Saul Black
Killing Days
Thriller
Aus dem Englischen von Christine Gaspard
Knaur e-books
Saul Black ist das Pseudonym des britischen Autors Glen Duncan, geboren 1965, der bereits mehrere Romane veröffentlicht hat. Er studierte Philosophie und Literatur und lebt in London.
Die englische Originalausgabe erschien 2016 unter dem Titel
»Love Murder« bei Orion, London.
© 2017 der eBook-Ausgabe Knaur eBook
© Glen Duncan 2016
The moral right of Glen Duncan to be identified as the author
of this work has been asserted in accordance with the
Copyright, Designs and Patents Act of 1988.
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
Ein Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG, München
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit
Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.
Redaktion: Kirsten Reimers
Covergestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Coverabbildung: Gettyimages/Yael Yolovitch/EyeEm
Die Übersetzung des Gedichts »Hinweise auf die Unsterblichkeit« von
William Wordsworth stammt von Dietrich H. Fischer:
www.william-wordsworth.de/translations/ode.html
ISBN 978-3-426-42568-8
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
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Katherine Glass war von exquisiter Schönheit und die meistgehasste Frau Amerikas, und eines nassen Dienstagnachmittags im Mai 2009 saß Detective Valerie Hart vom Morddezernat San Francisco in dem Gerichtssaal in der Bryant Street und starrte ihren berühmten blonden Hinterkopf an. Die Schuldfrage war soeben entschieden worden, und trotz Justice Amanda Delgados Gehämmer und ihren wiederholten Ordnungsrufen hörte sich der Saal jetzt an wie eine Cocktailparty auf dem Höhepunkt des Abends. Die Anklage – sechsfacher vorsätzlicher Mord. Schuldig in allen sechs Fällen. Die Zuschauergalerie gab sich einem Rausch selbstgerechten Taumels hin. Die Gesichter waren gierig und erregt. Geschieht dem Dreckstück recht. Das Böse in Person.
»Ruhe«, forderte Justice Delgado zum vierten Mal. »Ruhe!« Delgado war eine kantige Latina Anfang fünfzig, deren kleines, an ein Fohlen erinnerndes Gesicht längst keine Überraschung mehr zeigte, aber Valerie hatte gesehen, wie die abgestumpfte Gefasstheit im Lauf des Prozesses brüchig zu werden begann. Ebenso wie die Jury hatte Delgado die Videos gesehen, die Katherine Glass überführten. Ebenso wie, unvermeidlich, Valerie selbst. Jetzt hatte auch sie die Bilder im Kopf, für den Rest ihres Lebens. Sie alle hatten jetzt diese Bilder.
»Ruhe!«
Valerie stieß den Atem aus, den sie angehalten hatte, ohne es zu merken. Die Anspannung in ihrem Körper blieb. Keine Erleichterung. Zwar hatte sie Katherine Glass aufgespürt, zwar war Katherine Glass ab sofort aus dem Spiel.
Aber Katherine Glass war, wie jedermann wusste, nur eine Protagonistin in diesem Spiel.
Die Videos hatten noch einen zweiten Hauptdarsteller: Katherines maskierten Liebhaber, Regisseur, Choreographen, Seelenverwandten und Komplizen in ihrer unfassbaren Serie von Verbrechen. Nach Monaten der Ermittlungsarbeit und trotz allem, was Katherine dazu beigesteuert hatte, war er immer noch irgendwo dort draußen. Er war immer noch unbekannt, unangetastet und fast mit Sicherheit kein bisschen abgeschreckt. Sechs Frauen waren tot, und er war nach wie vor – der Ausdruck jagte ein Gefühl der Schwäche wie einen kleinen Stromstoß bis hinunter in Valeries Magengrube – auf freiem Fuß.
Mittlerweile stand Katherine Glass, weiß und golden, mit Augen wie Juwelen und nicht auf freiem Fuß, reglos vor der Anklagebank. Ihr blondes Haar war in dem straffen Pferdeschwanz zusammengefasst, der zu ihrem Markenzeichen geworden war. Wenn sie litt, dann war es ihr nicht anzumerken. Es war, wie Valerie sehr gut wusste, nicht so, dass das Urteil sie überrascht haben konnte. Im Prozess war es um die Frage gegangen, ob die Angeklagte – zum Teufel mit der Political Correctness – wahnsinnig war. Der altmodische moralische Reflex sagte, dass in Anbetracht dessen, was sie getan hatte, alles andere undenkbar war. Ihre Taten bewiesen ihren Wahnsinn. Aber dies war das 21. Jahrhundert. Die binären Gewissheiten hatten ausgedient. Die Welt hatte sich an den Gedanken gewöhnt, dass man in jeder Hinsicht rational, stabil, intelligent, normal sein konnte – bis auf das Vergnügen an den Dingen, die Katherine und ihr Liebhaber getan hatten. Die Welt konnte nicht mehr so tun, als seien mit den Worten Mensch und Monster zwei verschiedene Spezies gemeint. Monstrosität war einfach eine weitere unter den Möglichkeiten, die Menschen zur Verfügung standen, so wie Vegetarianismus oder Tai-Chi.
Selbstverständlich hatten Katherines Verteidiger alles Nötige getan. Persönlichkeitsstörung und verminderte Schuldfähigkeit. Niemand hatte es ihnen abgenommen. Niemand würde es ihnen jemals abnehmen. Der kollektive Wille verlangte nach Vergeltung. Wenn Katherine unattraktiv gewesen wäre, dachte Valerie, dann hätte sie vielleicht eine Chance gehabt. Aber so, wie sie aussah, war das Ganze ein Fait accompli. Die New York Times hatte sich in der Beschreibung »ein lebendes Koan der Schönheit und Verderbtheit« gefallen. Ein literarisch ambitionierter Beitrag in der Chronicle bezeichnete sie als »das groteske und faszinierende Produkt einer Liaison von Luzifer und Aphrodite«. Der National Enquirer blieb seiner Leserschaft treu und nannte sie den »Sex-Engel des Todes«, während Twitter neben zahllosen anderen Idiotien die Erkenntnis geliefert hatte, dass Helena von Troja neben Katherine Glass aussah »wie ’ne Schippe Maden«. Sie mochte die meistgehasste Frau Amerikas sein, aber der Hass schwamm in blankem Begehren, und mehr noch als ihre Verbrechen war diese Tatsache der Grund dafür, dass sie vernichtet werden musste.
Was, wie Valerie wusste, Justice Delgado zwischen dem jetzigen Zeitpunkt und der Urteilsverkündung noch massive Kopfschmerzen bereiten würde. Seit dem Jahr 2006, als ein Richter Mängel im Hinrichtungsverfahren durch die Giftspritze entdeckt und daraufhin alle Hinrichtungen in Kalifornien ausgesetzt hatte, stauten sich die anstehenden Todesurteile wie Flugzeuge über einem überlasteten Flughafen. Die rechtliche Überprüfung des angeblich verbesserten Giftcocktails zog sich hin, und davon abgesehen gingen auch die juristischen Schlachten zwischen den Anwälten der Todeskandidaten und dem Generalstaatsanwalt des Bundesstaates weiter. Es lief darauf hinaus, dass ein Moratorium für die Hinrichtung von Todestraktinsassen bestand – und damit, auch wenn niemand es aussprach, für das Verhängen von Todesurteilen. Katherine Glass würde für den Rest ihres Lebens eingesperrt bleiben, aber der geifernden Mehrheit würde das nicht genügen. Nur ihr Tod würde ausreichen.
Valerie stand auf und machte sich durch die warme Menschenmenge hindurch auf den Weg zu der eichenen Doppeltür in der Rückwand des Gerichtssaals. Der Prozess hatte sie ausgelaugt, und die stundenlangen Verhöre mit Katherine Glass hatten Schmutzspuren an ihr hinterlassen, die nie ganz verblassen würden. Was sie jetzt wollte, war, hinauszugehen in die feuchte Luft von San Francisco, sich eine Marlboro anzuzünden, zwei Häuserblocks weit zur nächsten Bar zu gehen und dort einen dreifachen Wodka Tonic zu bestellen. Gefolgt von mindestens drei weiteren, denn sie brauchte heute nicht mehr zu arbeiten. Aber am Ausgang zwang eine Eingebung sie dazu, sich umzusehen.
Katherine stand immer noch, in Handschellen und von ihren Bewachern flankiert. Valerie dachte an die Videos, die weinenden Opfer, die sorgsam geplante Steigerung ihres Leidens, die ausgefeilten Szenarien und Aufschübe, die auf einen glücklichen Ausgang hoffen ließen, das Flehen, die unverkennbare Raffinesse, mit der Katherine und ihr Liebhaber an ihr Tun herangingen, den beißenden Humor, der ihnen gemeinsam war – und die seltsame, von der Kamera eingefangene Ernüchterung, die zwischen ihnen einsetzte, wenn der Augenblick schließlich gekommen und das Leben des Opfers zu Ende war und es nichts mehr gab, das sie zu ihrem Vergnügen tun konnten. Sie dachte an all die Unterhaltungen, die sie mit Katherine geführt hatte, nur um die Breite des Tischs im Verhörzimmer von der erschütternden Schönheit der Frau getrennt, an Katherine mit den wundervollen weißen Händen und dem ruhigen Mund und den allwissenden grünen Augen (Biestaugen, wie Will sie genannt hatte), die mit gelassener, wohlformulierter Präzision sprach, als verfüge sie bereits über ein Wissen, auf das der Rest der Menschheit noch mit lachhafter Langsamkeit zuschlurfte.
Sieh sie nicht an. Dreh dich weg und geh.
Aber während sie noch zögerte, drehte Katherine Glass sich um und sah sie an – und lächelte.
Das ist der Moment, den du gefürchtet hast«, rief Nick Blaskovitch aus der Dusche des Bay Club. »Die große Verschiebung im Gleichgewicht der Kräfte. Wie alles, was man fürchtet, war es letztendlich wahrscheinlich eine Befreiung. Man darf ruhig weinen, das ist okay.«
»Versteh doch, ich hab einen schlechten Tag«, antwortete Eugene Trent von der Bank, auf der er in seinen weißen Calvins saß und sich die Füße abtrocknete.
Nick hatte ihn soeben im Squash besiegt, zum ersten Mal, seit sie anderthalb Jahre zuvor angefangen hatten, gegeneinander zu spielen.
»Ich bin erschöpft von der Bumserei die ganze Nacht«, fügte Eugene hinzu. »Ein Problem, das du ganz unverkennbar nicht hast – und das ist es, worum es hier in Wirklichkeit geht, das nur nebenbei. Du hast heute ganz einfach deiner Eifersucht und Rage freien Lauf gelassen. Das hat dir einem sexgeschwächten Gegner gegenüber einen Vorteil verschafft, aber wenn du dir einbildest, dass es etwas anderes war als ein einmaliger Aussetzer, dann ist das einfach Selbsttäuschung. Tatsächlich war es eine grausame Kostprobe von etwas, das du nie wieder erleben wirst.«
»Das hatte ganz klar psychologische Gründe«, gab Nick zurück. »Ich konnte es spüren – du hast dein Repertoire erschöpft. Du weißt, dass du nicht mehr besser wirst. Wohingegen ich« – er stellte das Wasser ab und griff nach dem Handtuch – »meins noch erweitere. Ich bin nach wie vor … im Aufstieg begriffen.«
»Komm mir bloß nicht mit Repertoire«, sagte Eugene. »Das Mädchen gestern Abend war siebenundzwanzig, und sie hat sich den Finger in den Arsch geschoben. Ihren Arsch, wohlgemerkt, nicht meinen. Ich meine ja bloß, so was fordert seinen Tribut.«
Das Ritual nach dem Spiel umfasste zwei Bier pro Nase in der Bar des Clubs. Nach den Gladiatorenstrapazen der Partie reichten zwei Bier völlig, um Nick in eine angenehm beschwingte Stimmung zu versetzen; mehr als zwei, und er hätte nicht mehr nach Hause fahren können.
»Im Ernst«, fuhr Eugene fort, »diese Mädchen heute … ich weiß nicht, was da passiert ist. Ich meine, okay, sie war dreizehn Jahre jünger, und was zum Teufel weiß denn ich et cetera, aber das hat wirklich was von einer Generation Porno. Ich mag das nicht. Ich will derjenige sein, der den korrumpierenden Einfluss ausübt, verstehst du? Ich möchte das Mädchen drauf bringen, dass sie sich den Finger in den Arsch schiebt. Ich bin da altmodisch. Genau genommen, wenn es um Schweinereien geht, bin ich ein Romantiker.«
Auch das war ein Ritual – Eugene in der Rolle des vom Leben gebeutelten Satyrs gegen Nick, den sesshaften Monogamisten. Nick und Valerie waren jetzt (zum zweiten Mal) seit etwas mehr als zwei Jahren zusammen – seit er nach San Francisco zurückgekommen war, um in der Abteilung Computerforensik der örtlichen Polizei zu arbeiten.
»Ich weiß, dass du glaubst, dass ich das will, was du hast«, sagte Nick. »Aber in Wirklichkeit ist es einfach so, dass du das glauben musst, weil du nämlich das willst, was ich habe.«
»Irgendwann mal«, sagte Eugene. »Natürlich, irgendwann mal. Aber jetzt noch nicht. Im Moment bin ich auf dem Höhepunkt meiner Jahre. Es ist ein Verbrechen gegen die Männlichkeit, diese Jahre zu verschwenden. Sei mal ehrlich: Wo steht ihr zwei inzwischen? Ein Mal pro Woche? Zwei Mal pro Monat?«
»Such dir einfach eine Zahl aus, die dir drüber weghilft, dass du alt und einsam sterben wirst.«
»Was ist so schlimm dran, alt und einsam zu sterben? Ich nehme mir ein Hausmädchen. Ich kann mir eine schöne Beziehung mit einem Hausmädchen vorstellen. Wie bei Philip Roth, aber zärtlicher.«
Es war eine merkwürdige Freundschaft, die sie verband, dachte Nick – geboren aus einem Zufall der Sorte, von der man meinen sollte, das überreglementierte 21. Jahrhundert hätte sie abgeschafft. Nick spielte Racquetball, und sein üblicher Gegner war immer Valeries Partner Detective Will Fraser gewesen. Aber vor anderthalb Jahren hatte Will sich fünf Minuten nach Beginn ihrer Partie einen Wadenmuskel gezerrt, und sie waren gezwungenermaßen in die Bar umgesiedelt. Eugene, den sie als einen weiteren Stammgast vom Sehen kannten, war von seinem eigenen Partner versetzt worden, und weil er einen zweiten Schläger besaß, hatte er Nick gefragt, ob er es einmal versuchen wollte. Seither hatten sie alle zwei oder drei Wochen gespielt. Eugene gehörte zu den Verrückten, die glaubten, ihre caligulesken Exzesse mit übermenschlichem Fitnesstraining kompensieren zu müssen. Anfangs hatte Nick Mühe gehabt, eine Partie ohne Nasenbluten oder Übelkeitsanfälle zu überstehen, aber seine natürliche Begabung für alle Sportarten, für die man einen Schläger braucht (sowie das, was Eugene als seinen »hinterhältigen Bastardstil« bezeichnete), hatte den Abstand zwischen ihnen mit der Zeit verringert. Und jetzt also der epochemachende Sieg. Der Verlierer bei alldem war Will Fraser. Durch das Squashspielen hatte sich Nick auch im Racquetball so verbessert, dass Will seit Monaten keine Partie mehr gewonnen hatte, und Nick war inzwischen in der besten Form seines Lebens.
Valerie hatte die Hände über die glatten Muskeln gleiten lassen und dazu gealbert: »Bist du sicher, dass es wirklich bloß um Squash geht? Ich meine, das läuft nicht irgendwann auf das Bekenntnis raus, dass du schwul bist, oder?«
»Ich gehe davon aus, du triffst sie noch mal?«, fragte Nick Eugene. »Hört sich an, als wäre sie perfekt für dich.«
»Das hatte ich auch gedacht«, sagte Eugene. »Aber heute Morgen war sie auf den Beinen und angezogen, bevor ich’s aus dem REM-Schlaf geschafft hatte. Wenn ich nicht gehört hätte, dass die Tür aufgeht, wäre sie im Treppenhaus gewesen, bevor ich’s bemerkt hätte. So hab ich gesagt, hey, warum die Eile? Komm wieder ins Bett. Ich kenne einen tollen Laden zum Frühstücken. Sie hat mich angesehen, als wäre ich ein kompletter Depp.«
»Vielleicht hat sie deine Verwirrung mitbekommen, als sie sich den Finger in den Arsch gesteckt hat?«
»Keine Witze bitte. Das hat mich verletzt. Ich hatte wirklich gedacht, wir wären auf einer Wellenlänge. Wir haben einander im Arm gehalten, als wir eingeschlafen sind. Ich hab ihr die Füße massiert, verdammt noch mal.«
Nick lächelte. Er nahm die Geschichten von Eugenes sexuellen Eroberungen nie besonders ernst, aber diesmal sah Eugene tatsächlich verletzt aus.
»Weißt du, was sie zu mir gesagt hat?«, fuhr Eugene mit hängenden Schultern fort. »Sie hat gesagt: ›Du bist süß.‹ Süß! Sie hat mir nicht mal ihre Nummer gegeben. Ich meine, sie hätte ja wenigstens eine falsche Nummer dalassen können. Jeder zivilisierte Mensch hätte das getan.«
»Wie fühlt es sich an, zu wissen, dass man sexuell eine Enttäuschung war?«
»Einfach ist es nicht. Ich bin nicht dran gewöhnt. Als sie weg war, hab ich mich in der Dusche hingesetzt. Man setzt sich in der Dusche nicht hin, wenn man nicht wirklich traumatisiert ist.«
Sie gingen hinaus auf den Parkplatz. Der Tag war sonnig und warm, und ein leichter Wind trug den frischen Salzgeruch von der Bucht herüber. Nick ging nur selten das Risiko ein, sich sein eigenes Glück einzugestehen, aber gelegentlich drang ein kurzer Strahl zu ihm durch. Er spürte es jetzt, auf dem Umweg über die sonnenbeschienenen Autos und den rauhen Geruch des Ozeans und die ehrliche Erschöpfung seines Körpers und die sanfte Wirkung des Biers. Diese Dinge drangen wieder zu ihm durch, jetzt, da er Valerie hatte, jetzt, da er (und dies war das Aufblitzen, das ihn schockierte, eine Art entzückter Erkenntnis der schieren Absurdität des Ganzen) die Liebe hatte.
»Was habt ihr denn fürs Wochenende geplant?«, fragte Eugene. »Halt, Moment, lass mich raten: zusammen fernsehen. Die alten Socken zu Paaren ordnen. Das Klo putzen.«
»Genau genommen fahren wir in den Norden«, sagte Nick. »Weinberge und ein tolles kleines Hotel in Calistoga. Dann an den Strand.«
»Was, inzwischen kriegen die Bullen am Wochenende frei?«
»Eins pro Jahrzehnt.«
»Und dafür gehen meine Steuergelder drauf? Wer fängt die ganzen Mörder, während deine Lady am Strand ihre Mimosas trinkt?«
»Was soll ich sagen? Schließ Fenster und Türen ab.«
Sie vereinbarten das nächste Treffen in zwei Wochen und gingen zu ihren Autos.
»Hey«, rief Nick über die Schulter.
Eugene blieb stehen. »Was?«
»Viel Glück in der venerologischen Klinik.«
Eugene öffnete den Mund, um zu antworten, aber der Anblick einer umwerfenden, rothaarigen jungen Frau, die gerade aus ihrem flaschengrünen Jaguar-Cabrio stieg, lenkte ihn ab. Das Sonnenlicht schimmerte auf ihren nackten Beinen und Schultern. Eugene sah zu Nick hinüber: Siehst du? All das ist noch in meiner Reichweite.
Nick schüttelte den Kopf, drehte sich um und ging. Weinberge und ein tolles kleines Hotel in Calistoga. Dann an den Strand. Was er nicht erwähnt hatte: Oh, und ich werde Valerie fragen, ob sie mich heiraten will. Nicht, weil er Eugenes Verblüffung fürchtete (tatsächlich freute er sich auf sie, darauf, Eugenes Gesichtsausdruck zu sehen, irgendwas zwischen Empörung und Neid; er würde es ihm während ihrer nächsten Partie mitteilen, in dem Moment, wenn Eugene unmittelbar vorm Aufschlag den Ball aus der Hand gegeben hatte), sondern weil es gegen etwas in seinem Inneren verstieß, mit jemandem darüber zu sprechen. Er hatte mit niemandem darüber gesprochen. Er war einfach über eine merkwürdig unbestimmte Zeitspanne hinweg mit dem vagen Gefühl herumgelaufen, dass er die Frage stellen würde, bis das vage Gefühl vor ein paar Wochen dann aufgehört hatte, vage zu sein, und zur zentralen Gewissheit seines Lebens geworden war. Er war eines Nachmittags gekommen, dieser Moment der Erkenntnis, während einer seiner Wanderungen im Cascade Canyon, den er schon als Junge mit seinem Vater durchstreift hatte. Die Liebe (es war wirklich lachhaft, und er lachte tatsächlich auch – über sich selbst) vereinfachte die ästhetischen Ansprüche. Er beobachtete sich dabei, dass er elementare Dinge wollte: Himmel, Felsen, Bäume, Wasser. Er kam sich absurd archetypisch vor: ein Mann, der seine Frau gefunden hatte. Er wusste, das war lächerlich, aber er kam nicht dagegen an. Ob es ihm nun gefiel oder nicht, dies war eine große, wunderbare, fast komische Wahrheit, in die er eingelassen wurde wie ein Pferd, das man auf eine Koppel mit köstlichem Gras ließ. Er nahm an, dass es bei prähistorischen Menschen so gewesen sein musste, dieses absurde, urtümliche Erkennen. Valeries Notwendigkeit war offenkundig und unausweichlich wie die Hitze einer Flamme oder die Süße von Honig. Es war wundervoll, sich mit etwas konfrontiert zu finden, gegen das es keine Argumente gab, so peinlich es ihm auch gewesen wäre, es zu erklären, hätte jemand nachgefragt. Und so hatte er den Tag mit Gehen verbracht, und jedes Mal, wenn er einen Fuß vor den anderen setzte, fand er sich bestätigt.
Du wirst also Valerie heiraten.
Na ja, jetzt, wo du’s erwähnst, ja, ich denke schon.
Dann besorg halt einen Ring, Blödmann.
Okay.
Also hatte er es getan. Es hatte eine Weile gedauert. Es hatte lächerlich lang gedauert, um genau zu sein. Valerie trug immer nur einen Ring (und den nicht am Ringfinger), die Hälfte eines Paares, das ihre Eltern für sie und ihre Schwester Cassie hatten anfertigen lassen und ihnen dann jeweils zu ihrem achtzehnten Geburtstag geschenkt hatten. Sie trug nur diesen einen Ring (Silber und Amethyst), aber die Schmuckschatulle auf ihrer Kommode enthielt ein Dutzend oder mehr. Hey, wieso trägst du eigentlich nie einen von denen hier? Er hatte abgewartet, bis sie beide etwas betrunken gewesen waren, und sie dann dazu gebracht, einen nach dem anderen anzuprobieren. Er merkte sich den Ring, der an ihren Ringfinger passte, und verwendete ihn ein paar Tage später, um die Weite des eigentlichen Rings zu bestimmen. Den er ihr nun präsentieren würde (voraussichtlich nicht auf einem Knie, denn dann würde sie annehmen, er habe den Verstand verloren, aber man konnte nicht wissen, was das Leben im letzten Moment noch auf ihn loslassen würde), dieses Wochenende in dem Hotel in Calistoga, bevor sie ins Bett gingen. Merkwürdigerweise gefiel ihm der Gedanke, ihr den Antrag zu machen, wenn sie nackt dort stand und sich die Zähne putzte. Er wollte zusehen, wie ihr Gesicht sich im beschlagenen Spiegel veränderte. Er mochte die Vorstellung, wie sie, die dunklen Augen geweitet und Zahnpastaschaum am Mund, das dechiffrierte, was er gerade gesagt hatte, wie es ankam, wie sie die Zahnpasta ausspuckte und dann sagte: Ja. Er wusste, dass sie ja sagen würde. Sie hatten nie übers Heiraten gesprochen. Aber so war es eben: Er würde sie fragen, und sie würde ja sagen. Es hatte seinerseits nichts mit Arroganz zu tun. Es war einfach nur reines, geoffenbartes Wissen.
Er ließ den Motor an, setzte die Sonnenbrille auf und lenkte den Wagen vom Parkplatz. Er hatte noch ein paar Stunden, bevor Valerie nach Hause kam; er gedachte sie zu nutzen, indem er mögliche Ziele für die Hochzeitsreise heraussuchte. Es war ihm nicht wichtig, wohin sie fuhren. Er wusste nur, er wollte sie mit irgendeinem elaborierten Cocktail in einer Hängematte liegen sehen, mit Händen und Knöcheln, die vor Sonnenmilch glänzten.
Er hatte neuerdings solche Visionen. Sie waren die Dogmen seiner seltsamen neuen Religion.
Die Bar in der Lobby des San Francisco Imperial war beinahe leer. Melody saß allein an ihrem Tisch, überbordend lebendig im Vergleich zu den Dingen des Lokals. Fenstergerahmtes nachmittägliches Sonnenlicht, ein tiefroter Teppichboden und ein Geruch von forcierter Sauberkeit. Eine zierliche blonde Barfrau in weißem Hemd und schwarzer Weste schnitt Limetten, die Flaschen hinter ihr wie wuchtige Juwelen: Smaragd, Rubin, Bernstein, Diamant.
Es war passiert. Melody hätte nicht sagen können, wann genau, aber zum ersten Mal in ihrem Leben war sie nicht allein. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sich das Geheimnis, das sie von anderen Menschen trennte wie eine dicke unsichtbare Fettschicht, in nichts aufgelöst. Ihr Körper hatte ein klammheimliches Geschenk erhalten. Jetzt bewegte sie sich erfüllt von Bestimmung durch ihre Tage.
Sie überprüfte die Uhrzeit auf dem Handy. 14:38 Uhr. Sie hatte die Diät-Cola kaum angerührt, und obwohl ihr Mund trocken war, nahm sie nur einen winzigen Schluck, bevor sie aufstand und quer durchs Foyer zur Damentoilette ging. Das Adrenalin erfüllte sie mit der vertrauten, rauschhaften Schwäche. Ihr Gesicht war heiß, und ihre Handflächen prickelten, als träten winzige Sterne aus ihrer Haut hervor.
Die Damentoilette war in makellos blassem Marmor gehalten, mit weihnachtshafter Halogenbeleuchtung. Sie ging in eine Kabine und versuchte zu pinkeln. Kaum ein Tröpfeln, aber es half ihr, sich bereit zu fühlen. Sie wollte immer bereit sein für ihn, sauber, unabgelenkt, die neue, maximale Version ihrer selbst. Den Slip nach unten zu ziehen erregte sie. Sie hatte gestern noch ein frisches Bikiniwaxing machen lassen, und die Haut zwischen ihren Beinen war nackt und empfindsam.
Sie zitterte, als sie sich die Hände wusch und abtrocknete und danach sorgsam ihr Make-up auffrischte. Sie war eine dunkelhaarige Frau mit rundem Gesicht und espressofarbenen Augen. Sie erweckte den Eindruck sowohl von Gewicht als auch von Geschmeidigkeit. In den vergangenen Wochen hatte sie zwanzig Pfund abgenommen, aber ihr war klar, dass die Leute auf der Straße sich immer noch nicht nach ihr umdrehten.
Mit Ausnahme von ihm.
Er hatte zu ihr gesagt: Ich habe es gewusst, vom ersten Moment an, als ich dich gesehen habe. Es ist in deinen Augen. Ich sehe diese Dinge. Ich irre mich nie.
Der letzte Satz hatte ihr nicht gefallen. Ich irre mich nie. Das bedeutete, es hatte noch andere gegeben. Gab sie vielleicht noch.
Melody stellte den Gedanken ab. Die Anzahl von Gedanken, die sie abstellen konnte, war unbegrenzt. Er hatte gesagt: Du hast dein ganzes Leben darauf gewartet. Und natürlich hatte er recht gehabt. Wenn er sie ansah, dann sah er sie. Es gab nur noch einen einzigen anderen Menschen auf der Welt, der sie so sah.
Sie nahm den Aufzug und fuhr allein in den achten Stock hinauf. Der federnde goldfarbene Teppich des menschenleeren Hotelflurs brachte sie auf ihren hohen Absätzen ins Taumeln. Bei jedem anderen Mann hätte sie einen alkoholischen Mutmacher gebraucht.
Nicht bei ihm. Bei ihm wurde allein die Tatsache ihres reinen, unberührten Selbst zu einer betäubenden Erregung; sie brachte sie immer wieder an einen Punkt, an dem sie sich sicher war, dass sie umfallen würde, ohnmächtig werden, sterben. Aber sie tat es nicht.
Zimmer 809.
Sie schluckte. Hob die Hand. Klopfte an.
Er öffnete die Tür, und bei seinem Anblick schnellten sämtliche Skalen ihres Selbst in die Höhe, obwohl sie Sekunden zuvor noch geglaubt hatte, ihre Aufregung könne größer nicht mehr werden.
Er hatte die Vorhänge geschlossen, und der Laptop stand aufgeklappt auf dem makellos gemachten Bett.
»Wir reden später«, sagte er. Dann küsste er sie. Weiche Hitze hüllte sie ein. Es war, als drängte sich jedes Atom des Zimmers an sie beide, eine geschmeidige Intelligenz, die sie dicht aneinanderhielt. Sie hatte noch nie erlebt, dass etwas makellos, vollkommen passte. Jetzt und mit ihm erkannte sie den Zustand wie eine Erinnerung aus einem anderen Leben.
Sie war sofort feucht, ihr Slip durchweicht. Er führte sie zum Bett, und sie legten sich zusammen hin. Für Melody wurde alles zu warmem Nebel und sprühte zugleich vor klaren Details. Zu küssen war eine süße schwere Blindheit, eine weiche Dunkelheit, die sie erfüllte.
Er drehte sie auf die Seite und legte sich hinter sie. Er schob ihren Rock nach oben und den Slip abwärts bis zu den Waden. Als sie nach hinten griff, traf ihre Hand auf seine, die den Reißverschluss öffnete. Ihr Atem wurde schneller.
Sekundenlang hielt er die Spitze seines Schwanzes an ihrer Möse und ließ sie warten. Sie wollte, was sie wollte. Alles, was sie wollte, war die eine gigantische Gewissheit, die ihr Leben in Besitz genommen hatte, so dass kein Platz – kein Platz – mehr war für irgendetwas sonst. Manchmal blitzte das Wort »Liebe« in ihr auf wie eine explosive Droge, aber sie sprach es nicht aus.
»Du willst sehen, richtig?«, fragte er.
»Ja.«
Der vertraute Schock des Wortes. Ja. Alles, was zwischen ihnen war, ging auf dieses Wort zurück. Ja.
Er glitt in sie hinein, schob einen Arm unter sie, um sie dicht an sich zu ziehen. Mit dem anderen Arm griff er über sie hinweg und drehte den Laptop zu ihnen beiden herum.
»Wir werden alles haben«, sagte er. »Du weißt das, oder nicht?«
Ihre Kehle war eng. Ihre Möse pochte. Sie wollte es verzweifelt in die Länge ziehen, und sie wollte verzweifelt beginnen.
Seine Hand hing über der Tastatur in der Schwebe, während er sich in ihr bewegte.
Dann drückte er auf die Abspieltaste, und die Aufnahme lief an, und innerhalb von Sekunden hatte Melody den Zustand erreicht, für den sie jetzt lebte, wenn die Zeit ihre Bedeutung verlor und sie sich selbst vollkommen vergaß und Chaos und Frieden ein und dasselbe waren und die Seuche ihres alten Lebens sich in nichts auflöste und sie in der alles auslöschenden Vollkommenheit aus Hunger und Seligkeit ebenso gut Gott hätte sein können.
Valerie lag nackt auf ihrem Bett, die Gliedmaßen von sich gestreckt wie ein Seestern, und wartete darauf, dass ihre Geschichte (und mit ihr der Rest des Universums) sich wieder zusammenfügte nach dem süßen Chaos des letzten Orgasmus. Des dritten, seit sie aufgewacht war. Das Fenster mit seinen noch geschlossenen Vorhängen war ein Barren aus sanftem orangefarbenem Licht.
»Heilige Scheiße«, seufzte sie leise.
Nick Blaskovitchs schweißnasses Gesicht lag auf ihrem linken Oberschenkel, während seine Hand unterhalb des Nabels Kringel auf ihre Haut zeichnete. Er antwortete nicht, aber einen Moment später bewegte er den Kopf und küsste sie sehr sanft zwischen die Beine.
Es war der Samstagmorgen ihres kostbaren freien Wochenendes, das, weil Valerie beim Morddezernat arbeitete, jeden Moment gestrichen werden konnte. Sie lebten beide in panischer Angst vor ihrem Smartphone. Das Smartphone war ein schlafendes Ungeheuer, ein launischer Gott, eine tickende Bombe. Je länger sie an Ort und Stelle blieben, desto mehr war es versucht zu klingeln.
»Wir sollten aufstehen«, sagte Valerie.
»Ich weiß«, antwortete Nick.
Keiner von ihnen rührte sich. Geplant waren die Weinberge von Napa Valley am Nachmittag, Abendessen in Calistoga, Übernachtung in einem luxuriösen B&B, dann am Sonntag weiter nach Gualala, das Meer, der weite Himmel, das sanfte Donnern und salzige Klatschen der Brandung, die stille Heimfahrt in der Abenddämmerung mit sonnenaufgeladener Haut, die nach Strand roch, das wunderbare Kindheitsgefühl verbrauchter Energie. Sie stürzten sich in ihre Vergnügen, wann immer sie konnten. Eine Folge ihres Berufs. Dem Beruf, in dem sie tagtäglich mit Verdorbenheit und Tod lebten.
»Wenn du damit weitermachst«, sagte Valerie, »dann weißt du, was passieren wird.«
»Ja.«
»Diesmal wird es länger dauern. Ich bin auch bloß ein Mensch.«
»Gut.«
»Du wirst anfangen, dich zu langweilen.«
Er machte weiter.
»Einen steifen Hals kriegen.«
Er ignorierte sie. Sie hob die Hüften an, entzückt von ihrer eigenen Trägheit und Gier. Der Geist des Familienkatholizismus sagte: Für all das wirst du bezahlen müssen, das weißt du. Vor allem jetzt beim zweiten Mal.
Beim zweiten Mal. Nachdem sie sich drei Jahre lang vom ersten Mal erholt hatten. Das erste Mal hatte zu Bruchschaden, Verrat, Blutvergießen geführt. Beim ersten Mal hatte Valerie ihn beinahe zerstört. Und sich selbst dazu.
Aber noch während sie das Schlachtfeld verließen, hatten ihre klügeren Seiten schon gewusst, dass sie zurückkommen würden. Was sie getan hatten. Unvermeidlich, ihrer Schwerkraft gehorchend. Sie gehörten zueinander, ohne Diskussion. Buchstäblich ohne Diskussion: Sie sprachen nicht über ihre Beziehung. Sie war kein Dritter im Bund, kein Kindesersatz, den man mit Wortaufwand am Leben halten musste. Sie waren Polizisten. Es gab Wirkung und Gegenwirkung. Das Analysieren war etwas für normale Menschen. Sie hatten die notwendige dunkle Materie: Liebe. Sie waren ihre eigene oberste Autorität. Gesetzlos, ironischerweise. Es war eins der Dinge, die ihnen halfen, dem Gesetz zu seinem Recht zu verhelfen.
Sie duschten, schnell, während der Kaffee durch die Maschine lief. Die Wohnung in Cole Valley war neu. Zuhause. Sie gewöhnten sich noch daran, es so zu nennen. Sie hatte große Fenster und einen schmalen Balkon und eine Menge saubere weiße Flächen. Eine Schale Mandarinen auf der Frühstückstheke sah aus wie ein Stillleben, das darauf wartete, gemalt zu werden. Valeries alte Wohnung im Mission District hallte von allzu viel Vorgeschichte (sie war, nur ein Beispiel, Zeuge gewesen, als Nick eines Tages hereinkam – und sie hatte gewusst, dass er es tun würde – und sie dabei antraf, wie sie einen anderen Mann bumste), und Nicks Wohnung in Chinatown hatte gerade mal die Größe eines Pappkartons gehabt. Also hatten sie ohne große Diskussion zusammengelegt und die Anzahlung geleistet. Dass sie zusammenleben würden, war gar nicht erst besprochen worden. Es war ganz einfach selbstverständlich. Die ersten Wochen waren sie sich vorgekommen wie Kinder, die ein von Erwachsenen aufgegebenes Haus besetzt hatten. Aber allmählich waren sie hineingewachsen, hatten zugesehen, wie die Indizien des häuslichen Lebens rings um sie her bescheiden an ihren Ort fielen. »Wie ich’s finde?«, hatte Will Fraser anlässlich des Einweihungsessens gesagt, zu dem sie ihn und seine Frau Marion eingeladen hatten. »Ich finde, es sieht aus, als ob Bullen hier lebten. Bullen aus Sparta. Herrgott noch mal, hängt doch ein paar Bilder auf. Legt euch Zeug zu.« Es hatte nichts bewirkt. Sie konnten für derlei keine Begeisterung entwickeln.
»Nimm die Sexschuhe mit«, sagte Nick. Valerie saß am Toilettentisch und trug Make-up auf.
»Jawohl, Sir.«
»Und diesen schwarzspitzigen Balconette-BH.«
»Du solltest nicht mal wissen, was ein Balconette-BH ist. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich das wissen sollte. Aber du … Bei einem Mann ist das, als wüsste er, was ein Plumeau ist.«
»Was ist ein Plumeau?«
»Ein Federbett.«
»Ein französisches Federbett?«
»Warum packst du nicht unser Zeug zusammen, statt da auf dem Hintern zu sitzen?«
»Ich liege auf dem Rücken.«
Nick lag angezogen auf dem Bett und blätterte demonstrativ den Chronicle vom Vortag durch. Wie Valerie wusste – wie sie beide wussten –, sah er ihr in Wirklichkeit dabei zu, wie sie sich fertig machte. Als sie ihn zum ersten Mal dabei beobachtet hatte (Jahre zuvor während ihres ersten Versuchs), hatte sie ihn gefragt: Hast du eigentlich nichts Besseres zu tun? Und er hatte geantwortet: Nichts Besseres als das hier, nein. Es hatte ihr Freude gemacht. Weil sie gewusst hatte, er meinte es ernst. Es war eine Offenbarung, sein Verlangen nach ihr, denn bei ihm wusste sie zum ersten Mal in ihrem Leben, dass es Verlangen nach ihr war, ganz spezifisch. Im Gegensatz zu dem üblichen blinden Männerverlangen nach »einer Frau« oder, wenn es hart auf hart kam, einfach nach Sex, abstraktem Sex.
»Als ich ein Kind war, hat mein Großvater zu mir gesagt, im Meer zu schwimmen reinige die Seele«, sagte Valerie.
»Dein Großvater war ein dunkles Genie.«
»War er auch. Meine Freundinnen hatten eine Todesangst vor ihm. Sarah Grady hat er erzählt, er würde sie in seinen Koffer packen, wenn sie schläft, und mit nach Alaska nehmen. Wir waren ungefähr vier. Er wollte nicht mal nach Alaska. Er hatte bloß gerade einen Tierfilm über Alaska im Fernsehen gesehen. Er hat zu Sarah gesagt: ›Oh, natürlich weiß deine Mutter Bescheid. Es ist alles geklärt. Ich packe ein paar Brote und eine Cola mit ein, falls du Hunger kriegst. Es ist eine lange Reise. Soll ich dir den Koffer zeigen? Er ist schön groß.‹ Sie ist fast hysterisch geworden.«
Im Spiegel konnte sie sehen, dass Nick lächelte.
»Okay«, sagte sie. »Ich bin so weit.«
Er antwortete sekundenlang nicht. Dann sagte er: »Ja.«
»Was ja?«
»Ja, ich will immer noch ein Kind mit dir.«
»Ich weiß.«
»Wie wär’s, wenn ich dich heute Abend in dem Himmelbett schwängere?«
»Okay.«
»Aber zieh trotzdem die Schuhe und den Balconette-BH an.«
»Selbstverständlich.«
Er stand vom Bett auf und trat zu ihr, stellte sich dicht hinter sie, legte die Arme um sie, küsste sie auf den Nacken. Eine Weile, zu Beginn ihres Neustarts, hatte sie sich gegen die völlige Kapitulation gewehrt. Ein Teil von ihr blieb reserviert für den Fall, dass das Glück vorübergehender Natur war, ein unverdientes Geschenk, ein Fehler, den das Universum sehr bald beheben würde. Wenn du dich darauf einlässt, warnte der einsame Wachmann in ihrem Herzen, dann wirst du nicht mehr ertragen können, es zu verlieren. Also tu’s nicht. Tu’s nicht. Tu’s nicht! – Zu spät. Sie hatte nicht einmal gemerkt, wie sie sich fallenließ. Es war einfach so gewesen, dass der Wachmann zu irgendeinem Zeitpunkt verschwunden war und ihr Herz vergeben. Unverdient oder nicht, sie wollte Liebe, verlangte sie, sie wickelte sich in sie ein und ließ sie ihr Element sein. Wenn sie darüber nachdachte, wie es sein würde, dies ein zweites Mal zu verlieren, dann stieß sie auf ein Gefühl wie eine Wand aus nackter Erde. Lebendig begraben. Deshalb versuchte sie, nicht darüber nachzudenken.
Nicks Hände glitten zu ihren Hüften hinunter. Die Knochenwiege. Eine Sekunde lang war es, als spürte Valerie ein Flackern beginnenden Lebens dort drinnen. Was ihr die Fehlgeburt wieder ins Gedächtnis brachte. Damals, beim ersten Mal, war das eine Folge ihres Bruchschadens gewesen, des Verrats. Das war das Blutvergießen gewesen. Sie hatte einen Termin für die Abtreibung ausgemacht, aber ihr Körper hatte die Sache selbst in die Hand genommen. War es von mir?, hatte Nick gefragt, als er es irgendwann herausgefunden hatte. Sie hatte ihm nicht antworten können, denn sie wusste es selbst nicht. Jetzt sagte er nicht zu ihr: Es ist okay. Es ist in Ordnung. Er sagte gar nichts, brauchte nichts zu sagen. Dieses zweite Mal genossen sie beredtes Schweigen. Sie lehnte sich zurück, lehnte sich an ihn. Dies ist so viel mehr, als du verdienst. Sie war sich nicht sicher, wo diese Kommentare herkamen, wessen Stimmen sie waren.
»Gehen wir«, sagte Nick.
Sie brauchten trotzdem noch zehn Minuten. Valerie musste ihren Badeanzug ausgraben. Nick packte Prosciutto, Manchego, Kirschtomaten und Oliven in eine Kühltasche.
»Ich muss vorher noch bei meiner alten Wohnung vorbeischauen«, sagte Valerie, während sie sich die Sonnenbrille in die Stirn schob. »Meine Nachbarin hat ein Paket für mich angenommen.«
»Ach ja?«
»Von Bed, Bath & Beyond. Lach jetzt nicht. Meine Mom. Die so entzückt ist, dass ich mit jemandem zusammenlebe, dass sie vergessen hat, die Lieferadresse zu ändern.«
»Vielleicht ist es ein Plumeau?«
»Handtücher sind es. Luxushandtücher, um genau zu sein.«
Sie hatten es tatsächlich bis zu Nicks Auto geschafft, bevor Valeries Telefon klingelte.
Sie ließ eine Sekunde lang den Kopf in den Nacken fallen, ein instinktives Gebet an das gleichgültige Universum, bevor sie auf die Anzeige ihres Smartphones hinuntersah. Anruferin: Laura Flynn.
Detective Laura Flynn.
Bitte nein. Bitte.
Sie sah Nick an.
»Schmeiß es aus dem Fenster«, sagte er. »Ich fahre drüber.«
Valerie drückte auf die Annahmetaste. »Hey, Laura.«
»Sorry«, sagte Laura. »Hab keine Wahl.«
»Nur zu.«
»Wir sind in Noe Hill. Mordopfer ist fünfundfünfzig Jahre alt, weiß, weiblich, Elizabeth Lambert, wurde in ihrer Wohnung gefunden. Der medizinische Bericht braucht noch ein bisschen, aber wir schätzen sechsunddreißig Stunden. Todesursache Erwürgen. Verletzungen, aber keine davon tödlich. Klare Hinweise auf sexuelle Gewalt. Wir reden von Vergewaltigung und Verstümmelung.«
Die übliche Mischung aus Empfindungen bei Valerie. Dass sie in dem hier gefangen war, in der einzigen Form von Anziehungskraft, die es mit der der Liebe aufnehmen konnte. Dass das Universum ein Ort war, an dem eine Frau die Zärtlichkeiten ihres Liebhabers genießen konnte, während eine andere gefoltert und vergewaltigt wurde. Dass es ihre Pflicht war, die Männer zu fangen, die diese Dinge taten. Dass es zu viel war. Dass die ständige Wiederholung von Gewalt und Tod sie umbrachte, schrittweise, wie ein Krebs. Dass sie dafür lebte.
Sie sagte nichts. Sie wartete (ebenso wie Nick, den Kopf an das Fenster der Fahrerseite gelehnt) auf eine Erklärung: bisher rechtfertigte nichts, was Laura Flynn gesagt hatte, einen Anruf an ihrem freien Tag.
»Und jetzt kommt’s«, sagte Laura als Antwort auf Valeries Schweigen. »An der Leiche des Opfers war mit Klebeband eine Nachricht befestigt.«
Valerie sah das Wochenende davonfließen, als habe sich ein Wehr geöffnet. Nicks Ernüchterung, Resignation, Verständnis. Auch er war Bulle. Er kannte die Bullensituation, den Bullenkontrakt, den gottverdammten Bullendeal. Ein Nichtbulle wäre ausgestiegen, hätte die Tür zugeknallt, wäre davongestürmt.
»Sie ist an dich adressiert«, sagte Laura.
Bücher. Ein Leben mit Literatur. Geschmack. Nach ihrer Erdgeschosswohnung zu urteilen war Elizabeth Lambert eine Frau – oder vielmehr, war eine Frau gewesen –, die gelegentlich mehr ausgab, als sie sich leisten konnte, wenn es etwas war, das sie als wirklich schön empfand. Es gab Lithographien und Holzschnitte, die nicht nach Massenproduktion aussahen. Es gab einen dünnen Perserteppich in Blassgrün und Gold. Es gab eine kleine abstrakte Skulptur im Erkerfenster, die den Eindruck machte, als sei sie aus massivem Lapislazuli gefertigt. Die Wohnung, dachte Valerie, war alles, was ihre und Nicks Wohnung nicht war.
»Tut mir leid«, sagte Laura Flynn, als sie eintraf. »Ich konnte es dir ja nicht nicht sagen.«
»Ich weiß«, antwortete Valerie; sie schwitzte bereits in ihrem Schutzanzug. »Zeig’s mir.«
Die Wohnung roch nach sauberer Häuslichkeit, aber jetzt war ein neuer fauliger Kerngeruch dazugekommen, der unverkennbar Tod signalisierte. Sie mussten sich einen Weg um das CSI-Team herum suchen; die Leute gingen ihrem Geschäft mit einer seltsamen Intensität nach, die man fälschlicherweise für Zärtlichkeit hätte halten können. Tatsächlich war es Zärtlichkeit, aber sie galt nicht dem Opfer. Sie galt dem Beweismaterial. Sie waren noch mit Fotografieren beschäftigt. Ricky Santayana, der zuständige Mediziner, stand in der Badezimmertür und sprach leise ins Telefon. Als er Valerie sah, hob er grüßend eine Hand und wandte sich ab.
»Sie ist so, wie wir sie gefunden haben«, sagte Laura, als sie das Schlafzimmer betraten. »Bloß dass der Erste, der reingekommen ist, den Knebel abgenommen hat. Er ist da drüben, wenn du mit ihm reden willst.« Valerie sah zu dem dunkelhaarigen jungen Uniformierten hinüber, der mit in die Hüften gestemmten Händen im Erker stand – eine Pose großspuriger Gleichgültigkeit, die sein Entsetzen darüber nicht verbergen konnte, dass er die Unversehrtheit des Schauplatzes beeinträchtigt hatte. Er sah gut aus und war nicht daran gewöhnt, sich in der Defensive wiederzufinden. Sie stellte sich vor, wie sie ihn fragte: Wieso haben Sie gedacht, sie würde Ihnen den Mörder verraten, wenn Sie ihr den Knebel aus dem Mund nehmen? Verzichtete darauf. Die Liebe hatte jedes Bedürfnis nach kleinen Triumphen ausgelöscht. Die Liebe hatte sie großzügig gemacht. Die Liebe hatte einen lächerlichen Softie aus ihr gemacht.
»Wer hat die Leiche gefunden?«, fragte sie.
»Putzhilfe.« Laura klappte ihr Notizbuch auf. »Marley Hollander. Sie hat einen Schlüssel. Im Moment sitzt sie mit Ed im Auto und versucht sich zusammenzunehmen. Ganz oben wohnt ein Gianni Galliano, der Marley zufolge gerade bei der Arbeit sein dürfte, auch wenn sie nicht weiß, wo er arbeitet. Die mittlere Wohnung ist leer. Keine Anzeichen für gewaltsames Eindringen. Hintertür hat einen Riegel, Haustür Riegel und Einsteckschloss. Wir können nicht ausschließen, dass ein Fenster offen war, aber wahrscheinlich ist es nicht. Also hatte er entweder die Mittel, um reinzukommen, oder sie hat ihn reingelassen.«
Elizabeth Lambert lag auf dem Rücken auf ihrem Bett, nackt, das Gesicht zur linken Seite gedreht, die Arme über den Kopf gestreckt, die Beine gespreizt. Die Mundwinkel waren aufgescheuert, wahrscheinlich durch den Knebel. Ein Mitarbeiter des CSI-Teams war dabei, Papiertüten um die toten Hände und Füße herum zu schließen. Valerie erhaschte einen Blick auf pedikürte Fußnägel, die in der Farbe von Mousse au Chocolat lackiert waren – zusammen mit der verfärbten Haut eine fürchterliche Kombination, als habe sie sich für eine Halloweenparty hergerichtet. Mindestens ein Dutzend Fleischwunden an Brust und Bauch. Eine tiefere Wunde und geronnenes Blut rings um die rechte Brustwarze. Es sah aus wie ein groteskes Schmuckstück. Valerie hatte ein Bild von ihm vor Augen, wie er dies mit dem Messer anrichtete, langsam, während er ihr unter den geknebelten Schreien ins Ohr flüsterte: Tut das weh, Fotze?
Sie schaltete es ab. Wie man all diese Vorstellungen abschaltete, am Anfang zumindest. Am Anfang zog man die Routine durch, man tat die Arbeit. Am Anfang befasste man sich mit dem Konkreten, dem Materiellen, dem Offenkundigen. Erst später (viel später, wenn man Pech hatte) musste man dann seine Vorstellungskraft einsetzen. Erst später musste man dann tanzen, wie ihr Großvater es genannt hatte. Elizabeths nackte Unterarme erinnerten Valerie daran, wie Nick nur einige wenige Stunden zuvor ihre eigenen geküsst hatte. Sie schaltete auch dies ab, die fürchterlichen Parallelen, die deprimierenden Assoziationen. Es hatte nichts zu bedeuten. Die Welt war einfach voll bis zum Rand mit Unvereinbarkeiten. Die Welt war, wenn man einmal genau hinsah, ohne Bedeutung.
»Nach den Abdrücken sieht es mir aus, als hätte er bei den Handgelenken Kabelbinder aus Plastik verwendet«, fuhr Laura fort. »Vielleicht Vorhangkordel bei den Knöcheln, aber die hat er mitgenommen, als er gegangen ist. Ricky sagt, die Messerwunden sind allesamt nicht tödlich. Klare Ligaturspuren am Hals. Ohne Zweifel erwürgt.«
Über den Körper hinaus nahm Valerie die Details des Zimmers in sich auf.
Ein Paar weiße Nikes mit orangen Schnürsenkeln unter einem Korbstuhl. Ein Föhn auf der Eichenholzkommode. Eine Ausgabe des New Yorker auf der Fensterbank. Ein Kippspiegel. Abgesehen von dem auf dem Fußboden zerknüllten Bettzeug war das Zimmer aufgeräumt. Kein ernstlicher Kampf also. Er konnte sie niedergeschlagen haben, bevor er sie fesselte. Oder er hat sie mit dem Messer bedroht. Kabelbinder waren so konstruiert, dass man nur eine Hand brauchte, um sie anzubringen. Oder vielleicht hatte sie sich gewehrt, aber er hatte aufgeräumt, bevor er gegangen war? Chloroform? Toxikologisch überprüfen lassen. Oder vielleicht hatte sie zugelassen, dass er sie fesselte? Einvernehmliche Fesselspiele, die zu weit gegangen waren? (Das war es nicht, dachte sie. Wenn sich ihr Instinkt nicht vollkommen verflüchtigt hatte, dann war genau dies nicht geschehen.) Er hatte sich den Zugang nicht erzwungen. Also hatte er das Schloss geknackt oder war durch einen Trick hereingekommen. Oder auch hier wieder, sie hatte ihn eingelassen. Weil sie ihn kannte. Bitte lass sie ihn gekannt haben. Bitte lass die Anzahl von Verdächtigen begrenzt sein.
Valerie sah wieder zu der Leiche auf dem Bett hinüber. Rief sich ins Gedächtnis, dass sie nicht einen Menschen sah. Sie sah ein Opfer. Der Status der Person war verloren und konnte nicht wiederhergestellt werden, es sei denn, sie fing denjenigen, der dies getan hatte. Wenn das geschah, dann konnte die tote Frau wieder Elizabeth Lambert sein.
Bis dahin war sie lediglich die Arbeit, der Gegenstand des Rätsels, der Fall.
»Da hast du’s«, sagte Laura, während sie Valerie einen durchsichtigen Plastikbeutel aushändigte. Im Inneren befand sich ein einzelnes, etwas zerknittertes Blatt weißes Papier mit ein paar ausgedruckten Textzeilen.
Zu Händen von: Detective Valerie Hart
Liebe Valerie,
solange Katherine Glass im Gefängnis bleibt, werden weitere Menschen sterben. Du weißt, wer ich bin, aber ich habe Dir als Beleg Danielles Ring dagelassen. Sie werden alle eine angemessene Vorwarnung erhalten, so wie Elizabeth sie erhalten hat. (Bitte sieh dich aufmerksam um.) Vorläufig keine Videos, aber sie kommen noch. Diese Mitteilung dient nur dazu, das Gespräch zu eröffnen. Du hast darauf gewartet, dass etwas geschieht. Später mehr.
Das war alles. Valerie stand sehr still.
Katherine Glass. Sechs Jahre. Jetzt.
Du weißt, wer ich bin.
Ja. Sie wusste es. Augenblicklich und bis in die Zellebene hinein.
»Schmuck?«, fragte sie.