beherrschte Yuan-Dynastie, hatte genau das Gleiche versucht, das heißt, sie hatte 1303, 1311 und 1320 den Überseehandel verboten. In allen Fällen wurde das Gesetz rasch wieder aufgehoben. Die Aussicht auf ein Monopol war verlockend, doch die Yuan-Kaiser fanden es stets einträglicher – und weit bequemer –, den Privathandel zu besteuern als den Handel in eigener Regie zu führen.
«Familien» ist eine irreführende Bezeichnung. Die Händler waren gongsi, das heißt, clanartige Gruppen, die oft Hunderte von Mitgliedern hatten. Ich vermeide das Wort gongsi jedoch, weil es heute «Unternehmen» bedeutet – ein Hinweis auf die familiären Ursprünge viele chinesischer Wirtschaftsbetriebe, aber ein potenzieller Stolperstein für das Verständnis vieler Leser.
Wer an Metallmünzen gewöhnt ist, dem mag die Vorstellung, Muscheln als Geld zu benutzen, primitiv vorkommen. Aber sie haben einen unübersehbaren Vorteil: Anders als die Münzen der Zeit, die häufig abgegriffen oder gefälscht waren, können Muscheln nicht so leicht verändert oder nachgemacht werden.
Allerdings war Quecksilbervergiftung nicht die einzige Todesursache. Genauso tödlich verliefen Lungenentzündung, Tuberkulose, Staublunge – Verletzungen der Lunge durch Einatmen von Quarzstaub – und Kohlendioxidvergiftung in schlecht belüfteten Stollen. 1640 sah ein Inspektor drei Indianer in eine Grube fallen, die so mit Kohlendioxid gefüllt war, dass dort keine Kerzen brannten; Kohlendioxid, das schwerer als Luft ist, sammelt sich in tief gelegenen Bereichen. Obwohl die Grube nicht weit hinunterging, gelang es den Arbeitern nicht, hochzukommen. Ihre Leichen wurden nicht geborgen; es war zu gefährlich, hinabzusteigen.
Die Spitze der Halbinsel ist Sangley Point, sangley, ein fujianesisches Wort für «reisender Kaufmann», ist eine abfällige Bezeichnung für Filipinos chinesischer Abstammung. Typisch ist die Verwendung des Ausdrucks in der Klage eines manilischen Kirchenmanns, der 1628 vor der «großen Gefahr» durch die «Massen liederlicher heidnischer sangleys» warnte.
In der Praxis wird die Situation dadurch kompliziert, dass die Wirtschaft versucht, die Regierung, oft zum Nachteil staatlicher Interessen, für die eigenen Zwecke einzuspannen, und dass Gruppen innerhalb des Staates ihre Macht für den persönlichen Profit nutzen. Trotzdem ist die Unterscheidung zwischen dem Handel als freiwilligem Austausch zwischen privaten Akteuren und dem Handel als Instrument zur Sicherung staatlicher Interessen durchaus sinnvoll. Tatsächlich ist ein Grund für den gegenwärtigen Konflikt zwischen den Parteigängern des Freihandels und den Globalisierungsgegnern, dass jene die erste Aufgabe des Handels für vorrangig halten, diese die zweite.
Der Leser wird bemerkt haben, dass ich kaum vom niederländischen und portugiesischen Handel in Asien berichte, in dem es vor allem um Gewürze ging, und mich stattdessen auf den Galeonenhandel konzentriere. Zum Teil liegt das an meinem Bestreben, einen komplexen Erzählstoff zu vereinfachen, vor allem aber daran, dass das spanische Reich, das erste wirklich weltumspannende Unternehmen dieser Art, besser in das Konzept dieses Buchs passte. Außerdem waren die Niederlande und Portugal mit diesem Reich verknüpft: Erstere erstritten ihre vollständige Unabhängigkeit erst 1648, Letzteres sah sich, obwohl lange unabhängig, durch dynastische Unglücksfälle gezwungen, von 1580 bis 1640 einen spanischen König zu akzeptieren.
Chen war nicht der einzige Süßkartoffelschmuggler. Nach einem Gazetteer aus dem 19. Jahrhundert gelang es dem Arzt Lin Huailan 1581, eine vietnamesische Prinzessin von einer Krankheit zu heilen. Bei einem Festmahl zu seinen Ehren wurden Süßkartoffeln serviert. In Vietnam war die Ausfuhr der Wurzelknolle, so heißt es in dem Gazetteer, «bei Todesstrafe» verboten, doch Lin beschloss, trotzdem einige mitzunehmen. «Bei Grenzübertritt wurde er von einem [vietnamesischen] Grenzbeamten befragt. Lin antwortete wahrheitsgemäß und bat den Beamten, ihn heimlich durchzulassen. Der Beamte sagte: ‹Angesichts dieser Situation wäre es von mir als Diener dieses Landes treulos, Euch durchzulassen, und zugleich Unrecht, es Euch zu verweigern.› Mit diesen Worten ertränkte er sich. Lin kehrte zurück und die Knolle breitete sich über ganz Guangdong aus.»
Die ethnische Gruppe, die im Allgemeinen als «chinesisch» bezeichnet wird, sind die Han. Die Mandschu verdrängten die Han aus dem Kernland in die peripheren, von anderen Volksgruppen besiedelten Regionen.
Die Landwirtschaft war nicht der einzige Grund für die Entwaldung. China verbrauchte riesige Baumbestände als Feuer- und Bauholz. Um an den begehrten Rohstoff zu kommen, suchten Kolonnen von Holzfällern ferne Gegenden auf, wo sie ganze Wälder vernichteten. Leider wurde beim Transport so viel Holz verloren, beschädigt oder gestohlen, berichtet der Historiker Yang Chang von der Technischen Universität Huazhong in der Provinz Hubei, dass nur zwei Prozent davon bei den vorgesehenen Empfängern ankamen.
Zu einem dritten Grund für Verwirrung trug Gerard allerdings nicht bei: der in den USA verbreiteten Angewohnheit, Süßkartoffeln als Yams zu bezeichnen. Yamswurzeln stammen aus Asien und Afrika und gehören wieder einer anderen biologischen Familie an.
Ralegh und seine Zeitgenossen schrieben seinen Namen auf verschiedene Weise, unter anderem Rawley, Ralagh und Raleigh. Obwohl letztere Version heute am häufigsten benutzt wird, hat er selbst meist Ralegh gewählt.
Vermutlich war einer der Gäste Thomas Jefferson, damals US-Botschafter in Frankreich. Es heißt, ihm habe eines der Kartoffelgerichte so zugesagt, dass er es im Weißen Haus servieren ließ. Auf diese Weise machte Jefferson die Vereinigten Staaten mit Pommes frites bekannt.
Dieser Vergleich ist übertrieben. Gemessen an Getreide haben Kartoffeln mehr Wasser, das bekanntlich keinen Nährwert besitzt. In früheren Kartoffeln befanden sich ungefähr zweiundzwanzig Prozent Trockensubstanz, in Weizen dagegen achtundachtzig Prozent. Folglich entsprechen die rund 29000 Kilo Kartoffeln pro Hektar, von denen Young spricht, etwa 6400 Kilogramm Trockensubstanz. Entsprechend würden die 1600 Kilogramm Weizen pro Hektar rund 1400 Kilo Trockensubstanz ergeben. Aus diesem Grund müsste es eigentlich heißen, dass die Produktivität von Kartoffeln ungefähr viermal so hoch ist wie die von Weizen.
Damit wird die Wirkung möglicherweise noch unterschätzt. Der Historiker Kenneth Pomeranz meint: «Einigen der besonders intensiv bewirtschafteten Böden in Europa (England eingeschlossen) drohte Anfang des 19. Jahrhunderts ernsthafte Verarmung.» Ohne Guano, so glaubt Pomeranz, wäre die Entwicklung möglicherweise nicht nur auf derselben Stufe verharrt, sondern hätte direkt in eine fast europaweite Katastrophe führen können.
Für schwerfällige Säugetiere wie uns klingt es merkwürdig, dass manche Organismen sich sowohl geschlechtlich wie ungeschlechtlich fortpflanzen können, doch diese Doppelgleisigkeit ist eine geschickte Überlebensstrategie in großen Teilen der Mikrowelt – beispielsweise reproduziert sich der Malariaerreger Plasmodium auf beiderlei Weise. Ungeschlechtliche Fortpflanzung ist in guten Zeiten angebracht, weil sie Nachkommen produziert, die an ihre Umwelt genauso gut angepasst sind wie ihre Erzeuger. Geschlechtliche Reproduktion empfiehlt sich bei Umweltveränderungen, weil die sexuelle Mischung der Gene eine Variabilität hervorruft, die den Nachkommen möglicherweise hilft, unter veränderten Umständen zu überleben.
Die Kampagne gegen den Lazy-bed-Anbau war möglicherweise nicht der einzige Beitrag der Reformer zur Katastrophe. P. infestans tauchte überall in Europa so rasch auf, dass man sich fragt, ob die Fäule nicht unabsichtlich durch menschliches Einwirken verbreitet wurde. Ökologische Modelle legen den Schluss nahe, dass die Fäule «eher durch Menschen übertragen wurde als durch passive Verbreitung über die Atmosphäre». Zumindest ein neues Produkt tauchte Anfang der 1840er Jahre plötzlich auf den Äckern in großen Teilen Europas auf: Guano. Man kann sich leicht vorstellen, dass auf der Überfahrt von Peru nach Europa im Laderaum infizierte Kartoffeln aus einem zerbrochenen Fass gefallen waren und ihre Sporen in der losen Masse des Guanos verteilt hatten. Sporen der Kraut- und Knollenfäule können im Boden bis zu vierzig Tage überleben. Wenn der Guano gegen Ende der Reise infiziert wurde, blieb mehr als genug Zeit, um sie zu verteilen. In Irland wurde viel mit Guano experimentiert. 1843 hat man in mindestens elf der zweiunddreißig Grafschaften des Landes Versuche durchgeführt. Auch im folgenden Jahr tauschten und borgten Bauern eifrig Proben untereinander. Da liegt die Vermutung nahe, dass P. infestans nicht so sehr mit dem Guano als vielmehr im Guano eingeführt wurde; ein anderer Schädling, der Kartoffelnematode, breitete sich auf genau die gleiche Weise in Japan aus. Nach Beginn der Fäule-Epidemie schlugen einige der fortschrittlichsten Bauern Irlands ein Mittel vor, das die Kartoffelernte zu alter Produktivität zurückführen sollte: höhere Dosen Guano. Während der gesamten Periode der Großen Hungersnot liefen die Düngerschiffe irische Häfen an.
Der blind geborene Gough bewies dies durch Berührung: Er zog die Enden eines breiten Kautschukstreifens auseinander und berührte ihn «mit den Rändern der Lippen», die extrem empfindlich für Wärme sind. Außerdem fand er heraus, dass Kautschuk schrumpft, wenn er erwärmt wird – im Gegensatz zu den meisten anderen Stoffen, deren Volumen bei steigenden Temperaturen zunimmt.
Im Allgemeinen bezeichnet man Verbindungen aus derart langkettigen Molekülen als Polymere. Uns sind viele Arten von Polymeren vertraut: Fasern wie Seide und Wolle zum Beispiel und Proteine wie das Gluten im Brot oder das Albumin im Hühnereiweiß. Elastomere mit ihrem verblüffenden Verhalten sind ein Sondertyp des Polymers.
Casement wurde mit der Ritterwürde belohnt. Bald darauf gab Sir Roger seine Tätigkeit im Außenamt auf, um sich fortan für die irische Unabhängigkeit einzusetzen. Er reiste nach Deutschland und bat den Kaiser um Waffen für einen irischen Aufstand. Die Verschwörung wurde entdeckt und Casement verhaftet, als er von einem deutschen U-Boot an der irischen Küste abgesetzt wurde. Wegen Hochverrats verurteilte man ihn zum Tod. Einflussreiche Freunde setzten sich bei Hofe für seine Begnadigung ein. Unglücklicherweise war Casement homosexuell, und unklugerweise hatte er sein Sexualleben detailliert in seinen Tagebüchern geschildert. Als diese Aufzeichnungen nach dem Prozess entdeckt wurden, besiegelten sie sein Schicksal. Er büßte alle Ehrungen und Auszeichnungen ein und wurde am 3. August 1916 gehängt.
Der brasilianische Diplomat Francisco de Melo Palheta besuchte 1727 Cayenne in Französisch-Guayana, um über eine Grenzstreitigkeit zu verhandeln. Irgendwie kam er in den Besitz von Kaffeesamen – es heißt, er habe sie von der Frau des Gouverneurs, die seinem Charme erlegen sei, als Abschiedsgeschenk erhalten. Nach französischem Kolonialgesetz waren Kaffeesamen für Ausländer streng verboten. Melo Palheta habe sie nach Brasilien geschmuggelt, schreibt der Kautschuk-Historiker Warren Dean, und damit «die Gründung jener Vielzahl von Kaffeeplantagen ermöglicht, die anderthalb Jahrhunderte den wichtigsten Zweig der brasilianischen Volkswirtschaft bildeten».
Jefferson Fox vom East-West Center in Hawaii, der mit seinen Kollegen versucht, die Auswirkungen des Kautschuks auf Südostasien zu bewerten, erklärt, Vietnam plane, die Kautschukanbauflächen seiner Unternehmen um fast 4000 Quadratkilometer auszuweiten – ein Viertel des in Südlaos liegenden Kautschukgebietes. Im Januar 2009 besuchte Fox große Plantagen in Südlaos, wo man, wie er mir berichtete, «die Kleinbauern verjagt hatte, um vietnamesischen Investoren große Ländereien zur Verfügung zu stellen».
Die Ursache dieses erschütternden Beispiels für den kolumbischen Austausch sei, so heißt es, im Körper Francisco de Eguías oder Baguías, eines afrikanischen Sklaven, eingeschleppt worden. Nach anderen Berichten sollen kubanische Indianer, die den Spaniern als Hilfssoldaten dienten, die Überträger gewesen sein. Restall vermutet, dass der Versuch, «die Rolle des Patienten null» Afrikanern oder Indianern anzulasten, «dem klassischen spanischen Muster, der Suche nach Sündenböcken», entspreche. Die Epidemie sei so entsetzlich gewesen, dass die Spanier nicht als ihre Überbringer hätten gelten wollen.
Neuengland war eine Ausnahme, repräsentierte aber nur einen kleinen Teil der englischen Auswanderer – die Kolonien im Süden waren viel größer. Bis Ende des 18. Jahrhunderts übertrafen die afrikanischen Sklaven die Europäer in Englands amerikanischen Besitzungen im Verhältnis zwei zu eins.
«Motecuhzoma» ist heute die übliche/wissenschaftliche Transkription des Namens. Damals nannten ihn die Spanier meist «Moctezuma», was der Name seiner Enkelkinder wurde.
Solche interethnischen Beziehungen blieben nicht auf Spanisch- und Portugiesisch-Amerika beschränkt. Im Laufe der Zeit, so schrieb die Historikerin Linda Colley von der Princeton University, habe Großbritannien «einen hybrideren Aufbau seines Empires geschaffen», um ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen, sich rasch entwickelnden Gruppen herzustellen. Dieses Prinzip wurde von einigen frühen US-amerikanischen Politikern übernommen, unter anderem von Präsident Thomas Jefferson, der meinte, Europäer und Indianer sollten «miteinander umgehen, zusammenleben, sich mischen und ein Volk werden». Ein klassisches Beispiel für diese Vermischung lieferte Sam Houston, der erste Präsident und spätere Gouverneur von Texas, der aus seinem Elternhaus davonlief und von einer Cherokee-Familie adoptiert wurde. Später kehrte er in seine Gesellschaft zurück und begann eine Politikerkarriere, die von Alkoholmissbrauch, Skandalen und Gewalt begleitet wurde. Als er sechsunddreißig war, ging seine Ehe in die Brüche, daraufhin kehrte er zu den Cherokee zurück, heiratete eine Halbcherokee, wurde Cherokee-Botschafter in Washington und trug fortan indianische Kleidung. Verärgert über sein ständiges Trinken, enthoben ihn die Cherokee seines Amtes und stießen ihn aus ihrer Gemeinschaft aus. Houston wurde Präsident von Texas, nachdem es sich von Mexiko losgesagt hatte. Im Amt versuchte er, ein Bündnis mit den Cherokee vor Ort zu schmieden, um in Nordmexiko einzufallen und einen bikulturellen Staat zu gründen. Auch Jefferson leistete seinen Beitrag zu einer multikulturellen Gesellschaft. Wie 1998 in DNA-Tests nachgewiesen wurde, war er mit großer Wahrscheinlichkeit der Vater von einem oder mehreren Kindern seiner halb afrikanischen Sklavin Sally Hemings, die möglicherweise die Halbschwester seiner Frau war. Jefferson ließ alle sechs Kinder von Hemings frei – die einzigen Sklaven, denen er jemals die Freiheit schenkte. Drei von ihnen lebten später als «Weiße».
Die Spanier standen nicht allein mit dieser Verbissenheit. Der Universalgelehrte Louis-Élie Moreau de Saint-Méry versuchte im 18. Jahrhundert, Haitis bunt gemischte Bevölkerung in 128 hochdifferenzierte Gruppen zu unterteilen («die zwölf Kombinationen des Mulatten erstrecken sich von sechsundfünfzig bis zu siebzig Anteilen Weiß»).
Nicht alle ließen sich in Mexiko nieder. Eine Volkszählung im peruanischen Lima ergab 1613, dass dort 114 Asiaten lebten, fast die Hälfte von ihnen Frauen. Vermutlich war die tatsächliche Zahl größer, weil die Asiaten versucht haben dürften, sich den Volkszählern zu entziehen. Viele waren «Halskrausen-Öffner» (abridores de cuellos), sie bedienten die Mechanismen der steifen Halskrausen, die wohlhabende Männer damals um den Hals trugen.
Sehr viele Zuschauer haben die erste Folge der Fernsehserie Roots gesehen, in der US-Sklavenjäger Dörfer im heutigen Gambia überfallen. Tatsächlich waren solche Raubzüge selten. Afrikanische Staaten duldeten keine Übergriffe dieser Art, schon gar nicht, wenn sie von Sklavenhändlern vorgenommen wurden, die versuchten, sie in der Lieferkette zu übergehen – und wenn die Gefangenen ihre eigenen Untertanen waren.
Weniger rührend erscheint aus heutiger Sicht Núñez de Balboas Vorgehen in Quarequas Dorf. Dort soll es vierzig Mitglieder von Quarequas Familie und Hof gegeben haben, die Frauenkleidung trugen. Es wird berichtet, Núñez habe sie von Hunden zerreißen lassen, unter denen vermutlich auch der Hund war, mit dem er sein Fass geteilt hatte. Andere Dorfbewohner hätten ihm noch mehr Transvestiten gezeigt und ihn überredet, sie ebenfalls zu töten. Die Geschehnisse sind so, wie sie berichtet werden, kaum glaubhaft. Obwohl die indigenen Völker Panamas tolerant gegenüber Homosexuellen gewesen sein sollen, scheint deren Auftreten in großen, geschlossenen Gruppen doch unwahrscheinlich. Denkbar wäre, dass die Spanier höfisch geschmückte Gewänder irrtümlich für Frauenkleider hielten. In dem Machtvakuum, das nach Quarequas Tod entstanden war, haben sich die Feinde der Höflinge dieses Missverständnis vielleicht zunutze gemacht, um ihre Rivalen von den Spaniern beseitigen zu lassen.
Oft wird behauptet, Santa María la Antigua del Darién sei die erste dauerhafte europäische Niederlassung auf dem Festland gewesen. «Dauerhaft» ist ein dehnbarer Begriff; die Kolonisten gaben die Siedlung nach neun Jahren auf. Rund 170 Jahre später versuchten Schotten eine Kolonie nur wenige Meilen entfernt zu gründen, mit dem Ergebnis, das ich in Kapitel 3 beschrieben habe.
Natürlich blieb ihnen rassistische Diskriminierung nicht erspart. Zur Freiheit der ehemaligen Maroons gehörte auch, dass sie ebenso schlecht behandelt werden konnten wie andere – das heißt, wie andere freie Bürger afrikanischer Herkunft.
Sephardische Juden waren angesehene Großgrundbesitzer und Sklavenhalter in Surinam. Andernorts in Amerika traten sie nicht als nennenswerte Sklavenbesitzer in Erscheinung.
Eifrig machten sich die Mongolen die Kultur der Han-Chinesen zu eigen, hüteten sich aber, den Han selbst zu viel Macht zu gewähren. (Wir erinnern uns, die Han sind Chinas vorherrschende Volksgruppe – die Gruppe, die man im Westen als «Chinesen» bezeichnet.) Infolgedessen setzten die Yuan häufig lokale Herrscher ein, die keine Han waren. Dass die Yuan Arabern und Persern die Kontrolle über Zaytun überließen, bedeutete eine Erweiterung dieser Strategie.
Colón 2004, S. 3f.; Léon Guerrero 2000, S. 247–251; Las Casas 1951, Bd. I, 362f.; Anghiera 1912, S. 87; Chanca 1494, S. 62ff.; Colón, C. 1494 (?), «Relation of the Second Voyage», in: Varela und Gil (Hg.), 1992, S. 235–254 («ein sehr geeignetes Stück Hochland … kein geschlossener Hafen, aber doch eine sehr große Bucht, die alle Schiffe der Welt aufnehmen könnte», S. 247, [ich danke Scott Sessions für die Hilfe bei der Übersetzung]). Morison weist allerdings darauf hin, dass der Hafen nach Norden offen ist, «wodurch sie während des blasenden Winternords keine Zuflucht bietet», und dass Trinkwasser ungefähr anderthalb Kilometer entfernt ist (1983, S. 421f.)
Besuch des Verfassers; Deagan und Cruxent 2002a, Kapitel 3; 2002b, Kapitel 4 (besonders Abb. 4.2).
Zu neueren biographischen Studien vgl. Abulafia 2008; Wey Gómez 2008; Fernández-Armesto 2001, 1991; Taviani 1996; Phillips und Phillips 1992. Nützlich, jedoch überholt, ist Morison 1983. Biographien von Zeitgenossen sind Colón 2004; Las Casas 1951, Bd. 1; Bd. 2, S. 1–200 (häufig sind die beiden identisch). Vgl. ferner Anmerkung 25.
Diesen Vergleich verdanke ich William Kelso.
Abulafia 2008, S. 10–30, 105–212; Colón 2004, Kapitel 13–63; Fernández-Armesto 2001, S. 51–114; Léon Guerrero 2000; Las Casas 1951, Bd. I («Hals über Kopf einen Häscher», S. 170; Colóns Kostenanteil, S. 175f.); Phillips und Phillips 1992, S. 120–211 (Schiffslängen, S. 144f.); Varela und Gil (Hg.), 1992, S. 95–365 (Briefe von Colón und anderen); Gould 1984 (Colóns Mannschaft); Oviedo y Valdés 1851, Bücher 1–4; Cuneo 1495, S. 50–63. Las Casas schreibt, es seien 1500 Männer auf der zweiten Reise gewesen, «alle oder fast alle von Ihren Hoheiten bezahlt» (1951, Bd. 1, 346); der Hofhistoriker Andrés Bernáldez meint (1870, Bd. 2, 5), die Schiffe hätten «knapp eintausend kampftüchtige Männer beherbergt», eine Rechnung, die Seeleute, Priester, Handwerker usw. außer Acht zu lassen scheint.
Scillaccio, N., 1494, «The Islands Recently Discovered in the Southern and Indian Seas», in: Symcox (Hg.), 2002, S. 172.
Vgl. Kapitel 2 und 5; Satow 1877, S. 70f. (Banden in Tokio).
Zur Gesamtdarstellung vgl. Bernstein 2008, S. 1–109; Abu-Lughod 1991.
Diesen Punkt übernehme ich von Phillips und Phillips (1992, S. 241), bei denen es heißt, der Admiral habe «die Welt auf den Weg» zu globaler Integration gebracht.
Decker-Walters 2001 (Flaschenkürbisse); Zizumbo-Villarreal und Quero 1998 (Kokosnüsse); Montenegro et al. 2007 (Süßkartoffeln).
Crosby 1991, S. 15ff.
Crosby 1991, S. 216. Crosbys Auffassung (2003, S. XXVI) setzt sich zunehmend durch: «Selbst dem Wirtschaftshistoriker entgeht unter Umständen, was jedem Ökologen oder Geografen schon bei flüchtiger Lektüre der Quellentexte des 16. Jahrhunderts ins Auge springt: Die wichtigsten Veränderungen, die durch die Reisen des Kolumbus hervorgerufen wurden, waren biologischer Natur.»
Abulafia 2008, S. 168–171; Colón 2004, S. 108–113; Morison 1948, S. 295–302; Colón 1493, S. 177–186. Möglicherweise hat La Navidad in der Nähe der Ortschaft Caracol im nördlichen Teil Haitis gelegen; im 18. Jahrhundert scheint man dort den Anker der Santa Maria gefunden zu haben (Moreau de Saint-Méry, S. 1797/98, Bd. I, S. 163, 189, 208).
Rouse 1992.
Abulafia 2008, S. 168–171; Las Casas 1951, Bd. I, S. 356–359; Chanca 1494, S. 51–54 («über sie gewachsen», S. 54 – ich übersetze yerba als «Gras» und «Vegetation»). Las Casas (1951, Bd. 1, S. 357) gibt die Zahl der Leichen mit «sieben oder acht» an; Colóns Sohn (2004, S. 312) nennt die Zahl elf. Michele de Cuneo (1495) sagt, die Spanier hätten befürchtet, sie seien gegessen worden.
[Fußnote] Allison 1980; Aceves-Avila et al. 1998; Chanca 1494, 66f.; Las Casas 1951, Bd. 1, S. 376. Colóns Krankheit: Colón 2004, S. 329; Las Casas 1951, Bd. 1, S. 396f.; und Colón, C., 1494. Brief an die Monarchen, 26. Februar, in: Varela und Gil (Hg.), 1992, S. 313. Der Rheumatologe Gerald Weissmann hat eine Fallstudie über Colón geschrieben (1998, S. 154f.). Laut Las Casas (1951, Bd. 1, S. 363f.), dessen Vater und Bruder Augenzeugen waren, erkrankte auch der Admiral im Januar; der Sommeranfall ist vielleicht eine zweite, schlimmere Episode gewesen. Colón beschrieb «eine Krankheit, die mir Sinne und Verstand benahm, als wäre es die Pestilenz oder modorra» (S. 313). Die Reiter’sche Krankheit hat nichts mit modorra zu tun (betäubende Schlafsucht, die damals als eigene Krankheit galt), sondern ging mit hohem Fieber und Verwirrungszuständen einher, was die Sache wohl trifft. Colóns spätere Symptome, wie beispielsweise Entzündungen, entsprechen dem Bild in noch höherem Maße.
Abulafia 2008, S. 202f.; Phillips und Phillips 1992, S. 207f.; Poole 1974; Las Casas 1951, Bd. 1, S. 399f.; Oviedo y Valdés 1851, Bd. 1, S. 54. Poole vertritt die Auffassung, Margarits Abfahrt sei weniger ein Verrat als die Handlung eines pflichtbewussten Untertans der Krone gewesen, der über das Chaos in der Kolonie Bericht erstatten wollte, doch das ist nur ein unwesentlicher Gesichtspunkt – sein Bericht war eindeutig von seiner Abneigung gegen Colón gefärbt.
Abulafia 2008, S. 201–207; Colón, C., Brief an die Monarchen, 14. Oktober 1495, in: Varela und Gil (Hg.) 1992, S. 316–330 («das Land», S. 318); Castellanos 1930–1932, Bd. I, S. 45 (Elegia II [chemische Kriegführung]).
E-Mail an den Verfasser, Bart Voorzanger (allgemein); Hays und Conant 2007 (Mungo); Eastwood et al. 2006 (Schwalbenschwanz); Guerrero et al. 2004 (Schwalbenschwanz); Martin et al. 2004 (Waldunterschicht); Rocheleau et al. 2001 (Waldwandel); Parsons 1972 (afrikanisches Gras [Lagerstreu, S. 14]); Hitchcock 1936 (afrikanische Grasarten, S. 161, 259).
Wilson 2006, 2005; Williams und Matile-Ferraro 1999, S. 146 (afrikanische Schildläuse); Las Casas 1951, Bd. 3, S. 271ff. (alle anderen Zitate); Oviedo y Valdés 1851 («entvölkert», Bd. 1, S. 453 [Buch 15, Kapitel 1]; Wegeriche, Bd. 1, S. 291ff. [Buch 8, Kapitel 1]); Herrera y Tordesillas 1601–1615, Bd. 2, S. 105f. (2. Dezember, Buch 3, Kapitel 14). Die Wegeriche wurden von den vor der westafrikanischen Küste liegenden Kanaren eingeführt. Die meisten beteiligten Schildläuse waren Schmierläuse. Oviedo berichtete, dass «die Ameisen in diesen Gebieten sehr gute Freunde» des Wegerichs seien (Bd. 1, S. 291).
«Millionen und Abermillionen von ihnen»: Colón, C., Brief an die katholischen Monarchen, April/Mai 1494, in: Varela und Gil (Hg.), 1992, S. 284. Cuento de cuentos heißt wörtlich «eine Million Millionen» oder eine Billion. Doch die Zahl Billion gelangte erst im 17. Jahrhundert ins Spanische. Offensichtlich wollte Colón «eine riesige Menge» zum Ausdruck bringen, daher benutze ich den Ausdruck «Millionen und Abermillionen», um diese Unbestimmtheit durch eine charakteristische Wortkombination wiederzugeben. Ich danke Scott Sessions für die Übersetzungshilfe.
Livi-Bacci 2003 (Tabelle mit Schätzungen, S. 7; «einige Hunderttausend», S. 48; Zählung von 1514, S. 25–34); Las Casas 1992, S. 29 («drei Millionen»). Der Geograf William Denevan, Autor vieler Studien zur präkolumbischen Demographie, glaubt (persönliche Mitteilung), die Zahl liege zwischen 500000 und 750000.
Oviedo y Valdés 1851 («niemand glaubt im Jahr des Herrn 1548, dass es noch fünfhundert Personen gibt» Bd. 1, S. 71 [Buch 3, Kapitel 6]). Las Casas behauptete, dass bis zum Zeitraum 1518/19 «nicht 1000 Seelen dieses Elend überleben und fliehen konnten» (1951, Bd. 1, S. 270). Oviedo lebte von 1514 bis 1556 auf der Insel, Las Casas von 1502 bis etwa 1540.
Bigges 1589, S. 32. Als Sir Francis Drake die Stadt plünderte, war sie «aus Mangel an Arbeitskräften in den Minen» zu arm, um viel Lösegeld aufzubringen.
Zur Abwesenheit von Krankheiten in Amerika und zum Eindringen neuer Krankheiten vgl. die Zusammenfassung in: Mann 2005, S. 86–133.
E-Mail an den Verfasser, Juan Carlos Martinez-Cruzado (Universität von Puerto Rico). Martinez-Cruzado berichtet im Juli 2009, er habe «in der Dominikanischen Republik ca. 15 Prozent indigene amerikanische mtDNA gefunden», versuche aber zurzeit noch den Taino-Anteil zu bestimmen.
Vgl. etwa Sale 2006. Über die Einstellungen zu Colón im Laufe der Zeit vgl. Stavans 2001.
Del Monte y Tejada 1852–1890, Bd. 1, S. 316–319 («göttliche Fügung», S. 316).
Varela und Gil (Hg.) 1992.
Colón, C., Festlegung der Erbfolge, 22. Februar 1498, in: Varela und Gil (Hg.) 1992, S. 356. Vgl. ferner Morison 1986, S. 348; Milhou 1983, S. 55–90.
Colón 2004, S. 238. Vgl. auch Las Casas 1951, Bd. 1, Kapitel 2. Meine Kurzbiographie stützt sich auf die in Anmerkung 3 genannten Quellen.
Hier folge ich Fernández-Armesto 2001. Zu Colóns Versuchen, eine Dynastie zu begründen, vgl. zum Beispiel seine Anweisungen zur dynastischen Erbfolge in: Colón 1498. Siehe auch die entschlossenen Anstrengungen, die Dokumente seiner Adelsprivilegien in dem sogenannten Buch der Privilegien (Nader 1996, S. 10–13) festzuschreiben. Die beste Analyse seiner religiösen Überzeugungen habe ich in Milhou 1983 gefunden; vgl. auch Delaney 2006; Watts 1985.
Colón 1493, S. 181. Colón erläuterte seine Hoffnungen 1493 in einem Brief an die Monarchen: «So es Gott in seiner Gnade gefällt, … werde ich in sieben Jahren von heute in der Lage sein, Euer Hoheiten die Kosten von fünftausend Reitern und fünfzigtausend Fußsoldaten für den Krieg und die Eroberung von Jerusalem zu zahlen, welche der Grund war, mich auf dieses Unterfangen einzulassen» (Varela und Gil [Hg.] 1992, S. 227–235, auf S. 232). Vgl. auch Delaney 2006; Rusconi (Hg.) 1997, S. 71–77 (nicht abgeschicktes Schreiben von Colón an die Monarchen, in dem er sie auffordert, Jerusalem zu erobern); Colón 1498, S. 360 (mit der Anweisung an seine Erben, bei der Eroberung zu helfen). Dank an Scott Sessions für die Hilfe bei diesen Dokumenten.
Colón, C., Bericht über die dritte Reise, August (?) 1498, in: Varela und Gil (Hg.) 1992, S. 377 («angebracht wäre»); 380 («Gottes Wille ist»). In dem für die Monarchen bestimmten Bericht über die dritte Reise behauptete Colón, die Paradies-Brustwarze gefunden zu haben. An der Orinokomündung habe er die Hänge erklommen, die zu diesem «vorspringenden Teil» führten (ebd., S. 377). Der Himmel sei vermutlich nahe den Quellgebieten des Flusses. Solche Vorstellungen waren weit verbreitet; Dante verlegte das Paradies auf die Spitze einer Anhöhe, die er Läuterungsberg nannte (Lester 2010, S. 339). Ich danke Scott Sessions für die Hilfe bei der Übersetzung.
Mein Dank gilt Dennis Flynn für die Aufklärung. Vgl. z.B. Bernstein 2008, S. 70–76; Hourani 1995, S. 51–87ff.
Crease 2003, Kapitel 1 («wiederholt wird», S. 3). Eratosthenes’ tatsächliche Zahl lag wahrscheinlich näher bei 47000 Kilometern, einem Wert, den die meisten Wissenschaftshistoriker für bemerkenswert genau halten.
Wey Gómez 2008, S. 65–99, S. 143–158; Varela und Gil (Hg.) 1992, S. 90f. (Quadrant); Nunn 1924, Kapitel 1. Auch Colón verließ sich auf den Kosmografen Pierre d’Ailly, der die Auffassung vertrat, Ostasien müsse bei Westafrika liegen (Nunn 1935). D’Ailly übernahm seine Vorstellungen von Roger Bacon (1962, S. 311), der die seinen einer fehlerhaften Lektüre des Aristoteles verdankte. (Aristoteles schrieb nämlich [Aristoteles 1857, S. 183]: «Auch behaupten diejenigen unter den Mathematikern, welche die Größe des Umfangs zu berechnen versuchen, derselbe sei ungefähr viermal hunderttausend Stadien.» – rund 73000 Kilometer, fast das Doppelte des tatsächlichen Wertes.) Diese gelehrten Feinheiten waren Colón nicht bekannt, und nichts lässt darauf schließen, dass er sich um sie gekümmert hätte.
[Fußnote] Varela und Gil (Hg.) 1992, S. 89 (Randnote). Die Geschichte wird übergangen von Morison (1983, S. 24f.), kommentarlos erwähnt von Phillips und Phillips (1992, S. 105) und abgetan von Quinn (1992, S. 282–285). Im Gegensatz dazu bezeichnet Jack Forbes (2007, S. 9) die Randnotiz «als fundierten, unstrittigen Beleg, dass Kolumbus indigene Amerikaner in Galway gesehen hat». Ich danke Scott Sessions für die Hilfe bei der Übersetzung von Colóns Anmerkung.
Colón, C., 1500. Brief an Doña Juana de la Torre, in: Varela und Gil (Hg.) 1992, S. 430–37, auf S. 430.
Colón, C., 1503. Bericht über die vierte Reise, 7. Juli, in: Varela und Gil (Hg.) 1992, S. 485–503, auf S. 498.
González 2007; Roorda 1998, S. 114–118, 283ff.; Farah 1992; French 1992a, b (Proteste); Wilentz 1990; Gleave 1952.
Samways 1999. Häufiger wird es als Anthropozän bezeichnet.
Rubio Mañé 1970, 1964; Mitchell 1964 (Urdaneta wählt Legazpi, S. 105); De Borja 2005, Kapitel 3. Enriquez, M., 1561, Brief an Philipp II., 9. Februar, in: B&R 3, S. 83f. (Urdaneta und Legazpi als Verwandte); ders. 1573, Brief an Philipp II., 5. Dezember, in: B&R 3, S. 209–222, auf S. 216f. (Legazpi verkauft Besitz). Zu einer Darstellung für das breite Publikum vgl. Sanz y Díaz 1967, S. 3–17.
Real Audiencia (höchstes Justizorgan) in Neuspanien. Anweisungen für Legazpi, 1. September 1564, in: B&R 2, S. 89–100.
García-Abásolo 2004, S. 23. Legazpi habe, so García-Abásolo, «immer gedacht, letztlich sei seine Bestimmung, nach China zu gelangen … Hätte Legazpi noch einige Jahre länger gelebt, hätte er wahrscheinlich eine diplomatische Expedition nach China finanziert» (S. 235). Vgl. auch Cortés 2001, S. 266–277 passim, S. 444–447 (in der Hoffnung, den Pazifik zu erforschen) und die vielen gescheiterten China-Missionen, aufgeführt in: Ollé Rodríguez 2002.
Legarda 1999, S. 16–31; Guerrero 1966, S. 15–18; Rubio Mañé. 1970, 1964. Vgl. auch Sanz y Díaz 1967, S. 35–52.
[Fußnote] Cervancia 2003; Ruttner 1988, S. 284 (Reichweiten der Bienen); Cowan 1908, S. 73, 89, 105 (Schildlaus).
Besuch des Verfassers, Interviews mit Chiquita Cabacay-Jano und Rudmar T. Cabacay (Entwicklungsbüro Bulalacao); Horsley 1950, S. 74f. (Sonnenschirme, Trommeln); Legazpi, M. L., Brief an Philipp II., 23. Juli 1567, in: B&R 2, S. 233–243, auf S. 238. Vgl. auch Laufer 1908, S. 251f.; Li 2001, S. 76–79.
Legarda 1999, S. 23f.; Zuñiga 1814, Bd. 1, 110f.; Lavezaris, G. d., 1575 (?) «Teil eines Briefs an den Vizekönig» in: B&R 3, S. 291–294, auf S. 291f.; o. N. (Martín de Goiti?) 1570, Bericht über die Reise nach Luzon, in: B&R 3, S. 73–104, auf S. 73–77 (alle Zitate). Die Spanier begaben sich nach Manila, wo sie einige chinesische Dschunken bei einem Handelsstreit beschützten und die Stadt plünderten (ebd., S. 94ff., 101–104; o. N. 1571, Bericht über die Eroberung der Insel Luzon, in: B&R 3, S. 141–172, auf S. 148–157). Entfernungen sind in legua angegeben, die ich als legua común (5,57 Kilometer) auffasse (Chardon 1980). Vgl. auch Sanz y Díaz 1967, S. 53–59.
Pacheco Maldonado, J., 1572, Carta en Relación de Juan de Maldonado Tocante al Viaje y Poblacion de la Isla de Luzón en Filipinas, 6. Mai, zitiert in: Ollé Rodríguez 2006, S. 32, 1998, S. 227–230; Riquel et al. 1573, S. 235; Zuñiga 1814, Bd. 1, S. 125f.
Lavezaris, G. d., 1573, Affären auf den Philippinen nach dem Tod von Legazpi, 29. Juni, in: B&R 3, S. 179–189, auf S. 181–184; Riquel et al. 1573, Nachrichten von den Westlichen Inseln, ebd., S. 230–249, auf S. 243–249 («entzückte», S. 245); vgl. auch den Brief an den Vizekönig von Neuspanien, zitiert ebd., S. 226, Anm. 75.
Vgl. die Kapitel 3 und 4.
Pomeranz 2000, S. 31–107; Frank 1998, Kapitel 4.
Enriquez, M., 1573, Brief an Philipp II., 5. Dezember, in: B&R 3, S. 209–219, auf S. 212 («noch nicht besitzen»), S. 214. Die Chinesen sahen das ähnlich: «China handelt auf Luzon nur zu dem Zweck, um feringhee [fremde] Silbermünzen zu bekommen», schrieb der Provinzgouverneur Xu Xueju. Sonst hätten die Fremden nichts, was China brauche (Xu, X., Erster Bericht über rothaarige Fremde, in: Z. Chen et al. (Hg.) 1962, S. 4726f.). Vgl. auch Marks 2006, S. 56ff.
Song 2007, S. 2, vgl. Kapitel 5.
Frank 1998, S. 277.
De Borja 2005, S. 17, 128.
Garner 2006, unter Verwendung aktualisierter Daten von TePaske und Klein; Morineau 1985, S. 571–599. Bis 1650 waren in Amerika rund 30000 Tonnen Silber produziert worden.
Bartos 2000; Waltham 2005.
Vgl. Kapitel 3.
Craig und Richards 2003, S. 1–12 (65 Pfund, Tabelle I-I); Goodman 2002, S. 3ff.; Cobb 1949, S. 33–36; Acarete du Biscay 1698, S. 54–57.
Es gibt kaum Studien zur Aufgabe der Hochlandagrikultur, doch Denevan kommt nach Sichtung der Evidenz zu dem Schluss, dass sie «in erster Linie mit dem Bevölkerungsrückgang im 16. Jahrhundert zu tun hatte» (2001, S. 201–210, Zitat auf S. 250).
De Silva und Zielinski 1997.
Die beiden Seiten der Debatte sind nachzulesen in: Garner 2006 sowie Flynn und Giráldez 2001, vgl. Kapitel 4.
Zu den Standarddarstellungen gehörten Kamen 2005, Elliott 2002, Lynch 1991 (Preisrevolution, S. 174–184), Parker 1979 (besonders «War and Economic Change: The Economic Costs of the Dutch Revolt», S. 178–203) und Hamilton 1934. Spaniens finanzielle Probleme sind übersichtlich zusammengefasst in: Flynn 1982, besonders S. 142f. Eine eingehende Untersuchung von Spaniens Flucht in den silberfarbenen Bankrott liefert Carande 1990, besonders Bd. 3. Rückgang der Silberförderung: Garner 2007, Abbildungen 6, 8 (mit aktualisierten, nicht veröffentlichten Zahlen von John TePaske); Garner 1988, Abbildung 2; Brading und Cross 1972, Abbildung 2. Der Begriff einer «allgemeinen Krise» geht offenbar zurück auf: Roland Mousnier 1954.
Flynn (persönliche Mitteilung) stützt seine Zusammenfassung auf Parker 1979b, c.