Detlef Gerhard Weiland

Auf die Bühne, fertig los ...

Band 1 - Handbuch für Spaßmacher

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

Titel

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Grundlagen der Komik

Wie entsteht eigentlich ein Witz?

Worauf es bei einem guten Witz ankommt?

Lesbare und erzählbare Witze

Wie erlerne ich das Witzerzählen?

In der Kürze liegt die Würze

Komik setzt Perfektion voraus

Die Tabuthemen

Die sieben Gebote des Spassmachers

Was kommt heutzutage noch an?

Das Sammeln von witzigem Material

Das Sammelsurium

Auf jeden Einfall kommt es an

Die Spreu vom Weizen trennen

So entsteht ein witziger Vortrag

Witzumbau in die passende Form

So entsteht eine witzige Büttenrede

Den roten Faden spinnen

So entsteht eine humoristische Rede

Rede aus 2007 zum Üben

Wir schreiben eine bühnenreife Rede

Das Aussuchen zündender Pointen

Das systematische Proben eines Vortrags

Der Probeauftritt

Wie erlerne ich eine Büttenrede?

Gedichte, Bonmots und Zitate

Gedichte bekannter Humoristen

Bonmots und Zitate von Poeten

Wer nichts wagt, der nichts gewinnt

Das Lampenfieber

Die Generalprobe

Das Casting

Der Vorstellabend

Gesammeltes Witzmaterial

Witze über die Kindheit

Witze über die Schule

Witze übers Studium

Bundeswehrwitze

Witze über Liebe, Ehe, Beziehungen

Schlussgedanken

Quellenverzeichnis

Impressum neobooks

Inhaltsverzeichnis

Detlef Gerhard Weiland

Humorist & Büttenredner





Ne vertrottelte Student



AUF DIE BÜHNE, FERTIG, LOS …





Band 1 - Handbuch für Spaßmacher





Höhepunkte aus 35 Jahren Bühnenarbeit

Lachen bis der Arzt kommt

Witzauslese vom Feinsten



www.epubli.de



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Impressum

© Copyright by Detlef Gerhard Weiland

Umschlag: © Copyright by

Lektorat: Autorenteam E. Heil, K. Kuretschka

Verlag: Detlef Gerhard Weiland

E-Mail: detlef.weiland59@gmail.com

Druck: epubli, ein Service der

neopubli GmbH, Berlin

ISBN:

Printed in Germany









Vorwort



Viele gute neue Nachwuchskünstler, genauer gesagt Spaßmacher oder Büttenredner und Comedians, kommen erst gar nicht auf eine öffentliche Show-Bühne, weil ihnen niemand das ABC des perfekten Vortrags erläutert. Nur die wenigsten ahnen, wie viel Arbeit dahinter steckt eine humorvolle Rede zu schreiben. Es gibt zwar Rednerschulen, aber das reicht bei Weitem nicht aus. Selbst einen passenden Ghostwriter zu finden, ist mitunter sehr schwierig und in den meisten Fällen zudem sehr kostspielig. Fips Asmussen hat einmal geschrieben: »An einem Witz muss man genauso feilen wie an einem Werbeslogan.« Der spaßige Vortrag muss auf jede Type individuell zugeschnitten sein.

Die Programmgestalter plagen sich heutzutage nicht mehr mit einem unbekannten Newcomer ab, es sei denn, er ist ein vorgeschliffener Diamant. Die Literaten sind darauf angewiesen, in möglichst kurzer Zeit einen für ihre Veranstaltung passenden Spitzenredner zu finden. Diese Tendenz verstärkt sich, und die Künstleragenturen arbeiten fast nur noch mit bereits gestandenen Unterhaltungsprofis. Folge: Dem Showbusiness gehen die innovativen Nachwuchskräfte verloren. Und wenn man sieht, welche Hoffnungen bei verborgenen Talenten zerstört werden, weil sie nur nichtssagende vorgefertigte Absagebriefe bekommen, dann erkennt man die Notwendigkeit eines Handbuchs für angehende Unterhaltungskünstler. Hildegard Knef gab mal folgende Weisheit von sich: »Wir sehen nur die wenigen, die im Rampenlicht stehen, die vielen im Dunkeln erblickt man nicht.«

Was verrät dieses Handbuch?

Der Vortrag muss gut gegliedert sein, damit der Zuhörer nicht das Interesse verliert.

Der Redner schreibt für eine Zielgruppe, entweder für Damen oder Herren oder aber für ein gemischtes Publikum.

Daraus folgert: Humoristische Vorträge müssen den Zuhörer fesseln und begeistern. Gleich ob man eine freie Rede, einen Reimvortrag, ein Zwiegespräch oder eine Damen-, Herrenrede schreibt.

Wer die Konkurrenz ganz genau analysiert und den richtigen Aufhänger hat, wer Dubletten vorbeugen kann und die richtige Dosis an guten, zündenden Pointen findet, dem verschließt sich die Showbühne nicht.

Wie man an einen publikumswirksamen Vortrag herangeht, wie man ihn plant und sich den richtigen Veranstalter aussucht, verrät das Handbuch für Spaßmacher. Ob Sie bereits gestandener Unterhaltungskünstler sind oder noch einer werden wollen oder nur mit dem Gedanken spielen, auch einmal bei einer kleinen Feier die Lacher auf Ihrer Seite zu spüren - in diesem Handbuch finden Sie die Insider-Antworten auf Ihre offenen Fragen, jede Menge Anregungen sowie Kniffe vom Profi und massenhaft Zündstoff für Ihre Lachmuskeln.



Grundlagen der Komik


In diesen sieben Kapiteln geht es um die grundlegenden Besonderheiten des Humors. Zuvörderst steht die gewichtige Frage: Wie entsteht er nun, der Witz? Wie fing die Geschichte des Lachens an? Worüber lacht ein Mensch? Geschmäcker sind so verschieden wie das Leben an sich. Wer ist überhaupt fähig, Pointen zu erzählen und wovon sollte man lieber die Finger lassen? Und dazu gesellt sich die Frage: Was kommt beim Publikum überhaupt noch an? Die Zeit ist so schnelllebig geworden, dass wir keine Muße mehr haben, um konzentriert zuzuhören. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, kurze und knappe, ja knackige Pointen zu erzählen. Auch sogenannte Zoten lassen sich schön verpackt in Zötchen umwandeln, die man auch auf einer Bühne erzählen kann. Viel Vergnügen mit den nächsten Kapiteln.



Wie entsteht eigentlich ein Witz?


»Angefangen hat es mit einer Bananenschale, achtlos weggeworfen von einem prähistorischen Affen. Sie landete zwischen den riesigen Füßen eines unserer Ahnherren. Der Vorfahr, behaart und mit buschigen Brauen, trat auf die Bananenschale und rutschte aus. Augenzeuge seines spektakulären Sturzes war einer seiner Zeitgenossen, der seine Keule fallen ließ, sich die Seite hielt und ein seltsames Geräusch von sich gab. Es war das erste menschliche Lachen.

Später erzählte der zweite Höhlenmensch die Geschichte einem behaarten Freund, fügte aber ein paar Tupfer hinzu, damit sie farbiger wurde. Als er die hörte, ließ auch der behaarte Freund seine Keule fallen, schlug sich auf die Knie und gab dieses seltsame neue Geräusch von sich. Ohne es zu wissen, hatte er an einem Ereignis von großer Tragweite teilgenommen. Er hatte den ersten Witz der Welt gehört.«

(Chris Howland)


Das ist Situationskomik, die Komik, die durch erheiternde und zum Lachen reizende Situationen entsteht. Man lacht gerne über die kleinen Missgeschicke seiner Mitmenschen. Als ich einmal in einer Veranstaltung auf der Bühne stand und meinen Vortrag brachte, ließ ein Kellner im Saal das Tablett fallen. Es klirrte durch die ganze Halle und ich habe schlagfertig reagiert. Passend zu dieser Situation sprach ich ins Mikrofon: »Der ist auch bloß Kellner geworden, weil sein Augenarzt gesagt hat, er solle Gläser tragen.« Es folgte schallendes Gelächter. Schlagfertigkeit und Situationskomik sind eng miteinander verwoben. Schon der Schauspieler und Komiker Eddi Arent, der zusammen mit Harald Juhnke in vielen Sketchen brillierte, und in allen Winnetou Filmen zu sehen war, lief in einem Fernsehsketch über eine Straße und schaute einer knackigen Blondine nach. Während er dabei weiterging, stand ihm eine Litfaßsäule im Weg und prompt knallte er mit dem Kopf vor die besagte Säule. So einfach kann man Lacher erzeugen. Denken wir an Fips Asmussen der einmal reimte:


»Der Vater furzt, die Kinder lachen,

so kann man billig Freude machen.«


Schon Friedrich Nietzsche wusste zu berichten: »Lachen heißt: schadenfroh sein – aber mit gutem Gewissen.«


Till Eulenspiegel, die niederdeutsche Schelmengestalt, sprach: Ich halte euch den Spiegel vor, ihr lacht darüber, aber ihr erkennt euch nicht.


»Es gibt natürlich Gag-Experten, die sich Witze für Alleinunterhalter wie Harald Schmidt oder Stefan Raab einfallen lassen«, erklärt Diplom-Psychologe Michael Titze. »Aber Gag-Schreiber modifizieren meistens nur bereits vorhandene Witze. Aus Kohl-Witzen werden Schröder-Witze und daraus wiederum Schwarzenegger-Witze«, so Titze. Das wirkliche Phänomen seien spontan entstandene Pointen. »Am Stammtisch erzählt jemand eine lustige Geschichte. Dem Nächsten fällt hierzu eine überraschende Wendung ein. Solche Witze gehen vom Biertisch um die ganze Welt«, berichtet der Humorexperte.

»Witze verbreiten sich heute rasend schnell über das Internet. Ich lese oft Witze im Netz und einen Tag später höre und sehe ich sie im Fernsehen bei 7 Tage, 7 Köpfe«, erzählt Thomas Holtbernd. Er ist Humortrainer und gibt Humor-Seminare in großen Unternehmen wie zum Beispiel Daimler-Chrysler. »Die Witze sind heute weniger intellektuell und ernst als früher. Gerade in schlechteren Zeiten wollen die Leute einfach entspannen und lachen«, weiß Holtbernd. Man brauche doch nur an den bekannten Spruch von Otto Julius Bierbaum zu denken: »Humor ist, wenn man trotzdem lacht.«


Wie uns das Synonymwörterbuch lehrt, bedeutet Witz: Vernunft, Hauptsache. In Wikipedia steht zu lesen: »Als Witz bezeichnet man einen kurzen Text (Erzählung, Wortwechsel, Frage mit Antwort oder Ähnliches), der einen Sachverhalt so mitteilt, dass nach der ersten Darstellung unerwartet eine ganz andere Auffassung zutage tritt. Der plötzliche Positionswechsel (die Pointe) vermittelt die Einsicht, dass das Urteil über den Sachverhalt nicht zwingend einer einzigen Auffassung unterworfen ist. Die Öffnung zu anderen Auffassungen wird als befreiend empfunden. Die zunächst aufgebaute Beklemmung wegen eines vermeintlichen Problems löst sich in befreiendes Lachen auf. Das Gelächter der Zuhörer zeigt an, dass sie den Positionswechsel erkannt und mitvollzogen haben.«

Wer hat nur all diese Witze erfunden? Da befragen wir doch mal Chris Howland in »Ganz Deutschland lacht«.


»Auf der Erde leben heute annähernd 5,4 Milliarden Menschen. Einmal angenommen, jeder zehntausendste erfindet einmal in seinem Leben einen neuen Witz. Das würde heißen, es gibt etwa alle 70 Jahre 540.000 neue Witze, und das wiederum bedeutet jeden Tag 21 neue Witze. Gar nicht so viel, oder?«


Wollen wir nun mal als Beispiel einen Schadchenwitz von Sigmund Freud und einen ähnlich gearteten von Hellmuth Karasek analysieren, nachdem ich Ihnen beide Autoren vorgestellt habe.

Sigmund Freud wurde am 06. Mai 1856 in Freiberg, Mähren, als Sigismund Schlomo Freud geboren und gestorben ist er am 23. September 1939 in London. Er war ein österreichischer Neurologe, Tiefenpsychologe, Kulturtheoretiker und Religionskritiker. Weltweit bekannt wurde er als Begründer der Psychoanalyse. Freud gilt als einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts. Seine Theorien und Methoden werden bis heute angewendet und diskutiert.


Hellmuth Karasek erblickte am 04. Januar 1934 in Brünn, Tschechien, das Licht der Welt und verstarb am 29. September 2015 in Hamburg. Er war ein deutscher Journalist, Buchautor, Film- und Literaturkritiker und Professor für Theaterwissenschaft. Er schrieb drei Theaterstücke unter dem Pseudonym Daniel Doppler.

Zuerst der Scherz von Sigmund Freud, den ich seinem Buch: »Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten« entnommen habe.

Der Grundgedanke aller Schadchenwitze, Schadchen bedeutet in der Gaunersprache: Heiratsvermittler, Kuppler, ist immer derselbe:


Der Makler versucht, einem Junggesellen eine Frau einzureden, indem er sie als hübsch, jung und reich darstellt, obwohl sie in Wirklichkeit hässlich, ältlich und arm ist. Der Bräutigam ist bei der Vorstellung der Braut sehr unangenehm überrascht und zieht den Vermittler beiseite, um ihm flüsternd seine Ausstellungen mitzuteilen: »Wozu haben Sie mich hierhergebracht?«, fragt er ihn vorwurfsvoll. »Sie ist hässlich und alt, schielt und hat schlechte Zähne und triefende Augen …«

»Sie können laut sprechen«, wirft der Vermittler ein, »taub ist sie auch.«


Den folgenden Spaß von Karasek habe ich in seinem Werk: »Soll das ein Witz sein?« gelesen und für bühnentauglich erklärt.


Der Heiratsvermittler sagt seinem Sohn: »Es wird Zeit, dass du etwas lernst. Begleite mich auf meinen Geschäftsbesuchen, damit du weißt, wie man es macht. Du musst wissen, ein Heiratsvermittler darf, ja muss übertreiben. Wenn ich eine Partie anpreise, dann wirst du mich unterstützen und sie noch mehr als ich loben.«

Der Sohn sagt, das habe er begriffen. Als Erstes besuchen sie einen jungen Mann und der Vater beginnt: »Das Mädchen ist aus gutem Hause.« Darauf der Sohn: »Aus gutem Hause? Von Adel ist sie, von höchstem Adel.«

Der Alte fährt fort: »Und sehr gebildet ist sie.«

»Gebildet ist gar kein Ausdruck«, sagt der Sohn, »an drei Universitäten hat sie studiert.«

»Hat sie Geld?«, fragt der Freier.

»Sie kommt aus einer sehr reichen Familie«, sagt der Vermittler.

»Reich?«, ergänzt der Sohn, »ihr Vater ist Millionär!«

»Oh Gott«, meint der Freier, »bei so vielen Vorteilen wird sie mich am Ende gar nicht nehmen wollen.«

»Nun«, sagt der Alte, »es gibt da auch einen kleinen Schönheitsfehler. Sie ist nicht ganz gerade gewachsen. Sie hat gewissermaßen einen Buckel.«

»Einen Buckel«, echot der Sohn, »einen Buckel! Einen Berg von einem Buckel hat sie!«


In dem Scherz von Freud und in dem Gag von Karasek ist jeweils eine Steigerung zu verzeichnen. Es wird am Ende ganz unerwartet ein Leiden draufgesetzt. Der Zuhörer kann rasch den Positionswechsel erkennen und mitverfolgen. Er kann nicht anders reagieren, er muss darüber lachen. Es sind Übertreibungswitze. Der Freier ist in beiden Scherzen der Gelackmeierte. Wie aber entsteht ein solcher Witz? Die Begriffsbestimmung oder Beschreibung des Witzes beschränkt sich zunächst auf den Begriff »Vorstellungskontrast (stark ins Auge springender Gegensatz), der Sinn im Unsinn, die Verblüffung und Erleuchtung.«

Ich stelle das stärkste und zugleich reinste Beispiel der ganzen Gruppe voran. Es ist ein Witz.


Itzig ist zur Artillerie assentiert worden. Er ist offenbar ein intelligenter Bursche, aber ungefügig und ohne Interesse für den Dienst. Einer seiner Vorgesetzten, der ihm wohlgesinnt ist, nimmt ihn beiseite und sagt ihm: »Itzig, du taugst nicht zu uns. Ich will dir einen Rat geben: Kauf dir eine Kanone und mach dich selbständig.« Das ist bloßer Unsinn.


»Der Witz wird gemacht, die Komik wird gefunden. Die Mittel, die zum Komischmachen dienen, sind: Die Versetzung in komische Situationen, die Nachahmung, Verkleidung, Entlarvung, Karikatur, Parodie und Travestie. Wir wählen die Komik der Bewegungen, weil wir uns erinnern, dass die primitivste Bühnendarstellung, die der Pantomime, sich dieses Mittels bedient, um uns Lachen zu machen. Die Antwort, warum wir über die Bewegungen des Clowns lachen, würde lauten, weil sie uns übermäßig und unzweckmäßig erscheinen. Wenn ein Kind oder ein Mann aus dem Volke oder ein Angehöriger gewisser Rassen etwas mitteilt oder schildert, so kann man leicht sehen, dass er sich nicht damit begnügt, seine Vorstellung durch die Wahl klarer Worte dem Hörer deutlich zu machen, sondern dass er auch den Inhalt derselben in seinen Ausdrucksbewegungen darstellt, denn er verbindet die mimische mit der wörtlichen Darstellung. Er bezeichnet zumal die Quantitäten und Intensitäten. »Ein hoher Berg«, dabei hebt er die Hände über seinen Kopf; »Ein kleiner Zwerg«, dabei hält er sie nahe an den Boden. Er mag es sich abgewöhnt haben, mit den Händen zu malen, so wird er es darum doch mit der Stimme tun, und wenn er sich auch darin beherrscht, so mag man wetten, dass er bei der Schilderung von etwas Großem die Augen aufreißt und bei der Darstellung von etwas Kleinem die Augen zusammendrückt. Es sind nicht seine Affekte, die er so äußert, sondern wirklich der Inhalt des von ihm Vorgestellten«, so Freud.

Mimik, Gestik und vor allem Rhetorik sind für einen guten Witz Grundvoraussetzung. Wir erinnern uns zum Beispiel an Thomas Freitag, der das Augenzwinkern eines Helmut Kohls übertrieben darstellte und dazu die passende Stimme präsentierte (die perfekte Nachahmung) oder auch an Hape Kerkeling, der kleine Kinder imitierte, oder an einen Meister des feinen Humors, Loriot, der die Nudel an der Wange kleben hatte. Auch Müller-Lüdenscheid mit Quietsche-Entchen in der Badewanne sollten wir nicht vergessen. Es sind die Kleinigkeiten, die einen guten Gag ausmachen, die uns zum Lachen bringen. Didi Hallervorden ist ein Meister der Mimik, allein seine Gesichtszüge reizen die Lachmuskeln. Wer erinnert sich nicht an Nonstop Nonsens? Immer in heikle Situationen verwickelt und doch unverletzt geblieben. Dabei rufen wir uns Friedrich Nietzsche ins Gedächtnis, der da behauptet, dass das Lachen reine Schadenfreude sei.


»Es gibt allerdings noch andere Mittel zum Komischmachen, die eine besondere Würdigung verdienen und zum Teil neue Ursprünge der komischen Lust aufzeigen. Hierbei gehört zum Beispiel die Nachahmung, die dem Hörer eine ganz außerordentliche Lust gewährt und ihren Gegenstand komisch macht, auch wenn sie sich von der karikierenden Übertreibung noch fernhält. Es ist viel leichter, die komische Wirkung der Karikatur als die der bloßen Nachahmung zu ergründen. Karikatur, Parodie und Travestie sowie deren praktisches Gegenstück, die Entlarvung richten sich gegen Personen und Objekte, die Autorität und Respekt beanspruchen«, so Freud weiter.


Wie wir schon eingangs gelernt haben, bauen Gag-Schreiber bereits bekannte, oder anders ausgedrückt, auferstandene Witze um. Für Helmut Kohl nehmen wir jetzt einfach einen Gabriel oder Steinmeier, die ja beide auch sehr füllig sind, halt die Personen, die in die aktuelle Zeit passen. Der Zuhörer braucht Personen, mit denen er sich identifizieren kann. Der Aha-Effekt ist größer. Witze kann man mit einer Boje vergleichen. Man drückt sie unter die Wasseroberfläche und schwupp, ein paar Jahre später, taucht sie dann wieder auf, im neuen Gewand. Nur die Umgebung, die Namen oder Situationen werden ausgetauscht.


Helmut Kohl hat jetzt 20 Kilogramm abgenommen. Das ist ungefähr das Gleiche, als würde ein Dreißig-Tonner eine Zierleiste verlieren.


Helmut Kohl wurde gefragt, ob er weiß, was ein Spastiker ist. »Natürlich weiß ich das«, sagte Kohl. »Das hat was mit Sex zu tun. Meine Hannelore fragt mich immer im Bett: ‘Na, macht’s Spaß Dicker?«


Angela Merkel ist jetzt auch in einen Spendenskandal verwickelt. Helmut Kohl hat ihr seinerzeit 50 Euro für den Friseur gegeben und keiner weiß, wo das Geld geblieben ist.


Goethe schrieb in den »Wahlverwandtschaften.«

»Durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakter als durch das, was sie lächerlich finden.«

Schon Aristoteles behauptete, dass das Wesen des Witzes in einem Defekt bestehe. Hässliches sei darum komisch. Und Komödiendichter haben ja zu allen Zeiten Figuren auftreten lassen, die unter körperlichen Gebrechen zu leiden hatten. Gelacht wurde über Bucklige, Kleinwüchsige, Stotterer, »Tattergreise«, Betrunkene.

Nehmen wir zur Verdeutlichung zwei Gags über Kleinwüchsige (Liliputaner) und ein Beispiel über einen Stotterer. Achten Sie auf die Verdichtung und auf die prägnante Kürze der Witze. Die Pointe lässt nicht lange auf sich warten. Der Zuhörer braucht sich nicht endlos zu konzentrieren, bis er in den Genuss des Lachens kommt.


Kommt ein Liliputaner in die Kneipe und stellt sich neben einen Hünen. Er schaut ihn von oben bis unten an, stößt ihm in die Rippen und sagte: »Mensch Karl, kennst du mich denn nicht mehr? Wir sind doch zusammen groß geworden.«


Was sagt ein Liliputaner, wenn er nackt durch die Lüneburger Heide läuft? »Lass das Erika.«


Da fragt ein Stotterer einen Glatzkopf: »W-w-was ko-kostet b b bei dir ein Ha-Haarschnitt?«

Da antwortet der Glatzkopf: »16,50 €, genau so viel wie bei dir ein Ortsgespräch.«


Dieter Thoma meinte: »Was jemand witzig findet, hängt natürlich von jedem Einzelnen ab. Von seiner Veranlagung, seinem Geschmack. Der Lieblingswitz eines Menschen gibt auch psychologisch Auskunft über ihn.«

»Bei einem guten Witz ist mir egal, wen ich damit beleidige«, soll der US-amerikanische Komiker Mel Brooks gesagt haben.

»Sigmund Freud meinte, ein guter Witz sei imstande, Menschen selbst über körperliche Schmerzen hinwegzuhelfen. Und gerne erinnere ich mich an Fritz Muliar, den Wiener Schauspieler und grandiosen Witz-Interpreten. Er sagte: »Wenn das Tier einen tiefen Schmerz fühlt, dann schreit es. Der Mensch hat in so einem Fall noch einen Ausweg: Er kann lachen.«



Worauf es bei einem guten Witz ankommt?


Auf die Verdichtung, denn in der Kürze liegt die Würze. Erzählen Sie die Pointen bereinigt von jedem Ballast, das heißt: Füllwörter so wenig wie möglich verwenden. Vermeiden Sie Wiederholungen im fortlaufenden Text beziehungsweise beim Vorsprechen. Tätigkeitsworte sind besser als Substantive. Das lässt den Text lebendiger wirken. Komprimieren Sie den Gag auf ein Minimum. An einem Joke muss man schließlich auch arbeiten und rumfeilen, bis er flüssig passt, genauso wie an einem Werbeslogan.« Als kleines Beispiel die Schlegelsche Übersetzung:


»Weil Kürze dann des Witzes Seele ist,

Weitschweifigkeit der Leib und äußre Zierrat,

fass ich mich kurz.«


Schleiermacher wird zum Beispiel ein Witz zugeschrieben, der uns als fast reines Beispiel solcher technischen Mittel wichtig ist:


Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.



Wollen sich zwei wegen einer Frau duellieren. Der eine ist blind, der andere fast taub. Da fragt der Blinde seinen Sekundanten: »Hör mal, ist der Taube schon da?« Währenddessen fragt der Taube seinen Sekundanten: »Sag mal, hat der Blinde schon geschossen?«


Zum Tanztee spielt eine Zweimannkapelle. Der eine ist auch blind und der andere schwerhörig. Da fragt der Blinde: »Tanzen die Leute schon?« Verblüfft stellt der Schwerhörige eine Gegenfrage: »Wieso, spielen wir schon?«


Der Doppelsinn, die Zweideutigkeit

Zweideutige Witze sind vorwiegend sexistische Pointen, weil man gerne auf ein Thema zurückgreift, welches uns allen bekannt sein dürfte und für das wir uns alle gleichermaßen interessieren. Leider ist das Thema Sex ein zweischneidiges Schwert, eine Gratwanderung. Es gibt Veranstaltungen, bei denen Sie voll unter die Gürtellinie gehen können; und bei anderen Sitzungen wird man für das gleiche Erzählte mitten in der Rede abgebrochen. Darauf gehe ich später in einem anderen Kapitel näher ein. Das folgende Beispiel ist harmlos, weil nichts Genaues ausgesprochen wird. Der Zuhörer kann selbst entscheiden.


Er wirft ihr vor: »Es gibt Frauen, die können anziehen was sie wollen, ihnen steht einfach nichts.« Worauf seine Angetraute antwortet: »Es gibt Männer, die können ausziehen was sie wollen, da ist es genau das Gleiche.«


Lieber einen stehen haben und nicht mehr sitzen können, als einen sitzen haben und nicht mehr stehen können.


Er fragt seine Frau: »Hast du Lust zu bumsen?«

Worauf sie antwortet: »Nee, auf gar keinen Fall.«

»Ich auch nicht. Komm lass uns schnell anfangen, dann haben wir es hinter uns.«


Liebeserklärung:

In meinem Zimmer rußt der Ofen immerzu,

in meinem Herzen ruhst nur du.


»Eine Ziege stand einsam auf dem Feld,

und blickte traurig in die Welt,

sie rief ‘ne zweite Ziege dann herbei,

und gründete ‘ne Ziegelei.«

(Rolf Herricht & Hans Joachim Preil)






Das Wortspiel

Das folgende Wortspiel ist als rein solches zu betrachten, denn Doppelsinn und Zweideutigkeit sind nicht erkennbar. Diese Wortverdreherei ist etwas für Sprachgenies. Allerdings, aus eigener Erfahrung, nicht für jede Veranstaltung geeignet, weil der Zuhörer in seltenen Fällen nicht direkt mitkommt. Spricht man jedoch zu langsam, denkt der Zuschauer, man könne seinen Text nicht. Dieses Wortspiel habe ich mal 1995 auf einer Damensitzung gebracht und wurde ausgepfiffen. Eine Woche später bekam ich dafür einen riesigen Applaus.


Ich kannte mal ne Barbara, die aß immer so gern Rhabarber, da haben wir sie Rhabarber-Barbara genannt. Und die hatte einen reichen Onkel, der hat ihr eine Bar eingerichtet, die Rhabarber-Barbara-Bar. Und in dieser Bar hatte die sich Musiker verpflichtet aus Ungarn, die nannten sich Barbaren, das waren dann die Rhabarber-Barbara-Bar-Barbaren. Diese Barbaren trugen alle einen Bart, den Rhabarber-Barbara-Bar-Barbaren-Bart. Den wollten sie sich abrasieren lassen, beim Barbier, beim Rhabarber-Barbara-Bar-Barbaren-Bart-Barbier. Dieser Barbier war aber mal früher ein Baron, das war der Rhabarber-Barbara-Bar-Barbaren-Bart-Barbier-Baron. Dieser Baron der hieß Baranie, also war das der Rhabarber-Barbara-Bar-Barbaren-Bart-Barbier-Baron-Baranie. Dieser Baron Baranie hatte einen Bruder in Brasilien, der ihm immer Briefe brachte, also war das kein anderer als der: Rhabarber-Barbara-Bar-Barbaren-Bart-Barbier-Baron-Baranies-briefebringender-Bruder aus Brasilien.

(Quelle unbekannt)


Eigentlicher Doppelsinn

Hierbei werden die Worte so verdreht, dass sie einen ganz anderen Sinn ergeben.

Nehmen wir als Beispiel einen DDR-Witz über den Schulunterricht:


Der Sohn kommt heulend von der Schule. Der Vater fragt ihn, was er denn für ein Problem habe. Ich habe in Deutsch eine fünf bekommen, weil ich ein Wort falsch geschrieben habe. Wir sollten schreiben, die DDR ist ein rechtmäßiger Staat.«

»Und, was hast du falsch gemacht?«

»Ich habe recht mäßig auseinander geschrieben!«


Von anno dazumal


Fleißig, fleißig, fleißig,

die DDR wird dreißig.

die Kleinen laufen sich einen Wolf!

Die Großen kaufen sich einen Golf.


Als Bettelstudent bin ich groß geworden. So ist es nun mal auf der Welt: Der Arbeiter arbeitet, der Student studiert, der Chef scheffelt …

(Fips Asmussen)


Der Arbeiter arbeitet – der Unternehmer unternimmt was. Würden die Arbeiter mal was unternehmen, könnten die Unternehmer mal richtig arbeiten.

(Karl-Heinz Papenkort)


Er würgte eine Klapperschlang,

bis ihre Klappe schlapper klang.

(Otto Waalkes)


Sie bricht durchs dickste Fichtendickicht, dicke Finken picken tüchtig. Das müssen Sie mal im angetrunkenen Zustand ganz schnell nachsprechen.

(Jürgen von der Lippe)


Es gibt noch wesentlich mehr Witzarten und Gattungen, worauf ich im Moment nicht näher eingehen möchte. Das würde den Rahmen dieses Buches sprengen. Im hinteren Teil des Handbuchs werde ich die einzelnen Pointen gemeinsam mit Ihnen besprechen. Alles zu seiner Zeit! Wir wollen ja vordergründig nicht nur Theorie, sondern eher die Praxis ins Auge fassen, was ja Ihrem Interesse nicht entgegenstehen dürfte.

Manche Theoretiker sind der Meinung, dass es eigentlich nur zehn bis zwanzig Witzarten oder Varianten gibt, das ist Humbug. Der Humor ist so vielschichtig geworden, gerade im Zeitalter des Internet und Digitalfernsehen.


Nur ein kurzer Witz-Exkurs soll jetzt folgen.

Bei fast allen Pointen kommt ein überraschendes Merkmal zum Vorschein und zwar genau das Gegenteil von dem, was der Zuhörer erwartet oder gerade was er nicht erwartet. Je größer der Positionswechsel oder der Aha-Effekt, umso befreiender das Lachen.


Kommt ein Mann zum Psychiater und klagt: »Herr Doktor, Sie müssen mir helfen. Jede Nacht habe ich einen abscheulichen Traum. Meine Schwiegermutter läuft mit einem Krokodil am Halsband in unserer Wohnung immer hinter mir her. Diese scharfen, zackigen gelben Zähne, die roten Augen und dieser Gestank in der Bude.«

»Das ist ja schon sehr schlimm«, bestätigt der Mediziner.

»Das ist noch gar nichts. Warten Sie mal ab, bis ich Ihnen das Krokodil beschrieben habe.«


Immer an die Verdichtung langer Zeitabstände denken. Sagen Sie zum Beispiel nicht: Damals, vor etlichen Jahren, als ich noch kleiner war, habe ich … sagen Sie einfach: Vor geraumer Zeit habe ich … (nur als Beispiel). Noch ein paar kleine Hinweise (Gags) sollen die prägnante Kürze eines Juxes verdeutlichen:


»Wie lauten die letzten Worte eines Beifahrers? Rechts ist frei!«


»Die letzten Worte eines Nachtwächters? Ist da jemand?«


»Die letzten Worte eines Briefträgers: Braves Hundchen.«


»Wenn man heute ein Brot kauft, ist es morgen schon von gestern.«


Lassen wir das Kapitel »Worauf es bei einem guten Witz ankommt« langsam mit einer Pointe von Jürgen von der Lippe und einem Gedicht von mir ausklingen.


Wieder kommt ein Mann zum Psychiater und klagt: »Herr Doktor, ich glaube, ich kann in die Zukunft sehen.«

»Das ist ja schlimm. Wann hat das denn angefangen?«

»Nächsten Donnerstag.«


Nicht alles, was sich reimt, ist ein Gedicht,

nicht alles, was zwei Backen hat, ist ein Gesicht.

Nicht jedes gesprochene Wort ist Gold,

nicht jedes Ja-Wort ist ehrlich gewollt.

Nicht jeder BH ist prall und stets voll,

nicht jeder Witz ist auch wirklich toll.

Die Pointe von diesem kleinen Gedicht,

die kannst du suchen, die gibt es nicht!

Drum wird jetzt hier dieses Kapitel enden,

der Leser möge dieses Blatt nun wenden!



Lesbare und erzählbare Witze


Es ist fast nicht zu glauben, paradox, aber es gibt tatsächlich Witze, die man nur lesen kann, andere wieder, die man in der Kneipe am Stammtisch erzählen darf und solche, die auf eine öffentliche Bühne gehören. Während meiner ganzen Laufbahn als Humorist habe ich schon viele Pleiten mit Witzen erlebt, über die ich mich vor Lachen ausschütten konnte, die aber auf den Brettern, die die Welt bedeuten, kläglich versagten. Also 1988 brachte ich einen Gag, von dem ich mir zunächst mehr Lacherfolg erhoffte. Ich will ihn hier niederschreiben, um Ihnen aufzuzeigen, wovon Sie lieber die Finger lassen sollten.


Ein deutscher Politiker hält im tiefsten Afrika, in einem kleinen Dorf eine Rede vor Eingeborenen: »Liebe Einwohner, bald wird der Tag kommen, an dem ihr alle keinen Hunger mehr erleiden müsst.« Die Afrikaner heben die Hände in die Luft und schreien: »Uzanga, Uzanga.« Der Politiker fährt fort: »Bald bringen wir die Zivilisation auch in den tiefsten Winkel Afrikas.« Die Ureinwohner wieder: »Uzanga, Uzanga.« Die Schreie werden immer lauter und der Politiker denkt sich, er sei auf dem richtigen Weg. Er spricht weiter: »Bald wird jeder sein eigenes Häuschen haben und Fernsehen.« Die Bevölkerung wieder: »Uzanga, Uzanga.« Die Meute ist nicht mehr ruhigzustellen.

Da fragt der Politiker einen Einheimischen, ob ihm seine Rede gefallen hat. Da meint der Afrikaner: »Du ganz toll gesprochen.« Sie gehen gemeinsam ein Stück wo Kühe grasten und da sagt der Afrikaner zu dem Politiker: »Vorsicht, du nicht treten auf den Haufen Uzanga.«


Vielleicht hätte ich lieber Scheiße gesagt, aber dann wäre die Pointe nicht gelungen. Gerade das unbekannte Wort Uzanga sollte entlarvt werden und den Lacherfolg bringen. Der Positionswechsel war aber nicht eindeutig erkennbar und konnte nicht mitverfolgt werden. Das befreiende Lachen blieb aus. Das Publikum konnte wohl mit der Übersetzung - nicht treten auf den Haufen - nichts anfangen. Obwohl Kühe grasten und Haufen schon zur Entschlüsselung beigetragen haben sollten. Es war halt im wahrsten Sinne des Wortes ein Scheißwitz!


Auch das folgende Beispiel, woran ich mich noch haargenau erinnern kann, soll verdeutlichen, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind. Als ich diese Pointe las, hätte ich mir vor Lachen fast in die Hose gemacht. Auf der Bühne gab es nur die von mir gestellte Note ausreichend, aber nicht zufriedenstellend. Der Zuhörer hatte mit einem besseren Ende oder Finale gerechnet? Der Witz ist einfach zu lang für die knappe Pointe.


Einmal sind wir ins Schreibwarengeschäft gegangen, um uns für den Schulunterricht einige Sachen zu besorgen, die wir für Erdkunde brauchten. Der Verkäufer spricht meinen Kompagnon an und fragt: »Kann ich Ihnen helfen?«

»Ich hätte gerne kariertes Linienpapier«, sagt mein Kumpel.

Der Verkäufer fragt nach: »Was bitte hätten Sie gern, kariertes Linienpapier? Es gibt entweder Kariertes- oder Linienpapier. Kariertes Linienpapier gibt es nicht!«, klärt ihn der Verkäufer auf.

»Dann nehme ich liniertes Papier«, während er spricht, verfärbt sich sein Gesicht puterrot. Er nimmt den Schreibblock und verschwindet in Windeseile. Er schämte sich offensichtlich, weil seine Blödheit entlarvt wurde. Da kommt der Verkäufer auf mich zu und fragt: »Haben Sie schon mal solch einen Blödsinn gehört? Der wollte doch tatsächlich kariertes Linienpapier. Sowas habe ich ja noch nie gehört.« Wir müssen beide über diesen Schwachkopf lachen. Ich persönlich habe mich vor Lachen gar nicht mehr eingekriegt. Ich hätte mir fast in die Hose gemacht und zudem hatte ich, wie man es im Rheinischen sagt, das Pipi in den Augen stehen, zu Deutsch Tränen in den Augen. Ja, und dann fragt mich der Verkäufer: »Was hätten Sie denn gern?« Ich druckse nicht lange rum und sage: »Ich hätte gerne einen Globus von Nordrhein-Westfalen.«


Auch der Überraschungseffekt, der Positionswechsel, war offensichtlich zu schwach. Mir persönlich gefällt der Witz immer noch. Ich musste beim Niederschreiben wieder stark schmunzeln. Nun möchte ich noch ein letztes Beispiel anführen, worüber die Zuschauer nur im angetrunkenen Zustand lachen können, was ich bis heute nicht verstehen kann.


Meine bessere Hälfte und ich, wir machen gerade eine Trennkostdiät. Meine Frau isst das Gemüse und ich das Fleisch. Auch die Hausarbeit trennen wir rigoros. Meine Frau putzt die Treppe und wischt Staub und ich bin für die Gardinen zuständig. Das ist aber nicht ganz ungefährlich! Ich bin schon zweimal beim Gardinenbügeln aus dem Fenster gefallen.


Ob Sie es nun glauben oder nicht, auch dieser Witz kam bei mir nicht sonderlich gut an. Mehr wie eine befriedigend bis ausreichende Note gab es für den Gag nicht. Es kommt halt darauf an, wer den Witz erzählt. Die Pointe ist aus dem Repertoire von Karl-Heinz Kooken und schon über dreißig Jahre alt.


Jetzt im Anschluss drei Gags bei dem das Publikum außer Rand und Band ist, auch heute noch! Nach zehn Jahren, so viel Zeit muss ungefähr verstreichen, können Sie getrost die spitzenmäßigen Pointen wieder aus der Versenkung holen und in einem neuen Gewand auf der Bühne präsentieren. Ich habe mal aus Verlegenheit, weil ich in einem Jahr nichts Gescheites zusammenbrachte, eine Rede in Düsseldorf vorgetragen, die ich vor zwei Jahren schon einmal vorgestellt hatte, und bekam trotzdem wieder sehr viel Applaus. Viele Menschen können sich über einen längeren Zeitabschnitt die Gags nicht merken. Sie verändern einfach die Abfolge der Rede und keiner bekommt es mit, dass es ein alter Vortrag ist! Zudem wechseln ja auch die Zuschauer. Nach zehn Jahren ist das vollkommen logisch. Es sind nur wenige, die über einen längeren Zeitraum, in der Gegend angesiedelt sind, und ihrem Verein die Treue halten. Und wenn, bleiben vielleicht zehn bis zwanzig Prozent übrig, die regelmäßig die Sitzungen besuchen. Die anderen sind neu Zugezogene. Also Resümee: Sie bringen ungefähr alle zehn Jahre ein altes-neues Programm. Im Grunde brauchen Sie für Ihren neuen Vortrag drei neue Spitzenwitze. Später, in einem anderen Kapitel, erkläre ich Ihnen dann warum.


Eingangs hatten wir schon besprochen, dass viele Scherze auf das Konto von Behinderten gehen. Der Erste, der jetzt folgt, ist sozusagen ein Behindertenwitz, der Zweite danach ein Fußballerwitz, die Sportart Nummer eins in Deutschland, mit der sich jeder Fußballfan identifizieren kann. Vorm Fernseher, mit einer Pulle Bier in der Hand, ist jeder Fan der beste Fußballtrainer, Kritiker und auch Spieler. Solche Gags sollte man immer bevorzugt behandeln. Wenn Sie mal ein solches Schätzchen finden, behüten Sie es wie Ihren Augapfel. Der Dritte und Letzte ist ein Theologenwitz, auch die Kirche wird hier unerbittlich entlarvt mit einem Positionswechsel, der sich gewaschen hat. Zuerst der Behindertenwitz:


Ein Wunderheiler kommt mit seiner Droschke in ein Dorf und stellt sich auf den Marktplatz. Er reißt die Plane vom Fuhrwerk ab, stellt sich auf den Wagen und beginnt wie ein Marktschreier zu rufen: »Liebe Leute lasst euch sagen, ich heile alle Kranken.« Auf dem Marktplatz versammelt sich eine Meute und der Wunderheiler schreit weiter. »Wer von euch Kranken möchte wieder gesund und munter werden?« Da meldet sich einer auf Krücken und ruft: »Ich möchte mal in meinem Leben wieder richtig laufen können.«

»Kommen Sie auf den Planwagen, Ihnen soll geholfen werden«, sagt der Wunderheiler und er fährt fort: »Stellen Sie sich hinter die spanische Wand.« Der Gehbehinderte tut wie ihm befohlen. Der Wunderheiler spricht weiter: »Wer möchte noch gesund werden?« Da meldet sich einer mit einer Hasenscharte: »If möfte einmal in meinem Leben wieder richtif sprefen können.«

»Kommen Sie auf den Wagen und stellen Sie sich ebenfalls hinter die spanische Wand.«, sagt der Wunderheiler und spricht dann zum Publikum: »Meine Damen und Herren, Sie werden jetzt ein Wunder erleben. Sie mit den Krücken, können Sie mich hören?« Und der Mann ruft: »Jawohl.«

»Sie sind jetzt die Nummer eins, haben Sie mich verstanden?«

»Jawohl.«

»Sie mit der Hasenscharte sind nun die Nummer zwei, haben Sie mich auch verstanden?«

»Jafol.«

Der Wunderheiler macht vor der spanischen Wand ein paar Handbewegungen und die Anspannung beim Publikum wird sichtbar. »Meine Damen und Herren, Sie werden jetzt ein Wunder erleben. Nummer eins, schmeißen Sie die Krücken weg.« Und die Gehhilfen fliegen in hohem Bogen über die spanische Wand. Das Volk ist vor Begeisterung am Toben. Dann ruft der Heiler: »Nummer zwei, sprechen Sie einen normalen Satz«, und der mit der Hasenscharte ruft: »Nummer einf ift eben umgefallen!«


Im vierten Schuljahr hatten wir eine neue Klassenlehrerin bekommen und die wollte, dass sich jeder Einzelne der Klasse vorstellt. Da sagt die Natalie: »Mein Name ist Natalie, ich bin elf Jahre alt und mein Vater ist Postbote.« Da meint die Lehrerin: »Schön, der Nächste bitte.«

»Mein Name ist Hubert, ich bin zehnundeinhalb Jahre alt und mein Vater ist Mechaniker.«

»Sehr schön, der Nächste bitte«, wiederholt sich die Lehrerin.

»Mein Name ist Jan, ich bin elf Jahre alt und mein Vater ist Nackttänzer in einer Schwulenbar.«

Völlig verstört wechselt die Lehrerin das Thema. In der großen Pause habe ich den Jan gefragt: »Hör mal, ist dein Vater wirklich Nackttänzer in einer Schwulenbar?« Er antwortete flüsternd: »Nee, mein Vater spielt in der holländischen Fußballnationalmannschaft, aber das war mir zu peinlich, das zu sagen.«


Wenn wir in der vierten Klasse Schule aushatten, bin ich immer zu dem Gebäude gegenüber von der Schule gegangen, das war ein Eros-Center. Und da kam mal ein Mann raus und dann bin ich hin zu dem Mann und habe gesagt: »Onkel, ich weiß, was das hier für ein Laden ist.« Meint der Mann: »Na und?« Ich sprach weiter: »Onkel, ich weiß auch, wer du bist.« Da wurde der Onkel lauter: »Was willst du von mir? Willst du mich erpressen?«

»Nee«, sag ich, »aber da drüben in dem Geschäft da liegt ein großer, schöner, weißer Fußball, den hätte ich gern.« Da hat der Onkel mir den Fußball gekauft. Ich sag: »Onkel, ich weiß auch wo du arbeitest.« Sagt der Onkel: »Was willst du noch?«

»Die schönen Fußballschuhe von adidas hätte ich gern.« Da hat der mir die Fußballschuhe gekauft.

Ich komm mit dem Ball und den Schuhen nach Hause. Da fragte mich meine Mutter: »Wo hast du das Zeug denn her?«

»Och«, sag ich, »ich habe vorm Eros-Center gestanden, ist ein Mann rausgekommen, der hat mir die Sachen gekauft.« Da mault meine Mutter: »Wie, die hat der dir gekauft, du hast ihn erpresst. Jetzt aber mal ganz schnell ab in die Kirche zum Beichten.«

Ich kam gerade in der Kirche an, wollte in den Beichtstuhl steigen, kam der Pfarrer um die Ecke. Der sah mich und sagte zu mir: »Jetzt willst du wohl auch noch ein Trikot haben, oder was?«


Ich hatte zwar eingangs geschrieben: In der Kürze liegt die Würze, aber trotzdem habe ich Ihnen jetzt mal drei lange Pointen serviert, weil es mehr kleine Geschichten sind. Es sind Entstehungsgeschichten. Sie behandeln bevorzugt die Themen der Allgemeinkomik, das heißt, es werden viele Interessenten angesprochen, der Positionswechsel ist leicht erkennbar und allgemein gut verständlich und unkompliziert. Themen wie: Behinderte, Schulen, Schwule, Fußballer und die Kirche sind immer willkommene Witzlieferanten.

Keine Scheu vor Behindertenwitzen? Es gibt auch gewisse Tabuthemen, dazu in einem anderen Kapitel mehr Details. Ich bin mal auf einer Behindertensitzung aufgetreten und hatte regelrechte Angst einen Stotterer-Witz zu erzählen. Es kam aber ganz anders. Die Begleiter der Blinden, haben den Sehbehinderten meine Mimik und Gestik erklärt, und die Schwerbehinderten selbst konnten sich vor Lachen nicht mehr einkriegen. Ich glaube sowas nennt man Galgenhumor. Ein Beispiel:


Drei Stotterer spielen Skat und einer reizt: »A-achtzehn«

»Hab ich.«

»Zwwanzig.«

»Hab ich.«

»Zwwooo.«

»Hab ich.«

So geht das Spiel bis sechzig. Plötzlich bricht der erste Reizer nach einem Herzinfarkt zusammen und ist tot.

Da sagt der dritte Stotterer: »W-wie konntest d d du nur so hoch reizen. Du w-w-weißt doch, dass der es mit d dem Herzen hat. Jetzt ist er t-t-tot.«

Da meint der zweite Stotterer: »Guck d dir d doch mal sein B-b-blatt an. Damit wäre d d der sowieso kkk-kaputtgegangen.«


Ein weiteres Beispiel ist der folgende Witz. Dabei könnte man meinen, dass der Gesunde es mit der Zeit verlernt hat, einem Sprechbehinderten ausreden zu lassen.


Stotterer: »W-w-was m-a-machst du im Sommer?«

Gesunder: »Ich fahre an die Ostsee.«

Stotterer: »W-was mmm-achst du im Sommer?«

Gesunder: »Ich sagte es bereits, ich fahre an die Ostsee.«

Stotterer: »N-n-nu lass mich d doch mal ausreden. Was mmmachst du im Sommer, wenn deine Füße jetzt ssschon so stinken?«


So, nun haben wir den Abschnitt »lesbare und erzählbare Witze« abgeschlossen. Ein Tipp: Testen Sie ruhig auch Witze, die Sie nicht so gut finden. Mir ist es schon oft passiert, dass sich die Leute bei mir über banale Sachen kranklachten, über die ich noch nicht einmal schmunzeln konnte. Sie kennen bestimmt die Betriebsblindheit! Wenn man sich jahrelang mit Humor beschäftigt, wird man mit der Zeit anspruchsvoller. Bleiben Sie dabei immer auf der einfachen Schiene, das heißt, alltägliche Themen bevorzugen, womit sich jeder identifizieren kann. Beziehungswitze stehen zuvörderst, gefolgt von Sport und aktuelle Themen wie Politik, Wissenschaft und ein bisschen Frivolität kann auch nicht von Schaden sein, wenn sie richtig verpackt ist. Mit den zwei nachstehenden Pointen möchte ich mich aus diesem Kapitel verabschieden und glaube, dass Sie hier in diesem Abschnitt wieder etwas dazugelernt haben, oder?


Stehen zwei unter der Dusche und kommen ins Gespräch. Da sagt der eine: »Ich baue jetzt ein Perpetuum mobile.« Da fragt der andere ganz erstaunt: »Was ist denn ein Perpetuum mobile?« Da meint der erste: »Das ist ein Ding was immer läuft und nie steht.«

Da bemerkt der andere ganz abwertend: »Das habe ich schon!«


Wieder stehen zwei unter der Dusche, der eine hat einen aufgespannten Regenschirm in der Hand und der andere fragt: »Was soll denn der Quatsch, mit einem Regenschirm unter der Dusche zu stehen?«

»Das hat seine Gründe.«

»Was kann das denn für ein Grund sein?«

»Ich habe mein Handtuch zu Hause vergessen.«

(Colonia-Duett)



Wie erlerne ich das Witzerzählen?


Da man Witze, anders als Gedichte, nicht erst auswendig lernen muss, um sie falsch weitererzählen zu können, gehen sie nach kurzer Zeit ins Volksvermögen über und werden dann von Session zu Session an ihren Bärten durch die Sitzungssäle gezerrt. Die Pointe erkennt man jeweils am Tusch.

Sind die Witze zwar nicht neu, aber wenigstens gut, so bedarf es keines musikalischen Lachkommandos. Wer die Gabe besitzt, wirklich witzig zu sein, bei dem erfolgt das Gelächter von allein. Der ernsthafteste Witzbold Amerikas, der Filmemacher Woody Allen, hat in einem Interview diese Erfahrung in etwa so auf die Pointe gebracht:


Man ist mit irgendwelchen Leuten zusammen, sagt irgendetwas. Die Leute lachen. Irgendwie wundert man sich ein wenig. Aber dann lacht man mit. Und dann schreibt man es auf.


Ein bisschen bis viel Arbeit ist es schon, Witze perfekt vorzutragen, denn diese wollen akribisch einstudiert werden und sollten gleichzeitig noch jungfräulich sein. Jede Nuance kann wichtig sein, um ein Lachen zu erzeugen. Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Von einem Stimmungsmacher erwartet man nur Spaß und schönen Schein, es ist nicht leicht ein Clown zu sein. Der Spaßmacher sollte stets gute Laune und immer einen lustigen Spruch parat haben. Wie es in einem innendrin aussieht, geht keinen etwas an.

Es ist eine undankbare Mühsal, bis man sich ein ansprechbares Repertoire angesammelt und erarbeitet hat. Man darf dabei nicht vergessen, der ganze Gag-Schatz muss ja zudem abrufbar sein, das heißt, er muss im Kopf, auf Ihrer Festplatte bleiben. Prägen Sie sich nur Pointen ein, die leicht erlernbar sind, wo die Abfolge schon zum Schmunzeln anregt und die einen einzigartigen Schluss bilden. Formen Sie die Geschichten um zu unterhaltsamen Witzen. Die kurze oder lange Technik erlernen Sie später. Komprimieren Sie die Storys. Wirklich gute »neue« Witze sind dagegen eher sehr selten. Lieber einen alten Scherz gut vortragen als einen neuen, der keine Wirkung erzielt. Man kann öfter an einem alten Witz feilen, bis er in neuem Gewande wieder aufersteht, zur Geltung kommt und sich wie funkelnagelneu anhört. Geben Sie dem alten Gag eine Chance, lassen Sie ihn reifen wie einen alten Wein im Keller. Je älter, je besser. Wenn man ihn nach zehn Jahren aus dem Kellerverlies holt, ist er reif genug, um ihn als neu zu verkaufen. In diesem Kapitel geht es allerdings vorerst nur ums einstudieren niedergeschriebener Witze.

Fangen Sie an, kurze Gags bei Ihren Verwandten und Bekannten zu testen, damit Sie ein Gespür dafür bekommen, wie einfach aber auch schwierig es sein kann, Leute zu unterhalten. Bei den kurzen Scherzen sehe ich keine Schwierigkeiten. Diese sind schnell erzählt und, sollten sie nicht gut ankommen, kann man schnell einen anderen Spruch hinterherjagen. Hellmuth Karasek hat gesagt: »Lassen Sie sich nicht verunsichern. Man muss tausendmal schießen, bis man einmal trifft.«