Über Jörg Armbruster

Jörg Armbruster, Autor und Fernsehjournalist, war viele Jahre Auslandskorrespondent der ARD für den Nahen und Mittleren Osten sowie Moderator des ARD-Weltspiegels. In zahlreichen Dokumentarfilmen sowie in seinen Büchern Der arabische Frühling (2011) und Brennpunkt Nahost. Die Zerstörung Syriens und das Versagen des Westens (2013) hat er sich mit den Konflikten und Wandlungsprozessen in der arabischen Welt auseinandergesetzt. Unter anderem erhielt er den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis und 2015 den Bayerischen Fernsehpreis für sein Lebenswerk.

Doch das wirklich Böse ist das, was bei uns sprachloses Entsetzen verursacht, wenn wir nichts anderes mehr sagen können als: Dies hätte nie geschehen dürfen.

 

Hannah Arendt, Über das Böse

Auschwitz bleibt uns anvertraut. Es gehört uns, so, wie uns die übrige eigene Geschichte gehört. Mit ihr in Frieden zu leben, ist eine Illusion; denn die Herausforderungen und die Heimsuchungen nehmen kein Ende.

 

Siegfried Lenz, Rede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, 9. Oktober 1988

1 Ankunft im Gelobten Land

Kampfflugzeuge stürzen sich aus dem Himmel über Jaffa und feuern aus ihren Bordkanonen. Ihr Ziel: ein Passagierschiff, das gerade dabei ist, den Hafen anzulaufen, den schützenden, wie die Menschen an Bord – es sind viele hundert – gehofft hatten. Doch welch ein Irrtum! Immer wieder kehren die Flugzeuge zurück, schießen und werfen Bomben ab. Fontänen steigen auf, wenn sie im Hafenbecken neben dem Schiff explodieren. Wie durch ein Wunder wird niemand verletzt. Ägyptische Kampfflugzeuge sind es, die sich wie wütende Hornissen auf diesen Dampfer stürzen, aus Frankreich kommt er und ist voll besetzt mit Überlebenden deutscher Konzentrationslager. Es ist der 15. Mai 1948, sechs Uhr morgens, der zweite Tag des neuen Staates Israel ist angebrochen. Unter den Passagieren – Judith Rosenzweig, die Theresienstadt, Auschwitz und Bergen-Belsen überstanden hat, dazwischen einen Todesmarsch. Gerade mal fünfzehn Jahre alt ist sie in diesem Frühjahr und hat bis dahin schon mehr mitgemacht als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben. Erst Jahrzehnte später lerne ich sie bei einem ihrer Besuche in Deutschland kennen, wo sie vor Schülern über ihre Zeit in Konzentrationslagern berichtet.

»So bin ich in Israel empfangen worden«, sagt sie, es klingt wie eine Beschwerde, und sie erzählt es, noch ehe ich fragen kann. »Es war wieder einmal Krieg. Auf mich wurde geschossen. Ich wusste nicht, ob ich das überleben werde. Aber ich hatte ja alles andere auch überlebt. Warum nicht auch das?« In ihrer Stimme schwingt Ärger mit, als wollte sie mir sagen: Die Welt hasst uns Juden, nirgends sind wir sicher, noch nicht einmal in unserem eigenen Land.

Nur wenige Minuten dauert der Luftangriff, dann drehen die Kampfflugzeuge ab in Richtung Süden. Wegen des zu niedrigen Wasserstands im Hafen kann der Passagierdampfer nicht an einer Mole anlegen. Mit einem Boot müssen die Passagiere an Land gebracht werden. Dort warten israelische Soldaten, die am Tag zuvor die Stadt besetzt haben.

Jaffa damals – eine arabische Stadt mit Fischern, Bauern und Handwerkern, der Hafen der älteste und einer der wichtigsten überhaupt auf dieser Seite des Mittelmeers. Berühmt war es schon viel früher für seine Orangenplantagen. Ob die palästinensischen Bewohner damals den ägyptischen Luftangriffen zugejubelt haben, ist nicht überliefert, aber nicht ausgeschlossen. Jedenfalls beobachten sie schon seit Jahren voller Sorge die Ankunft von immer mehr Einwanderern aus Europa: Was wollen diese Fremden hier? Was wird aus uns? Wollen die unser Land, unsere Arbeit?

Weit über die Hälfte der gut hunderttausend Einwohner Jaffas waren damals Araber, muslimische mehrheitlich, aber auch griechisch-orthodoxe Christen. Die meisten hatten allerdings schon in den ersten Monaten des Jahres 1948 ihre von zionistischen Milizen immer wieder angegriffene Stadt verlassen. Dem Ende 1947 beschlossenen Teilungsplan der UN nach sollte diese wichtige Hafenmetropole ursprünglich dem arabischen Sektor zugeschlagen werden. Doch israelische Armeeeinheiten besetzten Jaffa gleich am Tag der Unabhängigkeit. Am Ende der Kämpfe wohnten von den einst siebzigtausend Arabern gerade noch viertausend in der Stadt. Die meisten anderen waren nach Gaza geflohen oder dorthin vertrieben worden.

In Jaffa begann Judith Rosenzweigs neues Leben. »Aber der Krieg war für uns nicht zu Ende«, sie meint den Zweiten Weltkrieg und ihre Leidenszeit in Konzentrationslagern, »eigentlich ist er nie zu Ende gegangen. Ich hatte meine Eltern verloren, meinen Vater hatte ich zum letzten Mal gesehen, als er aus dem Viehwaggon in Auschwitz kletterte. Meine Mutter hat überlebt, ist aber eine Woche nach der Befreiung in einem Krankenhaus gestorben. Das schmerzt bis heute.« Tag und Nacht verfolgen sie die Erinnerungen. »Jeder kaut daran bis heute«, sagt die im tschechischen Brünn Geborene in ihrem kantigen Dialekt und fügt gleich hinzu: »Aber Hitler hat nicht gewonnen, er hat nicht erreicht, was er wollte. Es gibt uns ja noch.«

Weiter nördlich wird sie sich niederlassen, in Haifa, und als Säuglingsschwester arbeiten. »Ich wollte zum Leben verhelfen.« Sie wird heiraten, eine Familie gründen und in hohem Alter in einem Heim wohnen. Eines hat sie ihr Leben lang begleitet wie wohl alle Holocaust-Überlebenden: die Erinnerungen an Theresienstadt, Auschwitz und Bergen-Belsen. Diese Schreckensorte haben sie nie losgelassen. Nachts als quälende Albträume, tagsüber als böse Erinnerungsfetzen. Doch geredet hat sie lange nicht über diese Zeit.

Dann der Schock Anfang der neunziger Jahre. »Damals hörte ich von einem Gerücht, das behauptete, die Konzentrationslager habe es nie gegeben, da habe ich mich entschlossen zu berichten.« So beschließt sie, ihr Schweigen zu brechen und als Zeitzeugin in Deutschland den Holocaust-Leugnern entgegenzutreten. Auch dies ist eine Besonderheit der Überlebenden. Erst im Alter sind die meisten bereit, von dem in Konzentrationslagern Erlebten zu erzählen.

Judith lebt heute in einem besonderen Altenheim in Haifa. Es ist speziell für verarmte Holocaust-Überlebende eingerichtet, die sich eine teure Unterbringung und Betreuung nicht leisten können. Andere, die hier wohnen, hoffen, durch das Leben in der Gemeinschaft der Überlebenden Altersdepressionen und Vereinsamung entkommen zu können. Aktive Betreuung, Einzelzimmer für jeden, gemeinsame Speiseräume, Freizeitaktivitäten und, wenn nötig, psychologische Betreuung gehören zum Angebot. Durch einen Zeitungsbericht über das »Warm Home« und seine Bewohner war ich auf das Thema dieses Buches aufmerksam geworden: Wie sind sie empfangen worden in ihrem Gelobten Land? Waren sie tatsächlich willkommen?

Judith war die Erste, die ich traf, nicht in Haifa, sondern ganz in der Nähe von Stuttgart. Schulklassen hatten sie eingeladen, damit sie über ihr Leben in Konzentrationslagern berichtet. »Warum willst du meine Geschichte wissen?«, fragte sie mich bei unserer Begegnung. Es klang fast etwas unwirsch, als wollte ich mich unerlaubt in ihre privaten Angelegenheiten einmischen. »Weil ich es für wichtig halte, solche Erlebnisse festzuhalten für die Nachwelt, für die, die heute so jung sind, dass sie zur Nazizeit keinen inneren Bezug mehr haben«, antwortete ich ihr und habe so ein bisschen – zumindest bilde ich es mir ein – ihr Misstrauen gegenüber dem deutschen Journalisten abgebaut.

In dem Heim für Holocaust-Überlebende in Haifa, in dem Judith vor ein paar Jahren eine neue, wahrscheinlich ihre letzte Heimat gefunden hat, wohnen noch um die hundert andere Männer und Frauen, die es geschafft haben, Konzentrationslager zu überleben. Zwischen Ende achtzig und Mitte neunzig sind sie, haben also nicht mehr viel Zeit, ihre Geschichten zu erzählen, Geschichten von Angst, von Hunger, von Demütigung und Terror, von Leid und Tod, aber auch von Freundschaft in jener dunklen Zeit. Nach Ende des KZ-Terrors hatten die meisten Überlebenden in dem gerade erst im Aufbau befindlichen jüdischen Staat ihre neue Heimat gesucht. Wenigstens ein paar von ihnen zu treffen, ihre Geschichten für dieses Buch aufzuschreiben, hatte ich mir vorgenommen. Den Alten von Haifa habe ich ein eigenes Kapitel gewidmet.

Rund hundertneunzigtausend Opfer der Nazibarbarei wie Judith Rosenzweig leben heute noch in Israel, und – es ist ein Skandal – fast jeder Vierte von ihnen fristet sein Dasein unterhalb oder am Rande der Armutsgrenze. Das hat die Wohlfahrtsstiftung für Holocaust-Überlebende in Tel Aviv 2015 errechnet. Immer mehr können sich laut dieser Umfrage aus Geldnot keine regelmäßigen Mahlzeiten leisten oder müssen bei Medikamenten sparen. Rund zwölftausend Überlebende heizen im Winter ihre Wohnungen nicht, weil sie kein Geld für Brennmaterial haben, obwohl Winter in diesem Land mit dem angeblich ewigen Sonnenschein bitterkalt sein können. Die meisten der Verarmten sind Frauen. Ihr Altersdurchschnitt, so hat die Stiftung errechnet, liegt bei etwas über dreiundachtzig Jahren. Jeden Tag, auch das eine Zahl der Stiftung aus dem Jahr 2015, sterben ungefähr vierzig Überlebende. Es lässt sich also ausrechnen, wann der letzte Zeitzeuge mit all seinem Erlebten beerdigt ist und damit die Konzentrationslager, die Novemberpogrome 1938, der Terror gegen die Juden zu immer ferneren historischen Ereignissen werden.

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren rund sechzigtausend Deutsche jüdischen Glaubens in das britische Mandatsgebiet Palästina geflohen. Darunter erfolgreiche Ärzte aus Berlin, Rechtsanwälte aus Hamburg, Professoren aus München, Akademiker also, die alles andere waren als kühne Pioniere auf der Suche nach einem Neuanfang, die auch selten aus Begeisterung für den erwachenden Zionismus ihre Heimat verlassen hatten, sondern aus nackter Überlebensnot. Kein Wunder, dass viele dieser Flüchtlinge es besonders schwer hatten, Fuß zu fassen in der neuen Heimat im Orient. Die Hitze, knapper Wohnraum, Berufe, die sie nicht ausüben durften oder die nicht gebraucht wurden, die neue Sprache, all das machte ihnen das Leben schwer. Unter diesen Flüchtlingen waren auch viele Jugendliche, die sich ohne ihre Eltern nach Palästina hatten durchschlagen müssen. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge würde man sie heute nennen.

Herbert Bettelheim aus Wien war so einer. Kennengelernt hatte ich ihn in einem anderen Altenheim, vermittelt von Micha Limor, einem ehemaligen TV-Journalisten, der mich bei der Arbeit an diesem Buch beraten und Kontakte hergestellt hat. Doppeltes Glück im Unglück hatte Bettelheim nach seiner Flucht aus Nazi-Österreich. Sein Bruder erwartete ihn, als er in Haifa ankam; als begeisterter Zionist war er schon etliche Jahre früher ausgewandert. Sein zweites Glück treibt dem Fünfundneunzigjährigen heute noch Tränen in die Augen, wenn er davon erzählt: Seine Eltern schafften es noch 1940, nach Palästina auszureisen, als der Krieg also schon tobte und kaum einer im Gelobten Land noch mit Angehörigen rechnen konnte. Sie reisten illegal ein, konnten aber dennoch bleiben. Ihre Verwandten und Freunde jedoch, denen das nicht mehr gelungen war, kamen alle ums Leben.

Ein ähnliches Schicksal erlebte Tirza Hodes. Auch sie hatte sich als junges Mädchen allein auf den Weg gemacht. Aufgewachsen als Edith Rothbein in Düsseldorf, gelang der damals Siebzehnjährigen eine Rettung in letzter Minute mit Hilfe eines von zionistischen Organisationen arrangierten Auswanderungstransports aus Nazi-Deutschland nach Palästina. Am 23. August 1939 ging sie, zusammen mit achtzig anderen jüdischen Jugendlichen und ungefähr vierhundert Erwachsenen, in Triest an Bord der Galiläa, einem unter italienischer Flagge fahrenden Passagierschiff. Die Briten, unter deren Mandat Palästina damals stand, erlaubten dem Schiff zunächst nicht, in einem der beiden Häfen des Landes, Haifa oder Jaffa, anzulegen.

Nach einer Irrfahrt von fast vier Wochen im Mittelmeer machte das Schiff dann am 17. September 1939 endlich in Jaffa fest. Doch willkommen waren sie hier nicht. Die Briten wollten sie nicht an Land lassen. Erst nach zähen Verhandlungen zwischen der Mandatsmacht und der zuständigen Völkerbundorganisation Jewish Agency konnten die Flüchtlinge die Galiäa am 19. September 1939 verlassen. »Niemand war glücklich gewesen auf der langen Fahrt ins Unbekannte. Es war eine stumme Reise, weil jeder das Gefühl hatte, ich rette mich und lass die anderen zurück«, erzählt Tirza Hodes. Bei ihr waren es die Mutter und der kleine Bruder. Beide hatten es nicht mehr rechtzeitig nach Triest geschafft. Auch Flüchtlingsschiffe warten nicht. Ihren Vater hatte sie seit der Pogromnacht am 9. November 1938 nicht mehr gesehen: »Die SA hatte die Wohnung aufgebrochen, war eingedrungen und hatte alle Bücher auf die Straße geschmissen. Goethe, Schiller, Heine. Dann alle Bücher dort verbrannt und meinen Vater erst verprügelt, dann verschleppt.« Nur sie und ihr älterer Bruder konnten dem Holocaust entkommen, ihre in Deutschland gebliebene Familie, so erfuhr sie nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde in Auschwitz und Theresienstadt ermordet.

Im Hafen dann Zionismus pur. Kibbuzniks hatten die Ankommenden schon erwartet, um sie sofort auf die neuen Siedlungen zu verteilen. Jeder Mann, jede Frau wurde für den Aufbau des Landes gebraucht. Edith Rothbein sollte auf einer Schule Landwirtschaft lernen. Säen, Ernten, Viehzucht, Bewässerung, außerdem Hebräisch. Das war das neue Lehrprogramm für die Großstadtpflanze aus Düsseldorf. Morgens studieren, nachmittags auf den Feldern arbeiten. So ging es zwei Jahre lang, dann zog sie endgültig in die Zeltstadt des Kibbuz Chazo um. Feste Häuser hatte die Genossenschaft damals noch nicht: »Es war eine sehr harte Zeit. Ich kam ja aus einer Großstadt. Dennoch war ich froh. Ich musste keinen gelben Stern tragen. Ich hatte zum ersten Mal seit langem wieder normalen Umgang mit Menschen.« Und sie hatte keine Angst mehr, auf der Straße als »dreckige Jüdin« beschimpft zu werden. Damals wurde aus Edith Tirza. Sie legte sich diesen hebräischen Namen zu als endgültigen Abschied von ihrer deutschen Vergangenheit. »Tirza« bedeutet so viel wie »Anmut« oder »Lieblichkeit« und geht zurück auf den Namen einer besonders mutigen Frau aus dem Alten Testament.

Fest stand damals für sie: nie wieder Deutschland. »Ich hatte Angst, es könnte mir jemand ›Du Judensau‹ hinterherrufen wie schon so oft nach 1933. Ich war misstrauisch.«

Erst in den siebziger Jahren ließ sie sich vom israelischen Außenministerium überreden, als Zeitzeugin in die Bundesrepublik zu reisen. Heute kommt sie regelmäßig. »Ich habe aber immer den Kontakt mit Gleichaltrigen vermieden; ich wusste ja nicht, was die gemacht haben.« Erhalten hat sich ihre Angst vor Deutschen in Uniform. Selbst heute noch bekommt sie Herzklopfen, wenn sie die Zollkontrolle auf einem deutschen Flughafen passiert. »Ich weiß, dass sie anders sind, aber das Gefühl ist geblieben.« Geld aus einem der Wiedergutmachungstöpfe hat sie nie angenommen. »Ich wäre mir schäbig vorgekommen.«

Die Jugend sei besser geworden, so ihre Erfahrung. Aber selbst von den Jugendlichen, zu denen sie auch heute als Vierundneunzigjährige noch über ihr Leben spricht, hört sie gelegentlich Dummheiten mit antisemitischer Grundierung. »Ein Schüler fragte mich einmal nach meinem Vortrag, ob ich wirklich Jüdin sei. Ich sähe gar nicht so aus.« Dass solche Äußerungen sie verletzen, sollte niemanden wundern, hatte sie doch als junges Mädchen die Hetze der Nazizeitung Der Stürmer mit den antisemitischen Karikaturen am eigenen Leib erlebt.

Wie so viele »Jeckes« hat sie weder mit ihrem aus Polen stammenden Mann noch mit ihren Kindern über ihr Leben unter dem NS-Terror gesprochen: »Ich wollte sie nicht belasten.« Die Gemeinschaftserfahrung im Kibbuz hat entscheidend dazu beigetragen, dass für Tirza Hodes Israel tatsächlich das Gelobte Land geworden ist.

Andere Einwanderer aus Nazi-Deutschland haben sich wesentlich schwerer getan mit dem neuen Land, das es sich auch nicht gerade leicht gemacht hat mit diesen »Jeckes«, wie sie spöttisch von den »wahren« Zionisten genannt wurden, angeblich, weil sie immer korrekt gekleidet waren und selbst bei größter Hitze Jacke und Krawatte nicht ablegten. Als Neubürger im Land der zionistischen Pioniere wurden sie lange nicht wirklich ernst genommen. Viele der Jeckes lebten in Palästina mit einem »Grundgefühl kultureller Verlassenheit«, wie es der israelische Historiker und Schriftsteller Tom Segev formuliert hat, der selbst Nachkomme einer alten Berliner Familie ist.

Im November 2015 war ich für drei Wochen nach Israel gereist, um Menschen wie Herbert Bettelheim oder die Bewohner des Haifaer Heims zu besuchen, das ich bis dahin nur aus dem erwähnten Zeitungsartikel gekannt hatte. Keiner verweigerte sich dem Gespräch mit mir, alle gaben bereitwillig Auskunft und schilderten ihre Erlebnisse, ohne jemals ein Gefühl von Feindseligkeit auch nur anzudeuten, selbst dann nicht, wenn die Erinnerungen schmerzten, aber in ihren Stimmen klang immer auch sehr viel Traurigkeit mit. Die einen machten während der Mandatszeit der Briten ihre ersten Erfahrungen mit diesem Land, mussten sich gegen arabische Attacken zur Wehr setzen, stritten sich mit den alteingesessenen Zionisten, mussten nicht nur einen neuen Beruf, sondern zudem eine völlig neue Sprache lernen.

Die anderen, die Auschwitz, Bergen-Belsen oder Buchenwald wie durch ein Wunder überlebt hatten, kamen nach ihrer Befreiung 1945 völlig traumatisiert in der fernen Fremde an. Beratung, Gespräche, ärztliche Betreuung – so etwas hätten sie gebraucht, doch Zeit für langwierige Therapien gab es damals nicht, schließlich musste ein neuer Staat aufgebaut werden, und von allen Seiten drohte die Übermacht der arabischen Armeen. Statt auf die Psychiatercouch wurden sie in die Schützengräben geschickt. Kommandeure der Selbstverteidigungstreitkräfte Haganah zeigten zwar Mitgefühl mit den Überlebenden, drückten ihnen aber dennoch Gewehre in die Hände und wiesen jedem einen Flecken Erde zu, den er nun zu verteidigen hatte. Auch solche Menschen habe ich besucht. Avraham Bimka im Kibbuz Chazerim bei Beerscheba zum Beispiel und Aron Ohnhaus im Kibbuz Netzer Sereni, beide Überlebende von Auschwitz, Buchenwald und anderen Lagern.

Wie kann man weiterleben, nachdem man schon auf dem Weg zur Gaskammer war, dann aber im letzten Augenblick aus der Schlange der Todeskandidaten herausgezerrt wurde, wie es Avraham Bimka hatte erleben müssen? Was machen die Erinnerungen an den täglichen SS-Terror, an die rauchenden Schornsteine der Verbrennungsöfen, an den Gestank verbrannter Toter mit den Menschen, die diesen Horror überlebt haben? Kann man solche Bilder jemals wieder loswerden, kann man sie tatsächlich vergessen? Sind Menschen mit derart extremen Leidenserfahrungen überhaupt zu einem normalen Familienleben fähig, oder zertrümmern diese Erinnerungen jede Normalität? Wie wirkt sich das auf die eigenen Kinder aus, auf die zweite Generation, wie sie sich selbst nennen?

Auch auf diese Fragen habe ich Antworten gesucht bei den Überlebenden und ihren Nachkommen. Aron Ohnhaus zum Beispiel fand für sich und seine Frau eine einfache, aber, wie er meint, wirkungsvolle Lösung. Er, ein Überlebender von Auschwitz und Buchenwald, nahm diesen Schreckensnamen mit nach Palästina und gründete mit Freunden den Kibbuz Buchenwald.

Judith Rosenzweig aus dem »Warm Home« in Haifa und Tirza Hodes, KZ-Überlebende die eine, rechtzeitig Ausgewanderte die andere, haben in Israel ihr Gelobtes Land gesucht und am Ende auch gefunden wie alle meine Gesprächspartner, denen ich auf meiner Reise durch Israel begegnet bin. Keiner hat auch nur angedeutet, dass er bereue, nach Palästina und nicht zum Beispiel in die USA ausgewandert zu sein. Alle erzählen aber offen, wie schwer es für sie war, in diesem Gelobten Land, in Eretz Israel, tatsächlich eine neue Heimat zu finden. Nicht immer fühlten sie sich willkommen, manchmal sogar unerwünscht.

2 Hakenkreuz und Davidstern

Ein Meer von Hakenkreuzfahnen empfing ihn, fast jedes Haus hatte eine dieser Nazifahnen gehisst oder ins Fenster gehängt. »Ich sah nichts als Hakenkreuze, ich dachte: Wo bin ich denn da gelandet?« Herbert Bettelheim war erst vor wenigen Stunden im Hafen von Haifa angekommen. Mit der Marco Polo, einem italienischen Linienschiff, das vor zehn Tagen mit hunderten jüdischen Jugendlichen aus Deutschland und Österreich in Triest abgelegt hatte, alle auf der Flucht vor den Nazis. Am 23. Februar 1939 hatte der Achtzehnjährige Wien verlassen, um sich über die italienische Hafenstadt Triest nach Palästina einzuschiffen, wo er am 3. März ankam.

Dieser Herbert Bettelheim – ein hochbegabter Musikstudent, der von seiner neuen Heimat nicht viel mehr weiß, als dass dort Musiker nicht zu den Berufsgruppen zählen, die in der nächsten Zeit gebraucht würden. Und jetzt auch noch dieser Anblick. Das kalte Entsetzen packte ihn. Hakenkreuzfahnen, so weit das Auge reicht, genauso wie er sie in Wien nach dem Einmarsch der Nazis ein Jahr zuvor, im März 1938, erlebt hatte. Damals hatte er beschlossen, Österreich zu verlassen. Schließlich hatte er mitansehen müssen, wie die Nazis Juden zwangen, den Bürgersteig mit einer Zahnbürste zu säubern. »Unser Bus musste einen Umweg durch die Deutsche Kolonie fahren. Auf einem arabischen Markt war eine Bombe explodiert, vermutlich von jüdischen Extremisten gelegt. Deswegen hatten die Engländer über weite Teile der Stadt eine Ausgangssperre verhängt, deswegen mussten wir durch diesen Stadtteil auf den Karmelberg fahren«, erklärt er. Mitten durch das Meer roter Fahnen mit dem schwarzen Hakenkreuz auf weißem Grund, mitten durch das Wohngebiet deutscher Nazis in Nahost. »Mir haben diese Nazis mehr Angst eingeflößt als die Vorstellung, dass hier Bomben explodieren.«

Den Stadtteil mit dem Namen Deutsche Kolonie gibt es heute noch, auch wenn keine deutschen Templer mehr in den renovierten Häusern wohnen. Fast alle waren nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges von den Briten als feindliche Ausländer nach Australien deportiert worden. Die German Colony heute: Aus dem Viertel der Frömmler ist ein Viertel des Frohsinns geworden, das Vergnügungsviertel, die Ausgehmeile der Stadt – Fastfood-Ketten, italienische Restaurants, Bars, Cafés, Spielhallen. Wer Nachtleben im nicht eben hippen Haifa sucht, findet es hier. Lebten die Templer noch, hätten sie sicherlich versucht, diesen Teufel auszutreiben.

Mit ihrer Deportation war ein fromm gemeintes Experiment zu Ende gegangen, das gerade mal siebzig Jahre gedauert hatte. 1868 hatten einige hundert protestantische Bauern aus dem Königreich Württemberg Hof und Vieh verkauft und sich über Genua auf den Weg nach Palästina gemacht. Dort, im Heiligen Land, wollten sie sich ansiedeln und dem Ursprung des Christentums und ihrem Gott nicht nur ein bisschen näher sein. Diese schwäbischen Glaubensbrüder und -schwestern hatten nichts Geringeres vor als »die Errichtung des Reichs Gottes auf Erden in Jerusalem«. Beten und arbeiten, fromm sein und tugendhaft, also ein gottgefälliges Leben führen. Mehr wollten sie nicht. Siedlungen gegründet hatten sie in kurzer Zeit in Haifa, Jerusalem und Tel Aviv. Sie gehörten der einige Jahrzehnte zuvor geschaffenen Tempelgesellschaft an, einer pietistisch ausgerichteten Gemeinschaft strenggläubiger Protestanten. Haifa war einer ihrer wichtigsten Stützpunkte. Landwirtschaftliche Betriebe gründeten sie, Weinkellereien, später auch Zement- und Maschinenfabriken. Wirtschaftlich waren diese Pietisten sehr erfolgreich. Außerdem richteten sie Sportplätze, Bierhallen und Kinos ein. Alles nach dem streng protestantischen Ethos: Wer im Diesseits erfolgreich ist, der findet Gnade im Jenseits. Erfolgreich konnten sie im Diesseits allerdings nur sein, weil sie ziemlich skrupellos die billigen arabischen Arbeitskräfte ausbeuteten, in ihren Augen »faule Orientalen«, auf die sie mit großer Überheblichkeit herabblickten. Die rund zweieinhalbtausend Templer schotteten sich vor den Juden und Briten weitestgehend ab, vor den Arabern ohnehin.

War vor 1933 die Beziehung zu jüdischen Neueinwanderern im Großen und Ganzen entspannt gewesen – gelegentlich halfen sich Templer und Kibbuzniks sogar in der Landwirtschaft –, änderte sich alles nach der Machtergreifung Hitlers. Jetzt wurden die Frommen zu Frömmlern, die begeistert dem »Führer« zujubelten, so wie sie früher den Kaiser gefeiert hatten, als dieser Palästina bereist hatte. Der Anteil der Mitglieder in der NSDAP unter den Templern war dreimal so hoch wie im Reichsdurchschnitt. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte sich in jeder Siedlung dieser Palästinadeutschen eine Ortsgruppe der NSDAP gebildet, also auch in Haifas Deutscher Kolonie.

Wurden dort Templer krank, riefen sie zum Beispiel den aus Berlin stammende jüdischen Arzt Dr. Bruno Baruch Ostrowski, der, schon vor 1933 nach Palästina ausgewandert, damals in der Poliklinik der Stadt Haifa arbeitete. In seinen 1965 aufgezeichneten, bislang noch nicht veröffentlichten Lebenserinnerungen beschreibt er seinen Kontakt zu den Deutschen so: »Ich selber hatte zu einigen Familien als Arzt einen gewissen Kontakt, der sich vor Hitler auf allgemeine Höflichkeiten beschränkte, der aber auch unter Hitler bis 1939 mehr oder weniger lose erhalten blieb, jedenfalls solang ich als Arzt in den Familien erschien. Charakteristisch war hier, dass man, wenn ich kam, die Hitlerbilder von den Wänden wegnahm.« Das war sicher von diesen Templern als freundliche Geste gegenüber Dr. Ostrowski gemeint, aber doch wohl nur, weil er als Arzt gebraucht wurde. Nichtjüdische Ärzte, die auch noch deutsch sprechen konnten, gab es damals so gut wie keine in der Stadt.

Warum bei seiner Ankunft am 3. März die Templer geflaggt hatten, weiß Bettelheim heute nicht mehr genau. »Vielleicht wegen einer Volkszählung. Ich erinnere mich, dass im Hafen von Haifa ein deutsches Kriegsschiff lag. Vielleicht war es auch deswegen.« Am 20. April begingen die Templer jedenfalls regelmäßig Führers Geburtstag, selbstverständlich war auch dann immer geflaggt. Selbst 1945 noch hatten die von den Briten nach Australien deportierten Templer diesen Tag gefeiert.

»Ein schöner Empfang war das«, erzählt der alte Herr heute mit einem kräftigen Schuss Sarkasmus in seiner immer noch leicht wienerischen Mundart. »Ich glaubte, ich sei Hitler entronnen, aber der war schon da, als ich gerade ankam. Wie Hase und Igel.« Kontakt zu diesen pietistischen Hitlerfans hat er nie gesucht. »Für die waren Juden ja keine Menschen.« Außerdem verschwanden sie bald, deportiert von den Engländern.

Mit dieser Spießrutenfahrt durch das Haifaer Naziviertel begann also das zweite Leben des Herbert Bettelheim. Heute, sechsundsiebzig Jahre später, treffe ich ihn in einem komfortablen Apartment eines Seniorenheims auf dem Karmelberg. Ein freundlicher Herr von vierundneunzig Jahren in Jackett und Krawatte, umgeben von Erinnerungsstücken: Fotografien, Nippes. Auf einen Rollator muss er sich stützen, wenn er sich bewegt, ist aber bei klarem Verstand und bestem Gedächtnis.

Sein Leben in Israel – eine kurvenreiche Karriere mit Hindernissen und Stolpersteinen, wie sie typisch ist für einen von den Nazis nach Palästina Vertriebenen. Aber, das kann er sich zugutehalten, er ist nie aus der Kurve geflogen. Am Technion, der technischen Hochschule in Haifa, hat er ein Studium absolviert, ohne einen Abschluss zu machen, und im Hafen von Haifa Schiffe entladen – »eine Knochenarbeit war das«. Er hat Autos repariert, die dann tatsächlich fuhren, als Elektroschweißer ohne Schweißerkenntnisse gearbeitet, den Wagenpark der britischen Armee verwaltet, später im Untergrund gegen Engländer gekämpft, mit einem Gewehr Wache gestanden, ohne schießen zu müssen, er war mit Arabern befreundet zu einer Zeit, als seine Nachbarn in ihnen eher Feinde sahen, und am Ende hat er auch noch Bildungseinrichtungen gegründet, die zur deutsch-israelischen Verständigung beitrugen. Nur für eines hatte er selten Zeit: für seine Musik.

Herbert Bettelheim – ein Mann, dem Hitler die Karriere als Wiener Wunderkind zerstört hat, der aber alles andere als verbittert auf sein Leben zurückblickt. Hatten ihm einst seine Lehrer am Wiener Konservatorium eine große Zukunft als Violinist vorausgesagt, war damit aber schlagartig Schluss, als Hitlers Wehrmacht im März 1938 Österreich besetzte. Juden durften von einem Tag auf den anderen nicht mehr zur Schule gehen. Das staatliche Konservatorium schmiss seinen begabten Schüler sofort raus. Die meisten nichtjüdischen Kommilitonen wandten sich abrupt von ihm ab. »Menschen, von denen man glaubte, sie seien Freunde, redeten plötzlich nicht mehr mit einem. Wir hatten keine Zukunft im Land.« Nur ein einziger seiner Lehrer verabschiedete sich von ihm persönlich mit großem Bedauern und Händedruck. Dass es aber in Palästina keinen Bedarf an Musikern gab, wusste er von seinem schon früher ausgewanderten Bruder. »Techniker und Ingenieure brauchen wir. Keine Musikanten. Und für ein Ingenieurstudium kannst Du hier einreisen«, riet er ihm in einem Brief.

Also schrieb sich Herbert nach seiner Ankunft im Technion ein, obwohl er kein Wort Hebräisch sprach. »Aber das konnten die Lehrer auch nicht. Die waren ja selbst gerade eingewandert. Ich hatte einen wunderbaren Lehrer, der so gut erklärte, dass ich es sogar verstand. Er begann eine Vorlesung mit ein paar hebräischen Sätzen, die er vorher in lateinischen Buchstaben auf einen größeren Zettel geschrieben hatte, die las er vor. Dann rief er einen Schüler auf und fragte ihn: ›Woher kommst du?‹ Kam er aus Frankreich, dann sprach er französisch mit ihm, aus der Tschechei, dann tschechisch, aus England – eben englisch. Er konnte sechs Sprachen, nur kein Hebräisch. Ich habe es auch erst mit der Zeit gelernt.«

Viele deutsche Einwanderer lernten die neue Sprache nur langsam, wenn überhaupt. Besonders die Älteren taten sich schwer. Der Kampf ums Heilige Land war auch ein Sprachenstreit zwischen Neueinwanderern und Alteingesessenen. Die Altzionisten, die vor dem Ersten Weltkrieg oder in den zwanziger Jahren angekommen waren, stammten größtenteils aus Osteuropa und sprachen jiddisch, ehe sie Hebräisch lernten. Für sie war es eine Frage der zionistischen Ehre, sich möglichst rasch diese neue Sprache anzueignen und gleichzeitig auch noch einen Kibbuz aufzubauen. Beides war Teil ihrer neuen Identität als Siedler im, wie sie meinten, eigenen Land, in Eretz Israel. Hinter sich gelassen hatten sie Demütigungen, Pogrome und ein Leben in Armut, also nichts, dem nachzutrauern sich lohnte.

Nicht so bei den von den Nazis Vertriebenen. Ein bisschen zionistisch waren sie zwar fast alle. Das gehörte damals zum guten Ton. »Bei uns stand die weißblaue Sammelbüchse auf dem Tisch«, erzählt Bettelheim. »Zu mehr waren wir vor der Vertreibung nicht bereit. Mein Bruder vielleicht, aber mein Vater und meine Mutter oder ich nicht. Ich hatte meine Musik im Kopf.« Diese Palästina-Einwanderer brachten aber nicht nur ihren Hausrat und ihre Bibliotheken mit, zumindest anfangs, genauso schleppten sie die Erinnerung an die verlorene Heimat ein, an Wohlstand, an hochangesehene Berufe wie Professoren, Ärzte oder Rechtsanwälte, schließlich noch die Erinnerung an ihren gesamten Bildungskanon. Fast alle hatten ein respektiertes Leben geführt, zumindest bis 1933, hatten zwar gelegentlich auch Antisemitismus zu spüren bekommen, aber man konnte sich ja jetzt wehren, wenn man wollte. Denn sie waren endlich gleichberechtigte Bürger der Weimarer Republik oder Österreichs, hatten die gleichen Rechte und den gleichen Schutz wie die nichtjüdischen Bürger. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte. Sie waren Soldaten im Ersten Weltkrieg gewesen, nicht wenige hatten Tapferkeitsorden bekommen, sogar noch, als die Nazis schon an den Schalthebeln saßen. Daher war es fast selbstverständlich für diese durch die Machtübernahme Hitlers aus ihrem bürgerlichen Leben Geworfenen, sich erst einmal möglichst viel von dieser Vergangenheit zu bewahren, dazu gehörte in erster Linie die Sprache. Sich deutsch zu unterhalten war in den Jahren des Neubeginns auch ein Akt der Selbstbehauptung und Selbstvergewisserung. Das galt nicht nur für die deutsch-jüdischen Gemeinden in Haifa, sondern für fast alle Gemeinden in Palästina, in denen die deutschstämmigen Einwanderer die Mehrheit bildeten.

Na’am Sheffi, Dozentin für Kommunikation am Sapir Academic College in Israel, hat intensiv über das Leben der Einwanderer aus Deutschland und Österreich geforscht. Sie kommt in dem Sammelband Zweimal Heimat – Die Jeckes zwischen Mitteleuropa und Nahost zu dem Fazit: »Als die deutschsprachigen Einwanderer nach Palästina kamen, beweinten sie nicht nur ihre dortige Fremdheit, sondern auch ihre gewaltsame Vertreibung aus ihrer hochgeschätzten kulturellen Umgebung. In Wirklichkeit beweinten sie die Kultur eines Landes, das aufgehört hatte zu bestehen.«

In Tel Aviv zum Beispiel schlossen sich deutsche Emigranten zu einem Kabarett zusammen und schrieben sich ihren Frust von der Emigrantenseele. Der wichtigste Autor war zweifellos Gerhard Jacobsohn, der vor seiner Emigration als Aktivist der zionistischen Jugendbewegung in Berlin mit selbst verfassten Texten und Couplets auf sich aufmerksam gemacht hatte. Zusammen mit dem Juristen und Schriftsteller Alexander Besser schrieb er eine ansehnliche Revue ganz im Stil der Berliner Kleinkunstbühnen aus den zwanziger Jahren. Der Titel des Stücks: Einordnung und frühes Leid – die Revue der Jeckes im Jischuw, offenbar gemeint als eine Anspielung auf die Thomas-Mann-Novelle Unordnung und frühes Leid. Einordnen sollten sich die Neuemigranten in das von den Altzionisten dominierte Palästina, was eben den Professoren, Rechtsanwälten und Kommerzienräten aus Deutschland und Österreich nicht ohne »frühes Leid« nur allmählich gelang. Dreimal wurde die Revue aufgeführt. Das erste Mal als eine Art Testlauf am 27. Oktober 1940 im Haus von Alexander Besser, dann am 6. Dezember 1940 im Haus Jacobi und ein letztes Mal am 14. März 1941.

In einem der ersten Lieder bringen die Autoren das Elend der Einwanderer aus Deutschland auf den Punkt:

Ich kam aus Deutschland in dies Land,

das ich so gänzlich anders fand,

als es die Rundschau schrieb,

als es die Rundschau schrieb.

Ich bin den Menschen hier so fremd

und fühl mich meinerseits gehemmt,

denn keiner hat mich lieb,

weil ich ein Jecke blieb.

Ein anderes Lied thematisiert den Konflikt zwischen den deutschstämmigen Einwanderern und den Zionisten mit osteuropäischem Hintergrund:

Zum Beispiel: Wie behandelt man uns Jecken

Man pfeift auf uns, das weiß doch jedes Kind

Ja sollen wir uns am Ende scheu verstecken,

weil wir aus Köln und nicht aus Kiew sind!

Diese Revue, eine Mischung aus Selbstironie, trauriger Bitterkeit und trotzigem Lebensmut, endet mit dem Lied »Der positive Schluss«:

Es ist nicht alles schön und gut,

doch auch nicht alles schlecht,

Kritik liegt uns nun mal im Blut,

Doch seien wir gerecht.

Und doch – wo möchtest Du sonst sein?

In London – in Shanghai,

In Bukarest – in Köln am Rhein,

in Prag – in Uruguay?

Der Rechtsanwalt und Journalist Alexander Besser, selbst 1938 nach Palästina zwangsausgewandert und nach dem Krieg wieder in die Bundesrepublik zurückgekehrt, schrieb über diese vergessene Revue, an deren Entstehung er beteiligt war, im September 1977 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: »Es ist nicht das Schlechteste, wenn jemand nach der Vertreibung und der Heimkehr ins Unbekannte sich über sich selbst noch lustig machen kann.«

Für den Emigranten aus Wien, Herbert Bettelheim, war dieser Kulturstreit kein großes Thema: »In der Autobusgesellschaft, für die ich gearbeitet hatte, waren achtzig Prozent der Fahrer deutsch. In der Autowerkstatt haben ich, ein sephardischer Jude und ein Araber gearbeitet. Unsere gemeinsame Sprache war Deutsch«, berichtet er über seine Zeit als Automechaniker. Deutsch war also fast so etwas wie die heimliche zweite Landessprache. Hebräisch-Kurse waren teuer und oft schlecht. Ältere Einwanderer taten sich ohnehin schwer mit der neuen Fremdsprache. Außerdem galt Deutsch schließlich als die Sprache von Goethe und Schiller, damit anderen Sprachen weit überlegen, so dachten zumindest viele der aus Deutschland eingewanderten Bildungsbürger. Nicht wenige hatten nicht nur ihre Bibliotheken mit einigen Metern Klassikern mitgebracht, sondern auch etliche Portionen Kulturdünkel. Sehr zum Ärger alteingesessener Zionisten, die in ihren Kibbuzim kein Privateigentum kannten, stattdessen mühevoll und entbehrungsreich Orangen anpflanzten, Oliven ernteten, Hühner züchteten und sich außerdem noch Scharmützel mit Arabern liefern mussten, kurz sich als die wahren Pioniere verstanden, die das Land aufbauten. Ohnehin sahen sie in den vor den Nazis Geflüchteten keine wirklich verlässlichen Zionisten. »Kommst du aus Überzeugung oder aus Deutschland?« – ein typischer Witz damals.

Noch einmal Na’am Sheffi in ihrem Aufsatz für den Sammelband Zweimal Heimat – Die Jeckes zwischen Mitteleuropa und Nahost: »Aber schon bevor ihre Sprachschwierigkeiten deutlich wurden, reagierten die länger ansässigen Einwanderer mit Ablehnung, mit scharfer Kritik, in der ein Gefühl der Überlegenheit anklang. Möglicherweise konnten sie, auf einem für alle fremden Territorium, in dem die osteuropäischen Einwanderer aufgrund ihrer früheren Ankunft einen Vorteil besaßen, ihre Rechnung mit dem Judentum Deutschlands begleichen. Auf dem alten Kontinent waren es die deutschen Juden gewesen, die ihre ›fremden Brüder‹ aus dem Osten zurückgewiesen hatten.«

Späte Rache also des einfachen Mannes aus einem osteuropäischen Schtetl an dem hochnäsigen Akademiker aus Berlin, Frankfurt oder Hamburg? Vielleicht verspürte der eine oder andere der Alteingesessenen tatsächlich solche Missgunst in seinem Inneren und wollte den Neuankömmlingen einen Denkzettel verpassen, wenn er sie beim Deutschsprechen erwischte: »Sprich hebräisch, nicht deutsch. Wir sind in Eretz Israel, nicht in Nazi-Deutschland.« Mit solchen massiven Drohungen, mit Anfeindungen, gelegentlich sogar mit den Fäusten wird dieser Sprachenstreit ausgetragen. Ab 1942 gerät der Kommunikationskonflikt zwischen Altzionisten aus Osteuropa und den Neueingewanderten aus Mitteleuropa immer mehr zum Kulturkampf, Handgreiflichkeiten eingeschlossen. In der von dem Schriftsteller Arnold Zweig mitgegründeten deutschsprachigen Wochenzeitschrift Orient überschreibt der Fotograf und Journalist Walter Zadek seine Polemik gegen die Sprachfanatiker mit der Schlagzeile: »Sprich hebräisch – oder stirb«. Bis zu ihrer erzwungenen Einstellung schon ein Jahr nach ihrer Gründung wird diese weit links stehende Kulturzeitschrift in fast jeder Ausgabe mit spitzer Feder gegen die nationalistischen Zionisten polemisieren. Daher ist es kein Wunder, dass diese heftig, gelegentlich mit sehr grobem Keil antworteten, nicht selten sogar mit den Fäusten. Als die Zusammenstöße sich häufen, sieht sich das zweisprachige Mitteilungsblatt der Vereinigung der Einwanderer aus Deutschland und Österreich zu einem Aufruf genötigt. Am 12. Juli 1940 mahnt dieses alle vierzehn Tage erscheinende Informationsblatt unter der Überschrift: »Der Gebrauch der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit« in schönstem Amtsdeutsch:

»Es wurde in diesen Blättern schon verschiedentlich darauf hingewiesen, dass es in diesen Tagen ein selbstverständliches Gebot des Taktes ist, sich im Gebrauch der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit die größtmögliche Zurückhaltung aufzuerlegen … Das von verschiedenen Seiten hervorgebrachte Material zeigt deutlich, dass es ein dringendes Bedürfnis ist, die breite Öffentlichkeit der Einwanderer aus Deutschland in dieser Frage aufzuklären. Es muss aller Einfluss geltend gemacht werden, um diejenigen, die keine andere Sprache als Deutsch beherrschen, dazu zu bringen, heute in der Öffentlichkeit, d.h. überall außerhalb ihrer Wohnung, sei es auf der Straße, in Autobussen, in Geschäften, auf Versammlungen usw, wo sie mit anderen Bevölkerungsteilen zusammentreffen, zu vermeiden, durch lautes Deutschreden Anstoß zu erregen.«

Die Redakteure des Mitteilungsblatts verstanden sich auch als Mittler zwischen der Gemeinschaft der alteingesessenen Zionisten, dem sogenannten Jischuw, und den Neueinwanderern; auch wenn diese Aufgabe manchem wie eine Sisyphusarbeit vorgekommen sein mag. Über dieses Brückenbauen schrieb in der Aprilausgabe des Mitteilungsblatts 1940 der in Tel Aviv lebende Journalist Dr. Erich Kraemer schon fast verzweifelt: »Es war, als wenn sich zwei Brüder zum ersten Mal träfen, von denen die Launen des Schicksals den einen in Oxford, den anderen in Neapel erziehen lassen. Sie wussten, dass sie Brüder waren, als aber die Herzlichkeit nach der ersten Begrüßung vorüber war, sahen sie mit Befremden, dass die Macht der Umgebung aus ihnen, den Sprossen des gleichen Stamms, zwei grundsätzlich verschiedene Persönlichkeiten gemacht hatte.« Die Oxford-geschulte Persönlichkeit steht für die aus Mitteleuropa Eingewanderten: bürgerliche Intellektuelle, selbständige Kaufleute oder höhere Angestellte, das seien, so Kraemer, die gemeinsamen Merkmale dieser Emigranten aus Deutschland und Österreich. »Kaum einer kam aus dem Proletariat. Wirtschaftliche Unsicherheit war selten. Not fast unbekannt.« Zu ihrer Religion hätten diese Westeuropäer ein eher distanziertes Verhältnis, viel wichtiger sei für sie gewesen, sich an die nichtjüdische Mehrheit zu assimilieren.

Ganz anders die Persönlichkeit des anderen, des in Neapel aufgewachsenen Bruders. Der verkörpert den sogenannten Jischuw, also die große, später auch organisierte Gemeinschaft der schon früh aus Osteuropa nach Palästina eingewanderten Juden, die sich als die zionistische Avantgarde verstehen, als die Vorkämpfer in Palästina. Sie stellen die Mehrheit der Zionisten in Palästina. Ihr Judentum sei bei den meisten lebensnah und weitestgehend orthodox. Sie seien geprägt von ihrer Herkunft aus Osteuropa. Entscheidend für den Streit zwischen dem Jischuw und den Neueinwanderern war aber laut dem israelischen Historiker Tom Segev: »Der Jischuw war von einem tiefen, fast mystischen Glauben an seine Überlegenheit durchdrungen; er fand sein Symbol in einem zähen Kaktus, dessen Frucht außen stachlig und innen süß ist – die Sabra bzw. Kakteenfeige.«

Das also war die Gefechtslinie zwischen dem Jischuw und den Neueinwanderern in den dreißiger und vierziger Jahren, die Erich Kraemer mit seiner Geschichte von den beiden Brüdern markiert. Der Oxford-Bruder und der aus Neapel waren sehr gegensätzlich und standen sich zwar misstrauisch, am Ende aber nicht unversöhnlich gegenüber, wie sich auch aus der Lebensgeschichte dieses Autors ablesen lässt. Erich Kraemer hatte bis 1933 unter anderem als Auslandskorrespondent des Ullstein Verlags aus Rom berichtet, war also ein Jecke, wie er im Buche steht, ein gebildeter, bürgerlicher Intellektueller aus Berlin mit mitteleuropäisch geprägten Werten. Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb er als Moshe Karen mehrere Jahre Leitartikel in der Tageszeitung Haaretz, bis er Karriere im israelischen Außenministerium machte. Er hatte also Erfolg auch in der von den alteingesessenen Zionisten dominierten Politik.

Anstoß erregen durch Deutschsprechen. Das gehörte noch lange zum Alltag vieler Einwanderer aus Deutschland und Österreich. Immer wieder berichtet das Mitteilungsblatt über Handgreiflichkeiten, zunächst empört, dann immer nachsichtiger, schließlich sollten sich die deutschstämmigen Einwanderer assimilieren in einem Land, das über eine gemeinsame Sprache eine gemeinsame Identität zu entwickeln versuchte. Auch die von dem deutschen Einwanderer Salman Schocken 1937 aufgekaufte liberale Tageszeitung Haaretz macht den Sprachenstreit immer wieder zum Thema. So schreibt sie in einem Artikel, dass immer weniger Juden Deutsch als die Sprache Goethes und Schillers verstünden, sondern zunehmend als die von Goebbels und Streicher, dem Chefideologen des Antisemitismus im Dritten Reich.

Micha Limor, einst Topjournalist beim israelischen Fernsehen, heute Pensionär, der mich bei meiner Suche nach deutschen Spuren in Israel unterstützte, bestätigt, dass die erste Generation der Einwanderer selten fließend Hebräisch gelernt hatte, obwohl ihre Muttersprache durch Krieg und Verfolgung der Juden in Europa immer mehr in Verruf geraten war: »Bei einigen spielte sicherlich auch so etwas wie Trotz eine Rolle. Die Emigranten aus Deutschland haben ja eine doppelte Kränkung erfahren. Zum einen waren sie in ihrer alten Heimat plötzlich keine Staatsbürger mehr, wurden gedemütigt und aus dem Land geworfen. Und hier im damaligen Palästina galten sie zum anderen trotz ihrer hohen Bildung nichts. Im Gegenteil, sie hatten ihren Anspruch auf Führung gerade an die verloren, auf die sie früher herabgeblickt hatten, die Juden aus Osteuropa.«

Limor hat nach seinem Ausscheiden aus dem israelischen Fernsehen noch lange das Mitteilungsblatt betreut und zu einem gut lesbaren Hochglanzmagazin gemacht, das heute noch alle zwei Monate erscheint. Auf Hebräisch und auf Deutsch. Die einzige Zeitschrift dieser Art in Israel. Gegründet hatte sie im September 1932 die Vereinigung der Einwanderer aus Deutschland. Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler stieg die Zahl der ausreisewilligen Deutschen jüdischen Glaubens sprunghaft an und damit auch das Informationsbedürfnis der in Palästina eingereisten Emigranten. Zunächst erschien das Mitteilungsblatt einmal im Monat; als immer mehr deutsche Juden nach Palästina flohen und dort die Nachfrage entsprechend stieg, erschien es alle zwei Wochen. Anfangs nicht viel mehr als ein Flugblatt, später in den dreißiger Jahren dann mit mehreren Seiten. In dieser Zeit konzentrierte sich die Berichterstattung vor allem auf Tipps und Verhaltensregeln für das Leben in der neuen Welt; für viele am wichtigsten waren die kurzen Annoncen, die ein bisschen Einblick geben in das Leben und die Not der Ausgewanderten.

Sie zeigen aber auch, wie viel Deutsches sogar noch im Jahr 1940 bei den Jeckes erhalten war. So wirbt in der Ausgabe vom 3. Mai 1940 das namenlose Café-Restaurant in Ben Shemen »nahe dem Herzl-Wald« mit einem »schattigen Garten, nachmittags Kaffee, guter Küche«. Das Café Corso in der Allenby Road verspricht »täglich Stimmungsmusik«. Oder Heinrich Weiss aus der Frischmannstraße 8 in Tel Aviv verkauft sogar »Deutsche Schäferhunde, reinrassig, sieben Wochen alt«. »Eis und Eisgetränke« gibt es »nirgends besser als im Café Alaska, Jerusalem«. Rechtsanwälte hatten es besonders schwer in der neuen Umgebung, galt doch im Mandatsgebiet Palästina britisches Recht. »Dr. Hugo Kern, früher Heilbronn«, hofft auf Arbeit als »Treuhänder, Devisen- und Transferberater«. Ein Dr. Morgenstern bietet sich als Erzieher an und ist bereit, »2 bis 3 Kinder im Alter von 3 bis 14 Jahren in sorgfältiger Pflege und Erziehung aufzunehmen«. Und ein Schokoladenhersteller preist in seiner Anzeige sein Produkt den Zeitumständen angepasst an: »Verdunklung?! Auch in der Verdunklung erkennst Du am guten Geschmack – Schokolade C-D und Konfekt C-D«.

In den ersten Jahren war das Mitteilungsblatt also mehr ein Anzeigen- und Ratgeberblatt für die Einwanderer aus Deutschland und nach dem Einmarsch auch aus Österreich, außerdem eine Plattform für alltäglichen Informationsaustausch. Politik fand so gut wie nicht statt in dieser frühen Phase, auch nicht in Berichten über die Entwicklungen in Hitlers Deutschland.

Erst als der aus der Tschechoslowakei stammende Journalist Robert Weltsch die Chefredaktion 1939 übernahm, nahm das Blatt immer häufiger auch zu nationalen und internationalen Ereignissen Stellung. Mit ihm kamen politische Intellektuelle wie der Religionshistoriker Gershom Scholem, der Literaturkritiker Hans Tamer, gelegentlich der Publizist und Zionist Gustav Krojanker, ein erbitterter Gegenspieler des sozialistischen Schriftstellers Arnold Zweig. Zu den ständigen Autoren gehörte auch der Jurist Felix Rosenblüth, der unter seinem ins Hebräische gewandelten Namen Pinchas Rosen mehrfach Justizminister des neuen Staates werden sollte. Oder der aus München stammende Schriftsteller und Religionswissenschaftler Shalom Ben-Chorin, der sich später für den christlich-jüdischen Dialog einsetzen wird.

Chefredakteur Weltsch sorgte auch dafür, dass in dem Blatt regelmäßig »Nachrichten aus dem Nazi-Reich« erschienen, sofern diese mitten im Krieg überhaupt verfügbar waren. So berichtete es am 5. April 19401945