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1. Auflage
Deutsche Erstausgabe 2017
Copyright © 2017 Wilhelm Goldmann, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München
© 2016 der Originalausgabe: Louisa Thomsen Brits
First published as THE BOOK OF HYGGE
in 2016 by Ebury Press, an imprint of Ebury Publishing.
Ebury Publishing is a part of
the Penguin Random House group of companies.
Bilder: © Susan Bell, 2016
Umschlag: *zeichenpool
Redaktion: Amelie Roth
MZ ∙ Herstellung: kw
Satz: Uhl + Massopust, Aalen
ISBN 978-3-641-20666-6
V001
www.mosaik-verlag.de
Für meine Familie
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Verwendung des Begriffs
Zugehörigkeit
Rückzugsorte
Gemütlichkeit
Wohlbefinden
Einfachheit
Achtsamkeit
Bibliografie
Hintergrundinformationen
Register
Danksagung
Zitatnachweis

Definition von hygge
Hygge (»hüg-ge«) umschreibt mit einem Wort einen Daseinszustand, ein Erlebnis von Gemeinschaft, ein Gefühl von Gemütlichkeit, Behaglichkeit, Geborgenheit und Nestwärme.
Hygge heißt, sich selbst achtsam wahrzunehmen und inmitten von Freunden und an Orten zu wissen, die uns erden, die uns Sicherheit vermitteln, uns Mut machen und Trost spenden.
Hygge ist die Bereitschaft, sein Herz zu öffnen und Verbundenheit mit anderen zu schaffen, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu spüren und sich des gemeinsamen Augenblicks gewahr zu sein. Hygge kennt keinen Mangel, nur Zufriedenheit. Hygge kann man nicht kaufen.
Vorwort
Hygge ist ein Lebensgefühl, das die meisten von uns kennen, aber nicht präzise benennen können. Doch eine Erfahrung in Worte zu fassen bedeutet, ihr Aufmerksamkeit zu schenken. Der Begriff hygge umschreibt einen Zustand, der Ihnen wohlbekannt sein dürfte. Er schlummert im Rhythmus Ihres täglichen Lebens, in Ihren Angewohnheiten, Alltagsroutinen und kleinen Ritualen.
Sie brauchen keine dänischen Rezepte oder tiefer gehende Kenntnis des skandinavischen Lebensstils, um es sich hyggelig zu machen. Es mag schon reichen, dass Sie sich fragen, wo genau Sie sich am ehesten zu Hause fühlen, welche Unternehmungen und Angewohnheiten Ihnen das Gefühl geben, verwurzelt zu sein, in Gesellschaft welcher Menschen Sie locker und gelöst sind, was am meisten dazu beiträgt, dass es Ihnen gut geht, was Sie tun, um sich zu entspannen und Geborgenheit zu empfinden.
Ich selbst erlebe hygge in Momenten der Zufriedenheit, insbesondere zu Beginn und am Ende eines Tages. Sobald wir morgens eine Kerze auf dem Frühstückstisch anzünden, Kaffee kochen, Pfannkuchen backen oder Pausenbrote vorbereiten, sorgen wir für hygge – oder wenn wir abends zu unseren Lieben heimkehren, bei einer Tasse Tee oder einem Glas Wein beisammensitzen und am Küchentisch gemeinsam zu Abend essen.
Hygge entsteht, wenn ich wie beinahe täglich irgendein Feuer entzünde, sei es innerlich oder äußerlich: indem ich Zeit mit Menschen verbringe, die mir wichtig sind, oder indem ich es mir allein gemütlich mache. Hygge steckt in den Gutenachtgeschichten, die ich in den vergangenen dreiundzwanzig Jahren vorgelesen habe, in Geburtstagsfeiern und dem Zauber des Weihnachtsabends. Um den Wechsel der Jahreszeiten zu spüren, schwimme ich sommers wie winters im Fluss, gehe nachts mit den Hunden über die Felder spazieren und nehme in der freien Natur ein Bad. Ich mache es mir hyggelig, wenn ich Risotto koche, mit meinem Partner Zärtlichkeiten austausche, Tee aufbrühe oder mich mit einem Buch ins Bett lege. Hygge empfinde ich auf der Tanzfläche, wenn ich durch mein Dorf schlendere, bei kleinen Festivals mein Zelt aufschlage oder einen Freund zum Kaffeetrinken treffe. Hygge schlummert im Arbeitszimmer meines Vaters, im Garten meiner Mutter, am Esstisch in der ruhigen Wohnung meiner Tante in Århus, auf der Veranda der Familie meines Mannes unter einem unendlich weiten afrikanischen Himmel. Hygge entsteht, wenn alle vier Kinder zu Besuch kommen und wir im Garten unter einem Dach aus Eichenlaub am Lagerfeuer sitzen, Karten spielen, Strandgut sammeln, in der Küche tanzen oder uns unter eine Decke kuscheln und gemeinsam einen Film ansehen.
Ich hoffe, dass ich den urdänischen Ausdruck hygge für Sie in jene universelle Sprache übertragen kann, die hygge selbst darstellt, dass Sie durch die Lektüre dieses Buches die hygge entdecken, die sich bereits in Ihrem Leben verbirgt, und dass Sie so selbst ein Gespür für ihre Anwesenheit entwickeln.

Einleitung
Das Leben ist wunderbar – es gibt kein besseres.
Mogens Lorentzen
Man hört den Ausdruck hygge erst in letzter Zeit immer häufiger, dabei ist das, was sich dahinter verbirgt, alles andere als neu. Es handelt sich um ein Lebensgefühl, das so alt ist wie das gemeinsame Lagerfeuer oder eine mit Freunden geteilte Mahlzeit. Worte entstehen aus einer bestimmten Kultur heraus, aus einer Zeit, aus einer Landschaft, aus einem Ort. Sie erhalten über die Jahre und durch gewisse Lebensumstände ihre Bedeutung und werden von Generation zu Generation durch Geschichten, Brauchtum und Wertvorstellungen weitergetragen. Hygge hilft uns dabei zu umschreiben, was es heißt, Mensch zu sein, und ist in eine Art weltumspannende Sprache eingegangen, die sich an unsere Menschlichkeit richtet und das zutiefst soziale Bedürfnis transportiert, irgendwo dazuzugehören. Es ist eine uralte Vokabel in dieser neu zu erlernenden Sprache, mit deren Hilfe wir Werte, die unser Menschsein ausmachen, in die Welt hinaustragen können.
Das Glück ist wie ein Schmetterling: Je inständiger du ihn zu fangen versuchst, desto weiter fliegt er davon. Beschäftige dich mit anderen Dingen, und er wird sich dir von allein nähern und sich auf deiner Schulter niederlassen.
Henry David Thoreau
Die Bewohner Dänemarks – das als eines der glücklichsten Länder der Welt gilt – kommen seit Hunderten von Jahren in den Genuss von hygge. Der hohe Lebensstandard, ein funktionierendes Gesundheits- und ein für alle offenes Bildungssystem, die Gleichstellung von Mann und Frau sowie eine (zumindest gefühlt) gerechte Einkommensverteilung tragen zum messbaren Glück der dänischen Bevölkerung bei. Das Streben nach Glück führt indes nicht zwangsläufig auch zu Wohlbefinden. Im Mittelpunkt dänischen Lebens – und somit von hygge – steht vielmehr eine tiefer reichende, nachhaltige Zufriedenheit.
Wenn wir zufrieden sind, werden all unsere alltäglichen Handlungen von einer grundlegenden Lebensfreude getragen, die wir mit unseren Mitmenschen teilen. Wir sorgen uns um das Wohlbefinden unseres Gegenübers, fühlen uns dafür mitverantwortlich und umgekehrt. Hygge wird in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen sichtbar an der Art, wie wir uns um andere und um uns selbst kümmern.
Sich in unserem überspannten, hochkomplexen Alltag auf hygge zurückzubesinnen kommt einer unkomplizierten Übung gleich, die uns an unsere Verantwortung erinnert, uns die Augen für unsere Umwelt öffnet und uns mitfühlen und staunen lässt.
Hygge ist Teil einer universellen Sprache menschlichen Handelns und Miteinanders. In ihr liegt ein universeller Impetus, der sich in kleinen Ritualen, Gesten und alltäglichen Erfahrungen offenbart, die jeden von uns definieren und uns alle einen.
Wir alle machen es uns hyggelig: wenn wir uns gemeinsam an einen gedeckten Tisch setzen, wenn wir nach Sonnenuntergang zusammen am Lagerfeuer sitzen, wenn wir uns in der Ecke unseres Lieblingscafés niederlassen oder uns abends am Strand in unser Handtuch kuscheln, wenn wir uns an den Partner schmiegen, in der behaglich warmen Küche etwas backen, bei Kerzenlicht ein Bad nehmen oder uns mit einer Wärmflasche und einem guten Buch ins Bett legen – all dies ist hygge. Hygge webt Bedeutsamkeit in das engmaschige Gewebe unseres Alltags. Hygge ist die Kunst, das Besondere im Alltäglichen zu erkennen und etwas ganz Normalem eine neue Lesart, Seele und Wärme zu verleihen – sich die Zeit zu nehmen, die Dinge zu etwas Außergewöhnlichem zu machen.
Die meisten Menschen laufen so heftig dem Genusse nach, dass sie an ihm vorbeilaufen.
Søren Kierkegaard
Wir empfinden hygge, wenn wir uns den Freuden des Augenblicks in all seiner Einfachheit öffnen. Hygge steckt in den alltäglichen Handgriffen, die unser Leben wertvoll und bedeutsam machen, die uns Geborgenheit geben und uns das Gefühl vermitteln, zu Hause, verwurzelt und zugleich freigiebig zu sein.
In Zeiten globaler Umwälzungen entfremden wir uns unseren Mitmenschen und unserer Umwelt. Die Unmittelbarkeit, Fürsorglichkeit und Aufrichtigkeit in Wort und Tat ist uns abhandengekommen, und wir müssen uns neu orientieren, um wieder aufnahme- und bindungsfähig zu sein. Hygge ist eine Geisteshaltung, die Mitmenschlichkeit und Wärme wieder in unser Zuhause, unsere Schulen, Arbeitsplätze, Städte und Länder zurückholt.
Hygge entsteht aus einer Gesellschaft, in der nicht Besitztümer, sondern die Menschen im Mittelpunkt stehen. Hygge ist eine Vokabel aus der universellen Sprache der Liebe und fußt auf der Überzeugung, dass wahrer Reichtum nicht angehäuft werden kann, sondern geteilt werden muss.
Seit eh und je ist hygge Praxis und Aushängeschild des dänischen Volkes. Es ist eines jener alltäglichen Wörter, die die Geschichte dessen in sich tragen, was das heutige dänische Leben ausmacht. Das Wort selbst ist vom altnorwegischen hu abgeleitet, das »Gedanke«, »Geist« und »Mut« heißen kann. Die altnorwegische Wortform hyggja (verwandt mit dem altenglischen hycgan und dem althochdeutschen hyggen) bedeutet »denken« oder »erwägen«. Hygge wurde im späten neunzehnten oder frühen zwanzigsten Jahrhundert dem Norwegischen entlehnt. Im Mitteldänischen bedeutet das Wort hygge »trösten« oder »fördern«.

Was an Dänemark so dänisch ist, erkennt der Ausländer auf einen Blick. Hygge (Gemütlichkeit), tryghet (Sicherheit) und trivsel (Wohlergehen) sind die drei Zierden der dänischen Kultur und Gesellschaft.
Jonathan M. Schwartz
Die Dänen haben ein Talent dafür, sich an den kleinen Dingen zu erfreuen und das Beste aus dem zu machen, was ihnen zur Verfügung steht. Ihr besonderes Augenmerk gilt dem Innenleben von Menschen, Orten und Gegenständen. Die dänische Nation, wie wir sie heute kennen, ist aus dem riesigen, über die Jahrhunderte allmählich zerfallenden dänischen Reich entstanden, das sich einst von Grönland und Island über das heutige Norwegen, Südschweden, Norddeutschland bis zu diversen Ostseeinseln erstreckte. Nachdem das Land weite Teile des Herrschaftsgebiets, im neunzehnten Jahrhundert vor allen Dingen die dramatische Gebirgslandschaft Norwegens, abtreten musste, galt der dänische Fokus zusehends dem verhältnismäßig kleinen heimischen Territorium und den »inneren Landschaften«. Dass militärische Niederlagen zum Schrumpfen des Reichs geführt hatten, wurde nicht weiter betrauert, sondern vielmehr als Stärkung des ursprünglichen Kernlands gefeiert. Die Dänen nahmen nicht bloß vorlieb mit den heimischen Tiefebenen und unzähligen Inselchen, sie begannen sie regelrecht zu idealisieren: Durch diese Nachinnenwendung fanden sie zu ihrer Identität und verliehen dieser neuen »Innerlichkeit« einen ganz besonderen Stellenwert.
Die aufkommende Nationalidentität der Dänen wurde maßgeblich durch die Aufklärung und insbesondere durch die Schriften Nikolai Frederik Severin Grundtvigs (1783–1872) beeinflusst, der sich der folkeoplysning und somit einer allen zugänglichen Volkserziehung und -bildung verschrieben hatte. Sein Verständnis von persönlicher Freiheit war von aufklärerischen Werten geprägt; als Dichter widmete er sich der nordischen Mythologie; politisch galt er als liberal. Grundtvig war überzeugt davon, dass eine nationale Identität aus einem Zugehörigkeitsgefühl heraus entstehe. Großmachtstreben sei für Dänemark folglich nicht annähernd so förderlich wie das Wohlergehen der heimischen Bevölkerung, der Bildung und ein gewisser Wohlstand zugänglich gemacht werden sollten – insbesondere der ländlichen Bevölkerung, die den Großteil der Gesamtbevölkerung darstellte. Grundtvig engagierte sich federführend bei der Gründung nicht staatlicher Volkshochschulen und setzte sich für die Idee des lebenslangen Lernens ein. Im Mittelpunkt seiner Pädagogik standen Legenden und Lieder, die den Grundstein legten für eine gemeinschaftliche Gesangstradition, die in Dänemark noch heute hochgehalten wird. In fast jedem dänischen Haushalt findet sich nach wie vor eine Ausgabe des einstigen Volkshochschulgesangbuchs. Bis zum heutigen Tag werden bei zahlreichen Gelegenheiten Lieder angestimmt, die jene Grundüberzeugung von Einfachheit, Heiterkeit, Gegenseitigkeit, Gemeinschaftlichkeit und Zusammengehörigkeit zum Thema haben – allesamt Eckpfeiler von hygge.
Hygge ist das Resultat dieses besonderen sozialen Ethos, der sich in Dänemark im ausgehenden neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert gebildet hat. In dieser Zeit kam in der neuzeitlichen Industriegesellschaft das Konzept der Freizeit auf. Man begann das eigene Zuhause und die Familie als Rückzugsraum zu sehen. Die Oberschicht der vorbürgerlichen Gesellschaft verlor an Status und Bedeutung, während das Familienideal der Mittelschicht – der Rückzug ins Private – an Beachtung gewann.
Die Geschichte Dänemarks, der im Land herrschende Egalitarismus, Liberalismus und die Betonung individueller Freiheiten sowie eine gewisse Lebensqualität haben die Dänen gelehrt, das Hier und Jetzt zu schätzen. Hygge ist der Weg, auf dem dies jeden Tag geschieht. Hinter dem Ausdruck verbirgt sich förmlich ein kleines Universum an sinnstiftenden und verlockenden Möglichkeiten für uns alle.
Um hygge zu verstehen und für sich selbst umzusetzen, muss man nicht Däne sein. Wir alle kennen die universellen Themen, die dem Prinzip zugrunde liegen: Zugehörigkeit, Vertrauen, Verbundenheit, Gemeinschaft, Gegenseitigkeit, Verwandtschaft, Sicherheit, Häuslichkeit, Zufriedenheit, Authentizität, ein Leben im Hier und Jetzt – und Liebe.
Dieses Buch soll Sie dazu einladen, Ihrem Alltag durch kleine Veränderungen in Ihren Routinen und in Ihrer Wahrnehmung zu mehr hygge zu verhelfen. Es soll die Idee hinter dem Begriff erläutern und Ihnen als praktisches Handbuch dienen.
Hygge schafft einen Rahmen, innerhalb dessen wir unseren menschlichen Bedürfnissen, Wünschen und Gewohnheiten nachgehen können. Dabei liegen dem abstrakten Ziel »Wohlbefinden« einfache, handfeste Strukturen zugrunde: Denn hygge kann man lernen und zum Leben erwecken – indem man praktische Maßnahmen ergreift, sich selbst und andere umhegt, zusammenhält, umschließt, umarmt, tröstet und wärmt. Indem wir uns in Balance, Mäßigung, Fürsorge und Achtsamkeit üben, lassen wir mehr hygge in unseren Alltag ein.
Für eine so grundlegende, unmittelbare Erfahrung steht hinter hygge ein verhältnismäßig vielschichtiges Konzept, das ein wenig von seiner Bedeutsamkeit verliert, sobald man es in seine einzelnen Aspekte aufdröselt. Insofern werden in den folgenden Kapiteln immer immaterielle ebenso wie materielle Aspekte dargestellt, weil diese untrennbar miteinander verwoben sind. Auch wenn jeder von uns sein eigenes Verständnis von hygge haben wird, sollen in diesem Buch einige Vorschläge gemacht werden, wie wir unserem Alltag zu mehr hygge verhelfen können.
Jedwede Wahrnehmung von hygge fußt auf drei thematischen Grundpfeilern: Innerlichkeit, Kontrast und Atmosphäre. Jeder dieser Themenbereiche spiegelt und fördert die jeweils anderen und trägt so zu unserem Verständnis des Konzepts bei.

Innerlichkeit
Hygge heißt, sich sowohl der eigenen inneren Landschaften als auch des Außenraums, der uns umgibt, bewusst zu sein. Sich der eigenen Innerlichkeit gewahr zu werden heißt, sich als klar von anderen abgegrenztes Einzelwesen zu begreifen, das mit anderen Einzelwesen interagiert und sich zu einer bestimmten Zeit in einem klar definierten Raum bewegt. Hygge empfinden wir, wenn wir uns in diesem Raum verwurzelt und sicher fühlen, uns aber zugleich im Klaren darüber sind, dass er physische ebenso wie zeitliche Grenzen aufweist. Hygge entstammt einer Kultur, die die Vorstellung eines Innenlebens und einer gelassenen, stabilen individuellen Identität hochhält. Innerlichkeit gilt für den Geist, das Zuhause und das eigene Land gleichermaßen.
Es ist nicht verwunderlich, dass die alltägliche Erfahrung und Ausübung einer Haltung wie hygge nicht allein auf Skandinavien beschränkt bleibt, sondern auch auf andere Gesellschaften übergeht, die das Konzept der Innerlichkeit mittlerweile derart schätzen, dass sie es für das Wichtigste halten.
Jeppe Trolle Linnet
Kontrast
Im Grundkonzept der Innerlichkeit ist der Kontrast zum Außenraum bereits zwangsläufig angelegt. Insofern beschreibt hygge auch jene Empfindung, dass zwischen uns und der uns umgebenden Außenwelt ein Unterschied besteht: zum Beispiel indem wir uns im Hier und Jetzt genussvoll an einer Achse der Ruhe ausrichten und uns gleichzeitig des beständig pulsierenden Lebens um uns herum gewahr sind.
Diese Unterscheidung erfahren wir im räumlichen, zeitlichen und im sozialen Zusammenhang – innen versus außen, Rückzugsraum versus Außenwelt, warm versus kalt, Tag versus Nacht, Licht versus Schatten, Ruhe versus Aktivität, Genuss versus Zurückhaltung, Entspannung versus Arbeit, Eigenständigkeit versus Gemeinschaft, Gleichheit versus Hierarchien, Friede versus Konflikt.
Atmosphäre
Oft wird der dänische Ausdruck stemning oder »Stimmung«, »Atmosphäre«, als dritter Grundpfeiler von hygge angeführt. Harmonie zu schaffen, ein Gefühl von Wärme, eine zufriedene Stimmung – all das trägt zu hygge bei.