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Vollständige E-Book-Ausgabe der im Rosenheimer Verlagshaus erschienenen Originalausgabe 2016

© 2016 Rosenheimer Verlagshaus GmbH & Co. KG, Rosenheim
www.rosenheimer.com

Das Coverfoto sowie die Fotografien im Innenteil stammen von Evi Gröning, Rosenheim.

Lektorat: Beate Decker, München
Satz: VerlagsService Dietmar Schmitz GmbH, Heimstetten
Scan und Bildbearbeitung: Dieter Stragenegg, Kolbermoor

eISBN 978-3-475-54599-3 (epub)

 

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Worum geht es im Buch?

Wolfgang Krebs
Wolfgangs witzige Weihnacht

Dieses Buch ist der ideale Begleiter für Weihnachten. Die bayerischen Ministerpräsidenten begehen in humorvoller Weise die besinnliche Zeit des Jahres. Gute Vorbereitung ist dabei besonders wichtig. Vom Adventskalender über den Geschenkekauf und das Plätzchen backen gibt es einiges zu tun für Edmund Stoiber, Horst Seehofer, Günther Beckstein und Markus Söder. Besondere Beachtung muss auch der Auswahl des Festtagsschmauses geschenkt werden. Nach der Bescherung und den Festtagen geht es dann schließlich an den Geschenkeumtausch und die Entsorgung des Baumes, welche ebenfalls nicht immer ohne Schwierigkeiten ablaufen.

Lassen auch Sie sich von den bayerischen Ministerpräsidentenmit einem Augenzwinkern durch die Weihnachtszeit führen!

Inhalt

Vorwort

1. Adventskalender

2. Geschenke besorgen

3. Weihnachtsfeier

4. Weihnachtsfeier … und danach

5. Plätzchen backen

6. Nikolaus

7. Spenden

8. Verreisen oder nicht?

9. Christbaum besorgen

10. Menü-Entscheidung

11. Weihnachtsmann oder Christkind?

12. Karten schreiben

Die Weißen aus dem Sorgenland

13. Einkaufen

14. Musik auswählen

15. Verwandtschaft und Freunde

16. Lieder üben

17. Fernsehen an Weihnachten – ja oder nein?

18. Geschenke einpacken

19. Baum schmücken

20. Christkindbesuch vortäuschen

21. Kirchgang

22. Bescherung

23. Weihnachtsbaum entsorgen

24. Geschenke umtauschen

Laudatio auf die Freundschaft

Vorwort

Von Dr. Dr. Dr. Edmund Stoiber,

Ministerpräsident des ehemaligen Bayern

Meine sehr verehrten Fernsehzuschauer und Radio-Leser, liebe Frau Bundeskanzlerin, lieber Herr Seibert, liebe Hopfenkönigin, liebe Regensburger Dom-Kosaken.

Sie halten erfreulicherweise gerade dieses Buch in Ihren Händen – wobei das Buch mehr ist als ein Buch und Ihre Hände mehr sind als Ihre Hände.

In einer Zeit der großen Ratlosigkeit soll dieses Kompendium Ihre Ratlosigkeit noch vergrößern. Denn wo ist die Unsicherheit größer, der Zweifel drängender und die Frage fraglicher als in der Vorweihnachtszeit?

Weihnachten ist ja bekanntlich das Pfingsten unter den Osterfesten. Doch die »stade« Zeit war noch nie so laut und hektisch. Menschen hasten auf der Jagd nach Präsenten für ihre Lieben durch die Fußgängerzonen, nachdem sie sich durch rüpelhaftes Fahrverhalten einen Parkplatz erkämpfen mussten, rempeln und schubsen in den Schlangen vor den Glühweinständen und verdrücken im Schatten riesiger Weihnachtsbäume auf die Schnelle mit Liebe gebackenes Früchtebrot. »Die Kreatur ist zurückgeworfen auf die Urform des schlechthinnig Seienden«, frei nach dem großen Philosophen und »kölschen Jung« Willy Millowitsch.

Dieses Buch, das Sie geschenkt bekommen haben von jemandem, der Bücher nur nach Gewicht kauft, soll Sie begleiten durch die 24 schönsten Tage des Jahres, wenn man von Fußballweltmeisterschaften absieht.

Bedenken Sie: Das Buch wurde nicht von einem großen Denker geschrieben, nicht von einem herausragenden Intellektuellen, noch nicht einmal von einem Menschen mit durchschnittlichen rationalen Fähigkeiten. Sondern von Wolfgang Krebs.

Sind wir also nachsichtig und nehmen den guten Willen für die Tat. Es kann nicht jeder eine geistige Konifere sein wie ich – und vielleicht auch Sie? Es ist schließlich Weihnachten, das Fest der Nächstenliebe und der großen Geschenke. Stimmen Sie mit mir ein in das Lied »Mach hoch das Tier, den Gürtel weit!«

Dann wird mit etwas gutem Willen das Fest zu dem, was man vorne auf den Einband geschrieben hat: Wolfgangs witzige Weihnachten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ihr, unser und mein

Edmund Stoiber

Hausratswolfen,

im ersten Stock 2016

1. Adventskalender

Von Dr. Dr. Dr. Dr. Edmund Stoiber

Nachdem ich im Vorwort zu diesem Buch schon alle meine mir zur Verfügung stehenden Gedanken geäußert habe, bin ich am Ende meiner Mitteilungen angelangt und darf Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre dieses Werks wünschen.

Meine angeborene Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürgerinnen unseres Freistaats lässt es aber als notwendig erscheinen, mich auch im weiteren Verlauf der nächsten 1800 Seiten gelegentlich schriftlich zu Wort zu melden und die Bleiwüste mit meinen Erfahrungen anzureichern. Schließlich war ich ja 68 Jahre lang Ministerpräsident unseres geliebten Heimatlandes, ganz zu schweigen von meinen 25 Jahren in Brüssel und den wenigen Minuten als Bundeskanzler.

Der 1. Dezember ist bekanntlich nicht nur der erste Tag im Dezember, sondern auch der Tag, an dem eine Tür geöffnet wird. Nämlich die erste Tür des Adventskalenders, der bei mir zu Hause über dem Schreibtisch hängt, gleich neben den wandhohen Regalen mit den Akten.

Damit sind nicht spärlich bis gar nicht bekleidete Damen gemeint (damit wäre meine Gattin nicht einverstanden, noch nicht einmal dann, wenn sie das bevorzugte Motiv wäre). Sondern mit den Akten, die ich noch fressen muss, denn schließlich hört meine Arbeit als Staatsmann und Diener der Staatskanzlei auch nach meiner Zeit als Ministerpräsident des ehemaligen Bayern nicht auf.

Es hat Zeiten gegeben, da war hinter den Türchen jeweils ein Stückchen Schokolade versteckt. Vielleicht ist das auch bei dem Exemplar der Fall, das bei IHNEN neben den Akten hängt. Aus ernährungsbiologischer Sicht ist dagegen nichts einzuwenden. Schokolade besteht zu einem großen Teil aus Schokolade, der Rest sind Bohnen. Und ein paar Zuckerkristalle. Zucker ist wichtig für den Kreislauf und das Wohlbefinden, ähnlich wie Meerrettich und Rote Bete.

Allerdings verwehrt dieses Schokoladestückchen immer den Blick auf das, was dahinter ist. Ich habe ziemlich lange gebraucht, bis ich gemerkt habe, dass da jemand in die Öffnungen des Kalenders noch etwas hineingemalt hat. Einen Brummkreisel zum Beispiel. Oder ein Glöckchen. Alles Hightech-Must-haves, die im hoch technisierten Freistaat aus keinem Start-up-Unternehmen mehr wegzudenken sind.

Mein Rat wäre also, diese Schokoladen-Beigabe zu entfernen, damit der Blick freigegeben wird auf das, was das Leben wirklich ausmacht! Denn das Leben ist nicht immer nur süß wie Kakao, sondern manchmal auch hart wie eine Bohne! Und es wäre falsch, sich durch den zarten Schmelz der süßen Beigaben ablenken zu lassen vom Ernst des Lebens, wie er sich uns in den Türchen und Fensterchen des Adventskalenders darbietet.

Die Geschichte des Adventskalenders ist alt und halb vergessen. Der Legende nach soll er weit vor Christi Geburt erfunden worden sein, um den Kindern die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen. Wir sprechen da von vielen Jahrhunderten, wenn nicht sogar von Jahrzehnten! Diese Kalender müssen riesig gewesen sein! Mit Tausenden von Türen und Fenstern! In Ägypten wurden vorchristliche Adventskalender gefunden, die in Steinwände geschlagen waren! Mit Türen so groß wie Türen! Es müssen sich riesige Schokoladentafeln dahinter befunden haben! Davon ist natürlich nichts mehr übrig, die sind alle gierigen Grabräubern zum Opfer gefallen.

Glücklicherweise sind die Adventskalender unserer Tage nicht mehr so groß und folglich leicht zu transportieren. Die Türen sind in der Regel auch für Kleinkinder gut zu öffnen, und damit auch für Politiker. Ich staune immer wieder über mein Gesicht im Spiegel, wenn ich mich dabei beobachte, wie die Spannung dem Entzücken weicht! Was wird sich HEUTE hinter der geheimnisvollen Tür verbergen? Was wird sich meinem Auge darbieten, wenn ich erst einmal die Schokolade beiseite geräumt habe? Wie schön, dass ich sogar im reifen Alter noch die Fähigkeit habe, mich an diesen kleinen Dingen zu erfreuen! So wie früher eigentlich auch schon, wenn ich da nur an meinen geliebten Transrapid denke …

Leider muss kritisch angemerkt werden, dass es gelegentlich zur Maßlosigkeit kommt. Einige betuchte Eltern belassen es nicht bei kleinen Leckereien hinter der Kalendertür, sondern platzieren größere. Ganze Schokoladentorten werden hinter das Fensterchen gestopft, manchmal sogar Laptops oder Lederhosen! In München-Grünwald hat man gar von Adventskalendern gehört, die so groß waren wie ein Hochhaus, mit einem Porsche hinter Fenster »24«.

Das ist eindeutig übertrieben. Mein Appell: Wenn es unbedingt ein Porsche sein soll, dann einer aus Schokolade. Ich komme gern zur Probefahrt!

Wie Sie wissen, haben wir den Adventskalender der Neuzeit einem Papst zu verdanken, nämlich Papst Gregor, der mit seiner Reform des klassischen Kalenders viel zu unserer heutigen Schokoladenkultur beigetragen hat. Ohne ihn würden wir Weihnachten im August feiern, und das gäbe an heißen Tagen eine ziemliche Sauerei hinter den Türen.

Sind wir also dankbar, dass wir in der kühlen Jahreszeit das Fest begehen. Es hat nur Vorteile, vor allem für den Teppichboden.

Ein Hinweis: Falls Sie einmal Schwierigkeiten haben sollten, eine Tür zu öffnen, wenden Sie sich bitte an einen Schlüsseldienst, an die Bayerische Staatskanzlei oder an den Türschutzverein.

Wie sagte schon der amerikanische Präsident John F. Washington, als er in Berlin den Flughafen eröffnen wollte, aber vor einer Mauer des Versagens stand?

»Mr. Gobartschow, öffnen Sie diese Adventkalendertür!« – Und wer wären wir, ihm zu widersprechen …

Auch in der Vorweihnachtszeit hören unsere Politiker nicht auf, Politik zu machen. Sie treffen sich im kleinen Kreis und besprechen die Themen, die Bayern bewegen. Wir befinden uns aktuell im Hinterzimmer der Gastwirtschaft »Zur Stillen Post« und schalten live an den Tisch in der Ecke hinten links …

Zur Stillen Post 1

SÖDER: A Weinschorle bitte, aber ohne Wasser … Servus, Chef, so, bidde sehr, alle Underlaachen, alles seriös durchgerechnet, alles crispy und funky, konnst di drauf verlassen.

SEEHOFER: Danke, Markus, ihr Franken kennt euch eben aus mit Finanzen!

SÖDER: In der Schweiz komma sogar mit uns bezahlen.

SEEHOFER: Des sind ja 380 Seiten! So viel Zeit hab ich nicht! Bitte fass mir das in drei Sätzen zusammen.

SÖDER: Kein Problem, machmer glei: Der größte Etat is für die Grenzkontrollen, denn des machmer ja in Zukunft selber. Und weil mer glei dabei sein, net nur die Grenzen zu Österreich, sondern auch die Grenzen zu Hessen und Baden-Württemberg. Des war ja bis jetzt völlig unkondrolliert, was sich da bei Nacht und Nebel neigschlichn hat. Des hört auf, damit is Schluss, ersdens. Zweidens wie driddens und vierdens hammer scho g’habt.

SEEHOFER: Aber vorher streit mer uns drüber, aber scho wie!

SÖDER: Völlich klar, ich schlaachs vor, du bist dagehng, dann ändermers a weng, du bist dafür, ich kann’s akzebbdiern, halt so wie immer.

SEEHOFER: Und was machmer mit der Maut?

SÖDER: Des nehmer selber in die Hand. Bei dem Dobrindt dauert des eewich, bei uns machmers morng. Mobile Mautkontrolleure mitm Moped auf der Audobahn, mautfreie Zonen in ehemalichen Zonenrandgebiedn und in Middelfranggn.

SEEHOFER: Warum sollen wir denn mit Mittelfranken eine Ausnahme machen?

SÖDER: Des is doch net die Fraache. Die Fraache is doch, ob sich der Wähler auf des verlassen kann, wos man ihm versprochen hat, und uns Signal is ganz eindeudich: alles in Ordnung!

SEEHOFER: Und was ist dein Plan zum Thema Entwicklung auf dem Land?

SÖDER: Des is völlich glaar: Die Endwigglung auf dem Land geht eindeudich in Richdung Stadt. Vor allem in Franggn. Drum braung die aa mehr Geld dort ohm …

SEEHOFER: Und was wird die Parole der CSU für 2016 sein?

SÖDER: Eine Union mit der Union ohne die Union ist mit der Union nicht zu machen.

SEEHOFER: Markus, bei dir komm ich mir immer vor wie ein Löwendompteur: Ich brauch dich für die große Show, aber ich dreh dir lieber nicht den Rücken zu.

SÖDER: Chef, des geht mir ganz genauso …

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2. Geschenke besorgen

HORST SEEHOFER: Meine lieben bayerischen Landsleute, ich als Ihr Ministerpräsident darf Ihnen heute ein paar Hinweise geben, wie sich Sie als gute Bayerin oder guter Bayer korrrekt im Weihnachtseinkauf verrrhalten.

Zunächst halten Sie sich bitte an meinen Wahlspruch: Entweder konsequent oder inkonsequent, aber nicht dieses dauernde Hin und Her! Machen Sie zu Hause einen Plan, welches Familienmitglied welches Geschenk bekommen soll. Das Gleiche gilt für Ihren Bekanntenkreis. Anschließend machen Sie eine Liste mit den Menschen, die Sie NICHT beschenken wollen, schreiben teure Geschenke daneben, addieren die Preise und freuen sich, welch große Summe Sie gespart haben.

Anschließend kalkulieren Sie die zu erwarrrtenden Ausgaben und vergleichen den Betrag mit Ihrer aktuellen Haushaltssituation. Ich hab dafür den Marrrkus Söder, das hat für mich zur Folge, dass ich immer alles doppelt und dreifach kontrollieren muss, weil sonst alle Ausgaben in Franken landen.

Jetzt schreiten Sie beherrrzt zum Einkauf. Bitte wählen Sie bevorzugt BAYERISCHE Produkte in BAYERISCHEN Läden. Nein, »Amazon« ist KEIN bayerischer Laden, auch dann nicht, wenn Sie da ein BAYERISCHES Kochbuch kaufen. Wenn Sie sich für Bücher interessieren, empfehle ich Ihnen ein Märchenbuch. Oder die Memoiren von Edmund Stoiber. Das ist dasselbe. Etwas lerrrnen können Sie aus den vielen Büchern von Franz Josef Strauß. Die sind spannend wie Krimis, und es kommen auch ähnlich viele Verbrechen darin vor.

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Alles Weitere überlasse ich Ihrer Fantasie beziehungsweise meinen aktuellen und ehemaligen Parteifreunden. Oder auch nicht. Kommt immer darauf an. Oder auch nicht. Auf alle Fälle gilt: Immer in konsequentem Zickzackkurs in Richtung Vergangenheit! Das Gute bewahren und das Neue verhindern! Das eine NICHT tun und das andere lassen, so kann man das Unangenehme mit dem Nutzlosen verbinden. Danke schön!

GÜNTHER BECKSTEIN: Hähä, hallo, ich bin’s, der lusdiche Frangge mit der kurzen Karriere! Die Fünf-Minuten-Terrine unter den bayerischen Misterbräsidenten! Aber ich bin immer noch a weng dabei, vielleicht nimmer ganz vorn, aber ganz vorn sind ja im Kino immer die schlechtesten Blätze. Und ich geh gern ins Kino. Zum Zuschauen. Aber halt net ganz vorn …

Meine Dibbs für Ihre Weihnachtsgeschenke? Des is ganz einfach! Broduggde aus Franggn! Von Grundich zum Beischpiel! Oder vom Versandhaus Quelle! In Fürth! Subber Sache! Gut, des gibt’s jetzt schon seit einischer Zeit nimmer. Grundich aa net … Aber wenn man sich a weng umschaut, auf Flohmärkten oder in den Klein-Anzeichen, da findet ma schon noch was! So a schöner Grundich-Fernseher, des war scho a Schbitzen-Sache! Oder a Einbau-Kichn von Kichn-Quelle! Gibt’s fei immer noch! Leider ghörn die jetzt zum Oddo-Konzern, und der sitzt in Hamburch. Also im sehr, sehr nördlichen Franggn …

Ansonsten wünsch ich mir halt, dass Sie a weng an mich denken. Bei am Fläschla Franggnwein zum Beispiel. Oder bei am poor Brootwärschd aus Nürnberch. Nürnberch!!! Nürnberg!!! Ma hat’s schwer, wenn jemand ka Deutsch kann …

Also dann: Adee, bleibt schee! Euer Günther.

EDMUND STOIBER: Schauen Sie, es ist ja im Grunde genommen ganz einfach. Wenn Sie so wollen. Weil das ja klar ist! Das beste Weihnachtsgeschenk, das sie an Weihnachten zum Weihnachtsgeschenk machen können – das ist ein Weihnachtsgeschenk! »Ach so«, könnten Sie da jetzt sagen, »mein lieber, hochverehrter Ministerpräsident der Herzen, das haben wir uns schon selber gedacht, da brauchen wir nicht Sie dafür!« Aber dann haben Sie eben zu kurz gedacht! Denn das einzige Weihnachtsgeschenk, mit dem Sie todsicher JEDEM … eine Freudenträne… ins Knopfloch … hineinstecken, das ist natürlich der Transrapid! Wie Sie wissen, gibt es ja in Riem immer noch diesen einen Musterzug. Ein Teil davon war am Münchner Flughafen ausgestellt. Sie wissen, das ist der Flughafen, der in Betrieb ist, nicht der andere …

Und diesen Transrapid, den können Sie kaufen! Der wäre sogar fahrbereit! Wenn Sie die passende Strecke dafür im Garten haben, oder sonst wo. Was weiß denn ich, woher soll ich denn wissen, wie Sie wohnen?

Sie bekommen den gesamten Zug zum Schnippchenschlag! Schnuppenstern! Schnäppchenpreis, wollte ich sagen! Also weit unter dem, was die Entwicklung gekostet hat. Denn das ist ja schon alles bezahlt! Von Ihnen, unseren Steuermännern. Und Damen. Also Steuerbezahlern. Bleibt also nur der Preis für den Rest. Und da sollten wir uns doch einig werden, meine lieben Gebrauchtwagenhändler und die anderen Trickbetrüger.

Sprechen Sie mich einfach an! Auch wenn Sie nur an einem Teil interessiert sind, an einem Differenzial, einer Anhängerkupplung oder einem Aschenbecher. Also dann! Kommen Sie zu, greifen Sie näher, wer will nicht mehr, wer hat schon was? Es freut sich auf Ihr Kommen, Ihr billiger Edmund!

SCHORSCH SCHEBERL: Servus, i bin’s, der Schorsch. Aus Untergamskornzeisgrubengernhaferlverdimmering. Des braucht’s gar nicht gockeln, des liegt ganz weit weg, und selbst da liegt’s noch dahinter.

Ich bin der Ehrenvorsitzende von allen 13 Vereinen. Und ich sitz im Ausschuss zur Festlegung der Weichenstellung für die Konzeption der Zukunft der ehemaligen Chemiefabrik vom Kroninger. Erst hammer g’sagt, da soll a Toys-A-Ass hin, aber dann hammer uns gedacht, da ist vielleicht Chemie im Boden, des is nix für Kinder, machmer lieber a Neubaugebiet.

Und was soll ich Ihnen sagen: So wird es auch gemacht. Dermaleinst. In weiter Zukunft so nah. Ich habe die besten Beziehungen. Internationaler Provenienz! Bis hinauf nach München! Der stellvertretende Leiter vom bayerischen Innenausschuss für beratschlagende Investitionsinvestitionen – das ist der Bruder von einem ehemaligen Klassenkameraden von mir. Vom Rauschhofer-Richard. Gut, der hat es nicht über die dritte Klasse hinaus geschafft, dann ist er vom Mähdrescher überfahren worden, der Volldepp, weil er seinen Rausch im Weizenfeld … – wurscht! Aber der Bruder vom Richard, das ist der Robert! Der sitzt drin wie der Marder im Speck! Und dem haben wir zu verdanken, dass wir in Untergamskornzeisgrubengernhaferlverdimmering ein Neubaugebiet ausweisen dürfen. Und da sind die besten Grundstücke noch frei! Vor allem die mit Seeblick! Gut, es ist im Moment noch kein See da, net wahr! Aber im Bebauungsplan, da steht er schon drin! Wenn Sie also noch ein Weihnachtsgeschenk brauchen, im oberen sechsstelligen Bereich, dann wenden Sie sich an mich! Abgewickelt wird das alles wie immer über Panama, da haben wir überhaupt keine Berührungsängste in unserem weltoffenen Bayernland! Also dann – habe die Ehre!

JOACHIM HERRMANN: Als Ihr bayerischer … äh … Innenminister … rate ich Ihnen zur Wachsamkeit und … äh … Ruhe. Gerade an einem Fest wie Weihnach… äh …ten. Gerade bei der Auswahl Ihrer Weihnachtsgeschenke sollten Sie an die Sicherheit denken. Deshalb hier meine Empfehlung … äh …en.

Verschenken Sie bevorzugt Dinge, die Sie beschützen. Wie Regenschirme oder Gummistiefel. Vor herabfallenden Meteoriten, wie das jederzeit in Bayern vorkommen … äh … kann, schützt ein handelsüblicher Bauhelm, der mit einer Meteoriten-Einlage zusätzlich verstärkt werden … äh … kann.

Um vor unliebsamem Besuch gefeit zu sein, wechseln Sie am besten täglich Ihr Türschloss aus. Vergessen Sie danach nicht, auch täglich den Schlüssel zu wechseln, sonst haben Sie mit Sicherheit weniger Sicherheit.

Ich möchte Ihnen ferner einige Dinge ans Herz … äh … legen, mit denen Sie große Freude auslösen werden, wenn ein Familienmitglied das Geschenk aus dem Papier herausschält. Eine Überwachungskamera zum Beispiel. Die konsequente Weiterentwicklung des Babyfones und des Trichtergrammofons. Ein Bewegungsmelder, an eine Sirene gekoppelt, sorgt für viel befreiendes Lachen in der Nachbarschaft, vor allem dann, wenn Sie in einer hundereichen Gegend wohnen.

Ein Nachtsichtgerät sollte ebenfalls in keinem Haushalt fehlen. Halten Sie Ausschau, wo demnächst eine Bundeswehrkaserne aufgelöst wird, dort erhalten Sie eine große Auswahl an Sicherheitsprodukten zu günstigen Preisen, bis hin zu Haushaltswaffen und kleinen Panzern.

Die Sicherheit in Bayern … äh … ist sicher. Und zwar sowohl innen wie außen. Für außen bin ich nicht zuständig, nur für innen. Denn schließlich bin ich Ihnen Ihr Innenminister. Vielen Dank.

MARKUS SÖDER: Also da muss ma scho amoll a weng die Kirche im Dorf lassen und sich ehrlich machen. Denn ich sag Ihnen als Ihr Finanz- und Heimat-Minister: In Wahrheit gibt’s an Weihnachten nur vier Geschenke, die WIRKLICH Sinn machen. Ersdens: etwas aus der Heimat. Zweidens wie driddens, vierdens hammer scho ghabd. Denn EINS ist doch völlig klar: Der Wähler erwartet Fairness und Gerechtigkeit, und in beiden Fällen kann er sich voll und ganz auf mich verlassen.

Ich als Ihr Finanzminister und zukünftiger bayerischer Ministerpräsident, wenn nicht Bundeskanzler, rate Ihnen zu bayerischen Wertpapieren beziehungsweise wertigen Papierbayern. Investieren Sie in Ihre bayerische Heimat. Und damit in die CSU. Und damit in die Zukunft. Denn es gilt nach wie vor unsere Devise: Eine Union mit der Union OHNE die Union ist mit der Union nicht zu machen. Erstens wie zweitens, und drittens natürlich auch.

Drum sag ich es noch einmal: Die Basis ist die Grundlaache aller Fundamente. In diesem Sinne: Serwasla!

In der Zwischenzeit, nebenan, im Hinterzimmer der Gastwirtschaft »Zur Stillen Post«. Wir schalten live an den Tisch in der Ecke hinten links …

Zur Stillen Post 2

SÖDER: A Weinschorle bitte, aber ohne Wasser … Servus, Chef, bin scho do, hodd a weng länger gedauert, hob noch an meiner Rede arbeidn müssen.

SEEHOFER: DU arbeitest an deinen Reden? Ich hab immer gedacht, du weißt erst, was du denkst, nachdem du hörst, was du sagst!?

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SÖDER: Im Brinzibb richdich, aber im Einzelfall leider falsch. Mich hams doch zum Ridder g’macht. Wider den dierischen Ernst. Droom in Aachen. Und da muss ich demnächst eine Dankesrede haltn, und die muss fetzn, so richdich crispy und funky!

SEEHOFER: Was machst du, damit es lustig wird?

SÖDER: Den Dexd schreibt der ehemaaliche Rednschreiber vom Helmut Kohl, und bei dem ham si die Leut aa immer gebochn vor Lachen …

SEEHOFER: Gute Idee! Was sagst du, damit sich die Merkel ärgert?

SÖDER: Des Wort »Obergrenze« kommt zwanzichmal vor.

SEEHOFER: Ha! Das gefällt mir! Obergrenze! Das kann man nicht oft genug sagen!

SÖDER: No freilich, hammers doch scho widder. Obergrenzen gibds überall. Beim Algoholwert für Audofahrer zum Beischbiel. Oder beim Bangsionsalder. Gell, Horst, immer a weng dro denggn …

SEEHOFER: Ich hab schon verstanden. Das waren aber erst zwei Obergrenzen. Und die anderen 18?

SÖDER: 17 Mal geht’s um Flüchtlinge. Und beim 18. Mal geht’s um eine Obergrenze für Ministerpräsidendn-Nachfolcher. Des muss doch amoll aufhörn, dass sich da jeds hergelaufene CSU-Kaschberl für deinen Nachfolcher hält.

SEEHOFER: Bei diesem Thema gibt es aber auch eine UNTERGrenze!

SÖDER: Subber! Spitzn-Idee! Hobbi aber noch net verschdandn …

SEEHOFER: Das wird dich jetzt hart treffen, Markus, denn mein Nachfolger muss natürlich auch eine Untergrenze einhalten! An Niveau, an Bildung, an Intelligenz!

SÖDER: Find i subber. Somit is die Untergrenze gleichzeidich wieder eine Obergrenze. Bau i gleich ein in meine Rede, denn des Gleiche gilt nadürlich für eine Bundeskanzlerin genauso.

SEEHOFER: Und zwar in noch höherem Maße! Wir fordern: Keine Obergrenze für Untergrenzen!

SÖDER: Aber endlich eine Obergrenze für Obergrenzen!

SEEHOFER: Und wie ich dich kenne, beschließt du deine Rede mit deinem Lieblingssatz: Eine Union …

SÖDER: Eine Union mit der Union ohne die Union ist mit der Union nicht zu machen. Alaaf und helau!

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3. Weihnachtsfeier

ANGELA MERKEL: Meine lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger in beiden Teilen Deutschlands und sogar in Bayern!

Ich grüße Sie mit einem grüabigen »Vergelte es Gott!« und wünsche Ihnen eine segensreiche Vorweihnachtszeit. Wir Deutschen aus dem erst später dazugekommenen Deutschland tun uns ja immer ein bisschen schwer mit dem Jahresendzeitfest. Wir kennen das in seiner vollen Wucht erst seit 1990, und einige von uns tun sich immer noch schwer mit dem jährlichen Vollzug.

Damit dieser Schritt in die Freiheit des Festefeierns etwas leichter fällt, empfehle ich allen Unternehmerinnen und Unternehmern das Abhalten einer sogenannten Weihnachtsfeier. Das ist gut für das Betriebsklima und senkt den Ausstoß giftiger Schadstoffe.

Was gibt es denn Schöneres als einen gemeinsamen Abend im Zeichen des Tannenbaums unter dem Weihnachtsmann? Geschäftsführer und Lagerarbeiter sitzen genauso friedlich nebeneinander wie die Regierungschefin und ihr Pressesprecher. Die sozialen Grenzen verschwimmen genauso wie mit zunehmendem Glühweinkonsum die Konturen der Umgebung. Es wird fröhlich gesungen und gescherzt, und schnell wechselt man zum vertrauten »Du«, zumindest bis zum nächsten Tag, wenn man den Irrtum eingesehen hat.

Mit meinen Freunden und Feinden auf der Regierungsbank pflege ich dieses gemütliche Beisammensein schon seit vielen Jahren. Und jedes Mal kam es bisher zu heftigen Auseinandersetzungen und höchst peinlichen Szenen, die noch nach Jahrzehnten für Gesprächsstoff sorgten!

Wie sage ich immer so pfiffig: An eine Hochzeit, bei der alles glattgeht, erinnert sich später kein Mensch. Aber wenn der Pfarrer in den Swimmingpool fällt oder die Braut im Dings erwischt wird, in diesem italienischen Ding, wie heißt es gleich – in flagranti! Na, dann ist Stimmung im Laden, und der Bekanntenkreis hat viele schöne Erinnerungen und Gesprächsstoff für eine lange Zeit!