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Michelle Frances

Das Gift
der Seele

Psychothriller

Aus dem Englischen
von Andrea Brandl

Zum Buch

Laura Cavendishs Leben ist perfekt. Sie ist erfolgreiche TV-Produzentin, wohnt zusammen mit ihrem reichen Mann Howard in einem schicken Haus in Kensington und hat ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Sohn Daniel, der gerade sein Medizinstudium abgeschlossen hat. Als Daniel seiner Mutter eröffnet, eine neue Freundin zu haben, brennt Laura nur so darauf, Cherry kennenzulernen. Sie malt sich bereits eine innige Mutter-Tochter-Beziehung aus, als sie bei ihrem ersten Kennenlernen enttäuscht wird. Die hübsche Cherry ist zwar höflich, allerdings eher kühl und nicht bereit, viel von sich preiszugeben. Um ein familiäres Verhältnis zu der Freundin ihres Sohnes aufzubauen, lädt sie die beiden kurzerhand für ein langes Wochenende in ihre Villa an der CÔte d’Azur ein. Doch statt sich Cherry anzunähern, beginnt Laura, ihrer potenziellen Schwiegertochter immer mehr zu misstrauen. Die Beziehung der beiden Frauen ist zunehmend vergiftet. Schließlich kommt Laura zu dem Schluss, dass die zuckersüße Cherry hinter dem Vermögen ihres Sohnes her ist und diesen gekonnt manipuliert. Aber niemand glaubt ihr, am wenigsten ihr Sohn. Doch Laura will nicht tatenlos zusehen, wie sich ihr Sohn ins Unglück stürzt. Cherry ist ihr jedoch immer einen Schritt voraus. Und dann kommt es zur Katastrophe …

Zur Autorin

Michelle Frances arbeitet hauptberuflich bei der BBC Wales, wo sie unter anderem für Romanverfilmungen zuständig ist. »Das Gift der Seele« ist ihr erster Roman.

Die Originalausgabe erschien 2017
unter dem Titel »The Girlfriend«
bei Pan Macmillan, London.

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Copyright © der Originalausgabe 2017 by Michelle Frances
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2017
by Wilhelm Goldmann Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München
Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur München
Umschlagfoto: Masterfile/Science Faction
FinePic®, München
Redaktion: Friederike Arnold
KS · Herstellung: KW
Gesamtherstellung: GGP Media GmbH, Pößneck
ISBN: 978-3-641-18940-2
V001
www.goldmann-verlag.de

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PROLOG

Montag, 2. März

Ich liebe meinen Sohn. Das war das Einzige, was zählte. Es spielte keine Rolle, dass ihr Plan durch und durch niederträchtig war. Nach all den Monaten, die ihr mehr und mehr die Kraft geraubt hatten, bot sich nun ein Lichtblick, und Laura musste die Gelegenheit beim Schopfe ergreifen. Stundenlang hatte sie mit sich gerungen, doch nun, da ihr Entschluss feststand, verspürte sie eine Heidenangst. Das Wort, das sie über die Lippen bringen musste, würde sie innerlich zerreißen. Kurz überlegte sie, ob sie es probehalber aussprechen sollte, doch alles in ihr sträubte sich. Sie mochte das Wort nicht einmal denken.

Sie trat ans Waschbecken in dem kleinen Bad, das zu Daniels Zimmer gehörte, und warf einen Blick in den Spiegel, der ihr bestätigte, dass ihre Seele noch intakt war. Ihre blauen Augen wirkten lediglich müde, kein Wahnsinn flackerte in ihrer Iris, und auch in ihren Pupillen war nichts Dämonisches zu entdecken. Sie sah einfach nur zu Tode erschöpft aus, und es traf sie wie ein Schock, um wie viele Jahre sie gealtert schien. Ihr Mund, ihre Augen – all die neuen Falten, und dazu der Kummer, der sich in ihrem Blick widerspiegelte, die abgrundtiefe Verzweiflung, die sie mit aller Macht im Zaum zu halten versucht hatte. Deswegen hatte sie auch diese neue, teure Klinik ausgewählt und die besten Ärzte eingeschaltet. Sie hatte gehofft, so aussichtslos ihre Hoffnung auch sein mochte. Einen Moment lang kreisten ihre Gedanken darum, was passieren würde, und der Kummer übermannte sie mit solcher Macht, dass sie sich vornüber krümmte und am Waschbecken festhalten musste. Mühsam richtete sie sich wieder auf. Alles war wie vorher.

Cherry kam heute aus dem Urlaub zurück. Laura hatte nachgesehen: Die Flieger aus Mexiko landeten normalerweise am frühen Morgen in Heathrow. Sie warf einen Blick auf ihre Uhr. Vielleicht war sie bereits in ihrem Apartment in Tooting.

Ein Kloß bildete sich in ihrer Kehle, als sie zu ihrem Handy griff, aber sie schluckte ihn hinunter. Sie musste es tun. Sie sagte sich wieder und wieder, dass jede andere Mutter genauso handeln würde, wiederholte die Worte wie ein Mantra in ihrem Kopf.

Dann wählte sie die Nummer. Es überlief sie heiß und kalt, während sie gegen ihre Verzweiflung ankämpfte. Ihr Leben war bald zu Ende. Jenes Leben, das einen Sinn gehabt hatte. Sie umklammerte das Handy mit beiden Händen, während sie dem Freizeichen lauschte.

1.

Acht Monate zuvor. Samstag, 7. Juni

Das wird ein guter Tag, dachte Laura. Er fühlte sich an wie der erste Ferientag. Um halb acht war sie bereits aufgestanden und fertig angezogen. Schon jetzt machte sich die Junihitze bemerkbar. Vor Daniels Tür blieb sie kurz stehen und lauschte, doch kein Laut drang aus seinem Zimmer, das auch während des Semesters sauber und aufgeräumt war. Er schlief also noch, was sie nicht weiter wunderte; schließlich war er die vergangenen beiden Abende immer erst nach Hause gekommen, als sie längst im Bett gelegen hatte. Daniel war seit zwei Tagen zu Hause, doch bislang hatte sie ihn kaum zu Gesicht bekommen. Sie steckte bis über beide Ohren in Arbeit und musste in aller Frühe aus dem Haus, und wenn sie zurückkam, war er längst unterwegs; vermutlich traf er sich mit alten Freunden. Sie beneidete ihn, gierte regelrecht nach Informationen; sie wollte alles erfahren, Zeuge seiner ersten Schritte im Berufsleben werden, den Sommer gemeinsam mit ihm genießen, bevor der praktische Teil seiner Ausbildung zum Mediziner anfing. Heute war ihr gemeinsamer Tag, keine dringenden Änderungen in letzter Minute bei der Serie, die sie für ITV produzierte, keine abendlichen Sitzungen im Schneideraum, keine Termine, sondern sie würden den Tag zusammen verbringen, Mutter und Sohn.

Mit einem Lächeln auf den Lippen öffnete sie die Tür einen Spalt. Der Raum war in strahlendes Sonnenlicht getaucht, das Bett gemacht, die Vorhänge aufgezogen. Verwirrt hielt sie inne, dann dämmerte ihr, dass er wahrscheinlich unten war und Frühstück machte. Daniel war genau wie sie. Hastig ging sie die Treppe in ihrem Kensingtoner Haus hinunter und in die Küche, die aber ebenfalls leer war. Irritiert sah sie sich um, als ihr Blick auf den Zettel auf der Arbeitsplatte fiel. »Bin im Keller. Und habe gleich einen BÄRENHUNGER!« Sie lächelte. Er wusste genau, wie sehr sie es hasste, wenn er vom »Keller« sprach. Das klang so nach falscher Bescheidenheit. In Wahrheit handelte es sich um einen großzügigen Anbau, wenn auch in die Tiefe statt in die Breite gebaut, der ihren Ehemann ein Vermögen gekostet hatte. Howard hatte sich einen Hobbyraum gewünscht, eine Untertreibung, über die sie fast hätte lachen müssen, hätte er in Wahrheit dadurch nicht bloß Distanz zu ihr schaffen wollen. Ganz beiläufig hatte er eines Abends vorgeschlagen, nach dem Motto, es wäre doch praktisch, wenn jeder ein bisschen Freiraum für sich hätte. Es war ihr schwergefallen, sich ihre Kränkung und Verwirrung nicht anmerken zu lassen, schließlich sahen sie sich ohnehin kaum, weil er entweder im Büro, auf dem Golfplatz oder in seinem Arbeitszimmer war. Er hatte eine teure Baufirma beauftragt, die das Erdreich unter dem Haus ausgehoben und ein Spielezimmer, einen Weinkeller, eine Garage und einen Pool hineingebaut hatte. Die Nachbarn waren stocksauer gewesen, wegen der Lautstärke des Förderbands, auf dem der Kies und die Erde nach oben gebracht worden waren, der Unruhe und all dem Dreck, wofür Laura sich nur hatte entschuldigen können. Immerhin hatten die Bauarbeiten nicht allzu viel Zeit in Anspruch genommen, und es war auch kein Schaden entstanden; nicht wie beim Bau des vierstöckigen Tiefbunkers auf dem unweit entfernten Grundstück eines Stahlmagnaten, als die Frontsäulen des Nachbargebäudes Risse bekommen hatten.

Sie fuhr mit dem Lift nach unten und trat ins lapislazuliblaue Zwielicht des Pools. Beim Anblick von Daniel, der durch das von unten beleuchtete Wasser pflügte, machte ihr Herz wie immer einen kleinen Satz. Als er den Beckenrand erreichte, trat sie zu ihm und ging in die Hocke.

Er bemerkte sie und hielt inne. Wassertropfen perlten an seinen kräftigen Schultern ab, als er sich scheinbar mühelos aus dem Becken hievte und die Arme um sie schlang. Sie stieß einen unterdrückten Schrei aus, doch er drückte sie grinsend an sich, bis sie ihren Widerstand aufgab und seine Umarmung erwiderte.

Erst als die Nässe durch ihr gelbes Etuikleid drang, entwand sie sich seinem Griff.

»Das war nicht witzig«, schimpfte sie lächelnd.

»Ich wollte doch bloß meine alte Mum drücken.«

»Und alt bin ich schon gar nicht.« Laura fühlte sich immer noch wie fünfundzwanzig und starrte häufig fasziniert Frauen mittleren Alters an, ehe ihr bewusst wurde, dass sie derselben Generation angehörte. Es amüsierte sie, dass sie scheinbar unter einer Art Amnesie litt, was ihr Alter anging; auch wenn ein Blick in den Spiegel genügte, um zu erkennen, dass sie sich zwar gut gehalten hatte, aber definitiv keine fünfundzwanzig mehr war.

»Ich bitte dich, die Jungs finden dich doch total scharf, und das weißt du auch.«

Sie lächelte. Ehrlich gesagt genoss sie die Flirtversuche von Daniels Freunden, wenn sie sich lässig an die Frühstückstheke lehnten, sie Mrs C nannten und ihre French Toasts lobten. Es war schon eine ganze Weile her, seit sie sie zuletzt gesehen hatte.

»Wie geht es Will und Jonny überhaupt?«

»Keine Ahnung.« Daniel trocknete sich mit einem der flauschigen Handtücher ab, die Mrs Moore dreimal pro Woche wechselte, selbst wenn kein einziges benutzt worden war.

»Ach, du hast dich gestern gar nicht mit ihnen getroffen?«

»Sie arbeiten«, erwiderte er flapsig und trat um den Paravent aus geschnitztem Holz herum. »Versuchen, die Welt zu verändern.«

»Mit Versicherungen? Außerdem weiß ich selbst, dass sie arbeiten. Wo warst du denn dann die letzten beiden Abende, wenn du nicht mit deinen Freunden unterwegs warst?«

Einen Moment lang herrschte Stille. Laura konnte Daniels verstohlenes, wissendes Lächeln hinter dem Paravent nicht sehen. Eigentlich hatte er es noch eine Weile für sich behalten wollen, aber plötzlich hielt er es nicht länger aus. Er würde nur ein paar Einzelheiten preisgeben, nach und nach, und das Gefühl genießen, dabei alles noch einmal zu durchleben.

»He!«, rief er, als Laura um den Paravent herumspähte und sich mit vor der Brust gekreuzten Armen vor ihm aufbaute.

»Du bist doch schon fast angezogen.« Voller Zuneigung und Stolz sah sie zu, wie er Shorts und T-Shirt anzog. Aus ihm war ein gut aussehender junger Mann geworden. Natürlich hatte auch Howard seinen Anteil daran, doch in puncto Aussehen schlug er eindeutig ihr nach – dieselbe Größe, dasselbe dichte, gewellte blonde Haar und die kräftige Statur. Statt einer Antwort grinste er nur verschmitzt und ging zum Aufzug.

Sie holte scharf Luft. »Hör schon auf, mich auf die Folter zu spannen.«

»Kommst du?«

Laura folgte ihm und tat so, als wollte sie ihm das Ohr langziehen. »Ich krieg’s ja sowieso aus dir raus.«

Der Aufzug setzte sich in Bewegung. »Aua. Darf ich dich zum Brunch einladen?«

Sie zog die Brauen hoch. »Klingt, als hättest du etwas Wichtiges zu verkünden.«

Die Türen glitten auf. Er ergriff ihre Hand und zog sie hinter sich her, quer durch die Diele in die mit teurem Eichenholz und Granit ausgestattete Wohnküche. »Nein, ich will nur meine Mum ein bisschen verwöhnen.«

»Du alter Charmeur. Aber vorher musst du mir wenigstens einen kleinen Tipp geben, sonst sterbe ich vor Spannung.«

Er holte den Orangensaft aus dem Kühlschrank und goss sich ein großes Glas ein. »Ich habe nach einer Wohnung gesucht. Für mein praktisches Jahr.«

Sie seufzte. »Und ich kann dich wirklich nicht überreden, wieder zu Hause einzuziehen?«

»Komm schon, Mom, ich war in den letzten fünf Jahren doch nur in den Ferien hier, und nicht mal die ganze Zeit.« Daniel hatte keineswegs ein ausschweifendes Privatleben, sondern schlicht keine Lust, mit dreiundzwanzig noch einmal für zwei Jahre in sein altes Kinderzimmer zu ziehen, Pool im Keller hin oder her.

»Schon verstanden. Du hast also nach einer Wohnung gesucht. Abends?«

Er grinste. »Ich habe bloß die Maklerin bei Laune gehalten.«

Es dauerte einen Moment, ehe der Groschen fiel. »Eine Frau?«

»Genau. Sie nimmt ihren Job sehr ernst und weiß genau, was ich mir vorstelle.«

»Eine Frau!«

»Du tust ja gerade, als hätte ich noch nie eine Freundin gehabt.«

»Aber sie ist etwas Besonderes«, gab Laura mit Nachdruck zurück.

»Woher willst du das wissen?«

»Weil du dich die letzten beiden Abende mit ihr getroffen hast, ganz einfach.«

»Das stimmt …«

»Und du kennst sie erst seit Kurzem. Also, raus mit der Sprache. Wie heißt sie?«

Es amüsierte ihn, wie sehr sie sich ins Zeug legte. »Cherry.«

»Aha. Kurze Saison, keine Massenware.«

»Was?«

»Exotisch?«

»Sie hat dunkles Haar …« Er hob die Hand und schüttelte den Kopf. »Ich glaube, ich sollte lieber den Mund halten.«

Laura nahm seine Hand und hielt sie fest. »Nein, sprich weiter. Bitte. Ich will alles über sie erfahren. Woher kommt sie?«

»Aus Tooting.«

»Also doch exotisch! Entschuldige, das war ein Witz. Ich werde jetzt ganz ernst sein.« Zerknirscht drückte Laura einen Kuss auf seine Hand. »Wie alt ist sie?«

»Vierundzwanzig.«

»Sie ist also Immobilienmaklerin?«

»Ja. Na ja, sie hat erst vor Kurzem angefangen und wird im Moment noch eingearbeitet.«

»Und sie arbeitet hier in Kensington?«

»Sie will schöne Häuser verkaufen.« Mit einem Satz schwang er sich auf die Arbeitsplatte. »Sie hat so getan, als wollte sie hierherziehen, um mehr über die Gegend zu erfahren. Sie hat siebenundzwanzig Besichtigungstermine mit anderen Maklern vereinbart, bevor sie sich für den Job entschieden hat. Dabei hat sie festgestellt, dass es ihr leichtfällt, mit potenziellen Käufern umzugehen und ihnen die Objekte zu präsentieren.« Er lachte. »Das nenne ich Engagement. Dann hat sie ganz frech einen Lebenslauf erfunden – oder zumindest ihren eigenen ein bisschen aufgemotzt. Sie hat’s so hingedreht, als wäre sie genau die Richtige für den Job.«

Laura lächelte, obwohl ihr Cherrys Vorgehensweise ein wenig befremdlich vorkam. Was albern war, schließlich ging es sie nichts an. Sie war ja nicht ihre Chefin. Sie stieß Daniel an. »Ich dachte, du wolltest mich einladen. Dann mal los.«

Er glitt von der Arbeitsplatte und bot ihr den Arm. »Mit Vergnügen.« Er wollte seine Mutter verwöhnen, der Sohn sein, mit dem sie vor ihren Freundinnen angeben konnte, auch wenn es ein bisschen peinlich sein mochte. Sie würden in die Brasserie gehen und wie gewohnt locker miteinander plaudern. Wann immer Daniel Zeit fand, unternahm er etwas mit ihr, vor allem weil ihm nur allzu bewusst war, dass es der Ehe seiner Eltern an Wärme und Zuneigung fehlte. Howard war als Partner einer großen Anwaltskanzlei ziemlich eingespannt und so gut wie nie zu Hause, und Daniel wollte dafür sorgen, dass seine Mutter sich nicht so einsam fühlte. Dass sie sich länger nicht gesehen hatten, verstärkte seine Schuldgefühle noch. Und das war längst nicht alles: Noch hatte er ihr nicht gesagt, dass ihr gemeinsamer Tag ziemlich kurz ausfallen würde, denn abends war er mit Cherry verabredet.

2.

Zwei Tage zuvor

Als Kind immer nur das Beste vom Besten bekommen zu haben, bedeutete womöglich, dass er sich nie etwas von ganzem Herzen gewünscht hatte, zumindest nichts, was sich mit Geld erkaufen ließ. Daniel hatte eine erstklassige Ausbildung genossen und war ein schlauer Bursche – eine glückliche Kombination, die dazu geführt hatte, dass ihm alles regelrecht in den Schoß gefallen war. Von Anfang an hatte sich sein herausragendes Talent für Naturwissenschaften gezeigt, sehr zur Freude seiner Eltern und Lehrer, vor allem als er einen Studienplatz für Medizin in Cambridge ergattert hatte. Zur Erweiterung seines Horizonts hatte er die ganze Welt bereist, Skifahren gelernt, den Tauchschein erworben; alles mit einer Freude, die seine Eltern mit großer Zufriedenheit erfüllt und in ihrem Glauben bestärkt hatte, alles richtig gemacht zu haben. Doch obwohl er alles bekommen hatte, was ein Junge sich nur wünschen konnte, war es ihm gelungen, nicht zu einem eingebildeten Schnösel heranzuwachsen. Die Chinesische Mauer hatte ihm Ehrfurcht eingeflößt, und er war überaus dankbar für die Annehmlichkeit eines Rückflugs erster Klasse gewesen, doch in Heathrow hatte er sich ohne großes Aufhebens in die U-Bahn gesetzt, statt den Chauffeur seines Vaters anzurufen und sich abholen zu lassen. Auch kleidete er sich eher leger und hatte eine fast schon perverse Vorliebe für Klamotten, die ihre besten Tage längst hinter sich hatten. Einmal in den Semesterferien hatte er sogar eine Hose aus dem Sack für die Altkleidersammlung gezogen, den Mrs Moore vor die Tür gestellt hatte, und sie im Seitenfach seiner Reisetasche versteckt, trotz Löchern und Flecken. Diese Hose und er waren alte Freunde, und er würde nicht zulassen, dass etwas sie jemals trennte.

Und so kam es, dass er beim Betreten einer Immobilienagentur, die einige der luxuriösesten Objekte im Portfolio hatte, ein ausgeleiertes T-Shirt und Cargoshorts mit aufgerissenen Nähten an den Taschen trug.

»Ich suche eine Wohnung«, sagte er zu dem Mädchen, das ihn höflich, wenngleich ein wenig reserviert begrüßte.

»Zum Kauf oder zur Miete?«

»Zum Kauf.« Daraufhin wurde er in den hinteren Teil des Büros geführt, wo eine junge dunkelhaarige Frau an einem großen, auf Hochglanz polierten Holzschreibtisch über irgendwelchen Unterlagen saß.

»Kann ich Ihnen helfen?« Als sie aufsah und ihrem potenziellen Kunden ein freundliches Lächeln zuwarf, das er unwillkürlich erwiderte, erschien ihm die Suche nach einer Wohnung mit einem Mal deutlich angenehmer. Sie hatte glattes, tiefschwarzes Haar, das regelrecht zu tanzen schien, sobald sie den Kopf bewegte.

»Ich suche nach einer Wohnung.«

Auch ihre Augen waren dunkel, fast schwarz, wie unermesslich tiefe Seen, in denen flüchtig ein abschätziger Ausdruck aufflackerte, als sie diskret sein Outfit in Augenschein nahm.

»Wie viele Zimmer? Haben Sie ein bestimmtes Viertel im Sinn?«

»Zwei Schlafzimmer«, antwortete er wie aus der Pistole geschossen. Das zweite würde er als Arbeitszimmer nutzen. Auf der Rückfahrt von Cambridge am Morgen hatte er nicht allzu viel Zeit zum Nachdenken gehabt, aber kaum hatte er einen Fuß über die Schwelle seines Elternhauses gesetzt, war ihm bewusst geworden, dass seine Mutter ihn subtil unter Druck setzen würde, wieder bei ihnen zu wohnen, wenn er sich erst einmal häuslich eingerichtet hatte. Deshalb war es klüger, lieber gleich alles in die Wege zu leiten. Es wäre nicht fair, wenn sie sich allzu große Hoffnungen machte.

»Und wo?« Wieder bemerkte er einen Anflug von Argwohn in ihrem Blick, während sie sich erneut zu fragen schien, was ihn hergeführt haben mochte. Billige Wohnungen gab es in Kensington und Chelsea definitiv nicht, dafür jedoch einige unverschämt teure. Er wusste durchaus, dass er nicht aussah, als könne er mehrere Millionen für eine Wohnung ausgeben. Was rein theoretisch auch der Wahrheit entsprach.

»Cherry Laine?«

Ein verkniffenes Lächeln trat auf ihr Gesicht. Sie war leicht genervt, bemühte sich jedoch, professionell zu bleiben. »Eine Straße mit diesem Namen gibt es hier nirgends.«

»Gott, nein, ich wollte Sie nicht auf den Arm nehmen.« Er deutete auf das Messingschild auf dem Schreibtisch. »Bei dem Namen sollten Sie eigentlich in einem Immobilienbüro in einem Kaff in den Cotswolds sitzen.«

Einen Moment lang starrte sie ihn eindringlich an, dann drehte sie ihr iPad so, dass er auf den Bildschirm blicken konnte. »Je nachdem, was Sie ausgeben wollen, hätten wir vier Objekte, die für Sie infrage kommen könnten. Dieses Apartment zum Beispiel befindet sich nur zwei Minuten vom Bahnhof Knightsbridge entfernt …«

»Gut, ich sehe es mir an.«

Sie hielt inne und tippte auf den Schirm. »Okay. Das nächste …«

»Das auch.«

»Aber ich habe Ihnen doch noch gar nichts darüber erzählt.«

Er genoss es, wie sie verzweifelt versuchte, ihn einzuschätzen. Zweifellos hatten die meisten Kunden eine sehr genaue Vorstellung von ihrer zukünftigen Bleibe. Wahrscheinlich investierten sie reichlich Energie und Mühe in die Suche, was Daniel wiederum als völlige Zeitverschwendung empfand. Je schneller das Ganze über die Bühne ging, umso besser. »Und die anderen beiden auch.«

»Haben Sie es eilig?«

»Ich gehe davon aus, dass sie bei den Preisen alle recht nett sind. Auf welchem Niveau bewegen wir uns eigentlich?«

»Diese Objekte liegen alle zwischen zweieinhalb und vier Millionen …«

»Wow.«

»Und, ja, sie sind außergewöhnlich …«

»Sehr schön. Ich brauche eine Bleibe und bin sicher, dass ich mich glücklich schätzen kann, eins der von Ihnen angebotenen Apartments beziehen zu dürfen. Also, wollen wir das erste gleich besichtigen?«

Ihre Finger flogen über das Display. »Ich muss zuerst Termine vereinbaren.«

»Gut, dann im Lauf des Tages?« Er lächelte. »Sie werden sehen, ich bin absolut pflegeleicht. Bis zum Tee habe ich mich bestimmt schon entschieden. Sie zeigen mir die Wohnungen doch persönlich, oder?«

Sie musterte ihn, als wollte sie sichergehen, dass sie nicht soeben einen Termin mit einem Psychopathen vereinbart hatte. »Ja«, sagte sie dann mit fester Stimme. »Selbstverständlich.«

Diesmal war Daniel besser gekleidet, trug eine dunkelblaue Freizeithose und ein dazu passendes hellblaues Hemd. Bislang war er ihr brav durch sämtliche Räume der Wohnung im ersten Stockwerk gefolgt, ohne viel zu sagen. »Wie Sie sehen, ist die gesamte Wohnung mit Parkettboden ausgestattet. Einer der ganz großen Pluspunkte des Objekts ist die Diele.«

Er sah sie an und folgte ihr ins Wohnzimmer. »Was ist so besonders daran?«

»Eigentlich nichts. Nur die Tatsache, dass es sie gibt.«

Aha, dachte er. In welcher Welt stellte eine Diele ein Highlight dar, wenn man für eine Wohnung zweieinhalb Millionen Pfund hinblättern musste? Aber da er sie nicht kränken wollte, verkniff er sich die Frage. Außerdem durfte er sich nicht beschweren; schließlich hatte er um die Besichtigung gebeten.

»Und das hier ist das Wohnzimmer«, sagte sie.

»Nettes Sofa. Ganz schön gelb.«

»Limone«, korrigierte sie. »Natürlich kommen die Möbel weg. Der Eigentümer hat sie lediglich zu Präsentationszwecken stehen lassen.«

»Also wird die Wohnung unmöbliert verkauft?«

»Ja. Und provisionsfrei.«

»Wollte der Eigentümer das Sofa denn nicht in die neue Wohnung mitnehmen?«

Amüsiert sah sie ihn an. »Ich denke …«

»Ja?«

»Ich denke, sie haben sich ein neues gekauft.«

Lächelnd folgte er ihr durch die so vollmundig angepriesene Diele, während er überlegte, ob er etwas Wichtiges übersah, doch dann konnte er nicht anders und beobachtete Cherry. Die Art, wie sie sich bewegte, gefiel ihm – zielstrebig und effizient. Er ertappte sich bei dem Gedanken, ob sie wohl auch in anderen Lebensbereichen so entschlossen war. Im selben Moment drehte sie sich um und bemerkte seinen Blick. Sie blieb stehen und verschränkte die Arme.

»Hier ist die Küche«, sagte sie und gab ihm zu verstehen, dass er als Erster eintreten sollte.

»Entschuldigen Sie, aber ich habe nicht auf Ihren Hintern gestarrt.«

Sie hob die Brauen. »Interessieren Sie sich überhaupt für die Wohnung?« So charmant dieser junge Mann auch sein mochte – für Typen, die ihre Zeit verschwendeten, hatte sie keinen Nerv. Und normalerweise erkannte sie solche Leute auf den ersten Blick, schließlich hatte sie selbst zu dieser Sorte Mensch gehört, wenn auch aus völlig anderen Gründen.

»Ja«, sagte er rasch. »Ich nehme sie!«

»Aber wir haben die anderen Apartments doch noch gar nicht besichtigt.«

»Das hier ist das billigste, das Sie gerade haben, richtig?«

»Genau.«

»Weshalb sollte ich mehr ausgeben? Und selbst dieser Preis erscheint mir fast …«

»Ja?«

»Obszön.«

Sie sah ihn an.

»Entschuldigen Sie, aber ich finde es ziemlich … heftig. So viel Geld. Für eine Wohnung.«

»Aber kaufen wollen Sie sie trotzdem?«

»Ja. Und die Möbel gleich mit dazu. Falls sie zum Verkauf stehen.« Howard hatte unmissverständlich erklärt, dass eine Mietwohnung unter keinen Umständen infrage käme, weil es eine himmelschreiende Geldverschwendung sei – na ja, eigentlich war es ja das Geld seines Vaters, da Daniels eigenes Vermögen in einem Treuhandfonds gebunden war. Falls das Apartment das Wohlwollen seines Vaters fand, war es eine Familieninvestition. »Außerdem sieht doch letztlich eine Wohnung wie die andere aus, oder?«

Cherry öffnete den Mund.

»Nein, selbstverständlich nicht! Tut mir leid … ich bin ein Dummkopf. Aber ich dachte gerade … dass wir unsere gemeinsame Zeit auch viel besser nutzen könnten.«

Sie wusste, was jetzt kommen würde.

»Haben Sie heute Abend zufällig schon etwas vor? Darf ich Sie zum Abendessen einladen?«

Erneut musterte Cherry ihn. Inzwischen war sie zu der Überzeugung gelangt, dass er wohl tatsächlich reich genug war, um sich die Wohnung leisten zu können. Es war ihr letzter Termin an diesem Tag; sie musste nur noch die Schlüssel zurückbringen, dann konnte sie Feierabend machen. Sie würde mit der U-Bahn in Richtung Süden fahren, gemeinsam mit zahllosen anderen verschwitzten Mitgliedern der arbeitenden Bevölkerung, die auch auf dem Heimweg waren. Die Waggons würden sich nach und nach leeren, je näher sie dem Bahnhof Tooting Broadway kam, aber immerhin war ihre Haltestelle noch nicht die Endstation. Allein bei dem Gedanken schüttelte es sie innerlich. Sie würde auf einen Sprung zu Sainsburys gehen und sich etwas zu essen besorgen, ehe sie in ihr winziges Apartment – ohne Diele – zurückkehrte. Dort würde sie ihr teures Kostüm zu den anderen hängen, dem einzig Wertvollen, das sie besaß, und den Abend damit zubringen, das Internet nach neuen Immobilien zu durchforsten, und sich permanent fragen, wann sie dort endlich rauskam. Sie musterte ihren neuen Kunden. Sie mochte ihn, seine unbekümmerte Art, die eine willkommene Abwechslung zu all den Klienten darstellte, die ein Objekt ablehnten, nur weil die Badezimmerarmaturen aus Chrom und nicht aus Messing waren, und einen Aufstand machten, weil der Verkäufer sich weigerte, sie auszutauschen. Mit diesem Mann essen gehen?, dachte sie. Warum eigentlich nicht? Zu irgendetwas musste es ja gut sein, dass sie sich derart ins Zeug gelegt hatte, um einen Job in seinem Viertel zu ergattern.

3.

Samstag, 7. Juni

Laura saß an ihrem gewohnten Platz am Tisch, links von ihrem Mann, und stocherte in ihrem Salat mit gebratener Hühnerbrust herum. Obwohl sie sämtliche Fenster ihres großen luftigen Esszimmers weit aufgerissen hatte, war es immer noch drückend schwül im Raum. Sie hatte den Nachmittag im Garten gefaulenzt und Daniel von ihrem Platz unter dem großen Sonnenschirm mit Fragen über Cherry bombardiert. Daniel, der mit geschlossenen Augen auf einem Liegestuhl in der prallen Sonne lag, hatte all ihre Fragen brav beantwortet und sich über sie amüsiert, weil sie unbedingt alles über Cherry erfahren wollte. Und die ganze Zeit über hatte sie die Gelegenheit schamlos ausgenutzt, ihn ungeniert betrachten zu können. Als sie schließlich aufgestanden war, um etwas zu essen zu machen, hatte er die Augen geöffnet und sie verlegen angesehen.

»Ach, übrigens …«

Lächelnd drehte sie sich um.

»Ich habe Cherry versprochen … Heute Abend findet drüben im Park ein Konzert statt, und … Tut mir leid, ich weiß, dass ich versprochen habe, mit dir und Dad …«

Eilig unterdrückte sie ihre Enttäuschung und winkte beiläufig ab – kein Problem, er solle ruhig gehen und sich amüsieren.

Nun ließ sie den Blick über die feudale Tafel für zehn Personen schweifen, an der nur Howard und sie saßen, in eine Ecke gedrängt wie auf einem sinkenden Schiff. Plötzlich spürte sie eine überwältigende Wut in sich aufsteigen – auf den Esstisch ebenso wie auf ihre bizarre Sitzordnung, ein totes Ritual, an dem sie eisern festhielten, obwohl es längst keine Berechtigung mehr hatte. Howard hingegen schien nichts auch nur im Mindesten zu tangieren, weder die Art, wie sie am Tisch saßen, noch die Hitze oder dass sie mittlerweile praktisch jegliche Konversation eingestellt hatten. Stattdessen saß er mit dem Telegraph neben sich da, die Brille ein Stück hochgeschoben, und stopfte sich Salat und neue Kartoffeln in den Mund. Wie immer war er den ganzen Nachmittag unterwegs gewesen, aber jetzt war er wieder da, und sie wollte sich unterhalten. Sie lauschte den Geräuschen, dem metallischen Kratzen seines Messers auf dem Teller, den Mozart-Klängen im Hintergrund, ihrer eigenen Stimme, die sich seltsam fremd anhörte.

»Etwas Interessantes?«

»Nur Golf«, antwortete er, ohne aufzusehen.

Golf. Sie verspürte einen Stich. Das war eine der wenigen Beschäftigungen, die ihn noch begeisterten. Das und natürlich Marianne. Selbstredend behauptete er stets, er sei auf dem Golfplatz gewesen. Jeden Samstag, jeden Sonntag und manchmal auch am Nachmittag unter der Woche, wenn er sich aus der Kanzlei loseisen konnte. Aber in Wahrheit wusste sie es natürlich ganz genau: An den Tagen, wenn er sich mit Marianne getroffen hatte, wirkte er gelöster, glücklicher; ein Glücksgefühl, das nur für ihn bestimmt war. Nicht dass es eine Überraschung gewesen wäre. Nein, dass er eine Affäre hatte, wusste sie schon seit zwanzig Jahren. Mrs Moore hatte die Taschen durchgesehen, bevor sie seine Anzüge in die Reinigung brachte, und ihr die Kassenzettel in die Küche gelegt. Laura hatte sie beim Frühstück bemerkt, als Howard bereits fort gewesen war, und mit hundertprozentiger Gewissheit sagen können, dass sie weder die Blumen bekommen hatte noch am vorherigen Sonntag zum Mittagessen ausgeführt worden war. Natürlich stritt er alles ab, als sie ihn deswegen zur Rede stellte, aber irgendwann gab er alles zu. Er war so wütend, als wäre es ihre Schuld.

»Na schön, es ist wahr. Bist du jetzt zufrieden?«

Was für eine Wortwahl … natürlich war sie nicht zufrieden. Soeben war eine Welt für sie zusammengebrochen. Dann stellte sich heraus, dass die Affäre bereits seit zwei Jahren ging und Howard in sie verliebt war. Aber Marianne war ebenfalls verheiratet, hatte zwei kleine Kinder und wollte ihre Familie nicht durch eine Trennung auseinanderbringen. Laura erwog, Howard zu verlassen – das Geld wäre nicht das Problem, aber sie musste an Daniel denken. In einem unvermittelten Gefühlsausbruch erklärte Howard, er wolle seinen gerade erst den Windeln entwachsenen Sohn keinesfalls im Stich lassen, und versprach, die Affäre zu beenden. Und Laura verzieh ihm. Doch ihre Ehe war nicht mehr dieselbe. Wochenlang war Howard schlecht gelaunt, arbeitete bis spät in die Nacht, wechselte kaum ein Wort mit ihr. Die Ironie daran war, dass er auch Daniel so gut wie nie zu Gesicht bekam. Es stellte sich eine gewisse Routine ein: Howard arbeitete, und sie zog ihren gemeinsamen Sohn groß. Einsamkeit war noch nie ein Fremdwort für Laura gewesen. Ihre eigene Kindheit hatte aus einer endlosen Aneinanderreihung ständig wechselnder Kindermädchen bestanden, während ihre Mutter Partys besucht und ihr Vater gearbeitet hatte. Sie war ein Einzelkind – für ihre Mutter wäre es ein zu großer Umstand gewesen, ein zweites Kind zu bekommen. Laura hatte sich stets nach einer engeren Bindung zu ihrer Mutter gesehnt, doch leider war es niemals dazu gekommen, und ihre Eltern waren seit Langem tot. Fest entschlossen, dass Daniel sich niemals so allein und verlassen fühlen sollte wie sie, hatte sie die Kränkung wegen Howards Untreue zu überwinden versucht und sich darauf konzentriert, ihrem Sohn alles zu geben, was er brauchte: Klubs, Freunde, Urlaube. Ihre Beziehung war immer enger geworden, und irgendwann hatte Howard sich ausgeschlossen gefühlt, mit dem Ergebnis, dass er noch weniger Veranlassung sah, abends nach Hause zu kommen, und noch länger im Büro blieb. Je mehr er das Gefühl hatte, nicht länger Teil der Familie zu sein, umso mehr strafte er Laura mit seiner Kälte, kritisierte ihre Erziehungsmethoden, wenn Daniel an den Wochenenden weinte, weil ihn der Mann, den er gar nicht kannte, hochnehmen wollte.

Eines Abends, kurz nachdem Daniel sein Studium aufgenommen hatte, machte Howard sich zum Ausgehen fertig.

»Nur jemand aus dem Klub«, antwortete er auf ihre Frage, mit wem er sich treffen wolle.

In diesem Moment fiel der Groschen. Sie war gerade dabei gewesen, den Kessel mit Wasser zu füllen, als die Erkenntnis sich wie ein Messer in ihr Herz bohrte. Sie knallte den Kessel auf den Herd und rang nach Luft. Nun, da die Kinder beider Familien erwachsen waren, war Marianne also wieder im Rennen. Ihr fiel ein, dass er sich bereits in der Woche zuvor mit jemandem aus dem Klub getroffen hatte, und sie zerbrach sich den Kopf, wann er davor das letzte Mal abends mit jemandem unterwegs gewesen war. Der Schock der Erkenntnis wich einem Gefühl tiefer Erschöpfung und Niedergeschlagenheit. Die beiden liebten sich also immer noch, und im Lauf der Zeit wurde »Golfen« zum Synonym für Howards aushäusige Aktivitäten, die sich manchmal über das gesamte Wochenende erstreckten. Sie bekam ihn immer seltener zu Gesicht. Manchmal überlegte sie, ihn um die Scheidung zu bitten, doch im Grunde spielte es längst keine Rolle mehr. Obwohl sie wusste, dass Howard der Grund für ihre Einsamkeit war, würde eine Trennung die alte Wunde nur wieder aufreißen und neuerlichen Schmerz heraufbeschwören. Stattdessen hatte sie sich all die Jahre mit anderen Dingen beschäftigt. Daniel war so lange der Mittelpunkt ihres Lebens gewesen, und jetzt war sie insgeheim völlig aus dem Häuschen vor Freude, dass er jemand gefunden hatte, der ihm etwas bedeutete; eine junge Frau, mit der sie sich vielleicht ja anfreunden könnte.

»Daniel ist auch heute Abend unterwegs.«

»Das habe ich mir fast gedacht.«

»Es ist schon der dritte Abend in Folge.«

Er lachte kurz, ohne von der Zeitung aufzublicken. »Er ist ein erwachsener Mann.«

Sie unterdrückte ihren Frust. »Natürlich. Er ist mit einem Mädchen unterwegs.«

Endlich hob Howard den Kopf. »Wie schön für ihn.«

Sie lächelte. »Ich glaube, er ist echt verknallt. Sie kennen sich erst seit drei Tagen, und seitdem war er jeden Abend mit ihr zusammen.«

»Worauf genau willst du hinaus?«

»Ich bitte dich, Howard, du willst doch auch wissen, wer das Mädchen ist, oder?«

»Du offensichtlich schon.«

»Vielleicht schicke ich ihm eine SMS

»Lass das bloß sein«, zischte er.

Sie hielt, die Gabel auf halbem Weg zum Mund, inne und sah ihn gekränkt an. »Das war ein Scherz!«

»Lass den Jungen in Ruhe. Nur weil du zum ersten Mal in seinem Leben nicht bis ins kleinste Detail darüber Bescheid weißt, was er tut. Halt dich gefälligst da raus.«

»Ich mische mich doch gar nicht ein«, erwiderte sie leise und hatte plötzlich das Bedürfnis, den Raum zu verlassen. Sie legte ihre Serviette hin und stand auf. Sie wollte ihren Teller gerade in die Küche tragen, als …

»Du bist ja völlig besessen.« Die Worte kamen ohne jede Vorwarnung, trafen sie wie eine schallende Ohrfeige. »Krankhaft besitzergreifend.«

Sie blieb abrupt stehen.

Einen Moment lang schwiegen sie beide, dann stand er auf und ging hinaus.

Laura stand immer noch mit dem Teller in der Hand da. Tränen brannten in ihren Augen. Nicht nur sein unverblümter Vorwurf hatte sie schockiert, sondern auch sein Blick voll abgrundtiefer Abneigung. Sie musste sich setzen, erhob sich jedoch sofort wieder und ging in die Küche, als könnte sie sich dadurch vor ihm schützen. Sie wusste, dass es sinnlos war, ihm hinterherzulaufen. Er war im Hobbyraum verschwunden, außerdem hatte sie jetzt nicht die Kraft für eine weitere Auseinandersetzung.

Sie knallte ihren Teller auf die Arbeitsplatte und spürte Wut und Empörung. Er war doch derjenige, der sich all die Jahre rargemacht hatte. Was wusste er schon, was es bedeutete, ein Kind großzuziehen? Solange sie noch klein waren, war man rund um die Uhr eingespannt, litt unter chronischem Schlafmangel, musste ununterbrochen Wangen, Mund, Hände, Tischplatten, Hochstühle abwischen, wischen, wischen, wischen, während man selbst kaum Zeit fand, zur Toilette zu gehen. Er wusste nicht, dass nur eine Umarmung von Mama Schürfwunden und Beulen wiedergutmachte und dass diese Umarmung zu jeglicher Tages- und Nachtzeit abrufbar sein musste. Dass ein ausgeklügeltes System aus Psychologie, Humor und Ablenkungsmanövern nötig war, um einen ganz normalen Tag mit einem Kleinkind überstehen zu können. Mit alldem hatte er sich nie herumschlagen oder darunter leiden müssen; er war nie Zeuge der herzzerreißenden Tränen gewesen, die in Strömen flossen, wenn der Kleine nicht in den Kindergarten gehen wollte und man sich bemühte herauszufinden, weshalb; wenn ein Vierjähriger seiner Mum nicht erklären konnte, dass er nicht selbstbewusst genug war, um Freunde zu finden. Howard musste keine Entscheidungen über Sportarten, Vereinsmitgliedschaften und Partys treffen oder tüfteln, wie weit man man ein Kind gewähren ließ, ohne dass es das Gefühl bekam, keine Unterstützung von den Eltern zu bekommen, oder wie man mit nächtlichen Weinkrämpfen umging, weil der geliebte Großvater unvermittelt an einem Herzinfarkt gestorben war. Was wusste er von all diesen Dingen? Was für eine ignorante Dreistigkeit, dachte sie, schenkte sich ein Glas Wein ein und spürte, wie ihre Wut allmählich verrauchte. Niemand wusste etwas darüber. Nur eine Mutter.

Sie nahm ihr Weinglas, griff nach ihrem Buch und ging hinaus in den in abendliches Licht getauchten Garten. Der Jasmin mit seinen Abertausenden winzigen weißen Blüten war die reinste Pracht. Sie zündete die Citronellakerzen an. Nach wenigen Minuten kamen die ersten Motten angeflogen. Sie setzte sich in ihren Schwingstuhl und ließ ihre Gedanken schweifen. In den letzten beiden Jahren waren sie im Grunde nur noch zu zweit gewesen, und jetzt würde Daniel bald endgültig ausziehen. Plötzlich musste sie an etwas denken, das er mit drei Jahren immer zu ihr gesagt hatte. Er hatte so getan, als wäre er ein kleiner Hund, und war um sie herumgehüpft.

»Wau-wau!«, machte er. »Magst du ihn?«

»Er ist einfach toll.«

»Wenn du willst, darfst du ihn behalten.«

»Wirklich?«

»Ja. Für immer.« Und dann hatte er ihr die Ärmchen um den Hals geschlungen und sich fest an sie gepresst.

Moses, ihr Kater, kam miauend angelaufen; sein Schwanz war aufgeplustert wie eine Klobürste. Ein Fuchs strich um das blinde Oberlicht, das mitten in den Rasen eingelassen war und einen Teil des Pooldachs bildete. Moses sprang ihr auf den Schoß und miaute herzerweichend weiter. Eigentlich hatte sie ihn für Daniel gekauft, damit er lernte, für ein Haustier Verantwortung zu übernehmen, und im Lauf der Jahre war ihr der kleine silbrig graue Burmese immer mehr ans Herz gewachsen. Sie hob ein Steinchen auf und warf es in den Garten. Sie konnte Füchse nicht leiden, weil sie manchmal gefährlich und aufdringlich waren. Erst kürzlich hatte eine völlig aufgelöste Frau in ihrer Lieblingsmorgensendung im Radio angerufen und geschildert, wie ein Fuchs einfach durch die Terrassentür hereingekommen war und sich mitten am Tag ins Babybettchen gelegt hatte. Sie erschauderte. Wäre das bei Daniel passiert, hätte sie das Vieh vermutlich gepackt und ihm auf dem Verandaboden den Schädel zertrümmert. Drei Abende hintereinander, dachte sie lächelnd. Was musste das für ein Mädchen sein, wenn er sich so häufig mit ihr traf, obwohl er sie erst ganz kurz kannte? Was hatte dieses Mädchen wohl an sich? Unwillkürlich musste sie an ein anderes Mädchen denken, ein Mädchen, kaum älter als Daniel. Rose war Lauras Erstgeborenes gewesen, ein perfektes Baby, das vom ersten Tag an regelmäßig geschlafen und getrunken hatte, alles wie aus dem Lehrbuch. Umso seltsamer war es Laura vorgekommen, als sie einige Tage nach der Geburt Rose zum Stillen kaum noch wachgekriegt hatte. Besorgt war Laura mit ihr zum Arzt gefahren, der auf den ersten Blick erklärt hatte, sie müsse sofort ins Krankenhaus. Dort hatte man eine Infektion mit Streptokokken der Serogruppe B diagnostiziert, die sie sich offensichtlich durch nicht entdeckte Bakterien im Geburtskanal zugezogen hatte. Vierundzwanzig Stunden später hatten die Ärzte Laura und Howard eröffnet, dass Rose sterben würde, und zwei Stunden später war Rose in Lauras Armen gestorben. Sie war genau sieben Tage alt geworden.

Sie war beinahe an ihren Schuldgefühlen zerbrochen. Unablässig quälte Laura die Frage, ob Rose hätte gerettet werden können, wenn sie gleich beim ersten vergeblichen Versuch, sie zum Stillen zu wecken, mit ihr zum Arzt gefahren wäre. Dass Laura noch einmal schwanger wurde, war die Rettung für sie beide gewesen. Zehn Monate später war Daniel geboren worden, und Laura hatte geschworen, ihr Leben einzig und allein diesem winzigen Wesen zu widmen und nicht zuzulassen, dass ihm jemals etwas zustieß. Sie würde dafür sorgen, dass er stets in Sicherheit war.

Moses setzte sich auf ihren Schoß und schloss halb die Augen, sichtlich erleichtert, dass der Fuchs die Flucht ergriffen hatte. Laura kraulte ihn. Ab und zu hob er den Kopf, wenn eine verirrte Motte vorbeiflog, war jedoch zu faul oder zu müde, um sie zu fangen. Laura schaukelte sanft in ihrem Stuhl, während sie voller Zuneigung an das Mädchen dachte, das sie noch nicht kannte; an jenes Mädchen, das genauso alt war, wie ihre Tochter heute gewesen wäre.

4.

Samstag, 7. Juni

Cherry war noch nie an drei aufeinanderfolgenden Tagen mit ein und demselben Mann ausgegangen. Sie spazierten durch den Hyde Park, am goldenen Albert Memorial und der Serpentine Gallery vorbei. Daniel hatte einen Picknickkorb mitgebracht, und sie trug die Decke, die sich unangenehm warm an ihrem Körper anfühlte. Die glühende Hitze des Tages war verflogen, und es herrschten Temperaturen wie am Mittelmeer. Es würde noch mindestens vier Stunden dauern, bis es dunkel wurde, und überall hatten sich Leute niedergelassen und genossen das spontane Urlaubsfeeling. Cherry entspannte sich allmählich. Sie hatten die ersten beiden Dates hinter sich, inklusive der obligatorischen Verlegenheit und übertriebenen Höflichkeit, und ganz allmählich kamen sie einander näher. Mittlerweile wusste sie, dass er sich voller Leidenschaft seinem Medizinstudium widmete und Kardiologe werden wollte, gern Rad fuhr, Wildwasserrafting machte und zwar mit der linken Hand schrieb, das Besteck aber wie ein Rechtshänder hielt. Er hatte herausgefunden, dass sie gern Erdbeeren, aber keine Erdbeermarmelade mochte, dass ihr Vater gestorben war, als sie noch klein gewesen war, und mit ihrer Mutter in einer winzigen Wohnung gelebt hatte, sie jedoch kaum zu Gesicht bekommen hatte, weil sie ständig arbeiten musste.

Sie verschwieg ihm, dass sich die Wohnung in einem ziemlich heruntergekommenen Teil Croydons befand, wo leere Bierdosen, alte Sitzkissen und sonstiger Unrat unklaren Ursprungs die Straßen verschmutzten. Cherry war in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, die sich nach dem Tod ihres Vaters noch verschärft hatten. In seiner egoistischen Dummheit hatte er keine Lebensversicherung abgeschlossen, weshalb ihre Mutter gezwungen gewesen war, ständig Überstunden in dem Rieseneinkaufszentrum am Stadtrand zu schieben, damit sie sich den Schuhkarton von Wohnung leisten konnten, und für Cherry hatte es nie etwas anderes als Kleider aus dem Schlussverkauf gegeben, sie hatte nie in die Ferien fahren können und war in der Schule pausenlos nur gehänselt worden. Selbst das Geld für einen Abzug des alljährlichen Klassenfotos hatte gefehlt, und während sich ihre Freundinnen kichernd darüber ausließen, wer neben wem sitzen durfte, hatte Cherry beschämt daneben gestanden und sich ausgeschlossen gefühlt. Sie hatte es gehasst, arm zu sein. All das behielt sie für sich und sagte lediglich vage, sie käme aus Surrey, was im Grunde stimmte, da Croydon tatsächlich früher zu der Grafschaft gehört hatte, wenn auch vor über hundert Jahren. Während der vergangenen Tage hatte sich eine gewisse Vertrautheit zwischen ihnen entwickelt, und sie hatten begonnen, sich gegenseitig zu necken, was die zarten Bande zwischen ihnen noch weiter verstärkte. Auch hatten sie sich schon geküsst, was Cherry gefallen hatte, und inzwischen war ihr klar geworden, dass sie Daniel durchaus attraktiv fand.

Sie gelangten zu dem abgesperrten Teil des Parks, wo das Konzert stattfinden sollte, und Daniel reichte dem Ordner die Karten, die er noch kurzfristig ergattert hatte. Sie folgten den Massen zu einem Rasenstück, wo Daniel einen Platz suchte, der ihnen einen optimalen Blick auf die Bühne gestattete. Er breitete die Decke aus, Cherry setzte sich und streckte die langen, leicht gebräunten Beine aus. Bedauernd stellte sie fest, dass einige Gäste Klappstühle mitgebracht hatten. Ihr Hintern und ihr Rücken würden sich bestimmt irgendwann bemerkbar machen, aber das London Symphony Orchestra spielte sich bereits warm, weshalb sie sich zwang, nicht weiter darüber nachzudenken.

»Früher war ich jedes Jahr hier«, sagte Daniel. »Wir sind zu Fuß hergekommen und haben unseren Nachmittagstee getrunken. Auf diese Weise hat mir meine Mutter klassische Musik nähergebracht.«

Also war der Park gewissermaßen sein erweitertes Wohnzimmer. Größer hätte die Diskrepanz zu ihrer eigenen Herkunft wohl kaum sein können – eine triste Grünanlage mit einer Handvoll heruntergewirtschafteter Spielgeräte, auf der allenfalls ein paar lustlose Teenager herumlungerten. Cherry war noch nie bei einem klassischen Konzert gewesen, hatte sich aber bemüht, ab und zu Classic FM im Radio zu hören. Das war die perfekte Gelegenheit, ihm etwas genauer auf den Zahn zu fühlen.

»Für mich ist das eine Premiere. Zumindest, was klassische Musik angeht.«

Er winkte ab. »Ach, da hast du nichts verpasst, glaub mir. Ich konnte mich früher auch nie dafür begeistern. Anfang zwanzig ist das perfekte Alter, um ein Ohr für klassische Musik zu bekommen. Das sagt zumindest die Forschung.«

Sie lächelte und entspannte sich. Er schien ihre Bildungslücken also nicht zu verurteilen, und sie konnte nur hoffen, dass er es auch dann nicht tat, wenn ihr ein Fauxpas unterlief oder sie etwas falsch verstand.

»Das heißt also, dass wir uns auf dem Höhepunkt unseres Lebens befinden«, fuhr er fort, schenkte etwas von dem gekühlten Chablis in ein Plastikglas und reichte es ihr.

»All die Proms warten nur auf uns. Was machst du am ersten Freitag im Juli?«

Es dauerte einen Moment, bis ihr wieder einfiel, was sie im Radio gehört hatte.

»Da stehe ich wahrscheinlich mit einem Union-Jack-Fähnchen in der Royal Albert Hall.«

»Ich komme mit«, erwiderte er lachend. Sie blickten einander an, erfreut darüber, dass sie sich auch weiterhin sehen, gemeinsam etwas unternehmen würden. In diesem Moment setzte die Musik ein. Die Geiger spielten voller Hingabe, jeder von ihnen gab sein Bestes. Cherry bekam eine Gänsehaut, wandte sich zu Daniel um und schenkte ihm ein Lächeln, bei dem es ihm den Atem verschlug.

»Ich wünschte, ich wäre auch so talentiert«, flüsterte sie ehrfürchtig, ehe sie sich wieder der Bühne zuwandte.

Daniel blickte sie verstohlen an. Zu beobachten, wie sie das Neue in sich aufsog, hatte etwas Erfrischendes. Seine bisherigen Freundinnen – meist Schwestern von Klassenkameraden oder Kommilitonen