Sichelland


I

Der Weg



von

Christine Boy



Impressum


Sichelland – I – Der Weg
Christine Boy
Copyright: © 2012 Christine Boy
published by: epubli GmbH, Berlin
www.epubli.de
ISBN 978-3-8442-3620-0


Alle Rechte vorbehalten.




Vorwort


Sichelland“ ist die Umsetzung meines schon lange bestehenden Wunsches, ein Buch zu schreiben. Ich wollte schreiben, doch nie habe ich daran gedacht, das Geschriebene zu einem Abschluss zu bringen.

Dass es doch auf eine gewisse Art dazu kam, ist vielen Menschen zu verdanken.

Diese waren es auch, die mich letztendlich dazu überredeten, dass, was ich eigentlich für mich selbst geschaffen habe, anderen zugänglich zu machen.


Jeden, der „Sichelland“ liest, möchte ich daher um Entschuldigung bitten, dass es sich hierbei um ein Laienwerk handelt, dass weder professionell korrigiert noch lektoriert wurde. Ich habe mein Möglichstes getan, um Fehler selbst zu beheben, doch ich bin und bleibe als Autorin eine Anfängerin.


In diesem Sinne danke ich allen, die mein Vorhaben unterstützt haben, namentlich denen, die sich freiwillig bereit erklärt haben, die gesamte Trilogie zu lesen um mir eine erste Einschätzung darüber zu geben:



Uli

Manuel

Edith



Zuletzt danke ich aber auch den Mutigen, die vorhaben, „Sichelland“ zu lesen, obwohl sie mich nicht kennen.




Christine Boy






Die Vergangenheit


Einst war Sacua ein einziges großes Land, in dem die Menschen zumeist in Frieden miteinander lebten. Viele kleinere Fürstentümer bildeten zusammen ein Reich, das keinem alleinigen Herrscher unterstand. Hin und wieder gab es zwar kleinere Rangeleien, vornehmlich um Grundbesitz und Handelsstraßen, jedoch einigten sich die Adligen oft schnell wieder. Schon damals galt die Stadt Manatara als besonders reich und mächtig und das in der Nähe gelegene Angengund erblühte in seinem Schatten ebenfalls zu einem angesehenen und wohlhabenden Ort.

Die Karten Sacuas aus dieser Zeit bieten jedoch ein völlig anderes Bild als heute, denn sie zeigten nur einen Teil des Kontinents. Niemand hatte bis dahin das Gebirge Valahir überquert und niemand wusste, was hinter diesen Bergen lag. Weder Cycalas noch Zrundir waren den Bewohnern des Großen Reiches bekannt, auch wenn es Gerüchte darüber gab, dass hinter Valahir ein rätselhaftes und wohl auch eher düsteres Land lag.

Beinahe ebenso unbekannt war die genaue Lage der Abendinsel westlich von Angengund, denn obwohl es mit einfachen Booten ein Leichtes gewesen wäre, dorthin überzusetzen, wagten sich die Menschen nicht hinaus aufs Meer. Seltsame Geschichten wurden erzählt von jener Insel und der Ozean jagte dem Volk Sacuas schon seit jeher Angst ein.

Eines Tages jedoch kam es vor der Küste Angengunds zu einer Begegnung, die die Zukunft des gesamten Reiches selbst über seine bis dahin bekannten Grenzen hinaus verändern sollte. Ein alter Fischer aus Angengund träumte am Rande der seichten Gewässer von einem großen Fang, als sich ihm eine schwarz bemalte und silbern beschlagene Barke näherte. Sie war klein, viel zu klein, um einen weiten Weg hinter sich zu haben, und doch konnte der Fischer im Nebel dahinter kein größeres Schiff erahnen. Gesteuert wurde das Boot von einem einzigen Mann und der Moment als er die ersten Worte an den Fischer richtete, werden bis heute als die „Ersten Worte der neuen Zeit“ gelehrt.

Der Fischer erfuhr von einem Volk, dessen Gesandter nun vor ihm stand. Ein Volk, das nur in sehr wenigen uralten Überlieferungen Sacuas Erwähnung gefunden und an dessen Existenz niemand wirklich geglaubt hatte. Sie nannten sich die „Cycala“, denn sie stammten hoch oben aus dem Norden, jenseits der Bergkette Valahir und ihr Reich hatte die Form einer Sichel.

Cycalas – das Sichelland.

Doch hier unten im Süden, fern von ihrer eigentlichen Heimat, hatten die Cycala schon vor langer Zeit die Abendinsel entdeckt und einige von ihnen hatten sich dort niedergelassen. Saton – so der Name des Fremden – erklärte, dass sein Volk eine hohe Fertigkeit in der Verarbeitung von Silber entwickelt hatte und wertvolle Schätze daraus schmiedete. Doch nahe Cycalas gäbe es ein weiteres Reich, eine Halbinsel namens Zrundir, und die missgestalteten Kreaturen, die dort hausten, ließen nichts unversucht, sich der Reichtümer des Sichellandes zu bemächtigen. Und so beschlossen die Hohen Shaj, die Herrscher Cycalas, alles Silber fortzuschaffen, an einen Ort, an dem es sicher verarbeitet werden konnte, bis es als fertiges Kunstwerk wieder zurückgebracht werden konnte. Die Abendinsel diente nun als sicherer Ort der Silberschmiedekunst, aber sie war auch weit abgelegen und unwirtlich, so dass lange Fahrten mit großen Schiffen notwendig waren, um die Sichelländer dort zu versorgen. Aus diesem Grund hatte das fremde Volk sich dazu entschieden, sich zum ersten Mal den Bewohnern Sacuas zu offenbaren, in der Hoffnung, einen Handelsweg zwischen der Insel und dem Festland aufbauen zu können.

Saton, der Gesandte Sacuas und gleichzeitig einer der drei herrschenden Shaj, und Urgul, der Dorfmeister Angengunds, schlossen bald Freundschaft und trotz des anfänglichen Misstrauens, das die einfachen Menschen Sacuas gegenüber der Fremden hegten, lernten sie doch die Vorteile bald zu schätzen, die die Verbindung mit sich brachte. Tatsächlich verstanden sich die Cycala derart hervorragend auf ihr Handwerk, dass kein Goldschmied Sacuas ihnen ernsthaft Konkurrenz machen konnte. Angengund hingegen belieferte die Schiffe der Abendinsel mit allem, was sie zum Leben brauchten. Im Laufe der Zeit wurde die Freundschaft der Völker fester und es kam auch immer wieder vor, dass die Fremden sich im Süden Sacuas ein neues Zuhause suchten oder sogar in die Familien Angengunds einheirateten.

Das Abkommen währte mehrere Jahre und bald erfuhr das ganze Reich von den Schätzen, die dem Süden zuteil wurden. Viele nahmen einen weiten Weg auf sich, um die begehrten Stücke der Cycala zu erwerben, doch die meisten machten die Reise vergebens. Saton verkaufte nicht mehr als er musste und gerade soviel, dass es zum Unterhalt der Insel reichte. Es dauerte nicht lange und einige der reichen Adligen im heutigen Mittelland wurden zornig über die leeren Hände, mit denen die Boten zurück kamen und nach und nach begannen sich in die Loblieder über die Cycala auch weniger freundliche Gerüchte zu mischen.

Eines Tages machte sich Orjope, die Fürstin von Orio, das hoch im Norden nahe der Singenden Sümpfe lag, auf den weiten Weg hinunter nach Angengund, um ebenfalls in Besitz der sagenhaften Geschmeide zu kommen, doch auch für sie blieben die Schatzkammern der Cycala verschlossen.

Es folgte einer der dunkelsten Tage Sacuas.

In der Bucht, in der alles seinen Anfang genommen hatte, sammelte die Fürstin ihre Soldaten unter dem Sonnenbanner und jede Barke der Abendinsel, die anlegte, fiel den Schwertern Orios zum Opfer. Als die Krieger Cycalas' die Bucht erreichten, waren bereits viele ihrer Brüder und Schwestern gefallen und sie konnten nur noch Rache nehmen, indem sie die Sonnenkrieger mit dem Leben bezahlen ließen.

Die Fürstin jedoch entkam.

Der Strand glänzte rot vom Blut der Erschlagenen und das Banner der Fürstin verglühte hoch oben auf dem Scheiterhaufen, der die Toten verschlang. Seit jenem Tag wird dieser Ort die Blutsonnenbucht genannt und nie wieder wurde dort ein Cycala gesehen. Angengund wurde gemieden, denn es galt als verflucht und es wurde zu einem armen, verlassenen Dorf, dem man seine reiche Vergangenheit bald nicht mehr ansah. Auch die Fremden, die noch vor nicht allzu langer Zeit als neue Familienmitglieder willkommen geheißen worden waren, gingen fort und mit ihnen die letzten Cycala der Abendinsel. Die meisten kehrten zurück ins Sichelland, doch einige mischten sich unerkannt unter das Volk Sacuas, um bereit zu sein für den Tag, da die geflohene Fürstin Orios ihrer gerechten Strafe zugeführt werden würde.

Doch während die Fremden in dunklen, geheimen Kellern ihre Klingen schmiedeten, breitete sich die Saat der Fürstin in den Dörfern und Städten des Kontinents aus. Gerade über die Krieger der Cycala machten schaurige Geschichten die Runde und ein Gerücht überbot das andere an Grausamkeit und Hass. Selbst einfache Bauern, die nie auch nur ein Haar der Fremden zu Gesicht bekommen hatten, wussten von dämonischen Riten und blutigen Opfern zu berichten, von Morden an Unschuldigen und vielen anderen feigen und brutalen Verbrechen.

Kein Jahr war seit dem Blutbad in der Bucht vergangen, doch ganz Sacua machte nun Jagd auf ein Volk, dem die Wenigsten jemals von Angesicht zu Angesicht gegenüber gestanden waren. Viele Fürsten setzten hohe Belohnungen aus und trotz ihrer wohl gewählten Verstecke und ihrer Zurückgezogenheit gelang es vielen Cycala nicht, sich vor den Klingen der aufgehetzten Bevölkerung zu schützen.

Angeführt von Saton und den neun Cas - seinen höchsten Kämpfern - begannen die Cycala nun ihrerseits zurückzuschlagen. Und sie machten keinen Unterschied zwischen mordlustigen Soldaten oder sie verfluchenden Hausfrauen, zwischen schwertschwingenden Dorfwachen oder Fäuste schüttelnden Bauern. Heute spricht man von dieser blutigen Zeit als dem „Großen Krieg“, denn kein Teil des Landes blieb von Opfern und Kämpfen verschont.



Nach vielen Monaten der Schlachten gelang es Saton und den Cas schließlich, die Grenzen Orios zu überwinden, denn noch immer war sein oberstes Ziel, die Urheberin des Krieges, die Fürstin Orjope, ihrer gerechten Strafe zuzuführen und damit die Quelle der Lügen versiegen zu lassen. Tatsächlich schafften es die Kämpfer, die Burg Orjopes zu stürmen, doch noch bevor es soweit war, wurde Saton vor den Augen seiner Cas durch einen Leibwächter der Herrscherin getötet, der aber daraufhin mit einigen seiner Anhänger floh und so seine Herrin verriet.

Orjope starb noch vor dem Morgengrauen. Über die genauen Umstände ihres Todes gibt es viele Geschichten, doch sicher weiß man nur, dass einer der Cas ein altes Ritual an ihr vollzog, das als besonders grausam gilt. Und obwohl der Mörder Satons noch immer am Leben und in Freiheit war, verschwanden die Kämpfer Cycalas' daraufhin aus Sacua, zurück in ihr Land nördlich Valahirs. Die wenigen Überlebenden ihres Volkes, die der großen Jagd entgangen waren, blieben.

Im Süden verbanden sich die kleineren Grafschaften und Fürstentümer zu einem Reich. Urguls Sohn Log vereinigte die Ländereien und Besitztümer und vermittelte zwischen den alten Herren der Gebiete, bis diese bereit waren, sich einem einzigen Herrscher zu unterstellen. Im Gegenzuge sollte ein großes Heer das gesamte Land beschützen und einheitliche Gesetze sollten den Menschen ein friedliches Leben ermöglichen. Bereits im Sommer nach der Schlacht von Orio wurde Log zum König des neuen Reiches Manatar ausgerufen.



Zwölf Jahre vergingen. Zwölf Jahre, in denen es nicht zuletzt den verbliebenen Cycala und dem neuen Herrscher des Südens, König Log, zu verdanken war, dass viele Menschen an der Richtigkeit der Jagd zweifelten. Hin und wieder offenbarten sich die Fremden wieder ihren engsten Freunden, sprachen von ihrer Heimat und sangen ihre Lieder. Nur wenige störten sich daran. Es hatte viel Leid und Tod auf beiden Seiten gegeben und kaum jemand wollte die Vergangenheit wieder aufleben lassen. Nur einige besonders verbissene Kämpfer aus jenen Tagen verfluchten das Sichelland immer noch, doch es waren zu wenige um eine wirkliche Gefahr darzustellen.

Anders war es mit den geflohenen Soldaten aus Orio. Sie fanden unter Führung des Leibwächters, der Saton das Schwert durch das Herz gebohrt hatte, in Zrundir – dem alten Feind Cycalas – Zuflucht, doch hörte man nur noch selten von ihnen. Gelegentliche Übergriffe, vor allem ins heutige Mittelland, wurden ihnen zugeschrieben, doch vom Sichelland hielten sie sich trotz der Silberminen fern. Sie wussten, dass ein Gegenschlag Cycalas Zrundirs Ende gewesen wäre, auch wenn es sie verwunderte, dass Satons Tod anscheinend ungesühnt bleiben sollte. Kein Angriff aus dem Sichelland erfolgte und auch im restlichen Sacua schienen die Wunden der Jagd langsam zu heilen.

Doch selbst nach so langer Zeit lassen sich immer noch Spuren der düsteren Tage entdecken. Eine Mauer eisigen Schweigens hüllt sich um diese Zeit und die engen freundschaftlichen Bande, die einst zwischen dem Sichelland und dem Süden herrschten, sind einer kühlen Distanz gewichen, geprägt von Ehrfurcht und ein wenig Angst auf der einen und Gleichgültigkeit auf der anderen Seite.

I - Der Weg


Kapitel 1


Der Nebeltempel lag noch tief im nächtlichen Schatten der Ausläufer Valahirs verborgen und nur vage tasteten sich die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont. Der Herbst schickte seine Vorboten in diesem Jahr weit voraus, denn obgleich die Tage warm und sonnig waren, mehrten sich doch die kalten Nächte, in denen ein Spaziergang ohne wärmenden Umhang undenkbar war.

In dieser Gegend jedoch war man an dergleichen gewöhnt. Selbst in den Sommermonaten verschleierte der Nebel, der dem Tempel einst seinen Namen gegeben hatte, an vielen Morgen die Sicht und senkte sich auch des Abends wieder wie eine milchig-weiße Decke über das Land.

Menrir war sich nicht sicher, ob er diesen Umstand besonders mochte. Er war nicht mehr jung, fühlte sich aber dennoch in seinen besten Jahren, bereit, noch viele Wagnisse einzugehen. Aber sein unstetes Leben hatte Spuren hinterlassen und der Heiler genoss zuweilen die wärmenden Sonnenstrahlen auf seiner ausgemergelten Haut und den sanft kitzelnden Sommerwind in seinen weißen, zerzausten Haaren, die ihm bis auf die Schultern reichten. Beides fehlte ihm hier gelegentlich, wenn er sich aus dem Ort Elmenfall aufmachte, um wieder ein paar Tage im Tempel zu verbringen. Andererseits erfrischten ihn diese kurzen Reisen immer wieder aufs Neue, wenn er mit den jungen Novizinnen scherzte, in alten Schriften der Tempelbibliothek versank oder den Geruch des beneidenswerten Kräutergartens einsog. Er freute sich auf die Ankunft dort, doch ebenso freute er sich auch wieder auf sein Zuhause in Elmenfall.

An diesem Morgen jedoch, als er erleichtert die letzte Anhöhe auf dem Weg zum Tempel erreichte, beschäftigte ihn weitaus mehr als die nächste Lektion, die er für seine Heilkunstschülerinnen vorbereitet hatte. Es würde kein Besuch wie sonst werden und die nächsten Tage würden vielleicht entscheidende Änderungen mit sich bringen – Änderungen, die wohl nicht unbedingt den Nebeltempel, aber sehr wohl seine Zukunft dort beeinflussen würden. Er fragte sich, wann er das nächste Mal über diese Hügel wandern würde – und ob es überhaupt ein nächstes Mal gab. Vielleicht sah er auch alles zu schwarz und es war sicher nicht gut, mit zu viel Pessimismus in die Zukunft zu sehen. Das sagte er den Novizinnen selbst immer wieder.

'Wieviel leichter es doch ist, Ratschläge zu erteilen als seine eigenen zu befolgen.' dachte er schmunzelnd und sogleich durchströmte ihn eine Welle der Zuversicht. Es war nicht alles sorgenvoll an diesem Tag und er bemühte sich, sich auf das zu freuen, was die nächsten Stunden mit sich bringen würden – ein Wiedersehen, eine gut gefüllte Kräuterkammer und nicht zuletzt ein kleines Festmahl am Abend.

Als Menrir die Seitenpforte erreichte, die in den Tempelgarten führte, den er so liebte, musste er nicht einmal anklopfen. Die niedrige Tür schwang auf, eben als er den Arm heben wollte und er war nicht überrascht als er sah, wer ihn so früh schon erwartete. Eine junge Frau mit goldblonden Haaren, die sie locker zu einem Zopf zusammengebunden hatte. Sie trug die dunkelrote Kutte der untersten Novizinnen und ihre grünblauen Augen bildeten einen seltsamen Kontrast dazu.

Guten Morgen, Sara. Ich nehme an, es ist kein Zufall, dass gerade du mir öffnest? Das heißt.... solltest du nicht beim Morgengebet sein?“

Sara schüttelte den Kopf. „Die Oberin hat mich ab heute für die Dauer des Besuches davon befreit. Und deshalb....“

Deshalb dachtest du, du könntest die Gelegenheit nutzen und mich gleich einmal in Beschlag nehmen, bevor irgendjemand sonst es tut, richtig?“

Menrir lachte als er den verlegenen Ausdruck auf dem Gesicht der Novizin bemerkte und er nahm ihr die Antwort ab.

Schon gut, das kommt mir sehr entgegen. Ich wollte nämlich auch mit dir reden und zwar bevor du anderweitig beschäftigt bist, wenn du verstehst, was ich meine.“

Sara nickte. „Danke. Ich habe frischen Tee gekocht, wenn du möchtest. Der Weg war sicher wieder sehr anstrengend.“

Es geht. Ich fühle mich nicht so alt wie ich aussehe, mein Kind, vergiss das nicht. Und auf den Tee freue ich mich schon. Wie schön, dass wir die Kräuterküche jetzt noch für uns haben. Du solltest dich öfter von den Riten befreien lassen.“

Tatsächlich kam Menrir der große dämmrige Raum merkwürdig fremd vor, wenn keine eifrigen Mädchen darin umherschwirrten und keine strenge Vorsteherin mit ihrer dröhnenden Stimme rief: „Und denkt daran, dass der Gelbwurz nicht zu dicht neben den anderen Kräutern getrocknet wird, sonst verliert er sein Aroma!“ Nein, diesmal war alles still und nur dann und wann raschelten einige Gräserbündel an der Decke, wenn ein Windhauch durch die kleinen Fenster hineinhuschte. Ein großer Becher dampfenden Feldblütentees erwartete den Heiler und sein angestammter Lehnstuhl war schon vor dem polierten Holztisch zurechtgerückt, auf dem normalerweise die Tagesernte des Gartens aussortiert wurde.

Das nenne ich einmal einen angenehmen Empfang.“ bemerkte Menrir lächelnd. „Mach das nicht zu oft, sonst gewöhne ich mich noch daran.“

Beema würde das als 'Einschmeicheln' bezeichnen...“ meinte Sara zweifelnd.

Und ich als 'zuvorkommend'. Ich danke dir. Nun, was hast du auf dem Herzen? Nein, lass mich raten. Es geht um den Gast, der heute hier eintrifft, nicht wahr? Wie ich erfahren habe, wird dir diesbezüglich eine große Ehre zuteil.“

Die Oberin hat mir die Aufgabe übertragen, mich um die Wünsche der Botschafterin zu kümmern. Eine Art Leibdienerin zu sein.“ Bei diesen Worten wirkte Sara allerdings eher bekümmert als stolz oder voller Vorfreude.

Das ist doch so üblich bei euch, wenn hohe Gäste eintreffen, dachte ich? Wird nicht immer Eine ausgewählt, die dem Besucher zugeteilt ist, um ihm den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen?“

Ja, das ist richtig. Aber normalerweise machen das Eria oder Ilele und nicht .. nicht jemand wie ich. Sie haben viel mehr Erfahrung in solchen Dingen und kennen sich auch viel besser mit den Hofprotokollen aus. Ich habe keine Ahnung, warum Beema ausgerechnet mich für diesen Dienst ausgesucht hat, vor allem, weil sie mir bestimmt keinen Gefallen tun will.“

Menrir seufzte.

Ich will ganz ehrlich sein, Sara. Es war meine Idee.“

Deine?“ Die Novizin starrte ihn ungläubig an.

Ja, allerdings. Die Botschafterin, die heute hier eintrifft, nun ja..., ich kenne sie, wie du weißt. Und ich bin mir sicher, dass Menschen wie Ilele oder Eria nicht gerade das sind, was sie unter angenehmer Gesellschaft versteht. Ich dachte, du würdest sehr viel besser zu ihr passen. Also habe ich Beema darum gebeten, dieses Mal auf dich zurückzugreifen. Ich muss zugeben, dass sich ihre Begeisterung über meine Bitte in Grenzen hielt, aber ich konnte sie schließlich davon überzeugen, dass es besser ist, auf meinen richtigen Riecher zu vertrauen.“

Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee war...“ sagte Sara traurig.

Ich schon. Du wirst es sehen. Und ich verspreche Dir, dass du deine Sache gut machen wirst, auch wenn du jetzt noch daran zweifelst. Sollte ich mich irren – und ich irre mich ganz sicher nicht – werde ich dafür sorgen, dass dir niemand einen Vorwurf macht und dass niemand erfährt, wenn du einen Fehler machst. Aber das wird nicht passieren.“

Ich habe überhaupt keine Ahnung, was ich tun soll. Oder wie ich mich verhalten soll. Ich habe so etwas noch nie gemacht und ich bin auch nicht so... ich kann mir nicht vorstellen, dass ich wie Ilele um jemanden herumscharwenzle oder den ganzen Tag über die neuesten Moden in Goriol plappere wie Eria.“

Das hätte auch gerade noch gefehlt! Genau aus diesem Grunde wollte ich ja auch, dass du dich dieses Mal um euren Gast kümmerst und nicht diese beiden – verzeih mir – oberflächlichen Gänse. Sei einfach du selbst.“

Sara lächelte schwach. „Das sagst du so leicht. Kannst du mir nicht ein paar....“

Ratschläge geben? Mmhmm, ja, das kann ich vielleicht. Und eigentlich ist dies auch der Grund, warum ich dich vorher noch sprechen wollte.“ Menrir stellte den inzwischen leeren Becher auf den Tisch und stand auf. „Lass uns ein wenig nach draußen gehen. Ich liebe den Geruch des Gartens um diese Uhrzeit. Außerdem sollen hier die Wände Ohren haben und ich habe lieber keine ungebetenen Zuhörer in der Nähe.“


Süßer Belkrautduft erfüllte die Luft und vermengte sich mit dem würzigen Geruch des wilden Blaubuschs und der herben Note des Gallgrases. In der Tat schienen besonders die unscheinbaren Gewächse den neuen Tag laut- oder vielmehr geruchsstark begrüßen zu wollen, als wüssten sie, dass das Sonnenlicht später eher den Rosen und Lilien zur Bewunderung verhelfen würde. Die niedrige Gartenmauer, die das Gelbwurzbeet an der Ostseite begrenzte, gehörte zu Menrirs Lieblingsplätzen. Schon oft hatte er sich dort einige Minuten der Ruhe gegönnt, wenn es in der Küche gar zu laut zugegangen war und schon mancher Abend hatte hier bei einer gut gestopften Pfeife seinen Ausklang gefunden. Es war genau der richtige Platz, um das, was zu Kommen in Begriff war, auch derjenigen anzukündigen, die noch keine Ahnung von dem hatte, was sie erwartete.

Setz dich hier zu mir.“ Der Heiler wies auf die moosbewachsene freie Stelle neben sich. Dann sammelte er einen Moment lang seine Gedanken und als er sprach, sah er Sara nicht an, sondern starrte in die Ferne, wo sich im Dunst die Bergkette Valahir erhob.

Ihr erwartet eine Botschafterin aus Cycalas, doch ich glaube, niemand von euch, auch nicht Beema, haben eine wirkliche Vorstellung davon, was man darunter zu verstehen hat. Ehrlich gesagt, entstammt der Begriff „Botschafterin“ lediglich meiner Phantasie, leider weiß ich nicht, wie ich sie sonst bezeichnen könnte. Lennys ist aus Gründen hier, die sie niemandem nennen wird und sie wird gewiss keine politischen oder gesellschaftlichen Besuche in Goriol machen oder sich auf spirituelle Gespräche mit der Oberin einlassen. Unter einem „Gesandten“ versteht man immer gerne jemanden, der zwischen zwei Parteien oder Völkern vermittelt oder der die Verbindung stärken will. Das ist bei Lennys nicht der Fall. Sie ist nicht hier, um irgendwelche Kontakte zum Mittelland zu knüpfen, ihre Aufgabe ist anderer Natur. Ich habe versucht, es der Oberin zu erklären, aber ich weiß nicht, inwieweit sie es begriffen hat. Sie stellt sich wohl insgeheim vor, durch ihre Gastfreundschaft die Wegbereiterin für ein neues Bündnis zu sein. Aber du wirst hoffentlich nicht so naiv sein.“ Er atmete tief durch, aber Sara ließ die kurze Pause wortlos verstreichen.

Weißt du, Sara, im Prinzip braucht Lennys niemanden, der hinter ihr herkriecht, wenn du so willst. Sie würde auch gut allein klar kommen und vermutlich wäre ihr das auch lieber. Aber sie weiß, dass diese 'Leibdienerei' eine Sitte des Tempels und vor allen Dingen eine Geste der Höflichkeit ist und deshalb nimmt sie es hin. Wundere dich also nicht, wenn sie von dir keine große Notiz nimmt. Vielleicht wird sie dir auch sagen, was sie von dir erwartet – oder vielmehr nicht erwartet, aber hoffe nicht darauf. Deine Aufgabe ist es, ihr den Aufenthalt hier angenehm zu machen und ich fürchte, genau das ist das Problem. Das kannst du nämlich nicht.“

Warum nicht?“ fragte Sara niedergeschlagen.

Weil sie nicht gern hier ist. Im Gegenteil, die Tage im Nebeltempel sind eine Art notwendiges Übel auf ihrer Reise und sie wird froh sein, wenn sie es hinter sich hat. Warum, das kann ich dir jetzt nicht erklären und vielleicht tut es auch gar nichts zur Sache. Verstehst du langsam, warum Eria oder Ilele so ziemlich die schlechteste Wahl gewesen wären, die Beema hätte treffen können? Für jemanden, der am liebsten seine Ruhe hat und dem die prunkvollen Zimmerfluchten für Ehrengäste ein Graus sind, für jemanden, der das Festmahl, das heute abend gegeben wird, der lästigste Teil des Tages ist .. jemand, der keinerlei Interesse an albernem Geschwätz oder diplomatischem Austausch hat... glaubst du, so jemand würde sich in Gegenwart deiner Freundinnen wohl fühlen?“

Sie sind nicht meine Freundinnen.“

Menrir lachte.

Nein, natürlich nicht, verzeih. Aber im Ernst... das Beste ist es, wenn du deine Sichtweise änderst. Versuche nicht, ihr etwas Schönes zu vermitteln, sondern versuche, das Unangenehme von ihr fernzuhalten. Weißt du was ich meine?“

Sara nickte langsam. „Ich glaube ja. Aber...gibt es denn gar nichts, ... was sie mag?“

Wohl nichts, was für dich umsetzbar wäre. Aber vielleicht hast du das richtige Gespür für sie und findest etwas, woran ich jetzt nicht denke. Ich halte das zumindest für möglich und ich habe großes Vertrauen in dein Feingefühl. Aber da gibt es noch etwas, was mindestens ebenso wichtig ist...“

Und was ist das?“

Das Protokoll. Oder vielmehr das, was Beema und viele andere unter 'angemessenem höfischen Verhalten' verstehen. Bitte Sara, übertreibe es damit nicht. Lennys wird nicht dulden, dass du in ihrer Gegenwart auf den Knien herum rutschst und ihr das Essen vorschneidest. Ich werde nachher mit ihr reden und sie bitten, dass sie einige Verhaltensweisen akzeptiert, solange andere dabei sind. Schließlich sollst du keinen Ärger bekommen. Aber solange ihr allein seid, halte dich mit solchen Formen der Unterwerfung zurück. Sie mag in euren Augen mit anderen hohen Staatsbesuchern gleichzusetzen sein, aber vergiss nicht, was ich dir über den Grund ihres Besuches gesagt habe.“

Nicht gesagt.“ Jetzt musste selbst Sara lächeln. „Aber ich verstehe schon. Und ich bin froh, dass du sie so gut kennst, sonst hätte ich sicher noch mehr Fehler gemacht als es ohnehin der Fall sein wird.“

Der Heiler seufzte.

Wenn es dich tröstet, so sei dir gesagt, dass es mehr als schwierig ist, bei ihr alles richtig zu machen. Vielleicht ist es besser, wenn ich sage, es ist unmöglich. Finde es selbst heraus. Aber auch, wenn meine Worte jetzt nicht gerade ermutigend waren – mach dir keine Sorgen. Ich bin ja auch noch da und eigentlich bin ich ganz zuversichtlich was die nächsten Tage angeht.“

Wie lange wird sie denn überhaupt bleiben?“

Menrir zuckte die Achseln. „Das kann man jetzt noch nicht genau sagen, es hängt von vielen Dingen ab. Es ist sogar möglich, dass du das erst erfährst, wenn sie schon fort ist. Sie wird wohl oft unterwegs sein und ob sie dich auf ihre Ausflüge mitnimmt, kann ich nicht sagen. Wohl eher nicht. Ich will dir jetzt auch nicht zuviel erzählen, das Meiste wird sich ohnehin erst zeigen, wenn sie da ist.“

Beema meinte, sie würde gegen Mittag eintreffen.“

Das würde ich nicht unterschreiben. Sie kann ebenso gut in der nächsten Stunde ankommen oder auch erst am späten Abend. Lennys reist allein und nur sie bestimmt das Tempo. Wie lange sie braucht, hängt einzig und allein von ihrer Laune ab. Dass ihr überhaupt im Vorfeld von ihrem Besuch erfahren habt, verdankt ihr mehr oder weniger meiner Überredungskunst. Normalerweise legt sie sich nämlich nicht gerne so fest. Aber jetzt versuch noch, ein wenig den Tag zu genießen, bevor es soweit ist. Wir werden uns heute ohnehin noch sehen und manche Fragen werden sich dir erst stellen, wenn du einige Zeit mit ihr verbracht hast.“

Wenn sie das überhaupt zulässt. Vielleicht wirft sie mich auch sofort hinaus.“

Menrir lächelte wieder.

Glaub mir, das möchtest du nicht wirklich.“


Der Vormittag verging und die Sonne wanderte immer höher, doch noch schien sich niemand dem Tempel zu nähern, so sehr die aufgeregten Novizinnen und Vorsteherinnen auch Ausschau hielten. Die Oberin Beema, die sonst die Ruhe selbst war und ihre Untergebenen immer wieder zur Gelassenheit mahnte, lief heute nervös durch die Gänge und spähte ihrerseits verstohlen durch die Fenster, die in Richtung Norden und Westen wiesen.

Sara versuchte inzwischen, Menrirs Rat zu befolgen und alles auf sich zukommen zu lassen. Sie beobachtete nicht die menschenleere Pfade, die zum Tempel führten und sie beteiligte sich auch nicht an den Spekulationen, die tuschelnd von den anderen Mädchen ausgetauscht wurden. Stattdessen hielt sie sich die meiste Zeit in der Eingangshalle auf, um sogleich zur Stelle zu sein, wenn man sie brauchte. Sie suchte sich eine ruhige Ecke unter der hohen Treppe zur Galerie, setzte sich auf eine alte Truhe im Halbdunkel und versuchte, sich zu entspannen und an gar nichts zu denken. Als das nicht funktionierte, rief sie sich die letzten Lektionen aus Menrirs Unterricht ins Gedächtnis oder zählte die Steine in den Wandmosaiken. Es wurde Nachmittag.

Menrir war vor einer Weile an ihr vorbeigegangen und nach einem kurzen aufmunternden Lächeln hatte er den Tempel durchs Hauptportal verlassen.

'Seltsam', dachte Sara. 'Seltsam, dass er gerade jetzt hinausgeht. Will er denn nicht hier sein, wenn sie kommt?'

In diesem Moment legte sich von hinten eine Hand auf ihre Schulter und Sara fuhr zusammen. Es war der Heiler, der vermutlich durch die Nebenpforte zurückgekommen war.

Sara, komm bitte mit.“

Aber was ist wenn....?“

Keine Sorge, du bist rechtzeitig zurück. Bitte komm jetzt, es dauert nicht lange.“ Menrir lächelte immer noch vielsagend, als würde er einem Kind gleich ein besonders großes Spielzeug schenken und Sara hoffte inständig, dass sie wirklich nicht lange fortbleiben würde und dass die Botschafterin nicht ausgerechnet jetzt eintreffen würde. Sie folgte dem Heiler, der nun wieder den Gang in Richtung Kräuterküche einschlug.

Wo gehen wir hin?“

Nur kurz nach draußen.“

Aber... Menrir, ich glaube nicht, dass ich gerade jetzt hinaus...“

Du musst dir wirklich keine Sorgen machen, Sara, verlass dich auf mich. Hier entlang...“

Im Garten herrschte dieselbe Stille wie am Morgen, niemand hatte an diesem Tag vor, im Beet herumzustochern, während drinnen ein Ehrengast empfangen wurde. Der Heiler zog Sara ein Stück weiter, bis die Tempelmauer in einen Turm überging und sie von den Kräuterbeeten aus nicht mehr zu sehen waren. Doch jetzt waren sie nicht mehr allein.

Hier, hinter dem Ostturm des Gebäudes, lehnte eine Frau an der Mauer und musterte Sara mit ausdruckslosem Gesicht. Sie trug schwarze lederne Hosen, die in hohen Schnürstiefeln steckten, ein dazu passendes miederartiges Oberteil und einen glatt fallenden schwarzen Umhang, der irgendetwas verdeckte, das an ihrem Gürtel baumelte und dessen Spitze nur gefährlich silbern hervorblitzte.

Die Augen der Unbekannten waren ebenso schwarz, wie die zu einem straffen Zopf gebundenen langen Haare, doch einen Moment lang schienen sie seltsam zu funkeln, um dann sofort wieder zu erlöschen. Sara zweifelte keinen Moment daran, wem sie gegenüberstand.

Natürlich hatte sie keine Ahnung gehabt, was für ein Mensch die Botschafterin aus Cycalas war, wie alt sie war oder wie sie aussah. Sie wusste sehr wohl, dass die eigentümliche schwarze Augenfarbe auf der Sichelinsel in einigen Regionen verbreitet war, das hatte sie schon in einer der Tempellehren gelesen. Auch die robuste Kleidung hätte die Novizin eigentlich nicht überraschen dürfen, war es doch bekannt, dass beinahe alle Cycala, die nach Süden reisten, ausgebildete Krieger waren. Kein schutzloser Händler oder Gelehrte hätte sich alleine ins Mittelland gewagt, dazu war die Vergangenheit wohl doch noch zu lebendig.

Sara wusste selbst nicht, womit sie gerechnet hatte, aber sicher war eines: nicht damit. Die junge Frau war wohl nur einige Jahre älter als sie selbst und sah eher so aus als würde sie am liebsten jedem die Kehle aufschlitzen, der dafür verantwortlich war, dass sie sich gleich mit Menschen wie Sara, Beema oder den anderen Tempelbewohnern herumärgern musste.

Bevor die Novizin in irgendeiner Form auf diese unvorbereitete Begegnung reagieren konnte, kam Menrir ihr zuvor.

Lennys, das ist Sara.“ Er erklärte nicht, weshalb er Sara hierher gebracht hatte und die Cycala fragte auch nicht. Sie zeigte überhaupt keine Reaktion, sondern sah ihre neue Dienerin nur weiter unverwandt an. Der Heiler wartete einen kurzen Augenblick, dann fuhr er fort.

Sara, wir halten es für besser, den Empfang in der Halle auf das Nötigste zu verkürzen. Vielleicht könntest du hinaufgehen in das Zimmer, das für Lennys ausgesucht wurde? Ich werde Beema erklären, dass es der Wunsch der Botschafterin war, dass du dort wartest. Wir werden dann gleich nachkommen.“

Sara nickte stumm, doch dann besann sie sich ihrer Pflicht und senkte den Kopf in Richtung Lennys. „Wie ihr wünscht, Herrin.“

Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Lennys die Augen verdrehte.

Du kannst gehen.“ sagte sie dann. Ihre Stimme klang kalt und obwohl sie sehr leise gesprochen hatte, konnte sie einen gewissen Ärger darunter nicht verbergen.

Kaum hatte Sara wieder den Turm umrundet, hörte sie Menrirs beschwichtigende Worte.

Sie muss sich erst mal an dich gewöhnen, sei nicht so ungeduldig.“

An mich gewöhnen? Wozu? Sie wird nicht viel in meiner Nähe sein.“

Warte es ab.“

Ich brauche niemanden. Und jetzt lass uns diesen Empfang hinter uns bringen. Wieso hast du sie überhaupt in mein Zimmer bestellt?“

Das erkläre ich dir auf dem Weg nach drinnen. Du hast recht, bringen wir es hinter uns.“ Er zögerte. „Lennys, ich weiß, du machst dir nichts aus diesen Leuten und aus dem Tempel selbst. Aber könntest du vielleicht.....“

Ich werde dich schon nicht in Verlegenheit bringen, falls es das ist, weswegen du dir Sorgen machst.“

Die Menschen hier mögen euch Sichelländer, vergiss das nicht.“

Hast du Angst, dass sich das meinetwegen ändert?“

Nein, so meine ich das nicht....“ Menrir schien um Geduld zu ringen.

Hör zu, Menrir. Ich glaube nicht, dass es dir zusteht, mir Verhaltensmaßregeln aufzuerlegen. Ich habe weder vor, einen Krieg anzuzetteln, noch werde ich dafür sorgen, dass diese Beema heute vor Enttäuschung über mich ihr Kopfkissen nass weint. Aber wenn ich es vorhätte, dann würdest du mich nicht daran hindern, haben wir uns verstanden?“

Der Heiler seufzte resigniert. „Ja, das habe ich. Gibt es eine Chance, dass sich deine Laune heute noch bessert?“

Ja, falls du es schaffst, mich aus diesem Abendessen herauszuhalten.“

Sara erreichte die Nebenpforte, die Stimmen waren nun nicht mehr zu hören.

'So sehr ich dir bisher auch vertraut habe, Menrir...' dachte sie während sie die Stufen zum Obergeschoss empor eilte, '...aber das hier wird nicht gut gehen. Ich kann tun, was ich für richtig halte. Aber ich kann keine Wunder vollbringen.'


Oberin Beema lief nervös auf der Galerie auf und ab und immer wieder wanderte ihr Blick hinunter zum Tempelportal, zu dessen beiden Seiten die Novizinnen Ilele und Eria darauf warteten, dass sich der erwartete Gast ankündigte. Die Sonne stand schon recht tief und noch immer gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass der hohe Besuch sich näherte. Normalerweise war es üblich, dass Boten oder Diener vorgeschickt wurden, um die baldige Ankunft ihrer Herren auszurufen, doch Menrir hatte Beema diese Illusion schnell genommen. Er hatte ihr erklärt, die Botschafterin würde allein reisen und wünsche nicht, dass um ihre Anwesenheit viel Aufhebens gemacht wurde. Dies hatte er derart ernst betont, dass Beema ihren Plan, alle Novizinnen und Vorsteherinnen zur Begrüßung Spalier stehen zu lassen, schnell verwarf. Stattdessen hatte sie ihre beiden bevorzugten Zöglinge am Eingang postiert, damit eine von ihnen den Gast willkommen hieß, während die andere sie selbst, die Oberste des Nebeltempels, darüber informierte, so dass der offizielle und rituelle Empfang dann direkt in der Eingangshalle nur unter den Augen weniger Auserwählter vor sich gehen würde. Dieser Vorschlag hatte auch Menrirs Zustimmung gefunden und Oberin Beema gab zu, dass es bei einem Gast mit solch bescheidenen Vorlieben wohl von Vorteil war, auf den Heiler zu hören. Er schien die Botschafterin ja doch recht gut zu kennen.

Ein dumpfes Klopfen ließ die Portalflügel aus schwarzem Akazienholz erzittern. Bebend vor Aufregung öffnete Eria, die über die Enttäuschung, diesmal keine große Rolle spielen zu dürfen, noch nicht ganz hinweg war, die in der Tür eingelassene Sichtluke. Überrascht erkannte sie das faltige Gesicht Menrirs. Er strahlte.

Eria, bitte lass deine Oberin wissen, dass Lennys, die Gesandte Cycalas, soeben eingetroffen ist und um die Gastfreundschaft des Nebeltempels ersucht.“

Erst jetzt bemerkte Eria die schwarz gekleidete Gestalt, die einige Meter hinter Menrir im Schatten einer hohen Steinsäule stand. Sie war noch zu weit entfernt, um Gesichtszüge oder andere Details zu erkennen und so blieb Eria nichts anderes übrig, als Menrirs Bitte nachzukommen und sofort zu Beema zu eilen. Sie nickte Ilele kurz zu, die Menrirs Worte jedoch selbst mitverfolgt hatte und sich nun daran machte, den rechten Flügel des Portals zu öffnen.

Als Beema die Galerietreppe hinab stieg, sah sie bereits von weitem, dass Menrir mit seiner Vermutung recht gehabt hatte. Die Botschafterin war tatsächlich allein gekommen, wenn man einmal davon absah, dass der Heiler an ihrer Seite stand. Auch schien sie nicht im Geringsten verwundert oder überrascht, dass ihr kein großer Empfang bereitet wurde, wohl, weil Menrir ihr dies zugetragen hatte. Ob sie mit dem Arrangement zufrieden war, ließ sich ihrer verschlossenen Miene jedoch nicht entnehmen.

Es ist mir eine große Ehre, einen Vertreter des Sichellandes in unseren bescheidenen Mauern begrüßen zu dürfen, Herrin Lennys. Ich hoffe, dass unsere Räumlichkeiten euren Wünschen entsprechen und dass euer Aufenthalt im Nebeltempel zu eurer Zufriedenheit verlaufen wird. Bitte zögert nicht, auf die Dienste aller Anwesenden zurückzugreifen.“

Beema verneigte sich tief. Ein Gast aus dem sagenhaften Sichelvolk gehörte unbestreitbar zu den Glanzpunkten einer langen Liste ehrenvoller Namen, die diese Begrüßungsformel über sich hatten ergehen lassen müssen. Und zweifellos wurde sie von vielen hohen Häusern darum beneidet, dass gerade ihr diese Ehre zuteil wurde. Dennoch war die Oberin ein wenig enttäuscht, dass heute keine großen Gesten und Huldigungen gefragt waren und sie fürchtete, dass diesem von ihr so herbeigesehnten Ereignis im Nachhinein vielleicht doch nicht die erwartete Bedeutung beigemessen wurde.

Ich weiß eure Mühen und eure Großzügigkeit zu schätzen. Allerdings werde ich nur selten auf diese von Euch angebotenen Dienste zurückgreifen, ich bevorzuge einen möglichst ungestörten und... unspektakulären Aufenthalt, wenn ihr versteht, was ich meine.“ Lennys' Stimme hatte an Wärme nicht gewonnen, doch zumindest der unterschwellige Unmut war daraus gewichen. Trotz Menrirs vorheriger Belehrungen war Beema jetzt ein wenig über die Worte der Gesandten verunsichert.

Ja... natürlich, Herrin. Wir werden alles dafür tun, dass ihr euch nicht belästigt fühlt. Wenn ihr erlaubt, werde ich euch eine meiner Novizinnen zur Verfügung stellen, die....“ Doch Menrir hob unterbrechend die Hand.

Danke Beema. Auf Wunsch der Herrin Lennys erwartet Sara uns bereits in den vorbereiteten Gemächern. Bis zum Abendessen würde sich die Botschafterin gerne dorthin zurückziehen, sie hatte eine weite Reise.“

Natürlich, ganz wie ihr wünscht, Herrin. Wenn ich noch irgendetwas für euch tun kann....“

Lasse ich es euch wissen.“ Lennys nickte knapp und folgte ohne ein weiteres Wort dem Heiler die Galerietreppe hinauf. Beema blieb verblüfft über den kurzen Auftritt in der Halle zurück und es gelang ihr nur mit Mühe die Enttäuschung zu verbergen, die sie nun vor sich selbst nicht mehr verleugnen konnte.

Auch Eria und Ilele hatten noch nicht ganz verdaut, dass Lennys ihnen keinerlei Beachtung geschenkt hatte, waren sie doch den ganzen Vormittag mit neuen Frisuren und dem Einstudieren von Verbeugungen und Begrüßungsformeln beschäftigt gewesen.

Sie hat uns nicht einmal angesehen...“ murmelte Ilele etwas beleidigt. „Bestimmt ist sie sonst große Zeremonien und reichere Diener gewohnt.“

Eria schüttelte den Kopf. „Du weißt doch, was Beema heute gesagt hat, das alles wurde auf ihren Wunsch hin auf das Notwendigste reduziert. Sicher ist ihr soviel Prunk gar nicht wichtig, sie schaut eben auf die ....“

Inneren Werte? Ja, da hast du wohl recht. Na, bei Sara hat sie da nicht viel zu entdecken. Die ist ja so langweilig. Hoffentlich wirft sie sie heute noch hinaus, dann wird die Oberin schnell merken, dass sie lieber eine von uns eingeteilt hätte.“ Ilele klang verbittert. Eria hingegen geriet ins Schwärmen.

Ich wäre jetzt wirklich zu gern da oben. Findest du diese Cycala nicht auch unglaublich interessant? Und ihre Augen.... schwarz wie die Nacht, so etwas habe ich noch nie gesehen. Die einfache Kleidung trägt sie natürlich, weil sie kein Aufsehen erregen will und wenn sie sich erst einmal von dem anstrengenden Weg erholt hat....“

...wird sie erwarten, dass wir ihr ein perfektes Mahl servieren und sie gut unterhalten!“ unterbrach Beema die beiden scharf. „Geht also und helft bei den Vorbereitungen! Und zeigt, was ihr könnt. Ich will keine Klagen hören! Die Herrin Lennys soll überrascht sein, wie gastfreundlich und standesgemäß sich unser Tempel zeigen kann!“


Menrir und Lennys erreichten unterdes einen breiten Gang, der am Nordende der Galerie in einen stillen Flügel mündete. Die neugierigen Gesichter der Tempelbewohner, die sich hier und dort aus Wandnischen und hinter nur scheinbar verschlossenen Türen gezeigt hatten, hatten sie jetzt hinter sich gelassen und statt eines verstohlenen Murmelns und Flüsterns hallten jetzt nur die kraftvollen Schritte der Gesandten und das Schlurfen von Menrirs Sandalen durch die Mauern. An einer polierten Tür aus dunklem, rot schimmernden Holz etwa in der Mitte des Ganges blieb der Heiler stehen.

Es tut mir leid, ich konnte Beema nicht davon abbringen. Sie wollte dir unbedingt eines ihrer schönsten Zimmer anbieten. Allerdings konnte ich sie überreden, den vorhandenen und überflüssigen Zierrat zu entfernen. Ich sagte ihr, dass es besser sei, auf manches zu verzichten, als auf Luxus zurückzugreifen, der nicht deinem Geschmack entspricht.“

Lennys zuckte die Achseln. „Das ist mir egal. Ich will ja nicht hier einziehen.“ Dann fiel ihr etwas ein.

Du wolltest mir noch sagen, warum du dieses junge Ding hier hoch geschickt hast. Ich brauche sie nicht.“

Menrir senkte die Stimme. „Vielleicht doch. Sie ist wirklich nicht übel, Lennys, und sie hat sich auch nicht um diese Aufgabe gerissen. Ich weiß, du hast lieber deine Ruhe und kümmerst dich selbst um deine Angelegenheiten. Aber ich bitte dich, gib ihr eine Chance. Es ist nicht ihre Schuld, dass du hier bist und du musst zugeben, dass es nicht leicht ist, dich zufrieden zustellen.“

Es ist ganz leicht, wenn sie sich einfach von mir fernhält.“

Darüber haben wir doch schon gesprochen. Kannst du nicht... ein wenig nett zu ihr sein? Mir zuliebe?“

Ich war dir zuliebe gerade eben schon viel zu freundlich.“ erwiderte Lennys bissig. Menrir lächelte.

Ja, und ich bin deshalb sehr dankbar und zugleich erleichtert, dass du meine Bitte ernst genommen hast. Vielleicht kannst du es noch einmal tun?“

Ich sehe dafür keinen Grund. Mag sein, dass es Cycalas' Ansehen nicht zuträglich wäre, wenn ich Beema ins Gesicht sage, was ich von ihr halte. Aber das heißt nicht, dass ich mich mit irgendwelchen verzogenen Gören herumärgern muss, nur weil du sie gerne um dich hast.“

Sara ist keine verzogene Göre.“ antwortete Menrir bestimmt.

Es ist mir egal, was sie ist. Ich warne dich, Menrir. Wenn sie mir auch nur im Entferntesten auf die Nerven geht, fliegt sie raus und du mit ihr. Ich habe wirklich Wichtigeres zu tun als Kindermädchen zu spielen oder fragwürdige Tempelkarrieren in Schwung zu bringen!“ Sie wandte sich wieder der Tür zu, hielt dann aber erneut inne. „Wir haben einiges zu besprechen. Du willst sie doch wohl nicht dabei haben?“

Ich vertraue ihr, Lennys. Ebenso wie dir. Sie wird schweigen wie ein Grab.“

Es geht sie nichts an!“

Und was, wenn du doch ihre Hilfe brauchst? Willst du dann anfangen, ihr alles zu erklären? Lennys, du wirst nicht immer alles alleine machen können in den nächsten Tagen, das weißt du. Und auf mich wirst du auch nicht immer zählen können. Sara kennt sich in der Gegend gut aus, sie ist meine beste Schülerin und ... sie hat viel unter Beema zu leiden. Verstehst du nicht? Sie könnte dir wirklich von Nutzen sein!“

Wütend funkelte Lennys den Heiler an. „Ich brauche niemanden!“

Wirst du sie bleiben lassen?“ fragte Menrir noch einmal hoffnungsvoll.

Ohne darauf zu antworten, sagte Lennys nur:

Lass uns endlich von diesem Gang verschwinden.“


Der große Raum war zweigeteilt und lichtdurchflutet. Im vorderen, eher kleinen Teil stand ein kleiner Tisch mit duftenden Rosen, ein niedriger Hocker und eine große goldbeschlagene Truhe. Ein schwerer roter Samtvorhang war neben dem Durchgang in das eigentliche Schlafzimmer zurückgebunden worden.

Hier fiel der Blick zunächst auf ein gewaltiges Bett aus demselben handgeschnitzten roten Holz, aus dem auch die Tür gezimmert war. Weiße Seidenlaken und bestickte Kissen ließen erahnen, dass hier normalerweise Fürstentöchter ihren Schlaf fanden und die vergoldeten Kerzenhalter an der Wand hätten auch aus Logs Palast im Südreich stammen können. Auf der anderen Seite des Zimmers hatte jemand mehrere samtene Sitzpolster um einen niedrigen Tisch gruppiert, der ebenfalls mit Blumen geschmückt war.

Der steinerne Boden wurde größten Teils von einem Teppich aus gefärbter Wolle bedeckt, doch die Wände waren kahl und das Mauergestein zwar sauber und poliert, jedoch schmucklos. Lennys fragte sich einen Moment lang, wie das Zimmer wohl sonst aussah. Vermutlich hatte die Oberin einige erdrückende Wandteppiche und kostbare Vasen ausräumen lassen.

Sara hatte in einer Ecke in dem kleinen Vorraum gewartet und neigte den Kopf als sich die Tür öffnete. Sie war schon beinahe erleichtert als Lennys achtlos an ihr vorbeiging und selbst Menrirs aufmunterndes Lächeln konnte ihr die Angespanntheit nicht nehmen.

Die Cycala stand inzwischen vor dem hohen Fenster und sah stirnrunzelnd in die Abendsonne. Dann zog sie die Vorhänge zu, so dass der Raum nun in rötlichem Dämmerlicht lag.

Ich möchte nicht, dass sich das Zimmer am Tage aufheizt. Lass die Vorhänge zu, auch wenn ich nicht da bin, hast du verstanden?“ sagte sie dann an Sara gewandt. Die Novizin nickte, sagte aber einer Vorahnung folgend nichts und Lennys' Miene entspannte sich etwas.

Außerdem wirst du später diese Blumen hinaus bringen... und nimm dann am besten auch gleich die Kissen auf dem Bett mit. Die Laken kannst du dort lassen. Und das da....“ Sie deutete auf eine Schale mit Obst, die auf einem schmalen Sims neben dem Bett stand, „kannst du dir nehmen, wenn du magst. Wenn nicht, wirf es weg.“

Ich habe verstanden.“ antwortete Sara jetzt leise, verzichtete aber bewusst auf einen formellen Zusatz.

Gut, das ist alles. Du kannst.....“ Lennys fing einen flehenden Blick von Menrir auf. „...dich wieder setzen. Sollte jemals jemand von dir erfahren, was in diesem Raum gesprochen wird, dann wird dein nächstes Gebet dein letztes sein.“

Sara erbleichte, nickte dann aber noch einmal und zog sich wieder in den Vorraum zurück. Sie sah nicht, wie Menrir mit gespielter Verzweiflung die Augen rollte.

Das musste jetzt sein?“ fragte er leise.

Was?“ zischte Lennys zurück.

"Nichts..."

Menrir seufzte noch einmal, dann fuhr er wieder in normaler Lautstärke fort:

Wo sind deine Sachen?“

Welche Sachen?“ Lennys nahm ihren Umhang ab und warf ihn achtlos über einen der Bettpfosten. Erst jetzt sah Sara, dass das funkelnde Silber, das sie schon draußen bemerkt hatte, zu einer ungewöhnlichen Waffe gehörte. Die beidseitig scharf geschliffene Klinge hatte die Form einer Sichel und einen Durchmesser von etwa eineinhalb Ellen. Am auffälligsten - neben der imposanten Größe - war der kunstvolle Griff, der von einer silbernen, geflügelten Schlange umschlossen wurde.

Auf der rechten Seite des Gürtels, halb verdeckt von einer breiten, flachen Ledertasche, schimmerte eine silbern bestickte Scheide, in der etwas steckte, das an einen breiten Säbel erinnerte, aber nur die Länge eines Schlachtermessers hatte. Die Cycala löste nacheinander alles vom Gürtel und legte es nebeneinander auf die Seidenlaken des Bettes.