
Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, August 2016
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ISBN Printausgabe 978-3-499-27197-7 (1. Auflage 2016)
ISBN E-Book 978-3-644-56351-3
www.rowohlt.de
Die Seitenangabe im Quellenverzeichnis bezieht sich auf die Seitenzahl der Printausgabe
ISBN 978-3-644-56351-3
Für Carla und Stephan

Familie ist Familie. Ob es die ist, in die man hineingeboren wird, die selbst gegründete oder die Familie, die man unterwegs dazugewinnt.
Gloria Delgado-Pritchett in Modern Family
Das Familienleben ist ein Eingriff in das Privatleben.
Karl Kraus
Er zog den Schlüsselbund aus der Hosentasche und betrachtete das Haus. Sein Haus. Natürlich musste noch einiges daran gemacht werden, aber trotz schief in den Angeln hängender Holzläden und der abgeblätterten Farbe wirkte es freundlich und einladend mit den roten Backsteinen, der schönen alten Tür und den Blumenkübeln auf den Stufen, die der Vorbesitzer zurückgelassen hatte. Genau so ein Haus hatte er sich immer gewünscht. Und das Allerbeste war die Lage direkt am Alsterlauf. Man musste nur durch die Pforte am Ende des Grundstücks gehen. Es war ein Traum.
Im Garten standen ein paar richtig alte Bäume. Tannen, Linden, ein paar Obstbäume. Aber am liebsten mochte er die kleine Goldulme neben dem Erker, deren gelbgrünes Laub selbst unter der dunkelgrauen Wolkendecke leuchtete, als würde sie von der Sonne beschienen. Das Haus hatte zwei Stockwerke und war voll unterkellert, den Dachboden konnte man ausbauen. Genug Platz für alle also. Für seine Töchter, für seinen großen Sohn und dessen Freundin, für Freunde und Gäste aller Art. Ein Arbeitszimmer für Dana verstand sich von selbst, am besten oben unterm Dach, da hätte sie ihre Ruhe.
Sie würden ein gastfreundliches Haus führen, das allen jederzeit offenstand, auch den Müttern seiner Kinder, wenn sie wollten. Er würde die Wand zwischen Küche und Esszimmer einreißen und einen langen Esstisch bauen, an dem die ganze zusammengewürfelte Familie Platz finden konnte. Unter diesem Dach würden sie kochen und essen, Hausaufgaben machen und arbeiten, spielen, lesen und Filme sehen, am Kamin Tee trinken oder abends bei einem Glas Wein lange Gespräche führen. Hier würden sie Familienfeste feiern, sich streiten und sich lieben. Leben.
Es würde wunderbar werden. Wenn alle mitmachten.
«Und damit sind wir am Ende angekommen. Aus soziologischer Sicht ist die romantische Paarbeziehung also eine Fiktion.»
Dana schob ihre Unterlagen zusammen und ließ den Blick über die ansteigenden Reihen des halbvollen Hörsaals wandern. Die Vorlesung war geschafft, das Semester auch. Vor ihr lagen drei Sommermonate ohne Lehrveranstaltungen. Viel Ruhe, um zu schreiben und ohne die üblichen Pflichten Zeit mit Mattis zu verbringen, mit ihm auszuschlafen, ans Meer zu fahren, schwimmen zu gehen.
«Im Wintersemester werde ich eine Einführung in die Familiensoziologie anbieten und außerdem das Seminar Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Die Auflösungsphase in Zweierbeziehung und Ehe.» Hier und da wurde gelacht. «Die veränderten Familienkonstellationen haben auch Konsequenzen für die Paarbeziehungen, und um die soll es in dem Seminar gehen. Was für Konsequenzen sind das? Welche Rolle spielen sie bei der Entscheidung, eine Ehe einzugehen, welche bei ihrem Scheitern? Aus welchen Gründen wird heute überhaupt geheiratet?»
«Spießig ist das neue cool», warf jemand aus den vorderen Reihen ein. Dana sah, dass es Paul war, der Hiwi von einem der Professoren an ihrem Institut. Seine These gefiel ihr. Vollkommen unspießig war sie wahrscheinlich selber nicht – wer konnte das schon von sich behaupten –, aber die Begeisterung für Heirat und Nestbau, die ihr Umfeld seit einiger Zeit ergriffen hatte, teilte sie nicht.
«Interessante Theorie. Das ist doch ein guter Ausgangspunkt für deine Hausarbeit.» Sie zwinkerte ihm kurz zu und strich sich den Pony aus der Stirn, der dringend mal wieder geschnitten werden musste. «Also … einen schönen Sommer!»
Die Studenten erhoben sich, Sitze klappten nach oben, augenblicklich herrschte Aufbruchsstimmung. Ein bisschen schade fand Dana es ja, dass die Seminare erst in drei Monaten wieder losgingen. Im Kreise ihrer Studenten fühlte sie sich manchmal immer noch wie eine von ihnen. Sie hob ihre Tasche auf den Tisch und begann, ihre Sachen zusammenzusuchen. Als sie aufsah, begegnete ihr Blick dem von Paul, der mit lässigem Schritt die Treppe herunter und auf den Ausgang zuging. Auf seinem weißen T-Shirt stand in verblichenen schwarzen Blockbuchstaben Sex. Murder. Art. Hinter ihm löste sich zu Danas Überraschung Mattis aus dem Gewimmel auf der Treppe. Sie hatten die letzte Nacht nicht zusammen verbracht und noch nicht gewusst, ob sie sich heute würden sehen können. Umso mehr freute sie sich, dass er hier so unvermittelt auftauchte, das hatte er noch nie gemacht. Trotz Jeans und seinem ziemlich lässigen braunen Lockenkopf passte er hier so gar nicht her. Ein Mann mit Lebenserfahrung zwischen lauter hippen Jungs und Mädchen, jemand, der mit den Händen arbeitete zwischen lauter Kopfmenschen. Aber genau das gefiel Dana an Mattis.
«Hey!» Sie ging ihm entgegen. «Was machst du denn hier?»
«Dich abholen.» Er gab ihr einen Kuss, und seine braunen Augen lachten sie an.
«Ist was? Du strahlst so.»
«Ja, könnte man so sagen.» Er zupfte irgendetwas Unsichtbares vom Kragen ihres Blazers.
«Was Gutes?», fragte Dana.
«Na ja … ich würde gern die Konsolidierungsphase unserer Zweierbeziehung einleiten. Falls es so was gibt.»
Dana grinste. «So was gibt es, ja.»
«Hast du Zeit, Mittag zu essen?
Sie musste eigentlich noch mal ins Sekretariat, bevor dort niemand mehr war, und außerdem ein Telefonat führen, aber sie war gespannt, was Mattis ihr zu sagen hatte. Konsolidierungsphase klang gut. Allerdings auch ein bisschen beängstigend.
«Sehr schön.» Mattis legte den Arm um sie. «Bist du so weit?»
«Mehr verrätst du mir nicht?»
«Doch, gleich. Wenn wir sitzen.»
«Bei den restlichen Punkten der Tagesordnung ist Ihre Anwesenheit dann nicht mehr erforderlich.»
Matildas Klassenlehrerin nickte Maren zu, und die zweite Elternvertreterin und sie standen auf und verabschiedeten sich. Tatsächlich durften sie gar nicht dabei sein, wenn die Direktorin und die Klassenlehrerin den Lernstand der einzelnen Kinder durchgingen, obwohl das sicher der interessanteste Teil der Zeugniskonferenzen war.
Andrea, mit der zusammen Maren im vergangenen Jahr das Erntedankfest, die Weihnachts- und die Faschingsfeier der Klasse 1b organisiert, besorgte Eltern zu besänftigen versucht und Geld für Lehrergeschenke eingetrieben hatte, schloss die Tür zum Klassenzimmer hinter sich. Während sie an mit Kinderzeichnungen plakatierten Wänden vorbei auf den Ausgang zugingen, zog Andrea ihr Handy aus der Tasche und begann, eine Nachricht zu tippen.
«Jetzt bringen wir noch das Sommerfest hinter uns, und dann sind endlich Ferien. Ich werde mich nächstes Jahr nicht wieder zur Wahl stellen, der ganze Orga-Kram wird mir dann zu viel.» Sie steckte das Handy weg und legte die Hand auf ihren leicht gerundeten Bauch. «Willst du noch weitermachen?»
Maren nickte. «Ich denke schon.» So viel war eigentlich gar nicht zu organisieren, und sie freute sich immer, mit den anderen Eltern Kontakt zu haben und zu hören, was bei deren Kindern so los war. Sie hielt Andrea die Eingangstür auf, und sie traten auf den Schulhof, der still in der Julisonne lag.
«Das ist gut. Ist ja immer besser, wenn wenigstens einer der Elternvertreter sich schon ein bisschen auskennt.» Andrea blieb an einer schattigen Stelle der schmalen Seitenstraße des Eppendorfer Wegs stehen, wühlte in ihrer Tasche herum, steckte sich dann eine Klemme zwischen die Lippen und nahm die langen Haare mit beiden Händen zusammen. «Jochen holt mich gleich ab. Macht ihr im Sommer was Schönes? Wir verbringen die kompletten Ferien in Südfrankreich, wird ja wahrscheinlich der letzte Urlaub für dieses Jahr.»
Der letzte Urlaub für dieses Jahr – das sollte wohl heißen, dass der Herbsturlaub wegen des neuen Babys ausnahmsweise ausfallen musste, dachte Maren. Das war natürlich ein extrem hartes Schicksal. «Wir wollen zu meiner Mutter», sagte sie wahrheitsgemäß, «und vielleicht –»
«Entschuldige, wie unsensibel von mir! Zoe hat mir erzählt, dass Mattis nicht mehr bei euch wohnt. Du, das tut mir so leid, ehrlich. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Ich fand immer, dass ihr so ein sympathisches Paar seid …»
Maren nickte. Sie hasste es, bemitleidet zu werden. Auch darum hatte sie bisher nur wenigen Leuten erzählt, dass Mattis vor ein paar Monaten ausgezogen war. Ihre Familie und Heike, ihre beste Freundin, wussten natürlich Bescheid. Allen anderen gegenüber – den Müttern der Freundinnen ihrer Töchter zum Beispiel – hatte sie, wenn es sich überhaupt nicht vermeiden ließ, von einer Auszeit gesprochen. Und das war eigentlich auch nicht gelogen. Denn Maren war fest davon überzeugt, dass Mattis schon noch zur Besinnung kommen würde. Es war ja nicht das erste Mal, dass er eine Krise hatte. Im letzten Frühjahr war ihm schon einmal die Decke auf den Kopf gefallen. Damals hatte er Maren ziemliche Vorwürfe und sich eine Zeitlang aus dem Staub gemacht. Aber dann war er nach zehn Tagen wieder da gewesen. Von einer endgültigen Trennung konnte also gar keine Rede sein. Auch dieses Mal würde er früher oder später wieder vor der Tür stehen. Er brauchte einfach ein bisschen Zeit für sich. Das war alles.
«Ah, da kommt er ja.» Andrea beugte sich zu Maren vor und küsste die Luft neben ihren Wangen. «Wir haben gleich einen Ultraschalltermin. Wenn wir Glück haben, können wir heute sehen, was es ist, ein drittes Mädchen oder zur Abwechslung mal ein Junge. Wär ja zu schön …»
Neben ihnen hielt ein schwarzer SUV. Maren rang sich ein Lächeln ab und winkte Jochen zu. Mit Sicherheit würde es ein Junge. Manche Frauen schienen einfach alles zu bekommen, was sie sich wünschten.
Als der Wagen um die Ecke gebogen war, schloss Maren ihr leuchtend pinkfarbenes Fahrrad auf. Da die Zeugniskonferenz auf den späten Vormittag gelegt worden war, hatte sie sich für heute im Laden abgemeldet und konnte direkt nach Hause fahren.
Maren raffte ihr Blümchenkleid zusammen, damit es nicht in die Speichen geriet, und trat kräftig in die Pedale. Sie fuhr an ihrem Kinderschuhladen und ihrer Lieblingsboutique vorbei und an den bereits jetzt gut besuchten, zahlreichen kleinen Cafés des Generalsviertels. Eigentlich hatten sie und Mattis auch alles gehabt, was sie sich immer gewünscht hatten. Mattis’ Möbelfirma hatte die schwierigen ersten Jahre überstanden und lief jetzt ganz gut, sie selbst arbeitete vormittags in dem kleinen Bio-Deli in Hamburg-Hoheluft, was ihr Spaß machte. Und vor allem hatten sie Marla und Matilda, ihre wunderbaren Töchter. Sie hätten sogar noch ein Kind bekommen können. Könnten sie theoretisch immer noch, noch war sie dafür nicht zu alt. Es war alles so schön gewesen. Die «Trennung» ergab einfach keinen Sinn. Mattis war ein wunderbarer Vater, kümmerte sich auch nach seinem Auszug rührend um die Kinder, und in Erziehungsfragen waren Maren und er sich meistens einig. Als Eltern waren sie nach wie vor gut – warum nicht auch als Paar?
Aber sie kannte Mattis nach all den Jahren gut genug. Es hatte keinen Sinn, ihn zu drängen, er musste selbst zur Vernunft kommen. Und das würde er sicher, denn er war ein Familienmensch, genau wie sie. Nachdem sein Vater früh gestorben und Mattis allein mit seiner Mutter aufgewachsen war, hatte er sich immer eine große Familie gewünscht. Es war ein Traum von ihnen beiden gewesen, als sie sich kennenlernten. Das hatte sie verbunden, und das verband sie auch immer noch.
Wenn Mattis kam, um die Kinder zu sehen, hielt Maren meist Abstand. In so einer Situation war es das mindeste, vor den Mädchen freundlich miteinander umzugehen. Anders als ihre Eltern damals, die nach ihrer Trennung nie wieder ein nettes Wort miteinander gewechselt hatten. Aber vielleicht hatte Heike recht. Sie war der Meinung, dass Maren viel zu passiv war und schon längst das Gespräch hätte suchen sollen. Mattis war ihr gegenüber immer nett und zuvorkommend, und Maren spürte, dass die alte Vertrautheit zwischen ihnen nach wie vor da war, aber was, wenn er durch ihr Verhalten den Eindruck gewann, dass sie ganz gut ohne ihn zurechtkam? Was nicht der Fall war. Er fehlte überall – als Vater, als Freund, als Mann. Nur konnte er das nicht wissen, solange sie sich so abwartend verhielt.
Maren bremste, und das Rad kam zum Stehen. Möglicherweise fiel es ihm nach seinem Auszug schwer, wieder auf sie zuzugehen, den ersten Schritt zu machen. Vielleicht musste sie wirklich ihren Mut zusammennehmen und Mattis sagen, dass sie ihn vermisste und dass ihre Tür ihm immer offen stand. Schließlich bekam man nicht hinterhergeworfen, was man sich wünschte. Auch Andrea hatte ihre schönen Kleider, das große Auto und die vielen Urlaube, die Kinder und den Mann, der immer so zugewandt und zuverlässig wirkte, bestimmt nicht ohne eigenes Zutun bekommen. Sicher steckte dahinter ein eiserner Wille. Wenn Maren eine Veränderung wollte, dann durfte sie nicht länger nur abwarten. Sie stieg vom Rad und holte ihr Handy aus der Tasche.
«Und eine Flasche Wasser, bitte», rief Dana dem Kellner hinterher. Sie waren zu ihrem Lieblingsitaliener gegangen, der nur einen Katzensprung von der Uni entfernt lag. Die Sonne strahlte vom Himmel, und durch die Blätter des Ahorns, in dessen Schatten sie saßen, raschelte ein leichter Wind. Mattis hatte Spaghetti caprese für sie beide und eine kleine Karaffe Weißwein bestellt und betrachtete nun entspannt die anderen Gäste. Mit seiner großen Neuigkeit war er noch nicht herausgerückt, sodass Dana Zeit gehabt hatte, verschiedene Theorien zu entwickeln und wieder über den Haufen zu werfen. Sie hielt es für das Wahrscheinlichste, dass er etwas Schönes für den Sommer geplant hatte, nur für sie beide. Mehr als ein paar Nächte am Stück hatten sie bisher nicht miteinander verbracht, eine gemeinsame Reise wäre etwas Neues und könnte durchaus unter «Konsolidierungsphase» laufen – ein Begriff, den es in der Soziologie streng genommen nicht gab. Eigentlich sprach man von der Bestandsphase, die zweite von insgesamt vier Phasen einer Beziehung. Zuerst kam die Aufbauphase, in der man sich kennenlernte, nach Gemeinsamkeiten suchte und Vertrauen aufbaute. Genau das hatten sie und Mattis in den vergangenen Monaten gemacht. Sie hatten sich erkundet, einander ausgefragt und sich ihr Leben erzählt, und Mattis war Dana so nah gekommen wie kein Mann zuvor. Auf diese allererste Zeit folgte, soziologisch betrachtet, die Bestandsphase, die sich dadurch auszeichnet, dass die Partner Grenzen ziehen und austesten und Fragen klären, die für den Fortbestand der Beziehung wesentlich sind. Die dritte Phase war die Krisenphase, und dann kam auch schon die Auflösungsphase – eine Entwicklung, die Dana seit Jahren immer wieder durchlebt hatte, mit wechselnden Männern, in immer schnellerer Abfolge. Ihr war vollkommen klar, welches Etikett sie sich damit aufkleben musste: das der bindungsscheuen Großstadtakademikerin. Sie war praktisch das Paradebeispiel. Gewesen.
Der Kellner kam mit dem Wein und einer Flasche Wasser, stellte Gläser auf den Tisch und goss ihnen ein. Als er sich wieder entfernte, trank Mattis einen Schluck und blickte Dana forschend in die Augen, als wollte er überprüfen, ob sie auch aufmerksam war. Oder er brauchte etwas Anlauf.
«Also … ich hoffe, ich erschrecke dich jetzt nicht, man muss bei dir da ja etwas vorsichtig sein.» Er lächelte, und Dana hielt unwillkürlich den Atem an. Was kam denn jetzt? Mattis räusperte sich. «Mir ist es wirklich ernst mit dir, Dana. Ich liebe dich, wie du weißt.» Wieder lächelte er ihr zu. «Und ich liebe meine Kinder. Ihr seid das Wichtigste für mich. Und darum möchte ich, dass du die Mädchen kennenlernst.»
Dana atmete aus. Sie beugte sich zu ihm vor und nahm seine Hand. «Das möchte ich auch, Liebling.» Sie liebte es, Liebling zu sagen. Es drückte genau ihr Gefühl für Mattis aus, außerdem kam es ihr sehr erwachsen vor. «Ich bin so gespannt auf die beiden, schon lange.»
Mattis hatte drei Kinder. Sein großer Sohn aus einer früheren Beziehung studierte schon. Dana hatte Tim kurz kennengelernt, ungeplant, als sie Mattis mal in seiner Werkstatt besucht hatte. Ein unkomplizierter, sympathischer Typ, der ganz offen auf sie zugegangen war. Die Mutter dazu, Jill, kannte sie noch nicht, aber Mattis sah sie selbst nur selten, schließlich war ihr gemeinsames Kind schon erwachsen.
Nach seinen Töchtern hatte sie Mattis schon zu Beginn ihrer Beziehung gefragt, aber damals fand er es noch zu früh für ein Kennenlernen, und das war sicher richtig. Sie selbst konnte wenig Erfahrung mit Kindern vorweisen, hatte nur ab und zu mal eins der ersten Babys in ihrem Freundeskreis auf dem Arm gehabt, was bisher jedoch keine übermäßigen Muttergefühle in ihr ausgelöst hatte. Aber auf Mattis’ Mädchen war sie gespannt – ein ähnlicher Altersabstand wie bei ihr und ihrer jüngeren Schwester, damit würde sie umgehen können.
«Wie kommt’s denn?», fragte sie freundlich. «Dass der Zeitpunkt plötzlich da ist, meine ich.»
«Na ja, plötzlich … so plötzlich ja nun auch wieder nicht.» Er schien nach den richtigen Worten zu suchen. «Das ist ja nicht ganz ohne, vor allem für Marla und Matilda. Wenn du nur irgendeine Frau wärst, dann würde ich dich ihnen vielleicht gar nicht vorstellen, also … nicht, dass ich dazu neigen würde, irgendwelche Frauen zu haben, ich meine …»
Dana lachte. «Verstehe. Du wolltest erst mal sicher sein, dass es mit uns was Ernstes ist.»
«Das hab ich gleich gewusst.» Mattis trank einen Schluck Wein. «Trotzdem wollte ich uns Zeit geben. Dir, vor allem. Denn das ist ja die Frage: Ist es dir auch ernst genug mit mir?»
Das klang sehr nach Gretchenfrage. Für das Glück seiner Töchter verantwortlich zu sein, war etwas viel, sie konnte schließlich nicht wissen, ob es mit Mattis wirklich gut gehen würde. Bisher war in ihrem Liebesleben noch nie irgendwas langfristig gut gegangen.
«Denn wenn nicht», sprach er weiter, als sie nichts sagte, «dann sollten wir den Kindern ersparen –»
«Natürlich», unterbrach sie ihn, «natürlich ist es mir ernst. Das weißt du doch.» Und das war es auch.
Mattis drehte das Wasserglas in seinen Händen. «Das bedeutet natürlich, dass ich erst mal Maren von dir erzählen muss. Das steht mir etwas bevor, aber es ist langsam überfällig.» Mattis’ Handy, das vor ihm auf dem Tisch lag, begann zu vibrieren. Er sah auf das Display. «Wenn man vom Teufel spricht. Ich geh kurz dran, ja?»
Dana nickte.
«Mit Marla und Matilda alles in Ordnung?», fragte Mattis.
Marla, Matilda, Maren und Mattis – als Dana diese vier Namen zum ersten Mal gehört hatte, musste sie sich zusammenreißen, um nicht laut loszulachen. Es hatte etwas von corporate identity. In jedem Fall ließ es vermuten, dass der Wunsch, als Einheit wahrgenommen zu werden, ziemlich groß war. Wie sie aus einer Andeutung von Mattis schloss, war es Maren gewesen, die es für eine tolle Idee hielt, wenn alle ihre Namen mit Ma anfingen.
Als Dana und Mattis sich kennengelernt hatten – im Wartebereich der Autowerkstatt –, hatte Dana von seiner Familie nichts gewusst. Bei einem Mann Ende vierzig war natürlich zu erwarten gewesen, dass er Frau und Kinder hatte, aber sie hatte nicht danach gefragt, auch nicht bei ihrem ersten gemeinsamen Essen. Es war ein Abend, an dem sie ungewöhnlich nervös war, viel lachte und der eine Sehnsucht in ihr auslöste, die sie bis dahin nicht gekannt hatte. Aber Mattis meldete sich anschließend nicht, zwei Wochen lang nicht. Als sie gerade versuchte, sich damit abzufinden, dass sie nie mehr von ihm hören würde – vollkommen irritiert, wie sie sich so hatte täuschen können –, rief er an, spätabends. Sie trafen sich in einer Bar, die Dana eigentlich zu abgerockt fand, in der aber bis spät in die Nacht noch etwas los war. Bei einem Gin Tonic – offenbar nicht sein erster Drink an diesem Abend – erzählte er ihr, dass er gerade seine Frau verlassen hatte. Die er bis dahin nicht erwähnt hatte, genauso wenig wie seine beiden Töchter. Und seinen großen Sohn aus einer früheren Beziehung.
Dass ein Mann derart voller Überraschungen steckte, wollte man auch wieder nicht. Aber schließlich hatten sie zu dem Zeitpunkt erst einen einzigen Abend zusammen verbracht, er hatte ihr all das also nicht lange verschwiegen, außerdem sprachen seine Gründe durchaus für ihn. Er wollte zuerst die Verhältnisse klären, seine Frau nicht belügen und Dana nicht zu seiner heimlichen Geliebten machen. Als Dana darauf hingewiesen hatte, dass sie dazu ja möglicherweise auch gar nicht bereit gewesen wäre, war Mattis ein bisschen ins Stottern geraten. Aber Dana hatte schon verstanden. Manche Dinge brauchten Zeit. Außerdem hatte sie sich selbst in solchen Situationen nur selten vorbildlich verhalten.
«Natürlich», sagte Mattis jetzt, das Handy am Ohr, und Dana hob die Karaffe mit dem Weißwein und sah ihn fragend an. Er bedeutete ihr mit Daumen und Zeigefinger, dass er nur noch wenig wollte, und sprach weiter. «Wenn du willst, heute Abend.»
Dana trank einen Schluck und betrachtete Mattis. Die Lachfalten, die ihn so herzlich wirken ließen, auch wenn er nicht lachte, den Fünftagebart, der ihr jetzt ein wenig grauer vorkam als bei ihrem Kennenlernen.
Mattis verabschiedete sich, legte das Handy auf den Tisch und sah Dana an. «Das passt ja ganz gut. Maren fragt, ob wir mal in Ruhe reden können. Ich fahre heute Abend hin, dann kann ich die Kinder ins Bett bringen und mit ihr sprechen. Okay?»
«Ja, klar. Ich muss sowieso noch arbeiten. Wenn du magst, kannst du ja danach noch vorbeikommen.»
Als der Kellner die Pasta an den Tisch brachte, klingelte Mattis’ Handy erneut. Er seufzte. «Entschuldige bitte. Ich mach’s kurz. Tim, was gibt’s?» Mattis lehnte sich zurück. «Nee, Mittagessen schaff ich morgen leider nicht, tut mir leid. Sag’s mir doch am Telefon. – Jetzt machst du mich aber neugierig, nun erzähl schon.» Mattis’ Augen weiteten sich. «Nein! – Und weiß das deine Mutter schon? – Ach so. – Ja, ja, mach das mal.» Er fasste sich an die Stirn. «Mann! Ich könnte … soll ich morgen Abend vorbeikommen? – Okay, lass uns noch mal telefonieren. O Mann … dann … grüß Hanna schön. Tschüs.»
Er legte das Handy wieder auf den Tisch und sah Dana an. «Ich werd Opa.»
«Wie bitte?» Dana musste lachen.
«Wirklich. Tim bekommt ein Baby. Also, seine Freundin. War wohl nicht geplant, aber die beiden freuen sich.» Mattis schüttelte den Kopf. «Das gibt’s doch nicht. Er ist fast genauso alt wie ich damals. Vierundzwanzig …»
«Ziemlich jung», sagte Dana.
Mal abgesehen davon, dass sie sich auch mit Anfang dreißig noch zu jung für ein Baby fühlte. Mattis erwiderte nichts. Er sah in die Ferne, schüttelte den Kopf und schien sie gar nicht gehört zu haben.
Jill blieb mit einigem Abstand zum Gepäckband stehen und suchte es nach ihrem Rucksack ab, aber er war noch nicht dabei. Sie fühlte sich zerschlagen, hatte im Flugzeug diesmal nicht gut schlafen können, außerdem hatte sie Zahnschmerzen. Sie freute sich, mal wieder in ihrem eigenen Bett zu liegen – eine Regung, die ihr sonst eher unbekannt war. Normalerweise wollte sie nach einer Reise immer möglichst bald wieder los, den nächsten Trip planen, in Bewegung bleiben. Aber diesmal würde das etwas warten müssen. Bevor sie auch nur ihren Vater in Irland besuchen konnte, musste sie erst mal etwas Geld verdienen.
«Jill?»
Sie sah sich um. Eine der Assistentinnen von Freunde der Nacht, der großen Werbeagentur, für die sie regelmäßig Veranstaltungen konzipierte und organisierte. Sofia. Oder hieß sie Sarah? Am besten, sie ließ den Namen einfach weg. «Hi, wo kommst du denn her?»
Sofia-Sarah war eine dieser Arbeitsbienen, die Jill nie begreifen würde. Seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, ging sie jeden Morgen in die Agentur und arbeitete ab, was andere ihr auf den Tisch legten. Ohne etwas zu vermissen, wie es schien, ohne zu verzweifeln oder mindestens Depressionen zu bekommen. Bestimmt kam sie gerade von einer geführten Städtetour zurück oder aus einem Club Med. Mit Animateur.
«Aus Vietnam», sagte Sofia-Sarah, «wir waren drei Wochen unterwegs, mein Freund und ich.»
«Echt?» Da war Jill auch gewesen. Allerdings hatte sie sich ganz individuell eine Route zusammengestellt, durch Nordvietnam, off the beaten track. Und sie war mit dem Motorrad unterwegs gewesen, nicht mit dem Bus.
«Ja, war toll! Wir waren in Nordvietnam mit dem Motorrad unterwegs, das musst du auch mal machen. Und wo warst du?», erkundigte sich Sofia-Sarah.
Auf dieses Gespräch hatte Jill jetzt irgendwie überhaupt keine Lust. «Ach, du, da kommt gerade mein Gepäck! Ich bin morgen in der Agentur, lass uns doch dann quatschen, ja?»
Sie trat näher an das Gepäckband, auf dem ihr Rucksack zwischen all den Koffern und Taschen leider immer noch nicht zu sehen war, und reagierte nicht mehr auf Sofia-Sarah, die ihr irgendwas hinterherrief. Zum Glück klingelte in diesem Moment ihr Handy. Mattis.
«Na?», fragte er. «Bist du gut gelandet? Tim hat mir erzählt, dass du heute aus Vietnam zurückkommst. Alles okay?»
«Alles gut, danke.» Mattis war von ihnen beiden schon immer derjenige gewesen, der sich um die anderen kümmerte, in der Hinsicht stellten sie die klassische Rollenverteilung auf den Kopf. Nicht, dass Jill ansonsten etwas mit der klassischen Rollenverteilung anfangen könnte. Sie hatten sich, seit Tim erwachsen war, nicht regelmäßig gesehen, aber man konnte ohne Übertreibung sagen, dass sie es geschafft hatten, Freunde zu werden. Ein Kunststück, das ihr mit anderen Männern nicht gelungen war. Aber Mattis war ja auch nicht irgendein Mann, er war ihre Jugendliebe, sie hatten sich gezofft und geliebt, als alles noch neu und einmalig für sie beide gewesen war, und er war der Vater ihres einzigen Kindes. Jill dachte gern an die gemeinsame Zeit zurück, trotzdem bereute sie nicht, ihr vor bald zwanzig Jahren ein Ende gemacht zu haben. Sie beide hatten einfach komplett unterschiedliche Vorstellungen vom idealen Leben, und spätestens nach Tims Geburt hatte sie Mattis’ Erwartungen zunehmend als erdrückend empfunden. Nach ihm hatte sie viele Männer kennen- und auf die ein oder andere Weise lieben gelernt, war aber letztlich frei und ungebunden geblieben. Alleinige Ausnahme war Bruno, der niemals Exklusivansprüche auf sie erheben würde und vielleicht gerade deshalb die einzige Konstante in ihrem sex life war.
«Ich bin ja froh, dass dich nicht der Schlag getroffen hat», sagte Mattis am anderen Ende.
«Wieso?», fragte Jill und beobachtete, wie ein schlaksiger Mann ungeschickt einen übergroßen Hartschalenkoffer vom Gepäckband wuchtete.
«Tim meinte, er habe dir auf die Mailbox gesprochen.»
«Die hab ich noch nicht abgehört. Ist was mit Tim, ist ihm was passiert?»
«Nein, nein. Entschuldige bitte, ich wollte dich nicht erschrecken. Es ist ihm nichts passiert, nicht direkt.»
«Mattis, my goodness! Just tell me!»
«Ich mach ja schon. Also … Hanna ist schwanger. Wir werden Großeltern.»
Der schlaksige Mann mit dem großen Koffer war näher gekommen, wich jetzt jemandem aus und rempelte Jill an. Ein scharfer Schmerz schoss durch ihren Kiefer und dröhnte in ihren Ohren. Sie stöhnte auf.
«Ja, so ähnlich hab ich auch reagiert», sagte Mattis.
«Ich hab solche Zahnschmerzen.»
«Jill, hast du gehört, was ich dir gerade gesagt habe? Ist die Verbindung so schlecht? Oder stehst du unter Schock?»
«Weder noch.» Sie hatte es gehört, ihr fiel nur gerade überhaupt nichts dazu ein. Alles, was sie spürte, waren die Schmerzen.
«Ich hab auch erst gedacht, das kann nicht sein, ich bin doch selbst quasi gerade erst Vater geworden, wir sind noch nicht mal fünfzig, du und ich, in dem Alter bekommt man ja heute selbst noch Kinder, aber –»
«Mats», unterbrach Jill ihn, «ich hab wirklich fürchterliche Zahnschmerzen. Außerdem scheint mein Gepäck weg zu sein.» Auf dem Gepäckband drehte inzwischen nur noch eine rote Tasche einsam ihre Runden.
«Okay», sagte Mattis. «Weißt du, was, ich komm dich jetzt abholen, dann sehen wir weiter. Bleib, wo du bist, ich brauch nicht lange.»
Anderthalb Stunden später saß Jill auf dem Sofa in ihrer Wohnung am Ottenser Marktplatz und sah den Stapel Post durch, den ihre Nachbarin vor die Tür gelegt hatte. Sie wohnte hier schon, seit Tim zur Schule gekommen war, aber nachdem der Besitzer das ganze Gebäude hatte kernsanieren lassen, fühlte sie sich nicht mehr so zu Hause wie früher. Gegen die Einbauküche hatte sie sich zwar erfolgreich zur Wehr gesetzt, trotzdem war von den Böden bis zu den Lichtschaltern jetzt alles so glatt und glänzend, dass ihre geliebten, zusammengesuchten alten Möbel ganz schrabbelig wirkten, genau wie die Teppiche und die alten Reisefotos an den Wänden.
Mattis und sie waren beim Lost-and-Found-Schalter gewesen und in der Flughafenapotheke, um Tabletten zu kaufen, dank derer die Schmerzen langsam nachließen. Jetzt telefonierte ihr Ex, um ihr die Nummer von dem Zahnarzt zu besorgen, bei dem er neulich gewesen war. Ihr eigener war vor geraumer Zeit nach Spanien gezogen. Jill legte einen Brief auf den Stapel mit der Werbung und las den Absender des nächsten: ihre Hausverwaltung. Das hatte selten etwas Gutes zu bedeuten. Sie riss den Umschlag auf und überflog den Text, und das entscheidende Wort sprang ihr gleich ins Auge: Mieterhöhung. Das war jetzt schon die zweite Angleichung an den Mietspiegel, seit die Wohnung runderneuert worden war, und langsam wurde es happig.
«Super, danke», sagte Mattis am Telefon. «Ich melde mich dann nachher, kann aber später werden.»
Seine Stimme klang nicht, als würde er mit einem Freund oder Kollegen sprechen. «War das Maren?», fragte sie, als er aufgelegt hatte.
«Nein.»
Das hatte sie auch nicht gedacht.
«Ich hab dir die Nummer hier aufgeschrieben, Dr. Michaelsen, die Praxis ist in Altona, gar nicht weit von hier.»
«Super.»
«Jetzt musst du nur noch die Nacht überstehen. Geht’s schon besser?»
«So langsam.» Sie betrachtete ihn forschend. Er sah aus, als wäre er viel in der Sonne gewesen, und wirkte, als ginge es ihm gut, aber er war ungeduldiger, als sie ihn kannte, beinahe etwas fahrig.
«Was?», fragte er.
«Irgendwas ist mit dir. Ich frage mich, was. Es ist doch nicht, weil du Opa wirst?»
Zu ihr selbst war die Nachricht immer noch nicht so richtig durchgedrungen. Sie hatte einfach große Mühe, das Wort «Oma» auf sich zu beziehen, schließlich war sie erst siebenundvierzig, gefühlte vierunddreißig, und mit Omas verband sie eher Frauen um die siebzig, mit weißen Haaren und beiger Kleidung, die pausenlos Kuchen backten. Außerdem hielt sie Tims Freundin Hanna nicht gerade für einen Glücksgriff. Nun würde sie ihnen wohl erhalten bleiben.
«Der Gedanke ist schon sehr gewöhnungsbedürftig», sagte Mattis. «Findest du nicht? Andererseits bin ich sicher, dass Tim das schon machen wird. Er klang ganz zuversichtlich am Telefon. Und Hanna freut sich wohl auch.»
«Hanna ist eine kleine Spießbürgerin.» Jill stand auf und füllte ihr Glas noch einmal mit Leitungswasser. «Wahrscheinlich bekommt sie jetzt ein Kind nach dem anderen und wird langsam, aber sicher zur Matrone.»
«Hm. Wir werden sehen. Ich weiß nicht, ich finde es schon etwas … Ich hatte gerade angefangen, mich nicht mehr so alt zu fühlen. Das schwankt ja irgendwie. Kennst du das? Und –»
«Ha, ich weiß!» Sie drehte sich zu ihm um. «Du hast eine neue Freundin!»
Mattis lachte etwas verlegen.
«Am I right or am I right?»
«Also … ja, es stimmt. Ich hätt’s dir auch bald erzählt, ich wollte es bloß erst Maren sagen.»
Jill nickte. «Verstehe. Und ist es dir ernst? Natürlich ist es dir ernst.»
«Ich …» Mattis breitete die Arme aus, als wolle er sich ergeben. «Ich bin total verknallt.»
Jill lächelte. «Gut. Ich hoffe, sie ist die Richtige für dich, Mats.» Sie überlegte, ob sie sagen sollte, was sie dachte, und tat es dann einfach. «Vielleicht kannst du mit ihr deine Zerrissenheit überwinden.»
«Welche Zerrissenheit denn?», fragte Mattis belustigt.
«Well, you know. Mich wolltest du immer dazu bringen, sesshaft zu werden und mit dir und Tim ein bürgerliches Leben zu führen, to play house. Mutter, Vater, Kind. Ich habe mich damals immer gefragt, wie du so überzeugt davon sein kannst, dass es das ist, was du wirklich willst. Für mich war es so eindeutig das Falsche.»
Mattis nickte. «Ich weiß.»
«Mit Maren hattest du es ja dann. Aber glücklich bist du trotzdem nicht geworden. Du wünschst dir nichts mehr als eine glückliche Familie, aber anbinden darf man dich nicht. Es muss alles deine Entscheidung sein.» Mattis sah zu Boden und sagte nichts. Um ihre Worte abzumildern, die möglicherweise etwas härter klangen, als sie beabsichtigt hatte, setzte Jill hinzu: «Das zumindest haben wir gemeinsam.»
Mattis sah auf und verzog das Gesicht, sie schien ihn ein bisschen verärgert zu haben. «So viel haben wir nicht gemeinsam, du und ich. Wir wollten nie dasselbe, auch wenn es gedauert hat, bis das bei mir angekommen ist. Maren und ich wollten dasselbe. Lange Zeit jedenfalls.» Er stand auf. «Aber ich hab jetzt keine Lust auf diese Psychogespräche – zumal ich woanders eins führen muss.»
Jill machte einen Schritt auf ihn zu und fuhr ihm mit der Hand durchs Haar. «Dann fahr zu Maren und bring es hinter dich. Ich werde mal Tim anrufen. Weißt du …» Sie betrachtete ihn, seinen Dickschädel, seine Charakternase, die tiefbraunen Augen.
«Was?»
«Manchmal frage ich mich, was Tim eigentlich von mir geerbt hat. Er ist dir so ähnlich, in so vieler Hinsicht.»
Mattis’ Züge entspannten sich etwas. «Die Lässigkeit, Jill, die hat er von dir. Und das ist nicht das Schlechteste.»
Sooo, Mama-Alltag geschafft, alle Bäuche sind voll leckerer Pfannkuchen mit frischen Erdbeeren und Vanillequark, die Kinder räubern noch eine Runde draußen rum, bevor Papa nach Hause kommt, und Mama sitzt am Küchentisch und zerbricht sich den Kopf. Denn: Die kleine Prinzessin hat bald Geburtstag, und der ganze Hofstaat will unterhalten werden. Nun hatte die Prinzessin letztes Jahr einen Prinzessinnengeburtstag, der sich gewaschen hatte, und ist in diesem Jahr toootal rausgewachsen aus der Sache. Schließlich wird sie sieben und geht bereits zur Schule. Kennt ihr das? Wenn Lilifee und alles, was rosa ist, plötzlich uncool ist, obwohl es vorgestern erst angeschafft wurde? Angeschafft werden MUSSTE? Für viel Geld? Na ja, der nächste Flohmarkt kommt bestimmt ;-) Dieses Jahr also kein Prinzessinnengeburtstag. Aber was dann? Ein Hexengeburtstag? Mit spitzen Hüten und einer Schnitzeljagd durch die Nachbarschaft auf dem Hexenbesen? Mal sehen, was die Prinzessin, die keine mehr sein will, dazu sagt. Ich halte euch auf dem Laufenden. Und wenn ihr Vorschläge habt: immer her damit! ☺
Maren klickte auf Posten und schob den Laptop von sich. Manchmal beugte sie die Wahrheit in ihren Einträgen ein kleines bisschen, schließlich mussten ihre Leser nicht über jede Ehekrise informiert werden. Außerdem ging es in ihrem Blog um die schönen Seiten des Mutterseins. Auf die Idee mit dem Bloggen hatte sie eine Frauenzeitschrift gebracht, vor ein paar Jahren, als Matilda in den Kindergarten gekommen war und Maren wieder mehr Zeit hatte. Es machte ihr Spaß, über den Alltag als Mama zu schreiben, über all die schönen Kleinigkeiten und Lustigkeiten, und sie bemühte sich immer, viel Atmosphäre in ihre Einträge zu bringen, indem sie die Jahreszeiten einbezog und über das schrieb, was sie sowieso liebte und konnte: die Wohnung schön dekorieren, backen, basteln. Anfangs, als sie noch nicht wieder gearbeitet hatte, hatte es außerdem Abwechslung in ihre Vormittage gebracht, sich in den Kommentaren mit ihren Followern auszutauschen.
Die Frage, ob sie wieder in ihren alten Beruf als Sachbearbeiterin zurückging, hatte sich damals nicht gestellt, sie war einfach schon zu lange raus, und sie hatte auch gar keine Lust dazu, die Tage am Schreibtisch zu verbringen – vielleicht hatte sie da einfach den falschen Beruf gewählt. Mattis hatte sie ermutigt, sich stattdessen etwas zu suchen, was ihr Spaß machte, und dann hatte er sie irgendwann mit Torsten bekannt gemacht, einem Kumpel vom Sport, der gerade ein kleines Bio-Deli eröffnet hatte und Unterstützung brauchte. Dort konnte man selbstgemachte Sandwiches und Salate, Tartes und Törtchen kaufen oder an einem der sechs kleinen runden Tische essen. Außerdem hatten sie Dinge wie Marmeladen, Chutneys, Kekse und Schokoladen im Angebot, die von kleinen norddeutschen Manufakturen hergestellt wurden. Sie arbeitete vormittags, wenn die Kinder in der Schule waren, und es gefiel ihr, mit Leuten in Kontakt zu kommen, in einer schönen Umgebung zu arbeiten. Torsten war ein angenehmer Chef, und manchmal kam sie tagsüber im Deli auf Ideen, die sie am Abend noch schnell verbloggen konnte, irgendein Rezept oder eine nette Begebenheit.
Seit Mattis nicht mehr da war, hatte sie nur wenig gepostet. Sie war einfach zu deprimiert gewesen, um sich ständig etwas aus den Fingern zu saugen und womöglich noch gute Laune zu verbreiten. Am Tagesablauf hatte sich ja nicht viel geändert, aber abends, wenn die Kinder im Bett waren, sank sie regelrecht in sich zusammen. Mehr als ein Mal war es vorgekommen, dass sie einfach auf dem Sofa blieb, weil sie nicht mal mehr die Energie aufbrachte, den Fernseher auszumachen und in ihr leeres Bett zu gehen. Zum Glück hatten die Kinder das nie mitbekommen. Sie wollte sich nicht gehen lassen, nicht wie ihre Mutter damals, und so hatte sie sich schließlich in ein Dekoprojekt nach dem anderen gestürzt. Neue Vorhänge, neue Kissen, neue Bilder, viele Kerzen in fröhlichen Farben. Leider war die Wirkung nicht mehr dieselbe wie früher. Die Wohnung blieb trotzdem zu leer.
Aber Projekte brauchte sie, um die Zeit zu überstehen, bis diese Krise mit Mattis überwunden war. Deshalb hatte sie sich vorgenommen, jetzt wieder regelmäßiger zu bloggen, schon weil ihr sonst früher oder später niemand mehr folgen würde. Irgendetwas gab es schließlich immer zu berichten: der erste verlorene Zahn, ein Tag mit den Kindern am See, selbstgemachtes Eis, Kastanien sammeln, in der Adventszeit Plätzchen backen – all das eignete sich hervorragend, um darüber zu berichten, und ließ sich aufs schönste mit Fotos bebildern.
Maren stand auf und blickte auf die Uhr. Mattis schien sich zu verspäten, würde aber sicher bald kommen, sonst hätte er angerufen. Wahrscheinlich hatte er in der Werkstatt mal wieder die Zeit vergessen und steckte jetzt im Feierabendverkehr fest. Von der Großen Elbstraße bis nach Eimsbüttel konnte man da schon mal eine Dreiviertelstunde brauchen.
Sie hatte sich genau zurechtgelegt, was sie sagen würde, sie musste es nur noch über die Lippen bringen. Aber eigentlich hatte sie ein ganz gutes Gefühl. Mattis war ihr immer noch so vertraut, und sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass es ihm anders ging. Allein, dass er noch am selben Tag zu ihr kam, wenn sie ihn darum bat, war ein gutes Zeichen und machte Hoffnung auf einen Neuanfang. Die Mädchen spielten noch mit den Nachbarskindern unten im Hof, und sie und Mattis würden bestimmt noch eine Stunde zu zweit haben, jedenfalls, wenn er bald käme … Maren sah in den Spiegel. Sie hatte Sommersprossen bekommen. Und ausgeprägtere Augenfalten. Aber ihre Haare hatten ein schönes Sommerblond, von Grau keine Spur, sie waren nur bedauerlich dünn. Sie überlegte gerade, ob sie sich vielleicht noch schnell eine Frisur machen sollte, als die Türklingel ihr die Antwort abnahm. Da war er ja. Alles lief nach Plan.
«Willst du was trinken?»
Mattis nickte. «Gern.»
Sie war in die Küche vorgegangen, dort saß man nicht so steif nebeneinander wie auf dem Sofa, und durch die offene Balkontür fiel das goldene Licht des Sommerabends. Draußen im grünen Hof, der von einem Karree vierstöckiger Altbauten umgeben war, hörte man die Kinder spielen, und es duftete nach Sprenger und Erde.
«Die Mäuse sind im Hof. Bringst du sie nachher noch ins Bett?», fragte Maren und nahm die Flasche Chardonnay aus dem Kühlschrank, die sie extra kalt gestellt hatte. Sie konnte jetzt selbst ein Glas gebrauchen.
«Kann ich machen.» Mattis holte zwei Gläser aus dem Schrank und stellte sie auf den Küchentisch. Er schien sich so zu Hause zu fühlen wie eh und je, was Maren als weiteres gutes Omen deutete. Sie setzte sich und schenkte ihnen ein, während Mattis zur Balkontür ging und hinaussah. Maren trank einen Schluck. Sie musste ein bisschen aufpassen, denn seit sie abends immer mit den Kindern allein war, trank sie kaum noch Wein und vertrug überhaupt nichts mehr, wie sie bei Heikes Geburtstag vor zwei Wochen ein Glas zu spät festgestellt hatte.
«Ist aber ganz gut, dass wir erst mal zu zweit sind», sagte er. «Ich wollte auch mit dir sprechen. Ist was Wichtiges.»
Er stand jetzt am Kühlschrank und sah zu Boden, schien nach Worten zu suchen, und Maren war sich plötzlich fast sicher, dass er den gleichen Wunsch hatte wie sie, dass er zu ihnen zurückkommen wollte. Am liebsten hätte sie ihn gefragt, ihm auf die Sprünge geholfen, aber wenn es so war, wie sie glaubte, wartete sie besser ab.
Mattis sah auf, ihr in die Augen. «Also … das ist nicht ganz leicht für mich. – Mist.» Es hatte an der Tür geklingelt.
«Bestimmt die Kinder», sagte sie.
«Sag doch, sie können noch eine Runde unten spielen. Dann hätten wir noch einen Moment allein. Das wäre, glaube ich, ganz gut.»
Maren lächelte. «Ich versuch’s.»
Sie lief durch den langen Flur, musste vor der Wohnungstür förmlich abbremsen und öffnete, eine Hand an der Tür, eine am Rahmen, damit die Kinder gar nicht erst reinkamen. Aber Matilda schlüpfte unter ihrem Arm durch und rannte mit den Worten «Wir haben Papas Auto gesehen! Ist er in der Küche?» den Flur hinunter, ohne dass Maren eine Chance hatte, sie noch einzufangen.
Als Maren und Marla in die Küche kamen, saß Matilda bereits bei Mattis auf dem Schoß. Maren sah ihn an und zuckte bedauernd mit den Schultern, und er lächelte gequält. Sie würden sicher bald Zeit haben, ihr Gespräch zu führen. Vielleicht, wenn die Kinder im Bett waren, was allerdings immer später der Fall war. Sie setzte sich zu ihrer Familie und ließ den Blick von einem zum andern wandern. Alle vier am Küchentisch, so sollte es sein.
«Der Miesepeter hat schon wieder an seinem Fenster gesessen und geglotzt», sagte Marla, knallte die leere Wasserflasche auf den Tisch und verzog angeekelt ihr hübsches Gesicht. Ihre Haare, die genau aussahen wie Marens, waren von der Sonne hell geworden – und hatten schon länger keine Bürste mehr gesehen, stellte Maren fest. «Der macht den ganzen Sommer lang nichts anderes! Der ist mir so unheimlich …»
«Herr Widepeter von unten?», fragte Mattis.
«Den Spitznamen hat Marla sich ausgedacht», sagte Maren ein bisschen stolz, als wäre Marla nicht auch Mattis’ Tochter. Sie hatte öfter so gute Ideen und schrieb für die Schülerzeitung regelmäßig originelle kleine Texte.
Mattis lachte. «Super …»
«Felix’ Mama sagt, der ist nur traurig, vor dem müssen wir keine Angst haben», sagte Matilda mit fragendem Blick.
«Müsst ihr auch nicht.» Mattis strich Matilda über die Wange. «Der weiß nur nicht, was er machen soll, und da guckt er euch eben bei dem zu, was ihr macht. Er ist einfach allein.»
«Papa?», fragte Matilda und drehte sich auf Mattis’ Schoß so, dass sie ihrem Vater ins Gesicht sehen konnte.
«Hm?»
«Bist du jetzt auch so viel allein wie der?»
«Nein. Wieso?»
Im Gegensatz zu ihrem Mann wusste Maren genau, worauf ihre Jüngste mit dieser Frage hinauswollte.
«Na, weil du ja jetzt alleine wohnst, ohne uns. Ich will nämlich nicht, dass du auch so traurig und komisch wirst.»
«Ach, Süße.» Mattis drückte ihr einen Kuss aufs Haar. «Da brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Ich bin ja meistens bei der Arbeit.»
«Aber danach. Da hast du früher für uns gekocht und mit uns gespielt und uns ins Bett gebracht.»
«Das stimmt.»
«Ja, und jetzt?»
Maren lächelte. Es war typisch Matilda, sich so um ihren Vater zu sorgen. Und das Gesprächsthema hätte sie nicht besser wählen können. Was Mattis ihr zu sagen hatte, konnte er doch eigentlich auch vor den Kindern sagen. Das war eigentlich sogar noch romantischer.
«Jetzt … hm …» Mattis sah sie fragend an, und sie nickte ihm zu.
«Papa wird schon nicht so komisch wie der Miesepeter», sagte Marla.
«Genau. Ich hab ja euch. Und ich habe Freunde.»
«Aber was machst du denn abends?», insistierte Matilda.
Maren fragte sich, ob sie ihm beispringen, ihm irgendwie eine Brücke bauen sollte, aber sie wusste so schnell nicht, wie.
«Also …» Mattis räusperte sich. «Manchmal habe ich auch Besuch von einer Freundin.»
Er sah jetzt sie an, wirkte unsicher. Verwirrt blickte Maren weg, zu Marla, die sich mit misstrauischem Gesichtsausdruck vorbeugte.
«Echt? Wer denn? Kenne ich die?», fragte Matilda neugierig.
Maren versuchte zu schlucken, aber es ging nicht, und sie merkte, wie ihr übel wurde.
«Nein, die kennt ihr noch nicht», sagte Mattis, der sie jetzt nicht mehr ansah. «Es ist noch nicht lange her, dass ich sie kennengelernt habe.»
«Wieso, wo hast du sie denn kennengelernt?», fragte Marla streng.
«Bei … also, eigentlich im Autohaus.»
Maren suchte Mattis’ Blick, wollte ihn irgendwie davon abhalten, die Kinder mit solchen Geschichten zu belasten, was sollte denn das? Aber Mattis sah konsequent Matilda an, die jetzt fragte: «Arbeitet die da?»
Mattis lachte. «Nein. Wir haben beide darauf gewartet, dass unsere Autos fertig werden, und das hat ziemlich lange gedauert.»
Maren hätte sich am liebsten die Ohren zugehalten. Das wollte sie alles nicht wissen, sich nicht vorstellen müssen. Wann, bitte, sollte das denn gewesen sein? Sie griff nach ihrem Weinglas, trank einen großen Schluck und behielt es in der Hand.
Matilda hatte sich aufmerksam aufgesetzt. «Ist die nett?»
«Ja, sehr nett», sagte Mattis mit einem ziemlich blöden Grinsen im Gesicht.
«Und wie heißt die?»
«Dana.»
«So heißt der Hund von Isabell auch», sagte Marla und verschränkte die Arme vor der Brust.
Im Gegensatz zu ihrer Schwester schien Matilda hocherfreut. Sie rutschte von Mattis’ Schoß und wirkte auf Maren, als würde sie gleich auf und ab hüpfen. Dieses Kind, das sofort mit jedem anfing zu schmusen und niemandem böse sein konnte, schien seine ganz eigene Vorstellung von der Situation zu haben. Was wahrscheinlich ein Segen war.
«Dürfen wir die mal kennenlernen, Papa? Bitte!» Tatsächlich hüpfte Matilda jetzt kurz auf der Stelle.
«Also, ich will die gar nicht kennenlernen!» Marla erhob sich zu ihrer vollen Größe und blieb stehen, sie war schon genauso groß wie Maren, aber ein Strich in der Landschaft. Dann verschwand sie ohne ein weiteres Wort in den Flur. Maren schloss für einen Moment die Augen und wartete auf das Knallen der Zimmertür. Ihre Große verstand die Situation offenbar nur zu gut.
Matilda hatte ihrer Schwester betroffen nachgeschaut, besann sich aber, kaum dass die Tür krachend ins Schloss gefallen war, wieder auf ihre eigene Position. «Aber ich will das. Darf ich, Papa?»
Mattis lächelte. «Ja, sicher, Maus. Ich bespreche das mal mit Dana.» Dann sah er Maren an, und seine Miene wurde ernster. «Und mit Mama.»
Zufrieden schob Dana den Stapel der korrigierten Druckfahnen zusammen. Nach dem Mittagessen mit Mattis war sie über den Grindelhof zurück ins Institut gegangen, um sich in ihr Büro zurückzuziehen, wo sie am Nachmittag viel geschafft hatte. Ein bisschen Zeit blieb ihr noch, bis ihre Schwester sie abholte. Zeit genug, um die neue Ausgabe von Texte zur Soziologie durchzublättern. Sie griff nach dem DINPatchworkfamilie.