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Buch

Die römischen Legionen haben die britannischen Barbarenhorden von Häuptling Calgus in einer großen Schlacht vernichtend geschlagen. Doch zuvor konnte Calgus Tribun Rufius, den römischen Befehlshaber, erschlagen und fliehen. Marcus Valerius, genannt Zwei-Klingen, folgt dem Häuptling mit einigen Männern, um den Tod seines Freundes zu rächen.

Dabei ahnt er nicht, dass er selbst gejagt wird. Prätorianerpräfekt Perennis, der Vater eines Verräters, den Marcus Valerius getötet hat, sinnt auf Rache und hat ihm eine Horde Meuchelmörder hinterhergesandt. Tief im Feindesland – in der Festung der Tausend Speere – treffen Jäger und Gejagte endlich aufeinander. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt …

Autor

Anthony Riches hat einen Abschluss in Militärgeschichte von der Manchester University. Nach dem Studium arbeitete er 25 Jahre für eine Reihe von Großkonzernen in aller Welt, bevor er sich mit Aufträgen in Europa, USA, dem Mittleren und dem Fernen Osten selbstständig machte. Er lebt mit seiner Frau Helen und drei Kindern in Hertfordshire.

Von Anthony Riches bereits erschienen:

Die Ehre der Legion

Schwerter des Zorns

Die Festung der Tausend Speere

Weitere Titel in Vorbereitung

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ANTHONY RICHES

DIE FESTUNG

DER

TAUSEND

SPEERE

Deutsch von Wolfgang Thon

Die Originalausgabe erschien 2011 unter dem Titel

»Fortress of Spears (Empire 3)« bei Hodder & Stoughton, London.

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1. Auflage

Copyright der Originalausgabe © 2011 by Anthony Riches

Copyright der deutschsprachigen Ausgabe © 2018 by Blanvalet

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Redaktion: Alexander Groß

Umschlaggestaltung: www.buerosued.de

Umschlagmotiv: © Nik Keevil/Trevillion Images

HK · Herstellung: sam

Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach

ISBN 978-3-641-21266-7
V002

www.blanvalet.de

Für John, Katie und Nick

Prolog

Rom, August, 182 n. Chr.

Der erste der beiden jungen Leibwächter des Senators starb langsam. Er erstickte auf dem Pflaster und hatte sein Schwert nur halb aus der Scheide herausbekommen. Er starrte mit hervorquellenden Augen zu seinem Mörder hoch, während dieser sich von ihm abwandte, seinen Gladius zückte und den jüngeren Mann mit einem finsteren Grinsen ansah. Er war aus einem Seitengang auf die Straße gekommen, in der es plötzlich so still wurde, dass es gereicht hätte, um einen erfahrenen Mann zu warnen, und hatte dem gedienten Soldaten derart schnell die Faust gegen die Kehle geschlagen, dass der Leibwächter erst hinterher merkte, dass er angegriffen worden war. Der Senator und sein verbliebener Beschützer fielen ein paar Schritte zurück, und beide Männer beobachteten verblüfft ihren Begleiter, der sich im Todeskampf wand und um sich trat.

Nach dem Mörder kam ein weiterer Mann aus dem dunklen Seitengang. Er lehnte sich in der Wärme des Spätnachmittags gegen eine Ladenwand und setzte eine gelangweilte Miene auf. Während der Mörder des Leibwächters eine kräftige Statur und muskelbepackte Arme hatte, war der Mann, der ihn begleitete, groß und schmal. Er hatte eine angenehme Stimme, so weich, dass sie fast beruhigend wirkte.

»Sei gegrüßt, Tiberius Sulpicius Quirinius. Vergib mir, aber ich habe das Gefühl, du hast heute bei der Wahl deiner Beschützer einen Fehlgriff getan. Ausgediente Soldaten einzustellen ist schön und gut, die kennen sich meistens hervorragend damit aus, Speere gegen Barbaren zu schleudern, aber die Gefahren der Straße kennen sie nicht, wie dein Mann hier bewiesen hat. Und was man spart, wenn man einen Knaben dafür bezahlt, die Arbeit eines Mannes zu verrichten, ist oft weit weniger als der Preis, den man am Ende dafür zahlen muss. Bist du nicht auch meiner Meinung, Senator Quirinius, nachdem du es gewagt hast, nur von diesen beiden Unschuldigen geschützt, ins raue Viertel Subura zu kommen?«

Der bäuchlings auf dem Boden liegende Leibwächter zitterte, als er ein letztes Mal verzweifelt versuchte, durch seine eingedrückte Luftröhre zu atmen, und sackte dann reglos auf die Steine. Quirinius richtete sich auf und blickte den größeren der beiden Männer mit einem Selbstbewusstsein an, das er bei weitem nicht empfand.

»Was in des Hades’ Namen bildet ihr euch ein? Wer seid ihr, einen unbewaffneten Senator Roms auf offener Straße anzugreifen?«

Der dünne Mann setzte ein breites Grinsen auf und breitete die Arme wie zum Gruß aus. »Wer ich bin, Senator? Ich bin Tiberius Varius Excingus, und ich bin außerdem Frumentarius und in einem Geheimauftrag für den Kaiser unterwegs. Das hier ist mein Kamerad Quintus Sestius Rapax. Er ist ein Prätorianeroffizier, ob du’s glaubst oder nicht, und er hat nicht mal nach seiner wohlverdienten Beförderung zum Zenturio die Lust am Töten verloren. Und was wir hier treiben? Nun, du magst ja ein Senator sein, aber du bist offenbar noch grün hinter den Ohren, sonst wärst du in den letzten paar Stunden ein wenig vorsichtiger gewesen.«

Der Blick des Prätorianers war hellwach und berechnend, als er vor den zweiten Leibwächter trat. Er nickte dem Knaben zu, der kaum älter als fünfzehn zu sein schien, dann deutete er mit dem Schwert nach hinten zu den Uniformierten, die am anderen Ende der Straße unliebsame Zeugen fernhielten. Seine Stimme war rau von den Jahren, in denen er auf Exerzierplätzen Befehle gebrüllt hatte.

»Anscheinend willst du wirklich kämpfen, Junge, wie? Du kannst dich noch retten, wenn du jetzt wegläufst. Meine Männer werden dich durchlassen, wenn du das Schwert fallen lässt und gehst.« Er wartete und beobachtete die widerstreitenden Gefühle im Gesicht des Knaben. »Du willst nicht?« Der junge Leibwächter schüttelte den Kopf. Er hatte die Augen weit aufgerissen und war sichtlich verängstigt. Aber entweder wollte er es wirklich nicht, oder er vermochte es einfach nicht, sich umzudrehen und wegzulaufen. Der Prätorianer lachte leise. »Auch gut. Wahrscheinlich hätten sie dich sowieso getötet, und sei es auch nur zum Spaß – oder einfach weil du mein Gesicht gesehen hast. Und du, Senator, willst du nicht selbst in den Kampf eingreifen? Ich vermute, du hast keine Waffe. Nur ein Narr wäre ohne irgendeine Waffe in eine Falle wie diese hineingelaufen, aber ich schätze, es ist ein bisschen zu spät für dich, um darüber nachzudenken …«

Er sprang vorwärts, schlug das erhobene Schwert des Knaben mit seinem eigenen zur Seite und schmetterte ihm die geballte Faust ins Gesicht, so fest, dass er ihm die Nase brach. Dann rammte er das Schwert in die Brust seines hilflosen Opfers, bevor der Junge sich von dem Schlag erholen konnte. Er fiel auf den Rücken, und eine Blutlache breitete sich rasch unter ihm aus. Der Senator sah sich um und suchte nach einer Fluchtmöglichkeit, doch die Läden entlang der Straße waren geschlossen, und der Mörder schlenderte auf ihn zu. Der größere der beiden Männer ergriff nun wieder das Wort. Er kam gelassen über das Straßenpflaster, bis er dem Senator so nah war, dass er die feine Narbe erkannte, die dessen linke Gesichtshälfte zierte.

»Die schlechte Nachricht ist, Senator, dass du mit deiner losen Zunge nicht nur deinen eigenen Untergang besiegelt hast, und ich fürchte, dass sich der Schaden nicht auf diese beiden bedauernswerten Individuen beschränken wird. Wie ich höre, hast du eine junge Frau und einen kleinen Sohn, deshalb wird uns unser nächster Einsatz leider zu diesen beiden führen. Du hast auch Schwestern, soweit ich weiß. Du kannst mir glauben, Senator, wenn sich der Thron entscheidet, eine Bedrohung auszuschalten, dann tut er es so gründlich, dass niemand am Leben bleibt, der eines Tages vielleicht auf Rache sinnen könnte.«

Quirinius breitete die Hände aus; seine Stimme zitterte vor Verzweiflung. »Könnte ich nicht …?«

»Uns bestechen? Dafür hast du nicht genug Geld, Senator. Willst du an mein gutes Herz appellieren? Ich bin mir nicht sicher, ob ich eins habe, aber ich kann dir versichern, dass mein Kamerad Rapax hier mit Sicherheit keines hat. Er liebt diese kleinen Zerstreuungen viel zu sehr, um noch etwas Anstand übrig zu haben. Nein, Senator, die Möglichkeit, dir alles noch einmal gründlich zu überlegen, hattest du, bevor du in die Amtsstube des Prätorianerpräfekten Perennis gegangen bist, um ihm deine Geschichte vom Tod seines Sohnes aufzutischen und zu berichten, wer genau ihn getötet haben soll. Ich fürchte, du hast allzu unüberlegt hinausposaunt, dass der flüchtige Marcus Valerius Aquila der Mörder ist und sich mit einer Hilfskohorte von Tungrern unter dem Namen Marcus Tribulus Corvus im nördlichen Britannien verbirgt.«

Rapax trat näher an den jungen Adligen heran, grinste ihm ins Gesicht und schaute dann hinunter auf die Urinpfütze, die sich um seine Füße ausbreitete. Er schüttelte den Kopf, und seine Stimme war ein heiseres Knurren, das ein wenig verärgert wirkte. »Jetzt reiß dich mal zusammen, Junge. Ein Mann sollte in Würde vor seine Götter treten.«

Der Senator starrte hilflos in das versteinerte Gesicht des Mörders. Seine Knie zitterten, denn er wusste, dass er gleich sterben würde. Der Prätorianer hob das Schwert und stieß es in den Übergang der Schulter zum Hals, dann sah er unbewegt zu, wie Quirinius auf das Kopfsteinpflaster sank. Das Leben erlosch in seinen Augen, Blut strömte aus der Arterie, die Rapax aufgeschlitzt hatte, an seiner Toga hinunter und färbte das weiße Leinen purpurrot.

Excingus schüttelte traurig den Kopf. »Es ist erstaunlich, wie viele Menschen ein einzelner Mann mit ein paar unbedachten Worten zum Tode verurteilen kann. Ich hoffe, du hast noch genug Energie, Kamerad, denn ich fürchte, wir haben einen langen Abend vor uns.«