cover

Über das Buch

Kein Kind ist gleich

Jedes Kind bringt von Geburt an etwas ganz Eigenes mit, das es zu entdecken gilt. Doch oft ist es gar nicht so leicht zu erahnen, was das Kind fühlt, warum es weint und was es wieder zufrieden macht. Es lohnt sich, sein Kind genau zu betrachten und sich zum Beispiel zu fragen, ob es

ist. Anhand anschaulicher Farbfotos von Kindern im Alter zwischen 0 und 7 Jahren beschreibt Erika Rau, Expertin für Face Reading, wie sich die unterschiedlichen Naturelle bei jedem Kind zeigen.

Dazu gibt sie zahlreiche Hinweise, wie diese optimal gefördert werden können. Eltern können durch die beispielhaften Porträts ihr eigenes Kind besser verstehen und es individuell in seiner Entfaltung unterstützen.

Die Autorin

Erika Rau ist seit 1985 Heilpraktikerin in München und behandelt schwerpunktmäßig Kinder und Familien in ihrer homöopathischen und atemtherapeutischen Praxis. Sowohl für ihre homöopathischen Analysen als auch in der umfassenden Beratung der Eltern nutzt sie die Technik des Face Readings. Sie hat zwei erwachsene Kinder.

Erika Rau

Face Reading für Eltern

Mit Fotografien
von Petra Mitschele

Kösel

Der Kösel-Verlag weist ausdrücklich darauf hin, dass im Text enthaltene externe Links vom Verlag nur bis zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung eingesehen werden konnten. Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags für externe Links ist stets ausgeschlossen.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Copyright © 2017 Kösel-Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH,
Neumarkter Straße 28, 81673 München

Umschlag: Weiss Werkstatt, München

Umschlagmotiv: Petra Mitschele

Fotos: Petra Mitschele, außer: iStock / GlobalIP a) b) c); iStock / Yamtono_Sardi; iStock / DaddyBit

Illustrationen: Stefan Dangl, München

Redaktion: Ralf Lay, Mönchengladbach

Satz: Nadine Clemens, München

ISBN 978-3-641-20470-9
V001

www.koesel.de

Inhalt

Warum es sich für Eltern lohnt, ihre Kinder genau zu betrachten

Einführung in die Psycho-Physiognomik

Die Kraftrichtungsordnung – Ausstrahlung toppt Form

Die Veränderbarkeit der Formen und Zeichen

Das Ruhenaturell

Florentina, 8 Monate

Frieda, 17 Monate

Matthias, 3 Jahre

Giulian, 5 Jahre

Levin, 7 Jahre

Das Bewegungsnaturell

Tim, 10 Monate

Mika, 19 Monate

Jonathan, 4 Jahre, 5 Monate

Maximilian, 5 Jahre

Anna, 6 Jahre

Das Empfindungsnaturell

Mattis, 10 Monate

Amelie, 20 Monate

Nina, 4 Jahre

Marie, 5 Jahre

Mija, 7 Jahre

Zusammenfassung

Danksagung

Literaturtipps

Warum es sich für Eltern lohnt, ihre Kinder genau zu betrachten

»Babys sind alle gleich. Sie brauchen ständigen Körperkontakt, wollen Tag und Nacht die Mutter spüren, nach Belieben gestillt werden, und schon sind sie zufrieden und weinen so gut wie nie.« Ist das wirklich so? Mit meinen eigenen Kindern konnte ich erleben, dass Buchweisheiten dieser Art nicht funktionierten und jedes Kind einfach von klein an viel Eigenes mitbrachte. Und in meiner Praxis erlebte ich das Gleiche mit anderen Kindern. Da gab es Babys, die wollten gar nicht gekuschelt werden, sondern lieber auf der Krabbeldecke oder im Kinderwagen liegen und von dort aus die Welt betrachten. Lange habe ich nicht geglaubt, dass es die unkomplizierten Kinder überhaupt gibt, die alle vier Stunden gestillt werden wollen, sonst aber ganz zufrieden mit ihren eigenen Händchen spielen und, wenn sie müde sind, ein- und nachts schon bald durchschlafen.

Hin und wieder gab es in meiner Praxis dann doch ein solches Kind, und daraufhin dachte ich häufig, dass ich etwas falsch mache – bis mir eines Tages bewusst wurde, dass auch Babys schon sehr unterschiedlich aussehen und sich ebenso unterschiedlich verhalten. Diese Sichtweise half mir dann immer mehr, nicht nur Erwachsene auf Grundlage von Menschenkenntnis individuell zu betrachten, sondern auch bei kleinen Kindern Unterschiede wahrzunehmen. Eine Hebamme bestätigte mir, dass man individuelle Ausprägungen schon bei Neugeborenen deutlich erkennen kann. Diese Erkenntnis entspannte meinen Umgang mit Kindern.

Man kann also schon in frühen Jahren erforschen, welche Themen sich einen Weg ins Leben bahnen, welche individuellen Züge angelegt sind, die sich leben wollen und entwickeln werden. Das ist bei jedem Menschen ganz anders und ganz besonders. Jedes Kind ist einmalig, so wie es ist, und braucht es, dass man seine Einmaligkeit erkennt und seine besonderen Anlagen unterstützt und fördert. Wenn Babys alle gleich wären, könnte man allen Eltern die gleiche eindeutige Anweisungen geben, wie ihre Kinder zu schlafen hätten, ab wann sie welche Nahrung bekommen sollen und wie man sonst mit ihnen umzugehen habe. Doch die Evolution hat eine große Bandbreite an unterschiedlichen Fähigkeiten vorgesehen, und man weiß heute längst, dass das soziale Miteinander durch die unterschiedlichen Anlagen der Einzelnen sogar gestärkt wird. Dementsprechend muss man für jedes Kind einen eigenen Weg finden.

So ist es interessant zu sehen, dass eine Familie Kinder mit ganz unterschiedlichen Naturellen haben kann. In diesem Buch ist die acht Monate alte Florentina ein Ruhenaturell, während ihr älterer Bruder Maximilian dem Bewegungsnaturell zugeordnet werden kann (Foto hier). Auch beim zweiten Geschwisterpaar, das uns auf den folgenden Seiten begegnen wird, zeigt sich die kleine Frieda als ein Ruhenaturell und ihr Bruder Jonathan als Bewegungsnaturell. Es kann einem sehr weiterhelfen, solche möglichen Unterschiede zu sehen, denn so vergleicht man auch die eigenen Kinder nicht und fördert stattdessen jedes Kind auf eine ihm gemäße Art. Für Eltern ist dabei auch immer interessant, die eigene Naturellanlage zu beachten, denn meist liegt einem ein Kind, das einem ähnlicher ist, mehr, während man sich mit einer kindlichen Anlage, die man weniger von sich kennt, eher schwertut.

Es lohnt sich also auf jeden Fall, jedes seiner Kinder genau zu betrachten und schon einmal zu unterscheiden, ob es sich um ein motorisch-dynamisches, ein ruhig-gemütliches oder ein nervlich-empfindsames Kind handelt. Sie können dann bei den Naturellbeschreibungen nachlesen, welche Eigenschaften sich bei Ihren Kindern vermutlich noch entwickeln werden. Diese Naturellbeschreibungen können Sie auch nutzen, um sich selbst und Ihren Partner einzuordnen. Dadurch lässt sich für Sie leichter erkennen, ob Ihr Kind nach Ihnen oder Ihrem Partner oder sogar nach einem Großelternteil kommt. Die Konfliktthemen, die Sie mit Ihrem Partner oder den Großeltern haben, können sich auch mit dem Kind entwickeln, wenn Sie dieses Anderssein nicht aktiv bearbeiten. Schließlich hat jeder alle Naturellanlagen in sich, es ist nur eine Frage, was vorrangig entwickelt wird. Kinder bieten die Chance, sich mit Anlagen auseinanderzusetzen, die man zu wenig entwickelt hat und zu wenig kennt und die man deshalb eventuell ablehnt.

In den Analysen der einzelnen Kinder können Sie viele unterschiedliche Beschreibungen von bestimmten Merkmalen herauslesen, die Sie auch auf Ihr Kind übertragen können. Die Naturellbeschreibungen sind schließlich nur das erste Grobraster, das sich durch die Ausprägung von Nase, Ohren, Mund, Untergesicht, Stirn, Hinterkopf differenziert. Dazu kommt der Augenausdruck und die Mimik, die sich ständig verändern, je nachdem, wie die innere Antwort auf Reize aus der Umwelt ausfällt. Wichtig ist es dabei immer, dass man hinlänglich auf die Kombination der Merkmale achtet. Nur die Kombination sämtlicher möglichen Parameter schafft individuelle Aussagen. Wir wollen ja unsere Kinder nicht festlegen, jeder entwickelt sich ständig weiter und dem können wir gerecht werden, indem wir auch die veränderlichen Zeichen wie Augenausdruck, Strahlkraft der Haut und Muskelfestigkeit wahrnehmen.

Außerdem ist es immer interessant zu beobachten, ob es diese Nasen-, Kinn-, Ohren- oder Mundform auch bei einem der Elternteile oder in der Verwandtschaft gibt. Wir können daraus auf die Bedeutung beim Kind schließen: Wie verhält sich dieser Elternteil? Wie lebt er seine Anlage? Dazu finden Sie auf den folgenden Seiten Interpretationsansätze. Das kann dann durchaus helfen, geduldiger mit bestimmten Eigenschaften umzugehen oder von vornherein eine klare und sichere Linie in der Entwicklung für die Kinder anzubieten.

Letztlich sind wir bei Problemen, die mit Kindern auftauchen, auch immer mit unserer eigenen Anlage konfrontiert. Und da wir unsere Kinder besonders lieben, lernen wir, tolerant zu sein und dem Kind sein Anderssein zu lassen. Das ist auch für uns Eltern die beste Entwicklungschance. Wir dürfen unsere eigene Anlage erkennen und darüber hinauswachsen.

Dieses Buch kann Ihnen helfen, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Sie Ihre Kinder in dieser Hinsicht betrachten können.

Einführung in die Psycho-Physiognomik

Die Lehre der sogenannten »Psycho-Physiognomik« geht auf den feinsinnigen Carl Huter (1861–1912) zurück, der als einfühlsamer Porträtmaler ein aufmerksamer Beobachter von Gesichtern und Haltungen war. Aus den in der Natur immer wiederkehrenden Formen entwickelte er sein Schema der Naturelle, nach dem das Erscheinungsbild eines Menschen nach der Ausprägung seiner Keimblätter beurteilt wird, die kurz nach der Befruchtung entstehen.

Es soll an dieser Stelle aber schon klar gesagt werden, dass Huters Typologie nichts mit jener schädelvermessenden Psycho-Anthropologie zu tun hat, die bald darauf in die Rassenlehre Eingang fand. Huter lehnte dies bereits früh ab, weil es ihm vor allem darum ging, dass die Menschen sich und andere besser kennen- und verstehen lernen.

Sein Schema basiert auch auf drei schon früher in Religion und Philosophie beschriebenen Energien:

1. der Ruheenergie, die das greifbare, stoffliche Leben bildet und Materie schafft,

2. der Bewegungsenergie, die dynamisch Kraft umsetzt, und

der Empfindungsenergie, die eine Entwicklung zu mehr Qualität und Kultur anstrebt.

Sein System der Menschenkenntnis bildet entsprechend drei primäre Naturelle:

1. das Ruhenaturell,

2. das Bewegungsnaturell und

3. das Empfindungsnaturell.

Die primären Typen treten aber auch kombiniert auf, sodass sich weitere drei duale Naturelle herauskristallisieren. Hierbei sind zwei Grundenergien eindeutig gemischt, wobei eine zurücktritt. Diese Naturelle heißen:

1. Ruhe-Bewegungs-Naturell,

2. Ruhe-Empfindungs-Naturell und

3. Bewegungs-Empfindungs-Naturell.

Dazu nannte Huter zwei weitere polare Naturelle: eins, bei dem alle Grundanlagen gleichermaßen in harmonischer Weise zusammenwirken, und eins, bei dem die Grundanlagen unausgeglichen vermischt sind.

Der Naturellkreis nach Huter

Somit unterschied er acht Naturelle, die im äußeren Kreis angeordnet sind. Auch sie können auf vielfache Weise untereinander kombiniert auftreten. Die Unterschiede hat er mit der Farbzuordnung der Naturelle verdeutlicht, wobei die primären Naturelle den drei Grundfarben zugeordnet sind:

1. Ruhenaturell: Blau,

2. Bewegungsnaturell: Rot,

3. Empfindungsnaturell: Gelb.

In Reinform findet man die Naturelle höchst selten. In der Regel liegen Mischformen vor und die Übergänge sind fließend. Um sie grundsätzlich zu verstehen, werden sie dennoch detailliert in ihrer idealen Ausprägung beschrieben, was Körperbau, Hände, Nacken, Gesichts- und Kopfmerkmale angeht. Dann gibt es noch eine Ausstrahlungsqualität, die typisch ist, und selbstverständlich dürfen wir dazu auch die Gestik, Mimik und Stimme kombinieren. Bei einem Menschen, der uns gegenübersitzt, können wir Abweichungen von und Übereinstimmungen mit diesen idealen Beschreibungen erkennen und damit intuitiv und sehr individuell Rückschlüsse auf seine charakteristischen Wesensmerkmale ziehen.

Huter hat natürlich in einer anderen Zeit gelebt als wir, dennoch lassen sich seine Erkenntnisse auch heute noch gut anwenden. Grundsätzlich können wir davon ausgehen, dass bestimmte körperliche Ausprägungen auf die jeweiligen Begabungen, Fähigkeiten und Eigenschaften eines einzelnen Menschen hinweisen. Doch wie diese Anlagen entwickelt werden, das zeigt das Leben. Denn nicht nur unsere Nase, der Mund oder die Augen verändern sich weiter. Ganz deutlich variiert auch unsere Ausstrahlungsqualität. Dazu kommen die Mimik und die Gestik, mit denen wir ständig unbewusst nonverbale Aussagen über uns machen.

Huter zufolge sind diese körperlichen Formen bereits nach unserer Zeugung angelegt und entwickeln sich dann im Laufe des Lebens unter dem Einfluss der Erziehung und der Umwelt entsprechend unseren individuellen Möglichkeiten.

Auf dem Weg zum reifen Erwachsenen geht der Mensch durch sämtliche Reifeschritte hindurch und damit auch durch alle Grundelemente.

Der Körperbau der drei primären Naturelle

Ein Kleinkind lebt anfangs ganz die Anlagen des Ruhenaturells, da es glücklich ist, wenn es Nahrung bekommt und schlafen kann. Es schreitet durch die Empfindungsanlage, in der es offen ist für Veränderungen, viel dazulernt; und es lebt die Bewegungsanlage, in der es aktiv springt, hüpft und in Bewegung ist – bis es bestenfalls nach der Pubertät alle Anlagen integriert hat und damit frei umgehen kann.

Betrachten wir zum Beispiel die Formelemente des Gesichts, dann können wir folgende allgemeinen Zuordnungen treffen:

1. Die Nase lässt Rückschlüsse auf die Selbstverwirklichung eines Menschen zu, den charakteristischen Willen, seinen Fleiß und seine Darstellungskraft. Sie bildet sich ein Leben lang und kann erst nach der Pubertät analytisch betrachtet werden. Bei Kindern finden wir meist eine proportional kleine, eingebuchtete Nase, die sich mit der Entwicklung des eigenen Willens und immer mehr mit der klaren Lebensplanung und -gestaltung ausformt und wächst.

2. Zu den Ohren hat Huter vergleichsweise wenig gesagt. Was wir hierzu wissen, stammt größtenteils aus asiatischen und anderen Quellen. Die Ohren sind schon früh in der embryonalen Entwicklung vollständig ausgeformt; und so schließt man darauf, dass sie Aussagen über tiefe Charakterstrukturen zulassen. Diese Seiten zeigen sich jedoch oft erst spät im Leben.

3. Der Mund gibt Auskunft über unsere Gefühlswelt, unsere Emotionen und unser Kommunikationsverhalten. Mikromimische Äußerungen gehen weitgehend vom feinnervigen Gewebe um den Mund herum aus; und oft ohne dass wir es merken, geben wir unserem Umfeld durch die Mundbewegung eine Rückmeldung, wie wir gefühlsmäßig zu einem Thema eingestellt sind. Bei Kindern ist der Mund in der Regel noch ganz locker, weich und fein.

4. Kinn und Untergesicht modellieren sich erst nach der Pubertät deutlich heraus. Sie sind Ausdruck der Willens- und Impulskraft, mit der man an Projekte herangeht, und Ausdruck des Durchhaltevermögens.

5. Die Jochbeine bestimmen die Breite unseres Gesichts im mittleren Teil und sind Ausdruck von Widerstandskraft, Eigensinn und Selbstbehauptung.

6. Die Augen sind ähnlich wie der Mund sehr am mimischen Spiel beteiligt und vermitteln blitzschnell seelisch-emotionale Botschaften. Über den »Augen-Blick« bekommen wir immer einen Zugang zu den aktuellen Gedanken des Gegenübers.

7. An der Stirn können wir das Wahrnehmen und Denken, die Verstandes- und Vernunftebene erkennen. An ihr können wir ein pragmatisches Denken, das sich auf reale, sinnliche Wahrnehmungen stützt, von einem, das auf ideale Werte gerichtet ist, unterscheiden. Die Stirn entwickelt und formt sich mit zunehmendem selbstständigem Denken und ist beim Kind noch nicht so ausgeprägt.

8. Der Nacken zeigt uns die vitale Kraft und gibt Auskunft darüber, wie das Gehirn über ihn »ernährt« wird. Am Hinterkopf kommen die unbewussten motorischen Antriebe zum Ausdruck. Am Seitenhaupt lesen wir das ökonomische Denken, d. h. die Fähigkeit, mit wenig Energieaufwand viel zu erzielen und sein Leben in gewisser Weise effizient zu gestalten. Am Oberhaupt lesen wir das schöpferische Gefühlsleben des Menschen.

Der Physiognomie zufolge wollen sich alle Formanlagen von Körper und Gesicht im Leben manifestieren, zwar nicht sämtliche und zur gleichen Zeit, aber jeweils in bestimmten Situationen. Je bewusster wir unsere Anlagen erkennen und unsere unterschiedlichen Bedürfnisse wahrnehmen, umso eher gelingt es uns, ihnen gemäß in ausgeglichener und mit unserem Umfeld in verträglicher Weise zu leben. Es geht darum, eine freundliche Beziehung zu unseren eigenen unterschiedlichen Charakterzügen zu gestalten, den Dialog mit diesen Anteilen zu suchen und ihnen in angemessener Form Raum zur Entfaltung zu bieten, damit kein Aspekt unserer Persönlichkeit in den Schatten gedrängt wird.

Das Wissen um diese individuellen Ausdrucksformen gibt uns die Möglichkeit, uns selbst, unsere Kinder und auch unsere Mitmenschen besser verstehen zu lernen. Gerade in Hinblick auf die Kinder und Menschen, die uns anvertraut sind, hilft es, diese Form der Menschenkenntnis zu pflegen. Sie befähigt uns zum Beispiel, eigene Projektionen zu erkennen: Wer bin ich, was erwarte ich – und wie sind die anderen wirklich? So können wir unsere Kinder wahrnehmen, wie sie tatsächlich sind, und am wirkungsvollsten fördern.