Alexandra Oliva
Survive - Du bist allein
Thriller
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
FISCHER E-Books

Alexandra Oliva kennt sich in der Wildnis aus: Sie wuchs in einem kleinen Ort in den Adirondack Mountains auf, ist viel in der Natur unterwegs und hat Survival-Trainings absolviert. An der renommierten Yale-Universität hat sie einen Bachelor in Geschichte gemacht und an der New School University in New York kreatives Schreiben studiert. Ihr Debüt-Thriller ›Survive – Du bist allein‹ wurde auf Anhieb zu einem internationalen Bestseller und erscheint in über 25 Ländern. Alexandra Oliva lebt mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Hund Codex im Nordwesten der USA am Pazifik.
twitter@ali_oliva
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de
Tief in einem felsigen Waldgebiet der USA beginnt die Survival-Show: mit zwölf Kandidaten, Frauen und Männern, sorgfältig gecastet, um den Zuschauern etwas zu bieten. Schon bei den ersten Gruppenaufgaben geraten einige Teilnehmer an ihre Grenzen – Orientierungsläufe, Lager bauen, Nahrung finden. Allianzen werden geschmiedet, Konflikte brechen auf, die Prüfungen werden härter und perfider. Und bald muss sich jeder Kandidat ganz allein zu seiner großen Einzel-Challenge aufmachen. Doch keiner ahnt, welch tödliche Wirklichkeit bereits in das Überlebens-Spiel eingebrochen ist …
Erschienen bei FISCHER E-Books
Die Originalausgabe erschien 2016 unter dem Titel ›One Last‹
im Verlag Ballantine Books, New York
© 2016 Alexandra Oliva
Für die deutschsprachige Ausgabe:
© 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main
Covergestaltung: MaschmannFautzHuff, Hamburg
Coverabbildung: andreiuc 88/fotolia
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-10-403641-0
Als Erster vom Produktionsteam wird der Cutter sterben. Er fühlt sich noch nicht krank, und er ist auch nicht mehr draußen am Dreh. Er ist nur einmal rausgefahren, vor Beginn der Dreharbeiten, um sich den Wald anzusehen und den Männern die Hand zu schütteln, mit deren Aufnahmematerial er arbeiten wird: symptomlose Übertragung. Er ist jetzt seit über einer Woche wieder zurück, sitzt allein im Schneideraum und fühlt sich kerngesund. Auf seinem T-Shirt steht: KEIN GENIE OHNE KOFFEIN. Er drückt eine Taste, und Bilder flackern über den 32-Zoll-Bildschirm, der seine chaotische Workstation dominiert.
Der Vorspann. Eine kurze Einblendung von dichtem Laub, Eiche und Ahorn, unmittelbar gefolgt von dem Bild einer Frau, die ihren Teint in der Bewerbung durchaus zutreffend als »cappuccinofarben« bezeichnet hat. Sie hat dunkle Augen und große Brüste, die kaum in ihr oranges Sporttop passen. Ihr Haar besteht aus Unmengen kleiner schwarzer Korkenzieherlöckchen, von denen jedes einzelne perfekt liegt.
Als Nächstes kommt ein Bergpanorama ins Bild, eine der spektakulären Naturformationen im Nordosten des Landes, grün und leuchtend im Hochsommer. Dann ein Kaninchen, fluchtbereit, und ein junger Mann, der durch ein Feld humpelt. Seine kurzgeschorenen Haare schimmern in der Sonne wie Glimmer. Derselbe Mann in Großaufnahme, er wirkt ernst und jugendlich, mit stechend blauen Augen. Als Nächstes eine zierliche Frau koreanischer Abstammung, die ein blaukariertes Hemd trägt und auf einem Bein kniet. Sie hält ein Messer in der Hand und blickt zu Boden. Hinter ihr ein großer Mann mit Glatze, pantherdunkler Haut und Siebentagebart. Die Kamera zoomt näher heran. Die Frau zieht einem Kaninchen das Fell ab. Dann kommt ein Standbild, der Mann mit der dunklen Haut, aber diesmal ohne Bartstoppeln. Seine braunschwarzen Augen blicken ruhig und selbstbewusst in die Kamera, ein Blick, der sagt: Ich will gewinnen.
Ein Fluss. Eine graue Felswand, übersät mit Flechten – und ein weiterer Mann, diesmal mit wildem roten Haar. Er klebt an der Felswand, und die Bildschärfe ist so manipuliert, dass das Seil, an dem er hängt, mit dem Felsen zu einer lachsfarbenen Fläche verschmilzt.
Die nächste Aufnahme zeigt eine hellhäutige, blonde Frau mit strahlend grünen Augen hinter braungerahmten, eckigen Brillengläsern. Der Cutter verharrt bei dem Bild. Da ist etwas an dem Lächeln der Frau, an der Art, wie sie seitlich an der Kamera vorbeiblickt, was ihm gefällt. Sie wirkt authentischer als die anderen, aber vielleicht kann sie sich bloß besser verstellen. Trotzdem, es gefällt ihm, sie gefällt ihm, er selbst kann sich nämlich auch gut verstellen. Die Dreharbeiten laufen seit zehn Tagen, und für ihn ist klar, dass diese Frau der Zuschauerliebling wird. Sie nennen sie »Zoo-Girl« oder kurz »Zoo«. Die tierliebe Blondine, die eifrige Schülerin. Die Schnell-Lernerin mit dem ansteckenden Lachen. So viele Attribute zur Auswahl – wenn er bloß allein entscheiden könnte.
Die Tür des Schneideraums geht auf, und ein großer Mann kommt hereingestiefelt. Der Cutter erstarrt in seinem Sessel, als der leitende Produzent ihm über die Schulter schaut.
»Wo haben wir Zoo jetzt?«, fragt der Produzent.
»Nach Tracker«, sagt der Cutter. »Vor Rancher.«
Der Produzent nickt nachdenklich und tritt einen Schritt zurück. Er trägt ein frisches blaues Hemd, eine gepunktete gelbe Krawatte und Jeans.
»Was macht der gute Air Force, hast du die Fahne reingeschnitten?«, fragt er.
Der Cutter dreht sich mit seinem Sessel um. Vor dem Licht des Computermonitors schimmert sein dunkles Haar wie ein stacheliger Glorienschein. »War das dein Ernst?«, fragt er.
»Ja, sicher«, sagt der Produzent. »Und wen hast du als Letzten?«
»Immer noch Schreiner-Girl, aber –«
»Die kannst du jetzt nicht ans Ende setzen.«
Daran arbeite ich ja gerade, möchte der Cutter am liebsten sagen, aber er verkneift es sich. Er hat die Neugestaltung des Vorspanns seit gestern vor sich hergeschoben, und er muss das Wochenfinale noch fertigmachen. Er hat einen langen Tag vor sich. Und eine lange Nacht. Genervt wendet er sich wieder dem Bildschirm zu. »Ich dachte, entweder Banker oder unseren Black Doctor«, sagt er.
»Banker«, sagt der Produzent. »Vertrau mir.« Er zögert, fragt dann: »Hast du das Material von gestern gesehen?«
Drei Episoden die Woche ohne nennenswerte Vorlaufzeit. Sie könnten genauso gut live senden. Das ist nicht durchzuhalten, denkt der Cutter. »Bloß die erste halbe Stunde.«
Der Produzent lacht. Im Schein des Monitors schimmern seine ebenmäßigen Zähne gelb. »Wir hatten eine Spitzenszene«, sagt er. »Die Kellnerin, Zoo und äh …«, er schnippt mit den Fingern, um seiner Erinnerung auf die Sprünge zu helfen, »Rancher. Die werden nicht rechtzeitig fertig, und die Kellnerin kriegt einen Rappel, als sie die« – er malt Gänsefüßchen in die Luft – »›Leiche‹ sehen. Flennt und hyperventiliert – und Zoo-Girl rastet aus.«
Der Cutter setzt sich alarmiert in seinem Sessel auf. »Hat sie hingeschmissen?«, fragt er. Enttäuschung steigt ihm warm ins Gesicht. Er hat sich darauf gefreut, ihren Sieg zu cutten oder wahrscheinlicher ihre würdevolle Niederlage im Finale. Weil er sich nämlich nicht vorstellen kann, wie sie Tracker je bezwingen sollte. Air Force ist im Nachteil, weil er sich den Knöchel verstaucht hat, aber Tracker ist so souverän, so erfahren und stark, dass ihm wohl keiner den Sieg streitig machen wird. Aufgabe des Cutters ist es, Trackers Sieg ein kleines bisschen weniger unvermeidlich erscheinen zu lassen, und er hatte vor, Zoo dabei als sein Hauptinstrument zu nutzen. Es macht ihm Spaß, die beiden zusammenzuschneiden, ihre Gegensätzlichkeit effektvoll in Szene zu setzen.
»Nein, hat sie nicht«, sagt der Produzent. Er klopft dem Cutter auf die Schulter. »Aber sie war richtig fies.«
Der Cutter betrachtet das sanfte Bild von Zoo, die Freundlichkeit in ihren grünen Augen. Diese neue Entwicklung missfällt ihm. Sie passt absolut nicht in sein Konzept.
»Sie schreit die Kellnerin an«, erzählt der Produzent, »sagt, es ist ihre Schuld, dass sie verloren haben. Den ganzen Scheiß. Einfach großartig. Ich meine, sie entschuldigt sich praktisch eine Minute später dafür, aber egal. Du wirst schon sehen.«
Selbst die Besten unter uns können zerbrechen, denkt der Cutter. Und darum geht es doch eigentlich bei der Show – die Kandidaten zu brechen. Obwohl den zwölf, die in den Ring gestiegen sind, gesagt wurde, dass es ein Survival-Wettkampf ist. Das stimmt auch, beinahe. Selbst der Titel, der ihnen genannt wurde, war Schwindel. »Änderung vorbehalten«, stand im Kleingedruckten. Der offizielle Titel lautet nicht Der Wald, sondern Im Dunkeln.
»Jedenfalls brauchen wir den neuen Vorspann bis heute Mittag«, sagt der Produzent.
»Ich weiß«, sagt der Cutter.
»Okay. Wollte nur auf Nummer Sicher gehen.« Der Produzent zielt mit dem Zeigefinger auf den Cutter, tut so, als würde er einen Schuss abgeben, und wendet sich dann zum Gehen. Er stockt, deutet mit dem Kinn auf den Monitor. Der Bildschirm ist im Energiesparmodus runtergedimmt, und Zoos Gesicht ist nur noch schwach sichtbar. »Guck mal, wie sie lächelt«, sagt er. »Die Ärmste hatte keine Ahnung, worauf sie sich einlässt.« Sein leises Lachen schwingt irgendwo zwischen Mitleid und Schadenfreude, dann verlässt er den Raum.
Der Cutter wendet sich seinem Computer zu. Er bewegt die Maus, hellt Zoos Lächeln auf und macht sich wieder an die Arbeit. Wenn er den Vorspann fertig hat, wird er sich schon völlig lethargisch fühlen. Der erste Hustenreiz wird kommen, wenn er früh am nächsten Morgen das Wochenfinale schneidet. Und am Abend darauf wird er zu einem frühen Datenpunkt werden, einem Einzelereignis vor dem Ausbruch. Experten werden nach Erklärungen suchen, aber ihnen bleibt keine Zeit. Was auch immer das ist, es wartet kurz ab, ehe es zuschlägt. Ist erst unbeteiligter Passagier und sitzt dann plötzlich selbst am Steuer und rast auf den Abgrund zu. Viele der Experten sind selbst bereits infiziert.
Auch der Produzent wird sterben, in genau fünf Tagen. Er wird allein sein in seiner 380-Quadratmeter-Villa, schwach und verlassen, wenn es passiert. In den letzten Momenten seines Lebens wird er instinktiv das Blut auflecken, das ihm aus der Nase läuft, weil seine Zunge so fürchterlich ausgetrocknet ist. Bis dahin werden alle drei Episoden der Premierenwoche ausgestrahlt sein, die letzte schon eine wohltuend sinnfreie Abwechslung von den Sondermeldungen im Fernsehen. Aber sie filmen noch immer, gestrandet in der Region, die als erste und am schwersten betroffen ist. Das Produktionsteam versucht, alle rauszuholen, aber die Kandidaten sind auf Einzel-Challenges unterwegs und weit verstreut. Es gab Notfallpläne, aber nicht für so etwas. Es gerät außer Kontrolle wie ein Kinderkreisel: Aus der reibungslosen Drehbewegung wird ein leichtes Trudeln und dann – das Ende. Inkompetenz und Panik prallen aufeinander. Nackter Selbsterhaltungstrieb überlagert die guten Absichten. Niemand weiß mit Sicherheit, was passiert ist, im Kleinen wie im Großen. Niemand weiß genau, was schiefgegangen ist. Doch eines wird der Produzent wissen, ehe er stirbt: Etwas ist schiefgegangen.
Die Tür des kleinen Minimarkts hängt geborsten und schief im Rahmen. Ich gehe vorsichtig hindurch, wohl wissend, dass ich nicht die Erste bin, die hier nach Nahrung sucht. Gleich hinter dem Eingang ist ein Karton mit einem Dutzend Eiern vom Regal gefallen. Das schwefelgelbe Innere ist längst auf dem Boden verkrustet. Der Rest des Ladens sieht nicht viel besser aus als die Eier. Die meisten Regale sind leer, und etliche Vitrinen sind umgekippt worden. Ohne hinzuschauen, registriere ich die Kamera in einer Ecke oben an der Decke, und als ich weiter in den Raum gehe, dringt mir ein widerlicher Gestank in die Nase. Ich rieche die verfaulten Lebensmittel, die verdorbenen Milchprodukte in den offenen Kühlregalen, die nicht mehr mit Strom versorgt werden. Ich nehme auch noch einen anderen Geruch wahr, den ich, so gut ich kann, ignoriere, während ich mich weiter umsehe.
Zwischen zwei Gängen liegt eine aufgeplatzte Tüte Tortilla-Chips auf dem Boden. Ein Fußabdruck hat den verschütteten Haufen größtenteils zerkrümelt. Ein großer Fußabdruck mit einem deutlich erkennbaren Absatz. Ein Arbeitsstiefel, vermute ich. Er gehört einem der Männer – nicht Cooper, der behauptet, schon seit Jahren keine Stiefel mehr zu tragen. Julio vielleicht. Ich gehe in die Hocke und hebe einen Tortilla-Chip auf. Wenn er noch knusprig ist, weiß ich, dass der Stiefelbesitzer erst kürzlich hier war. Ich zerbrösele den Chip mit den Fingern. Er ist weich und alt. Er verrät mir nichts.
Ich überlege, den Chip zu essen. Seit der Hütte habe ich nichts mehr gegessen, das letzte Mal, bevor ich krank wurde, und das ist Tage her, vielleicht eine Woche, keine Ahnung. Vor lauter Hunger spüre ich keinen Hunger mehr. Vor lauter Hunger habe ich meine Beine nicht mehr richtig unter Kontrolle. Zu meiner eigenen Verblüffung stolpere ich ständig über Steine und Wurzeln. Ich sehe sie, und ich will einen Schritt über sie hinweg machen, ich meine, dass ich einen Schritt über sie hinweg mache, aber dann bleibe ich mit der Schuhspitze hängen und gerate ins Straucheln.
Ich denke an die Kamera, stelle mir vor, dass mein Mann dabei zusieht, wie ich Tortilla-Chips vom Boden eines Minimarkts in mich reinstopfe. Das ist es nicht wert. Sie müssen mir noch irgendwas anderes hiergelassen haben. Ich lasse den Chip fallen und richte mich schwerfällig auf. Von der Bewegung wird mir schwindelig. Ich warte, bis ich das Gleichgewicht wiedergefunden habe, gehe dann an der Obst- und Gemüseauslage vorbei. Dutzende faulige Bananen und verschrumpelte braune Kugeln – Äpfel? – sehen mich an. Ich weiß jetzt, was Hunger ist, und es macht mich wütend, dass sie so viel haben verderben lassen, nur damit die Atmosphäre stimmt.
Schließlich etwas Glänzendes unter einem Regal. Ich gehe auf alle viere. Der Kompass, den ich an einer Kordel um den Hals trage, rutscht mir heraus und knallt auf den Fußboden. Als ich den Kompass wieder zwischen Hemd und Sport-BH stecke, fällt mir auf, dass der hellblaue Farbtupfer am unteren Rand fast komplett abgescheuert ist. Müde, wie ich bin, muss ich mir ganz bewusst sagen, dass das nicht von Belang ist; es bedeutet bloß, dass sie dem Praktikanten, der dafür zuständig war, billige Farbe gegeben haben. Ich bücke mich tiefer. Unter dem Regal liegt ein Glas Erdnussbutter. Ein kleiner Riss zieht sich vom Deckel nach unten und verschwindet hinter dem Etikett, genau über dem O in Bio. Ich streiche mit einem Finger über den Sprung im Glas, kann ihn aber nicht spüren. Natürlich haben sie mir Erdnussbutter dagelassen. Ich kann Erdnussbutter nicht ausstehen. Ich stecke das Glas in meinen Rucksack.
Die Kühlregale sind leer bis auf ein paar Dosen Bier, die ich nicht nehme. Ich hatte auf Wasser gehofft. Eine von meinen Trinkflaschen ist leer, und die zweite, die seitlich an meinem Gürtel schwappt, ist nur noch ein viertel voll. Vielleicht waren ein paar von den anderen vor mir hier. Sie haben daran gedacht, ihr ganzes Wasser abzukochen, und haben nicht Tage damit verloren, allein im Wald zu kotzen. Wer immer den Fußabdruck hinterlassen hat – Julio oder Elliot oder dieser nerdige asiatische Typ, dessen Namen ich mir nicht merken kann –, er hat sich die besten Sachen geschnappt, und wer zuletzt kommt, den bestraft das Leben mit einem gesprungenen Glas Erdnussbutter.
Der einzige Teil des Ladens, den ich noch nicht abgesucht habe, ist hinter der Kasse. Ich weiß, was mich da erwartet. Der Geruch, den ich krampfhaft ignoriere, verrät es mir: verdorbenes Fleisch und tierische Exkremente, ein Hauch Formaldehyd. Ich weiß, was sie wollen: Der Geruch soll mich an menschlichen Tod denken lassen.
Ich ziehe mir das Shirt über die Nase und nähere mich der Kasse. Die Attrappe ist genau da, wo ich sie erwartet habe, liegt mit dem Gesicht nach oben auf dem Boden hinter der Ladentheke. Der hier haben sie ein Flanellhemd und eine Cargohose angezogen. Ich atme durch mein Shirt, trete hinter die Theke und steige über die Attrappe hinweg. Die Bewegung scheucht einen Schwarm Fliegen auf, die zu mir hochschwirren. Ich spüre ihre Beine, ihre Flügel, ihre Fühler an meiner Haut kribbeln. Mein Puls beschleunigt sich, und mein Atem weht hoch, lässt den unteren Rand meiner Brille beschlagen.
Nur eine weitere Challenge, sage ich mir. Mehr ist das hier nicht.
Ich sehe eine Tüte Studentenfutter auf dem Boden. Ich hebe sie auf und weiche zurück, durch die Fliegen hindurch, über die Attrappe. Zur geborstenen und schiefen Tür hinaus, die klatschend zuschlägt, als wollte sie meinen Abgang mit höhnischem Applaus quittieren.
»Ihr Arschlöcher«, flüstere ich, die Hände auf die Knie gestützt, die Augen geschlossen. Sie werden das rausschneiden müssen, aber egal, scheiß auf sie. Fluchen ist nicht gegen die Regeln.
Ich spüre den Wind, kann aber den Wald nicht riechen. Ich rieche nur den Gestank der Attrappe. Die erste roch nicht so schlimm, aber die war frisch. Diese hier und die in der Hütte sollen älter wirken, denke ich. Ich schnäuze mich kräftig in Windrichtung, aber ich weiß, ich werde den Geruch noch stundenlang in der Nase haben. Bis dahin kann ich nichts essen, ganz gleich, wie dringend mein Körper Kalorien braucht. Ich muss weiter, weg von hier. Wasser finden. Ich sage mir das, werde aber einen anderen Gedanken nicht los – die Hütte und die zweite Attrappe. Die in Himmelblau gehüllte Puppe. Die erste echte Challenge dieser Phase ist zu einer gallertartigen Erinnerung geworden, die mein Bewusstsein trübt.
Denk nicht dran, sage ich mir. Die innere Beschwörung ist vergeblich. Noch etliche Minuten lang höre ich das Geschrei der Puppe im Wind. Und dann – genug jetzt – reiße ich mich los und stopfe die Tüte Studentenfutter in meinen schwarzen Rucksack. Ich schnalle ihn um und putze meine Brille mit dem Saum des langärmeligen Mikrofaser-T-Shirts, das ich unter der Jacke trage.
Dann mache ich das, was ich fast jeden Tag mache, seit Wallaby nicht mehr da ist: Ich gehe los und suche nach Hinweisen und Anhaltspunkten, den sogenannten Clues. Wallaby hatte ich ihn getauft, weil die Kameramänner uns ihre Namen nicht verrieten, und wenn er frühmorgens auftauchte, erinnerte mich das an meinen Campingtrip durch Australien, den ich vor vielen Jahren gemacht habe. Als ich an meinem zweiten Tag morgens in einem Nationalpark an der Jervis Bay aufwachte, saß ein graubraunes Sumpfwallaby im Gras und sah mich an. Nur etwa zwei Schritte entfernt. Ich hatte meine Kontaktlinsen über Nacht dringelassen; meine Augen brannten, doch ich konnte den hellen Fellstreifen über der Wange des Wallabys deutlich sehen. Es war wunderschön. Der Blick, den ich im Gegenzug für meine Ehrfurcht erntete, wirkte abschätzend und eindrucksvoll, aber auch völlig unpersönlich: ein Kameraobjektiv.
Die Analogie passte natürlich nicht ganz. Der menschliche Wallaby war bei weitem nicht so hübsch wie das Beuteltier und wäre auch nicht davongehüpft, wenn ein Nachbarcamper aufgewacht und »Känguru!« geschrien hätte. Aber Wallaby kam immer als Erster, richtete als Erster seine Kamera auf mein Gesicht, ohne guten Morgen zu sagen. Und als sie uns im Gruppencamp allein ließen, war er derjenige, der gerade lange genug wieder auftauchte, um die gewünschten Videobeichten zu filmen. Verlässlich wie der Sonnenaufgang bis zum dritten Tag dieser Solo-Challenge, als die Sonne ohne ihn aufging, ohne ihn am Himmel entlangwanderte, ohne ihn unterging – und ich dachte, Irgendwann musste es ja so kommen. Im Vertrag stand, dass wir lange Zeit allein unterwegs sein würden, aus der Ferne beobachtet. Ich war darauf gefasst, freute mich sogar darauf, nicht mehr unverhohlen, sondern diskret beobachtet und beurteilt zu werden. Jetzt wäre ich heilfroh, wenn Wallaby durch den Wald gestapft käme.
Ich bin es so satt, allein zu sein.
Der Spätsommernachmittag verrinnt. Die Geräusche um mich herum überlagern sich: das Schlurfen meiner Schritte, der Trommelwirbel eines Spechts in der Nähe, das Rascheln des Laubs im verspielten Wind. Sporadisch fällt ein anderer Vogel mit ein, sein Ruf ein weiches tschip tschip tschip tschippi tschip. Der Specht war einfach, aber diesen zweiten Vogel kenne ich nicht. Um mich von meinem Durst abzulenken, stelle ich mir vor, was für ein Vogel zu diesem Ruf passen würde. Sehr klein müsste er sein. Mit leuchtenden Farben. Ich stelle mir einen Vogel vor, den es nicht gibt: kleiner als meine Faust, hellgelbe Flügel, blauer Kopf und Schwanz, am Bauch ein Muster wie glimmende Glut. Das wäre natürlich das Männchen. Das Weibchen wäre mattbraun, wie so oft bei Vögeln.
Der Ruf des Glutvogels ertönt ein letztes Mal, weit weg, und dann lässt sein Fehlen den Gesamteindruck verblassen. Mein Durst kehrt zurück, richtig stark. Der Druck in den Schläfen signalisiert, dass ich dehydriert bin. Ich greife nach meiner fast leeren Trinkflasche, spüre, wie leicht sie ist, befingere den Stoff des verkrusteten Bandanas, das ich an die Deckelschlaufe gebunden habe. Ich weiß, mein Körper kann einige Tage ohne Wasser auskommen, aber die Trockenheit im Mund ist unerträglich. Ich trinke einen kleinen Schluck und lecke die verbliebene Feuchtigkeit von den Lippen. Ich schmecke Blut. Ich hebe die Hand. Als ich sie wieder sinken lasse, ist die Rückseite meines Daumens rot verschmiert. Sobald ich das sehe, spüre ich den schmerzhaften Riss in meiner aufgesprungenen Oberlippe. Ich weiß nicht, wie lange ich den schon habe.
Ich brauche dringend Wasser. Ich bin seit Stunden unterwegs, glaube ich. Mein Schatten ist jetzt deutlich länger als zu dem Zeitpunkt, als ich den Laden verlassen habe. Ich bin an einigen Häusern vorbeigekommen, aber an keinen Läden mehr und an nichts, was blau markiert war. Noch immer habe ich den Geruch der Attrappe in der Nase.
Während ich dahintrotte, versuche ich, auf die Knie meines Schattens zu treten. Es ist unmöglich, aber es lenkt mich ab. Es lenkt mich so sehr ab, dass ich den Briefkasten erst bemerke, als ich schon fast daran vorbei bin. Er hat die Form einer Forelle, und die Hausnummer besteht aus hölzernen Schuppen in allen Farben. Neben dem Briefkasten ist die Mündung einer langen Zufahrt, die sich zwischen Weißeichen und vereinzelten Birken hindurchwindet. Am Ende der Zufahrt muss ein Haus sein, aber ich kann es nicht sehen.
Ich will nicht dorthin. Ich habe kein Haus mehr betreten, seit mich etliche hellblaue Ballons zu einer Hütte führten, die innen blau war. Überall Hellblau. Dämmriges Licht und ein Teddybär, der mich beobachtete.
Ich kann das nicht.
Du brauchst Wasser! Sie werden denselben Trick nicht zweimal anwenden.
Ich gehe die Zufahrt hoch. Jeder Schritt ist mühsam, und ich stolpere immer wieder. Mein Schatten ist rechts von mir, klettert an Baumstämmen hoch und springt wieder herab, wenn ich sie passiere, so leichtfüßig, wie ich schwerfällig bin.
Bald sehe ich eine wuchtige Villa im Tudor-Stil, deren grauweißer Anstrich dringend einmal aufgefrischt werden müsste. Das Haus versinkt fast in einem verwilderten Rasen, und als Kind hätte ich mir eingeredet, dass es darin spuken muss. Ein roter SUV parkt davor, versperrt mir die Sicht auf die Haustür. Nachdem ich so lange auf den Beinen bin, kommt mir der SUV wie ein außerirdisches Etwas vor. Die Regeln verbieten, ein Fahrzeug zu benutzen, und der Wagen ist nicht blau, aber er steht da, und vielleicht hat das etwas zu bedeuten. Ich gehe langsam auf den SUV und das Haus zu. Vielleicht haben sie ja einen Kasten Wasser hinten ins Auto gestellt. Dann muss ich nicht reingehen. Der SUV ist mit getrocknetem Schlamm bespritzt. Es sieht aus wie ein Tintenkleckstest, aber ich kann keine Bilder erkennen.
Tschip tschip tschip, höre ich. Tschippi tschip.
Mein Glutvogel ist wieder da. Ich lege lauschend den Kopf schief, um die Richtung abzuschätzen, wo der Vogel ist, und dabei nehme ich ein weiteres Geräusch wahr: das leise Murmeln von plätscherndem Wasser. Erleichterung durchströmt mich, weil ich nicht in das Haus muss. Der Briefkasten sollte mich lediglich zu dem Bach führen. Ich hätte es auch so hören müssen, aber ich bin zu müde, zu durstig – ich brauchte den Vogel, um mich weniger auf das zu konzentrieren, was ich sehe, und mehr auf das, was ich höre. Ich drehe mich um und folge dem Geräusch von fließendem Wasser. Der Vogel ruft erneut, und ich flüstere lautlos danke. Meine gesprungene Lippe brennt.
Während ich zurückgehe, um den Bach zu finden, denke ich an meine Mutter. Auch sie würde denken, dass ich den Briefkasten finden sollte, aber in ihren Augen wäre die führende Hand nicht die des Produzenten. Ich stelle mir vor, wie sie in ihrem Wohnzimmer sitzt, eingehüllt in eine Wolke Zigarettenrauch. Ich stelle mir vor, wie sie zuschaut und jeden meiner Erfolge als Bestätigung und jede meiner Enttäuschungen als Lektion deutet. Meine Erfahrungen als ihre eigenen vereinnahmt, wie sie das immer getan hat. Weil es mich ohne sie nicht geben würde, und das hat ihr immer genügt.
Ich denke auch an meinen Vater, nebenan in der Bäckerei, wie er mit Gratis-Kostproben und Bauernschläue Touristen bezirzt, während er versucht, diese nach Tabak riechende Frau zu vergessen, mit der er seit einunddreißig Jahren verheiratet ist. Ich frage mich, ob auch er mir jetzt zuschaut.
Dann sehe ich den Bach, ein mickriges und doch herrliches Bächlein, nicht weit von der Zufahrt. Ein Energiestoß durchfährt mich, und mein Inneres wird vor Erleichterung ganz weich. Ich sehne mich danach, mir das kalte Nass mit hohlen Händen an die Lippen zu schöpfen. Stattdessen trinke ich den letzten Rest warme Flüssigkeit aus meiner Flasche – höchstens ein halber Becher. Ich hätte ihn wahrscheinlich schon eher trinken sollen; es sind schon Leute verdurstet, während sie Wasser sparten. Aber das war in heißeren Klimazonen, in Gegenden, wo die Sonne einem die Haut wegbrennt. Nicht hier.
Nachdem ich getrunken habe, folge ich dem Bachlauf und halte Ausschau nach bedenklichem Unrat, toten Tieren oder Ähnlichem. Ich will nicht noch einmal krank werden. Ich gehe etwa zehn Minuten am Ufer entlang, entferne mich mehr und mehr von dem Haus. Schon bald komme ich zu einer Lichtung mit einem riesigen umgestürzten Baum am Rand, gut zwanzig Schritte vom Wasser entfernt, und ich fange gewohnheitsmäßig an, eine kreisrunde Fläche freizuräumen und Holz zu sammeln. Das Holz sortiere ich in vier Haufen. Der ganz links besteht aus Zweigen, die dünner als ein Bleistift sind, der ganz rechts aus Ästen dicker als mein Handgelenk. Als ich genug Brennholz für ein paar Stunden zusammenhabe, hebe ich einige trockene Kringel Birkenrinde auf, zerrupfe sie zu Zunder und lege alles auf ein festes Stück Rinde.
Ich löse den Karabinerhaken, den ich an einer Gürtelschlaufe auf der linken Hüfte trage. Mein Feueranzünder gleitet von dem silbrigen Metall in meine Hand, die sonnenverbrannt und dreckverkrustet ist. Der Anzünder sieht ein bisschen so aus wie ein Schlüssel und ein USB-Stick zusammen an einer orangen Schnur. Das war mein erster Gedanke, als ich ihn nach der ersten Challenge durch eine Kombination aus Geschick und Zufall ergatterte. Damals, an Tag eins, sah ich die Kamera immer und überall und fand alles einfach nur aufregend, sogar die langweiligen Sachen.
Ich ziehe den Anzünder ein paarmal rasch über den Feuerstahl, und schon beginnt der Zunder zu qualmen. Vorsichtig nehme ich ihn in die Hand und puste, was zunächst noch mehr Rauch erzeugt und schließlich winzige Flämmchen. Ich hake den Anzünder rasch wieder an meine Gürtelschlaufe, lege dann mit beiden Händen den Zunder mitten in meinen freigeräumten Kreis. Als ich weiteren Zunder hinzufüge, wachsen die Flammen, und Rauch füllt meine Nase. Ich lege erst die kleinsten Zweige nach, dann größere. Nach wenigen Minuten lodert ein kräftiges Feuer, obwohl es auf den Fernsehbildschirmen wahrscheinlich nicht viel hermacht. Die Flammen sind bloß dreißig Zentimeter hoch, aber mehr brauche ich nicht – ich will kein Signalfeuer, sondern Wärme.
Ich hole meine Edelstahltasse aus dem Rucksack. Sie ist verbeult und leicht angekohlt, aber noch immer dicht. Ich schöpfe sie voll Wasser und stelle sie dann dicht ans Feuer. Während ich darauf warte, dass das Wasser heiß wird, zwinge ich mich, einen Fingervoll Erdnussbutter zu essen. Nachdem ich so lange nichts zu mir genommen habe, hätte ich gedacht, dass selbst das, was ich am wenigsten mag, himmlisch schmecken würde, aber die Erdnussbutter ist widerlich, zäh und salzig, und sie klebt mir am Gaumen. Ich bearbeite die gummiartige Masse mit meiner trockenen Zunge und denke unwillkürlich, dass ich lächerlich aussehen muss, wie ein Hund. Ich hätte bei der Bewerbung eine Allergie vortäuschen sollen, dann hätten sie mir etwas anderes dalassen müssen. Aber vielleicht wäre ich dann gar nicht genommen worden. Mein Gehirn ist zu verkrampft, um mir darüber Gedanken zu machen, wo ich jetzt wohl wäre, wenn sie mich abgelehnt hätten.
Endlich kocht das Wasser. Ich lasse etwaigen Mikroben ein paar Minuten Zeit, um abzusterben, benutze dann meinen zerfransten Jackenärmel als Topfhalter und ziehe die Tasse vom Feuer weg. Sobald das Brodeln aufhört, gieße ich das abgekochte Wasser in eine meiner Trinkflaschen, die etwa ein Drittel voll wird.
Der zweite Schwung kocht schneller. Erneut kippe ich das Wasser in die Flasche, und nach der dritten Runde ist sie voll. Ich drehe den Verschluss fest zu und ramme die Trinkflasche in den schlammigen Grund des Bachs, so dass kaltes Wasser fast bis zum Rand über den Kunststoff fließt. Das hellblaue Bandana treibt in der Strömung. Als ich die zweite Flasche gefüllt habe, ist die erste schon fast kalt. Ich fülle die Tasse und stelle sie wieder ans Feuer, trinke dann ein paar Schlucke aus der abgekühlten Flasche, spüle den Erdnussbutterrest hinunter. Ich warte ein paar Minuten und trinke noch einmal ebenso viel wie zuvor. Mit diesen kleinen Mengen in gleichmäßigen Abständen leere ich die Flasche. Das Wasser in der Tasse kocht wieder, und ich spüre allmählich, wie meine Gehirnzellen rehydrieren, meine Kopfschmerzen nachlassen. Vermutlich ist die ganze Arbeit unnötig; der Bach ist klar und fließt schnell. Das Wasser ist aller Wahrscheinlichkeit nach ungefährlich, aber auf diese Wette habe ich mich schon einmal eingelassen und verloren.
Als ich die letzte Tasse abgekochtes Wasser in meine Flasche gieße, fällt mir ein, dass ich mir noch keinen Wetterschutz gebaut habe. Der Himmel ist bewölkt, und es könnte Regen geben. Ich stemme mich auf die Beine, verziehe das Gesicht, weil meine Hüften so steif sind. Ich hole mir fünf dicke Äste aus dem Wald und lehne sie gegen die windabgewandte Seite des umgestürzten Baumes, den längsten zuerst, den kürzesten zuletzt, so dass ein dreieckiges Gebilde entsteht, gerade breit genug, um hineinzukriechen. Ich ziehe eine schwarze Mülltüte aus meinem Rucksack – ein Abschiedsgeschenk von Tyler, überraschend, aber willkommen – und breite sie über das Gerüst. Während ich anschließend mit den Armen welkes Laub über das Plastikdach schaufele, denke ich an die wichtigsten Überlebensregeln.
Die Dreierregel: Selbstüberschätzung kann dich in drei Sekunden töten; Sauerstoffmangel kann dich in drei Minuten töten; Unterkühlung in drei Stunden, Dehydrierung in drei Tagen und Hunger in drei Wochen. Oder waren es drei Monate? Wie auch immer, Hunger ist meine geringste Sorge – ich fühle mich zwar schwach, aber es ist noch nicht so lange her, dass ich zuletzt etwas gegessen habe. Sechs oder sieben Tage höchstens, und das ist großzügig gerechnet. Unterkühlung muss ich auch nicht befürchten; selbst wenn es diese Nacht regnet, wird es nicht so kalt werden, dass es mich umbringt. Selbst ohne Wetterschutz würde es zwar nass und ungemütlich für mich, aber wohl nicht gefährlich.
Aber ich möchte es nicht nass und ungemütlich haben, und so verschwenderisch das Budget für diese Produktion auch sein mag, sie können keine Kameras in einem Unterschlupf haben, den ich gerade erst gebaut habe. Ich schaufele weiter Laub auf das Plastikdach, und als eine Wolfsspinne von der Größe einer Vierteldollarmünze meinen Ärmel hochhuscht, zucke ich zusammen. Von der jähen Bewegung fühlt mein Kopf sich plötzlich schwerelos an, als säße er nicht mehr fest auf meinem Hals. Die Spinne verharrt in Höhe meines Bizeps. Ich schnippe sie mit der anderen Hand weg und sehe, wie sie im Laub landet, das neben meinem Wetterschutz herumliegt. Sie verschwindet unter den Blättern, und es stört mich nicht sonderlich, schließlich sind Wolfsspinnen nur schwach giftig. Ich sammle weiter Laub und Erde, bis ich eine dicke Schicht auf dem Dach meiner Hütte habe und eine weiche Unterlage auf dem Boden im Innern.
Zum Schluss lege ich ein paar abgebrochene, beblätterte Zweige auf die Konstruktion, damit nichts runterfällt. Als ich mich wieder dem Feuer zuwende, sehe ich, dass es bis auf die Glut heruntergebrannt ist. Ich bin heute Abend völlig neben der Spur. Das hängt mit der Hütte zusammen, denke ich. Meine Nerven liegen noch immer blank. Während ich kleine Stöckchen zerbreche und auf die Glut werfe, blicke ich über die Schulter auf meinen Wetterschutz. Das Ding ist niedrig und sieht aus wie eine Bruchbude, aus der Zweige und Äste in alle Himmelsrichtungen abstehen. Ich denke daran zurück, wie sorgfältig und systematisch ich anfangs beim Bau meiner Unterschlüpfe vorgegangen bin. Sie sollten so gut aussehen wie die von Cooper und Amy. Jetzt geht es mir bloß noch um Funktionalität, obwohl die simplen Holz- und Laubkonstruktionen ehrlich gesagt alle in etwa gleich ausfallen – mit Ausnahme des großen Unterschlupfs, den wir gemeinsam gebaut haben, bevor Amy das Handtuch warf. Das war ein Prachtexemplar, mit einem Dach aus verflochtenen Ästen, wie Reet, und groß genug für uns alle, obwohl Randy etwas abseits in einem eigenen Wetterschutz schlief.
Ich trinke noch etwas Wasser und setze mich neben mein wiederbelebtes Feuer. Die Sonne ist verschwunden, und der Mond lässt auf sich warten. Die Flammen flackern, ein Schmierfleck auf meinem rechten Brillenglas verleiht ihnen den Glanz eines Strahlenkranzes.
Wieder steht mir eine einsame Nacht bevor.
Das Eröffnungsbild der Premierensendung wird Tracker an einem Fluss zeigen. Er ist ganz in Schwarz gekleidet, und seine Haut ist dunkel, ein Teint wie frisch gepflügte Erde. Er hat Jahre damit verbracht, sich die Aura einer Raubkatze zuzulegen, und jetzt verströmt er mühelos eine katzenartige Kraft und Anmut. Sein Gesicht ist entspannt, doch seine Augen blicken starr auf das Wasser, als würde er eine Beute in der Strömung beobachten. Trackers Körperhaltung ist leicht vorgebeugt, was den Zuschauern den Eindruck vermittelt, dass er sich jeden Moment auf irgendetwas stürzen wird – auf was? –, und dann blinzelt Tracker zum Himmel, und auf einmal erscheint es genauso gut möglich, dass er sich ein sonniges Fleckchen sucht, um ein Nickerchen zu halten.
Tracker wägt seine Optionen ab: Er kann versuchen, den gut fünf Meter breiten Fluss hier zu überqueren, oder sich weiter stromaufwärts eine bessere Stelle suchen. Er traut sich durchaus zu, von Stein zu Stein bis ans andere Ufer zu springen, doch ein Felsbrocken in dem zwar schnell fließenden, aber seichten Wasser gibt ihm zu denken. Er meint zu sehen, dass der Stein sich in der starken Strömung bewegt. Tracker wird nicht gern nass, aber bewundert die gestaltende Kraft von Wasser, und diese Bewunderung liegt nun in seinem Lächeln.
Die Zuschauer werden ihre eigenen Erklärungen auf dieses Lächeln projizieren. Diejenigen, die Tracker nicht leiden können, sei es aufgrund seiner Hautfarbe oder seiner Haltung – bislang haben sie lediglich gesehen, wie er dasteht, somit kann ihre Abneigung nur auf Voreingenommenheit beruhen –, werden ihn für arrogant halten. Ein besonders zynischer leitender Produzent wird diese Aufnahme sehen und hämisch denken: Er sieht böse aus.
Tracker ist nicht böse, und sein Selbstvertrauen ist redlich verdient. Er hat schon Herausforderungen gemeistert, die weit bedrohlicher waren als ein schneller, flacher Fluss und wesentlich natürlicher als das, was ihn auf der anderen Seite des Flusses erwartet – die erste inszenierte Challenge.
Am anderen Ufer wird Tracker auch seine elfköpfige Konkurrenz kennenlernen. Er weiß, es wird Teamwork verlangt werden, aber er will in den anderen ausschließlich Konkurrenten sehen. Das hat er in seiner Videobeichte vor Beginn des Wettbewerbs gesagt. Er hat noch einiges mehr gesagt, aber ihm als stärkstem Kandidaten wird kein mitfühlendes Motiv erlaubt sein. Trackers Begründung ist schon rausgeschnitten, und der Clip zeigt ihn, wie er mit stählernem Blick vor einer weißen Wand steht und lediglich sagt: »Ich will nicht einfach nur dabei sein. Ich will gewinnen.«
Seine Strategie ist simpel: besser sein als die anderen.
Tracker verweilt. Die Kamera gleitet über das rauschende Wasser und durch dichtbelaubte Äste zur Kellnerin, die auf einen Kompass blickt. Sie trägt eine schwarze Yogahose und ein neongrünes Sporttop, um das rote Haar zu betonen, das ihr in wallenden Locken über die Schultern fällt. Sie ist gut einen Meter achtzig groß und sehr schlank. Ihre Taille ist extrem schmal – »Ein Wunder, dass ihre Innereien da reinpassen«, wird ein Troll online lästern. Ihr Gesicht ist lang und blass, ihr Teint mit einer dicken Schicht Grundierung mit Lichtschutzfaktor geglättet. Ihr Lidschatten passt farblich zu dem Top und glitzert.
Die Kellnerin muss den Fluss nicht überqueren, sie muss nur mit Hilfe des Kompasses in südwestlicher Richtung durch den Wald finden. Für sie ist das eine schwierige Aufgabe, und die Aufnahme vermittelt das auch: Die Kellnerin dreht sich auf der Stelle im Kreis, das Gesicht von Locken umrahmt, während sie das unbekannte Instrument studiert. Sie nagt an der Unterlippe, teils, weil sie ratlos ist, und teils, weil sie denkt, dass das sexy wirkt.
»Zeigt das weiße oder das rote Ende nach Norden?«, fragt sie. Sie ist angewiesen worden, ihre Gedanken auszusprechen, und das wird sie auch tun. Oft.
Die Kellnerin hat ein Geheimnis, das die Zuschauer nicht erfahren werden: Sie hat gar keine Bewerbung eingereicht, sondern wurde angeworben. Die verantwortlichen Männer wollten eine attraktive, aber im Grunde unnütze Frau, möglichst eine Rothaarige, da sie bereits zwei Brünette und eine Blondine hatten – keine Wasserstoffblondine, aber eine, deren Haare blond genug sind, um in der Sonne zu leuchten. Ja, dachten sie, eine schöne Rothaarige würde die Besetzung abrunden.
»Okay«, sagt die Kellnerin. »Das rote Ende ist spitziger. Das muss Norden sein.« Sie dreht sich um die eigene Achse, nagt wieder an der Unterlippe, bis die Nadel auf N zeigt. »Und ich muss nach … Südwesten.« Und obwohl sie die Kompassspitzen deutlich markiert vor Augen hat, sagt sie mit Singsangstimme: »Nicht ohne Seife waschen – Norden, Osten, Süden, Westen.«
Sie geht los, genau Richtung Süden, murmelt dann wieder die Himmelsrichtungen vor sich hin und schwenkt nach rechts. Nach einigen Schritten bleibt sie stehen. »Moment«, sagt sie. Sie blickt auf den Kompass, wartet, bis die Nadel zur Ruhe kommt, hält sich dann weiter links. Schließlich geht sie in die richtige Richtung. Sie lacht ein bisschen und sagt: »Ist gar nicht so schwer.«
Die Kellnerin weiß, dass sie wohl kaum gewinnen wird, aber deshalb macht sie auch nicht mit. Sie macht mit, um einen Eindruck zu hinterlassen – bei den Produzenten, bei den Zuschauern, bei wem auch immer. Ja, sie arbeitet als Kellnerin in einer Tapas-Bar, aber als sie sechs war, hatte sie mal eine Hauptrolle in einem Süßigkeiten-Werbespot, und sie sieht sich in erster Linie als Schauspielerin, in zweiter Linie als Model und in dritter Linie als Kellnerin. Auf ihrem Weg durch den Wald hat sie einen Gedanken, den sie nicht aussprechen wird: Diese Show wird ihr Durchbruch.
Zurück am Fluss, beschließt Tracker, dass der Felsbrocken ein relativ geringes Risiko darstellt und dass ein bekanntes Hindernis besser ist als ein unbekanntes. Er springt. Der Cutter wird die Szene verlangsamen, als würde es sich um eine Naturdokumentation handeln und als wäre Tracker die Raubkatze, in deren Körper er in einem früheren Leben steckte, wie er insgeheim glaubt. Die Zuschauer werden sehen, wie weit und kraftvoll er springt. Sie werden sehen – einigen wird es auf Anhieb auffallen, die Übrigen werden mit einer Nahaufnahme darauf gestoßen –, was für eigentümliche, aber unverkennbare Schuhe er trägt, denn das winzige gelbe Logo in der Mitte des Fußes springt als greller Farbfleck an dem ansonsten dunkelgekleideten Tracker geradezu ins Auge. Sie werden sehen, wie seine Füße in den Zehenschuhen rutschsicher auf Stein landen. Sie werden seine Balance und seine Schnelligkeit bemerken, seine Körperkontrolle, und manche von ihnen werden denken: Ich sollte mir auch so welche kaufen. Aber Trackers Schuhwerk betont lediglich seine Körperbeherrschung, die wunderbar zum Ausdruck kommt, während er von Stein zu Stein springt und das reißende Wasser überwindet. Sein Körper wirkt in der Bewegung länger als im Ruhezustand, und auch in dieser Hinsicht ist er katzenartig.
Sein rechter Fußballen landet auf dem wackeligen Felsbrocken, der nach vorn kippt. Das ist ein wichtiger Moment. Falls Tracker stürzt, wird er eine bestimmte Figur werden. Falls er problemlos weiterspringt, wird er eine andere werden. Das Casting ist zwar abgeschlossen, aber nur offiziell.
Tracker breitet die Arme aus, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren – wobei ein rotes Bandana sichtbar wird, das er wie ein Armband am Handgelenk trägt –, und erlebt einen seltenen Moment nicht ganz vollkommener Eleganz; er schwankt. Dann folgt er der Bewegung des Felsens, und weg ist er, schon auf dem nächsten Stein, der stabil ist. Sekunden später ist er am anderen Ufer, nur mäßig außer Atem, trocken vom kahlgeschorenen Kopf bis zu den einzeln umkleideten Zehen, bis auf eine leichte Feuchtigkeit unter den Armen, die die Zuschauer aber nicht sehen können. Er rückt die Trageriemen seines windschnittigen, fast leeren schwarzen Rucksacks zurecht und geht dann weiter in den Wald, der Challenge entgegen.
Das Schwanken auf dem Stein wird rausgeschnitten werden. Tracker ist als abgebrüht und unbesiegbar gecastet worden.
Unterdessen stolpert die Kellnerin über eine Wurzel und lässt den Kompass fallen. Sie beugt den Oberkörper, um ihn aufzuheben, und die Schwerkraft sorgt für einen Blick in ihren Ausschnitt – genau wie die Kellnerin das wollte.
Zwei Enden eines Spektrums fallen zusammen.
Der Rancher, irgendwo zwischen diesen beiden Extremen, trägt einen Cowboyhut, der fast genauso verwittert aussieht wie sein zerfurchtes, stoppeliges Gesicht, und er schreitet gemächlich durch den Wald. Er trägt sein schwarzgelbes Bandana in echter Cowboymanier um den Hals, damit es sich flugs über Mund und Nase ziehen lässt, sollte ein Sandsturm aufziehen. Er ist tausend Meilen entfernt von seinem gefleckten Appaloosa-Pferd, aber an den Absätzen seiner Lederstiefel klemmen Sporen. Sie sind kamerawirksam, und der Produzent am Set hat sie Rancher gegeben. Als Rancher sie entgegennahm, brachte er das Rädchen an einem Sporn zum Drehen. Eine stumpfe Schneide, aber immerhin eine Schneide. Könnte nützlich sein, dachte er. Man gab ihm auch einen gestreiften Poncho, den er tragen sollte, doch den lehnte er ab. »Was denn noch?«, fragte er. »Soll ich mit einem Stapel Tortillas und einer Chilischote durch die Gegend laufen?«
Ranchers Vorfahren wurden einst als Mestizen eingestuft und von den Mächtigen praktisch nicht zur Kenntnis genommen. Sein Großvater überquerte eines Nachts die Grenze und fand Arbeit auf einer Ranch, wo er Mist schaufelte und Kühe molk. Jahre später heiratete er die Tochter vom Boss, die den Betrieb erbte. Sie bekamen einen hellhäutigen Sohn, der eine dunkelhäutige Näherin aus Mexico City heiratete. Ranchers Haut hat eine leichte Tönung, die aus dieser Verbindung resultiert. Er ist siebenundfünfzig, und sein zotteliges kinnlanges Haar ist ebenso deutlich schwarzweiß wie seine Vorstellungen von Gut und Böse.
Zwischen Rancher und der Challenge liegen keine Hindernisse. Kompetenz – oder mangelnde Kompetenz – ist nicht das, was ihn definieren wird. Das Publikum soll seinen stolzen Cowboygang sehen. Die Rolle, die er verkörpert, ist im Nu etabliert.
Asia-Girl ist nicht so leicht einzuordnen. Sie trägt eine khakifarbene Arbeitshose und ein blaukariertes Hemd. Das lange glatte Haar hat sie zu einem schlichten pechschwarzen Pferdeschwanz nach hinten gebunden; für einen Farbakzent sorgt ein neongelbes Bandana, das sie wie ein Stirnband trägt, den Knoten im Nacken versteckt. Asia-Girl trägt nur so viel Make-up, wie ihr aufgedrängt wurde: Eyeliner, der ihre Mandelaugen zusätzlich verlängert, und pinkfarbener Glitzer-Lippenstift.
Sie blickt sich suchend um, als sie zwischen den Bäumen hervortritt und auf eine weite Waldwiese gelangt. Mitten auf der Wiese wartet ein Mann.
Hinter dem Mann, auf der anderen Seite der Wiese, tritt Air Force in den Sonnenschein.
Für ihren militärischen Kandidaten wollten die Produzenten ein Stereotyp, und der Mann, den sie ausgesucht haben, ist genau das: kurzgeschnittenes blondes Haar, das in der Sonne glänzt, stechende blaue Augen, kräftiges Kinn, das permanent nach vorn gereckt ist. Air Force trägt Jeans und ein langärmeliges T-Shirt, aber er geht, als würde er eine Ausgehuniform tragen. Durch seine kerzengerade Haltung wirkt er größer, als er mit seinen eins dreiundsiebzig ist. Sein dunkelblaues Bandana – eine Nuance dunkler als das offizielle Air-Force-Blau – hat er sich links an den Gürtel gebunden.
Air Force wird als Pilot vermarktet, doch dabei wird gezielt etwas ausgelassen: Es wird mit keinem Wort erwähnt, was für Flugzeuge er fliegt. Kampfjets, werden die meisten Zuschauer vermuten – was sie auch vermuten sollen. Aber Air Force ist kein Kampfpilot. Wenn er fliegt, transportiert er Fracht: Panzer und Munition, Batterien und Metallrollen, Zeitschriften und Schokoriegel, um die Regale der Shopping-Center zu füllen, die die USA netterweise für ihre Männer und Frauen auf den Truppenstützpunkten in aller Welt einrichten. Er ist ein schlanker Ganzjahres-Weihnachtsmann, der Care-Pakete vom lieben Uncle Sam mitbringt. In einer Organisation, wo Kampfpiloten Götter sind und Bomberpiloten meinen, dass sie die Sonne selbst fliegen, hat er einen weitgehend undankbaren Job.
Air Force und Asia-Girl erreichen die Mitte der Waldwiese, begrüßen sich mit Kopfnicken und bleiben vor dem Mann stehen, der da auf sie wartet. Der Moderator. Er wird erst ins Bild kommen, wenn er redet, und er wird erst reden, wenn alle Kandidaten versammelt sind.
Tracker taucht aus dem Wald hinter dem Moderator auf. Rancher erscheint im Osten und mit ihm zusammen ein großer rothaariger Mann um die dreißig mit einem giftgrünen Bandana. Bald kommen Kandidaten von allen Seiten. Eine Frau Ende zwanzig mit hellem Haar und Brille, ein hellblaues Bandana ums Handgelenk geschlungen. Ein Schwarzer im mittleren Alter, ein Weißer von höchstens zwanzig, ein asiatisch aussehender Mann, der als minderjährig durchgehen könnte, aber in Wirklichkeit sechsundzwanzig ist. Ein Weißer etwa Mitte dreißig und eine hispanische Frau, deren Alter unerheblich ist, weil sie jung genug ist und ihre Brüste üppig und echt sind. Alle tragen ein Bandana in einer eigenen Farbe gut sichtbar am Körper. Als Letzte taucht die Kellnerin auf, die überrascht ist, dass schon so viele Leute da sind. Sie nagt an der Unterlippe, und Air Force spürt ein verlockendes Prickeln.
»Willkommen«, sagt der Moderator, ein achtunddreißigjähriger B-Promi, der hofft, seine Karriere wiederzubeleben – oder wenigstens seine Spielschulden abbezahlen zu können. Er ist nichtssagend gutaussehend, mit braunen Haaren und Augen. Seine Nase ist in etlichen angesagten Blogs als »Römernase« beschrieben worden, doch er gibt vor, nicht zu wissen, was das bedeuten soll. Der Moderator trägt Outdoor-Kleidung, und wenn er gefilmt wird, ist stets seine obere Brusthälfte im Bild, wo stolz der Name eines Sponsors prangt. »Willkommen«, sagt er erneut, in einer tieferen, übertrieben maskulinen Stimme, und er beschließt, genau diese Stimme zu benutzen, wenn sie die richtige Begrüßung drehen. »Willkommen in unserer Show Der Wald.«