Stefan Luppold (Hrsg.)

INNOVATION UND CHANGE
MANAGEMENT-ANSÄTZE FÜR MESSEVERANSTALTER

Stefan Luppold (Hrsg.)

INNOVATION UND CHANGE

MANAGEMENT-ANSÄTZE FÜR MESSEVERANSTALTER

Vorwort des Herausgebers

In den vergangenen Jahren hat sich – erneut – gezeigt, wie wichtig die Messewirtschaft für unsere nationale Ökonomie ist. Da gibt es zwei Perspektiven:

Die des eigenen wirtschaftlichen Sektors mit Messeveranstaltern, Messegeländen, in der Funktion als Arbeitgeber, Steuerzahler, Investor, als Wirtschaftsförderer und Motor für Umwegrentabilität.

Und die des Schaufensters der Region, des Marktplatzes für innovative Unternehmen und Produkte, als Drehscheibe für Marktzugang und Markterweiterung.

Dazu tragen wir an den Hochschulen auch mit kleineren wissenschaftlichen Projekten, etwa im Rahmen von Seminar-, Bachelor- oder Masterarbeiten, bei.

Der Studiengang „Messe-, Kongress- und Eventmanagement“ an der DHBW (Duale Hochschule Baden-Württemberg) Ravensburg ist dabei Vorreiter. Dies liegt einerseits am Konzept, an der Konstruktion des Studiums:

Studenten entwickeln sich im Spannungsverhältnis von Theorie und Praxis, erkennen die Bedeutung von Modellen und Instrumenten wie auch deren Grenzen im beruflichen Alltag. Andererseits spielen uns unsere dualen Partner, darunter viele Messegesellschaften und Messeveranstalter, ihre relevanten Problemstellungen zu; wir wissen also recht umfänglich, was die Branche bewegt, wo es Erkenntnisbedarf gibt und welche Felder wir im Kontext unserer Lehre besonders betonen müssen.

Über die Begriffe „Innovation“ und „Change“ sprechen wir in verschiedenen Lehrveranstaltungen und Seminaren. Die Beschäftigung mit der Geschichte der deutschen Messewirtschaft zeigt bereits das auf, was sich über die Jahrhunderte an Wandel und Konstanz ergab, was an Neuem und Altbewährtem daraus entstanden ist.

Dieser Rückblick zeigt Studenten schon im ersten Semester, dass dies eine Branche ist, deren Erfolge sich jeweils auch dadurch ergeben, dass wir sie weiterentwickeln – in manchen Fällen durch die Märkte gesteuert, in vielen Fällen jedoch auch durch langfristig ausgerichtete Führung (strategisches Management) und die Bereitschaft, neue Ansätze und Instrumente anzuwenden.

Viele dieser Ansätze und Instrumente kommen nicht direkt aus der Messewirtschaft oder sind nicht explizit für sie entwickelt worden. Sie müssen adaptiert und dadurch interpretiert werden – eine intellektuelle Leistung, der sich Studenten in der Regel in ihren Abschluss-Arbeiten widmen. Recherche und Analogienbildung, aber auch das Gespür für die wirkliche Problemstellung und die die eigene Untersuchung leitenden Annahmen, ganz am Anfang solcher Projekte, sind es, die dann greifbare und gleichzeitig wertige Ergebnisse liefern.

Mit dem vorliegenden zweiten Band der „Studienreihe Messemanagement“ gelingt es, die hervorragenden Abschlussprojekte von fünf jungen Akademikern als aktuelle Ergebnis-Dokumentation all denen zur Verfügung zu stellen, die sich mit internen und externen Herausforderungen in der Messewirtschaft beschäftigen.

Ob nun das ganzheitliche Gerüst für eine Produktinnovation – die Entwicklung einer Machbarkeitsstudie für eine Messe-Idee, ob der Einsatz einer neuen und aus der Digitalwirtschaft stammenden Organisations-Methode oder der Onboarding-Prozess als personalpolitisches Instrument, ob die Nachhaltigkeit in allen Dimensionen implementiert oder die Herausforderung von digitalen und hybriden Messeformaten:

Alle fünf Beiträge inspirieren zum Nachdenken über Veränderung und Verbesserung, über die Reflexion des eigenen Handelns. Und zeigen, welches Potenzial die Generation, die in diesen Tagen die Hochschulen verlässt, uns und der Messewirtschaft bietet!

Besonders bedanken möchte ich mich bei den fünf Autoren, die aus recht umfänglichen Abschlussarbeiten vollwertige Kurzfassungen erstellt haben. Dieses Destillat gibt uns auch Hinweise auf weiterführende Literatur.

Mein Dank gilt ebenfalls dem FAMA Fachverband Messen und Ausstellungen. Durch den im Jahr 2013 zum ersten Mal ausgelobten „Messe-Impuls-Preis“ entstand die Idee, die exzellenten Einreichungen einem größeren Kreis zugänglich zu machen - was, in Form dieser Publikation, nun erneut umgesetzt werden konnte. Vorstand und Geschäftsführung zeigen sich damit, einmal mehr, als dem Branchen-Nachwuchs verpflichtet!

Und schließlich ein Dankeschön an den Verlag, der mit seinem Support die Autoren und mich als Herausgeber durchgängig unterstützt hat.

Prof. Stefan Luppold

IMKEM Institut für Messe-, Kongress- und Eventmanagement

Vorwort

Ob sich die Messewirtschaft, wie prinzipiell alle anderen Wirtschaftsbereiche, eher disruptiven oder lediglich rasant evolutionären Veränderungsszenarien gegenübersieht, kann vortrefflich diskutiert werden. Unstrittig ist, dass es keinen zukunftsorientierten Messeveranstalter gibt, der seine Geschäftsmodelle nicht auf den Prüfstand stellt. Auf Blaupausen kann in den sich vollziehenden Veränderungsprozessen aktuell niemand zurückgreifen.

Frische Ideen und unkonventionelle Denkweisen sind zurzeit besonders wertvoll. Spannende Impulse findet die Messebranche dazu in den Reihen des Berufsnachwuchses, der Young Professionals und insbesondere unter den Absolventen der Dualen Hochschule. Der FAMA e.V. sieht sich als Berufsverband in besonderer Weise gefordert, junge und ideenreiche Köpfe in Theorie und Praxis zu fördern und zu unterstützen. Auch der Beitrag des Messe-Impuls-Preis-Trägers Florenz Meier „Nachhaltige Messen - Entwicklung eines Umsetzungs- und Vermarktungsmodells“, der die Jury überzeugen konnte, ist in diesem Sammelband enthalten.

Gerade in den Bereichen der Strategie und des (New) Business Devolpments, des Projektmanagements, der Verzahnung zwischen Live- und Online-Kommunikation, des Recruitings und der Personalentwicklung wie auch der angemessenen Implementierung des Nachhaltigkeitsgedankens in Geschäftsmodelle stellen sich basale Fragen.

Die vorliegenden Artikel der Absolventen der DHBW Ravensburg leisten allesamt einen wertvollen Beitrag, um die wichtige Diskussion in den jeweiligen Feldern auf fundierten Pfaden zu führen. Mögen die Autorinnen und Autoren auch den Raum und die Möglichkeit erhalten, ihre Gedanken, Modelle und Innovationen in der Praxis zu erproben und weiterzuentwickeln.

Ganz im Sinne der Systemtheorie ist die Weiterentwicklung und das Überleben eines Systems (auch des Kommunikationssystem ‚Messe‘) daran gekoppelt, ob bei aller Selbstreferenzialität – und die ist in der deutschen Messebranche besonders ausgeprägt – hinreichend starke Impulse aus der Systemumwelt integriert werden können. Nur dann werden die notwendigen Anpassungen stattfinden. Diese Integrationsleistung wird auch durch junge Menschen geleistet, die noch in besonderem Maße in der Lage sind, unkonventionell, grenzübergreifend und ‚out of the box‘ zu denken.

Carola Schwennsen

Christoph Hinte

Fachverband Messen und Ausstellungen

Inhaltsübersicht

Kurzfassungen

Business Development

Die Bedeutung und Inhalte der Machbarkeitsstudie vor der Entscheidung über die Realisierung eines neuen Messekonzepts

Scrum in der Messewirtschaft

Ein Ansatz zur Implementierung der Scrum-Methode in die Messeorganisation

Die virtuelle Messe als Herausforderung

Eine kritische Gegenüberstellung mit klassischen Veranstaltungen

Onboarding bei Großveranstaltungen

Besonderheiten der Integration und Einarbeitung neuer Mitarbeiter

Nachhaltige Messen

Entwicklung eines Umsetzungs- und Vermarktungsmodells

Die Autoren

Kurzfassungen

Business Development

Die Bedeutung und Inhalte der Machbarkeitsstudie vor der Entscheidung über die Realisierung eines neuen Messekonzepts

Um den Fortbestand einer Messegesellschaft und deren Wachstum zu sichern, stehen Veranstalter vor der Herausforderung Markttrends zu erkennen und somit neue Messethemen zu entwickeln und bestehende Veranstaltungskonzepte an die Veränderungen im Markt anzupassen. Insbesondere bei der Entwicklung neuer Messethemen liefert die Marktanalyse wichtige Erkenntnisse: Die Betrachtung der wesentlichen Stakeholder und anderer Aspekte (z. B. die Wahl des geeigneten Standortes) im Rahmen einer Machbarkeitsstudie sind hilfreich, um eine Entscheidung darüber treffen zu können, ob ein Messekonzept rentabel und realisierbar ist. Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit dem methodischen Vorgehen für die Durchführung einer solchen Marktuntersuchung sowie eines beispielhaften Business Case, der die gewonnenen Ergebnisse quantifiziert.

Scrum in der Messewirtschaft

Ein Ansatz zur Implementierung der Scrum-Methode in die

Messeorganisation

Ursprünglich zur Fertigung komplexer Softwarelösungen entwickelt, ist Scrum heutzutage auch im Projektmanagement als agiles Tool nicht mehr wegzudenken. Ken Schwaber und Jeff Sutherland, die Erfinder der Scrum-Methode, sehen sie als Grundgerüst und fördern die branchenübergreifende Anwendung. Daher soll Scrum in diesem Beitrag in die Organisation von Messen eingebunden werden. Die sonst von Natur aus innovative Messeindustrie zeigt sich im Organisationsprozess bis heute nicht sehr erfinderisch. Grund genug, hier mit Scrum den GANTT-Charts und Checklisten Konkurrenz zu machen.

Die virtuelle Messe als Herausforderung

Eine kritische Gegenüberstellung mit klassischen Veranstaltungen

Ständige technologische Weiterentwicklungen verändern die Märkte und immer mehr kann bequem über das Internet erledigt werden. Gleichzeitig stehen Messen als sehr ressourcenintensives Marketinginstrument im Mittelpunkt, und auch hier gibt es mit der virtuellen Veranstaltung eine einfache Online-Alternative. Zweck dieser Arbeit ist es, das Potential virtueller Messen zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu untersuchen und anhand dessen die Zukunftsperspektiven der klassischen Messeveranstaltung zu beurteilen.

Onboarding bei Großveranstaltungen

Besonderheiten der Integration und Einarbeitung neuer Mitarbeiter

Die ersten Tage und Wochen in einem neuem Arbeitsverhältnis entscheiden maßgeblich über die Fortführung der weiteren Zusammenarbeit sowie den letztlichen Projekterfolg: Gerade in der Veranstaltungsbranche besteht eine hohe Abhängigkeit der Produktqualität von den Mitarbeitern. Den Grundstein hierfür legt das Onboarding. Es bezeichnet die strategische Gestaltung der Anfangsphase einer neuen Beschäftigung und umfasst die gezielte Einarbeitung und Integration neuer Mitarbeiter.

Das Onboarding bei Großveranstaltungen unterscheidet sich - bedingt durch einen temporären Beschäftigungsanfall verbunden mit spezifischen Organisationsstrukturen - wesentlich von einem klassischen Business Umfeld.

Im Rahmen des Beitrags werden die Gestaltungsprobleme dieses Sonderfalls der Einarbeitung herausgearbeitet sowie ein strategischer Lösungsansatz entwickelt.

Nachhaltige Messen

Entwicklung eines Umsetzungs- und Vermarktungsmodells

Nachhaltigkeit hat sich zunehmend zu einem wichtigen Thema in der MICE-Branche entwickelt. Nach Aussage von Joachim König, dem Präsidenten des Europäischen Verbands der Veranstaltungs-Centren e. V. hat die MICE-Branche mit jährlich mehr als drei Millionen Veranstaltungen und über 370 Millionen Teilnehmern in Deutschland einen großen Einfluss auf die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen.“

Dieses Kapitel fokussiert sich auf mögliche Nachhaltigkeitsmaßnahmen in der Messewirtschaft. Doch wie können Messeveranstalter analysieren, ob sich ihre bestehenden oder zukünftigen Messeprojekte für die Umsetzung und Vermarktung als nachhaltige Messen eignen? Und welcher Mehrwert könnte hieraus entstehen? Eine geeignete Methode bietet das in diesem Kapitel entwickelte Modell zur Umsetzung und Vermarktung von nachhaltigen Messen.