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Das Buch

Sie ist ein Meisterwerk interstellarer Ingenieurskunst: eine künstliche Sonne, um die zweihundert Planeten kreisen. Lange galt sie als ein Mahnmal des Friedens, doch das hat sich nun geändert. Die machtgierigen Herren der künstlichen Sonne nutzen ihre Energie, um fremde Planeten aus ihrem Orbit zu ziehen und zu versklaven. Als ein fruchtbarer, grüner Agri-Planet in den Dunstkreis der Sonne gerät, macht sich der Kapitän eines Schmugglerschiffs auf den Weg in ihr Zentrum, um den Planeten zu retten …

Packend und voller überraschender Wendungen – Michael Cobley hat die Space Opera des 21. Jahrhunderts geschrieben.

Erster Roman: Die Saat der Erde

Zweiter Roman: Waisen des Alls

Dritter Roman: Die Ahnen der Sterne

Vierter Roman: Die Jäger des Lichts

Der Autor

Michael Cobley, geboren in Leicester, studierte Ingenieurswissenschaften an der Universität von Strathclyde. Als Herausgeber verschiedener Magazine und durch seine Kurzgeschichten machte er sich schnell einen Namen in der Fantasy-Literatur. Schattenkönige, sein erster Roman, war in Großbritannien auf Anhieb ein riesiger Erfolg. Cobley lebt und arbeitet in Glasgow.

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diezukunft.de

Michael Cobley

Die Jäger
des Lichts

Roman

Deutsche Erstausgabe

WILHELM HEYNE VERLAG
MÜNCHEN

Titel der Originalausgabe

ANCESTRAL MACHINES

Deutsche Übersetzung von Norbert Stöbe

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Deutsche Erstausgabe 02/2017

Redaktion: Lars Zwickies

Copyright © 2016 by Michael Cobley

Copyright © 2017 der deutschsprachigen Ausgabe
by Wilhelm Heyne Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH,
Neumarkter Straße 28, 81673 München

Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München,
unter Verwendung von Shutterstock / Mike H

Satz: Schaber Datentechnik, Austria

ISBN: 978-3-641-19318-8
V001

www.diezukunft.de

Für meinen alten Freund Graeme Fleming,
auch bekannt als mächtiger Progmeister-General!

Prolog

Die Drohne Rensik Estemil befand sich gerade auf einer Erkundungsmission auf Schicht 104, als die Abbruchsaufforderung sie erreichte. Sie benötigte dreiundvierzig Stunden, um sich aus Problemzone 3 auszuschleichen und durch den Hyperraum zu Schicht 49 aufzusteigen, zum Garten der Maschinen. Trotzdem bestand sie bei ihrem Eintreffen darauf, wieder in einem der neuen Variodroid-Gehäuse vom Typ Iterant-9 untergebracht zu werden, bevor sie dem Befehl nachkam und sich auf die Suche nach dem Konstrukt machte.

Rensik Estemil verließ den facettierten blauen Umbettungsraum und glitt auf einen der vielen Hundert Verbindungsgänge aus schwarzem Netzgewebe hinaus, die sich um den Garten der Maschinen wanden, bogen und miteinander verflochten. Aus der Ferne hatte die Feste des Konstrukts einem dunklen Gespinst geähnelt, in dem sich tausend Lichtpunkte zwischen den hellen Clustern der Erprobungs- und Versuchslauben hin und her bewegten. Aus der Nähe hatte sie etwas von einem Dschungel.

Rensik fand das Kommandoproximal des Konstrukts in einem kleinen Pavillon an einem der äußeren Verbindungsgänge. Ein von einem blassen Schleier überwölbter Durchgang bot einen wundervollen Ausblick auf das Slegronag-Intervall, einen weitläufigen Raum auf Hyperraumschicht 49, eine höhlenartige Öffnung von anderthalb Millionen Kilometern Breite und fünf Millionen Kilometern Länge, deren Boden eine Ebene darstellte, übersät mit den geborstenen und zerschmetterten Überresten ganzer Welten, den riesenhaften Haufen planetarischer Trümmer. Ein unbelebter, luftloser und verlassener Friedhof, über dem der Garten der Maschinen einen Zickzackkurs entlang des Slegnorag beschrieb.

»Du hast dir Zeit gelassen. Ein Mangel an Schnelligkeit gehört nicht zu den Eigenschaften, die man von einem Aggressionsfeldüberwacher erwartet.«

Das neue Proximal des Konstrukts war eine schwebende neunseitige Einheit, aus der zahlreiche Tentakel und Gliederarme hervorschauten. Davor ruhte auf einem langen flachen Gestell etwas, das auf den ersten Blick einer großen schwarz-grünen Drohne unbekannter Bauart glich. Sie hatte eine stumpfe Nase, am ramponierten Rumpf saßen Kuppeln, unter denen vermutlich Waffen verborgen waren. Mehrere Bereiche waren geöffnet, und das Konstrukt machte sich mit tentakelartigen Werkzeugen darin zu schaffen. Helle Reflexe im dunklen Innern deuteten auf das Vorhandensein von Remotilen, die schwer zugängliche Nischen scannten und umfangreiche Datenströme übermittelten.

Rensik Estemils neuer Varidroid war ein Wunderwerk der Nanokompression und der multifunktionalen Schutzschildtechnologie und entsprechend gut bewaffnet. Dennoch wirkte er neben diesem reglosen Riesenklotz zwergenhaft. Die Aura verstrichener Jahrtausende war für seine Sensoren nahezu greifbar.

Ein segmentierter Tentakel, an dessen Ende eine Gruppe purpurroter Linsen saß, schlängelte sich auf ihn zu.

»Ich habe die Berichte der Operation Julurx gesehen«, sagte das Konstrukt. »Eine riskante Strategie, zuzulassen, dass die Kolonie sich im zweiten Stadium ungehindert entwickelt, doch die Erschaffung einer Gegenhorde hat sich als höchst effektiv herausgestellt. Ausgesprochen erfinderisch. Die lokalen Vermächtnis-Zivilisationen werden sehr erleichtert sein.«

Für das Konstrukt war dies gleichbedeutend mit einer triumphalen Willkommensparade, doch zuvor war Rensik mit einer Zwangslage konfrontiert gewesen, die das Potenzial für schreckliche Folgen barg. Eine Flottille von Hodralog-Nomaden hatte einen erodierten Neigegang an der Peripherie von Schicht 103 geplündert, als sie von überwinternden Meksporen einer replizierenden Maschinenhorde mit der Bezeichnung Julurx gestört worden war. Die Hodralog, ihre Raumschiffe und AIs wurden von den Sporen rasch überwältigt, und diese machten sich sogleich daran, mithilfe der erbeuteten Vorräte an organischem und gereinigtem Material eine Horde im zweiten Stadium zu erzeugen. Rensik und sein Geschwader kampferprobter Aggressionsdestruktoren reagierten auf panische Alarmrufe der Turmstadt-Zivilisation von Schicht 103 und erreichten den Neigegang, mehrere Stunden nachdem die letzten Hodralog getötet worden waren. Zuvor aber hatten die Drohnen des Konstrukts Comm-Nachrichten der unglückseligen Nomaden aufgefangen, und als sie dort eintrafen, hatte Rensik Estemil einen Plan.

»Replizierende Maschinenhorden legen keinen großen Wert auf die Speicherung differenzierter Daten früherer Ausbrüche«, sagte Rensik. »Sonst hätten sie meine brillante Strategie, inaktive Sporen im ersten Stadium einzufangen und mit ihnen eine Antihorde zu erschaffen, die die Julurx auslöschen sollte, konterkarieren können.«

»Wie lange?«

»Einunddreißig Komma vier Stunden.«

»Die Julurx müssen nach diesem Zeitraum eines der letzten Stadien erreicht haben.«

»Stadium Sechs«, sagte Rensik. »Ihre erste Gigatropolis war teilweise fertiggestellt, als unsere Antihorde die erste Angriffswelle flog. Anschließend haben wir die Umgebung wiederholt abgestrahlt und außerdem ein Netzwerk von Scannersonden vor Ort zurückgelassen.«

»Gut«, sagte das Konstruktproximal. »Eine überzeugende Zusammenfassung, wenn auch ein wenig selbstgefällig. Und wie bewertest du die Fortschritte in Problemzone 3?«

»Als zufriedenstellend.«

»Drollig. Und wie ich sehe, hast du wieder einmal deinen Namen geändert.«

»Ich nahm an, kleinere Individualisierungen wären vertretbar«, sagte Rensik. »Hat sich das geändert?«

»Keineswegs. Es sollte jedoch erwähnt werden, dass du deinen Namen seit deiner Verwicklung in den Darien-Konflikt neunmal geändert hast. Wusstest du, dass gewisse Subkulturen der menschlichen Mußeklasse ähnliche Namensänderungen vornehmen? Sie wetteifern miteinander um die ungewöhnlichsten Bezeichnungen.«

»Faszinierend«, sagte Rensik. »Als ich hier ankam, war ich sicher, du würdest mir erklären, weshalb wir dieses rostende Relikt untersuchen – ich konnte ja nicht ahnen, dass mein Name auf so großes Interesse stoßen würde.«

»Sehr scharfsinnig«, sagte das Konstrukt. »Prägnant und ironisch.« Der linsenbestückte Tentakel schwang etwas näher heran. »Wir leben hier in den Schichten des Hyperraums in einer Art Sediment von Relikten, den Trümmern vergangener Universen, die aufeinandergepackt wurden. Dort oben im primären Kontinuum aber kann man den unvergänglichen Fragmenten der unsterblichen Vergangenheit, dem verweilenden Nachhall gewaltiger Symphonien der Zerstörung, dem Vermächtnis vergangenen Wahnsinns nicht entrinnen.« Ein weiterer werkzeugbestückter Tentakel tippte gegen den Rumpf der alten Drohne. »Diese Kriegsmaschine ist wahrlich ein Relikt. Bis vor Kurzem war sie im Permafrost einer Welt an der drehseitigen Grenze der Sendrukan-Hegemonie eingeschlossen. Möglicherweise ist dies das einzige noch intakte Exemplar einer Kampfdrohne des Zarl-Imperiums …«

»Das Zarl-Imperium«, murmelte Rensik nachdenklich. »Vor einer Million Jahren untergegangen?«

»So ist es, wenngleich dieses Exemplar aus der ein wenig weiter zurückliegenden Blütezeit der Tyrannei datiert. Die meisten verwendeten Materialien waren anti-entropisch, sonst wären sie inzwischen zu Staub zerfallen. Aber das ist nicht der Grund, weshalb ich dich hergebeten habe. Hast du schon einmal von dem exotischen Megagebilde gehört, das als Großer Hafen der Gütigen Harmonie bezeichnet wird?«

»Ja, das habe ich«, antwortete Rensik. »Es begann vor etwa einhunderttausend Jahren in der Großen Leuchtenden Galaxis als hochfliegendes altruistisches Gemeinschaftsprojekt, endete als Hort mehrerer psychotischer Spezies, die sich dem Gemetzel verschrieben hatten, und wurde zur Strecke gebracht und vernichtet von der Gerechten Vergeltungsallianz oder etwas Ähnlichem.«

»Das war wohl eher vor fünfzigtausend Jahren«, entgegnete das Konstrukt. »Die archivierten Informationen zur Geschichte der Großen Leuchtenden Galaxis sind fragmentarisch und nicht sehr detailliert, allerdings geht daraus hervor, dass es sich um ein gewaltiges makrotechnisches Gebilde gehandelt hat. Und jetzt sieht es so aus, als wäre es nie zerstört worden. Ungeachtet der massiven konzertierten Angriffe ist es entkommen und hat überdauert.«

Es entstand ein kurzes Schweigen. Wie Rensik aus Erfahrung wusste, erwartete das Konstrukt von ihm einen Erkenntnissprung. Es gab nur eine mögliche Folgerung, und sie war verstörend.

»Ist das Ding bereits in unserer Galaxis eingetroffen?«, fragte er.

»Alle Achtung! Rate mal, was vor mehreren Stunden an der Grenze zwischen der Erdsphäre und der Indroma-Solidarität aufgetaucht ist. Und zwar auf der Indroma-Seite, versteckt in einem der gewaltigen sternenlosen Abgründe, mit denen sich die Diplomaten schon seit Dekaden abmühen.«

In einer dynamischen Erinnerungsnische ließ Rensik rasch ein Szenarienmodell laufen, das die regionalen Mächte gegen das Potenzial eines Gebildes wie dem Großen Hafen ausspielte. Die Ergebnisse waren nicht ermutigend.

»Wir werden eine erhebliche Feuerkraft benötigen, um dieses Ding aufzuhalten«, sagte Rensik. »Eine Angriffsflotte bestehend aus fünf-, nein, sechstausend Aggressionseinheiten mit Versorgungstendern würde die erforderliche Schlagkraft aufbieten, ganz besonders wenn ich das Kommando führe.«

»In so kurzer Zeit können wir keine solche Flotte bauen«, sagte das Konstrukt. »Den Berichten aus dritter Hand von den vorgelagerten Sternenclustern zufolge ist damit zu rechnen, dass der Eindringling jede beliebige isolierte Welt in diesem Gebiet in sehr kurzer Zeit erreichen kann. Daher entsende ich dich dorthin und überlasse dir sogar eines der nachgerüsteten Schimmerschiffe.«

»Ein Soloeinsatz, ich verstehe«, sagte Rensik. »Verdeckte Beobachtung, Funküberwachung, Einschätzung der gegnerischen Stärken und Schwächen, regelmäßige Berichte …«

»Nein, kein Soloeinsatz – ein Vertreter des militärischen Geheimdienstes der Erdsphäre wird dich begleiten.«

Rensik stöhnte auf. »Menschen …«

»Deine Erfahrungen auf diesem Gebiet dürften sich als ausgesprochen nützlich erweisen.« Das Konstrukt hielt inne, während sich einer seiner Tentakel in eine Ritze der alten Zarl-Drohne schlängelte und ein flackerndes helles Licht aufflammte. »Der Auftrag schließt verdeckte Ermittlungen und Informationsbeschaffung ein, deine erste Aufgabe aber besteht darin, herauszufinden, wer das Kommando führt und welche Absicht und welche Strategie sie verfolgen. Ich vermute, dass das Regime oder die Regimes zu einem gewissen Grad despotischer oder tyrannischer Natur sind, deshalb kann man von der Existenz von Widerstandsgruppen ausgehen. Deine Hauptaufgabe – und die deines menschlichen Mitagenten – ist es, die effektivsten Rebellengruppen ausfindig zu machen und ihnen Unterstützung anzubieten. Das bietet Raum für Kreativität.«

»Wie soll ich kreativ sein, wenn ich mich als Babysitter betätigen muss?«

Ein vorrangiges Datenobjekt erreichte Rensiks Eingangspuffer. Als es entpackt war, stellte sich heraus, dass es sich um die spärlichen Hintergrundinformationen zum Großen Hafen sowie die Akte von Lt. Commander Samantha Brock handelte.

»Ich glaube nicht, dass sie einen Babysitter brauchen wird«, sagte das Konstrukt.

»Sie könnte sich als nützlich erweisen«, räumte Rensik ein, nachdem er die Akte blitzgelesen hatte. »Wenngleich Menschen meiner Erfahrung nach dazu neigen, die Dinge zu komplizieren.«

»Und während ihr beide versucht, den Aufstand der Unterdrückten anzufachen, werde ich mich zu verhindern bemühen, dass die Erdsphäre und die Indroma-Solidarität ihre Flotten entsenden. Die Unwägbarkeiten des Großen Hafens sind zu groß und die Berichte der Überlebenden zu schrecklich, um das Risiko ausgewachsener Feindseligkeiten einzugehen. Die Folgen wären …«

Symbolgruppen begannen zu pulsieren und wanderten langsam über den ramponierten Rumpf der Zarl-Drohne. Im vollgestopften Innern waren kaltblaue Blitze zu erkennen. Das Konstrukt zog seine forschenden Tentakel eilig zurück, bevor sich die meisten der offen stehenden Klappen schlossen. Die Zarl-Drohne stieß ein ohrenbetäubendes Geräusch aus, halb metallisches Gebrüll, halb krächzendes Heulen. Sie riss sich von den schwachen Halterungen des Gestells los, stieg empor, fuhr herum und stieß auf Rensik Estemil nieder.

Rensiks Abwehrvorrichtungen wurden in Bereitschaft versetzt. In Sekundenbruchteilen wurden alle taktischen Waffensysteme hochgefahren und die Aktionen und Gegenaktionen von Sensorsonden und Ablenkungssystemen koordiniert sowie Schutzschirmverlagerungen durchgeführt. Rensiks Sensoren registrierten in der Zarl-Maschine eine Kaskade von Energieveränderungen, die von bislang unentdeckten, aber äußerst wirkungsvollen Waffensystemen herrührten. Aus Teilen des Rumpfes traten Waffenmündungen aus, und es bildeten sich Öffnungen, während Rensik seine Abwehr hochfuhr, sich schmerzhaft bewusst, wie unterlegen er auf einmal war, aber gleichzeitig entschlossen …

Als ein zerstörerischer Zusammenstoß unausweichlich schien, verblassten die auf dem Rumpf der Zarl-Drohne leuchtenden kryptischen Symbole und erloschen schließlich ganz. Ein gedämpftes Knacken ertönte, dann geriet die Kriegsmaschine ins Taumeln, fiel schließlich mit einem lauten, dumpfen Geräusch auf den Boden und schaukelte mehrfach hin und her, bis sie sich nicht mehr regte.

Rensik scannte sie, entdeckte aber, abgesehen von einer Restionisation an vier Stellen des Rumpfes, keine Energiequellen und keine Datenstromaktivität.

»Ausgezeichnet!«, sagte das Konstrukt und schwebte näher heran. »Höchst aufschlussreich.«

Rensik begriff sogleich, was es damit meinte.

»Ich verstehe. Dann hast du also diese grausige alte Tötungsmaschine aktiviert, wohl wissend, dass sie sich auf das bedrohlichste Objekt stürzen würde – auf mich. Allerdings hattest du einen Abschaltungsmechanismus eingebaut, um …«

»Ein besonders exotisches Ultrafeld, erzeugt von vier Netzknoten, die kürzlich am Drohnenpanzer angebracht wurden«, sagte das Konstrukt. »Es zerhackt kohärente Energiemuster, wodurch unser antiquierter Freund wirkungsvoll deaktiviert wurde. Manchmal enthüllt nur die praktische Erprobung die wahre Natur eines Objekts.«

»Freut mich, wenn ich dir behilflich sein konnte.«

»Das warst du und wirst du sein, daran habe ich keinen Zweifel. Du solltest jetzt aufbrechen. Das Schimmerschiff steht in Hangar 14 bereit – berücksichtigt man den Aufstieg durch den Hyperraum bis ins Primärkontinuum, solltest du die Nähe des Heimatsystems der Menschen in weniger als neunzehn Stunden erreichen. Die Erlaubnis der höchsten Ebene liegt vor, deshalb sollten Brocks Vorgesetzte bis dahin über ihre Abbestellung zu dem Gemeinschaftseinsatz informiert sein.«

Noch während das Konstrukt den Satz beendete, glitten drei sternförmige Hebemodule in den Pavillon und fixierten sich an der Zarl-Drohne, die emporstieg und mit einer geschmeidigen Drehung auf das Gestell zurückkehrte.

»Gute Reise«, sagte das Konstrukt und setzte die Untersuchung der offenen Luken und Fächer mit den biegsamen Tentakelspitzen fort.

Es wirkt mitteilungsfreudiger als früher, dachte Rensik, als er aus dem Pavillon hinausglitt und sich auf den Weg zu den Hangars machte. Es ist immer noch unerträglich exzentrisch, aber eindeutig umgänglicher …