Sabine Asgodom
Deine
Sehnsucht
wird dich
führen
Wie Menschen erreichen,
wovon sie träumen
Kösel
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Copyright © 2016 Kösel-Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Umschlag: Weiss Werkstatt, München
Umschlagmotiv: shutterstock/designelements
ISBN 978-3-641-17448-4
V001
www.koesel.de
Inhalt
Deine Sehnsucht wird dich führen
Das Ziel: Der Verheißung folgen
Jedem Erfolg geht Sehnsucht voraus
Die Lizenz zum Träumen
Des Menschen Wille ist sein Himmelreich
Die Sehnsucht der Menschen sind Pfeile aus Licht
Wenn Träume zu Visionen werden
Visionen: Der Gang auf dem Regenbogen
Den Traum von Menschlichkeit leben
Verabredungen mit sich selbst
Der Traum von der großen Freiheit
Der Charme der Zufälle
Der Umgang mit traurigen Zufällen
Was wir Zufällen verdanken
Wie Zufälle eine Lebensbahn bestimmen
Das Selbstbild stärken
Das Beispiel Edgar: Vom Weglaufen zum Schnelllaufen
Grundlagen für ein geglücktes Leben
Manche Träume lieben uns nicht zurück
War der Traum wirklich das, was wir uns erträumt haben?
»Es müssen die richtigen Träume sein«
Albtraum Traumjob?
Träume können scheitern
Zurück aus der Zukunft
Der Ich-will-nicht-mehr-Traum
Die Kraft der Zukunfts-Bilder
Wenn ein Traum auf ein Bedürfnis stößt
Erfüllt sich der Traum, fängt die Arbeit an
Träume brauchen den richtigen Zeitpunkt
Traumparadies sucht Besitzerin
Mut lässt Träume wahr werden
Der Sprung ins kalte Wasser
Was wir vom Fußball lernen können
Die sieben Phasen der Traumverwirklichung
Wenn der Vulkan erlischt
Geduld – die starke Schwester der Sehnsucht
Der Traum vom Reiterhof
Gib deinem Traum eine Chance zu werden
Geschenkte Träume – schweres Erbe oder Glücksfall?
Wenn der elterliche Traum zum eigenen wird
Wirf zwei Träume zusammen und du veränderst die Welt
Der Leidenschaft vertrauen
Ein Musikertraum – von der ersten Gitarre zur erfolgreichen Band
Leidenschaft – die Triebkraft für Träume
Große Träume in kleinen Häppchen
Ein Warnschuss als Start ins neue Leben
Mit Selbstmitgefühl dem Traum auf der Spur bleiben
Ihre Erfahrungen
Nachwort
Dank
Literaturempfehlungen
Deine Sehnsucht wird dich führen
»Die Zukunft gehört denen,
die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben!«
Eleanor Roosevelt
Sehnsucht war bei mir lange mit mädchenhafter Romantik verbunden, zum Beispiel in Form des Wiener Opernballs. Wahrscheinlich hatte ich zu oft Sissi-Filme gesehen. Jedes Jahr im Februar saß ich vor dem Fernseher, sah ORF, trank einen Piccolo und träumte davon, mich irgendwann einmal bei »Alles Walzer« in den Armen eines wundervollen Tänzers im Walzertakt zu drehen.
Aber wie es bei vielen Träumen ist – die Aber überwogen:
Aber die Karten sind viel zu teuer.
Aber man bekommt eh keine Karten auf dem freien Markt.
Aber du hast gar kein elegantes Abendkleid.
Und das überzeugendste Aber: Dein Ehemann kann gar nicht Walzer tanzen und würde lieber ins Dschungelcamp gehen, als mit dir zu den Frackträgern nach Wien reisen.
Kaum waren 15 Jahre vergangen, als sich alle Aber fast wie von selbst aufgelöst hatten: Ich hatte mich von meinem Dschungelkämpfer getrennt. Ich hatte eine Designerin kennengelernt, die mir ein traumhaftes Ballkleid schneiderte. In Wien hatte ich Geschäftspartnern von meinem Traum erzählt, und sie konnten mir bezahlbare Karten besorgen. Und es gab tatsächlich einen guten Freund, der bereit war, mich übers Parkett zu schieben, und der sogar private Tanzstunden mit mir dafür nahm. Und jetzt kommt die Botschaft dieses Buchs ins Spiel:
Deine Sehnsucht wird dich führen. Du musst die Chancen aber auch nutzen!
Denn das Sehnen allein hilft nichts, das Zelebrieren deines Traums allein bringt dich nicht ans Ziel. Du brauchst neben Fantasie und Kreativität eine Strategie, den Mut des Handelns und eine gehörige Portion Durchhaltevermögen. Von diesem Weg zur Traumerfüllung handelt dieses Buch.
2005 schritt ich an der Seite meines lieben Freundes Christoph, er natürlich im Frack, die Treppen der Wiener Staatsoper hinauf. Wir drängten uns am Rand der Tanzfläche zwischen die 7000 anderen Gäste, um wenigstens einen Blick auf die Debütantinnen werfen zu können. Und bei »Alles Walzer«, dem Eröffnungsruf des Balls, gab es kein Halten mehr. Ja, genauso hatte ich mir das vorgestellt. Also nicht ganz so voll, nicht ganz so teuer (zwei Glas Champagner für 60 Euro!). Aber ich will nicht meckern. Wir haben getanzt bis zum frühen Morgen. Als ich im Hotel meine hohen Schuhe auszog, hatte ich das Gefühl, jemand hätte mir mit einem Hammer stundenlang auf jede einzelne Zehe gehauen. (Halt, ich wollte doch nicht meckern.) Und am nächsten Morgen gingen wir zum Frühstücken auf den Naschmarkt, wie es sich gehört. Ein Traum war wahr geworden.
Ich nehme an, dass etwa 0,49 Prozent der Leser und Leserinnen dieses Buchs den Opernball-Traum mit mir teilen (na, sind Sie nächstes Jahr dabei?).
4,51 Prozent würden ja gern, wenn es nicht so viele Aber gäbe (bitte den Text noch einmal von vorne lesen).
Und die anderen 95 Prozent haben ganz andere Träume (Dschungelcamp? Nicht? Na gut …).
Deshalb werden Sie in diesem Buch auch ganz unterschiedliche Strategien kennenlernen, alle im Umsetzen von Träumen bewährt. Und Sie werden jede Menge Erkenntnisse und Anregungen bekommen, wie Sie Ihren ganz persönlichen Traum verwirklichen können, egal ob klein, groß oder der einzigartige Lebenstraum. Sie werden erfahren, wie wertvoll Visionen sind und welche Möglichkeiten Sie haben, diese tatsächlich zu leben.
Stellen Sie sich einmal vor, Sie sitzen an einem Spielbrett. Sie spielen ein Spiel mit dem Titel »Das gute Leben«. Sie kommen mit Ihrer Figur auf ein besonders gekennzeichnetes Feld in Ihrer Lieblingsfarbe, auf dem Sie sich drei Wunschkarten ziehen dürfen. In der Spielerklärung heißt es: »Diese Träume werden in Erfüllung gehen.«
Die drei Karten sind nicht ausgefüllt, sondern bieten Platz für Ihre ureigenen Wünsche. Laut Spielanleitung werden Sie inspiriert, möglichst Ihre Vernunft außen vor zu lassen, sich nicht um Erwartungen von außen zu kümmern, sich nicht um sozial Erwünschtes zu scheren. Sie sollen frisch und frei der Meister oder die Meisterin Ihrer Wünsche sein.
Sie werden ermutigt, die Wünsche aus Ihrem Innersten hervorzuholen, aus Ihrer Sehnsucht, aus Ihrem Traum vom Glück. Wünsche, die eine Herausforderung für Sie bedeuten oder ein Ankommen, Wünsche, die Sie in die Welt hinausführen oder ganz nah zu sich. Es gibt auch »völlig unrealistische Wünsche«, wie manche von Ihnen sagen würden, Wünsche mit Gänsehautpotenzial, die so ein prickelndes Gefühl hinterm Brustbein erzeugen. Ob Visionen oder Utopien – Sie schreiben, was Sie mögen.
Sie werden weiterhin aufgefordert, die Träume möglichst präzise zu beschreiben, also statt »glücklich sein« sollen Sie möglichst genau aufschreiben, was für Sie Glück bedeutet. Stellen Sie sich vor, Sie lassen sich auf das Spiel ein – was würden Sie dann auf Ihre Blanko-Wunschkarten schreiben?
1.
2.
3.
Falls Sie auf zwei der Karten »Gesundheit« und »Weltfrieden« (oder etwas ähnlich Vorbildliches) geschrieben haben, bekommen Sie hier noch zwei Extrakarten für Ihre ganz persönlichen Wünsche:
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5.
Falls Sie jemand sind, der nie in ein Buch hineinschreiben würde, oder falls Sie das Buch als E-Book lesen oder es ausgeliehen haben – Sie finden im Internet die fünf Wunschkarten zum Herunterladen oder Ausdrucken: www.deine-sehnsucht-wird-dich-fuehren.de. Sie werden diese Karten immer wieder gebrauchen können, wenn Sie weiterlesen. Denn darum dreht sich dieses Buch: Ihre Sehnsucht erkennen, erspüren, benennen und dann Ihren Traum umsetzen. Denn: Träume werden geboren. Taten werden vollbracht. Oder andersherum formuliert: Träume sind die Mütter der Taten.
Bei der Gelegenheit eine kurze »Gebrauchsanweisung« für dieses Buch:
Die mit diesem Symbol
gekennzeichneten Übungen finden Sie auch im Internet unter www.deine-sehnsucht-wird-dich-fuehren.de/#traumuebungen – dort ergänzt mit weiterführenden Informationen.
Dieses Symbol
verweist auf einen Zusammenschnitt des an der jeweiligen Stelle abgedruckten Interviews. Dieses Interview und alle anderen so gekennzeichneten Gespräche finden Sie unter www.deine-sehnsucht-wird-dich-fuehren.de/#videos. Diese Videos vermitteln zudem ein sehr authentisches Bild der Traum-Umsetzer.
Ein gutes Beispiel dafür, wie aus Träumen Taten werden, ist Edeltraud Steinbrink, Sozialwissenschaftlerin, 53 Jahre. Sie hat sich zum 50. Geburtstag einen Traum erfüllt: Sie hat ihn in Buenos Aires verbracht, allein. Wie jeder Traum hat auch dieser eine Vorgeschichte: Edeltraud hat mit acht Jahren ein Kinderbuch gelesen mit dem Titel Monika reist aus, ein rotes Buch, sie erinnert sich genau. In dem Buch ging es um ein Mädchen, das auf abenteuerliche Weise auf einem Schiff nach Buenos Aires in Argentinien fährt. Auf dem Schiff lernt sie einen älteren Mann kennen, trifft ihn nach 20 Jahren in Argentinien wieder, heiratet ihn und bekommt vier Kinder, drei Mädchen und einen Jungen.
Edeltraud bekommt in unserem Interview einen ganz verklärten Gesichtsausdruck, wenn sie an die Geschichte denkt. Was hat sie an dem Kinderbuch so fasziniert?
»
Monika ist mit einem großen Dampfer von Hamburg aus über den Atlantik, dann über den Rio del la Plata bis nach Buenos Aires gefahren. Ich habe damals gedacht, wow, so weit kann man reisen! Das ist ja toll. Da willst du auch mal hin. Und das war meine ganze Jugend lang immer wieder mein Glücksgedanke: Man kann auch weg.
Ich komme aus einem winzig kleinen Dorf. Ich merkte, man kann auch weg aus dem Dorf. Weg aus der nächsten kleinen Stadt. Und mit 22 habe ich die Erfahrung gemacht, man kann auch ganz aus Deutschland weg. Und es ist schön.«
Mit 22 Jahren lernte Edeltraud beim Squashspielen einen zehn Jahre älteren Mann aus ihrem Dorf kennen, der seit Jahren in Südamerika lebte und auf Heimaturlaub war. Er erzählte ihr, er arbeite in Paraguay, sie solle ihn doch mal besuchen. Und das hat sie schon zwei Monate später getan. Sie ist nach Asunción geflogen, hat den Mann dort am Ausgang stehen sehen und gewusst: Der ist es. Sie haben geheiratet, vier Kinder bekommen – und jetzt wird es magisch: drei Mädchen und einen Jungen, genau wie ihre Buchheldin Monika.
Edeltraud schüttelt sich vor Lachen: »Ist das nicht toll? Das richtige Leben ist Magie, wenn du es zulässt. Das richtige Leben ist Zauber.«
Was für eine mutige Frau mit einer umwerfenden Ausstrahlung!
»Es tut gut, auch mal vorgezeichnete Wege zu verlassen. Du musst auch mal was machen, was nicht vorgeplant ist, du musst die Komfortzone verlassen. Du lernst unglaublich viel, vor allem über dich selbst. Du musst dich trauen im Sinne von: Es wird schon gut werden! Bei jedem eigenen Schritt entwickelst du auch eigene Kräfte oder entdeckst sie wieder. Wenn du dich einmal auf den Weg machst, traust du dich mehr. Das Leben wird bunter.«
Edeltraud war mit 29 Jahren das erste Mal in Buenos Aires.
»Ich ging die Prachtstraße ›Avenida 9 de Julio‹ entlang, ich stand an diesem großen, weißen Obelisken, alle Touristen gehen da hin, und dachte, hier möchte ich auch stehen, wenn ich 50 werde.«
50 Jahre alt werden war für sie damals noch weit, weit weg, »mindestens 256 Jahre entfernt«.
Einige Monate vor ihrem 50. Geburtstag – Edeltraud lebte längst wieder in Deutschland – erinnerte sie sich plötzlich an ihren Traum und sagte sich: »Du wirst 50, gnädige Frau, du musst nach Buenos Aires.« Sie strahlt bei dieser Erinnerung.
Sie hat sich einen Flug gebucht, ganz allein. Sie stand an ihrem 50. Geburtstag unter dem Obelisken, mit einem Piccolo in der Hand, und hat sich ihr Geburtstagslied gesungen. Jetzt lacht sie laut heraus und freut sich diebisch über diese Erinnerung.
»Und bei dieser Reise ist noch etwas sehr Schönes passiert. Beim Einchecken am Flughafen am Abend vor meinem Geburtstag wurde ich in die Businessclass upgegradet. Einfach so. Und dadurch saß ich neben einer Frau, mit der ich sofort ins Gespräch kam. Es stellte sich schnell heraus, dass sie am gleichen Tag wie ich Geburtstag hatte und in diesem Jahr 87 wurde. Sie war eine deutsche Jüdin, die inzwischen in Tel Aviv lebte. Sie hatte aber ebenfalls einige Jahre in Buenos Aires gewohnt. Wir haben nicht geschlafen in dieser Nacht über dem Atlantik. Wir hatten ganz viel zu erzählen und sind Freundinnen fürs Leben geworden.«
Was für eine unglaublich schöne Traumgeschichte! Und gar nicht ungewöhnlich. Ähnliche Geschichten habe ich oft gehört, mit manchen Menschen habe ich solche Träume freigeschaufelt und geholfen, sie umzusetzen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Menschen wissen, was sie bräuchten, um glücklich und zufrieden zu sein. Ich sage besser »wüssten«. Dieses Wissen ist weniger ein Denken, es ist mehr ein Spüren und ein Fühlen, es steckt in allen Körperzellen – solch ein Wissen nennt man Sehnsucht. Die Sehnsucht arbeitet nicht nur im Kopf, sondern bis tief hinein in unser Inneres. Wenn wir bereit für die Botschaft der Sehnsucht sind, dann macht sie sich bemerkbar: durch ein Erschauern im Bauch, durch ein Ziehen in der Brust, in der Gänsehaut auf den Armen, wenn wir nur daran denken, wie beglückend unser Leben sein könnte. Und damit sind wir am Ziel, zu dem unsere Sehnsucht uns führen soll: zur Erfüllung unserer Träume – kleiner Träume, großer Träume oder zur Erfüllung des einen, des einzigartigen Lebenstraumes.
Das Ziel: Der Verheißung folgen
Dieses Buch hält einige wichtige Erkenntnisse für Sie bereit, die Sie im Einzelnen in den folgenden Kapiteln näher nachlesen können:
Deine Sehnsucht wird dich führen. Als ich eines Morgens aufwachte, hatte ich diese Verheißung im Kopf. Seit Wochen hatte ich mich mit diesem neuen Buchprojekt beschäftigt, einem Buch darüber, wie wir unsere Träume verwirklichen können. Und auf einmal war er da, der Satz: »Deine Sehnsucht wird dich führen.« Nicht dein Wille und nicht deine Erwartungen, nicht deine Gier und nicht deine Habsucht, nicht deine Talente und nicht deine Ängste – sondern deine Sehnsucht.
Immer wenn ich jemandem von diesem Buchtitel erzählt habe, bekamen die Menschen so einen verträumten Blick, sie schauten eher nach innen als nach außen, und automatisch begannen sie, erst bedächtig und dann immer kraftvoller mit dem Kopf zu nicken. Eine Freundin, der ich am Telefon davon erzählte, schwieg lange und sagte dann: »Ich habe eine Gänsehaut. Genau das ist es. Ich möchte auch meiner Sehnsucht folgen. Aber darf ich das?«
Viele Träume entstehen, wie bei Edeltraud, in der Kindheit. Ich habe als Zwölfjährige davon geträumt, Eiskunstlauf-Weltmeisterin zu werden. In meiner Kindheit gab es ein Traumpaar auf dem Eis, Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler. Vor dem Einschlafen sah ich mich als Star auf dem Eis, in den Armen des dunkelgelockten Hans-Jürgen, das Licht auf mich gerichtet, die waghalsigsten Sprünge zeigend, vor Tausenden von begeisterten Zuschauern. Dieser Traum vom Ruhm wurde leider nie wahr, denn die kleine Sabine aus einem kleinen Dorf in Niedersachsen hatte nie Schlittschuhlaufen gelernt. Stimmt – und stimmt nicht. Wenn ich daran denke, welcher heiße Wunsch mit den Tagträumen verbunden war – wahrgenommen zu werden, Liebe und Anerkennung zu bekommen –, dann hat er sich eben doch erfüllt. Manchmal ist die Sehnsucht der Wegweiser für Wünsche, die sich ganz tief und heimlich in unserem Traum verbergen.
Sie werden beim Lesen dieses Buches Gelegenheit bekommen, Ihre Traumbilder liebevoll zu betrachten und herauszufinden, welche Bedürfnisse sich hinter Ihren Wünschen und Träumen verbergen. Und mehr als das: Wünschen ohne Handeln ist wie Suppe ohne Salz – langweilig. Und deshalb ist dieses Buch nicht für Traumtänzer, sondern für Menschen, die wirklich den Tanz auf dem Vulkan wagen wollen – es geht um die aktive Umsetzung. Denn das Leben ist zu kurz, um Träume ständig zu verschieben. Dabei ist die Bandbreite, was wir unter einem Traum verstehen, sehr weit:
Manche wilden Träume können Revolution bedeuten, andere sanfte drehen sich »nur« um eine Auszeit. Einige Träume streben danach, den Sinn im Tun zu finden, andere wollen einfach mehr Spaß im Leben haben. Menschen, die auf Entdeckungsreise zu ihren Träumen sind, haben oft noch gar keine Worte für das, was in ihnen los ist. Sie spüren vielleicht nur eine starke innere Unruhe – oder eine fast körperlich fühlbare Distanz zu den Menschen, mit denen sie zusammen sind, oder zu der Tätigkeit, die sie ausüben. Manche Träume streben einfach weg von etwas Altem, andere fühlen sich stark angezogen von etwas Neuem. Sie sehen jetzt schon: Sehnsucht ist weit mehr fühlen als denken.
Deine Sehnsucht wird dich führen. Es gibt kein stärkeres Beispiel dafür als die Not leidenden Flüchtlinge, die während der Entstehungsphase dieses Buches aus geschundenen Ländern nach Europa strömen. Würden Menschen sonst das ganze Geld, das sie in ihrer Familie und von Freunden zusammenkratzen können, habgierigen Schleppern geben? Würden sich Menschen sonst in ein verrottetes Boot setzen und hoffen, lebend übers Mittelmeer zu kommen? Würden Familien mit ihren Kindern zu Fuß den Balkan durchqueren und sich Hitze, Kälte, Regen, Hunger und Durst aussetzen, wenn nicht die tiefe Sehnsucht nach Frieden und Wohlergehen und einer Perspektive für ihre Kinder sie führen würde? Alle Menschen wünschen sich Frieden und Wohlergehen und eine Perspektive für die nächsten Generationen. Was für uns gilt, gilt für die Menschen aus anderen Ländern ganz genauso. Und hat es immer schon gegolten. Millionen von Europäern sind in schwierigen Zeiten nach Amerika ausgewandert. Millionen haben in Kriegen ihre Heimat verlassen (müssen), um zu überleben. Leben in Frieden ist ein Menschenrecht.
Da das Leben nicht immer so dramatisch ist, und weil wir – zum Glück – in der Regel nicht um unser Leben fürchten müssen, sondern es »nur« verschwenden, versickern viele unserer Träume im Alltag zwischen Arbeit und Abwasch, zwischen Elternabend und Steuererklärung. Oder sie werden nicht gehört, weil die Stimme des Körpers und der Seele ängstlich und leise ist. Oder weil der wache Tag so voller Arbeit und Pflichten ist, dass keine Zeit zur Muße und damit zu Tagträumen bleibt und man abends nur todmüde ins Bett fällt.
Träume versumpfen in den immer gleichen Fernsehabenden oder in stundenlangen Computerspielen, die nur der Ablenkung dienen, in eingefahrenen Familienritualen oder immer wiederkehrenden Streits, die alle Gedanken stoppen. Manche Träume werden aufgegeben, weil sie entweder als total unrealistisch erscheinen oder weil die Angst vor dem Preis für die Veränderung zu hoch ist.
»Glaube an deine Träume,
denn sie könnten wahr werden!«
Vielleicht haben Sie schon einmal den Spruch gehört oder gelesen: »Hüte dich vor deinen Träumen, denn sie könnten wahr werden.« Dieser Spruch hat mich immer schon geärgert. Da zischt ein missmutiges »Freu dich nicht zu früh« oder »Du wirst schon sehen …« mit. Ich schlage vor, wir drehen den Spruch einfach ins Positive: »Glaube an deine Träume, denn sie könnten wahr werden!«
Ja, darum geht es in diesem Buch. Es soll Ihr Erlaubnisbuch sein. Es soll Mutmacher sein und Anstifter zu Leidenschaft und Lust. Es soll Ihnen Inspiration sein und lebensnahe ganz praktische Tipps geben. Sie werden erfahren, wie Alex Stein nach der BFB-Methode ihren Lebenstraum einer eigenen Buchhandlung umgesetzt hat (BFB = Bauchgefühl, Fakten, Businessplan). Und wie naive Frechheit Christina Kasemir geholfen hat, ihren Traum von einer Massagepraxis auf Rügen zu verwirklichen.
Das Buch verbindet Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit. Und es soll Ihnen mit vielen Beispielen zeigen: Ja, es geht. Spinn rum. Riskier’s. Bleib dran! Sie werden eine Menge über ein Leben mit Lust und Liebe lesen. Auch wenn nicht jeder Traum uns zurückliebt, wie die bekannte Schriftstellerin und Journalistin Ildikó von Kürthy mir im Interview berichtet hat.
15 Lebenstraum-Geschichten sollen Ihnen mehr Inspiration und Erkenntnisse liefern als alle Ratgeber zum Thema »Ziele erreichen«. Denn es gibt keine Patentrezepte. Es gibt Vorbildliches, Nachdenkliches, Unglaubliches und total Menschliches. All dies wird Ihre eigene Fantasie beflügeln. Sie können Ihre eigenen Träume mit den Geschichten in Verbindung bringen. Sie werden Erkenntnisse über sich selbst entwickeln und tief in sich spüren, wie sehr Ihr Wunsch Sie berührt. Alles Praktische von »Wie schreibe ich einen Businessplan?« bis zu »Muss ich eine GmbH gründen?« finden Sie besser und aktueller im Internet.
In diesem Buch finden Sie dagegen die spannenden Antworten von Frauen und Männern darauf,
Die Berichte der Menschen spiegeln die ganze Vielfalt des Themas wider.
Dirk Römer aus Düsseldorf glaubt an eine große Idee – nämlich Qualität im Handwerk – und setzt alles darauf. »All in« würden Pokerspieler sagen: Zeit, Kraft, Mut und alles Geld, das er besitzt. Und er erzählt in aller Offenheit davon, wie hart das Geschäft ist – aber warum es sich eben auch gelohnt hat, Mut zu beweisen.
Fritz Hoffmeister ist 25 Jahre alt und hat zwei eigene Musikbands. Mit 14 klimperte er im Urlaub zufällig das erste Mal auf einer Gitarre herum, heute ist er ein begnadeter Gitarrist. Er erzählt mit viel Liebe und klarem Blick, wie die Musik ihn einfing – und wie er seinen klaren Traum verwirklicht hat.
Tolle Menschen haben mir Einblicke in ihren Traum und ihre Umsetzung in das wahre Leben gegeben. Ich habe sie alle live interviewt, meine Recherche-Reisen führten mich von der Insel Rügen bis an die Schweizer Grenze, vom Nürburgring bis nach Kärnten. Meine Interviewpartner erzählen ehrlich und unverblümt – Sie können sich auf den schon erwähnten Videozusammenschnitten selbst davon überzeugen.
»Die Sehnsucht hat allemal recht,
aber der Mensch verkennt sie oft.«
Bettina von Arnim
Johanna, pensionierte Lehrerin aus Norddeutschland, zog, nachdem sie zum zweiten Mal Witwe geworden war, nach München, in die Nähe ihrer Tochter. Aber sie wurde mit Bayern nicht warm. Jeden Januar zog es die 62-Jährige in den Süden, nach Tunesien oder Südspanien – Seniorenurlaub zum Überwintern. Sie brauchte die Sonne und die Wärme. Sie war eine fantastische Schwimmerin und liebte das Meer. Strahlend und braun gebrannt kehrte sie jedes Mal zurück. Als sie wieder einmal nach zehn Wochen Aufenthalt an der Costa del Sol in den Münchner April-Himmel starrte, brummte sie: »Ich mag keinen Winter. Warum muss ich immer hierher zurückkommen?!«
Ihre Tochter antwortete: »Warum kommst du überhaupt zurück? Zieh doch ganz nach Spanien!«
»Aber das geht doch nicht.«
»Warum nicht?«
»Das kann ich doch Mutti nicht antun.« Ihre Mutter war damals 84 Jahre alt.
»Du bist doch in drei Flugstunden in Hannover.«
»Und du und die Kinder?«
»Wir kommen dich regelmäßig besuchen.«
Johanna bekam einen sehnsuchtsvollen Blick, sie atmete tief durch: »Ja, warum eigentlich nicht?«
Sie fand über ein Zeitungsinserat für ein Jahr eine Wohnung in einer kleinen Stadt in Andalusien, zwischen Malaga und Marbella. Sie suchte Untermieter für ihre Münchner Wohnung und machte sich mit zwei Koffern per Zug auf den Weg nach Spanien. Beim Umsteigen in Zürich wurde ihr die Brieftasche mit Pass und allen anderen Papieren gestohlen. Sie fuhr unbeirrt weiter.
Die Wohnung entpuppte sich als sehr verdreckt. Sie putzte sie eine Woche lang gründlich. Vom Elektriker vor Ort, der die Fernsehantenne reparieren sollte, bekam sie den Tipp für eine andere Wohnung. Wie sich herausstellte, ihre Traumwohnung, die sie sich mit ihrer Lehrerinnen-Pension leisten konnte.
Von ihrer Dachterrasse aus sah Johanna hinaus aufs Meer und hörte die Brandung rauschen. Sie ging bei jedem Wetter an den Strand. Stolz erzählte sie, dass sie sogar an Heiligabend schwimmen gewesen war. Sie hatte bald einen großen deutschsprachigen Freundeskreis.
Johanna war meine Mutter.
Sie hat ihren Traum verwirklicht. In einem Alter, in dem viele Menschen ihre Träume begraben, ist sie ihrer Sehnsucht gefolgt. 20 wunderbare Jahre hat sie dadurch gewonnen.
Die Botschaft dieser Geschichte: Du kannst in jedem Alter anfangen, deinen Traum zu verwirklichen. Es ist selten zu früh und nie zu spät. Vielleicht schaffst du nicht mehr die Voll-Version deines Traumfilms, sondern nur noch einen spannenden Kurzfilm. Aber es lohnt sich. Immer. Denn es gibt gar keine »Endstation Sehnsucht«, sondern Sehnsucht immer als Startpunkt, an dem die Reise erst losgeht.
Ich nenne den Weg zu den selbst gesteckten Zielen »Sehn-Suche«. Ich betone das Wort Sehnsucht so, als wäre es in zwei Worten geschrieben, also »Sehn sucht«, denn es hat für mich weniger mit Sucht zu tun, sondern mit dem Sehnen, das einen Weg sucht, erfüllt zu werden.
Die Sehn-Sucht dient uns als Signalgeber und Mutmacher. Die Sehn-Suche ist Wegbegleiter und Vollender, sie kann uns ins Innehalten und in die Aktivität führen. Ich bin heute – genauso alt wie meine Mutter, als sie nach Südspanien gezogen ist – überzeugter denn je, dass die Sehn-Suche der einzige verlässliche Reiseführer auf dem Weg zu einem Traum ist.
Nichts kann uns so gut durch Verführung, Größenwahn und Frustration, Verwirrung und Resignation geleiten und uns zu unseren authentischen Zielen führen. Die Sehn-Suche ist der berühmte Ariadnefaden, also der rote Faden, der Sie durch die Höhle der Verzagtheit und die Möglichkeit der tausend Wege ans Ziel Ihrer Sehnsucht führt. Die moderne Version: Die Sehn-Suche ist unser Navi, das uns zielsicher an allen Abzweigungen vorbei zu unserem Traum führt: »Der Sehnsucht lange folgen.«
Dabei sind Umwege durchaus häufig und gar nicht schlimm. Wenn Sie einen gewissen Perfektionismus in Ihrer Lebensplanung anstreben, kann ich nur raten: Haben Sie keine Angst, Fehler zu machen, sich »falsch« zu entscheiden. Es gibt keine Blaupause des Lebens, die Sie exakt auf Ihr Leben übertragen können. Folgen Sie Ihrer Sehnsucht. Dann straft Sie am Ende Ihres Lebens nicht die Reue: »Hätte ich doch …!«
Wussten Sie, dass die Sehn-Sucht viele hilfreiche Schwestern und Brüder hat, die sie alle mit ins Team holt, wenn der Weg zum Ziel ernsthaft angepeilt wird?
Davon wird Ihnen Christine Hamester-Koch, Bäuerin, Bauernhofpädagogin, Coach und Mutter von vier Kindern erzählen. Sie brauchte ein sehr starkes inneres Team, als sie von ihrem Traum gezwungen wurde (ja, so kann man es sagen!), ihn endlich zu verwirklichen. Viermal hatte sie klar »Nein« zu ihm gesagt, am Ende gab sie sich geschlagen: Sie kaufte ein Seminarhotel mit zehn Hektar Land, eigenem Wald, eigenem See und eigenem Hochseilgarten. Ihr inneres Team und wunderbare äußere Helfer wollten, dass sie sich in das Abenteuer ihres Lebens stürzt, in ihre »Akademie für Natur und Business« im Osten der Lüneburger Heide (mehr darüber im Kapitel »Traumparadies sucht Besitzerin«).
Sie werden in diesem Buch auch immer wieder Beispiele aus meinem Leben lesen, es sind meine persönlichen Beispiele dafür, wie uns eigene Lernerfahrungen auf Ideen bringen können. Meine Erlebnisse sind meist mit Erkenntnissen verbunden, die ich weitergeben möchte. Ich glaube ganz fest daran, dass vor allem Erkenntnisse uns helfen, etwas zu verändern, etwas anzufangen oder zu lassen. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht: Wenn ich mich öffne, fällt es den LeserInnen leichter, sich zu öffnen, mit anderen Menschen über ihre Ideen, ihre Vorstellungen vom Leben, von ihren Träumen zu reden. Und ich weiß, wie hilfreich das sein kann.
Noch ein Gedanke vorweg: Lassen Sie sich von niemandem einreden, dass Sie unbedingt einen Traum, eine Vision haben müssen. Es gibt genügend Menschen, die ganz gut ohne sie auskommen. Sie können es mit Altkanzler Helmut Schmidt halten, der einmal gesagt hat: »Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen«.
Ich halte es da aber lieber mit dem Philosophen Professor Wilhelm Schmid, der schreibt: »Dem konkreten Wünschen, Begehren, Wollen geht das Sehnen voraus und leitet das Suchen an, das in der Sehnsucht mitschwingt. Zielsicher spürt das Sehnen den freien Raum auf, in dem Leben und noch ein anderes Leben möglich erscheint, das größere Fülle, mehr Glück, vollkommenere Schönheit, tieferen Sinn verspricht als der begrenzte Moment, in dem Enge und Mangel empfunden werden.« (Psychologie heute, Heft 3/2007)
Jedem Erfolg geht Sehnsucht voraus
Ganz sicher wäre unsere Welt eine andere, wenn Menschen nicht immer schon von der Sehn-Sucht getrieben worden wären und ihre Träume in Form von Erfindungen oder Abenteuern verwirklicht hätten. Hätten Gottfried Daimler und Carl Benz nicht gleichzeitig davon geträumt, den motorgetriebenen Wagen zu entwickeln, würden wir heute noch mit Pferdekutschen fahren. Nein, würden wir natürlich nicht, weil sich innovative Ideen immer durchsetzen. Es hätte vielleicht nur ein paar Jahre länger gedauert, bis ein vergleichbares Gefährt auf den Straßen unterwegs gewesen wäre.
Da Sie sich für dieses Buch interessieren, vermute ich, dass in Ihnen eine sanfte Sehn-Sucht schlummert (oder sogar schon heftig pocht) und dass Sie schon neugierig darauf sind, wie das so geht mit dem Träume-Verwirklichen. Ich nehme an, dass Sie Zukunftsbilder in sich tragen, die Sie anziehen, aber vielleicht sogar stressen, weil Sie sich von ihnen überfordert fühlen. Ihnen möchte ich Zuversicht und Handwerkszeug für Ihre Sehn-Suche vermitteln.
Doch auch, wenn Sie längst Ihre Träume verwirklichen oder verwirklicht haben, hoffe ich, dass Sie Freude an diesem Buch haben werden, sich bestätigt und bestärkt fühlen. Und vielleicht können Sie nach dem Lesen anderen Menschen bei der Umsetzung ihrer Träume eine noch bessere Mentorin, ein noch besserer Mentor sein.