
Paul Guhs / Frank Richter / Klaus Oltmanns
Allgemein motorische, koordinative und athletische Grundausbildung im Grundlagentraining
Meyer & Meyer Fachverlag & Buchhandel GmbH
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Lektorat: Dr. Irmgard Jaeger & Manuel Morschel
978-3-8403-3567-9
verlag@m-m-sports.com
www.dersportverlag.de
ISBN 978-3-8403-3567-9
(Siehe dazu die entsprechenden Übungen zur Stabilisation sowie zum Beinachsentraining im Kapitel „Mobilisations- und Stabilisationstraining“, die unbedingt mit der Sprungvorbereitung im Zusammenhang zu sehen sind.)
Bei der Entwicklung des Konzepts und der Inhalte hatte der Landessportbund NRW tatkräftige Unterstützung und fachliche Expertise von der Trainerakademie Köln des DOSB, wofür wir uns ausdrücklich bedanken!
Ebenso bedanken wir uns beim Autorenteam für die ausgezeichnete und verlässliche Mitarbeit, die es uns leicht machte, das Projekt zu realisieren, und bei zahlreichen Fachleuten aus den Mitgliedsverbänden, die uns fachlich mit Rat und Tat zur Seite standen.
Was wäre das Werk ohne durch Fotos und Videosequenzen unterstützte Übungsbeispiele? Den Sportlerinnen und Sportlern sowie deren Trainerinnen und Trainern der beteiligten Übungsgruppen, die unseren Fotografinnen und Fotografen geduldig folgten, ein besonders herzlicher Dank!
Detlef Gerber
Referatsleiter Leistungssport
Landessportbund NRW
Duisburg, im Februar 2015
Landessportbund NRW
In Kooperation mit der Trainerakademie Köln des DOSB ist eine Autorengemeinschaft mit folgenden Personen gebildet worden:
Paul Guhs (Landesstelle Nachwuchsförderung, Landessportbund NRW)
Klaus Oltmanns (Trainerakademie Köln des DOSB)
Frank Richter (Landessportbund NRW, Referat Leistungssport)
Andrea Bowinkelmann (Landessportbund NRW)
Frauke Korfsmeier
Bianca Heinzelbecker (biHeinD-Fotodesign)
Elke Bartschat (Leistungsstützpunkt Münster, DLV, FLVW)
Hans-Joachim Dörrer (Westfälischer Turner-Bund)
Winfried Vonstein (Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen)
Jörn Uhrmeister (Handballverband Westfalen, Universität Bochum)
Martin Zawieja (freiberuflich und Trainerakademie Köln des DOSB)
Schülerinnen und Schüler der Friedrich-Albert-Lange-Schule in Solingen (NRW-Sportschule)
Handballjugend des TBV Lemgo
Raoul Hofmann (Fußballer SV Sandhausen)
Schülerinnen und Schüler des Pascal-Gymnasiums Münster (NRW-Sportschule)
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit haben wir uns entschlossen, durchgängig die männliche (neutrale) Anredeform zu nutzen, die selbstverständlich die weibliche mit einschließt.
Das vorliegende Buch wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder die Herausgeber, noch die Autoren, noch der Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch vorgestellten Informationen resultieren, Haftung übernehmen.
Der langfristige Leistungsaufbau ist ein gestuftes Verfahren zur systematischen Heranführung von Kindern und Jugendlichen an den Leistungssport, das der individuellen Entwicklung der Heranwachsenden ebenso gerecht werden soll wie den fachlichen Anforderungen der jeweiligen Sportart. Dabei steht nicht allein das Erlernen der motorischen Bewegungen im Zentrum der Ausbildung. Ebenso wichtig ist die rechtzeitige und qualifizierte Entwicklung der körperlichen Grundlagen. Nur so kann verhindert werden, dass wesentliche Potenziale wegen fehlender Anreize verkümmern und damit in späteren Ausbildungsphasen die erforderliche Belastungsverträglichkeit nicht zur Verfügung steht. Dann muss das Training in späteren Etappen auch nicht, wie leider oft in der Trainingspraxis zu beobachten, defizitorientiert durchgeführt werden.
Das Stufenmodell, das der Landessportbund NRW in seiner Leistungssportkonzeption verwendet, ist Ausdruck dieser Orientierung am langfristigen Leistungsaufbau.
Viele Vereine sind froh, überhaupt eine ausreichende Anzahl von Übungsleitern zu finden, die verlässlich zur Verfügung stehen. Das geht dann häufig zulasten der eigentlich wünschenswerten und notwendigen Qualifikation der Mitarbeiter, weil für eine ausreichende Ausbildung und Weiterqualifizierung über das anerkennenswerte Engagement in den Trainingsstunden hinaus zu wenig Zeit und Interesse vorhanden ist. In mehr oder weniger allen Sportarten sind deshalb gerade in den Etappen der motorischen Grundausbildung und im Grundlagentraining im Sinne des langfristigen Leistungsaufbaus (siehe oben) frühzeitig qualitative Defizite in der Trainingsdurchführung erkennbar.
Wenn, daran anschließend, talentierte und interessierte Sportler von den verschiedenen Ebenen der Sportfachverbände erstmals für eine Kaderzugehörigkeit ausgewählt werden, sind zwangsläufig zu viele Ausbildungsdefizite feststellbar, die vor allem den allgemeinen konditionellen und koordinativen Bereich betreffen. Auch diese Erfahrungswerte gibt es in allen Sportarten; sie behindern vielfach die weitere systematische Leistungsentwicklung der jungen Sportler.
Die schon von vielen Vereinstrainern und -mitarbeitern subjektiv wahrgenommenen und geäußerten Rückgänge der motorischen Leistungsfähigkeit Heranwachsender im Laufe der letzten Jahrzehnte finden ihre Entsprechung in der wissenschaftlichen Literatur, so etwa gut zusammengefasst von Bös 2003 im Werk Erster Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht, oder festzumachen an der frappierend frühzeitigen Stagnation vieler Leistungsdaten im Deutschen Motorik-Test DMT 6-18 (auch verwendet als Motorischer Test für Nordrhein-Westfalen). Daten aus dem NRW-Basis-Check verdeutlichen das ebenso. Aktuell zusammengefasst und Konsequenzen für das Training abgeleitet, hat das zuletzt Hoffmann bei ihrem Hauptreferat des Nachwuchsleistungssport-Symposiums im Mai 2013 in Leipzig (S. 19): „Heutzutage haben mehr Heranwachsende körperliche Leistungsdefizite und leiden unter Bewegungsmangel. Die motorische Leistungsfähigkeit ist insgesamt geringer als in früheren Generationen. Wenn Kinder und Jugendliche in den Verein kommen, müssen dementsprechend erst grundlegende Bewegungsformen geschult werden, bevor an einen systematischen Trainingsprozess zu denken ist.“
Auf die auch daraus resultierenden negativen Auswirkungen auf gesundheitliche Faktoren und/oder Defizite in der Belastbarkeit spätestens im leistungsorientierten Nachwuchstraining hat auf Basis ihrer sehr langen Erfahrungen in der sportmedizinischen Begleitung Fröhner schon frühzeitig hingewiesen (1993) und zuletzt erheblich überarbeitet und aktualisiert (Fröhner & Wagner, 2012).
Die Sportfachverbände haben mit den beschriebenen Defiziten zu kämpfen, ohne derzeit dafür Lösungsangebote zu haben. Die aktuellen Lizenz- und Ausbildungssysteme für Trainer in den Fachsportarten berücksichtigen kaum den aus der obigen Problemlage abzuleitenden Qualifizierungsbedarf in den sportartenübergreifenden, aber grundlegenden Inhaltsbereichen. Dies scheint auch zeitnah im erforderlichen Umfang nicht änderbar zu sein, auch und gerade nicht für die Mitarbeiter in der motorischen Grundausbildung und im Grundlagentraining.
Dazu fehlt es nicht nur umfangmäßig am entsprechenden Lehrgangsangebot, sondern insbesondere auch an passenden inhaltlichen Vorgaben und Konzepten. Auch die Sportwissenschaft bietet keine praxisnahen Hilfestellungen für ein allgemeine konditionelles und koordinatives Grundlagentraining an. Zwar ist teilweise (siehe z.B. die BISp-Expertisen zum Krafttraining) der theoretische Wissenschaftsstand relativ aktuell zusammengefasst, aber es mangelt auch dort an ausreichenden praktischen Hinweisen.
Um diesem Handlungsdruck zu begegnen, entwickeln wir mit dem jetzt vorgelegten Konzept ein Fortbildungsmodul für Trainer im Talenttraining (Grundlagentraining), das auch Bestandteil der entsprechenden Trainerausbildungsgänge werden sollte. Die folgenden Ausführungen bieten dafür die theoretischen und fachlichen Grundlagen.
Die vorliegende Trainingskonzeption beinhaltet Rahmenvorgaben. Sie enthält Aussagen zur Zielstellung und gibt eine Übungsstruktur (Hierarchie, Lernstufen, Bewegungsqualität) vor, aus der die Anwendungsstruktur (Trainingsplanung mit Beispielen, Verständnis als Lerntraining, Ergänzung zum sportartspezifischen Training) abgeleitet ist.
Zudem werden Materialien vorgestellt bzw. sind in Planung:
Handreichungen und beispielhafte Übungssammlungen Trainer;
Lehrmaterialien für Multiplikatoren.
Bestandteil der Konzeption ist darüber hinaus die Schulung der Mitarbeiter z.B. in den Talentfördereinrichtungen und den NRW-Sportschulen. Der sportliche Bereich enthält ausgewählte Inhalte mit Begründungen für deren Auswahl. Zudem werden Hilfen für die Umsetzung angeboten.
Training, insbesondere im konditionellen Bereich, wird in der Praxis meist durch die vorgenommenen Trainingsbelastungen bspw. in Form von Belastungskennziffern, wie Umfänge, Wiederholungen usw., gekennzeichnet, was besonders für die fortgeschrittenen Ausbildungsetappen von Bedeutung ist.
Für den Einstieg in den langfristigen Trainingsaufbau, das Grundlagentraining, sind das keine hilfreichen Orientierungen. Gerade diese Etappe hat die Voraussetzungen für Späteres zu schaffen, nicht, dieses bereits vorwegzunehmen. Hoffmann (s.o., 2013) formuliert das so (S. 21): „In der Talententwicklung besteht die wichtigste Zielstellung darin, die sportliche Leistung im Spitzenbereich auszubilden und zu entwickeln.“ Das bedeutet für „spätere“ Trainingsübungen – auch die aus dem konditionell orientierten Training, diese zunächst zu erlernen und sich so auf die damit verbundene Belastung vorzubereiten. Nur so kann sichergestellt werden, dass der langfristige Leistungsaufbau einerseits mit adäquaten Trainingsübungen erfolgen und andererseits die damit verbundenen Belastungen ausgehalten werden können.
Unter Bezug auf oben bereits zitierte Aussage zum nachlassenden alltäglichen motorischen Leistungsstand der Heranwachsenden stellt Hoffmann (2013) dies wie folgt heraus: „Umso wichtiger ist eine vielseitige motorische und sportliche Grundausbildung bis zum Ende des Grundlagentrainings. … hat zudem den Vorteil, dass Übertragungseffekte genutzt werden und sportartgerichtete Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten und die Belastbarkeit komplex entwickelt werden. Die Wirkung der spezifischen Trainingsinhalte kann dann in späteren Trainingsetappen ausgeschöpft werden“ (S. 22). Und später: „Durch den biologischen Reifeprozess ist das Stütz- und Bewegungssystem störanfällig und passt sich nur langsam an. Belastungssteigerungen müssen deshalb systematisch vorbereitet werden. … Die Anpassungsvorgänge können unterstützt werden, indem Belastung und Erholung sowie die inhaltliche Ausrichtung des Trainings gezielt variiert werden. … Die Heranwachsenden müssen frühzeitig Trainingsübungen technisch beherrschen, um Fehlbelastungen und Verletzungen zu vermeiden. Um Überbelastungen vorzubeugen, sind hohe Gelenkbelastungen gezielt durch technische Schulung und muskuläre Stabilisierung der beanspruchten Gelenke und der Wirbelsäule vorzubereiten“ (S. 24).
Anders ausgedrückt: Der Einstieg in ein langfristiges, leistungsorientiertes Training erfolgt durch einen entwicklungsgemäß gestalteten motorischen Lernprozess. Das Lerntraining bildet das Zentrum der Ausbildung im Kontext des langfristigen Leistungsaufbaus. – Nicht umsonst wird das Nachwuchstraining, insbesondere das Grundlagentraining, in vielen Rahmenkonzeptionen genauso bezeichnet: als Lerntraining.
Daraus folgt für dieses Rahmenkonzept: Ein vielfältiges und dennoch zielgerichtetes motorisches Lernen ist die methodische Grundorientierung.
Zum einen wird in dieser Vermittlungsstufe Wert auf ausreichende Bewegungsqualität in allen Trainingsübungen (auch Teilübungen) gelegt.
Zum Zweiten wird in danach folgenden Ausbildungsstufen, die auf den vorausgehenden Ausbildungsergebnissen aufbauen, durch systematisch anspruchsvoller werdende Trainingsübungen die nötige Progression der Trainingsbelastungen (auch im konditionell-energetischen Sinne) erreicht.
Dies zeigt sich sowohl im Aufbau der Übungssystematik an sich wie auch im spiralförmigen Stufenaufbau, beginnend mit der allgemeinen sportmotorischen Grundausbildung, hin zum allgemeinen konditionellen und koordinativen Grundlagentraining (vgl. dazu bspw. Zawieja & Oltmanns, 2011).
Die koordinative geht der konditionellen Ausbildung voraus. Im Vordergrund stehen Lernen, Vielseitigkeit und Variation. In der Summe (sprich: Gesamtumfang) ergibt sich daraus eine für diese Trainingsetappe ausreichende konditionell-energetische Beanspruchung und Entwicklung. Verfestigte Belastungsmethoden aus dem Konditionstraining älterer Jugendlicher und Erwachsener sind späteren Trainingsetappen vorbehalten.
Alle (auch spätere) Trainingsübungen sind zunächst in ausreichender Qualität zu erlernen, auch im Sinne eines motorischen Grundschatzes. Dem Erlernen der Grob- und ersten Feinform der Übung folgt zunächst eine Zunahme des Volumens (nicht der Belastungsintensität), mit dem an zusätzliche Belastung herangeführt wird. Eine Intensitäts-„Steigerung“ (bspw. im Sinne von Kraft) erfolgt vorrangig durch diese „Belastungs“-Entwicklung innerhalb einer Übungsfolge sowie ein systematisches Nacheinander immer anspruchsvollerer Übungen.
Die Reihenfolge beim Erarbeiten vor allem kraftorientierter Übungen ist nach Zawieja und Oltmanns (2011)
Mobilisieren und Stabilisieren (in der gesamten Bewegungsamplitude),
Grobformung,
Feinformung,
Erarbeiten ausreichend hoher Bewegungswiederholungen bei weiterhin guter Bewegungsqualität.
Erst danach darf eine (je nach Alter) moderate Erhöhung der Belastungsintensität (d.h. z.B. der Widerstand, gegen den die Übung ausgeführt wird, oder die Bewegungsgeschwindigkeit) erfolgen.
Im Gesamtsystem des Grundlagentrainings steht also die Belastungsentwicklung durch zunehmend anspruchsvollere Bewegungen und Übungen im Vordergrund. Unsere Übungssammlung ist deshalb entsprechend strukturiert aufgebaut: von „leicht“ über „mittel“ zu „anspruchsvoll“. Die einzelnen Inhaltsbereiche (z.B. Laufen, Springen, Werfen, Klettern, Ziehen/Schieben usw.) werden parallel entwickelt. Sie tauchen im Verlauf des Grundlagentrainings immer wieder auf – auf immer höheren Niveaustufen. Insofern entspricht unser Ansatz dem des Spiralcurriculums.
Zum einen werden alle notwendigen (hier: athletischen) Trainingsübungen und motorischen Grundfertigkeiten erlernt. D. h., es erfolgt die Entwicklung und der Aufbau entsprechender neuromuskulärer Verknüpfungen, sodass diese (auch in späteren Trainingsetappen) gesund und leistungsentwickelnd angewendet werden können. Zum Zweiten wird dadurch gleichzeitig systematisch die Belastungsverträglichkeit systematisch herausgebildet, indem qualitativ gute Bewegungsabläufe zur Anwendung kommen und die Belastungsprogression vorrangig über anspruchsvoller werdende Übungen und einen steigenden Belastungsumfang gesichert werden.
Hier wird auch der altbekannte Entwicklungsgrundsatz „Umfangs- vor Intensitätssteigerung“ umgesetzt, der auch weiterhin entscheidende Bedeutung in der Talententwicklung hat. Dazu noch einmal ein Zitat von Hoffmann (2013, S. 22): „Trainingsmethodische Diskussionen in jüngerer Vergangenheit – wie beispielsweise um hochintensives Training – erwecken teils den Anschein, dass man sich durch eine höhere Belastungsintensität Trainingszeit ‚sparen‘ könnte. Dies ist langfristig nicht möglich. Qualität und Quantität können nur als Einheit betrachtet werden, da die Entwicklung der Leistungsvoraussetzungen und die Sicherung der Belastbarkeit nur mit entsprechenden Trainingsumfängen zu erreichen sind.“
Als Trainingsziele werden entsprechend dem allgemeinen Trainingsansatz sowohl koordinativ-informationsverarbeitende (Bewegungslernen und Bewegungserfahrungen) als auch konditionell-energetische (Grundlagenausdauer und Muskelkraft) Anteile berücksichtigt, die aber in der Regel in mehr oder minder deutlich komplexen Anforderungsstrukturen trainiert werden.
Das Krafttraining mit Kindern ist, entgegen vieler; immer noch kritischer Stimmen, ein wichtiger Baustein in der motorischen Entwicklungsförderung. Krafttraining mit Kindern darf allerdings weder inhaltlich noch methodisch mit dem von Erwachsenen und erfahrenen Leistungssportlern verwechselt werden. Es geht vielmehr um ein entwicklungsgerechtes Krafttraining im Sinne von Trainieren gegen äußere Widerstände. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Grundlagen sind mittlerweile auch in der deutschen Literatur angekommen.
Eine gute Zusammenfassung des wissenschaftlichen Standes findet sich in Wissenschaftliche Standortbestimmung zum Krafttraining im Nachwuchsleistungssport, einem gemeinsamen Statement von BISp, dvs, DGSP, GOTS und GPS (Download unter http://sportwissenschaft.de/fileadmin/pdf/download/Krafttraining_Standortbestimmung_2010.pdf). Den Prinzipien der Altersgemäßheit, Individualisierung und Zielgerichtetheit kommt bei der inhaltlichen Gestaltung und Steuerung des Krafttrainings eine hohe Bedeutung zu. Trainingsadaptationen finden bei Kindern zunächst eher und mehr auf koordinativer denn auf morphologischer Ebene statt. Zu beachten sind aber auch die langfristigen, sehr lang dauernden Anpassungen des passiven Bewegungsapparats. Alle diese Adaptationen stellen allerdings eine wesentliche Grundlage für später folgende Anpassungen, die Entwicklung anderer motorischer Grundeigenschaften und der langfristigen Belastungsverträglichkeit dar. Trainingspraktische Umsetzungen, ähnlich dem jetzt vorliegenden Konzept zur athletischen Grundausbildung, finden sich u.a. im Konzept Kinder lernen Krafttraining (Zawieja & Oltmanns, 2011) und werden in den folgenden Praxiskapiteln in vielen Inhaltsbereichen, nicht nur den augenscheinlich kraftorientierten, umgesetzt.
Die elementare und die Bewegungsgeschwindigkeit stellen zentrale Trainingsziele dar, da die Grundlagen dafür sehr früh zu legen sind. Um sie herum und ihr auch zuarbeitend sind koordinativ-informationsverarbeitende Zielstellungen mit den Ausrichtungen Bewegungssteuerung und Sensorik sowie energetische, kraftorientierte Zielstellungen mit den Ausrichtungen Mobilisation/Stabilisation und (nachfolgend) Bewegungskraft angeordnet. Alle Elemente beeinflussen sich gegenseitig.
Die (Grundlagen-)Ausdauer wird in dem Modell nicht explizit thematisiert, aber „mitgedacht“. Durch ein entsprechend bewegungsintensives Training o.g. Inhalte, wie es alterstypisch auch sein sollte, kann die Grundlagenausdauer ausreichend mitgeschult werden. Voraussetzung ist, dass die durchgeführten Übungszeiten auch entsprechende Übungsumfänge und nur geringe Bewegungspausen umfassen. Nur bei erkennbaren Defiziten der allgemeinen Ausdauerleistungsfähigkeit ist ggf. eine gezielte Ergänzung notwendig. Dafür sollten entsprechende Tests regelmäßig durchgeführt und das Erfüllen von altersgemäßen Mindestwerten (im Sinne einer allgemeinen Grundlagenausdauer) überprüft werden (siehe Kap. 3.2.5 „Monitoring“).
In einer Rahmenkonzeption für die motorisch-athletische Grundausbildung ist zu berücksichtigen, dass die Talent-Trainingsgruppen in der Talentförderung des LSB NRW je nach Sportart unterschiedliche Altersbereiche abdecken und in einigen Sportarten – trotz des grundsätzlich allgemeinen Charakters der athletischen Ausbildung – besondere Anforderungen zu bedenken sind. Dieser differenzierende Anspruch soll letztendlich dadurch gelöst werden, dass sich ein Kernprogramm an die 12/13-Jährigen (5./6. Schuljahr) richtet (dieses wird in der ersten Projektphase vorrangig erstellt), das einen „Unterbau“ für 10/11-Jährige erhält.
Beide Programme erhalten eine vergleichbare Struktur, sind unmittelbar aufeinander bezogen und somit so nutzbar, dass sowohl Akzelerierte als auch Retardierte durch Rückgriff auf das „Nachbarprogramm“ angemessen berücksichtigt werden können. Ebenso wird ermöglicht, dass bei zeitweiligen koordinativen Problemen während der Phasen mit extremen Wachstumsschüben ein Rückgriff auf koordinative Anwendungen einfacherer Übungen systematisch möglich bleibt.
Exkurs: Zusätzlich zu dieser Hauptkonzeption kann es zu einem späteren Zeitpunkt ergänzende Programme für besondere Anforderungen geben, bspw. bei Bedarf Specials für Schwimmsportler (Übungen im Wasser), Gleiter und Roller (Gleichgewichtsanforderungen) oder für alle artistisch-kompositorischen Sportarten (jüngerer Altersbereich 8-9 Jahre sowie zusätzlicher Schwerpunkt Beweglichkeit).
Die koordinativen Trainingsinhalte (hier: Kernprogramme für 12/13-Jährige) werden wie folgt strukturiert:

Abb. 1: Struktur der Trainingsziele
Bereich | Schwerpunkte |
Mobilisations- und Stabilisationstraining |
|
Grundtätigkeiten „Turnen und Körperschule“ | Koordinative Grundausbildung und Erlernen motorischer. Grundtätigkeiten: Rollen, Drehen, Stützen, Hangeln, Klettern, Schwingen |
Grundtätigkeiten „Laufen/Springen/Werfen“ | Koordinative Grundausbildung und Erlernen motorischer Grundfertigkeiten: schnelles Laufen/elementare Schnelligkeit, Springen und Landen, Werfen |
Grundtätigkeiten „Lernübungen Krafttraining“ | Vorbereitung auf spätere Langhantelübungen |
Allgemeine Spielfähigkeiten | Spielfähigkeit auch für Nicht-Spielsportler herstellen, um Spiele trainingswirksam einsetzen zu können |
Tab. 1: Übersicht der Trainingsinhalte
In der praktischen Durchführung ist stets auf eine qualitativ einwandfreie (altersgemäße) Durchführung der Bewegungsabläufe zu achten. Deshalb werden in der Übungssammlung auch jeweils die geforderten Bewegungsmerkmale aufgeführt (im Sinne der athletisch-motorischen Grundausbildung, in Abgrenzung zu den spezifischen Anforderungen der diversen Zielsportarten).
Dabei werden besonders die durchgängigen, übergreifenden Bewegungsmerkmale beachtet:
stabile Achsen/Bewegungsebenen;
gleichermaßen mobile und stabile Gelenke (bzw. Rumpf) im gesamten Bewegungsablauf.
Die Übungsbeschreibungen im praktischen Teil der Konzeption werden soweit möglich in gleichbleibender Struktur Zielstellung (Was will ich erreichen?), Merkmale („Was muss ich tun?“) und Aufgabe („Was nehme ich mir vor?“) vorgenommen.
Entsprechend o.g. Grundaussagen werden die Inhalte nach Bewegungsfeldern aufgeschlüsselt, innerhalb derer, wie beschrieben, durch Lernwege mit zunehmend anspruchsvolleren Übungen auch eine energetische Belastungsprogression erfolgt. Auf dem Lernweg wird bei neuen Übungen immer zunächst die bewegungsbezogene Mobilisation und Stabilisation erarbeitet, bevor der angestrebte Bewegungsablauf erarbeitet und letztendlich in ein anwendungs- und belastungsorientiertes Stadium überführt werden kann (zu Letzterem gehören prinzipiell auch Anwendungen in Spielen).
