Dr. Alan Christianson
Schlank
ohne
Stress
Nebennieren
in Balance
Die Diät
Aus dem Amerikanischen
von Imke Brodersen

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1. Auflage
Deutsche Erstausgabe Dezember 2016
Wilhelm Goldmann Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH
© 2016 der deutschsprachigen Ausgabe
Wilhelm Goldmann Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Neumarkter Straße 28, 81673 München
© 2014 der Originalausgabe Alan Christianson
Originaltitel: The Adrenal Reset Diet
Originalverlag: Harmony Books, an imprint of the Crown Publishing Group, a division of Random House LLC, a Penguin Random House Company, New York
Umschlaggestaltung: Uno Werbeagentur, München
Coverfoto: © Getty Images / Yuri_Arcurs
Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling
KW · Herstellung: IH
ISBN 978-3-641-18506-0
V001
www.goldmann-verlag.de
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Inhalt
Vorwort
Einleitung
1. Warum nehmen wir zu?
Übergewicht als globale Krise: Die Fakten
Die Kalorientheorie: Schnee von gestern
Babys brauchen keine Willenskraft
Alles eine Frage der Gene?
Überraschende Ursachen für Übergewicht
Die übergreifende Adipositas-Theorie
Überlebensmodus geht über »Stress« hinaus
Auslöser Nr. 1: Stark verfeinerte Lebensmittel
Auslöser Nr. 2: Umweltverschmutzung
Auslöser Nr. 3: Belastende Situationen
Schlank ohne Stress: Von Patienten erprobt
2. Die Nebennieren und ihr Einfluss auf das Körpergewicht
Die Nebennieren und die Gesundheit – ein alter Hut?
Der aktuelle Stand: Der hormonelle Eiertanz
Zur Sache: Das endokrine System
Die Nebennieren: Immer in Aktion
Chronischer Stress und die Nebennieren
Die Nebennieren und das Körpergewicht
Der entscheidende Fehler an normalen Diäten
3. Proteine oder Kohlenhydrate?
Schluss mit der Dauerfehde
Kohlenhydrate: Verzicht ist auch keine Lösung
Mein Konzept: Zyklische Kohlenhydrataufnahme
Kohlenhydrate: Die Mischung macht’s
Ballaststoffe und Fruchtzucker: Gute und böse Kohlenhydrate
Proteine und Fette: Aller guten Dinge sind drei
Essentielle und nicht essentielle Fette
»Schlank ohne Stress« im Praxistest
Bereit für den Neustart?
4. Friedensangebot an die Nebennieren
Nebennierengerechte Mahlzeiten
Abnehmen mit zyklischer Kohlenhydratzufuhr
Die richtige Portion für gute Proportionen
Die 1-2-3-Regel
Grundmenü für alle Fälle
Die Wunschdiät
Wo stehen Sie heute?
5. Selbsttest und Erste Hilfe
Gestresst
Überlastet
Ausgelaugt
Test: Wie steht es um Ihre Nebennieren?
Was bedeutet das Gesamtergebnis?
Einfache Maßnahmen für jedes Stresslevel
Erfülltes Leben statt Überleben
6. Gestresst
Was geschieht bei gestressten Nebennieren?
Hinweise auf gestresste Nebennieren
Hilfe für Gestresste
Wie können Sie sich nebennierenfreundlicher ernähren?
Reset für den Tag-Nacht-Rhythmus
Reset für den Schlafrhythmus
Tonika für gestresste Nebennieren
Innere Ruhe durch Atemübungen
Erfülltes Leben statt Überleben
7. Überlastet
Was geschieht bei überlasteten Nebennieren?
Hinweise auf überlastete Nebennieren
Hilfe für Überlastete
Wie können Sie sich nebennierenfreundlicher ernähren?
Reset für den Tag-Nacht-Rhythmus
Reset für den Schlafrhythmus
Tonika für überlastete Nebennieren
Innere Ruhe durch Meditation
Der perfekte Tag für Überlastete
Erfülltes Leben statt Überleben
8. Ausgelaugt
Was geschieht bei ausgelaugten Nebennieren?
Hinweise auf ausgelaugte Nebennieren
Hilfe für Ausgelaugte
Wie können Sie sich nebennierenfreundlicher ernähren?
Reset für den Tag-Nacht-Rhythmus
Reset für den Schlafrhythmus
Tonika für ausgelaugte Nebennieren
Innere Ruhe durch Atemübungen und Phantasiereisen
Der perfekte Tag für Ausgelaugte
Erfülltes Leben statt Überleben
9. Im Gleichgewicht
Was geschieht bei gesunden Nebennieren?
Hinweise auf gesunde Nebennieren
Das Geheimnis für stabile Gesundheit
Wie können Sie sich nebennierenfreundlicher ernähren?
Reset und Erhaltung des Tag-Nacht-Rhythmus
Friedlich schlafen
Tonika für gesunde, aktive Nebennieren
Innere Ruhe erzeugt weniger Stress
Der perfekte Tag für Gesunde
Erfülltes Leben statt Überleben
10. Ernährungsplan und Rezepte
Gut geplant ist halb gewonnen
Küchenarbeit leicht gemacht
Ein Beispielplan
Frühstücksideen und Säfte
Säfte
Saftrezepte
Noch mehr heilsame Säfte
Mittagsrezepte
Abendgerichte – das große Schlemmen
Anhang
Noch Fragen?
Auf einen Blick: Schlank ohne Stress
Danksagung
Quellen
Rezeptregister
Sachregister
Vorwort
Wissenschaftlich betrachtet beruht Gewichtsabbau zu 80 Prozent auf Diät und zu 20 Prozent auf Bewegung. Nach 20 Jahren als Medizinerin bin ich anderer Ansicht. Mein Freund und Kollege, Dr. Alan Christianson, hat eine erheblich logischere Erklärung: Wenn jemand Schwierigkeiten hat, Übergewicht abzubauen, sind die normalen Hormonzyklen ausgehebelt, insbesondere für das Stresshormon Cortisol. Diese Erkenntnis führt dann auch zur richtigen Therapie, die Nebennierenrhythmus, Stresshormone und Cortisolausschüttung wieder ins Lot bringt.
Hier nimmt ein Arzt für Naturheilkunde seine Leser an die Hand und zeigt, wie man dieses Problem lösen und schlank werden kann. Vielleicht aber beschäftigt auch Sie zunächst die Frage: Woher kommt das? Alan erläutert exakt, aus welchem Grund unser Erbgut Fettaufbau als Überlebensstrategie betrachtet. Wer vor lauter Stress ständig unter Strom steht, aktiviert die Fettspeichergene und bringt den Kreislauf der Stresshormone gründlich durcheinander. Weniger Essen und mehr Sport helfen in diesem Fall nicht, weil dies die Überlebensreaktion nur noch mehr befeuert: Jetzt befürchtet der Körper obendrein eine Hungersnot und drosselt sogleich den Stoffwechsel.
Dieses Schema kenne ich als berufstätige Mutter nur zu gut. Das Leben wird gern einmal mit einem Herd mit vier Kochstellen verglichen. Eine davon ist für die Familie zuständig, die zweite für die Freunde, die dritte für die Gesundheit und die vierte für die Arbeit. Es können aber nicht alle vier gleichzeitig in Betrieb sein. Um das Leben zu meistern, müssen drei der vier Kochstellen an sein. Wer besonders erfolgreich sein möchte, muss zwei der vier abstellen.
Zwischen 30 und 40 habe ich natürlich versucht, alle vier Flammen am Laufen zu halten. Damit habe ich meinen Körper auf Überleben programmiert. Das Resultat? Ich wurde fett, war mit den Nerven am Ende und sah grässlich aus. Möglicherweise ergeht es Ihnen gerade ähnlich. Dank meiner erstklassigen medizinischen Ausbildung sah ich schließlich genauer hin und begriff, was da biologisch aus dem Ruder gelaufen war. Ich hatte Glück und durfte ein Buch darüber schreiben, das prompt zum Bestseller wurde, Die Hormonkur. Während ich selbst gesund wurde und zehn Kilo abnahm, wurde mir bewusst, dass mein Körperfett in erster Linie auf Dauerstress und gestörten Nebennierenrhythmen beruhte. Nur deshalb lagerte ich Bauchfett ein wie eine irische Farmerin in der großen Hungersnot, die nicht weiß, woher sie die nächste Mahlzeit nehmen soll. Gleichzeitig fehlten mir Glückshormone wie Serotonin, und bei meiner DNA und mir setzten vorzeitige Alterungsprozesse ein.
Die Wahrheit gehört auf den Tisch!
Die Wahrheit ist nicht zu leugnen und daher sehr befreiend, auch wenn sie einen anfangs frustriert – besonders, wenn man deshalb die eigenen Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten ändern muss. Das ist Dr. Alan Christiansons Spezialität. Wie ein Ritter in der glänzend weißen Rüstung des Arztkittels verrät er seinen Patienten – und nun auch seinen Lesern – die verblüffend wirkungsvolle Wahrheit, wie man einen Teller so anrichtet und das eigene Leben so gestaltet, dass der in die Irre gelaufene Stoffwechsel gesund wird.
Gleichzeitig ist Dr. Christianson stets der lebende Beweis für die Stichhaltigkeit seiner Aussagen.
Mein Besuch bei Dr. Christianson
Alan und ich begegneten uns erstmals vor vielen Jahren bei einer gemeinsamen Freundin, JJ Virgin. Zu diesem Zeitpunkt war Dr. Christianson ein angesehener Mediziner für Naturheilkunde (NMD), der sich auf natürliche Endokrinologie spezialisiert hatte und in Arizona praktizierte. Sein besonderes Augenmerk galt der Schilddrüse sowie den Nebennieren.
Er war mir derart sympathisch, dass ich ihn aufsuchte, als ich das nächste Mal für einen Vortrag nach Scottsdale kam. Mit der ihm eigenen Großzügigkeit holte Alan mich vom Flughafen ab und fuhr mich direkt in seine Praxis für Integrative Medizin, wo er mir intravenös Glutathion verabreichte. Sofort lebten meine Nebennieren neu auf. Nach meinem abendlichen Vortrag nahm mich Alans Familie freundlich auf. Ich bekam genau das Essen, das er in seinem neuen Buch beschreibt, aber weder Wein noch Kaffee. Nach acht Stunden Schlaf weckte mich der Duft frischer Eier mit Würstchen und Gemüse, die Alan zum Frühstück zubereitete, während seine Frau ihre Beingymnastik machte, um sich auf ein Fotoshooting für einen Schönheitswettbewerb vorzubereiten. Als ich hungrig in der Küche aufschlug, hatte er bereits eine zweistündige Wanderung für uns geplant – gefiltertes Wasser, Trekkingstöcke und ein nährstoffreiches Picknick standen schon parat. Auf seine Tourvorschläge reagierte ich erst einmal skeptisch: Wir konnten vier Stunden wandern und dann gleich zum Flughafen fahren, oder uns gemütliche zwei Stunden vornehmen, damit noch Zeit zum Essen bliebe. Ich wählte die zweite Option, und Alan führte mich auf einem beliebten Wanderweg durch die McDowell Mountains.
Diesen Besuch erwähne ich, weil sich darin Dr. Christiansons Weisheit widerspiegelt und wie er Gespräche einleitet. Alan schnürt ein so verlockendes Gesamtpaket, dass Menschen, die schnell abnehmen und ihren Zustand verbessern wollen, sofort darauf anspringen.
Gestatten Sie mir daher, die verschiedenen Elemente noch einmal einzeln darzulegen, die in seinen Augen zur Gesundheit der Nebennieren und zur Erhaltung eines gesunden Körpergewichts beitragen:
Zum Glück müssen Sie für Alans Programm nicht bis nach Phoenix reisen – Sie halten den Schlüssel zu seinem Reich bereits in den Händen.
So kann Dr. Alan Christianson Ihnen helfen
In meiner Praxis für funktionelle Medizin haben erfahrungsgemäß etwa 90 Prozent der Patienten ein Cortisolproblem. Das ist nicht zu unterschätzen, denn Dr. Christianson zufolge ist ein ungünstiges Cortisolprofil laut der Whitehall-II-Studie von 2011 sogar gefährlicher als Rauchen.
Cortisol übernimmt im Stoffwechsel eine bestimmte Rolle. Da es sich um eine katabole Substanz handelt, kann ein zu hoher Cortisolspiegel zu Verschleiß führen. Dies wiederum lässt uns zunehmen und erhöht das Verlangen nach Zucker. Die Nebennieren vollführen einen Eiertanz, um das Körpergewicht zu erhalten, und bei zu hohem Cortisolspiegel gerät der Rhythmus aus dem Takt.
Was kann man dagegen tun? Alan hat eine Methode gefunden, mit der sich das Blatt wenden lässt. Wenn die Cortisolkurve erlahmt, weil die erschöpften Nebennieren nicht mehr in der Lage sind, zwischen dem normalen morgendlichen Hoch und dem nächtlichen Tief zu pendeln, besteht der erste Schritt in einem kohlenhydratarmen Frühstück. Abends sollte man langsam verdauliche Kohlenhydrate zu sich nehmen (zum Beispiel Yams), damit das Cortisol zur Ruhe kommt. So wird ein erholsamer Schlaf eingeleitet, in dem der Körper die tagsüber aufgelaufenen Belastungen abbauen und Schäden reparieren kann.
Ein nahrhaftes Frühstück
Ich bevorzuge ein solides, proteinreiches Frühstück, das Energie für den ganzen Tag liefert. Damit geht es mir einfach besser. Dank Alans Buch ist mir heute bewusst, welchen Einfluss das Frühstück auf meine Cortisolkurve nehmen kann. Und dass man mit Kaffeekonsum bis in den Nachmittag bereits die Energie des nächsten Tags anknabbert. Jeder Tag sollte in sich abgeschlossen sein.
Ein gesundes Frühstück besteht aus Vollkornflocken mit fettarmer Milch und einem Glas Orangensaft? Ja, das haben wir alle schon einmal gehört. Dummerweise wird ein solches Frühstück weitgehend in Triglyzeride umgewandelt, was zu Cortisolproblemen beiträgt. Über kurz oder lang steht man dann (wie ich) mit ausgebrannten Nebennieren da.
Warum alte Wahrheiten nicht mehr gelten
Bei vielen Menschen versagt bekanntlich das alte Modell, in dem man den Kalorienverzehr gegen den Kalorienverbrauch aufrechnet. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe, die man sich näher ansehen sollte. Auch bei Nichtdiabetikern kann eine eingeschränkte Insulinsensitivität und Insulinresistenz vorliegen (die Zellen reagieren nicht mehr angemessen auf Insulin, so dass der Körper mehr Insulin erzeugt), und es kommt zu Blutzuckerspitzen. Damit beginnt der Teufelskreis: Die Nebennieren springen an, um den Blutzucker auszugleichen, und das Cortisol gerät außer Kontrolle. Es vermittelt dem Körper: »Hey, du hast ein Problem, speichere mal Fett für schlechte Zeiten.« Und schon legt man zu.
Dieses Buch ist auch für Menschen, die bei einem normalen Körpergewicht zu viel Fett eingelagert haben, so genannte »dicke Dünne«. Im T-Shirt sehen sie gut aus, aber der Bauch ist reiner Wackelpudding. Ich will niemandem Angst machen, doch die Mortalitätsrate der dicken Dünnen liegt doppelt so hoch wie bei fettleibigen oder übergewichtigen Menschen.
Eine gestörte Nebennierenregulierung hat schulmedizinisch keinen Krankheitswert, und viele Ärzte lassen sich hierzu gar nicht erst auf Diskussionen ein. Die Nebennieren sind entweder gesund oder krank – dazwischen gibt es nichts. Dabei belegen zahllose Studien, dass die Nebennieren und ihre Funktionen in diesem Zwischenstadium mit Problemen wie Fettleibigkeit, hohem Blutzucker und Insulinresistenz einhergehen.
Dr. Christianson kann Daten vorlegen
Im vergangenen Jahr hat Dr. Christianson seine Theorien an 42 Freiwilligen im Durchschnittsalter von 45 Jahren, darunter 88 Prozent Frauen, überprüft. Nach 30 Tagen ließen sich allein durch die Diät folgende Ergebnisse festhalten:
Das Hauptziel ist eine gesunde Cortisolkurve im Tagesverlauf. Wer die besitzt: Herzlichen Glückwunsch. Wenn das Cortisol morgens zu stark in die Höhe schnellt, muss die Glykogensensitivität verbessert werden (also wie man Glukose speichert). Mitunter beruht eine übertriebene Cortisolausschüttung am Morgen auch darauf, dass die Nebennieren zu intensiv an der Glukogenese arbeiten, also der Erzeugung von Glukose aus anderen Nährstoffen als auch Kohlenhydraten. Hier greifen Alans Diätvorgaben. Auch Bewegung hilft. Mäßig anstrengendes Ausdauertraining (langsam, aber über größere Strecken) ist zwar zeitraubender als kurze, intensive Trainingseinheiten, aber ein paar Mal im Monat sollte man einige Stunden Radfahren oder Wandern.
Ich habe es bereits erwähnt: Mein schlimmster Feind war ich selbst, weil ich auf allen vier Flammen gleichzeitig kochen wollte. Dann aber betrachtete ich mich selbst als Patientin und wendete mein Wissen an. Alan wiederum war ein dickes Kind. Als er es satthatte, so eingeschränkt in seiner Bewegung zu sein, nutzte er seine große Intelligenz und las Dutzende Bücher zu Ernährung und Fitness, verzichtete auf Zucker und bewegte sich mehr. Als Erwachsener studierte er Medizin, stellte aber fest, dass die Schulmedizin auch nicht alles beantworten konnte. Schließlich spezialisierte er sich auf Naturheilkunde und setzte seinen Wissensdurst, seine Ausbildung und seine Erfahrung in ein gut durchdachtes Konzept um, mit dem man lernen kann, wie man sich gesund essen und zugleich Gewicht abbauen kann. Dieses Konzept können Sie nun hier nachlesen und damit auf gesunde Weise schlank werden.
Dr. med. Sara Gottfried
Berkeley, Kalifornien
Sara Gottfried, MD, ist eine der führenden Kapazitäten zur Neujustierung der Hormone durch studiengestützte Kombinationen aus moderner Medizin und überlieferten Traditionen. Ihr Buch Die Hormonkur: So bringen Sie Ihren Hormonhaushalt natürlich ins Gleichgewicht ist 2014 in deutscher Übersetzung erschienen.
Einleitung
Seit Jahren kämpfen Sie um Ihre Gesundheit. Obwohl Sie sich größte Mühe geben, macht Ihr Körper nicht mit. Sie haben viele Diäten und Bewegungsprogramme ausprobiert, aber nichts hat geholfen. Die Ratschläge der Fachleute sind häufig widersprüchlich. Manche sagen, man solle weniger Zucker essen. Andere raten zu mehr Bewegung und weniger Sitzen. Viele führen Übergewicht auf eine schwache Persönlichkeit zurück.
Wir schreiben das Jahr 1879, und es geht um Tuberkulose.
Als wäre es nicht schlimm genug, krank zu sein, leiden die Patienten obendrein unter Schuldgefühlen. Man hat ihnen eingeredet, sie würden gesund werden, wenn sie sich mehr bemühen würden und nicht so faul wären. Sie müssten »bessere Gedanken« entwickeln, bestimmte Lebensmittel meiden und spezielle Übungen durchführen. Wer davon nicht gesund wird, zweifelt nicht etwa an der Kompetenz der behandelnden Ärzte, sondern eher an sich selbst – man hat sich nicht genug bemüht.
Viele Jahre, bevor man mehr über Tuberkulose wusste, glaubten Wissenschaftler wie Benjamin Marten, dass die Krankheit nicht charakterabhängig sei, sondern durch »wundersam (winzige) lebende Kreaturen«[1] verursacht werde. Wie Tuberkulose schrieb man damals auch andere Krankheiten wie Lepra, Pocken oder Krebs dem Charakter zu. Heute sind wir in einer ähnlichen Situation, denn der Stand der öffentlichen Meinung hinkt der Wissenschaft hinterher. Obwohl längst nachgewiesen ist, dass Übergewicht ebenso wenig auf Charakterschwäche beruht wie Tuberkulose, wird nach wie vor gern dem Opfer die Schuld zugeschoben. Das ist nicht nur verletzend, sondern verhindert zugleich nachhaltige Veränderungen.
Noch immer herrscht vielfach die Ansicht vor, dass Körpergewicht darauf beruht, ob die zugeführten Kalorien auch verbraucht werden. Wer nicht abnehmen kann, bemüht sich eben nicht genug darum, isst zu viel und bewegt sich zu wenig. Selber schuld! Viele beliebte Slogans, Schlagzeilen und Buchtitel im Sinne von »Weniger essen, mehr bewegen« oder »Esst dies, nicht das« nähren solche Auffassungen.
Für einen großen Teil der Bevölkerung entspricht diese Denkweise jedoch nicht dem aktuellen Stand der Forschung. Die tatsächliche Situation ist weitaus spannender: Inzwischen wissen wir, dass der Umgang des Körpers mit der Nahrung davon abhängt, ob es uns gut geht oder ob wir auf Überlebensmodus umgeschaltet haben. Die Umschaltung findet in kleinen Drüsen statt, den Nebennieren. Sie steuern, ob wir entspannt leben, Fett verbrennen und genug Energie haben, oder ob wir Fett einlagern und immer schlapper werden, weil wir offenbar um unser Leben fürchten müssen. Stark verarbeitete Lebensmittel, Umweltgifte und Alltagsstress können dazu beitragen, dass wir auf Überlebensmodus umschalten. Der taugt jedoch nur dazu, kurzfristige Krisen zu überstehen. Wenn wir zu lange in dieser Stoffwechsellage verharren, nehmen wir zu, altern schneller und sterben früher.
Ich kann mich lebhaft daran erinnern, wann mein Schalter umgelegt wurde. Ich war in der zweiten Klasse und davon überzeugt, dass Schokoladenkekse zu den wenigen Lichtblicken meines Lebens zählten. Meine Familie war gerade aus beruflichen Gründen in einen Ferienort in Nordminnesota umgezogen. Eines Tages gelang es mir, eine Handvoll frisch gebackener Schokokekse aus der Küche zu schmuggeln. Ich weiß noch genau, wie nach drei Keksen auf einmal die Trauer über den noch frischen Umzug verging. Fünf Jahre lang nahm ich unablässig zu – bis zu einem denkwürdigen Tag in der siebten Klasse. In der Umkleidekabine beim Sport diskutierten meine Mitschüler darüber, wer aus der Klasse die größten Brüste hätte. Einer von ihnen nominierte mich. Ich wusste längst, dass er Recht hatte, doch bis dahin hatte ich noch gehofft, dass es den anderen nicht aufgefallen war.
Nach diesem peinlichen Tag musste ich etwas ändern. Ich las mich quer durch die Bibliothek. Die meisten Bücher waren über Diät und Sport, manche aber auch über Gesundheit und Medizin. Nachdem ich viele Methoden ausprobiert hatte, wurde mir einiges klar. Zum Beispiel lernte ich, dass Diäten oder zu viel Sport mich nur noch hungriger machten. Auf Zucker und Brot konnte ich problemlos verzichten – aber nur, wenn ich sie vollständig aufgab. Meine Eltern bestellten mir Proteinpulver über den Versandhandel, das ich zum Frühstück zu mir nahm. Mit Atemtechniken aus dem Yoga waren die Veränderungen leichter durchzuhalten. Im folgenden Jahr ging es mit meinem Gewicht zur Neige. Bald konnte ich nicht nur wieder Sport treiben, sondern gehörte sogar zu den besseren Sportlern in der Schule. Meine Lebensfreude stieg deutlich an, und ich fühlte mich rundum gesund.
Jahre später zeigte mir ein Hausbrand, wie leicht man dieses gute Gefühl verlieren kann. Meiner Familie war nichts passiert, aber wir verloren alle unsere Tiere und unseren gesamten Besitz. Um meinen Beitrag zu leisten, damit wir wieder auf die Beine kamen, arbeitete ich jede freie Minute in einem Restaurant. Mein Stresslevel war hoch, ich hatte ständig Zugang zu ungesunden Lebensmitteln und keine Zeit mehr für Sport. Bald hatte ich über zehn Kilo zugenommen und war völlig aus den Fugen geraten.
Prompt verfiel ich in Teenagerpanik und begann die nächste Diät. Diesmal jedoch nahmen meine Bemühungen extreme Formen an. Ich aß nur noch eine kleine Auswahl an Lebensmitteln in sehr geringer Menge. Stellen Sie sich einen jungen Mann vor, der täglich mit ein wenig rohem Gemüse zur Schule geht, arbeitet und im rauen Winter von Nordminnesota jeden Tag sechs bis zehn Meilen im Freien joggt.
Natürlich nahm ich ab, aber darunter litt meine Gesundheit, und ich bekam Depressionen. Wieder waren Bücher meine Rettung. Besonders gut erinnere ich mich an das Lehrbuch für Naturmedizin von Michael Murray, einem Arzt für Naturheilkunde. (Damals konnte ich nicht ahnen, dass ich viele Jahre später so gut mit Dr. Murray befreundet sein würde, dass ich für die neunte Ausgabe seines Buches neue Abschnitte beisteuern würde.)
Dr. Murrays Buch lehrte mich, dass ich eine ausgewogenere Ernährung mit mehr Kalorien, ausreichend Proteinen, gesunden Fetten und mehr Mineralstoffen benötigte. Davon profitierte nicht nur meine Gesundheit, sondern ich entwickelte auch neues Interesse an der Medizin. Es wurde mir immer wichtiger, mehr über Ernährung zu lernen, um eines Tages anderen so zu helfen, wie dieses Wissen mir geholfen hatte. Als ich eine medizinische Fakultät entdeckte, an der Ernährung ein zentrales Thema war, schien mein Traum wahr zu werden. Mein Interesse an dem Zusammenspiel zwischen Hormonen und Übergewicht entstand während meines praktischen Jahrs, als ich mit einer ganz besonderen jungen Frau zu tun hatte.
Jamie war damals 16, und ihr drohte der Zwangsverweis von der Highschool. Sie war ein kluges, fleißiges Mädchen, kam aber vor Schmerzen und Müdigkeit kaum noch aus dem Bett. Nach einer schweren Grippe im Jahr zuvor war sie nicht wieder richtig gesund geworden. Ihr Gewicht schnellte in die Höhe. Alle Muskeln taten ihr weh. Fibromyalgie galt damals noch nicht als echte Diagnose, aber ein Arzt kam dennoch auf diese Idee. Allerdings kannte man dagegen kein Heilmittel.
Mein Oberarzt gestattete mir, anhand von Jamies Krankenakte die medizinische Forschungsbibliothek zu durchforsten. So gelang es mir, ein paar Puzzlesteinchen zusammenzufügen: Jamies Symptome ähnelten denen einer Schilddrüsenunterfunktion; ihre Mutter und Großmutter hatten darunter gelitten. Die anderen Ärzte meinten, dies könne bei Jamie nicht der Grund für ihre Symptome sein, weil ihre Schilddrüsenwerte normal waren. Ich fand jedoch Studien, denen zufolge die üblichen Schilddrüsenfunktionstests im Frühstadium der Erkrankung mitunter versagen.
Meine Vorgesetzten führten also genauere Tests durch, die bestätigten, dass bei Jamie eine Schilddrüsenerkrankung vorlag. Dank der entsprechenden Behandlung konnte Jamie wieder zur Schule gehen und ihren Abschluss schaffen. Die Medikamente unterstützten einen ersten Gewichtsabbau, doch um ihr wieder zu Normalgewicht zu verhelfen, waren weitere Tests erforderlich. Ich stellte fest, dass die Schilddrüsenfehlfunktion ihre Nebennieren beeinträchtigt hatte. Darauf war ich gekommen, weil ihr Blutdruck häufig so niedrig war, dass ihr schwindelig wurde. Außerdem zeigte sie ein auffälliges Verlangen nach Salz. Beides sind Hinweise auf eine gestörte Nebennierentätigkeit. Nachdem wir dieses Problem entlarvt hatten und ihr zu einem optimalen Hormonstatus verhelfen konnten, ging es ihr wieder richtig gut. Jamies Rückkehr ins aktive Leben überzeugte mich noch mehr davon, dass viele rätselhafte Erkrankungen hormonelle Ursachen haben.
Heute ist Jamie erwachsen, hat ein Studium absolviert und eine wunderbare Familie. Für mich gibt es nichts Wichtigeres, als Menschen wie Jamie dabei zu helfen, ihre Gesundheit und ihr Lebensglück zurückzuerobern.
Das Buch, das Sie jetzt in den Händen halten, beruht auf einem frustrierten Kind, auf jahrzehntelanger Forschung und auf über 75 000 Gesprächen mit Patienten.
Das Besondere an meiner Nebennierendiät ist, dass hier keine Nährstoffgruppe verteufelt wird. Zu wenig Nahrung und zu viel Sport können sogar dick machen! Nahrung ist unser Heilmittel, nicht unser Feind. Mein Ansatz hilft und unterstützt Sie nicht nur beim Abnehmen, weil er einige Grundaspekte berücksichtigt:
Damit kommen wir zum wichtigsten Teil dieser Geschichte, nämlich zu Ihnen, liebe Leser. Ganz egal, wie lange Sie schon mit Ihrem Gewicht kämpfen und wie viele erfolglose Diäten Sie hinter sich haben – es ist nicht Ihre Schuld.
Es mangelt Ihnen weder an Willenskraft noch an Mut. Sie sind weder schwach noch gefräßig. Stark verarbeitete Nahrung, Umweltverschmutzung und Dauerstress haben Ihrem Körper zugesetzt, und er versucht nach Kräften, Ihr Überleben zu sichern. Denn er weiß es nicht besser! Bald werden Sie verstehen, woher das kommt, und wie Sie sanft vom Überlebensmodus zum Gesundheitsmodus übergehen können.
Jeder Mensch möchte seinen Teil zur Welt beisteuern, doch wenn die Gesundheit nicht mitspielt, ist das schwer. Ich weiß, wie berauschend es ist, nach langem Kampf wieder voll im Leben zu stehen und einfach das zu tun, was einem wichtig ist. Was würden Sie tun, wenn Sie nichts mehr davon abhält? Lassen Sie es drauf ankommen!
Alan Christianson, NMD
1.
Warum nehmen wir zu?