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Cream of the Crop

Erste Sahne

Hudson Valley 2

Alice Clayton

Aus dem Amerikanischen
von Julia Weisenberger

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Cream of the Crop – Erste Sahne
Hudson Valley 2

Alice Clayton

Deutsche Übersetzung © Sieben Verlag 2018, 64823 Groß-Umstadt
Aus dem Amerikanischen von Julia Weisenberger
Original englische Ausgabe © 2016 Alice Clayton
Covergestaltung © Andrea Gunschera 2018

All rights reserved including the right of reproduction in whole or in part in any form. This edition published by agreement with the original publisher, Gallery Books, a division of Simon & Schuster, Inc., New York.

ISBN Taschenbuch: 9783864437618

ISBN Ebook-mobi: 9783864437625

ISBN Ebook-epub: 9783864437632

www.sieben-verlag.de

Für Neens, Lolo und PQ.
Ich treffe euch am Tower of Terror
.

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Epilog

Danksagung

Über den Autor

Kapitel 1

„Würdest du ein wenig die Rollos hochziehen? Die Sonne geht gerade unter, und das ist immer ein toller Anblick“, sagte ich.

„Während du sie dann am Haken hast?“, neckte mich Liz und ließ die angenehme Nachmittagssonne in den Besprechungsraum.

Im siebenundvierzigsten Stock konnte man einen verdammt genialen Sonnenuntergang über dem Hudson genießen. Er ließ das Zimmer warm und einladend wirken, und welcher Kunde würde schon Nein sagen, wenn sich hinter mir die mächtige Silhouette von Manhattan erstreckte? Besonders, als ein Sonnenstrahl wie ein göttliches Zeichen direkt auf meinen Ausschnitt fiel.

Ich hörte das Aufkeuchen eines Kerls, der sich spontan in mich verguckte – der Praktikant schien eindeutig mal wieder meine Oberweite abzuchecken.

„Hey, Kleiner, hier oben spielt die Musik“, befahl ich. Es tat mir ein winziges bisschen leid, als er rot wurde und stotternd aus dem Raum stolperte, wobei er versprach, die gebundenen Ausgaben meines Angebots mitzubringen, um die ich gebeten hatte. Meistens schaffte er es auch, seinen Blick unter Kontrolle zu halten. Meistens.

„Der arme Welpe steht total auf dich.“ Liz kicherte und richtete eines der Kuchendiagramme richtig aus, die wir an der Wand aufgestellt hatten. Selbst in Zeiten der einfach anzuwendenden PowerPoint-Präsentationen und farbigen Hochglanzausdrucke ging nichts über ein riesiges Kuchendiagramm, das an der Wand hing, um einem Kunden das Gefühl zu geben, dass man seine Hausaufgaben gemacht hatte.

Und das hatte ich. Ich würde vor T&T Sanitation, einem der größten Lieferanten von Miettoiletten im Nordosten, eine Verkaufspräsentation halten, um ihnen eine neue Anzeigenkampagne schmackhaft zu machen. Ja, man konnte über das Sanitärbusiness Witze machen, so viel man mochte, aber es war auch unglaublich lukrativ. Und unglaublich wettbewerbsorientiert. T&T Sanitation war der zweitgrößte Lieferant und seit Jahren hinter Mr. John’s Portaloo, ebenfalls ein Hersteller von mobilen Toiletten, auf dem zweiten Platz gelandet. Dieses Jahr wollten sie unbedingt die erste Stelle erreichen. Und hier kam ich ins Spiel.

Ich fing an, die quadratischen Bilder, die auf Schaumstoff aufgestellt waren, auszupacken und legte sie mit dem Gesicht nach unten, bevor ich Staffeleien im Raum verteilte. Sobald sie ausgerichtet waren, drehte ich sie um. Liz kam mit einem Arm voller Handouts zurück und fiel fast aus ihren Jimmy Choos.

„Heilige Scheiße.“

„Genau“, sagte ich mit einem breiten Grinsen. Ich hatte das ganze Zimmer mit Bildern von T&T-Toiletten gepflastert, die in der Nähe einiger der schicksten Gegenden der Stadt aufgestellt worden waren. Der Bronx Zoo, der botanische Garten in Brooklyn, sogar auf dem Rasen des Gracie Mansion.

„Wow, ihre Klohäuser sind ganz schön rumgekommen“, sagte Liz und ging im Raum herum, um sich die Bilder anzusehen. „Hat Dan die gesehen?“

„Dan hat sie nicht gesehen“, ertönte eine Stimme fassungslos von der Tür her. „Dan hat sie nicht gesehen, würde aber wirklich gern wissen, weshalb seine Wände voller Klohäuser sind.“ Mein Boss stand in der Tür. An seinem Kiefer zuckte ein Muskel, da sein Besprechungsraum von etwas höchst Ungewöhnlichem in Beschlag genommen worden war.

„Du wusstest, dass ich hiermit neue Wege gehen wollte, Dan“, sagte ich, trat an seine Seite und reichte ihm eines der Handouts. „Der Eckstein dieser neuen Kampagne ist es, das eine Thema, über das niemand sprechen will, wenn es um ihr Produkt geht, und das Thema, über das jeder etwas erfahren will, zusammenzubringen.“

„Bilder von mobilen Toiletten.“ Seine Augen weiteten sich. Er glaubte an mich, aber hatte er wirklich so viel Glauben an mich?

Ich nickte. „Bilder ihres Produkts überall in der Stadt. Bilder von dem, was man bekommt, wenn man T&T beauftragt: eine mobile Toilette von hoher Qualität, die bei weitem nicht so geschmacklos ist, wie man glaubt. Die Kunden sollen über die verschiedenen Gründe nachdenken, weshalb man so etwas brauchen könnte, und wie viel netter sie aussehen als die, an die wir normalerweise denken. Sie sind top-modern, sauber, sogar hübsch. Das hier“, ich zeigte auf ein besonders ansprechendes Bild einer mintgrünen Version, die sich vor der Skyline des Central Park West abhob, „möchte man für die Hochzeit seiner Tochter oder ein Picknick am Vierten Juli. Selbst der Bürgermeister benutzt es, wenn sie im offiziellen Wohnhaus renovieren.“

Rob, der Praktikant, eilte herein, den Blick fest auf den Punkt zwischen meinen Augen gerichtet. „Sie sind hier“, sagte er leise, dann wurde ihm klar, wovon er umgeben war. „Wow, das sind echt viele Klohäuser.“

„Wie wahr“, sagte Dan. Seine Stimme blieb gelassen, als er meinen Blick erwiderte. Du sorgst lieber dafür, dass das hier klappt, sagte er mir damit.

Botschaft empfangen und zur Kenntnis genommen, gab ihm mein Blick zu verstehen.

Liz versuchte erfolglos, ein Kichern zu unterdrücken, und wir machten uns für den Empfang unserer Gäste bereit.

Zumindest sah mir niemand mehr auf die Brüste, was zum ersten Mal der Fall war.

Am Ende waren es die Bilder, die die Überzeugungsarbeit leisteten. Mr. Caldwell, Präsident von T&T Sanitation, kam in den Besprechungsraum, und während sein Marketingteam voller entsetztem Schweigen nur starrte, ging er zu dem Foto, das vor dem Trump Tower auf der Fifth Avenue ein besonders öffentlich aufgestelltes Exemplar zeigte, und brach in Gelächter aus. „Ich liebe diesen Einfall jetzt schon“, sagte er auf dem Weg zu seinem Platz, auf dem sein Name stand. Er und ich waren schon auf derselben Wellenlänge. Zeit, den Rest ebenfalls davon zu überzeugen.

Ich verbrachte den Großteil einer Stunde damit, die Kampagne, die ich im Sinn hatte, bis ins kleinste Detail zu beschreiben, bis hin zu Werbeplätzen, die wir im Fernsehen, im Radio und im Internet kaufen könnten. Ich hatte einen Plan geschmiedet, der sein Produkt zu etwas machen würde, über das die Leute sprechen würden und das den Verbrauchern noch lange, nachdem der erste Werbemaßnahmenschwung vorüber war, im Gedächtnis bleiben würde. Jede Frage, die sein Team hatte, wurde gekonnt beantwortet, entweder von mir oder von jemandem aus meinem eigenen Team. Wir hatten jeden Punkt beachtet, wir hatten um jede Ecke gedacht, und wir waren zuversichtlich, dass wir etwas ganz anderes präsentierten als jede andere Werbefirma, um mobile Klohäuser zu verkaufen.

Dan saß im Vortrag wie jedes Mal und gab manchmal einen Kommentar von sich, überließ mir aber wie gewöhnlich die Führung. Er war überrascht gewesen, meine Aufstellung zu sehen, ja, aber sobald die Kunden im Raum waren, stand er zu hundert Prozent auf meiner Seite. Und jetzt beobachtete er mit einem versteckten Lächeln, wie ich die Sache einfuhr – einem Lächeln, das mir sagte, dass ich den Deal in der Tasche hatte.

„Abschließend denke ich, dass niemand Ihnen eine so einzigartige, auf Sie zugeschnittene Kampagne präsentieren wird, wie wir hier bei der Manhattan Creative Group.“ Ich beugte mich ein wenig über den Tisch, mit einem Funkeln in den Augen sah ich direkt Mr. Caldwell an. „Das hier ist eine Gelegenheit, bei der wir von MCG denken, dass es Sinn macht, zu sagen, dass die anderen einfach scheiße sind.“

Der Raum war still. Ich konnte jeden Blick auf mir spüren, den von Praktikant Rob eingeschlossen. Seiner hing allerdings ungefähr dreißig Zentimeter unterhalb meiner Augen. Äh …

Mr. Caldwell beugte sich über den Tisch, womit er meine Haltung spiegelte. „Ich liebe Kuchendiagramme.“ Sein Blick funkelte zurück.

Der Anruf kam zwei Stunden später. T&T Sanitation war nun offiziell ein Klient von MCG.

Es gibt nichts, das beeindruckender ist, als Manhattan im Oktober. Ich seufzte zufrieden, als ich die Stufen des Bahnhofs an der 14. Straße im Strom mit allen anderen empormarschierte, die sich ebenfalls in einen Freitagnachmittag begaben und sich darauf freuten, mit dem Wochenende zu beginnen. Nach dem Geruch von abgestandener Luft und zahlreichen Körpern fühlten sich das Sonnenlicht und die frische Herbstluft ein klein wenig wie der Himmel an. Ich hatte nur sechs Blocks bis zu meinem Apartment, daher ging ich ein wenig langsamer, trödelte wie so oft vor den Schaufenstern und nickte einigen der Geschäftsbesitzer zu, die ich näher kannte. Von ein paar kannte ich nur das Gesicht, aber in den Shops, die ich häufiger besuchte, wusste ich sogar, wie sie hießen.

Ich verstand einfach nicht, wie sich Leute vor New York fürchten konnten. Ich war hier geboren und aufgewachsen und musste mich daher anstrengen, wenn ich die Stadt so sehen wollte, wie Fremde es taten. Laut, voller Geräusche, aufdringlich, überall Beton. Ich sah Begeisterung, lebendig, lebhaft, mit majestätischen Bauwerken. Ein Freund vom College hatte mich mal gefragt: „Es ist nur dreizehn Meilen lang und zwei Meilen breit. Langweilt es dich nicht, jeden Tag das Gleiche zu sehen?“

Ich hatte mich vor ihm aufgebaut und gesagt: „Es ist genau 13,4 Meilen lang und 2,3 Meilen an seiner breitesten Stelle nahe der Fourteenth Street. Und jeder, der sich in Manhattan langweilt, verdient Manhattan nicht.“ Ich freunde mich nicht mit Idioten an.

Ich ging die Straße entlang und bemerkte zum tausendsten Mal, wie liebenswert meine Gegend war. Jeder, der dachte, New York würde nur aus endlosen Zementblöcken und Betonhochhäusern bestehen, hatte noch nie Zeit in Downtown verbracht. Oder in Midtown. Oder auf der Upper West Side. Oder der Upper East Side. Egal, wo man sich auf meiner Insel niederlässt, ich garantiere, dass es nur wenige Blöcke von einem Park entfernt ist. Einer Grünanlage. Einem alten, wunderschönen Stadthaus. Einem hundert Jahre alten Pub. Es gibt neu geschaffene Wohngegenden und unglaubliche Geschichte, die sich hinter jeder neuen Straßenecke verbirgt. Und in einer Stadt voller Ecken und rechten Winkeln lebte ich in der Ecke, die aus schiefen Winkeln und weichen Kurven bestand, sich windenden Straßen und Straßenschildern, denen zu folgen unmöglich war. Verborgen im Raster der Stadt, in einer Gegend, die erbaut worden war, bevor die Stadt ihren typischen und gefällig geordneten Stil erhalten hatte. Das West Village.

Und an diesem Ort befand sich mein Lieblingskäseladen des gesamten Planeten, dieser Käseladen, für den ich drei Blocks von meiner üblichen Route abwich, um hinein zu starren. Und möglicherweise sogar davor zu sabbern.

Käse. Käääääse. Was für ein langgezogenes, nasales Wort für etwas so köstlich, aromatisch Wunderbares. Hart. Weich. Reif. Körnig. Cremig. Oft intensiv oder sogar stinkend. Ich musste erst noch einen Käse finden, den ich nicht liebte.

Meine Liebesgeschichte mit Käse reichte bis in meine Kindheit zurück, als ich in unserer Küche gesessen und eine Schüssel Ricotta mit Zucker gemampft hatte. Meine Mutter, eine weltbekannte Künstlerin, arbeitete an ihren Skizzen, von denen es zahllose in jedem Zimmer unseres Stadthauses gab. Ich aß Löffel um Löffel cremigen Käses, und wir redeten über dies und das und alles Mögliche. Als ich älter wurde, verfeinerte ich meine Geschmacksknospen mit meiner andauernden Liebe zu allem, was mit Milch zu tun hatte. Sollte ich jemals Laktoseintoleranz entwickeln, werde ich mich in den East River stürzen.

Ich fragte mich manchmal, ob die Größe meines beeindruckenden Hinterteils direkt proportional zu meiner Liebe zu Gorgonzola war. Ob der Umfang meiner Oberschenkel noch verschlimmert wurde durch meine Sucht nach Edamer. Vermutlich. Aber ich konnte mit dicken Oberschenkeln und einem Hintern leben, den man unbedingt anfassen wollte. Ein Leben ohne Roquefort? Hinfort mit diesem Gedanken!

Als ich mich dem La Belle Fromage näherte, fühlte ich, wie der Fontina seine Tentakel nach mir ausstreckte. Komm her, Natalie, leg deinen Kopf sanft auf diese Kissen aus Camembert oder wiege einen Ziegenkäse an deinem herrlichen Busen. Und hier, Natalie! Setz dich zu diesem englischen Cheddar, einem frechen Kerl, der jedoch stark, patent und bereit ist, deine müden Knochen aufzubauen, wenn du von deiner langen Reise unter Tage erschöpft bist …

„Lass nie wieder das Mittagessen aus“, murmelte ich und drückte die schwere Eichentür mit den Bleiglasfenstern auf.

„Da ist sie ja!“, trällerte eine Stimme, und mein Lieblingskäsemanager, Philippe, kam um die Theke herum. „Meine wunderschöne Natalie. Ich habe mir schon Sorgen gemacht, als ich dich nicht gesehen habe! Es ist fast achtzehn Uhr, und ich wollte schon zusperren!“

„Ich musste ein wenig länger arbeiten.“ Ich lächelte und beugte mich für den zweifachen Wangenkuss vor, sah ihn aber neugierig an. „Woher wusstest du, dass ich vorbeikomme?“

Er rollte mit den Augen, wie es nur die Franzosen können, ohne dabei unhöflich zu wirken. „Être vénère. Glaubst du etwa, ich würde nicht die Gewohnheiten meiner besten Kundin kennen? Immer am Freitag, immer auf dem Weg nach Hause. ‚Woher wusstest du, dass ich vorbeikomme’, also bitte …“ Er ging murmelnd um die Theke herum, weil er wusste, dass ich ihm folgen würde. Der Laden war bis auf einen einzigen anderen Kunden leer. Ein junger Mann mit Häkelmütze, unter der einige blonde Strähnen hervorlugten. Flaschengrüne Augen erwiderten meinen Blick im Spiegel hinter der Kühltheke. Ich erlaubte mir ein winziges Lächeln, als ich eine Auslage zu seiner Linken begutachtete, und stellte noch einmal Augenkontakt her.

Guter Junge, komm her. Er grinste mich im Spiegel an, und ich tat so, als ob ich es nicht bemerkte. Ich spielte mit dem Rand meines Mantels und strich mir mit den Fingern über mein Schlüsselbein. Er legte seinen Gouda ab, hob einen Käsespalt auf, und an der Art, wie er ihn hielt, wusste ich, dass ich den Jackpot geknackt hatte.

Hm, sollte ich mein Wochenende mit einem Quickie beginnen? Verdammt noch eins, ich war gut.

In dem Wissen, dass ich den Burschen genau dort hatte, wo ich ihn wollte, ging ich hinüber zur Theke, an der Philippe immer noch vor sich hin murmelte, wie gut er mich kannte und dass nur ich allein seinen perfekten Geschmack zu schätzen wüsste. Ich hörte ihm zu, aber mein Blick wurde von dem Käsemekka angezogen, das nach mir rief.

Philippe rühmte sich, nicht nur die größte Auswahl an französischen Käsesorten zu haben – natürlich –, sondern auch, dass er die interessantesten und wunderbarsten einheimischen Käsesorten aus dem ganzen Nordosten führte. Er kannte meine Lieblingssorten, wusste, was ich mochte, und wusste, was ich liebte.

„Also, den hier solltest du probieren. Die ganze Woche über war er ständig ausverkauft, aber fürs Wochenende habe ich noch etwas hereinbekommen. Probier mal!“

Ich probierte dies und das, ein wenig von hier und ein wenig von dort, und meine Zehen krümmten sich in meinen Schuhen, als er immer neue himmlische Stückchen in meine Hand drückte, von wo aus sie rasch in meinem fast seufzenden Mund verschwanden.

„Und der hier wird dir einfach die Socken ausziehen“, rief er und zog triumphierend einen neuen Käselaib aus der Kühltheke.

„Schuhe, nicht Socken.“

Oui, natürlich.“ Er beugte sich mit einem Löffel voll mit etwas Aromatischem und Reichhaltigem über die Theke.

Ich öffnete den Mund, er schob mir den Löffel zwischen die Lippen, und in der Sekunde, in der meine Geschmacksknospen getroffen wurden, stöhnte ich auf.

Ich kannte diesen Geschmack. Ich träumte von diesem Geschmack. Ich stöhnte wieder auf.

Ich hörte ein kleines Hüsteln hinter mir und wusste, dass Häkelmützen-Quickie sich der Geräusche, die ich von mir gab, sehr bewusst war. Ich machte mir nicht einmal die Mühe, rot zu werden, da ich das hier viel zu sehr genoss. Äh, das in meinem Mund.

Ich öffnete die Augen. Philippe stand vor mir, grinste breit und wirkte überaus glücklich, dass er genau den richtigen ausgewählt hatte. Dieser Käse war zum Sterben gut.

„Wo ist der her?“, fragte ich und leckte mir über die Lippen. Ich kannte die Antwort eigentlich schon.

„Er ist brandneu, aus einer kleinen Molkerei im Hudson Valley. Bailey Falls …“

„Creamery“, sagte ich. Das Wort Creamery – Molkerei – floss wie eine Zärtlichkeit über meine Lippen.

Ich kannte den Mann, der das hier hergestellt hatte. Streichen Sie das. Ich sehnte mich danach, den Mann zu kennen, der das hier hergestellt hatte. Ihn zu kennen und zu kennen.

„Den nehme ich“, sagte ich atemlos. Ich sah nach links und bemerkte den anderen Kunden, von dem ich noch vor ein paar Momenten überlegt hatte, ihn mit nach Hause zu nehmen und ihn zu meinem Freitagnachtspecial zu machen. Jetzt verblasste er verglichen mit …

Lange, gebräunte Finger …

Wunderschöne, starke Hände …

Nein, nein. Spar dir das auf, bis du zu Hause bist und es genießen kannst. Keine Gedankenspielchen jetzt, sondern geh nach Hause, bevor du …

Tinte. Auf dem einen Unterarm hinauf, den anderen wieder hinunter. Zumindest so weit, wie man es erkennen konnte – die Tattoos verschwanden am Bizeps wegen eines dünnen Baumwoll-T-Shirts. Führten die Tattoos den ganzen Weg hinauf? Umrahmten sie seinen Nacken und Rücken? Führten sie wieder hinab? Führten sie über seinen Oberkörper und waren sie um seine Hüften geschlungen, bis hin zu …

Raus. Jetzt.

„Ich nehme alle drei, Philippe. Würdest du sie mir einpacken?“ Ich tupfte an meine Schläfe. Mein Puls raste, als ich ihm das Geld reichte, meine Köstlichkeiten einsammelte und meinem früheren Mr. Wunderbar ein Sorry-nicht-heute-Abend-Lächeln schenkte, der mich so hoffnungsvoll ansah, dass es fast mitleiderregend war.

Ich eilte aus dem Laden, meine Fünfzig-Dollar-Käse unterm Arm, und ab nach Hause. Ich brauchte etwas, um die Bilder in meinem Kopf zu übertönen, also drehte ich den Soundtrack auf, der fast immer in meinem Kopf lief.

Fireball von Dev.

Was … Sie haben keinen Soundtrack im Kopf?

Ich lief die Straße hinab und war mir der Blicke bewusst, die mir die Männer zuwarfen. Ich musste nicht zu meinen Spiegelbildern in den Schaufenstern sehen, um zu wissen, wie ich aussah. Langes, lockig fallendes rotblondes Haar, und blasse irische Haut, die vermutlich noch wegen meiner heißen Fantasien gerötet war. Tiefblaue Augen, fast schon indigofarben, die durch eine Reihe Sommersprossen auf Nase und Wangen akzentuiert wurden.

Mein Körper war in ein tiefgrünes Wickelkleid gegossen, das meine Sanduhrform betonte. Statt meine Größe zu verbergen, indem ich mit gekrümmten Schultern ging, trug ich dazu noch Highheels – je höher, desto besser. Meine ersten Schritte hatte ich auf den alten Kopfsteinpflastern von Lower Manhattan gemacht und konnte mit Absätzen fast besser laufen als in Sneakers. Diese goldenen Peeptoe-Pumps waren überhaupt nicht praktisch, außer man wollte unbedingt, dass die darin steckenden Beine fantastisch aussahen. Was mein Ziel gewesen war.

Frauen mit einer Kleidergröße von 46 sollten üblicherweise ihre Beine nicht zeigen. Sie sollten ihre Oberweite nicht präsentieren. Sie sollten im Winter Trenchcoats tragen, im Sommer lange Ärmel, und auf jeden Fall sollte man Weihnachten absagen, wenn sie jemals ein Kleid trugen, das Ausschnitt hatte. Frauen mit Kleidergröße 46 sollten sich so anziehen, als ob es ihnen peinlich wäre, so viel Raum einzunehmen. Scheiß auf all das. Ich nahm meinen Raum ein. Und wie! Ich nahm in einer Stadt Raum ein, in der die Grundstückspreise utopisch waren, und ich entschuldigte mich niemals dafür. Und jetzt gerade wusste ich genau, wie viel Raum ich einnahm, als ich die 14. Straße zu dem Liedchen in meinem Kopf entlangmarschierte, die Tasche mit meinen Leckereien im Arm und dazu bereits über mein Lieblingsthema fantasierte.

Oscar den Milchbauern.

Ich umrundete die letzte Kurve zu meiner Straße und spürte, dass ich wie immer zu lächeln begann. Ich hatte unglaubliches Glück, dass ich hier und auf die Art wohnen durfte, wie ich es tat. Die meisten Mädels in ihren Zwanzigern in dieser Stadt hatten Glück, wenn sie sich eine Wohnung mit nur zwei anderen teilen mussten, und ich kannte viele, die sie sich mit mehr Menschen teilen mussten. Ich wohnte allein, ein wahrer Luxus, in einer Wohnung, die mir gehörte – ein noch größerer Luxus. Genau genommen gehörte sie meinem Vater. Aber in meinem Namen. Also, wenn ich nach meinen eigenen Regeln ging, gehörte sie mir.

Ich grinste die Kürbisse an, die fröhlich auf den Treppen zu den Stadthäusern standen. Bis Halloween war es nur noch ein paar Wochen hin, und überall in der Stadt war dekoriert worden. Ich stieg die Stufen zu meinem eigenen Heim hinauf, an dem eine Reihe weißer Kürbisse im Flackern der Straßenlampen leuchtete. Ich jonglierte mit meiner Handtasche und meinen Taschen, sperrte die Tür auf und hielt dann inne, um an meinem Gebäude nach oben zu sehen. Es gab drei Stockwerke, die drei einzelne Wohnungen darstellten. Meine befand sich im ersten Stock. Die anderen Bewohner waren schon seit Jahren hier und hatten mir dabei geholfen, das Gebäude in Schuss zu halten. Wir teilten uns hinten draußen den Garten und den Dachboden im vierten Stock, in dem wir alle Dinge lagern konnten.

Es war in den 1950ern ein Haus für eine Familie gewesen, und viele der ursprünglichen Schnitzereien und Details waren noch intakt. Die Haupttreppe war geblieben, als es unterteilt worden war, sodass jede Wohnung zu einer einzelnen Einheit geworden war, die sich dieselbe Treppe teilte. Wunderschönes honigfarbenes Holz glänzte im Eingangsbereich. Innen gab es einen original Spiegel aus der damaligen Zeit. In der Ecke stand ein Schirmständer aus Bronze, in dem sich ein antiker Schirm mit einem Papageienkopf als Griff befand, etwas, das wir uns auch alle teilten.

Ich trat durch die Eingangstür, die vor Jahren durch meinen Vater von einem Flohmarkt gerettet worden war, als er das Gebäude renovierte. Die ursprüngliche Renovierung war billig durchgeführt worden und mit hässlichen, glatten Stahltüren. Mein Vater hatte Antiquitätenläden und Flohmärkte abgeklappert, bis er die wunderschönen Mahagonitüren gefunden hatte, die vermutlich von einem anderen Stadthaus stammten. Sie wurden im gesamten Gebäude ausgetauscht, wodurch es sich sofort heimischer anfühlte, und sie passten auf alle Fälle besser zu einem Haus, das in den späten 1870ern erbaut worden war.

Ich trug meine Taschen durch das Wohnzimmer mit seinen glänzenden Holztüren und den fast fünfzig Zentimetern sorgfältig geschnitzten Kranzprofils, durch das Esszimmer mit der hüfthohen Kastanienvertäfelung bis in die Küche mit den Marmorfliesen und den dicken Holzablagen. Ich stellte meine Tüten ab, schlüpfte aus meinen Schuhen und genoss die relative Ruhe. Relativ, weil es nie wirklich ruhig war: Hupende Autos auf der Bleecker, eine Sirene in der Ferne, und das stetige Hintergrundsummen von 1,6 Millionen Menschen, die auf knapp sechzig Quadratkilometern lebten.

Es war ein toller Tag gewesen. Ich hatte einen super Klienten gewonnen, dank meines unkonventionellen, aber überaus überzeugenden Verkaufsarguments. Ich hatte ein ganzes Wochenende, auf das ich mich freuen konnte. Ich hatte eine Tüte voll mit leckerem Käse, den ich genießen konnte. Und ich hatte den Kopf voll mit leckeren Bildern, die ich genießen konnte. Ich schenkte mir ein Glas Rotwein ein und ließ meiner Fantasie die Zügel schießen …

Oscar. Er hieß Oscar. Das wusste ich, weil meine beste Freundin Roxie es mir gesagt hatte. Sie kannte ihn aus der Kleinstadt, aus der sie stammte und in die sie erst kürzlich zurückgezogen war. Ihr Freund lebte auf der Farm neben Oscars. Bevor ich das erfahren hatte, war er für mich nur „Der sexy Milchbauer vom Union-Square-Bauernmarkt, auf den ich abfahre“ gewesen.

Ich stand übelst auf Oscar. Den Großteil meines Erwachsenenlebens hatte ich mehr oder weniger mit jedem ausgehen können, den ich wollte. Ich war eine Spätzünderin gewesen und hatte meine Teenagerjahre damit verbracht, meinen fülligen Körper unter großen Pullovern und hinter einer vorlauten Klappe zu verstecken, hatte Jungs nie nah an mich herangelassen und sie sicherlich nicht unter die großen Pullover gelassen. In meinem ersten Semester an der Kochschule – eine grauenhafte Entscheidung, weil ich selbst Wasser anbrennen lassen konnte, aber zugleich eine großartige Entscheidung, weil ich dort meine zwei besten Freundinnen, Roxie und Clara, kennengelernt hatte–, hatte ich meine Kurven angenommen, mein von Natur aus gutes Aussehen, und festgestellt, dass Selbstbewusstsein mit mehr zu tun hatte, als mit einem kleinen Hintern in einer engen Jeans.

Ich hatte den ersten Teil meines Lebens als Beobachterin der Welt verbracht, statt an ihr teilzunehmen, besonders, wenn es um Männer ging. Ich hatte meinen Freundinnen dabei zugesehen, wie sie durch Beziehungen gestolpert waren und wie Kerle einen weiten Bogen um sie gemacht hatten, wenn es dem Mädchen an Selbstbewusstsein fehlte. Ich hatte einiges darüber gelernt, wie Männer und Frauen sich verhielten, indem ich zuhörte, zusah und mich erinnerte.

Ich hatte einen Freund gehabt, nur einen, und als das endete, ging es böse zu Ende. Es brachte mich offen gestanden fast um, und als ich es überstanden hatte, schwor ich mir, dass ich mich nie wieder über einen Mann definieren lassen würde. Indem ich aus einer Laune heraus quer durchs Land gezogen war und mich an der Kochschule eingeschrieben hatte, hatte ich eine neue Familie aus Freunden gefunden, die mich mit offenen Armen willkommen hießen.

Niemand kannte mich. Niemand kannte meine Geschichte. Niemand wusste, dass ich das hässliche Entlein war, und in einer Schule, an der jeder so sehr auf Entenfett stand, wie ich, zuckte niemand mit der Wimper, als ein hübsches – was mir neu war –, fülliges Mädchen endlich ihren Weg aus der Dunkelheit fand.

Sobald ich mein eigenes Selbstbewusstsein gefunden hatte, nahm ich meine spitze Zunge – geschliffen an Jahren von Humor, den ich als Schutz missbraucht hatte – und mein überraschend gutes Aussehen – eine Mutter mit herrlichen keltischen Genen und ein einem Wikinger gleicher Vater–, und benutzte jeden Trick, dessen Anwendung am anderen Geschlecht ich über die Jahre hinweg beobachtet hatte.

Ich entdeckte eine Art von Macht, wenn ich in ein Zimmer kam, in dem ich niemanden kannte, um dann herauszufinden, wie sie alle tickten. Mich auf den bestaussehendsten Kerl im Raum zu konzentrieren und in die Offensive zu gehen. Frauen mit Kleidergröße 46 sollten zurückhaltend sein. Frauen mit Kleidergröße 46 sollten schüchtern sein. Frauen mit Kleidergröße 46 sollten dankbar für jegliche männliche Aufmerksamkeit sein und sich besonders geehrt fühlen, wenn ein gut aussehender Mann sie beachtete.

Scheiß auf all den Lärm. Ich nahm den bestaussehendsten Kerl wenn ich wollte und wann ich wollte mit mir nach Hause. Selbstbewusstsein half dabei. Wenn man einen Raum in dem Wissen betrat, dass man jeden haben kann, den man will, konnte man wirklich jeden haben, den man wollte.

Außerdem hatte ich einen schicken Vorbau. Das war immer hilfreich.

Ich holte meine verlorenen Jahre nach, datete so viel, wie ich konnte, und fand heraus, was Männer mochten und was Männer liebten. Und als klar wurde, dass das Schicksal keine Karriere in den kulinarischen Künsten für mich bereithielt, verabschiedete ich mich von meinen neuen besten Freundinnen, packte meine Koffer und reiste nach Osten. Ich schloss mich wieder der Szene in Manhattan an, packte mein Selbstbewusstsein und einen Hauch Unverfrorenheit mit meinen neuen, sexy Kleidern aus und war entschlossen, die Party auf New-York-Art weiterzuführen.

Ich schrieb mich an der Columbia ein, in der ich im zweiten Jahr der Highschool angenommen worden war, was ich aber hintangestellt hatte, während ich in Santa Barbara Gardemanger gespielt hatte, und entdeckte ein neues, bisher noch nicht genutztes Talent fürs schnelle und spitze Schreiben von Werbetexten. Ich verbrachte vier Jahre damit, einen Abschluss in der Werbung zu erlangen, datete dabei nonstop und konnte mir nach meinem Abschluss als Jahrgangsbeste eine Stelle als Junior Korrektor in mehreren Werbefirmen in New York aussuchen.

Mmh, berufstätige Männer. Ich liebte das.

Ich liebte Männer und entschuldigte mich nicht dafür, dass ich mit ihnen Spaß hatte. Ich war nicht scharf darauf, zu heiraten, ich suchte nicht nach jemandem, der sich um mich kümmerte, und ich suchte sicherlich nicht nach einem Mann, der mich nach Hause mitnehmen und in eine Schürze stecken würde. Aber ich hatte Spaß.

Begegnete ich Idioten? Sicher, das gehörte dazu. Gibt es toll aussehende Typen, die gleichzeitig Arschlöcher sind? Natürlich. Aber statt vor ihnen zurückzuschrecken, preschte ich vor, brachte sie dazu, mich zu wollen, und stellte damit sicher, dass der Gedanke daran, aus Mitleid mit einer Rubensfrau zu vögeln, aus ihren Gehirnen verschwand.

Ich bewegte mich selbstsicher inmitten von Männern jeglicher Größe, jeglichen Aussehens, jeglicher Hautfarbe und politischer Einstellung. Ich war ein Feinschmecker des anderen Geschlechts und hatte nie das Gefühl, ich hätte „Glück“ oder wäre „dankbar“, wenn ein Mann mit mir ausging.

Ich hörte einen gut aussehenden Mann einmal sagen, dass fette Weiber hervorragende Blowjobs gaben, weil sie sichergehen wollten, dass ein Mann immer wieder zu ihnen kam. Derselbe Mann befriedigte mich dreimal am Tag eine komplette Woche lang auf unglaubliche Weise oral, und ich hatte seinen Schwanz kein einziges Mal im Mund. Er hatte Glück. Er war dankbar. Ich grinste nur.

Ich widmete meine Tage der Aufgabe, die jüngste Führungskraft im Werbegeschäft zu werden. Ich widmete meine Nächte der Aufgabe, all die Dinge zu genießen, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie haben könnte, fand heraus, wie Männer tickten und nahm sie dann mit zu mir nach Hause.

Aber es gab einen Mann, der mir jedes Mal, wenn ich jede Woche auf dem Bauernmarkt sein wunderschönes Gesicht sah oder seine wunderbare Stimme dieses eine wunderbare Wort sagen hörte, weiche Knie bescherte. Als ich das erste Mal einen Blick auf ihn geworfen hatte, wollte ich sofort Arme und Schenkel um ihn schlingen. Meine Arme und Schenkel. Meine Schenkel um seine Schultern. Eine Welle plötzlicher Lust hatte mich ergriffen. Vor ein paar Monaten hatte ich meinen Lieblingsbauernmarkt besucht, meine Lieblingsstände abgeklappert und mit einigen der Verkäufern gesprochen, die ich kennengelernt hatte, da ich fast jeden Samstag dort war. Ein neuer Verkaufsstand fiel mir ins Auge: Bailey Falls Molkerei, Hudson Valley, NY. Im Glauben, ich hätte eine neue Quelle für leckere, heimisch produzierte Milchprodukte gefunden, ging ich hinüber. Mich zog vor allem die Kreidetafel an, auf der Produkte angepriesen wurden wie Butter, Milch, Sahne und … oh!

Hinter der Theke stand der bestaussehendste Mann, den ich jemals gesehen hatte. Fast zwei Meter atemberaubende Schönheit. Seine Haut besaß eine tiefgoldene Farbe, war gebräunt, aber durchsetzt mit hellerem Karamell. Dichtes kastanienbraunes Haar wurde im Nacken von etwas zusammengehalten, was wie ein Lederband aussah, aber ein paar wenige Strähnen hatten sich gelöst und umrahmten ein wie gemeißelt wirkendes Gesicht. Dieser perfekt geschwungene Männerpferdeschwanz hätte vierzig Dollar in einem Friseursalon gekostet, aber man wusste einfach, dass er seine Haare am Morgen einfach zurückband und sie so ließ. Dieses Haar umgab ein sündig schönes Gesicht mit tiefsitzenden graublauen Augen, die unter schweren Augenbrauen lagen, von denen eine in der Mitte durch eine Narbe geteilt wurde. Er sah Dylan McKay aus Beverly Hills, 90210 sehr ähnlich. Abgesehen davon, dass dieser Kerl Dylan McKay allein mit seinem Pferdeschwanz hätte erledigen können.

Seine Gesichtszüge waren dunkel und wiesen zusammen mit der goldenen Haut auf sonnige Inselstrände und Südseewogen hin. Ich würde auf diesen Wellen reiten.

Aber die Tattoos! Heilige Mutter aller Nadeln, die Tattoos. Selbst von dort aus, wo ich stand, konnte ich die Wirbel aus Rot, Grün, Orange und Schwarz sehen, die seine gesamten Arme bedeckten und kurz über seinen Handgelenken endeten.

Ich war mit bösen Jungs ausgegangen und hatte einen Teil davon flachgelegt. Aber dieser Kerl war … hmm. Wenn man einen bösen Jungen mit einem Supermodell kreuzte, eine Prise Linebacker und eine große Kugel polynesischer Liebe hinzufügte, könnte man möglicherweise – möglicherweise – diesen feuchten Traum auf der anderen Seite des Marktes zu schätzen wissen.

Und dann – gütiger Himmel – zog er eine große Flasche reinster weißer Milch aus der Kühle, drehte den Verschluss, nahm einen großen Schluck und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund.

„Heilige …“

„Mutter“, sagte ich statt der Frau neben mir, deren Mund offen stand, weil sie wie ich das Glück gehabt hatte, dieselbe Herrlichkeit zu beobachten.

„Gottes“, fügte eine dritte hinzu, die ebenfalls mit offenem Mund bei uns stand.

Sie war eine groß gewachsene Lady, die wie eine Börsenmaklerin wirkte und ihn ebenfalls voller Ehrfurcht anstarrte.

Ich zwickte mich sofort, weil ich sicher war, ich wäre irgendwo eingeschlafen und hätte jetzt einen tollen Traum.

Autsch. Kein Traum.

Ich sah mich um und versuchte, die versteckte Kamera zu entdecken, weil ich sicher war, dass das eine Art Streich war. Die Stadt New York würde niemals jemand so schönes frei herumlaufen lassen. Das könnte eine Panik auslösen.

Die zwei, die gemeinsam mit mir vor sich hin gestarrt hatten, hatten sich bereits angestellt, daher war es Zeit, zuzuschlagen, bevor jemand anderer Anspruch auf ihn erhob. Ich richtete mich zu meiner vollen Größe auf und war froh, dass ich mich heute Morgen für ein legeres, aber sexy Outfit entschieden hatte. Ein seidiges Sommerkleid, das teils einem Überwurf für einen Bikini ähnelte, teils einem Nachthemd, und vollkommen sexy war. Ich warf mein Haar über die Schulter, atmete tief ein und stolzierte hinüber zu seinem Stand. Ich wartete in der Schlange und sah mir seine Ware an. Ich war überzeugt, dass wir noch vor Mittag in der Horizontalen enden würden. Ich probierte ein paar der Proben, die er vorsorglich für seine Kunden zur Verfügung gestellt hatte. Ich schmeckte den süßen grünen Klee im buttrigen Camembert, etwas köstlich Dunkles im Stilton und wurde regelrecht überwältigt von seinem starken Cheddar, bevor ich mich für einen wunderbaren Brie entschied. Ich war überzeugt, dass wir noch vor Mitternacht in der Vertikalen enden würden.

Ich beobachtete und lauschte, wie er mit seinen Kunden umging, und erhielt hier und dort ein paar Hinweise auf den Mann. Er gab den Ton an, war nachdrücklich, knapp an Worten, aber dafür umso länger damit beschäftigt, zu grübeln, und meilenweit davon entfernt, ein geborener Verkäufer zu sein. Seine Produkte mussten gut genug sein, um für sich selbst einzustehen, weil er offensichtlich niemanden mit seinen Konversationsfähigkeiten überzeugte. Sollte ich offensiv beginnen und ihn überfahren? Oder eher sanft und nachgiebig, weil er vielleicht ein sanftes, süßes Mädchen bevorzugte, das sich im Bett in eine Verrückte verwandelte?

Egal. Denn je näher ich ihm kam, desto stärker wurde etwas ganz Seltsames. Meine Haut fühlte sich heiß an, meine Knie zitterten, und mein Herz hüpfte in meiner Brust. Ich war als nächstes an der Reihe – was sollte ich sagen? Ich versuchte, meinen Herzschlag zu beruhigen, den Schmetterlingen in mir Einhalt zu gebieten, weil es Zeit wurde, sich diesen Kerl zu schnappen. Aber dann sah er mich an, diese wunderschönen blauen, durchdringenden Augen, und er sah an mir hinab und wieder hinauf. Er hob (anerkennend? Bewundernd? Sexuell frustriert?) die Augenbraue mit der Narbe und sagte nur ein Wort.

„Brie?“

„Oh. Ja“, flüsterte ich, weil ich mich nicht traute, lauter zu sprechen. Er nickte, packte mir ein Stück ein und reichte es mir. Einen Moment, einen glorreichen, mit Feuerwerk gefüllten Moment strichen seine Finger über meine.

Geistig bestellte ich Hochzeitseinladungen.

„Zahlen müssen Sie dort drüben an der Kasse“, sagte er und nickte in die Richtung.

Als er an mir vorbei zum nächsten Kunden sah, erinnerte ich mich auf einmal daran, dass ich Beine hatte. Und Brüste. Und einen wunderbaren runden Hintern. Ich erinnerte mich daran, wie man die Kontrolle übernahm und in die Horizontale kam. Aber er schenkte mir nur noch einen weiteren Blick, und obwohl er eindeutig auf meine Beine gerichtet war, war er mit mir fertig. Ich schüttelte den Kopf, um ihn freizubekommen, schaffte es irgendwie zur Kasse und zahlte für meinen Brie.

Also dieser Kerl. Ich erlaubte mir einen kurzen Blick über die Schulter, sah, wie seine graublauen Augen noch einmal in meine Richtung blitzten, und fühlte sie am ganzen Körper.

Aber ich ging, den Brie in der Hand und nichts sonst.

Wieder daheim fing ich an, für den nächsten Samstag vorzuplanen. Und den Samstag danach. Und … Ja, das Muster war wohl deutlich erkennbar. Denn eine Woche nach der anderen, einen Käse nach dem anderen verlor ich immer wieder den Mut und meine Fähigkeiten, sobald er mich ansah und durch mich hindurch sah.

„Brie?“, würde er fragen, und ich würde sagen: „Oh, ja.“ Er packte ihn ein, ich ging auf zittrigen Beinen weg, und unsere gemeinsame Zeit war beendet, bis auf die ausgesprochen lüsternen Fantasien, die ich jeden Tag hatte, während ich abzählte, wie viele Tage ich noch warten musste, bevor ich ihn wieder sehen konnte.

Das hier ging über Schwärmerei hinaus. Das hier war mehr als ein schnelles, nacktes Gerangel hinter dem Molkereiwagen. Das hier trieb mich in den Wahnsinn.

Und ich würde ihn morgen sehen!

Ich ließ mich auf das Sofa fallen, quietschte auf und wackelte wie eine Grille mit den Beinen in der Luft.

Kapitel 2

Mein Tagesablauf samstags am Morgen war in Stein gemeißelt. Ich stand immer früh auf, ging zu meinem BAR-Methoden-Unterricht – halb Ballett, halb Yoga und vollkommen Hardcore –, holte meine Sachen aus der Reinigung und einen Smoothie, dann ging ich heim, um zu duschen. Und mich anzuziehen. Und herumzustolzieren. Für Brie. Aber irgendwann zwischen der Dusche und dem Brie kam Roxie.

„Mein Mädel, wie geht es den Gemüsestangen?“, fragte ich und ließ mich mit meiner Beeren-Bananen-Mischung auf das Sofa fallen.

„Wie geht es den Sirenen?“, erwiderte sie. Das war jede Woche ihre Antwort. Sie war seit Jahren meine beste Freundin, und wir hatten uns angewöhnt, öfter miteinander zu reden, nun, da sie wieder an der richtigen Küste lebte und nur neunzig Minuten mit dem Zug oben im Hudson Valley lebte. Wir waren uns immer nahe gestanden, aber da wir jetzt näher zusammen lebten, war unsere Freundschaft tiefer geworden, und jetzt freute ich mich auf unsere wöchentlichen Samstagmorgen-Anrufe. Ich verbrachte eine ähnliche Stunde am Sonntagmorgen mit unserer anderen besten Freundin Clara, wenn sie sich in derselben Zeitzone befand. Sie war eine Markenspezialistin für Luxushotels und daher häufig geschäftlich außer Landes.

„Wieso hast du mir noch keinen deiner Kokosnusskuchen hergeschickt? Meine Türschwelle ist verdächtig leer, und es gibt kein Zombie-Cake-Carepaket. Bei wem muss ich mich deshalb beschweren?“, neckte ich sie, schlüpfte aus den Sneakers und betrachtete meine Pediküre. Ich sollte am Nachmittag wegen einer Auffrischung einen Termin machen.

„Bei der Lady, die die Debitorenkonten verwaltet, und das wäre ich. Sobald du einen Kuchen kaufst, bekommst du einen. So einfach ist das.“ Sie lachte. „Ich bringe hier ein Geschäft zum Laufen. Ich kann doch meinen Gewinn nicht einfach weggeben.“

„Also kann ich einen kaufen?“

„Klar. Der kostet fünfundfünfzig Dollar plus Versand.“

Ich rollte mit den Augen. Roxie hatte vor kurzem den alten Airstream-Trailer ihres Großvaters in einen Food-Truck in ihrer Heimatstadt Bailey Falls verwandelt. Sie machte sich bereits einen Namen im Hudson Valley und brachte ihre Produkte sogar manchmal in die Stadt. Es dauerte natürlich, bis man ein Geschäft aufgebaut hatte, aber sie machte es genau richtig. Sie hatte klein begonnen, und dank ein wenig Führung meinerseits in Sachen Marketing rockte sie die Hütte. Ihre Kuchen waren unglaublich lecker und auf nostalgische Art altmodisch – eine großartige Kombination.

„Wie war deine Woche?“, fragte sie, was mich aus meinen Gedanken riss.

„Gut. Ich habe einen neuen Kunden an Land gezogen und bei ein paar anderen Kampagnen mitgewirkt. Nichts besonders aufregendes. Und bei dir?“

„Da hier gerade Erntezeit ist, ist es ziemlich chaotisch. Leo dreht durch. Aber du wirst stolz auf mich sein. Ich habe gelernt, wie man ein Rathaus aus Gips herstellt.“

„Für Pollys Unterricht?“ Ich grinste, weil sich Roxies Leben innerhalb eines Sommers komplett verändert hatte. Sie war heimgekommen, um ihrer Mutter mit dem Familien-Diner zu helfen, und hatte sich am Ende in einen ortsansässigen Farmer verliebt, der eine siebenjährige Tochter hatte. Sie war vollkommen verliebt in ihr neues Leben.

„Genau. Sie bauen Bailey Falls nach, und wir haben die Exekutive übernommen.“

„Klingt ja aufregend“, sagte ich trocken.

„Ich bin froh, dass sie nicht den Wasserturm erhalten hat, weil der wirklich schwierig gewesen wäre.“

Und einfach so verändert sich das Leben um einen herum. Wir sind erwachsen geworden.

„Leo hat das erste Rathaus ruiniert. Es war alles fertig und bereit für die Schule am nächsten Morgen, als er sich in meinem Slip verheddert hat, was uns beide ins Straucheln brachte. Dann sind wir umgefallen, sodass ich mit dem Hintern voran ins Kuppelgewölbe gefallen bin. Wir sind die ganze Nacht wach gewesen, um eine neue zu machen.“

Und einfach so wird einem klar, dass sich im Grunde nichts wirklich ändert.

„Genug von Hintertupfingen. Hast du in nächster Zeit eine Reise in die Stadt geplant?“, fragte ich und schwenkte wie jede Woche die Stadt-Karotte vor ihrer Nase.

„Bisher noch nicht. Kommst du bald mal zu Besuch zu mir?“, fragte sie, obwohl sie die Antwort bereits kannte.

„Du bist putzig“, sagte ich schmunzelnd, trank meinen Smoothie aus und stand auf, um den Becher in der Küche wegzuwerfen. „In der ersten Novemberwoche gibt es hier ein großes Food-Festival. Du solltest versuchen, deine Kuchen dort zu verkaufen, weil da ein Haufen Gourmets dabei sind.“

„Schick mir die Details, und ich gucke, was ich tun kann. Apropos Essen. Wirst du diese Woche Oscar endlich ansprechen?“

„Psst.“

„Erklär mir das noch mal, bitte“, sagte sie. Sie klang ungläubig. „Ich habe gesehen, wie dir sämtliche Kerle dieses Planeten wortwörtlich aus der Hand fressen, und du kannst nicht mit Oscar dem Grummeligen sprechen?“

„Er hat mir nicht aus der Hand gefressen.“

„Er hat dir Oliven von den Fingerspitzen geleckt und hat sich dafür hingekniet. In einer Bar, um Himmels willen.“

Ich kicherte. Ja, hatte er. Yuri. Er hatte gesagt, dass er ein russischer Mafioso wäre, aber er war nicht so hart gewesen. Ich hatte meine Zunge in sein Ohr geschoben, ihm zugeflüstert, was er mit mir anstellen könne, wenn er es richtig anstellte, und … wow. Er hatte mir wirklich aus der Hand gefressen.

„Ich verstehe nicht, warum dich dieser Kerl so durchdrehen lässt! Offensichtlich hat er dieses grüblerische Bad-Boy-Sexgott-Ding am Laufen, aber …“

„Hör sofort damit auf, weil das reicht, um mich durchdrehen zu lassen“, unterbrach ich sie, weil meine Augen anfingen, zu schielen.

„Weißt du, wenn du zu Besuch herkommen würdest, könnte ich ganz einfach ein Treffen …“ Sie wurde leiser, bereits im Planungsmodus.

„Nein! Ich kann nicht, nein!“

„Warum in aller Welt nicht?“

Das war eine gute Frage. Warum ergriff ich diese Gelegenheit nicht beim Schopf?

„Wenn ich zu dir komme und ihn sehe, und wir über Käse oder was auch immer dann als Thema aufkommt reden, ist es, als ob … Keine Ahnung. Dann ändert sich was.“

„Ja. Dann bringen wir diese ganze Scheiße über diese Chaos-im-Hirn-Phase hinaus“, sagte sie.

„Genau! Was, wenn er, sobald wir anfangen, uns zu unterhalten, nicht länger für Chaos in meinem Hirn sorgt? Was, wenn hinter all dem Gold, sobald ich ihn kennenlerne, kein Grrr verborgen ist? Was, wenn …“ Ich musste mich setzen, um das überhaupt laut aussprechen zu können. „Was, wenn er ein winzig kleines Dingelchen hat?“

Ich hörte sie tief einatmen.

„Tja, dann würde Clara sich einen Zug nehmen, und wir würden. Dir. Da. Hindurch. Helfen!“ Es klang, als ob sie jeden Moment ersticken würde.

„Lachst du mich gerade aus?“, fragte ich und kniff die Augen zusammen.

„Nein, nie im Leben“, sagte sie und hustete seltsam.

„Du lachst mich doch aus, du fieses Weib!“, rief ich.

„Ich kann es nicht fassen, dass das dein Ernst ist! Ein winzig kleines Dingelchen? Ich bin mir ziemlich sicher, dass Oscar die Mutter aller Milchkannen in der Hose hat …“

„Ohh, wirklich?“ Ich entspannte mich auf der Couch und krümmte mich wie eine Katze. Mein winzig kleiner Angstzustand trat in den Hintergrund.

„Man sollte dich einweisen“, sagte sie. Wahrscheinlich schüttelte sie gerade den Kopf. „Aber ehrlich, du solltest darüber nachdenken, ob du nicht herkommst und das alles auf die nächste Ebene bringst.“

„Mir gefällt diese Ebene. Ich kenne diese Ebene.“ Ich kaute auf meinem Pferdeschwanz herum.

„Aber das macht keinen Sinn! Du solltest diesen Kerl sicher haben, ihn umhauen – und du kannst nicht mal mit ihm reden? Hilf mir mal, da Sinn reinzubringen.“

Ich dachte eine Minute lang nach. Sie fragte mich das fast jedes Wochenende, und jedes Wochenende sagte ich, dass ich es nicht wusste. Ich wusste es nicht, und das war die Wahrheit.

„Ich wünschte, ich wüsste es, Roxie. Irgendwie fliegt alles, was ich über Männer weiß, in der Sekunde aus meinem Hirn, wenn ich ihn sehe. Er hat einfach irgendwas an sich.“

„Okay, was hast du diese Woche an?“, fragte sie. Wir hatten die üblichen Diskussionen erledigt und gingen nun zu den Mädchenthemen über.

Nachdem ich aufgelegt hatte, ging ich in meiner Wohnung herum. Ich fühlte mich rastlos. Ich legte etwas Wäsche zusammen, putzte ein paar meiner Schuhe, aber den Großteil der Zeit marschierte ich umher. Ich umkreiste ein paar Mal die Küche und endete schließlich neben einem Schrank, der fast hinter dem Mülleimer versteckt war.

In diesem Schrank befand sich meine geheime Welt, die ich mit niemandem teilte. Dieses Stadtmädchen … liebte das Land.

Streichen wir das. Liebte die Vorstellung des Landlebens.

Jahrelang hatte ich Bilder aus Magazinen ausgeschnitten und stellte mir immer ein Kleinstadt-Americana zu seinen besten Zeiten vor. Stadtplätze mit Ententeichen und Pferdestangen. Heufahrten, Wäsche, die an einer Leine ging, Küchengärten und hausgemachte Fruchtpastete.

Ich hatte diesen Traum, dass ich eines Tages, irgendwann in der Zukunft, all das hier hinter mir lassen und auf dem Land leben würde. Wild und frei, in bequemen Overalls und bequemen alten Arbeitsstiefeln und neben einer Kiesstraße Blaubeeren pflückte, einen Hund an meiner Seite. Ich kannte sogar das Lied, das dieses kleine Blaubeerabenteuer begleiten würde: Dust Down a Country Road von John Hiatt.

Ich hatte wirklich einen Soundtrack für alles.

Genau gesagt träumte ich heimlich von dem einen Tag, an dem ich meine Karriere in der Werbung hinter mir lassen könnte, um Käse herzustellen. Das ist die Wahrheit. Ich hatte keine Ahnung von dem eigentlichen Prozess, aber in meinem Kopf war alles sehr romantisch und niedlich, nur ich und meine Kühe und Reihen von sauberen kleinen Käserädern.

Ich hatte dieser 3D-Version eines Vision-Boards einen ganzen Schrank gewidmet, den ich immer dann besuchte, wenn ich mich besonders tagträumerisch fühlte oder die Stadt besonders harsch mit mir umgegangen war.

Zehn Minuten in meinen Schrank zu sehen war so gut wie eine Stunde Therapie, selbst wenn ich niemals offen zu meiner Liebe gegenüber allen Dingen stehen würde, die mit dem Landleben zu tun hatten – das ich nie selbst geführt, aber mir tausende Male vorgestellt hatte.

Ich sah auf die Uhr, und mein Herz hüpfte ein wenig, als ich sah, dass es fast an der Zeit war, meinen Molkereigott zu besuchen.

Stolzieren, stolzieren. Einfach nur stolzieren, ohne mir groß darüber Gedanken zu machen. Hier komme ich. Genau genommen:

Here I go again, on my own …