Nr. 11

 

Flotte der Robotraumer

 

Perry Rhodan soll befreit werden – ein Roboter entscheidet über sein Schicksal

 

Michael Marcus Thurner

 

 

 

Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt

 

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Kostin Shalaufdag

2. Gucky

3. Kostin Shalaufdag

4. Bain Gherma

5. Kostin Shalaufdag

6. Falk Anrin

7. Kostin Shalaufdag

8. Falk Anrin

9. Kostin Shalaufdag

10. Bain Gherma

11. Perry Rhodan

12. Talin Buff

13. Perry Rhodan

14. Falk Anrin

15. Perry Rhodan

16. Piri Harper

17. Perry Rhodan

Lesermagazin

Impressum

PERRY RHODAN – die Serie

 

Das Jahr 1550 Neuer Galaktischer Zeitrechnung: Seit über 3000 Jahren reisen die Menschen zu den Sternen. Sie haben zahlreiche Planeten besiedelt und sind faszinierenden Fremdvölkern begegnet. Sie haben Freunde ebenso wie Gegner gefunden, streben nach Verständigung und Kooperation.

Besonders Perry Rhodan, der die Menschheit von Beginn an ins All geleitet hat, steht im Zentrum dieser Bemühungen. Mit der Gründung der Liga Freier Galaktiker tragen diese Bestrebungen inzwischen Früchte. Eine neue Ära des Friedens bricht an.

Aber nicht alle Gruppierungen in der Milchstraße sind mit den aktuellen Verhältnissen zufrieden – besonders die Tefroder hegen eigene Pläne. Rhodan wird in diese Aktivitäten verwickelt, als er zur Museumswelt Shoraz reist.

Perry Rhodan wird gefangen genommen und kämpft für seine Freiheit. Auf Olymp kann Onara Gholad den Kaiser zwingen, den Beitrittsvertrag zum Sternenreich der Tefroder zu unterzeichnen. Die Tefroderin sieht sich schon am Ziel ihrer unheilvollen Pläne. Aber Sichu Dorksteiger und Gucky entsenden nun die FLOTTE DER ROBOTRAUMER ...

Die Hauptpersonen des Romans

 

 

Perry Rhodan – Der Terraner ringt mit dem Tod.

Mahé Elesa und Ypheris Bogyr – Die Mitgefangenen bedrohen Bonsais.

Gucky – Der Mausbiber entsendet eine Flotte.

Netming-3 – Der Roboter erweist sich als Held der Stunde.

Talin Buff – Der Rospaner ergreift die Initiative.

1.

Kostin Shalaufdag

 

Soso. Die Gefangenen 107 und 1009 brauchten ihn also. Sie waren auf seine Hilfe angewiesen. Sie wollten, dass er ihnen ein Raumschiff besorgte.

Natürlich. Er war der Direktor der Gefangenentrakte auf Adarem. Die beiden mussten annehmen, dass er über Kompetenz und Macht verfügte. Sie ahnten nicht, wie sehr er sich selbst als Insasse dieser grässlichen Institution fühlte.

»Lasst uns verhandeln!«, sagte Kostin Shalaufdag, ließ sich auf seinen Platz hinter dem Schreibtisch plumpsen und schlug die Beine übereinander. »Möglicherweise kann ich euch einen Raumer für die Flucht besorgen. Was bekomme ich dafür?«

»Du darfst weiterleben«, antwortete Mahé Elesa.

»Das ist ein bisschen wenig.«

»Du darfst weiterleben, und zwar in einem Stück«, ergänzte 1009, kam auf Shalaufdag zu und zog ihn hoch, als wäre er ein Sack aufgequollenes Bonsailaub. »Glaubst du ernsthaft, wir würden uns auf Verhandlungen mit dir einlassen, du mieses Stück Dreck?«

Shalaufdag strampelte und keuchte. Der Mann besaß Kräfte, gegen die er nicht ankam. »Lass mich los!«, stammelte er. »Bitte!« Er unterdrückte die aufsteigende Panik. Er war zu weit gegangen, hatte die Gefahr unterschätzt.

Der Häftling ließ ihn los. Shalaufdag kam schwer auf seinen Füßen auf und stolperte rücklings. Er fing sich gerade noch rechtzeitig ab, bevor er auf den Mirabethas landete, einer seiner Lieblingskulturen aus dem akonischen Bonsaizuchtkreis.

Er hob abwehrend die Hände, als der Mann erneut näher rückte. »Schon gut, schon gut«, sagte er. »Ich helfe euch, so gut ich kann.«

Gefangener 1009 hielt inne, die Frau trat neben ihn. »Ich wusste doch, dass man vernünftig mit dir reden kann.«

Shalaufdag wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er musste beizeiten die Klimaanlage regulieren. Zu viel Luftfeuchtigkeit würde seinen Pflanzen schaden, und vermutlich spürten sie die aggressive Stimmung im Raum. Manche der Bonsais reagierten äußerst sensibel auf Veränderungen der Umwelt.

Shalaufdag nahm all seinen Mut zusammen. »Es gibt kein Schiff, auf das ich Zugriff hätte. Adarem ist isoliert. Und das aus gutem Grund.«

»Damit niemand im Fall einer Revolte von hier entkommen kann«, sponn 107 seinen Gedanken weiter. »Ihr Wächter sitzt genauso fest wie wir Gefangene.«

»Richtig.«

»Aber ihr werdet abgelöst. Ihr bekommt Proviant, Ersatzteile, Reservevorräte. Dies alles geschieht mit Zubringern. Außerdem wird jemand nachschauen kommen, nachdem wir den Funkverkehr blockiert haben.«

Shalaufdag nickte tapfer. »Richtig. Aber das ist euer Todesurteil. Sobald sie weiß, dass auf Adarem etwas schiefläuft, wird sie dafür sorgen, dass die Ordnung wiederhergestellt wird. Sie wird einen Trupp kampferprobter Infanteristen schicken. Solche, die sich hauptberuflich mit Leuten wie euch beschäftigen. Ihr wisst, von wem ich spreche? Im Gefängnistrakt gibt es viele Legenden über sie. Onara Gholad, die Kommandantin der tefrodischen Flotte über Olymp. Ja, ich sehe schon, ihr habt von ihr gehört.«

»Mag sein«, erwiderte 107 mit kaltem Blick. »Aber dir ist klar, dass es im Fall des Falles Opfer geben wird? Auch unbeteiligte. Solche wie dich, zum Beispiel.«

Warum musste sie das so deutlich aussprechen? Shalaufdag mochte die Opferrolle ganz und gar nicht. Er sah sich viel lieber als Sohn einer Familie mit viel Historie und wenig Reichtümern, der alles unternahm, um dem Namen der Shalaufdags gerecht zu werden. Und dieses alles bedeutete in diesem Fall: möglichst wenig aufzufallen und möglichst viele Vorteile aus einer Situation zu ziehen.

Onara Gholad war erbarmungslos zu ihren Untergebenen. Sie schluckte Tefroder wie ihn, kaute auf ihnen herum und spuckte sie wieder aus, sobald der gute Geschmack verflogen war.

»So ... So kommen wir nicht weiter«, stotterte Shalaufdag. »Ihr habt keine Chance, zu entkommen. Gebt auf, und wir vergessen die ganze Angelegenheit. Ich schwöre euch, dass ich kein Wort darüber verlieren werde, wenn ihr jetzt gleich wieder in euren Trakt zurückkehrt und ...«

»Darf ich ihn schlagen, Ypheris?«, unterbrach ihn 107 und wandte sich ihrem verbrecherischen Partner zu. »Bitte, bitte, nur ein ganz klein wenig. Ich mache ihn auch ganz gewiss nicht kaputt.«

»Noch vor zwei Minuten wolltest du mich daran hindern, Mahé.«

»Jede Sekunde, die ich diesem aufgeblasenen Fettsack länger zuhören muss, ist eine Qual. Vielleicht helfen ein paar Ohrfeigen, damit er begreift, wie prekär die Lage für ihn tatsächlich ist.«

»Nicht schlagen! Wir sind doch zivilisierte Leute und finden eine Lösung. Wollt ihr zusätzliche Privilegien? Alkohol? Ein paar Mitgefangene, die sich um euer Wohlbefinden kümmern? Ich tue alles, wenn ihr mich nur in Ruhe lasst und von hier verschwindet.«

»Wo ist Perry Rhodan?«, fragte 1009, als hätte er nicht gehört, was Shalaufdag ihm vorgeschlagen hatte.

»Ich sagte doch, er befindet sich nicht mehr in meinem Verantwortungsbereich.«

»Es reicht.« 107 machte einen Schritt auf ihn zu und holte weit aus.

Shalaufdag duckte sich, wollte jammern, wollte um Erbarmen flehen ... Doch der Schlag galt nicht ihm. Die Gefangene schubste ihn beiseite, wandte sich seiner Sammlung aus dem akonischen Mirabethakreis zu, wischte drei der unendlich wertvollen Kulturen zu Boden, nahm eine vierte zur Hand – und riss den Miniaturbaum aus seinem Topf.

Einige winzige Pflegeroboter wurden abgeschüttelt wie Wanzen. Sie gaben zornig surrende Geräusche von sich, während sie davonflogen und auf dem Boden und dem Schreibtisch landeten.

Shalaufdags Herz drohte auszusetzen, als 107 die Blätter des Mirabethabaums abzupfte, filigrane Äste knickte und den Bonsai aus dem Nährboden zog.

Er hörte sich schreien, Tränen füllten seine Augen. Er wollte nicht glauben, was er da sah. Wie konnte ein Wesen derart skrupellos sein? 107 zerstörte das Ergebnis von fast eintausend Jahren Zucht. Blut, Schweiß und Tränen waren für diesen einen Baum geflossen. Und die Gefangene zerstörte ihn binnen weniger Sekunden.

107 warf die Reste achtlos zu Boden und griff zum nächsten Bonsai. Auch ihn tötete sie. Langsam und genussvoll.

»Ich wiederhole meine Frage«, sagte sie mit eisiger Stimme. »Wo befindet sich Perry Rhodan? Ich möchte, dass er augenblicklich hergebracht wird.«

»Ich komme nicht an ihn ran.« Shalaufdag warf sich auf den Boden. »Ich schwöre beim Leib meines Vaters, dass ich euch nicht helfen kann.« Er sammelte Äste und Wurzelwerk auf, legte alles sorgfältig auf dem Schreibtisch ab und machte sich auf die Suche nach weiteren Ästchen, die noch zu retten waren.

»Ich mache gern mit der ... hm ... Erntearbeit weiter, wenn du mir keine vernünftige Antwort gibst.« 107 griff nach dem nächsten Baum und schüttelte ihn wild durch. Winzige unreife Früchte fielen zu Boden.

»Er ist nicht mehr in den Gefangenentrakten, du herzloses Ding!«, schrie Shalaufdag. »Ich musste ihn an einen Kollegen übergeben.«

»An wen, bitte schön?«

»An den Direktor der Forschungsstation auf Adarem. Er bestand darauf, Rhodan in die Hände zu bekommen. Ich war ihm verpflichtet und konnte nicht Nein sagen.«

»Erzähl mir mehr über diese Forschungsstation!«, verlangte 1009.

War der Mann etwa verwundert? Hatte er geglaubt, dass Adarem ein einziges Gefängnis wäre? Oder wusste er Bescheid und wollte Shalaufdag lediglich testen?

»Gefangener Einszweidreidrei ist Teil eines Handels zwischen Adan Nibota und mir.«

»Adan wer?«

»Dem Direktor der Forschungseinrichtung. Er ist mir rangmäßig gleichgestellt, es gibt aber kaum Berührungspunkte. Er erledigt seine Arbeit, ich die meine.«

»Weiter!«, forderte 107 ihn auf.

»Nibota hat mir während der vergangenen Monate einige Gefälligkeiten erwiesen, also musste ich mich revanchieren, als er nach dem Gefangenen Einszweidreidrei fragte.«

»Wonach wird in dieser Station denn geforscht?«, hakte 1009 nach.

»Dies und das halt«, wich Shalaufdag einer direkten Antwort aus. »Ich beschäftige mich nicht weiter damit. Nibota bittet von Zeit zu Zeit darum, dass ich ihm einige Gefangene überstelle. Solche mit bestimmten körperlichen und geistigen Voraussetzungen.«

»Ihr macht Versuche mit ihnen«, sagte 107. Ihre Stimme klang rau. »Ich habe von Gefangenen gehört, die abgeholt wurden und niemals wieder auftauchten. Sie wurden gequält, gefoltert, getötet.«

»Das sind Mutmaßungen, Einsnullsieben. Ich weiß es ebenso wenig wie du. Ich frage nicht nach. Das sind Dinge, die mich nichts angehen. Mir ist an einem möglichst kollegialen Umgang mit Nibota gelegen.«

»Du hattest recht, Mahé. Dieser verfluchte Opportunist verdient eine kräftige Tracht Prügel.« An Shalaufdag gerichtet, sagte 1009: »Dir muss klar sein, was es für Auswirkungen hat, wenn der Liga-Kommissar und bedeutendste aller Unsterblichen auf Adarem zu Tode kommt?«

Shalaufdag entdeckte unter den vielen zerstörten Astleichen ein Exemplar mit kräftigen Trieben. Es sah vielversprechend aus. Er musste es unter der Lupe betrachten. Vielleicht konnte er dieses Überbleibsel der schändlichen Tat von 107 zum Stammbaum einer neuen Zuchtlinie werden lassen, die in zwei- oder dreihundert Jahren nach ihm benannt werden würde? Hatte ihm 107 vielleicht sogar einen Gefallen getan, als sie den Bonsai zerstört hatte?

»Rhodan ist ein Terraner wie jeder andere«, wiegelte Shalaufdag geistesabwesend ab. »Seine Verdienste sind umstritten. Er mag für sein Volk da oder dort Gutes getan haben. Aber wir Tefroder verdanken ihm gar nichts. Ganz im Gegenteil.«

»Ich werde mit dir nicht darüber streiten«, entgegnete 107. »Aber du wirst auf der Stelle herausfinden, wie es ihm geht und dafür sorgen, dass er zurückgebracht wird!«

»Du hörst nicht zu, Einsnullsieben ...«

»Ich habe einen Namen. Das sollte dir bekannt sein. Ich heiße Mahé Elesa.«

»Also Mahé. Ich habe keinen Einfluss darauf, was mit Rhodan weiter geschieht.«

»Weiß Onara Gholad von deinem Handel mit Adan Nibota? Ist die Verlegung von Rhodan in Nibotas Forschungsabteilung mit ihr abgesprochen gewesen?«

»Wie ich bereits sagte, gibt es Vereinbarungen zwischen Nibota und mir ...«

»Gholad hat also keine Ahnung davon. Du betreibst Geschäfte unter der Hand. Womöglich geht es um Bonsaisamen, die er dir besorgt hat. Oder um lukullische Spezialitäten, denen du zweifellos nicht abgeneigt bist.« Sie starrte offen und unverschämt auf sein kleines Genussbäuchlein. »Jetzt hast du tatsächlich ein Problem.«

Elesas Vermutungen gingen ins Leere. Nibota hatte weitaus mehr zu bieten als Pflanzen und schnöde Nahrungsmittel. In seiner Station gab es Ausschussware, die nicht mehr gebraucht wurde. Frauen, die die diversen Experimente nicht gut vertrugen und die Behandlungen nach einer Weile nur noch apathisch über sich ergehen ließen. Sie waren für Nibota ohne Wert.

»Ich ... Ich bin mir sicher, dass Onara Gholad Perry Rhodan nicht mehr benötigt. Er diente ihr als Druckmittel während einiger Verhandlungen. Mehr weiß ich nicht – aber ich kenne die Kommandantin. Sie setzt sich allein mithilfe von Drohungen durch. Und nun, da sie ihr Ziel erreicht hat ...«

»Welches Ziel?«

»Ach, es geht um Olymp.«

Shalaufdag konnte sich doch nicht jedes Detail dieses galaktopolitischen Hickhacks zwischen Vetris-Molaud und der Liga Freier Galaktiker merken. Was glaubte Mahé Elesa denn von ihm?

Er hatte mittlerweile alles vom Boden aufgesammelt, was ihm als rettenswert erschien. Das Ergebnis war bescheiden. Seine Augen waren tränennass. Oh, wie er diese Frau und ihren gewalttätigen Begleiter hasste!

»Du wirst Nibota anfunken und dafür sorgen, dass Rhodan zurückgeschafft wird!«, wiederholte Elesa und blickte vielsagend auf den Rest seiner Mirabethazucht.

»Unmöglich! Wir kommunizieren nicht. Der Austausch zwischen den beiden Abteilungen ist gemäß der hiesigen Vorschriften untersagt. Jede Kontaktaufnahme erfolgt nur indirekt und über Vertrauenspersonen.«

»Vertrauenspersonen welcher Art?« Elesa trat näher an Shalaufdag heran.

Er nahm ihre Ausdünstungen wahr. Er mochte Schweiß. Er kündete von Gefühlen. Von Erregung. Von Angst.

Diesmal allerdings, stellte Shalaufdag fest, roch er ebenfalls. Da half kein Bonsaifruchtextrakt, den er sich täglich auf die betroffenen Körperstellen träufelte.

»Es sind die Wächter«, antwortete er unwillig. »Es lässt sich nicht ganz vermeiden, dass es zu Kontakten kommt. Du weißt schon: Die verbotenen Früchte vom anderen Baum schmecken einfach besser ...«

»Komm uns nicht dauernd mit irgendwelchen Weisheiten daher!«, fuhr ihn 1009 an. »Einer deiner Vertrauensleute wird sofort mit der Forschungsabteilung Kontakt aufnehmen!«

Waren die beiden wahrhaftig so dumm? Begriffen sie nicht, dass es diffiziler und vorsichtiger Verhandlungen bedurfte, um die Lage auf Adarem im Gleichgewicht zu halten? Der eine durfte vom anderen nichts wissen, so hatte es der Oberbefehlshaber angeordnet. Schon der geringste Hauch eines Verdachts, dass Nibota und Shalaufdag einander kannten, würde zu Disziplinierungen und Versetzungen führen.

Vermutlich in eine Holzhütte auf einer Siedlerwelt im Hinterland des tefrodischen Imperiums. Shalaufdag würde mit der Vibroaxt Holz hacken und sich die zarten Finger ruinieren. Nein, seine Familie würde ganz und gar nicht stolz auf ihn sein.

Er erklärte den beiden Bonsaimördern die Probleme der Kontaktaufnahme. Er erzählte von den Nuancen der Diplomatie, von Nibotas Charakter, von den hiesigen Gepflogenheiten.

Sie glaubten ihm nicht.

»Versteht ihr denn nicht, dass das unmöglich klappt? Es braucht Vorbereitungszeit, einen Austausch von Noten, eine langsame Annäherung.«

»Du wirst einen Weg finden, das Verfahren abzukürzen«, sagte Elesa unbeeindruckt.

»Verflucht noch mal, Einsnullsieben! Da müsste ich schon selbst rübergehen und mit Nibota sprechen.«

Die Frau grinste. »Damit kommen wir der Sache schon näher.«

Kostin Shalaufdag spürte, wie ihm die Hitze ins Gesicht stieg. »Hast du nicht zugehört? Es wäre mein Ende! Onara Gholad würde es rausfinden und mich womöglich bei Vetris-Molaud persönlich verpetzen.«

»Deine Familie ist reich, nicht wahr? Sie hat Einfluss. Man würde dich auf eine hinterwäldlerische Welt versetzen, die womöglich schlimmer als Adarem ist, und dich einige Jahre schmoren lassen. Aber du würdest überleben.« 107 lächelte.

»Auf der anderen Seite steht das Ende all deiner Zuchtbemühungen. Stell dir jemanden vor, der so unsensibel wie ich ist und all deine wunderschönen Bonsaipflanzen vernichtet, eine nach der anderen. Kannst du dir das Brechen unzähliger winziger Äste vorstellen? Wie die Pflanzen vor Verzweiflung schreien, wenn jemand sie mit kochend heißem Wasser oder gar mit Chemikalien übergießt?«

»Das würdest du nicht wagen! So herzlos kann niemand sein, nicht einmal du.«

»Beschaff uns Perry Rhodan!«, forderte Mahé Elesa ultimativ. »Heil und in einem Stück. Oder ich zeige dir, wozu ich imstande bin.«

2.

Gucky

 

Er war so unendlich müde. Die zahlreichen Teleportationen, die er während der zurückliegenden Stunden absolviert hatte, hatten ihn an den Rand eines körperlichen Zusammenbruchs gebracht. Dazu kam die kräfteraubende Wirkung, der er auf Shoraz und insbesondere in der Nähe der Shoziden-Box ausgesetzt gewesen war.

»Wie kommst du voran?«, fragte er Karim Balthasar, der den Kopf schräg geneigt hielt. »Die Robotraumer feuern immer noch um sich.«

Der Positronikspezialist blickte ihn an, als hätte er Gucky niemals zuvor in seinem Leben gesehen. Erst allmählich kam das Erkennen. »Ich benötige fünf Minuten.«

Balthasar versank erneut in seiner sonderbaren Gedankenwelt. Die biopositronische Gehirnprothese, die er seit früher Jugend trug, half ihm, bei Sozialkontakten die passenden Emotionen zu empfinden. Er konnte seine Gefühle jedoch auch abschalten, wenn er sich auf seine Arbeit konzentrieren musste. Auf Außenstehende wirkte er deshalb zuweilen wie ein lebensunfähiger Autist. Doch Gucky wusste, dass sich Balthasar sehr wohl zu helfen wusste.

Der Terraner hockte neben einem fingerdicken Paneel inmitten eines mit Aggregaten vollgestopften Raums. Darunter war das eigentliche Hirn des Bordrechners verborgen, und mit dem kommunizierte Balthasar derzeit.

Gucky schüttelte den Kopf. Er konnte und wollte nicht verstehen, wie ein Wesen direkten Kontakt mit einer Positronik aufzunehmen und sich mit ihr zu unterhalten vermochte. Balthasar benötigte dafür lediglich seine immaterielle Schnittstelle, die von der Hirnprothese bei Bedarf geschaffen wurde, und ein enormes Wissen auf dem Gebiet der Robotik.

Gucky glaubte, etwas zu hören. Das Brustfell sträubte sich, wie von selbst schweiften seine Gedanken umher.

Nichts. Die Sauerstoffatmosphäre, eigentlich gar nicht notwendig an Bord dieses Raumers, hatte ein mechanisch klingendes Geräusch herangetragen. Das Knacksen einer metallischen Dehnung oder vielleicht das Signal für den Beginn eines von vielen Testläufen, denen sich Robotschiffe regelmäßig unterzogen.

Kein Lebewesen außer ihnen beiden befand sich an Bord des tefrodischen Kampfschiffs. Es flog vollautomatisch, es folgte positronischen Befehlen. Und es war mit allen anderen Raumern seines Geschwaders synchronisiert.

Gucky knabberte lustlos an Lauchstangen, deren Vorräte im Innern seines Schutzanzugs bereits zur Neige gingen. Der Zellaktivator arbeitete unermüdlich gegen seinen Erschöpfungszustand an und hielt ihn halbwegs wach.

»Ich bin drin.«

»Hm?« Gucky schreckte hoch.

»Die Steuerung. Die Positronik. Die Synchronisation der tefrodischen Schiffe ist initiiert.«

»Du hast es tatsächlich geschafft?«, fragte Gucky überrascht. »So schnell?«

»In positronischen Begriffswelten dauerte es eine halbe Ewigkeit, unwissenschaftlich ausgedrückt. Aber ja. Ich habe es geschafft. Sag mir, welchen Befehl ich den Raumschiffen geben soll, und sie werden ihn präzise umsetzen.«

»Du bist ein Genie.«

»Ich weiß. Deine Anweisungen sind ...?«