Title Page
Vorwort & Editorial
Protagonisten
Peabody Manor
Vergangenheit
La Provence
Italienische Liebe
Pasquale, piango per te
Bong, Bong, Bong
Der Geburts-Tag
Feiern !
… mal wieder raus
Schicksal und Zeit
Maude
Ich hatte also Zeit
Reisevorbereitungen
So what?
Italien ruft
Casa Cinque
Onkel Adam
Henrys Bericht
Aufwachen
Verlagsverzeichnis 03_2015 ebook
Yoko Hamani
Adi Mira Michaels
Sir Arnold
Detektiv der Vergangenheit
Band 01
Onkel Adam

Verlag des Instituts Drachenhaus
© 2015 Babenhausen, Süd-Hessen
EBook & Hörbuch
DIESES BUCH IST EBENFALLS ALS EBOOK UND ALS HÖRBUCH ERSCHIENEN.
HÖRBÜCHER AUS DEM VERLAG DES INSTITUTS DRACHENHAUS SIND IN AUTORENLESUNG (HIER: ADI MIRA MICHAELS) GELESEN. DIE HÖRBÜCHER SIND WIE KLEINE HÖRSPIELE GEMACHT, ALSO NICHT NUR NACKTES VORLESEN. DIE BÜCHER SIND VOLLSTÄNDIG GELESEN, NICHT NUR AUSZÜGE.
Die Autoren
Yoko Hamani
DIE LEGENDE YOKO HAMANI WURDE IM JAHR 1987 IN DER NÄHE VON NIIGATA, JAPAN, IN EINEM KLEINEN DORF „AUF DEM LANDE“ GEBOREN. SIE STUDIERTE MUSIK IN JAPAN UND DEN USA, TRAF AUF CAPRI EINEN ANDEREN MUSIKSTUDENTEN, DER SIE MIT ADI MIRA MICHAELS IN KONTAKT BRACHTE.
Adi Mira Michaels
GEBOREN 1964 IN FRANKEN, ERLEBTE ADI MIRA MICHAELS EIN SEHR WECHSELVOLLES LEBEN VOR SEINEM LEBEN, BIS ER 2012 ALS PSEUDONYM EINES BEKANNTEN SACHBUCHAUTORS ERFUNDEN WURDE. UNTER SEINEM NAMEN ERSCHEINEN SCHWULE EROTISCHE ROMANE UND KURZGESCHICHTEN, ALS BUCH, EBOOK UND VIELE DAVON AUCH ALS HÖRBÜCHER IN AUTORENLESUNG.
… und jetzt kommt das leise „Aber“:
BEIDE AUTOREN SIND FIKTIVE CHARAKTERE. SIE SIND PSEUDONYME, UNTER DEREN NAMEN GESCHICHTEN VERÖFFENTLICHT WERDEN. WENN ES NACH YOKO GINGE, DANN WÄREN ES SEIDENWEISS REINE, ROMANTISCHE GESCHICHTEN, DOCH ADI MIRA SETZT SICH IMMER WIEDER MIT PRALLER EROTIK DURCH.
Kontakt zu den Autoren
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Hinweis
ALLE CHARAKTERE UND GESCHICHTEN IN DIESEM ROMAN SIND FREI ERFUNDEN. EVENTUELLE ÜBEREINSTIMMUNGEN MIT LEBENDEN ODER TOTEN PERSONEN WÄREN REIN ZUFÄLLIG.
Bibliographische Angaben & Kurztitel CIP
AUTOR
YOKO HAMANI, ADI MIRA MICHAELS
TITEL
SIR ARNOLD: DETEKTIV DER VERGANGENHEIT
ONKEL ADAM
VERLAGSORT
BABENHAUSEN, SÜD-HESSEN
VERLAG
VERLAG DES INSTITUTS DRACHENHAUS
VOLUMEN
ALS PAPIERAUSGABE 216 SEITEN
GRAFIK
10 STRICHZEICHNUNG, 30 FOTOS
COPYRIGHT
© 2015 ALLE RECHTE BEIM VERLAG
TEXTE
YOKO HAMANI UND ADI MIRA MICHAELS
FOTOS, GRAFIKEN UND TITELGESTALTUNG
VOM VERLAG
LEKTORAT
WOLFGANG SCHADE, MICHAEL HOFFMANN
DRUCK & BUCHFERTIGUNG
IM VERLAG
UMSETZUNG ZUM EBOOK
IM VERLAG, MIT JUTOH
ISBN
978-3-932207- PRINT -71-6, EPUB -72-3
HÖRBUCH: -73-0, 10 STUNDEN
Manchmal wünscht man sich ein Leben wie Sir Arnold. Einmal sich nicht überlegen müssen, ob nun dieser Pullover, diese Stereoanlage, ein neuer Rechner oder so eine kleine vierwöchige Flugreise dem Geldbeutel konveniert.
Sir Arnold kann das. Er musste sich noch nie Gedanken über Finanzen machen, ja, nicht einmal arbeiten.
Ein tolles Leben! Und wie langweilig!
Sir Arnold ist nicht der Typ, der sich dann bedenkenlos auf endlose Rausch-Trips mit Drogen begibt, das einzige Bedürfnis, dem er auch Geld hinterherwirft, ist Sex. Sex mit Männern, von Frauen hält er nicht so viel, wenn es sich nicht gerade um seine Mutter handelte. Der Vater war unbedeutend in seiner ganzen Entwicklung.
Wir finden Sir Arnold am Tag seines vierzigsten Geburtstags in sich und das typisch süd-englische Wetter versunken wieder, er langweilt sich zu Tode. Die Party für den nächsten Tag, einen Samstag, ist bereits von seinen Angestellten organisiert, die ersten Gäste werden nicht vor dem Nachmittag erwartet.
Sein Vater ist vor vielen, seine Mutter vor rund einem Jahr verstorben, die Dienerschaft auf nur noch drei Kräfte reduziert – was braucht man auch schon. Peabody Manor ist kein Schloss, nur ein Landsitz. Geschwister hat er ebenso wenig wie nahe Verwandte und seine letzte wirkliche Liebe hatte ihn auch verlassen.
Als ich von dieser Geschichte zum ersten Mal erfuhr, kam mir sofort der ein paar Jahre alte deutsche TV-Werbespot für Lotto wieder in den Sinn: Ein Mann liegt dick und faul im Pool und fragt, was heute denn überhaupt für ein Tag sei.
Es mag sein, dass es Leute gibt, die gerne so leben möchten, ich könnte es mir für mich nicht vorstellen, Sir Arnold für sich aber auch nicht.
Er beginnt durch einen Zufall, an den er sowieso nicht glaubt, eine alte Überlegung bezüglich Zeitreisen auf sich umzusetzen und wird – ja, was wird er wohl: Zeuge, Mitwisser, Auslöser? – eines anderen Verlaufs seiner Familiengeschichte.
Dies ist die Geschichte des ERSTEN Bandes.
Sir Arnold wird für eine ganze Reihe unter dem Subtitel „Detektiv der Vergangenheit“ Pate stehen.
So lade ich sie ein auf aufregende Reisen mit Sir Arnold! Ich wünsche Ihnen nun viel Spaß beim Lesen!
Ihr Michael Hoffmann, der Verleger
Viele Romane der Reihe „GayLe Geschichten“ haben eine Liste ihrer Hauptprotagonisten vorne im Buch.
Sir Arnold John Appleby, Baronet of Rochester |
Beruf: Erbe |
Henry, französisch ausgesprochen „Oorie“ |
Sein Diener |
Pasquale |
Wäscherei Hotel Italien, später Freund von Sir Arnold |
Conte Mario Kari di Berganza |
Partner von Sir Arnold, Kari = der Schöne |
Conte Angelo Oddone di Berganza |
Vater Marios |
Contessa Maria Elisabetha di Berganza |
Mutter Marios |
Prof Dr. Riley Dylan Johnas |
Professor Uni Greenwich |
Prof Conan Swifferland |
Professor Geschichte |
Madame Fawzia / Maude |
Puffmutter |

Ich bin die Mondfrau,
mich gibt’s nur einmal. 
Die sonst hier wohnen,
Das sind nur Neutronen.
Der Mann im Monde,
Der ist mein Vater.
Mein Haus ist Krater
08/15 hinterm Mond!
Mir ist so langweilig,
mir ist so langweilig,
hier ist ja überhaupt nichts los,
hier gibt’s für mich ja nicht mal einen richtgen Mann.
(Bühne frei für Marika, 1958)
Laut scheppert die auf ewig jung konservierte Stimme der bereits vor einem Jahr verstorbenen Marika Röck durch mein Haus, durch Peabody Manor, Wouldham. Sie möchten, glaube ich, gar nicht wissen, wo das liegt. Doch? Nun ja, ok. Es liegt im Osten von London, natürlich in Großbritannien – mir gefällt „Great Britain“ aber viel besser, ich finde, das klingt schöner als jede Übersetzung – in der Grafschaft Kent bei Rochester.
Noch genauer? Na gut, was soll´s, Sie kommen mich ja eh nicht besuchen. Die Straße, an der Peabody Manor liegt, ist so unbedeutend, dass ich selbst erst mal suchen musste, um den Straßennamen zu finden: Burham Road. Sie ist so unbedeutend, dass man das namensgebende Burham selbst auf guten Karten und in Google Maps nur mit der Lupe und ausgefeilten Suchfunktionen findet, sonst landet man gleich in Durham – und das ist hier nicht mal in der Nähe. Gut, aber auch das ist alles nicht ganz richtig. Eigentlich lautet die Adresse „1 Hill Road“, doch wenn Sie die in Google eingeben, finden Sie gar nichts beziehungsweise eine ganz andere Straße, die zwar in der Gegend ist, aber nicht zu meinem Haus führt. Also sage ich lieber Burham Road, dass die in dem Bereich der Abzweigung schon „Pilgrim Way“ heißt, macht die Sache auch nicht besser, oder?
Meine Gegend als „Wald- und Wiesenlandschaft“ zu bezeichnen, wäre nicht verkehrt, aber außer direkt um unser Landgut herum und ein paar andere Häuser mehr, ist sonst kein Wald vorhanden. Nur Äcker, Wiesen, Felder – und, in ein bisschen Entfernung, der Medway, ein Fluss, der gemeinsam mit der Themse ins Meer mündet. Auf allen Bildern, die Sie finden werden, ist das Wasser grau-braun – und ich sage Ihnen, die Bilder lügen nicht. Abgesehen davon: wie kann sich ein gerade mal 69 Meilen „langes“ Fließgewässer erdreisten, sich „River“, also Fluss zu nennen. Das ist ein Popanz par excellence.
Aber das passt zu mir, genauer gesagt, zu uns, zu Peabody Manor. Gut, ein bisschen größer als eine Sozialwohnung oder auch ein Einfamilienhaus ist es schon, mein „Manor“, aber unter „Gutshof“ hatte ich mir immer was anderes vorgestellt. Nun, wie dem auch sei, DAS ist sicherlich meiner Probleme Geringstes.
Ich darf mich vielleicht mal kurz vorstellen:
Mein Name ist Sir Arnold John Appleby, Baronet of Rochester, also materieller, nicht echt adeliger „Adel“. Eine Marotte von Queen Victoria, ihr genehme und erfolgreiche Geschäftsleute mit einem Titel auszuzeichnen, ohne sie gleich in den politisch aktiven Adelsstand zu erheben. Angesprochen werden müssen wir mit „Sir“ beziehungsweise „Lady“ für die Damen, aber sonst? Sonst ist der Titel nicht mal so viel wert, dass ich mir den Hintern damit abwischen könnte.
Muss ich allerdings auch nicht. Mir mangelt es finanziell an nichts, an gar nichts. Ich bin reich geboren und werde reich sterben – so viel Geld kann ich gar nicht ausgeben, wie ich habe.

Dabei bin ich auch noch sparsam. Ich habe keine teuren Laster, wie Ehefrau, Kinder, Spielsucht oder auch nur den ewigen Drang nach Wetten, Pferderennen, Bällen, Festen oder exklusiven Londoner Clubs. Meine beiden Autos reichen mir vollkommen, den Rolls habe ich spottbillig für 10000 Pfund gekauft – kein Wunder, bei 11 Gallonen Sprit auf 100 Meilen. Ich habe ihn ein paar Mal gefahren, so zum Spaß. Doch danach konnte ich mich jeweils zwei Tage nicht mehr sehr gut bewegen, das tonnenschwere Monster hat nicht mal die Andeutung einer Servolenkung – jede Kurve ist da echtes Muskeltraining – und dabei bin ich recht normal gebaut. Kein Bodybuilder-Körper, ich finde die auch absolut scheußlich, meine Muskeln reichen gerade mal, um mich vernünftig zu bewegen.
Das andere Auto ist ein Cooper Mini. Mit dem finde ich sogar in London ab und zu mal eine Parklücke. Wenn ich denn mal dort bin.
Für die Arbeiten habe ich einen alten Diener, in Amt und Würde ergraut und eine fast ebensolche Köchin. Erst vor zwei Monaten musste ich ein neues Stubenmädchen einstellen, sie ist jung und hübsch und auch recht frech – nun, wer will 2010 noch „Stubenmädchen“ sein, ich habe sie daher mal probehalber „Fußbodenkosmetikerin“ genannt, das fand sie aber auch nicht spaßig. Die „alte“ ist im Mutterschaftsurlaub, bekommt in Bälde ihr zweites Kind und wird daher für die nächsten Jahre bei mir ausfallen. Schade, ich kam eigentlich gut mit ihr klar.
Ob ich die Neue, Susann-Claire, auch leiden kann? Eher nicht. Sie ist mir zu zickig. Sie ist gerade mal 18, nichts gelernt, keine Aussicht auf einen anderen Job – so toll geht es in England wirtschaftlich nicht zu –– dafür aber eine nach der anderen Marotte im Kopf. Nun, sonst ist wohl wenig drin. Kann auch nicht viel drin sein, denn was das vielleicht mal drin war, ist sicherlich vor dem Krach des MP3-Kopfhörers geflohen, den sie ständig mit ihren beiden süßen Ohren verbunden hat. Dazu ein Mund, der sogar hübsch wäre, würde sie ihn nicht mit einem halben Pound Lippenstift jeden Tag zukleistern – ansonsten? Post-pubertärer Teenager mit Hang zur Magersucht / Bulimie und dem trotzdem ebenso ausgeprägten Hang zum Essen, was ihrer Haut wirklich nicht gut tut. Die vielen Pickel sollten nach der Pubertät eigentlich weg sein, bei ihr sind es genug, dass sie jeden Tag mindestens zwei rote Pusteln im Gesicht hat, an denen sie ständig herumdrückt. Teenager und unreifer, als diese Mitesser. Aber sie scheint wenigstens halbwegs ordentlich zu putzen.
Mein alter Diener Henry aber – nein, VORSICHT, bitte nicht englisch aussprechen!, dann hört er gar nicht – er muss unbedingt französisch ausgesprochen werden, also so was wie „Oorie“, ist vom Prinzip her gar nicht MEIN Diener, ich habe ihn geerbt, genauso wie das Haus, die Köchin, das Vermögen und den meisten anderen Plunder. Er hat schon meinem Vater gedient und dient nun mir, seitdem mein Erzeuger tot ist.
Warum ich Sir Hubert Higgins Appleby, Baronet of Rochester etwas abschätzig „Erzeuger“ nenne? Weil ich mir unter Vater immer etwas anderes vorgestellt hatte, als er es verkörperte.
Meine Mutter starb vor einem Jahr, sie war das, was die Bibel als „alt und lebenssatt“ bezeichnet, als sie mich bekam war sie schon 38, das war im Jahr 1970. Genauer gesagt am 10. Juni 1970, heute vor genau 40 Jahren. Ja, heute ist mein Geburtstag.
Es ist ein Freitag, kein Tag, um einen Geburtstag wirklich zu feiern und so habe ich, meiner alten Tradition gemäß, die Feier auf den nachfolgenden Samstag, also morgen, verlegt. Elaine und ihre Schwester stehen daher schon seit gestern in der Küche, um für die erwarteten rund 30 Gäste ein „hervorragend köstlich Mahl“ zuzubereiten, wie sie sich so schön ausdrückten.
Auch sie, Elaine, ist „Erbstück“, hat als junges Ding bei meinen Eltern angefangen, sie dürfte um diese Zeit meines Geburtstags ebenfalls vierzigjähriges „Firmenjubiläum“ bei uns feiern. Seitdem der einzige Mann, den sie je liebte, sie verlassen hat und sie damals gerade um die 28 Jahre alt gewesen sein musste, wohnt sie bei uns auf dem Grundstück in einem bescheidenen kleinen Angestelltenhäuschen, das sie seit vielen Jahren auch mit Henry teilt. Nicht ein gemeinsames Schlafzimmer, aber die Wohnstube nutzen sie gemeinsam – dann sind sie beide nicht so alleine. In ein, zwei Jahren wird Elaine in Rente gehen, wann genau – ich sollte vielleicht mal in ihre Personalakte schauen, nicht, dass ich überrascht werde. Und mal mit ihr darüber reden. Kostenfrei wohnen und leben darf sie hier bleiben, mit einer kleinen Leibrente bis ans Lebensende, das haben meine Eltern so verfügt und ich habe – ganz ehrlich gesagt – nichts dagegen. Gleiches gilt auch für Henry. Die beiden in ein Altenheim zu schicken, nein, das brächte ich nicht übers Herz.
Elaines Schwester wohnt in Chatham, nicht weit vor hier, sie ist ein paar Jahre jünger, immer noch verheiratet und das totale Gegenteil von Elaine. Elaine ist etwas zu klein für ihr Gewicht, munter, immer freundlich, wie gesagt solo und auch kinderlos, während ihre Schwester, deren Namen ich mich einfach bisher weigerte mir zu merken, hager, spitze Nase und spitze Zunge, verheiratet und Mutter von fünf eher mehr als weniger ungezogenen Bälgern ist – war, denn die Bälger sind mittlerweile auch schon erwachsene Leute und die meisten haben sogar einen Job. Trotzdem verstehen sich die beiden Schwestern sehr gut und bei solchen Feierlichkeiten holt Elaine lieber sie zur Hilfe, als eine fremde Kraft, die sie nicht kennt, der sie nicht vertraut und bei der sie nicht einschätzen kann, was sie kann oder nicht.
Wie alt ist eigentlich Henry? Zu meiner Schande muss ich gestehen: ich weiß es nicht mal. Ich schlage in seiner Akte nach, sie steht hier im Regal, ist schon gut eingestaubt – ich nehme zurück, was ich gerade über Susan-Claires „gute“ Putzleistung sagte –, mein Gott, er geht auf die siebzig zu. Ja, ich erinnere mich jetzt wieder an eine der Diskussionen, die er noch mit meiner Mutter geführt hat. Er wolle nicht aufhören, er würde dann vor Langeweile sterben.
Nun gut, ich kann das verstehen. Vor allem das mit der Langeweile.
Wie gesagt, ich habe geerbt. Ich bin vom Beruf Erbe. Ich muss, wenn ich nicht will, mein Leben lang nichts arbeiten, zehre von dem Vermögen, das von Leuten verwaltet wird, die viel mehr davon verstehen als ich, alles noch damals zu Lebzeiten meines Vaters geregelt. Er wollte mich gerne in die Finanzwelt einführen, doch da alle meine Probeinvestments nur eine sehr kurze Überlebenszeit zeigten, entschloss er sich schweren Herzens, es so zu regeln, wie es nun ist. Bisher hat es auch geklappt.
Was danach mit dem Geld geschieht, „nach mir“? Ich weiß es nicht genau, ich ahne es nur düster. Es fällt erst mal „rückwärts“ zwei Generationen zurück, also im Stammbaum auf die Ebene meines Großvaters, um von da aus den alten Baum wieder an anderer Stelle hochzuklettern und bei einem Haufen mehr oder minder der Menschheit nützlicher Enkel und Urenkel zu landen. Oder vielleicht auch eher in deren Frauen Händen. Soweit ich den Stammbaum noch überblicke, haben wir Applebys uns überwiegend männlich vermehrt, nein, nein, das soll nicht heißen, dass es bei uns geklappt hätte, dass zwei Männer ein Kind bekamen, es soll heißen, dass überwiegend Männer herausgekommen sind. Die wenigen weiblichen Kinder spielen im Regelfall keine Rolle.
Mir soll es aber auch egal sein. Ich kenne nur einen Teil davon und die Pflege des Stammbaums war Leidenschaft meiner Mutter, nicht meine. Zusammen mit meiner Mutter ist auch die Pflege sanft eingeschlafen. Vor einem Jahr. Ich vermisse sie. Es ist mein erster Geburtstag ohne sie. Es wird ein Stück einsamer werden.
Haben Sie´s auch bemerkt?
Ich habe etwas weggelassen. Oder, eher nicht, denn nicht ich habe es weggelassen, mein Leben hat etwas weggelassen. Oder erst gar nicht erhalten. Ein Ehegespons. Oder heißt das eher Ehegespenst?
Nein, ich war nicht verheiratet. Nie gewesen und auch in Zukunft sicherlich nicht. Nie mit einer Frau, da stand ich nicht drauf, sie verstehen? Ich hatte schon in meiner Schulzeit, also Ewigkeiten her, bemerkt, dass ich darauf nicht aus war.
Nun, das ist in England nicht ganz unüblich, wie ich Jahre später feststellen konnte, nur die meisten haben dennoch geheiratet und führen eine öffentlich sichtbare Ehe, bei der im privaten Kämmerlein jeder das machte, was er wollte. Hätte ich auch gekonnt, nach meiner Mutter Wunsch sogar gesollt, doch das war nicht meins.
Ich habe es nie bereut, nur an Tagen wie diesem kommt mir die Langeweile ständig hinterher geschlichen, wie ein schlechter Körpergeruch. Ein Geruch, den man allerdings weder durch ein ausführliches Bad, noch durch eine ganze Flasche Parfum vertreiben könnte.
Letzteres würde eher die anderen vertreiben.
Das Problem war und ist: ich musste nicht nur nichts für den Rest meines Lebens arbeiten, ich hatte es auch noch nie getan! Ich war einer der Menschen, die mit Fug und Recht (und wenig Stolz, glauben sie mir) von sich behaupten konnte, er habe noch keinen einzigen Tag in seinem Leben seine Finger oder sonst was so bewegt, damit er Geld dafür bekam. Außer vielleicht am Geldautomaten, da muss ich meine Finger bewegen, um Geld zu ziehen. Selbst ich. Aber, Sie verstehen, was ich meine.
Marika Röck ist nun zum achten Mal auf dem Mond vor Langeweile gestorben, jetzt langweilt mich auch dieses Lied und ich schalte den MP3-Zuspieler zu meiner Soundanlage ab. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass all diese Geräte von erlesenster Qualität und völlig überhöhter Preise waren.
Ich konzentriere mich zur Abwechslung mal auf die Vergangenheit, kann daraus ein bisschen berichten – viel ist es nicht – aber auch so geht die Zeit vorüber bis morgen Nachmittag, wenn meine „glamouröse“ Geburtstagsparty beginnt. 30 Leute wollen kommen, mein Gott, wie graut es mir schon davor!
Meine Vergangenheit, tja, wo fange ich da nur an?
Am besten am Anfang, bei meiner Geburt.
Ich muss recht bald und laut geschrien haben, als ich auf die Welt geworfen wurde. Es gefiel mir hier damals überhaupt nicht. Ein Gefühl, dass ich mein Leben lang nicht ständig, aber doch immer wieder hatte.
Als erstes und letztes Kind meines Vaters und meiner Mutter, ich vermute zumindest, dass Sir Hubert mein Vater war, ich habe nichts Gegenteiliges vernommen, doch so sicher konnte man sich nie sein. Wenn es nach meinen Gefühlen für den Alten ging, dann war er nicht mein Vater. Einen anderen Vater habe ich jedoch nicht kennengelernt.
Es wäre auch zu viel gesagt, würde ich behaupten, Sir Hubert kennengelernt zu haben. Er war selten zu sehen. Während sein Vater noch die Werft in Rochester aufgebaut und geleitet hatte, verwaltete sie mein Vater mehr, als sie auszubauen und es blieb nicht einmal mir, der dritten Generation, überlassen, sie wieder zu schließen. Sie hatte ihre Schuldigkeit getan, der Queen Victoria mal ein schickes Boot gebaut, wonach diese uns in den Stand der Baronets hob, was davor oder danach bei uns gefertigt wurde, muss so unspektakulär gewesen sein, dass ich nicht mal mehr Kenntnis davon erhielt. Ich könnte ja, wenn ich mal Zeit hätte, in den hauseigenen Archiven nachstöbern…
Üblicherweise ist der Lauf von Familienfirmen ja der: Der Großvater baut sie auf, der Sohn zieht sie groß, der Enkel vernichtet das Vermögen. Wie gesagt, nicht einmal dazu benötigte man meine Hilfe. Die Werft versank im unscheinbaren Grau der Geschichte, jenem Grau, das hier die Gegend sehr häufig heimsucht, mal mit, mal ohne Regen, aber mit viel Nebel. Nebel, Nebel und Nebel, wohin man auch blickt – dabei zählt die Gegend schon ohne Nebel nicht zu den „Must See1“-Kleinoden von Kent.
Da hinein wurde ich also geboren.
Meine Mutter war alt, der Vater auch. Da ich jedoch ihr erstes Kind war, fehlte es ihnen zwar nicht an der Weisheit des Alters, was Kindererziehung anging, sie waren jedoch so unreif wie 20-Jährige. Ich überlebte es trotzdem.
In die Schule gekommen, fand ich erstmals einen Sinn in meinem Leben, ich wurde ein guter, sogar ein sehr guter Schüler, fast nur A-Rates zierten meine Zeugnisse2, meine Eltern waren stolz auf mich, der Schulrektor auch.
Als ich mit 14 in die Pubertät kam, tobte in der Welt gerade mal gar nichts, das uns alle in England wohl am meisten beeindruckende Ereignis war die Ermordung Indira Ghandis, aber in meinem Herzen beziehungsweise zwei Stock tiefer, begann etwas zu toben. Erst begann es zu leben und bescherte mir feuchte Flecken in der Schlafanzughose, dann wurde es widerborstig und stand auf, um sich – etwas später – nach ausgiebigem Streicheln klebrig zu entleeren und wieder in sich zusammenzufallen.
So weit, so gut, ich hatte keine Probleme damit. Nicht dank meiner Eltern, sondern dank Henry, der mir da mal ein bisschen was erklärte. NUR erklärte, nicht mehr. Er war ein guter Diener.
Auch diese Zeit ging vorbei, ich war inzwischen drei Jahre älter geworden und auf meine Endgröße von 185cm angewachsen, meine dunkelblonden Haare hatten sich auf meiner hellen Haut auch „da unten“ herum verteilt, da unten, wo sich ein nun 8x2inch langer Stab etabliert hatte. Ich weiß nicht, wie lange er schon so groß war, ich hatte es erst nachgemessen, als er schon fertig war und mehrfach am Tag Aufmerksamkeit forderte.
Die bekam er auch. Von mir direkt, in meinen Zimmern (ja, ich hatte so was wie eine kleine Wohnung innerhalb des Hauses, mit Schlafzimmer, Wohnzimmer – man nannte es den „Salon“ – und Bad) oder auch im Internat.
1 man gesehen haben
2 In England ist die 6 die Bestnote
Wie bei fast allen gutbetuchten Familien gehörte es auch in meiner zum guten Ton, dass der „Thronfolger“ mindestens ein paar Jahre in einem teuren Internat in England, Frankreich oder der Schweiz untergebracht war. Nachdem ich mich in der Schule als besonders sprachbegabt gezeigt hatte, war England keine Wahl und ich wurde auf ein Jahr nach Südfrankreich in die Provence auf ein Internat expediert. Sehr schön, ich war gerade mal 15 Jahre, meine Eltern wurden anstrengend und ich war heilfroh, abdüsen zu können. Mit dem Flieger nach Marseille – für unsere Gegend war das Tagesgespräch, aber als ich da unten ankam, war ich nur noch einer von vielen. Es hätte mich belasten sollen, mir das Gefühl geben, ich sei nicht mehr so viel wert – im Gegenteil. Ich war froh, endlich mal nicht mehr der Mittelpunkt der Welt zu sein. So sehr ich dieses Mittelpunktsgefühl auch genoss, so anstrengend war es mit der Zeit.
Dort, im Süden Frankreichs, bei herrlichem Wetter, duftenden Kräuterfeldern, einem luxuriösen Internat, da war ich nur einer von vielen verwöhnten Gören – und ich war glücklich. Reiten konnte ich ebenso, wie Schwimmen, beides gab es auch hier im Angebot, wenige Kilometer von Aix-en-Provence entfernt. Die Unterbringung fand in kleinen Bungalows statt, immer vier Mann (oder vier Mädchen, nie aber gemischt, auch für die höheren Altersstufen nicht), jeder Bungalow hatte zwei Schlaf- und ein Wohn-/Studierzimmer, sowie ein Bad. Eine wundervolle Einrichtung, praktisch, angenehm, neuwertig – nun ja, als wir es nach einem Jahr verlassen hatten, nicht mehr ganz so neuwertig.
In der Schule hatte ich mich immer noch zu jung gefühlt, um den Mädchen hinterherzusteigen und die Mädels empfanden uns, wie wir auch sie – als „blöd“.
Im Internat war das dann schon ein bisschen anders. Die Jungs begannen langsam, aber sicher, sich auch für Mädchen zu interessieren, doch die Mädels nicht für die Jungs. Während die Jungs nun Stielaugen bekamen, drehte ihnen das weibliche Geschlecht kokett (wenn es Französinnen waren) oder arrogant (der Rest) den Rücken zu und lachte über sie. Stielaugen verursachen nun mal Schwellungen ein paar Etagen tiefer und so kam es, wie es kommen musste. Man vergnügte sich untereinander. Zumindest ließ man Druck ab.
Trotz meiner – heute weiß ich es – guten Ausstattung, war ich doch noch recht uninformiert, was mein Geschlechtsleben anging. Gut, wie gesagt, Henry hatte mich aufgeklärt, doch ich war da auch schon vierzehn und es war bereits der Sommer vor der Abreise nach Frankreich. Im Nachhinein betrachtet, hatte Henry daher eher eine Art „Notaufklärung“ gemacht, damit ich nicht ganz so blauäugig in die nun folgenden Abenteuer stolperte. Es waren Abenteuer, das sage ich Ihnen!
Vier pubertierende Jungs in einem Bungalow, voll mit Saft, den sie alle nicht kannten, voller Geilheit, die sie nicht beschreiben und mit der sie noch weniger umgehen konnten – das konnte nur eines bedeuten.
Wie gut, dass auch in unserer Gruppe einer war, Marcello aus Italien, der einen „älteren Bruder“ gehabt hatte. Die beiden lebten auf irgendeinem weitläufigen Landgut in Venezien, im Haus so weit weg von den Eltern, so dass sie tun und lassen konnten, was sie wollten. Was Marcello da so alles erzählte…
Die Sommerferien hatten vor einer Woche begonnen, ihr wisst ja vielleicht, dass die in Italien genauso ewig lang sind, wie hier auch in Frankreich. Es war bereits heiß, selbst in den dicken Mauern unseres Landgutes, das irgendwann um 1500 herum entstanden ist, spürten wir schon die Wärme, um nicht zu sagen Hitze.
Wir hatten im Garten einen eigenen Pool, im Schatten einiger Bäume liegend, und damit eigentlich immer entweder mit einer Schicht Blütenblätter, Blütenstaub oder Laub bedeckt. Der Gärtner machte zwar jeden Tag die Wasseroberfläche sauber, aber spätestens am Nachmittag war sie schon wieder voll.
Uns störte es nicht. Eher sogar im Gegenteil, denn ich entdeckte bald die Vorteile dieser Wasser-Auflage.
Meinem Bruder und mir war es heiß, die Eltern waren auf Geschäftsreise in Bologna, unseren Wein vom letzten Jahr auf einer wichtigen Weinmesse anbieten, das Personal hatte überwiegend frei bekommen – nur für uns zwei brauchte man keine fünf Mann und unsere beiden Schwestern, eine älter, eine jünger als wir, waren bei den Großeltern im Süden von Rom. Dort verweilten sie fast die ganzen Ferien und konnten uns so wenigstens nicht auf die Nerven gehen.
Eine traumhafte Zeit – sturmfreie Bude, nach dem Mittagessen hatte uns auch die letzte Angestellte verlassen, die Köchin. Sie hatte für Mittag nur ein paar Tramezzini bereitet, die kalten Platten für den Abend waren im Kühlschrank – auf richtig Warmes hatten wir keinen Appetit.
Unser Haus lag eingebettet zwischen Bäumen und Hecken, von außen uneinsehbar und plötzlich sprang mein Bruder, er ist rund zwei Jahre älter als ich, nackig durch das Haus.
„Hey, du alte Sau, was soll das! Das gehört sich nicht. So schön bist du auch nicht“, rief ich und er lachte nur.
„Na, du bist auch nicht viel hübscher, also kannst du dich auch ausziehen.“
Einen Teufel würde ich tun! Das gehörte sich nicht und nein, für uns schon gar nicht. Wir waren schließlich Brüder, gingen jeden Sonntag in die Kirche, waren sogar beide Ministranten. Da lief man nicht einfach nackt durch die Gegend.
Enrico störte das offenbar nicht. Mit schwingendem Schwanz (was das war, wusste ich schon, auch, wie man es nannte) rannte er durch den langen Flur in Richtung Haupttreppe und ich hinterher. Ich in Badehose, denn beide hatten wir offenbar das gleiche Ziel: den Pool.
Laut kreischend und platschend sprangen wir beide rein, versuchten, uns mit Wassermassen, von den Händen aufgeschaufelt, zu ertränken oder einfach nur unterzutunken. Wie es Jungs halt mal so machen. Was sie üblicherweise weniger machen, ist wohl, dass der Ältere dem Jüngeren beim Abtauchen einfach die Badehose nach unten zieht. Ich war total baff, wusste überhaupt nicht, wie ich darauf reagieren sollte, so was hatte noch nie jemand und schon gar nicht Enrico mit mir gemacht. OK, gut, das Kindermädchen hatte es ganz früher getan, doch daran erinnere ich mich kaum.
Enrico drängte mich an den Beckenrand, meine Badehose schwamm einsam und verlassen im Wasser – und Enrico griff mir da unten hin. Ich dachte, jetzt geht die Welt unter und ich werde ertrinken. Gut, wie ihr seht, bin ich nicht ertrunken, dann wäre ich nicht hier und wenn die Welt untergegangen wäre…
Er brach ab und machte eine bedeutungsvolle Pause. Uns alle hatte die Geschichte, die er uns an einem regnerischen, feuchten und kühlen Novemberabend im Wohnzimmer unseres Bungalows erzählte, nicht ganz unberührt gelassen. Wie gesagt, wir waren alle im gleichen Alter und nicht nur ich schien mir in diesem Moment zu wünschen, auch einen Bruder, möglichst einen älteren, gehabt zu haben. Oder auch nur einen entsprechenden Freund, doch meine Freunde in England waren alle in ungefähr meinem Alter und genauso „aufgeklärt“ wie ich.
Marcello erzählte weiter.
Ich konnte erst mal gar nichts sagen, so verdutzt war ich, ich glaube sogar, ich hielt die Luft an. Enrico grinste mich fies an.
„Na, da ist ja mein Brüderchen doch schon langsam soweit.“ Ich wusste überhaupt nicht, was er meinte, bis ich plötzlich bemerkte, dass sich seine Hand zwar immer noch an meinem Schwanz befand, der sich aber erheblich verändert hatte. Statt eines müden Anhängsels, war es nun eine Stange, über die die Hand strich. Ich erschrak. So hatte ich es noch nie bewusst miterlebt – Enrico muss mich also zeitlich „genau richtig“ abgepasst haben, wie auch immer er es wusste, dass ich nun soweit war, auch einen Ständer zu bekommen, ich weiß es nicht.
Ich wollte die Hand wegschubsen, mir fielen alle Informationen aus dem Religionsunterricht ein, von wegen Hölle, Sünde, etc., doch das da unten, das tat so GUT!
Marcello machte ein so verzücktes Gesicht, dass wir alle in unseren Hosen bemerkten, da war nicht nur was fest, sondern nun auch feucht geworden. Ich weiß gar nicht, warum Marcello an diesem Abend überhaupt angefangen hatte, zu erzählen, aber das war dann ja auch egal. In unseren „Hausanzugshosen“, heute würde ich es als Jogginghose bezeichnen, deutete sich in dem nachgiebigen Stoff jeweils eine deutliche Beule an.
Was soll ich sagen, es dauerte nicht sonderlich lange, als ich das Gefühl hatte, dringend pinkeln zu müssen, ich wollte es Enrico sagen – man pinkelt nicht in den Pool, schon gar nicht in den eigenen – doch irgendwie kam ich nicht dazu, das Reiben ging weiter und dann kam es! Für Pinkeln war es viel zu kurz und außerdem grinste Enrico mich an. Er hatte seine Hand vorne an meiner Kuppe gehabt und brachte sie nun mitsamt weißem, glasigem Inhalt nach oben, an die Wasseroberfläche.
„Dachte mir doch, dass du schon kommen kannst“, grinste er mich noch breiter an. Dann schwang er sich ebenso breit grinsend über den Beckenrand aus dem Wasser, sein Schwanz stand steif und gerade vor ihm, ein Zustand, den ich noch nie gesehen hatte, Enrico setzte sich auf den Rand, ließ die Beine ins Becken hängen und streichelte – direkt vor meinen Augen – seinen Ständer. Mir wurde ganz anders. Die Bilder der Hölle fuhren so schnell Karussell in meinem Kopf, dass es ihnen offenbar schwindelig wurde, sie den Halt verloren und vom Karussell fielen. Danach war nur noch das drehende Karussell und wunderschöne Musik zu hören. Keine blöden Bilder mehr.
Ich hatte noch keine Begriffe für meine Gefühle, aber heute würde ich sagen, es war einfach geil. Dass mein Schwanz das ebenfalls so sah, merkte ich erst später, als auch ich das Wasser verließ.
Nun aber wichste sich mein Bruder vor meinen Augen, schaute mich frech dabei an, mein Blick klebte auf seinem Teil, wie mit einem Gummiband befestigt, es dauerte nicht sehr lange, da schoss auch er ab und fing es mit der offenen Hand auf. In dem Moment zog sich bei mir unten etwas zusammen, wenige Sekunden später mischte sich ein weißer Faden mit den Blüten auf der Wasseroberfläche und mein Bruder lachte auf.
„Du bist ja schon wieder gekommen. Ecco, ich glaube, es wurde Zeit, dass ich dir das gezeigt habe.“ Er half mir aus dem Wasser, die Hand mit seinem Sperma hatte er noch nicht sauber gemacht, es fühlte sich ein bisschen komisch an, aber ich ekelte mich nicht.
Nun, im Laufe der nächsten Tage und Wochen hat mich Enrico immer mehr in die „Geheimnisse des zweiten Lebens“ eingeweiht, wie er es ausdrückte. Es war wirklich ein zweites, ein alternatives Leben, ein Leben, von dem wir beide auch ohne Absprache wussten, dass es keinen der anderen etwas anging. Weder Eltern, noch Schwestern, noch die Verwandtschaft und auch nicht die Angestellten.
Keiner von uns hatte nun die Hände nicht im Schoß, näher oder (seltener) ferner der Mitte, wir strichen schon langsam darüber, alle drei noch scheu und unklar darüber, was wir nun tun sollten – der Einzige, der sich der Wirkung und der Auswirkungen sicher war, war Marcello.
Ich behaupte mal, dass keiner von uns dreien wirklich schon wusste, „was Sache war“ und so wurden die nächsten Monate in diesem Internat nicht nur lehrreich im Sinne des Schulunterrichts, sondern auch in Sachen Körperlichkeit. Als auch noch die Lehrer im Ethik- und Biologieunterricht anfingen, recht gleichzeitig die Themen der Sexualität von allen Seiten zu beleuchten, erfuhren wir auch noch die anderen Hintergründe hinter der bisher noch etwas unheimlichen Lust.
Ich sage klar Ethik-Unterricht, Religionsunterricht gab es nicht, man hatte von der Schulleitung aus darauf bewusst verzichtet, da bei Schülern aus 35 Nationen mindestens fünf, wenn nicht noch mehr verschiedene Religionen zu unterrichten gewesen wären. Römisch-katholisch, orthodox, evangelisch (selbst hier schon wieder ein halbes Dutzend Unter-Religionen), jüdisch, muslimisch, sogar zwei Chinesen mit Ahnenkult hatten wir in diesem Jahr. Da brachte ein einheitlicher Ethikunterricht, in dem alle zu Wort kamen, für alle Schüler sehr viel mehr. Abgesehen davon, dass sich die wenigsten Eltern die horrenden Studiengebühren für länger als ein, maximal zwei Jahre leisten wollten.
Meine Eltern wollten das ebenso wenig, wie ich es wollte, es war zwar toll, aber nach einem Jahr hatte auch ich genug vom französischen Savoir-vivre und ich freute mich auf das Jungs-Internat in Locarno, am Lago Maggiore in der Schweiz.
Ich liebte dieses Internat!
Nicht nur, weil der nahe gelegene See in nur ein paar Minuten Fußmarsch zu erreichen war, sondern, weil man in ihm im Sommer auch so herrlich schwimmen konnte. Etwas, was man sich hier in England gar nicht vorstellen kann.
Gut, ich will nicht ganz ungerecht sein, man kann auch im Bereich der Themsemündung, also nur ein paar Meilen östlich von mir gelegen, schwimmen. Doch zum einen hat die Themsemündung einen extremen Hub, zum anderen ist das aus der Insel fließende Wasser nicht gerade sauber zu nennen und zum dritten machen der Unterschied von 25 Grad im Lago zu 17 Grad in der Nordsee auch aus einem Mann ein Männchen, wenn sie verstehen.
Einen eigenen Pool für mich – das wäre natürlich mal eine Option, die ich andenken könnte, aber er müsste überdacht sein und für mich alleine? Na, von Rentieren kann da wohl kaum die Rede sein. Ich werde mal ein paar Gedanken nach meinem Geburtstag darauf verschwenden.
Die Uhr in der Halle schlägt 5 p.m., it´s Tea-Time, Sir, würde Henry mich nun begrüßen, wenn ich runterkäme, doch heute hatte er genug mit der Vorbereitung des Festes zu tun. Natürlich begebe ich mich hinab. Allerdings habe ich schon vor einem Jahr, als meine Mutter gerade beerdigt war, angeordnet, dass für mich alleine kein Tisch im Speisesaal für den Tee gedeckt werden sollte. Mir ist es schon zum Frühstück, mittags und beim Abendessen einsam und langweilig genug, so dass ich sogar – Mutter hätte mich dafür erschlagen, gesteinigt und ausgepeitscht, vermutlich aber in umgekehrter Reihe – einen Fernseher für den Speisesaal gekauft habe. Damit wenigstens einer mit mir redet, wenn ich esse.
Je älter ich werde, desto mehr drückt die Einsamkeit auf meinen Schultern.
Doch wie soll ich das ändern?
Ich kann nicht mal sagen, wie weit es bekannt war, dass ich schwul bin. Ich weiß nur, dass mit dem Tod meiner Mutter auch die Besuche von mehr oder minder jungen Damen schlagartig endeten, die „ganz aus Zufall“ hier vorbei kamen, wegen irgendeiner Nichtigkeit klopfend, eine Autopanne vortäuschend, einen der (vielen) Regenfälle abwartend und Schutz suchend oder was auch immer – ich hatte schon lange geahnt, dass dies alles von Mother eingefädelt war.
Ob meine Mutter wusste, dass ich schwul bin? Ich weiß es nicht, wir haben nie darüber gesprochen, es war kein Thema zwischen uns. Sie hat es sorgfältig vermieden, außer hin und wieder, meist zu größeren Feiertagen wie Weihnachten, Ostern oder Thanksgiving, mal zart darauf hinzuweisen, dass sie nicht jünger würde (das sah ich auch ohne jeden Hinweis von ihr) und dass es vielleicht doch mal Zeit wäre…
Das Eigentliche wurde nicht ausgesprochen und so verstarb sie, ohne, dass wir darüber geredet hatten. Ich bin jedoch sicher, sie wusste es und wollte es – Noblesse oblige1 – nicht aussprechen. Schließlich war sie ja eine Lady, wenn auch nicht von echtem Adel.
Während ich gerade ein Scone mit der obligatorischen clotted cream2 im Stehen in der Küche verzehre, den vier fleißigen Händen dabei zusehe, wie sie für mich unbegreiflich und noch nie erfolgreich nachgeahmt, rohe, teilweise unansehnliche Lebensmittel zu Köstlichkeiten verarbeiteten, schweiften meine Gedanken wieder ab. Hin zum Todestag meiner Mutter.
Wie gesagt, sie war schon alt, als sie mich bekam, zum Zeitpunkt ihres Todes gerade 77 geworden. Ich hatte vorhin gesagt, sie war alt und lebenssatt, ja, auch, wenn sie noch keine Hundert war, so traf es auf sie zu. In ihrer Jugendzeit muss sie ein flotter Feger gewesen sein, glaubt man den Bildern, die sie von damals sorgfältig aufgehoben hatte, während mein Vater fast überwiegend arbeitete oder in London in seinem Club war. Sie dagegen reiste vor meiner Geburt durch die ganze Welt, nach dem zweiten Weltkrieg, als der Tourismus so richtig in Schwung kam, war sie einer der ersten, die auch nach Amerika FLOG – damals fast eine Ungeheuerlichkeit, extrem anstrengend und nur mit einem Zwischenstopp irgendwo da oben Richtung Nordpol.
Als ich da war, änderte sich ihr Leben radikal, ob sie darüber ganz glücklich war, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass sie ein oder zwei Mal im Jahr nach Frankreich oder Italien reiste, mich dem Kindermädchen überlassend. Als ich dann mit 15 ins Internat kam, begann auch für sie die große Reisezeit wieder und endete erst, als sie nach einem schlecht heilenden Oberschenkelhalsbruch, den sie sich hier im Hause (und nicht unterwegs!) zugezogen hatte, mit rund 75 auf eine Krücke angewiesen war. In ihren Erinnerungen schien sie von den Reisen oder sogar in den Reisen zu leben, es war immer eine Zeitreise für mich, wenn sie mir bis ins kleinste Detail ausführlich von der einen oder anderen Rundreise, einem Urlaubsort oder einer Stadt ihrer Sehnsüchte erzählte. Ich weiß noch, meist saßen wir dabei in unserem großen Salon, oft am warmen Kamin, der Fernseher war aus und sie zeigte mir Fotos von einer Reise oder – das war mal eine Phase von ihr, bevor die analoge Fotografie endgültig von Digitalkameras verdrängt wurde, warf dabei Dias an die Wand. (Nicht wörtlich, natürlich!)
Ich reiste gerne mit ihr mit, aber dies geschah fast nur in Gedanken, in den Bildern, im Salon, nur sehr selten real.
Nur wenige Reisen führten uns gemeinsam irgendwohin, ich erinnere mich noch gut an die große Tour nach Italien, es ist schon wieder zehn Jahre her, wo wir die Adria-Küste mit einem geräumigen Mietauto von Venedig hinab- und an der Rivieraküste bis Genua wieder hinauffuhren, Halt in vielen Badeorten machten, mal einen, mal drei Tage bleibend, dabei ein paar Sehenswürdigkeiten mitnahmen. Natürlich Venedig, Ravenna, Pisa, Florenz und noch einiges mehr. Es war eine schöne Reise, wir nächtigten immer in getrennten Zimmern und der Zimmerservice war meist sehr, sehr gut.
Auch DARÜBER haben wir nie geredet, auch, wenn ich mal einen der Service-Dienstleister bei ihr aus dem Zimmer kommen sah. Meist etwas derangiert und außer Atem.
1 Ehre, wem Ehre gebührt
2 Brötchen mit dick eingekochtem Rahm
Ich denke plötzlich wieder an Luigi. Er war der Barkeeper in einem Ferienhotel, jung, sehr attraktiv – ich sah damals auch gut aus (man sagt, das habe sich nicht geändert; verlogene Schmeichler!) – und er bemerkte meine verspannten Schultern vom Autofahren. Den Rechts-Verkehr war ich ja gar nicht gewöhnt. Kurzum, im Laufe des ersten Abends bereits bot er mir eine entspannende Massage meines Rückens an, wenn ich denn möchte, gerne am nächsten Tag nach dem Mittagessen.
Ich war schon lange kein Greenhorn und noch länger keine Jungfrau mehr, nach vielen anderen Auslandsaufenthalten war mir auch klar, dass dies nicht ohne „Trinkgeld“ geschehen sollte. Mir war das schnurz egal, wie gesagt, Geld spielte bei uns keine Rolle. Schon damals nicht.
„Permesso“
Es klopfte an meine Zimmertüre.
„Permesso?“
Mühsam erinnerte ich mich, dass dies die Bitte um Einlass war, ich darauf mit „Avanti“ zu antworten hätte. Meine Italienisch-Kenntnisse waren schon sehr, sehr alt und gut verstaut in einer der hinteren Hirnwindungen versteckt. So lange waren wir noch nicht in dem schönen Land, dass sie schon wieder alle da waren. Vor allem, wenn meine Gedanken gerade um eine ganz andere Tätigkeit kreisten, als jemandem Einlass in mein Gemach zu gewähren.
„Avanti“
Luigi öffnete die Türe, kam herein, hing das rote Schild raus, Schloss sie und verriegelte die Tür. Er lächelte mich freundlich an.
„Du möchtest eine Massage? Wie heißt du eigentlich?“ fragte er. Ich nannte ihn meinen Namen, meinen „Reisenamen“, Arnold John Appleby. Das mit dem „Sir“ und dem „Baronet“ hatten wir überall weggelassen, zum einen waren weder meine Mutter noch ich titelsüchtig, zum anderen hätte es viele Preise automatisch verdoppelt.
Luigi nannte mich daraufhin Arnoldo, mit solch einem Schmelz in der Stimme, dass ich bereits dahinschmolz, bevor er auch nur eine Hand an mich gelegt hatte.
Ich hatte ihn bereits in meinem seidenen Morgenmantel empfangen, formvollendet half er mir daraus und legte ihn sorgsam über eine Sessellehne. Darunter war ich nackt und seine Augen blitzten auf, als er mich genauer ansah. Spätestens seit dem ersten Internat, erst recht aber nach dem Jungeninternat in Locarno, war mir bewusst, dass nicht alle Männer so ausgestattet sind.
„Ich darf mich auch ein wenig frei machen? Es ist ganz schön warm.“
Ich lächelte, bevor und während ich dies begrüßte. „Certo, sempre, sempre, fai da te a casa1” Mein Italienisch war plötzlich wieder angeregt, so, wie etwas anderes auch. Luigi entledigte sich stetig lächelnd seiner weiteren Kleidung. Noch war er nicht im Dienst-Dress, schon mit T-Shirt sah ich seine wohl modulierte Brust und als er die auch noch freilegte, entfuhr mir der erste Seufzer. Gemeinerweise behielt er die Unterhose an, es war auch eher eine Sport- als eine Unterhose, so eine sexy Mischung, die nur andeutete, aber nicht gleich alles verriet. Ich fühlte mich plötzlich an einen alten deutschen Song erinnert, das Lied der Stripperin und die Zeile:
Wenn du mich reizen willst, dann zieh dir bloß was an!
…
Wie eine Zwiebel schäl´ ich mich
aus meinen Häuten,
vor allen Leuten,
Seht her, ich bin´s!
Luigi hieß mich auf den Rücken zu legen, dann ölte er mich mit seinem weichen Händen ein und ich quietschte unvermittelt und gar nicht männlich-stark auf, als die Hände – nun gar nicht mehr weich oder gar sanft – den ersten Griff in meine Schultern taten. Himmel, die waren ja entsetzlich verspannt.
Nach einer guten viertel Stunde hervorragender medizinischer Massage, fragte mich eine leise Stimme, ob ich denn auch noch anderswo verspannt sei und einer guten Massage bedürfe. Aus meiner liegenden Position heraus griff ich neben mich und ließ meine Hand erkunden, was denn diese sportliche Hose an Massageinstrumenten so alles verbarg. Es muss wohl im Zeitraum meines Liegens und in das Kissen-Starrens eine Veränderung eingetreten sein, denn so einen Zapfen vorher gesehen zu haben, konnte ich mich keinesfalls erinnern.
Luigi seufzte auf.
Seine Hose war schnell drunten und nun erlaubte ich mir einen ausführlichen Blick auf – oh, wie wundervoll, perfekt geformte und geäderte 7x1.5inch ohne Vorhaut. Jede meiner Öffnungen war bereit, dieses Teil in sich aufzunehmen und offenbar empfand mein Gegenüber dies ebenso. Er wischte sich schnell das restliche Massageöl von den Händen an einem Tuch ab, dann zog ich ihn auch schon auf mein Bett, verkehrt herum neben mich, ich hatte mich auf die Seite gelegt und wir beide begannen mit einem wunderbaren, liegenden gegenseitigen Gebläse. 69 in seitlicher Lage ist weniger anstrengend als anders, ich wollte unbedingt unsere Kräfte schonen für den oder vielleicht auch die nachfolgenden Aktion(en).
Er schmeckte wunderbar und auch meine unbeschnittenen 8x2 schienen ihm zu schmecken. Aufreizend fuhr er mit seiner langen Zunge unter meiner Vorhaut entlang, drängte diese zurück und nahm aus meinem Schlitz die ersten Tropfen entgegen. Ich hatte schon früh entdeckt, dass ich einen Schwanz auch „deep throat“ nehmen konnte, also in den Hals hinein, er gluckste überrascht und selig auf, als ich es bei ihm vollführte und es dauerte nicht lange, dass er kam. Er spritzte direkt in meinen Rachen seine heiße Soße, es war so geil, dass auch ich nicht mehr länger an mich halten konnte und seinen Mund füllte. Er schluckte alles, ließ dann von mir ab, lächelte mich geil an und schleckte sich über die Lippen.