Über Hans-Peter Dinesh Bauer

Hans-Peter Dinesh Bauer, geboren 1963, stammt aus der Nähe von Bad Tölz. Er hat über fünfundzwanzig Jahre als Journalist für Presse und Fernsehen gearbeitet. Er lebt in München und im Tölzer Land. Mit seinem Bayern-Krimi »Toter Winkel«, erschienen bei atb, hat er eine Liebeserklärung an das weiß-blaue Land vor den Bergen verfasst. »Bayerisches Roulette« ist der zweite Fall für Dorfbulle Schorsch Wammetsberger.

Informationen zum Buch

Nichts für feige Hunde

Anti-Terror-Übung im Grenzgau. Dorfbulle Schorsch Wammetsberger bleibt jedoch auf halber Strecke liegen – sein Wagen streikt. Ganz in der Nähe sabotiert ein Terrorkommando die neue Hochspannungsleitung. Durch Zufall stößt Wammetsberger auch noch auf eine Leiche. Kein schöner Anblick: Kopfschuss aus nächster Nähe. Der Tote war ein zwielichtiges Mitglied ihrer Wilderer-Bruderschaft. Die Regeln lassen ihm keine andere Wahl: Der Tod eines Bruders muss gerächt werden. Und Wammetsberger setzt auf seine eigenen Methoden, um den Mordfall aufzuklären.

Ein Alpenkrimi voller Spannung und skurriler Charaktere

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Dinesh Bauer

Bayerisches Roulette

Ein Alpen-Krimi

Inhaltsübersicht

Über Hans-Peter Dinesh Bauer

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Personenverzeichnis

Born to be Wild

Good Day Sunshine

Down by the River

Beds Are Burning

Up where we belong

Breakfast in America

New Kid in Town

Bad Moon Rising

Highway to Hell

I can see clearly now

On the Way Home

Brown Sugar

Looking for Freedom

Suspicious Minds

The Harder They Come

Devil in Disguise

After Midnight

Shotgun Wedding

I am a Sex Machine

Felicita

Walking on Sunshine

Down Under

Eye of the Tiger

Hungry Heart

Dead or Alive

Paradise City

Mamma mia

Tea in the Sahara

Money for Nothing

Live and Let Die

God Save the Queen

I want to break free

It’s the End of the World

Holiday in Cambodia

Walk on the wild Side

Here comes the Sun

Blue Skies

Impressum

Dieser Roman ist »mio Mosquito« gewidmet.

Mein Dank gebührt überdies allen,
die sich in die Lektüre meiner Bücher vertiefen –
möge es ihnen Freude bereiten.

Personenverzeichnis

Korbinian Eyrainer, Hauptkommissar der Kripo Grenzberg

Albert »Bertl« Lehnleitner, Kommissar, Eyrainers erster Assistent

Leonhard »Hartl« Harthofer, Kriminalobermeister, Eyrainers zweiter Assistent

Regine »Stöcki« Stöckel, Teamassistentin bei der Kripo Grenzberg

Norbert Schreiber, Polizeipräsident Grenzberg

Sabine Pröll, Oberleutnant im österreichischen Amt für Terrorabwehr

Ortfried Orterer, Leiter der Spurensicherung

Dr. Stanislaus Steinheil, Facharzt für Gerichtsmedizin

Georg »Schorsch« Wammetsberger, Polizeihauptmeister in Bad Brennbruck

Elfriede »Elfi« Wammetsberger, seine Gemahlin

Franz Xaver »Xarre« Gschwandtner, Polizeiobermeister in Bad Brennbruck

Ignaz Irgl, Polizeihauptmeister, Wammetsbergers engster Spezl

Leonhard »Che« Wildbichler, Wilderer-Spross und Anführer einer Truppe Gamsbart-Guerilleros

Alfred »Al« Aufhammer, Provinz-Banker und Walderer-Bruder

Hubert »Hubsi« Hack, Walderer-Bruder und gescheiterte Existenz

Rudi Rauschmaier, Ex-Drogenfahnder und Vertrauter Hubsis

Rudi Irrsiegel, Bauer und Hubsis alter Saufkumpan

Franz Ebersdobler, Ex-Offizier und Terror-Consultant

Lukas Purgin, Ex-Soldat und Söldner

Garibald Baum, Hauptmann der Gebirgsjäger

Der Oberst, ein Mann mit Prinzipien

Benno »Zerberus« Höllriegel, Sprengstoffexperte

Fritz Ramböck, Oberfeldwebel der Gebirgsjäger

Toni Sonnbichler, bayrischer Ministerpräsident

Wolfram Röber, bayrischer Innenminister

Anian Gruber, Reporter beim Lokalsender Gau-TV

Jakob »Jackl« Walderer, berühmt-berüchtigter Wilddieb des 19. Jahrhunderts, Begründer einer geheimen Bruderschaft

»Droben am Berg, drunt im Tal,

singa deama überall.

Wer ned guad singa ko, der is arm dro!«

»Und is da Weg a no so steil,
a bissal wos gehd allerweil.«

Born to be Wild

Ausham, Gerlham, Landham, Brandham, Riedelfing, Tattenham, Dettenham. Die Fahrt durch die Grenzgauer Bauernkäffer zog sich wie das Streichquartett eines manierierten Zwölftöners aus dem Dunstkreis Arnold Schönbergs. Der Unimog Modell 435 mit dem amtlichen Kennzeichen GR-120 963 röhrte wie ein brunftiger Elch in den Einöden Lapplands. Der Auspufftopf war löchrig wie ein Laib Emmentaler. Kein Wunder, dass die Rostlaube von der kämpfenden Truppe ausgemustert und an die Bereitschaftspolizei abgeschoben worden war. Dort kam das klapprige Gefährt nur noch in nationalen Notstandsfällen und bei Straßenkrawallen zum Einsatz. Also so gut wie nie. Nun aber schien das Ende nah: Die nächtliche Fahrt durch die Fichten-Finsternis würde wohl die letzte Reise des Schrottkübels werden. »Gleich gibt der Motor den Geist auf!«, bemerkte der hinterm Steuer sitzende Polizeiobermeister Franz Xaver Gschwandtner trocken. »Dass das Glump überhaupt so lang gehalten hat, ist ein Wunder! Wahrscheinlich ist das Kühlerwasser aus Lourdes«, übte sich Kollege Irgl in sarkastischer Gehässigkeit. Dem Fahrzeugschein nach war der geländegängige 7,5-Tonner zwar 1985 in Dienst gestellt worden. Dem Zustand nach zu urteilen, hatte der Schrottkübel aber schon den Rückzug der deutschen Wehrmacht bei Stalingrad mitgemacht. »Und den Diesel haben wir in Altötting getankt, oder …«, legte Polizeihauptmeister Wammetsberger mit bajuwarischem Galgenhumor nach.

Gschwandtner schaltete einen Gang zurück und drückte das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Der Motor heulte auf wie ein hungriger Kojote. Die Beschleunigung war indes eher mau. Der Polizeiobermeister war der Jüngste des Trios – und gemeinhin etwas schwer von Begriff. Doch selbst ihm war klar, dass ihr »Höllenritt« nach Hellham dabei war, in einem Desaster zu enden. Wie ein sehbehinderter Grottenolm beugte er sich übers Lenkrad und spähte in die Nacht hinein. Im Licht der Scheinwerfer war nicht viel mehr zu erkennen als das schmale Band dunklen Asphalts, das sich einer Filmrolle gleich vor ihnen abspulte. Sobald die Straße anstieg, drohte der finale Kolbenkollaps. Der Hügel hoch nach Allham wies eine relativ moderate Steigung von zwölf Prozent auf, doch der abgetakelte Unimog röchelte, als ob es über eine Passstraße in den bolivianischen Anden ging.

Ignaz Irgl platzte langsam der olivgrüne Kragen. »Bis zur Madonna von Altötting schafft’s die schrottreife Dreckskiste nie und nimmer! Und mit so was schicken die uns auf Dschihadisten-Jagd! Da fährt uns ja ein kreuzlahmer Taliban mit dem Dreiradl davon! Und überhaupt, was geht uns die ganze Sache an? Sollen sich doch die gfotzerten Großkopferten um die Terroristen kümmern. Wenn es Probleme mit den Brüdern gibt, lösen wir die auf unsere Art, oder? Da brauchen wir keinen dahergelaufenen Frankenteufel, der uns sagt, was wir tun sollen!«

Wo er recht hatte, hatte er recht, dachte Polizeihauptmeister Georg Wammetsberger. Dies war nicht ihr »Krieg«. Im Normalfall brachte ihn so leicht nichts auf die Palme. Doch heute war nicht sein Tag. Er war hundemüde, saugrantig und ihn plagte ein Bärenhunger. Denn er war auf Diät. Jeder seiner Versuche, ein wenig zu meditieren, war – »Om« hin, »Padme hum« her – kläglich gescheitert. Auf der völlig maroden Sitzbank saß er in etwa so bequem wie auf dem Nagelbett eines indischen Fakirs. Die Spiralfedern stachen durch die Uniformhose direkt in sein ausladendes Hinterteil. Dass nur mehr rudimentäre Überreste des Sicherheitsgurts existierten und die Beifahrertür jeden Moment aus den Angeln und auf die Straße zu fallen drohte, war da nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

Er schob das Armeekäppi aus seiner Stirn und blickte skeptisch an sich herab. Was er sah, war leider beileibe nicht die Traumfigur eines Adonis. Ein stattlicher Malz- und Knödelwanst wölbte sich unter dem grüngefleckten Kampfanzug. Am Bund, unter den Achseln, überall zwickte es, dass es ein Graus war. Elfriede, seine treusorgende Gattin, hatte ihm prophezeit, dass es für ihn »eng werden« würde. »Das Zeug passt dir doch hinten und vorn nimmer! In der Uniform schaust aus wie eine olivfarbene Weißwurst kurz vorm Platzen.« Gestern Abend hatte er Elfriede kleinlaut gebeten, sich seiner Kampfmontur anzunehmen und den Hosenbund weiter zu machen. »Bloß ein, zwei Zentimeter – höchstens.« Im Wohnzimmer war zu allem Überfluss Elfis neue Busenfreundin gesessen und hatte ihn abschätzig gemustert. »Zwickt’s ein wenig, Herr Wammetsberger? Meinem Ferdl passen heut noch die Sachen von damals, als wir geheiratet haben.« In Elfriedes Augen hatte ein zorniges Funkeln gelegen. »Siehst nicht, dass wir mitten in der Gesangsprobe sind? Wir haben doch zu Georgi einen Auftritt vor dem Minister Röber und der ganzen Bagage. Und jetzt kommst du daher. Keine Fleischpflanzerl, Rollbraten und Bratwurstschnecken mehr, dafür mehr Obst und Gemüse! Wie oft soll ich dir das noch predigen? Dann passt dir auch die Hose wieder.« Elfriedes rüder Ton hatte dann aber doch eine versöhnliche Note bekommen. »Ich näh dir nachher den Bund schon noch weiter. Aber jetzt lass uns erst das Stückerl üben, gell!« Er hatte in seinen Dreitagebart gebrummt »Bei dem Geplärr wird ja die Milch im Kühlschrank sauer« – und sich widerwillig getrollt.

Der Motor jaulte erbärmlich. Wie es um die Bremszylinder des Unimogs bestellt war, wollte Schorsch Wammetsberger lieber nicht genauer wissen, aber momentan stand eher zu befürchten, dass sie aussteigen und schieben mussten. Da hörte sich der Spaß auf, schon gar in diesem »Kampfanzug«, der ihm zwei Nummern zu klein war. Zu guter Letzt würden ihm noch die Hosennähte platzen und er würde in der geblümten Unterhose dastehen.

Sein alter Kampfgefährte Ignaz Irgl geriet im Gegensatz zum Unimog nun richtig in Fahrt. »Dieser Kasperlkopf tickt doch nicht mehr richtig im Oberstüberl! Dem haben doch alle Tauben aufm Markusplatz ins Hirn geschissen!« Kleine Speicheltropfen klatschten von innen an die Windschutzscheibe. »Eine parallele Einsatzübung aller ›Teilzeit-‹ – äh – ›Teilstreitkräfte‹ nennt der fränkische Lapp das! Unter Einbeziehung sämtlicher Spezial- und Sondereinheiten in Anbetracht eines allgemeinen Bedrohungsszenarios! Der ist doch blattlweich in der Birn!« Irgl tippte sich demonstrativ an die Stirn. Ja, er klopfte wie ein Buntspecht dreimal an die Schädelkalotte. »Totalsperre aller Ausfallstraßen, Großrazzia bei Islamisten und Extremisten, Sicherung potentieller Zielobjekte. Geht’s no, ha?« Gschwandtner wuchtete den Gang ins Getriebe, dass es nur so krachte. Tiefe Zornesfurchen gruben sich in seine Stirn. »Für diese geschissene Übung hauen sie das Geld nur so hinaus! Aber für eine billige Espressomaschine im Aufenthaltsraum gibt’s angeblich kein Budget. Die Dreckrammel da oben sind doch allesamt angflaschelt!« – »Bis oben hin angrammelt«, pflichtete ihm Gschwandtner bei.

Nein, von oben war noch nie etwas Gutes zu erwarten gewesen. Dennoch schickte Schorsch hier und jetzt ein Stoßgebet gen Himmel. Er bat sämtliche Heiligen von A bis Z inständig um Beistand, dass ihr rachitisches Gefährt nicht ausgerechnet in der Pampa zwischen Dettenham und Allham kollabierte. Und dass er die vermaledeite »Mission Muezzin« unbeschadet an Leib und Seele überstehen würde. Schorsch stöhnte auf, als die Karre unsanft über eine Bodenwelle hoppelte und sich die Sprungfedern in seine Weichteile rammten. »Saudreck, dreckerter!«, fluchte er. Die ganze Übung war eine Farce. Eine Realsatire als Live-Performance. Und ihnen fiel die Rolle der Dorftrottel in Oliv zu.

Zumindest war ihr Outfit stilecht. Das Trio steckte in waschechten Militärmonturen: Hemd, Parka und Hose im Flecktarnmuster, das Käppi mit schwarz-rot-goldener Kokarde vorn drauf. Ihre Felduniformen waren eine Dauerleihgabe der in Bad Eichenhall stationierten Bereitschaftspolizei, den Beppos. Wammetsberger hasste diesen Aufzug, nicht nur, weil er zu knapp saß. Der Uniformstoff roch muffig und die ganze martialische Maskerade war ihm zuwider. Sie gehörten schließlich nicht zum Grenzschutz, zum Unterstützungskommando oder einem anderen paramilitärischen Verband. Sie waren Streifenbullen und als solche für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in ihrem jeweiligen Schutzbereich verantwortlich. Er war Dienstgruppenleiter der Polizeiwache Bad Brennbruck und er war ein Dorfbulle von echtem Schrot und Korn: manchmal etwas behäbig und hüftsteif, aber immer zur Stelle, wenn es brannte. Doch eines war Schorsch nicht: ein Militarist. Zwar hatte er seine fünfzehn Monate Grundwehrdienst auf einer Arschbacke abgerissen, doch das »Soldatische«, »Preußische« war ihm suspekt. Fürs Strammstehen hatte er nichts übrig. Dafür war er zu sehr Bayer, zu anarchisch und aufrührerisch. Nach Ende seiner Dienstzeit hatte er seinen Truppenausweis mit dem Bundesadler auf blassgrauer Pappe als verloren gemeldet. In Wahrheit aber hatte er sich damit den Allerwertesten abgewischt, ehe er das Ding im Plumpsklo entsorgt hatte.

Und jetzt waren er, Xarre und Ignaz Teil einer Joint Task Force – die einem potentiellen Angriff von Islamisten und Dschihadisten Kontra geben sollte. Schorsch hielt die ganze Übung für einen ausgemachten Unfug. Doch ihr neuer, zum Jahreswechsel von Würzburg nach Grenzberg versetzter Polizeipräsident Norbert Schreiber hatte die »integrierte polizeiliche Einsatzübung« vor einer Woche mit großem Tamtam in der Presse angesetzt und einen Termin für die großangelegte Anti-Terror-Übung festgelegt. Vor lauter »Vorfreude« hatte Schorsch schon die ganze Woche über einen gehörigen Grant geschoben. Auf die Schreibtischhengste ganz allgemein und auf den neuen Polizeichef im Speziellen. Schreiber tat alles, um sich bei seinen Vorgesetzten im Innenministerium anzubiedern. Und scherte sich einen Dreck um die Sorgen und Nöte eines einfachen Polizisten. Falls etwas schieflief, dann schob er die Verantwortung dafür bedenkenlos auf seine Untergebenen ab.

»So eine Schoaßhausfliegen, so eine lästige!«, machte er seinem Ärger Luft. Schreiber war gebürtiger »Baambercher« – und das hörte man, sobald er seinen Mund aufmachte, um wie bei der gestrigen Einsatzbesprechung mit unverkennbar fränkischem Zungenschlag den Korpsgeist zu beschwören. »Männer, solche Übungen sind extrem wichtig, um den Leuten draußen zu zeigen: Wir sind für den Bürger da! Wir beschützen ihn vor dem Gesindel! Die Message muss glasklar rüberkommen. Wir sind für alle Eventualitäten gerüstet und wir begegnen den verbrecherischen Aktivitäten von Extremisten jeglicher Art in aller Entschiedenheit. Also, ich verlass mich auf euch, Männer!«

Norbert Schreiber verkörperte alles, was einem echten Bayern aus dem Grenzgau zuwider war. In Wammetsbergers Augen diente der Großeinsatz vorrangig einem Zweck: Schreiber in die Schlagzeilen zu bringen. In praktischer wie taktischer Hinsicht waren solche »Sandkasten-Manöver« von zweifelhaftem Wert, so überflüssig wie ein Kropf. Doch jetzt hatte er den Dreck im Schachterl. Er war mit dem falschen Fahrzeug am falschen Ort – und der Mist am Dunghaufen war am Dampfen!

Mit letzter Kraft quälte sich der ausrangierte Unimog zum höchsten Punkt der Strecke – zur Allhamer Höhe. Gschwandtner atmete hörbar auf. »Grad noch, aber oben san ma.«

»Aber noch nicht da«, raunzte Irgl griesgrämig. Durch ein Wäldchen ging es nun langsam, aber stetig, abwärts. Die Scheinwerfer schnitten Lichtkegel ins Dunkel, Kies knirschte unter den offroad-tauglichen Stollen der Pneus. Der Motor lief nun merklich runder und schien erleichtert, die Strapazen des Anstiegs hinter sich zu haben. Wammetsberger äugte aufs Zifferblatt seiner weiß-blau rautierten Bayern-Swatch. »Vier Uhr fünfunddreißig«. Bislang lief alles nach Plan. Wie im Manöver-Fahrplan für Trupp 35 vorgesehen, waren sie über schmale Teerstraßen und noch schmälere Feldwege bis nach Allham getuckert. Wammetsberger fischte das reichlich zerknitterte und bekleckerte Target Sheet aus dem Handschuhfach. Mit einem boshaften Grinsen ließ er den mit Timetable Trupp 35 titulierten Wisch in seiner Jackentasche verschwinden – der würde bei seinem nächsten Aufenthalt am stillen Örtchen einen ganz anderen Zweck erfüllen.

Trotz aller motortechnisch bedingten Verzögerungen lag Trupp 35 voll im Zeitplan. Ja, sie waren ihrer Zeit sogar voraus. Das lag an der Abkürzung, die Gschwandtner genommen hatte und die in keiner Generalstabskarte verzeichnet war. Seine Aufgabe als Truppführer wäre es nun gewesen, sich umgehend bei der Leitstelle im Stab der Bereitschaftspolizei zu melden – doch Wammetsberger hielt vorsichtshalber Funkstille. So konnten die über Odelwiesen und Maisfelder vorrückenden Muslim-Milizionäre ihren Standort nicht orten. Und er konnte ein Nickerchen halten – sein stellvertretender Truppführer Ignaz Irgl ließ indes partout nicht locker. »Wer denkt sich so einen Schmarrn aus, Schorsch? Mitten im Nirwana einen Kontrollposten einrichten? Wen sollen wir da bitt schön kontrollieren? Einen Packerl-Fahrer, der grad seine Kalaschnikows ausliefert? Einen Burka-Trachtler, der vollverschleiert zum Fensterln geht?« Schorsch atmete tief durch und zuckte hilflos mit den Achseln. »Die reine Schikane! Aber mei, die sekkanten Sauköpf sterben halt nicht aus.«

Gschwandtner drückte auf die Tube – und der Unimog beschleunigte tatsächlich auf sechzig Sachen. An sich war Gschwandtner keiner, der sich über unsinnige Vorschriften aufregte, aber Irgls Renitenz übertrug sich auf ihn. »Was denken sich diese Arschköpfe eigentlich? Wenn hier jemand um die Zeit unterwegs ist, dann ein paar stinkbesoffene Bauernfünfer. Wenn die uns da auf der Straße rumstehen und die Kelle schwingen sehen, da blinkt doch beim letzten Bierdimpfel das Blaulicht – er haut den Turbo rein und fort ist er!« Irgl nickte beipflichtend. »Da dämmert es dem dümmsten Dschihadisten, dass da was nicht stimmt. Nur mal angenommen, da käme ein psychisch labiler, grenzdebiler Islamist daher. Was macht der, wenn er uns drei Hanswursten im Tarnanzug erspäht?«

Gschwandtner soufflierte: »Der hört die Huris im Paradies frohlocken und lädt durch!«

Irgl zog die einzig logische Konsequenz: »Habt’s ihr vielleicht Lust, die Zielscheibe abzugeben? Nix da, sag ich! Da lassen wir das SEK ran – und wir gehen zum Frühschoppen!«

Schorsch straffte sich. Als »Truppführer« trug er die Verantwortung, dass die Unimog-Besatzung nicht desertierte und Fahnenflucht beging. »Hoit auf, Ignaz! Jetzt mach mal halblang!«, grollte er in tiefem Bass. Gegen solch subversive Akte musste er energisch einschreiten. Auch wenn Irgl sein Kamerad bei der Gebirgsschützenkompanie Audorf und sein Stammtisch-Spezl war. Was zu weit ging, ging zu weit. Wammetsbergers Gesichtsausdruck wurde hart und grimmig wie das Gestein der Grenzgauer Berge. Demonstrativ legte er seine Rechte an das Lederholster, in dem seine Heckler & Koch Modell P7M8 steckte. »Wir haben einen Auftrag – und den erledigen wir, habt’s mich? Danach geht’s auf a Halbe zum Wirt. Ich lad euch ein, Ehrensache!« Seine Stimme klang fest und bestimmt. »Euer Gepäck habt ihr im Rucksack, oder? Atemschutzmaske, Feldstecher, Feldflasche, Feldspaten, Splitterschutzweste, Gefechtshelm, Werkzeug, Notration, Ersatzmagazin?« Seine beiden Mitstreiter sahen ihn verlegen an. Irgl räusperte sich – und brummelte etwas Unverständliches in seinen struppigen Zauselbart, das so ähnlich klang wie: »Weißt, Schorsch, das ganze Zeug wiegt ja nicht wenig. Und da haben wir uns halt gedacht …« Irgl ließ den Satz unvollendet. Tief in der Stammesgeschichte der alpenländischen Bergvölker verwurzelte Überlebensinstinkte warnten ihn eindringlich davor, ein Mannsbild von der Statur Schorsch Wammetsbergers unnötig zu reizen.

Gschwandtner fand als Erster die Sprache wieder. »Was sollen wir denn mit einer Atemschutzmaske oder einem Feldspaten anfangen, Schorsch?«

»Den Terroristen sein eigenes Grab schaufeln lassen! Und wenn sich unser Terrorverdächtiger dabei in die Hosen scheißt, Atemschutzmaske auf!« Die beiden Gemaßregelten senkten ihre Häupter und schwiegen. Schorsch verschränkte zufrieden seine Arme vor der Brust und studierte ein letztes Mal die Anweisungen im Target Sheet.

Polizeihauptmeister Georg Wammetsberger war keiner, der vor Übereifer sprühte oder gar eine Extrameile drehte. Das widersprach seinem bajuwarischen Naturell. Seine dienstlichen Beurteilungen und Leistungsberichte fielen Jahr für Jahr desaströs aus. In schöner Regelmäßigkeit lag sein individueller Leistungskoeffizient am unteren Rand des hinteren Drittels. Seine direkten Vorgesetzten wären nie auf die Idee gekommen, das hundertfünfundzwanzig Kilo schwere »Enfant terrible« für eine interne Fortbildung oder Qualifizierungsmaßnahme, geschweige denn zur Beförderung vorzuschlagen. Vielmehr genoss der schwergewichtige Bulle von Bad Brennbruck den Ruf, ein unverbesserlicher Quertreiber zu sein, der eine chronische Antipathie gegen jegliche Form von Autorität hegte. Versonnen blickte Schorsch in das völlig verdreckte Seitenfenster – und sah darin nichts als sein eigenes, bis zur Unkenntlichkeit verzerrtes Spiegelbild. Letzten Herbst war er zweiundfünfzig geworden. Die zweite Halbzeit lief also bereits seit mindestens zehn Minuten. Und die Partie stand noch immer unentschieden – null zu null. Was zum Teufel hatte er aus seinem Leben gemacht? Seit einunddreißig Jahren schob er Wach- und Streifendienst, seit siebenundzwanzig Jahren war er »glücklich« verheiratet. Summa summarum kam dies der Höchststrafe gleich! Er hätte sich eine Auszeit, ein Sabbatical, wie das neuerdings so schön hieß, redlich verdient. Was taten andere im besten Mannesalter? Sie suhlten sich am Palmenstrand, schlürften ihre Mai Tais und tätschelten den wohlgeformten Hintern einer Ballermann-Ballerina. Sie, das waren die Abzocker und Absahner, die Börsenbarrakudas und Bankpiranhas, die sich auf Kosten anderer die Taschen vollstopften. Aber was half alles Lamentieren? Die Welt war ein Sauhaufen. Und er musste dafür sorgen, dass die Ferkel nicht allzu frech wurden.

Die Odyssee durch die Odel-Ortschaften fand langsam ihr Ende. Der im Target Sheet genannte Zielpunkt – die Straßenkreuzung an der B 605 – war kaum mehr zwei Kilometer entfernt, da drohte Odysseus und seinen Gefährten neues Unglück. Die moorige Mulde samt Abzweigung nach Allham lag hinter – und der Anstieg auf die Hellhamer Hügelkuppe vor ihnen. Es ging in engen Kurven bergauf. Und mit jeder Kurve kletterte die Temperaturanzeige im Cockpit, auf sechzig, siebzig, achtzig Grad, bis die kritische rote Linie überschritten wurde. Gschwandtner ging hastig vom Gas, nahm Fahrt weg, doch es half nichts. Schwarzer Rauch quoll aus dem Motorraum – was erstens bedeuten konnte, dass sich die Kardinäle im Konklave auf keinen neuen Papst geeinigt hatten oder dass das Herzstück ihres Unimog akut infarktgefährdet war. Wammetsberger tippte auf Letzteres. »Halt an, Xarre, lass den Motor abkühlen, sonst fliegen uns die Kolbenringe um die Ohren.«

Der Kommentar seines Stellvertreters kam prompt: »Ich hab doch gewusst, dass uns die Karre unterm Arsch verreckt!«

Irgl war prädestiniert für die Rolle des Schwarzsehers. »Dein blödes Gemecker hilft uns jetzt auch nicht weiter! Der Motor braucht eine Verschnaufpause – und Xarre, du kontrollierst den Wasserstand im Kühler!«, befahl Schorsch im rüden Ton des Kommandoführers.

Ein leises Brummeln, ein leichtes Grummeln, dann stieß Gschwandtner die Fahrertür auf und sprang auf das Kiesbett, das die Straße begrenzte. Irgl folgte ihm ächzend. Schorsch sah, wie sich der Kraftklotz mit überbreiten Schultern und astdicken Oberarmen wie ein vom Rheuma geplagter Orang-Utan aus der Fahrerkabine hangelte und ihm beim Aussteigen das Gesicht zuwandte; eine schiefe, von Raufereien und Stammtisch-Exzessen zerfurchte Visage, aus der ein breitlippiger Mund und eine rotgeäderte Nase hervorstachen. Um seinen Stiernacken baumelte ein Goldkettchen mit den Initialen I. I. Auf den ersten Blick hätte man vermuten mögen, dass man einen ungeschlachten Primitivling vor sich hatte – wenn da nicht die klugen, dunkelbraunen Murmelaugen gewesen wären, die ihm nun verschwörerisch zuzwinkerten. »Sei mir nicht bös, Schorsch! Ein bisserl Dampf ablassen muss sein! Du hast doch auch keinen Bock auf den Grampf, sei ehrlich!« Nein, Irgl war kein unterbelichteter Strohschädel, der nur poltern und kraftmeiern konnte. Im Ernstfall war auf den grobschlächtigen Klotz Verlass – und allein das zählte.

Wammetsberger wuchtete sich vom Beifahrersitz und landete unsanft auf dem harten Asphalt. Er unterdrückte einen Schmerzenslaut und überprüfte mit der Akribie eines Hypochonders, ob seine Knochen noch heil waren. Dann erst sondierte er die Umgebung. Die Straße wand sich den Wiesenbuckel hinauf nach Hellham. In rund fünfzig Metern Entfernung zweigte eine breite Schotterstraße nach rechts ab. Wie er von seinen Mountainbike-Exkursionen in der Gegend wusste, schlängelte sich diese am Hang entlang ins tief eingeschnittene Tal der Mölztaler Ache hinab. Eine düstere, öde Gegend, in der sich Fuchs und Luchs einen erfolgreichen Beutezug wünschten. Ein Zufahrtsschild war windschief an einen Weidezaun gedübelt worden, um ortsfremden Brummifahrern den Weg zum Kies- und Schotterwerk Geiger & Gämmler GmbH & Co. KG sowie zur Baustelle der RABAG-Bau zu weisen.

Der geplante Bau einer Gleichstrom-Hochspannungstrasse hatte in den letzten Jahren wiederholt Schlagzeilen produziert und war mehrmals Thema bei polizeiinternen Einsatzbesprechungen gewesen. Die geplante Strombrücke ins südliche Nachbarland war in der hiesigen Bevölkerung heftig umstritten und für Naturschützer und Umweltaktivisten ein rotes Tuch. Aus einem Artikel im Grenzgau Journal hatte Schorsch erfahren, dass man zu Beginn des Frühjahrs begonnen hatte, das Gelände zu planieren und die Fundamente zu gießen. Tiefe Dellen im Blech zeugten davon, dass die Dorf-Desperados ihren Unmut über das Projekt mit der Schrotflinte kundgetan hatten. Schorsch spähte mit einem gewissen Unbehagen zum Himmel. Doch die Wolken hatten sich verzogen und ein paar vorwitzige Fixsterne funkelten fern und unnahbar durch die Dunstschleier über den Feldern. Die Nachtluft war feucht und kühl, aber nichts deutete darauf hin, dass eine für diese Jahreszeit typische, bläulich-schwarze Regenfront aufziehen würde.

Schorsch machte kehrt und stapfte zum Wagen zurück. Seine Kollegen steckten bis zur Brust unter der Kühlerhaube. Gschwandtner leuchtete mit einer Stablampe hinein, während Irgl die Kabel, Schläuche und Leitungen inspizierte. Mit Kolben- und Ventilsitzringen, mit Kurbel- und Nockenwellen kannte Irgl sich aus. Er hatte ein feines Händchen für die praktischen Dinge des Lebens, ein Talent, das Schorsch zu Elfriedes Bedauern gänzlich fehlte. Ignaz knackte jedes Schloss, zerlegte die kompliziertesten mechanischen Konstruktionen und reparierte einfach alles, was Räder und Motoren hatte, vom Rasenmäher bis zum Sattelschlepper.

»Und, was fehlt, Ignaz? Ist das Thermostat hinüber?«, erkundigte sich Gschwandtner in wissbegierigem Eifer.

»Wenn du von der Materie eh nix verstehst, dann halt deine Pappen! Halt lieber die Lampe gerade!«, stauchte ihn der Meister unwirsch zusammen. Nun schaltete sich Schorsch ein, um einen geschäftsmäßigen Ton bemüht: »Wie schlimm ist es denn? Kriegst du den Motor wieder zum Laufen, Ignaz?« Irgls gutturale Knurrlaute versetzten seine Trommelfelle in heftige Schwingungen. »Veranstalten wir hier eine Talkshow, oder was? Bring mir lieber den Werkzeugkasten. Ich brauch eine Ratsche. Und schick dich gefälligst!« Schorsch brummte eine Verwünschung, doch er tat, wie ihm geheißen.

Die Bordausrüstung befand sich in einem geräumigen Staufach hinter dem rechten Radkasten. Er zog den Sicherungsstift heraus und öffnete die Klappe. Dahinter setzten alle möglichen Ausrüstungsgegenstände Rost an. Seufzend machte sich Schorsch daran, zwischen Abschleppseilen, Unterlegkeilen und säurefesten Stiefeln herumzukruschen – zuhinterst lag ein Werkzeugkoffer. Schorsch ließ die Schnappverschlüsse aufspringen. Bingo! Ratschen und Maulschlüssel in allen erdenklichen Größen. Von vorne hörte er Irgl ungeduldig rufen: »Was kramst denn da hinten so lange rum? Die Befestigungsringe an den Schlauchkupplungen sind locker!« Zufrieden betrachtete Schorsch den Inhalt des Koffers und brüllte zurück: »Moment noch. Ich hab’s gleich!«

Der Werkzeugkasten klappte zu und Wammetsberger kam eine Idee. Befanden sie sich nicht mitten in einer Gefechtsübung? Der ideale Zeitpunkt also, um den Kameraden einen kleinen Streich zu spielen. Sein breitlippiger Mund verzog sich zu einem hinterhältigen Grinsen. Die beiden würden blöd aus der Wäsche schauen, wenn er sie aus dem Hinterhalt attackierte. Als Angriffswaffe wählte er einen schweren Schraubenschlüssel, mit dem man notfalls den Schädel eines Ochsen wie mit dem Samuraischwert spalten konnte. Wie ein Gepard auf Gazellenjagd schlich er um den Unimog herum und bemühte sich, kein Geräusch zu machen. Doch die Gazellen witterten die Gefahr nicht. Irgl werkelte unverdrossen an Gewinden und Dichtungen. Gschwandtner funzelte mit der Taschenlampe herum und beide wandten dem nächtlichen Angreifer den Rücken zu. Eine leichte Beute! Wammetsberger kam näher. Noch ein Meter. Abrupt blieb er stehen. Verdammt noch mal, dachte er, spätestens jetzt müssten diese tumben Trottel doch spüren, dass ihnen Gefahr drohte! Aber nix da! Jeder leidlich begabte Terror-Trainee, der ein Praxissemester im Hindukusch verbracht hatte, würde kurzen Prozess mit den Knalltüten machen. Ein gezielter, harter Hieb auf den Hinterkopf – und sämtliche Lichter im Jägerstüberl würden ausgehen. Nein, die beiden waren wahrlich nicht die hellsten Glühbirnen auf Gottes Gartenparty. Mit solchen Versagern im Anti-Terror-Kampf war es nur eine Frage der Zeit, bis die Wüstenkrieger vor Wien standen und im Prater Karussell fuhren. Mit heiserer, verstellter Stimme bellte er: »Die Hände hoch, ihr ungläubigen Giaurs!« Schorsch kannte schließlich seinen Karl May – und Kara Ben Nemsi. Schlagartig kam Bewegung ins Stillleben. Gschwandtner wirbelte wie Old Shatterhand um die eigene Achse und hechtete zur Seite. Der Lichtschein seiner Taschenlampe irrlichterte gespenstisch durch die Nacht. Dem Instinkt gehorchend fuhr Irgl hoch. Sein Kantschädel kollidierte mit 55 Zentimeter dickem Karosserieblech. Wie ein vom Schlag getroffener Boxer ging er unsanft zu Boden. Schreckensbleich stammelte Gschwandtner: »Bist du deppert? Bist narrisch geworden?«

Irgl rappelte sich mühsam hoch und rieb sich die schmerzenden Schädelpartien. »Du blöder Hund, du damischer! Wenn ich jetzt eine mittlere Gehirnerschütterung abbekommen hab, was dann?« Wammetsberger drückte nun doch etwas das schlechte Gewissen. Wie konnte er sich galant aus der Affäre ziehen? Indem er den Teufel in Gestalt eines Terroristen an die Wand malte. »Ach geh, das hält dein Quadratschädel schon aus! So eine kleine Beule ist nicht weiter tragisch. Aber Leute, wir üben hier für den Ernstfall. Ist euch das bewusst? Ein koordinierter Angriff auf mehrere Zielobjekte. Bombenanschlag, Geiselnahme, Feuerüberfall – das volle Programm. Wir sind hier nicht beim Verkehrstraining im Kindergarten, zefix.« Schorsch ließ den Schraubenschlüssel sinken, mahnte aber eindringlich zur Wachsamkeit: »Nur einmal angenommen, dort drüben im Unterholz hocken so ein paar Irre. Die fackeln nicht lang und greifen zur Knarre.« Um der Szenerie noch mehr Dramatik zu verleihen, zog er alle rhetorischen Register. »Das sind Fanatiker, die feuern ohne Warnung aus allen Rohren. Die machen Emmentaler aus euch, die kennen da nix!« Er blickte von einem zum andern. Irgl betastete die Schwellung an seinem Hinterkopf und musterte ihn vorwurfsvoll. Gschwandtner raunzte beleidigt: »Jetzt gib schon zu, dass du Scheiße gebaut hast! Schau dich um, hier ist weit und breit kein Mensch.«

Wammetsberger hob beschwörend die Hände. »Um das geht es doch nicht! Es geht darum, dass wir mental und geistig auf solche Extremsituationen vorbereitet sind. Da muss alles wie von selber flutschen. Jede Bewegung muss in Fleisch und Blut übergehen, sonst geht das im Ernstfall gehörig in die Hosen.« Irgl stemmte die Fäuste in die Hüften und starrte ihn kampflustig an. »Jetzt gib schon zu, dass du Schmarrn gebaut hast und Schwamm drüber! Du tust ja grad so, als ob wir tumbe Volldeppen wären!« Xarre Gschwandtner nickte eifrig. »Wenn es hart auf hart kommt, sind wir auf Zack!« Xarre ließ den Worten Taten folgen. Er sprang katzengleich zur Seite, rollte die Straßenböschung hinab, kam auf dem Bauch zum Liegen und zog mit der Präzision eines Revolverhelden die Pistole. Er nahm sein Ziel, einen gut zehn Meter entfernten Straßenpfosten, ins Visier und drückte ab. Der Schuss saß – und der Pfosten war Geschichte. »Schau, Schorsch, so leicht kriegen uns die Sauköpf nicht am Wickel.« Die Heckler & Koch glitt in das schwarzlederne Holster zurück.

Versonnen betrachtete Schorsch den von den Geschossen zerfetzten Kunststofftorso. Insgeheim fühlte Schorsch Stolz in seiner Brust. Auf der einsamen Straße am Rande dunkel dräuender Wälder wurde es still. Totenstill. Kein Zweigerl knackte, kein Blattl raschelte. Da ließ entferntes Motorengeräusch die Stille der Nacht zerbersten. Erst noch undeutlich, wie in Watte gepackt, wurde es schon rasch lauter. Die drei stutzten. »Hört ihr das?«, raunte Schorsch. Gschwandtner und Irgl spitzten ihre Lauscher.

»Da kommt jemand den Forstweg rauf. Ein dicker Schlitten, im höchsten Karree!«, vermutete Schorsch. »Um die Zeit, um kurz vor fünf in der Früh?«, argwöhnte Irgl. »Wer kann das sein?« Sie spähten ins dämmrige Dunkel.

»Jedenfalls hat er es verdammt eilig«, flüsterte Gschwandtner – die Pistole wieder im Anschlag. Wammetsberger hatte ein ungutes Gefühl im Bauch. Was hatte jemand um diese unchristliche Zeit im Tal der Ache verloren? War das Teil der Übung? Konnte das sein? Schorsch bezweifelte es. Die Straße war eine Sackgasse – und endete am alten, stillgelegten Kieswerk. Dort unten war weder Haus noch Hof. Einzig ein paar im Wald verstreute Forsthütten und die Baucontainer der Firma, die die Masten für die neue Stromleitung errichtete. Das tiefe Brummen eines PS-starken Boliden ließ die Luft vibrieren. Rasch löste Schorsch den Verschluss der Pistolentasche und umklammerte den Griff der Waffe. Aus dem Dunkel des Waldes tauchte die schwarze Silhouette eines Vans auf. Der Kies spritzte nur so von der Fahrbahn. Fünfzig Meter von ihnen entfernt bog das bullige, gedrungene Fahrzeug nach rechts ab und raste in einem Höllentempo und mit abgedunkelten Scheinwerfern in Richtung der B 605 davon. Dort, wo sie eigentlich vor knapp zehn Minuten ihre Straßensperre hätten einrichten sollen.

»Meine Fresse, was war jetzt das? Gehören die Typen zum SEK oder zum BKA?«, stotterte Gschwandtner perplex. Schorsch strich sich nachdenklich über die üppig sprießenden Bartstoppeln am Hals. Ihm schwante, dass das spukhafte Erscheinen des über die dunklen Straßen huschenden Erlkönigs nicht so im Drehbuch gestanden hatte. Und dass die Übung dabei war, eine unvorhergesehene Wendung zu nehmen.

Good Day Sunshine

Goldammer, Zaunkönig und Tannenmeise, Fink und Kleiber, Girlitz und Stieglitz – alle Vöglein draußen im Garten waren wach, quietschfidel und begrüßten den neuen Tag mit munterem Gesang. Die kleinen Radaubrüder tschilpten und zwitscherten, trällerten und trillerten in penetrantem Frohsinn. So, als ob nicht morgen auch noch ein Tag wäre, um Rabatz zu machen. Leonhard »Hartl« Harthofer hätte die kleinen Krakeeler am liebsten erwürgt und erdrosselt. Oder doch zumindest die putzigen Piepmätze in den Wald verbannt. Doch was scherte sich die bunte Vogelschar um ihn, einen auf dem absteigenden Ast befindlichen Polizeibeamten im Dienste des Dezernats 5 der Kripo Grenzberg? Er ahnte die Antwort: einen feuchten Kehricht. Alles im Leben hatte seinen Preis. Und einer musste die Zeche bezahlen. Wenn es geflügelte Wörter gab, die den Nagel auf den Kopf trafen, dann diese beiden. Was hätte er in diesem Moment nicht alles für eine kuschlige Bettdecke gegeben, um sich inmitten flauschiger Eiderdaunen im Schlaf des Gerechten zu wiegen! Doch er musste raus aus den Federn.

Es waren harte Zeiten für harte Männer. Die explosive Mischung aus Bockbier, selbstgebranntem Obstler, Wodka Lemon, Averna und Pinot Grigio hatte selbst einem hartgesottenen Kampftrinker wie ihm den Garaus gemacht – und so war es kein Wunder, dass er an diesem Morgen die Qualen der Vorhölle durchlitt. Hartl war speiübel. Er fühlte sich wie ein Hundertjähriger, der kopfüber aus einem Fenster der Seniorenresidenz gekippt war. Sein Rachenraum war rau und pelzig, in seinem Schädel nistete ein Wespenschwarm. Hartl wollte lieber gar nicht wissen, in welchem Zustand sich seine – auf Alkoholzufuhr höchst sensibel reagierende – Kleinhirnrinde befand. Die Koordinationsfähigkeit der Schaltzentrale war jedenfalls erheblich beeinträchtigt. Er wankte hin und her wie ein trunkener Vollmatrose bei Sturmstärke zehn. Kurzum, Hartl hatte schon bessere Tage gesehen.

Kriminalobermeister Harthofer erinnerte sich dunkel, dass er bereits vier oder fünf Bräuberger Bockbiere intus gehabt hatte, als der Rudi in der »Bayrischen Eiche« aufgekreuzt war. Mit dem Rauschmaier Rudi war er in der guten alten Zeit bei der Polizeiinspektion Bad Aidling so manche Nacht auf Streife gegangen. Später waren sie beide bei der Kripo Grenzberg gelandet – er bei den Tötungsdelikten und Rauschmaier bei der Drogenfahndung. Damit hatten sie jedoch im Falle Rudis den Bock zum Gärtner gemacht. Nachdem ein halbes Kilo Kokain auf unerklärliche Weise aus der Asservatenkammer verschwunden war, hatte man Rauschmaier vom Dienst suspendiert. Da ihm die Staatsanwaltschaft nichts nachweisen konnte, hatte man sich in aller Stille geeinigt. Rudi hatte eine satte Abfindung kassiert und den Polizeidienst »freiwillig« quittiert. Nun stand er in Diensten einer privaten Wach- und Schließgesellschaft. In der Privatindustrie verdiente er das Doppelte – und war, wenn er sich keine groben Schnitzer leistete, niemandem Rechenschaft schuldig.

Ein solch unerwartetes Wiedersehen musste natürlich gebührend gefeiert werden. Rauschmaier hatte sich denn auch nicht lumpen lassen und etliche Runden Obstler ausgegeben. Nach einigen Zwischenstationen hatten sie ihre Zechtour in der Bar »Il Cavaliere« im ehemaligen Glasscherbenviertel Grenzbergs beschlossen. Dort waren die Dinge dann endgültig außer Kontrolle geraten. Sie hatten ein paar Flaschen Pinot Grigio geköpft und mit reichlich Wodka Lemon und Averna ihre Brüderschaft besiegelt. Hartl konnte sich noch dunkel daran erinnern, dass sie zur vorgerückten Stunde mit den Baristas Luciano und Orazio eine Tarantella im Stil einer avantgardistischen Tanztheatertruppe improvisiert hatten. Irgendwann waren Rauschmaier und Orazio im Hinterzimmer verschwunden. Was der Ex-Drogenfahnder und sein italienischer Spießgeselle dort drinnen getrieben hatten, konnte sich Hartl denken. Bei einem Stelldichein mit Frau Holle hatte ein Kripo-Mann dann doch nix verloren. So hatte ihn Luciano mit sanfter Gewalt zur Tür bugsiert. »Sperrstunde! Besser ist, du gehst jetzt!« Und er hatte sich ohne Widerrede getrollt.

Und heute? Heute war er noch immer im Halbdelirium. Der exzessive Konsum alkoholischer Getränke hatte nicht nur dem Cortex Frontalis, sondern auch dem Magen-Darm-Trakt zugesetzt. In seinen Gedärmen rumorte es – und er litt unter heftigen Blähungen. Wiederholt hatte er sich gezwungen gesehen, seinen Chef zu bitten, rechts ranzufahren, damit er hinter den nächstbesten Busch verschwinden konnte, um sich dort zu erleichtern. Jedes Mal war dabei Gefahr in Verzug gewesen. Harthofer rechnete es seinem Chef hoch an, dass er sich jeglichen hämischen Kommentars enthielt und über die von ihm abgesonderten »Duftwolken« nur indigniert die Nase rümpfte. Hauptkommissar Korbinian Eyrainer war eben kein knurriger Kommissar à la Schimanski, sondern ein Mann mit geschliffenen Umgangsformen und gepflegten Manieren. Ein galanter Gentleman, der den Damen die Tür aufhielt und stets tadellos gekleidet zum Dienst erschien. Selbst wenn der Tatort irgendwo in der Botanik zwischen Fichten und Föhren lag.

Erneut gaben seine Gedärme verdächtige Geräusche von sich. Harthofers Kopf lief hochrot an. Vor Scham hätte er in den hellbeigen Lederbezug des 5er-BMWs versinken mögen. Wie konnte er diese peinliche Vorstellung nur jemals wieder vergessen machen? Aus glasigen Augen starrte er zum Seitenfenster hinaus. Die morgendlichen Dunstschleier lichteten sich und ein erster Strahl grellen Morgenlichts bahnte sich durchs Gewölk. Er zuckte beim Anblick der Morgenröte so heftig zusammen wie ein Vampir. Harthofer klappte den Blendschutz herunter und blinzelte aus stecknadelgroßen Maulwurfsaugen in den Schminkspiegel. Die Ausschweifungen des Vorabends waren nicht folgenlos geblieben: Das Weiß der Augen war stark gerötet, die Lider geschwollen und von schwarzen Ringen untergraben. Die Wangen aufgedunsen, die Haut wächsern und von einem grauen Film unterlegt. Hartl schwor sich, nie wieder etwas Hochprozentiges anzurühren – Ramazzotti & Co. waren in Zukunft tabu. Heute Abend noch würde er ein Wellness-Weekend buchen, um seinen geschundenen Körper einer Generalüberholung zu unterziehen. Thermal-Thalasso, Peeling mit Meersalz, Gesichtsmassage mit Algenmaske, also das gesamte kosmetische Pflegeprogramm.

Doch ehe er sich auf die Beautyfarm verzog, musste er erst einmal den heutigen Tag überstehen. Was war er nur für ein Trottel? Gestern Abend hatte er zur Gänze verdrängt, dass er Bereitschaft hatte und im Standby-Modus war. Harthofer war davon ausgegangen, dass er sich beruhigt in den Daunen suhlen konnte, solange ganze Hundertschaften den Grenzgau unsicher machten. Nahezu der gesamte Sicherheitsapparat des Freistaats war gestern Nacht im Einsatz gewesen: die lokale Polizei, Anti-Terror-Einheiten des LKA, die Zentrale Unterstützungsgruppe Zoll, das Spezialeinsatzkommando aus München – und als Draufgabe drei Kompanien der Gebirgsjägertruppe in Bad Eichenhall. Das gemeinsame Manöver war vom Innenminister in Berlin persönlich anberaumt worden, um das Zusammenspiel der Sicherheitskräfte im Falle eines allgemeinen Bedrohungsszenarios durch ein zu allem entschlossenes Terrorkommando einzuüben. Es erschien Kriminalobermeister Harthofer daher nur logisch, dass angesichts der Übermacht der Ordnungsmacht kein Räuber, Einbrecher oder Auftragskiller unterwegs war.

Er hatte sich gründlich verrechnet. Um Punkt sieben Uhr dreißig hatte ihn das penetrante Fiepen seines Handys aus dem Tiefschlaf gerissen. Es hatte einer schier übermenschlichen Kraftanstrengung bedurft, um das Störgeräusch zu lokalisieren und das Handy aus den Tiefen seiner speckigen Bikerjacke zu fischen. »Hier Harthofer, was gibt’s?« Eine Frage, die er sich getrost hätte sparen können. Zu allem Überfluss hatte sich weder ihre kesse Teamassistentin Stöcki noch sein hyperkorrekter Kollege Lehnleitner, sondern der Chef höchstpersönlich gemeldet. Kein gutes Omen. Seine düsteren Vorahnungen hatten sich denn auch umgehend bestätigt. Der Chefermittler des Dezernats 5 war ohne jedwede Präliminarien auf den Punkt gekommen. »Morgen, Harthofer, gut geschlafen? Sind Sie putzmunter wie die Fischchen im See? Ich bin in fünfzehn Minuten bei Ihnen!« Fünfzehn Minuten? Und er hatte nichts an außer blau-weiß gestreiften Boxershorts und den graugrünen Ringelsocken an seinen Füßen. Wahrlich kein Anblick für die Götter.

Down by the River

»Wow, Schöner Wohnen!«, hatte Hauptkommissar Korbinian Eyrainer sarkastisch konstatiert, als er den Dienstwagen vor dem tristen grauen Wohnblock im Ortsteil Grenzberg-Grund zum Stehen gebracht hatte. Er war aus dem Wagen gestiegen und hatte die Fahrbahn überquert, um zu dem Wohnblock mit der Hausnummer 35 zu gelangen. Am Ende einer ellenlangen Reihe von Klingelschildchen hatte er den gesuchten Namen entdeckt: Harthofer. Er hatte zweimal kurz geklingelt und geduldig auf Hartls Erscheinen gewartet. Der Kommissar respektierte die Privatsphäre anderer Menschen, auch die seiner Untergebenen. Dies fiel ihm im Fall Leonhard Harthofer allerdings nicht immer leicht.

Eyrainer prüfte sein Outfit mit kritischem Blick. Es war tadellos, nicht zu spießig, sondern sportlich adrett. Wenn man einmal von dem winzigen Schmerbauch absah, hätte er als Double von Don Johnson alias Sonny Crockett in Miami Vice durchgehen können: sandfarbene Cargohose, perlgraues Jackett aus Gabardine-Stoff, dazu passende Socken sowie Lederschuhe des italienischen Labels Fiorucci. Bei der Wahl zum bestgekleideten Bullen Europas hatte er wohl keine Chance auf einen Platz auf dem Treppchen, aber für Grenzgauer Verhältnisse sah er eins a aus, wie ein Dressman mit Dreitagebart.

Ganz im Gegensatz zu dem derangierten Problembullen, der eben aus der Tür torkelte. Harthofer hatte Ähnlichkeit mit einem leibhaftigen Gespenst, die Augen blutunterlaufen, der Teint von der teigigen, gräulichen Blässe einer Wasserleiche. Mit seinen zerknitterten, nach kaltem Rauch duftenden Klamotten konnte er Inspektor Columbo jederzeit Konkurrenz machen. Eyrainer hatte nur leicht indigniert die Brauen gehoben, sich aber jeglichen Kommentar verkniffen. Er hatte kurz auf seine Uhr geblickt: Der »Boxenstopp« hatte sechs Minuten gedauert. Das lag im Rahmen.

Der Hauptkommissar hatte es nicht eilig. Im Gegensatz zu seinen Kollegen beim Film kam er ohne Blaulicht und quietschende Reifen aus. Er nutzte die vierzigminütige Fahrt von Grenzberg ins Mölztal, um Harthofer über die Key Facts, also Ort, Art und Umfang des Einsatzes, zu instruieren, mit knappen, aufs Wesentliche konzentrierten Worten und gedämpfter Stimme. »Wir wissen noch nichts Genaues. Aber es hat wohl an der Baustelle eine Reihe von Explosionen gegeben – durch den gezielten Einsatz von Sprengstoff verursacht.« Harthofer hatte nur mechanisch genickt und ihn alle zehn Minuten mit reuevoller Büßermiene gebeten, kurz anzuhalten, da er mal müsse.

»Also«, hatte Eyrainer schließlich in väterlichem Ton resümiert. »Wir haben es dieser irrwitzigen Übung zu verdanken, dass bereits ein Großaufgebot an Polizei- und Einsatzkräften vor Ort ist. Der Tatort ist weiträumig abgesperrt und es wimmelt dort vermutlich von Sonderermittlern und Extremismus-Experten des LKA. Wir spielen da nur die zweite Geige. Aber da ein Fall schwerer Sachbeschädigung in Tateinheit mit einem Verstoß gegen das Waffengesetz vorliegt, sind wir mit im Boot. Ich denke, wir werden Teil einer gemeinsamen Ermittlergruppe sein.« Harthofer hatte wie ein angeschossener Bär gebrummt: »Und es handelt sich tatsächlich um einen Terroranschlag, Chef? Ein Unfall oder technische Defekte sind ausgeschlossen?« Eyrainer hatte sich am Ohrläppchen gekratzt. »Komisch, oder? Wieso schlagen die ausgerechnet heute früh zu? Überall Polizei, Straßensperren, Fahrzeugkontrollen und mobile Überwachungskameras. Und unsere Attentäter legen in aller Seelenruhe ihre Sprengladungen und verschwinden ungesehen. Das nenne ich mal dreist. Aber anscheinend ist es genau so gelaufen.«