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ISBN 978-3-417-26553-8 (E-Book)
ISBN 978-3-417-22675-1 (lieferbare Buchausgabe)
Datenkonvertierung E-Book:
CPI – Ebner & Spiegel, Ulm
© 2013 der deutschen Ausgabe SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG
Bodenborn 43 · 58452 Witten
Internet: www.scm-brockhaus.de; E-Mail: info@scm-brockhaus.de
Soweit nicht anders angegeben, sind die Bibelverse folgender Ausgabe entnommen:
Neues Leben. Die Bibel, © 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten
Weiter wurde verwendet:
Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung 2006,
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart (LUT)
Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel WHEN WOMEN WALK ALONE bei Harvest House Publishers, Eugene, Oregon.
© 2002, 2012 by Cindi McMenamin
Umschlaggestaltung: Tabea Siegel, www.pinkgepunktet.de, Nürnberg
Titelbild: Shutterstock. com – Masson
Satz: Christoph Möller, Hattingen
Für jede Frau,
die durch Zeiten der Einsamkeit geht …
Inhalt
Ein Schrei aus der Wüste
Teil 1 – Eine Zeit der Suche
1. Einsam als Frau: den Segen suchen
2. Einsam im Herzen: auf den „himmlischen Ehemann“ sehen
3. Einsam als Alleinerziehende: Gott als Partner erleben
Teil 2 – Eine Zeit neuer Stärke
4. Einsam im Schmerz: die Last loslassen
5. Einsam im geistlichen Leben: tieferes Vertrauen aufbauen
6. Einsam in der Gemeinde: mehr von Gott erleben
7. Einsam im Leid: die eigene Herrlichkeitsgeschichte entdecken
Teil 3 – Eine Zeit des Aufbruchs
8. Einsam in der eigenen Ruhelosigkeit: Sehnsucht nach Gott bekommen
9. Einsam beim Träumen von der Zukunft: Gottes Beistand erleben
10. Einsam im Einsatz für Gott: Jesu Gefühle nachempfinden
11. Einsam vor Gott: in seinem Überfluss leben
Willkommen in der Oase
Anmerkungen
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Wäre es nicht wunderbar, nie mehr das Gefühl der Einsamkeit aushalten zu müssen? Stellen Sie sich vor, jemand wäre an Ihrer Seite, wenn Sie das Bedürfnis haben, Ihren Wert als Frau zu spüren. Stellen Sie sich vor, da wäre die Schulter, an der Sie sich ausweinen können, starke Arme, die Sie halten, während Sie Ihrem Traum folgen. Stellen Sie sich vor, wie es wäre, immer die Kraft und Weisheit eines anderen zu spüren, der all das schon erlebt hat und Ihnen durch die Zeiten durchhelfen kann, die Sie zu überfordern scheinen.
Als Frauen haben wir so oft den Eindruck, alleine durchs Leben zu gehen. Es gibt Situationen, in denen wir uns alleingelassen fühlen – wenn der Ehemann verschwindet (oder nie aufgetaucht ist), wenn ein Kind auszieht, der Vater oder die Mutter stirbt oder eine Freundin wegzieht. Manchmal fühlen wir uns zu bestimmten Zeiten im Leben alleingelassen: wenn wir mit Spannungen in der Ehe oder dem Stress des Single-Daseins zu kämpfen haben; wenn wir kleine Kinder erziehen oder herausfinden, dass wir keine Kinder bekommen können; wenn die zweite Lebenshälfte anbricht und die Kinder ausziehen; wenn unser Körper langsamer wird und wenn wir in Rente gehen. Manchmal haben wir einfach bei all dem Stress und der Hektik des Lebens den Eindruck, einsam zu sein … und denken, dass uns niemand versteht und sich niemand in unsere Lage hineinversetzen kann.
Wenn Sie sich so vorkommen, sind Sie nicht alleine. Um Sie herum gibt es nicht nur andere Frauen, die genau das Gleiche empfinden. Mehr noch: In Ihrer Nähe gibt es Schultern, die Ihre Lasten tragen können, starke Arme, die Sie halten, und Kraft und Weisheit, die Teil Ihres Lebens werden wollen. Das Ziel dieses Buches liegt darin, Ihnen die Augen zu öffnen, damit Sie alles sehen, was Sie haben – und Sie davon zu überzeugen, dass Sie stärker als je zuvor sein können, wenn Sie den einen annehmen, der Ihnen in Ihrer Wüste der Einsamkeit seine Macht zeigen will.
In diesem Buch werde ich mich damit befassen, was wir Frauen für „Zeiten der Einsamkeit“ halten, und Ihnen helfen, sie als Pforte zu einer tieferen Beziehung zu Gott zu sehen. Ich möchte Ihnen helfen, von der Wüste der Einsamkeit zur Oase des Überflusses aufzubrechen, indem Sie Ihre Zeiten der Einsamkeit nicht als Hindernis für Ihr Wachstum sehen, sondern als Gelegenheiten, dem Herzen Gottes näher zu kommen.
Ich glaube, dass Gott uns oft in die Wüste führt, wo wir uns einsam vorkommen, um uns eine Seite von sich zu zeigen, die wir vielleicht nie gesehen hätten, wenn in unserem Leben alles nach Wunsch verlaufen wäre. Werfen wir einen Blick auf ein paar Geschichten von Frauen aus der Bibel, die einsam in der Wüste waren und deren Leben durch die Begegnung mit dem lebendigen Gott grundlegend verändert wurde:
•Hagar, die ägyptische Magd von Abrahams Frau Sara, war alleinstehend, schwanger, lief von zu Hause weg, legte sich neben einen Brunnen in der Wüste und bereitete sich auf den Tod vor. Niemand verstand ihre Notlage. Es ist sowieso allen egal, dachte sie. Doch anstatt an diesem Tag in der Wüstensonne den Tod zu finden, begegnete sie dem Lebensspender, der ihr die Kraft gab, wieder nach Hause zu gehen, ihr Kind auf die Welt zu bringen und den Rest ihres Lebens auf Gottes Zusagen zu vertrauen. Wäre Hagar in ihrer Not von einem Mann oder einer gutmeinenden Freundin getröstet worden, hätte sie die verblüffende Begegnung mit dem Gott „der mich sieht“ (1. Mose 16,13) verpasst.
•Lea, eine Frau, die ihrem Ehemann Jakob aus List gegeben wurde, war völlig verzweifelt und einsam in einer lieblosen Ehe mit einem Mann, der in Wirklichkeit ihre Schwester Rahel liebte. Nachdem sie mehrere Kinder zur Welt gebracht hatte – in der Hoffnung, dadurch die Zuneigung ihres Mannes gewinnen zu können – lernte sie schließlich, nicht mehr auf den Mann zu schauen, dessen Liebe sie nie gewinnen konnte. Stattdessen begann sie, für Gott zu leben, der sie schon immer geliebt hatte. Hätte sich Lea von Jakob geliebt und erfüllt gefühlt, hätte sie in der Wüste ihrer Ehe wahrscheinlich nie Gott als ihren „himmlischen Ehemann“ entdeckt (1. Mose 29,16-35).
•Eine Samariterin, die Ihre Sicherheit im Leben bei Männern fand (fünf ehemalige Ehemänner und einen Freund, mit dem sie zusammenlebte), kam alleine zu einem Brunnen und fühlte sich leer und ausgetrocknet, als sie Jesus traf. Der bot ihr ein neues Leben und eine Erfüllung an, die sie nirgendwo sonst finden konnte. Wäre in ihrem Leben alles wunschgemäß verlaufen, hätte sie ihr „lebendiges Wasser“ nie gefunden (Johannes 4,5-26).
Können Sie den roten Faden erkennen? In allen drei Situationen – Hagar beim Brunnen in der Wüste, Lea in der Wüste ihrer Ehe und die Samariterin am Wüstenweg – war das erfrischende Wasser ganz nahe. Jede dieser Frauen kam ausgetrocknet und leer in die Wüste, und sie alle fanden ihre Oase der Kraft und ihr lebendiges Wasser in der Begegnung mit Gott, die ihr Leben grundlegend veränderte.
Wenn Sie sich wie Hagar schlecht behandelt und unverstanden vorkommen, dann stehen vielleicht auch Sie kurz vor der Begegnung mit dem Gott „der mich sieht“. Wenn Sie sich wie Lea in Ihrer Ehe einsam und vernachlässigt fühlen, erleben Sie vielleicht bald Gott als ihren „himmlischen Ehemann“. Oder wenn Sie sich wie die Samariterin einsam in Ihrer Wüste vorkommen – auch mit einem Mann in Ihrem Leben – dann entdecken Sie möglicherweise bald, dass Ihr „lebendiges Wasser“ fast vor der Haustür ist. In diesem Buch werden wir auch andere Frauen aus der Bibel kennenlernen – Frauen, die sich körperlich, emotional und geistlich alleingelassen fühlten. An ihnen werden wir entdecken, was wir tun können, wenn wir einsam sind – wie wir die Oase der Zufriedenheit finden, aus der wir trinken können, wie wir den Reichtum des Trostes entdecken, in dem wir uns bergen können, und den Zuhörer finden, dem wir unser Herz ausschütten können.
Wenn Sie mich durch dieses Buch begleiten, dann kann ich Ihnen hoffentlich nicht nur die Oase zeigen, die in Ihrer derzeitigen Wüste der Einsamkeit auf Sie wartet, sondern Sie auch auf Zeiten der Einsamkeit vorbereiten, die vor Ihnen liegen. Im Laufe unseres Lebens, wenn wir mit dem Single-Dasein oder in der Ehe, mit dem Muttersein oder der Kinderlosigkeit, der Karriere oder der Ruhelosigkeit, dem Alter und der Krankheit, der Menopause, dem Renteneintritt oder dem Verlust geliebter Menschen zu kämpfen haben, wird es ständig neue Wüsten der Einsamkeit geben, die wir durchwandern müssen. Wir werden nicht lernen, wie man diese Zeiten der Einsamkeit vermeidet, sondern wie wir uns stärken können, um bereit zu sein, wenn sich dieser Weg vor uns auftut.
Als ich Anfang 20 war, stand ich vor der Wahl, in der Wüste meiner Einsamkeit zu sterben oder in ihr zu blühen. Eine vierjährige Beziehung mit einem Mann, den ich für meinen künftigen Ehemann gehalten hatte, war zerbrochen. Ich war am Boden zerstört und dachte, dass ich möglicherweise für immer alleine bleiben würde. Doch ich klammerte mich an Gott und lernte, mich in den Zeiten der Einsamkeit auf seine Gegenwart, seine Liebe und seinen Trost zu verlassen. Denn er war da. Er stillte die Sehnsucht in meinem Leben, und ich wurde eine recht unabhängige Frau – unabhängig von anderen Menschen, aber völlig abhängig von Gott.
Dann brachte Gott einen wunderbaren Mann in mein Leben. Doch in den ersten Jahren unserer Ehe begann ich allmählich, mich mehr auf die Liebe meines Mannes und die Gemeinschaft mit ihm als auf Gott zu verlassen. Schließlich wurde ich in der Liebe einsam … und befand mich wieder verzweifelt in der Wüste. Die Einsamkeit dehnte sich auf andere Lebensbereiche aus und wurde schließlich zu einer verzehrenden Kraft, bis ich erkannte, warum sie überhaupt da war.
Als ich wieder zu jener Abhängigkeit von Gott zurückkehrte und sah, wie er begann, den Hunger in meinem Herzen zu stillen, gewann ich erneut die Kraft, alleine zu sein. Mir wurde klar, dass Zeiten der Einsamkeit in unser Leben hereinbrechen und auch wieder verschwinden, und ich lernte dabei einige praktische Möglichkeiten, wie ich daraus gestärkt hervorgehen kann.
Auch heute kommen noch Zeiten der Einsamkeit:
•Wenn ich mich den Menschen, die mir nahestehen, innerlich nicht verbunden fühle.
•Wenn ich mich an etwas Unbekanntes heranwage und den Eindruck habe, keine Unterstützung oder Ermutigung zu finden.
•Wenn ich sehr beschäftigt bin und den Eindruck habe, den Kontakt zu meinen Freundinnen verloren zu haben.
•Wenn ich total gestresst bin und die Leute nicht verstehen, wie hektisch mein Leben ist.
•Wenn ich einen geliebten Menschen durch Tod, Umzug in eine ferne Stadt oder Umstände, die nicht in meiner Hand liegen, verliere.
•Wenn ich in einer Krise den Kopf verliere und den Eindruck habe, von anderen keine Hilfe oder Unterstützung zu bekommen.
Meine erste Reaktion auf Gefühle der Einsamkeit ist, gegen sie anzukämpfen. Aber wenn ich sie als Aufforderung sehe, alleine mit Gott zu sein und eine andere Seite von ihm zu erkennen, erfahre ich neue Kraft, neuen Frieden und neues geistliches Wachstum. Denn dann macht Gott sich daran, die Leere in meinem Herzen auszufüllen und mich innerlich stärker zu machen.
Wollen auch Sie stärker werden, egal was das Leben mit sich bringt? Wollen Sie aus dem Loch Ihrer Einsamkeit herausklettern und wachsen, anstatt in den Zeiten Ihrer Einsamkeit zu trauern? Wollen Sie sich schließlich sogar nach Einsamkeit sehnen … nicht nach der Einsamkeit, die Sie kummervoll und hilflos macht, sondern nach der, die Sie stärkt, weil sie Sie zu Gott hinzieht, der Sie mehr liebt, als Sie sich vorstellen können?
Dann machen Sie sich mit mir auf den Weg, auf dem wir nach praktischen Möglichkeiten suchen, durch alle Zeiten unseres Lebens hindurch stärker zu werden. Wir werden uns mit der Einsamkeit als Single, als Ehefrau und Mutter beschäftigen und wie diese Zeiten der Suche uns helfen, eine andere Seite von Gott kennenzulernen. Wir werden uns mit der Einsamkeit in unserem Schmerz, in unserem geistlichen Leben, in der Anbetung und in unseren schweren Zeiten beschäftigen. Wir werden herausfinden, wie unsere Kämpfe tatsächlich Zeiten der Stärkung werden können. Wir werden uns mit der Einsamkeit in unserer Ruhelosigkeit und beim Verfolgen unserer Träume beschäftigen. Und schließlich werden wir in Zeiten der Einsamkeit mit unserem Gott entdecken, wie diese Zeiten uns neue Kraft verleihen, sodass wir uns zu neuen Höhen aufschwingen können.
Wenn Sie die Geschichten und Situationen in diesem Buch lesen, merken Sie, dass nicht alle diese „Wüsten“ auf Ihre konkrete Situation zutreffen. Doch ich ermutige Sie, auch diese Teile des Buches zu lesen. Denn vielleicht können Sie damit andere Frauen, die gerade auf diesem Weg gehen, ermutigen und stärken.
Wenn wir uns auf diese Reise machen, bin ich überzeugt, dass Sie nicht nur die Kraft finden, bereit zu sein, festen Schrittes und zügig durch die Zeiten Ihres Lebens zu gehen, sondern auch andere Frauen aufzurichten, die von der Last der Einsamkeit geschwächt am Wegrand liegen.
Sind Sie bereit? Kommen Sie mit mir. Befassen wir uns mit jenen leidvollen Zeiten der Einsamkeit und betrachten sie als kostbare Gelegenheiten, in denen wir wachsen können. Gehen wir gemeinsam durch jene Lebensabschnitte, die niemand anderes zu verstehen scheint, und suchen wir nach der helfenden Hand, die sich uns entgegenstreckt. Gewinnen wir Kraft in den Augenblicken oder in den endlos scheinenden Zeiten der Einsamkeit und werden wir so wie Gott uns haben möchte.
Man sagt, dass der wirkliche Test der Kraft einer Frau darin besteht, zu sehen, wie stark sie alleine ist. Also gewinnen wir gemeinsam an Kraft, damit wir alleine stärker sind.
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„Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden; ja, wenn ihr ernsthaft, mit ganzem Herzen nach mir verlangt.“
JEREMIA 29,13

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| Kapitel 1 | ![]() |
DIE Jahre der Einsamkeit haben sich tief in Julias Gedächtnis eingeprägt.
Sie war jung, hatte einen guten Ehemann und vier kleine Kinder. Und sie tat ihr Bestes, um eine gute Ehefrau und Mutter zu sein. Doch allmählich wurden die jährlichen Umzüge in eine andere Stadt, die für die Weiterbildung ihres Mannes nötig waren, und die damit verbundene Suche nach einer neuen Wohnung und Kirchengemeinde eine zu große Belastung für sie. Kaum waren die Umzugskisten ausgepackt, war ihr Mann jeden Tag 10-12 Stunden unterwegs und pendelte zwischen Wohnung und Universität. Da Julia schüchtern und zurückhaltend war, fiel es ihr nicht leicht, neue Freundschaften zu schließen und schließlich gab sie es auf, sich um persönliche Kontakte zu bemühen. Sie meinte, der Aufbau einer Beziehung lohne sich nicht, da sie sowieso bald wieder wegziehen müsse. In den langen schneereichen Wintermonaten, wenn sie ohne Auto zu Hause saß, fiel ihr die Decke auf den Kopf. Sie fühlte sich zutiefst einsam und verzweifelt. Allmählich gewann sie den Eindruck, in einem tiefen, schwarzen Loch zu sitzen. Seifenopern und seichte Fernsehserien wurden zu ihrer einzigen geistigen Beschäftigung.
Als Julias Mann sein Studium beendet hatte, schwanden ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben schnell. Er nahm eine Arbeitsstelle an, bei der er 25 Tage im Monat auf Geschäftsreise war, und sie musste wie eine Alleinerziehende leben. Dann gestand er ihr, dass er sie nicht mehr liebte und sich von ihr trennen wollte. Doch um der Kinder willen entschieden sie sich gegen eine Scheidung.
Nun war Julia klar, dass sie nie das Ehe- und Familienleben führen würde, das sie sich erhofft hatte. Eines Morgens, als dieser hoffnungslosen Frau der Gedanke durch den Kopf ging, dass das Gefühl der Einsamkeit das einzig Vertraute in ihrem Leben war, fasste sie den Entschluss, mit Hilfe der Zeiten der Einsamkeit zu wachsen, anstatt sich zu grämen. Sie begann zu lesen, ihre Gedanken aufzuschreiben und ihr Herz vor Gott auszuschütten. Bald entdeckte sie, dass ihre Persönlichkeit nicht von ihren äußeren Lebensumständen – beispielsweise mit wem sie verheiratet ist und was man von ihr erwartet – bestimmt wird, sondern davon, dass sie Gottes geliebtes Kind ist. Diese Erkenntnis half ihr aus dem Loch der Einsamkeit heraus und gab ihr den Mut zum Weiterleben. Sie beschäftigte sich mit Gottes Wort, anstatt stundenlang vor dem Fernseher zu sitzen. Sie suchte Gottes Nähe durch Bibellesen, Fasten und Beten. Und zum ersten Mal in ihrem Leben fand sie Kraft und Selbstvertrauen.
Heute ist Julia eine der stärksten, weisesten und einflussreichsten Frauen, die ich kenne. Sie leitet die Erwachsenenarbeit einer großen, wachsenden Kirchengemeinde, schreibt lehrreiche Artikel und Anleitungen für Bibelkreise und ist eine begehrte Rednerin zu den Themen „Erfolgreiche Gemeindearbeit“ und „Persönliche Beziehung zu Gott“. Ihr warmherziges Lächeln, ihr teilnahmsvoller Blick und ihre Ausstrahlung ziehen Frauen regelrecht an, weil sie hoffen, das Geheimnis ihrer Kraft zu erfahren. Sie und ihr Mann, mit dem sie inzwischen fünfzig Jahre verheiratet ist, haben sich wieder zusammengefunden und führen eine glückliche Ehe. Obwohl sie eine ungewöhnliche innere Kraft ausstrahlt, gibt Julia unumwunden zu, dass der Aufbau ihrer „geistlichen Muskeln“ nicht einfach war. Lange und schwere Zeiten der Einsamkeit haben sie zu der Frau gemacht, die sie heute ist: gefestigter und fähiger, das zu bewältigen, was auf sie zukommt. Jetzt freut sie sich sogar über Zeiten des Alleinseins, weil sie ihr die Möglichkeit zum Wachstum bieten. Julia weiß, was es bedeutet, durch Zeiten der Einsamkeit stärker zu werden.
Patricia ist eine einsame Frau. Aber auf den ersten Blick würde das niemand für möglich halten. Als Verwalterin gewerblicher Immobilien verdient sie gut, sie kann sich Reisen in alle Welt erlauben, spricht mehrere Sprachen, ist mit einem Profisportler verheiratet und hat verschiedene Hobbys wie Fallschirmspringen und Bergsteigen. Man würde meinen, dass es Patricia an nichts mangelt. Doch trotz Liebe, Geld, beruflicher Erfüllung, Unabhängigkeit und Anerkennung fühlt sich Patricia unsagbar einsam.
Da sie die Hauptverdienerin ist und keine Kinder hat, beschleicht sie oft das Gefühl, nicht zu den anderen Frauen ihrer Kirche, ihrer Wohngegend und ihrer Gemeinde zu passen. Sie hat wenig mit den anderen Frauen gemeinsam und es fällt ihr schwer, eine persönliche Beziehung zu anderen aufzubauen.
„Ich sehe, was die nichtberufstätigen Frauen in der Nachbarschaft und der Kirchengemeinde für ihre Familie tun – und dann befällt mich Bitterkeit“, bricht es aus ihr heraus. Sie würde gerne ihren Beruf an den Nagel hängen und Kinder haben. Doch ihr Mann hatte noch nie für längere Zeit eine feste Arbeitsstelle, um eine Familie ernähren zu können.
„Ich fühle mich so schrecklich alleine und stehe ständig unter Stress, weil ich mich bemühe, meine Führungsposition, die lange Fahrt zur Arbeit und all den Termindruck mit der Hausarbeit unter einen Hut zu bekommen.“ Denn natürlich wollte sie auch beim Kochen, Saubermachen, Einkaufen und Aufräumen unübertroffen sein.
„Nicht, dass mein Mann nicht helfen will. Er hat einfach nicht die erforderlichen Fähigkeiten. Ich mache mich selbst kaputt. Ich verlasse das Büro oft etwas früher, um einzukaufen und sauberzumachen, arbeite dann zu Hause stundenlang am Computer und hetze am nächsten Morgen zurück zur Arbeit. Oft bin ich alleine, traurig und müde.“
Da Patricia niemanden hat, der den Stress und die Hektik ihres Lebens versteht, fühlt sie sich als Frau einsam. Doch sie ist nicht alleine gelassen.
Auch Kathy ist einsam. Doch es ist eine andere Art Einsamkeit. Ihre erwachsenen Kinder waren wieder bei ihr eingezogen und ihre hochbetagten Eltern wurden pflegebedürftig. Kathy hatte den Eindruck, dass sie viel Verantwortung alleine trägt und kein eigenes Leben mehr hat. Da jeder etwas von ihr wollte, kam sie sich wie in einer Wüste der Einsamkeit vor, obwohl sie im ganzen Haus kaum ein ruhiges Plätzchen finden konnte. (Vor Kurzem, als ihr Vater in ein Altersheim kam und ihre erwachsenen Kinder eine eigene Wohnung fanden, meinte Kathy, dass die Veränderungen in ihrer Familie nicht das Erhoffte bewirkten. „Die Ironie des Ganzen: Jetzt, wo der ganze Stress weg ist und wir nur zu dritt anstatt zu neunt sind, fühle ich mich genauso einsam wie zuvor.“)
Auch Erin ist einsam. Sie hatte in der Vergangenheit mehrere ernsthafte Beziehungen und kommt jetzt nur schwer damit zurecht, dass sie mit über Vierzig immer noch Single ist. Sie füllt ihre Tage mit Arbeit, beteiligt sich aktiv in ihrer Kirchengemeinde und beschäftigt sich auch am Wochenende. Doch ständig wird sie an ihre Einsamkeit erinnert, wenn sie von Treffen und Veranstaltungen ausgeschlossen wird, weil sie nicht verheiratet ist; wenn sie Feiertage mit keinem lieben Menschen verbringen kann und wenn sie handwerkliche Dinge in der Wohnung alleine erledigen muss, bei denen ein paar Männerhände eine echte Hilfe wären.
Jini war als Frau in all den Jahren einsam, in denen sie sich mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch herumquälte. „Mein Mann war sehr verständnisvoll, doch er war beruflich ausgelastet und hatte andere Dinge im Kopf. Ich war diejenige, die Monat um Monat nicht schwanger wurde. Es war die einzige Zeit in meinem Leben, in der ich dachte, dass alle es können, nur ich nicht.“ Obwohl sie wusste, dass Gott an ihrer Seite war, gestand Jini: „In dieser Zeit habe ich mich wirklich sehr einsam gefühlt.“
Für Carla begann die Zeit der Einsamkeit, als sie mit Anfang zwanzig endlich ihrer Familie anvertraute, dass der Mann ihrer Schwester sie sexuell belästigt hatte. Sie fühlte sich einsam und im Stich gelassen, als ihr niemand glaubte oder auch nur versuchte, auf sie einzugehen. Da sie merkte, dass niemand (weder ihre Eltern, noch ihr Mann, noch ihre engsten Freundinnen) ihren Schmerz und ihre Wut verstehen konnten, geriet sie in eine Wüste der Einsamkeit, in der sie jahrelang gefangen blieb.
Die Bemerkung einer meiner Freundinnen beschreibt treffend die Einsamkeit, die Frauen heute empfinden, obwohl sie vielbeschäftigt und von Menschen, Plänen und Lärm umgeben sind: „Auch unter Menschen, die einem nahestehen, kann man sich sehr einsam fühlen.“
Wir Frauen können durch bestimmte Lebensumstände, das Fehlen zwischenmenschlicher Beziehungen oder mangelnde Verbundenheit einsam werden. Wir sind einsam, wenn wir alleinstehend oder gestresst sind oder uns unverstanden fühlen. Tatsächlich sind wir so oft einsam, dass die Einsamkeit inzwischen zu einer wohlvertrauten Weggefährtin geworden ist.
Beth kennt diese Weggefährtin sehr gut. Oft war sie ihre Begleiterin in den Wüsten ihres Lebens. Sie machte ihre Bekanntschaft in einer lieblosen Ehe, in der ihr Mann sie ständig betrog. In ihrer zweiten Ehe mit einem Mann, der sie aufrichtig liebte, musste sie feststellen, dass die Einsamkeit an ihrer Seite bleib, da ihr Mann beruflich oft unterwegs war.
Innerhalb von vier Jahren verlor Beth ihre Eltern, ihren Schwiegervater und ihr einziges Kind. Als ich mit ihr am Tisch saß und sie von den letzten Tagen erzählte, bevor ihre 26-jährige Tochter an einem Hirntumor starb, strahlten ihre Augen eine Hoffnung aus, die man angesichts der Wüsten, die sie durchlebt hatte, kaum für möglich gehalten hätte.
Dann verriet sie mir in zwei Sätzen das Geheimnis ihrer Kraft: „Ich habe gelernt, einsam zu sein“, flüsterte sie und lächelte dabei sanft, als ob das Wort einsam für sie etwas Kostbares bedeutet. „Ich habe gelernt, nicht nach einem Weg aus der Wüste zu suchen, sondern zu fragen, was Gott mir in der Wüste sagen will.“
Was will Gott uns in der Wüste sagen? Dass wir wie Beth sein und der Einsamkeit ins Gesicht sehen können? Dass wir Hoffnung in den Augen und Freude im Herzen haben können, auch wenn unsere Ehe gescheitert ist, wir ein Kind verloren haben oder auf andere Weise vom Leben enttäuscht wurden? Vielleicht will er uns nicht auf etwas, sondern auf jemanden aufmerksam machen …
Beth ist sich sicher, dass das Geheimnis unserer Kraft nicht in unseren Lebensumständen liegt, sondern in demjenigen, den wir trotz dieser Umstände kennenlernen können, und in dem, was wir dabei über ihn erfahren. Die stärksten, fähigsten Frauen, die ich kenne, sind Frauen, die einsam waren, Wüsten durchlebt haben und dabei Gott persönlich kennengelernt und angenommen haben und damit rechneten, dass er ihnen in diesen Zeiten der Einsamkeit etwas zeigen will.
Und Sie? Haben Sie mit Einsamkeit zu kämpfen? Womit genau kämpfen Sie? Wären Sie gerne verheiratet oder glücklich in Ihrer Ehe? Wünschen Sie sich sehnlichst ein Kind oder eine berufliche Laufbahn oder einen Traum, der außer Reichweite scheint? Quälen Sie sich ab, weil Sie zu niemandem eine enge Beziehung haben oder weil Sie den Eindruck haben, dass niemand versteht, dass bestimmte Erlebnisse aus Ihrer Vergangenheit sich heute noch auf Ihre Gegenwart auswirken? Oder haben Sie es einfach satt, alleine für alles zuständig zu sein, und würden gerne die Last mit jemandem teilen?
Ich frage mich, was geschehen würde, wenn Sie die Weggefährtin Einsamkeit bereitwillig annehmen und nicht als Fremde betrachten, die Ihnen etwas wegnehmen will, sondern als Segensspenderin, die gekommen ist, um Ihnen etwas Wunderbares zu schenken!
Wenn wir in unserer Wüste der Einsamkeit sind, können wir uns im Allgemeinen nur schwer vorstellen, dass dabei etwas Gutes herauskommen kann. Wir sehen nur Probleme, die wie endlose Ebenen vor uns liegen, und Unsicherheiten, die sich wie hohe Sanddünen vor uns auftürmen. Doch Gott kommt oft dann, wenn wir am schwächsten und verletzlichsten sind, zeigt uns seinen Plan und schenkt uns seinen Segen. Halten Sie kurz inne: In den Zeiten, in denen wir alleine sind und über unser Leben nachdenken, ohne von anderen Menschen abgelenkt zu werden, sind wir vermutlich besonders offen für das, was Gott uns sagen will.
Ich habe allerdings die Vermutung, dass Gott oft in unsere einsame Dunkelheit kommt und uns seinen Plan für uns zeigen will und dann feststellen muss, dass sich bei uns alles nur darum dreht, aus dieser dunklen, einsamen Nacht herauszukommen; dass wir gegen ihn – oder unsere Lebensumstände – ankämpfen und uns um den Segen bringen, den er uns zugedacht hat. Wenn Gott uns einen Boten schickt, der uns Hoffnung bringen soll, dann wehren wir vielleicht diese Hoffnung ab und halten lieber am Negativen fest. Wenn wir alleine sind und Gott zu uns sprechen will, dann suchen wir möglicherweise nach Lärm oder Menschen oder irgendetwas, damit wir uns nicht so einsam fühlen. Oder wenn Gott uns leise zu verstehen gibt, dass er mit uns alleine sein will, dann finden wir einen Grund, dem Wink zu widerstehen, und wenden uns einem Menschen oder einer Sache zu. Wir kämpfen gegen Gott an und bringen uns um den Segen, den er uns schenken will.
Aus der Bibel wissen wir, dass für die, die Gott lieben, alles zum Guten führt (Römer 8,28). Gott hat uns vor langer Zeit in seinem Wort vieles versprochen, das er uns auch heute noch geben will. In Jeremia 29,11 sagt Gott: „Denn ich weiß genau, welche Pläne ich für euch gefasst habe … Mein Plan ist, euch Heil zu geben und kein Leid. Ich gebe euch Zukunft und Hoffnung.“ Gott hat dieses Versprechen zwar dem Volk Israel gegeben, aber da wir seine Kinder sind, können wir sicher sein, dass ihm auch unsere Zukunft am Herzen liegt. Warum hat Gott diese Pläne für uns? Erhofft er sich eine bestimmte Antwort? Aber sicher! In den Versen 12-14 lesen wir, warum Gott Gutes mit uns vorhat: „Wenn ihr dann zu mir rufen werdet, will ich euch antworten; wenn ihr zu mir betet, will ich euch erhören. Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden; ja, wenn ihr ernsthaft, mit ganzem Herzen nach mir verlangt, werde ich mich von euch finden lassen … Ich will euer Geschick wenden“ (oder euch aus der Wüste der Einsamkeit herausholen).
Gott hat einen Plan für uns und will, dass wir zu ihm rufen, ihn kennenlernen, ihm vertrauen und in enger Verbindung mit ihm leben, damit wir diesen Plan ausführen können. Vielleicht hat er unseren Weg in die Wüste zugelassen, damit er ungestört mit uns reden und uns mit seiner Kraft füllen kann. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich mich in der Wüste der Einsamkeit befinde und nicht viele Menschen um mich herum sind, kann ich Gottes Stimme am deutlichsten hören. Wenn ich dagegen ohne Sorgen lebe und alles glattläuft, sehne ich mich weniger nach Gottes Stimme und höre nicht so aufmerksam auf ihn.
Gott hat nicht nur Pläne für uns. Er möchte auch, dass wir sie umsetzen können – ein deutlicher Hinweis darauf, dass wir nicht in der Wüste unserer Einsamkeit sterben werden. In Epheser 2,10 steht, dass wir „Gottes Schöpfung [sind]. Er hat uns in Christus Jesus neu geschaffen, damit wir zu guten Taten fähig sind, wie er es für unser Leben schon immer vorgesehen hat“ (Hervorhebung durch die Autorin). Wenn wir geschaffen wurden, damit wir die guten Werke tun, die Gott für uns vorgesehen hat, dann ist Gott sicherlich nicht darauf aus, unser Leben zu zerstören, weil wir sie sonst nicht zuwege bringen können. Er will, dass wir ein erfülltes Leben nach seinem Plan führen. Aber entscheidend hier ist, dass es um seinen Plan geht, nicht um unseren.
Das musste ich vor vielen Jahren in meinem Leben lernen, als ich mir sehnlichst ein zweites Kind wünschte. Als unsere Tochter Dana ein Jahr alt war, beschlossen mein Mann und ich, dass wir für ein weiteres Kind bereit sind. Da ich bei unserer Tochter problemlos schwanger wurde, rechneten wir damit, dass wir unser zweites Kind wie das erste „nach Plan“ bekommen würden. Doch als Monat um Monat verging und ich nicht schwanger wurde, machten wir uns Sorgen und gingen zum Arzt. Mein Arzt und ein paar wohlmeinende Freundinnen meinten, wir sollten einfach entspannen, dann würde sich das Baby schon einstellen. Doch nach einigen Jahren war immer noch kein Baby da.
An einem Morgen im Sommer saß ich auf der Terrasse unseres Hauses und betete alle Versprechen Gottes in der Bibel durch und bat Gott, diese Versprechen zu erfüllen und mir das ersehnte zweite Kind zu schenken.
Ich erinnerte Gott daran, dass er in Jeremia 29,11 versprochen hatte, mir Zukunft und Hoffnung zu geben. Ich berief mich auf Psalm 37,4: „Freu dich am Herrn, und er wird dir geben, was dein Herz wünscht.“ Und ich hielt ihm Psalm 84,12 vor, wo er verspricht: „Der Herr wird denen nichts Gutes vorenthalten, die tun, was recht ist.“
Da musste ich plötzlich mitten im Gebet abbrechen! Gott hat versprochen, mir Heil zu geben, mir zu schenken, was mein Herz wünscht und mir nichts Gutes vorzuenthalten. Doch das bedeutet nicht unbedingt, dass er mir ein Baby verspricht. Ja, Gott hat versprochen, mir Heil zu geben (und ich nahm an, das bedeutet, dass er mir noch ein Kind schenkt). Doch meinte er das wirklich so? Er hat versprochen, mir eine Zukunft zu geben (und ich nahm an, es handelte sich um eine Zukunft mit einem zweiten Kind). Aber war das wirklich sein Plan für meine Zukunft? Er hat versprochen, mir nichts Gutes vorzuenthalten, doch was genau meinte er mit Gutem? Als mir klar wurde, dass ich davon ausging, dass meine Wünsche auch Gottes Wünsche sind, verbrachte ich einige Tage im Gebet und fragte Gott, was er für mein Leben will, wie seine Zukunftspläne für mich aussehen und was er für mein Leben für „gut“ hält.
In diesen Tagen erinnerte Gott mich daran, dass ich schon lange den Wunsch hegte, Bücher zu schreiben. Schon als Kind war es mein Wunsch, Autorin zu werden. Als Erwachsene wollte ich Bücher schreiben, die Frauen ermutigen. Ich hatte gehofft, nach Danas Geburt ein paar Bücher schreiben zu können. Aber das Leben als junge Mutter war hektisch, und die Bücher wurden nie geschrieben. Und jetzt saß ich hier, hoffte immer noch, Bücher schreiben zu können und bat Gott um ein zweites Kind! Ich sagte dem Herrn, dass ich tief im Herzen immer noch den Wunsch hatte, zu schreiben, auch wenn dies den Verzicht auf ein zweites Kind bedeuten würde. An diesem Tag übergab ich Gott meinen Wunsch nach einem zweiten Kind. Das zweite Kind ist bis heute nicht gekommen. Aber Sie lesen gerade das zweite Buch. Und seither habe ich neun weitere Bücher geschrieben. Gott hatte eine Zukunft für mich – aber es war nicht die Zukunft, wie ich sie mir ausgedacht hatte.
Wenige Tage nachdem ich meinen Wunsch nach einem zweiten Kind Gott übergeben hatte, rief mich der Arzt an und teilte mir die Ergebnisse der Untersuchungen mit, die mein Mann und ich machen ließen. „Wissen Sie, dieses Wunderbaby, für das Sie beten, das haben Sie schon vor drei Jahren bekommen!“ Er erklärte mir, dass bei meinem Mann und mir eine immunologische Inkompatibilität vorliegt und dass wir eigentlich überhaupt keine Kinder hätten bekommen können!
Noch heute bin ich tief bewegt, wenn ich daran denke, dass Gott in die Wüste meiner Einsamkeit gekommen ist, als ich auf ein zweites Kind wartete. Er überbrachte mir die Botschaft, dass er mir schon ein großes Geschenk gemacht hatte (als Dana ein paar Jahre zuvor zur Welt kam) und dass er für mich ein neues Gebiet voller Segen (Schreiben und Vorträge) vorgesehen hat. Ich bin dankbar für seine Pläne, nicht für meine. Und ich bin dankbar, dass er mich in diese Einsamkeit geführt hat, in der ich seine Botschaft als Segen und nicht als etwas Schmerzliches erfahren konnte.
Was möchte Gott Ihnen in Ihrer Wüste der Einsamkeit wohl sagen? Dass jetzt, wo Ihr Mann Sie verlassen hat, er Ihr Mann sein will? Dass er sogar aus Ihrem unerfüllten Kinderwunsch etwas Gutes machen kann? Dass Sie Ihre Stelle oder einen lieben Menschen verloren haben, weil er Ihnen eine neue Richtung weisen will? Dass er Ihnen in dieser Zeit der Einsamkeit ganz neu begegnen will? Vielleicht ist es etwas, um das Sie nie gebeten haben. Doch wenn es aus Gottes Hand kommt, dann ist es wirklich gut.
Gott hat Ihnen etwas zu sagen. Er will Ihnen etwas zeigen. Er hat seine Gründe, weshalb er zugelassen hat, dass Sie in diese Wüste geraten sind – und aus seiner Sicht sind es gute Gründe. Gott hat Pläne für Sie, Pläne zu Ihrem Heil, die Ihnen Hoffnung und Zukunft geben. Glauben Sie das? Möchten Sie einen kleinen Einblick in diese Pläne und die Zukunft bekommen? Dann hören Sie auf zu kämpfen und lassen Sie Gott sprechen.
Sie sind vermutlich erstaunt über das, was er zu sagen hat.
Zum Weiterdenken:
•Machen Sie eine Liste der „guten“ Dinge in ihrem Leben, für die Sie dankbar sind. Wo können Sie Gottes Segensspuren erkennen? Stellen Sie sich vor, ihr Leben wäre bisher ganz anders verlaufen: Welchen Segen hätten Sie nach jetzigem Stand der Dinge vielleicht verpasst? Danken Sie Gott für das, was Ihnen diesbezüglich auffällt.
•Treffen Sie sich in dieser Woche mit einer Freundin und erzählen Sie ihr, was Sie in Ihren einsamen Momenten erlebt haben und wie Gott Ihnen darin begegnet ist.
•Es ist Gottes Absicht, Ihnen Gutes zu tun. Lesen Sie doch einmal hier nach, wie er das tun möchte: Jeremia 29,11-13; Psalm 37,4; Römer 8,28-29 und Psalm 84,11.
[ Zum Inhaltsverzeichnis ]
| Kapitel 2 | ![]() |
ICH glaube, dass wir uns alle zuweilen innerlich einsam fühlen, egal, ob wir verheiratet sind oder nicht. Sandy ist Single und hat das oft empfunden.
„Ich bin nicht gerne Single“, gestand sie mir eines Tages mit Tränen in den Augen. „Ich wollte immer Ehefrau und Mutter sein und kann mir nicht vorstellen, dass Gott für mich etwas anderes vorhat.“ Sandy hat all die herkömmlichen Sprüche gehört: Vertraue auf Gottes Zeitplan, nicht auf deinen. Konzentriere dich auf deine Beziehung zu Gott, dann wird er dir eine Beziehung zu einem Mann schenken. Du findest die Liebe erst, wenn du aufhörst, nach ihr zu suchen.
Aber diese Sätze helfen ihr nicht mehr. Sandy ist inzwischen über dreißig und hat Angst, dass ihre Chancen, noch jemanden zu finden, rapide abnehmen.